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Full text of "Anzeiger fuer Kunde der dt Vorzeit 19 (1872)"

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ANZEIGER 



FtR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 



Neue Folge. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 



(BCDL:ur,'-;V' 



/ 



Neunzehnter Band. 

Jahrgang 1872. 

Niirnberg, im Verlag der literarisch- artist ischen Anstalt dee germaniflchen Museums. 



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Redaction des Anzeigers. 



August Essenwein, Dr. phil., I. Direktor des germanischen Museums. 
Georg Karl Frommann, Dr. phil., II. Direktor und Vorstand der Bibliothek. 
August y. Eye, Dr. phil., Vorstand der kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen. 



B e i t r a g e 

zu vorliegendem Bande haben geliefert: 



Adotphy H., Curator des stadt. Museums in Thorn. 

Bonder, J., k. Archivrath, in Miinchen. 

Bartsch, K., Dr., Professor a. d. Universitat zu Heidelberg. 

Bibrtty Ernst Freih. von, in Nurnberg. 

Birlinger, A., Dr., Professor a. d. Universitat zu Bonn. 

Brefslau, Harry, Dr., in Berlin. 

Enter, Dr., Justizrath, in Frankfurt a. M. 

Falk, J., Domkaplan, in Worms. 

Flegler? A., Dr., Archivvorstand des german. Museums. 

Grotefendy C. L., Dr., geh. Archivrath, in Hannover. 

Hausmann, Inspektor der kgl. Akademie, in Hanau. 

Heklor, Eniio, Sekretar des german. Museums. 

Beinrichy Dr., Archivvorstand, in Nurnberg. 

Bokenlohe- Waldenburg, Fiirst Friedrich Karl, Durchl., in Kupferzell. 

Jacobs, Ed., Dr. , gratl. Stolbergischer Bibliothekar u. Archivar, in 

Wernigerode. 
Ihtofy Franz, Dr., k. k., Gymnasial-Professor, in Graz. 
Kern, Theodor v., Dr., Professor a. d. Universitat zu Freiburg i. Br. 
Kohler, Reinh., grofsh. Bibliothekar, in Weimar. 
Kuckenbucky Kreisgerichtsrath, in Miincheberg. 
K&ttery Maurus, P., Bibliothekar des Stifts Kaigern in Mahren. 
Lochner, G. W. K., Dr., Stadtarchivar, in Nurnberg. 
Lodtmann, J., Pastor, in Osnabriick. 
Laffelkol* v. Colberg, Freih. v., Dr., furstl. Archivar u. Domanial- 

kanzleirath in Wallerstein. 



Lommer, Burgermeister u. Advokat, in Orlamunde. 

Luschin, A., Dr., Privatdozent a. d. Universitat zu Graz. 

Morely Gall, P., Rektor des Stifts Maria Einsiedeln. 

Mothes, Oscar, Dr., Baurath, in Leipzig. 

Oetker, Fr., Dr., in Berlin. 

Peiper, R„ Gymnasiallehrer, in Breslau. 

Raumery R. v., Dr., Professor a. d. Universitat zu Erlangen. 

Rietler, S., furstl. Fiirstenberg'scher Archivar, in Donaueschingen. 

Sauer, kgl. Archivsekretar, in Munster. 

Schmieder, P., Dr., in Neukirchen bei Lambach. 

Schneider, Friedrich, Domprabendat, in Mainz. 

Schneider, J., Pfarrer, in Finkenbach (Pfalz). 

Schultt, Alwin, Dr., Professor a. d. Universitat zu Breslau. 

Sickely Th., Dr., Professor a. d. Universitat zu Wien. 

Steffenhagen, E., Dr., Custos der kgl. u. Universitatsbibliothek zu 

Konigsberg in Pr. 
Teutsch, G. D., Dr., Superintendent, in Hermannstadt. 
Vries, M. de, Dr., Professor a. d. Universitat zu Leiden. 
Wattenbach, Wilh., Dr., Professor a. d. Universitat zu Heidelberg. 
Will, C, Dr., furstl. Thurn- u. Taxis'scher wirkl. Rath u. Archivar, 

in Regensburg. 
Wur dinger , J., Major im kgl. bayer. 2. Infanterie - Regiment zu 

Miinchen. 
Zahny J., Dr., Archivar am landschaftl. Johanneum zu Graz. 



Alphabetisches Register 

zum 

nennzehnten Bande des Anzeigers fur Knnde der dentschen Yorzeit 



I. Auffcfttze und IVottzen. 



Abbildung des alten Kolner Domes (mit Abbild.) 209 ff. 

Abensberg, Nikolaus v., s. Verruf. 

Ahrweiltr, s. Urkunden. 

Aibertus Magnus, s. Lobgedicht. 

Alterthumshunde, hohenzollerische , (Beitrage zu ders.) 219 ff. 

Analyse, chemische, ale Htilfsmittel fur den Archaologen. 377 f. 

Anfrage (das „Castrum Turulense" betr.). 208. 

Apharismeny sphragistische (mit Abbild.). 44 ff., 77 f!., 211 ff , 250 ff, 

317 ff, 382 f. 
Avaney s. Grabdenkmal. 

Bautechniky mittelalterliche : vom Mainzer Dom. 112 ff. 
Beerddgung von Ministerialen geistlicher Stifter bei ihrer Stifts- 

kirche. 221 f. 
Befestigungswerkey s. Geschichte. 
Beitrage zur Geschichte der Holzschneidekunst (mit Abbild.) 151 ff. 

287 ff, 378 ff. 
Biite, (das Lied „Frantz sickinger das Edel blut" betr.) 32. 
Bitte um Auskunft (iiber einen Siegelstempel des 14. Jahrh.) 207. 
Breslau, s. Urkunden, s. Handschriften. 
Buchy das erste in Jutland gedruckte. 55 f. 
Bur%el 188 ff. 
Canstatty s. Name. 

Carmen de natura animal ium, s. Schriftwesen. 
Castrum Turulense, s. Anfrage. 
Chronik der Reichsstadt Nurnberg : Beitrage zu ders. 383 f. 



Commission, his tori sche, bei der kgl. bayer. Akademie der Wissen- 

schaften: 13. Plenar-Versammlung. 333 ff. 
Cuilenborg, Huprecht von, 8. Urtheil. 
Druch-Erteugnissey al teste, im germanischen Museum (mit Abbild.) 

241 ff, 273 ff, 305 ff. 
Edicta ludicra. 311 ff. 

Einreiten Kaiser Ferdinand's von Wien gen Prag, 1558. 254 ff. 
Faustpfand des 15. Jahrhunderts. 53 ff. 
Ferdinand, Kaiser, s. Einreiten. 

Findling zu den lateinischen Reimen des Mittelalters. 190. 
Findlinge meist zur Geschichte von Schwabisch-Hall. 222 f. 255 f. 
Friedberg in der Wetterau. Gerettetes Fragment zur Geschichte 

dess. 10 ff. 
Qedern : graft. Stolberg. Archiv, 8. Mittheilungen. 
Geschichte der Hussiten in Prag: Beitrage zu ders. 158 ff. 
Geschichte der Stadt Hof im Voigtlande : Beitrag zu dereelben. 281 ff. 
Geschichte der Befestigungswerke Nflrnbergs : Beitrag zu ders. 350 f. 
Gladbach, 8. Handschrift. 

Grabdenkmal, deutsches, zu Avane in Valdiserchio (mit Abbild.) 15. 
Grabmal des Minnesangers Ulrich von Liechtenstein. 237 f. 
Grabsteincy mittelalterliche (mit Abbild.). 177 ff. 
Grammatiky alte (l&teinische). 119 ff. 
Handschrift aus Gladbach, fiber dieselbe. 15 f. 
Handschriften der kgl. Universitats-Bibliothek zu Breslau. Auszuge 
aus dens. 85 ff. 109 ff. 



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Alphabetisches Register zum Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



Bandtchriften geschichtlichen Inhalts in der Lindauer Stadtbiblio- 

thek. 302 ff. 366 ff. 
Handschriften, 8. Miscellen. 
Hof, s. Geschicbte. 
HohenwUern, 8. Alterthumskunde. 
Holtschneidekunst, 8. Beitrage. 

Hohstbcke: Fund im stadtischen Bauamte zu Naraberg. 69 f. 
Hugo, genannt der Primas von Orleans. 285 f. 
Hussiten, s. Geschichte. 
Hutten, Ulricb von, 8. Scbrift. 
Inventarium 8. reliquiarum, sacrae suppellectilis, ornatus, paramen- 

torum ac rerum mobilium insignis collegiatae ecclesiae 8. Ste- 

phani Moguntiae. 9f. 
Jagdgevehre , zwei, mit reicbeingelegten Schaften in der Waffen- 

8ammlung des germanischen Museums (mit Abbild.) 344 ff. 
Jutland, 8. Buch. 
Kaltenburg, a. Kriegszug. 
Klenkok, Johannes. 160. 288. 
Koburger, Anthoni, der jungere. 73 ff., 105 ff. 
Kdln, 8. Urkunde. 
Kaln: alter Dom, s. Abbildung. 
Krimhilten-Weg. 87 f. 
Kriegskunst: zur Geschichte ders. 185 ff. 
Kriegstug der Niirnberger nach Kaltenburg 1435. 48 ff. 
Leyen-Sendt, s. Weystumb. 
Liechtenstein, Ulrich von, 8. Grabmal. 
Lied: Frantz sickinger das Edel blut, 8. Bitte. 
Lindau: Stadtbibliothek, 8. Handschriften. 
Literaturgesckichte : zu ders. 4 ff., 38 ff. 
Lobgedicht auf Albert us Magnus. 214 f. 
LuUelmann, Walter, s. Wagenburgen. 
Maerlant, Jacob van, s. Trojanerkrieg. 
Magdeburg, 8. Weichbildrecht. 
Maim, Dom : Restauration dess. 68, 362 ff. 
Main%: Dom, s. Bautechnik. 
Maim: St. Stephanskirche, s. Inventarium. 
Memling, Hans, und seine Werke. 80 ff. 
Ministerialen, 8. Beerdigung. 
Miscellen aus Handschriften 12 ff., 51 ff. 
Mittheilungen aus den grafl. Stolbergischen Archiven zu Ortenburg 

und Gedern. 124 ff, 145 ff., 183 ff. 
Monasticon Cisterciense : Bitte um Material zu einem solchen. 1*75 f. 
Monate, die zwolf. 215 ff. 

Museum, german. : Versammlung des Verwaltungsausschusses. 271 f. 
Museum, germanisches : s. Druckerzeugnisse, 8. Jagdgewehre, s. Sei- 

denstoffmuster. 8. Stiicke, 8. Urkunde. 
Name Canstatt. 191 f. 



Narren-Leihen. 123 f. 340 f. 

Nernberg: Befestigungswerke, 8. Geschichte. 

Nurnberg, s. Chronik. a. Holzstocke, 8. Kriegszug. 

Ortenberg: grafl. Stolberg. Archiv, 8. Mittheilungen. 

Posttoesen: Beitrag zur Geschichte dess. 286 f. 

Prog, 8. Einreiten, 8. Geschichte. 

Primas von Orleans, 8. Hugo. 

Reime, lateinische, des Mittelalters, 8. Findling. 

Repetiergewehr, altes. 349 f. 

Ruckingen: Ausgrabungen. 364. 

Schlippenbach, Grafen von : Bitte um Material zu einer Geschichte 

dieses Geschlechts. 207 f. 
Schrift gegen Ulrich von Hutten: Anfrage. 71 f. 
Schriftwesen im Mittelalter : zur Eunde dess. : Carmen de natura 

animalium. 313 ff. 
Schw&bisch-Hall, 8. Findlinge. 
Seidenstoffmuster , zwei, des 14. — 15. Jahrh. in der Gewebesamm- 

lung des german. Museums (mit Abbild). 1 ff. 
Seidenstoffmuster, zwei, des 15. Jahrh. in der Gewebesammlung des 

germanischen Museums (mit Abbild.). 114 ff. 
Seligcnstadt, Abteikirche : bauliche Veranderungen ders. 30 f., 269 f. 

Eroffnung der Graber Einhard's und Imma's. 142. 
Sickingen, Franz, s. Bitte. 

Siegelstempel aus dem 14. Jahrh. Anfrage. 32. 
Siegelstempel, 8. Bitte. 
Sphragistih, 8. Aphorismen. 
SprHche, alte. 351 f., 352. 
Steinkistengrab : Fund. 364 f. 
Stiicke zum „Ge8chwindschiefsen" in der Sammlung des german. 

Museums (mit Abbild.). 369 ff. 
Trinklied, ein altes. 380 f. 
Trojanerkrieg von Jacob van Maerlant. 33 ff. 
Urkunde, Kolner, des 13. Jahrhunderts. 221. 
Urkunde, venetianische, im Archiv des german. Museums. 337 ff. 
Urkunden, Ahrweiler'sche. 315 f. 
Urkundtn, zwei Breslauer. 128. 
Urtheil, kammergerichtliches, gegen Huprecht von Cuilenborg, 1346., 

347 ff. 
Venedig, 8. Urkunde. 

Verruf gegen Nikolaus, Herrn von Abensberg. 381. 
Wagenburg : „Von des Zugs wegen gein Behem." 341 ff. 
Wagenburgen des 16. Jahrh. aus des bayer. Zeugmeisters zu Ingol- 

stadt Liitzelmann Artillerie - u. Feuerwerksbuch, 1582. 283 ff. 
Weichbildrecht, das sachsische oder magdeburgische. 82 ff. 
Weystumb des Heiligen Leyen-Sendts. 55. 
Worms, Domspeicher: Abbruch dess. 102. 
ZuchUgers BestelluDg. 218 f. 



II. Iilteratur - Anzoig^on. 



Berg, C. H. Edmuud v., Geschichte der deutschen Walder 139 f. 

Die Firma F. A. Brockhaus in Leipzig. 359 f. 

Brockhaus, Heinrich, F. A. Brockhaus in Leipzig. 359 f. 

Brockhaus, Heinr. Eduard, Friedrich Arnold Brockhaus. 359 f. 

Cornill, Otto, Jacob Heller u. Albrecht Durer. 138 f. 

Dederich, A., Julius Casar am Rhein. 97 ff. 

Friedrich, A., Abbildungen von mittelalterlichen und vorchrist- 
lichen Alterthumern in den Gauen des vormaligen Bisthums 
Halberstadt. 391. 

Fronmuller, Chronik der Stadt Furth. 204. 

Gdtse, Ludw., altere Geschichte der Buchdruckerkunst in Magde- 
burg. 265 f. 

Grimm, Jacob, Auswahl aus den kleineren Schriften. 31. 

Grotefend, H., Handbuch der historischen Chronologie des deut- 
schen Mittelalters und der Neuzeit. 336. 

Henne-Am Rhyn, Otto, Kulturgeschichte der neueren Zeit. 266. 

Heyne, Moritz, Grammatik der altgermanischen Dialecte. 137 f. 

Hildebrandt, Ad. M., heraldisches Musterbuch. 266 f. 

Holier, Heinrich, der Hildesheimer antike Silberfund. 140. 

Kade, Otto, „Ein feste burgk ist unser got." Der neuaufgefun- 
« dene Luther- Codex vom Jahre 1530. 171. 

Kirchhoff, Alfred, die altesten Weisthumer der Stadt Erfurt iiber 
ihre Stellung zum Erzstifb Mainz. 327 ff. 



Kdhler, Carl, die Trachten der Volker in Bild u. Schnitt etc. 169 ff. 

Kriegk, G. L., Geschichte von Frankfurt am Main. 267. 

Kurschner, Franz, Eger und Bbhmen. 393. 

Marriot, Wharton B., Vestiarium. The origin and gradual develop- 
ment of the holy ministry in the church. 65 ff. 

Mithoff, H. Wilh. H., Kunstdenkmale und Alterthiimer im Hanno- 
ver'schen, 99 f* 

Mohlj Robert von, geschichtliche Nachweisungen iiber die Sitten 
und das Betragen der Tubinger Studirenaen wahrend des 16. 
Jahrhunderts. 392 f. 

Perrot, P., Zur Geschichte des Verkehrswesens. 267 f. 

Pfister, R., Monstre - Geschutze der Vorzeit. 27. 

Prutt, Hans, Kaiser Friedrich I. 28 f. 

Quellenschriften far Kunstgeschichte u. Kunsttechnik des Mittelalters 
u. der Renaissance, herausg. v. R. Eitelberger von Edelberg. 99. 

Rathgeber, Julius, Strafsburg im sechzehnten* Jahrhundert, 1500 — 
1598. 234 f. 

Revue d* Alsace. 297 ff. 

Rossel, K., das Pfalgraben - Castell Salburg bei Homburg 392. 

Specht, F. A. K. von, Geschichte der Waffen, 27 f. 

Wattenbach, W., das Schriftwesen im Mittelalter. 303 f. 

Zeitschrift fur Ethnologie. 103 f., 203 f. 

Zeit schrift fur deutsche Kulturgeschichte. 299 f. 



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JTHrnberff . Dm Abonnement det Blat- 
tee, welebes all* Monate ereoheint, wird 
gaaaj&hrig angenommen and betragt naoh 
der nanaitan Poatoonrention bai alien Poit- 
t ai lm n und Thi HTb* i f > v* 1 J | T g t n Duuttchtandt 
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od«r S Thlr. preul*. 

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Paris b«i der dtut»chen Buchhandhmg ron 
F. Ktinckaieck, Nr. 11 rue da LiUe; ftr 



ANZEIGER 



ri urn m 



England bei Williami A Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street Covent - Garden in London; 
for Nord-Amerika bei den Poatamtern Bre- 
men and Hamburg. 

Alia ftr daa german. Mnaaom be- 
■timmten Bendungen auf dem Wege des 
Bnobhandeli warden durch den Commie- 
sionar der literar.-artiit. Anitalt dai Ma- 
seami, P. A. Brookhaui in Leipaig, be- 
fordert. 





Nene Folge. 



Nennzehnter Jahrgang. 
ORGAN DBS fiERMA NISI HEN MUSfiU] 



1872. 



JWL 




Jannar. 



Wissenschaftliche MlttheUongen. 



Zwei Seldenstoffmnster des 14.— 15. Jahrhnnderts in 
der Gewebesammlung des german. Museums. 

Bereits im Jahrgang 1869 des Anzeigers Sp. Iff. haben 
wir auf die Gewebesammlung des german. Museums im AU- 
gemeinen hingewiesen und zugleich einige Muster der alteren 
Periode abgebildet. Wir haben dabei auf die reiche Fulle 
kunstleriscber Motive aufmerksam gemacht, die sich in den 
maurischen Mustern des 13. und 14. Jhdts. und den diesen in 
Italien im 14. — 15. Jhdt nachgebildeten Mustern finden. Wah- 
rend wir damals sagten, dafs die Grenzen des Formenkreises 
zwischen den Mustern maurischer und italienischer Fabrikation 
nur schwer nachzuweisen seien, so ist seither durch Karabacek 
einiges Wichtige fiber die maurische Fabrikationsweise Aegyp- 
tens am Schlusse des 13. undBeginn des 14. Jahrh. veroffentlicht 
und eine Reihe von Mustern als entschieden maurisch, andere 
als entschieden nichtmaurisch nachgewiesen und so allerdings der 
Fonnenkreis etwas naher pracisiert worden. Wir kfinnen da- 
her die hier dargestellten zwei Muster als italienische Imita- 
tionen bezeichnen. Der Stoff Fig. 1 hat nicht nur eine Reihe 
Ornamentmotive, die maurisch erscheinen, sondern auch eine 
Inschrift auf dem Schriftbande. Diese enthalt jedoch nach gu- 
tiger Mittheilung des Herrn Dr. Karabacek, dfem sie zur Le- 
sung zugesendet wurde, derart entstellte Schriftzttge, dafs ihre 
Lesung unmoglich ist, und sich sofort zeigt, dafS der Stoff zwar 
auf dem durch maurisches Fabrikat beherrschten Weltmarkte 
auch als solcher gelten sollte, dafs aber keine maurische Hand 
denselben gewebt hat Der in unserer Abbildung dunkel wie- 



dergegebene Grund ist im Original gleichfalls dunkel. Die 
Farbe scheint dunkles Purpur-Violett gewesen zu sein; doch 
erscheint sie an einzelnen Stellen fast umbrabraun, selbst in's 
Grauliche spielend. Die hell gegebene Zeichnung ist Gold. 
Das Muster besteht aus zwei symmetrischen Motiven, die hori- 
zontal und senkrecht so geordnet sind, dafs das grOfsere Haupt- 
motiv mit den zwei flttgelschlagenden, eben aufflatternden Y6- 
geln dominiert und stets in einer Reihe im Zwischenraum zwi- 
schen den zwei gleichen Motiven der Vorder- und Hinterreihe 
steht, das kleinere aber fast wie eine untere Fortsetzung des 
grofsen die Zwischenraume ausfttllt. Die Zeichnung gibt das 
Muster in etwa V& der Naturgr5fse wieder. 

Das von Moder und, wie es scheint, auch Leichensaften 
stark mitgenommene Bruchstttck, welches das Museum einem 
Freunde und G5nner in Prag verdankt, fand sich im Grabe 
des bdhmischen KOnigs Georg von Podiebrad (f 1471), hat 
also wol spatere Yerwendung als Entstehung gefunden, da 
doch kaum eine jfingere Zeit als der Beginn des 15. Jhdts. 
dafur angenommen werden kann. Es ist aber deshalb wahr- 
scheinlich, dafs die Grundfarbe ehemals Purpur war, und dafs 
man deshalb diesen alteren, damals schon durch die burgundi- 
sche Mode und ihre Granatapfelmuster aus dem Gebrauche 
der Lebenden verdrangten Goldstoff dem Herrscher mit in die 
Graft gab, aus welcher unser Bruchstttck bei der ErOffnung 
urn die Mitte dieses Jahrhnnderts entnommen wurde. 

Das Muster Fig. 2 zeigt in seinen Motiven gleichfalls nur 
Anklange an arabische Muster, ist aber unzweifelhaft italienisch, 
wahrscheinlich etwas junger als das vorhergehende. Es ist 



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3 Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 4 

ebenso in Gold, and zwar auf nicht sehr dunklem rothen Grand die einen reh- oder antilopenartig, die andern hunde&hnlich, 
hergestellt. Es sind zwei gleich grofse and ganz ahnliche schreiten in die Flammen hinein ; zwei Laabranken gehen nach 
Motive, welche, scbrftg verstellt, mit einander wechseln. In abwftrts vom Kranze aus. Das Master 1st in ange&hr Vs der 

gezeichnet. Die eigenthumliche kunstlerische Wir- 
kang beraht daraaf, dafs die dflnnen Goldlinien 
der Flammenbdschel mit den dtlnnen Zwischen- 
rftamen des Grandes in einiger Entfernang far 
das Aage za einem hellrothen, goldscbimmernden 
Tone verschwimmen, so dafs das Master, welcbes 
sehr einfach componiert ist, im Ganzen and Gro- 
fsen von weitem den Eindrack einer horizonta- 
len Zickzackstreifenordnang macht. 

Die nfcchste Herkanft dieses Stoffes, der 
sehr dick and schwer ist, and von dem wir ein 
grofses, wohlerhaltenes, nor in der Farbe etwas 
verblichenes BrachstUck besitzen, das ans von 
einem Freande aus Hannover geschenkt warde, hat 
sich nicht feststellen lassen, ist aber aach nicht 
von Wichtigkeit , da es ja doch aaf keinen Fall 
an seinem dentschen Fnndorte fabriciert worden 
ist. 

Nttrnberg. A. Essenwein. 



Zur Literatnrgeschlchte. 

Die nachfolgenden vier Documente, beach- 
tenswerth als Beitrftge zur Literaturgeschichte, 
theilweise auch zur Heraldik, and als Beweise, 
wie hoch Geschichte and Alterthamskunde am 
Hofe Kaiser Ferdinand's I. geehrt warden, sind 
den zufallig im hannover'schen Staatsarchive aaf- 
bewahrten Originalconcepten entnommen. 
Hannover. Dr. Grotefend. 

1. Privilegium imprimendi pro Basilio 
Joanne Heroldo. 

Ferdinandus etc. Honesto docto nostro et 
sacri imperii fideli dilecto Basilio Joanni Heroldo, 
historiographo aulae nostrae caesareae familiari, 
gratiam nostram caesaream et omne bonum. Cum 
non vulgari testimonio nobis commendata et lau- 
data fuerit ac ex parte nobis ipsis jam antea 
etiam abunde perspecta opera, quam sedulo im- 
pendis historiis diligenter et bona fide conscri- 
bendis et aliorum quoque antiquorum et proba- 
torum authorum scriptis e teuebris eruendisat- 
que in lucem emittendis, prout et nunc te prae- 
claros admodum commentaries efflorescentis Ger- 
einem geflochtenen Kranze ist eine Burg; ein Flammenbttschel maniae opus multorum testimonio praestantissimum et rei- 
erhebt sich aus der Spitze des Kranzes und je zwei Thiere, publicae literariae atilissimum in centum et triginta libros 



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Amnrairrai* -fti** TTiin/ln ilnt* <lanfo/>1ion V/\i»«riiif 



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Anzeiger for Knnde der deutschen Vorzeit. 



ea jam progressus feceris, verum etiam qua fide, cultu et obser- 
vantia erga nos et S. Bom. imperium affectus sis, facere non 
potuimus, quin te aliquo liberalitatis ac munificentiae signo 
cohonestaremus, ut yirtu6 tua posthac sese acrius extolleret, ha- 
berentque posted tui exemplum, quod aemularentur. Quamob- 
rera motu proprio animo deliberato ex certa nostra scientia 
et de caesareae potestatis nostrae plenitudine, sano accedente 
consilio, te, Basilium Joannem Heroldum ac fiiios tuos poste- 
rosque et heredes omnes ex te legitime natos et nascituros utrius- 
que sexus eorumque liberos in infinitum descendentes ad no- 
men, ordinem, gradum, statum, coetum, dignitatem nostrorum 
et sacri imperii nobilium assumimus, attolimus vosque omnes 
juxta qualitatem conditionis humanae nobiles et tanquam de 
nobili genere, domo et familia nobilium procreatos dicimus et 
nominamus, et ab universis ac singulis^ cujuscumque dignitatis, 
ordinis et conditionis extiterint, pro veris nobilibus vos dici, 
nominari, haberi et reputari volumus, statuentes ac praesenti edi- 
cto nostro caesareo expresse decernentes, quod tu, Basili Joannes 
Herolde, ac successores tui ex te in infinitum descendentes per- 
petuis posthac temporibus ubique locorum et terrarum tarn in 
judiciis quam extra in rebus spiritualibus et temporalibus, ec- 
clesiasticis ac profanis quibuscumque, etiam si tales forent, de 
quibus in praesentiarum specialis mentio fieri deberet, nee non 
in omnibus et singulis actibus eisdem honoribus, dignitatibus, 
officiis, juribus, libertatibus, insignibus, privileges, praeeminen- 
tiis, gratiis et antelationibus uti, frui, gaudere et potiri possi- 
tis et valeatis ipsique possint et valeant, quibus caeteri nostri 
et sacri Romani imperii veri nobiles de nobili prosapia a qua- 
tuor avis paternis et maternis geniti utuntur, fruuntur et gau- 
dent quomodolibet consuetudine vel de jure. 

Ut autera bujus nostrae nobilitationis perpetuum maneat 
testimonium majoreque ipsam beneficio decoremus, eadem au- 
thoritate nostra caesarea antiqua et paterna tua insignia, qui- 
bus olim serenissimus princeps dominus Ludovicus, rex Hun- 
gariae et Bohemiae etc., sororius et frater noster charissimus, 
patrem tuum exornavit, infrascripto modo clementer mutavi- 
mus, auximus et locupletavimus, ac tenore praesentium muta- 
mus, augemus et locupletamus, ita scilicet, ut scutum sit duabus 
lineis, rubra et alba, quae inferiorem locum obtineat, per lati- 
tudinem in duas aequales partes divisum, quarum inferior la- 
zurea habeat depictum elepbantum croceum sen aureum, cujus 
humeri tapete sen peripetasmate ejusdem coloris instrati sint, 
cum hoc lemmate circa oras seu fimbrias inscripto : Alit Ho- 
nos Heroem; superior vero pars scuti duabus itidem lineis, 
rubra nimirum et alba sinistrum locum obtinente, per longitu- 
dinem aequaliter distinguatur, in area laeva coerulea sit foe- 
cialis, indutus paludamento aureo sen ejusmodi tunica, qua ca- 
duceatores uti consueverunt cum aquila bicipite nigra in pe- 
ctore explicitis alis, manu sinistra caduceum tenens, dextra 
yero foemori innixa, capite aperto et revincto circum tempora 
serto laureo ac croceis fasciis ab occipitio diffluentibus ; dextra 
autem pars contineat memorata tua paterna insignia, aream 



scilicet, quae a superiore angulo sinistro ad inferiorem dex- 
trura in duas partes oblique diyiditur, quarum superior coeru- 
lei coloris est, et repraesentat in ejus medio rosam candidam, 
inferior yero aurei, et continet in se truncum seu pediculum 
ejusdem rosae ita depictum, ut referat literam P. Scuto im- 
posita sit galea aperta et tornearia corona aurea et phaleris 
seu induyiis laciniisque croceis seu aureis ac lazureis ex utra- 
que parte molliter defluentibus ac circumfusis ornata. E cono 
ejusdem galeae exurgant duo cornua bubalina ita constitute, 
ut orificia aversa habeant, quorum alteram, quod dextrum est, 
superne aureum sit, inferius coeruleum, his coloribus aequali- 
ter distinctum, sinistrum yero dextro contrarium. Inter haec 
cornua pubetenus conspiciatur foecialis seu heroaldus in caete- 
ris per omnia similis illi, qui supra descriptus est; quemad- 
modum haec omnia pictoris manu ingeniosius in medio hujus 
caesarei nostri diplomatis repraesentantur, volentes et expresse 
statuentes atque decernentes, quod tu, Herolde, tuique liberi, 
heredes ac descendentes legitimi utriusque sexus in omnem poste- 
ritatem jam descripta nobilitatis et armorum insignia ex hoc * 
tempore deinceps in perpetuum in omnibus et singulis honestis 
ac decentibus actibus, exercitiis, et expeditionibus tarn serio 
quam joco, in hastilibus ludis seu hastatorum dimicationibus, 
pedestribus vel equestribus, in bellis, duellis, singularibus cer- 
taminibus et quibuscumque pugnis eminus cominus, in scutis, 
vexillis, tentoriis, sepulchris, sigillis, monumentis, annulis, aedi- 
ficiis, suppellectilibus, tarn in rebus spiritualibus quam tempo- 
ralibus et mixtis, in locis omnibus, prout vobis libitum fuerit 
seu necessitas vestra postulaverit , habere, gestare et deferre 
ac simul quibuslibet priyilegiis, immunitatibus, libertatibus et 
juribus, uti, frui ac gaudere possitis, quibus alii quoque no- 
biles armigeri seu hujuscemodi armorum et nobilitatis ornamen- 
tis decorati utuntur, fruuntur et gaudent consuetudine vel de 
jure, aptique sitis et idonei ad etc. (ut in communi forma *). 

Quapropter omnibus et singulis ecclesiasticis et seculari- 
bus electoribus principibus, archiepiscopis , ducibus, marchioni- 
bus, comitibus, baronibus, militibus, nobilibus, clientibus, capi- 
taneis, vicedominis, advocatis, praefectis, procuratoribus, offiei- 
alibus, quaestoribus, civium magistris, judicibus, consulibus, re- 
gum heraldis et caduceatoribus ac denique omnibus nostris et 
sacri imperii subditis et fidelibus dilectis, cujuscumque status, 
gradus, ordinis, conditionis et praeeminentiae fuerint, seu qua- 
cumque praefulgeant dignitate, firmiter mandamus et praecipi- 
mus, ut te, praefatum Basilium Joannem Heroldum, tuosque libe- 
ros, nepotes, haeredes et posteros ex te legitimo connubio pro- 
gnatos ac in perpetuum descensuros pragscriptis armorum et no 1 - 
bilitationis insignibus, privilegiis, immunitatibus et juribus, vobis 
hoc nostro caesareo diplomate concessis, libere, pacifice et sine 
molestia aut impedimento uti, frui, potiri ac gaudere sinant et 
denique idem ab aliis fieri curent, quatenus gravissimam indi- 
gnationem nostram et mulctam L marcarum auri pari fisco 



*) Vgl. den folgenden Adelsbrief fur Wolfgang Lazius. 



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Anzeiger fur Ktinde der deutschen Yorzeit. 



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nostro imperiali et parti laesae ex aequo, omni spe veniae 
sublata, solvendam evitare voluerint, quam poenam iis, qui hoc 
diploma et rescriptum nostrum observare neglexerint aut spre- 
rerint, quotiescumque scilicet illud violaverint, irrogandam de- 
cernimus et statuimus. In cujus rei ampliorem fidem ac testi- 
monium hisce Uteris nostris, manu nostra propria subscriptis, 
sigtllum nostrum caesareum appendi voluimus. 
Augustae YindeHcorum die 10. Aprilis 1559. 
(Schlufs folgt) 



Inventarium 

s. reliquiarum, sacrae suppelectilis, ornatus, pa- 

ramentorum ac rerum mobilium insignis collegiatae 

ecclesiae s. Stephani Moguntiae. 

Renovatum postquam pretiosiora ornamenta sacrae suppe- 
lectilis cum archivii documentis anno 1688 mense octobri ob 
invasionem Gallorum et bellicos tumultus Ratisbonam transpor- 
tata in celeberrimo Monasterio s. Emerani custodita, et anno 
1692 per Decanum S. Loth ibidem visitata, anno uero 1699 
pridie festum yisitationis S. Mariae yirginis quo die et anno 
1689 ecclesia nostra S. Stephani mandato Generalis urbis Mo- 
guntinae Gallici regiminis ante obsidionem totaliter evacuata 
et Gallica munitione cum praesentissimo ruinae periculo im- 
pleta fait, Ratisbonfc reportata ac in bono statu sine ullo damno 
reperta in ecclesiam restituta sunt. Ulustratum cum adjunctis 
notaminibus et annotatiohibus notatu dignis et ordinatum a 
Sebastiano Loth J. U. D. Decano eccl. S. Stephani. Conscri- 
ptum a Bernardo Antonio Honcamp can. capitulari ac custode 
et Nicolao Ignatio Hummel Vicario ac Sacristano. Anno 1699*). 
1706**). MDCCVII. 

Primo. Inventatio ac descriptio SS. Reliquiarum. 

imo. Yeneratione dignum Corporale ***) per effusionem 
calicis maculis sanguineis mirabiliter ac signanter conspersum 
in quadrata capsula argenteata auratis marginalibus et unioni- 
bus diversis ornata una cum magna antecessorum nostrorum 
Yeneratione hucusque custoditum; a quo anno die et quo facto 
contigerit, nondum repertum; forsan libri et documenta amissa, 
com multa desint, uti protocolla vide in registro de vicario 
Steinmetz, cum quo liber sepultus inventus ao. 1626 in se- 
pulchre 

2 d0 - Insignis pars sacrati cranii capitis s. Stephani in 
forma rotunda ad magnitudinem coronae sacerdotis ex singulari 
affectu erga s. Stephanum et Ecclesiam ejusdem Moguntiae 
donata a serenissimo principe comite Palatino Joanne Duce 
Bavarie anno 1496 iuxta lit. testimon. in pergam. sigillatas. 

3io. Yenerabile caput et corporis exuviae B. Willi gi si 
archiepiscopi et primi principis electoris Mog., fondatoris ec- 



clesiae S. Stephani in ea sepulti, et e tumba cum veneranda 
casula elevati extant in viridato reliquiario sive cista viridi 
colore depicta. 

4 to - Venerabilis lapis turns*), a rev. Dom. Theobaldo eccle- 
siae S. Stephani scholastico predicatore quondam terrae san- 
ctae ex Jerusalem cum plurimis aliis reliquiis allatus anno 
1212, de quo in magno inventario archivii plura in pedamine 
cupreo deaurato impositus et venerationi publico expositus, 
novo pedamento pulchriori argenteo aurato impositus in forma 
monstrantiae. A. 1699. Am Rande steht: De hoc P. Stenge- 
liu8, ord. 8. Bened. de cultu ss. reliq. p. 254. 

5 t0 - Colter unus, quo s. Bartholomaeus apostolus excoria- 
tus esse traditur, extat cum vagina argenteis vinculis cincta, 
manubrio similiter cinctus, quo tempore et anno ad ecclesiam 
nostram pervenerit, documenta nondum reperta vel amissa sunt. 
Serarius meminit de reb. Mog. lib. 1. cap. 17. Am Rande 
steht: P. Stengelius ord. s. Bened. de cultu ss. reliquiar. p. 272. 

6 t0 - Auffuhrung von Reliquien verschiedener Heiligen in 
cistola, R. i. a tergo signata, in fronte S. Stephani et B. Ma- 
riae Magdalenae imaginibus picta in summo altari stante. 

7mo. Yasculum vitreum argento cinctum cum casanula ar- 
gentea pedaneo argenteo innixum, mit einzelnen Reliquien. 

8. — 12, 14 u. 15 unbedeutend und darum ttbergangen. 

13. Fasciculus reliquiarum B. Elisabethae regis Hun- 
garorum filiae nuptae Landgravio Thuringiae. 

16. Fasciculus longus viridis telae cum reliquiis notatis 
de ossibus S. Bilhildis Ducissae fundatricis veteris monasterii. 
Anno 1401 per Abbatissam Claram et Conventum". 

Die ttbrigen Nummern enthalten nichts, was aufzunehmen 
wftre. — Aus Bodmann's NachlaPs mitgetheilt von 

Worms. Falk. 



•) Wird jetzt noch daaelbst gezeigt, sowie die unter Nr. 5 an- 
gefuhrte Reliquie. 



*) Durchstrichen. **) Desgleichen. 
**) Wird jetzt noch gezeigt. 



Frledberg in der Wetterau. 

Gerettetes Fragment. 

Die Versammlung des Verwaltungsraths des german. Mu- 
seums im September v. Js. wurde von einigen Mitgliedern be- 
nutzt zu einem Besuch des Pergamentlagers in Fttrth, welches 
schon so viele werthvolle Handschriften und Urkunden verschlun- 
gen, zuweilen jedoch auch zur Rettung gef&hrdeter Stttcke gefQhrt 
hat. Die Nfthe des germanischen Museums bot in manchen 
Fallen die Gelegenheit zu rechtzeitigem Einschreiten, und es 
ist deshalb zu bedauern, dafs der Handel eine andere Richtung 
genommen hat, so dafs diesmal in Fttrth nur noch wenig Reste 
zu finden waren. 

Unter diesen befanden sich zerschnittene Blatter eines Co- 
pialbuches der Burgkirche zu Friedberg, in welchem, wie es 
scheint, die leeren Blatter, welche auf die Abschriften der Pri- 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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vilegien folgten, zu fortlaufenden Eintragungen benatzt warden, 
Erworben ist die antere H&lfte eines Folioblattes, auf welcher 
zu lesen ist: 

„ltem Anno M° ccco lxxxxo quarto, domini Castrenses in- 
ciperunt constraere et edificare novam domum que debet spe- 
ctare ad plebanum ecclesie Castri super aream sitam iuxta ec- 
clesiam. que wlgaliter nuncupatur Griffensteyn. quam dominus 
Crafto de Hocsfeld et sui in hac parte coheredes contolerunt 
ad ecclesiam predictam pure propter deum. tf — Am Rande 
steht : „de domo dotis. So weit ist die Schrift von regelm&fsi- 
ger Schreiberhand und mit Roth verziert. Es folgen darauf 
einige von andern H&nden successiv gemachte Eintrfcge: 

„Item Anno domini Mo cocococ« quarto in die Margarete 
circa horam quintam post meridiem fecit domicellus Mengotus 
de Dudeipheim Junior cum semis Castrensium grande bellum 
prope Nyda et captiuauerunt Wolffonem Schenckin et Craffto- 
nem Rydesil et quam plures et dederunt ad fabricam xviij flo- 
renos. (1404 Juli 13). 

Item Anno domini MoCoOCoO quinto quinta feria ante 
palmarum (1405 April 9) fuit electus Dominus Johannes de 
Stockheim in Burggrauium per Castrenses et eodem die Re- 
signauit dominus Ebirhardus Lewe de Steinfort idem Offitium. 
Item anno domini Moccccoyijo quarta feria post Anthonij (1407 
Jan. 19) obijt dominus Ebirhardus Weyse burggrauius tunc 
temporis. Item anno domini Mocccc*vijo quinta feria post pu- 
rificacionem (Feb. 3) fuit electus dominus Ebirhardus Leo Ju- 
nior in burggrauium." 

Yon der folgenden Seite ist nun wieder die abgeschnittene 
obere H&lfte verloren; erhalten ist der Schlufs von dem un- 
sauber geschriebenen Concept einer Urkunde, die mit Zustim- 
mung der beiden Baumeister, des Burgpfarrers und anderer 
Zeugen fur die Burgkirche ausgestellt ist. Den Schlufs bildet 
ein Eintrag ttber die Entnehmung einer Summe aus dem Got- 
teskasten. 

»»(waz durchstrichen) ye hundert guldin 

xij stet (dar vor alz das he haid zfi Flanstad nicht 

vpgnomen, durchstrichen) vnd geschach myt by wesin vnde myt 
Rade hern Conr. von Belder|Jheim, Jvncker Hartmans von Bfi- 
chins, bede Bumeyster, Juncker Reinhartz von Swalbachis, (hern 
durchstrichen) Johannes vnser hern schriber, hern Conr. Ro- 
din vnsers pherrers vnde der altaristen eyn teylis, myt namen 
hern Heinrichis von Rodeheim, hern Siferidis von Elwenstadis, 
hern Conr. von Schotlin. Actum anno xvj° sexta ante omnium 
sanctorum. (1416 Oct 30.) 

Item Anno domini Mo cccco xvijo dominica ante Thome 
apostoli (1417 Dec. 18.) Her Eberhard Lewe burggraue, Jun- 
cher Lodewig Weise, her Conrad Rode pherner, Johannes 
Freulin (pder Frenlin) der schriber vnde Conrad Wasmud Bu- 
meinster sente Georgen, namen v(J dem stocke vor vnser lieben 
frauwen in der Kirchen czwenevndczwenczig gulden vyerczen 
scbill. vnde vyer heller.* 4 

Unter dem ziemlich reichhaltigen Material, welches Phi- 



lipp Dieffenbach in seiner Geschichte der Stadt und Burg Fried- 
berg in der Wetterau (Darmstadt, 1857) benutzt hat, findet sich 
nicht nur keine Erw&hnung eines solchen Buches der Burg- 
kirche, sondern auch den ftlteren Sammlern, deren Vorarbeiten 
ihm vorgelegen haben, mufs ein solches unbekannt geblieben 
sein, denn das „grande bellum" vom Margarethentag 1404 
wttrde sonst doch wohl erw&hnt sein. Auch die Reihe der 
Burggrafen wird durch dieses Fragment berichtigt Die Yer- 
nichtung der Handschrift ist also sehr zu beklagen. 

Bei dieser Gelegenheit mag zugleich erw&hnt werden, dab 
der Bibliothekskatalog des Salzburger Domkapitels von 1433 
(Cod. Mus. Germ. 8743), welchen Herr Prof. Bartsch im An- 
zeiger 1858, Sp. 292—295 beschrieben hat, durch Ankauf im 
Jahre 1855 vor einem flhnlichen Schicksale bewahrt ist. Der- 
selbe hatte jedoch damals schon seinen alten Einband einge- 
bflfst, dessen Herr von Eoch-Sternfeld im Archiv der Gesell- 
schaft f(ir ftltere deutsche Geschichtskunde 3, 101 gedenkt, und 
damals werden auch die eingeleglen Zettel verloren sein, auf 
welche noch vorhandene Zeichen verweisen. Dadurch erkl&rt 
es sich, dafs die Handschrift des Adam von Bremen, bezeich- 
net als „Mappa Terre Saxonie et Chronicon Saxonum tf , jetzt 
nicht mehr mehr zu finden ist ; sie wird Nr. 301 gewesen sein. 
Die Handschrift selbst ist in Wien noch vorhanden (Nr. 521), 
aber die Mappa fehlt; s. Mon. Germ. Script. VII, 272. 

Heidelberg. Wattenbach. 



3. 



Miscellen aus H and schrif ten. 

I. Handschriftliche Epitaphien. 

Hie ego qui iaceo thesaurus philosophiae, 

Quadruuio fueram praeditus et triuio. 
Nee genus omne stili concinnius edidit alter 

Inter eos, nomen qui meruere stilo. 
Omne quod edideram carmen, seu prosa, maronis 

Esse .uidebatur uel ciceronis opus. 
Contegor octobris gotefridus luce suprema 

Rupe sub hac. fete participes studii. 

Nee sanguis procerura nee honor nee copia rerum 
nee tibi Walt here species tutela fuere. 
Par modo iumento sanie fluis in monumento 
Ore iacens faedo grauis et uitanda putredo. 
Sed tibi, quod pane satiasti vulgus inane, 
Nunc aeternorum parit emolumenta bonorum, 
Nee sine spe ueniae prope limina sacra mariae 
Clauderis hac fossa, donee tuba suscitat ossa 

Forma, genus, mores, populi fauor, ampla supellex 
Praetereunt, pereunt nee reditura ruunt. 

His licet ornatus, licet horum pondere clarus 
Isembarde ruis, facte ruina tuis. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutechen Vorzeit 



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Spes miseris, tntela reis, solamen egenis 

VIuus eras, uiuens sit tibi uita dei. 
Ter quater et bis ter solarem uoluerat orbem 
Marcius, in cineres cam resolatas abis. 
Diese drei Epigramme nebst einem vierten, dessen sechs 
Zeilen vOllig verblichen sind *) , finden sich auf Fol. 1 b. eines 
der Rehdiger'schen Bibliothek za Breslaa angeh6rigen Lucan- 
Codex sec. XII (S. I, 5, 26 membr. in 8°) von einer oder 
zwei etwas jdngeren Hftnden eingetragen. 

4. Hoc quodcumque aides qaam parao marmore clausum, 

Nobilibus faeram grata paella procis. 
Tone lasas cecidere pii, cecidere chores, 

Cam rapait miseram mors inimiea caput. 
H§c tamen $lisios inter michi gloria manes: 
Coniagii pactam non temerasse fidem. 

Segnorellas Cambias diaas poeta. 
Aof Fol. 157 b einer von Rehdiger (1569. 6 Jenaro) in 
Verona gekaoften Handschrift von Ovid's Metamorphosen (S. I, 
6, 2 membr. 8© saec. XIII., 158 Octavbl&tter) von einer Hand 
des 15. Jahrh. eingetragen, von welcher auch — oder von 
einer gleichzeitigen — aof der letzten Seite bemerkt ist : Em- 
ptas fait dacatis 3. p 16. 

5. Tumulus hie claadit generosi Militis ossa 
Stirpe de ansoldis dicti niger sillaba grossa, 
Doctor famosas, legam regimine pio 

Regit urbes, foaet ciaes examine iusto. 
Hone mors uita priuat, que premit cetera regna, 
Annis milenis trecentis cum quadragenis, 
Quinque sint cuncti, die ) (= lunae) uigesimo iunii. 
Pro quo lector ora, qui transis qualibet hora. 
Ein zweiter Versuch lautet: 
Ansoldis natus Negriolus et ipse uocatus 
Legibus ornatus doctor fuit iste uersatus 
Moribus infasus iace( .... marmore trusus, 

Omnibus exclusus mundi usus. 

Hie urbes rexit bene ciues . . . que texit 

Et sibi connexit quosque replexit, 

Amodo priuatus est omnibus hie tumulatus 
Annis milenis trecentis cum quadragenis 
Quinque, die lune bis dena menseque iunii. 
Meque legens ora, qui transis qualibet ora 
Aus Codex Rehdigeranus S. IV, 1, 21 membr. foLsec. XTV. 
(Azonis summa), fol. la. 

6. Carmina posita ad archam abatis sci petri de- 
peruxio. facta per magistrum petrum. 
Namine diainus sacer abas hie hugolinus 
Marmore retrusus, uirtutibus omnibus usus, 
Prudens et iustus, fortis, moderatus, honestus, 

•) Der Anfang ist noch zu entziffern: 

Heu breuiore mora mors quemque rapit meliora 
Q' pietas . . . consulat bine homini 



1. 



Annis trigenis vno permansit egenis 
Prelatus dignus et dapsilis atque benignus, 
Ecclesie censum semper seruando repensum 
Von einer Hand des 14. Jahrh. ebendas. Fol. 1 b. 

II. R&thsel. 
Est quoddam flumen, quod habet mirabile nomen. 
si caput, est miles; si finem demseris, ales; 
si medium tollis, erit hoc, uenit unde cicatrix, 
flat uolat et pugnat uulturnus stillat et undat. 
Aus Cod. Vindobonensis Nr. 303, Fol. 164 a. 



2. 



Cor scit, splen ridet, iecur ardet, fel habet iram. 

ut non introeas, aut que sunt hec tria soluas: 

Qui facit et non fit, fecit et fit, non fecit et fit. 

Ebendaher fol 63 b. Der erste Vers stammt aus einer 

Synonymik (Brito?) und hat mit den folgenden gar nichts zu 

thun. Beim zweiten ist der Anfengsbuchstabe ausgespart wor- 

den: es mufs Aut heifsen. Dasselbe Verspaar theilen Wright 

und Halliwell in den Reliquiae antiquae II, 110 mit; dort 

heifst es: Hie non i. nisi q. s. etc. 

Landeshut. Ottow. 

(Schlufs folgt.) 



Zur Geschichte der Siegel Kaiser Sigismund's. 

In den Registraturbuchern des K. Sigismund (Haus-, Hof- 
und Staatsarchiv, Band F, fol. 72) findet sich folgende Auf- 
zeichnung : 

Anno domini MCCCCXVII quinta die Novembris pro parte 
invictissime regie maiestatis Roman e ego Johannes Kirchen servi- 
torum suorum minimus cum magistro Arnoldo de Bomel aurifebro 
conveni in hunc modum, videlicet quod idem Arnoldus facere 
debebit duo magna sigilla imperialis maiestatis: unum 
in quo persona imperialis cum porno et ceptro sedet su- 
per duabus aquilis quarum quelibet habet duo capita, et debent 
esse quinque clipei circumcirca personam et in circumferentia 
tituli etcetera ; item et aliud in quo simpliciter sculpta sit im- 
rialis aquila habens duo capita etcetera, pro quibus ambobus 
sigillis prefata regia maiestas solvere debebit predicto Arnoldo 
florenos Rinenses ducentos, videlicet centum immediate et cen- 
tum factis et omnimodo completis sigillis antedictis, item fa- 
ciet etiam sibi dari sex marcas argenti et in nullo alio maie- 
stas ipsa pro sigillis premissis erit aliquatenus obligata, nisi 
velit sibi aliquid ex gracia mera dare, actum Constancie anno 
mense et die quibus supra. 

Offenbar nach obigen Angaben sind die Kaisersiegel Si- 
gismund's angefertigt, welche von ROmer-Bttchner Nr. 73 und 
74 beschrieben sind. Dats sie schon im J. 1417 bestellt wor- 
den, verdient wol Beachtung. 

Wien. Th. Sickel. 



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Anzeiger fttr Kunde der deutsohen Vorzeit. 



16 



Deutsches Grabdenkmal zu Ayane in Valdiserchio. 

An der Facade der Kirche des genannten Ortes ist ein Grab- 
stein eingemauert, auf dessen Rande mit sogen. gothischen Buch- 
staben folgende Inschrift (in drei Hexametern) angebracht ist: 

Clauditur hoc 

maximus auctor duxque comesque miles Coradus sanguine 
clarus Teutonicos condam qui rex^at ag- 
mine victor. 

Die Inschrift ist, wie hier angedeutet, in drei Reihen, ent- 
sprechend den drei Seiten des Steines, und zwar oben, rechts 
und unten ausgefuhrt. Die Punkte vertreten zwei unleserliche 
Worte, welche zweimal, auf verschiedene Weise eingehauen ge- 
wesen, wodurch eine Verwirrung unter die Buchstaben gekom- 
men ist, in Folge deren keiner mehr kenntlich geblieben. 
Doch kann man sich uberzeugen, dafs das unmittelbar auf hoc 
folgende Wort keine Aehnlichkeit mit tumuh habe; die bis zu 
Ende der Reihe folgenden Zeichen lassen auf einen Genitiv 
Pluralis der zweiten Declination schliersen. 

Das obere Ende des Steines ziert eine Architektur; den 
leeren Raum fullt die Figur eines Kriegers, der id den Han- 
den den Commandostab halt und auf dem Helmc eine Konigs- 
krone tragt; daneben zwei Schilde, wie der beistehende: 



Die nicht schraffierten Balken treten aus dem Steine hervor, und 
die Linien, welche sie vom Grunde ausscheiden, sind gefurcht. 

Da in der Inschrift des Denkmales der Geschlechtsname 
des Bestatteten fehlt, kann dieser nur aus dem Wappen erra- 
then werden. Der Mangel der Farbenangabe macht auch des- 
sen Erklarung schwierig. Einige Aehnlichkeit hat es mit dem 
Wappen der Runkel, doch hat dieses aufrechtstehende Pfahle 
statt der Schragbalken. Sollte Jemand das hier abgebildete 
kennen, wurde Auskunft dankbar entgegengenommen. 

Weimar. Reinh. Kflhler. 



Ueber eine Handschrift aus Gladbach. 

Bei einem Besuch des grofsartigen Walrafschen Museums 
in E5ln, welches seinem Stifter und der Stadt KOln gleich viel 



Ehre macht, fiel mir unter den ausgelegten Handschriften 
eine kostbare, sehr schdn geschriebene in 4° der Call ationes 
patrum von Cassian auf, die wol dem zwSlften Jahrhundert 
angehbren mag. Ein Bild auf der Vorderseite des letzten Blat- 
tes stellt sieben, in einzelnen Nischen befindlicbe Aebte vor, 
vier in der obern , drei in der untern Reihe , von denen die 
drei unteren als Theodorus, Serenus und Isaac bezeichne)t sind, 
wahrend eine jttngere Hand den obern vier die Namen der 
ttbrigen im Texte benQtzten Schriftsteller begeifttgt hat: Qer- 
manus, Serapion, Pafnutius und Moysis. Zwischen beiden Rei- 
hen stehen die Verse: 

Hie patres sanctos, pater aime, videte notatos, 
Iste refert fructus quorum tibi quippe libellus. 

Auf der gegenuber stehenden Rtickseite des vorletzten Blat- 
tes sind diese Widmungsverse : 

Digne Dei miles, vitae caelestis heriles 
Contemplans sedes, mundi scis spernere sordes, 
Et florens operum clara virtute bonorum, 
Nocte dieque choros operis meditare supernos. 
Suscipe tuque librum, modo quern fero, dignius istum, 
Dicta verendorum tibi qui fert inclita patrum, 
Quis quoque subtilem studeas bene comere mentem. 
Otine frater ego temet qui semper amabo, 
Filius ut dulcem devota mente parentem, 
Haec eadem gcribi fecique tuae pietati, 
Quam confido mei precibus quoque nunc reminisci, 
Unde tuis pedibus supplex, pater abba, volutus, 
Queso tuam mitem flexis genibus probitatem, 
Ut memor esse tui digneris fratris Amandi, 
Quem tibimet fidum per cuncta tenebis amicum, 
Quo tua sit roecum semper, mea mentio tecum. 

Unter dtesen Versen ist der Donator knieend vor dem 
Abte, dem er das Buch uberreicht, dargestellt. 

Hieraus ergibt sich, dafs ein Mdnch Amandus diese Hand- 
schrift schreiben liefs fur seinen Bruder, der zugleich sein Abt 
war, Namens Otine. Nach einer Inschrift auf dem Vorsetzblatt 
in Zttgen des 15. Jahrhunderts gehdrte die Handsehrift damals 
dem Kloster Gladbach : Liber monasterii Sancti Viti martyris 
in Gladbach. Aber unter den Aebten von Gladbach kommt 
dieser Name nicht vor, und ich habe vergeblich danach ge- 
sucht. Nur im Nekrolog von Ottenbeuern kommt am 15. Juli 
ein Abt Otino vor, aber wohin er gehftrt, ist nicht bekannt. 
Auch dafs Kempten 1062 kurze Zeit einen Abt des Namens 
hatte, hilft uns nichts. Vielleicht aber findet sich noch einmal 
der richtige, und jene Verse sind gut genug, um seinem Klo- 
ster Ehre zu machen. 

Von spaterer Hand des 13. oder 14. Jahrh. stehen auf 
dem Vorsetzblatt e zwischen den Spalten des alten Textes zwei 
Verse, welche ich auch sonst schon gelesen habe: 
Laudamus veteres, sed nostris utimur annis. 
Consilium solet esse senum, iuvenumque voluptas. 

Heidelberg. W. Wattenbach. 



(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literariach-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Niirnberg. 



Gedruckt bei U. E. Sebald in NUroberg. 



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BEILAGE ZUM MZEIGER FIR KUIVDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1872. J^ I. Jannar. 



Chronik des germanischen Museums. 



Nurnberg, den 15. Januar 1872. 
Die letzten Tage des verflossenen Jahres brachten uns noch 
die erfreuliehe Mittheilung, dare S. Excellenz der kg], preufsische 
Finanzminister gestattet hat, dafs von der Verwaltungscommission 
des sequestrierten Vermogens Sr. Majestat des vormaligen Konigs 
Georg von Hannover der seiner Zeit, nach Sequestrierung des Ver- 
mogens, eingezogene Jahresbeitrag zu 200 Thlrn. vom 1. Januar 
1872 an wieder gezahlt werde. Erfreulich ist es auch, mittheilen 
zu konnen, dafs nenerdings eine Reihe deutscher Stadte zu der 
Zahl der beitragenden hinzugetreten ist, die theils in dieser, theils 
in der folgenden Nummer im Verzeichnisse der neuen Beitrager 
sollen aufgefuhrt werden. • 

In Hamburg hat sich, durch unsern Ffleger Dr. J. Voigt an- 
geregt, ein Comite gebildet, bestehend aus den Herren: Dr. H. 
Gries, Dr. A. H. Kellinghusen, Professor A. Kiefsling, Arnold Otto 
Meyer, Professor Christian Petersen, Georg Theodor Siemfsen, Se- 
nator A. Tesdorpf, Dr. J. F. Voigt, A. N. Zacharias, welches ei- 
nen Aufruf an die Bewohner Hamburgs erlassen hat, das germa- 
nische Museum kraftig zu unterstutzen , sowohl durch Jahresbei- 
trage als durch einmalige grofsere Gaben, die fiir die Herstellung 
eines Saales bestimmt sind, welcher unter dem Namen „hanseati- 
echer Saal" die Geschichte des Handels und der Schifffahrt iiber- 
sichtlich darstellen und insbesondere Erinnerungen an den Hanse- 
bund bringen soil. Dieser Aufruf hat gute Aufhahme gefanden, 
und es sind bereits namhafte Zeichnungen erfolgt, die wir, sobald 
das Resultat ubersichtlich vorliegen wird, gemeinsam bekannt ge- 
ben werden. 

Leider haben wir diesen Nachrichten auch die vom Tode ei- 
nes der eifrigsten Forderer unserer Anstalt, des Mitgliedes unse- 
res Verwaltungs- und Gelehrtenausschusses , des Hofraths und 
Professors Dr. C. B. A. Fickler in Mannheim, anzureihen. 

Nachstehende Herren haben die Gute gehabt, in Folge der 
bei der letzten Conferenz des Verwaltungsausschusses stattgefun- 
denen Wahl in den Gelehrtenausschufs einzutreten: 
Fur Kunst- und Kulturgeschichte: 
A. v. Bayer, Hofmaler, in Karlsruhe. 
Dr. Fr. Crull in Wismar. 

v. Dehn-Rothfelser, k. Baurath und Professor, in Cassel. 
Dr. Phil. Ant. Dethier, em. Direktor des osterr. Eollegs zu 

Konstantinopel. 
Ed. His-Heusler, d. z. Vorsteher der offentl. Eunstsammlung 

in Basel. 
Dr. Jul. Hflbner, Direktor der k. Gemaldegallerie zu Dresden. 
G. Jacob, Domvicar und bischofl. Assessor, in Regensburg. 
Dr. Friedr. Kenner, Custos des k. k. Munz- und Antiken- 

kabinets in Wien. 
Dr. Lehner, Hofrath und Hofbibliothekar, in Sigmaringen. 
Dr. K. Lind', Concipist im k. k. Handelsministerium, in Wien. 
Dr. W. Lotz, k. Baumeister, in Marburg. 



C. v. Liitzow, Professor, in Wien. 
J. Milde, Maler, in Liibeck. 

Dr. Carl Schiller, Direktor des stadt Museums in Braun- 
schweig. 
Dr. Alwin Schultz, Privatdocent und Custos der Univers.- 

Bibliothek in Breslau. 
James Weale in Brugge. 

Dr. Albert v. Zahn, Hofrath und Referent in der General - 
direktion der k. Sammlungen fur Kunst und Wissenschaft 
in Dresden. 
Fiir Baukunst: 
Ritter v. Ferstl, k. k. Oberbaurath, in Wien. 
K. W. Ha se, kgl. Baumeister und Lehrer der Baukunst etc., in 

Hannover. 
Jos. Erw. Lippert Ritter von Granberg, Primatial-Ar- 

chitekt, in Wien. 
Fr. Raschdorff, Stadtbaumeister, in Koln. 
Vine. Statz, k. Baurath und Diozesanbaumeister, in Koln. 
Voigt el, Dombaumeister, in Koln. 
Fflr Rechtsgeschichte: 
Dr. L. Rockinger, k. Reichsarchivassessor, in Mflnchen. 
Dr. 0. Stobbe, Professor an der Universitat zu Breslau. 
Fur Kriegsgeschichte: 

Kohler, Oberst und Commandeur des niederschles. Feldartil- 

lerieregiments Nr. 5, in Posen. 
Toll, k. pr. Major der Artillerie a. D., in Coblenz. 
Jo 8. Wtirdinger, Major im k. b. 2. Infanterieregiment Kron- 
prinz, in Miinchen. 
Fur Heraldik: 

Carl Mayer von Mayerfels, k. Kammerherr, in Munchen. 
Fur deutsche Sprache und Literatur: 

£. Fentsch, k. Oberrechnungsrath, in Manchen. 
Dr. M. Heyne, Professor an der Universitat zu Basel. 
Dr. Hoffmann von Fallersleben, Professor u. Hofbiblio- 
thekar, in Corvey. 
Keinz, Beamter der k. Hof- und Staatsbibliothek, in Miinchen. 
Dr. M. Lexer, Professor an der Universitat zu Wurzburg. 
Dr. Ernst Martin, Professor an der Univemtat zu Frei- 
burg i. Br. 
Dr. W. Scherer, Professor an der Universitat zu Wien. 
Dr. Ludw. Steub, k. Notar, in Munchen. 
Fiir nordische Mythologie: 

G. F. Bergmann, Professor, in Strafeburg. 
Fur Geschichte: 

Graf Friedr. v. Berlichingen in Karlsruhe. 

Dr. Aug. Buchholtz in Riga. 

Dr. Felix Dahn, Professor an der Universitat zu Wurzburg. 

Dr. Ernst Dummler, Professor an der Universitat zu Halle. 

Dr. Ehmck, Archivar, in Bremen. 



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19 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



20 



Dr. Leopold Eltester, k. Staatsarchivar and Archivrath, in 

Coblenz. 
Dr. Heinrich, k. Archiworstand, in Niirnberg. 
Dr. Ludwig Hanselmann, Stadtarchivar, in Braunschweig. 
Dr. Theod. v. Kern, Professor an der Universitat zu Frei- 
burg i. Br. 
Dr. A. Kluckhohn, Professor an der Universitat zuMiinchen. 
Dr. W. Maurenbrecher, Professor an der Universitat zu K6- 

nigsberg i. Pr. 
Dr. G.Meyer v. Knonau, Professor an der Universitat zu 

Zurich. 
C. W. Neumann, k. b. Hauptmann u. Adjutant, in Regensburg. 
Mathias Pangerl, furstl. Schwarzenberg. Archivbeamter, in 

Wien. 
Dr. Pyl, Vorstand des Zweigvereins f. pommer'sche Geschichte 

und Alterthumskunde zu Greifswald. 
Dr. Freih. Roth v. Schreckenstein, grofsh. bad. Kammer- 

herr und Direktor des General-Landesarchivs zu Karlsruhe. 
Dr. Karl Schirren, Professor an der Universitat zu Halle. 
Dr. Fr.Schirrmacher, Professor an der Universitat zu Rostock. 
Eugen Schnell, furstl. Hohenzollern'scher Archivar, in Sig- 

maringeD. 
Dr. Ludw. Spach, Archivdirektor, in Strafsburg. 
Dr. Fr. v. Weech, Archivrath, in Karlsruhe. 
Dr. Jul. Weizsacker, Professor an der Universitat zu Tu- 
bingen. 

Fur Geschichte und Kulturgeschichte: 
Dr. Ed. Jacobs, grafl. Stolberg-Wernigerodescher Archivar u. 
u. Bibliothekar, in Wernigerode. 

Nachdem so die langst schmerzlich empfundenen Lflcken wie- 
der ausgeglichen und zu den vielen trefflichen Krafben, die bisher 
schon im Gelehrtenausschusse thatig waren, diese neuen hinzuge- 
kommen sind, wird sich ein stets regerer Verkehr der Anstalt 
mit dem Ausschusse entwickeln. 

Durch Vermittelung des Herrn Farsten Reichskanzlers des 
deutschen Reiches und der Botschaften und Consulate sind in 
jungster Zeit folgende Pflegschaften errichtet und besetzt worden, 
deren Inhaber die Hoffhuog ausgesprochen, unter den Deutschen 
ihres Bezirkes Interesse an unserer Anstalt erwecken und uns Zu- 
flusse verschafien zu konnen. 

1. In Europa: London. Ernst v. Bunsen, k. k. Kammerherr. 
Moskau. Herm. Achenbach, Kaufmann (vom Hause Achenbach u. 
Colley jr.). Odessa. Kaiserl. deutsches Generalkonsulat. Riga. 
L. Pezold, Redakteur der Rigaischen Zeitung. Warschau. Adolph 
Libas, Banquier. Rom. Rud. Crous, kaiserl. deutscher Consul. 

2. Aufser Europa: Br us a a (Kleinasien). Carl Schwaab, 
Viceconsul des norddeutschen Bundes. B eirut. Johannes v. Haas, 
Direktor d. kaiserl. Ottomanischen Bank. St. Paul (Nordame- 
rika):| Adolph Paar. New-Orleans. J. Kruttschnitt, kaiserl. 
deutscher Consul. Caracas (Venezuela): Hugo Valentiner, Kauf- 
mann. 

Aufserdem sind folgende Veranderungen in dem Stande un- 
serer Pflegschaften vorgekommen: 

Neue Pflegschaften wurden gegrUndet in Cast ell. Pfleger: 
Pfarrer Eckert, s. 1. Dezbr. v. J. Eisfeld. Pfleger: Bernh. 
Schmidt, I. Burgermeister, s. 4. Novbr. v. J. 



Folgende Pflegschaften wurden neu besetzt: Breslau. Pfleger: 
Nowag, Oberstlieutenant a.D., s. 20. Oktober v. J. Freuden- 
stadt. Pfleger: J. Walde, Stadtbaumeister, s. 1. Januar d. J. 
Gernsheim. Pfleger: Gg. Schlosser, Diakonus, s. 1. Januar d. J. 
Gunzenhausen. Pfleger: v. Hdfslin, k. Landrichter, s. 29. Nov. 
v. J. Merseburg. Pfleger: Prof. Dr. Bezzenberger , Reg.- u. 
Schulrath, s. 1. Januar d. J. Miinchberg. Pfleger: Herm. Son- 
dermann, k. Landrichter, s. 1. Januar d. J. Saarbriicken. Pfle- 
ger: Heinr. Siebert, Buchhandler, s. 1. Dezbr. v. J. Salzburg. 
Pfleger: Dr. Leop. Spatzenegger , k. k. Professor u. Primararzt, 
8. 1. Novbr. v. J. Schmalkalden. Pfleger: Otto Gerland, Rechts- 
anwalt u. Notar, s. 1. Novbr. v. J. Eingegangen sind die Pfleg- 
schaften Quedlinburg, Worbis, Zwenkau. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden fol- 
gende neue Jahresbeitrage angemeldet: ' 

Von ttflTentlichen Kassen, Stadten etc. t Baden bel Wlen. 
Stadtgemeinde 5 fl. 50 kr. Bruck (Steierm.). Stadt 1 fl. 10 kr. Flir- 
8tenfeld (Steierm.) Stadtgemeinde 5 fl. 50 kr. Haid (Bohmen). Stadt 
Sfl.SOkr. Iglau. Stadtgemeinde llfl.40kr. Krens. Stadtgemeinde 
5fl. 50 kr. Kulmbach. Stadtgemeinde 5fl. Lobau. Stadtgemeinde 
(auf weitere 5 Jahre) 5fl. 15 kr. Mattighofen (Oberoster.). Stadt- 
gemeinde 1 fl. 10 kr.' Neumarkt (Oberpfalz). Stadtgemeinde 3 fl. 
Neumarkt (Steierm.) Marktgemeinde 1 fl. 10 kr. Oehringen. Ober- 
amtsversammlung 10 fl. Pottendorf (Niederosterr.). Stadtgemeinde 
5 fl. 50 kr. Riedt (Oberosterr.). Stadtgemeinde 3 fl. 30 kr. Vockla- 
bruck. Stadtgemeinde 2 fl. 20 kr. 

Yon Vereinen etc. t Ttiblngen. Burschenschafb Germania 10 fl. 

Von Privaten t Ansbaoh. Carl Brand, k. Notar, 1 fl. 12 kr., 
Heinr. Ad. Klinger, Pfarrer, 1 fl. 30 kr., Dr. Kretschmann, prakt. 
Arzt, lfl., Dr. Heinr. Muller, Bez.-Ger.-Arzt , 1 fl., Joh. Roth, Me- 
chaniker, 1 fl., Zimmermann, Bez.-Ger.- Assessor, 1 fl. Bremen. Ferd. 
Nilsen 1 fl. 45 kr. Castell. Wagener, grafl. Castell'scher Forstmei- 
ster, lfl. FUrth. Konr. Kriegbaum, Maier, lfl. Gangioff (Pfalz). 
Schafer, Pfarrer, 1 fl. Hbchstatten (Pfalz). Spatz, Pfarrer, 1 fl. Kbin. 
Hermeling, Juwelier, lfl. 45 kr. Nelles, Hauptmann, lfl. 45 kr., 
Stadeler, Kegierungsrath, 1 fl. 45 kr. Leipzig. H. Altendorff, Archi- 
tekt, 1 fl. 45 kr., J. Consmiiller, Tapetenfabrikant, 1 fl. 45 kr., Heinr. 
Dimpfell, Architekt, 3 fl. 30 kr., Ferd. Flinsch, Papierfabrikant, 3 fl. 
30 kr., Dr. Rob. Gericke (statt fraher 2 fl.) 3 fl.30kr., Adolf Hauitzsch, 
Dessinateur, 1 fl. 45 kr., Dr. A. Keil, Legationsrath, 3 fl. 80 kr., Otto 
Elemm, Baumeister, lfl. 45 kr., Edm. Mansfeld, Kaufmann, lfl. 
45 kr., C. G. Roder, Notendruckereibesitzer, 3 fl. 30 kr., Otto Steib, 
Baumeister, 1 fl. 45 kr., Carl Strube, Goldschmied u. Juwelier, 8 fl. 
30 kr., Dr. von Wachter, Geh. Rath u. Professor, 3 fl. 30 kr., Dr. 
Fr. Zarncke, Professor, 3fl. 30 kr., 0. Zummel, Architekt, lfl. 
45 kr. Niirnberg. Mich. Baier, Obergerichtsschreiber am k. Appell- 
gerichte, 1 fl. 45 kr., Carl Ueberhorst 1 fl. 12 kr. Pleinfeld. Mailer, 
Pfarrer, (statt 1 fl. 12 kr.) 2 fl. 24 kr. Rothenburg a. T. D. Beichold, 
k. Bezirksarzt, 1 fl. 45 kr., Ed. Dietsch, k. Studienlehrer, 1 fl., Eben- 
auer, k. Stadt- u. Landrichter, 1 fl., Fr. Muller, k. Bezirkamts-As- 
sessor, lfl., Dr. W. Schmelzer, Stadtrath, lfl. SchSsaburg. Jul. 
Reichenstadter (statt fruher 14 s /* kr.) lfl. 10 kr. Schlelz. W. H. 
Brofsmann, Kaufmann u. Stadtrath, 35 kr., G. Wendler, Justizamt- 
mann, 36 kr. Wien. Matth. Pangerl, furstl. Schwarzenb. Archivar, 
3 fl. 30 kr. Woinzach. Dom. Schugraf, Pfarrer, 1 fl. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Von PriTaten: Barn (Mahren). Hans Lichtblau, Freigutsbe- 
sitzer, 2fl. 20 kr. Rothenburg a. T. Weirsbecker, Apotheker, 1 fl. 
Hermann8tadt. Dr. G. D. Teutsch, Superintendent d. evang. Lan- 
deskirche A.B., lfl. 10 kr. 

Un8ern Sammlungen giengen ferner nachstehende Geschenke zu : 

I. Fiir die kunrt- und kulturgesohiohtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6429—6480.) 
Bremen. Eunstlervarein; Gypsabgufs eines Fuisee des ro- 
manischen Taufsteines im Borne zu Bremen. — Hletzing. S e. Ma j. 



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21 



Anzeiger fiir Kunde der deutechen Vorzeit. 



32 



Konig Georg von Hannover: Silbermeduille auf die si lb erne 
Hochzeit des Konigs Georg und der Eonigin Marie, 1868. — Hil- 
desheim. Eesselhuth, Photograph: Photographic nach dem Portal 
der St. Godehardkirche zu Hildesheim. — KBnlgsberg. Alter- 
thumsverein Prussia: 21 in der Gegend von Eonigsberg aus- 

fegrabene Gerathe von Stein, Bronze, Silber, Eisen u. s. w. 
tantien & Becker: 6 Bernsteinperlen, gefunden bei Schwarz- 
ort — Mainz. Fr. Schneider: Photographic nach der Piscina zu 
Seligenstadt — Sohioas MOhiberg a. E. H. Eisner, k. Steuer- 
rath: 2 bei Roitsch unweit Torgau gefundene Grabgefafse. — 
Munchen. Eunstanstalt von Piloty & Lohle: Nachbildung 
der Durer'schen Apostel auf der Pinakothek zu Munchen; Licht- 
druck. — Nfirnberg. Bergau, Professor an der Eunstgewerb- 
schule : Photographic nach einer geschnitzten Wiege und 3 Blat- 
ter mit Abbildungen von Alterthumern. Dr. Emmerich: 2 Sig- 
nalraketen der Pariser Forts, Eugel fur eine Wallbuchse, Zinkku- 
gel fur Eartatschen, Ziinder fiir ein Marinegeschutz und desgl. 
fur einen Vierundzwanzigpfunder. D r. m e d. M e y e r : Regensbur- 
ger Schauthaler von Er. Earl VI. Pfann, Lehrer: Taufhaubchen 
vom 17. — 18. Jhdt. S. Pickert, Antiquar: Bronzenes Christus- 
bild vom 14. Jhdt., Armbrust vom 16. Jhdt. Rhau'sche Er- 
ben: 8 Spinnrader, 2 Spinnrocken, 1 Haspel. 18. Jhdt. 12 grim 
glasierte Thonmodel und 8 eiserne Euchenformen. 17. — 18. Jhdt 
Feingeflochtener Eorb. 18. Jhdt. 1 Lichtschirm. 17. Jhdt. 2 Btir- 
sten. 17. — 18. Jhdt. 5 verzierte Eastchen. 17. — 18. Jhdt. Ver- 
ziertes Loffelfutteral , 1 alte Eile und 1 kleines Thermometer. 
1 Stuck Seidenblonde, 2 seidene Bander. 12 Strange Naturseide, 
1678. Bemalter Bleiabgufe eines Nurnberger Thalers in Holzkapsel, 
1598. 5 Medaillenformen von gebranntem Thon. 16. Jhdt. 4 ver- 
zierte Eamme mit Easten. 17.— 18. Jhdt. Verschiedenes Einderspiel- 
zeug, 17. — 18. Jhdt. u. 5 altere Eostumstiicke. Dr. Stegmann, Di- 
rektor des Gewerbemuseums : Stangenglas mit aufgemaltem Earten- 
blatt. We r der, Direktor der von Cramer-Elett'schen Fabrik u. 
Fabrikbesitzer : 1 Werdergewehr nebst drei Ladungshiilsen. Dr. 
med. Zehler: Salzburger Silbermtinze von 1681. — Schlelz. 
Eirchenvorstand: Messingleuchter mit drei Dillen. 16. Jhdt — 
Stade. Geschichts- und Alterthumsverein: 4 Silbermiinzen 
des Erzbischofs Heinrich II. von Bremen. B. Rohde, Wasser- 
bauconducteur: Aegyptische Eupfermunze aus der Ptolemaerherr- 
schaft. — Wien. Quir. Leitner, k, k. Schatzmeister: 4 Blatt 
Bausen aus dem Zeugbuche Er. Maximilians I. 



II. Fiir die Bibliothek. 

(Nr. 27,537—27,764.) 

Aarau. H. R. Sairerlander, Verlagsh. : Brunnhofer, ydAa, lac, 
der gracoital. name der milch. 1861. 8. — Amsterdam. Eon. oud- 
heidk. Gcnootschap: Dies., Jaarverslag etc. 1871. 8. — Bam- 
berg. Buchn or' sche Buchh. : Baldi, d. deutsch-patriotische u. na- 
tionale Lied u. seine Bedeutung. 1871. 8. — Basel. Gesellschaft 
zur Beforderung des Guten u. Gemeinnutzigen: Dies., 
50. Neujahrsblatt f. Basels Jugend. 1872. 4. — Berlin. S.Calvary & 
C o., Verlagsh. : Rautenberg , Berengar v. Friaul , Eonig in Italien 
888—915. 1871. 8. Verlag v. Wilh. Hertz (Besser'sche Buchh.): 
v. Redwitz, d. Lied vom neuen deutschen Reich. 1871. 8. Hahn, 
d. Erieg Deutschlands gegen Frankreich. 1871. 8. OttoJanke: 
Verlagsh. : Goltz, Shakespeare's Genius, Eindheit, Jugend u. Alter. 

D. deutsche Volksmarchen. 8. Pietsch, von Berlin bis Paris, Eriegs- 
bilder. 1871. 8. Herm. J. Eoppen, Verlagsh.: Sammtl. Eriegs- 
Depeschen des deutsch-franzos. Erieges. 1870. 8. Ebeling, Wilh. 
Ludw. Wekherlin. 1869- 8. R. Lesser' s Verlag: Leistner, was 
unsere heimkehrenden Erieger erzahlen ; Bd. I. II. 1871. 8. C. G. 
Lu der Hz' sche Verlagsh. (C. Habel) : Woltmann, d. deutsche 
Eunst u. d. Reformation ; 2. Aufl. 1871. 8. Bluntschli, d. nationale 
Staatenbildung. 1870. 8. Lewinstein, d. Alchemie u. die Alchemisten. 
1870. 8. Earsten, Maafs u. Gewicht 1871. 8. Wagner, d. Verande- 
rtmgen d. Earte v. Europa. 1871. 8. Meyer, Stimm- u. Sprachbil- 
dung. 1871. 8. Lefmann, nb. deutsche Rechtschreibung. 1871. 8. 

E. geh. Ober-Hofbuchdruckerei (R. v.Decker): v. Reumont, 
Geschichte der Stadt Rom. Bnd. I— m, 1. 2. 1867—70. 8. Literatur 



z. Geschichte des Konigs Frie&rich Wilhelm III. v. Preufsen. 1871. 
4. v. Grimm, vaterland. Erinnerungen u. Betrachtungen fiber d. 
Erieg v. 1870—71. 1871. 8. Potthast, Friedrich Wilhelm ID. E6- 
nig v. Preufsen. 1871. 8. Gebruder Patel, Verl.-Buchh. : Stede- 
feld, d. christlich-german. Weltanschauung in den Werken der 
Dichterfursten Wolfram v. Eschenbach, Dante u. Shakespeare. 
1871. 8. R. Schlingemann, Verlagsh.: Preufse, d. Franzosen- 
spiegel. 1871. 8. Der deutsche Volkskrieg gegen d. Franzosen im 
J. 1870. 8. Simon Schropp' sche Hofbuch- u. Eunsthandl. : 
Eartographische Uebersicht des deutsch-franz. Erieges. 1870—71. 
8. Le Bourget, befestigt durch d. 2. Garde -Pionier-Compagnie. 
1871. 8. Jul. Springer, Verlagsh.: Oppert, d. Presbyter Johan- 
nes in Sage u. Geschichte. 1864. 8. Muller, polit. Geschichte der 
Gegenwart; III. IV. 1870 — 71.8. Sonnenburg, Geschichte des 
deutBch-franz. Erieges 1870 u. 1871. 1871. 8. Jacobsthal, die Men- 
euralnotenschrift des 12. u. 18. Jahrh. 1871. 8. Dr. Rud. Graf 
Stillfried, k. pr. wirkl., geh. Rath u. Oberzeremonienmeister : 
StillMed, Register zu Bnd. II — VII der Monumenta Zollerana. 
1866. 4. — Bern. His tor. Verein des Eantons Bern: Ders., 
Archiv etc., Bnd. VII, 4. Heft. 1871. 8. — Braunschweig. C. A. 
Schwetschke & Sohn, Verlagsh. (M. Bruhn) : Voigtel, Stamm- 
tafeln z. Geschichte d. europaiscnen Staaten ; Heft II u. Ill, 1—3. 
1864—71. qu. 2- Friedr. Vie weg & Sohn, Verlagsh. : Wasser- 
fuhr, vier Monate auf einem Sanitatezuge. 1871. 8. Sonderabdr. — 
Breslau. Schles. Gesellschaft fiir vaterL Cultur: Dies., 
48. Jahres-Bericht, 1870. 1871. 8. Verein fur Geschichte u. 
Alterthum Schlesiens: Ders., Zeitschrift etc., Bd. X, 2. Nebst 
Register zu Bnd. VI— X. 1871. 8. Scriptores rerum Silesiacarum ; 
Bnd. VI. 1871. 4. Schultz, d. schlesischen Siegel bis 1260. 1871. 
4. — Darmstadt G. Jonghaus'sche Verlagsh.: Dieffenbach, d. 
Erieg mit Frankreich v. 1870—1871. 8. Ed. Zemin, Verlagsh.: 
Neubauer, d. deutsche Literatur im Elsafs. 1871. 8. Militarisches 
Skizzenbuch aus d. Feldzug v. 1870 u. 1871. 1871. 8. Weygand, 
d. franz. Mitrailleuse der Feldartillerie. 1871. 8. — Dorpat. Eais* 
Univcrsitat: 25 akademische Schriften. 1870 u. 71. 4. 8. — 
Dresden. Gust. Dietze, Verlagsh.: Badwitz, d. deutsche Reichs- 
land Elsafs - Lothringen. 1871. 8. C. C. Meinhold & Sohne, 
Hofbuchdr.: Gefechts-Ealender des Xn. k. sachs. Armee-Corps im 
Feldzuge 1870—71. 8. Sch rag' sche Verlagsanstalt (H.Elemm): 
Eade, der neuaufgefnndene Luther-Codex vom J. 1580. 1871. qu. 4. 
— Eichst&tt. E r iil V sche Buchh. (H. Hugendubel) : Meiser, kriti- 
sche Studien zum Dialogus u. zur Germania des Tacitus. 1671. 8. 
Dill, far d. deutsche Invaliden - Stifbung ; 8. Aufl. 8. Euchle, aus 
dem heiligen Eriege 1870. 1870. 8. — Erftirt. Verein f. d. Ge- 
schichte u. Alterthumskunde von Erfurt: Ders., Mitthei- 
lungen; 5. Heft. 1871. 8. Frankfurt a. M. F. B. Auffarth, Ver- 
lagsh. : Batton, d. Eaiserdom zu Frankfurt a. M. 1869. 8. Peschier, 
Lazarus Geiger. 1871. 8- Sonderabdr. Geiger, iib. deutsche Schrift- 
sprache u. Grammatik. 1870. 8. J. D. Sauerlander' 8 Verlag: 
Zimmermann, Joh. Heinr. Merck, seine Umgebung u. Zeit. 1871. 
8. — Frauenfeid. J. Huber, Verlagsh.: Artillerist. Notizen iib. die 
Belagerung v. Strafsburg i. J. 1870. 1871. 8. Sonderabdr. Wan- 
ner, Beitrage zur Ausmittelung der rom. Militarstation Juliomagus. 
1871. 8. — Freiburg I. Br. Herder'sche Verlagsh.: Lindemann, 
Dichterinnen u. Dialekt - Dichtungen derNeuzeit. 1871. 8. — FOrth. 
Dr. Fronmiiller sen., prakt. Arzt: Ders., Chronik der Stadt 
Furth; Lief. 4—9 (Schlufs). 1872. 8. — Sera. Ifsleib & Rietz- 
schel, Buchh.: Auf, Deutschland, aufl 8. Eonig, Deutschlands 
Feldpost 1871. 8. — Glessen. Dr. 0. Buchner, Realiehrer: Exa- 
men des principes de la revolution Francaise. 1795. 8. Gustav 
Schenk zu Schweinsberg: Ders., die Grafschaftsgerichtsstat- 
ten Maden u. Ruscheslo. 1871. 4. Universitat: 16 akademische 
Schriften. 1870 u. 71. 4. u. 8. — Gotha. Ed. Wolfgang, Hof- 
bildhauer : Ders., Verzeichnifs der Sammlung der Abgiisse im her- 
zogl. Museum zu Gotha. 8. — Gottingen. Dieterich'sche Buchh.: 
Forschungen zur deutschen Geschichte ; Bd. XH, 1. 1871. 8. Van- 
denhoeck & Ruprecht, Verlagsh.: Fick, vergleichendes Wor- 
terbuch der indogerman. Sprachen; Abth.n, 1. 2. 1870 — 71. 8. — 
Graz. Leop. Beckh-Widmanstetter, k. k. Oberlieutenant : 
Ders., Ulrich's v. Lichtenstein , deS Minnesangers, Grabmal auf d. 
Frauenburg. 1871. 8. Akadem. Leseverein: Ders., 4. Jahres- 



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23 



Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



24 



bericht. 1871. 8. — Halle. G.Erall Bar thel, Verlagsh.: Tschisch- 
witz, Shakspere - Forschungen ; II. 2. Ausg. 1868. 8. Tschisch- 
witz, articuli determinativi Anglici historia. 1867. 8. v. Hagen, d. 
Franzosen in Halle 1806— 8. 1871. 8. Buchhandlun g des Wai- 
senhauses: Lambert, d. Hallische Patriciat. 1866. 8. Schumann, 
d. Missionsgesch. der Harzgebiete. 1869. 8. Peter, der Krieg des 
grofsen Kurfiirsten gegen Frankreich, 1672 — 75. 1870. 8. Schulze, 
d. Erb- u. Familienrecht der deutschen Dynasten des Mittelalters. 
1871. 8. — Hamburg. Gesellschaft zur Beforderung der 
Kiinste u. niitzl. Gewerbe: Schlotke, Senefelder- Album. 4. 
Otto Meifsner, Verlh.: Uhde, Streifziige auf dem Kriegsschau- 
platze 1870 — 71. 1871. 8. Lehmann, Georg Gottfried Gervinus. 
1871. 8. Kollmann, d. Wirksamkeit d. allgem. Armenanstalt der 
Stadt Hamburg v. 1788—1870. 4. — Hermannstadt. Dr. G. D. 
Teutsch, Superintendent d. evangel. Landeskirche A. B. : Ders., 
zwei Jahre aus dem Leben Hermannstadts vor zwei Jahrhunder- 
ten. 1869. 8. Sonderabdr. — Jena. Fr. F rom man n, Verlagsh.: 
Strars, Handbuch der Weltgeschichte ; 6 Bnde. 1880 — 44. 8. — 
Kiel. Ernst Homann, Verlagsh.: Urkunden zur deutschen Ver- 
fassungsgeschichte im 11. u. 12. Jaiu*h. 1871. 8. Universitat: 
Dies., Schriften aus d. J. 1870, Bnd. XVII. 1871. 4. — Koln. M. 
Du Mont-Schauberg'sche Buchh.: Schmitz, Franciscus Fabri- 
cius Marcoduranus. 1871. 8. — Landshut. Histor. Verein v. u. 
f. Niederbayern: Ders., Verhandlungen etc.; Bnd. XVI, 1. 2. 
1871. 8. — Leipzig. F. A. Brockhaus, Verlh.: Straufs, Ulrich v. 
Hutten; 1. u. 2. Th. 1858. 8. Straufs, Gesprache t. Ulrich v. Hut- 
ten. I860. 8. Varnhagen v. Ense, ausgewahlte "Schriften; 1.— 5. 
Bnd. 1871. 8. Heinr. Matthes, Verlagsh.: Uravgidoe, iCroqia 
tov rcdloyeQpayixov jcoJUfiov 1870—1871; <pvXA. L-— VUI. 1871. 8. 
Guido Reusche, Buchdruckereibesitzer : Officielle Depeschen aus 
dem deutsch-franz. Kriege 1870 — 1871. gr. 4. J. Seeberg: Ders., 
die Juncker von Prag, Dombaumeister um 1400. 1871. 8. — L0- 
beck. Geschaftsfuhrender Ausschufs des deutschen 
Sangerbundes: 1. u. 2. Bericht des Ausschusses des schwab. 
Sangerbundes uber die Vorarbeiten zur Griindung eines allgem. d. 
Sangerbundes. 1862. 8. Satzungen des deutschen Sangerbundes. 
1862 u. 67. 8. Protokolle des 1., 2., 8. u. 4. Sangertages. 1862, 
65, 67 u. 71. 8. Geschaftsordnung fur den Gesammtausschufs des 
d. Sangerbundes. 1863 u. 69. 8. Berichte des Gesammtausschus- 
ses etc.; 1862—65. 1865-67. 1867—71. 8. Protokolle uber die 
4., 5. u. 6. Sitzung d. Gesammtausschusses etc. 8. — Mainz. Vic- 
tor von Zabern, Verlh.: Lindenschmit, die Alterthumer unserer 
heidnischen Vorzeit; Bnd. IH, 1. 2. u. Beilage-Hefb. 1871. 4. — 
Mi tail. Kurland. Gesellsch. f. Literatur u. Kunst: Dies., 
Jahresverhandlungen ; I. Bnd. 1819. 4. Sitzungs-Berichte aus dem 
J. 1870. 1870. 8. — Munohen. K. b. Akademie der Wissen- 
schaften: Dies., Sitzungsberichte, philos.-philol. u. histor. CI. 
1871, IV. 1871. 8. Dies., Sitzungsberichte, mathem. - phys. CI.; 
1871, n. 1871. 8. Verlag v. Mey u. Widmayer: Mais, zur Ge- 
schichte des gallischen Hahnes. 1871. Imp. 2. J. War dinger, 
k. b. Major: Inventarium Uber der bey Churf. Haubtzeughaufs 
Miinchen bis vf den 20. May 1627 inclus. verhandener Stuckhge- 
schutz etc. Pap.-Hs., neue Abschr. 2. 2 Bruchstiicke latein. Per- 
gament-Handschriften des 12. u. 13. Jahrh. Herzog Albrechts v. 
Bay era Auszugsordnungen gegen die Hussitten (1431). Pap.-Hs. 
2. — Niederndodeleben. Dr. Danneil, Pastor: Ders., Protokolle d. 
ersten lutherischen General-Kirchen- Visitation im Erzstifte Magde- 
burg a. 1562-1564; I.— HI. Heft 1864. 8. Ders., e. alte Magde- 
burg. Kirchenordnung v. J. 1400 ca. 1871. 8. — St. Nikolaas. 
Oudheidskund. Kring van het land van Waas : Ders., An- 
nalen; IV. D. 3. Aflev. 1871. 8. — NQrnberg. R. Bergau, Profes- 
sor an d. Kunstgewerbsch.: Ders., d. schone Brunnen zu Niirn- 
berg. 1871. 8. Karl Kohler, Historienmaler : Ders., d. Trachten 
der Volker in Bild u. Schnitt; 1.— 3. Heft. 1871. 8. — Oidenburg. 
Schulze'sche Buchh.: v. Alten, Verzeichnifs der Gemalde in der 
grofsb. Sammlung zu Oldenburg; 3. Aufl. 1871. 8. — Potedam. 
Ed. Doring, Verlh.: v. Winterfeld, Geschichte des Krieges zw. 
Deutschland u.Frankr. imj. 1870 u. 1871. 1871. 8. — Prag. Akad. 
Leseverein der bohm. Studenten: Ders., (Jahresbericht) 
Vyrocni zprava, 1870—71. 1871. 8. F. Temps ky, Verlagshdl.: 
v. Schulte, die Stellung der Concilien, Papste u. Bischofe. 1871. 



8. — Rostock. Universitat: 48 akademische Schriften. 1870 u. 
71. 4. 8. — Schieiz. Dr. Rich. Mauke, Diakonus: Frank, d. k. 
k. evang.-theolog. Facultat in Wien. 1871. 8. — Sigmaringen. Ver- 
ein f. Geschichte und Alt erthumskunde in Hohenzol- 
lern: Ders.: Mittheilungen etc., III. Jhrg. 1869—70. 8. — Steo- 
dai. Franzen u. Grofse, Verlagsh.: Gotze, urkundl. Geschichte 
der Stadt Stendal; 1. u. 2. Lief. 1870. 8. — Strassburg. Friedr. 
Wi lh. Bergmann, Professor: Ders., la fascination de Gulfi, traite 
de mythologie Scandinave etc. 1871. 8. Ders., le messager de 
Skirnir et les dits de Grimnir. 1871. 8. Moritz Schauenburg, 
Verlgh. : Facsimile d. Capitulation Strafsburgs im J. 1681. 8. Die 
polit. Gemeinden des Elsafses. 1871. 4. — Stuttgart. Direktion 
des k. w. gen. Haus- u. Staatsarchivs: Wirtembergischea 
Urkundenbuch; IH. Bnd. 1871. 4. Verlag v. Ed. Hallberger: 
Miiller, illustr. Geschichte des deutsch-franz. Kriegs; 1. — 6. Lief. 
1871. 8. Hoffmann'sche Verl. -Buchh.: Maurer, deutsches Hel- 
denbuch; 15. u. 16. Lief. (Schluis). 1871. 2. A. Kroner, Verlh.: 
Menzel, unsere Grenzcn. 1868. 8. Menzel, was hat Preufsen fur 
Deutschland geleistet? 1870. 8. Bacmeister, germanistische Klei- 
nigkeiten. 1870. 8. Jul. Maier, Verlhndl.: Der Welthandel; 
IV. Jahrg., 2. Heft 1872. 8. E. Schweizerbart'sche Verlh. 
(E. Koch): Darwin, d. Abstammung des Menschen; Bnd. II, 1. 
1871. 8. — Tubingen. H. Laupp'sche Buchh.: Brischar, Beurthei- 
lung der Controversen Sarpi's u. Pallavicini's in der Geschichte d. 
Trienter Concils; 2. Thle. 1844. 8. Haas, Geschichte der Papste. 
1860. 8. Linsenmann, Michael Baius u. die Grundlegung des Jan- 
senismus. 1867. 8. Universitat: 19 akademische Schriften. 1870. 
4. 8. — Utrecht. Historisch Genootschap: Dies., Kroniek; 
26. Jaarg., VI. Ser., 1. Deel; 1871. 8. Dies., Werken , n. Ser. 
nr. 14— 16. 1871. 8. — Yenedig. J. R. Istituto Veneto di scienze, 
lettere ed arti: Dass., memorie etc.; vol. XV, 2. 1871. 4. — 
Wien. Kais. Akademie d. Wissenschaften: Dies., Sitzungs- 
berichte, philos.-histor. CI., Bnd. 66, 2. 3. 67,1—3. 68, 1. 1870 u. 71. 
8. Denkschriften, philos.-histor. CI., Bnd. 20. 1871. 4. Archiv 
etc.; Bnd. 43, 2. 45, 1. 2. 46, 1. 2. 47, 1. 1870 u. 71. 8. Fontes 
rerum Austriacarum; II. Abth., Bnd. 31. 32. 34. 1870 u. 71. 8. Al- 
manach; 21. Jahrg. 1871. 8. Wilh. Braumiiller, k. k. Hof- u. 
Univers.-Buchh. : v. Prokesch-Osten, Denkwiirdigkeiten aus d. Le- 
ben des Feldmarschalls Fiirsten Carl zu Schwarzenberg. 1861. 8. 
Weinhold, mittelhochd. Lesebuch. 2. Aufl. 1862. 8. v. Gebler, das 
k. k. osterr. Auxiliarcorps im rufsischen Feldzuge 1812. 1863. 8. 
v. Thielen, Erinnerungen aus d. Kriegsleben eines 82jahr. Vetera- 
nen. 1863. 8. Mollinary, Studien lib. d. Operationen u. Tactique d. 
Franzosen im Feldz. 1859 in Italien. 1864. 8. Zingerle, d. deutschen 
Sprichworter im Mittelalter. 1864. 8. v. Hellwald, Maximilian I., 
Kaiser v. Mexico ; 2 Bnde. 1869. 8. Ebrard, Handbuch d. mittel- 
galischen Sprache. 1870. 8. v. Janko, Lazarus Freih. v. Schwendi. 
1871. 8. Quellen8chriften f. Kunstgeschichte u. Kunsttechnik des 
Mittelalters u. der Renaissance, hg. v. Eitelberger v. Edelberg; I. 
II. 1871. 8. Dr. KarlLind, Concipist im k. k. Handelsministe- 
rium: Ders., die Wandgemalde im Nonnenchor der ehemal. Stifts- 
kirche zu Gurk in Karnten. 1872. 4. Matth. Pangerl, furstl. 
Schwarzenberg. Archivar: Krafi% ein Grofsgrundbesitz der Gegen- 
wart. 1872. 8. Alexander Posonyi, Kunsthandler : Ders., Ca- 
talog der reichhaltigen u. kostbaren, v. Hrn. Wilh. Koller hinter- 
lassenen Kunst-Sammlungen. 1871. 8. R.v. Waldheim, Verlh.: 
Geschichte der Jesuiten. 1870. 8. Reschauer, Geschichte der Wie- 
ner Revolution; Lief. 1—42. 1871. 8. Geschichte des deutschen 
Reiches; Lief. 1—5. 1871. 8.— Wlsmar. Dr. Fr. Crull: Kurtzer 
Bericht v. dem Tode des weltkiindigen Johan Reinholdt v. Pat- 
kul. Pap.-Hs. 18. Jahrh. 4. Tittel seines Geldes wol werth. 1632. 
4. Apologia v. Verantwortungs-Schriffl, aufs was hohen, wichti- 
gen vnd furdringenden Vrsachen, etliche zu Eger .... anwesende . . . 
Krie(g)8officiri , an den gewesten kays. Generalissimum Albrechten 
Hertzogen zu Friedland . . . Hand anzulegen . . . bewogen vnd ge- 
trungen worden. 1634. 4. — WOrzburg. Stahel'sche Bach- u. 
Kunsth. : Eulenhaupt, kurze Beschreibung der Kreishauptstadt 
Wurzburg. 1869. 8. Dahn, d. Schlacht v. Sedan. 1871. 8. Samm- 
lung der ofHciellen Depeschen d. deutsch-franz. Krieges 1870—71. 
1871. 8. — Ziirieh. J. Herzog, Verlagsh.: Anzeiger f. schweiz. 
Alterthumskunde; 4. Jahrg., 1871, Nr. 4. 8. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutechen Vorzeit. 



26 



IE. Fiir das Archiv. 

(Nr. 4228 — 4228.) 

An8baoh. Wilhelm Schratz, Regierungsregistratur-Funk- 
tionar: Lehenbrief Gangolf Ringers, des Dechanten, sowie des 
Kapitels des Stiftes zu Set. Stefan in Bamberg, fiir die Dorfmeister 
and die ganze Gemeinde des Dorfes Kleinreut hinter der Yeste, 
uber den grofsen and kleinen Zehnten daselbst mit alien Zugeho- 
rungen. 1448. Pap. Abschr. — N Urn berg. Bern hard Freih. von 
Hirschberg, Landgerichtsassessor : Wappenbrief Kaiser Maximi- 
lians I. an Peter Totzler, Lehrer der Rechte, zur Belohnung der 
dem kaiserlichen Hause wie dem Reiche geleisteten Dienste. 1512. 
Perg. Wappenbrief der Pfalzgrafen Otto Heinrich und PhUipps, 
Gebruder, an Melchior Dotzler, auf dessen geziemendes Ansuchen 



und in Anbetracht der von ihm bewahrten Anhanglichkeit. 1644. 
Perg. — Pleinfeid. J. B. M tiller, Pfarrer: Gnadenbrief Maximi- 
lian Josefs, Kurfursten und Herzogs in Bairen, fur Georg Felix 
Sebastian Herrn von Werndle, uber sechshundert Gulden, aus 
dem Rentamt Amberg zu entrichten. 1769. Perg. — Wiirzburg. 
Wolfgang Freiherr von Bibra: Ledigungsbrief der Beamten 
der Herrschaft Breuberg (im Odenwalde) fur den zu Schneyberg 
bei Amorbach angesiedelten Georg Bingel aus Reichern, worin 
derselbe, falls er nicht mehr in seine Heimat zuriickkehre, von 
der Leibeigenschaft freigesprochen wird. 1657. Pap. Orig. Gehor- 
samste Erklarung der Schwester Maria Rosa de Lacrymis , Aeb- 
tissin des Klosters der Servitinnen zu Munchen, an den Kurfursten 
Maximilian Josef, worin sie auf die Verlassenschaft der Wittwe 
Anna Maria Kimmerlin ganzlich Verzicht leistet. 1772. Pap. Orig. 



Chronik der Mstorischen Verelne. 



Sitzungsberichte der kaiserl. Akademie der Wis- 
genschaften. Philosophisch-historische Classe. Sechsundsechzig- 
ster Band. Jahrgang 1870. Heft I bis m. Wien, 1871. 8. 

Ueber das lateinische und romanische Element in der baski- 
schen Sprache. Von Dr. G. Phillips. — Beitrage zur alteren ti- 
rolischen Literatur. II. Hans Vintler. Von Dr. J. V. Zingerle. 

LXVH. Band. Abhandlungen aus dem Gebiete der alten Ge- 
schichte. V. Ueber den Auslauf der romischen Geschichte in die 
byzantinische und die Gliederung beider. Von C. Hofler. — Bei- 
trage zur Morphologic und Entwickelungsgeschichte der Sprachen. 
Von Dr. Fr. Mflller. — Ueber das Testament Kaiser Heinrich's VI. 
Von J. Ficker. — Prufung des iberischen Ursprunges einzelner 
Stammes- und Stadtenamen im stidlichen Gallien. Von Dr. G. Phil- 
lips. — Bibliotheca Patrum Latino rum Italica. HI. Die Ambrosia- 
nische Bibtiothek in Mailand. Von A. ReifFerscheid. — Ueber eine 
in der Nahe von Castellon gefundene iberische Inschrift. Von 
Dr. G. Phillips. — Ueber die Zeit und den Ort der Entstehung 
der Brachylogus juris ciyilis. Von J. Ficker. — Zur Suffixlehre 
des indogermanisohen Verbums. m. Von Dr. Fr. Miiller. — 

LXVIH. Band, Heft I. Die Summa Decreti Lipsiensis des Co- 
dex 986 der Leipziger Universitatsbibliothek. Von Dr. J. Fr. Bit- 
ter v. Schulte. — Beitrage zur Literatur uber die Decretalen Gre- 
gorys IX., Innocenz VI., Gregorys X. Von dems. 

Archiv fiir osterreichische Geschichte. Hrsg. von 
der zur Pflege vaterlandischer Geschichte aufgestellten Commission 
der k. Akademie der Wissenschaften. Band 45 — 47, 1. Halftc. 
Wien, 1871. 8. 

Das Reformations- Libel 1 des Kaisers Ferdinand I. vom Jahre 
1562 bis zur Absendung nach Trient. Von Dr. Th. Sickel. — Re- 
gesten zur Geschichte des Herzogthums Troppau (1061 — 1464). 
Von Franz Kopetzky. — Correspondenz des Cardinals Franz Fiir- 
9ten von Dietrichstein von 1609 — 1611. Mitgetheilt von Ri- 
chard Trampler. -— Liber cancellariae Stanislai Ciolek. Ein For- 
melbuch der polnischen Konigskanzlei aus der Zeit der hussi- 
tischen Bewegung. Herausg. von Dr. J. Caro. — Johann Christof 
Bartenstein und seine Zeit Von Alfred von Arneth. — Reforma- 
tions- Artikeln des Erzbischofs von Prag Anton Brue aus dem Jahre 
1564. Von Dr. B. Dudik. — Die Lorcher Falschungen. Ein neuer 
Versuch, das Entstehen der Lorcher Fabel zu erklaren. Aus dem 



literarischen Nachlasse Friedrich Blumberger's zusammengestellt 
von Adalbert Dungel. — Holland und der osterreichische Erbfolge- 
Krieg. Von Dr. Adolf Beer. — Geschichte des einstigen Colle- 
giat-Stiftes Ardagger in Nieder-Oesterreich. Von Gottfrid Ed- 
mund Fries. — Zur Geschichte des Friedens von Aachen im Jahre 
1748. Von Dr. Adolf Beer. — Ueber das Vorleben Arnu's, ersten 
Erzbischofes von Salzburg. Von Dr. Al. Huber. — Miinzgeschicht- 
liche Vorstudien. Von Dr. Arnold Luschin. 

Fontes rerum Austriacarum. Oestereichische Geschichts- 
Quelien. Hrsg. von derselben Commission. Zweite Abtheilung. 
Diplomataria et acta. XXXI. Band. Sammlung von Urkunden 
und Urbaren zur Geschichte der ehemals Freisingischen Besitzun- 
gen in Oesterreich. Hrsg. von J. Zahn. Wien, 1870. 8. 

XXXn. Band. Der Congrers von Soissons. Nach den In- 
structionen des kaiserlichen Cabinets und den Berichten des kai- 
serlichen Botschafters Stefan Grafen Kinsky. Hrsg. von C. Hofler. 
I. Band. Die Instructionen und Berichte des J. 1729 enthaltend. 

XXXIV. Band. Urkundenbuch des Augustiner Chorherren-Stif- 
tes Neustift in Tirol. Hrsg. von Th. Mairhofer. 

Denkschriften der k. Akad. d. Wissensch. Philos. - histor. 
Classe. 20. Band. Wien, 1871. 4. 

Anna von Luxemburg, Kaiser Karls IV. Tochter, Konig Ri- 
chards H. Gemahlin, Konigin von England. 1382 — 94. 

Almanach der k. Akad. der Wissensch. 21. Jahrg. 1871. 
Wien. 8. 

Die avignonesischen Papste, ihre Machtfulle und ihr Unter- 
gang. Vortrag von Dr. C. Hofler. 

Heraldisch-genealogische Zeitschrift. Organ des 
heraldischen Vereines „Adler" in Wien. Wien, Decemb. 
1871 : I. Jahrg., Nr. 12. Janner 1872 : H. Jahrg., Nr. 1. 4. 

Heraldische Schildhalter. Von Friedr. R.-Freyherrn von Wald- 
bolt-Bas8enheim. — Biograflsche Beitrage zur Geschichte des h. 
Hauses Braunschweig. 1. Herzog Maximilian Wilhelm von Braun- 
schweig, 2. Carl Philipp Herzog von Braunschweig. 3. Christian 
Herzog von Braunschweig. — Unedirte Quellen. Matt (Geschlecht). 

— Rosel von Rosenhof. (A. Grouser.). — Zimmermann. (Ders.) 

— Nachtrag zum Stammbuche des Georg Ulrich Freiherrn von 
Kheynach. — Schauplatz des nieder-osterreichischen landsafsigen 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



28 



Adels vom Herren- und Ritter-Stande vom XI. bis zum Ende des 
XVm. Jahrhunderts. Von Franz Karl Wifsgrill. 

DerKirchenschmuck. Blatter deschristlichen Kunst- 
vereines derDiozeseSeckau. II. Jahrg. 1871. Nr. 12- Graz.8. 

Restauration eines alten Tafelgemaldes (in Mariahof). (H. 
Schwach.) — Die Butzenscheibe. (P. Gerard Bautraxler). — Far- 
bong der Kirchen. 

Abhandlnngen der historischen Classe der konig- 
lich bayerischen Akademie der Wissenschaften. Eilften 



Bandes dritte Abtheilung. In der Reihe der Denkschriften der 
XLI. Band. Miinchen, 1871. 4. 

Ueber Jourdain de Blaivies, Apollonius von Tyrus, Salomon 
u. Marcolf. Von Hofmann. — Ueber neu aufgefundene Bruchstucke 
einer Handschrifb des Parzival. Von dems. — Ueber einen ober- 
deutschen Johannessegen. Von dems. — Ueber die Grundlage 
des dem Ruprecht von Freising beigelegten Landrechtes. Von 
Rockinger. — Die Strafsburger Handschriften des sogenannten 
SchwabenspiegelB. Von dems. 



IVachrichten. 



Literatur. 

Neu er8chienene Werke. 

1) Monstre-Geschiitze der Vorzeit. Aus dem Russiscben 
ubersetzt von R. Pfister. Cassel u. Leipzig, Fr. Luck- 
hardt. 1870. 8. 32 Stn. u. 3 Tafeln. 

Das Original der Broschiire ist eine Besprechung eines engli- 
sohen Werkes des Generals Leffroy, das dieser bei Gelegenheit der 
Uebertragung eines alten grofsen tfirkischen Geschotzes in das 
Arsenal bei Woolwich veroffentlicht hat Die Uebersetzung fuhrt 
diesen inter essanten Gegenstand dem deutschen Publikum vor; 
sie bespricht die bei Eroberung Konstantinopels verwendeten und 
die tiirkischen Monstregeschiitze des 16. und 16* Jahrhunderts, 
die Jahrhunderte lang ihren Platz in den Dardanellenschlossern 
hatten, sodann die tolle Grete zu Gent, den Mons Meg in Edin- 
burgh, einige in Indien befindliche Colossalgeschiitze , sowie die 
russische Kaiserkanone Zarj - Puschka. * 

Geometrische Risse und perspektivische Ansichten einiger die- 
ser Geschiitze geben uns ein treues Bild. Die Zahl der zu be- 
sprechenden Stucke hatte sich indessen noch um nicht wenige 
vermehren lassen. 

2)Geschichte der Waff en; nachgewiesen und erlautert 
durch die Kulturentwickelung der Volker und Beschreibung 
ihrer Waffen aus alien Zeiten von F. A. K. von Specht. 
Leipzig, Luckhardt. 1870. 8. I. Bd. IV u. 525 Stn.; 
18 Tafeln. 

Das Werk ist in der Absicht, die gemeinsame Entwickelung 
der Kultur und des Waffenwesens zu zeigen, breit angelegt und be- 
ginnt in der That mit den ersten Menschen. Die Entstehung und 
Verbreitung des Menschengeschlechtes, seine Erhebung zur ersten 
Kulturstufe und die Ausbildung der Religionen nimmt der Verfasser 
zum Ausgangspunkte for die Entwickelung seiner Theorien. Fur die 
entwickelte Religionsphilosophie nimmt der Verfasser die Freiheit 
in Anspnich, seine Meinung offen auszusprechen, auch wo sie mit 
der herkommlichen allgemeinen in Widerspruch steht. Andere 
Zweige der Kultur, insbesondere die Technik, stehen in natiir- 
lichem Zusammenhange mit dem Waffenwesen und werden damit 
ver8chmolzen, andere bei Gelegenheit von Gegenstanden darge- 
than, die sowohl friedlichem als kriegerischem Gebrauche gedient 
haben konnen. Wenn ja alle Zweige der Kultur bei jedem Volke 
im allgemeinen einen ahnlichen und nahezu gleichzeitigen Ent- 



wickelungsgang durchmachen, der durch die Natur des Volkes 
bedingt ist, so dafs man gewissermafsen jeden Einzelzweig heraus- 
greifen und als Mafsstab fur die Kulturentwickelung aufsteilen 
kann , so selbst den Gebrauch der Seife , so kann gewifs bei der 
iiberwiegenden Bedeutung, welche das Kriegswesen bei alien Vol- 
kern hatte, die erst dem Hohepunkt ihrer Entwickelung zustreb- 
ten, der Verfasser das Recht fur sich in Anspruch nehmen, die 
Waffen als Mafsstab zu betrachten. Das Werk ist auf 4 Bande 
berechnet. Der I. Band, welcher uns hier vorliegt, umfafst aufser 
einer allgemeinen Einleitung die Steinzeit, Bronze- und Eisenzeit 
derjenigen Volker Europas, die nicht schon im Alterthum eine 
klassische Kultur errangen, also vorzugsweise der Celten, Germa- 
nen und Slaven. Da er jedoch die Eisenzeit bis in die Zeit des 
Hohepunktes der Entwickelung der inittelalterlichen Kultur, also 
bis ins 13. und 14. Jhdt. rechnet, so ware es wohl erforderlich 
gewesen, die klassischen Epochen vor der Eisenzeit zu behandeln. 
Die Breite der Anlage und daraus hervorgehende vielfaltige Wie- 
derholungen erklart der Verfasser aus der Tendenz, das Buch 
auch zu einem praktischen Nachschlagebuch zu machen, bei dem 
Verweisungen stets unzweckmalsig sind. 

3) Kaiser Friedrich I. von Hans Prutz. Erster Band. 
1152 — 1165. Danzig, Verlag von A. W. Kafemann. 1871. 
8. XIV u. 452 Stn. 

Es mufs bei dem Stande , den die Geschichtswissenschaft in 
Deutschland seit mehreren Decennien eingenommen hat, als eine 
geradezu auffallende Erscheinung bezeichnet werden, dafs einer der 
grofsten und auch im Munde t des Volkes gefeiertsten Kaiser des 
Mittelalters bis auf die neueste Zeit von den Forschern noch nicht 
in dem Mafse beriicksichtigt worden war, wie dies in Bezug auf 
alle seine Vorganger und viele seiner Nachfolger auf dem deut- 
schen Kaiserthrone der Fall ist. Erst die jungsten Tage brachten 
einige Spezialarbeiten liber die Zeit des gewaltigen Staufers, und 
in dem vorliegenden Buche begriifsen wir eine den Stempel der 
heutigen Forschung an sich tragende Geschichte des alten Barba- 
rossa. Das Werk beruht vorzugsweise auf selbstandiger Quellen- 
forschung; auch sind die vorhandenen Vorarbeiten sehr fleifsig 
benutzt. Doch „weifs der Verfasser sehr wohl, dafs manche Ein- 
zelheit ubersehen sein wird, dafs ein oder das andere entlegene 
oder schwer zugangliche Hilfsmittel unbenutzt geblieben sein mag ( 
(8. Vorrede IV), was um so eher seine Entschuldigung findet, als 
es sich hier keineswegs um eine lediglich der Wissenschaft die- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



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nende Arbeit handelt, sondern derselben auch die Absicht zu 
Grande liegt, „dem reiohen Stoffe eine Form zu geben, welche 
auch aufserhalb des Kreises der eigentlichen Fachgenossen Leser 
gewinnt and auch dem nicht gelehrten Freunde der grofsen Ver- 
gangenheit Genufs and Frende an dem Leben des grofsen Roth- 
bart ermoglicht" Uebrigens ist das Buch auch mit einer Reihe 
?on eingehenden Studien ausgestattet, welche in den Beilagen ihre 
Stelle gefunden haben and die, sum Theil wenigstens, von ent- 
schieden wissenschaftlichem Werthe sind. Dasselbe gilt von den 
unter der Bezeiohnong „Urkundliche Materialien" beigefagten Un- 
tersuchungen uber 20 Eaiserurknnden. C. W. 



Aufs&tee in Zeiischriften. 

Das Ausland: Nr. 1. Zur vergleichenden Religionsgeschichte. 

Fr. Spiegel.) — Die Bedeutung des Namens „Schweiz". 
Die Biene: Nr. 36. Weihnachtsspiele. (Jul. Feifalik.) 
Europa: Nr. 50. Blokade eines Elosters (zu Kirchheim n. Teck, 

16. Jbdt.). — Die Tartaren in Berlin (17. Jhdt). (Herm. Zippel.) 
Die Gartenlaube: Nr. 2. Schlofs Scharfenberg beiMeifsen (und 

„der Abbruch der Ringmauern Niirnbergs mit ihren Thurmen"). 
(Herbert Kdnig.) 

Die Grenzboten: Nr. 1, S. 85. Die monumentale Mosaik-Ma- 
lerei in Dentschland. 

Der Eatholik: Okt. 1871. Wilhelm Damasi Linden, erster Bi- 
ichof von Roermonde. 

Eorrespondent v. a. f. D. : Nr. 17. Der Schafflertanz in Mun- 
chen. (A. Abdztg.) 

Illustr. deutsche Monatshefte: Nr. 87 (183), S. 329. Hros- 
witha, die „helltonende Stimme von Gandersheim." (Th. B.) 

Organ fur christl. Kunst: Nr. 22. Die erste Malerbruder- 
schaft in Prag. (B. Grueber.) 

Neue Freie Presse: Nr. 2682, S. 8. Brigitta-Au oder Brigit- 
tenaa? Brigittabrucke oderBrigittenbriicke? Eine Streitfrage. 

Norddeutsehes Protestantenblatt: Nr. 46. Luther, der 
deutschen Classiker erster und grofaester. (M. Baumgarten.) 

Revue generale de l'architeoture et des travaux pu- 
blics: Vol.28, col. 101. Heurtoir du XV. siecle a Bale. Heur- 
toir du XVL siecle a Toulouse. — Col. 102. Hotel Lamoignon 
a Paris (XVI. siecle). — Col. 149. Croisee d'une maison a Tou- 
louse (XVI. 8.) — Col. 160. Fenetre d'scalier de l'hotel de Las- 
bordes, a Toulouse. 

Bevue des deux mondes: 15. Dec. 1871, p. 810. Les origines 
du Germanisme. (A. Geffroy.) 

K. pr. Staatsanzeiger: Beil., Nr. 28. Die Burg Tangermunde. 

— Hausinschriften in Hannover. — Nr. 29 f. Zur Geschichte der 
Stadt Strafaburg. — Nr. 81. Zur Geschichte des Wechselrechts. 

— Nr. 82. Drei Graber frankischer Bitter in der Klosterkirche 
zu Berlin. 

Deutsche Warte: 1. Band, 1. Dec-Heft Neue Holbeiniana vor 
und wahrend der Holbeinausstellung zu Dresden. 1. 

Der Welthandel; 1872, 2. Heft. Zur Geschichte der deutschen 
Flotte und der deutschen uberseeischen Unternehmnngen im 

17. Jahrh. (Dr. Richard Andree.) 

Wochenblatt der Joh.-Ord.-Balley Brandenburg: Nr. 2 f. 
Zur Geschichte des Aussatzes und der Krankenpflege im Mit- 
telalter. 



Zeitschrift f. bild. Kunst: 7.Band, 3. Heft, S.81. Die Kiinst- 

ler von Haarlem. Mit 2 Radirungen. I. (W. Bode.) — S. 93. 

Das Eirchlein von St. Helena in Tirol. — S. 95. Die Statuen 

am schonen Brunnen zu Niirnberg. (R. Bergau.) 
Neue Zeitschrift f. Musik: Nr. 47. 48. Ueber den Ursprung 

der Musik und ihre Ausbildung. (Prof. Dr. N. M. Petersen.) 
Allgemeine Zeitung: Beil. Nr. 9. Die Gemaldegallerie in 

Karlsruhe. I. (Alfred Woltmann.) — Nr. 11. Pirkheimer und 

Scheurl. (Lochner.) 
Illustr. Zeitung: Nr. 1487. Johannes Kepler. — Der Holbein'- 

sche Madonnenstreit. — Nr. 1488. Das Escaladefest in Genf. — 

Thann im Elsafs. — Geschichte der Schulbank. 
Kolnische Zeitung: Nr. 858, 1. Bl. Reisebriefe aus Siebenbur- 

gen. 14. Alterthumliches. . 



Vermischte Nachrichten. 

1) Die baulichen Veranderungen, welche seit einigen Jahren 
an der ehemaligen Abteikirche zu Seligenstadt am Main 
(zwischen Hanau und Aschaffenburg) vorgenommen werden, haben 
dieses hochst interessante Baudenkmal zum grofsten Theile um 
seine charakteristischen Eigenthumlichkeiten gebracht. Es ist wahr- 
haft unbegreiflich , wie unter der Aufsicht und Mitwirkung der 
Baubehorden noch immer solohe Vorkommnisse moglich sind, wie 
wir sie hier leider wiederum zu verzeichnen haben. Die West- 
facade war friiher von zwei machtigen viereckigen ThOrmen aus 
romanischer Zeit flankiert. Einer derselben war angeblich wegen 
Baufalligkeit schon vor langerer Zeit bis auf die unteren Theile 
abgebrochen. Obschon gewiegte Fachleute sich fur Beibehaltung 
des anderen Thurmes bei einer etwaigen Restauration ausgespro- 
chen hatten, ward er dennoch dem Untergange geweiht, und an 
die Stelle der alien Thurme wurde mit Aafwand von sehr be- 
trachtlichen Kosten eine nichtssagende, im Einzelnen wie im Gan- 
zen ganzlich verfehlte Facade mit zwei schwindsuchtigen Thiirmen 
erbaut. Beim Umbau des Westgiebels wurde auch der hochst 
merkwiirdige Unterbau der Orgel entfernt. Derselbe diente ur- 
spriinglich als Lettner und war nach Anlage und Detailbildung 
dem schonen Lettner aus der Uebergangszeit zu Gelnhaasen nahe 
verwandt. Statt dieses Prachtstiick in der Art wieder zu verwen- 
den, wie es in ganz geeigneter und schonender Weise in der Zopf- 
zeit geschehen war, zwangte man die Details in ein kleines Thurm- 
gewolbe, um eine sog. Taufkapelle mit den Architekturgliedern 
des alten Lettners (!) zu bekleben. Bei Aufraumen des Bodens 
hatte man Steinsarge gefunden, um deren Inhalt wie wiirdigeAuf- 
stellung jedoch lange Zeit niemand besorgt war. Auch wurde 
eine hochst merkwiirdige Piscina -Figur (ein Levit, der ein Was- 
serbecken halt) aus feinkornigem Marmor entdeckt, und nach der 
eigenthamlich antikisierenden Gewandung ware es moglich, dafs 
die Arbeit noch in die Zeit der ersten Klostergrundung in der ka- 
rolingischen Periods gehorte. Der Umbau der Seitenschiffe , wie 
er beabsichtigt ist, wird die letzten Spuren des alteren, romani- 
schen Banes verwischen; denn das Mittelschiff wurde nach einem 
Brande bereits in der Zopfzeit verandert. Hinsichtlich der inne- 
ren Einrichtung sollen auch die grofsen Chorgitter, wahre Pracht-* 
stucke von Rococo-Schmiedewerk, entfernt werden ; ebenso die ma- 
lerische Uhrgallerie im sndlichen Seitenschiffe. Fur das riesige 
Zopfgrabmal von Eginhard und Emma ist eine andere Aufttel- 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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lung in einem Seitengewolbe beabsichtigt. Da zu alle dem auch 
eine sogenannte „decorative Ausstattung" noch kommen soil, so 
wird wahr8cheinlich auch der prachtvolle Chorbau aus der Ueber- 
gangszeit nach Thunlichkeit verunstaltet werden. In den Blend- 
arkaden der Apsis waren frfiher schon Spuren von alten Wand- 
ma) ereien hervorgetreten ; es wird jedoch kaum weder im Interesse 
der Erhaltung, noch der Wiederherstellung etwas daffir geschehen. 
Wie schmerzlich es auch sein mag, immer noch solche Falle wie 
der eben besprechene anfuhren zu mflssen, darf es doch um so 
weniger unterbleiben, als selbst berufene Schiitzer noch in solcher 
Weise am Ruin unserer alten Baudenkmale mitarbeiten. 

Mainz. Friedrich Schneider. 

2) Nachdem das auf dem Marktplatzc von Lauenburgi. Pom- 
mern stehende Rathhaus von den es begrenzenden Baulichkei- 
ten durch Abbruch der letzteren befreit worden, ist auf Anord- 
nung des Cultusminsteriums der Conservator der Kunstdenkmaler, 
Geh. Reg. -Rath v. Quast dahin gesandt worden, um dasselbe in 
Betreff seines architektonischen Werthes und seiner eventuellen 
Reparaturfahigkeit zu priifen und iiber den Befund zu berichten. 
Dieser Bericht sagt: „dafs namentlich der sttdliche Giebel des 
Rathhauses eine so glucklich componierte Architektur bilde, wie 
v. Quast nur wenige Beispiele der Art bekannt sind," und gipfelt 
dahin, dafs das wahrscheinlich aus dem 15. Jahrh. herstammende 
Bauwerk nicht abgebrochen, sondern conserviert werden 
mfisse, und die darin herzustellenden Raume sich besonders zu 
Rathhauszwecken eignen warden. 

3) Baurath Dr. Oscar Mothes berichtet aus Leipzig: In Pe- 



gau bei Leipzig wurde im Sommer 1871 ein Grabmal mit lie- 
gender Portratstatue des Graf en Wiprecht von Groitzsch (f 1124) 
gefertigt vermuthlich um 1130, restauriert, plastisch und polychro- 
matisch, sowie mit bun ten Steinen (Bergkrystall, Chrysopras, Ma- 
lachit, Amethyst, Glasflfissen etc.) ausgestattet , von Dr. 0. Mothes 
und Maler Ghr. Zucchi. — Das weggerissene Haus „zur golde- 
nen Schlange" wird von dem Besitzer, Dr. A. Keil, Legations- 
rath, im Hof des Grundstiicks wieder aufgebaut und so der 
schone Erker der Nachwelt aufbewahrt. — Ein gothisches 
Pfortchen von 1488 im Universitatshof ist auf Gesuch des Ver- 
eins fur Geschichte Leipzigs bei Abtragung des betr. Flugels im 
Sommer 1871 nicht weggeworfen, sondern in die Westseite der 
Universitatskirche St. Paul eingemauert worden. 

4) Am 14. Decbr. v. J. gerieth in Bamberg die Gewerb- 
schule in Brand. Die Bibliothek und die Sammlungen konnten 
nur mit Muhe gerettet werden, und die innern Raume sind total 
ruiniert; auch die schone Facade im reinsten Renaissancestil ge- 
gen den Flufs hin ist leider zu Grunde gegangen. Das Gebaude 
war von lokal-historischem Interesse, weil daselbst vom Jahre 1603 
bis Ende des vorigen Jahrhunderts alle Hochzeiten abgehalten 
wurden, weshalb es im Volksmunde bis in die neueste Zeit das 
„Hochzeitshaus" hiefs. Die Stadt hatte es zu diesem Zwecke ge- 
kauft, um die storenden Hochzeitschmause und Tanze aus dem 
Rathhause zu entfernen, wo sie vorher stattgefunden. Urspriing- 
lich war das Gebaude, aus zwei Behausungen bestehend, unter der 
Firma „zum wilden Mann" eines der altesten Gasthauser der Stadt. 

. (Korr. v. u. f. D., 1871, Nr. 643.) 



Mittheilungen. 



1) Soeben erschien in Ferdin. Dtimmier'8 Yerlagsbuchhandlung 
in Berlin : 

Auswabl aus den Kleineren Schriften 

von 
Jacob Grimm. 

Velinpapier. 24 Bogen. 8. eleg. geh. 1 Thlr. 10 Sgr. 

in Leinwand gebunden 1 Thlr. 20 Sgr. 
„In den hier zusammengestellten Arbeiten, durch welche Ja- 
cob Grimm auch fiber den Kreis der Fachgenossen hinaus bekannt 
geworden ist, zeigt sich am Deutlichsten seine Sprachgewalt in 
eigenartigem , aber glanzendem Stil, der, oft von hinreifsender 
Schonheit, Jacob Grimm zu einem unserer ersten Prosaisten macht." 

(Zeitschrift f. deutsche Philologie.) 
Daraus besonders abgedruckt: 
Rede auf Schiller. Vierter Abdruck. Velinpapier. 8. geh. 
6 Sgr. 

2) Yerkauf. Eine bedeutende Sammlung von altem, feinem 
P or z el la n und Wedgewood, namentlich Figuren und Gruppen, 
bemaltes Tafelgeschirr u. s. w., eine Anzahl alterer und neuerer 
Gem aide, unter jenen gute Bilder aus der Augsburger und Du- 
rer'schen Schule, wie Niederlander vom Ende des 17. Jahrhunderts, 



eingelegte Mob ein u. a. alterthumliche Werthstficke stehen zum 
Yerkaufe. Auskunft ertheilt die Redaction dieses Blattes. 

3) Auf einem, wol noch aus dem 14. Jahrh. stammenden S i e - 
gelstempel von Kupfer, mit einem Adler im Siegelfelde, befin- 
det sich die Legende: „f Sigillvm . cvrie . de . fundermant." 
Die Bedeutung des Wortes „fundermant" konnte bis jetzt nicht 
ermittelt werden ; der Unterzeichnete wurde daher fftr eine gefal- 
lige Aufklarung sehr verbunden sein. 

Kupferzell. Furst Hohenlohe. 

4) Bltte. Das Lied von Kunz LofFel : „Ulrich von Hutten das 
edel Blut u (bei E. Booking, Hutteni opera vol. II, pag. 96) geht 
nach der Weise: 

Frantz sickinger das "Edel blut 
Der hat gar vil der Landpknecht gut. 
1st dieses Lied von Sickingen irgendwo gedruckt, oder ist es 
iiberhaupt noch vorhanden?*) 1st die Weise desselben noch be- 
kannt? In keinem der mir zuganglichen Bucher fiber Sickingen 
oder Hutten habe ich es finden konnen. 
Finkenbach (Pfalz) im Januar 1872. 

J. Schneider, Pfarrer. 

•) Ygl. Liliencron, die histor. Volkslieder der Deutschen • Bnd. m, 863, 
Anm. D. Redaction. 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A, v. Eye. 
Yerlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 

Sebald'sche Bachdrnokerei in Nurnberg. 



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V Arab erg. Dm Abonnement de« Blat- 
tes, welehes alio Monate ersoheint, wird 
ga&ijahrig angenommen und betragt nach 
derneuestenPostconvention bei alien Post- 
amtern and Bachhandlangen Dcutochlands 
incL Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fufs 
oder 2 Thlr. preufs. 

Fur Frankreich abonniert man In 
Pari* bei der deutsohen Buchhandlung ron 
F. Klincksieck, Nr. 11 rue de Lille; ftlr 



WZIKEIt 



England bei Williams £ Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street Covent - Garden in London; 
fiir Nord-Amerika bei den Postamtern Bre- 
men und Hamburg. 

Alle fur das german. Museum be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege des 
Buchhandels werden durch den Gommis- 
sionar der literar. - artist. Anstalt des Mu- 
seums, F.A. Brockhaus in Leipzig, be- 
fdrdert. 



FOR RMDE DER 





Neue Folge. 



Neunzehnter Jahrgang. 



1872. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 




Februar. 



Wlssenschaftliche Mlttheilungen. 



Der Trojanerkrieg von Jacob Tan Maerlant. 

Die von Herrn Wolff in Calcar in Nr. 12 des vorigen 
Jahrganges des Anzeigers f. E. d. d. V. mitgetheilte Nachricht 
von der Auffindung eines omfassenden mittelniederlandischen 
Gedichts tlber den trojanischen Krieg war mir eine freudige 
Ueberraschung und wird gewifs auch von alien Freunden un- 
serer alteren Literatur mit lebhaftem Interesse begrufst wer- 
den. Indem ich hierait Herrn Dr. Frommann, dessen zuvor- 
kommende Freundlichkeit raich von dieser wichtigen Entde- 
ckung sofort in Kenntnifs setzte, meinen Dank Sffentlich aus- 
spreche, erlaube ich mir zugleich, dem Ersuchen des Herrn 
Wolff „um geMige Kundgebung etwaiger weiterer Aufschlttsse" 
Gendge zu leisten und zur Wurdigung des von ihm gemachten 
Fundes so viel zu berichten, als sich vorlaufig, ohne weitere 
Untersuchung des betreffenden Manuscripts, mit Bestimmtheit 
darUber mittheilen lftfst. 

Dafs die entdeckte Handschrift den vollstftndigen Troja- 
nerkrieg des Jacob van Maerlant en thai t, unterliegt keinem 
Zweifel. Die Meinung des Herrn Wolff, dafs weder der Ver- 
fasser noch die Zeit der Anfertigung des Werkes angegeben 
seien, ist nur hinsichtlich der Zeitbestimmung rich tig, da ja 
der Verfasser sich deutlich und bestimmt genannt hat in den 
Worten: „In den Duytsche dichtet Jacop van Merlant," wo- 
rauf auch bereits die Redaction del Anzeigers in einer An- 
merkung hingewiesen. Dem sachkundigen Herausgeber von Her- 
bort's von Fritzlar Liet von Troye konnte es freilich 
nicht entgehen, von welcher Wichtigkeit dieses ausdriickliche 



Zeugnifs des Dichters sei. Der Maerlant'sche Trojanerkrieg 
war, wie man meinte, verloren gegangen ; wir kannten nur die 
zerstreuten Bruchstucke, die Ackersdijck und Blommaert ver- 
Offentlicht haben. Jetzt tritt das ganze Gedicht unerwartet 
zum Vorschein, und zwar — damit auch nicht der geringste 
Zweifel ubrig bleibe — mit dem Namen des Dichters selbst 
versehen. Dafs die oben angefGhrten Worte nicht etwa von 
einem jiingeren Verfasser herrubren, der — wie man vermu- 
then kdnnte — spater vielleicht einen Trojanerkrieg gedichtet 
und hier den Namen seines Vorg&ngers erw&hnt hatte, sondern 
wirklich eine Aussage von Maerlant selbst enthalten, ergibt sich 
aus dem, was er noch hinzusetzt: 

doer nyemans scop 

So en wilt hijs niet begheven, 

Eer dit boeck is al volscreven 
(„wer auch daruber spotten m5ge, er wird nicht aufhdren, ehe 
das Werk vollendet sei"). Das hij (er) kann sich nur auf die 
genannte Person, auf Maerlant, beziehen. Als diese Worte ge- 
schrieben wurden, hatte also Maerlant sein Werk noch nicht 
vollendet. Folglich ist es kein jiingerer Dichter, der hier 
spricht, sondern Maerlant selbst, der erklart, er wolle das 
begonnene Gedicht zu Ende ftthren, ohne sich um den Spott 
seiner Neider zu bektlmmern. Dazu kommt noch der Umstand, 
dafs die ersten 60 Verse des von Herrn Wolff mitgetheilten 
Auszugs tlber den Tod des Hektor sich in den Bruchstttcken 
des Maerlant'schen Gedichts bei Blommaert wiederfinden (Oud- 
Vlaemsche Gedichten I, 38, v. 3255—3309): ein Zusam- 
mentreffen, das an sich schon hinreichen wurde, die Identitat 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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des Maerlant and des Yerfassers des aufgefundenen Gedichts 
aufser alien Zweifel zu setzen, wenn auch dieser seinen Namen 
nicht genannt hatte. Es ist demnach eine ansgemachte Sache, 
dafs die entdeckte Handschrift den vermeintlich verlorenen 
Trojanerkrieg unseres fl&mischen Dichters umfafst. Der Ge- 
winn, den dieser Fund uns bringt, ist nicht gering. Nach 
einer mir von Herrn Wolff brieflich mitgetheilten Berechnnng 
enth&lt das Manuscript ungef&hr 38,400 Verse. Ans den bis 
jetzt gedruckten Fragmenten waren uns etwa 8000 bekannt. 
Wir haben also nicht weniger als 30,000 Verse gewonnen, 
and zwar von einem Werke, das durch den beruhmten Namen 
seines Dichters, sowie durch seinen poetischen Werth eine be- 
deutende Stelle in der Geschichte der mittelniederlandischen 

Literatur einnimmt. 

* 

Es ist einleuchtend, dafs ein so umfassendes Gedicht von 
einem Manne wie Maerlant, der sich nicht ungern gelegentlich 
ttber sich selbst und seine Werke ausspricht, manche Andeu- 
tung enthalten mttsse, namentlich zur Beantwortung noch un- 
gelOster Fragen auf literarhistorischem Gebiete. Der Prolog, 
dessen Haupttheil Herr Wolff abdrucken liefs, gibt uns von 
der zu erwartenden Belehrung gleichsam einen erfreulichen 
Vorgeschmack. Besonders merkwtirdig sind die vier Verse, 
die der Dichter auf die Erw&hnung seines Namens folgen lafst- 

Hier toe voren dichten hy Merlyn 

Ende Allexander uytten Latijn 

Tocrecke ende dien sompinarijs 

Ende den cortten lapidarijs. 
In diesen Worten finden wir erstens das ausdruckliche Zeug- 
nirs des Maerlant, dafs er denMerlijn gedichtet habe. Selbst- 
verstfindlich meint er damit kein anderes Werk, als das viel- 
fach besprochene „boec van Merline", das noch immer 
von dem Fursten von Bentheim-Steinfurt unter strengem Ver- 
schlufe gehalten wird, von dem uns aber durch die Mittheilungen 
von Trofs und Visscher doch einiges bekannt geworden ist. 
Es hat schon lange zweifelhaft geschienen, ob der dort ge- 
nannte Jacob de coster van Merlant mit unserem flami- 
schen Dichter identisch sei, und mancher trug noch Bedenken, 
diesen als Verfasser des Merlijn anzuerkennen. Jetzt ist 
dieser Zweifel geldst, die Person von Jacob de coster van 
Merlant mit Bestimmtheit nachgewiesen, und somit der Be- 
weis geliefert, dafs unser Dichter in seiner Jugend zu Maer- 
lant bei Brielle gewohnt hat, wo er aller Wahrscheinlichkeit 
nach das Amt eines Kusters bekleidete *). Vergleicht man 
seine Zeugnisse im Mfirlijn und im Trojanerkrieg mit 



*) Dafs das vom Dichter genannte Maerlant, von welchem 
er nachher seinen (Namen entlehnte, kein anderer Ort gewesen 
8ein konne, als die spater mit der Stadt Brielle znsammengeschmol- 
zene Gemeinde dieses Namens, geht schon aus dem Umstande 
hervor, dafs er den Merlijn dem Herrn Albrecht van Vorne 
widmete, zu dessen Gebiet Brielle gehdrte. Anch anderwarts hat 
bekanntlich der Dichter gezeigt, wie vertraut er mit der Land- 
schaft Vorne und deren sprachlichen Eigenthiimlichkeiten gewesen. 



einander, so l&fst sich auch auf die Reihenfolge schliefcen, in 
welcher er seine ftlteren Werke verfafst hat. Im Merlijn 
erwfthnt er des Alexander als einer fruheren Arbeit, im 
Trojanerkrieg nennt er dasselbe Gedicht und den Mer- 
lijn; er hat also zuerst den Alexander, darauf den Mer- 
lijn und dann den Trojanerkrieg geschrieben. 

Allein das Verzeichnifs der Maerlant'schen Werke erhftlt 
noch einen neuen, ganz unerwarteten Zuwachs. Nach der Er- 
w&hnung der beiden schon genannten Gedichte setzt er nam- 
lich hinzu: „Tocrecke ende dien sompinarijs. u 

Es bedarf wol keiner besondern Kritik, das unverstftnd- 
liche Tocrecke sogleich in Toerecke umzuftndern, und wirk- 
lich erweist sich diese Emendation durch die Handschrift als 
die wahre Lesart, wie mir Herr Wolff nachtraglich berichtet. 
An welches Werk wir bei diesem Namen Toerecke zu denken 
haben, kann keinem Zweifel unterliegen. Augenscheinlich ist 
der Roman vanTorec gemeint, den wir als ein Anonymum 
schon kannten, und der im Lancelot am Schlusse des drit- 
ten Buches eingeschaltet und mit diesem Epos von Jonckbloet 
herausgegeben worden ist. Merkwllrdigerweise hat dieser 
scharfsinnige Kritiker in seiner Geschichte der mittelniederl. 
Poesie (II, 327), wo er den Torec bespricht, schon die Be- 
merkung gemacht, der ganze Ton dieses Gedichts und die un- 
verkennbare didaktische Tendenz, die sich in demselben kund- 
gebe, erinnere an den in Maerlant's Schriften herrschenden 
Geist und an die Richtung der Zeit, in welcher er zu schrei- 
ben angefangen. Die Wahrheit dieser Bemerkung erlangt jetzt 
eine ttberraschende Best&tigung, indem wir von Maerlant selbst 
erfahren, dafs der Torec ein Gedicht von seiner Hand, eine 
Arbeit aus seiner Jugend sei. 

Die Entdeckung, dafs sowohl der Torec als der Mer- 
lijn von Maerlant herruhren, hat aus einem besonderen Ge- 
sichtspnnkte einen doppelten Werth. Sie gibt uns die voll- 
standige Erkl&rung zu den bekannten Stelleir, in welchen der 
Dichter, als er, alter geworden, mit vollem Bewufstsein die di- 
daktische Richtung vertrat, es manchmal bedauert, sich in sei- 
ner Jugend mit Fabeln und Lugen abgegeben und in sei- 
ner Poesie der „weltlichen Liebe" sowie „dem Leichtsinn 
seines Herzens" gefrOhnt zu haben. So lange wir nur den 
Alexander und den Trojanerkrieg als die jugendlichen 
Werke Maerlant's kannten, war es schwer, diese Aeufserungen 
richtig zu deuten, da keines der beiden Gedichte eine derartige 
Klage rechtfertigte ; es wurde daher schon von Jonckbloet (a. 
a. 0. Ill, 134) die Vermuthung ausgesprochen, dafs der Dich- 
ter auf andere, fur uns verlorene Schriften romantischer und 
erotischer Art hindeute. Auch diese Vermuthung hat sich jetzt 
als vollkommen begrundet erwiesen. Der Merlijn und der 
Torec waren allerdings dazu angethan, dem Verfasser in sp&- 
terem Alter und bei strengeren moralischen Grundsfttzen Ge- 
wissensbisse zu machen, und es kann uns nicht befremden, dafs 
er diese Erzeugnisse seiner Feder aus jttngeren Jahren von 
nun an als ltigenhafte und leichtsinnige T&ndeleien verwarf. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Die Th&tigkeit, die unser Maerlant cntwickelte, war wirk- 
lich eine erstaunliche. Aufser seinen zahlreichen schon be- 
kannten Werken, zu denen jetzt noch der Merlijn UDd der 
Torec hinzukommen, hat er, wie wir darch die neuentdeckte 
Handschrift erfahren, uoch zwei andere gedichtet, die er mit 
den Namen sompinarijs and lapidarijs bezeichnet. Das 
letztere wird vermuthlich eine gereimte Abhandlung liber die 
Edelsteine und deren Krftfte gewesen sein, vielleicht ein Vor- 
laufer des zwdlften Baches von derNataren Bloeme, in wel- 
chem er spater denselben Gegenstand behandelte. Der Name 
sompinarijs lftfst wol keine Deatang za; die richtige Les- 
art wird aber gewifs sompniarijs sein, and wahrscheinlich 
hat man an einen somniarias, ein Traumbuch, za denken. 
Die Schreibweise sompniam far s omnium war im Mittel- 
alter bekannt, and somniarias gait in dem Sinne vom ov*<- 
eofiavTic, fottQoxQinis (Dacange VI, 295 b ). Vielleicht hat Maer- 
lant ein Bach aber die Traamdeaterei geschrieben, and dann, 
wie sich vermathen lafst, zar Bestreitung des Aberglaabens aaf 
diesem Gebiete, im Sinne der didaktischen Richtung, als de- 
ren Wortfuhrer er schon fruher aufgetreten war. Es ist aber 
nicht meine Absicht, mich in Muthmafsungen za ergehen. We- 
der vom Somniarijs noch vom Lapidarijs kOnnen wir 
far jetzt etwas Bestimmtes sagen. Unter alien mir bekannten 
Fragmenten niittelniederl&ndischer Gedichte gibt es keines, das 
mit einem dieser beiden Werke in irgend einer Beziehong 
stehen kdnnte. Wir mussen ons also vorlaufig mit den blofsen 
Namen begnugen. 

Es bleibt mir aas dem von Herrn Wolff mitgetheilten Pro- 
loge noch eine Merkwurdigkeit za erw&hnen ubrig; das Ver- 
haltnifs zwischen dem Maerlant'schen Trojanerkrieg and dem 
Gedicht des Seger Dieregodgaf*) aber den namlichen Gegen- 
stand erscheint hier in einem anderen Lichte, als wir uns bis- 
her vorgestellt hatten. Infolge der Behauptung anseres Dich- 
ters in seinem Spiegel Historiael glaabten wir uns za der 
Annahme berechtigt, Seger habe aas dem schon vollendeten 
and etwas langathmigen Gedichte des Maerlant einen Auszug 
gemacbt, die Geschichte des trojanischen Erieges in engere 
Grenzen zusammengefafst and, als eine selbst&ndige Arbeit, das 
Prieel van Troyen hinzugefugt**). In unserem Prologe 
aber lesen wir gerade das Gegentheil. Der Dichter sagt, bis 
jetzt sei nor ein Theil der Trojanergeschichte in anserer 
Sprache geschrieben worden, and zwar von Seger Dieregodgaf, 
der das Prieel van Troyen and daza die „sieben Streite" 
gedichtet ; er aber wolle die Geschichte ganz vom Anfange bis 
zum Ende behandeln and aach die des Jason and des golde- 
nen Vliefses erzahlen. Hier also geht Seger mit seinem Prieel 



vor Maerlant her, wahrend er laut des Zeagnisses im Spiegel 
Historiael nach der Vollendung des Maerlant'schen Gedichts 
geschrieben and seine Arbeit eben aas dieser Quelle geschOpft 
haben soil. Wie nun diese beiden Angaben mit einander in 
Einklang zu bringen sind, durfte schwer zu entscheiden sein. 
Zwar ist es einleuchtend, dafs die beiden, in einem der von 
Blommaert heraasgegebenen Bruchstttcke vorkommenden Verse 
(Oad-Vl. Ged. I, 47, 442): 

w Hort hier vort daert Seger liet 
Ende hi van der jeesten sciet," 
welche Jonckbloet als eingeschoben betrachtet, durch unseren 
Prolog sich doch als echt herausstellen, in dem sie mit dem dort 
vorliegenden Zeugnisse vOllig ubereinstimmen. Aber die wahre 
Sachlage, das ganze Verhaltnifs zwischen den Gedichten von 
Maerlant und Seger lftfst sich fur jetzt nicht ermitteln. Sie 
wird einer neuen Nachforschung anheimgestellt werden mussen. 
Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sich wol in der Hand- 
schrift mehrere Stellen vorfinden, in denen von Seger und sei- 
ner Arbeit die Rede ist. Sobald wir sammtliche Zeagnisse 
kennen, wird vermuthlich aas deren Vergleichung das n5thige 
Licht hervorgehen zur Aufklftrung dessen, was jetzt wieder 
dunkel geworden. Jedenfalls sind wir einen Schritt weiter ge- 
kommen, indem wir zu der Einsicht gelangt sind, dafs unser 
vermeintliches Wissen noch immer der hinlftnglichen Gewifs- 
heit ermangele, und dafs der fragliche Punkt erst durch eine na- 
here Untersuchung v611iger Entscheidung entgegenreifen kftnne. 

Schliefslich sei es mir noch vergdnnt, sowohl in meinem 
als aller Sachverstandigen Namen, die durch obige Mittheilun- 
gen sich von der Wichtigkeit des aufgefundenen Gedichts uber- 
zeugt haben werden, der Hoffhung Ausdruck zu verleihen, dafs 
es dem Herrn Grafen von Log, in dessen Bibliothek sich die 
Handschrift befindet, gefallen m&ge, die weitere Kenntnifsnahme 
und Benutzung derselben im Interesse der Wissenschaft zu ge- 
statten, wodurch der Herr Graf sich alle Freunde der mittel- 
niederlandischen Literatur zum innigsten Danke verpflichten 
wurde. 

Leiden, 12. Jan. 1872. M. de Vries. 



*) In der Handschrift heifst er Seger den-got-gaf. Es 
ist der bekannte Name Deodatus, franz. Dieudonne. Die mnl. 
Form Dieregodgaf hat Blommaert mit mehreren Beispielen 
belegt (Oud-Vl. Ged. I, V). 

**) S. Einleittmg zum Sp. Hist, p. LVH 



Zur Literaturgeschichte. 

(Schlufs.) 

3. Auctarium armoram doctoris Wolfgangi Lazii, 
caesarei hystoriographi, et titulus familiaritatis. 

Ferdinandus etc. honorabili docto, nostro et sacri impe- 
rii fideli, dilecto Wolfgango Lazio, philosophiae ac medicinae 
doctori, nostro consiliario ct hystoriographo aulaeque nostrae 
caesareae familiari, gratiam nostram caesaream et omne bonum. 

Cum nulla alia virtute imperatoriam celsitudinem propius 
ad Deum, quam benignitate et beneficentia in cives et subdi- 
tos suos, accedere exploratum est, turn vero illud usu et ex- 
perientia comperimus, ad regna et imperia recte administranda 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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atque constitucnda nihil magis valere, quam si eruditis, integris 
et bene meritis viris honestissima tribuantur praemia ac con- 
digni honores praestentur. Itaque cum et sermone multorum 
prudentium magnorumque viroram et re ipsa cognoverimus, 
eximiam esse tuam, Wolfgange Lazi, in omni bonarum artium 
genere doctrinam, singularera optimarum graecae et latinae lin- 
guarum cognitionem, egregiam curandis morbis peritiam, felici- 
tatem et diligentiam, excellentera rerum hystoricarum scien- 
tiam, usum et memoriam, vitae denique ac raorum probitatem, 
modestiam et in rebus agendis fidera et industriam non vulga- 
rem, teque multis aliis praeclaris animi, naturae et ingenii do- 
tibus inter reliquos tui ordinis homines facile praestare, quarum 
virtutum et ornamentorum magna et luculenta sepe documenta 
domi forisque edideris et in dies magis magisque insignem 
spectatae fidei, honestatis et eruditionis tuae laudem apud ple- 
rosque laudatos viros adaugere tuamque adeo existimationem 
celebrisque nominis famam cum honestis actionibas turn ex 
omni parte frugiferis et utilibus reipublicae laboribus, studio- 
rum vigiliis et lucubrationibus comprobare nitaris, cumque nos 
ipsi grata subinde memoria reperimus, qua fide, qua animi 
promptitudine, quam indefesso studio, cura et diligentia, quanto 
denique vitae discrimine ac rerum tuarum dispendio et jactura 
tu unus ex omnibus turn, cum exercitus noster anno dominicae 
incarnationis 1541 in regno nostro Hungariae adversus commu- 
nes hostes Thurcas stipendia merens non tam ab eis quantum- 
vis truculentis, quam ab ipsa miserabili lue turn temporis cres- 
cente quaeque pericula metueret, in medicum ac phisicum exerci- 
tus illius nostri a serenissima regina Anna,piae memoriae con- 
sorte nostra dilectissima, nobis absentibus conductus omne sane 
tempus in servitiis nostris ac curandis aegrotorum militum 
nostrorum corporibus consumere non dubitaris, ibidemque ad 
extremum usque constanter perseverando te praesenti periculo 
intrepide exponere tuoque medendi muneri et officio usque- 
quaque satisfacere atque omnibus denique bonis potius exui et 
spoliari quam teraere committere volueris, ut de animi tui for- 
titudine vel minimum quiddam amisisse videreris; consideran- 
tes ad haec operam tuam infatigabilem, quam in inclytae do- 
mus et familiae nostrae ceterorumque majorum nostrorum Au- 
striae principum rebus praeclare gestis enarrandis provincia- 
rumque nostrarum vetustatis exemplis ac monumentis eruendis 
et discribendis hactenus impendisti, merito profecto ea omnia 
non dementi solum animo nos decet in te agnoscere, verum 
etiam uberioribus in dies munificentiae nostrae beneficiis ac 
debitis honorum insignibus te et familiam tuam ultro prosequi 
et cohonestare debemus, turn ut ipse bene actae vitae et in- 
dustriae tuae memoriam authoritate nostra testimonioque li- 
teris consignatam, atque egregiam nostrae in te benignae vo- 
luntatis propensionem posteris etiam tuis relinquere possis et 
inde quasi fructum aliquem pulcherrimorum studiorum atque 
factorum tuorum percipias; turn ut tuae virtutis a nobis orna- 
tae exemplo alii quoque homines, praesertim subditi nostri, ad 
bene recteque vivendum, ad optimos quosque conatus capessen- 



dos, ad nobis denique alacriter fideliterque inserviendum ope- 
ramque suam navandam ardentius posthac inflammentur et ad 
verae laudis ac gloriae amorem vehementius alliciantur. Quo- 
circa cum pro ingenita et consueta majestatis nostrae caesareae 
benignitate, liberalitate et dementia superioribus annis ex certa 
scientia deque caesarea authoritate nostra te, Wolfgangum Lar 
zium, non humili aut obscuro loco, sed perquam honestis pa- 
rentibus progenitum, heredesque et successores tuos utriusque 
sexus ex lumbis tuis legitime natos et nascituros eorundemque 
liberos ac posteros in nobilitatis et equestris ordinis gradum 
extulerimus, evexerimus perfectaque et omni ex parte absoluta 
nobilitate nobilitaverimus, ornaverimus et cohonestaverimus, te- 
que nobilem a tuis parentibus, avis, proavis et majoribus ef- 
fecerimus, constituerimus , creaverimus et de perfecto nobili 
equestrium genere procreatum dixerimus, decreverimus atque 
nominaverimus, ab universis ac singulis, cujuscumque conditio- 
nis, status, praeemincntiae , gradus, ordinis et dignitatis exi- 
stant, te nobilem dici, nominari ac pro vero nobili recipi, cen- 
seri et haberi plane voluerimus et edixerimus, concessis tibi 
cum veteribus aurei annuli et restitutionis natalium, turn novis 
omnibus et singulis equestris ordinis et nobilitationis juribus 
quae vel consuetudine vel alio quovis modo equestri ordini et 
nobilitati competunt, privilegiis, praerogativis, libertatibus, fa- 
scibus, titulis, honoribus, dignitatibusque , nullis prorsus dem- 
ptis aut exemptis, ita ut, qui antea ingenuitatis jura a majori- 
bus tuis duxisses, ex nostro beneficio nobilitatis noraen decus- 
que in posteritatem tuam longa aetatum serie feliciter trans- 
mitters ac insuper tibi tuisque liberis eorumque posteris legi- 
timis utriusque sexus et ab eis in infinitum descensuris, ut 
hujusmodi a nobis concessae nobilitatis gradum pleniore muni- 
ficent ia exornaremus atque decoraremus et de ea sempiternum 
extaret testimonium , gentilitia familiae tuae et paterna armo- 
rum insignia a Divo primum Maximiliano, augustae memoriae 
avo nostro clarissimo, de novo concessa ac deinde a nobis 
aucta et locupletata, non solum clementer confirmaverimus, sed 
etiam, meritis tuis sic exigentibus, auxerimus, amplificaverimus 
et illustraverimus. Nunc sane, cum non cesses tuam eximiam 
probitatem aliasque excellentes dotes tuas ac inprimis etiam sin- 
gularem in nos fidera et observantiam uberioribus in dies of- 
ficiis magis magisque contestari, nos quoque, necubi fidelibus 
et continuis meritis tuis condigna praemia desint, te novis 
subinde ornamentis et omni benignitate jure complectimur. 
Itaque motu proprio ex certa nostra scientia animoque bene 
deliberato ac caesarea nostra auctoritate priora armorum tuo- 
rum insignia, quae tibi superioribus annis concesseramus , in 
hanc formam mutanda et amplificanda duximus, prout per prae- 
sentes mutamus, amplificamus et augemus, ncmpe ut sit scu- 
tum per longitudinem et latitudinem in quatuor aequales par- 
tes divisum, cujus inferior sinistra et superior dextra areae 
sint colons rubri et unaquaeque earum in medio sui candidum 
sydus prae se ferat, reliquae vero duae, inferior dextra et su- 
perior sinistra, colons caelestini sunto, quarum singulae tres 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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alaudas colons anrei contineant ezplicatis alis, eo ordine posi- 
tas, ut trigonum constituant quales vetustiora majorum nostro- 
rum insignia, in quibas qninqae aareas alaudas gestare consue- 
verunt, referunt, tibi gratiose vel hoc nomine concessas, quod 
te authorem ejus extitisse rei cognoverimus , unde ea ad ma- 
jores nostros Austriae principes et marchiones primum et qua de 
causa aut quo eventu pervenerint, a legione videlicet decima 
Alauda Gennanicave, qua C. Julium Caesarem, antecessorem 
nostrum ac primum Romani imperii authorem, ad Gallici belli 
procinctum conscripsisse constat, ab insignibus Alaudam nun- 
cupatam et multo tempore ad Galliarum limitem restituendum 
pro Rheni ripa compositam, a Marco vero Aurelio demum cae- 
sarc, antecessore item nostro, in locum transpositae XIII. le- 
gionis Geminae ad Danubii limitem in Pannoniae superioris 
ac Norici Ripensis collimitiis positam et Germanicam vocatam 
a robore et limite contra Germanos isthic constituto, quemad- 
modum idem nobis ex Latinis Graecisque authoribus, turn ve- 
tustis annalium codicibas et Romanorum monumentorem in- 
scriptionibus cum in ceteris provinciis nostris hereditariis, turn 
potissimum in Austria superiori erutis perspicue ostendisti. jln 
cojas rei signum sempiternamque memoriam, turn quod marchio- 
num Orientalium majorum domusque et provinciarum nostrarum 
silentio involutas res, sed dignas memoria a perpetua oblivione 
vindieare studueris, turn quod legionis illius et stativa et exempla 
cohortesque et alas praefectosque ex alta caligine in lucem tra- 
duxeris, avitis paternisque armis tuis tres illas alaudas aureas 
non immerito adjiciendas putavimus. Scuto vero imponatur 
galea equestris, heroicis cancellis aperta, ac corona insigni aurea 
regali decorata, defluentibus utrinque laciniis seu phaleris a si- 
nistra aureis etcaeruleis, a dextra candidis et rubeis E corona 
autem ipsa prodeant duo cornua bubalina, quorum alterum, quod 
est a sinistra, sit candidum, alterum vero rubeum; in orificiis 
autem seu extremis buccis inter sese aversis singula tres plumas 
pavonicas gemmatas sive oculatas prae se ferant, additis tribus 
aliis unicuique cornu adnexis, justo intervallo inter se distantibus, 
quas ideo tibi concessimus, ut hinc cognoscas, quanto te favore 
ac dementia prosequamur, qui majorum nostrorum singulari cau- 
dae pavonis ornamento simile quiddam his armis adjicere volui- 
mus, propterea quod ejusdem familiae nostrae primordia a Fran- 
corum vetustate deduxeris idque fide dignis prorsus testimoniis 
docueris. Geterum inter duo ilia cornua bubalina insignis au- 
rea alauda media sit expansis alis, gestans in capite coronam 
regalem auream et in pectore candidum sydus, quemadmodum 
haec omnia in medio hujus caesarei nostri diplomatis pictoris 
arte et ingenio artificiosius expressa cernuntur. 

Antedicta auctoritate nostra caesarea expresse statuentes 
ac decernentes, quod tu, Wolfgange Lazi, tuique liberi, haere- 
des ac descendentes legitimi utriusque sexus in omnem poste- 
ritatem jam descripta armorum insignia ex hoc tempore dein- 
ceps in perpetuum in omnibus et singulis honestis ac decenti- 
bus actibus, exercitiis et expeditionibus nobilium more tarn 
serio quam joco, in hastilibus ludis seu hastatorum dimicatio- 



nibus, pedestribus vel equestribus, in bellis, duellis, singulari- 
bus certarainibus et quibuscunque pugnis eminus cominus, et 
scutis banneriis, vexillis, tentoriis, sepulchris, sigillis, monu- 
mentis, annulis, aedificiis, suppellectilibus, tarn in rebus spi- 
ritualibus quam temporalibus et mixtis, in locis omnibus, 
prout vobis libitum fuerit aut necessitas vestra postulave- 
rit, habere, gestare et deferre, ac simul quibuslibet privi- 
legiis, immunitatibus , libertatibus et juribus uti, frui ac gau- 
dere possitis, quibus alii quoque nobiles armigeri seu hu- 
juscemodi armorum vel insigni urn ornamentis decorati utun- 
tur, fruuntur et gaudent consuetudine vel de jure, aptique si- 
tis et idonei ad ineundum et recipiendum omnes praerogati- 
vas, gratias, libertates, exemptiones, feuda, privilegia, vacatio- 
nes a muneribus quibuscumque realibus et personalibus vel 
mixtis, quibus ceteri a nobis et sacro Romano imperio talibus 
ornamentis insigniti et feudorum capaces atque participes po- 
tiri, frui et gaudere possunt et ad quaecunque vel lege ac jure 
vel consuetudine admittuntur, sublatis et postpositis omnibus, 
quae huic nostrae concessioni impedimentum allatura videntur. 
Ut autem excellentes animi tui virtutes locupletiore etiam te- 
stimonio commendemus, te, praefatum Wolfgangum Lazium, in 
familiarem et aulicum nostrum adsumpsimus, recepimus et consti- 
tuimus ac numero et cetui aliorum familiariorum et aulicorum 
nostrorum aggregaraus, decernentes ac volentes te omnibus et 
singulis privilegiis, juribus, libertatibus, praerogativis , honori- 
bus, immunitatibus, praeeminentiis, commoditatibus, utilitatibus, 
beneficiis et consuetudinibus uti et frui posse et debere, qui- 
bus alii continui familiares et aulici nostri utuntur, fruuntur 
et gaudent quomodocunque consuetudine vel de jure, absque 
alicujus impedimento et contradictione. 

Quocirca firmissime mandamus omnibus et singulis princi- 
pibus, ecclesiasticis et secularibus, archiepiscopis , episcopis, 
praelatis, ducibus, marchionibus, comitibus, baronibus, militibus, 
nobilibus, clientibus, capitaneis, locum tenentibus, praefectis, po- 
testatibus, procuratoribus, officialibus, magistratibus, judicibus, 
consulibus, heraldis, armorum regibus, caduceatoribus, civibus, 
communitatibus et denique omnibus nostris et sacri Romani 
imperii ac quorumcunque regnorum et dominiorum nostrorum 
haereditariornm ubicunque existentium subditis et fidelibus di- 
lectis, cujuscunque dignitatis, status, gradus, ordinis et prae- 
eminentiae ac conditionis extiterint, quatenus te, praedictum 
doctorem Wolfgangum Lazium, tuosque heredes et successores 
legitimos universos, tarn natos quam nascituros, hac armorum 
melioratione et innovatione ac familiaritate cum omnibus pri- 
vilegiis, juribus, libertatibus, praerogativis, honoribus, exemptio- 
nibus, immunitatibus, emolumentis, utilitatibus, commoditatibus, 
beneficiis, gratiis et consuetudinibus, quibus alii nobiles ac mi- 
li tares, armigeri seu hujusmodi armorum ornamentis insigniti 
continuique aulae nostrae caesareae familiares jure vel consue- 
tudine utuntur, fruuntur vel potiuntur et gaudent, libere, pa- 
cifice et quiete uti, frui, potiri ac gaudere permittant, neque 
ullo modo per se vel per alios, directe vel indirecte, quovis quae- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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sito ingenio seu colore turbent ant impediant, quatenus nostram 
et sacri imperii indignationem gravissimam et mulctam triginta 
marcarum auri puri, pro dimidia fisco nostro caesareo, pro re- 
liqua vero parte injuriam passi ant passoram usibus applican- 
dam, voluerint evitare, harum testimonio literarnm manu nostra 
subscriptarum et sigilli nostri caesarei appensione munitarum. 
Datum Yiennae die 18. Decembris anno 1559. 

Patentes pro fr. Onufrio Panviuio Veronensi. 

Ferdinandus etc. Universis et singulis principibus ecclesia- 
sticis et secularibus, archiepiscopis, episcopis, ducibus, marchio- 
nibus, comitibus, baronibus, nobilibus, praefectis, castellanis, 
capitaneis, potestatibus, rectoribus, burgimagistris, consulibus 
et quorumcunque locorum, urbium oppidorumque communita- 
tibus, gubernatoribus et officialibus ac deniqne omnibus nostris 
et sacri Romani imperii aliorumque regnorum et provinciarum 
nostrarum subditis et fidelibus dilectis salutem, benevolentiam 
ac gratiam nostram cesaream et omne bonum. 

Cum religiosus, devotus, nobis dilectus frater Onufrius Pan- 
vinius Veronensis ex ordine Eremitarum divi Augustini antiqui- 
tatis indagandae studio adductus, peregrinationem instituerit 
per universam Germaniam primum, deinde per alias orbis ter- 
rarum partes, atque is magnopere cupiat omnes et singulas 
bibliothecas sibi patere, ex quibus quicquid usquam ill! dignum 
aut memorabile visum fuerit, depromere et exscribere possit, 
facere non potuimus, quin proficiscentem omni favore ac beni- 
gnitate nostra prosequeremur, praesertim cum is tantum labo- 
rem ad communem studiosorum hominum utilitatem suscipiat, 
cujus nimirum causa plura etiam volumina in lucem ediderit, 
quae cum sacri Romani imperii dignitate et amplitudine sunt 
conjuncta idque in futurum etiam surama se diligentia factu- 
rum polliceatur; idcirco eundem fratrem Onufrium dilectioni- 
bus et devotionibus vestris et vobis, ad quorum terras et di- 
tionem ipsum pervenire contigerit, plane vehementer commen- 
damus, easdem dilectiones et devotiones vestras benevole hortan- 
tes ac clementer requirentes, uti ilium non solum humaniter 
complecti velitis, verum etiam eidem bibliothecas, archiva et 
grammatophylacia omnia, quaecunque in his locis reperientur 
hand gravate ostendi curetis permittatisque, ut quaecunque in 
iis notatu digna offenderit, ea describere et desumere possit, 
ita sane, ut id absque ullo vestro et librorum vestrorum de- 
trimento et jactura fiat, et denique ipsum cum ejus comitiva, 
equis, sarcinulis et rebus ubique locorum et terrarum libere, 
tuto, expedite ac sine ulla molestia transire, proficisci et com- 
morari sinatis, ac omni favore et auxilio, ubicunque opus sit, 
juvetis. In quo exequuturi estis, nostri et sacri imperii sub- 
diti, benignam voluntatem nostram, alii autem facient rem no- 
bis gratissimam, omni gratia et benevolentia recognoscendam. 

Datum Augustae Vindelicorum 8. Augusti 1559. 



Sphragistische Apkorismen*). 



u. 



Unter Nr. XXXII**) baben wir bereits eine Abbildung des 
Siegels des Grafen Wolfrad des JUngeren von Veringen (von 
1262)***) aus dem Karlsruher Archive mitgetheilt und eines 
ahnlichen seines Sohnes, des Grafen Heinrich d. J. von Neu- 
Veringen, (von 1299) f) aus dem Archiv zu Stuttgart erwahnt. 
Wir geben nun nachtraglich hier unter Nr. LI. eine Abbildung 
des letzteren Siegels, sowie zweier anderer gleichartiger Verin- 
ger Siegel des Grafen Heinrich d. A., des jttngeren Bruders des 
Grafen Wolfrad, (von 1267—69) unter Nr. LII., und Wolfram's, 
gen. WOlflin, seines Enkels, (von 1324) unter Nr. LEI. 

LII. 



Diese Serie der gr&flich Veringen'schen Siegel ist hOchst 
interessant. Der durch drei Generalionen beibehaltene Typus 
derselben ist ein ganz eigenthumlicher, uns wenigstens bis jetzt 
auf Siegeln keines anderen deutschen Geschlechts vorgekomme- 



*) S. Anzeiger 1871, Nr. 3. 5. 7 u. 8. 
**) S. Anzeiger 1870, Nr. 3. 

***) Dieses Siegel kommt an Urkunden aus den Jahren 1262 — 
67 vor; s. Locher, Regest. z. Gesch. d. Grafen von Veringen, in 
den Mittheilungen des Vereins for Gesch. u. Alterthumskunde in 
Hohenzollern ; die Abbildungen sind aber dort ungenau. 
t) Von 1270—99; s. Locher, a. a. 0. 



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Anzeiger fur Kunde der .deutschen Vorzeit. 



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ner, mit Ausnahme etwa des Siegels der Gr&fin Irmengard von 
Wttrttemberg, (s. Nr. XXXIII in Nr. 3 des Anzeigers v. 1870) 
mit einer wenigstens einiger Mafsen gleichartigen Darstellung, 



Lin. 



and des Stadtsiegels von Elrich, welches wir deshalb unter 
Nr. LIV mittheilen werden. 

Wir haben frtther, bei Nr. XXXII, bereits die Ansicht von 
Lafcberg's, der die beiden Figuren fflr gewohnliche heraldische 
Schildhalter hielt, widerlegt. Sattler and Pfaff waren in den- 
selben Irrthum verfallen. Es soil auch schon, and zwar von ge- 
wichtiger Seite, die Ansicht ausgesprochen worden sein, die 
Ueberreichung eines Wappenhelmes auf diesen Siegeln bedeute 
wol nichts Anderes, als dafs die Gemahlin ihrem Eheherrn 
eine Grafschaft oder Grafenrechte, wenigstens einzelne Grafen- 
gflter and voile Ebenbttrtigkeit, zugebracht habe. Locher glanbte, 
dafs diese Ansicht durch die beiden Siegel der Grafen Hein- 
rich d. A. : durch das hier unter Nr. LII abgebildete und dnrch 
dessen sp&teres Sig. IY. C. (s. Locher, a. a. 0. Nr. 5) ans den 
Jahren 1270—74, sowie durch Wolfram's Siegel Nr. LIE bestft- 
tigt werde. „Verena von Klingen war ihrem Gemahle Hein- 
rich von Veringen nicht ganz ebenburtig, von niederem Adel, 
brachte ihm nichts Gr&fliches, weshalb sie im Siegelbilde kei- 
nen Helm halt. Als aber der Graf nach dem Tode seines al- 
tera Bruders, Wolfrad, als Familienaitester die Rechte der Graf- 
schaft Veringen ererbt hatte, bediente er sich nie mehr seines 
ursprttnglichen, helmlosen Siegels, sondern eines neuen, welches 
fiber dem Schilde auch den Helm hat, jedoch nicht gehalten 
von Frauenhand, die ihm denselben nicht zubrachte. Auch Sie- 
gel Nr. 9 *) pafst gut hieher. Es gehOrt dem Grafen Wolfrad, 
genannt WOlflin, dem Sohn des Grafen Heinrich de novo Verin- 
gen. Seine Gemahlin war eine geborene Grafin von Hohen- 
berg**). Sie brachte ihm nebst vielen graflichen Gtitern voile 
Ebenbttrtigkeit zu und reicht ihm daher (nach meiner Ansicht) 
anch den Helm im Siegel." So schreibt uns Locher. 

Wir kflnnen diese Ansicht tibrigens vorerst noch nicht thei- 



len. Einmal kommen im 13. Jahrh. Wappenhelme auf Siegeln 
des niedern wie des hohen Adels allgemein vor und bilden 
durchaus weder ein Vorrecht, noch ein Standeszeichen der Dy- 
nasten-Geschlechter. Was sodann den „niederern u Adel der 
Herren von Klingen betrifft, so ist zu bemerken, dafs dieselben 
als freie Herren zum hohen Adel gehflrten, so gut wie die 
Grafen von Veringen. Man unterschied damals zwischen dem 
hohen Adel, denDynasten, und dem niedern Adel, der Rit- 
terschaft; der Grafen titel begrttndete aber keinen Standesunter- 
schied zwischen den Ersteren unter sich. 

Die Erklarung, die wir oben von der Darstellung auf dem 
Siegel des Grafen Wolfrad d. J. (Nr. XXXII) gegeben haben, 
wttrde wol auch auf die ganz gleiche auf dem Siegel seines Soh- 
nes Heinrich d. J. (Nr. LI), sowie auf die ahnliche seines En- 
kels Wolfram, gen. WOlflin, (Nr. LIE) passen ; allein bei n&he- 
rer Untersuchung scheinen die Frauengestalten auf diesen Sie- 
geln doch die Gemahlinnen und nicht die Mutter der Gra- 
fen vorstellen zu sollen. Die urkundlichen Nachrichten, die wir, 
nach Locher, fiber die betreffenden Personen haben, sprechen 
entschieden fur letztere Annahme. Die Mutter ware doch wol 
nur nach dem Tode des Vaters, als Vormttnderin des Sohnes, 
in der Lage gewesen, diesem bei erlangter Voiyahrigkeit Schild 
und Helm zu Uberreichen. Allein die Gebrttder Wolfrad d. J. 
und Heinrich d. A. ftthrten diese Siegel schon zu Lebzeiten ih- 
res Vaters, Wolfrad's d. A. (f nach 1267), und nach dem bereits 
nach 1255 erfolgten Tode ihrer Mutter Anna (von Heiligen- 
berg?). 

Dafs auf den beiden Siegeln Nr. XXXII und LH die m&nn- 
liche Figur etwas kleiner erscheint als die weibliche, kann ftig- 
lich der mangelhaften Kunstfertigkeit des Stempelschneiders zur 
Last fallen. 

Da tiber das Geschlecht und das Todesjahr der Mutter 
Heinrich's d. J. urkundlich nichts bekannt ist*), so gibt die Ge- 
nealogie allerdings keinen sichern Anhaltspunkt in dieser Be- 
ziehung. Die drei Grafen, Wolfrad d. J., Heinrich d. A. und 
Heinrich d. J. aber waren schon verheiratet, als sie sich ihrer 
Siegel Nr. XXXn, LI und LII bedienten; denn Graf Wolfrad 
d. J. hatte bereits 1252 eine heiratsfahige Tochter ; Graf Hein- 
rich d. A. wird schon 1269 von Walther von Klingen „gener 
noster" genannt, und nach Zapf (monum. Anecd. I, 164) soli 
eine Tochter desselben von 1262 bis 1320 an einen Herrn von 
Bucheck verheiratet gewesen sein; mit Graf Heinrich d. J. 
kommt auch schon ein Sohn Wolfrad 1287 in einer Urkunde 
des Klosters Bebenhausen vor. 

Graf Wolfram bediente sich aber seines Siegels, Nr. LIII, 
so viel bekannt, erst nach dem Tode seiner beiden Eltern**). 
Dafs derselbe i. J. 1324 bereits mehrere Jahre verheiratet war, 
steht urkundlich fest; denn schon in einer Urkunde von 1320 
nennt ihn Graf Burkard von Hohenberg seinen „Schwester- 



*) Hier Nr. LIII. 
**) Hohenberg in Schwaben. 



*) Sie konnte eine geborne Grafin von Montfort gewesen sein. 
**) Sein Vater starb nach 1307 und seine Mutter Ida nach 1284. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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mann" *). Hier ist also durchaus kein Grund vorhanden, die 
darch die ganze Darstellung gerechtfertigte Annahme auzuzwei- 
feln, date auf seinem Siegel es die Gemahlin des Sieglers sein 
sollte, welche ihrem vor ihr knieenden Gatten den Wappenhelm 
aufzusetzen im Begriffe steht. 

Schwieriger dagegen ist die Erklarung des Bildes aaf Hein- 
rich's d. A. Siegel (Nr. LI1), zumal wir kein vollst&ndig erhal- 
tenes Original davon mehr besitzen. Unsere Zeichnung ist nach 
dem bis jetzt bekannten besterhaltenen Originalsiegel an der 
Urkunde des Klosters Salem vom Jahr 1268 (M&rz 7., Hohen- 
tengen) im k. preufs. Archive zu Sigraaringen (s. Locher, a. a. 
0. S. 58 und 59) gefertigt, aber etwas zu klein**). Neugart 
(cod. dipl. II, 266) bemerkt zu diesem Siegel nach einem, wahr- 
scheinlich schon damals defecten Originale an einer Urkunde v. 
1269 (s. Locher S. 60): „tria cornua cervina exhibente cum 
duabus figuris femineis circa scutum, paulum inclinatis, ac more 
precantium manus complicatas sursum levantibus ***) ; altera 
puellae, altera anus velatae specimen habet. Singulare hoc est, 
aliisque dijudicandum relinquo, an prior Verenam, posterior hu- 
jus matrem Sophiam repraesentet, pro incolumitate maritif) 
ac generi vota nuncupantes". 

Diese Auslegung Neugart's scheint uns durchaus nicht 
wahrscheinlich. Die kleinere Gestalt, rechts neben dem Schilde, 
scheint uns ein Mann zu sein, und die gr6fsere Frauengestalt, 
auf der linken Seite, scheint einen runden, geschlossenen 
Kranz in den Handen zu halten ; ganz deutlich ist derselbe al- 
lerdings — wie figura zeigt — nicht mehr zu erkennen. Un- 
sere Ansicht, dafs auf diesem Siegel Gr&fin Verena ihrem Gat- 
ten einen Kranz darreicht, wird nicht nur durch das bereits 
erwahnte Siegel der Grafin Irmengard von Wurttemberg 
(Nr. XXXII) unterstutzt, sondern auch durch die allgemeine, 
vielseitige Bedeutung der Laubkranze im Mittelalter und ihren 
haufigen Gebrauchff). 

Nur durch die vergleichende Zusammenstellung dieser vier 
Veringer Siegel konnte man zu einer einiger Marsen sicheren 
Erklarung ihrer Bilder gelangen. 

Bei aufsergew6hnlichen, meist symbolischen Darstellungen 
auf Siegeln aus dem 13. und 14. Jahrh. mufs man im Allge- 
meinen zwischen solchen unterscheiden, auf welchen derartige 
Bilder erstmals vorkommen, und solchen, auf welchen die ganz 
gleichartigen oder doch sehr ahnlichen Darstellungen spater er- 
scheinen. Die ersteren sind Originale, und es ist bei der all- 
gemeinen poetischen und symbolisierenden Eichtung des Mittel- 



*) S. Schmid, Monum. Hohenberg. S. 229 ff. 
**) Das Original mifst 51 Millim. im Durchmesser. 
***) Also war keine Spur von einem Kranze auch auf diesem 
Exemplare sichtbar, wie auf dem Original an der Urk. v. 1267 im 
Stuttgarter Staatsarchive, nach welchem Locher seine Abbildung 4 
gemacht hat. 

f) Und doch sagt er oben „puell8e u . 
ft) S. unsere herald. Monographic: ,,der Sachsische Rauten- 
kranz", Stuttgart 1863, S. 9. 



alters in der Kegel anzunehmen, dafs ihnen ein bestimmter — 
oft deutlich zu erkennender, bisweilen aber auch ziemlich ver- 
borgener — Gedanke des Inhabers (des Sieglers) oder wenig- 
stens des Ktinstlers (des Stempelschneiders) zu Grunde liegt. 
Leztere Siegel, d. h. die spateren gleichartigen, konnen aber 
ebensowohl, und zwar mitunter sogar mifsverstandene und da- 
her zuweilen ganz sinnlose, Copieen der ersteren, alteren Sie- 
gel sein, als wie selbst&ndige, neue Compositionen. Wie 
heutzutage, so spielte auch im Mittelalter und wol mehr oder 
weniger zu alien Zeiten, die Mode eine grofse Rolle in alien 
Kunstprodukten ; wir finden dies namentlich durch die Sie- 
gel bestatigt. Sphragistische Unica sind hochst selten ; doch 
gibt es auch solche. Manches mittelalterliche Siegel, welches 
der Forscher anf&nglich fur ein Unicura halt, findet sich bei 
einem und demselben Geschlechte, einer und derselben Stadt, 
oder in einer gewissen Gegend, meist gleichzeitig , mehr oder 
weniger variiert, bei weiterer grUndlicher Nachforschung nicht 
selten wiederholt. Der Geschmack einzelner hervorragender 
Ktlnstler und ihr Einflufs auf ihre Schiller und Zunftgenossen 
in der Nachbarschaft mag wol auch periodisch, wie auf ande- 
ren Kunstgebieten, bei der Stempelschneidekunst mafsgebend 
gewesen sein. Wer viele mittelalterliche Siegel genau unter- 
sucht hat, wird dies aus eigener Erfahrung bestatigen kflnnen. 

F.-K. 



Kriegszug der Nftrnberger nach Kaltenburg 1435. 

Es ist fur die deutsche Geschichte im 14. und 15. Jahrh. 
von unzweifelhaftem Interesse, dafs alle die einzelnen Falle, in 
welchen die von der Unsicherheit in Handel und Wandel zu- 
nachst bedrohten Stadte einen vorgekommenen Friedensbruch 
durch eigene Kraftanstrengung zu bestrafen und dem Rechte 
Geltung zu verschaffen suchten, an's Licht gezogen werden. 
Solche Begebenheiten legen von der Thatkraft unseres mittelalter- 
lichen Burgerthums und den ihm zu Gebote stehenden Macht- 
mitteln, aber auch von den Schwierigkeiten , mit welchen es 
zu ringen hatte, ein liberaus beredtes Zeugnifs ab. Die allge- 
meinen, oft schiefen Urtheile, welche gerade uber diesen Ge- 
genstand so verbreitet sind, erhalten durch derartiges Detail 
erst ihre wirkliche Begrundung, beziehungsweise Rectification. 

Ein einschlagiges Ereignifs aus den dreifsiger Jahren des 
15. Jahrh. soil hier nach den Urknnden und anderen amtlichen 
Aufzeichnungen des Nurnberger Archives in aller Kurze be- 
leuchtet werden. 

Der Kriegszug, welchen die Stadt Nurnberg im J. 1444 nach 
den Abhftngen des Frankenwaldes vor die Schlflsser Wartenfels 
und Lichtenberg unternahm, ist in den „Chroniken der deutschen 
Stadte, Nurnberg, Nr. IV", durch den Bericht eines Augenaeu- 
gen auf s Anschaulichste zu unserer Eenntnifs gebracht. Nicht 
eine ahnlich eingehende und belebte Schilderung, aber doch 
die eigentlich entscheidenden Daten besitzen wir uber eine 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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zehn Jahre frtiher aus fthnlichem Anlasse hervorgegangene, bisher, 
man kann fast sagen, vollig onbeachtet gebliebene *) Expedition 
derselben Reichsstadt in das schw&bische Land. 

„Wernher Ro(Jhaubter mit hilff, beistannd and czulegnng 
Conrats, Jorgen und Hannsen von Rietheim, gebrudere, and 
ander" baben die Ntirnberger „mit krieg und mutwillen freven- 
lichen understannden, in etliche die iren gevangen gen Kalten- 
burg**) und Rymshart***) gefurt, daselbst in gevenknti(J ge- 
hallten, geplockt, gestockt, geschatzt und das ir genomen." (Urk. 
K. Sigmund's d.d. Tyrnau 18. Juni 1435, Orig. im Ntirnberger 
Archiv Vn, 43, 17; vgL Reg. boica XIII, 343.) 

Bereits am 1. April 1433 war Wernber Rofsbaupter auf 
Klage der Ntirnberger — ttber den Ursprung seines Streites 
mit der Stadt berichtet ein Ausscbreiben des Raths vom 17. Dec. 
1434 im Briefb. Nr. 11 des Ntirnb.Arch., Bl. 162— von dem 
Landgericht des Burggrafthums ge&chtet worden. Die Riet- 
heimer indefs, denen dies nach Kaltenburg verktindet wurde, 
fohren trotzdem fort, ihn za hausen und zu hofenf), ja sie 
haben sich an jenen Anschl&gen betheiligt, von denen mit den 
oben mitgetheilten Worten Kaiser Sigmund spricbt. (VgL neben 
dem angefuhrten zwei andere Ausschreiben von 14. Juni 1435 
im Briefb. Nr. 11, BL 282—286 u. vom 20. Octob. 1435 Reg. 
boica XIII, 357). Am 20. December 1434 hat deshalb der 
Ntirnberger Rath den Brudern seinen Bewahrungsbrief geschrie- 
ben. (Briefb. Nr. 11, BL 165, 166 an Ritter Konrad von 
Rietheim). Und wirklich entschlofs man sich sofort zu einem 
Unternehmen gegen Kaltenburg, welches, so viel wir sehen, in 
der ersten H&lfte des Jahres 1435 zur Ausfuhrung kam. Zwar 
von den Ntirnbergischen Jahrbtichern aus der zweiten Hftlfte 
des 15. Jahrh. wird das Ereignifs noch zum J. 1434 erzfthltff), 
and der Annahme, es sei das kleine Heer vorBeginn des Jah- 
res 1435 von Nurnberg aufgebrochen, steht ein entscheidendes 
Hindernifs nicht im Wege; aber angesichts des Urastandes, 
dafs am 20. Dec. den Rietheimern die Fehde angekttudigt und, 



*) Auch Stalin kommt im HI. Bde. seiner wirtemb. Gesch. 
nicht auf dieselbe zu sprechen. Dagegen hat der Rathsschreiber 
Mullner in seinen Annalen unter Benutzung von Ntirnberger Archi- 
valien ziemlich ausftihrlich iiber den Rofshauptschen Streitbandel 
berichtet, nnd findet man den betreffenden Abschnitt in Roth's 
Gesch. d. Numb. Handels I, 173 — 179 wiedergegeben. 

**) Das Schlofs Kaltenburg, welches den Rietheimern gehorte 
(vgL unten Anm. f) un d im 14. Jhdt. einen Bestandtheil der Graf- 
schaft Helfenstein bildete (Stalin, wirt. Gesch. II, 661), lag unweit 
der Brenz. 

***) Diese Burg gehorte, wie sich aus einem Schreiben vom 
2. Juni 1435 (Briefb. Nr. 11, Bl. 272) ergibt, dem Konrad von 
Rietheim all ein zu. Es ist Remshart an der Kammlach, nordwest- 
lich von Burgau; vgl. Bavaria II, 1068. 

f) Dafs Rofsbaupt „bei den Ryetheimern zu Kaltenburg 

aein wonung" gehabt, sagt das im Text angefuhrte nurnbergische 
Ausschreiben. 

ft) Chroniken d. deutsch. 8tadte, Nurnberg IV, Nr. XI zum an- 
gefuhrten Jahr. 



wie wir gleich sehen werden, erst im September 1435 die 
Mannscbaft beimgekehrt ist, mdchten wir den Auszag lieber 
in den Fruhling 1435 verlegen. Lichtenberg belagerte man 
1444 nicht ganz 6 Wochen lang. 

Die genauesten Nachrichten, welche wir tiber das Unter- 
nehmen besitzen, enthalten die Ntirnberger Stadtrechnungen : 
(Jahresregister III im Ntirnb. Arch. BL 164*, Sept. 1435 ein- 
getragen) „Item ded. 267Va & hi., damit man 103 schutzen 
mit armprosten bestellt hat, darundter 10 bauptman sein, die 
den burgern dienen sullen bi(5 auff Margarete schirist (13. 
Juli 1436) und der ein tail swuren dominica post Margarete 
virginis (17. Juli 1435) und die andern swuren als sie von 
Kaltemburg herheim komen circa Mathei apostoli (21. Sept.). 
Item ded. 2 % hi. Micheln Behem und Bert. Pfintzing zu lie- 
bung als sie die egenanten schutzen bestellten." 

Ferner (ebenda Bl. 165 b ) : w Item dedimns 7016V2 gnld. 
lanndswerung und 1093 U 15 [5 7 hi. zu den 453 guldein 14 & 
15 (5 8 hi., die wir im 34. register verrechent haben" (welchen 
Posten ich nicht aufgefunden habe) „das mit alien sachen auff des 
Rofshaupters und der Rietheimer sach gangen ist seyder sab- 
bato ante Dyonisii (2. October) anno etc. 34 t0 bifiher, als der 
Rosshaupter Bur. Mufilinger unsern burger vieng und gen Kal- 
temburg furet *) , und das auch der zug und raise kostet als 
man Kaltemburg belflgert hett mit sampt der grossen puchsen, 
die Pauls puchsenmeister, der munch, go(5, die da wigt 57 
centner minus 16 "ft**), als das alles die register derselben 
sach au^weisen ***). und bey der rechnung sind gewesen von 
rats wegen herr Hanns Tetzel und herr Hans Teufel. act. feria 
4 * animarum (2. November 1435). die gulden gerechent unum 
pro 1 ft 2 (J hi. summa totalis des au($gebens di(J registers 
in der obgeschriben sach facit in hallensibus 8811 % 18 (5 
7 hi." Dafs Schlofs Kaltenburg von den Ntirnbergern arg zer- 
schossen wurde, meldet das eine der oben angefuhrten Jahr- 
bticher, und eine sp&tere Redaction setzt hinzu, dafs es voll- 
kommen 6d gelegt worden sei. 

Kaiser Sigmund hatte am 18. Mftrz 1435 den Erbkftmme- 
rer Konrad Herrn zu Weinsberg mit der Schlichtung des Han- 
dels beauftragt (Reg. boica XIII, 333; Orig. im Nbg. A.); da 
aber dessen Bemtihungen fruchtlos blieben, oder nicht ernstlich 

*) VgL hiezu die gleich anzufiihrende Urk. K. Sigmund's vom 
18. Marz 1435, wonach Miifflinger von Rofshaupt und Hans von 
Rietheim bei Ulm (nach Reg. boica XIII, 353 zwischen Ulm und 
Biberach) gefangen wurde, spater Peter Bebeim dasselbe Schicksal 
erreichte. Ersterer war urn die genannte Zeit gegen eine Btirg- 
schaft fur 1000 fl. Losegeld freigegeben. 

**) Dieses schwere Stuck war damals offenbar noch neu und 
hat von unserer Expedition 6pater den Namen „die Kaltenburge- 
rin" erhalten, wie die vor Liechtenberg verwendete grofse Bachse 
hiefs; vgl. Chron. d. deutsch. Stadte, Nurnberg II, 66, 21 u. 67, 11. 

***) Darunter ist eine besondere Rechnung, wie sie bei solchen 
Gelegenheiten in der stadtischen Kanzlei 6fters angelegt wurden, 
zu verstehen. Dieselbe hat sich jedoch in unserem Falle nicht er- 
halten. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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genug waren, warden am 18. Juni 1435 (laut der oben angef. 
Urkunde) Ulm, wo fruher W^rnher Rofshaupter Burger gewe- 
sen, und die gemeinen Stftdte der Vereinung in Schwaben an 
des Kaisers Statt als vollmfcchtige Eommissarien mit dera Auf- 
trage eingesetzt, diesen Streit rechtlich zu entscheiden and vor 
Allem die gefangenen Nurnberger sammt ihrer Habe frei zu 
machen. Ein gleiches Kommissorium hat Sigmund dem Mark- 
grafen Friedrich von Brandenburg und Leonhard Marschall, 
Hauptmann der Gesellschaft von St. Jorgen Schild in niederen 
Schwaben, ertheilt (Reg. boica XIII, 343; vgl. auch die tibri- 
gen zu diesem Tage dort aufgefuhrten Urkunden). Da Wern- 
her Rofshaupter den Richtern sich nicht stellte, ja sogar den 
kaiserlichen Boten, der die Vorladung uberbrachte, gefangen 
hielt, ergieng von Seite des Markgrafen Friedrich am 10. Sept. 
1435 (Reg. boica XIII, 353) der Spruch gegen ihn und seine 
Heifer, von denen jedoch die Rietheimer an eben diesem Tage 
zu Nflrdlingen darch den Aasspruch eines Schiedsgerichts mit 
der Stadt Nurnberg vertragen wurden. (Urk. d. d. Nflrdlin- 
gen 10. Sept. 1435 ; Orig. mit anhangenden Siegeln im Nttrnb. 
Archiv VII, 43. 20 ; fehlt Reg. boica, wo XIII, 353 nor eine in 
Folge des Uebereinkommens ausgestellte Urkunde der Riethei- 
mer vom 12. Sept. verzeichnet ist). 

Die Fehde mit dem Rofshaupter spann sich, von des letz- 
teren Seite mit wildem Uebermuthe gefuhrt, noch langer fort. 
Am 20. October 1435 setzte der Nurnberger Rath einen Preis 
auf seinen Kopf: 1000 fl. Landesw. ; fur den, der ihn lebendig 
nach Nurnberg brftchte, 2000 fl. (Reg. boica XIII, 357). Kai- 
ser Sigmund befahl, die gegen denselben von Markgraf Fried- 
rich lftngst auch in seinem und des Reiches Namen ausgespro- 
chene Acht in Yollzug zu setzen (17. Mai 1436; Reg. boica 
XIII, 375. Orig. im Nbg. A.); er best&tigte und erneuerte sie 
sp&ter feierlich durch eine unter dem Majestfitssiegel ausge- 
stellte Urkunde, (28. Juni 1436 ; Orig. im Nbg. A. Reg. boica 
XIII, 378, wozu noch ein am letzteren Orte nicht verzeicbne- 
tes Ausschreiben vom 29. Juni gehttrt, dessen Original eben- 
falls im Nbg. A. aufbewahrt wird). 

Erst im J. 1437 kam, indem man zu beiden Theilen auf 
Marschall Haupt zu Pappenheim compromittierte , eine Richti- 
gung zu Stande und am 23. Aug. des genannten Jahres that 
Kaiser Sigmund zu Prag den Wernher Rofshaupter auf Ansu- 
chen der Nurnberger aus der Acht. (Vid. des Nbg. Landge- 
richts vom 4. Sept. 1437 im Nbg. A.) 

Freiburg i. Br. Theodor v. Kern. 



Miscellen aus Handschriften. 

(Schlufs.) 

III. Scherze. 
Tres sumus inpense socii pueroque caremus. 
Hoc pro lege damns, quod prandia nostra paremus 
Tempore quisque suo, famulantibus ante duobus. 



Tercius ecce dies et me uocat hora coquine. 
Sedulus infirmam stipalis et uimine flammam 
Exhilarando, diu flatu pro follibus utor. 
Poscit opem defectus aque: manus arripit urnam, 
Fons petitur, lapis obicitur, pes labitur, urna 
Frangitur. ecce duplex dampni prouentus, et urne 
Et defectus aque. quid agam, dum consulo mentem, 
Intro forum, sedet onus ibi circumdatus urnis. 
Hunc ego dum lustro, furtum timet et michi „longe 
Vade 44 refert, „quia te cupio magis esse remotum". 
Sic miser abscedo tacitus solusque doloris 
Uindic.at obiecta stimulus, gemitusque coegit 
In lacrimas oculos. dum probra recenseo mecum, 
Inuenio socium, rem narro: „reuertar ad ilium 44 , 
Inquit, „tuque sequens proclames funera patris 44 . 
Dicta placent, rediit, manus hie cito sustulit urnam, 
Hie aliam, si sint solide lustrando. cucurri 
Per medium damans: „insane, tuus pater ecce 
Mortuus est, et adhuc nimium miserande moraris?" 
Obstupet his socius „heu me" damans et ad istud 
„ Mortuus est 44 manibus concussis concutit umas. 
Insequitur, fugio, dampno probra dicta refello. 
Aus Codex Vindobonensis 312 (sec. XTV. ineunt), f. 82* 
und 82 b . 

2. Barbifer hospicium consuetus uisere nostrum 
Venit nil secum praeter „auete" ferens. 
Hunc, ut eram solitus, uultu gaudente recepi 
Hincque ministrando sedala martha fdi 
Sedimus ante focum cereri bachoque litantes 
Intermiscentes seria sepe iocis. 
Ipse mihi barbam summation forpice*) carpens 
Errantes reseco cautus ab ore pilos. 
Hos inquam granos tecum potare uolentes 
Vis circumcido frater ab ore tuo. 
Mox sibi cum granis mordaci forpice barbam 
Furatus raptu uellere nudo genas. 
Ille manu tractare uolens et comere barbam 
Nil nisi nudatam sensit ubique cutem. 
„Ve mihi, ue 44 clamat, „quid fratres, quid prior, abbas, 
Quid dicent alii, uerbera dura dabunt. 
Me rasibarbum pueri per rura uocabunt, 
Abbas atque prior uerbera dura dabunt. 44 
VT ,Frater, in ede mea sum praepositus, prior, abbas. 
Hoc sanxit ihc (ihesus), mos habet, ordo tenet**). 
Clericus aut monachus conversus quando fit hospes, 



*) „fex est filorum. ceps fern pexque pilorum" lautet ein Vers 
in Vindob. 80S, fol. 163 b ; vgl. auch Galfredi Poetria noua u. 981. 
**) Vgl. Ruodlieb n, 224 f. (J. Grimm's Ausgabe, S. 140): In- 
ter nos dum sis, tu nine uelut nos. Quando domum uenias, ibi 
uiuere quis ueluti uis. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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More domns uiuat, que iubet hospes, agat. u " 
Extollens manibus tumidum cratera duabas 
Do debarbato, qui bibit. inde bibo, 
Pacem gertrudis eleuans sic faucibus udis 
Complentes noctem duximus inrequiem. 
Hie mane surgens, nullam benedicite dicens 
Intrat septa, suis ladibrium sociis. 

In einer Macrobias-Handschrift der Rehdigerana (S. I, 4, 
20, sec. XI— XII) von jttngerer Hand foL 8 eingetragen. 

IV. 

Basquil Von Den Papisten anff die Lutheraner 

gemacht. 
Heuer werdet Ihr zusehen, Vber(J Jahr mitte gehen 
Vber ein Klein(J den Hutt abziehen, Vnd Vber ein Kleine(J 

nieder Enien 
Wirstu den Herrzog Krencken, Vnd dich nicht recht Bedencken 
So nimb ein Stab in Deine Handt, Und gehe in ein ander 

Landt. 

Lutherischer Gegen-Satz. 
Eh ich Jesnm wollte Krencken, Vnd nicht an Sein wort ge- 

dencken 
Da(3 Brodt achten far ein Gott, Umbgang halten Ihm Zu Spott 

wenn ich mllste der von gehn, 

Jesus Kan durch Seine Hand, mich wohl fuhren in ein bes- 

ser Landt, 
Dahin gegen Mdnch Vnd Pfaffen, selbst der Teuffel wird weg- 

raffen 

Vnd fur Ihre Procession, geben wird den hellen Lohn, 

Fallen Sie gleich auff die Beine, Eniend drtlcken harte steine 

Schlagen Brust Vnd angesicht, Zttnden an am Tag da(3 licht 

So sind da(J nur Kinder-Possen. die Narren sind geschossen 

Weil Sie so ein freraden Gott, Ehren Ihnen selbst Zu Spott 

Denn da(J ist nur Menschen Tandt, Gott Zu tragen mit der 

Handt, 
Papierfragment sec. XVII. ineunt. in meinem Besitz. 
Breslau. R. Peiper*). 

*) Durch ein unliebsames Versehen des Unterzeichneten ist 
outer den ersten Theil dieses Aufsatzes in Nr. 1 d. BU. ein fal- 
scher Name gekommen. Ich bitte eowohl den Herrn Verfasser, 
ala Herrn Ottow am geneigte Entschuldigfung. 

A. Essenwein. 



Ein Fanstpfand des 15. Jahrhunderts. 

Item concessimus XV C guldein lanndswerung Fritzen 
►lock, Herman Prawnen vnd Cuntzen Sigwein von des rftts 
haip wegen, die sie fQrbas in geheim von desselben rats we- 
gen, gelihen haben vn(Jprm gnedigsten herren kttng Sigmun- 
den dem Rdmischen etc. kttng, darum er in pfantschafft mit 
nlbrein geschirr vnd cleined getan vnd ir yedem des seiner 



kttnglichen gnaden besigelten brief*) fur v° guldein geben hat 
vnd die man wider bezalen sol auff pfingsten schirst, als das die 
drey brief (ausweisen), die sie vns geantwurt haben vnd die da 
ligen in der grossen scateln im kalter bey anderen schuldbrie- 
fen. Darumb dieselben brief aupweisen, ob man die pfant auff 
die vorgeschriben zeit nicht loset, so mag man dieselben klei- 
net verkauffen. 

Actum feria 3. post dominicam reminiscere anno etc. 
xxxj . 

Vnd die egeschriben pfantung haben sie vns auch herauff 
geantwurtt, ir yeder das im eingesetzt ist worden. 

In sunderheit nemlich. Fritzen **) Prawnen : vj k5pff mit 
dem kopff mit dem strawpey, ij klein schewren, j grosse scheur, 
j wasser kandel, j trinkuap mit einem raiger vnd vj schaln. 

Item Cuntzen Sigwein : j trigetfap , ij grop pecher mit vber- 
liden, iij schewren, j steinein schewren, vj kflpff, der ist einer 
ein strawpay. 

Item Fritzen Weiplock : j trigetfast, ***) j kandel , ij pe- 
cher, ij schewren, vij kopff mit vberliden. 

Item dartzu hat man in alien dreien zusamen eingesetzt 
j silberein pecher mit einem vberlid vnd vj schaln. 

Summa funfftzig sttik mit irn zugehoren. Das alles steht 
bey einander auff einem prett hinden in dem gewelb. 

Nota. Man hielt die obgeschriben pfant vnd silbergeschirr 
bip Martini nehstuergangen vnd do die nyemand loset, do liep 
man derselben sttik xliij mit irn zugehOrn sraeltzen vnd das 
golt dauon schaiden vnd also ward darau[5 j c xxxviij mark vij 
lot iiVa quint feinssilbers ; das ward angeslagen ye ein mark vmb 
vij guldein f) minus ij schilling in gold. Item so ward mer 
daraup iiij mark ij lot golds hielt xix garat vnd das ward an- 
geslagen ye ein mark vmb lxvij guldein. Item so hat man 
der obgeschriben stttk vij den burgern behalten zuuerschenken, 
das waren iiij kdpf mit vberliden, ein grosse scheum vnd ein 
kleine Siruische scheur auch mit iren vberliden vnd ein schaln 
innen vergult Dieselben vij stttk wogen xxij mark x lot, das 
ward angeslagen ye ein mark vmb viij guldein. Item so gieng 
an den obgeschriben kleined ab fur ij strau(ky vnd einer stei- 
nein schaln, das zu nichte tocht ij mark. Summa das aup den 
obgeschriben stttken gelOpt ist worden in obgeschribner weise 
facit in toto xiiij^x guldein xiij schilling in gold lanndswerung. 
Dauon hat man geben zu kftrnen, zu smeltzen vnd zu schaiden 
lxxvij guldein vnd also restat der vberlauff xiij c xxxiij guldein 
xiij schilling landswerung, der wir also an den obgeschriben 
xv c guldein bezalt weren, vnd also wer verlust daran j°lxvj 
guldein vij schilling lanndswerung, die man den burgern noch 
an denselben xv° guldein schuldig wer. Dieselben j°lxvj gul- 

*) In den noch vorhandenen Original - Pfandbriefen sind die 
Pfandobjecte nicht spezificiert. 
**) Soil heifsen „Herman u . 

***) In dem der Original-Urkunde beiliegenden Zettel steht „tri- 
genfap" geschrieben. 

f) 1 guldein in gold = xx schilling oder 1 ft 2 p Hllr. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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dein vy schilling haben wir fur ein au(5geben geschriben in 
dem xxxj register in der xj frag*). 

Actum vnd gerechnet feria iij a Barbare virginis. Anno 
din. M°cccc°xxxj. 

Aus einem Mscr. des k. Archivs zu Nurnberg. 

Nurnberg. Dr. Heinrich. 



*) Item dedimus i^lxvj guldein vij p in gold vnum per 1 $> 
ij p hi. faciunt in hallensibus jClxxxiij % ij hi. das verloren ward 
an dem silbergeschirr das vns vnper gnedigster herr der Romisch 
etc. kiing fur xvC guldein eingesetzt hett. Darumb der rat Her- 
man Prawn, C. Sigwein vnd Fritzen Weiploch fiir ge9choben hett. 
(Stadtrechnung vora Jahre 1431 : es giengen demnach 20 hlr. auf 
1 ft). 



Weystumb des Heiligen Leyeu-Sendts *). 

Drey vierzehentag soil der Sendt verkundet werden. 

1st der Sendt einletzig, sol er kommen mit vij Mann: ist 
er aber duppel, ist noch so viel. 

Des abendt so er kompt dem Pastor heim, soil kommen 
d' Glflckner und bringen ein Fauer ohn rauch, und mit den 
Sendtherren e(5en. 

Der Heimberger soil bringen ein ma(3 wein, einen weifien 
Becher und auch mit den Sendherren e(5en. Des Morgens sol 
er abziehen mit wachender Sonnen, uber den Lehnherren soil 
kommen der Schmidt mit ihm bringen 4 eijien und nagel, thuts 
noth sie auch aufschlagen, hat er einen Knecht, sol mit ihm 
kommen, seindt der Schmidt viel, sollen alle kommen, so in 
der pfarre wohnhafftig seindt. Der Mttller soil kommen und 
bringen ein Simmern haber, ein Huhn, und einen .... hund, 
sind der Mttller viel in der pfarre, sollen mit den Sendher- 
ren e(5en. 

Finkenbach in d. Pfalz. J. Schneider. 



*) Aus „Freybeit eines Pastoris zu Finckenbaeh" in der Pfaltz, 
vom J. 1533. Ob dies Weisthum damals verfaist wurde, oder ob 
es Copie, resp. Umschrift, einer alteren Urkunde ist. kann nicht 
gesagt werden, da sich in Bezug darauf nichts findet. 



Das erste in Jutland gedruckte Bach. 

Quedani breues expositioes & legum et iu | 
riu jcocordantie et alligatioes circa leges iu | 
cie p reuerendu in xpo prem ac dnm Kanu | 
turn Ep'm vibergen & venerabi^ vtriusqs | 
iuris doctore sup iutor. legisteriu. | 



Darunter ein Holzschnitt, den ubrigen Raum der Seite 
fullend. Am Ende, Bl. 149 »: 

Impressu3 est aut pns opus putile legis | 
Danice Ripis opa diligentiaq; prebi vi | 
ri Mathei brand' artis imp'ssorie mgrl | 
Anno salutis nre Mccccciiii Nona ka | 
lendas Junii. I 
Das ganze Bl. 149 b enthalt einen grorsen Holzschnitt. Der 
Druck ist gothisch. Seitenzahlen und Custoden mangeln, die 
Signaturen sind indefls vorhanden ; die meist lateinischen Com- 
mentare folgen den in d&nischer Sprache abgefafsten Gesetzen, 
erstere sind in etwas kleinerer Schrift; die Anfangsbuchstaben 
der einzelnen Capitel sind sammtlich rubriciert. 

Bl. 2 a enthalt bis zur Halfte : „In nomine sancte trinitatis, 
etc. 44 und beginnt auf der zweiten Halfte alsdann mit : „Liber 
primus. | Meth logh seal ma landh bygge En wil etc. 44 und 
schliefst Bl. 37 b mit einem Holzschnitt. 

Bl. 38 a beginnt: ,.Incipit liber secundus. | Om sandmen 
Capittulu primii. | In quolibet hareth debent ee octo ve | ridi 
duo in quolibo fierthingh etc. 44 am Schlufs des zweiten Baches 
Bl. 93* ist wiederum ein Holzschnitt. 

Bl. 93 b . Incipit liber Tercius. | Om lethingh Capl'm 
primu. ] und endet auf der oberen Halfte des Bl. 125 a . Die 
ubrigen Seiten bis zum Schlufs des Bl. 149 a enthalten verschie- 
dene constitutiones etc. u. A. 

Constitutio Voldemari regis. 
Handfestningh. 

Alia gstitutio Voldemari regis. 
Constitutio Cristoferi regis etc. 
Bis zum Jahre 1858 war das Dasein dieses ersten in Jutland 
gedruckten und oben beschriebenen Buches tlberhaupt unbekannt; 
auf der damaligen Auction der Libri'schen Bibliothek kam es 
zum ersten Male in die Oeffentlichkeit und mufste ihm daher 
die Ausgabe von „Kopenhagen 1508" den Ehrenplatz der „edi- 
tio princeps 44 abtreten. Libri sagt : „For tracing the etymologie 
of the English language these ancient Danish Laws are almost 
invaluable. 44 Das Exemplar wanderte fur einen bedeutenden 
Preis in die Bibliothek der Universitat Upsala; vorliegendes 
zweites bekanntes Exemplar, stammend aus einer Eopenhage- 
ner Auction, befindet sich augenblicklich im Besitze des Buch- 
h&ndlers Emanuel Mai in Berlin, und ist diesem Exemplare 
die Beschreibung entnommen. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. E. Sebald in Nurnberg. 



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BEILAGE ZUM AJVZEIGER FfR EUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 
1872. J^ 2. Februar. 



Chronik des germanischen Museums. 



Nurnberg, den 15. Februar 1872. 

Se. Majestat der deutsche Kaiser, dem unsere Anstalt so viele 
Beweise allerhochster Huld dankt, hat nach geneigter Mittheilung 
des Herrn Kriegsministers Grafen v. Roon genehmigt, dafs fur un- 
sere WafFenaammlung zwei grofsere franzosische, sowie zwei preu- 
fsische Geschiitze und eine ganze Collection aller seit den Kriegen 
Friedrich's d. Gr. bis jetzt eingefiihrten preufsischen Gewehre und 
Handwaffen als Geschenk tiberlassen werden, wodurch dieser jetzt 
schon so wichtigen, jiingst abermals durch Ankaufe seltener Stucke 
vermehrten Sammlung eine neue Bedeutung erwachst. Auch die 
Stadt Amberg hat dieselbe durch giitige Ueberlassung zweier eiser- 
ner Kanonen vom Jahre 1717 in dankenswerther Weise gcfordert. 

Fur die Sammlung der Grabsteinabgusse hat der steiermarki- 
sche Landesausschufs auf Anregung des dortigen historischen Ver- 
eines einen Abgufa des unlangst wieder aufgefundenen Grabsteines 
des Minnesangers Ulrich v. Liechtenstein zugesagt. 

Herr Consul Plainer dahier hat dem Museum, unter Vor- 
behalt des Eigenthums fur seine Familie, ein uberaus kostbares 
Werthstuck tiberlassen : eine grolse Bettstatt vom Beginn des 17. 
Jahrh. die, von Alabaster und Eisenholz ausgefuhrt und in ver- 
schwenderischer Weise mit Figurchen und Ornamenten geziert, an 
Reichthum der Anlage und Feinheit der Durchbildung wie an 
Sorgfalt der Ausfuhrung wol alle Mobel jener Zeit weit ubertrifft. 

Leider haben wir fur diesen wie fiir so manche andere Gegen- 
stande, die in jungster Zeit erworben wurden, noch keinen Raum 
zur Aufstellung, sondern mass en erst im Fruhjahre durch einen 
kleinen Bau abhelfen. Wir konnen hier allerdings helfen; wo es 
sich aber am grofsere Bauten handelt, mussen wir schmerzlich 
bedauern, dafs unsere Mittel so unzureichend sind. Leider ist 
ein sehr grofser Theil unserer Sammlungen, und zwar Gegenstande 
der Kostumsammlung, ein Theil der Musikinstrumente und man- 
ches Andere nicht aufgestellt. Insbesondere gilt dies von unserer 
Wanensammlung, die nunmehr nach Einlangen des preufsischen Ge- 
schenkes, denen hoffentlich ahnliche aus andern Staaten bald folgen 
werden, bereits zu einem stattlichen Arsenal angewachsen, von 
dem aber ein grofser Theil dem Anblick des Publikums entzogen 
bleiben mufs, so lange nicht der lang ersehnte neue, grofsartige 
Waffensaal gebaut sein wird. 

Bei anderen Abtheilungen werden demnachst die Besucher 
dorch zahlreiche und kostbare neue Zugange erfreut werden. 
So sind jetzt schon die durch das fruher erwahnte Uebereinkom- 
men mit Herrn Pickert dem Museum zugegangenen Glasgemalde 
aufgestellt; die Sammlung der Trinkglaser, Flaschen u. 8. w., 
die im Laufe dieses Winters nicht bios durch aus eben dieser 
Quelle erworbene, sondern auch durch andere hdchst kostbare 
Stllcke bereichert worden ist, hat eine zweckmafsige neue Aufstel- 
lung erhalten, und soeben wird an der gleichfalls durch so viele und 
kostbare Zugange noting gewordenen Neuaufstellung der Fayence- 
sammlung gearbeitet 



Wahrend wir so eine Reihe froher Nachrichten iiber das ge- 
deihliche Wachsthum der Sammlungen mittheilen durften, sind 
glucklicher Weise auch unsere GeldzuflOsse im Steigen. Aus Ham- 
burg wurde uns bereits ein zweites, nicht unbetrachtliches Gaben- 
verzeichnifs fiir den hanseatischen Saal, sowie fur Jahresbeitrage 
mitgetheilt, das wir heute in Erwartung weiterer Zeichnungen 
noch nicht zum Abdrucke bringen. Eine neue Reihe deutscher 
Stadte, die sich durch Jahresbeitrage und einmalige Gaben an un- 
serer Anstalt betheiligen, ist dagegen schon im folgenden Ver- 
zeichnisse aufgefuhrt. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden fol- 
gende neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Von StAdten etc. s Aultenbrg. Stodtgemeinde 8 fl. 46 kr. 
Bautzen. Stadtgemeinde 8 fl. 46 kr. Bunzlau. Stadtgemeinde 6 fl. 
16 kr. Diez. Stadtgemeinde 1 fl. 46 kr. Dlngofflng. Stadtgem. 1 fl. 
46 kr. Dulsburg. Stadtgem. 8fl. 46 kr. Durlaoh. Stadtgem. 6fl. 
Eisfeld. Stadtgem. 3 ti. Enns. Stadtgem. 6fl. 60 kr. Glfiokstadt 
Stadtgem. 7 fl. Grain a. D. Stadtgem. 1 fl. 10 kr. Heohingen. Stadt- 
gem. % fl. Herford. Stadtgem. 6 fl. 16 kr. Ilmenau. Stadtgem. 1 fl. 
46 kr. Klagenfurt. Stadtgem. 11 fl. 40 kr. Labr. Stadtgem. 8fl. 
46 kr. Langenaalza. Stadtgem. 6 fl. 16 kr. Lennep. Stadtgem. 7 fl. 
Llegnitz. Stadtgem. 8fl. 46 kr. Mainbernheim. Stadtgem. 1 fl. 46 kr.* 
Monheim. Stadtgem. 1 fl. 46 kr. Neubrandenburg. Stadtgem. 6fl. 
16 kr. Neu5ttlng. Stadtgem. 2fl. OohsenfUrt. Stadtgemeinde, Sfl. 
Parchlm. Stadtgem. 8 fl. 46 kr. Plauen. Stadtgem. 8 fl. 46 kr. Ra- 
Statt. Stadtgem. 10 fl. Relohenbach i. V. Stadtgem. 3 fl. 30 kr. 
Roth. Stadtgem. Sfl. 30 kr. Rudolatadt Stadtgem. 2 fl. Saarbrii- 
Cken. Stadtgem. 7fl. Schleswlg. Stadtgem. 7fl. Schongau. Stadt- 

femeinde 1 fl. 30 kr. Sohwetz. Stadtgem. Sfl. 80 kr. Stavenbagen. 
tadtgem. 6fl.60kr. Strehlen. Stadtgem. Sfl.SOkr. Tblz. Markt- 
gem. 2fl. Tuttlingen. Stadtgem. Sfl. 80 kr. Villingen. Stadtgem. 
6 fl. Weinheim. Stadtgem. 3 fl. 30 kr. Weael. Stadtgem. 7 fl. Zschop- 
pau. Stadtgem. 8fl. 46 kr. 

Von SUfUnngens NOrnberg. J. G. v. Schlusselfelder'sche Fa- 
milien-Stiftung 26 fl. (statt froher 16 fl.). 

Von Prlvaten: Berlin. Ernst Ewald, Maler, lfl.45kr., Otto 
Godsche, Verlagsbuchhandler, lfl. 46 kr., Gritzner, Lieutenant a. 
D. lfl. 45 kr., Graf Hoverden lfl. 45 kr., Dr. Koch lfl. 45 kr., 
Koch, Konsul, 1 fl. 45 kr., Graf von Oeynhausen 1 fl. 45 kr., Quaas, 
Buchhandler, lfl. 10 kr., Dr. Schubart lfl. 45 kr., Jul. Schubart 
lfl. 45 kr., Seyler, Redakteur des Herold, 5fl. 15 kr., A. Ulrici, 
Kaufmann, lfl. 46 kr., Henri Valette lfl. 46 kr., C. Voigt, Hof- 
graveur, lfl. 45 kr., Jul. Volkart, lfl. 46 kr., F. Warnecke, geh. 
exp. Sekretar, lfl. 45 kr., Theqd. Wegener lfl. 45 kr., Wittich, 
Assessor, lfl. 45 kr. Briinn. Jul! Gomperz, Handelskammerprasi- 
dent, 6 fl. 50 kr., Dr. Kretschmayer , Direktor der hohern Toch- 
terschule u. des k. k. Lehrerinnenseminars , lfl. 10 kr., Dr. J. 
Parthe, Direktor des k. k. Realgymnasiums, 2fl. 20 kr. (statt fru- 
her lfl. 10 kr.), Dr. Ad. Promber, Advokat, lfl. 10 kr., Dr. Alex. 
Rittmann, prakt. Arzt, 2fl. 20 kr., F. Schur, evang. Pfarrer, 2fl. 
20 kr., Dr. Ed. Sturm, Landesadvokat, 6fl. 60 kr., Dr. G. Traut- 
tenberger, evangel. Pfarrer und Consenior, 2fl. 20 kr. Detmold. 
v. Beughem, Hauptmann, lfl. 10 kr., v. Griesheim, Oberstlieute- 
nant, 1 fl. 10 kr., Heitmann, Hauptmann, 1 fl. 10 kr., G. A. B. Schie- 
renberg lfl. 46 kr., G. Thorbecke, Lehrer, lfl. 10 kr., Frau Ma- 
thilde Troost 1 fl. 46 kr. Eisenach. Reichsfreiherr Almar von Boyne- 
burgk Sfl. 30 kr. Horat (Altmark). H. v. Meding, Rittergutsbe- 
sitzer, lfl. 45 kr. Leitmeritz. J. Michitsch, Kaufmann, lfl. 10 kr., 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Dr. A. Rochelt, k. k. Notar, 1 fl. 10 kr. Licbtenftls. Gottl. Bauer, 
Eorbhandler, lfl., Arnold Gofser, Eorbhandler, 1 fl., Eilian, Be- 
zirksgeometer, 1 fl. Niirnberg. Pet Maier, Mechaniker, 1 fl. Rent- 
llngen. Dauer, Rechtsanwalt , lfl., Dr. Friedrich, Professor, 1 fl. 
10 kr., Limmer, BauinspektorJ 1 fl. Rofttook. Dr. Clason 1 fl. 45 kr. 
Schwelnfurt. Adolf Beck, Kaufraann, 1 fl. Zweibrflcken. Aign, Pfar- 
rer in Mimbach, 1 fl., Jul. Dingier, Fabrikbesitzer, 2 fl., A. Netzle, 
Studienlehrer, 80 kr., 0. Sand, Professor, 1 fl. 12 kr. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Von St&dten : Clausthal. Stadtgemeinde 3 fl. 30 kr. Friedrich- 
Stadt. Stadtgemeinde 10 fl. 30 kr. Graslitz. Stadtgem. 2 fl. 

Von Privaten s Charlottenburg Freiherr von La-Roche-8tar- 
kenfels lfl. 45 kr. Forsthaus Rothenburg (Schieslen). Reisner, Re- 
vierforster 35 kr. 

Unsern Sammlungen giengen ferner nachstehende Geschenke zu : 

I. Fur die kunst- und kulturgesehiohtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6481—6610.) 

Amberg. Magistrat: 2 eiserne Geschiitze von 1717 nebst 
Rosten una Lafetten. — Detmoid. Hauptmann Frhr. von Do- 
no p, Fliigeladjutant Sr. Durchl. des Fiirsten zur Lippe: Medaille 
auf die Schlacht bei Langensalza , 1866 , von vergoldeter Bronze. 
Tableau der in der Schlacht bei Langensalza gefallenen hannover 9 - 
8ohen Ofnziere, Photographic. Bronzeroedaille auf die Belagerung 
von Paris, 1870/71. Ansicht des furstl. Residenzschlosses in Det- 
moid, Photographic. Ansicht des Kopfes der Figur vom Hermanns- 
denkmal, Photographic. 4 Gyps- und 51 Lackabdrucke von alte- 
ren und neueren Siegeln. 6 Hamburger Dreilinge von 1855. — 
St 6allen. Dr. 0. Henne-Am Rhyn, Kantonsarchivar : 10 Schrift- 
und 1 Druckprobe. 15 Landkarten vom 17. — 18. Jhdt. und Plan 
der Belagerung von Paris, 1815. 264 Ulustrationen zur Weltge- 
schichte, Eupferstiche von M. Merian d. a. 87 Abbildungen mit- 
telalterlicher Siegel in Federzeichnung, Earte der Stadt Lindau 
mit Umgebung, 1626. N. Abdr. — Mainz. Fr. Schneider, Dom- 
prabendat: Ansicht des Aschaffenburger Schlosses, Epfstch. von 
H. Ostertag. 57 Muster von Seidenstoffen aus dem 16. — 18. Jhdt. 

— Niirnberg. Magistrat: 4 messingene und 2 holzerne Hand- 
feuerspritzen von 1499 ff. M. Feurer, Lehrer: Augsburger 8il- 
bermunze von 1636. Tirol er Silbermunze von 1683. von Hor- 
mann, k. Bezirksger. -Rath : 3 kleinere Silbermunzen , 17. u. 18. 
Jhdt. J. Loser, Kupferstecher : Ansicht von Nurnberg aus der 
Vogelperspective , Photographie. Mattenheimer, k. b. Haupt- 
mann: Franzos. Medaille auf Eonig Ludwig II. von Bay era, von 
vergoldeter Bronze; desgl. auf FurstBismark. Meyer, Dr. med. : 
Hellebartenspitze vom 16. Jhdt. S. Picker t, Antiquar: Franzds. 
Medaille auf General von Moltke, von vergoldeter Bronze. Eur- 
pfalzischer Drittelthaler von 1792. Mehrere Bruchstiicke von Glas- 
malereien des 16. Jhdts. Richter, Privatier: Verzierter Schrank 
von Eichenholz, 17. Jhdt. 10 Holzmodel fur Eattundruck. Frau 
Prof. Zur Strafsen: Spitzenmuster , Nadelarbeit vom 17. Jhdt. 

— Wlen. Alterthumsverein: 1 Bogen mit Sonderabdrucken der 
Holzstocke aus den Verdffentlichungen des Vereins. E. k. Cen- 
tral-Commission: 3 Blatt desgl. aus den Mittheilungen der 
Commission. 

IL For die Bibliothek. 

(Nr. 27,765—27,917.) 
Aarau. Histor. Gesellschaft d. Eantons Aargau : Dies., 
Argovia; Bnd.VI. u. VIL 1871. 8. — Bayreuth. Histor. Verein 
f. Oberfranken: Ders., Archiv ; Bnd. XI, 2. 3. 8. v. Reitzenstein, 
Regesten der Grafen von Orlaraiinde; 2. Lief. 1871. 4. — Berlin. 
Th. Grieben, Verlh. : Hennemann, die Menschenpocken u. Blat- 
tern, ihre Geschichte u. Wesen etc. 1871. 8. Dr. Rudolf Graf 
Stillfried, Oberceremonienmeister , w. geb. Rath etc. Ders., 
die Attribute d. neuen deutschen Reiches. 1872. 8- — Bonn. Rhein. 
Friedr.-Wilhelms-Universitat: Catalogi chirographomm in 
bibliotheca acad. Bonnensi servatorum fasc. VIII. 1871. 4. Bue- 
scher, de judicio officialatus archiepiscoporum Coloniensium in du- 



catu Guestphaliae constitute 1871. 8. Gansen, de rebus Gothicis. 
1871. 8. Hartraann, de contractu matrimoniali. 1871. 8. Heveling, 
de Francisco Balduino. 1871. 8. Eoecher, de Joannis Antiocheni 
aetate, fontibus, auctoritate. 1871. 8. Nohlmanns, vita Arnoldi de 
8elenhofen. 1871. 8. Nebst 52 weiteren akademischen Gelegen- 
heit8schriften. 1870 u. 71. 4. 8. Verein v. Alterthumsfreun- 
den im Rheinlande: Ders., Jahrbucher; 60. u. 51. Heft. 1871. 
8. Eeller, Vicus Aurelii oder Oehringen zur Zeit der Romer. 
1871. 4. — Bremen. Historische Gesellschaft des Eiinst- 
lervereins: Dies., bremisches Jahrbuch; Bnd. VI, 2. 1871. 8. 
— Brixen. Dr. J. C. Mitterrutzner, Gymnas. -Professor: Von- 
bank, Alois Mefsmer, Professor d. Theologie zu Brixen. 2 Bndchn. 
1860 u. 62. 8. Ars metrica; grammatica; synonima Cyceronis; 
dialectica; compilationes supra summulas Magistri Petri Hispani. 
Pgm.-Hs. 13. Jahrh. 8. — Brflnn. Mahrischer Landesaus- 
schufs: Ders., Rechenschafts-Bericht, 1870— 71. 8. Beschlusse des 
Landtages der Markgrafsch. Mahren, 1861—68. 1869. 8. Dr. J. 
Part he, Direktor des k. k. Realgymnasiums : Ders., uber Lehrer- 
bildung und Lehrerbildungsanstalten. 1871. 8- Progr. — Camberg 
(Nassau). F. A. Muth : Ders., Haideroslein. 1870. 8. — Chur. Con- 
radin v. Moor: Ders., Geschichte von Curratien etc; XI. Heft 
1871. 8. — Detmoid. v. Donop, k. pr. Hauptmann: Musee Lor- 
rain au palais ducal de Nancy. 1869. 8. — Eiberfeld. Dr. E. 
Schatzmayr: Ders., de Jansio Enikel ejus que libro qui inscri- 
bitur „Fiirstenbuch v. Oesterreich u. Steyrland. 1869. 8. Sonder- 
abz. — Erlangen. Ed. Besold, Buchhndl. : Menzel, Diether v. Isen- 
burg, Erzbischof v. Mainz, 1459—1463. 1868. 8. v. Stintzing, Hugo 
Donellus in Altdorf. 1869. 8. — Freiburg I. Br. Kirchl.-histor. 
Verein der Erzdiocese Freiburg: Ders., Freiburger Dio- 
cesan- Archiv ; VI. Bnd. 1871. 8. — St Gallen. Dr. Otto Henne- 
Am Rhyn, Kantonsarchivar: Gesangbiichlein fur den Kanton 
St. Gallen. Pap.-Hs. 1725. 2. Verschiedene Bruchstiicke mhd. Pgm.- 
Handschriften : Gebete, Predigten etc. 13.— 14. Jhdt Bruchstuck 
des mhd. Gedichtes v. Eonig Rother. Pgm.-Streifen, 13. Jhdt 
Edictum Rotharis, Abschriften alter Mscr. v. A. Henue. 1859. 8. 
Noueau theatre de guerre ou Atlas geographique et militaire. 1757. 4. 
Die keusche demuthige Seel zu dem Christ-Eindlein. 8. Das Mdn- 
Bter zu Bern. 4. D. goldene Altartafel Kaiser Heinrich's II. 1019. 
1837. 4. Das Dominikaner-Eloster in Bern. 1857. 4. Tibiani panegy- 
ricon super laudibus Acronii lacus inAlemannia. 1869. 4. — Cera. 
Verlag v. Fr. Eug. Eohler: Bruckner, Landes- u. Volkskunde 
des Fiirstenth. Reufs j. L.; 1. u. 2.Th. 1870. 8. — 69Hitz. Ober- 
lausitz. Gesellschaft der Wissenschaften: Dies., neues 
Lausitz. Magazin; Bd. 48, 2. H. 1871. 8. — Heidelberg. Dr. Karl 
Bartsch, Univ.-Prof. : Ders., bibliograph. Uebersicht der Erschei- 
nungen auf dem Gebiete der german. Philologie im J. 1870. 1871. 
8. Sonderabdr. Wetzel's heil. Margarete, v. E. Bartsch. 8. Son- 
derabdr. — Homburg Y. d. H. Friedr. Fraunholz, Buchhandl. : 
Rossel, das Pfalgraben - Castell Salburg bei Homburg v. d. H. 
1871. 8. — Jena. F. J. Frommann, Buchhandler: Hering, ame- 
rikan. Stimmen iib. die Frage: Fraktur oder Antiqua? 1871. 8. 
Universitat: 21 akademische Gelegenheitsschrifben. 1871. 4 u. 
8. — Kadow. C. M. Wiechmann, Gutsbesitzer : Ders., Meklen- 
burg's altniedersachs. Literatur; 2. Th. 1870. 8. — KSIn. Dr. A. 
Reichensperger, k. Appell.-Ger.-Rath : Ders., William Shake- 
speare, insbesondere s. Verhaltnifs zum Mittelalter u. zur Gegen- 
wart. 1871. 8. Sonderabdr. — KSnigsberg. Universitat: 8 aka- 
demische Gelegenheitsschrifben. 1871. 4. u. 8. — Leipzig. Verlag 
v. Bernh. Tauchnitz: Hubler, d. Constanzer Reformation u. d. 
Concordate v. 1418. 1867. 8. Fflrst, Geschichte der bibl. Litera- 
tur; 2 Bnde. 1867. 8. Verlag von J. J. Weber : Illustrirto Kriegs- 
Chronik. 1871. Imp. 2. — Lflbeok. Senat der Stadt: Urkunden- 
Buch der Stadt Ltibeck; HI. Th. 1871. 4. — Magdeburg. Verein 
f. Gesch. u. Alterthumsk. des Herzogth. u. Erzstifts 
Magdeburg: Ders., Geschichts- Blatter etc; 6. Jahrg. , 4. Heft. 
1871. 8. — MOncben. Histor. Commission: Die Re'cesse a. an- 
dere Akten der Hansetage v. 1256—1430. II. Bnd. 1872. 8. Earl 
Theod. v. Sauer, ArtOleriemajor u. Fldgeladjutant Sr. Maj. dea 
E6nig8 v. Bayern: Ders., Grundrifs der Waffenlehre; nebst Atlas. 
1869. 8. Ders., ub. d. Entwickelung der Waffen. 1869. 8. — Me«- 
burg a. D. Histor. Filial-Verein: Gremmel, Gesch. des Her- 



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61 



Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit. 



62 



zogth. Neuburg, hrsg. v. Finweg. 1871. 8. — StNikolaas (Wats). 
Dr. J. van Raemdonck: Ders., Gerard Mercator sa vie et ses 
oeuvres. 1869. 8. — Paris. Aug. Demmin: Ders,, Catalogue da 
Musee des arts plastiques etc.; nouv. ed. 1868. 8. Histoire des 
peintres de toutes les ecoles depuis la renaissance jusqu'a nos 
jours ; ur. 545. 549 — 552 : ecole allemande par M. Demmin. 2- — 
Salzburg. Gesellschaft far Salzburg. Landeskunde: Dies., 
Mittbeilungen etc. 3.— 11. Vereinsjahr, 1863—71. 8. Walz, d. Grab- 
denkmaler von St Peter u. Nonnberg zu Salzburg; 3. Abth. 1871. 
8. Zillner, salzburg. Kulturgesch. in Umrissen. 1871. 8. — Salz- 
wedel. Altmarkischer Verein: Ders., 17. Jahresbericht etc. 
1871. 8. — Sigmarlngen. Hofrath Dr. F. A. Lehner, fflrstl. Bi- 
bliothekar u. Conservator: Ders., furstl. Hohenz. Museum zu Sig- 
maringen. Verzeichnifs der Thonarbeiten. 1871. 8. — Sultzertl (El* 
saas). Jul. Rathgeber, Pfarrer: Ders., Strafsburg im 16. Jahr- 
hundert. 1871. 8. — Tubingen. Dr. Adelb. v. Keller, Univers.- 
Prof. : Bestimmungen beziiglich des provisor. Seminars f. neuere 
Sprachen in Tfibingen. 1871. 4. — - Wemigerode. Harz-Verein 
f. Geschichte u. Alterthumskunde: Hotzen, das Eaiserhaus 
zu Goslar. 1872. 8. Dr. £d. Jacobs, grafl. Archivar u. Biblio- 
thekar: Ders., Geschichte der evang. Klosterschule zu Ilsenburg. 
1867. 8. Ders., der Brocken u. sein Gebiet. 1871. 8. Sonderabdr. 
Ders., ein Zaubereiprocefs zu Egeln im J. 1612. 8. Sonderabdr. 
Ders., ein bisher unbekanntes im J. 1550 — 51 wahrend der Bela- 

ferung von Magdeburg gedrucktes niederd. Gesangbuch. 8. Son- 
erabdruck. Beisner, Grundrifs der Klosterruine zu Walkenried. 
8. Sonderabdr. — Wlen. Herzfeld u. Bauer, Verlagsh. : Ober- 
muller, d. Abstammung der Slaven. 1871. 8. Obermuller, d. Ab- 
etammung der Magyaren. 1872. 8. QuirinLeitner, k. k. Schatz- 
meister : Stein, Beitrage zur Gesch. des Geschfitzwesens ; 1. u. 2. 
Heft. 1836. 8. K. K. Museum f. Kunst u. Industrie: Sches- 
tag , illustr. Eatalog der Ornamentstich-Sammlung des k. k. osterr. 
Museums f. Kunst u. Industrie. 1871. 8. 

III. Far das Arohiv. 

(Nr. 4229—4244.) 

Berlin. Gustav Seyler, Heraldiker: Brief des Abtes und 
Konvents zu Wilzburg an Konrad Posmann iiber ein demselben 
zu Terabreichende8 Leibgeding gegen Verschreibung seines Gutes 



zu Tromezheim. 1354. Pgm. — Dataold. Hugo Freiherr von 
Donop, Hauptmann und Flugeladjutant Sr. Durchlaucht des Fttr- 
sten von Lippe-Detmold : ErkTarung Lutfried Odincs vor Johann 
vom Hagen, einem Freigrafen des Bischofes von Paderborn, in 
Betreff der Benutzung eines Kampes und des einstiren Ruckfal- 
le8 desselben anBertold vonDriburg. 1363. Pap.-Abschr. — Kauf- 
brief des Hermann Schwanegger an Brun von Donop, iiber zwei 
S to eke Landes bei Bockhausen. 1496. Pap.-Abschr. — Schreiben 
Burkard's, Grafen zu Barby, an Kanzler und Rathe zu Koburg, 
in Betreff der Wiedererneuerung einer Obligation. 1578. Pap.-Orig. 
Augusts, Grafen von Hanow, Schreiben an einen ungenannten 
Amtsrath, worin er strenge Untersuchung iiber die demselben auf 
freier Strafse widerfahrenen Beleidigungen zusagt. 1634. Pap.-Orig. 

— Schreiben W. L. Brandenstein's , Obersten, an Johann Ernst, 
Herzog zu Sachsen, wegen einer Schuldforderung an die Gotha'- 
sche Pflege. 1634. Pap.-Orig. — Schreiben Rudolf August's, Her- 
zogs zu Braunschweig - Wolfenbottel , an Friedrich, Herzog zu 
Sachsen, fiber die hinsichtlich der Walkenried'schen Eisenhut- 
ten zu treffenden Verfiigungen. 1675. Pap.-Orig. Erlafs Fried- 
rich Wilhelm'8 I., Konigs von Preufsen, an das Kammergericht, 
hinsichtlich der Wiedereinsetzung des Hauptmanns vonBork. 1733. 
Autogr. Beileidsanzeige Konig Friedrich Wilhelm's HI. von Preu- 
fsen an den Konig von Danemark iiber den Tod der neugebornen 
Prinzessin, der Tochter des letzteren. 1805. Autogr. Schreiben des 
Auditeurs Grabbe. 1829. Autogr. Schreiben des Componisten Dr. 
G. Marschner zu Hannover. 1838. Autogr. Autograph Wilhelm's I., 
Konigs von Preufsen, 1868. — St. Galien. Dr. Otto Henne, Kan- 
tonsarchivar : Verschreibung des Hans Lind, Burgers zuKonstanz, 
an Elisabetha Gangenbach daselbst, iiber vierzig Pfund guter Pfen- 
nige Konstanzer Miinze. 15. Jahrh. Pgm. (Bruchstuck). Pachtbrief 
des Heinrich Hofer von Ffissen, Klenkers und offentlichen Notars, 
im Namen Johannes Hawbold's, Vorstandes der Pfarrkirche von 
SachBenried, an Jakob Klain von Mindelheim, fiber verschiedene 
Einkunfte entgegen der Einzahlung einer Jahresrente. 1464. Pap.- 
Orig. — Schreiben derSchdffen von Lindau an den Freigrafen zu 
Brakel, zum Schutze ihres von Heinrich Reichenbach vor den Stuhl 
dieses letzteren geladenen Mitbargers Martin Albrecht. 1466. Pgm. 

— Nurnberg. Sigmund Pickert, Antiquar: Kaufbrief des Ga- 
stalden Petrus Gentaracus in Venedig an Martin, den Sohn des Jo- 
hannes da Silva in Brundulum, fiber ein daselbst gelegenes Stuck 
Land. 1052. Pgm. 



Chronik der historiscben Vereine. 



Forschungen zur Deutschen Geschichte. Herausgeg. 
von der historischen Commission bei der Kgl. Bayer. 
Akademie der Wissenschaften. Zwolften Bandes erstes 
Heft. Gottingen, Verlag der Dieterich'schen Buchhandl. 1871. 8. 

Kurffirst Moritz u. die Ernestiner in den Jahren 1551 u. 
1552. Von Prof. W. Wenck. — Die Wahl Lothars IU. zum deut- 
schen Konig. Von Gymnasiallehrer Th. F. A. Wichert. — Ueber 
die Herkunfb des Markgrafen Luitpold L von Oesterreich. Von 
Advokat Dr. F. Stein. — Karl der Grofse in northumbrischen 
Annalen. Von Prof. R. Pauli. — Geschichte des Marcomannischen 
Krieges. Von weil. Dr. H. Dettmer. 

Die Rece8se und andere Akten der Hansetage von 
1256 — 1430. Band IL . . . hrsg. durch die historische Com- 
mission bei der Konigl. Academic der Wissenschaften. 
Leipzig. Verlag von Duncker AHumblot. 1872. 8. XIV. und 518 Stn. 

In der Monatsversammlung des historischen Vereins von 
Oberpfalz und Regensburg vom 7. December 1871 berich- 
tete Freiherr von Reichlin-Meldegg Qber eine bisher unbekannt ge- 



wesene, in Berlin antiquarisch erworbene, von Jacob Sturm urn 
1661 verfasste Regensburger Chronik in Versen. Archivar Dr. 
Will besprach Dr. Tocche's jungst erschienene Geschichte Kaiser 
Heinrich's VI. „und machte besonders aufmerksam auf den lebhaft 
gefiihrten Streit iiber die Lage des Ortes „Rithiencia. u 

Die Alterthtimer unserer heidnischen Vorzeit. Nach 
den in offentlichen und Privatsammlungen befindlichen Originalien 
zusammengestellt und herausgegeben von dem romisch-ger- 
manischen Centralmuseum in Mainz durch dessen Director 
Dr. L. Lindenachmit. IH. Band, 1., 2. und Beilage-Heft. Mainz 1871, 
Victor von Zabern. (Bd. I und U fehlen dem germ. Mus.). 

Achtundvierzigster Jahres-Bericht der Schlesi- 
schen Gesellschaft fur vaterlandische Cultur. Enthalt 
den Generalbericht iiber die Arbeiten und Veranderungen der Ge- 
sellschaft im J. 1870. Breslau, 1871. Bei Josef Max u. Komp. 8. 

Historische Vortrage: Beitrage zur Charakteristik Friedrich 
Carl v. Moser's. Von Dr. Grofsmann. Mittheilungen fiber das Con- 
cil von Trient. Von Prof. Dr. Reimann. — Ueber den bohmisohen 



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Anzeiger far Kunde der deutschen Vorzeit. 



64 



Herrenbund gegen den Kdnig Georg v. Bohraen. Von Dr. Mark- 
graf. — Ueber das Verhaltnifs der christlichen Archaologie zur 
claseischen Alterthumskunde und zur Geschichtsforschung. Von 
Dr. Alwin Schultz. — Ueber den Schauplatz der Schlacht bei Lieg- 
nitz 1760. Von Prof. Dr. Kutzen. — Ueber Elsafs und Lothringen. 
Von dems. 

Zeitschrift des Vereins fiir Geschichte und Alter- 
thum Schlesiens. Namens des Vereins herausgegeben von 
Dr. Colmar Grunhagen. Zehnter Band, zweites Heft (Nebst Re- 
gister zu Band VI — X.) Breslau, Joseph Max u. Komp. 1871. 8. 

Topographic Breslau's im 14. und 15. Jahrh. Von Dr\ Alwin 
Schultz. (Mit 1 Tafel.) — Die Streitigkeiten zwischen Adel und 
Stadten der Furstenthumer Schweidnitz und Jauer und die Privi- 
legienbiicher des Schweidnitz-Jauer'schen Adels. Von Dr. H. Grote- 
fend. — Die Schlesier auf dem bohmischen General land tag e von 
1611. Von Prof. H. Palm. — Zur Geschichte der Buschprediger 
im Furstenthum Jauer. Von Pf. Sommer. — Ueber die provincia 
Holacensis. Von Prof. Biermann. — Die Thesen der Disputation 
des Johann Hefs vom 20. April 1524 in deutschem Texte, mitg. 
von Prof. Dr. J. Kostlin. — Zwei Gedichte uber den unverrichte- 
ten Abzug der Polen von den Mauern Breslau's (1474), mitgeth. 
durch Prof. H. Zeifsberg. — Die Ausfertigungsformeln in den al- 
teren schlesischen Urkunden. Von Kammerer. — Die Bibliothek 
und Verlassenschaft des Dom-Altaristen Theodor Key 11, gest. zu 
Breslau 1504. Von A. Knoblich. — Archivalische Miscellen. — 
Die Paternitat liber das Vincenzstift zu Breslau, von Dr. H. Grote- 
fend. — Nekrolog der Pramonstratenser zu 8t. Vincenz bei Bres- 
lau. Hrsg. von Paul Hein. Mit einer Einleitung von Prof. Dr. 
Grunhagen u. chronologisch - heortologischen Erlauterungen vom 
Vik.-Amts-Rath Mache. — Vereinsangelegenheiten. 

Scriptores rerum Silesiacarum. Hrsg. von dems. Ver- 
eine. Sechster Band. Geschichtsquellen der Hussitenkriege. Hrsg. 
von Dr. Colmar Grunhagen. Breslau, Josef Max u. Comp. 1871. 
4. X u. 191 Stn. 

Die Schlesischen Siegel bis 1250. Im Namen desselben 
Vereins hrsg. von Alwin Schultz. Mit 9 lithographierten Tafeln. 
Breslau, Josef Max u. Komp. 1871. 4. 14 Stn. Text. 

Deutscher Herold. Zeitschrift fur Heraldik, Sphragistik 
und Genealogie. Organ des Vereins fur Siegel- u. Wap- 
pen-Kunde zu Berlin. 2. Jahrg. 1871. Nr. 11 u. 12. 4. 

Ueber Formen und Mafse der Siegel des Mittelalters, besonders 
in den Sudbaltischen Land era. (Pyl.) Fund alter Wappen-Holz- 
schnitz-Arbeiten auf einem Speicher zu Juterbogk. (M. Gritzner.) 

Mittheilungen des Vereins fiir Geschichte und Al- 
terthumskunde von Erfurt. FttnftesHeft. Erfurt, 1871. 8. 

Vereinsangelegenheiten. — Gechichte des Schlosses Muhlberg 
in Thdringen und der davon benannten Grafen. Von Dr. B. F. 
Hesse. — Beitrage zur Bevdlkerungs-Statistik von Erfurt (beson- 
ders im 17. und 18. Jahrh.). Von Alfred Kirchhoff. — Heinrich 
von Frimar. Vom Archivrath Beyer. — Einige Notitzen fiber das 
von den aufruhrerischen Bauern 1525 eingefuhrte Stadt- Siegel. 
Von Wilhelm Schum. — Beitrage zu den Regesten der Grafen 
von Gleichen. Erste Abtheilung (bis 1300). Von W. Frhrn. von 
Tettau. — Miscellen. 

In der Versammlung des Vereins vom 28. November vor. J. 
legte der Vorsitzende zuerst die eingegangenen Geschenke vor, da- 
runter ein hochst interessantes Petsohaft mit einer grolsen An- 



zahl Wappenfelder. Sodann gab er ausfuhrlichen Bericht uber 
die Entdeckung eines neuen Leichenfeldes am nordlichen Ende 
von Ilversgehofen. Lehrer Ney las uber Karl den Grofsen und 
die sachsischen Kaiser in ihren Beziehungen zu Thuringen. 

Geschicht 8- Blatter far Stadt und Land Magdeburg. 
Mittheilungen des Vereins fur Geschichte und Alter- 
thumskunde des Herzogthums und Erzstifts Magde- 
burg. 6. Jahrgang. 1871. 3. Heft. Magdeburg, 1871. Verlag 
der Schafer'schen Buchhandlung (A. Riidiger). 8. 

Beitrage zur altesten Geschichte der Buchdruckerkunst in Mag- 
deburg. 1. Die Drucker des XV. Jahrh. Forts. Von Dr. L. 
Gotze. — Eine alte Magdeburgische Kirchen-Ordnung vom Jahre 
1400 ca. In's Deutsche fibertragen und erlautert von Dr. F.Dan- 
neil. — Erzbischof Wilbrand's Wahl u. Weihe im Jahre 1235. 
Vom Archivrath v. Miilverstedt — Zur Geschichte der Magdebur- 
gischen Gesangbucher. (Schlufs.) Vom Supermt. A. Fischer. — Das 
Deichrecht des Gerichts Plote aus dem Ende des 14. oder Anfang 
des 15. Jahrh. Nebst Anhang : Die Zerstorung des Schlosses Pa- 
rey. Von v. Miilverstedt. — Ein Zaubereiprozefs zu Egeln im 
Jahre 1512. Von Dr. E. Jacobs. — Ueber eine Gemeinschafts- 
mflnze der Edeln Herren Richard v. Friesack und Johann von 
Plote. Von Dr. Lisch. Mit einem Zusatze von v. Miilverstedt. 
— Miscellen u. s. w. 

Bremische8 Jahrbuch. Herausgegeben von der hiato- 
rischen Gesellschaft des Kunstlervereins. Sechster Band. 
Erste Halfte. Bremen. Verlag von Ed. Muller. 1871. 8. 

Vereinsangelegenheiten. — Bremen im Jahre 1663. Bericht 
des Grafen Priorato. Mitg. von Heinr. Motz. — Der Taufkessel 
des Dome zu Bremen. Von H. A. Muller. — Hartwich von Stade, 
Erzbischof von Hamburg-Bremen. Von Georg Dehio. 

Kirchen und Kapellen im Konigreiche Hannover, 
Nachrichten uber deren Stiftung, Bauart, Gerathe, Kunstschatze 
und Alterthumer, zusammengestellt von H. Wilh. H. Mithoff. Her- 
ausgegeben vom historischen Vereine fur Niedersachsen. 
Erstes Heft: Gotteshauser im Furstenthume Hildesheim. Tafel I 
— V. Hannover. Hahn'sche Hofbuchhandlung. 1865. gr. 8. VI 
u. 66 Stn. 

Zeitschrift des Architecten- und Ingenieur- Ver- 
eins zu Hannover. Band XVH. Heft 8. (Jahrg. 1871.) Han- 
nover. Schmorl & von Seefeld. 1871. 2. 

Geschichte der Gesellschaft zur Beforderung des 
Guten und Gemeinnutzigen in Basel Dreiundneunzigstea 
Jahr. 1869. Basel, Schweighauserische Buchdruckerei. 1870. 8* 
278 Stn. 

XLVIH. Neujahrsblatt fur Basels Jugend. Herausg. 
von ders. Gesellschaft 1870. 4. (Inhalt: Die kriegerischen Ereig- 
nisse in der Schweiz wahrend der Jahre 1798 und 1799. Von 
Dr. Carl Wieland.) 

L*J Neujahrsblatt. 1872. (Inhalt: Eine Basler Bdrger-Fami- 
lie aus dem sechzehnten Jahrhundert Von Prof. Wilhelm Vischer- 
Heusler.) 

Argovia. Jahresschri ft der Historischen Gesell- 
schaft des Kantons Aargau. VI. Band. Aarau, H. R. Saner- 
lander. 1871. 8. 



•) XLDL Blatt fehlt 



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Anzeiger fur Eunde der deutschen Vorzeit. 



66 



Die Reformation in Bremgarten, von PL Weissenbach. — 
Hans von Hallwil, der Held von Granson a. Murten, von C. Brun- 
ner. — Das Jahrzeilenbuch der Lentkirche von Aarau, von J. 
Hnnziker. — Ein Wiedertaufer aos Klingnau, vonTheodor v. Lie- 
benau. 

VII. Band. Die Munzsammlung des Eantons Aargau, gebildet 
tos den vereinigten Munzsammlungen des bisherigen Antiquitaten- 
Kabinets zn Konigsfelden, des ehemaligen Elosters Mori und der 
Historischen Gesellschaft des Eantons Aargau .... geordnet und 
besohrieben durch A. Munch. Aarau, H. R. Sauerlander. 1871. 8. 

Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft 
(der Gesellschaft for vaterlandiscbe Alterthumer) in Z u r i c h. (Band 
XVL Abth. II. Heft 4. Be9chreibung der Burg Kyburg. Von M. 
Pfeu u. Prof. G. Kinkel. Zurich, 1870. 4. (21 Stn. u. 6 Taf. Abb.) 

Bd. XVH, Heft 5. Burg Mammertshofen (Kanton Thurgau) 
and zwei andere schweizerische megalitbische Thflrme. Von Prof. 
Dr. G. Meyer von Knonau. Zurich, 1871. 4. 

8anct Gallische Denkmunzen. Beschrieben und erlau- 
tert von August Naf. Herausgegeben vom Historischen Ver- 
ein in St. Gallen. 8t Gallon, 1871. 4. 13 Stn. u. 1 lith. Taf. 

Der Geschichtsfreund. Mittheilungen des historischen 
Vereins der funf Orte Lucern, Uri, 8chwyz, Unterwal- 
denundZug. XXVI. Band. (Mit zwei colorierten Tafeln.) Ein- 
riedeln, New -York und Cincinnati, 1871. Gebr. Karl u. Nikolaus 
8. 



Die Landammanner und Amtsleute des Landes Nidwalden. 
(1275 bis 1531.) — Geschichte der Pfarrei Ruswil nach den Quel- 
len der Archive. — Die Mail an der Rundschilde im Zeughause zu 
Lucern (mit zwei colorierten Tafeln). — Funf Nekrologien und 
Jahrzeitbucher des ehemaligen Frauenklosters in Engelberg. — 
Zin8rolle der Abtei Zurich, aus der Mitte des 9. Jahrh. — Das 
Land Uri und das Stift Beromunster, Schicksalsgenossen ; oder Ein- 
weisung einer Urkunde in das richtige Jahr (25. Mai 1231). — 
Die Statuten oder Kirchensatzungen Bischofs . Rudolf (von Mont- 
fort) von Constanz (1327). — Die Ortsnamen Schwiz und Stans, 
eine etymologische Erorterung. — Urkundenlese aus den fdnf Or- 
ten, von 1274 bis 1559. — Chronolog. Inhaltsverzeichnifs sammt- 
licher abgedruckten Urkunden des XXVI. Bandes. 

Archiv d es Historischen Vereins des Eantons Bern. 
VH. Band. Viertes Heft*). Bern, 1871. 8. 

Die Jahrzeitbucher von Jegistorf , von Staatsschreiber M. von 
Sturler. — Von Basel uber den St Gotthardt im November des 
Jahres 1625, nach einer polnischen Handschrift. — Jahresbericht 
fur 1870/71. — Frankreich und die Schweiz. Geschichtliche Er- 
innerungen. Vortrag von Prof. Dr. Hidber. — Die Ordensregeln 
der Dominikaner - Frauenkloster nach einer Berner - Handschrift. 
Mitg. von Prof. Dr. G. Studer. 

Archives de la Societe d'histoire du Canton de 
Fribourg. Tome HI, Livraison Ire. 8. 228 Stn. (0. 0. u. J.) 



*) Das letste (4.) Heft vom VL und die ersten drei des VIL Bandes fehlen* 



Nachrichten. 



Literatur. 

Neu er8chienene Werke. 

4) Vestiarium christianum. The origin and gradual de- 
velopment of the dress of the holy ministry in the church 
by the Rev. Wharton B. Marriot. London, Rivingtons. 
186a gr. a LXXXTV u. 252 Stn. 7 Holzschn. u. 58 
Tafeln. 

Der Verfasser hat sich die Aufgabe gestellt, die Entstehung 
und Ausbildung der kirchlichen Gewander an der Hand der schrift- 
lichen und monumentalen Quellen nachzuweisen. In der Einleitung 
fchrt er die beiden sich entgegenstehenden Auffa&sungen iiber den 
Ursprung der liturgischen Kleidung an,.wornach die Einen den- 
selben unmittelbar in der Nachbildung der Aaronitischen Priester- 
kleidung suchen, die Anderen dagegen behaupten, dafs in der 
apostolischen Zeit ein wesentlicher Unterschied zwischen der da- 
maligen profanen Tracht und der Kleidung der Bischofe und Prie- 
ster nicht bestanden habe. Der Verfasser, welcher im Ganzen 
letzteren Standpunkt theilt, entwickelt seine Ansicht des Naheren, 
indem er drei Perioden annimmt: die primitive bis zum Schlusse 
des 5. Jahrhunderts, die des Ueberganges bis zum Schlusse des 
8. Jahrhunderts und die dritte von da bis zur gegenwartigen Zeit ; 
bezoglich der abendlandischen Kirchen begrondet hier die Refor- 
mation jedoch eine neue Theilung. In der ersten Periode war 
die liturgische Kleidung nach StofP, Gestalt und Name identisch 
mit jener, welcher sich Personen von Rang bei Festgelegenheiten 



bedienten; gerade durch den erkennbaren Unterschied vom werk- 
tagigen und Arbeitsgewande war dieselbe geeignet, auch bei 
gottesdienstliehen Versammlungen getragen zu werden. Als in 
der folgenden Periode die Sturme der Volkerwanderung herein- 
brachen, wurde die Sprache in ihrer klassischen Reinheit und 
das altromische Kostum mit bewufster Entschiedenheit und Vor- 
liebe von jenen Kreisen festgehalten , welohe gegen das unaufhalt- 
sam alles uberfluthende Barbarenthum auch in dem aufeeren Le- 
ben sich abschliefsen wollten. Dem entsprechend bewahrte sich 
die altklassische Tracht, nachdem sie aus dem profanen Leben 
langst verschwunden war, noch jetzt bei den Staatsamtern und 
zugleich, als allein angemessen, auch im Dienste der Kirche. In 
der carolingischen Zeit beginnt man den Parallelismus zwischen 
der priesterlichen Kleidung des alten und der des neuen Bundes 
zu verfolgen und bald auch weiter auszubilden; in Folge dessen 
werden, wenn auch nicht mit der reifsenden Schnelligkeit, wie 
der Verfasser meint, selbst manche Veranderungen und Zufiigungen 
gemacht,^ wodurch die Analogie zwischen der levitischen und der 
kirchlich-liturgischen Kleidung immer deutlicher hervortritt Dafs 
die katholische Kirche mit geringen Modificationen bis jetzt an 
dem im Mittelalter festgestellten Typus der liturgischen Gewander 
festgehalten hat, ist bekannt; in England brachte die Reformation 
dagegen betrachtliche Veranderung in dieser Hinsicht hervor. 
Wenn nun der Verfasser das Resultat, worin seine gelehrten Stu- 
dien und der Beweis ailer Monumente zusammenlaufen , dahin an- 
gibt, dafs die kirchliche Kleidung der englischen Hochkirche zwar 



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Anzeiger fur Eunde der deutschen Vorzeit. 



68 



nicht dem Namen nach, jedoch nach Farbe and Schnitt vollstan- 
dig identisch mit jener sei, in- belcher die Apostel auf den al- 
testen Denkmalen erscheinen, welche daher die priesterliche Elei- 
dung der ersten Jahrhunderte war, so ist diese Schlufsfolgerung 
zwar fur den Standpunkt dee Verfassers sehr bezeichnend, mit 
Recht wird jeder Unbefangene aber die Objectivitat des Urtheils 
vermissen, und selbst die auf Taf. LXIII bildlich dargestellte Ablei- 
tung der Chorkleidung eines English clergyman of the present day" 
yon der Toga der apostolischen Zeit kann nicht uber die gerech- 
ten Bedenken hinweghelfen. 

Wahrend der Verfasser verhaltnifsmafsig kurz die liturgischen 
Gewandstiicke im Einzelnen behandelt, tbeilt er auf 178 Seiten 
die entsprechenden Stellen der kirch lichen Schriftsteller des Alter- 
thums und des Mittelalters vollstandig mit und erlautert diesel- 
ben mit zahlreichen Noten. Durch diese Anordnung hat das 
Werk einen bleibenden Werth und verdient mit Fug und Recht 
den Titel „Vestiarium christianum". Obschon die Textauswahl 
nicht erschopfend ist, so geniigt aber diese Uebersicht far die 
meisten Falle und erleichtert wesentlich das Quellenstudium. Die 
Abbildungen, geben, nicht in der beaten Auswahl und in einer un- 
gleichartigen und ungeniigenden Darstellungsweise , vielfach Be- 
kanntes und nur wenig Neues. Leider sind gerade die Tafeln, 
fur welche zum ersten Mai die so iiberaus werthvollen colbrierten 
Zeichnungen von Santo Bartoli aus der Privatbibliothek der Ko- 
nigin zu Windsor beniitzt wurden, sehr unzureichend. In den sie- 
ben Appendices sind schatzenswerthe Beitrage enthalten. Der Li- 
teraturnachweis ist mit grofser Sorgfalt gefuhrt und das Register 
zur Beniitzung des Werkes von Werth. F. S. 



Aufsatze in Zeitschriften. 

Die Biene (von Enders): Nr. 3. Dreikdnigspiele. (Jul. Feifalik.) 
Europa: Nr. 2. Die Donau im Spiegel mahrischer Volksdichtung. 

Nr. 5. AlbertuB Magnus und die Alchemie. (Dr. C. Jessen.) 
Die Gartenlaube: Nr. 5. Die Wartburg bei 01 ten (Schweiz). 

(Fritz Rudiger.) 
Im neuen Reich: Nr. 1. Erinnerung an Kepler, zum 27. Decem- 
ber 1871. — Nr. 8. Uhland als Forscher germanischer Sage und 

Dichtung. (Mich. Bernays.) — Nr. 7, S. 247. Der Mythus von 

der Siindfluth. (Th. Noldeke.) 
Preufs. Jahrbucher: 29. Bd., 1. Heft, S. 1. Die deutsche Sprach- 

einheit. (Wilh. Scherer.) 
Deutsche Kunst-Zeitung: Nr. 3ff. Was heifst Styl in der 

bildenden Eunst? 
Die Natur: Nr. 2ff. Zur Geschichte des Zwickauer Steinkohlen- 

baus. (Bud. Miildener.) 
Augsb. Postzeitung: Sonntagsbl., Nr. 5. Die heilige Notburga. 

(Hans Weininger.) 
8chles. Provinzialb latter (Riibezahl): Oct. 1871. Slavisches 

im Deutschen. (Dr. Beyersdorff.) — Lowenberg (zur Geschichte 

der Stadt). (Carlott.) 
K. preufs. Staatsanzeiger: Beil., Nr. 33. Jomsburg, Julin, 

Vineta, die untergegangenen Stadte der Ostseekuste. — Nr. 34. 

Sagen der Mark Brandenburg. — 1872, Nr. 1. Ein pommer'- 

sches Herzogthum und eine deutsche Ordenskomthurei. 
Ueber Land u. Meer: Nr. 19. Die Burg Friedland in Bohmen. 



Wochenblatt der Joh.-Ord.-Balley Brandenb.: Nr. 1. 7. 
Von Wort-Symbolen und symbolischen Bezeichnungen. 

Zeitschrift f. bild. Eunst: 4. Heft, Beil. Nr. 8, Sp. 149. Die 
Abteikirche von St. Martin zu Eoln und ihre neueste Reetaura- 
tion. — 5. Heft, S. 139. Das Doxal in der Stiftskirche St. Maria 
in capitolio zu Eoln. (L. Ennen.) — S. 141. Archivalische Bei- 
trage zur Eunstgeschichte. 1. (Ders.) 

Allgem. Zeitung: Beil., Nr. 11. Pirkheimer u. Scheurl. (Loch- 
ner.) — Nr. 44. Maerlants Trojanischer Erieg. (F. v. H.) — 
Nr. 45. Die Erypta des Doms zu Mainz. (W. Lubke.) 

Illustr. Ztg. : BeiL zu Nr. 1492. Der Eaiserstuhl von Goslar. 
— Nr. 1493. Aschermittwoch (das Aschabkehren in Leipzig. (0. 
Frhr. v. Reinsberg-DUringsfeld.) 

Strafsburger Zeitung: Nr. 14ff. Das Lugenfeld (Elsafs). Eine 
retrospective Eritik. — Nr. 27 ff. Annalen eines Hauses in Strafc- 
burg. 



Vermischte Nachrichten. 

5) Aus Mainz wird uns mitgetheilt, dafs die Wiederher- 
stellung der Erypta unter dem Ostchore des dortigen 
Dome 8 durch Beschlufs des Bischofs und des Domcapitels vom 
24. Januar nunmehr definitiv gesichert ist, nachdem vor einem hal- 
ben Jahre die Sache eigentlich so gut wie verloren war. Es bleibt 
nur noch zu wflnschen, dafs die Bauherren sich bezttglich der De- 
tailfragen, namentlich der Hohe der Wolbung und der entsprechen- 
den Bodenlage des Chores nunmehr auch von denselben sachli- 
chen Erwagungen mochten lei ten lassen, welche jetzt zu diesem 
ersten, hocherfreulichen Entschlusse gefuhrt haben. Die theilwei- 
sen Nachgrabungen , welche in der Apsis in den letzten Wochen 
vorgenommen wurden, haben auch hier die uber Manneshohe er- 
haltene Wandarchitektur der Erypta zu Tage gefordert ; Halbsaule 
und Pilaster mit den Details entsprechen genau den bereits auf- 
gedeckten Resten unter der Yierung. Die vollstandige Aushebung 
des Bodens im ganzen Chorraume verspricht eine interessante 
Ausbeute an Grabfunden und hoffentlich findet sich auch noch die 
Disposition der Saulen der Erypta selbst vor. Die zahlreichen 
Sculp turfragmente, welche jungst in der oberen Bodenschicht er- 
hoben wurden, ruhren aus der Zeit der Neuerungsgelfiste her- 
welche um 1683 den Dom um den herrlichen go this chen Lettner, 
um das Ciborium iiber der unterirdischen Martinuskapelle und 
um andere kostbare Perlen mittelalterlicher Eunst brachten. — 
Bei der am 29. Januar von Bischof und Domcapitel mit dem Dom- 
baumeister vorgenommenen Localbesichtigung der Reste der Erypta 
im Mainzer Dom und der verschiedenen Spuren, welche sich auf 
die friiheren Anlagen beziehen, wurde die Beibehaltung der ur- 
sprunglichen Hohenverhaltnisse fur Erypta und Chorboden geneh- 
migt, so dafs auch dieser Theil der Frage nunmehr in sachgema- 
fser Weise gelost ist. — Am 2. Februar wurde der zweite Pila- 
ster der Erypta in der Chorrundung frei ; es scheint, dafs die Sei- 
tenschifife um den inneren Altarraum in der Erypta als Uxngang 
sich fortsetzten. Die mittleren Theile dee Chorbodens konnten je- 
doch noch nicht freigelegt werden. 

6) In Eiedrich (Rheingau) kommt der Umbau des Taur- 
ines der Pfarrkirche dieses Jahr zur Ausfuhrung. Das obere 
(Zopf-) Stockwerk wird in der Weise der Arbeiten aus der lets- 
ten gothischen Zeit, welche der ganzen Eirche ihr charakteriati- 



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sohes Geprage verliehen hat, erneuert, and daxaber setzt sich ein 
michtiger Holzhelm mit vier Eckthflrmchen auf, welche alio in 
Schiefer gedeckt werden. — Auch das sudliche Seitenschiff bat in 
der letaten Zeit nnnmehr seinen reichen Schmuck von gemalten 
Fenstern erhalten. Sie sind von ganz eigenthumlicher Schdnheit, 
indem die Fignren alle auf weifsen damascierten Grunden stehen. 
Die Restauration (yon Bethune in Gent) ist yortreffiich. 

7) Im der Sitznng dee Nurnberger Magistrate - Kollegiums 
Tom 80. Januar wurde die Abtragnng der Schanze zwischen 
dem neuen Thore and dew Thiergartnerthore, unter 
Ueberdammung eines Theils des dortigen Stadtgrabens , beschlos- 
sen and dabei ausgesprochen, dafs die Partie an der Burg vollstan- 
dig erhalten bleiben solle. — Laut eines Referats der Kammerei- 
Kommission des Gemeinde-Kollegiums zahlt zu den fur die nach- 
ste Zeit in Ausricht genommenen Projekten auch die Einlegung 
des weifsen and des Lauferschlag-Thurnis, sowie die Fahrbarma- 
chong der Fleischbrucke. (Korr. v. u. f. D., Nr. 25 u. 83.) 

8) Auf dem Gipfel des Hohenstaufen, wo sich von dem al- 
ten, stolzen Schlosse des Kaisers Barbarossa nur noch elende Mauer- 
reete zeigen, soil jetzt einWartthurmin mittelalterlichem Stile 
errichtet und am Fufse des Berges eine kleine Kirche, in welcher 
der Rothbart taglich zur Messe gegangen sein soil, in ein Hohen- 
itaufenmuseum umgewandelt werden. Fiir dieses Projekt, zu dee- 
sen Ausfuhrung eine Anzahl suddeutscher Manner zusammen ge- 
treten, sollen sich auch der Kaiser Wilhelm, der Kdnig von Wurt- 
temberg und Furst Bismark lebhaft interessieren. 

(Deutsche Kunstztg., Nr. 47). 

9) In Worms wurde jiingst das Terrain des alten Dom- 
kreuzganges zu Bauplatzen yerkauft Beim Fundamentieren wer- 
den fortwahrend Fragmente mittelalterlicher Skulpturen gefunden. 
£s empfiehlt sich gewifs, auf alles dies ein recht wachsames Auge 
zu haben und fur gewissenhafte Sammlung und Erhaltung der 
Fundstucke besorgt zu sein. 

10) Aenderungen, welche jiingst im stadtischen Bauamte zu 
Number g yorgenommen wurden, haben zu einem kunstgeschicht- 
lich interessanten Funde yon mehr als anderthalbhundert Holz- 
stdcken aus der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts 
gefahrt. Dieselben stellen Kostumfiguren aus der angegebenen 
Zeit und dem yorhergehenden Jahrhundert nebst Wappen der 
Nurnberger Patricier und ehrbaren Familien dar und waren ur- 
iprunglich offenbar fur ein grofsartig angelegtes, zum Druck be- 
stiinmtes Geschlechterbuch angefertigt. Der Kostumfiguren sind 
einundzwanzig (sechs andere, ohne Zweifel urspriinglich in diese 
Beihe gehorende, befinden sich seit dessen Grundung im german. 
Museum) ; die ubrigen stellon Wappen und Titelyerzierungen dar. 
Zu diesen letzteren gehoren, nach Analogieen zu schliefsen, auch die 
beiden Nurnberger Wappen sowie der Reichsadler, ferner zwei 
Wappen, welche, das eine in etwas unheraldischer Weise, die Macht- 
▼erhaltnisse Kaiser Karl's V. andeuten, nebst den bekannten bei- 
den Saulen mit dem Spruche: plvs vltra, u. s. w. Die Zeich- 
nung ist derb, die Schrafnrung einfach, nach alter Weise aus dem 
Langholz mit dem Messer geschnitten. Doch die Trachten sind 
richtig, die Figuren, namentlich aber die Wappen, zeugen yon der 
Hand eines trefflichen Meisters. Einige der letzteren sind erst in 
Federzeichnung vorhanden and noch nicht geschnitten, ein paar 
seigen sogar erst Schild and Decken, ohne die Wappenbilder and 



Helme. Die meisten Stocke sind numeriert and mit Namen be- 
zeichnet; die Figuren tragen deren mehrere und sollten nach da- 
maliger Sitte wiederholt werden. Ueber Anlafs und Urheber des 
Unteraehmens lassen sich bis jetzt nor Vermathungen aufstellen. 
Wahrscheinlich stand der Rath der Stadt dazu in naherer Bezieh- 
ung, und vielleicht konnen aus alten Rechnangen noch Nachweise 
geliefert werden. Das Werk mufs in's Stocken gerathen und auf- 
gegeben sein, da schon die Stocke nicht vollendet sind. Einige 
derselben tragen Spuren, dafs Probedrucke davon abgezogen wor- 
den; mit wenigen Ausnahmen sind sie wohl erhalten. Der ganze 
Fund wird einen entsprechenden Platz im stadtischen Museum be- 
kommen, und es ist Aussicht gegeben, dafs durch genommene Ab- 
ziige die interessanten Darstellungen weiteren Kreisen werden zu- 
ganglich gemacht werden. 

11) Bei einem einige Meilen westlich yon Veile (Jutland) ge- 
legenen See sind aufser einem Kahne, einem ausgehohlten, gewal- 
tigen Eichenstaram, deutliche Spuren eines Pfahl lagers gefun- 
den worden. Dieses Lager erstreckt sich in einem Halbkreise an 
der linken Seite des Sees in einer mit den schweizerischen Pfahl- 
banten iibereinstimmenden Form. Die Pfahle sind roh zugehauen 
und bestehen aus Eichenstammen, die in den See in fast gleichem 
Abstand yon einander getrieben sind. Dieser Ueberrest des Alter- 
thnms ist dadurch zu Gesicht gekommen, dafs der See, der friiher 
eine viel grofsere Flache bedeckte, bedeutend gesunken ist. Es 
ist dies der erste in Danemark entdeckte Pfahlbau; das Verdienst 
der Entdeckung fallt dem Baron Harald von Dirckinck-Holmfeldt 
zu. Der kleine See ist yon Hiinengrabern umgeben, die u. A. 
auch reich an Urnen sind. 

(111. Ztg., Nr. 1489; ygl. Frk. Kur., Nr. 9). 

12) Beim Urbarmachen einer etwa acht preufsische Morgen 
grofsen Flache des zwei Meilen von Posen entfernten Rittergu- 
tes Lussowo fand sich, dafs dieselbe ein grofses Urnen fe Id 
berge. Die Urnen standen in Reihen, welche eine von der andern 
etwa 7 Fufs entfernt waren. Im Ganzen zahlte man an 100 Rei- 
hen und in jeder etwa 100 Urnen. Die Grdfse derselben war ver- 
schieden, von 1 bis zu 3 Fufs Durchmesser. Alle waren aus un- 
glaeiertera, schwarzem, glimmerhaltigem Thon geformt und fanden 
sich mit Steinen umsetzt und uberdeckt. Beim Ablassen des Lus- 
sower Sees zeigten sich 80 regelmafsig gestellte Pfahle, welche 
mit dem Lande durch eine Reihe anderer verbunden waren. 

(Korr. v. u. f. D., Nr. 26). 

13) Der Entdeckung einer umfangreichen heidnischen Ur- 
nenstatte bei Posen wird wahrscheinlich eine grofse bei Thorn 
an die Seite treten. In dem etwa eine Meile ostlich von Thorn 
an der Drewenz gelegenen Dorf Kaszizorek ist im December v. 
J. beim Ausgraben von Baumwurzeln ein altes Steingrab aufge- 
deckt worden, in welchem mehrere wohlerhaltene Urnen gefunden 
warden; zugleich lagen Anzeichen vor, dafs der ganze H&gel, in 
welchem das Steingrab sich befindet, einst als Todtenfeld gedient 
habe. Zwei der gefundenen Urnen wurden den dorthin gesandten 
Commi8sarien des Kopernicus - Vereins zur Ablieferung an das 
stadtische Museum in Thorn ubergeben, welches bereits eine sehr 
grofse Anzahl solcher Gefafse besitzt (111. Ztg., Nr. 1493). 

14) Im Januar stiefsen Holzhauer unweit des Pfahlgrabens bei 
Ockstadt (Hessen-Darmstadt) auf Reste einer romischen Be- 
festigung. Oberst von Gohausen, hievon in Kenntnifs gesetzt, 



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begab sich sofort an Ort und Stelle und constatierte das Vorhan- 
densein eine* bis jetzt unbekannt gewesenen romischen Castells. 

(Darmst. Ztg., Nr. 38). 
16) In der durch das Vorhandensein zahlreicher Hiinengraber 
sich auszeichnenden Umgegend von Darzau (Hannover) sind, in 
einem Umkreise von kaum einer halben Stunde, fiinf grofse Be- 
grabnifsstatten anfgefunden worden, aus welchen man raeh- 
rere hundert Urnen (ursprflnglich mogen iiber 2000 dort gestan- 
den haben) zu entnehmen vermochte. Aufserdem wurden eine 
Menge silberner Spangen and anderer Schmuckgegenstande , da- 
ronter namentlich eigenthumlich geformte Nadeln, auch einige 
Goldsachen zu'Tage gefordert. Die aufserordentlich feine Arbeit 
weist auf italieniscben Ursprung hin und deutet auf das 2. Jahrh. 
nach Cbr. (111. Ztg., Nr. 1487). 

16) In Unterlitten bei Altstatten (Kant. St. Gallen) sind 
nach einer Correspondenz des „St. Galler Tagebiatts" in einem 
kegelformigen Hugel keltische Graber entdeckt worden. Meh- 
rere Leichname sind noch sehr gut erhalten ; auch wurden WafFen 
und silberne Geschirre zu Tage gefordert. (Dies., Nr. 1491). 

17) Bei Bingerbrack aufgefundene Romergraber haben 
viele schone romische Gefafse, Urnen, Schalen, Aschenkriige, Li- 
bationskannen, Salbolflaschchen, Lampchen u. a. m. geliefert, welche 
meist sehr gut erhalten zu Tage gefordert worden sind. Es sind 
grofsentheils Gefafse von gelblichgrauem, rothlichem oder auch 
hellschwarzem Thon von verschiedener Grofse und Gestalt, einige 
von sehr schonen, edlen Formen. Auch ein paar Schalen von der 
feinen, hochrothen terra sigillata sind darunter. Einige Gefafse 
haben um ihre Weitung einen schonen Kranz von Arabeskenwerk. 
Auf zwei Lampchen sind Kopfe als Zierrath angebracht, z. B. ein 
Medusenkopf. Ein grofseres, hellschwarzes Thongefafs 1st bemer- 
kenswerth durch die tiefen und langen Eindriicke, die seinem 
Bauch eine wellenformige Gestalt geben, sowie durch den Ueber- 
zug von feinkdrnigem Sande. (Europa-Chronik, Nr. 60). 

18) Ein archaologisch interessanter Fund ist bei. den durch 
Dr. Martius geleiteten Nachgrabungen auf den Besitzungen des 



Graf en Taschanzky in Bohmen zu Tage gefordert worden. Es 
ist das ein vollstandiger Kuchenapparat, bestehend aus zwei 
vertical aufgestellten platten Steihen, deren Zwischenraum mit vie- 
len kleinen Steinen ausgekeilt ist. Innerhalb des durch die Plat- 
ten abgegrenzten Raums, der mit Asche und Holzkohle bedeckt 
war, fanden sich Looher in der Erde, die augenscheinlich zur Auf- 
nahme des Feuers gedient haben* Eine Anzahl zerstreut umher- 
liegender Hirschgeweihe mit angebrannten Spitzen liefs darauf 
schliefsen, dafs man sich derselben bei der Zubereitung der erleg- 
ten Thiere, von denen sich eine Menge der Lange nach gespalte- 
ner und zum Theil angerosteter Rohrenknochen vorfand, als Brat- 
spiefse bedient habe. Von Metal 1 fand sich nirgend eine Spur, 
wohl aber fanden sich verschiedene kleine, mit freier Hand aus 
Thon geformte Gefafse, die theilweise eine mehlige Substanz ent- 
hielten, in welcher Dr. Martius trotz ihres Alters zerstofsenen 
und zerquetschten Fruchtsamen zu erkennen glaubte. 

(111. Ztg.. Nr. 1492). 

19) In einer Braunkohlengrube bei Bockwitz in der Nahe 
von Colditz (Sachsen) ist l*/i Fufs unter dem Rasen eine Urne mit 
angeblich 200 Brakteaten gefunden worden. Das Gefafs wurde 
leider zerschlagen. Die Miinzen stammen, wie mitgetheilt wird, 
zum Theil aus den Jahren 1260—86 und sind unter Heinrich dem 
Erlauchten, Markgrafen von Meifsen und im Osterlande, geschla- 
gen worden. (Dies., Nr. 1488). 

20) Das kgl. Munzkabinet in Dresden ist durch das Ver- 
machtnifs des am 18. November v. J. verstorbenen Rittergutsbe- 
sitzers R. L. von Romer auf Lothain und Neumark um einen werth- 
vollen Zuwachs bereichert worden. #Der Verstorbeno griindete im 
Laufe der Jahre eine sehr zahlreiche und bedeutende Munzsamm- 
lung, mit welcher eine umfassende, namentlich an neueren kost- 
baren Kupferwerken reiche numismatische Bibliothek verband. 
Nach der Vereinigung beider Sammlungen wird das kgl. Munzka- 
binet vornehmlich im Fach des Mittelalters eine der vollstandig- 
sten und wohlgeordnetsten numismatischen Sammlungen Deutsch- 
lands bilden. (Dies., Nr. 1491). 



Mittheilungen. 



6) Eine Schrift gegen Uirich von Hutten. 

Bekanntlich hat der wiirzburgische Kanzler und Domdechant 
Peter von Aufsefs die Schmahschrift Ulrich's von Hutten gegen 
Uirich von Wurttemberg, Phalarismus genannt (abgedruckt in Hut- 
teni opera ed. Booking, IV, 1), als Zeichen der Verwerfung oflfent- 
lich auf dem Marktplatz zu Wurzburg zerrissen *) , wogegen Ui- 
rich von Hutten eine heftige Schrift an Peter von Aufsefs erliefs, 
welche ebenfalls im Druck erschien (abgedruckt bei Booking, I, 
268). Den Schlufsstein dieses Streites der beiden sonst sehr be- 
freundeten und in verwandtschaftlichem Verhaltnifs stehenden 



•) StrauTs, Hatten, 1, 181 ; Stllta, Wirtemb. Gesch., IV, 1S9. 



Manner bildete eine Schutzschrift Peters von Aufsefs gegen Hut- 
ten, welche zwar als existierend erwahnt wird (bei Booking), den- 
noch aber nicht bekannt, vielleicht gar nicht gedruckt worden ist 
Da es mir von bedeutendem Werth ware, diese Schrift, sei sie ge- 
druckt oder hand8chriftlich irgendwo vorhanden, kennen zu lernen, 
indem ich mit der Biographic Peters von Aufsefs beschaftigt bin, 
so stelle ich die Bitte, mich von ihrer Existenz, wo sie vorkommt, 
in Kenntnifs setzen und im Fall der Veraufserung den Preis be- 
stimmen zu wollen. 

Erefsbronn am Bodensee, im Februar 1872. 

Dr. Hans Frhr. von und zu Aufsefs. 



Verantwortliche Redaction: A. Eggenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Numberg. 



Gedruckt bei U. E. Sebald in Nttruberg. 



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MttnhBTg. Dm Abonnement dee Blat- 
tei, welchee alle Monate eneheint, wird 
gansjahrig angenommen nnd betragt nach 
darneoestenPoetconYention bei alien Pott- 
ftmtern and Baohhandlungen Deutachlanda 
isoL OesterraicbjB 8 fl. 86 kr. im 24 fl.-Fufs 
oder 8 Thlr. preufs. 

Fur Frankreich abonnlert man in 
Paris bei der deatcohen Buohhandlang Ton 
F. KUnokneok, Nr. 11 rue de Lille; far 



AMEMR 




Xs 

rietta-Strefli<idyiA^wurden in London ; 
far Nord-AmenJxx "bei den Postamtern Bre- 
men und Hamburg. 

Alio for das german. Museum be- 
stimmten Sendungon auf dem "Wege des 
Buchhandels werden durch den Commis- 
sion tir der liierar. - artist. Anstalt des Mu- 
seums, F. A. Brookhaus inLeiprig.be- 
fordert. 



FDR Kl MIK DER 





Neue Folge. 



Neunzehnter Jahrgang. 



1872. 



ORGAN DES GER9EANISCHEN MUSEUMS. 



MRrz. 



Wissenscbaftliclie MttheHungen. 



Anthoni Koburger der jfingere. 

Der bekannte nnd, man darf wol sagen, bertlhmte Anthoni 
Koburger ist, wenn auch nicht der Zeit nach, doch jedenfalls 
durch den Aufschwung, den er seinem Gesch&ft gab, der erste 
and bedentendste Buchh&ndler nnd Bnchdrncker Nurnbergs ge- 
wesen, neben dem die andern, anch nicht nnverdienten Namen, 
Johann Petrejus, Friedrich Peypus, Hanns Hergot nnd seine 
Wittwe Kunigund, Hanns und Georg die Stuchfsen, Hierony- 
mus HOlzel u. s. w. nur als Sterne zweiter nnd dritter Grofse 
erscheinen. Unstreitig war er schon von Anfang an, obgleich 
aus dem mittlern Bflrgerstand nnd vermnthlich dem B&cker- 
handwerk hervorgegangen, mit ausreichenden Mitteln versehen, 
um sein Gesch&ft zu heben, nnd wo sich Intelligenz mit Fleifs 
und Eifer vereinigen, pflegt anch das Glttck den Unternehmnn- 
gen seine Gnnst znznwenden. Denn, wftre er nicht im Stande 
gewesen, den TOchtern, die er von Ursula, Bruno Ingram's 
Tochter, seiner ersten Frau, hatte, eine stattliche Aussteuer 
zn geben, wurden sie schwerlich Ehegatten aus den ersten 
Geschlechtern der Stadt gefunden haben, wie Katharina den 
Eustach Rieter, Bruder von Pirkheimer's Frau Crescentia, 
Ursula den Wolfgang Haller, Jobst Haller's Sohn, Magdalena 
den Thomas Reich aus einem ebenfalls rathsf&higen, jedoch 
I&ogst erloschenen Geschlechte. Ob er aufser diesen T5chtern 
von seiner ersten Frau auch SOhne hatte, ist deswegen gleich- 
giltig, weil sie jedenfalls, noch ehe sie zu ihren Tagen gekom- 
men waren, starben. Der Name Koburger oder, wie sp&ter 
gesprochen und geschrieben wurde, Koberger, wurde, abgese- 



hen von den noch dem Backer- oder, wie man bier sagt, Be- 
ckenhandwerk angehOrenden, spftter noch vorkommenden Indi- 
viduen (Jorg Koburger selig, ein Beck, wird 23. Dec. 1535 
genannt, Cons. 45, fol. 171 ; Elsbet, Jorgen Koberger's des Be- 
chen sel. Tochter, des Becken Christoff Auerweck ehlicheHaus- 
frau, am 10. Nov. 1542, Lit. 56, fol. 27 u. a. m.), bios von 
den Kindern der zweiten Frau, Margareth, Gabriel Holzschu- 
her's Tochter, die er am 26. Aug. 1492 geheiratet hatte, fort- 
gepflanzt. Diese brachte ihm einen reichen Eindersegen ; denn 
als er nach 21j&hriger zweiter Ehe am 3. Oct. 1513 starb, 
waren aus dieser Ehe neun Kinder: Anthoni, Hanns, Caspar, 
Melchior, Balthasar, Sixt, Sebald, Hieronymus und Margareth, 
am Leben, werden wenigstens am 25. Oct. 1521 urkundlich ge- 
nannt. Anthoni wird von diesen wol der &lteste gewesen sein ; 
Hieronymus, der damals nebst Sebald und Margareth noch 
minderj&hrig und erst am 10. Januar 1539, nach seiner 
eigenen Aussage, nun uber 25 Jahre alt war, als er mit seiner 
noch lebenden Mutter und den Yormundern abrechnete, nach- 
dem er bis dahin kaufmftnnische Geschftfte in Lissabon betrie- 
ben hatte, dtirfte nicht lange vor des Yaters Tod, wenn nicht 
erst nach demselben, auf die Welt gekommen sein. Beim Tod 
des alten Anthoni Koburger (1513) stand das Gesch&ft unter 
der Leitung des Hanns Koburger, der entweder, wie bisher an- 
genommen wurde (Panzer, Gesch. der Nurnberg. Bibelausga- 
ben, 1778. 4°. S. 18, auch 93 und 101, und nach ihm auch 
Andere), der Sohn seines Bruders Sebald war, wofur die Ur- 
kunde vom 19. Febr. 1487, worin Hanns, Sebald Koburger's 
seligen Sohn, den Anthoni Koburger seinen Yetter, d. h. Ya- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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tersbruder, nennt, einige Wahrscheinlichkeit geben wtlrde, kei- 
neswegs aber ein Sohn erster Ebe, was sich aus der Stellung, 
die dieser Hanns der ftltere gegen die S6hne Anthoni Kobur- 
ger's einnimmt, von selbst als unmSglich darstellt, oder aber 
sein, Antboni Koburger's, eigener Bruder, den er am 25. Aug. 
1484 beim Verkauf eines von ihrem Vater Heinrich sel. auf 
sie erblich gefallenen, hinter dem Hof der deutschen Herren 
und neben Hannsen Meckenloher's des Farbers Hause gelege- 
nen Anwesens ausdrucklich benennt, und der, wie er auch nebst 
Thomas Reich, Peter Stahel, der Wittwe Margaretha und dem 
1529 gestorbenen Hieronymus Holzschuher, Vormund uber das 
Vermdgen und die damals sammtlich noch unmundigen Kinder 
war, sich der Angelegenheiten des Hauses mit getreuer Sorg- 
falt annahm. 

Obgleich diese Zeilen sich nur auf des jtingern Anthoni 
Koburger's Lebensverhaltnisse beschranken sollen, so ist es 
doch nicht mflglich, dieses mit ganzlicber Uebergehung der 
buchdruckerischen und buchhandlerischen Verhaltnisse zu thun, 
und es ist daher Folgendes hieruber auszusprechen. Erstens: 
mit dem Tode des alten Anthoni Koburger horte die buch- 
druckerische Thatigkeit auf, und wenn auch das Haus Kobur- 
ger angefangene Arbeiten noch fortfuhrte und zum Abschlufs 
brachte, so beschrankte es sich doch von nun an auf Verlag 
und Sortiment. Zweitens blieb das Verhaltnifs der verschiede- 
nen Theilnehmer des Geschafts ein solidarisches, so dafs es in 
der Hauptsache keine Aenderung machte, ob dieser oder jener 
Koburger als Verleger genannt wird, wie es auch mit den 
Persflnlichkeiten, so weit man diese kennt, nicht vereinbar ist, 
dafs Anthoni der jungere, oder Johannes, oder Melchior die 
Koburger, jeder fur sich, auf eigene Kosten, ein Buch hatte 
drucken lassen. Man kannte die Koburger nur als gemein- 
schaftliche Firma, und dafs der eine oder der andere seinen 
Namen je zu Zeiten hergab, war unerheblich. Bei den zu Lyon 
gedruckten Bttchern wird vorzugsweise Anthoni der jtlngere 
genannt, wiewohl auch schon vor 1513 durch den Vater An- 
thoni und nach 1513 durch Johannes Koberger Einiges daselbst 
und auch anderwarts, aufserhalb Nurnbergs, gedruckt worden 
war. Basel, Hagenan, Strafsburg treten als solche auswartige 
Druckorte besonders hervor; auch Paris wird 1510 mit zwei 
Verlagsartikeln gefunden. Hieruber gibt die von Herrn Oscar 
Hase verOffentlichte fleifsige Schrift (Leipz. 1869) genaue Aus- 
kunft, der man nur in dem Punkte entgegentreten zu mussen 
glaubt, dafs daselbst S. 18 Hans oder Johannes Koburger als 
ein Sohn Anthoni's von der Ingramin angenommen wird. Da 
dieser Hanns oder Johannes ein Yetter genannt wird, konnte 
er nicht Bruder sein. Eher ware an den Sohn Sebald Kobur- 
ger's zu denken. Aus der ersten Ehe Anthoni Koburger's des 
alteren war, wie schon gesagt, ein Sohn nicht vorhanden. 

Wenn man aus der letzten Lebenshalfte des jtingern An- 
thoni auf die fruhere Halfte derselben zurtickschliefsen darf, 
so wird auf seine dem Handel zugewendete Thatigkeit kein 
grofses Gewicht gelegt werden kOnnen, und bei den von ihm 



nach Frankreich, insbesondere nach Lyon, gemachten Reisen 
wird die Sucht, sich zu vergnugen, wol mehr Antheil gehabt 
haben, als die Bestrebung, das Geschaft zu fttrdern. Mochten 
ihm vielleicht deshalb die Bruder und der Vetter die seiner 
Eitelkeit wohlthuende Ehre, seinen Namen, als den des Verle- 
gers beifugen zu kGnnen, gerne gestatten. Aber es mufste den 
eigentlichen Inhabern des Geschafts wol nur erwunscht kom- 
men, als er in demselben Jahre, in welchem er neben Hiero- 
nymus Tucher Hauptmann im Schembart war, sich sein Gut- 
haben am, vaterlichen VermOgen feststellen liefs und, ohne dafs 
es gerade mit dtirren Worten gesagt ware, aber doch unver- 
kennbar sich so verhalt, aus dem Geschaft austrat. Er selbst 
hatte auf sein Begehren den Dr. Peter Totzler fur diesen Fall 
zum Curator erhalten, und bezeugte nun am Freitag den 25. 
Oct 1521 den oben genannten Vormilndern, von denen Tho- 
mas Reich gestorben war, Hanns Koburger als Genannter, was 
er ubrigens schon seit 1507 war, bezeichnet wird, dafs sie ihm 
uber Alles genugende Rechnung abgelegt, namentlich auch we- 
gen der Verschickung an der Behausung auf St. Aegidienhof 
darin sein Vater in seinem Leben gewohnt und seine Mutter 
noch wohnhaft sei, dann auch seinen Theil an der Schwaben- 
muhle, die von Markgraf Casimir zu Lehen ruhre, berechnet 
haben, so dafs sie ihm 500 fl. baar und dazu die Behausung 
auf St. Aegidienhof, zwischen Erharten Pefsler's nachgelassenen 
Erben und Niklas Haller's Hausern gelegen, welche von Bischof 
Georg von Bamberg zu Lehen ruhre, und die man Sohnen 
und Tdchtern zu leihen schuldig sei und urn 700 fl. angeschla- 
gen worden, zu freiem Besitz tibergeben haben. Zweitens 
hatten sie ihm 4000 fl. tiberwiesen, die er aber noch die nach- 
sten vier Jahre in ihrem Handel liegen lassen wolle, dafur aber 
jedes Jahr 200 fl. Abnutzung bekommen solle, worauf sie dann 
in Fristen abgetragen werden. Hierauf begibt er sich eidlich aller 
weiteren Anspruche. Von den beiden Hausern ist das, worin der 
alte Koburger gewohnt hatte und die Wittwe Margareth zu 
leben fortfuhr, die alte Mufflische, neben dem Tetzolhof, jetzt 
Tucherischen Huus S. 757, spater Imhofische, zuletzt bis 1861 
Hallerische Behausung S. 758, die der alte Koburger 1489 
von Heinrich Topler, Niklas Muffel's Eidam, erworben hatte; 
die andere, welche ihm, dem jtingern Anthoni Koburger, zu- 
gewiesen wurde, wird zwar durcb die Nachbarhauser bestimmt, 
und Erhart Pefsler's Haus stand unzweifelhaft auf der Statte, 
wo jetzt S. 765 steht, da aber das Niklas Hallerische Haus 
nicht eben so bestimmbar ist, so enthalt man sich billig jeder 
weitern Vermuthung. Die Hauser in dieser Lage waren baniber- 
gische Lehen, wie man das namentlich von dem Pefslerischen, 
vorher Berthold Pfinzingischen Hause weifs; die der Kirche und 
dem Kloster, jetzt Gymnasium, gerade gegenuberliegenden, nach 
Sonnenaufgang sehenden Hauser unterlagen keinem Lehenver- 
band. Ueberhaupt gehttrte spater die ganze Hauserreihe 758, 
759 und 760 den Koburgern, und zwar das letztgenannte Hann- 
sen Koburger dem altera, der es wenigstens 1527 besafs, wo- 
rauf 1550 Sixt Koburger als darin wohnhaft erscheint, es aber 



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1560 an -Christoph Schlaudersbach verkaufte. Hans Koburger 
der altere kaufte am 30. Juli 1540 ein Hans am Spitzen- 
berg tun 317 fl. (Lit. 53, fol. 11 b ) and mag das andere an 
Siit, seinen Vetter, abgetreten haben. Im Besitz seines vater- 
lichen Erbes, heiratete nun Anthoni am 12. Jan. 1523 des Ja- 
kob Sauerzapf seligen and der Ennignnd Rumlin Tochter, 
Clara, wozu ihm die Stadtpfeifer vergflnnt warden, and da 
man inn an Ostern auch unter die Genannten des grOfsern 
Bathes aufhahm, mochte man wol sich der Hoffnung hingeben, 
er werde jetzt als Ehemann nnd als Beamter — denn auch 
die Genanntenstelle, da sie mit einem Eid verbunden war, die 
flbernommenen Pflichten getreulich erfullen zu wollen, wurde 
als ein Amt betrachtet — auf die durchbrauste Jugend ein ge- 
setztes Mannesalter folgen lassen. Sein Bruder Hans war ihm 
in beiden Stflcken vorangegangen ; am Mittwoch 3. Juli 1521 
waren ihm zu seiner vorhabenden Hochzeit mit Jungfrau Bar- 
bara, Mathes Sauermann's und der Anna Fttrerin Tochter, auf 
Eritag nach Kiliani (9. Juli) der Stadt Pfeiffer und das Rath- 
haus zum Tanz und der Schenk verg5nnt, und er darauf an 
Ostern 1522 in den grftfsern Rath gew&hlt worden. 

Numb erg. Lochner. 

(Schlufs folgt.) 



keinem Zweifel*); das graflich Hohenstein'sche Wappen, als 
das landesherrliche, ist wol nur eine sphragistische Zugabe ohne 
streng heraldische Bedeutung. Das eigentliche Stadtwappen ist 
uns nicht bekannt. 

Das Hohensteinische Wappen mit den beiden Figuren, wo- 
von die weibliche, rechts stehende, den Wappenhelm (s. No- 
tiz 12 im Anzeiger von 1869, Nr. 11) in der Hand halt, lafst 
vermutben, dafs diese, den oben beschriebenen graflich Veringi- 
schen Siegeln ahnlicbe Darstellung auch auf irgend einem graf- 
lich Hohensteinischen Siegel vorgekommen und diesem entnom- 
men ist. Leider sind jedoch Hohensteinische Portrat-Siegel bis 
jetzt keine bekannt ; das Elrich'sche Siegel fordert aber jeden- 
falls zu weiterer Nachforschung nach solchen auf. 

LV. 



Sphragistische Aphorismen. 

LIV. 



Unter seinen „Mittelalter-Siegeln aus den Harz- 
Undern" theilt von Mulverstedt auf der vierten Tafel vor- 
stehende Abbildung eines Siegels der Stadt Elrich aus dem 
H. Jahrh. mit, und zwar nach dem einzigen ihm bekannten, 
leider sehr defecten Originale*). Date der Erlenbaum (Eller) 
das redende Wappen- oder Siegelbild der Stadt ist, unterliegt 

*) For die Mittheilung eines besser erhaltenen oder eines das 
tier abgebildete erganzenden Originals waren wir sehr verbunden. 



Auf Taf. 6 der Siegel der Holstein-Schaumburger Grafen 
theilt Milde**) unter Fig. 27 dieses Siegel Johann's HI. (von 
1309—17) mit. Dasselbe ist in mehrfacher Beziehung beach- 
tenswerth, theils an und fttr sich, theils in Beziehung auf zwei 
andere Siegel desselben Grafen. Wir sehen auf demselben, je 
3 mal abwechselnd, das Wappen des Sieglers und das Wappen 
seiner Mutter, Agnes von Brandenburg, Gemahlin Gerhard's II., 
und zwar beide ohne Schild, frei im Siegelfelde. Wol aus die- 
sem Grunde erscheint hier das nach unserer Ansicht ursprUng- 
lich durch einen zackigen Schildrand gebildete Holstein'sche 
Wappen als eigentliches — auf diese Art fOrmlich unerklarli- 
ches — Wappenbild, das spatere s. g. Nesselblatt. Diese 
Figur, wie hier abgebildet, befindet sich auch vorn 
und hinten auf der Pferdedecke auf dem grofsen Sig. 
III. B. 3. Johann's III. v. 1319—57***), mit der Le- 
gende: S. Johanis dei gratia comitis Holtsacief) Starma- 
rie et de Scowenborch. 

Von 1323—1350 f&hrte Graf Johann noch ein drittes Sig. 
IV. C. (von der GrCfse seines ersten Siegels) mit der Legende : 
* Secretum Johanis comitis Holtzacieff). 




*) Aehnliche redencle Stadtwappen sind manche bekannt ; z. B. 
von Lindau eine Linde, von Buchhorn eine Buche nnd ein Horn 
u. s. w. 

*•) S. Siegel des Mittelalters a. d. Arch. d. Stadt Liibeck, 8. 
Heft, 1870. 
♦*•) S. a. a. 0. Taf. 6, Fig. 28. 
t) Das z stent verkehrt ft) S. a. a. 0. Taf. 6, Fig. 29. 



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79 



Anzeiger far Kunde der deutschen Vorzeit. 



80 



Die Bezeichnung Secretum aaf den beiden kleineren Sie- 
geln, im Gegensatz zu Sigillum aaf dem grofsen Siegel, scheint 
in vorliegendem Falle ftir die Ansicht derjenigen zu sprechen, 
welche behaupten, man habe im Mittelalter durch diese beiden 
Bezeichnungen die grofsen Siegel von den kleinen unterschie- 
den. Nach unserer bisherigen Erfahrung kann aber von einer 
bestimmten Kegel bier nicht die Rede sein. Graf Johann von 
Eberstein z. B. hatte sicher noch ein grofseres Siegel als das 
oben nnter Nr. XXXI mitgetheilte vom Jahr 1361, welches den- 
noch die ausdruckliche Bezeichnung Sigillum tr&gt. 

Nicht selten auf mittelalterlichen Siegeln erscheint neben 
dem Wappen des Sieglers auch das seiner Mutter. Wir erin- 
nern z. B. an das im Anzeiger 1863, Nr. 1, Sp. 5. mitgetheilte 
Sig. IE. B. 3. Graf Eberhard's des Erlauchten von Wurttemberg 
v. 1319*), gleichfalls mit dem brandenburg'schen Wappen. 

LVI. 



Milde, a. a. 0. Taf. 5, theilt zwei Siegel des Grafen Wol- 
demar von Holstein mit, und zwar in Fig. 29 das hier abge- 
bildete von 1304—1307, und in Fig. 25 ein fthnliches, fruheres 
von 1302, mit der Legende : S.' D0MIC8LLI. **) W0LD8MARI. 
feOLTZACW. Die Darstellungsweise auf diesen beiden Siegeln 
ist eine ziemlich ungewtthnliche. Der nackte Arm ist jedenfalls 
ohne alle heraldische Bedeutung und wahrscheinlich nur eine 
geschmacklose Laune des Siegelstechcrs, vielleicht desselben, 
welcher das a. a. 0. Fig. 22 abgebildete Sig. IV. C. des Bru- 
ders Woldemar's, des Grafen Gerhard IV., von 1312 gestochen 
hat, auf welchem der Wappenhelm auf beiden Seiten von ei- 
nem mit dem Aermel bekleideten Anne gehalten wird. 

Sonderbarer Weise ist der grftfliche Titel auf unserem vor- 
stehenden Siegel in der Legende so wenig erw&hnt als auf dem 
Siegel Nr. LV. 

In meiner 1867 als Manuscript gedruckten Monographic 
„das heraldische Pelzwerk" S. 40 und 41 habe ich bereits meine 
Ansicht dahin ausgesprochen, dafs ich die neuere Blasonierung 
des holsteinischen Wappens als s. g. „Nesselblatt M fur unrich- 
tig und die drei Nag el***) fur eine jener vielen heraldischen 



Legenden ansehe, die den Untersuchungen der vergleichenden 
Sphragistik nicht Stand halten. Zu den dort angefuhrten Be- 
weisen fur meine Ansicht, — (den holsteinischen St&dtesie- 
geln von Segeberg, Heiligenhafen und Lutgenburg aus der zwei- 
ten Hftlfte des 14. Jahrh.*) — dafs das fragliche Wappen 
ursprttnglich einfach ein gezackter Schildrand war, fthnlich wie 
in den Wappen der Herzoge von Berri und von Ferrara, sind 
nun noch drei weitere hinzu gekommen: die bereits erw&hnten 
zwei Siegel Graf Woldemar's, aus dem Anfang des 14. Jahrh., 
und vor alien das von Milde a. a. 0. Taf. 2, Fig. 4 abgebildete 
gemeinschaftliche Siegel (IV. A. 2.) der Gebruder Johann's L 
und Gerhard's I. (von 1247—1255) mit der Legende: * S.' 
Johis: et: Gerardi: comitu: de: Sco- 
wenbe und dem nebenstehenden Wappen- 
schilde **). Milde bemerkt dazu (a. a. 0. 
S. 7, Note 1) u. A., dafs dadurch un- 
sere Ansicht uber die ursprttngliche Be- 
deutung des fraglichen Wappenbildes ent- 
schieden unterstuzt werde, indem es zu- 
gleich das erste Siegel sei, auf welchem 
dieses Wappen vorkomme. „ Dadurch, 
dars die Schildfl&che vertieft ist, tritt der gezackte Rand, als 
ein solcher sich der Form des Schildes anpassend, deutlich 
hervor. Auch noch auf den Siegeln Waldemar's (Taf. 5, 25 
und 26), obwohl hier der Rand vertieft ist, pafst er sich doch 
der Form der viereckigen Fahne an." Dafs aber der Schild- 
rand des holsteinischen Wappens gerade von Pelzwerk sein 
musse, haben wir nicht behauptet, wie Milde a. a. 0. angibt. 
F.-K. 

gegeben, dafs Adolf HI. sie nach seiner Pilgerfahrt in's heilige Land 
als Nagel Christi in das Wappen aufgenommen habe. Diese Er- 
klarung verliert schon dadurch alien Halt, dafs, wahrend von 
ihm selbst bisher kein Siegel aufgefunden ist, sein Sohn Adolf IV. 
noch einen Lowen im Wappen fiibrt, und die Lostrennung der 
Eckzacken als Nagel erst nach mehreren Generationen vorkommt. 
*) S. Holsteinische und Lauenburgische Stadtesiegel des Mit- 
telalters, aus dem Archive der Stadt Lubeck, Taf. 6, Fig. 28. 
Taf. 4, Fig. 17. Taf. 14, Fig. 39 u. 40. 

**) S. Numismat. sphragist. Anzeiger von 1870, Nr. 11, sowie 
den Aufsatz: „zum Holstein -Schaumburgischen Wappen," a. a. 0. 
Nr. 12 und unsere Bemerkung zu deraselben in Nr. 16. 



*) S. die „Berichtigung u a. a. 0., Nr. 2, 79. 
**) Hier, wie auf dem vorigen Siegel Nr. LV, ist das jugend- 
liche Alter des Sieglers ausdrucklich in der Legende angegeben. 

***) „Die losgetrennten drei Eckzacken auf den Siegeln der 
spatern Zeit", sagt Milde, „haben zu der Erklarung Veranlassung 



Hans Memling und seine Werke. 

Ueber den Kflnstler des bertthmten Ursula - Schreins im 
Johannisstift zu Brugge waren bis auf die neuere Zeit eine 
Menge Fabeln und Entstellungen in Umlauf gesetzt worden. 
Nicht einmal den Namen wufste man bestimmt anzugeben. 
Zwar war die Inschrift an einigen Bilderrahmen mit ihrer 
eigenthumlich gestalteten Initiale l&ngst Memling statt Hemling 
gelesen worden; allein Gewifsheit haben doch erst mehrere 
neuere Entdeckungen in den Brtigger Archiven gegeben. Die 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



82 



wichtigsten derselben sind von dem fleifsigen Kunst- and Alter- 
thumsforscher James Weale, einera Engl&nder, der seit gerau- 
mer Zeit in Brugge lebt, gemacht worden. Er hat dieselben 
im Journal des beaux -arts (Bruxelles, 1861), in Le Beffroi 
(Bruges, 1865) und neuerdings in einem eigenen Schriftchen: 
Hans Memlinc, zijn leven en zijne schilderwerken (Brugge, 1871) 
verdffentlicht Auf diese letzte Schrift mOchte ich hiermit die 
Aufmerksamkeit richten. Dieselbe erschOpft zwar den Gegen- 
stand nicht; namentlich sind die in Deutscbland befindlichen 
Werke Memling's, beziehungsweise die ihm zugeschriebenen Bil- 
der in Berlin, Lubeck, Danzig etc., nicht erw&hnt; allein desto 
genauer sind die Brugger Gemalde besprochen worden. Auch 
im Uebrigen bietet das Buch viel Anziehendes. Sehr bemer- 
kenswerth ist z. B. die Mittheilung, dafs* Weale 1869 in der 
Hofbibliothek zu Wien ein Aetzblatt von Jacob van Oost (urn 
1600) fand mit der eigenh&ndigen Bemerkung des Kunstlers: 
Effigies Joannis Hemmelinck qui sedet in hospitali Sancti Jo- 
annis Brugis. Diese Effigies ist ein Abbild von dem Eopfe 
des heil. Johannes des T&ufers auf einem grofsen Dreiblatt- 
Bilde im Johannisstift , w&hrend man in spaterer Zeit einen 
Kopf auf dem kleinern Bilde, der Anbetung des Christ- 
kind es ebendaselbst, far das Bildnifs des Malers hat ausgeben 
wollen. Geburtsjahr und Geburtsort des Kunstlers sind noch 
immer unbekannt In Brugge lebte er bereits 1478, wahr- 
scheinlich schon einige Jahre fruher; er besafs mehrere H&u- 
ser, hatte drei Kinder, erscheint noch im August 1492 und 
Btarb vor dem 10. December 1495, wahrscheinlich in Brugge. 
Gewohnlich hat man angenommen, dafs Mending in Brugge 
oder Damme geboren sei, aber ohne alien Grund. Van Vaer- 
newijck, um die Mitte des 16. Jahrhunderts, nennt den Ettnst- 
ler ausdrucklich den „duitschen Hans", und dafttr zeugen auch 
die Bauwerke, Gegenden etc. auf seinen ersten Bildern. Aber 
freilich kann man nicht mehr an Hans Hemling denken, der 
1439 in Constanz geboren worden sein soil, (vgl. uber die betref- 
fende Lafsberg'sche Handschrift : Nagler Kunstlerlexicon, 1838) ; 
eben so wenig an den Baumeister Johann Hemeling der 1420 
in Bremen vorkommt ; denn der Name Memling steht fest. 
Eher Jiefse sich an einen Zusammenhang mit der Familie des 
kdlnischen Malers Hans von Memmingen, dessen Merlo (die 
altkdlnischen Maler, Forts. 1852, S. 134) erwfihnt, denken. 
Doch kann von einer Identitat beider Maler, wie einige gemeint 
haben, nicht die Rede sein. Weale hebt das Dorf „Mumling 
of Memling" bei Aschaffenburg (Fflrstemann, altdeutsches Na- 
menbuch U, 1031 : Mimilingum, Mimilinga, jetzt Momlingen) 
hervor, fugt dann aber Folgendes hinzu: Maar het schijnt mij 
al veel waarschijnlijker dat de familie voortkomstig is van de 
prochie Memelinck, hedendags Medenblick, die eertijds nevens 
eenen waterplas de Medemleck of de Memmeleck gelegen was" 
etc. Die Familie unsers Meisters, denkt Weale, habe die Stadt 
im Jahre 1426 nach der w Einnahme derselben durch die Ken- 
nemaren" verlassen und sei nach Geldern gezogen; von da 
ware dann der Maler — etwa 1430 geboren — um 1471 nach 



Brllgge gekommen, wie auch Dierik van den Gheere, einer von 
den Vormundern der Memling'schen Kinder, ein geborner Gel- 
derlander war und am 17. Jan. 1472 in Brugge das Bttrger- 
recht erwarb. Der Name Memlinc soil also von dem fruhern 
Wohnsitze Memelinck, jetzt Medenblick, herstammen. Allein 
das alles beruht doch auf sehr gewagten, zum Theil unmOgli- 
chen Annahmen. Medenblick hiefs zuEnde des zehnten Jahr- 
hunderts Medemelacha; spater kommen die Formen Medeme- 
lache, Medemelake, Medemolaca vor; auch Medemlek, Meden- 
blec werden angefuhrt, bis in neuerer Zeit die Formen Medem- 
blik und Medenblik feststehend geworden sind. In eine solche 
Reihe ohne Weiteres Memelinck oder Memmeleck (ohne d) 
einzuschieben, hat doch grofse Bedenken. Zwar bemerkt Van 
der A a (Aardrijkskundig Woordenboek der Nederlanden, 
1846) unter dem Worte Medemblik, dafs der Ort bei den 
„Seefahrern" auch „Memelik" heifse; allein das ist nicht aus- 
reichend, um fur die erste Halfte des 15. Jahrh. fihnliche For- 
men anzunehmen. Yergl. Yan den Bergh, Handboek de 
middel-nederlandsche Geographie (Leiden, 1852), S. 56. 148 f. 
Der Geburtsort Memling's bleibt also noch zu suchen. 

Fr. Oetker. 



Das s&ehsische oder magdeburgische Weiehbildrecht 

Zu der von 0. A. Walther mit Liebe und Sorgfalt bear- 
beiteten und jungst in einer eleganten Ausstattung erschienenen 
Ausgabe des sftchsischen oder magdeburgischen Weichbildrech- 
tes*) T welche einen willkommenen Beitrag zu den deutschen 
Stadtrechten bildet, mdgen folgende Bemerkungen einer ge- 
neigten Aufnahme empfohlen sein. 

Der geschatzte Herausgeber lafst in seinem Vorwort, einer 
frUheren allgemeineren Annahme nach, das Geschlecht der Gra- 
fen von Orlamttnde mit Graf Sigismund im Jahre 1447 er!5- 
schen. Dieser Graf (Plassenburger Linie, Zweig Lauenstein 
und Gr&fenthal) erhielt im Jahre 1414 bei der Erbtheilung mit 
seinen Brudern Lichtenberg und Magdala, welche Besitzungen 
er an Brandenburg und Schwarzburg verftufserte. Nach lan- 
gerdrttckender Noth starb er 1447 und liegt in Hof bei den 
Franciscanern begraben. Sein Bruder Wilhelm verkaufte sein 
Erbe Lauenstein 1430 an die Grafen von Gleichen, die Herr- 
schaft Schauenforst zwei Jahre darauf an die Lobdaburgische (?) 
Vasallenfamilie von Entzenberg. Darnach lebte er bis 1442 
als Hofrichter in Nurnberg. Wilhelm's Sohn Friedrich wen- 
dete sich, gleich verschiedenen ehemaligen Vasallen seiner Fa- 
milie, nach Brandenburg, diente um die Mitte des 15. Jahrh. 



*) Das Sachsische oder Magdeburgische Weichbild-Recht. Nach 
der Pergament - Handschrift emst der Stadt Orlamunda, jetzt zu 
Gotha, vom Jahre 1381. Zum ersten Male herausgegeben , mit 
einem Glossar, von 0. A. Walther. Leipzig, Verlag von Friedrich 
Brandstetter. 1871. 8. XXH u. 84 Stn. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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als Ritterbruder in dem Ordenshause Elbing mit „drei Pfer- 
den und Harnisch" unter dem nachherigen Hochmeister Hein- 
rich Reufs von Plauen, mit dem er durch seine Gemahlin ver- 
wandt war, fllhrte um das Erbe seiner Vater langwierige und 
vergebliche Processe und starb nach dem Jahre 1469 als 
kurfilrstl. Geheimerath in Brandenburg unter vermuthlich sehr 
armlichen Verhaltnissen. Mit diesem Friedrich gieng das alt- 
ehrwurdige Geschlecht der Grafen von Orlamunde aus. (Vgl. 
Mittheil. der Alterthumsf. Gesellsch. des Osterlandes, Bd. Ill, 
S. 129 ff. 138. Zeitschr. des Vereins fur Thuring. Geschicbte 
und Alterthumskunde, Bd. Ill, S. 3 ff . Correspondenzblatt 
1871, Nr. 3. — Die in dem letzteren Blatte, Jabrgang 1867, 
Nr. 6 verflffentlichten Tabellen der Grafen von Orlamunde nach 
Schultes warden nacbber von W. Rein berichtigt, sind also 
zur Benutzung nicht zu empfehlen.) 

In dem seiner Ausgabe zu Grunde liegenden Codex sieht 
der Herausgeber einen scblagenden Beweis fur die oft ange- 
zweifelte Gultigkeit des sachsischen oder magdeburgischen 
Weichbildrechts in Thttringen. Diese Beweisftihrung ist weder 
neu, noch kann sie Uberraschen. Das alteste orlamundische 
Stadtrecht entstammt, wie aus verscbiedencn Urkunden des 
hiesigen Rathsarchivs nachzuweisen ist, der Grafenzeit und ent- 
hielt frankisches Recht. Spuren hievon finden sich in der noch 
vorhandenen Umarbeitung dieses Stadtrechtes , die nach dem 
Uebergang der Grafschaft in das s&chsische Recht (um 1344 
wurde sie an die Wettiner verkauft) unzweifelhaft stattfand. 
(Vergl. Michelsen, urkundlicher Ausgang der Grafschaft Orla- 
munde; dessen Stadtrecht von Arnstadt in den Rechtsdenk- 
malen aus Thttringen I ; dessen Stadtordnung for Jena.) Der 
Sachsenspiegel und das magdeburgische Weichbildrecht bildeten 
subsidiarc Rechtsquellen des orlamttndischen Stadtrechts. 

Der Herausgeber erwahnt in seinem Vorwort, dafs er sich, 
einer Angabe Walch's folgend, behufs Einsichtnahme des frag- 
lichen Codex an das Burgermeisteramt OrlamUnde gewendet 
habe; denn, obwohl Homeyer das Original als der herzpgl. 
Bibliothek zu Gotha zugehOrig bezeichnet, habe er sich doch 
mit dem Gedanken nicht vertraut machen kOnnen oder wollen, dafs 
von der Stadt OrlamUnde solch „eine wahre Zierde der Stadt tt , 
wie Walch diese Handschrift nenne, an die herzogl. Bibliothek 
ver&ufeert worden sei. Das Burgermeisteramt Orlamunde habe 
ihm hierauf nur zwei in Pappe gebundene Pergamentblatter 
(die Herausgeber fur Originale gehalten zu haben scheint) mit 
dem Beifugen ubersendet, dafs „weiteres Sachbezttgliches nicht 
aufzufinden sei." Dagegen habe sich der gesuchte Codex aller- 
dings in der herzogl. Bibliothek zu Gotha vorgefunden. 

Folgende Mittheilung darf wol einiges Interesse beanspru- 
chen, insofern sie den Nachweis dartiber enthait, wie die Stadt 
OrlamUnde um ihr altes Rechtsbuch kam, — eine Ehrenrettung 
unseres Stadtchens gegen den Vorwurf des Mangels an Pietat, 
den ihr offenbar der Herausgeber, wenn auch in der liebens- 
wurdigsten Form, macht. . 

Wenn der damalige Yorstand des Stadtraths sich etwas 



schnflde dahin geaufsert, dafs er weiteres Sachbezttgliches nicht 
aufznfinden vermocht habe, so findet dies seine Entschuldigung 
in dem Umstande, dafs das hiesige Rathsarchiv, welches eine 
Fttlle alter und werthvoller Urkunden enthait, zu der fraglichen 
Zeit nur mangelhaft geordnet und fast jeder Uebersicht bar 
zu nennen war. 

Durch Walch's vermischte Beitrftge zum deutschen Rechte, 
die 1772 % in Jena erschienen waren, wurde die Aufmerksamkeit 
des Herzogs Ernst von Gotha -Altenburg, eines Fursten, der 
nach seinen Geistesgaben und seiner Herzensbildung zu den be- 
deutendsten seiner Zeit und seines Stammes gehOrt, diesem 
Schatze unseres Archivs zugelenkt. Dem Wunsche des Herzogs, 
den Codex einige Zeit zu leihen, wurde bereitwilligst Folge ge- 
leistet. Ein Recepisise seines Ministers, des Freiherrn von Fran- 
kenberg, d. d. Gotha, 8. Februar 1791, verspricht, „das gefai- 
ligst mitgetheilte Weichbild- und Landrecht vom Jahre 1381 
vollst&ndig und unbesch&digt mit Ende des Monaths Aprils die- 
ses Jahres dankbahrlich wieder zuruckzuschicken." Eine an 
den Burgermeister der Stadt OrlamUnde gerichtete Zuschrift 
des Gothaischen Bibliothekars Geifsler, d. d. 29. Mftrz 1791, 
besagt : „Ew. Hochwohlgeboren werden nunmehr ohnfehlbar die 
Zurttckschickuog des erhaltenen Cod. M. S. entgegensehen ; da 
die Zeit, auf welche ich mir denselben ausgebethen, abgelauffen. 
Sie wtirde auch ohnfehlbar erfolgt sein, wenn nicht der Wunsch 
Sr. Hertzogl. Durchlaucht, diesen Cod. in hiesiger Hertzogl. 
Bibliothek zu besitzen, dazwischen gekommen und von des Herrn 
Ministers von Frankenberg Exc. als erfullbar angesehen wor- 
den. Se. Hertzogl. Durchl. aber wunschen den Besitz dieses 
Cod. schlechterdrngs unter keiner andern Bedingung, als 
wenn er freiwillig vor einen billigen Preis kflnne erkauft 
werden und eine vidimirte Abschrift davon in dem Orlamttndi- 
schen Archiv inskttnftige aufbehalten werde. etc." Unterm 
4. April entgegnete der Rath : „Er rechne es sich zum Glucke 
und zur Ehre, etwas in seinem geringen Vermftgen zu haben, 
womit er seinem Durchlauchtigsten gnadigsten Landesherrn die 
Ehrfurchtsvollste Unterthansliebe und Devotion zu bezeugen ver- 
mdchte. Mit diesen Gesinnungen bittet der Rath, dafs Se. 
Herzogl. Durchlaucht den bewufsten codicem manuscr. als ein 
geringes Andenken Ihro treuen Stadt Orlamttnda huldvoll an- 
zunehmen und dagegen diesem armen One bei den verschiedenen, 
zu dessen Aufnahme jetzt in Antrag gebrachten Versuchen 
hOchstdero landesvaterliche gnadigste UnterstUtzung zu gdnnen 
geruhen wollen". 

Ein Brief etc. Geifslers vom 15. April setzt den Rath da- 
von in Kenntnifs, dafs „Se. Herzogl. Durchlaucht die gtttige 
Erklarung des Hochedeln und Hochweisen Raths sehr gnadig 
aufgenommen ; ohngeachtet Sie lieber gesehen hatten, wenn die- 
selbe vor einen bestimmten Preis Ihnen ware Uberlassen wor- 
den: da Sie ohnedem gnadig gesinnt sind, Ihrer treuen Stadt 
Orlamttnda alle Beweise landesvaterlicher Huld und Gnade wie- 
derfahren zu lassen." In dem letzten Schreiben vom 21. Juni 
1791 Ubersendet etc. Geifsler n beiliegende Quittungen, welche 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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hdchstdieselben aus eignen Mitteln berichtiget, am, wie Sie mir 
mltadlich sagten, dadurch Dure Erkenntlichkeit vor die Ueber- 
lassung des Codicis M. S. vom Sachsen-Spiegel zu bezengen. 
Ich frene mich unendlich, — sagt Geifsler scbliefslich — dafs 
dieses gantze Geschaft zum Besten der Stadt Orlamunda and 
za Ew. Hochwohlgeb*. Zufriedenheit glttcklich geendiget wor- 
den." 

Welches Aequivalent die Stadt for die Ueberlassung ihres 
Rechtsbaches erzielte, darabcr schweigt die Geschichte. Statt 
der zugesicherten vidimierten Abschrift des Codex erbielt die 
Stadt eine armliche Abschrift von Walch's Einleitong zu den 
orlamundischen Statuten in Bd. II seiner Beitrage. 

Im Jahre 1854 ersuchte der Rath yon Orlamttnde das Ar- 
chiTariat za Gotha am abschriftliche Mittheilung der in dem 
Codex enthaltenen orlamttndischen Statuten and erhielt bereit- 
willigst jene in Pappe gebandenen angeblichen Originalblatter. 
Noch im Jahre 1869 stellte der Rath die nnterschiedlichsten 
Versache an, den Codex wieder zu gewinnen, jedoch erfolglos. 
Es mag ubrigens dahinstehen, ob Walch's Ansicht, dafs die or- 
lamundischen Statuten gleich nach dem Jahre 1381 in den 
fraglicben Codex eingetragen worden sind, die richtige ist. 
Eine Stadtrechnung spaterer Zeit wenigstens enthalt die Nach- 
richt yon dem Ankaufe eines Sachsenspiegels „um 48 alte gl.", 
raid es ist nicht aufser der Mflgiichkeit, dafs erst damals die 
Eintragung des Stadtrechts mit dem im Jahre 1418 geschehe- 
nen Zusatz (vgl. Walch, Beitrage zum ^eutschen Rechte, II, 
66) erfolgte. 

Schliefslich sei nur noch erwfthnt, dafs der Herausgeber 
unsere Stadt „Orlamunda" nennt, wfthrend die Mehrzahl wis- 
senschaftlicher Schriften uber orlamundische Geschichte den 
deutschen Namen Orlamttnde in sein altes Recht eingesetzt hat. 
Die lateinische Endung, die sich nur ausnahmweise in den &1- 
teren stadtischen Urkunden vorfindet, wurde erst in den letz- 
ten Jahrhunderten in den Kanzleistil aufgenommen. Ein glei- 
ches Schicksal hatten die umliegenden Ortschafts- und bezug- 
lich Stadtenamen Altenburga, Kahla und Roda, ein Umstand, 
der zu den verworrensten Erklarungen dieser Namen ge- 
fohrt hat 

Orlamunde. Burgermeister Sommer. 



Aus Handschriften der koniglichen Uniyersitate-Bib- 
liothek za Breslau. 

1) Cod. chart. Vratisl. IV. Qu. 81, (Regule gramma- 
tice) a. 1462 scriptus. Innenseite des vorderen Einbanddeckels : 
Suspicium eyn vordechtnifs. 
Suspectus caueas ne sis pauper (miser) omnibus horis, 
Nam timidis et suspectis aptissima mors est. 

Qui honorat vestes et libros honoratur ab eis. 
Vir bene vestitus sciencijs esse peritus 
Creditor a mille quamuis ydeota sit ille. 



Vt scindas cultro comedas quod bibas minus ultro. 
Agens et consciens pari pena puniuntur. 
Si quis delinquit ut paulus apostolus inquit 
Qui consentit ei fit reus ipse rei. 

Cunctis qui placeat non credo quod modo viuat. 
Obseqium dominis qui wit impendere binis 
Indiget ille satis de dono prosperitatis. 

Id quod honori detrahitur pudori reseruatur. 
Baltisar Cuntschz de haynis, Cantor in pirnis 
Qui facis ingressum studeas sic esse modestus 
Vt post egressum sit de te rumor honestus. 

Laus deo pax viuis requies eterna defunctis. 

Qui domitat leporem et custodit mulierem 
Nil sibi proficit sed res cum tempore perdit. 

Nuces et casti semper grauitate probantur; 
Cetera cuncta yalent. si grauitate carent. 

Poma, pira, nuces miseri sunt Slesie duces 
Attentant hurum et nolunt defendere murum. 
Sunt socii furum et semper spoliant geburum. 

Non de ponte cadit qui com sapiencia yadit 

Fol. 233 »>: 

Mugientes facie de lacte dant tibi parum. 

Nee semper offendunt homines qui fantur amarum. 

Calles antiquos serua veteresque amicos. 

Fol. 493 » : 

Non aliter moritur monacham quicunque potitur 

Monacham qui potitur virga tendente moritur. 
Fol. 554* hat sich der Schreiber Georg Naustat aus Dres- 
den, Succentor in Luben bei Liegnitz, einige Musterbriefe ab- 
geschrieben, yon denen ich zwei hier mittheile, da sie zeigen, 
dafs damals schon die studierende Jugend ihren Eltern Geld 
abzulocken yerstand. 

Circumspecto viro Johanni Snyder in Hayn (Hainan) com- 
moranti patri suo amantissimo. 

Ffinalem obedienciam ardore paterne dileccionis intime prae- 
asscriptam. Certe subito arescit ramulus, qui fomentum non re- 
cipit propria a radice; hincque, pater amantissime, vestre pa- 
ternali dileccioni cogor enodare Quoniam rigor yemis preterili 
pecuniam a vestra dileccione transmissam pro cottidianis ne- 
cessitatibus totaliter exhausit, quod modo variis defectibus sum 
aggrauatus, a quibus solum per paternale subsidium possum 
releuari. Ideoque paternalem dileccionem rogito prece humil- 
lima ac deuota, quatenus michi necessitatem pacienti misericor- 
dialiter succurratis et sex fiorenorum summula cum presenti 
nuncio dirigere non crastinetis, at plantacio vestra fructificare 
et non arescere videatur In hijs facientes veluti proprium ho- 
norem ac filij diligitis pariter et profectum. 

Jo. sneyder scolaris in garlitcz. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



Der vorsichtigen vnd tvgentsamen frawen B. sneyderynne 
zcu Hayn seyner libisten muter vnde gebererynne. 
Kintliche vndertenikeit mit warer libe steticlichen zcuvor. 
aller libiste muter, ewr muterliche libe gutlichen sal vornemen 
das ich gropen gebroch an lynen gewande alz nemlich an ley- 
lach vnd hemden eyne lange zceit swerlich habe geleden vnd 
noch iemerlkhen leide von des wegen ich meyner nacht ruge 
zere berobit werde. hirvmbe ewer mildekeit, die mir steticli- 
chen gutikeit vnde mildikeit hot irczegit, ich flei(Jiclichen bitte 
vnd vormane, das ir mit de(Jem kegenwertigen czeiger defies 
briflis eyn par leylach vnd iij hemde als balde mir weldet sen- 
den vnd meynen vatir zcu mehr hulffe weldet anhalden vnd 
vormanen das ich vmbe ewer muterliche libe ewiglichen begere 
sunderlichen kegen gote vordynen. 

Jo. sneyder von hayn, schuler zo* garlitcz. 
FoL 555 ^ : 

In sacco fusa. meretrix in ede reclusa 
Non wit occultari nee stramen in sotularl 
Fol. 554 »>: 

Cignus eram, bis pica fui, ter fune ligatus, 
Ter cruce signatus et sum sicud ante beatus. 

Breslau. Alwin Schultz. 

(Schiufs folgt.) 



Krgmhilten-Weg. 

In Schaffhausen gibt es ein altes handschriftliches Statu- 
tenbuch. H. Meyer schrieb es ab und es lautet die Ueber- 
schrift: Dis buch ist der Burger und der statt ze Schaffhusen, 
da sie ir gesetztan angeschriben hant. Sie waren gesetzt 6 
dis buch angevangen wurde aid su sien sid gesetzet aid si wer- 
dint hie nach gesetzt und ward dis buch angevangen do man 
zalt von Gottes geburt druzehenhundert jar und ahtzig jare 
und darnach in dem funfften jare ze ingandem mertzen." Bl. 
73 wird ein . Gerichtsbezirk an der Schaffhausisch - Badischen 
Grenze (heute), am Randen, begrenzt : Dip ist die uszaichnung 
des kraifi der montant am Randen. Item von Schaffhusen 
uber die Engi vnd dann die obern straup bip gen Beringen 
und zu Beringen unden durch das dorff vnd derselben straup 
nach durch Loeningen bip gen Tettlingen vnd der straup nach 
bis zum turlihag vnd har durch biss uff die Schiltstaig vnd da 
dannen hinderm westerholz ab durch die mergktail wip bip in 
die mjili genant im aigen in die Wuotach vnd dannethin die 



Wuotach uff und uff bip gen Hetzenhoven, lit zwuschen Fuotz- 
hain und Ahdorff vnd von Hetzenhoven den Buochberg uff 
durch die schneschlaiffi bip uff den Buochberg vnd libera rug- 
gen uff dem Buochberg bip uff Galga in den brunnen und 
usserm brunnen bis Kr6mhilten weg biss an das Riet und 
von dem Riet obnen harin durch Bipiingen ttber Luogen uff 
der Htthi in Ebersbrunnen und usserm Ebersbrunnen bis 
gen obern Barga und von obern Bargen bip gen Helisshoven 
in den bach und von Heliphoven den bach ab. 

Und was in dem kraip der rechten hand nach gaut haist 
und ist der vorst des Randen den Montant" Gleich der nachste 
Passus heifst: „Cunrat Winterberg et uxor; wir der burger- 
maister vnd Raut zu Schaufhusen bekennen uns und tuond 
kunt menglichem mit diser geschrifft umb sftmlich feeding und 
entschaidnusse so zwischen den erbern Cunrat Winterberg und 
frdwe Briden Stockrinn Blinen siner elichen frdwen als 
durch diss fursichtigen wisen Hansen Ortolff genant Walch" 
u. s. w. 

Im Bereiche der obigen „Montant"-Grenze liegt nach der 
grofsen badischen Generalstabskarte auch der Etzeibach; — 
offenbar schlagende Beweise fur das Fortleben der Heldensage 
im Hegau und der Nordwestseite des Bodensees. Ich fuge hier 
noch eine Anzahl alter Namen bei, s&mmtlich alemannischem 
Gebiete am Oberrhein einst angehdrig. Die aitesten Urbare 
von Lindau (HI. Geist-Hospital), aus dem Ende des 14. und 
Anfang des 15. Jhdts., bringen einen „furmann Hiltprand; 
Ulrich Ha gen, Heinrich Hagen, Lena H&gin; Hans Glint her, 
Mezger; Hans Wilehalm; Hans Hiltperlin, Wolf Got- 
schalk. — Der Name Ilsung dauert noch im 16. Jhdt. in 
Schwaben und Alemannien fort. Ilsung von Tratzberg hiefe 
der Vogt vom Kreise Schwaben (Leutkirch), — Valant, Mar- 
tin, noch 1517 der kaiserliche-Bergmeister in Freiburg i. Br. 

— Der Dingrodel von Stetten in Hebel's Heimat, Wiesenthal 
aus dem 14. 15. Jhdt. (Karlsruher Archiv) bringt oft Namen 
wie: Valifuop (Personname) , ze Altinkon bi Vasoltes 
guote, zem lewen ob Vasoltes acker, nebent dem Z&ringer, 
Fuopgang (Personn.). Vergl. die alten urkundlichen Akker- 
gang in meiner Heimat Wurmlingen bei Tubingen (14. Jahrh.) 

— Besonders hftufig kommen in dem Rodel vor : ze Sant Ble- 
sien brunnen, ze Sant Hylarien bronnen, neben St. Uolriches 
matten u. s. w. 

Bonn. A. Birlinger. 



(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliohe Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. E 8 eb aid in Nttrnberg. 



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BEILAGE ZUM MZEIGER PCR BUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 



1872. 



Jtf 3. 



Mftrz. 



Chronik des germanischen Museums. 



Numb erg, den 15. Marz 1872. 

Die vier von Sr. Majestat dem Kaiser and Konig Wilhelm 
dem Museum zum Geschenke gemachten Geschiitze sind angelangt 
and stehen nebst den flbrigen grofseren Geschtitzen im Vorhofe 
der Karthause, wo sie das Interesse aller Besucher erregen. Dem 
Eintreffen der Gewehre und Handwaffen sehen wir noch entgegen. 
Erne neue interessante Bereicherung dieser Sammlung steht uns 
in Aussicht, indem Se. Excellenz der k. u. k. osterr. Reichskriegs- 
minister v. Kuhn auch Exemplare verschiedener osterr. Systeme 
tod Handfeuerwaffen zur Verfugung gestellt hat. Die in Nr. 11 
des vorigen Jahrgangs erwahnte Kanone aus der ersten Halfte 
des 16. Jahrh., die Se. Durehlaucht der Furst von Schwarzburg- 
Eadolstadt zugeaagt hatte, ist nunmehr auch ubergeben und be- 
findet sich auf dem Wege hieher; ebenso drei kleine eiserne Ge- 
schutae des 16. — 17. Jhdts., Geschenke Sr. Durehlaucht des Fur- 
sten von Schwarzburg-Sondershausen. 

In erfreulicher Weise mehrt sich auch die Zahl der Beitragen- 
den, besonders der deutschen Stadte, die auf diese Weise ihr In- 
teresse an dem Gedeihen unserer Nationalanstalt bekunden und 
von welchen unser heutiges Verzeichnifs wieder eine Reihe auf- 
weist 

Auch von Sr. Durehlaucht dem regierenden Fursten Johann 
zu Liechtenstein ist ein erneuerter Beweis des Wohlwollens uns 
geworden, indem der seither bewilligte Beitrag von jahrlich 50 fl. 
nach Ablauf der Bewilligungsfrist auf s neue fur 10 weitere Jahre 
zugesagt wurde. 

Den unserem Gelehrtenausschusse fur Kunst- und Kulturge- 
schichte beigetretenen Herren (s. Beilage zum Anz. Nr. 1 d. Jhg.) 
ist noch Dr. Jos. Karabacek, Privatdocont der k. k. Universitat in 
Wien, beizufugen. Leider hat aber der Tod in jongster Zeit die- 
sem Ausschusse wieder mehrere Mitglieder entrissen, namlich : Rud. 
Benno v. Rdmer auf Neumark etc. in Dresden, Dr. J. S. Seibertz, 
Ereisgerichtsrath a. D., in Arnsberg, K. Bertr. Stuve, Land- und 
Schatzrath und Burgermeister, in Hildesheim und Professor Fr. 
Wiggert, Gymnasialdirektor, in Magdeburg. 

Seit Veroffentlichung des letzten Yerzeichnisses wurden fol- 
gende neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Von Stedtgemeinden i Anklam 8 fl. 45 kr. Ballenatedt a. 
Harz 3fl. 30 kr. BOokeburg 8fl. 45 kr. Burgateinfurt 3fl. 30 kr. 
Friedberg I. W. 5fl. Gardelegan lfl.45kr. Goaiar8fl. 45 kr. Je- 
ver 5 fl. 15 kr. Kreuznach 5 fl. 15 kr. Lohr 5 fl. Lflneburg 17 fl. 30 kr. 
Mainz 20 fl. Minden 3fl. 30 kr. Mooaburg 2fl. Neuaalza 2fl. 20 kr. 
Neustadt a.S. 2fl. Olmtftz 11 fl. 40 kr. Oels 5fl. 15 kr. Oeisnitz 
lfl. 45 kr. Oettingen 2fl. Poaen 26 fl. 15 kr. Rostock 17 fl. 30 kr. 
Spaadow 8 fl. 45 kr. Spremberg 8fl. 45 kr. Suhl 3fl. 30 kr. Tep- 
litz 23 fl. 20 kr. Wiesbaden 17 fl. 30 kr. WolfenbQttel 5fl. 50 kr. 
Zeitz 8 fl. 45 kr. Ferner berichtigen wir den im Anzeiger 1871, Nr. 5 
auf weitere 5 Jahre bewilligten Beitrag der Stadt Gorlitz von 8 fl. 
45 kr. auf 17 fl. 30 kr. 

Von Yereinen t Chur. Histor.-antiquar. Gesellschaft 4 fl. 35 kr. 

Von Privatens Bielefeld. Ed. Cosfeld 1 fl. Cleve. Wellers- 
haus, Pfarrer, 1 fl. 45 kr. Nurnberg. Ferber, Regierungsaccessist, 1 fl. 



45 kr., Gust Gotz, Commis, lfl. 12 kr., Karl Krober, Kaufmann, 
2fl., G. Krom, Privatier, lfl. 10 kr., Carl Meyer, Kaufmann, lfl. 
45 kr., Gg. Ernst Schazler, Feinblattgoldfabrikant, lfl. 30 kr., Alfr. 
Wieprecht 1 fl. Piauen. Dr. Beez, Gymnasiallehrer, 1 fl. 10 kr., Dr. 
Habenicht, Gymnasiallehrer, lfl. 10 kr. Proaanitz (Mahren). Elkan 
Back, Fabrikant, 1 fl. 10 kr., Alois Einaigl, k. k. Notar, 2 fl. 20 kr., 
Sigm. Goldscheider, Kaufmann, 1 fl. 10 kr., Ign. Rottberger, Buch- 
drucker, 1 fl. 10 kr., Dr. Alb. Trieschet, Advokat, 1 fl. 10 kr., Fritz 
Woletz, Kaufmann, 1 fl. 10 kr., Sigm. Wolf, Kaufmann, 1 fl. 10 kr., 
Joh. Zajiczek , Burgermeister , lfl. 10 kr. , Markus Zweig, Burger- 
meister d. Israelitenffemeinde, 1 fl. 10 kr. Rostock. Langfeldt, Land- 
baumeister, 1 fl. 45 Kr., Dr. med. Winckel, Univers.-Professor, 1 fl. 
45 kr. Walgoidahauaen. Renner, k. Post- u. Bahnexpeditor , lfl. 
Wernack. Gg. Beyer, Veterinararzt, 1 fl., F. J. Bitthauser, k. Forst- 
gehilfe, 1 fl., Casp. Bullheller, Funktionar, 30 kr., P. J. Doll, k. No- 
tar, 1 fl., Friedr. Eckart, k. Gerichtsvollzieher, 1 fl., Dr. Gros, prakt 
Arzt, 1 fl., Hechtel , k. Rentbeamter, 1 fl., Heinr. Hechtel, k. Post- 
ezpeditor, 1 fl., Hubner, Rechnungsfuhrer, 30 kr., Gg. Hflbsch, Ober- 
schreiber, lfl., Dr. Katzenberger, k. Bezirksarzt, lfl., Lux, Buoh- 
halter, lfl., Valentin Sauer, Pfarrcuratus, lfl., Dr. phil. Schweiff- 
ger 52 kr., Eduard Ulrich, Apotheker, lfl., Zellfelder, Vikar, lfl. 
Wildbad. Dr. Renz 1 fl. 

Einmalige Beitrage wurden gegeben: 
Von Stedtgemeinden s Relchenberg (Bohmen) 5fl. 50 kr. 
Von Tereinen s Uim. Burgergesellschafb 2 fl. 42 kr. 
Unsern Sammlungen giengen ferner nachstehende Geschenke zu : 



L Fur die kunst- 



und kulturgesohiohtliohen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6511-6534.) 

Berlin. Se. Majestat Kaiser Wilhelm: Franzos. gezoge- 
nes, bronzenes Feldgeschatz. Franzos. gezogenes, bronzenes Fe- 
stunffsgeschutz. 1 franzos. Granate. 1 gezogenes Gufsstahl-Feld- 
geschutz mit Keilverschlufs und 1 dsgl. mit Kolbenverschlufs ; letz- 
teres mit Aufsatz und Stellschraube. 2 Borstenwischer. 2 gezo- 
gene Granaten mit Bleimantel und vollstandiger Zundvorrichtung. 
— Calw. E. Schiitz, Dr. med.: 592 Portrate in Kupferstich. — 
Graz. Be ck-Widmans tetter, k. k. Oberlieutenant : Photogra- 
phische Aufhahmen von Unzmarkt in Steyermark und des Grab- 
males des Andreas von Stubenberg in der Jakobskirche am Frauen- 
berge. — Krakau. Direktorium der gelehrten Gesell- 
schaft: 5 Bl. Abbildungen des Stofa'schen Altars zu Krakau u. a. 
Denkm&ler in Lichtdruck. — NQrnberg. K Bergau, Professor an 
,der Kunstffewerbschule : 2 Abdriicke von kleinen Kupferplatten 
des 18. Jhats. S. Pickert, Antiquar: Kleine Blum envase, Nach- 
ahmung eines Vedraminglases. CarlSchubert, Geschaftsfuhrer : 
Amerikan. einbruchsicheres Schlofs. Dr. 8eelhorst: Papiersie- 
gel des Prerogativecourt des Erzbischofs von Canterbury. Sol- 
ger, qu. stadt. Baurath : 2 Bruchstucke aus der restaurierten Ro- 
sette der St. Lorenzkirche zu Nurnberg. Dr. Stegmann, Di- 
rektor des bayer. Gewerbemuseums : Eine Anzahl Illustrationen 
aus dessen Zeitschrift fur Kunst u. Gewerbe. Ziebland, Brand- 
versicherungs-Inspektor: Gedruckte Hochzeitladung von 1820. — 
Pottenateln. Chr. Hammerschmidt, k. Gerichtsschreiber: 7 
Halbbracteaten u. a. Silbermiinzen aus dem Funde von Potten- 
stein. — Sondershauaen. Dr. Th. Irmisch, Gymnasialprofessor: 
2 Juden-Passierscheine vom 18. Jhdt. 



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91 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



92 



II. Fiir die Bibliothek. 

(Nr. 27,918— 28,088.) 

-Baden. Seutter von Lotzen, Generallieut. a. D. : 
Volgt die newe Vorstordnung, des Furs ten thumbs Wirtemberg 
Anno etc. 1552. 4. v. Perger, Auszug aus Konig Maximilian II. 
Copeybuch v. J. 1564. 1864. 8. Sonderabdr. Radu, nouvelles me- 
thodes : lecture, eriture, calcul, grammaire, geographie, histoire 
generate. 1865. 8. Hagele, d. katholischen Feiertage; 2. Aufl. 
1869. 8. Die Stadt Baden-Baden u. ihre Zukunft; II. 1869. 8. 
Die Dittmann'sche Lohkur. 1869. 8. 31 u. 32. Jahresbericht der 
grofsherzogl. Burgerschule zu Baden. 1869 u. 70. 8. Madame Na- 
poleon. 1871. 8. — Berlin. Ferd. Diimmler's Verlagshandl.: 
Grimm, Auswahi aus den kleineren Schriften. 1871. 8. Th. Chr. 
F r. Enslin, VerlagshndL : Enslin, d. deutsch-franz. Krieg 1870—71. 
1871. 8. Otto Janke, Buchhndl. : Wiese, Karl der Kiihne u. die 
Eidgenossen. 1870. 8. Friedrich in Rheinsberg. 1871. 8. E. Kob- 
ligk, VerlagshndL: Voigt, die Erwerbung der Neumark. 1863. 8. 
Verlag von Gebr. Pat el: Dorr, d. deutsche Krieg gegen Frank- 
reich im J. 1870—71. 2. Aufl., Lief. 1—10. 1871—72. 8. Duller's 
Geschichte des deutschen Volkes , bearb. u. fortges. v. Pierson ; 
3. Aufl., Lief. 1—10. 1871. 8. Pierson, preufs. Geschichte ; 2 Bnde. 
1871. 8. Wernicke, Geschichte der Welt; 5. Aufl. Lief. 1—10. 
1871. 8. Kgl. geh. Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker): 
•v. Courbiere, Geschichte der brandenb.-preufs. Heeres-Verfassung. 
1852. 8. Hahn, Kunersdorf, am 12. Aug. 1759. 3. Aufl. 1852. 8. 
Hahn,. Friedrich, der erste Kdnig in Preufsen; 2. Aufl. 1861. 8. 
Hahn, Friedrich Wilhelm III. und Luise; 1860. 8. Bothe, Ge- 
schichte des thuring. Ulanen- Regiments Nr. 6. 1865. 8. Carlyle, 
Geschichte Friedrich's II. von Preufsen; Bnd. V u. VI. 1869. 8. 
Allgem. Biicherkunde des brandenb.-preufs. Staates. 1871. 4. — 
Bozen. Karl Atz: Der Kunstfreund, hsg. v. Atz; Jhg. I, 1. 1872. 
8. — Braunschweig. J oh. Heinr. Meyer, Buchhndlr. : Journal 
f. Buchdruckerkunst ; 37. u. 38. Jhrg. 1870—71 4. Friedr. Vie- 
weg u. Sohn, Buchh. : Globus, illustr. Zeitschrift f. Lander- u. 
Volkerkunde, hsg. v. Andree. 19. u. 20. Bnd. 1871. 4. — Breslau. 
Wilh. Gottl. Korn, Verlagshandl.: Zehlicke, v. Weifsenburg bis 
Paris. 1871. 8. Verein f. Geschichte u. Alterth. Schle- 
siens: Ders., scriptores rerum Silesiacarum ; 5. Bnd. 1851. 4. — 
Brunn. C. Winiker, Buchh.: Ehrmann, Geschichte der Israeliten ; 
2. Aufl. 1869 u. 71. 8. — Cleve. Dr. C. Hafskarl: Sac imperii 
Rom.-Germanici geographica descriptio. 1677. 8. (Mit handschriftl. 
histor. Bemerk.) — Corbach. Histor. Verein der Furs tenth. 
Waldeck u. Pyrmont: Ders., Beitrage etc. ; Bnd. Ill, 2. 1871. 8. 
Rauchbar, Leben u. Thaten d. Fursten Georg Friedrich v. Waldeck ; 
Bnd. II, 1. 1871. 8.— Darmstadt. Histor. Verein fiir d. Grofs- 
herzogth.Hessen: Ders., Archiv etc. ; Bnd.XII, 3. 1870. 8. — Dorpat. 
Gelehrte estnische Gesellschaft: Dies., Verhandlungen etc. ; 
Bnd. VI, 3. 4. u. VII, 1. 1871. 8. Dies, Sitzungsberichte. 1870. 8. 
— Dresden. Arnoldische BuchbaDdl. : Aster, d. Gefechte u. 
8chlachten bei Leipzig im October 1813. 2 Thle., 2. Ausg. 1856. 
8. Comite der Tiedge-Stiftung: Dass. , Mittheilung etc. 

1871. 4. Justus Nanmann's Buchh: Lauterbach's Tagebuch 
auf d. J. 1538. die Hauptquelle der Tischreden Luther's hgg. v. 
Seidemann. 1872. 8. G. Schonfeld's Verlagsbuchh. (C. A. Wer- 
ner) : Gr&sse, guide de Pamateur de porcelaine et de poterie ; 3. ed. 

1872. 8. — Eisenach. Barecke'sche Hofbuchh. (J. Bacmeister) : 
Kohler, Johann Hufs, der Reformator des 15. Jahrh. 8. — Eng- 
land. Unbekannter : Goldrainer, zur Ehre u. zur Freude des 
gottlichen dreieinigen Vaterherzens ; 11. Aufl. 1871. 8. — Erfurt. 
Dr. Dietrich, Direktor des Gymnas. : Rudolphi, Kaspar Stieler 
der Spate. 1872. 4. Progr. Korner'sche Buchh. (E. Weingart) : 
Erfurter Schnozeln; 2. Aufl. 1872. 8. — Eriangen. Physiealisch- 
medicinischeSocietat : Dies., Sitzungsberichte ; 3. Heft. 1871. 
8. — Fahnenburg. A. Fahne, Gutsbesitzer : Ders., d. Grafschaft 
u. freie Reichsstadt Dortmund ; 1. Bnd. 1854. 8. Ders., Geschichte 
der verschied. Geschlechter Bocholtz; Bnd. I, 1. 1863. 2. Ders., 
Geschichte der Grafen, jetzigen Fursten zu Salm-Reifferscheid; 
Bnd. I, 1.2. 1866.2. — Frankfurt a. M. Heyder u. Zimmer, Ver- 
lagsh. : Kriegk, Geschichte von Frankfurt a. M. 1871. 8. Verein 
fiir Geschichte u. Alterthumskunde: Ders., Mittheilungen 



etc.; Bd. IV, 2. 1871. 8. Batton, ortliche Beschreibung der Stadt 
Frankfurt a. M. ; VI. H. 1871. 8. Neujahrs-Blatt fur d. J. 1871. 
1871. 4. Chr. Winter, Buchhandl. : Simrock, Lieder vom deut- 
schen Vaterland. 1871. 8. Helfferich, geschichtl. Forschungen; I. 

1871. 8. — Frauenfeld. J. Huber, Buchh.: Pupikofer, Geschichte 
der Stadt Frauenfeld. 1871. 8. — Freiburg i. Br. Herder'sche 
Verlagsbuchh. : Trenkle, Geschichte des Domstift-Basel'schen Fron- 
hofes zu Thiengen im Br. 1871. 8. Brugier, Geschichte der deut- 
schen National-Literatur ; 3. Aufl. 1871. 8. — 6era. C. B. Gries- 
bach, Buchhandl. : Eisel, Sagenbuch des Voigtlandes. 1871. 8. 
— Giessen. Carl Dierry, Hofgerichts-Advokat : Brevier, lateini- 
sches; Pap.-Hs. 18. Jahrh. 8. — Gotha. Justus Perthes, Verlags- 
hndL: Gothaischer genealog. Hofkalender, 1872. 8. Gothaischea 
genealog. Taschenbuch der grafl. Hauser, 1872. 8. Gothaisches ge- 
nealog. Taschenbuch d. freih. Hauser, 1872. 8. — 6ottingen. Van- 
denhoeck u. Ruprecht, Verlagsh. : Lefarth, Lambert v. Hersfeld. 

1872. 8. Wilken, Geschichte der geistl. Spiele in Deutschland. 
1872. 8. Zopffel, die Papstwahlen. 1872. 8.— Graz. Leop.Beckh- 
Widmanstetter, k. k. Oberlieutenant : Ders., Ulrich's von 
Liechtenstein, des Minnesangers, Grabmal auf der Frauenburg. 

1871. 8. — Greifswald. Universitat: Verzeichnifs der Vorlesun- 
gen etc. 1872. 4. Index scholarum etc. 1872. 4. — Grosswardein. 
Otto Hugel, Buchhndl.: Gedanken eines Civilisten. 1871. 8. — 
Hamburg. Otto MeiTsner, Verlagshandl.: Mahl, Lutj Anna. 1871. 
8. — Hannover. Hahn'sche HofbucHhndl. : Archiv d. Gesellschaft 
f. altere deutsche Geschichtkunde , hsg. v. Pertz ; Bnd. XII , 1. 2. 

1872. 8. Beck, Geschichte, v. Frankreich, England, Polen u. Rufs- 
land. 1872. 8. Minzloff, Literaturgeschichte derVoIker des Alter- 
thums; 2. Ausg. 1872. 8. — Jena. Herm. Costenoble, Verlags- 
buchh.: v. Schlagel, gefangen u. belagert. 8. — Karlsruhe. Mack- 
lot'sche Buchhandl.: Magg, Kriegs-Kalender des deutsch-franzos. 
Feldzugs 1870—71. 1871. 8. — Kiel. Gesellschaft fiir d. Ge- 
schichte der Herzogth. Schlesw.-Holst. u. Lauenburg: 
Dies., Zeitschrift etc. II. Bnd. 1872. 8. Alberti, Register iib. d. 
Zeitschriften u. Sammelwerke f. Schlesw.-IIolstein-Lauenburg. Ge- 
schichte; 1. H. 1872. 8. — Koln. A. Badeker. Verlagshandl.: 
Hocker, Geschichte des Krieges Deutschlands gegen Frankreich im 
J. 1870—71. 1871. 8. Hocker, d. Kaiserthum der Hohenzollern. 

1871. 8. — Kreuznach. Antiquarisch-histor. Verein f. Nahe 
und Hunsrttcken: Ders., 11. Bericht 1869—71. 8. — Landshut. 
Histor. Verein f. Niederbayern: Ders., Verhandlungon etc. ; 
Bnd. XV, 1.— 4. H. 1870—71. 8. Verein zur Forderung der 
Kunst-Industrie in Niederbayern: Ders., Statuten etc. 

1872. 8. — Langensalza. Schulbuchhndl. v. F. G. L. Grefsler : 
Wunderlich, Gedenkblattter zur Geschichte der Wiedereroberung 
von Elsafs u. Lothringen. 1872. 8. — Leeuwarden. Friesch Ge- 
nootschap van Geschied-, Oudheid- en Taalkunde: Dies., 
43. Verslag etc., 1870—71.8. Friesche Oudheden; II. Aflev. 1871. 
4. Catalogs der Bibliothek, II. Vervolg. 1871. 8.— Leiden. Maat- 
schappij der nederland. Letterkunde: Dies., Handelingen 
etc. 1871. 8. Levensberichten etc. 1871. 8. Lijst der Leden etc. 
1871. 8. — Leipzig. Hugo Altondorff, Baumeister: Ders., iiber 
d. kirchl. Baukunst des 19. Jahrh. 1872. 8. Fri edr. Brandstet- 
ter, VerlagshndL: Das sachs. od. magdeburg. Weichbild-Recht, 
hgg. v. Walther. 1871. 8. Breitkopf u. H artel, Verlagshandl.: 
Lindner, Geschichte des deutschen Liedes im XVIII. Jahrh. 1871. 8. 
F. A. Brockhaus, VerlagshndL: Deutsche Classiker des Mittel- 
alters; Bd. XI u. XII. 1871 u. 1872. 8. Wander, deutsches Sprich- 
worter-Lexikon; Lief. 36 u. 37. 1871. 8. Ernst Fleischer, 
VerlagshndL: Hoffmann, Schwedens Heldenkonige Gustav Wasa, 
Gustav Adolf, Karl XII. 1871. 8. Ch. E. Koilmann, Verlagsh.: 
Reiche, Friedrich d. Gr. u. seine Zeit. 1860. 8. v. Stifft, Renais- 
sance u. Romantik; 2 Bnde. 1869. 8. Jenkner, d. Grundsatze der 
Reformation im Lichte unserer Zeit; 3. Aufl. 1872. 8. B. G. 
Teubner, VerlagshndL: Wackernagel, d. deutsche Kirchenlied; 
Lief. 23—37. 1869 — 72. 8. Archiv f. Literaturgeschichte, hgg. v. 
Gosche; Bd. II, 1.2. 1871. 8. Teuffel, Studien u. Charakteristiken 
zur griech. u. rom. sowie zur deutschen Literaturgeschichte. 1871. 
8. Gosche, Gervinus ; 2. Abdr. 1871. 8. Brambach, rhythmische 
u. metrische Untersuchungen. 1871. 8. F. C. W. Vogel's Ver- 
lagshndL : Holbein's Madonna in Darmstadt u. Dresden. 1871. 8. 



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93 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



94 



Schade, deutsche Handwerkslieder. 1865. 8. Mendelssohn-Barthol- 
dy, Briefe v. Friedr. v. Gentz an Pilat ; 2 Bnde. 1868. 8. Dietz, 
Worterbuch zu Dr. Mart. Luther's deutschen Schriften ; Bnd. II, 

1. 1872. 8. Otto Wigand, Buchh. : Sanders , Worterbuch der 
deutschen Sprache; Bnd. I. u. II, 1. 2. 1860—65. 4. Henne-Am 
Rhyn, Kulturgeschichte der neueren Zeit; II. u. III. Bnd. 1871 u. 
72.8. Roth, d. Unfehlbaren. 1871.8. Spitzer , Teufelsbundler ; 
1871. 8. Draper, Geschichte der geistigen Entwicklung Europa's; 

2. Aufl. 1871. 8. — Luxemburg. V. Biick, Verlagshndl. : Wtirth- 
Paquet, Esch an der Alzette u. Schlofa Bernwart, deutsch bearb. 
v. Kolbach. 1871. 8. — Marburg. Universitat: Heinzerling, ub. 
den Vocalismus u. Consonantismus der Siegerlander Mundart. 1871. 
8. Krebs, de unionis mysticae quam vocant doctrinae Lutheranae 
origine et progressu saeculo XVII. 1871. 8. Nebst 9 weiter. akadem. 
Gelegenheitsschriften. 1870 u. 71. 4. 8. — Miinchen. J. A. Fin- 
sterlin, Buchhndl. : Marggraff, catalogue of the pictures in the 
old royal Pinakothek at Munich. 8. Das grofse Versohnungsopfer 
auf Golgatha. 8. Arendts, Karte von Elsafs u. Deutsch-Lothringen. 
8. J. Lindauer'sche Buchhdl. (Schopping): Noe, bayerisches See- 
buch. 1865. 8. Noe, osterreich. Seebuch. 1*67. 8. Sattler, Grund- 
rifs der deutschen Geschichte ; 2. Aufl. 1872. 8. — Neuburg a. 0. 
Histor. Filial-Verein: Ders., Jahresbericht f. d. J. 1871. 8. 
— N6U88. L. Schwann'sche Verlh.: Dederich, d. Feldzuge des 
Drusu8 und Tiberius in d. nordwestl. Germanien. 1869. 8. — Neu- 
wied. J. H. Heuser's Verlagsh. : Prafs, der Krieg des Jahres 
1870-71. 1871. 8. — Niirnberg. G. Arnold, Kaufmann: Under- 
schidlicher . . . im Ertz - Hertzogthumb Oesterreich vnter vnd ob 
der Ennfs sich befindenten Privat-Herren-Mauth zusammen getra- 
eene Vectigalia. 1681. 2. F. W. Freih. v. Ditfurth: Ders., 
deutsche Volks- u. Gesellschaftslieder des 17. u. 18. Jahrh. 1872. 
8. Dr. v. Eye, Vorstand der kunst- u. kulturhistor. Sammlun- 
gen d. g. M. : Hartraann, Geschichte des Rathsgymnasiums zu Os~ 
nabruck; 3. Abth. 1872. 4. Abdias Chrn. Orth, Kaufmann : 
Wolff, kurtze hochgrundlicbe vnd aigentliche beschreibung eines 
ordentlichen rechten Buchhaltens. 1610. 2. (Defect). Literari- 
scher Verein: Ders., Album; Jbg. 1866—71. 8. C. H. Zeh'- 
sche Buchhndl. : Lommel, Johannes Hufs ; 5. Aufl. 1871. 8. Lom- 
mel, Jesus v. Nazareth; 5. Aufl. 1871. 8. — Paris. Institut des 
provinces de France: Arrete relatif a la tenue du congres 
scientifique de France. 1872* 4. — Pest Gust. Heckenast, Ver- 
lagsbuchn. : Hornyanszky, Geschichte des osterr. Kaiserstaates ; 

3. Aufl. 1863. 8. Toldy, Geschichte der ungr. Literatur im Mittel- 
alter. 1865. 8. Jokai, Bilder aus d. ungar. Freiheitskampfe 
1848—49. 1869. 8. Makray, Briefe Ludw. Kossuths an Bern. 1870. 
8. Rud. Temple: Ders., Bilder aus Galizien. 8. — St. Peters- 
bnrg. Commission imp. archeologique: Dies., compte- ren- 
du pour l'annee 1869 ; avec un atlas. 1870. 4. u. Imp. 2. — Rostock. 
Ernst Kuhn's Verlag: Muther, rom. u. kanon. Recht im deut- 
schen Mittelalter. 1871. 8. Geifsler, Album v. Rostock, qu. 8. 
Stiller'sche Hofbuchh. (H. Schmidt): Mejer, zur Geschichte der 
rom. -deutschen Frage; I. Th. 1871. 8. v. Liebeherr, iiber Hexe- 



rei. 1871. 8. — Schaffhausen. Hurter'sche Buchh.: Osenbrflggen, 
Wanderstudien aus der Schweiz ; 2 Bnde. 1867 u. 69. 8. — Schwein- 
furt. G. J. Giegler, Buchhndl.: Bayer, Deutschands Wiedergeburt. 
1871. 8. — Stade. Verein f. Geschichte u. Alterthiimer der 
Herzogth. Bremen u. Verden etc.: Ders., Archiv etc 4. 1871. 
8. — Stuttgart Ebner u. Seubert, Verlagshndl.: Lubke, die 
Frauen in der Kunstgeschichte. 1862. 8. Lubke, Bericht iiber die 
kttnstler. Abtheilung der allgem. Ausstellung in Paris. 1867. 8. 
Lubke, d. Kunst der Neuzeit. 1868. qu. 2. Miiller, d. Kunstler al- 
ler Zeiten u. Volker; 4. Bnd: Nachtrage seit 1857, bearbeitet v. 
Seubert. 1870. 8. Verlag v. Ed. Hallberger: Miiller, illustra- 
te Geschichte des deutsch- franzos. Krieges ; 7. u. 8. Lief. 1872. 2. 
Ad. Krabbe, Verlagsh.: Menzel, Geschichte der neuesten Zeit 
(1856—60). 1860. 8. Gfrorer, Gustav Adolph, Konig v. Schweden, 
u. seine Zeit ; 4. Aufl. 1863. 8. Menzel, d. wichtigsten Weltbege- 
benheiten v. 1866—70. 1871. 8. - Utrecht. Provinciaal tft- 
rechtsch Genootchap vanEunstenen Wetenschappen : 
Dies., Verslag etc. 1870 u. 1871. 8. — Welnsberg. Histor. Ver- 
ein f. das wirtemb. Franken: Ders., Zeitschrift; Bd.IX, H. 1. 
Jhg. 1871. 8. — Wlen. Se. Maj. Franz Joseph I., Kaiser v. 
Oesterreich: Leitner, d. hervorragendsten Kunstwerke d. Schatz- 
kammer des osterreich. Kaiserhauses ; Lief. 7.-8. Imp. 2. Wilh. 
Braum oiler, k. k. Hof- u. Univers.-Buchh. : v. Perger, d. deut- 
sche Styl. 1861. 8. Schroer, deutsche Weihnachtsspiele aus Ungern. 
1862. 8. Schmidt, Nicolaus v. Basel Leben u. ausgewahlte Schriften. 
1866. 8. Stein, histor.-krit. Darstellung der pathologischen Moral- 
principien. 1871. 8. Taufrath, kurze Nachricht iiber d. k. k. evang.- 
theolog. Fakultat in Wien. 1871. 8. Dr. Franz Kurschner: 
Ders., Eger u. Bohmen. 1870. 8. — Wiesbaden. Dr. C. Schnaase, 
geh. Oberrevisionsrath : Ders. , Geschichte der bildenden Kiinste ; 
2. Aufl. 4 Bnde. 1865—71. 8. — Worms. Dr. Falk, Domkaplan: 
Grab u. Stift des heil. Cyriak zu Neu-Hausen bei Worms. 1872. 8. 
— Zittau. Direktion des Gymnasiums: Karamel, zur Ein- 
weihung des Johanneums in Zittau. 1871. 4. Kammel, Bemerkun- 
gen iiber d. Zusammenhang v. Gymnasium u. Realschule. 1871. 4. 

III. Fur das Archiv. 

(Nr. 4245—4247.) 

NQrnberg. Wilh elm Jo n ginger, Privatier: Privilegium Kai- 
ser Karl's VI. fur die Erben des Adam Jonathan Felfsecker zu 
Niirnberg iiber die Herausgabe der bisher unter dem Titel : „Teut- 
scher ordinari und extraordinari Friedens Courrier" erschienenen 
Zeitung, auf fernere zehn Jahre. 1738. Pap.-Abschr. Privilegium 
Kaiser Joseph's II. for Paul Jonathan Felfsecker zu Niirnberg in 
Betreff der Herausgabe des : „Teutschen ordinari umd extraordinari 
Kriegs- und Friedens Courier's", auf weitere zehn Jahre 1773. 
Pap.-Orig. Privilegium Kaiser Joseph's II. fur Paul Feirsecker zu 
Niirnberg in Betreff des ,,Teutschen ordinari und extraordinari 
Kriegs- und Friedenscouriers" auf fernere zehn Jahre. 1783. Pap.- 
Orig. 



Chronik der historischen Vereine. 



Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur 
Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. XVII. 
Jahrg. Janner — Februar. 1872. 4. 

Die Matthauskirche in Murau. Von Johann Gradt. (Mit 1 
Tafel u. 10 Holzschnitten.) — Ueber ein Grabdenkmal des St. Ste- 
phansdomes in Wien. Von Albert Ilg. (Mit 1 Tafel.) — Die 
Pfarrkirche „ad St. Joannem decollatum" in Zeben. Von Prof. 
▼• Myskovsky. (Mit 5 Holzschn.) — Kelchfund im Prager Dome. 
(F. J. Benesch.) — Die Kunst des Mittelalters in Bohmen. (Forts.) 



(Mit 26 Holzschn.) Skulptur. Malerei. (B. Grueber.) — Ueber 
einige kirchliche Baudenkmale in Ober- Oesterreich. (Mit 3 Holz- 
schn.) (Fronner.) — Zur Geschichte der deutschen Malerei. (Dr. 
MeBsmer.) — Ueber einige Fliefse in der Sammlung der Bautheile 
und Baumaterialien des germanischen Museums. (Mit 8 Holzschn.) 
(A. Essenwein.) — Beitrage zur mittelalterlichen Sphragistik. (Mit 
8 Holzschn.) — Zur Kunde der St. Stephanskirche in Wien. 

Der Kirchen-Schmuck. Blatter des christlichen 
Kunstvereins der Diocese Seckau. 1872. Graz. 8. Nr. 1.2. 



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Anzeiger far Kunde der deutschen Vorzeit. 



Bildnerei. IV. Die Christusbilder des christlichen Alterthums. 

— Der Uebergang vom romanischen zum gothischen Style. Nach- 
gewiesen an einem steierischen Kirchlein. 

Mittheilungen der Gesellschaft far Salzburger 
Landeskunde. XI. Vereinsjahr, 1871. Salzburg. 8. 

Ueber die Yerleihung der salzburgischen Landmannschaft an 
die Familie Lasser v. Zollheim. (Frz. Schweinbach.) — Der sogen. 
Hund am Nonnberger Hochwege. Von Dr. Alois Huber. — Die 
alteaten Original -Urkunden des f. e. Consistorial - Archives zu Salz- 
burg. (Ad. Doppler.) — Nachtraglicher Bericht uber einen von 
Maria-Pfarr in das Museum Carolina -Augusteum abgelieferten ro- 
mischen Grabstein. Von Dr. Alois Huber. — Gesellschafts-Ange- 
legenheiten. 

Salzburgische Kulturgeschichte inUmrissen. Von 
L. von Zillner. (Sonderabdruck auf Rechnung der Gesellschaft for 
Salzburger Landeskunde.) Salzburg, 1871. 8. 

Archiv fur Geschichte und Alterthumskunde von 
Oberfranken. Eilften Bandes zweites und drittes Heft. Bayreuth, 
1870 u. 1871. 8. 

Der Ausgang der Meranier. (Oh. Frhr. v. Reitzenstein.) — 
Herzog Otto von Meran und sein Tod. (B. Frhr. v. Holleben.) -— 
Die Waldboten von Zwernitz. Ein Beitrag zur alteren frankischen 
Dynastengeschichte und Topographie des Nordgaus. (Herm. Frhr. 
v. Reitzenstein.) — Die richtige Deutung der Adlerschilde auf den 
Munzen der Markgrafen von Brandenburg altfrankischer Linie. 
Numismat.-herald. Studie von Dr. Fikentscher. — Historischer Spa- 
ziergang von St. Rupert bis Rotenpuhl von Baron v. Holleben. 

Zeitschrift des historisohen Vereins fur das wir- 
tembergische Franken. Neunter Band, erstes Hell. Jahr- 
gang, 1871. Mit 1 Lithographie. Weinsberg. 8. 

Die Geschichte von der Weinsberger Weibertreue. Von H. 
Bauer. — Die Johanniter - Commende Affaltrach. Von dems. — 
Die Herren von Thierbach. Von dems. — Das Kloster Gnaden- 
thal. Von dems. — Lehrensteinsfeld. Von dems. — Urkunden und 
Ueberlieferungen. — Die Weinsberger Kirche. Von Pf. Schumann 
und H. Bauer. — Die Eapelle von Oberwittighausen. Von H. 
Bauer. (Mit Abbildung.) — Verschiedenes. 

Freiburger Diocesan-Archiv. Organ des kirchlich- 
historischen Vereins der Erzdiocese Freiburg fur Ge- 
schichte, Alterthumskunde und christliche Kunst, mit Beriicksich- 
tigung der angrenzenden Bisthiimer. Sechster Band*). Mit einer 
Karte und einem Holzschnitt. Freiburg im Breisgau, Herder'sche 
Verlagshandlung. 1871. 8. 

Zur Geschichte der Benedictinerabtei und der Reichsstadt 
Gengenbach (1525 bis 1539). Von Dr. W. Franck. — Das ehe- 
malige Reichsstift Rotenmunster in Schwaben. Von E. J. Glatz. 

— Itinerarium oder Raisbuchlin des P. Conrad Burger (Schlufs). 

— Historisch-Statistisches uber das Decanat Neuenburg im Breis- 
gau bis 1556. Von L. Werkmann. — Geschichte des domstift-ba- 
selschen Fronhofes zu Thiengen im Breisgau. Von J. B. Trenkle. 

— Beschreibung des Klosterlebens im Reichsstifte Salem in den 
letzten Jahren seines Bestehens. — Zur Geschichte des Dom- 
schatze8 des vormaligen Hqchstiftes Constanz. Von J. Marmor. — 
Zur Geschichte des Bischofs Johann Widloch zu Constanz, Von 
Dr. J. Bader. — Die Reichenauer Kirchen. Von Dr. J. Konig. — 



•) Band IV xl V ilnd dem Mnseum nicht zugekommen. 



Meraorabilien aus dem erzbischoflichen Archiv in Freiburg. Mitg. 
von F. Zell. 

Neues Lausitzisches Magazin. Im Auftrage der Ober- 
lausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften heraus- 
geg. von Prof. Dr. E. E. Strove. 48. Band. 2. (Doppel-)Heft. 
Gorlitz, 1871. 8. 

Mathilde, Gemahlin Heinrich I., Charakterbild einer deutschen 
Frau. Von Dr. Gust. Week. — Die^Herren von Knoch. Von Pa- 
stor Bronisch. — Die Rathsordnung in Gorlitz im Jahre 1498 
(Schlufs). — Bolbritz bei Bautzen. Von Lieschke. — Die grofsen 
Brande von Kamenz in den Jahren 1512 und 1588. Von C. EicheL 

— Ueber die beiden nicht mehr vorhandenen Dorfer Alt-Prierow 
und Gehmlitz bei Golfsen. Von R. C. Schumann. — Die Ortana- 
men in der Gorlitzer Haide und Umgegend. Von Pastor Ender. 

— Gesellschafts-Angelegenheiten. — Verschiedenes. 

Deutscher Herold. Zeitschrift fur Heraldik, Sphragiatik 
u. Genealogie. Organ des Vereins fur Siegel- und Wap- 
pen-Eunde zu Berlin. HI. Jahrgang. 1872. Nr. 1—3. 4. 

Der Wappenhelm und seine Bedeutung mit besonderer Ruck- 
sicht auf den von Burggraf Friedrich IV. von Nurnberg im Jahre 
1317 abgesohlossenen Helmkauf. Von G. Seyler. — Die Edeln 
Herren von Wildenfels im Erzgebirge. — Altfriesische Wappen- 
symbolik. (v. Fock.) — Ueber Wappenkunst. — Zu v. Ledebur's 
Adelslexicon. — Die Eschpach im Elsafs. — Ueber Stadte-Wap- 
pen und Siegel. (Seyler.) — Die Top, Tappe, Almesloe und Ak 
melo. (Dr. L. Frhr. v. Ledebur.) — Beitrag zur Geschichte der 
Siegel. (F. Warnecke.) — Das Wappen Volker's, des Spielmanna 
von Alzei, und der Truchsessen von Alzei. (Seyler.) 

Siebzehnter Jahresbericht des Altmarkischen Ver- 
eins fur vaterlandische Geschichte und Industrie zu 
8 a 1 z w e d e 1 . Abtheilung fur Geschichte. Herausgegeben von Th. 
Fr. Zechlin. Magdburg. a 1871. 8. 

Geschichte der Burg Tangermunde. Von Dr. Ludw. Gotze, 

— Die zwischen den Jahren 1600 und 1800 erloschenen Adels- 
geachlechter der Altraark. Von G. A. v. Miilverstedt. — Wie 
lange gab es in der Altmark Heiden? Von dems. — Zur Unter- 
suchung des Wendischen Volkstammes in der Altmark. Von dems. 

— Das alteste Stadtsiegel von Tangermunde. Von Dr. Ludw. 
Gotze. — Vereinsangelegenheiten. 

In der Versammlung des Vereins far Geschichte und 
Alterthumskunde zu Erfurt vom 3. Januar hielt Julius San- 
lender, der in Berlin zum Baumeister sich ausbildet, einen Vor- 
trag fiber den Erfurter Dom, der, durch Bonifacius 752 ala Ca- 
pelle gegrundet, im 12. Jahrh. als Pfeilerbasilica neu errichtet 
wurde. Veranlafst durch diesen Vortrag, sprachen dann noch 
mehrere der Anwesenden flber denselben Gegenstand. — Die Ver- 
sammlung vom 9. Februar gab dem Dr. phil. Schlum Gelegen- 
heit, in einem ausfiihr lichen Vortrage ein anschauliches Bild der 
Geschicke Erfurts und Tboringens unter Kaiser Heinrich IV. zu 
entwerfen. 

Geschichts-Blatter fur Stadt und Land Magde* 
burg. Mittheilungen des Vereins fur Geschichte und Al- 
terthumskunde des Herzogthum8 und Erzstifts Mag- 
deburg. 6. Jahrgang. 1871. 4. Magdeburg, 1871. Verlag der 
Schafer'schen Buchhandlung. (A. Riidiger.) 8. 

Bemerkungen zu Dr. Holstein's Burggrafen von Magdeburg. 
Von v. Arnstedt. — Das alteste Innungs-Privilegium der Tuch^ 



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Anzeiger for Kunde der deutechen Yorzeit 



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macher zu Burg vom Jahre 1299. Nebst Bemerkungen uber den 
Zeitpunkt der Wahl Erzbischof Burchard's II. Von v. Mulrer- 
itedt — Beitrage zur Geschiohte der Stadtkirohe in Egeln. Yon 
A. Engeln. — Wer durfte im Dom zu Magdeburg im Mittelalter 
begraben warden? Yon v. Molverstedt. — Die erste stadtische 
„hohere" Madchenachule in Magdeburg. — Mittelalterliche Siegel 
aus dem Erzstift Magdeburg. Yon v. Molventedt — Baureli- 
qnien des ehemaligen Pramonstratenser-Klosters Gottesgnaden bei 
Calbe. (Mit 2 Taf. Abb.) — Miaoellen. — Literatur. — Vereins- 
Angelegenheiten. 

Das Eaiserhaus zu Goslar. Yortrag gehalten in der 
IV. Hauptversammlung dei Harz-Vereins fur Geschichte 
and Alterthumskunde . . . von . . . Adelbert Hoizen. Mit 1 
Steinzeiehnung und 5 in den Text gedruckten Holzschnitten. Halle, 
Yerlag der Buchbandlung dee Waisenhauses. 1872. 8. 28 Stn. 

Jahrbucher des Vereins von Alterthumsfreunden 
im Rheinlande. Heft L u. LI. Mit 7 lithograph. Tafeln u. 
23 Holzschnitten. Bonn, bei A. Marcus. 1871. 8. 

Die Reiterstatue des Ostgothenkdnigs Theodorich vor dem 
Palaste Karl's des Grofeen zu Aachen. Yon Prof. G. P. Bock. — 
Boppard, das romische Bontobrica, Baudobriga oder Bodobriga. 
Yon L. Eltester. — Altchristliche und frankische Grabstatten in 
Boppard. Yon C. Bendermacher. — Mittelrheinische Sarkophage 
and deren Ausbreitung am Niederrhein und an den Gestaden der 
Nordsee. Von v. Quast. — Griechische und romische Inschriften. 
— Beitrage zur romisch-keltischen Mythologie. Von Prof. J. Be- 
cker. — Horae Belgicae. Von Dr. Kraus. — Cassette Ludwig des 
Heiligen und seiner Mutter Blanks in Castilien im Domschatz zu 
Tongern. Von Prof. E. aus'm Weerth. — Litteratur. — Miscellen. 

Vicvs Avrelii oder Oehringen zur Zeit der Romer. Mit 1 
Karte, 2Planen, 2 Photographieen, 52 Lithographieen und einigen 
Holzschnitten. Von Dr. 0. Keller. Programm. Hrsg. von dem 
▼orgenannten Verein. Bonn, bei A. Marcus. 1871. 4. 65 Stn. 



Bulletin du Gomite flamand de France. Tome V, 
Nr. 10. — Avril, Mai et Juin 1871. Lille et Dunkerque, 1871. 8. 

Courtes notices sur quelques membres des ordres religieux 
nes aus pays Dunkerquois (Loisirs d'exil), par J.-J. Carlier (suite et 
fin). — Filiation des seigneurs de Catsberg, par J. Cordonnier. — 
Fondation de Pecole dominicale des fillcs et du College des je- 
suites a Bailleul, par Ignace de Coussemaker. — Ancien taber- 
nacle de Peglise Saint-Jean-Baptiste, a Bourbourg. 

Tome V. Nr. 11. Juillet, Aout et Septembre 1871. Lille et 
Dunkerque, 1872. 8. 

Seigneurie et famille du Wez, par E. de Coussemaker. (Avec 
2 planches.) — Notes et documents pour servir a l'histoire des 
maisons religieuses ou hospitalieres et des eglises de la Flandre 
maritime (suite), par A. Bonvarlet. 

Bulletin Monumental ou collection de memoires sur les 
monuments historiques de France, publi6 sous les auspices de la 
Soci6te franchise d* archeologie pour la conservation 
et la description des monuments nationaux, et dirige 
par M. de Caumont. 4. Serie, Tome 8, 38. Vol. de la Collection. 
Nr. 1—3. Paris et Caen, 1872. 8. 

Rapport sur une excursion archeologique de Coutances a Gran- 
ville, par M. Renault. — Note sur quelques monuments de la 
presqulle de Quiberon, par M. Pabbe Lavenot. — Reponse adressee 
a M. de Caumont, par M. le chanoine Auber, sur des sculptures sym- 
boliques des XI* et XII® siecles. — Note sur deux inscriptions ro- 
manes mentionnant des architectes de Peglise abbatiale de Tour- 
nus, par Marcel Canat de Chizy. — Le souterrain de Carves , par 
M. Ch. Vasseur. — Courte excursion dans Parrondissement de 
Meaux, par M. du Chatellier. — Note sur une sepulture antique 
decouverte en Camargue (Bouches-du- Rhone), par M. Flouest. — 
Objets trouv^s dans la Loire durant Pet^ de 1870, a Orleans, par 
M. Pabbe Desnoyers. 



IVachrichten. 



Literatur. 

Neu erschienene Werke. 

5) Julius Casar am Rhein. Nebst Anhang fiber die Ger- 

mani des Tacitus und uber die Franci der Peutinger'schen 

Taf el. Yon Prof. A. Dederich, Oberlehrer am Gymnasium 

zu Emmerich. Paderborn, Druck und Yerlag von Ferdinand 

Schoningh. 1870. 8. 87 Stn. 

Der Verfasser geht in dieser kleinen, aber aus fleifsigen For- 

schungen hervorgegangenen Schrifb, wie billig, von der Darstellung 

der vielfachen Veranderungen aus, welche seit den Zeiten Julius 

C^8ar8 bis auf die Gegenwart in dem Laufe des Rheins stattgefun- 

den haben. Demgemafs setzt er den Uebergang der von suevischen 

Stimmen fortgedrangten Usipeter und Tencterer in die Nahe von 

Cleve, von wo aus sie in das Gebiet der Eburonen und Condruser 

▼ordringen und ihre Reiterei fiber die Maas bis in das Gebiet der 

Ambivariter entsenden. DerWiderspruch, in welchem eine bekannte 

Stelle des Floras damit zu stehen scheint, wird durch die An- 

nahme zu losen gesucht, dafs dieser Schriftsteller die Mosel mit der 



Maas verwechselt habe. Hierauf fend dann die Niederlage der 
beiden Volker auf der sogenannten Gocher Heide statt, von wo aus 
dieselben gegen den Rhein hin, zwischen Cleve und Qualburg, 
entflohen. In der Feststellung dieser Thatsache konnte die Erzah- 
lung Julius Casars dem Verfasser um so weniger hinderlich sein, 
da er mit triftigen GrOnden nachgewiesen hat, dafs jener Schrift- 
steller uber das Verhaltnifs zwischen beiden Strdmen in ihrem un- 
teren Laufe keine richtige Yorstellung gehabt habe. 

War auf solche Weise der Weg ausgemittelt worden, auf wel- 
chem Julius Casar bis in die Nahe des Rheins gelangt sein mufste, 
so handelte es sich darum, die beiden Punkte zu bestimmen, an 
denen derselbe aber den Rhein setzte und in das Gebiet der Ger- 
manen einbrach. Aus der Bestimmung der Wohnsitze der Sigam- 
bern und Ubier und aus der Schwenkung des Marsches, welche 
der romische Feldherr nothwendig machen mufste, um dahin zu 
gelangen, zieht der Verfasser den Schlufs, dafs der erste Uebergang 
Julius Casars uber den Rhein nach dem Lande der Sigambern in 
der Nahe von Bonn stattgefunden habe. Der zweite Uebergang, 
in das Land der Ubier, wird in die Gegend von Neuwied verlegt. 



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99 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



100 



In einem besonderen Kapitel behandelt der Verfasser sodann die 
Aduatuker und Eburonen ; er unterscheidet genau zwischen der Stadt 
der Aduatuker und der Aduatuca Tungrorum und findet diese 
letztere, ubereinstimmend mit dem Werke Napoleons, in dem heu- 
tigen Tongern oder in dem ehemaligen Gebiete der Eburonen. Der 
lehrreichen und anziehenden Schrift sind in dem Anhange noch 
zwei Abhandlungen beigegeben: die eine iiber den Namen Ger- 
mani beim Tacitus — der Verfasser schliefst sich der bekannten 
Ableitung aus dem Keltischen an — und eine andere fiber die Franci 
der Peutinger'schen Tafel, womit er die drei Stamme der Chattuarier, 
Ampsivarier und Chamaver gemeinsam bezeichnet glaubt. A. F. 

6) Quellenschriften fur Kunstgeschichte undKunst- 
technik des Mittelalters und der Renaissance, 
herausgegeben von R. Eitelberger von Edelberg. I. 
und II. Lief. Wien, 1871. Wilhelra Braumiiller, k. k. Hof- 
und Universitats-Buchhandler. 8. 188 und 118 Stn. 

Seitdem man angefangen, die Kunstgeschichte mehr im Zu- 
sammenhange mit der allgemeinen Kulturentwicklung der verschie- 
denen Epoch en zu betrachten, mufste der Gedanke nahe treten, die 
alteren schriftlichen Zeugnisse uber diesen Gegenstand selbst wie- 
der an's Licht zu ziehen, da es fast so wichtig ist, das Verstand- 
nifs einer Periode fiir ihre Kunst oder auch nur die Mittel ihrer 
Herstellung kennen zu lernen, wie die letztern selbst. Die Auf- 
gabe hat ihre besonderen Schwierigkeiten, und das mag der Grand 
sein, weshalb ein so zeitgemafses Unternehmen, wie das vorlie- 
gende, so spat in Angriff genommen ist; — denn die Quellen 
der Kunstgeschichte, die an sich schon sparsam fliefsen, sind mehr 
vernachlassigt als die verwandter Gebiete. Gliicklicher Weise sind 
auf diesem Felde immerhin genug Vorarbeiten da, um auf Grand 
bestimmter Erfahrungen die Methode der Behandlung feststellen 
zu konnen und sogleicb in Erreichung eines gewissen Hohenpunk- 
tes das Werk zu einem Abschlufs zu bringen, der wiederum als 
fester Boden den eigentlich damit bezweckten Arbeiten dienen 
kann. Denn vor allem ist es vollkommen gesichertes und gesich- 
tetes Material, was wir hier zu erwarten haben. — Die beiden 
vorliegenden Lieferungen enthalten Cennini's Tractat von der 
Malerei, iibersetzt und bearbeitet von Albert I lg, undLodovico 
Do Ice's Dialog „Aretino a , ubersetzt von Cajetan Cenni, mit 
Einleitung, Noten und Index versehen von R. v. Eitelberger, 
also zwei belangreiche Documente vom Beginn, wenn auch nicht 
der italienischen Malerei, doch des erwachenden Bewulstseins der- 
selben und von deren Hohenpunkte. Die Ausbeute, welche beide 
in der angewandten Art ihrer Vorfuhrung sowohl in Bezug auf die 
technische Ausbildung, die charakteristische Bestimmung und asthe- 
tische Wurdigung der Kunst, wie fur manche abseits liegende 
Gebiete der Kulturgeschichte liefern, ist iiberraschend grofs und, 
namentlich was die erstere Schrift betrifft, nicht allein fiir die Wis- 
senschaft, sondern selbst fur das praktische Verfahren. Die fur 
die folgenden Lieferungen bestimmten Materien sind bereits ge- 
nannt und enthalten nicht weniger wichtige Gegenstande. 

v. E. 

7) Kunstdenkmale und Alterthiimer im Hannover- 
schen; dargestellt von H. Wilh. H. Mithoff. Erster 
Band : Fiirstenthum Calenberg. Hannover, Helwing'sche Hof- 
buchhandlung. 1871. 4. 232 Stn. mit 12 lithogr. Tafeln 
und Holzschnitten. 



Gewohnt, in den entlegenen Gegenden Niedersachsens vorzugs- 
weise Erinnerungen aus al tester, vorchristlicher Zeit zu suchen, 
ist man fast erataunt, auch das Mittelalter und die Renaissance 
durch so zahlreiche Denkmaler vertreten zu sehen. In der einen 
Provinz des ehemaligen Konigreichs Hannover sind iiber zweihun- 
dert Orte aufgefuhrt, welche namhafbe Beitrage zur Kunstgeschichte 
und Archaologie des Landes enthalten, — was freilich grade fur 
diese Gegend die Nahe alter Kultursitze, wie Hildesheim, Minden, 
Corvey u. s. w. erklarlich macht. Vollstandigkeit ist das Haupt- 
augenmerk des Verfassers, der seinen Gegenstand demzufolge in 
Weise eines Repertoriums behandelt, einen Ort nach dem anderen 
vornimmt, und aufzahlt und beschreibt, was er Bemerkenswerthes 
enthalt, allerdings auf ein einheitliches Ganze hinarbeitend, was durch 
Herstellung des geschichtlichen Zusammenhangs einzelner Erschei- 
nungen, Ziehung von Parallelen und Begrundung der Unterschiede 
erfolgreich durchgefuhrt wird. Was in diesem Augenblick von 
heimischen Denkmalern in dem umschriebenen Bezirk vorhanden, 
finden wir in MithofTs Buche sicher verzeichnet; was etwa zu 
Grande geht, kann daraus in seinen Hauptzugen wenigstens repro- 
duciert werden. Eine werthvolle Beigabe ist eine alphabetisch ge- 
ordnete Erklarung von nicht allgemein verstandlichen Ausdracken 
aus den Gebieten der Kunst, Technik und Alterthumskunde, na- 
mentlich des Kultus, ahnlich dem Otte'schen archaologischen Wor- 
terbuch. v. E. 



Auf8&tze in Zeitschriften. 

Alpenpost: Nr. 4. Archiv traditioneller Antiquitaten aus den 

Alpen. (Forts.) 
Das Ausland: Nr. 8, S. 190. Drei March en aus dem Ammer- 

lande (Oldenburg). (Dr. Schmidt.) — Nr. 9ff. Der menschliche 

Leib im Lichte der Sprache. — Nr. 13. Zur Geschichte der Ge- 

fafse. 
Die Biene (v. Enders) : Beil., Nr. 6. Zur Geschichte der Oel- 

druckbilder. (Rud. Temple.) 
Das neue Blatt: Nr. 9. Der erste Maire von Strafsburg. (Wilh. 

Rulimann.) 
Die Gartenlaube: Nr . 7. Die frankische Leuchte und franki- 

scher Rittertrotz (im Hof der Veste Heldburg). I. (Friedr. Hof- 

mann.) 
Im neuen Reich: Nr. 5. Die verurtheilung Conradin's. (O. Hart- 
wig.) — Nr. 8. Wodan und Donar als Ausdruck des deutschen 

Volksgeistes. (Felix Dahn.) — &\ 9. Der Ursprung derSchwur- 

gerichte. 
Neue evangel. Kirchenzeitung: Nr. 7. Zur Erinnerung an 

Johann Kepler. 
Kunst u. Gewerbe: Nr. 7. Kunst k. Kunstindustrie des Elsafs 

im Jahrh. vor dem dreifsigjahrigeii Kriege. 
Deutsche Kunstzeitung: Nr. 8. d\ Der grofste Kiinstler des 

zehnten Jahrh. (Bischof Bernwardusi von Hildesheim.) (Wilh. 

Andrea.) — Nr. 10, S. 78. Correspo^idenz aus Nurnberg, die 

Stadtmauern betr. i 

Magazin f. die Literatur des Auslpndes: Nr.5. Christoph 

Schcurl von Nurnberg. Neue Beitrage^ zur Geschichte des Re- 

formationszeitalters. 1. 
Illustrirte deutsche Monatsheftei Nr. 88 (184), S. 432. 

Krieg u. Poesie bei den Hellenen und Cfermanen. I. (Bernh. Ar- 



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101 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



102 



nold.) — Nr. 89 (185), S. 479. Die Bildung und die Hofe Italians 

im 16. Jahrh. (Joe. Bayer.) — Nr. 90 (186), S. 617. Ueberlingen 

(mit Abb. : die Heidenlocher bei Goldbach, u. a.) (Edm. Hofer.) 
Organ f. christl. Kunst: Nr. 24, S. 284. Die Restauration der 

Schlofskirche zu Wechselburg betr. — 1872, Nr. 1 , 8. 3. Der 

Weihnachts - Cyklus auf einem Oemalde des Y. Jahrb. (Dr. de 

Waal.) — S. 10. Die ehemalige Taufcapelle zu Mainz. — S. 11. 

Aus Sachsen (Schlofskirche zu Wechselburg). — Nr. 2, S. 19. 

Die Stadtmauer yon Niirnberg. (R. Bergau.) — S. 21. Kunst in 

Ober-Ingelheim in Rheinhessen. — Nr. 3, S. 25. Das Pfarrtbor 

in Remagen. 
Neue Freie Press e: Nr. 2688. Zur Geschicbte der Strafsbur- 

ger Hocbschule. (W. Rullmann.) 
Schles. Provinzialblatter (Rubezahl): Decbr. 1871, S. 604. 

Die Tataren-Schanze bei Gohrau. (v. Winkler.) — S. 607. Die 

Begrabnifskirche St. Corporis Christi zu Bolkenbain. 
Egl. preufs. Staatsanzeiger: Beil., Nr. 3. Deutscblands Kai- 

serpfalzen. — Nr. 4. Die altesten Berliner Stadte- u. Gildewap- 

pen. — Nr. 5. Das deutscbe Heldenepos. 1. 
Ueber Land u. Meer: Nr. 23. Der Hof des Peller'schen Hau- 

ses zu Niirnberg. (A. v. Eye.) 
Wochenblatt d. Joh.-Ordens-Balley Brandenb.: Nr. 10. 

Die Pilgerfabrt Herzog Bogislaws X. von Pommern. — Nr. 11 if. 

Urkunden betr. die Beziehungen der Armenier zu den Ritter- 

orden des Mittelalters und zu dem der Johanniter insbesondere. 

— Noch ein altchristliches Sinnbild. 
Unsere Zeit: 1872, S. 125. Das Passionsspiel in Oberammergau. 

(Karl Bartsch.) 
Zeitschrift f. bild. Kunst: 6. Heft, S. 153. Streifzuge im El- 

8afs. (Alfred Woltmann.) — S. 164. Die Kiinstler von Haarlem. 

n. (W. Bode.) — S. 181. Die Galerie Gsell in Wien. (Ders.) 
Neue Zeitschrift f. Musik: Nr. 7. 8. Zur Geschichte des Ora- 

toriums. 
Illustr. Zeitung: Nr. 1495. Ein Kunstwerk Peter Vischer's im 

Dom zu Breslau. — Nr. 1496 f. Aus dem neuen deutschen Reichs- 

land. Schlettstadt (mit Abb.: das alte Rathhaus, u. a.). 
Strafsb. Zeitung: Nr. 60 ff. Schlosser u. Burgen im Elsafs. 



Vermischte Nachrichten.. 

21) Rektor und Senat der Universitat Greifswald machen als 
Preisaufgaben der Rubenow-Stiftung folgende Themata 
bekannt: 1. Geschichte der Schwedisch-Pommer'schen Landschaf- 
ten wahrend der Jahre 1637 — 1720 , 2. die Schuldenreduction in 
den deutschen Territorien nach dem dreifsigjahrigen Kriege, 3. die 
Lehre vom Abschlusse obligatorischer Vertrage in Italien und 
Deutschland wahrend der Zeit von Griindung der ersten Universi- 
taten bis zum Auftreten der historischen Schule. Die Bewer- 
bungsschrifLen sind in deutscher Sprache abzufassen. Die Eins en- 
dang ist spatestens bis zum 1. Marz 1876 zu bewerkstelligen. Als 
Preis fur jede wiirdig befundene Arbeit sind 1200 Mark Reichs- 
munze festgesetzt. 

22 j Die archaologische Section der Krakauer Gelehrten- 
gesellschaft veroffentlicht in photographischen Drucken unter 
dem Titel: „Monumenta Antiquae Artis Cracoviensia" 
eine Reihe von Hoften, die bei D. E. Friedlein in Krakau um 



3fl. 6. W. = 2 Rthlr. zu haben sind. Die Leitung dieser Publi- 
cation haben Fiirst Georg Lubomirski, Dr. Jos. v. Lepkowski, so- 
wie die Maler Matejko, Kossak und Luszczkiewicz ubernommen. 
Das uns vorliegende 1. Heft enthalt funf Blatter, von denen drei 
dem Altare des Veit Stofs in der Marienkirche gewidmet sind, 
das vierte das Grabmal des Krakauer Bflrgermeisters Petrus Sa- 
lomo von 1501, das fiinfte zwei Darstellungen vom silbernen Al- 
tare der Sigismundskapelle im Dom enthalt Die interessanten 
Gegenstande werden in wurdigster Form hier vorgefuhrt 

23) Beim Abbruche des „Domspeichers" zu Worms, 
eines Magazins des Domstifts, welches im Bereiche der alten Dom- 
immunitat gestanden, treten nicht uninteressante Fragmente von 
romanischen und gothischen Skulpturen zu Tage. Die Zeichnungen 
beider Stilarten an den Steinen sind prachtvoll, die technische 
Ausfuhrung vorziiglich. Die Reste deuten auf einen beachtens- 
werthen Motivenreichthum. So sind bedeutende Theile eines mach- 
tigen romanischen Portals gefunden worden , daneben Saulchen, 
Basamente, Kapitale, Deckplatten, Mafswerk, Giebelkronungen u.s.w. 
Die Bruchstucke ruhren offenbar von niedergerissenen, auf dersel- 
ben Stelle und in der Nahe gestandenen Stifbsgebauden her. Sie 
wurden gleich Steinbrocken vermauert. 

Ein zwischen Domspeicher und Dom gelcgenes Grundstuck 
soil auf 18 Fufs Hone abgetragen werden, wobei man neue Funde 
erwartet, und zwar auf Grund fruherer Nachgrabungen die in un- 
mittelbarer Nahe stattfanden und zu jenen alten Grabplatten des 
7. bis 8. Jahrhunderts fuhrten , deren Originale jetzt das Mainzer 
Museum besitzt, wovon Gopieen den Kreuzgang des german. Mu- 
seums 8chmucken. 

Unsere Wormser Funde sind in guten Handen, daher deren 
Verschleppung nicht zu furchten. 

Leider besteht hier noch kein Museum, obwohl die zwei Grund- 
bedingungen nicht fehlen, namlich ein klassischer Boden und po- 
tente Leute. 

So konnten seiner Zeit die der Stadt um den Preis von 150 
Gulden angebotenen Grabplatten des 6., 7. und 8. Jahrh. sammt 
den Galleriesaulen der Taufkapelle in Worms keine Statte finden. 

Worms. Falk. 

24) Gelegentlich der Rohrenlegung der stadtischen Wasser- 
leitung in Gratz wurde am Burgplatze ein unterirdischer Gang 
aufgefunden. Derselbe lauft in der Richtung von Nordost nach 
Siidwest, ist von der gepflasterten Sohle bis zum Gewolbescheitel 
7 Fufs hoch und 3 Fufs im Lichten breit. Das Mauerwerk ist 
aus Bruchsteinen im Mortel sehr solide ausgefiihrt und verputzt, 
auch noch im besten Bauzustande; das Gewolbe liegt ca. 3 Fufs 
unter dem Strafsenpflaster. Der Gang zeigte sich nur auf ca. 
7 Klafter zuganglich, indem er dann an beiden Seiten abgemauert 
ist. — Dem Vernehmen nach findet der Gang seine Fortsetzung 
in der suddstlichen Richtung unter dem Universitatsgebaude. Er 
soil in einer Lange von mehr als 30 Klaftern die Burg mit dem 
ehemaligen Jesuiten- Collegium verbunden haben. Er durfte in 
den siebziger Jahren des 16. Jahrh. vom Herzog Karl n. von 
Steiermark, einem warmen Freunde der Jesuiten, zu dem Zwecke 
angelegt worden sein, um eine von aufsen unbeachtete und unge- 
Btdrte Verbindung zwischen den inneren Raumen der Hofburg und 
jenem Collegium zu ermoglichen. (Vgl. Anz., 1854, Sp. 112. 214, 
240; 1858, Sp. 145.) 

(Mitth. d. k. k. Centr.-Comm. etc, 1872,' S. XXVI.) 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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25) Das alterthumliche Rathhaus zu Ltibeck hat durch die 
von der Mitte des 17. bis Ende des 18. Jahrh. stattgehabte Ver- 
nachlassigung in seinem Aeufsern mancherlei Unbill erliiten, und 
erst seit einigen Decennien ist man damit beschaftigt, die Schon- 
heit der architektonischen Formen, wo sie im grofsen Ganzen noch 
vorhanden ist, durch zweckmafeige Reparaturen vor weiterem Ver- 
fall zu bewahren. Jetzt nun ist im Werke, diese Restaurationsar- 
beit nach einem einheitlichen Plane auf sammtliche Fronten des 
Rathhauses auszudehnen und dieselben in ihrer urspriinglichen 
Form wiederherzustellen. (Korr. v. u. f. D., Nr. 103.) 

26) Erfurt hat am 7. Marz eines seiner historischen Denk- 
maler verloren: das Waisenhaus mit der Lutherzelle wurde ein 
Raub der Flammen. So rasch griflf das Feuer um sich, dafs an 
Rettung des Gebaudes und der wichtigsten Dokumente nicht zu 
denken war. Die Zelle, in welcher Luther seinen Bufskaropf als 
Augustinermonch durchkampfte , ist verbrannt; ebenso die Bibel 
mit Luther's Randbemerkungen, mehrere Handschriften reformato- 
rischer Manner, auch das Fremdenbuch, in welches Schiller, Go the, 
Humboldt, Konigin Louise sich eingezeichnet hatten. Der beriihmte 
Todtentanz, das Museum des Waisenhauses , das Bellermann'sche 
Museum sind zu Grunde gegangen und mit ihnen viele unersetz- 
liche Gegenstande. Nur die massiven Umfassungsmauern des wol 
nach 1266 erbauten Augustiner-Eremitenklosters, durch dessen 
Pforten am 17. August 1505 Martin Luther im Alter von 21 Jah- 
ren als Bettelmonch eintrat, stehen noch. (Nach d. Kreuzztg.) 

27) Bei Herstellung einer der alten Zellen der Karthause 
zu Niirnberg, dem gegenwartigen Sitz des germanischen Mu- 
seums, ist imlnnern, neben einem Fenster des Erdgeschosses, un- 
ter den verschiedenen Lagen spaterer Tanche eine Wandmale- 
rei aufgedeckt worden, die ohneZweifel dem Beginn des 15. Jahrh. 
angehort, also ihrer Entstehung nach der Griindung des Klosters 
nahe fallt. Dieselbe stellt einen Bischof im Mantel mit alien In- 
signien seiner Wiirde und segnend erhobener Rechte dar. Eine 
Ueber8chrifb, die ohne Zweifel seinen Namen und vielleicht auch 
seine Beziehung zu dieser Stelle angab, ist leider nicht mehr zu 
entziffern. Die Malerei hat kunstlerische Vorzuge, namentlich der 
Kopf mit rundlichem, noch jugendlichem, ausdrucksvollem Gesichte 
ist sehr gut gezeichnet. Der griine Mantel iiber rothem Unterge- 
wande hebt sich von dem dunklen, gebliimten Hintergrunde trotz 



geringer Ausfuhrung der Schatten vortheilhaft ab. Obgleich die 
Farben sehr lose aufliegen, ist das etwa 75 cm. hohe Bild wohl 
erhalten, und es wird naturlich alles geschehen, um es vor dem Un- 
tergang zu bewahren. 

28) In der Caserne des ouvriers du genie zu Metz fand man 
am Morgen des 19. Februar, beim Graben einer Senkgrube, eine 
Anzahl Skelette, einen Sarkophag aus dem 18. Jahrh., Saulen- 
reste u. s. w. An diesem Platze stand das Colestinerkloster, wel- 
ches als Begrabnifsstatte der Edlen von Metz benutzt wurde. 

(Korr. v. u. f. D., Nr. 103). 

29) Einen bedeutenden Pfahlbau hat man in der Bucht von 
Cundre bei Thonon am Genfersee entdeckt, welcher eine sehr reiche 
Ausbeute liefert. Im Laufe eines einzigen Tages fand man sieben 
Beile, zwei Messer, zwei Sensen, eine Harpune, eine Lanze, funf 
Armspangen und eine Menge Nadeln, alles von Bronze. 

(111. Ztg., Nr. H98-) 

30) Dafs in der Nahe von Eonstanz ein Pfahlbau existiert 
haben musse, vermuthete man langst aus einzelnen Steinbeilfunden, 
der Bau selbst aber wurde erst jetzt (Mitte Marz) in der Nahe 
der sog. Rauhenegg aufgefunden, und zwar gelegentlich der Aus- 
grabungen for den neuen Hafen. Derselbe gewahrte eine reiche 
Ausbeute an Thongeschirren mit den einfachen Ornamenten der 
Steinzeit. Auch bei Ermatingen wurde eine Pfahlbaustatte von 
grofser Ausdehnung aufgefunden, und in derselben Pfeil- und Lan- 
zenspitzen, Steinbeile, Meifsel und Hirschzahne. 

(Korr. v. u. f. D., Nr. 138.) 

31) Die Nachforschungen auf der keltischen Niederl as- 
sung Robenhausen (Schweiz) werden seit dem 8. Januar fort- 
gesetzt. Als Funde sind zu verzeichnen : Steinbeile mit und ohne 
Hirschhornschaft, Feuersteinsagen, Meifsel, Nadeln, Gewebe, Faden, 
Schnure, verzierte Scherben, Samereien etc 

(111. Ztg., Nr. 1494.) 

32) Die beruhmte Sammlung von Eupferstichen, Holz- 
schnitten, Handzeichnungen und Eunstbuchern von Zettler, Direk- 
tor des Instituts fur kirchliche Glasmalerei in Munch en, ist in 
den Besitz von L. .Rosenthal ebendaselbst ubergegangen, von wel- 
chem dieselbe im Laufe dieses Jahres mit einigen andern kostba- 
ren Sammlungen zur Versteigerung gebracht werden solL 

(111. Ztg., Nr. 1497.) 



Mittheilungen. 



6) Im Verlag von Wiegandt k Hempel in Berlin erscheint: 
Zfitsehrift fur Ethnologic. Organ der Berliner Ge- 
sellschaft far Anthropologic, Ethnologie und Urge- 
sohichte. Unter Mitwirkung des zeitigen Vorsitzenden R. Vir- 



chow, herausgegeben von A. Bastian und R. Hartmann. Vier- 

ter Jahrg. 1872. 6 Hefte in gr. Lex.-Octav mit Tafeln. Preis 

5 5 /s Thlr. (Jahrgang 1869—71 a Jahrgang 5 Thlr.) Pr^>- 
specte und Probehefte stehen zu Diensten. 



Yerantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. 6. E. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedmckt bei U. E. Sebald in Nfimberg. 



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Vftrmberg. Dm Abonnement del Blat- 
tn, welcbee alia Monate ertcbeint, wird 
guuq&brig angenommen and betregt nacb 
ear nraaeten Poetconrention bai allan Poit- 
latera and Bachnandlnngen DtutJtekUmd* 
ted. Oestazraicha 8 ft. 80 kr. im 24 fl.-Fufs 
oder I Tblr. preufe. 

Fttr Fnmkrtieh abonniert man in 
Ptrii bad dar danUohan Bucnhandlung Ton 
J. Klinckiiaok, Nr. 11 ma da Lille; fttr 



mm II 



England bai Williams * Norgate, 14 Hcfti- 
rietta-Street Co vent - Garden in London; 
far Nord-Amerika bai dan Postamiern Bra- 
men und Hamburg. 

Alia far das gennan. Moaanm be- 
atimmten Bandnngan anf dam Wage daa 
Buchhandels warden durch den Oommis- 
sionar dar litarar.- artist Anstalt dai Mu- 
seums, P. A. Brockhani in Leipzig, be- 
fordert. 



FDR KII1E HER 






1872. 



Nene Folge. 



Neunzehnter Jahrgang. 



ORGAN DES GERMNISCHEN MUSEUMS. 



April. 



WissenschaftUche Mitthellongen. 



Anthoni Koburger der jfingere. 

(Schlufe.) 

Man mute hier auf die Frage, wer Hanns Koburger war, 
nocfa einmal zuruckkommenu 

Nach einem am 17. Juli 1521 gefafsten Beschlufe wurde 
das fruhere Verzeicbnifs der zum Tanz auf dem Rathhaus be- 
rechtigten Geschlechter einer Durchsicht unterstellt and von 
dem dazu bestimmten Ausschufs eine nach vier Klassen geord- 
nete Liste angefertigt, von der, da sie mOglichst gebeim gehal- 
ten wnrde, unter das Pnblikom nor einzelne and ziemlich ver- 
derbte Abschriften gelangten. Hier genQgt es, die vier Klassen 
inzufthren, da in zweien derselben die Koburger genannt wer- 
den. Die erste Klasse oder Abtheilung entbalt die eigentlicben 
damals als rathsfahig and dadarch aach an and fQr sich tanz- 
berechtigten Geschlecbter; dann folgen diejenigen Personen, die 
wegen ihrer Weiber zagelassen werden sollen, hieraof die, welche 
von ihrer Mutter wegen znzolassen sind, endlich die, welche 
aus bekannten, aber nicht angegebenen Grttnden ansgeschlossen 
werden sollen. In den beiden letzten Kategorieen sind aach die 
Koburger, nemlich in der dritten : Anthoni Koburger's (sc. des 
Utern) Kinder, deren Matter eine Holzschaherin ist Unter 
dies* gehOrt also der jungere Anthoni, and da die Liste, nach 
allrdi, 1522 angefertigt worde, so lag damals nichts gegen ihn 
vor, weshalb man ihn beanstandet hatte. Denn alle diese Li- 
sten waren, wie ausdrttcklich gesagt ist, mit dem Yorbebalt nach- 
traglicher Bericbtigang and Yerbesserang angefertigt. In der 
letzten Kategorie aber, unter denen, die auszuschliefsen sind, be- 



findet sich Hanns Koburger und sein Weib. Hier tritt von 
neuem die Frage auf, wer dieser Hanns ist Dafs er kein Sohn 
Anthoni Koburger's aus erster Ehe ist, darf unbedenklich als 
gewirs angenominen werden, da dieser Hanns der altere, der 
nodi 1539 vorkommt, nie als Bruder, sondern jederzeit als Yet- 
ter auftritt. Nan ist aber dieser Yerwandtschaftsname von so 
dehnbarer Art, dafs er, wie noch heute geschieht, eben so gut 
far Oheim, fur Neffe und fttr Geschwisterkind gebraucht wird. 
Man ware wol am meisten geneigt, den jQngeren Bruder des 
alteren Anthoni darin zu erkennen, der in Urk. vom 25. Aug. 
1484 genannt wird; aber die Billigkeit erfordert, auch den in 
Urk. vom 19. Februar 1487 vorkommenden Hanns Koburger, 
Sebald's Sohn, der den alteren Anthoni Yetter, d. h. Yatersbru- 
der, also Oheim nennt, zu bedenken, der in erster Ehe mit Anna 
Yoitin, in zweiter mit Margareth Meurlin verheiratet war. Sein 
Schwager Peter Stahel, der Barbara Yoitin zur Frau hatte, zu 
welcher Hochzeit fttr den 3. Aug. 1512 die Stadtpfeifer gege- 
ben warden, Sohn des frtiher oft genannten Dr. Peter Stahel, 
war einer der Yormunde des 1513 gestorbenen Anthoni, so dafs 
die MOglichkeit, dieser Hanns Koburger, der fortan als der ftl- 
tere begegnet, sei der Sohn Sebald's, viele Wahrscheinlichkeit 
gewinnt. Hiezu tragt auch die freundschaftliche Yerbindung 
bei, in welcher Hanns Koburger mit der Familie Meurl erscheint 
Uebrigens wird diese Frage zun&chst unbeantwortet bleiben mtts- 
sen, was jedoch der hier vorliegenden Aufgabe keinen Eintrag 
that. 

Aber schon am Mittwoch 27. April 1524 bekannte An- 
thoni Koburger Offentlich vor Gericht, dafs er aus guten Ur- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



108 



sachen, mit besonderm Rath seiner guten Freunde, sich ver- 
bindlich geraacbt babe, so lange Clara, seine ebelicbe Haus- 
frau, und die mit ihr erzeugten Kinder am Leben seien, das 
Eigenthum an den 3300 fl., die er naclr Abzug seiner Scbulden 
noch bei seinen BrUdern in ihrem Handel babe, sollte es auch 
herausgenommen und in anderer Weise angelegt werden, nicht 
angreifen zu sollen, nocb zu wollen, sondern da von, wie auch von 
alien andern G litem, die ihm oder seinen Kindern in irgend 
einer Weise zufallen, oder von dem j&hrlichen Einkommen mit 
der Zeit erspart werden wurden, nur die Abnutzung und den 
Genufs mit seiner Ehewirthin und ihren Kindern zu haben und 
zu gebrauchen, so dafs seine eheliche Hausfrau, mit Rath und 
gutem Willen seiner Freunde, die 3300 fl. und auch alles An- 
dere, was ihm oder ihren Kindern zufallen mochte, so gut sie 
kann, anlegen, jedoch im Eigenthum nichts daran ver&ndern 
soil. Auch wenn sie vor ihm mit Tod abgehe, und eines der 
Kinder noch am Leben ware, sollten die Vormiinder, die dem- 
selben Kinde dann gesetzt wurden, ohne alles sein Widerreden, 
dasselbe zu thun Gewalt und gut Recht haben. Doch solle 
ihm durch diese Verpflichtung unbenommen sein, ein rechts- 
giltiges Testament zu errichten, wann und wie oft er wolle. Auch 
solle, wenn seine Ehewirthin und ihre Kinder, die sie jetzt 
hfttten und ktinftig mit einander bekommen wurden, vor ihm 
gestorben wftren, diese Verschreibung und Verpflichtung von 
Stund an kraftlos und er wieder des Eigenthums seiner Guter 
gftnzlich machtig sein. Und nachdem ihm seine Hausfrau 400 fl. 
zu Heiratgut zugebracht, und er ihr dagegen 600 fl. verschrie- 
ben habe, so wolle er sie mit diesen 1000 fl. auf jene 3300 fl., 
als ihr Cffentlich eingesetztes Unterpfand, vor m&nniglich an- 
gewiesen haben. Er versprach, diesem allem getreulich nach- 
zukommen, und gelobte, es zu halten bei seinen guten, wahren 
Treuen an eines geschwornen Eides statt. Im Namen der 
Clara Koburgerin bat sodann Seifried Coler, ihr hierttber ge- 
richtlich besiegelte Ur kunde zu geben, welche Bitte auch so- 
fort gewfthrt wurde. Zugleich raufs Ihm, dem Anthoni Kobur- 
ger, auch Hanns Lochinger, ein in jenen Zeiten oft genannter 
Name, damals Hauswirth auf dem Rathhaus, wofur man spater 
Rathhausvogt sagte, zum Curator gegeben worden sein; denn 
am 7. Dec. 1524 wurde dem Kanzleischreiber Steffan Bayer 
erlaubt, die Curation des „verthunen" (verschwenderischen) An- 
thoni Koburger neben Hannsen Lochinger anzunehmen. Er 
selbst vermochte von nun an nicht das Geringste mehr fiber 
sein VermOgen zu verftkgen und war im eigentlichen Sinne des 
Wortes mundtodt Er mag cs arg genug getrieben haben, dafs 
nach kaum abgelaufenem ersten Jahre der Ehe seine Frau 
oder ihre Freunde diese Mafsregel ergriffen, urn ihre und der 
Kinder Zukunft zu sichern. Ein paar Jahre nachher heiratete 
Georg Gender, Endres Geuder's und der Christina Rieterin 
Sohn, Margareth Koburgerin, die einzige Tochter aus des alten 
Anthoni Koburger's zweiter Ehe, wozu die Eheberedung vom 
21. Juli 1526 datiert ist und die Hochzeit am 6. Aug. auf dem 
Rathhaus begangen wurde. Dafs im Geuderischen Stamm- 



baum bei Bied. tab. 49. B. der Name des Vaters der Braut 
Heinrich Koburger heifst, hat eben so wenig etwas zu sagen, als 
dafs im Rathsbuch M. Fol. 122 die am 1. Aug. 1526 die Er- 
laubnifs, das Rathhaus auf n&chsten Eritag zur Hochzeit zu ge- 
brauchen, auf Sebald Geuder ausgestellt ist. Leider finden sich 
die, wie man meinen sollte, zuverlfcssigsten Zeugnisse nicht im- 
mer frei von solchen verwirrenden Verst6fsen schreiberischer Un- 
achtsamkeit und Nachl&ssigkeit. Das Zeugnifs des die Ehebere- 
dung enthaltenden Gerichtsbuches (Lit. 41, Fol. 28 b ) gibt hier 
den entscheidenden Ausschlag. Sebald Geuder, Martin Gender's 
und der Juliana Pirkheimerin Sohn, heiratete erst 1534 Afra 
Welserin, Bartholomew Welser's und der Felicitas Grandnerin 
Tochter, und davon, dafs er allenfalls vorher eine Koburgerin 
gehabt hatte — eine Vermuthung, die deswegen mOglich wftre f 
weil in der angezogenen Stelle des Rathsbuchs der Taufname 
der Braut ausgelassen ist — findet sich keine Spur. Ueber 
den falschen Namen Heinrich Koburger ist, bei der notorischen 
Erb&rmlichkeit des gedruckten Geuderischen Stammbaums, je- 
des Wort ein Ueberflufs. 

Um diese Zeit scheint es der Rath nicht ungeeignet gefun- 
den zu haben, dem Anthoni Koburger eine Beschftftigung mit 
einem kleinen Nebenverdienst zuzuwenden, indem er ihm am 
27. Sept. 1528 die Stelle des Wagamtmanns an der Mehlwage 
auf dem Neuenbau (Sebalder Seite) ubertrug. Diese l&ngst 
wieder eingegangene Mehlwage war nahe am Siechhause oder 
Weinstadel. An eine Betheiligung am Buchhandel, die auch 
vor 1521, wie schon bemerkt wurde, nicht grofs gewesen sein 
kann, war seinerseits nicht enlfernt mehr zu denken, und wenn 
1529 der Rath wegen der auf st&dtische Kosten unternomme- 
nen Herausgabe des von Gregor Haloander aus Italien gebrach- 
ten Manuscripts der Pandekten anf&nglich mit den Koburgern 
in Unterhandlung trat, spftter aber die Ausfuhrung des Werks 
an Johann Petrejus ubergab, der es 1530 beendigte, so ist un- 
ter diesen Koburgern wol Hanns der alter e, der immer noch 
die Seele des Gesch&fts gewesen zu sein scheint, dann die an- 
dern BrQder, von denen Melchior 1529 Jungfrau Susanna Gun- 
delfingerin, Leonhard Gundelfingers seligen Tochter, wobei in 
der Eheberedung vom 14. Mai neben Hieronymus Holzschuher 
dem altera auch Hanns Koburger der fcltere als einer der Hei- 
ratsm&nner genannt wird, aber Anthoni Koburger in keiner Weise 
zu begreifen. Es war ihm uberhaupt nicht mehr zu helfen, und 
am Osterabend 8. April 1531 wurde Anthoni Koburger und 
mit ihm Hart man Schedel, Sohn des beruhmten Arztes und 
Polyhistors Dr. Hartman Schedel, dessen grofses Werk, die 
Chronica mundi einst (1493) der alte Koburger gedruckt hatte, 
verheiratet mit Elisabeth Linkin, des markgrftfischen Kastners 
zu Schwabach Tochter, und als dritter im Bunde Peter von 
Watt, der Apollonia Sebald Puhlers und der Felicitas Speug- 
lerin Tochter, zur Frau hatte, Sohn eines gleichnamigen Yaters 
und der Anna L6ffelholzin (Bied. tab. 302), Ehebruchs halben 
alle drei des Genanntenamtes entsetzt. Dieser letztere, auch 
mit den, damals im Mannsstamme eben erloschenen Pirkhei- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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mem, da er Ursula Pirkheimerin zur Grofsmutter gehabt hatte, 
nahe befreundet, antkU die >^oc4&hnung mit seinem gekrankten 
Eheweibe nach, was auch nach Urk. v. 21. Aug. 1531 gelang. 
Yon Anthoni Kobarger ist nichts dergleichen aufbewahrt, doch 
wird er and seine beiden Curatoren noch in Urkunden, welche 
eine auf dem Hause S. 17. ihm zustehende, im J. 1528 ge- 
kaufte Eigenscbaft von 90 fl. and deren AblOsung mit 1800 fl. 
betreffen, in dem Jahre 1532, seinem Todesjahr, als sie abge- 
tost wurde, als persOnlich zngegen genannt. Sein Tod ist beim 
Jahr 1532 im sogen. grofsen Todtengelaut (Eigenthum des ger- 
man. Museums) auf fol. 37 b eingetragen. Hierauf bekannten 
am Mittwoch 11. Juni 1533 in Gericbt Clara, Anthoni Kobur- 
ger's seligen Wittib, und mit ihr Hr. Christoff Gugel, der Rech- 
ten Doctor, und Hanns Koburger der jungere, als Yormunder 
gedacbten Antboni Koburger's verlassener Kinder: wiewol ver- 
gangner Zeit Hanns Lochinger und Stefan Bayer benanntem 
Anthoni Koburger aus etlichen Ursachen zu Curatoren gesetzt 
worden seien , so hatten sie doch seiner Habe und Guter gar 
nichts inne gehabt, demnach wollten sie die benannten Lochin- 
ger und Bayer dieser Curation halb in bester Form quittiert 
and ledig gezahlt haben. Dr. Christoff Gugel, der erste dieser 
1729 fur rathsfahig erklarten, wolbeguterten und besonders durch 
viele Rechtsgelehrte ausgezeichneten, in Ntirnberg aber erlosche- 
nen Familie, hatte 1526 der Clara Koburgerin Sch wester, Ur- 
sula, Wolf P6mers Wittwe, geheiratet. Er wird noch 1544, 
als nach Sebalds und Jeronimus der Koburger Tod das zuletzt 
diesen beiden Brudern gehOrende Haus S. 758 von ihrem Bru- 
der Hanns im Anschlage von 6000 fl. ubernommen wurde, als 
Yormund der vier SOhne Anthoni Koburger's sel. genannt. Ue- 
ber diese eine Auskunft zu geben, ist man zur Zeit nicht in 
der Lage. Auch uber ihre Mutter Clara, Anthoni Koburger's 
Wittib, liegt nichts Naheres vor. Aufeer Hanns und Sixt den 
Koburgern, welchem letzteren S. 759 und 760 gehOrten, lebten 
damals noch Caspar und Balthasar die Koburger. Dieser, seit 
10. Aug. 1535 mit Anna, Georg KOtzlers und der Barbara Im- 
hofin von Rotenburg Tochter, verheiratet, besafs das alte Ko- 
burgerische Haus unter der Veste S. 529, wo jedenfalls die er- 
sten Arbeiten der buchdruckerischen Thatigkeit Anthoni Ko- 
burger's erschienen waren, und da er kinderlos starb und seine 
Wittwe ihn beerbte, so kam durch ihre Heirat mit Franz Tesch- 
ler aus Ravensburg das Haus an diesen und aus dem Kobur- 
gerischen Besitz hinaus. Urn diese Zeit hatte (s. Oscar Hase, 
die Koburger, Lpzg. 1869) die buchdruckerische und buchhand- 
lerische Thatigkeit der Koburger uberhaupt ihrEnde genommen. 
Numb erg. Lochner. 



Christi-Kirche zu Breslau, geschrieben von Johannes de Lewen- 
berg, baccalaureus alme vniversitatis studij wyennensis. Fol. 176 b : 

Mors tua. mors cristi. fraus mundi. gaudia cell 
Et fetor inferni sunt meditanda tibi. 
Dat facies cristi respecta iuuamina tristi 
Plus quam cristofori aut alius sanctificati 
Mortales cuncti moueat nos tumba sepulti 
Hassonis hynrici vermibus esca dati 
Istos uersos fecit felicis memorie Magister hynricus lan- 
genstain dictus de Hassia. — Mors est a tergo sit cautus qui- 
libet ergo. 
M . j hynricus de hassia; obiit anno V1397 die Solis 

( hynricus de Oyta \ domini Jet xjj mensis may 
Magister Hynricus de hassia obiit xj die mensis februarij ple- 
banus in ruspach Ambo profcssores sacre pagine 1 ). 
Austri reginam Salomon velut attrahit ipsam 
Austria sic doctos euocat ipsa viros. 
Eximios plures augustini modo fratres 
Terra tenet, qua stas; narro, quod ecce scias 
Ac ores, memineris horum ut gracia clemens 
Ipsis subueniat diluat atque malum. 
Tumba leuata duos doctores tenet altos; 
Hie alamanus erat, ytalus ille fuit 
En argentine thomas 2 ) gregorius 3 ) atque 
Arymini celsi preualidique viri 
Scriptis preclari sed et officio generali 
Ordinis huius fuit quos tenet hie hec humus. 
Et circuitura quorum non nomina nota 
Egregios doctos sci simul esse viros. 
Sed tamen et notos referam tres esse iohannes 
De braclis saxo 4 ) clauditur hocque loco. 
Atque leonardum Karinthia 5 ) quern quasi nardum 
Diffudit tenet hie proximus ille locus. 
De recz australis seruantur et ossa iohannis 6 ) 
Post hue o simul bos solue benigne deus. 
Sic precor orari pro doctis hijs ut et ipsi 
Pro nobis orenfr quos docuere prius. 
3) Cod. chart. Yrat. HI. Q. 5; Tractatus de syrupis, 
dem Carmeliterkl. zu Grofs-Strenz ursprunglich angehdrend. 
Nunc attendatis quis sit status ebrietatis. 
Ebrius atque satur hiis ecce modis variatur: 



Aus Handschriften der koniglichen Universitiits- 
Bibliothek zu Breslau. 

(Schlufs.) 

2) Cod. chart Yratisl. IV. Q. 24, von 1414: Alberti 
M. Summa naturalium, ehemals in der Bibliothek der Corpus- 



*) Ueber Heinrich Langenstein s. Aschbach, Gesch. der Wie- 
ner Univ. S. 366 ; uber Heinrich von Oyta aus Friesland ebendas. 
S. 402. 

*) Thomas de Argentina, Dr. Theol. und General der Augu- 
stiner, f zu Wien 1357. (Jocher). 

*) Gregorius de Arimino, Dr. Theol. und General der Augusti- 
ner, f zu Wien 1358. 

*) Johannes de Braclis ist in Prag graduiert worden. 

*) Leonardus de Carniola, Dr. Theol., wirkte um 1888 an der 
Wiener Universitat. (Aschbach, a. a. 0., S. 614.) 

') Job. von Retz, M. art u. Dr. Theol, f 1402. 



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Ill 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



US 



Hie canit, bic plorat, hie est blasphemus, hie orat 
Lie loqui nescit, hie cespitat, iUe pigres cit, 
Disputat hie, ille currit per capita ville; 
Hie decam 7 ) iactat. sociura fariendoque mactat; 
Hie servit veneri, somno solet ille teneri; 
Hie vomit, ille vorat, sic bachi turba laborat 
Hie saltat letas, hie est sermone facetus 
Hie est clamorosus, hie est verbis viciosus 
Hie est pacificus, hie est nullius amicus. 
Ebrietas prodit quid amat cor sine quid odit. 
Fol. 324 b : 

Manch weip drey bulen hat, 

noch mit eren sy stat: 

der eyn er den rocke bert, 

der ander sy yo ernert, 

der drytte das betthe wert. 

Dem ersten hort sy dy geboth, 

den andern sy stethe vorspoth, 

den dritten am lybesten hoth. 

4) Cod. Chart Vratisl. II. Oct I, Fol. 291 »: 
Deuorat agricolam rex. regem tyro, sed ipsum 
vsnrator edit, sed postea presbiter ilium, 
Presbiterum meretrix, meretricem leno remordet, 
lenonem caapo, sed cauponem parasitas 

Ipsum semipedes, symea (?) semipedes 

5) Cod. chart Vratisl. II. Q. 29: Summula metrica, 
1448; Fol. 241: 

Enigma teutunicum. 
Eyne iuncfrawe nicht eynes tages alt 
Gebur eyn kinth von mannes gewalt 
Vnde starb er sy wort geborn 
Roth das adir habe vorlorn. 
Et fuit Eva. etc. non plus etc. etc. etc. 

6) Cod. chart. Vratisl. I. 0. 63: Usus monasterii Lu- 
bensis. 

Anno domini M.cccc. lxx sexto scripte sunt hec tabule in 
Slawp (Schlaupe bei Neumarkt) ordinis Cisterciensis wratislaui- 
ensis dyocesis per me petrum Reyman de hirsbergk. Que 
quidem Excerpta sunt finita xviij die mensis Marcij. Amen. 

Eamus Jubelwicz et recipiamus denarios deseruitos in slawp 
et perbibamus eos ym kreczem quo veniemus et cetera. 

7) Cod. chart Vratisl. IV. Q. 16: Thorn. Aqu. tract 
de esse et essencia; Fol. 154 b : 

Wer der hobscheit flegen wil 

der sweige stille vnd rede nicht zu fil, 

als ym heyls weder fert 

wenne sy vorratin manchin man. 

hillif lib, das ichs irkennen kan 

der gerne eyn frewdin wer gemert (Hdschr. gemeyt) 



Daz ist den falschen cleffern leit 

ze tragen czu ym neyt 

Von der libesten frawen seyn. 
vnd hutte sich vor clefferleyn. 
zo wirt seine frewde gemerit 

Keyn frewlein daz wart ny zo gut, 
kommit sy den cleffern yn den mut, 
sy reden von ir stete(n). 
Vnde helfen ir yn eyn argis wort 
was sy gehoerin daz bringin sy vort. 
Hutte dich vor falschen rethen. 

Das rathe ich dir, trawt seligis weip, 
vnd ich wil warnen deynen leyp. 
das saltu genczlich gloeben myr: 
dy falschin cleffer thun dir 
we. hutte dich is ist an der czeyt 

Wenne ich bey dir nicht mag geseyn, % 

zo gedenke ich dach in dem herczin meyn 
an dich vil sewberliche. 
Daz saltu mir gloeben wol: 
Dein leip ist aller togunde vol 
eynem engil bistu gleiche. 

Libis lyp, gedenke an mich. 
ich wil dir dinen sicherlich; 
du magist mir wol gehelfin aws peyn: 
ich meyne dich du feynis roeseleyn. 
Breslau. Alwin Schultz. 



T ) Deca = daca, dague, Dolch. 



Zur mlttelalterllchen Bautechnlk. 

Vom Mainzer Dom. 

Zur Vervollst&ndigung der Kenntnifo mittelalterlicher Bau- 
technik, und insbesondere der romanischen Zeit, durfte es nicht 
uberflussig sein, bei Gelegenheit von Restaurationen auf die 
einschl&gigen Punkte zu achten und dieselben alsbald zur wei- 
teren Kenntnifs zu bringen. Die Restauration und der theil- 
weise Umbau der dstlichen Chorpartie des Mainzer Domes bie- 
tet in dieser Beziehung eine Gelegenheit, wie sie selten 90 
gunstig sich ergibt. Nachstehende Notizen haben zwar keinen 
Anspruch auf erschflpfende, fachm&nnische Behandlung ; sie be- 
ruhen indefs auf persOnlicber Anschauung und sind vielleicht 
geeignet, mancherlei vor der Vergessenheit zu bewahren und 
rechtzeitig dem Gegenstande Aufmerksamkeit zuzulenken. 

Die Vorarbeit zur Festigung der Ostlichen Vierung ver- 
schaffte in den letzten Tagen einen Einblick in die Fundamen- 
tierung der nOrdlichen Langenmauern des Chorquadrates. Die- 
selben sind in rauhem Bruchsteinmauerwerk ausgefuhrt, gehen 
ohne Verst&rkung — (eine unregelm&fsige Ausbauchung kann 
als solche nicht betrachtet werden) — lothrecht bis auf eine 
Tiefe von 4,25 m. hinab und ruhen auf einem durch Horizon- 
talwasser des Rheines stark verschlammten, schwarzen Erdreich. 



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Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Die Fundament der gothischen Kapelle aof derselben Seite liegen, 
wie sich beim Einziehen eines Strebepfeilers in den letzten Jah- 
ren ergab, etwa 0,75 m. tiefer and rnhten anf einem Pfablroste. 

Die nunmehr ringsum blofsgelegte Kryptenarchitektor be- 
steht ans rotben Sands teinquadern, deren Yorderfl&che sorg- 
faltig mit einem Schlagrande amzogen 1st. Das etwas hOher 
hegende Mittelfeld ist mit scharfem Hiebe geflacbt; anch die 
halben Trommeln der Halbsftulen sind in gleicher Weise bear- 
beitet and mit dem Schlagrande versehen. Die Halbsaulen 
selbst geben in die Pilaster hinein und sind nicbt mit den an- 
liegenden Eckstttcken zusammengearbeitet, ein Umstand, der 
namentlich wichtig ist in der Frage uber die primitive Anord- 
noDg der Halbsftulen im Mittelschiffe. An jenen Theilen des 
Cborquadrates, wo die Kryptenarchitektur weggebrocben ist, 
zeijjt sich, von Herstellangen neaerer Zeit abgesehen, ein hOchst 
nnregelmafeiges Rauhmauerwerk yon Kalksteintrummern. Auf- 
fellender Weise ist dagegen der Kern der Apsis ans ziemlich 
regelmftfsig gericbteten Tufsteinen gemaaert 

Beim Versetzen des Grabmonamentes des Prinzen Georg 
Christian von Hessen an der sudlichen Chorwand ergab sich 
in diesen Tagen, date onmittelbar hinter der Stelle, wo die Ge- 
wolbe der Krypta sich an die Langenmaaer anlegten, in der 
Dicke der Maaer ein mftchtiger Holzanker von etwa 0,30 m. 
im Geviert eingelegt war. Es ist dies bereits der dritte Fall, 
dafs das Yorhandensein solcher Holzanker in der Vierung con- 
statiert warde ; onmittelbar beim Uebergang des Yierecks in 
das Achteck fanden sie sich angeordnet and abermals unter 
der frtlheren Zwerggalerie in der HOhe des Octogons, am Fufee 
der Kuppelw&lbung. In den oberen Lagen fanden sich noch 
die schweren eisernen Bolzen, womit die Enden der Balken 
zusammengehalten waren*). 

Der Maaerkern der Chorwftnde an den bezeichneten Stel- 
len besteht aus sehr kleinen Bruchkalkstucken, welche mit dem 
reichlich verwendeten MOrtel eine Art yon Gufsmauer bilden. 
Der Mortel selbst enth&lt eine unverhaltnifsmarsig grofse Menge 
Ton feinem Kies and besitzt nar mehr geringe Bindekraft. 
Eine TJntersnchong des Chorpfeilers an der Sudseite ergab be- 
zuglich der Stractar des Maaerwerks dasselbe Resaltat. Die 
Fugen der Quaderverkleidung sind sorgfaltig aof einander ge- 



*) Ursprung und Anwendung solcher Holzankerungen finden 
rich erlautert bei Viollet-le-Duc, Diet de Farchit. II, 396. m. Chai- 
nage. In der Abteikirche zu Yezelay fand er dieselben in ver- 
schiedenen Hdhen angeordnet Nach dieser Analogic und den be- 
reits erwahnten Erfahrungen lafst sich mit einer gewissen Wahr- 
Bcheinlichkeit auf weiteres Yorkommen solcher Ankerungen im 
Mainzer Dome an jenen Stellen schliefsen, wo die Gewolbe der 
alten Sakristeien und der oberen Oratorien an den Langenmauern 
Hegen. — Beispiele yon solchen Holzankern fuhrt auch de Cau- 
mont an ; siehe Bulletin monumental II, 287 : Donjon yon Brionne 
(Eare); Abeced. d'archeol. civile et milit. III. ed. 448: Donjons de 
Malesmains (Calvados), La Lande-Patry (Orne); 485: Donjons de 
Coucy, Gisors, etc. 



arbeitet; die Lagerflftchen zeigen dagegen erhebliche Unregel- 
mafsigkeiten, wodurch Unterlegang mit Schiefer and Steinstucken 
ndthig warde. Die Schichten, obwohl von angleichen HOhen, 
sind im Ganzen ziemlich regelmafsig eingehalten; Aasnahmen 
kommen jedoch auch nicht selten A vor. Alle Quader sind der 
Lftnge nach genommen and weichen in der GrOfse betrftchtlich 
von einander- ab. 

Mittelschiff and Ostchor sind von der letzten Arkade 
gegen Osten scharf durch den Unterschied des Materials von 
einander geschieden. Wahrend der Schiffbau in Kalkbteinqua- 
dern aafgefahrt ist, ftberwiegt im Ostchor in den Hausteinthei- 
len der rothe Sandstein. Ein regelmftfsiger Wechsel von ro- 
them and grauem Sandstein findet sich nar an der Wandflache 
hinter der Zwerggalerie der Apsis, sowie an den Spindeln der 
alteren Stiegenthurme durchgefuhrt. Die Aufmauernng ttber 
den Hauptbdgen der Vierung einschliefslich der Bogenzwickel 
besteht aus sorgfaltig mit dem Hammer bearbeitetem Ealkstein- 
maaerwerk; das ganze romanische Octogon sammt der Enp- 
pelwOlbung war dagegen in regelmftfsigen Tufeteinstticken von 
oblonger Form (0,40 : 0,25 : 0,17 m.) ansgefuhrt. Dieselben 
sarsen in einer reichlich starken MOrtellage and machten nach 
ihrer langen Seite gerade die Stftrke des Gew5lbes ans. 

Die Baulheile des Mainzer Domes aas der letzten Hftlfte 
des 12. Jahrh. onterscheiden sich demnach gegennber den ftl- 
teren hinsichtlich der Wahl des Materials dadarch, dafs man 
yon dem Grobkalk in der Yerwendang za WerkstQcken abgeht 
and statt dessen sich des bunten Sandsteines der Maingegend 
bedient; an den dstlichen Theilen sind vorwiegend sog. Find- 
linge verwendet, wfthrend das Material zum Westchor regel- 
mftfsig betriebenen BrQchen entstammt. Entschieden neu ist 
die Einfuhrong des Tnfsteines beim Baa des romanischen Octo- 
gons and dessen KappelwOlbang. Aach die seitlich liegenden Ora- 
torien sind mit Tafstein ttberwOlbt ; die daranter gelegcnen Sa- 
cristeien haben dagegen noch Gewolbe aas Brachsteinen, die 
fiber Schalbretter gezogen sind. 

Mainz. Friedrich Schneider. 



Zwei Seidenstoffmuster des 15. Jahrhunderts in der 
Gewebesammlang des germanischen Museums. 

Im Anschlusse an die fruher in diesem Blatte verdffent- 
lichten alteren Master (s. Jahrg. 1872, Nr. 1) lassen wir nun- 
mehr zwei folgen, die entschieden dem 15. Jahrh. angehdren. 
Das erste (Fig. 1), in Gold aof grunem Grande aasgefuhrt, 
zeigt schon in den Ornamentformen, obwohl als Reminiscenzen 
selbst noch romanische Anklange sich finden, einzelne Motive > 
die dem spatern Formenkreis angehdren. Charakteristisch for 
die spfttere Zeit aber ist die Form der Krone, dnrch welche 
das hundeartige Thier hindarchgeschlupft ist Aach die Hal- 
tang der Thiere ist eine mehr malerische. Das Drehen des 
Kopfes beim Lowen, der nicht mehr im Profil dargestellt ist» 
das Halbprofil des Hundekopfes deuten aof spfttere Zeit. Noch 



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115 

immer ist jedoch die ener- 
giscbe Linienfilhrung, wie 
sie in den Thiergestalten 
des 14. Jahrh. zu Tage 
tritt, SchOnheit derLinien, 
richtiger Mafsstab fttr ein 
Gewandmuster and gute 
Vertheilung derMassen her- 
yorzaheben. Das Master 
st in der Halfte der na- 
turlichen Grftfse abgebildet. 
Der Stoff warde am Rheine 
erworben, wo er jedenfalls 
aas einer Sacristei stammt, 
ohne dafs seine Herkunft 
genaaer festgestellt werden 
kann; die Erbaltung ist 
eine ziemlich gute, nament- 
lich die Farbe noch un- 
zweifelbaft za bestimmen. 

Das zweite Muster (Fig. 
2), das gleicbfalls in halber 
natttrlicber GrOrse abgebil- 
det ist, wurde von einem 
Alterthumshandler in Mun- 
cben erworben. Die Farbe 
ist eiu in's Violette spie- 
lendes Roth als Grund, das 
Muster darauf in Gold. 
Hier tritt uns entschieden 
die spate Zeit des 15. Jahrh. 
entgegen, wo schonderFor- 
menkreis des Granatapfel- 
musters herrschte. Wenn 
auch noch die Sonnenstrah- 
len, die liegende Hirsch- 
kuh (?), der abwarts stei- 
gende LOwe Reminiscenzen 
der alteren Master sind und 
deren langes Festhalten be- 
kunden, so ist doch der 
breite Ast mit Ansatzen ab- 
geschnittener Zweige, dann 
die Buschel eichenartiger 
Blatter in ihrer stumpfen 
Haltung ein neues Motiv; 
neu and dem erwahnten bur- 
gundischen Granatapfelfor- 
menkreise entnommen sind 
aber entschieden der grtt- 
fsere Mafsstab and die brei- 
teren Massen d es *Goldes. 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 

Fig. 1. 



116 



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117 Anzeiger fur Eunde der deutschen Vorzeit. 118 

Flsr. *. 



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U9 



Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



120 



Wenn wir fur alle frtiheren Muster keinerlei Analogieen 
in Gemalden und Miniaturen, in Glasbildern nnd bemalten Skulp- 
turen fanden, durch welche die Zeitstellung der einzelnen Ma- 
ster hatte fixiert werden kdnnen, wenn im Gegentheil ein ganz 
anderer, viel einfacherer, rein geometrischer Formenkreis von 
den Kttnstlern des 12. bis 14. Jabrb. angewandt wurde, wo 
sie Stoffmuster darstellten *), so sind nan von der zweiten Halfte 
des 15. Jahrh. an die Maler den zu ihrer Zeit getragenen Ma- 
stern gerecht geworden, and in einer Reihe von Gemalden, die 
dnrch Schule and Meister sich bestimmt nacbweisen lassen, 
kann nan die Herrschaft and Entwicklang der Master nach- 
gewiesen and so den in Original erbaltenen ibre Zeitstellung 
genau gegeben werden. Diese Analogien berecbtigen nns auch, 
den Scblufs des 15. Jabrb. fur diese letzten gezeicbneten 
Stoffe anzunebmen. 

Nurnberg. A. Essenwein. 



*) Es sind uns in Original freilich fast nur die Seidenstoffe 
jener Zeit erhalten, die als fremdes Fabrikat bei uns eingefuhrt 
wnrden. Ob nicht .einbeimische Gewebe, die jene einfachen, geo- 
metrischen Muster, wie sie die Kttnstler uberall abbildeten, dane- 
ben vorkamen, sondern durch baufigere Verwendung vorherrsch- 
ten, lafst sich aus den erhaltenen Sacben nicht feststellen, wohl 
aber mit einer gewissen WahrscheinHchkeit annehmen. 



Eine alte Grammatik. 

Yon dem Herrn Dr. J. C. Mitterrutzner in Bozen hat 
das german. Museum kurzlich ein sebr dankenswerthes Ge- 
schenk erbalten, ein Manuscript auf Pergament, welches schon 
durch die SchOnheit der Schrift als werthvoll erscheint. Den 
lnhalt bilden graramatiscbe, metrische und dialektische Stucke 
aus verschiedener Zeit, liber welche wir bier einen kurzen Be- 
richt geben wollen, die genauere Untersuchung des Inhalts den- 
jenigen uberlassend, welche etwa davon Gebrauch zu machen 
Anlafs haben. 

Das Manuscript hat ein sehr kleines Quartformat und be- 
sitzt noch einen alten Einband, Holzdeckel, die mit rothge- 
farbtem Leder uberzogen und auf der oberen Seite mit kleinen 
Buckeln von Bronze versehen sind. Die einst vorhandenen 
Spangen fehlen. Auf die Herkunft deuten nur einige sorgfal- 
tig ausgekratzte Zeilen auf der letzten Seite ; eine andere Spur 
wird bald zu erwahnen sein. 

Das erste Stuck, dessen Schriftzuge noch dem zwOlften 
Jahrhundert anzugehftren scheinen, ist eine Metrik. Sie be- 
ginnt: Ynd6 dicatur ars metrica. Ars ista qua uulgo 
utimur, metrica idest mensuralis uocatur. Dicitur enim metrum 
eo quod metis et mensuris artatum, obseruata ratione sillaba- 
rum data lege , oertoque pedum numero in uersu decurrat ; 
unde si aut infra terminos suos mutiletnr claudicat, aut si plus 
iusto proteletur quasi superfluitate menbrorum tumultuat Quid 
sit uersus, et unde dicatur. Versus uero est pedum rite 



ordinatorum certa modificatio. Versus autem dicitur a uer- 
tendo, quia cum per articulos suos quae caesa menbra uocan- 
tur, ad eertum finem prouoluitur, modum sibi ratio statuit ut 
reuertatur. Quid sit metrum. Metrum autem est legitima 
pedum obseruatio. Quid sit pes. Pes est sillabarum certa 
et temporum dinumeratio. 

CAPITVLVM PRIMVM. 

Quoniam igitur de solo beroico exametro quo specialiter 
utimur priuatim dicturi sumus, quod uel qui pedes (buic ?) ad- 
tineant, cum reliquis solutionibus, hoc modo primum subinter- 
rogemus. Vnde dicatur heroicum. C. II. Quod est me- 
trum quo uulgo utimur? Heroicum. Vnde dicitur heroicum? 
A nobilitate, quia heroum, idest sapientum fortium et nobilium 
gesta uirorum hoc metro scribuntur. 

So geht es nun in Frage und Antwort weiter. Auffallend 
ist bei der sehr saubern und correcten Schreib weise , dafs auf 
Fol. 2, wo von den Halbvocalen die Rede ist, stebt: „Quan- 
tum tamen a uocalibus superantur, tantum ipse glosa est su- 
perant mutas." Der Schreiber, welcber so sinnlos die Worte 
„glosa est" in den Text aufhahm, kann doch schwerlich den 
lnhalt verstanden haben. 

Nach sehr eingehenden und genauen allgemeinen Regeln 
folgt von Fol. 7 v. an ein beachtenswerther Abschnitt uber die 
verschiedenen Gattungen der Hexameter, der so beginnt: 

Incipit proemium. 

Igitur moderni cum praecipue heroicum exametrum usni 
mancipauerunt, quique pro sui subtilitate ingenii uariis illud 
concinnationum modis, quasi floribus quibusdam distinxerunt, 
ut quod nimirum reliquis carminibus uel metris erat honorabi- 
lius, ipsi ornarent mirabilius. Itaque modos siue uarietates 
heroicorum uersuum secundum rationem ornandi. x. uel paulo 
plus reperimus. Siquidem alii sunt concinni, alii leonini, alii 
caudati, alii per contrarium caudati, alii circumlati (1. circa- 
lati), alii concatenati, alii reciproci, alii paracterici, alii pari- 
les siue concadentes uel salientes, alii citocadi uel tropici, alii 
dactilici. 

Es folgt nun die Erklarung. Vieles erinnert hier an das 
von Zarncke in den Berichten der k. sachs. Gesellsch. d. Wiss. 
1871, S. 88—92 mitgetheilte Stuck, womit auch Charles Tha- 
rot in den Notices et Extraits XXII, 2, 452 zu vergleichen 
ist; aber die Beispiele sind ganz anders; sie verherrlichen 
hier alle die Jungfrau Maria. Neu ist mir auch die Erklarung 
der leonini : „Dicuntur ergo leonini propter nodositatem utrius- 
que illius terminationis ; leo siquidem et ante pectorosus est 
et nichilominus in cauda nodosus." Die Beispiele sind sebr 
zierlich roth gescbrieben, die reimenden Silben durch scbwarze 
Schrift hervorgehoben. 

Auf die Metrik, welche aber nur vom Hexameter handelt, 
folgt Fol. 10 eine Grammatik, mit den Declinationen begin- 
nend ; Fol. 20 v. stehen folgende Verse uber gleichlautende W6r- 
ter mit deutschen Glossen: 



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121 



Anzeiger far Eande der deutschen Vorzeit. 



122 



A paribus paria libet hie discernere uerba. 

nomeo. uerbum. uerbum. nomen. hunger. mere. 

Sede. sede. sudesqae. sudes. fame, quoque fame. 

bach, friger. grauitas. mulin. balla. morsere. 

Sit liber, et liber, cum mole. mole., pila. pila. 

menia. manduco stiga. bret sita. altir. 

Sunt 9<ies. et edes. ara. latus. uel latus. ara. 

Togel. uerbum. nomen. uerbum. coniunctio. nomen. 

Ales, ales, uocesque. uoces. pariter nisi. nisi. 

verbum. nomen. kofin. komin. 

Inde aires, aires, seqaitar aenire. nenire. 

eatimat. fetet. nomen. uerbum. uerbum. nomen. 

Is pntet. hoc putet. minor est minor, lege. lege. 

sicheren. ackes. 

Sis com securis. ne tangat morte securis. 

hus. tectum. brfich. phal. pars halba. slac. 

Stat domos. et doma. pains, et pains, plaga. plaga. 

nomen. uerbum. — cis. ideet educas. dedico. loquor. 
Ac nitor. et nitor. uel duco. duco. dico. dico. 

acadendo. studo. a placeo. gehuldet. vbe. nomen. 
Concido. concido. placet, et placet colo. colo. 

obedio. obedientes. gigno. prepare cognati. 

Pareo. parentes. pario. paro. qnosque parentes. 

capilli. orno nomen. simplex, laberis. 

Inde comis. comis. labor, et pariter labo. labor. 

conqueror, passiuum. dii infernales. uerbum. uerbum. nomen. 
Et queror. et queror. manesqae. manes, mete. mete,. 

iastus. ros. uerbum. chor. uentus. 

Sic est §quus. eqnas. §qao. chorus, indeqae. chorus. 

masculini neutri. uerbum. §s. lihdez. nomen. 

Idem. scripsit idem. eris. §ris. sea. leae. leaem. 

vbeler. arbor. arbor, fortis. verbum. pomum. 
Et mains, ac malos. acer. acer. maloque. malum. 

distat. nomen. narrat terras. relegis. relegas. 
Befert sola, refert. sola, sic relegoque. relego. 

arbor. plebs. Yerbum. nomen. nomen. verbum. 

Populus. et popalus. uadisque. aadis. pede. pede. 

verbum. nomen. verbum. 
Jamque uelis. aelis. seris. et discernere seris. 

verbum. nomen. verbum. nomen. fleihs. mobile. 
Sea regis, ac regis, noto. noto. sic caro. caro. 

verbum. nomen. brosemun. verbum. 
Cnmque cano. cano micamqae. micam. sociato. 

verbum. nomen. nomen mos. mora. mobile. spiz. 

Fide. fide, sea more. mor§. aeramqae. aeraqae. 



verbum. nomen. interrogandi coniunctio prohibendi 
Miseris. et miseris. ne . ue . ne 

ofisis. oris. grecum. 

uel . os. os. herns, heros. 

Auf der folgenden Seite (Fol. 21 r.) stehen Regeln fiber den 
Gebrauch von Ortsnamen, werthvoll, weil sie uns zeigen, in 
welcher Gegend diese Grammatik verfafst ist. Da heifst es 
namlich: „Quando fit interrogatio per ubi in loco significant 
at abi fuisti? Ybi didicisti? Si sint propria nomina locorum. 
prime, et second^ declinationis respondetor adaerbialiter per 
genitiuam. at Rome, fui. Marbaci didici." Und weiterhin : „Ba- 
sileam. Tarentum. Herbipolim. uado." Und endlich: w Qu§ aero 
sunt indeclinabilia. sine barbara. ad omnem interogationem : 
idest ad locum, per locum, in loco, de loco, aniformiter re- 
spondetor sine prepositione. at Aqaisgrani uado. Lateranis 
transeo. Taregam sam. Sancton&s exeo. Swarcendan fdgio. 
fdgio significat de loco." 

Hierdnrch werden wir also ganz deutlich nach dem Aa- 
gastiner Kloster Mar bach onweit Kolmar mit seiner beruhm- 
ten Schnle gewiesen; za seinen Besitzangen gehOrte aach 
Schwarzendann ; (s. Wilmans in Pertz' Archiv XI, 131. 135). 

Es folgen noch weitere grammatische Regeln von anderer, 
weniger zierlicher Hand; Fol. 25—36 die so haufigen „Syno« 
nima Cyceronis* 4 , Fol. 36 — 40 Regeln ttber die Quantitftt in 
Hexametern, mit der Ueberschrift : „Regala splendescit. qua 
sillaba prima patescit" Angefuhrt von Charles Thurot p. 427. 
Dann Fol. 41—54 unter dem Titel: „Excerpta Introductionvm" 
eine Dialektik and noch verschiedene Werke dieser Art, bei 
welchen wir uns nicht aafhalten wollen. 

Den Schlufs des Bandes Fol. 100—129 bildet eine jttngere 
Handschrift des 14. Jahrhunderts mit abwechselnd rothen and 
blaaen Initialen; die blaue Farbe ist aber h&ufig grun gewor- 
den. Am Ende stent: „Expliciunt corapilationes supra summu- 
lam Magistri Petri hispani. Amen." Sollte jemand Neigang 
haben, sich in diese Gefilde der Scholastik za vertiefen, so sind 
ihm gate Aagen nebst viel Gedald za wunschen; denn die 
Schrift ist zwar von merkwtlrdiger Scharfe and Elarheit, aber 
sehr klein and von zahllosen Abkurzangen erfQllt. 

Unter verschiedenem Gekritzel sind bemerkenswerth auf 
den untern Randern der ersten Blatter einige Recepte fur Far- 
ben, vielleicht Glasfarben, die aber kaum za entziffern sind; 
Fol. 3 wird Cunz von Costenz als Urheber genannt ; Fol. 3 v. 
stent : „Nota quod si aqua raphani mixta cam hamore lambri- 
coram qui ex eis exprimitar, gladias vel catellas ael calips 

optime induratur" Die Dinte dieser Schrift ist stel- 

lenweise violett geworden and sieht ganz nea aas, ohne es za 
sein. Fol. 72 v. stent mit solcher Dinte geschrieben : „anno 
liiy . xx ffider in Egenshem vngetrottet rottes w. . . ." Egis- 
heim liegt ebenfalls in der Nahe von Kolmar, and der Wein- 
baa wird da aach jetzt noch eifrig betrieben. 

Heidelberg. W. Wattenbach. 



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183 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



124 



Narren-Leihen. 

Die Markgr&fin Susanna, Gemahlin des Markgrafen Casi- 
mir von Brandenburg -Ansbach, wurde durch den Tod ihres 
jungsten SOhnleins, Namens Friedrich, im J. 1525 in grofse 
Trauer gesetzt. Um sich in ihrem Schmerze ttber diesen her- 
ben Yerlust einigermafsen zu zerstreuen, bat sie den Sigmund 
vom Schwarzenstein zu Engelburg, Vicedom zu Straubing in 
Niederbayern, er m6ge ihr seinen Narren, Namens Hannsl, auf 
ein Vierteljahr zur Kurzweil leihen. Denn dieser Hannsl war 
eine sehr lustige Person und ein grofser Possenreifser, den 
schon Herzog Wilhelm von Bayern, der Bruder der Markgrafin 
Susanna, und viele andere Fursten und Furstinnen, sowie meh- 
rere Herren von dem vom Schwarzenstein leihweise verlangt 
batten. Dieser aber konnte sich nicht entschliefeen, seinen 
Hannsl von seiner Seite zu lassen. Doch gelang es endlich 
der Markgrafin, den von Schwarzenstein zu bestimmen, daft er 
ihr den Hannsl auf 3 Monate lieh. Nach Verflufs dieser Zeit 
bat er die Markgrafin wiederholt, sie mdge ihm nun seinen 
Narren zuruckgeben. Sie wollte aber davon nichts wissen und 
gab auch den Hannsl seinem Herrn nicht zurttck, so date dieser 
sich endlich entschlofs, den Markgrafen Casimir zu bitten, er 
m6ge doch seine Gemahlin zur Zurttckgabe des Hannsl anhal- 
ten. Dieses that er im nachstehenden Schreiben: 

,,Durchleuchtiger hochgeborner furst, eurn fttrstlichen gena- 
den sein mein vnderthenig gantz willig dienst alltzeit zuuoran 
berait! Genediger fttrst vnd herr, nachdem ich, allsdann ewer 
fttrstlich genad on zweifl guet wissen tragen, derselben gemahel, 
meiner genadigen frauen, auf irer fttrstlichen genaden genedig an- 
synnen vnd begem zur zeit, alls dieselb jr fttrstlich genad in 
trauern weillend jres gestorben sons halben gewesen sein, zu ai- 
ner getzlichait meinen Hennsl auf ain viertl jars, vnangesehen das 
jch auch derselben zeiten in trauern sterbens halb meiner freunt- 
lichen lieben hausfrauen selliger gestanden bin, mit vndertheni- 
gem willen gelichen vnd geschickht, hab jch ain guete zeit nach 
erscheinung des viertljars zwaymal jren furstlichen genaden 
vmb den Hennsl, mir dene widerumb zuschicken, geschribcn, das 
aber jr fttrstlich genad, wiewol jch mich des vber jren furstli- 
chen genaden zueschreiben nit besorgt hete, vnterlassen haben. 
1st demnach an ewer fttrstlich genad mein gantz vnderthenig 
bitt, e. f. gl. wellen mit derselben gemahel, meiner genedigen 
frauen, genedigklich handlen, auf das mir jr fttrstlich genad by 
disem poten den Hennsl, dene ich dann vill fursten, furstin vnd 
herrn auf jr genedigs begem versagt hab, vnd deshalben jch 
jne den Hennsl, damit mir bey denselben nit vngenad entstee 
vnd erwachse vnd aus vil andern treffenlichen vrsachen, domit 
ich diser zeit e. f. gl. kttrtz halben nit beladen wil, in kaiuen 
weg verlassen kan, gewislich widerumb zueschicke. Das wil 
jch sambt dem es, wie e. f. gl. zuerwegen haben, pillich ist, in 
aller vnderthenigkait geflissen sein zuuerdienen, abermals bit- 
tend t, e. f. g. wellen ditz mein schreiben nit in vngnaden 
annemen vnd versteen, sonnder mich domit genedigklich be- 



uolhen haben. Datum tambstags nach Franciscj confessoris 
Anno 1525. 

E. f. Gl. 
vndertheniger Sigmund vom Schwartzenstain 
zu Englburg, vitzdomb zu Straubing." 

Der Markgraf antwortete dem von Schwarzenstein unterm 
14. Oktober, er habe obiges Schreiben seiner Gemahlin furge- 
halten; „dero lieb aber hat vns mit antwurt begegent, wiewol 
jr lieb gemelten Hensel*) zu fdrstlicher ergetzlicheit gem by 
sich hetten, das doch jr lieb dir denselben nit verhalten vnd 
dir auch gem ehe der zeit zugeschickt haben wollten, aber er 
der Hensel will jn kainen weg widerumb zu dir, wie wir dann 
dasselbig selbst auch gemerckt vnd gesehen haben, das er sich 
widerumb zu dir zekommen enntlich enntsetzt vnd dermassen 
stellt, das vns der gut frum mensch erparmbt, allso das vnser 
freuntliche liebe gemahel noch wir jne daruber kains wegs von 
vns schicken mftgen*. Schwarzenstein mOge also kein Beschwerd 
tragen, dafs sie den Hannsl am Hof behalten. Bei Herzog 
Wilhelm wollten sie die Sach schon ab tragen, dafs ihm kein 
Ungnad oder Unrath daraus entstehe. — Schwarzenstein aber 
wollte seinen Narren wieder haben, und schrieb neuerdings an 
den Markgrafen. Dieser antwortete, er sei nicht Willens „sich 
in solichen vnser freuntlichen lieber gemahel vnd deinen krieg 
zulegen; dann nachdem jr zu bederseiten einander wol bekant 
seit, vnd du jrer lieb hofmeister gewesen bist, wisst jr euch zu 
beidentailen on vnns derhalben wol miteinander zuuergleichen*. 
Die Markgrafin gab den Hannsl nicht heraus; sie hatte ihn 
noch im Jahre 1526, in welchem der von Schwarzenstein seine 
Forderung erneuerte, vom Markgrafen aber zur Antwort er- 
hielt „vnnser freuntlich liebe gemahel hat den Henslein von sich 
zulassen ain grosse beschwert, so widersetzt sich auch der Hens- 
lein desselben aufs allerhOchst". Schwarzenstein mflge daher 
von seinem Verlangen abstehen. Wie es scheint, befolgte er 
diesen Rath, nachdem er sich von der Erfolglosigkeit seiner 
bisherigen Schritte ttberzeugt hatte. 

Mttnchen. Jos. Baader. 



*) In der Urkunde wird er genannt „Hensl narr jm frawen- 
tzimer." 



Eleinere Mittheilungen aus den graflich Stolbergi- 
schen Archiren zu Ortenberg und Gedern. 

Bei einer im Juni 1870 ausgefuhrten amtlichen Besichti- 
gung des Graflich Stolbergischen Gemeinschafts-Archivs zu Or- 
tenberg und des Graflich Stolberg-Wernigerodischen Archivs zu 
Gedern in der Wetterau kamen mir gelegentlich mehrere firag- 
mentarische Reste mittelalterlicher Manusoripte, zumeist auf 
Pergament, zur Hand, die zum Heften und Einbinden von Ar- 
chivstucken des 16. bis 18. Jahrhunderts verwendet wairen. 
Diese Ueberbleibsel , deren zusammenhangende Stttckchen sich 
in ein paar Fallen in sehr ttb^rraschender Weise aus ga n z ver- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



126 



sehiedenen Abtheilungen dee Archivs zusammenfanden, sind we- 
nigstens zum Theil von allgemeinerem Intercsse. 

Nor korz erw&hnen wir zuv&rderst zweierlei Fragmente, 
namlich yon einem lateinischen Lectionarium des 12. Jahrh. 
rod von einer durch ihr hohes Alter bemerkenswerthen Vul- 
gatahandschrift. Erstere enthalten unvollstandig ein paar 
Lectionen aus dem Jnni: die Passion der heiligeu Agathe 
(„In pronincia sycilie in urbe cathynensium agathes passa est 
sob imperatore diocletiano") und vom heiligen Simeon. Die 
Volgatahandschrift, welcher die geringen noch vorhandenen Ru- 
dera entstammen, mag dem nennten bis zehnten, spatestens dem 
Anfang des elften Jahrhnnderts angehftren. Die Linien sind 
nor mit dem Reifsblei eingerissen. Die sehr altertbttmlicbe 
Minaskel wecbselt mit einigen Zeilen in der entsprechenden 
MajaskeL Der Anfang der Eapitel ist in gr5fserer, altlateini- 
scher Majuskelschrift ausgefiihrt. Die ganz einfacben Initialen 
haben eine orangerothe Farbung. Das Pergament ist das 
dttnne, glatte der Urknnden des nennten bis elften Jabrhunderts. 
Die drei Bruchstttcke, welcbe sicb zieralich vollstandig erganzen, 
entbalten vom 51. Eapitel des Propbeten Jeremias die Verse 
44—48, 49—55, 56—59, 60—64 und die ersten Worte und 
Buchstaben vom 52. Kapitel. 

Diese doppelartigen Fragmente sind so zusammengeklebt, 
daft sie jetzt der HOhe der gewOhnlichen Foliobogen entspre- 
chen. Es ist aber jedesmal ein Sttick aus der Legende mit 
einem Sttick aus der Volgatahandschrift zusammengefugt. Beide 
Handschriften scheinen demnacb ursprunglich — falls nicht 
mehrere Columnen auf der Seite anzunehmen sind — Octav- 
banden von etwa 24 Centimeter Hflhe und etwa 14 Centimeter 
Breite angehSrt zu haben. Die Zeilen der Vulgatahandschrift 
sind neun Centimeter lang. Beiderlei Fragmente entstammen 
den Schriftstucken B 21, 2, C 28, 7 des grOsseren und 34, 1 
des sogenannten kleineren Archivs zu Gedern. 

Viel merkwurdiger als diese ebenerwahnten sind die der 
Mitte und der zweiten Halfte des 13. Jahrhunderts angehdri- 
gen, leider meist nur fragmentariscb erhaltenen, grflfstentheils 
auf Schlofs und Herrschaft Minzenberg in der Wetterau be- 
zttglichen Bruchstucke eines pergamentenen Copialbuchs in Folio, 
die von den Acten^tucken A 20, 2, D, 2, 3, und E, 2, 4 des 
Archivs zu Gedern sorgf&ltig losgel5st und, durcb den Buch- 
binder aufs neue gebeftet, nach Wernigerode mitgenommen 
warden. 

Wie jene ersteren sind es drei zusammengehdrige Bruch- 
stttcke; aber die beiden hier fast allein in Betracht kommen- 
den Hauptfragmente umfassen einen weit grdfseren Text, in- 
tern je eine doppelte zusammenhangende Lage jener Perga- 
mentbl&tter, und ?war in einem Falle nach der Breite, im an- 
dern nach der H&he der alten Handschrift zum Heften der 
Acten verwendet war. H5he und Breite des zerstdrten Ma- 
nuscripts lafst sich daher noch bestimmt angeben: erstere be- 
trng 32, letztere 24 Centimeter oder Neuzoll. Gttnstig ist der 
Umstand, dafs die beiden Hauptfragmente sicb als zu derselben 



Quaterne geh&rend ausweisen und daber theilweise der Text 
anschliefst ; ungunstig dagegen ist es, dafa bei dem abwechseln- 
den Fehlen nach den beiden Dimensionen docb nur eine Ur- 
kunde ganz unverkurzt erhalten ist 

Der Charakter der Schrift ist der des 13. Jahrhunderts, 
also der Ausstellung der Urknnden ungefahr gleichzeitig. Die 
Zeilen stehen zwischen scharf und schwach mit der Feder go- 
zogenen Linien, was sicb jedocb bei dem unbedeutenden, schma- 
len dritten Fragment nicht beobacbten lafst; Initialen, Ueber- 
scbriften, Abscbnitte der Urknnden und Eigennamen sind mit 
rotber Tinte ausgefuhrt, bzw. angedeutet. Trotz des eben er- 
wabuten geringen Unterscbieds erweist sicb das sebmale, dritte 
Fragment schon durch die darin vorkommenden Eigennamen: 
Falkinstein, Burg zu — , Minzenberg, Phil'., Falk, (Fran) 
wen von limpurg, — Staden, Budingen als mindestens durchaus 
verwandten Inhalts mit den beiden andern. 

Yon den unten folgenden 14 Nnmmern ist nur Nr. 5, eine 
Urkunde vom 16. October 1271, vollstandig; funf weitere sind 
zum grofsten Theil erhalten, oder docb ihrem Inbalte nach 
bestimmt: Nr. 4 Konrad v. SchOnbergs Verzicht, Nr. 6 Pap- 
penheim'scher Verzicht, Nr. 7 Verzicht der Wittwe Konrads v. 
Schdnberg, Nr.9 Bickenbach'scher Verzicht, Nr. 13 Tausch zwi- 
schen dem Kloster AltenmUnster nnd Philipp von Falkenstein 
ttber Gtiter zu Kalsterbach und Ginsheim, Nr. 9 und 10 ge- 
h5ren mOglicber Weise zu einer und derselben Urkunde. Funf- 
mal findet sich das Datum erhalten; das alteste ist vom Marz 
1259, die ubrigen: 22. Marz 1270. (Nr. 3), 16. October 1271 
(Nr. 5), 20. October 1272 (Nr. 7) und das Jahr 1282 (Nr. 12). 

Ueber Werth und Inhalt der nachstehenden Fragmente be- 
merken wir hier das Nothwendigste, da das N&here nur von den 
rheinfrankisch-hessischen Forschern der Localgeschichte beige- 
bracht werden kOnnte. Jedenfalls ist schon die deutsche Fas- 
sung von Urkunden aus dem seebsten bis nennten Jahrzehend 
des 13. Jahrh. in ziemlich gleichzeitiger Abschrift merkwurdig. 
Die altesten aus derselben Gegend mitgetheilten Originalurkun- 
den in deutscher Sprache in Baor's Hessischen Urkunden sind 
die Philipps von Minzenberg aus den Jahren 1277 (Baur I, 
Nr. 155, S. 108) und 1283 (Baur II, Nr. 375, S. 358); die 
altesten nach CopialbQcbern gedruckten sind von 1271 (a. a. 0. 
I. Nr. 154, S. 107) und von 1281 (a. a. 0. II, Nr. 340, S. 317). 
Auch die zur Mittheilung zu unvollstftndigen Fragmente auf 
dem dritten schmalen Streifen tragen nur das deutsche Gewand. 
Allerdings urkundeten weltliche Herren durchgangig schon et- 
liche Jahrzehnde frtther in der Muttersprache , als geistlicbe 
Stifte ; aber doch nur in seltenen Fallen vor dem letzten Vier- 
tel des 13. Jahrhunderts. Der Verlust des offenbar ansehnli- 
chen Falkenstein -Minzenbergischen Copialbuchs ist also auch 
wegen seiner sprachgeschichtlichen Bedeutung zu bedauern. 

Zum geschichtlichen Zusammenhang sei nur bemerkt, dafs 
die folgenden Urkunden sich zumeist auf die nach d. J. 1255 
vacant gewordene Minzenbergische Erbschaft beziehen. Nach- 
dem namlich urn jene Zeit das ursprunglich als Herrn vom 



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Anzeiger fiir Kunde der deutechen Vorzeit. 



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Hagen oder Hain bekannte alte Herrngeschlecht, das im Jahre 
1217 durch Ulrich d. JL das ganze Minzenbergische Besitz- 
thum in seiner Hand vereinigt hatte, mit Ulrich d. J. ausge- 
storben war, kam die Herrschaft an die sechs Schwestern des 
Verstorbenen, von denen eine unverm&hlt blieb, w&hrend die 
andern an Hanau, Falkenstein, Schonberg, Pappenheim and 
Weinsberg verm&hlt waren. Die Herren von Falkenstein 
brachten den grttfsten Theil der Herrschaft durch Entsch&di- 
gungen und Verzichte der Schw&ger an sich; nor Hanau be- 
hielt seinen sechsten Theil. Ger^de von jenen Yerzichten han- 
deln meist die folgenden Fragmente. 

Nachdem im Jahre 1418 der letzte mannliche Erbe jenes 
Geschlechts, Werner von K5nigstein, Neffe Kuno's II. von 
Falkenstein-Minzenberg, Erzbischof von Trier, gestorben war, 
vereinigten sich die Grafen und Herren von Sayn, Virneburg, 
Solms, Isenburg und Eppstein in einem Vergleich zu Butzbach 
(1419) uber das Erbe. Eppstein erwarb ein Drittel der Minzen- 
bergischen Verlassenschaft. Als nun aber im Jahre 1535 mit 
Graf Eberhard das KOnigstein-Eppsteinsche Haus ausstarb, 
kam dessen Erbscbaft und damit auch ein Theil von Minzen- 
berg an das gr&fliche Haus Stolberg. Zuletzt besafs dieses 
aus der Eppsteinschen Erbschaft 10/48. *) Es ist daher nicht 
zu verwundern, dafs ein Falkenstein -Minzenbergisches Copial- 
buch in das Archiv der Grafen zu Stolberg gelangte. 

Einige mehr gelegentliche Verweisungen uber die vor- 
kommenden Personen sind unter den Urkunden selbst an be- 
treffender Stelle angebracht. 

1) . . . . necke und Gerlach v. Breuberg bekunden, 
dars in ihrer Gegenwart die edle Frau Elisabeth von Don- 
nersberg und ihr Sohn Hildebrant auf ihren Antheil an 
Minzenberg zu Gunsten ihrer Verwandten Philipp und 
Werner, Gebruder v. Minzenberg, verzichtet haben; (zwi- 
schen 1259—1282?). 

necke vnde Gerlach von Bruberch bekennen offenlich in 
disem briefe, Daz die edele frouwe, frouwe Elsebeth von 
dunrisberg, ynde Hildebrant ir Son hant gestanden in 
vnsir geinworticheit vnde hant eyne verzihunge gedan eynvel- 
dichchen (so!) vnde genslichen aller der gude vnde des erbes 
zu Minzenberg die ien geburten. Vnde hant daz selbe erbe 
den edelen mannen irn magen Phil, vnde Wernhere gebru- 
deren von Minzenberg, irn erben vnde irn nachkomelingen 
mith guthem rade vnde willen gegeben vnde geantwortet ewic- 
lichen zu besitzen. In dirre gift gezugnisse vnde mugelicher 



vestecheit, So nan wir durch bede willen beyder partien vnsere 
Inges' mit ingesigele der stede Frankenvort vnde . . . 
Wemigerode. Dr. Ed. Jacobs. 

(Schlufs folgt.) 



*) Leo, die Territorien des D. Reichs im Mittelalter I, 418, 



Zwei Breslauer Urkunden. 

Die Bibliothek des evangelischen Gymnasiums in Hermann- 
stadt besitzt einen Band Inconabeln, worin zusammengebun- 
den ist: 

a) „Speculum exemplorum omnibus christicolis salubriter in- 
spiciendum", gedruckt „in civitate Argentina 1490 a ; 

b) „Communiloquium sive suraraa collationum Johannis gal- 
lensis", gedruckt „Argentin« 1489"; 

c) „Fraternitas cleri per doctorem Vlricum edita, qui vulgo 
Vlmer in Vlma vocatur", ohne Druckort und JahrzahL 

Auf dem ersten Blatt, uber dem Titel „Speculum exem- 
plorum" etc. steht in M6nchsminuskel geschrieben: „Frater 
Nicolaus de Benshom comparauit. tt 

Zwischen den Deckeln und je dem ersten und letzten Blatt 
befinden sich mit eingebunden Pergamentstreifen von 10 Zoll 
Lange und 2 Zoll 2,5 Linien Breite. Auf diesen Pergament- 
streifen stehen a) am Anfang, b) am Schlusse des Bandes fol- 
gende zwei Urkunden geschrieben. 

a) Vor vnns Scheppen Zw Breslaw Mathis foyt Caspar 
Popplaw Cristoff bancke Lorentz Hewgil Sewalt Sawermann 
Pawl Haring Hanns Veldener Michel Walter Hanns Bukewitz 
Niclas Greseling vnd Greger Kaler Gestanden hat zugehegtem 
dinge Do Hanns Hawnolt das gerichle sas Anna Bognerynne 
mit irem gekornen vormundt vnd hat alle recht begangen mit 
einem Bloen Rock der Ir von frawn Hedwign vom Teiche vor 
drey firdunge vorsatzt ist Des ... das sie soliichen rog mit 
wissenschaft mag vorsetzen verkawffen vnd iren besten frommen 
damit schaffen vmb ir gelt vnd vor die gerichts Koste vnd sal 
frawn Hedwigen hinnachweisen vorsigilt mit vnsren Ingesigelen. 
Anno domini M©ccccolcccc<> Sexta ante Laurencij Martiris. 

Auf der Aufsenseite: Anna Bognerynne. 

b) Wir Scheppen zw Breslaw Mathys foyt Caspar Popp- 
law Cristoff bancke Lorentz Hewgil Sewalt Sawerman Pawl 
Haring Hanns Veldener Michel Walter Hanns Buckewitz Niclos 
Greseling vnnd Gregr Kaler Do Hanns Hawnolt das gerichte sas 
Bekennen, das zugehegtem dinge ortil vnd recht geben hat Be- 
helt katherina Rodewitz tachter vff den Heiligen zum nechsten 
lantrecht wie recht ist, Das sie Barbara Lenbartynne zw vol 1 em 
gnuge aws gelart hatt vnnd das sie ir semjtlich vnnd gutlich 
gedanckt hatt Wenne sy das also dirhalden hatt so betzalt ir 
Barbara lenhartynne nach einen Vierdungk moglich von rechts we- 
gen Vorsigilt mit vnsren ingesigelen Anno domini M°cccc°lxxxx # 
Secundo post Kylian Martiris. 

Auf der ftufsern Seite: Katherina Rodewitcz tachter. 



Hermannstadt. 



Dr. G. D. Teutsch, Superintendent 



Anm. 



(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. E seen we in. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. B 8 eb aid in Niiraberg. 



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BE1LA0E ZUM AJVZEIGER FUR BUNDE DER DEUTSCHE^ VORZEIT. 
1872. JW4. April. 



Chronik des germanischen Museums. 



Nurnberg, den 15. April 1872. 

Das unserer Anstalt schon so oft bewahrte Wohlwollen ihrer 
Majestat der deutschen Eaiserin hat uns auf s neue die angenehrae 
Pflicht des Dankes fur eine allergnadigste Oabe von 200 fl., die 
dem german. Museum jiingst als erneuertes Zoichen allerhochsten 
Interesses fur unsere nationale Sache zugekommen ist, auferlegt. 

Der schon fruher mitgetheilten Sendung der Kanonen ist nun 
auch die von 35 Gewehren verschiedener Construction, die in der 
preufsischen Armee eingefohrt waren, sowie von 30 Sabeln und 
sonetigen blanken Waff en nebst Zubehdr als Geschenk Sr. Maje- 
stat des Kaisers gefolgt. 

Aufser manchen Erwerbungen verschiedener Art, die in jflng- 
ster Zeit unsere Sammlungen bereicherten , haben wir die eines 
Eabinets physikalischer, optischer, chemischer, astronomischer In- 
strumente, Globen, Atlanten und anderer wissenschafblicher Appa- 
rate aus dem Schlusse des 17. und Beginn 18. Jhdts. zu erwah- 
nen. Diese Sammlung, noch in den Original-Glasschranken aufbe- 
wahrt, ist fur die Geschichte der Wissenschafben von um so grd- 
fserem Interesse, je mehr heute dergleichen Apparate beim Unter- 
richte und Experimentieren durch andere verdrangt sind, die 
theilweise zweckmafsiger, theilweise vollkommener, theilweise aber 
nach anderen Systemen angelegt sind, so dafs schon fur mehrere 
jener Gegenstande die Angabe ihrer Bestimmung schwierig wird. 

Auch auf das Munzgeschenk des Herrn Eeuchen machen vfir 
besonders aufmerksam. 

Der grofse Anklang, den unsere Durerausstellung im vorigen 
Fruhjahre gefanden, hat den Gedanken nahe gelegt, ahnliche Aus- 
stellungen ofter abzuhalten. Eine solche soil nun am 12. Mai die- 
ses Jahres erdffhet werden und bis zum 16. Juni dauern, und vor- 
zogsweise hervorragende Gegenstande des Eunstgewerbes vom 
13. — 17. Jahrh. umfassen. Se. Majestat der deutsche Kaiser, der 
Herzog von Sachsen-Eoburg-Gotha, der Furst von Hohenzollern- 
Sigmaringen, Graf Erbach-Erbach u. A. haben ihre Betheiligung 
durch kostbare und glanzende Gegenstande zugesagt. Gleichzeitig 
mit der Eroffhung derselben, am 12. Mai d. J., soil die feierliche 
Grondsteinlegung zur Uebertragung des Augustinerklosters vor 
rich gehen, sowie die Eroffhung zweier im Laufe des Fruhjahres 
neu fur das Museum hergestellter Sale, in deren einem eben jene 
Auastellung stattffnden wird. 

Zu den Eosten der Uebertragung des Augustinerklosters hat 
neuerdings Herr Privatier Daumer dahier 25 fl. gespendet. 

Seit Yeroffentlichung des letzten Yerzeichnisses wurden fol- 
gende neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Yon Stmdtgemeinden s Crailsheim 3fl. Gleesen 5fl. Giel- 
Witz 5fl. 50 kr. Soest 8 41. 45 kr. ZQIIIchau 5fl. 15 kr. 

Yon PriTaten t Alsenz (Pfalz). Eappesser, Pfarrer, 1 fl. A*e- 
lage (Hannover). Busch sen. 1 fl. 45 kr. Bonn. Dr. Brassert, k. Berg- 
bauptmann, 1 fl. 45 kr., Baron Taets von Amerongen 1 fl. 45 kr. 
Erlaogen. P- Fritsch, Rechtaanwaltswittwe, 1 fl., Hegel, Gymnasiast, 
lfl., Zenker, Professor, lfl. 45 kr. Glessen. Lips, Mitprediger, 



lfl., Noll, Rentner, lfl. 45 kr. Hamburg. J. Arnthal 3fl. 30 kr., 
A. C. Buschmann 10 fl. 30 kr., Dr. de Chapeaurouge, Obergerichts- 
rath, 8fl. 45 kr., Dr. R. H. Ferber lfl. 45 kr., Ad. Godeffroy 7fl., 
Dr. H. Gries 8fl. 45 kr., E. Gufsefeld 7fl., Dr. W. Hiibbe lfl. 
45 kr., Ferd. Jacobson 7 fl., E. Johns, Senator, 7 fl., Dr. A. H. Kel- 
linghusen 10 fl., Kiefsling, Professor, 3fl. 30 kr. , Dr. A. Lappen- 
berg 3fl. 30 kr., D. Lippert 8fl. 45 kr., J. F. Martens 10 fl. 30 kr., 
Dr. O. Matsen 3fl. 30 kr., A. O. Meyer 17 fl. 30 kr., F. Max Meyer 
5fl. 15 kr., J. E. Paul 7fl., J. F. Richter 8fl. 45 kr., H. Roosen 
14 fl., Dr. F. G. Ruhle 3fl. 30 kr., C. F. G. Scheifele 3fl. 30 kr., 
G. T. Siemfcen 17 fl. 30 kr. (zahlt schon seit 1868), Dr. R. Sillem 
8fl. 45 kr. (seit zahlt 1871), Stanley Booth 3fl. 30 kr., Dr.A.Stock- 
fleth 3fl. 30 kr., A. Tesdorpf, Senator, 8fl. 45 kr., Dr. A. Theo- 
bald 3fl. 30 kr., Dr. G. L. Ulex 7fl., Dr. J. F. Voigt 3fl. 30 kr., 
J. R. Warburg 3fl. 30 kr., S. R. Warburg 3fl. 30 kr., Sigm. War- 
burg 3 fl. 30 kr., N. D. Wichmann 7 fl., C. Woermann 17 fl. 30 kr., 
A. N. Zacharias 8fl. 45 kr. Kronach. Glaser, Bez.-Ger. -Assessor, 

1 fl. Krumbach. Dr. Striedinger, Notar, 1 fl. 30 kr. Mleete. A. M. 
Hildebrandt, Heraldiker, 1 fl. 45 kr. NQmberg. A. Bierhals, Condi- 
tor, 1 fl. 30 kr., J. Gg. Teichmann, Giirtlermeister, 1 fl. 45 kr. Wlen. 
Franz Klinger, Redakteur d. Zeitschr. d. allg. osterr. Apotheker- 
Vereins, 1 fl. 10 kr. , Dr. L. Chr. Pratorius , prakt. Arzt u. Chef- 
Redakteur d. mediz.-chimr. Centralblattes, 2 fl. 20 kr. Zeitz. Nebe, 
Rechtsanwalt, lfl. 45 kr. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Yon PriTaten s Hamburg. Johannes Bade 43 fl. 45 kr. , A. G. 
Buschmann 10 fl. 30 kr., Dr. H. Gries 43 fl. 45 kr., Dr. H. Kelling- 
husen, Burgermeister, 87 fl. 30 kr., Franz Kustermann 17 fl. 30 kr., 
Dr. Alfr. Lappenberg 43 fl. 45 kr., D. Lippert 8 fl. 45 kr., Arnold 
Otto Meyer 43fl.45kr. ? Dr. J. G. Monckeberg 8fl. 45 kr., die Kin- 
der des verstorb. Herrn Professors Petersen 5 fl. 15 kr., Dr. D. W. 
Reye 7fl., B. C. Roosen, Pastor, 26 fl. 15 kr., G. L. Ulex 17 fl. 
30 kr., Dr. J. F. Voigt 17 fl. 30 kr., Otto Westphal 87 fl. 30 kr. 
Wien. Ferd* Kwisda, Apotheker zum heiL Markus, 4fl. 29'/tkr. 

Zur BankMie s NQmberg. Earl Daumer, Privatier, 25 fl. 

Unsern Sammlungen giengen ferner nachstehende Geschenke zu: 

I. Fur die kunst- und kulturgeschichtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6535—6574.) 
Braekenhein. Dr. Julius Meeh, prakt. Arzt: Silbermedaille 
auf die Wahl Kaiser Karl's VI., 1711. — CharlottenhQtte. Ascan 
Conrad: Bischofl. Silbermiinze vom 13. Jhdt. — GanglofT. Scha- 
f e r , Pfarrer : Sogen. Handleinspfennig. — Gumpoldakirchen. T h e o d. 
Hoppe, Rechnungsrevident : Silbermiinze des Dogen Peter Lando. 

2 Bleimedaillen vom 18. Jahrh. 2 Lacksiegel. — Lorch. A. Keu- 
chen: Keltische Silbermiinze. Silbermunze des Julius Crispus. 
Silbermiinze Konig Earl's des Dicken (?). Silbermflnze Konig Wil- 
helm's von Holland. Bischofl. Miinze vom 12. Jhdt. Arabische 
Silbermunze. 2 Deutschherrenmunzen vom 14. Jhdt. Ganze und 
halbe Turnose des Konigs Philipp von Frankreich. Mainzer Gold- 
gulden vom 14. Jhdt. Bayerischer Goldgulden vom 15. Jhdt. 
Mainzer Goldgulden von 1658. Desgl. von 1795. 30 grofsere und 
310 kleinere Silbermonzen vom 15. — 18. Jhdt. 39 Doppelthaler, 
Thaler und Gulden vom 17. — 19. Jhdt 28 seltene kleinere Miin- 
zen der Neuzeit. 10 Eronungsmunzen, Eerzendreier u. dgl. 15 
franzosische und ungarische Assignaten. — MOnchen. Oscar Rei- 
chenbach: Eemptener Silbermunze von 1522. — Neuatadt Bur- 
ger: Wormser Silbermunze von 1614. — NQmberg. Mo riz Din- 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



132 



kelsbiihler, Banquier: Frankfurter Thaler vom Jahre 1796. 
J. Eberhardt, Professor der Kunst-Gewerbschule: Photogra- 
phic nach den Malereien eines Altars. Frl. Maria Froer: 
2 Oelmalereien auf Glas in Rembrandt's Weise, 18. Jhdt. Gei- 
ger's Verlagshandlung : 138 Probedrucke aus HeidelofPs Ornamen- 
tik. Hauser, kgl. Bauamtmann: Sechsfacher Thaler des Her- 
zogs Georg von Braunschweig-Luneburg. Fr. Kunst, Privatier: 
2 in Wassermalerei ausgefuhrte Quodlibets vom 18. Jhdt. Orth, 
Kaufmann : 30 Kupferstichevom 18. Jhdt. : Trachtenbilder, Schreib- 
vorschriften u. s. w. Bucheinband von 1616. S. Pickert, An- 
tiquar: 2 Muster von Seidenstoffen des 17. u. 18. Jhdts. Dr. med. 
Zehler: Bronzemedaille auf die silberne Hochzeitsfeier des Prin- 
zen und der Prinzessin von Preufsen, 1854. Zinnjeton auf die 
Munchener Industrieausstellung von 1854. Desgl. auf das Ammer- 

riuer Passionsspiel, 1860. — Rudolstadt. Se. Durchlaucht 
urst Georg von Schwarzburg-Rudolstadt: Kanone mit 
Bronzerohr, von 1536. — Sondershausen. Se. Durchlaucht 
Furst Giinther von Schwarzburg-Sondershausen: 3 
kleine eiserne Geschiitzrohre nebst Lafetten. — Wien. K. K. Kriegs- 
ministerium: Reprasentanten der fOnf im Laufe der letzten 
Jahrzehende in Oesterreich gebrauchlich gewesenen Gewehrsysteme, 
nebst Munition. 

H Fiir die Bibliothek. 

(Nr. 28,089—28,129.) 
Berlin. Gesellschaft fur Musikforschung: Dies., Mo- 
natshefte; IV. Jahrg., 1—4. 1872. 8. Mitscher u. Rostell, 
Verlagshandl. : Hildebrandt, heraldisches Musterbuch ; Liefer. 1. 
1872. 4. Dr. Fr. Oetker: Ders., d. Sprachen- und Rassenstreit 
in Belgien. 8. Sonderabdr. — Bonn. Rich. Pick, Gerichtsasses- 
sor : Ders., ein altes Lagerbuch der Stadt Bonn. 1870. 8. — Bil- 
Okeburg. Direktion des Gymnasiums: Fuchs, Hermann's von 
Lerbeck Schaumburgische Chronik. 1872. 4. — Dombach (Nassau). 
A. Muth: Ders., Waldblumen. Lieder. 1872. 8. — Donaueschin- 
gen. Dr. Sigm. Riezler, fttrstl. Fiirstenb. Archivar: Ders., Graf 
Friedrichll. v. Furstenberg. 1872. 8. Sonderabdr. Ders., eine ge- 
heime Gesellschaft am Hofe Max III. Josef v. Bayern. 1871. 8. 
Sonderabdr. — Dresden. Dr. Karl von Weber, Ministerialrath, 
Direktor des Haupt-Staatsarchivs : Archiv far d. sachs. Geschichte; 
lO.Bnd. 1871. 8. — Eisleben. Christlicher Verein im nordl. 
Deutschland: Westermeier, Geschichte der christlichen Kirche; 
Bnd. 1—7., 3. (2.) Aufl. 1854—63. 8. Jahn, Geschichte der franz. 
Revolution; 4. Aufl. 1865. 8. Jahn, d. deutschen Freiheits-Kriege 
von 1813—1815 ; 5. Aufl. 1868. 8. Jahn, Kamerad Hechel ; 4. Aufl. 
1870. 8. Ledderhose, d. siebenjahrige Krieg; 2. Aufl. 1870. 8. 
Ledderhose, Herzog Christoph v. Wurtemberg. 1866. 8. Hilbner, 
Lebensbeschreibungen frommer Manner aus alien Stand en ; 2 Thle. 
1870. 8. Bafsler, Geschichte von Kaiser Otto d. Gr. 1871. 8. — 
Erlangen. Ferd. Enke, Verlagshandl.: Zulzer, ein Beitrag zur 
Geschichte der Gefangnifssysteme. 1871. 8. Dr. R. v. Raumer, 



Univers.-Prof. : Ders., ein neuer Versuch, die deutsche Rechtschrei- 
bung umzugestalten. 8. Sonderabz. — Freiburg i. Br. Kirch I. 
histor. Verein etc.: Ders., Freiburger Diocesan -Archiv ; Bd.IV, 
1. 2. V. 1869 u. 70. 8. — Hamburg. Dr. J. F. Voigt: Ders., Ge- 
schichtliche8 fiber die Entwicklung des Schulwesens in den Ham- 
burgischen Marschlanden. 1872. 8. — Hanau. Bezirksverein f. 
he 8s. Gesch. u. La n desk. : Schoffer, Vortrag iiber d. Geschichte 
der Stadt Gelnhausen. 1871. 8. — Innsbruck. Wagner'sche Uni- 
vers.-Buchh. : Hagen, Dichtungen in alemann. Mundart aus Vor- 
arlberg. 1872. 8. — Luxemburg. Section historique de l'ln- 
stitutLuxembourgeois: Dies., Publications etc. ; vol. XXVI. 
(IV). 1871. 4. — Mainz. Friedr. Schneider, Domprabendat : 
Ders., uber d. Steinmetzzeichen u. insbes. die des Mainzer Domes. 
1872. 4. — MGnchen. Friedr. Hector Graf Hundt: Ders., d. 
antiken Mflnzen des histor. Vereines v. u. f. Oberbayern. 1871. 8. 

— Nachod. A. Freih. von Weyhe-Eimke: A son Exc Octave 
Piccolomini d' A r rag on etc. 1 Bl. 2. (1650.) — N Urn berg. H. Ball- 
horn, Verlagshandl. : Nurnbergischer Hausschatz ; 1. Bdchn. 1872. 
8. — Paris. H. Gaidoz: Revue celtique; Nr. 2. 1871. 8. — Ro- 
8tock. Direktorium der gr. Stadtschule: Vollheim, le vaude- 
ville compare avec la comeaie. 1872. 4. Stundenplan etc. 1871 u. 
1871—72. Herrn Friedr. Karl Wendt etc. 1871. 2. — Straasburg. 
Friedr. W. Bergmann, Professor: Ders., sprachliche Studien; 
dritte Serie. 1872. 8. C. F. Schmidt's Univers.-Buchh. (Fr. 
Bull) : Strofcel , d. Munster in Strafsburg. 1871. 8. Goethe, poei- 
tiones juris etc. 1771. 4. (Neuer Abdruck.) Die Neugrundung der 
Strafsburger Bibliothek u. d. Gothe-Feier, 9. Aug. 1871. 1871. 8. 

— Stuttgart E. Schweizerbart'sche Verlagshandl. (E. Koch): 
Darwin, d. Abstammung des Menschen ; Bnd. 2, 2. 1872. 8. — T8- 
blngen. Dr. A. v. Keller, Univers.-Prof.: Ders., altdeutsche Hand- 
schrifben; 8. 1872. 8. — Wernlgerode. Ha rz -Verein f. Gesch. 
u. A ltert hums kunde: Ders., Zeitschrift etc; Jhg. IV, 8. 4. 
1871. 8. — Wlen. Gesellschaft zur Forderung derKunst- 
gewerbschule des osterr. Museums: Dies., Jahres-Bericht; 
1871. 1872. 8. Numismatische Gesellschaft: Dies., Jahres- 
bericht, 1870 u. 1871. 1872. 8. 

m. Fur das Arohiv. 

(Nr. 4248 — 4250.) 
Gumpoldskirchen (Niederosterreich). Th. Hoppe, Rechnungs- 
revident : Bescheinigungen aus Modling, Gumpoldskirchen und La- 
xenburg iiber die Einzahlung des schuldigen Bergrechts. 1664. 
Akten. — Volkach. Dr. GregorSchmitt, praktischer Arzt : Ab- 
lafsbrief der Bischofe von Sabina, Porto und Praneste etc. an die 
Filialkirche Somerach in der Kirchgeraeinde Gerolzhofen far alle 
diejenigen, welche zu bestimmten Stunden ihre Andacht daselbst 
verrichten. 1498. Perg. Geburtsbriefe von Schultheifs, Biirger- 
meister und Gericht des wurzburgiechen Fleckens Koller for Jo- 
hann und Michael Sorger, als des weil. Georg Sorger, gewesenen 
Schultheif8en zu Koller, ehelich hinterlassenen Sohne. 1700. Pgm. 



Chronik der hlstorlschen V erelne. 



Verhandlungen der gelehrten estnischen Gesell- 
schaft zu Dorpat. Sechster Band. — 3. u. 4. Heft. Siebenter 
Band. — 1. Heft. Dorpat, 1871. 8. 

Das vaterlandische Museum zu Dorpat oder die Sammlungen 
der gelehrten estnischen Gesellschaft und des Central - Museums 
vaterlandischer Alterthumer der kaiserlichen Universitat zu Dor- 
pat, beschrieben von H. E. Hartmann. (Mit 20 lithogr. Taf., 1 
Karte und vielen in den Text gedruckten Holzschnitten.) — Zur 
Kenntnifs der in Liv-, Est-, Kurland und einigen Nachbargegen- 
den aufgefundene Steinwerkzeuge heidnischer Vorzeit. Von Prof. 
C. Grewingk. — Ehatnische Dialekte und ehstnische Schrifbsprache. 



Von Dr. Ferd. Wiedemann in St. Petersburg. — Archaologische 
Spane. Von Prof. A. Kofljarewski. 

Sitzungsberichte derselben Gesellschaft. 1870. Dorpat, 
1871. 8. 

Bidrag till kannedom af Finlands natur och folk, 
utgifna af Finska Vetenskaps-Societeten. Sjuttonde Haf- 
tet. Helsingfors, 1871. 8. 

Granskning af Originalkonceptet till Jesper Mattsson Krus' 
forteckning ofver Finska Adelns gods ar 1618, af Wilh. Lagus. — 
Forteckning ofver anonym e fbrfattare i aldre argingar af Abo 
Tidningar, af Wilh. Lagus. 



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133 



Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit 



134 



Ofversigt af Finska Vetenskaps-Societetens For- 
htndlingar. XIII. 1870—1871. Helsingfors, tryckt hoa J. Si- 
melii arfvingar, 1871. 8. 

Acta Societatis Scientiarum Fennicae. Tomna IX. 
Helsingforsiae, 1871. 4. 

Let generaux de Louis XIV. en Languedoc (1702—4). Docu- 
ments inedite et recherches pour servir a I'histoire de quelques 
episodes de la guerre dea Camisards, publics par 6. Frosterus. 

Drie-en-veertigste Verslag der Handelingen van het 
Friesch Genootschap vanGeschied-, Oudheid- en Taal- 
kunde te Leeuwarden over het jaar 1870—1871. Leeuwar- 
den. 8. 

Ueber eine uralte firiesische Handschrift. 

Tweede Vervolg op den Catalogue der Bibliothek van 
het Friesch Genootschap eta Leeuwarden, H. Kuipers. 1871. 8. 

Friesche Oudheden. Afbeeldingen van merkwaardige voor- 
werpen van wetenschap en kunst, gevonden in de archieven, ker- 
ken, kasteelen, terpen enz. van Friesland. Namens het Friesch 
Genootschap etc afgebeeld en historisch toegelicht. Tweede Afle- 
vering. Leeuwarden, H. Kuipers, 1871. 2. 

Handelingen en Mededeelingen van deMaatschap- 
pij der Nederlandsche Letterkunde, te Leiden, over 
het Jaar 1871. Leiden, E. J. Brill. 1871. 8. 

De Hollandses e Leidsche Courant, door Mr. W. P. Sautijn 
Huit — Het Trekpad van Leiden naar Utrecht over Woerden 
door Jhr. W. J. G. Bammelman Elsevier. — Jets over twee Mid- 
delnederlandsche Fragmenten door Dr. Eelko Verwijs. 

Levensberichten der afgestorvene Medeleden van de Maat- 
schappij der Nederl. Letterk. Leiden, E. J. Brill. 1871. 8. 

Alphabetische Lijst der Ledexr van de Maatschappij 
etc Leiden, 1871. 8. 

Verslag van het Verhandelde in de Algemeene Ver- 
gsdering van het Provinciaal Utrechtsche Genoot- 
schap van Kunsten en Wetenschapen, gehouden den 28. 
Juni 1870 en 27. Juni 1871. Utrecht, C. van der Post jr. 1870. 
1871. 8. 

Eroniek van het Historisch Genootschap, geves- 
tigd te Utrecht Zes en twintigste Jaargang, 1870. Zesde Se- 
rie. Eerste Deel. Utrecht, Kemink en Zoon. 1871. 8. 

(Yon den zahlreichen Mittheilungen dieses Bandes konnen hier 
nnr die umfangreicheren namhaft gemacht werden.) Gezantschaps- 
verhaal van Walraven van Brederode, Cornelia van der Mijle en 
Jacques de Maldere, naar Frankrijk. 1610. — Zur Geschichte von 
Nimwegen, 1617 (4 Beitrage). — Debat van de Staten van Hol- 
land tegen de deduction van het Hof van Holland. 1617. — Het 
Geuzen-Liedboek. — Stukken betreffende de militie, 1616 — 26. — 
Vervolging van de Remonstranten in Land en Stad van Utrecht, 
1619 enz. — Eenige aanteekeningen wegens het gebeurde te Ut- 
recht in 1786 en 1787. — Stukken rakende de stoutigheden der 
Remonstranten in 1626. — Een Reiejournaal uit de zeventiende 
eeuw naar het Heilige Land. 

Werken van het Histor. Genootschap. Nieuwe Serie Nr. 13. 
Memorials and Times of Peter Philip Juriaan Quint Ondaatje. 
Bij Mrs. C. M. Davies. 1870. 8. XXXVHI u. 276 Stn. (Mit Portr.) 
Nr. 14. Verhooren en andere Bescheiden betreffende het 
Recht8geding van Hugo de Groot. Uitgegeven door R. Fruin. 
1871. Xn u. 368 Stn. 



Nr. 15. Brieven en onuitgegeven Stukken van Johannes Wten- 
bogaert. Verzameld en met aanteekeningen uitgegeven door H. 
C. Rogge. Tweede deel. Tweede afdeeliug. 1621—1626. 1871. 
440 Stn. 

Nr. 16. Memorien en Adviezen van Cornelia Pieterszoon 
Hooft. 1871. VUI u. 384 Stn. 

Koninklijk oudheidkundig Genootschap te Am- 
sterdam. Jaarverslaginde dertiende algemeene vergadering 
op maandag 8 Mei 1871. Amsterdam. 8. 

Verslagen en Mededeelingen der Koninklijke Aka- 
demie vanWetenschappen. Afdeeling Letterkunde. Tweede 
Reeks. Eerste Deel. Amsterdam, C. G. van der Post. 1871. 8. 

Gewijde draagpenningen. Bijdrage van G. Leemans. — Pen- 
ningplaten met het omschrift : abstrusam tenebris tempus me edu- 
cit in auras. Door C. Leemans. — Over den grond der achter- 
docht tegen hertog Lodewijk Ernst van Brunswijk Wolfenbuttel, 
tusschen 1749 en 1784 in den dienst der Vereenigde Nederlanden. 
Bijdrage van W. G. Brill. — De Nicolai Heinsii Poematum nova 
et ipsius poetae manu correcta editione procuranda, disputavit 
J. C. G. Boot. — Over een oude kano bij Nijeveen, Pro v. Drenthe, 
en over oude vaartuigen in andere landen ontdekt. Mededeeling 
van C. Leemans. 

Verhandelingen der K. Akademie vanWetenschappen. Af- 
deeling Letterkunde. Zesde Deel. Amsterdam, G. G. van der 
Post. 1871. 4. 

De anfang en de slichte clage umme varende have, naar het 
oud-saksische recht (met een aanhangsel over de actien om roe- 
rend good naar het oud-hollandsche recht). Door J. A. Fruin. 

Annalen van den Oudheidskundigen Kring van het 
Land van Waas. Vierde Deel. Derde Aflevering. December, 
1871. St. Nikolaas. 8. 

Yerein8angelegenheiten. — Hommage des membres du Con- 
gres de geographic a la memoire des geographes beiges Abraham 
Ortelius et Gerard Mercator. — Oud vlaamsche leenen gelegen 
binnen den lande van Waas (vervolg.) — Cimetiere Celto- ou Ger- 
mano-Belge a Saint-Gilles (avec une Planche). — De Pest te Sint 
Pauwels in 1557. — Daniel Braem, Waarsche kronijkschrijver. 

Bulletins de I'Academie Royale des sciences, des 
lettres et des beaux-arts de Belgique. Trente-neuvieme 
Annee. — 2™ Serie, T. XXIX. Bruxelles, 1870. 8. 

Fouilles d'Elewyt: un anneau antique trouve a Becquevoort, 
notice par M. L. Galesloot. — L'empereur Joseph ET. et l'archi- 
duchesse Christine d'Autriche, par M. Th. Juste. — Jeanne la 
Folle et S. Francois de Borja, notice par M. Gachard. — Lea der- 
niers moments de Jeanne la Folle, notice par le meme. — Rap- 
ports de MM. Thoni88en, le baron Eervyn de Lettenhove et Borg- 
net sur le memoire de concours concernant l'etablissement de co- 
lonies beiges en Hongrie et en Transylvanie aux Xn« et XIH* si- 
ecle8. — Notice historique sur Tancienne abbaye du Nouveau-Bois, 
a Gand, par M. de Smet. — Aper^u de la feodalite, discours par 
M. Defacqz. — De Eerels van Vlaanderen, par M. H. Conscience. 
— Jeanne la Folle et Charles-Quint. 

T. XXX. Rapports de MM. de Man, Balat et Ed. Fetis sur 
le memoire de concours intitule : fitude de rinfluence italienne sur 
rarchitecture dans les Pays-Bas. — Hebberechts-Godshuis , gewon- 
lijk Schreiboom genaamd, par M. F. de Potter. — Marie de Bra- 



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135 



Anzeiger for Eunde der deutschen Vorzeit. 



136 



bant, duchesse de Baviere (1256), notice (1" partie), par M. E. 
de Borchgrave. 

Compte rendu des seances de la CommissionRoyale 
d'Histoire, on recueil de ses bulletins. Troisieme Serie. 
Tome douzieme. — I« a IH»8 bulletin. Bruxelles, 1870. 8. 

Inventaire des vaisselles, joyaux, tapisseries, peintures, livres, 
nianuscrits, etc de Marguerite d'Autriche, regente et gouvernante 
des Pays-Bas, dresse en son palais de Malines le 9. juillet 1523. 
(Communique par M. Michelant.) — Envoi, par M. Devillers, de 
Documents sur les conquetes de don Juan d'Autriche et sur ses par- 
tisans dans le Hainaut en 1578. — Analectes historiques, 16 e serie. 
(Par M. Gachard.) 

Memoires couronnes et memoires des savants 
etrangers, publics par l'Academie . . . de Belgique. Tome XXXV. 
— 1870. Tome XXXVI. — 1871. Bruxelles, 1870 et 1871. 4. 

Memoire en reponse a la question du concours pour 1868 : 
Faire l'histoire de la gravure des medailles en Belgique de- 
puis le XVIe siecle jusqu'en 1794, par M. Alexandre Pinchart. — 
Memoire en reponse a la question du concours pour 1869 : Faire 
l'histoire du droit penal dans le duche de Brabant, depuis l'ave- 
nement de Charles - Quint jusqu'a la reunion de la Belgique a la 
France, a la fin du XVIII® siecle, par M. Edmond Poullet. — Hi- 
stoire des rapports de droit public qui existerent entre les pro- 
vinces beiges et l'empire d'Allemagne depuis le demembrement 
de la monarchie carolingienne jusqu'a Tincorporation de la Bel- 
gique a la Republique francaise ; par M. iSmile de Borchgrave. — 
Essai historique sur les colonies beiges qui s'etablirent en Hon- 
grie et en Transylvanie pendant les onzieme, douzieme et trei- 
zieme siecles, par le meme. 

Annuaire de l'Academie . . . de Belgique. 1871. Trente- 
septieme Annee. Bruxelles, 1871. 8. 

Bulletin Monumental ou collection de memoires sur les 
monuments historiques de France, public* sous les auspices de la 
Societe frangaise d' archeologie pour la conservation 
et la description des monuments nationaux, et dirige 
par M. de Caumont. 4. SSrie, Tome 8, 38. Vol. de la Collection. 
Nr. 4. Paris et Caen, 1872. 8. 

Compte des recettes et depenses de la fabrique de la paroisse 
de Ligre, par M. de Cougny. — fipigraphie campanaire de l'arron- 
dissement de Coutances (Manche), par M. Renault. 

Elfter Bericht des antiquarisch-historischen Ver- 
eins far Nahe und Hunsriicken, iiber die Zeit vom Herbst 
1869 bis Herbst 1871. Kreuznach. 8. 

Neuer antiquarischer Fund auf der Heidenmauer bei Kreuz- 
nach. — Antiquarischer Fund in Bingerbriick. — Ueber das Mi- 
thrasdenkmal bei Schwarzerden. — Kreuznach vor sechzig Jahren. 

Beitrage zur Geschichte der Furstenthumer Wal- 
deck und Pyrmont. Im Namen des waldeckischen hist. 
Vereins herausgegeben von A. Hahn. Dritten Bandes zweites 
Heft. Arolsen, 1871. 8. 

Die Hausinschriften im Fiirstenthum Waldeck. (Forts.) Von 
Oswald Curtze. — Regesten zur Geschichte der Herren von Padt- 
berg. Von Dr. J. S. Seibertz zu Arnsberg. — Neuere Waldeckische 
Regentengeschichte. Von J. A. Th. L. Varnhagen. 

Z eitschrift des Architecten- und Ingenieur-Ver- 
eins zu Hannover. Band XVII. Heft 4. (Jahrg. 1871.) Han- 
nover. Schmorl & von Seefeld. 1869. 2. 



Grabmal von Luneburg. Von C. W. Hase. 

Archiv des Vereins fur Geschichte und Alterthu- 
mer der Herzogthumer Bremen und Verden und des 
Landes Hadeln zu Stade. Herausg. im Auftrage des Aus- 
schusses von Dr. Schluter u. A. 4. 1871. Stade. 8. 

Vereinsangelegenheiten. — Geschichte der Stadt Stade. (Forts.). 
Stanislaus Lescinsky in Poramern 1709 — 11. Von Dr. E. Schluter. 

— Die letzte Nonne in Neukloster und ihr Pater. Mitg. von 
dems. — Hexenprocesse im Bremenschen. Mitg. von W. H. Jobel- 
mann. — Urkunden, den Caland in der Stadt Stade betreffend. 
Mitg. von dems. — Ein Landzwinger (1550). Mitg. von dems. 

— Kleinere Mittheilungen. 

XXXII. Bericht der Schleswig-Hole tein-Lauenbur- 
gischen Gesellschaft fur die Sammlung undErhaltung 
vaterlandischer Alterthiimer. 1872. Kiel, 1872. 4. 

Vorgeschichtliche Steindenkmaler in Schleswig-Holstein. Mit 
5 lithographierten Tafeln. 

Zeitschrift der Gesellschaft fur die Geschichte 
der Herzogthumer Schleswig, Holstein und Lauen- 
burg. Zweiter Band. Kiel, 1872. 8. 

Uebersicht der territorialen und staatsrechtlichen Entwickelung 
Nordalbingiens. Von Rud. UBinger. — Wariner und Wagrier. 
Von dems. — Antiquarische Miscellen. — Verzeichnifs der durch 
die Verfflgung vom 5. Februar 1811 und sonst sichergestellten Al- 
terthumsdenkmaler in Schleswig-Holstein und deren amtlicher Be- 
fund im Jahr 1870. Von H. Handelmann. — Beitrage zur Adels- 
geschichte. Die Familie Rantzau. (Mit 4 genealog. Tafeln.) Von 
Pras. v. Stemann. — Bemerkungen fiber das alte Weichbild der 
Stadt Kiel und deren Recht am Kieler Hafen. Von O.-A.-G.-Rath 
Burchardi. — Eine Tortur, vollzogen zu Flensburg 1767. Von 
Dr. A. Wolff. — Zur Quellen-Literatur fur Schleswig-Holsteinische 
Geschichte. Von Rud. Usinger. — BUeinere Mittheilungen. — 
Vereinsangelegenheiten. 

Register iiber die Zeitschriften und Sammelwerke 
fur Schle8w.-Holst.-Lauenburg. Geschichte. Im Auf- 
trage der vorgenannten Gesellschaft angefertigt von Dr. Eduard 
Alberti. Erstes Heft. Kiel, 1872. 8. 288 Stn. 

In der am 27. Februar stattgefundenen Versammlung des 
Vereins fur Geschichte und Alterthumskunde zu Er- 
furt hielt-Dr. phil. Posse einen Vortrag iiber die thuringischen 
Sagen, namentlich diejenigen, welche in die altere thuringische 
Geschichte sich eindrangten und lange Zeit selbst fur Geschichte 
galten. — In der Versammlung vom 13. Marz trug Dr. Rudolphi 
eine Abhandlung uber Ernst Kaspar Stieler den Spaten vor, die 
seitdem als Gymnasialprogramm gedruckt erschienen ist. — Stadt- 
rath Herrmann sprach das tiefe Bedauern aus, welches alle Freunde 
Erfurtischer Alterthiimer fiber die so plotzliche Zerstorung des 
Hauptgebaudes des evangelischen Waisenhauses empfinden, in wel- 
chem so werthvolle Erinnerungen an 'Luther,* wie auch der grofste 
Theil des historischen Museums zu Grunde gegangen sind. 

Archiv der Gesellschaft fur altere deutsche Ge- 
schichtskunde. Herausgeg. von G. H. Pertz. Zwolfter Band. 
Erstes und zweites Heft. Mit 5 Handschrift -Tafeln. Hannover. 
Hahn'sche Hofbuchhandlung. 1872. 8. 

Zur Ausgabe der Chronik Martins von Troppau, von Dr. Lud- 
wig Weiland. — Die Brauweiler Geschichtsquellen , von Dr. Her- 
mann Pabst. — Dr. Ludw. Bethmann's Berichte iiber die von ihm 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



138 



benutzten Sammlungen von Handschriften and Urkunden Italians, 
las dem Jahre 1854. 

Mittheilangen an die Mitglieder des Vereins far Ge- 
ichichte und Alterthumskunde in Frankfurt a. M. 
Vierter Band, Nr. 2. Ausgegeben im Mai 1871. Frankfurt. 8. 

Das Zeidelwesen im Mittelalter. Vpn Dr. Euler. — Zur Eh- 
renrettung Fr. Bohmer's und zur Feststellung des Datums einer 
wichtigen Urkunde. Von Dr. G. L. Kriegk. — Die Goldgrube im 
Taunus. Von Dr. Fr. ScharfT. — Ein Zeichen von verschiedener 
Bedeutung (Monogramm Christi aus Constantino Zeit). Von L. F. 
Finger. — Vom Zeitungswesen , insbesondere in Frankfurt a.M. 



Von Dr. Ludw. Braunfels. — Zur Charakteristik Johann Christian 
Senckenberg's. Von Dr. med. W. Strieker. — Ein Brand im mit- 
telalterlichen Frankfurt. Von demselben. — Der grofse Cbristen- 
bund zu Frankfurt am 26. u. 27. Juni 1719 imLichte der Cultur- 
geschichte. Von dems. — Zwei schwabische Reichsstadte. Von 
dems. — Eulturhistorische Skizzen aus dem Verkehrswesen. Von 
dems. — Ueber die Familie Borne's. — Ueber Johann David 
Sauerlander. — Die Eriegsleistungen der Stadt Frankfurt in den 
franzosischen Invasionskriegen von 1792—1843. Mitg. von Dr. A. 
H. E. v. Oven. — Ueber frankisches eheliches Giiterrecht (zur Li- 
teratur desselben). Von Dr. L. H. Euler. 



Nachrichten. 



Literatur. 

Neu erachienene Werke. 

8) Kurze Grammatik der altgermanischen Dialecte 
Gothisck, Althochdeutsch, Altsachsisch, Angel- 
sachsich, Altfriesisch, Altnordisch von Moritz 
Heyne. I. Teil: Laut- und Flexionslehre. Zweite verb. 
Aufl. Paderborn, Ferd. Schoningh. 1870. 8. X u. 354 Stn. 

Der Herr Verf. gibt uns hier in zweiter, mannigfach verbesser- 
ter und vermehrter Auflage seine im J. 1862 erschienene Gramma- 
tik der altesten germaciischen Sprachen. Die hauptsachlichste 
Qrandlage seines Unternehmens bildet selbstverstandlich Grimm's 
Grammatik. Doch bietet der Herr Verf. keineswegs einen blofsen 
Auszug aus Grimm. Vielmehr hat er einerseits die Forschungen 
Bopp's und Anderer, durch welche so manche Lehre Grimm's eine 
Umgestaltung erfahren hat, fur seinen Zweck verwerthet, anderer- 
•eits hat er selbst auf mehreren der von ihm behandelten Gebiete 
eingehende selbstandige Studien gemacht. Man wird dies von 
dem verdienten Herausgeber des Ulfilas, der altniederdeutschen Denk- 
maler, des Beovulf nicht anders erwarten. Besonders dankens- 
werth ist die ausfahrliche Darstellung, welche der Herr Verf. dem 
Altfriesischen angedeihen lafst, und ebenso wird man sich freuen, 
einer besonderen Besprechung des Nordhumbrischen und des Fae- 
roischen zu begegnen. — In der Lautlehre hatte der Herr Verf. 
die Spirans f nicht mehr unter die Aspiraten rechnen soil en. Er 
rieht sich dadurch genothigt, die ganze Verwirrung, die auB dieser 
irrigen Grundannahme folgt, von neuem vorzutragen. Und wenn 
der Herr Verf. (S. 105) von den ahd. Labialen sagt : w Das streng- 
ahd. sollte der Media eigentlich ganz entraten, da fur dieselbe 
nach der Lautverschiebung kein Platz mehr often ist, 44 so mufs er 
bei den von ihm selbst entwickelten Ansichten der Frage gewar- 
tig sein : Ei, warum denn ? Warum geht denn nicht die anlautende 
gothische „Aspirata" f im Strengahd. in die Media b iiber, 
ganz so wie die anlautende gothische wirkliche Aspirata th in alt- 
hochdeutsches d ubergegangen ist? — In seiner Darstellung der 
gothischen Flexionen hatte der Herr Verf. (S. 247) nicht sagen sol- 
len, dafs es unter den Adjectiven keine i-Stamme gebe. Adjec- 
tiva , wie hrains , bruks u. s. f. , deren Femininum gleichfalls 
brains, briiks lautet, gehoren unverkennbar den i-Stammen an. — 
Die lang- oder mehrsylbigen gothischeniNeutralstamme auf -ja ha- 



ben nicht bios eis im Genetiv, wie es S. 239 heifst, sondern sie 
8chwanken zwischen eis und jis. — Das m der 1. plur. praes. und 
praet des Althochdeutschen beginnt sich nicht erst gegen Ende 
des 10. Jahrhunderts in n zu schwachen (S. 177), sondern bereits 
im 9. bei Otfried u. A. — Zu S. 184: der Infinitiv des ahd. seal 
heifst scolan. — Warum heifst es S. 190 altsachs. wundon, bulgon ? 
Hel. 12, 24 (Schraeller) lesen wir wundun. — Warum schreibt der 
Herr Verf. S. 284 den ags. Plur. Svaefas, Finnas, tyringas, wahrend 
er S. 279 fiscas, dagas schreibt ? — Endlich wollen wir noch einige 
sinnentstellende Druckfehler berichtigen, die man vor dem Ge- 
brauch des Buches zu verbessern gut thun wird. S. 40, Z. 8 von u. 
lies dadjo und dadeo. - 8. 42, Z. 25 1. we. — S. 44, Z. 17 1. 
offerimus. — S 51, Z. 7 von u. 1. jactum. — S. 54, Z. 7 von u. 1. 
lac. — S. 55, Z. 3 u. 4 von u. 1. magan, magon. — S. 56, Z. 2 
von u. 1. haitiK -— S. 58, Z. 2 lies: von kurzem u, und eb. £u. 

— S. 58, Z. 19 1. ftf. — S. 65, Z. 2 von u. 1. im Gegensatze. — 
S. 95, Z. 14 1. [xeydiog. — S. 102, Z. 8 von u. 1. Ubergegangen. 

— S. 109, Z. 4 1. im Anlaute. — S. 202, Z. 15 1. ceosan. — S. 202, 
Z. 20 1. cvidta. — S. 208, Z. 11 1. sin. — S. 220, Z. 6 von u. 1. 
videri. — S. 228, Z. 4 K.pectere. — S. 241, Z. 16 1. haimos. — 
S. 244, Z. 4 1. ra£jon. — 8. 248, Z. 8 L ferus. — S. 248, Z. 3 
von u. 1. aJUoyevrjg. — S. 250, Z. 8 von u. 1. hrainjam, hrainjom, 
hrainjam. Eb. Z. 4 von u. 1. hardjam, hardjom, hardjam. — 
S. 273, Z. 11 von u. 1. thristi, thrist'-erO. — S. 280, Z. 8 1. seien, 
und eb. Z. 14 1. langsiibig. — S. 333, Z. 12 von u. L Zahlverhalt- 
nis. — S. 337, Z. 12 1. fryr-a. — S. 343, Z. 9 1. ttsne , Hs, 
£is. — S. 344, Z. 15 1. fram himma nu. — S. 846, Z. 13 von u. 1. 
Der fries. Genetiv hvammes. — S. 352, Z. 14 von u. 1. uh. — 
S. 354, Z. 14 1. giof-ina. — Wir schliefsen mit dem Wunsche, 
dafs das reichhaltige und wohlgeordnete Buch recht vielen Freun- 
den unsrer alten Sprachen Nutzen bringen moge. R. v. R. 

9) Jacob Heller und Albrecht Diirer. Ein Beitrag zur 
Sitten- und Kunstgeschichte des alten Frankfurt am Main 
um 1500 von Otto Cornill. Mit zwei Abbildungen und vier 
in den Text eingedruckten Holzschnitten. (Neujahrs-Blatt 
des Vereins far Geschichte und Alterthumskunde zu Frank- 
furt am Main fur das Jahr 1871.) Frankfurt am Main. 4. 
Die vorliegende, hochst ansprechende Arbeit will das Anden- 
ken an den Frankfurter Patrizier und Kaufherrn Jacob Heller 
wieder neu beleben, da an dessen Namen sich die Entstehung der 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Yorzeit. 



140 



zwei schonsten Kunstwerke in Malerei und Bildhauerei kniipft, 
welche Frankfurt im Mittelalter schmuckten. £s ist allgemein be- 
kannt, dafs es dieser Jacob Heller war, welcher bei Albrecht Du- 
rer ernes seiner bedeutendsten Bilder bestellte, jene grofse Tafel 
einer Himmelfahrt und Kronung Maria nebst zwei Flugelbildern, 
welche einen Altar in der ehemaligen Klosterkirche der Domini- 
kaner zierten. Dttrer's Himmelfahrt war unstreitig eines seiner 
bedeutendsten Werke; 1613 wurde das Original dem Pfalzgrafen 
Max von Bayern „verehrt" und gieng leider bei dem Brande der 
Munchener Residenz 1674 zu Grunde. An dessen S telle war schon 
gleich eine Copie von Paulus Juvenel (geb. 15^9 zu Nurnberg, 
gest. 1643 zu Prefsburg) gesetzt worden, die noch in der Samm- 
lung des Stadel'schen Instituts erhalten ist. Dagegen sind, wie in 
obiger Schrift eingehend nachgewiesen wird, die Tafeln mit Aus- 
nahme einer einzigen, sieben an der Zahl, welche ehemals die 
Fliigel bildeten, alle gerettet und eben falls in der genannten 
Sammlung. Offenbar sind es jedoch Arbeiten, welche unter Bei- 
hilfe von Schiilern entstanden sind; gewichtige Grunde sprechen 
namentlich far die Mitwirkung von Matthaus Gerung ans Nord- 
lingen. 

Das zweite Kunstwerk, welches Jacob Heller stiftete, ist die 
grofse Crucifixgruppe auf dem Domkirchhofe , und auch in dieser 
Arbeit haben wir ein hervorragendes Kunstwerk aus jener Zeit 
vor uns. Dasselbe wurde nach der darauf befindlichen Stiftungs- 
urkunde 1509 von Jacob Heller und seiner Ehefrau Catharina von 
Mehlem gestiftet und durch den Mainzer Weihbischof Thomas Ru- 
scher am 17. August desselben Jahres feierlich geweiht und, was 
besonderes Interesse verdient, dabei eine Reihe von Reliquien da- 
rin eingeschlossen. Der Konstler dieses bedeutenden Werkes ist 
leider nicht bekannt. Nach einer gewissen Verwandtschaft mit 
einer ahnlichen Arbeit zu Wimpfen am Berge und einer anderen 
bei der St. Ignazkirche zu Mainz durfte es der frankischen Schule 
ent8tamraen. — Ueber Thomas Ruscher gibt ein gelehrter Excurs 
von Dr. J. Becker eine Anzahl biographischer Notizen, welchen 
die Abbildung von Ruscher's Siegel vorausgeschickt ist. 

Die liebevolle und eingehende Behandlung des Gegenstandes 
macht diese Abhandlung in der That zu einem erfreulichen Neu- 
jahrsgeschenke. F. S. 

10) Geschichte der deutschenW alder bis zumSchlusse 
des Mittelalter s. Ein Beitrag zur Culturgeschichte. 
Von C. H. Edmund Frhrn. von Berg, Dr. phil., kgL 
sachs. Oberforstrath a. D. u. s. w. Dresden, Verlag von 
G. Schonfeld's Verlagsbuchhandlung (C. A. Werner). 1871. 
8. 360 Stn. 

Eine Statistik des deutschen Waldes in altester Zeit, eine Ge- 
schichte unserer Walder und der Beginn der rationellen Forst- 
wirthschafb bilden den Inhalt dieses Buches, fur das ein 8toff von 
uberraschender Fulle zusammengetragen ist. Far den ersten Punkt 
werden die Angaben der romischen Schrifts teller aufgefflhrt und 
ausgeglichen , fur den zweiten unsere Rechtsalterthumer benutzt, 
deren Behandlung durch einen Fachmann von Seite ihrer prakti- 
schen Zwecke ein besonderes Interesse gewahrt Der Gegenstand 
der dritten Abtheilung wird als ein Ergebnifs der Noth dargestellt, 
an welches sich bedeutsame Winke fiir die Neuzeit naturgemafs 
anschliefsen. Die Reichhaltigkeit des behandelten Stoffes wird 
schon aus dessen Eintheilung ersichtlich, welche nicht weniger 



als dritthalbhundert, in acht Capitel zusammengefafste Unterabthei- 
lungen erforderlich macht Die Ausfuhrung ist von wohlthuender 
Warme, der hie und da ein Anetofs der Sprache kaum Abbruch 
thut. 

11) Der Hildesheimer antike Silberfund, seine ar- 
chaologische und artistischeBedeutung vonHein- 
rich Holzer. Hildesheim, Gerstenberg'sche Buchhand- 
lung. 1870. 8. 107 Stn. Mit 13 lithographierten Tafeln. 

Die iiber den Hildesheimer Silberfund zu Tage getretene Li- 
teratur war gewifs der Wichtigkeit desselben angemessen. Unter 
all den gelehrten Abhandlungen , die ausschliefslich die historische 
oder archaologische Seite des Gegenstandes in's Auge fafsten, fehlte 
es jedoch immer noch an einem Werke, welches die kunstlerische 
Bedeutung des Fundes eingehend gewiirdigt und diesen dadurch 
auch dem gebildeten Publikum zuganglich gemacht hatte, das doch 
schon durch eifrige Aufnahme der vielen plastischen Nachbildun- 
gen sein Interesse bekundet hatte. Diesem Mangel hilft gewifs 
in wiinschenswerthem Grade die oben angefuhrte Schrift ab, in- 
dem sie, auf wissenschaftlichem Grunde fufsend, mit dem nothi- 
gen technischen Apparat ausgeriistet, die Vollkoramenheiten der 
entdeckten Kleinode zergliedert und zu Gesammtgesichtspunkten, 
namentlich in Hinblick auf unsere neuern Kunstbestrebungen, ver- 
einigt. Die nach W. Boysens Zeichnung gefertigten Abbildungen 
unterstutzen diesen Zweck aufs beste. 



Auf8&Ue in Zeitschriften. 
Aus alien Welttheilen: 5. Heft, Febr. Aus zwei Jahrhunder- 

ten deutschen Gewerbelebens. (J. Ldwenberg.) — Die Deutschen 

in Sfldtirol und ihre Sagen. (Delitsch u. Zingerle.) 
Das Aus land: Nr. 13. S.294. Ueber Farbensinn in sprachhcher 

Entwickelung. — Nr. 14, S. 325. Zur Geschichte der Gefafse. II. 
Daheim: Nr. 26. Auf dem alten Judenkirchhof in Prag. — Nr. 

28. Aus alten Stadten. I. Goslar, die alte Eaiserstadt. (Mit 4 

lllustr.) 
Europa: Nr. 13. Das Reichskammergericht in Wetzlar. 1. 
Die Gartenlaube: Nr. 12. Die springenden Heiligen in Ech- 

ternach. 
Deutche Gemeindezeitung: Nr. 9f. (Beil.) Geschichte der 

Stadt Erlangen. 
Die Grenzboten: Nr. 14, S. 27. Der Streit urn die Echtheit 

von A. Diirer'8 Portrat-Kohlenzeichnungen. (R. Bergau.) 
Im neuen Reich: Nr. 10. Deutsche Geschichtschreiber im Re- 

formationszeitalter. (A. Horawitz.) 
Jahrbuch fiir roman. u. engl. Literatur: 12. Bd., 3. Heft. 

1871. Zu der altspanischen Erzahlung von Karl dem Gr. und 

seiner Gemahlin Sibille. (Reinh. Kohler.) 
Jahrbucher f. Deutsche Theologie: 17. Bd., l.Heft Ulrich 

Zwingli, von Ritschl. 
Der Katholik: Febr. Ludwig der Bayer und Papst Johann XXE. 
Protest ant. Kirchenzeitung: Nr. 5 u. 6. Die Contrarefor- 

mation in der zweibruckischen Herrschaft Guttenberg. 
Magazin f. die Literatur des Ausl. : Nr. 10, S. 123. Zur Ge- 
schichte des Berliner Zeitungswesens. n. Die Vossische u. die 

Spener'sche Zeitung. — Nr. 11, S. 133. IH. Die Preufeische Staats- 

zeitung. 



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HI 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



142 



Illustr. deutsche Monatshefte: Nr. 91 (187), 8. 28. Etwas 
fiber deutsche Vornamen. (Karl Braun.) — S. 80. Deutsche K6- 
niginnen. (S. Junghans.) 8. 79. Die beiden Hans Holbein. (Al- 
fred Woltmann.) — 8. 99. Zur Erinnerung an Gottfried August 
Burger. Briefe des Dichters und seiner Freunde. Zum ersten 
Male verdffentlicht yon Lionel yon Donop. 

The illustrated London News: Nr. 1698. Leaves from a 
Sketch-Book. Nuremberg. 

Organ f. christl. Kunst: Nr. 5. Ueber die Steinmetzzeichen 
und insbesondere die des Mainzer Doms. Von Frdr. Schneider. 

— Darstellungen der Passion in der yorconstantinischen Zeit. 
Von Dr. de Waal. — Nr. 6ff. Die romisch -christliche Cult-Ar- 
chitektur der ersten sechs Jahrhunderte yon Dr. J. Rockbauer. 

— Die Magnuskirche in Worms. 

Norddeutsches Protestantenblatt: Nr. 5 u. 6. Heliand, 
Krist u. christliche Sagen. (Joh. Marbach.) — Nr. 7 u. 8. Hut- 
ten's letzte Tage. 

Sehles. Provinzialblatter (Rubezahl): Jan., 8. 28 (u. 5.). 
(Schlesische) Volklieder. Mitg. von A. Knotel. — Febr., S. 59. 
Oenealogie der oberschlesischen Herzoge. Von Pfarrer A. Wel- 
tzel. — Holzkirchen (in Schlesien). 

Revue de l'architecture et de travaux publics: 28. Vol., 
p. 193. Confessional dans l'eglise Saint- Etienne a Toulouse. — 
P. 225. Deux maisons de Tepoque de Francois I. (Cesar Daly.) 

Der Schriftwart: Nr. 2ff. Ueber die Entstehung der Schrift 
(Lazar Geiger.) 

Sonntagsblatt (von Fr. Duncker): Nr. 6. Zur Geschichte des 
Pelzes. (F. v. Maskow.) — Nr. 9. Peter Vischer von Ntlrnberg, 
(C. Pietsch.) 

K, Preufs. Staatsanzeiger: Beil., Nr. 6. Zur Geschichte der 
Entwickelung des preufeischen Eisenbahnwesens. — Die Anfange 
der Buchdruckerkunst in der Mark Brandenburg. — Nr. 9. Zur 
Geschichte der kaufmannischen Borsen. — Nr. 10. Die Halle im 
deutschen Mittelalter. 1. — Nr. 11. Die altesten Standbilder 
einea Hohenzoller'schen Markgrafen von Brandenburg und sei- 
nes Bruders. — Strafoburger Gassen- und Hausernamen im Mit- 
telalter. — Nr. 12. Der deutsche Reichsadler. 

Die Deutsche Wacht: Nr. 11. Der Gasthof „Zum Riesen" zu 
Miltenberg. (Zur Erinnerung an Dr. Martin Luther.) 

Deutsche Warte: Heft 5. 6. Das Oberammergauer Passions- 
spiel. (Bruno Meyer). — 7. Das Nachleben der Kaiseridee bei 
dem deutschen Volke. Von Hans Prutz. 

Die illustrirte Welt: Nr. 17. In der Klosterruine Paulinzelle. 
(Ferd. Blothner.) 

Unsere Zeit: 7. Heft, 8. 479. Slawische Gauge durch die Lau- 
sitz. Von Richard Andree. II. Streifzuge durch Oberlausitzer 
Wendendorfer. 

Zeitschrift f. d. gesammte lutherische Theologie und 
Kirche: 2. Qu.-Heft. Die inneren Zustande der evang.-lutheri- 
schen Kirche zu Strafsburg zur Zeit Dr. Jos. Marbach's, 1552 
-1581. 2. (F. A. Ihme.) 

Allgem. Zeitung: Beil., Nr. 93. 95. Das Grabmal des Orlando 
di Lasso. (Dr. K. Th. Heigel.) — Nr. 96. Copernicus. — Nr. 
100. Theoderich der Grofse und Odovakar. (Felix Dahn.) 

Illustr. Zeitung: Nr. 1500. Aus dem neuen deutschen Reichs- 



land. Die romischen Wasserleitungen in der Umgebung von 
Gorze. 



Yermlschte Nachrichten. 

3d) In der ehemaligen Abteikirche zu Seligenstadt wurde 
aus Anlafs der Versetzung aus dem Chore in das s. g. Archiv am 
12. Marz d. J. die colossal e Marmortumba eroffnet, welche nach 
der constanten Tradition die Gebeine Ein hard's, des Stifters der 
Abtei, sowie seiner Gemahlin Imma enthalt. Dieser Akt fand in 
formlicher Weise in Gegenwart der geistlichen und weltlichen Be- 
horde statt Eine im Innern der Tumba vorfindliche Pergament- 
urkunde gibt Kenntnifs von einer fruheren, am 3. Februar 1607 
auf Befehl des Erzbischofs Johann Schweikard von Mainz vorge- 
nommenen Untersuchung von Einhard's Grab. Diese bezog sich 
jedoch auf die alte Tumba, welche 1722 durch die jetzt eroffnete 
ersetzt worden ist. Auch iiber diese Uebertragung aus dem alten 
Grabmal in das neue lag eine vom 11. Mai 1722 von dem ganzen 
Elosterconvente unterzeichnete Urkunde bei. Der Befund des Grab- 
inhaltes stimmte auch diesmal mit den fruheren Erhebungen: es 
fanden sich Gebeine eines Mannes von kleinem Baue, wie sich Ein- 
hard selbst nennt, sowie die einer alteren und einer jftngeren weib- 
lichen Person, wovon die einen als „ossa dominae Gislae piae me- 
moriae" mit einem Pergamentstreifen bezeichnet waren, wahrend die 
anderen Reste fur jene Imma's, der Gattin Einhard's, gel ten. Die 
Gebeine lagen zum Theil in schwarzseidenen Sackchen mit Perga- 
mentauf8chriften ; der andere Theil war in ein schwarzseidenes 
Tuch eingeschlagen ; unter diesem lag eine schwarze Dalmatica, 
darunter wieder zwei seidene Tiicher von rother und gelber Farbe 
und unter diesen ein gr of seres Stuck Leinen, aus drei ehedem 
farbigen Streifen bestehend. Letzteres Stuck ist in einer gewissen 
Musterung mit runden Lederstuckchen besetzt. 

Das Merkwiirdigste bei dieser Eroffnung liegt in dem Um- 
stande, dafs eine dritte Person, welche hier als Gisla bezeichnet 
wird, in dem Grabe Einhard's und seiner Gattin beigesetzt war. 
Moglicher Weise ware dies eine in friihem Alter verstorbene Toch- 
ter Einhard's, deren gerade darum vielleicht spater gar nicht ge- 
dacht wurde; jedenfalls stand dieselbe zu Einhard und seiner Ge- 
mahlin, sowie zur Abtei Seligenstadt in naherer Beziehung. 

Ob unter den Stoffen, welche sich in dem Sarkophage fanden, 
8olche waren, die iiber die Zeit der ersten nachweislichen Eroff- 
nung im 17. Jahrhunderte hinausgehen, erscheint nach den vorlie- 
genden Ausschnitten kaum wahrscheinlich ; keiner derselben tragt 
Kennzeichen, die flber diese Zeit hinaufreichen. Leider konnte 
Schreiber dieser Zeilen der Eroffnung selbst nicht beiwohnen und 
die daruber eingegangenen offiziellen und privaten Mittheilungen 
brachten nicht den gewunschten Aufschlufs iiber die archaologische 
Seite der Scrutation. Bemerkt sei noch, dais die altere Tumba, 
welche oben erwahnt wurde, (anscheinend dem 13. Jhdt. entstam- 
mend), in den Besitz der graflich Erbach'schen Familie ubergieng 
und sich jetzt in der Sammlung im graflichen Schlosse zu Erbach 
im Odenwalde befindet. 

Mainz. Friedrich Schneider. 

34) Ein interes&antes Gebaude, die in einzelnen Theilen wol 
noch aus dem 11. oder 12. Jahrh. stammende Kirche zu Altdorf 
bei Engen im Hegau, ist im vergangenen Jahre dem Mangel an 
historischer Pietat im Volke zum Opfer gefallen. Urn Mittel zur 



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143 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



144 



Anlegung eines geraumigeren Friedhofes zu gewinnen, hat die Ge- 
meinde Engen die Kirche auf Abbruch an einen Maurermeister ver- 
kauft, and ehe sich die Kunde davon weiter verbreiten konnte, war 
derselbe mit seinem Zerstflrungswcrke schon weit vorgeschritten. 
Durch Bauart und Alter und als Begrabnifsstatte der Herren von 
Hewen, deren Burg Hohenhewen aus geringer Entfernung heruber- 
schaut, hatte das Kirchlein bistorische Bedeutung ; durch Scheffel's 
Juniperus ist es in weiteren Ereisen bekannt geworden. Moge der 
jungst erlassene, in warmen "Worten zur Schonung der Denkmale mah- 
nende Aufruf des Herrn von Bayer, Conservators der Alterthumer und 
Eunstdenkmale im Grofsherzogthum Baden, dazu beitragen, Wieder- 
holungen solcher Vorgange vorzubeugen ! Glucklicher Weise konnten 
wenigstens die interessanteren Grabsteine der Kirche noch rechtzeitig 
vor dem Untergange gerettet werden. S. Durchlaucht der Furst 
Karl Egon von Furstenberg, von dessen thatiger Fursorge fttr die 
Kunst und historische Denkmale die schonen Donaueschinger Samm- 
lungen zeugen, hat dieselben ankaufen und im f. Archiv zu Donau- 
eschingen aufstellen lassen. Der Grabstein des Petrus von Hewen, 
der gerade ein halbes Jahrtausend alt ist, verdient darunter beson- 
dere Beach tung; die tibrigen Denksteine gehoren den Familien 
Vogler, von Reckenbach und Geder von Zauneck an. S. R. 

35) In Kdln haben sich bei der Fundamentierung zu den Ge- 
bauden der Aktienbrauerei an der Altenburg rdmische Bau- 
reste gefunden, welche die Streitfrage uber die Lage des sudlich 
von der alten Colonia Agrippinensis gelegenen Castrum in definiti- 
ver Weise entscheiden. Diese Baureste weisen sich als Ueberbleib- 
sel eines mit der grdfsten Sorgfalt ausgefuhrten , umfangreichen, 
starken Bauwerkes aus, welches mit einem grofsen Thurm, sowie 
mit einem nach dem Rhein fuhrenden Portal versehen war und 
aufser einer Reihe kleiner Raumlichkeiten einen grofsen, 2400 Qua- 
dratfufs fassenden Saal hatte. Die ganze Anlage und Construction 
dieses Werkes deutet darauf hin, dafs man es mit dem alten r6mi- 
schen Wassercastell zu thun hat Keineswegs aber diente dieses 
Castell dazu, das aus der Eifeler Wasserleitung kommende Wasser 
aufzunehmen und nach der Stadt K6ln zu fuhren, sondern zum 
Schutz und zur Beherrschung des Rheins. Es ist augenscheinlich, 
dafs dieses Castell schon zur Zeit der Rdmer einmal zerstort und 
von neuem aufgebaut worden ist. (111. Ztg., Nr. 1502.) 

36) Der Ort eines ehemaligen Pfahlbaues istimBodensee 
in dem Becken des Untersees zwischen dem „Weisen Horn" und 
dem sogenannten „Staad" in der Nahe von Ermatingen, Kantons 
Thurgau, bei niederem'Wasserstand entdeckt worden. Ausgerissene 
Pfahle aus Tannen- und Fdhrenholz waren dreieckig zugespitzt. 
Steinbeile, Pfeil- und Lanzenspitzen aus Feuerstein fanden sich vor. 
Das eingetretene Steigen des Wassers hemmte weitere Nachfor- 
schungen. (111. Ztg., Nr. 1500.) 

37) Aus Regensburg, 6. April, berichtet das dortige Morgen- 
blatt: Der Bahnbau an der Kumpfmuhlerstrasse hat wieder inte- 
ressante Alterthtlmer zu Tage gefordert. Am 4. wurden zwei 
rdmische Steinsarge aufgegraben, in deren einem sich das Skelett 



einer Frau, in dem andern das eines Kindes befand. Am 5. warden 
zwei rdmische Graber aufgedeckt; das eine (enthielt das Skelett 
eines grofsen Mannes; beide sind gemauert, besonders sorgfaltig 
das zweite, ein Madchenskelett enthaltend; das letztere Grab ist 
auiserdem uberwdlbt, mit sieben Schichten Platten uberdeckt und 
uberhaupt von einer bis jetzt noch unbekannten Construction. Die 
Graber befinden sich 3 Fufs unter dem Boden. Es ist jetzt aufser 
allem Zweifel, dafs man auf ein r&misches Leichenfeld gestofaen, und 
es dlirften noch interessante antiquarische Funde gemacht werden. 

(Korr. v. u. f. D., Nr. 180.) 

38) Aus der Nachbarschaft von Oehringen sind einige an- 
tiquarische Funde zu berichten; so hat man in neuester Zeit 
zu Jagstliausen rdmische Saulen ausgegraben, und auf der fiirst- 
lich hohenlohischen Domano Etzlinsweiler bei Kiinzelsau fend man 
vor einigen Tagen beim Abbruch eines Gebaudes einen im drei- 
fsigjahrigen Krieg vergrabenen Schatz von Mtinzen, darunter eine 
Goldmiinze des Kaisers Matthias. Die meisten der Miinzen wer- 
den, soviel man hort, in die furstlich hohenlohische Mflnzsammlung 
nach Kirchberg a. J. gebracht werden, wo bekanntlich aufser Mon- 
zen und andern Alterthamern auch einige ganz vorzugliche Elfen- 
beinschnitzereien aufbewahrt sind. 

39) Ein Topf mit alten Silbermunzen ist in Bromberg 
beim Auf grab en eines Fundaments entdeckt worden. Der Fund be- 
statigt, dafs vor 450 Jahren, welcher Zeit die Munzen angehdren, 
die Stadt urn wenigstens 10 Fufs tiefer als gegenwartig gelegen 
hat, was auch durch vielfach bei Bauten vorgefundene alte Baureste 
erwiesen ist. Die Munzen gehoren zu den von dem preufsischen 
Ritterorden geschlagenen Geldsorten. Der Fund ist als eine numis- 
matische Bereicherung anzusehen; Pragung und Inschriften sind 
verschieden. Die vielfach geltend gemachte historische Forschung, 
dafs die deutschen Ritter vor Besitznahme durch die Polen in Brom- 
berg herrschten und die ehemalige Burg angelegt haben, erhalt da- 
durch einen neuen Beleg. (111. Ztg., Nr. 1501.) 

40) Unlangst wurde in unmittelbarer Nahe von Pottenstein 
von einem Tagarbeiter unter einem Steine ein Krug mit kleinen 
alten Silbermunzen verschiedenen Geprages, muthmafslich aus 
dem 11., 12. und 13. Jahrh., aufgefunden. Die Munzen warden 
dem k. Bezirksamt Pegnitz Obergeben. (Frank. Kur., Nr. 162.) 

Anm. Die dem german. Museum ubergebenen Exemplare be- 
statigen die bezUglich des Alters ge&ufserte Muthmarsung nicht 

41) Der Verwaltungsrath der Wedekind'schen Preisstif- 
tung far deutsche Geschichte macht unterm 14. Marz wie- 
derholt die Aufgaben bekannt, welche fur den 3. Verwaltungszeit- 
raum (14. Marz 1866 bis dahin 1876) von demselben gestellt wor- 
den sind. Fur den ersten Preis (1000 Thaler in Gold) verlangt der 
Verwaltungsrath eine Ausgabe der verschiedenen Texte der lateini- 
schen Chronik des Hermann Korner, und fur den zweiten (zu glei- 
chem Betrage) eine Geschichte des jungeren Hauses der Welfen 
von 1055 — 1235. Fur den dritten Preis (500 Thaler Gold) wird 
eine bestimmte Aufgabe nicht ausgeschriebcn. 



Verantwortliche Redaction: A Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. E. Sebald in Ntimberg. 



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tcg, welchea oUe Monate erecheint, wird 
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men and Hamburg/ 1 

Alle far dat gSKtf&jMMeam be- 
•timmten 8oadungen aaf dem Wege des 
Buchhandels werden durcb den Commit- 
eionar der literar.- artist Antialt dee Ma- 
iflumi, P. A. Broekhaui in Leipzig, be- 
fordert. 



FOR KIMIF DER 




Wli 




Neue Folge. 



Neunzehnter Jahrgang. 



1872. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 



Mai. 



Wissenschaftliche Mittheilungen. 



Kleinere Mittheilnngen aus den graflich Stolbergi- 
sehen Archlven za Ortenberg and Gedern. 

(Fortsetjung.) 



2) 



bequemelich sin, widdcr die vorgenanten edelen vnde ir 
erben. Vnde wir han in truwen globet vnde liplichen ge- 
sworn daz dise ding genslicben gehalden werden vnde geben 
dise geinwortige briefe besigelt rait vnser stede Ingesigele in 
ewich gezugnisse diser vorgenanten dinge. 

Gegeben nach gotes geburte zwolf hundert iar in deme nun 
vnde funfzigesten iare — (dunris ?)dages nach deme irsten 
Suntage in der Fasten. (6? Marz 1259.) 

3) Urkunde ttber eine Verpflichtung Philipp v. Falken- 
steins and seiner Sdhne Philipp nnd Werner. Ausge- 
stellt: Neuhausen bei Worms, 22. Mftrz 1270. 

wines vnde geldes nyt gelosen obe sie wollent, mit zwein 
hundert marken Silbers, vnde zwein hundert punden helleren 
ane zwentzig pund hellere alse vor geschriben stet. So sal 
der selbe Philipp vnde sine Sone ervullen wes da gebristet. 

Ynde daz sie daz ervullen, So hat Philipp vnde sine 
Sone gelobet zwentzig burgen erber lude dar vor zu setzen. . 

Alle dise vorgenante ding bant die vorgenanten Engilh' 
vnde Engilh*. Wernher vur sich vnde sihen bruder Phi- 
lipp in truwen globet vnde zu den heiligen gesworen eynvel- 
didich zu vullenfurene, vnde stede zu haldene. 

Vnde in dises dinges merer sicherheit. So han wir disen 



geinwortigen briel dun schriben vnde besigeln mit vnsern in- 
gesigelen. 

Dise ding sint geschehen zu Nuhusen bi Wormize an 
deme Samisdage vor deme Snndage als man singet letare. 

4) Konrad, Herr von SchOnberg verzichtet mit Zu- 
stimmung seiner Magen auf alle Erbansprttche wegen seiner 
Mutter Agnes und der Herren von Minzenberg. (Unvoll- 
st&ndig; zw. 1260 und 1282.) 

Ich Cnnrat herre von Schonenberg bekennen vffenlich 
in disem briefe. daz ich mit gunst vnde mit eynmudigem willen 
Alheydes miner elichen husfrouwen. den edelen mannen Phil' 
vnde Wern here gebruderen. herren zu Minzenberg. minen 
lieben magen vnd irn. erben. alles min erbe daz mir geburte 
oder geburen mach von erberechtes wegen miner milder Ag- 
nesen, Vlrichs mins* oeheims vnd Vlrichs min Cunrats 
vorgenant anichen der herren zu Minzenberg. iz sij an bur- 
gen. an steden. an vesten. dorfferen. gulden, ackern. weyden. 
welden. wiesen. wazsern. an dinst luden. an belehenten . . . 

5) Philipp von Falkenstein verpflichtet sich, den An- 
theil seines Bruders Werner an dem gemeinschaftlichen Erbe 
zu Minzenberg gegen die Miterben von Pappenheim und 
von SchOnberg zu beschirmen und zu verantworten und alle 
entstehende Scb&den mit zu tragen. Minzenberg, 16. October 
1271. 

Wir Phil' von Falk' bekennen vffenlich vnd begem daz 
mit disem briefe alien luden kunt werde. 1st daz Wornher 
vnser bruder vmme sin teil vnsers erbes zu Minzenberg. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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von vnseren middeerben von Bappenheim vnd von Scho- 
rl enb erg wirdet angesprochen. oder farent sie dekeyne Bache 
widder daz vorgenant sin teil erbes. so sin wir schuldich daz 
w mit yme daz sullen beschirmen vnd verantworten. Wer 
ouch daz yme keyn schade von geschiet der vorgenanten mid- 
deerben zu worde gefuget, den schaden sullen wir mit yme 
tragen. 

Vnd daz dise ding allermenlichen sint bekant vnd vffen- 
bar, So han wir disen brief vnserm egenanten brudere mit vn- 
serra jngesigele dar an gehangen gegeben in gezuchnisse dar vber. 

Gegeben zu Minzenberg an sante Gallendage nach go- 
tes geburte zwolf hundert iar in deme eyn vnd Siebenzigestem 
iare. 

Ueberschrift (roth): von der selben materien. 

6) Die unmittelbar sich anschliefsende Urkunde ist mit 
rother Tinte uberschrieben : 

verzihunge der von Pappenheim. (1271?) 
Wir Heinrich vnde Elsebethe sin husfrouwe, Hilde- 
brant vnde Gute*) sin husfrouwe, gebrudere, Marschalke von 
Bappenheim dun kunt mit disem briefe alien luden die gein- 
wortich sint vnde her nach koment | Als wir verkouften vnde 
mit gesamender bant den kouf gaben den edelen 

7) Verzicht der Wittwe Konrads von Schdnberg auf 
ihren Erbantheil (an Minzenberg) zu Gunsten ihrer Schwe- 
stersOhne, derHerrnPhilipp und Werner von Falkenstein. 
20. December 1272. 

vnde geviel ir eyn gemeyne vrteil, daz sie [eyn?] solich erbe, 
als ir von todes wegen des ed[de]len mannes etswanne Vlrichs 
von Minz[en]berg, nach irs egenanten mannes tode, Cun- 
rats von Schonenberg solde gevallen vnde geviel, daz sie 
mit rechte daz muchte geben vnde antworten wem sie wolde. 

d[az] sie daz vberwant, vnde ir daz vrteil geviel an deme 
selben gerichte, do gab sie eynveldiclich vnde lutterlich daz 
selbe erbe den edeln mannen hern Philipp vnde wernhere 
gebrudern von Fal kin stein, irer swester sonen, inen vnde 
irn erben ewiclichen zu besitzen. 

Bi disen dingen sint gewes[en] mit vns vnde hant gese- 
hen vnde gehort vil guder manne, die den vorgenanten herren 
nyt swere sint zu vinden, so sich daz heyschet 

In gewisheit vnde stedege vesticheit diser vorgenanten din- 
gen, So han wir von bede wegen der vorgenanten frouwen vnde 
herren vnse Ingesigele an disen brief gehangen. 

Gegeben nach gotes geburte zwolf hundert iar in deme 
zwey vnde Siebenzigesten iare an sante Thomas abende. 

8) Verzicht eines Verwandten Philipps von Falken- 
stein auf seinen Antheil an der Burg Minzenberg. 

vnser recht in den vorgenanten, mit namen an der burg vnde 

an allem deme daz dar zu gehoret. 
» 

*) Aus Gutte corrigiert. 



Vnde die lehen von Nassowe vnsern lieben magenPhi- 
lippen von Falkinstein. Phil' vnde Wernhere sinen 
sonen *) vnde iren erben. Vnde vermezzen vns vnsern kindern 
oder vnse[m] erben vortme keyns rechten zu den vorgenanten 
guden, als es ouch in den br[ie]fen die dar uber gemacht sint 
ist beschriben. 

Vnde wir wollen dise verzihung[e ?] stede vnde veste hal- 
den vnd anderwerbe verzihen wir, vnde zu lest ernuwen wir 
iz mit diseme geinwortegin briefe. Ouch veriehen ich, daz ich 
in guden trowen globet han vnde gesworen, daz ich den vor- 
genanten minen magen vnde irn erben ich, mine kindere, vnde 
mine erben, sie nummer gemuhen, oder keyn sache geb[a]ben 
sollen widder daz erbe daz ien gebort von iren wegin in der 
herschaf[t] zuMintzenberg| Sunder ien g[e]truwelichen bi- 
sten nach alien mine mugen, mit rade, mit hulfe vnde mit 
gunste widder igeliche ansprecher v[nd] anvertiger zu deme vor- 
genanten erbe d[az] ich vnde die vorgenante mine mage 
itz[unt?] mit eyn han, oder von gotes gaben her nach mugen 
haben. 

In behaltnisse der vorgenanten gelobde vnde eydes, So 
han ich gebeden die edele manne: hern Wernhern, probsten 
zu Mentze, Emerichen von liningen, Gerharten von 
Ditze, Heinrichen von Wilnowe, Dith\ von Katzin- 
elinbogen . . . Sinen bruder, Cvnraten Richen, Grafen 
Gotfriden von Eppenstein*), Gotfriden, sinen Son**), 
Wernhern von Bolanden vnde sinen Son***), PhiF von 
Hoenvels vnde sine Sonef), Wernhern Ringrafenff), vnde 
alle vnse re burgmanne zu Minzenberg, zu Assenheim 
vnde zu deme Hagyn. obe ich lichte oder mine kint . . . 

9) Guda von Bickenbach verzichtet nebst ihren Kin- 
dern Philipp, Godfrid, Agnes und Isengard auf ihren 
Antheil an der Burg (Minzenberg); c. 1259—1280. 

WirGude von Bickenbach bekenne vffenlich, vnde be- 
gem daz alien luden kunt werde, daz ich von warem rade vnde 
mit geraeyner hant miner kindere Philipps, Godefrides, 
Agnesen vnde Isengarde min deil der burge zum . .ft+) 

Ueberschrift mit rother Dinte: diz ist eyne verzihunge. 

*) Urkunden der 8 el ben von 1265 u. 1266, 8. Baur, Hessische 
Urkk. H, 193 u. 195, Nr. 210 u. 213. 

**) Gotfr. d. A. u. J. v. Eppstein urkunden z. B. am 29. Aug. 
1264. Baur, Hess. Urkk. II, 186, Nr. 203. 

***) Beide Werner von Bolanden urkunden oft in Baur's Urkdb. 
von der Mitte des 13. Jahrh. bis 1283. 

f) Neben seinen Sohnen Philipp u. Dietrich urkundet Philipp v. 
H. z.B. 19. Dec. 1276, Baur, II, 275, Nr.300. 1284: Phil, quon- 
dam do H., das. S. 363. 

ft) Wernerus, ringrauius cognatus der Gebruder Philipp 
v. Minzenberg und Werner v. Falkenstein ist Oct. 1265 Zeuge, 
Baur, Hess. Urkk. II, 193, Nr. 210. 

ftf) Gude v. B. und ihre Sonne Philipp und Gottfried urkunden 
am 23. Januar 1283. Baur, Hess. Urkk. I, S. 121, Nr. 168. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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10) Verkaufs- und Verzichtsurkunde (wahrscheinlich mit 
Bezug auf einen Erbantheil an der Burg Minzenberg); zwi- 
schen 1259 mid 1280. 

minen mag. Rudolfen Graslok, Johan vod Ossenheim, 
Heiorichen von Rekershusen, rittere. 

vnde verzihen mine kindere nyt, als vor stet geschreben, 
So sollent die egenanten borgen zu Frankenvort inne varn 
rode sollent da leysten alse glide borgen biz daz daz egenante 
ding geschiet. 

Dirre verkoufunge sint gezuge G ode f rid der iunge von 
Eppenstein, Rudolf Graslok, He inrich von Gerhar de- 
stein*), Cuno von Gronenberg, Johan von Ossenheim, 
Wernher von Beldersheim, Heinrich von Rekershusen, 
rittere, Frideliebus Schultiae von deme Hayii vnde vil 
ander guder lude. 

In dises dinges gezugnisse vnde ewige gedechtnisse Han ich 
ien disen geinwortigen brief gegeben bevestet mit mine vnde 
des edelen mannes 

11) Verzicht einer edeln Frau auf das ihr nach ihres 
Mannes Tode zugefallene Erbtheil an der Burg (Minzen- 
berg) zuGunsten der Edeln Philipp und Werner v. Fal- 
kenstein, ihrer Schwester SOhne. 1259—1280 (?). 

[man]nes dode egenant vff mich solde gevallen vnde geviel, 
machte geben wem ich wolde, vnde in hette da midde nit ge- 
dan widder daz recht. 

Des berede ich mich, vnde han von friher wilkore daz selbe 
erbe den edelen mannen Phil' vnde Wernhere gebruderen 
Ton Falkinstein, miner swester Sonen. gegeben vnde geant- 
wort ledeclichen vnde genslichen. ien vnde irn erben ewiclichen 
ta besitzen. vnde insal mich vort me keins rechten dar zu ver- 
mezsen. vnde her vmme verzihe ich lutterlich vff dis egenante 
erbe mit disem geinwortigen briefe. 

Dises sint gezuge. Cunrat von Sassenhusen, Winther 
Ton Bruningesheim, Wernher Schelme, Gerlach sin 
brnder/Gerlach von Bomersheim, Burchart von'Vr- 
sele, Cunrat von Sultzbach, Heinrich von Hatzechen- 
8tein, Hartmfit von Sassenhusen vnde Cunrat. . . . 

12) Verzichtbrief auf einen Erbantheil an der Burg Min- 
zenberg**). 1282. 

liche vnde gewonliche werunge nach 

Tnsers landes gewonheit daden 

Vnde daz vber dise verzihunge keyn zweyunge erste, so 

•) Henricus de G. bei Bod man n, Rheing. Alterth. S. 313, 
Anm. 3, zu den Jahren 1261 u. 1290. 

**) Dafs eich dieser Verzicht auf die Burg Minzenberg be- 
oebt, geht in vorliegendem Fall noch besonders daraus hervor, 
dafs die oben unter Nr. 5 mitgetbeilte unmittelbar folgende 
Urk. vom 16. Oct 1271 uberschrieben ist: von derselben ma- 
terien. 



han wir dise geinwordige briefe dun besigelen mit unser stede 
jngesigele. 

Gegeben nach gotes geburte zwolf hundert iar in deme 
zwey vnde achtzigestem iare. 

13) Das Jungfrauenkloster AltenmUnster zu Mainz 
vertauscht das Dorf Kelsterbach gegen 18 Malter Korngulte 
aus dem Gute zu Ginsheim an den Edeln Philipp von 
Falkenstein dem Aeltesten, Herrn zu Minzenberg. 1270 
—1282 (?) 

Wir Ebtisse vnde der ganze Conuent des Closters zu Al- 
denmunstere zu Mentze Graes ordens bekennen mit diseme 
briefe, vnde begern daz alien luden kunt werde , daz wir mit 
beradem mude durch vnsers Closters nutz willen daz dorf 
Kelsterbach mit alien sinen rechten, gulden, geuellen vnde 
mijb alien deme daz dar zu gehoret in wessels wise mit ein- 
mudigem willen han gegeben vnde geben mit disen geinworti- 
gen briefen deme edelen manne Phil 1 , von Falk'n. deme el- 
disten herren zu Minzenberg [i]en vnde sinen erben ewic- 
lichen zu be[s]itzen vmme achtzehen malder korn*) geldes 
Menscher mazes vns vnde vnse[m] Clostere von sime houe 
vnde sinem gud[e] zu Ginnesheim ewiclichen zu geld[en] alle 
iar zuschen den zwein vnser fr[ou]wen dagen alse sie zu himel 
fur [vnde] geboren wart uff ir kost, schaden vnde arbeit uf 
vnsern Spicher zu [Men?]ze bi deme Rine zu antworten. 
[Vnde?] verzichen uffenberlich alles rechten [vnde] aller friheit 
geistliches vnde werlt[li]ches die vns helfen muchten daz [vns?] 
dise vorgenante wesselunge widde[rru]fen vnde zu brechen. 

In dirre wes[se]lunge gewisheit vnde stediger bl. . . ge. 
So sint der erbern manne vnde [herjren, der richter des hei- 
ligen stules zu Mentze vnde des geistlichen m[annes?] vnde 
herren, des abtes zu Erbuch d[ur]ch vnser bede willen mit 
vnseme**) 

Dieser deutschen Urkunde entspricht ganz die Urk. Phi- 
lipp 8 des Aeltern v. Falkenstein [Valkenstein] v. 16. De- 
cember 1307 in Baur, Hess. Urkunden I, Nr. 341. 

14) Urkunde eines Yerwandten des Dynasten von Ha- 
nau***), in welcher eines fur 250 Mark Pfennige verpfandeten 
Theils der Burg Dorf eld en gedacht wird. circa 1270—1290. 

lieben brudere vnde sinen erben vmme zwei hundert vnde funf- 
zig mark Echescher pbenninge, vor die mark zwolf Schillinge 
zu recben. eygentlich ewiclichen [z]u besitzen, Doch also be- 
scheidenlich: [i]st iz daz wir oder vnser erben erne [v]nde si- 
nen erben vur diseme nehisten [p]hingistage die vorgenanten 
zweihundert [v]nde funfzig mark widder geben, So sal [d]az 
teil der burge doruelden, daz wir verkouft han, ane alle wid- 



*) An dieser Stelle schliefson die beiden Pergamentlagen der 
erhaltenen Hauptfragmente zusaxnmen. 

**) Etwa : ingesigele an diesen brief gehangen ? 
***) Wahrscheinlich Falkensteiner, da 1266 die hanauische Burg 
Dorfelden zur Halfte den Falkensteinern gchorte. Leo, Territo- 
rien I, 420. 1288 wurde dieser Theil an Hanau abgetreten. 



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151 



Anz^iger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



152 



derrede [lejdeclichen vnde rawelichen vns widder [an]e uallen. 
1st aber daz wir daz nit [g]idun vor der vorgeschreben zyt, 
[s]o sal dise verkoufunge gantz, stede vnde [vjeste bliben. 
Ouch ist geredet, queme her nach, daz vnser mag von Hano[w]e 
odor sin erben mit irme teile. 

Wernigerode. Dr. Ed. Jacobs. 

(Schlufs folgt.) 



Beitr&ge zur Geschichte der Holzschneidekunst. 

Dem in den vermischten Nachrichten von Beilage 2 des 
diesj&hrigen Anzeigers berichteten Funde von alten HolzstOcken 
gieng ein noch grOfserer im kgl. Archive zu Nurnberg voraus, 
dessen Bestand ohne Zweifel mit jenem ersten ursprttnglich 
Herkunfts- and Besitzverh&ltnisse theilte, im Laufe der Zeit 
aber durch vielleicht zufellige Bedingungen raumlich davon ge- 
trennt, Staatseigentbam geworden und anfanglich in das Natio- 
nalmuseum in Mtinchen ubertragen, sp&ter im germanischen 
Museum niedergelegt und somit dem Orte seines vermuthlichen 
Entstehens zurttckgegeben ist. In diesem Funde sind die vier 
HolzstOcke der Glockendon'schen Karte der Stadt Nurnberg 
v. J. 1550 enthalten, sowie vier andere der WeigeFschen Karte 
des Ntirnberger Gebietes vom J. 1559, welche aus alten und 
noch spater davon entnommenen Abdrttcken bekannt sind und 
deren Yorhandensein deshalb an diesem Platze nur constatiert 
werden raOge. Die Platten sind in gutem Zustande und wttr- 
den noch leidliche Abdrucke liefern. Weiter kommen 10 Holz- 
stOcke mit Wappen von Ntirnberger Pflegftmtern vor, wozu ein 
elfter mit dem Wappen der Vorstadt WOhrd von etwas veran- 
dertem Format sich gesellt, der aber offenbar derselben Reihen- 
folge angehOrt. Diese StOcke sind, wenn die Zeichnung auch 
gut zu nennen ist, doch ziemlich roh ausgefuhrt und bieten, 
wie sie von Anfang an bestimmt waren, einem localen Zwecke 
zu genugen, kaum ein allgemeines Interesse, wenn nicht etwa 
fur die Heraldik. 

Wichtiger — und zwar fur die Geschichte des Holzschuit- 
tes sowohl wie der Wissenschaft — sind 46 StOcke in kl. Folio, 
welche ersichtlich als Illustrationen fttr ein geometrisches Werk 
bestimmt waren und gegen Ausgang des 1 6. Jhdts. entstanden 
sein mttssen. Nach einer darunter befindlichen grofsen Schlufs- 
vignette zu urtheilen, war das Buch far den Verlag des Niko- 
laus Bassaus zu Frankfurt a. M. bestimmt, welcher um diese 
Zeit zu den th&tigsten und unternehmendsten Buchhandlern des 
Reiches gehOrte. Diese Vignette hat die seltene GrOfse von 
23 cnL in der HOhe und 19 cm - in der Breite. Sie stellt die in 
diesem Verlage angenommene Allegorie der Zeit dar, wenn auch 
in abweichender Auffassung von anderen Titeln und Schlufs- 
blattern seiner VerOffentlichungen. Die nackte GOttin mit dem 
an der einen Seite kahlgeschorenen, an der andern von langcn 
Locken umflatterten Haupte ruht, ein aufgeblasenes Segel hal- 
tend, mit einem Knie auf der Weltkugel, welche ihrerseits auf 
einem Stundenglase und mit diesem auf einem Todtenkopfe ba- 



siert ist. Den Obrigen Raum fallen Wolken and die Wimpel 
des Segels. Die ovale Einfassang enthftlt die Inschrift: Sichs- 
tu: mein Lauff Ist Vngewehrt. Als die Ich nicht 
werd vmbgekehrt. Drum ttb dichwohl InFreierKunst. 
Eh Ich Lauff aus denn ists vmbsonst. — Das Oval wird 
durch vier symmetrische Renaissancenornamente zu einem Vier- 
eck ergfcnzt. — Von den tibrigen Platten enthalten 21 geome- 
trische Figurcn und Abbiidungen von Mefsinstrumenten, 19 die 
Anwendung von solchen in Begleitung landschaftlicher oder figttr- 
licher Darstellungen , 2 perspektivische Zimmeransichten und 
3 figurliche Darstellungen ohne ersichtliche Verbindung mit dem 
Inhalte des Buches. 

Ein Theil der StOcke ist auf der Ruckseite mit grofeen, 
alten Kreideziffern numeriert ; doch lafst aus der blofsen Rei- 
henfolge der Abbiidungen sich auf deren Bedeutung im Einzel- 
nen nicht schliefsen. Man ersieht nur, dars die Figuren von 
einfachen Formen zu zasammengesetzten ubergehen und ver- 
muthlich, wie es schon in der Natur der Sache lag, vorher 
die mathematischen Satze erOrtert, darauf aber die Lehre der 
praktischen Mefskunst aufgebaut werden sollte. Grade in Be- 
zug auf letztere ist zu bedauern, dafs das Werk unvollendet 
geblieben und der Text, wenn er je ausgearbeitet war, wahr- 
scheinlich nie herausgekommen ist. Manche der StOcke sind 
wenigstens noch nicht vollstandig ausgefuhrt, und keiner hat zu 
mehr gedient, als um einen Probedruck zu liefern. Fttr jene in 
Sammlungen nicht selten vorkommenden Mefsinstrumente aber, 
namentlich aus dem 16. Jahrhundert, welche, meistens in Nurn- 
berg oder Augsburg, mit hdchster Prftcision gearbeitet, uns in 
vielen Fallen unverst&ndlich sind, hatte sich hier manche Auf- 
kl&rung finden mttssen. Man wird freilich jene Instrumente im 
Laufe der Zeit nur aufgegeben haben, weii sie durch bessere 
ersetzt wurden und in ihrer veralteten Einrichtung durften sie 
der heutigen Wissenschaft unmittelbar kaum noch Vorschub 
leisten. Doch lehrt eine Vergleichung, dafs die neuesten Httlfs- 
mittei keineswegs bios aus einer Vervollkommnung der alteren 
hervorgegangen, sondern auf neue Principien basiert sind, und 
es bliebe wenigstens zu untersuchen, ob die Weiterftthrung der 
fruheren nicht auch noch werthvolle Resultate ergeben wttrde. 
Jedenfalls ware zur Kcnntnifs der alteren Wissenschaft ein sol- 
cher Beitrag von hohem Wertbe gewesen. — Die StOcke selbst 
geben hie und da Andeutungen durch eingeschnittene Inschrif- 
ten. So zeigt ein unnumerierter das Innere eines Zimmers, 
in welchem ein Mann an einem Tische mit Mefsversuchen be- 
schaftigt ist. Eine dartiber angebrachte Tafel enthait die In- 
schrift: Der Tisch ist gemessen befind sich — An der 
Ersten seitten stehet derCompafsaufder6. stundt — 
Held 4. Schuch— Die ander 24. Stund. helt 4 Schuch 
— Die dritte 18. Stund. helt 4 Schuch — Die vierde 
12. Stund. helt 4 Schuch. — Von ahnlichen alteren Wer- 
ken, wie Dttrer's Vnderweysung der Messung und Ri- 
uius'Der furnembsten notwendigsten der gantzen Ar- 
chitektur angehorigen Mathematischen vnd Mecha- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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nischen ktinst. eygentlicher Bericht u. s. w., weicht 
das vorliegende, soweit nach den Abbildungen zu schliersen ist, 
sehr ab, denn wfthrend jene noch mehr atff dem Boden der 
Planimetrie and Stereometrie sich halten, scheint hier bereits 
eio bedeotender Anlauf zor Trigonometrie genommen zu sein. 
Die Messuogen werden uber weite Landstrecken ausgedebnt, 
gehen auf hoch and niedrig gelegene Punkte, uberschreiten un- 
zug&ngliche Hindernisse, werden aach za Pferde und za Wagen 
ausgefahrt and scbeinen darchweg in eigenthUmlicher Weise 



gefahrt, und die Mathematik ist in das voile, bante Leben mit 
einem ans fast fremd gewordenen Gefuhle der Last ubertragen, 
die zum ersten Male die mannigfachen Erscbeinangen darcb Ge- 
setz und Recbnang bewftltigt and vereinigt siebt. Aufser den 
far die letzteren notbwendigen Anbaltspankten sind immer noch 
eine Menge Dinge aufgenommen , welche zur blofsen Aus- 
stattung dienen and darchaas nicht nebensachlich behandelt 
sind. Das oben erwfthnte Zimraer ist reich mit Blumenstocken 
aasgestattet, und dorcb die offenen Fenster blickt man in eine 



Fig. 1. 



mit der Bestimmung der Polhohe und dem Stande der Sonne 
in Verbindung gebracht zu sein. 

Bemerkenswerth ist die Art und Weise, wie hier der Holz- 
schnitt seiuem wissenschaftlichen Zwecke angepafst ist. Wir 
haben da am wenigsten die feinen Linien der heutigen ma- 
thematischen Figuren oder die bis vor kurzem gebr&uchlichen, 
mOglichst abstract gehaitenen Zeichnungen zur angewandten Geo- 
metric Saramtliche Abbildungen sind mit derben Strichen aus- 



Gebirgslandscbaft mit aufgehender Sonne. — Die figurlichen 
Darstellungen verrathen eiuen tuchtigen Zeichner, der gleich- 
wohl seine Leistungen ersichtlich nicht zur HOhe von Kunst- 
werken hat erheben wollen. So ist er in der Anlage von Schat- 
ten, die uberall mit Geschick angebracht sind, selten bis zur 
Ausfuhrung von Kreuzschranierungen vorgegangen. Und auch 
die einfache Strichlage ist breit und unregelmafsig, wie man es 
im Holzschnitt aus der zweiten HaMfte des 16. Jahrhunderts 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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selten roehr findet. Seiner Weise nach ist der Zeichner in die Die Aufnahme zweier Orte von der HChe einer Burg ver- 
Schule des Jost Amman zu versetzen. Als hauptsachlichste mittels der Paralaxe and eine leer stehende Kntsche. 
Darstellungen nennen wir: • Vier mit Messungen beschaftigte Manner and eine Finis- 
Em Mann mit einem Jagdspiefs und ein gesattelte6 Pferd. landschaft aos der Vogelperspective. 

Fig. 2. 




Ein Reiter and ein Fursg&nger aaf einem Wege; zwei; Sine grofse, ahnlich angelegte Landschaft mit einem Mefe- 

gegen einander sprengende Reiter und ein Mann, der, aus einer tisch im Vordergrande. 

Thur tretend, einem Boten einen Brief ubergibt. Eine fthnliche Landschaft and zwei an einem Mefstische 

*"j Eine Eutsche, darin zwei Manner mit Mefsinstrumenten, beschaftigte Gelehrte. 

welche durch eine hugelige Landschaft fahren ; (Fig. 1). Ein Mann mit einem Mefsinstrament lm Freien ; (Fig. 3). 



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Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzcit. 



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Ein Mann vor einer Karte im Zimmer. (Fig. 2.) 

Grofse Landschaft mit gefurchten L&ndereien ; im Vorder- 
grande ein Mann mit einem Mefsinstrument. 

Zwei ahnliche Landschaften ; vor der oberen ein Geome- 
ter zu Furs, von der nnteren ein solcher zu Pferd, nebst einem 
Reiter and einem gewaffneten Fufsganger im Hintergrnnde. 

Aehnliche Landschaft nnd zwei mit Mefsongen besch&ftigte 
Manner an einem Tische. 

Eine der letzteren ahnliche Darstellong mit einem Manne 
and eine Berglandschaft mit einer Burg, einer Muhle n. s. w. 

Fig. 3. 




Grofse Landschaft mit einem Theile. einer befestigten Stadt, 
Ton oben gesehen. 

Schlofe- and Parkanlage; daneben der geometrische Grand- 
rife derseiben; anten eine Landschaft, ahnlich der vorigen. 

Eleine, sehr ausgeftkhrte Gebirgslandschaft mit einem 
Geometer. 

Mehrere dieser StOcke stellen Mefsinstrumente in grflfse- 
rem Mafsstabe and zagleich deren Anwendang darch eine 



oder mehrere Personen dar. Ein besonderes Interesse gewah- 
ren sie., indem sie bei ihrer immerhin etwas derben Ausfuh- 
rang and der verhaltnifsm&rsigen Frische ihres Zustandes einen 
Einblick in die technische Behandlong des Holzschnittes ihrer 
Zeit gewahren, wie er sonst selten vergdnnt ist. Die Platten 
bestehen noch aus Birnbaamholz ; der Scbnitt ist im sogenan- 
ten Langholz ausgeftthrt, and zwar mit dem Messer, das zu 
beiden Seiten der Linien eingesetzt ist Erst das zwischenlie- 
gende Holz wie die breiteren Lichtflachen sind nach nnserer 
Art mit dem Stichel herausgehoben, der bei den letzteren yon 
grofser Breite und hohlgeschliffen erscheint. Der Schnitt ist 
angewdhnlich tief gefilhrt, selbst zwischen den Linien bis za 
3 mm , bei sehr schrager Haltnng des Messers, so dars jene trotz 
ihres weiten Hervorstebens noch kraftig erscheinen and der 
Stock eine grofse Anzahl von Abdrucken hatte liefern kOnnen. 
Die Hand des Holzschneiders zeugt von einer aafserordentlichen 
Geschicklichkeit. Obgleich gekrummte und geschwangene Li- 
nien von 8 and 9 cnL Lange nichts Seltenes sind, bemerkt roan 
doch kaum je ein erneutes Ansetzen des Messers. Sie sind 
stets von beiden Seiten mit vollkommener Sicherheit umzogen ; 
eine Nachhulfe ist nur in wenigen Fallen bemerkbar. Als ganz 
besondere Eigenthumlichkeit erscheint aber, dafs die nach bei- 
den Seiten der Linie abfallende Flache keineswegs immer im 
gleichen Winkel niedersteigt , ja nicht seiten, besonders gegen 
Ausgang jener, eine senkrechte Steilung einnimmt and sogar 
wohl mit ihrer Basis unter der Linie hinausgeht, so dafs diese 
hohl liegt. Eine aufserordentliche Elasticitat des Stockes ist 
das naheliegende Ergebnifs dieser JBehandlang. Wie dieses im 
Druck sich wurde dargestellt haben, lafst sich freilich schwer 
mehr beurtheilen , da die neu genommenen Abdrticke bei der 
grofsen Sprfldigkeit des Holzes keinen Mafsstab bieten. Dafs 
man aber eine gewisse Wirkung im Druck erzielte, beweist die 
weitere Eigenthttmlichkeit, dafs alle frei ausgehenden Linien 
nicht pldtzlich aufhOren, sondern in merklicher Senkung abge- 
rundet verlaofcn. 

Yon Interesse ware es auch, za wissen, wie diese Stttcke 
in den Besitz der Nurnberger Regierung gelangt, von der sie, 
wie bemerkt, ohne Zweifcl erst in das Eigenthum des Staates 
Bayern ubergegangen sind. Sichere Auskunft kdnnten darttber 
natQrlich nur etwa erhaltene Urkunden geben. Da solche aber 
bis jetzt nicht aufgefunden, bleibt nur tibrig, nach analogen 
Fallen za schliefsen. Nach diesen ist es aber am wahrschein- 
lichsten, dafs die StOcke Gegenstand einer ehemaligen Confis- 
cation oder Beschlagnahme gewesen. v. E. 



Zor Geschichte der Unssiten in Prag. 

„Anno dad MCCCCXIX in crastino Assampcionis btssme 
Virginis Marie mortnus est Rex Venceslaus olim Romanof et 
Boemie Rex, quo mortuo statim nocturno tempore in tercio signo 
orologii ilia pessima secta Hussitarum in turba multorum mi- 
lium armata raanu invaseront et excasseront domam nram Orti 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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bte Marie ordinis ifri Cartas, prope Pragam et spoliata ipsa 
domo eduxerunt omnes fratres tarn monachos quam conversos 
etiam incarceratos deliros et introduces eis omnibus ad preto- 
rium civitatis maioris ceperunt omnia comoda et cellas irrum- 
pere et muros ris in circaitu, et mortuorum sepulcra aperire 
et hinc inde pecuniae querere, frangere muros, lapides sepul- 
crorum et altaria efossa execrare et tandem Ecclesiam et om- 
nia comoda ignibus combusserunt. Quantam autem stragem, 
crudelitates, spolia, abhominaciones, sacrilegia et alia multa 
mala fecerint ill! perversissimi heretici fecerin (sic) circa alia 
sacra loca Monasteriorum sacrarum virginum V3 gemere ad 
dfim, quam in scriptis redigere; Ecce dne venerunt bij pes- 
simi plusquam gentes in bereditatem tuam, polluerunt templa 
sancta tua posuerunt visiones Ecclesiastice pacis in pomorum 
silvestrium amarissimam custodiam. incedunt enim ferocissime 
bestie, cogentes fideles Christi suscipere tuarum nequissimarum 
adnucencionum (?) sectam hereticam inaudite perversissimam 
aliis nisi ipsis consenserint comprehensi statim sit vir vel mu- 
lier iugulant vel occidunt. Cujus crudelitatis intuitu adhuc 
viuente dno Rege Venceslao congregati in multis milibus, sea- 
binos noue civitatis Pragensis in concilio congregates, quia 
fideles erant, et ipsorum secte contrarii , irrurapentes pretorium, 
ceperunt eos de fenestris deorsum proiicere extra muros pre- 
torii et quasi obsequium prestantes Deo, occiderunt ex eis de- 
iectos primos civitatis viros quatuordecim. obsessa et oppressa 
per easdem Bestias ex omni parte tota pragensi ciuitate. In 
qua mirabilius et dampnabilius contra sanctam ecclesiam ca- 
tholicara heretico magisterio^ n5 hactenus per agere eodem 
tempore quo supra infrascriptum canticum contra eosdem est 
descriptum. 

Sequitur. 

Gaude mater Ecclesia. de regali victoria 

Fugata Christi gracia. heretica perfidia. 
R. Deo gratias. 

Quam pus (sic) Hus ille perfidus. excitavit hereticus 

Inficiens Morauiam. pessumdavit Boemiam. 
R. Ve tibi Hus. 

Luge tu regalis Praga. confusa es dura plaga 

Perdidisti decus Christi. dum Husitis consensisti. 
R. Ve tibi Hus. 

Virginales Christi sponsas. huic mundo coma tonsas 

Eiecisti velut scorta. gens peruersa et discorta. 
R. V. t. H. 

Paganis crudeliores. iudeis perfidiores 

Blazphemastis fidem rectam. coufinxistis nequam sectam. 
R. V. t. H. 

Insanitis velud thauri. Vacce mures sicut mauri (v. demones) 

Hec iam sunt vestra diuina. caro luxus et rapina. 



R. V. t. H. 
Ypocrite scimu3 cuncti. gaudium ad instar puncti 
Ita cum baal ridetis. sed ruinam non videtis. 

R. V. t. H. 
Praga plaga nouitatis. es directa vanitatis 
Urbs regalis es obsessa. vili turba et opressa. 

R. V. t. H. 
Obses pinis noluisti. esse sero defecisti 
Inte mala hinc venerunt. Pessima inualuerunt. 

R. V. t. H. 
Ruptis claustro et cellarum. multitudo Hussitarum 
Euaginans crudos euses. expulit carthusienses. 

R. V. t. H. 
Sicue truces atque rei. inplestis mandata dei 
Quibus vos semper iactastis. mendaces exhorbitastis. 

R. V. t. H. 
Maria virgo respice. nee turbulatos despice. 
Potens es hanc iniuriam convertere in gioriam! 

R. V. t. H. 
Virgo tui contemptores. facti canes et tortores 
Viros fideles trucidant ecclesias expoliant. 

R. V. t. H. 
Sed horrenda intus latent que peracta Christo patent 
Hiis propter turpe meritum. dant finem et interitum. 

R. V. t. H. 
Hinc fideles iubilemus. Christum regem adoremus 
Qui est in personis trinus. viuus verus Dens unus. 
R. Deo gratias. Amen." 
(E cod. chart saec. XV. coaevo in 4° in archivo capituli 
Olomuciensis, Nr. CCCXLVIII, fol. ultimo.) 
Stift Raigern in M&hren. 

P. Maurus Kiister, Bibliothekar. 



Johannes Klenkok. 

Ein neues Zeugnifs fiber diesen merkwttrdigen Widersacher 
des Sachsenspiegels ist zum Vorschein gekommen in den Brie- 
fen Gerhard Groote's, welche Herr Dr. Nolte im Jahrgang 1870 
der Tubinger Theologischen Quartalschrift verflffentlicht hat 
In einem Briefe nftmlich, welchen Gerhard Groote an Wilhelm 
Vroede gerichtet hat, als dieser in Prag studierte, S. 285—290, 
ist wiederholt von Clencoc die Rede, der, wie es scheint, da- 
mals in Prag Moraltheologie vortrug. Datiert ist der Brief nicht; 
die Angabe Palacky's aber, welcher Klenkok als Prager Magis- 
ter bezeichnet, wird dadurch bestatigt Aus den Prager Ma- 
trikeln mlifsten sich wol genauere Nachrichten ermitteln lassen. 

Heidelberg. Wattenbach. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Easenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Niirnberg. 

Gedruckt bei U. E 3 cb aid in Narnberg. 



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BEILAGE ZUM ANZEIOER FUR BMDB DER DEUTSCHEN VORZEIT. 
1872. JW5. Mai. 



Chronik des germanischen Museums. 



Nurnberg, den 15. Mai 1672. 
Wir haben beute die schmerzliche Pflicht zu erfiillen, den am 
6. d. Mts. erfolgten Hingang des Grunders unserer nationalen An- 
stalt, des Freiherrn Hans von und zu Aufsefs, in die Chro- 
nik des Museums einzutragen. Geboren am 7. Sept. 1801, hat 
er ein Alter von 70 Jahren und 8 Monaten erreicht, eine Zeit, 
deren grofsten Theil er durch die Beschaftigung mit der deut- 
schen Vorzeit, sowohl ihrer Geschichte als der Entwicklung ihrer 
Zustande, ausfullte. Seiner unermudeten Thatigkeit, seinem rast- 
losen Eifer, der vor keiner Schwierigkeit zuriickschreckte, gelang 
es, ein Werk zu schaffen, das als ein nationales sich der allge- 
meinen Theilnahme heute zu erfreuen hat, und das, durch diese 
allgemeine Theilnahme gehoben, mehr und mehr sich entwickelt 
und, segensreich fiir die deutsche Wissenschaft, anregend auf das 
ganze Volk wirkend, die Zeiten uberdauern und so des Grunders 
Namen unsterblich machen wird. Dazu beizutragen, eifrig am fer- 
neren Ausbau der Anstalt, die seiner energischen Thatigkeit ihr 
Entstehen dankt, zu arbeiten, ist Ehrenpflicht aller, die als Hiiter 
dieses Eigenthums der Nation bestellt sind, und das Gelobnifs, 
diese Pflicht, wie bisher, so auch ferner treu zu erfiillen, ist ge- 
wifs in diesem ernsten Augenblick der entsprechendste Ausdruck 
der Gefuhle aller Freunde des Museums und des Verblichenen, 
der selbst noch sehen konnte, wie das, was er als ein schwaches 
Reis gepflanzt und unermiidlich gepflegt, heute schon zu einem 
Baum herangewachsen ist, der gute Friichte verspricht. 

Wenn das Werk, das er gegrtindet, wie alles Grofse, ein Werk 
der Arbeit und Mo he fur den Verstorbenen war und fiir die, welche 
mit ihm und, nach seinem vor nun bereits 10 Jahren erfolgten 
Rucktritt von der Leitung der Anstalt, nach ihm daran arbeite- 
ten, wenn der Grundor und sein Werk so manche Anfechtungen 
zu erleiden und harte Kampfe zu bestehen hatten, so fehlte es 
doch auch nicht an mannigfaltiger Anerkennung, und nicht erst 
in ferner Zukunft wird sein Name glanzen. Der Lebende hatte 
zablreiche Freunde, und viele gaben ihrer Verehrung fiir den Gran- 
der des Werkes schon bei seinen Lebzeiten Ausdruck. Der edle 
deutsche Konig Ludwig I. von Bayern, der so machtig die neue 
Anstalt, die Freiherr v. Aufsefs , nach seinen eigenen Wort en, ohne 
des Konigs wohlwollendes Eingreifen nicht hatte dauernd in's Le- 
ben rafen konnen, forderte, hat nicht unterlassen, dem noch Le- 
benden seine Anerkennung zu zollen, indem er dessen Biiste in 
Mannor ausfuhren und dem germanischen Museum iibergeben liefs, 
wo sie als Erinnerungszeichen an den Grunder, wie als Zeichen 
der Werthschatzung steht, die derselbe gefunden. 

Nachdem diese Biiste bisher, im Einverstandnifs mit dem durch 
sie Geehrten, ihren Plats im Sitzungssaale gehabt, soil sie nun, 
nach dessen Hingang, im Vorhofe des Museums auf einem Brun- 
nen ihre Aufstellung finden. Das aus dem Brunnen sich ergiefsende 
Wasser moge sinnbildlich den Segen ausdrucken, welcher der Wis- 
senschaft wie dem Yolke aus des Freih. v. Aufsefs Schdpfung jetzt 



schon zufliefst und hoffentlich in immer grofserem Mafse zu Theil 
werden wird. Ein Freund und Verehrer des Verstorbenen, Heir 
Bruno Freiherr von Seefried, k. bayer. Rittmeister a. D. , hat so- 
fort, noch ehe der Gedanke des Museums laut geworden, dem 
ersten Direktor den Betrag von 100 fl. eingehandigt, um Antheil 
an diesem Werke zu haben. Wenn nun auch das Museum selbst 
die Durchfuhrung desselben als seine eigene Ehrenpflicht betrach- 
tet und sie unter alien Umstanden in Balde bewirken wird, so 
will doch die Verwaltung der Anstalt, wie diesem ersten oben ge- 
nannten, so auch anderen Freunden undVerehrern Gelegenheit zu 
personlicher Betheiligung nicht entziehen und wird aus diesem 
Grunde auch andere Beit rage zu dem schon in Vorbereitung be- 
griffenen Werke dankbar entgegennehmen. 

Wenn die wehmuthige Trauer um den Heimgegangenen uns 
aufs neue die Pflicht an's Herz legt, vor allem an dem schonen 
Denkmale, das Freih. v. Aufsefs selbst „aere perennius" inmitten 
des deutschen Vaterlandes sich begrundet, eifrig fortzuarbeiten, 
so ist gerade dieser Augenblick auch geeignet, uns zu zeigen, wie 
tief bereits im Herzen der Nation das germanische Museum ein- 
gewurzelt ist. Zu unserer grofsen Freude hat der Reichstag des 
deutschen Reiches jungst, ohne dafs ein Gesuch des Museums vor- 
lag, diesem die Mittel geboten, rascher die Abrundung seiner Samm- 
lungen zu betreiben. Der Umstand, dafs leider in diesen Tagen 
die so kostbare Sammlung altester Druckerzeugnisse , die T. 0. 
Weigel in Leipzig in einem langen Zeitraum erworben, durch 
offentliche Versteigerung zerstreut werden soil, hat den Mitgliedern 
des Reichstages, G rafen Frankenberg, der schon wiederholt far 
unsere nationale Anstalt eingetreten war, sowie dem Furs ten 
Hermann von Hohenlohe-Langenburg Veranlassung gegeben, den 
von 81 Abgeordneten aller Fraktionen unterstQtzten Antrag zu 
stellen, den Beitrag fiir das Museum von jahrlich 8000 Thaler 
auf 16,000 zu erhohen, um so die Anstalt in den Stand zu setzen, 
in diesem wie in ahnlichen Fallen seltene und kostbare Werke, die 
auslandisches Geld zu entfilhren droht, dem Vaterlande zu erhal- 
ten. Der Reichstag nahm ohne Widerspruch von Seite der Re- 
gierungen diesen Antrag freundlich an ; und so konnen wir denn, 
wie wir soeben gelobt haben, eifrigst an der Ausbildung des gro- 
fsen Werkes zu arbeiten, uns zugleich auoh freuen, dafs neue Mit- 
tel dazu verfiigbar geworden sind. 

Mit grower Genugthuung begrufsen wir ferner unter den 
Stadteverwaltungen, welche dem germanischen Museum neuerdings 
jahrliche Beitrage zugesagt, die Stadt Dresden, wo vor nun 20 
Jahren die Griindung des Museums beschlossen wurde, und wel- 
cher frflher schon manche Forderung zu danken war,, sowie den 
Mittelpunkt deutscher Bildung in Oesterreich, die k. k. Reichs- 
Haupt- und Residenzstadt Wien, welche gleichfalls schon fruher 
einmal Beitrage geleistet hatte. 

Am 12. d. Mts. fand das Fest der Grundsteinlegung fur die 
Uebertragung des Augustinerklosters unter Theilnahme der stadti- 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit 



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schen Behorden und vieler Freunde dieser Sache statt, nachdem 
zuvor ein ernstes Concert in der Kunsthalle des Museums die Feier 
eingeleitet hatte. Eine Anzahl vorzuglich geschulter Gesangskrafte 
unter Leitung des Herrn 0. Emmerling trug Chorgesange vor, 
wahrend die gegenwartig hier weilende Opernsangerin Fraulein 
Wagner durch Solovortrage die Zuhorer entziickte. Eine beson- 
dere Weihe erhielt das Fest der Grundsteinlegung dadurch, dafs 
Se. Maj. Konig Ludwig II. von Bayern, der Protektor der An- 
rtalt, sowie Se. kaiserl. Hoheit der Kronprinz des deutschen Rei- 
ches ihr besonderes Interesse an der Uebertragung kundgeben 
liefsen. Se. Maj. Kaiser Wilhelm iibersendete nebst allerhuldvoll- 
sten Wiinschen fur das Oedeihen der Anstalt als Zeichen beson- 
deren Interesses eine Reichsgoldmiinze zum Einlegen in den Grand- 
stein. Gleichzeitig mit der Grundsteinlegung wurden zwei Sale, 
welche in jdngster Zeit im Anschlufs an die seitherigen Lokalita- 
ten erbaut worden waren, eroffnet, deren einer die in unsern letz- 
ten Mittheilungen schon erwahnte Ausstellung in sich schliefst. 
Dieselbe enthalt eine Reibe der hervorragendsten Erzeugnisse des 
Kunstgewerbes des Mittelalters und der Renaissance, die eine, 
wenn leider auch nur zeitweilige, kostbare Erganzung unserer 
Sammlungen bilden. Se. Majestat der deutsche Kaiser, Se. kgl. 
Hoheit der Fvirst von Hohenzollern - Sigmaringen , Se. Hoheit der 
Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha, Se. Durchl. F.-K. zu Hohen- 
lohe-Waldenburg, die Hohenlohe'sche Gesammtfamilie haben kost- 
liche Werke dazu eingesandt, zu denen noch mehreres aus hiesi- 
gem Privatbesitz und aus hiesigen Kirchen gekommen ist. Ein 
Katalog uber diese Ausstellung ist besonders gedruckt; wir ver- 
weisen unsere Leser auf denselben. 

Schliefslich erfullen wir noch die traurige Pflicht, den Tod 
zweier Mitglieder unseres Gelehrtenausschusses anzuzeigen, nam- 
Hch des Staats- und Reichsrathes Dr. G. Ludw. von Maurer in 
Munchen und des k. pr. geh. Raths und Direktors der k. Museen 
Dr. von Olfors in Berlin. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden fol- 
gende neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Yon St&dten etc. : Aussee (Steiermark) Marktgemeinde 1 fl. 
10 kr. Baden-Baden. Stadtgemeinde 10 fl. Briix (Bohmen). Stadt- 

S:emeinde 5 H. 50 kr. Calbe. a S. Stadtgemeinde 5 fl. 15 kr. Dres- 
en. Stadtgemeinde 43 fl. 45 kr. Kalaerslautern. Stadtgemeinde 10 fl. 
Wlen. Stadtgemeinde 116 fl. 40 kr. 

Von Privaten : Altona. Otto Semper, Fabrikant, 1 fl. 45 kr., 
Albert Warburg 1 11. 45 kr. Berlin. Eugen Ebel 2 fl., M. Engel 2fl. 
Brand (Mittelfranken). Conr. Gottschalk, Gastwirth und Brauerei- 
besitzer, 1 fl. 30 kr. Bruok (Oberbayern). Ed. Asimont, k. Landger.- 
Assessor, 1 fl., Eichleiter, Buchdruckereibesitzer, 1 fl. , Fr. S. Hart- 
mannn, k. Gerichtsschreiber, 1 fl., Carl Holzer, Ziegeleibesitzer, 1 fl. 
Bflckeburg. Ballerstedt, Hofprediger, 1 fl. 45 kr. , Dr. Kuhlgatz 1 fl. 
45-kr., Dr. Reiche, Consistorialrath, 1 fl. 45 kr. BQdingen. Dr. Ben- 
der, Gymnasiallehrer, 1 fl., Bier, Fabrikant, lfl., Dr. med. Brettel 
lfl., von Hertling, Regierungsaccessist, lfl. Eschenau. Theobald 
Trenkle, Vikar, lfl. 30 kr. Furstenfeld (Oberbayern). Bischoff, As- 
sistent a. d. k. Remonteanstalt, lfl., Cramer, Assist, a. d. k. Re- 
in on teanst alt, 1 fl., Leopold, Administrator d. k. Remonteanstalt, 1 fl. 
Bladenbach. Gg. Krug, Rechtsanwalt, 1 fl. 45 kr., Adolf Muller, Ober- 
forster, 1 fl., H. Schmitz, Postsekretar, 1 fl., J. D. Wehrenbold, Hiit- 
tenbesitzer, 1 fl. 45 kr., Dr. Weiffenbach, Gymnasiallehrer, 1 fl. Ham- 
burg. Heinr. Albers lfl. 45 kr. Hanao. Gg. Cornizelius, Maler, lfl., 
Friedr. Fischbach, Lehrer a. d. kgl. Akademie, 1 fl., Heinr. Geissell, 
Bijouteriefabrikt., 1 fl., Carl Heimel, Etuisfabrikt., 1 fl., Friedr. R6- 
diffenBijouteriefabrikt., 1 fl., Aug. Schleifsner, Silberwaarenfabrikt., 
1 fl., Friedr. Thyriot, Stadtbaumeister, 1 fl., Adam Voltz, Bijouterie- 
fabrikt., 1 fl., Heinr. Weishaupt, Bijouteriefabrikt., 1 fl. Hersbruck. 



Feiler, Pfarrer in Reichenschwand, 30 kr., Kelber, Pfarrer in For- 
renbach, 30 kr., Schott, Pfarrverweser, 30 kr. Klagenfurt Dr. Brandl 
lfl. 10 kr. Mannheim. Dr. C. Deimling, Professor, 3 fl. Melnlngen. 
Heinr. Culmbacher, Hotelbesitzer, 2 fl. NQrnberg. Joh. Hirschmann, 
Gastwirth, lfl., Nikol. Hofmann, Fabrikant, lfl. 30 kr., Pet Lenz, 
Bildhauer, lfl. 36 kr., Moritz Ostwald, Kaufmann, 2fl., Gustav 
Schulz 1 fl., Carl v. Staudt, Privatier, 1 fl. Osferborg. Eckhold, Se- 
minardirektor, 1 fl. 45 kr. Torgau. Ludw. Chrn. Krause, Maler und 
Zeichnenlehrer a. Gymnasium, lfl. 10 kr. Waliertheim (Hessen). 
H. J. Haas, grofsh. No tar, 7fl. Wlen. Jos. Gotzersdorfer, Prof, a, 
d. k. k. Ober-Realschule Schottenfeld, 1 fl. 10 kr., Vikt Luntz, Ar- 
chitekt am Rathhausbau, 5fl. 50 kr., Emil Seeliger, Prof. a. d. k. 
k. Ober-Realschule Schottenfeld, lfl. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 
Von Privaten: Bflckeburg. Ungenannter, lfl. 45 kr. Bladen- 
bach. HausiDger, Steuerkommissar, 1 fl. 45 kr. 

Zur Bankane : Wallersteln. Dr. Wilh. Freih. v. Loffelholz, 
furstl. Archivar und Domanial kanzleirath, 10 fl. 

Unsern Sammlungen giengen ferner nachstehende Geschenke zu: 

I. Fur die kunst- und kulturgeschiohtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6575—6607.) 
Berlin. Se. Majestat Kaiser Wilhelm: Eine Sammlung 
der seit Konig Friedrich d. Gr. im preufsischen Heere eingefuhrten 
Handfeuer- und blanken Waflen, 65 Stck. (15 Infanteriegewehre, 

7 Jagerbuchsen, 4 Pioniergewehre, 9 Cavalleriekarabiner u. s. w. 
nebst Zubehor, 9 Infanterie-, 4 Jager-, 3 Pionier-, 3 Artillerie-, 
1 Gensdarmerie-, 9 Cavallerie-Seitengewehre und 1 Lanze.) — 
Constanz. Walther, Domanenverwalter : 12 Radierungen von 
Marie Ellenrieder. — Ingolstadt Fr. X. Ostermair, Rechtsrath: 
Verzierter Bronzeriug, gefunden bei Mundlfeld. — Malland. Max 
Majnoni d'Intignano : 4 eiserne Strafwerkzeuge. Alphont 
Reichmann, Ritter: 3 Lunten- und 1 verziertes Jagdgewehr 
mit Steinschlofs. Ein Paar kleine Sporen. 1 Dolch mit geschnit- 
tenem Eisengriff, 17. Jahrh. Fayenceflasche in Form einea Fischee ; 
6 Handzeichnungen und 2 Photographieen nach alten verzierten 
Satteln und Steigbflgeln. — Miinchen. Reichardt, Antiquar: 
Bruchstflck eines Gobelin vom 15. Jahrh. Gemaltes Ornament, 
16. Jahrh. — . NUrnberg. H. und E. Beckh, Fabrikbesitzer : Knabe 
mit Dudelsack, Brunnenfignr von Bronze, 16. Jahrh. Goschel, 
Schreinermeister : Hammer vom 17. Jahrh. FreiherrvonHirsch- 
berg, kgl. Landgerichts - Assessor : Ungarische Silbermunze von 
1695. Nicolaus Hofmann, Fabrikbesitzer: Dolch mit getrie- 
bener Kupferscheide. Dr. med. Meyer, prakt Arzt : Nurnber- 
ger Lammsducaten von 1700 S. Pickert, Antiquar: Bemalter 
Seidenstoff, 16. Jahrh. Solger, stadt. Baurath : Bruchstuck eines 
goth. Holzornamentes und Wappenschild mit zwei schwebenden 
Engeln, Holzrelief um 1500. Dr. med. Zehler : 13 schwarze und 
1 grimes Wedgewood - Gefafs. Gesticktes Kastchen, 18. Jahrh. 
Grofse silberne Pramienmedaille der Karlsschule zu Stuttgart. 
Silberne Jubelmedaille des Gymnasiums zu Nvirnberg, 1826. Kleine 
bemalte Schachtel, 18. Jahrh. — Pdssneck. Kirchenverwaltung: 
Pietas, Holzschnitzwerk vom 15. Jahrh. — Schwabach. Rothgan- 
gel, Baubeamter: 2 durchbrochen verzierte Thiirbander mit dem 
Numberger Jungfernadler, 16. Jahrh. Gypsabgufs eines Epitaphs 
der Agathe und des Wolfgang von Knorring, 1506. — Schw. Gnind. 
Erhard, Fabrikbesitzer: 2 Hobel vom 17. und 18. Jahrh. — Slfl- 
maringfln. Se. kgl. Hoheit Fflrst Anton von Hohenzollern. 
Eine Sammlung von 20 Ofenkacheln des 17. und 18. Jahrh. 430 
Gypsabgusse von Medaillen, 46 Zinn- und 2 Bronzemedaillen; 

8 alt ere Kupferstiche von H. Goltzius u. A. Zigeunermadchen, 
Kupferetich von E. P. Mafsau nach Ch. Kohler. 

II Fiir die Bibliothek. 

(Nr. 28,130—28,197.) 
Arnstadt. Dr. Kroschel, Direktor des Gymnasiums: Den., 



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165 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



166 



d. Seelgerathsbriefe des Grafen Heinrich XVII. von Schwarzburg. 
1S72. 4. Progr. — Augsburg. Histor. Kreis-Verein im Re- 
gier.-Bezirke v. Scbwaben u. Neuburg: Ders., 85. Jahres- 
Bericbt f. d. J. 1869 a. 70. 1872. 8. — Bamberg. Historischer 
Verein: Ders., 33. Bericht etc. 1870. 1871. 8. — Basel. Gesell- 
schaft z. Beforderung des Guten u. Gemeinnutzigen: 
Dies., XLIX. Neujahrsblatt. 1871. 4. — Berlin. Hugo Kastner, 
Verlagsb. : Schmidt, Heinrich Pestalozzi. 8. Schmidt, Kriege zwi- 
schen Dentschland u. Frankreich seit 300 Jahren. 8. — Braunau. 
Jos. Roidtner, k. k. Bezirks - Ingenieur : Ders., d. Fundplatze 
der kelt, rom. u. altdeutschen Waflen, Munzen u. Gerathschaften 
am Donau8trudel u. Wirbel. 8. Sondcrabdr. — Bremen. His tori- 
sche Gesellschaft des Kiinstlervereins: Dies., Bremisches 
Jahrbuch. Bnd. XVI, 2. 1872. 8. — Brfissel. Ad. vanSoustde 
Borkenfeldt: Jane, l'annee sanglante. 1872. 8. — Budingen. 
Dr. Franz Bliimmer, Gymnasiallehrer : Ders., Alexander d. Gr. 
in Jerusalem. 1872. 8. — Colmar. L. v. Cuny, kais. Appellrath: 
Die NeogrOndung d. Strafsb. Bibliothek. 1871. 8. Verzeichnifa d. 
Vorlesungen a. d. Universitat Strafsburg. 1872. 8. Schollenbruch, 
Rede zur Eroffnung des evang. Lehrerseminars (in Colmar). 1871. 
8. Catalogue du Musee de Colmar; 2. ed. 1866. 8. Revue d'AI- 
sace; 1. annee. 1872. 8. — Dresden. K. sachs. statist.Bureau: 
Dass., Uebersicht der Bevolkerung d. Konigr. Sachsen am 1. Dec 
1871. 2. Dass., d. Bevolkerung des Konigr. Sachsen am 1. Dec. 
1871. 2. — 6enf. Societe d'histoire et d'archeologie : 
Dies., memoires et documents; t. XVII, livr. 3. 1872. 8. — Graz. 
Joanneum : Jahresbericht d. Miinzen- u. Antiken- Cabinets f. d. 
J. 1871. 1872. 4. Sonderabdr. Steiermark. Verein z. Forde- 
rang des Kunst-Industrie: Ders., Rechenschafts-Bericht etc. 
fiber das Vereinsjahr 1871. 1872. 4. Ders., Verzeichnifs der Gran- 
der, Ehrenmitglieder u. Mitglieder. 1871. 4. — Hautzenstein b. Re- 
flessburg. Hugo Graf v. Walderdorff, k. b. Kammerer: Neu- 
mann u. Walderdorff, die drei Dombaumeister Roritzer und ihr 
Wohnbaus in Regensburg. 1872. 8. Sonderabdr. Reber, ein noch 
nngedr. Gedicht des Conr. Celtes. 1872. 8. Sonderabdr. — lans- 
brnck. Ferdinandeum f. Tirol u. Vorarlberg: Dass., Zeit- 
schrift etc.; HI. Folge, 16. Heft. 1871. 8. — Jena. Universitat: 
Feill, Cardinal Salm u. seine Friedenswerke. 1872. 8. Mating- 
8ammler, Karl (IV.) v. Lfitzelburg ; Th. 1. 1872. 8. Nebst 9 wei- 
teren akadero. Gelegenheitschriften. 1871 u. 72. 4. 8. — Karlsruhe. 
6. Braun'sche Hofbuchh.: Zeitschrift f. d. Geschichte d. Ober- 
rheins; Bnd. 24, 2. 1872. 8. — Landshut Histor. Verein far 
Niederbayern: Ders., Verhandlungen etc.; Bnd. XVI, 3.4. 1872. 
8. - Leipzig. T. 0. Weigel, Verlagsh. : Ders., Katalog frohester 
Erzeugnisse der Druckerkunst 1872. 8. — Llnz. Museum Fran- 
cisco-Carolinum: Dass., 30. Bericht, nebst Beitrage etc. 25. 
Lief. 1871. 8. — London. Aug. W. Franks: Slade, catalogue of 
the collection of glass, formed by F. Slade. 1871. 2. — LUbeck. 
Dr. C. W. Pauli, OberappelL-Ger.-Rath : Ders., Lubeckische Zu- 
•tande im Mittelalter. 1872. 8. — Magdeburg. Verein fiir Ge- 
schichte u. Alterthumskunde des Herzogth. u. Erz- 
stifta Magdeburg: Ders., Geschichts-Blatter. 7. Jhg., 1. Heft. 



1872. 8. — MQnchen. E. A. Fleischmann's Buchh. : Schreiber, 
Maximilian I. der Katholische, Kurfurst v. Bayern. 1868. 8. Sey- 
fried, altboari8che G'schichtln u. G'sangeln. 1869. 8. Dr. Sep p, 
Professor: Ders., Friedr. Overbeck. 1869. 8. Sonderabdr. Ders., 
d. neue Rathhausbau in Munch en. 1868. 8. Sonderabdr. — Neisso. 
Phi lo math le: Dies., 17. Bericht, 1869—72. 1872. 8. — Neuburg 
a. D. H. Loe, k. Studienlehrer : Ders., Ephemeren. Zeitgedichte. 

1871. 8. — NUrnberg. F. Wilh. Freih. v. Ditfurth: Ders., hi- 
stor. Volks- u. volksthumliche Lieder des Krieges v. 1870—1871. 
II. Theil. 1872. 8. Ders., d. histor. Volkslieder v. Ende des sie- 
benj. Krieges bis zura Brande von Moskau. 1872. 8. Ders., d. hi- 
stor. Volkslieder v. d. Verbannung Napoleons nach St Helena bis 
zur Gr fin dung des Nordbundes. 1872. 8. Engelhardt, Rechts- 
r«th: v. Spaun, iiber d. Thaumaturgen des 19. Jahrh. 1821. 8. 
Beurtheilung der Broschiire: „Stimme aus Bayern an die Berliner 
Protestanten." 1838. 8. Vorstand der Maximilians - Hei- 
lungs-Anstalt: Ders., 58. Jahres-Bericht etc. 1872. 4. Dr. Ze ti- 
ler: Der Trodel-Markt od. d. sogen. kl. Leipziger Messe in Nurn- 
berg. 4. — Potsdam. J. K. F. Knaake, Lehrer u. Prediger am 
Cadettenhause : Ders., Jahrbucher des deutschen Reiches u. der 
deutschen Kirche imZeitalter der Reformation ; Bnd. I, H. 1. 1872. 
8. — Regensburg. Friedr. Pustet, Verlagsh.: Geschichtl. Auf- 
zeichnungen iib. d. ehemal. Genossenschaft der Franziakanerinnen 
v. Limburg. 1871. 8. Leben der heil. Johanna Franziska v. Chan- 
tal. 1871. 8.— Riga. Dr. Buchholtz: Berkbolz, d. Bergmann'sche 
Codex der livland. Reimchronik. 1872. 8. Sonderabdr. — Schwein- 
furt. Jen 8 Sattler, Fabrikbesitzer : Ders., Schlofs Mainberg bei 
Schweinfurt. 1871. 8. — Striegau. Dr. Rob. Rofsler, Rektor d. 
hohern Bflrgerschule : Ders., Striegau, im XIV. Jahrh. 1872. 4. — 
Ulm. Stettin'sche Buchh. (E. Autenrieth): Bauer, Deutschland 
in den Jahren 1517 — 1525. 1872. 8. — Wlen. Wilh. Obermiil- 
1 e r : Ders., Ob. den Ursprung der Baaken. 8. Sonderabdr. M a t h i a s 
P anger], fiirstl. Schwarzenb. Archivar: Ders., Zawisch v. Falken- 
stein. 1872. 8. Sonderabdr. R. v. Waldheim, Verlagsh.: Das 
Gefecht bei Coulmiers am 9. Nov. 1870. 1872. 8. Sonderabdr. 
Thorheim, d. Mitrailleusen u. ihre Leistungen im Kriege 1870 — 71. 

1872. 8. Sonderabdr. — WQrzburg. Histor. Verein f. Unter- 
franken und Aschaffenburg: Ders., Archiv etc.; 21. Bnd. 
3. Heft, 1871. 8. — ZOrlch. J. Herzog, Verlagsh.: Volkmar, 
Zwingli, sein Leben u. Wirken. 1871. 8. 

IE. Fur das Archiv, 

(Nr. 4251—4252.) 

NOrnberg. Bernhard Freiherr von Hirschberg, Land- 

gerichtsassessor : Adeliger Wappenbrief Kaiser Ferdinand's II. fur 
ottfried Perlinger. 1636. Pgm. — Wismar. Der Rath daselbst: 
Ein Faszikel, enthaltend : Zeitungen und Berichte fiber verschie- 
dene europaische Ereignisse von der zweiten Halfte des 16. Jahrh. 
bis 1634, und vier Papierurkunden in Abschrift verschiedenen In- 
halts. Akten. 



Cbronik der Mstorlschen Verelne. 



Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur 
Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. XVH. 
Jahrg. Marz — April. Wien. 1872. 4. 

Die farbigen Glasscheiben im Dom von Florenz. Mit einem 
Anhang von Documenten. Studie von Dr. Hans Semper. — Holz- 
kirche in Schlesien. (Mit 1 Taf. u. 3 Holzschn.) Von Anton Pe- 
ter. — Gemalte Initialen auf Urkunden. (Mit 1 Holzschn.) Von 
Dr. Arnold Luschin. — Die passio sanctorum quatuor coronato- 
rom. (Mit 1 Holisch.) Von Albert Ug. — Literatur. 



Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft 
in Wien. I. Band. 1872. Nr. 3. 4 8. 

Ueber prahistorische Graber Polens. Von Dr. Hermann Bei- 
geL — Archaologischc Funde in der Nahe von Komotau in Bohraen. 
Zweiter Bericht iiber die urgeschichtlichen Anaiedlungen in Nie- 
derdsterreich. Von Dr. M. Much. 

Heraldisch-genealogische Zeitschrift. Organ des 
heraldisch-genealogischen Vereins w Adler" in Wien. 
Wien, Februar — April. 1872. II. Jahrg., Nr. 2—4. 4. 



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167 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



168 



Ueber „arma ignominiosa". Von Dr. C. 0. von Querfurth. — 
Die Wappen der Be8itzer von Rofswald und Follstein (in der mah- 
rischen Enclave), von Anton Peter. — Alphabetisches Register der 
Standeserhohungen Kaiser Karl's V., welche in den im k. k. Haus-, 
Hof- und Staats-Archive aufbewahrten Regis tratur-Biichern Kaiser 
Karl's V. eingetragen sind. — Die 6echzehn Ahnen des Grafen Jo- 
hann Norbert Piccolomini (1709). Eine genealogische Studie aus 
dem Nachoder Schlofs -Archive von Arnold Freyherrn von Weyhe- 
Eimke. — Lopresti, eigentlich de lo Presti, Freyherren. — Die 
Die Freyherren von Sahlhausen zur Zeit ihrer Ansafsigkeit in 
Bohmen. — Steiermarkisches Wappenbuch von Z. Bartsch vom 
Jahre 1567. Besprochen von Friedr. Reichsfreyherrn von Wald- 
bott-Bassenheini. 

Jahresbericht der numismatischen Oesellschaft in 
Wien tiber die beiden ersten Jahre 1870 und 1871. Wien, 
1872. 8. 

(Die Gesellschaft wurde am 19. Marz 1870 gegrflndet und hat 
seit dieser Zeit eine rege Thatigkeit entfaltet. Nicht allein wurden 
in den Jahren 1870 und 1871 im Ganzen 23 Vortrage gehalten, 
sondern auch in anderer Beziehung, so bei der Entdeckung um- 
fangreicher und gefahrlicher Munzfalschungen , der Numismatik 
erhebliche Dienste geleistet.) 

Der Kirchen-Schmuck. Blatter des christlichen 
Kunstvereines der DioceseSeckau. 1872. III. Jahrg. Nr. 3. 
4. Graz. 8. 

Das neue Munster zu Admont — Bildnerei. V. Die Christus- 
bilder der byzantinischen Zeit. — Seiz , die alteste Karthause 
Deutschlands. — Ein Ritual aus dem Beginn des vorigen Jahr- 
hunderts. 

Zeitschrift des Ferdinandeums fur Tirol undVor- 
arlberg. Herausgegeben von dem Verwaltungs-Ausschusse des- 
selben. Dritte Folge. Sechszehntes Heft. Innsbruck, 1871. 8. 

Die Vogte von Matsch, spater auch Grafen von Kirchberg; 
von P. Justinian Ladurner. 1. Abtheilung. — Naturwissenschaft- 
liches. — Jahresbericht. 

Dreifsigster Bericht uber das Museum Francisco- 
Gar ol in um. Nebst der ftinfundzwanzigsten Lieferung der Bei- 
trage zur Landeskunde von Oesterreich ob der Ens. Linz, 1871. 8. 
Angel egenheiten des Museums. — Lorch und Ens. (XL— XVI. 
Jahrh.) Ein Beitrag zur obderensischen Kulturgeschichte. Von 
Dr. Pius Schmieder. — Lauriacum oder Lorch unter romischer und 
deutscher Herrschaft. Von Joh. Nep. Cori. — Die Fundplatze der 
keltischen, romischen und altdeutschen Waffen, Mtinzen und Gerat- 
schaften am Donau-Strudel und Wirbel. Von Josef Roidtner. 

Verhandlungen des historischen Vereins fur Nie- 
derbayern. XV. Band. Landshut, 1870. 8. 

Beitrage zur Geschichte des Marktes Regen. Gesammelt von 
Franz Akstaller. — Beitrage zur Geschichte des Marktes Zwiesel 
im bayer. Wald von 978 bis 1868. Ges. von dems. — Regesten 
aus dem magistratischen Archive zu Passau. Bearbeitet u. mitg. 
von Dr. Alexander Erhard. Zur Geschichte des Klosters Alders- 
bach. Von Michael Hartl. — Urkunden- Auszflge zur Geschichte 
des Marktes und Gerichtes Eggenfelden. — Beschreibung der Erb- 
huldigungs-Feier zu Abbach beim Regierungsantritt des Churfiir- 
ftirsten Carl Albrecht den 24. August 1727. In Original mitge- 
theilt von Lang. — Kleine Beitrage zur mittelalterlichen Ortsfor- 
schung in Bayern von Prof. Fr. Chr. Hoger. — Berichtigung zu 



von Hasselholdt-Stockheim, Herzog Albrecht IV. etc Mitgetheilt 
von dems. — Die Burg WeifseDstein im bayerischen Walde. Hi- 
Btorische Skizze zu einem Aquarellbilde von Georg Wiesend. — 
Eine Burgerfamilie von Landshut zu Ausgang des 16. Jahrh. — 
Vereinsangelegenheiten. 

XVI. Band. 3. und 4. Heft (der Inhalt des 1. und 2. Heftes, 
welche vor dem XV. Bande hieher gelangten, ist bereits fruher mit- 
getheilt worden). Fragmente aus der Zeit des dreifsigjahrigen Krie- 
ges, als Beitrage zur Geschichte der altbayr. Kreishauptstadt Lands- 
hut von anno 1618 — 48. Mitg. von M. Graf Topor Morawitzky. — 
Salpuech vnnd beschreibung Aller des . . . Hertzog Wilhelmen in 
Bayern etc. angehoriger Stuckh an Schlossern etc. — Die St. Afra- 
kapelle zu Seeligenthal mit ihren Sculpturen. — Die Steinsaule 
am Wege nach Obergolding bei Landshut. — Einode Wolfstein 
bei Landshut, Conradins, des letzten Hohenstaufen, Geburtsort. 
Von Prof. Fr. Chr. Hoger. 

Zeitschrift des Kunst-Gewerbe-Vereins zu Mun- 
ch en. XXII. Jahrg. Heft 1 und 2. Miinchen, 1872. Theodor 
Ackermann. 2. 

35. Jahresbericht des historischen Kreis-Vereins 
im Regierungsbezirke von Schwaben und Neuburg fur 
die Jahre 1869 und 1870. Augsburg, 1872. & 

Vereinsangelegenheiten. — Verzeichnifs der in der Munz- 
sammlung des Vereins befindlichen Munzen und Medaillen der 
Stadt Augsburg von Johann Paul Grofshauser. — Reise des P. 
Reginbald Mohner, Benedictiners von St Ulrich in Augsburg, 1651. 

Berichtigung. Am Schlusse der in Nr. 3 mitgetheilten 
Inhaltsangabe des Archive far Geschichte und Alterthums- 
kunde von Oberfranken (11. Bandes 2. u. 3. Heft) sollte 
es heifsen: 

Historischer Spaziergang von St. Rupert bis Rotenpuhl von 
H. v. Aufsefs. — Kloster Langheim, Mittheilung von Baron von 
Holleben. 

Dreiunddreifsigster Bericht uber das Wirken und 
den Stand des historischen Vereins zu Bamberg im 
Jahre 1870. Bamberg, 1871. 8. 

Krieg der frankischen Einigungs-Verwandten gegen Markgraf 
Albrecht von Brandenburg. Nach einer gleichzeitigen Handschrift 
herausgegeben von Archivrath Jos. Baader. 

Archiv des historischen Vereines von Unterfran- 
ken und Aschaffenburg. Einundzwanzigster Band. Drittes 
Heft. Wurzburg, 1872. 8. 

Das Stifbhauger Dekanatsbuch. Von J. Kuhles. — Wurzbur- 
gisch-Frankische Siegel. Von Carl Heffoer. — Bemerkungen uber 
Benennung, Umfang, Mark en und Nachbargaue des Grabfeldes nach 
den Kloster Fuldischen Traditions-Urkunden. Von Dr. Stein. 

Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. 
CVII. Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orleans aus 
den Jahren 1707 bis 1715, herausgegeben von Dr. Wilhelm Ludwig 
Holland. — CVIII. Der Nonne von Engelthal Buchlein von der 
Genaden Uberlast, herausg. von Karl Schroder. — CIX. Reinfrid 
von Braunschweig, herausg. von Karl Bartsch. Tubingen, 1871. 8. 

Archiv fiir Hessische Geschichte und Alterthums- 
kunde. Herausgegeben aus den Schriften des historischen 
Vereins fiir das Grofsherzogthum Hessen. Zwdlfter Band. 
Drittes Heft Darmstadt, 1870. 8. 

Wild- und Rheingraf Otto Ludwig und seine Familie. (17. 



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169 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



170 



Jihrh.) Von Dr. W. Franck. — Aus der Chronik von Nieder- 
Weiiel. Von Pfarrer Kayser. — Zur Geschichte der Grafen von 
Katzeuellenbogen. Von Hofgerichtsadv. Ernst Woner. — Kleinere 
liittheilungen. 

Neujahrsblatf des Vereins fur Geschichte nnd Al- 
terthnrosknnde in Frankfort a. M. fur das Jahr 1871. 
Frankfurt a. M. 4. 

Jacob Heller und Albrecht Durer. Ein Beitrag zur Sitten- 
and Kunstgeschichte des al ten Frankfurt a. M. urn 1500, von Otto 
Cornill. Mit xwei Abbildungen und vier in den Text eingedruck- 
ten Holzschnitten. (Die beiden Abbildungen werden nachgeliefert.) 

Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt a,M., 
ton Johann Georg Batton. Aus dessen Nachlasse hrsg. von dems. 
Vereine. Secbstes Heft. Frankfurt a. M. 1871. 8. 

Vortrag Ober die Geschichte der Stadt Gelnhausen, 
gehalten in der Jahres-Versammlung des Vereins for hessische 
Geschichte und Landeskunde zu Gelnhausen am 13. Juli 
1871 durch C. H. Schoffer sen. Gelnhausen. 8. 

DerdeutscherHerold. Zeitschrift fur Heraldik, Sphragistik 
n. Genealogie. Organ des Vereins fur Siegel- und Wap- 
pen-Kunde zu Berlin. HI. Jahrgang. Nr. 4. 5. Berlin, 
1872. 4. 

Der bdhmische Adler. Nach Gelasius Dobner. (C. Chi. Frhr. 
t. R.) — Noch einmal die Top, Tappe, Almesloe und Almelo. 
(v. Fock.) — Regesten der Familie der Schutzen zu Orlamunde. 
Von Victor Lommer. — Heraldisch - genealogische Nachtrage und 
Znsatze sum Adelslexicon der Preufeischen Monarchic — Beitrage 
«ur deutschen Familienkunde. (Gust. Seyler.) — Redende Wap- 
pen. — Etwas fiber r die v. Natza u. v. Topfer. — Beitrage zur 
Geschichte der Herren von Wildenfels. (C. Chi. Frhr. v. R.) — 
Nachrichten fiber die v. Almelo. (L. A. F. H. von Heeckeren.) 
— Grabstein-Inschriften aus Thoringen, die Familie v. Knobloch 
betreffend.) (Hauptmann Kindler in Strafsburg.) 

Monatshefte for Musik-Geschichte, herausgegeben von 
der Gesellschaft fur Musikforschung. IV. Jahrg. 1872. 
Nr. 1—4. Berlin. 8. 

Matthias Herman Werrecorensis. Von Fr. X. Haberl. — Ver- 
wichnifs offentlicher Bibliotheken Deutschlands , in denen Musik- 
werke aufbewahrt werden. Gesammelt von Moriz Forstenau, aus- 
gearbeitet von Robert Eitner. — Lautenbficher des XVI. Jahrh. 
Von Hans Gerle. — Hassler und Sweelinck. (Rob. Eitner.) — 



Zwei archivarische Schriftstficke aus dem 16. Jahrhunderte. (Otto 
Eade.) — Nochmals die franzosischen Psalmenmelodieen. — Lau- 
tenbuch von 1558. — Die Choralcompositionslehre vom 10. bis 
18. jahrhunderte. Von P. Utto Kornmuller 0. s. B. 

Geschichtsblatter fur Stadt und Land Magdeburg. 
Mittheilungen des Vereins fur Geschichte und Alterthums- 
kunde des Herzogthums und Erzstifts Magdeburg. 
7. Jahrg. 1872. 1. Heft. Magdeburg, 1872. 8. 

Danische Drucke der Reformationszeit aus Magdeburger Offi- 
cinen. Von Dr. Ludw. Gotze. — Die Achtserklarung Kaiser Sigis- 
mund's gegen die Stadt Magdeburg vom 10. April 1434. Von Dr. 
Geisheim. — Ueber einige Punkte in der Regierungsgeschichte des 
1825 erschlagenen Erzbischofs von Magdeburg, Burchard (III.) und 
seines Nachfolgers Heidenreich. Vom Archivrath v. Mfilverstedt. 
— Beitrage zur Geschichte der Stadtkirehe in Egeln. Vom Rector 
A. Engeln. — Ueber das Vorkommen und die Bedeutung des Na- 
mens Vogelgesang. — Kleinere Aufsatze. 

Zeitschrift des Harz-Vereins fur Geschichte und 
Alterthumskunde. Hrsg. von Dr. Ed. Jacobs. Vierter Jahr- 
gang. 1871. Drittes und viertes Heft. Wernigerode. 1871. 8. 

Die Wfistungen der Grafschaft Stolberg - Stolberg , Stolberg- 
Rofsla und der Stammgrafschaft Hohnstein. Mit einer Wustungs- 
karte. Von Karl Meyer. — Der Brocken und sein Gebiet. Von 
Ed. Jacobs. Zweite Halfte. — Die Kirchenreformation der Stadt 
Goslar. Von Dr. Muller. — Geschichte der Grafen von Wernige- 
rode und ihrer Grafschaft. Von G. Bode. H. Die Grafschaft der 
Grafen von Wernigerode. — Hierographia Halberstadensis. Vom 
Archivrath G. A. v. Miilverstedt. — Zur Munzkunde. — Ver- 
mischtes. 

Bulletin Monumental on collection de memoires sur les 
monuments historiques de France,' public" sons les auspices de la 
Societe franchise d' archeologie pour la conservation 
et la description des monuments nationaux, et dirig6 
par M. de Caumont 4. Serie, Tome 8, 38. Vol. de la Collection. 
Nr. 5. Paris et Caen, 1872. 8. 

Excursion a la Ste-Baume et a St-Maximin, par M. le baron 
J. de Verneilh. — Chaussures liturgiques trouvees a Stavelot, par 
M. Meyers. — Note sur deux peignes liturgiques provenant de Sta- 
velot, par M. Chalon. — Nouvelle etude sur la de'dicace des tom- 
beaux gallo-romains, par M. Martin Dauasigny. 



Nachrichten. 



LIteratur. 

Neu er8chienene Werke. 
12) Die Trachten der Volker in Bild und Schnitt. 
Eine historische und technische Darstellung der mensch- 
Hchen Bekleidungsweise von den altesten Zeiten bis in's 
neunzehnte Jahrhundert und zugleich ein Supplement zu 
alien vorhandenen Kostumwerken fur darstellende Kunstler, 
Maler, Kostumiers und Forscher auf dem Gebiete der Trach- 
tenkunde von Carl Kohl er, His tori en-Maler in Nurnberg. 
Mit xahlreichen planotypisch ausgefuhrten Illustrationen 



nach Original-Zeichnungen des Verfassers. Dresden. 1871. 
Verlag von Miiller-Klemm u. Schmidt, gr. 8. I— III. Heft. 

Der Verfasser hat sich die eigenthomliche Aufgabe gestellt, 
zu den aus der Trachtengeschichte bekannten Kostoraen den jedes- 
mal entsprechenden Schnitt hinzuzufinden. Da wenigstens far die 
alteren Zeiten historische Grundlagen zu diesem Zwecke so gut 
wie ganz feblen, blieb kein anderes Verfahren ubrig, a!s versuchs- 
weise Gewander derart nachzubilden , dafs sie, mit der nothigen 
Aufmerksamkeit etwa einer Kostumfigur angelegt, dieselbe Erschei- 
nung bieten t wie sie in den alten Abbildungen sich darstellen. 



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171 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



172 



Selbstverstandlich kann sich daraus kein wissenschaftlioh gesicher- 
tes Resultat ergeben, doch lafst sich ein Grad von Wahrscheinlich- 
keit erreichen, der seinerseits der Wissenschaft zu Statten koramt, 
zumal wenn ungezwangen ein gewisser Zusammenhang zwischen 
den einzelnen Fallen und gar ein System in dessen Fortgang sich 
ergibt. Das aber ist der Vorzug des vorliegenden Werkes, und 
seine Ansfiihrungen machen in hohem Grade den Eindruck, als 
brachten sie wirkliche geschichtliche Thatsachen. Fiir die naher 
liegenden Zeiten gestaltet sich das Verhaltnifs natttrlich giinstiger. 
S ein em praktischen Zweck entspricht das Buch sicher wie kein 
anderes; doch auch der Forscher wird nicht Umgang davon neh- 
men konnen. 
13) „Ein feste burgk ist unser got" Der neuaufgefun- 
dene Luther -Codex vomJahre 1530. Eine von dem 
grofcen Reformator eigenhandig benutzte und ibm von dem 
Kursachsischen Kapellmeister Johann Walther verehrte hand- 
schriftliche Sammlung geistlicher Lieder und Tonsatze. Zum 
ersten Male in ihrer hohen Bedeutung fur die Geschichte 
des evangelischen Gemeindegesanges gewiirdigt und mit 
musikalischen Beilagen, sowie getreuen Nachbildungen der 
Handschriften begleitet von Otto Kade, Musikdirektor 
u. a. w. Dresden, Schrag'sche Verlags-Anstalt. Heinrich 
Klemm. Erstes Heft Qu. 4. 24 Stn. 
Der im Titel des vorliegenden Werkes genannte raerkwiirdige 
Codex, ein starker Querquart-Band mit zahlreichen deutschen und 
lateinischen Kirchenliedern , befindet sich im Besitze der Verlags- 
handlung und wird hier, seiner ganzen Bedeutung nach gewiirdigt, 
in einem Theile seines Hauptiohaltes veroffentlicht. Das vorlie- 
gende Heft bringt aufser der Einleitung eine Abhandlung iiber Lu- 
ther und Johann Walther als Begrunder des evangelischen Ge- 
meindegesanges, ferner die Beschreibung des „Luther-Codex" nach 
seiner aufseren Ausstattung wie seiner inneren Einrichtung, eine 
Untersuchung iiber die Echtheit desselben und die Angabe seines 
Inhalts. Vorgebunden sind noch zwei Facsimiles: eine Inschrift 
Luther's in den Codex, durch welche er ihn als Geschenk seines 
Freundes J. Walther vom J. 1530 bezeichnet, und der Beginn des 
Liedes : Ein feste Burg u. s. w. mit dem dazu gehorenden Noten- 
satz. Aufser diesen sollen noch die Gesange : Vater unser im Him- 
melreich, Gelobet seistu Jesu Christ und Dis sind die heiligen zehn 
gebot mitgetheilt werden. Das Werk wird vollstandig in funf 
bis sechs Heften erscheinen. Die Ausstattung ist eine sehr an- 
sprechende. 

AufsGAzt in Zeitschriften. 
Das Ausland: Nr. 19. Runen u. Runensteine. (Franz Maurer.) 
Das neue Blatt: Nr. 18, S. 288. Die eiserne Jungfrau. — Nr. 

22, S. 340. Zur Geschichte des Schmuckes nach Gustav Klemm's 

culturhistorischer Sammlung zu Dresden. — S. 342. Erinnerun- 

gen aus dem alten Leipzig. Yon Otto Moser. 
Buch der Welt: 9. Heft, S. 415. Die Papstin Johanna, Yon 

Franz Maurer. (For die — langst als widerlegt anzusehende — 

geschichtliche Wahrheit der Sage.) 
Euro pa: Nr. 17. Der Ammeister von Strafsburg. Ein Opfer 

geistlicher Herrschsucht, (Prof. Enzlin zu Tubingen, Anfang des 

17. Jahrh.) — Nr. 20, Sp. 631. Der Munster zu Strafsburg. 

Yortrag von Baumeister EL Altendorf, gehalten im Kunstverein 

zu Leipzig. 



Die Grenzboten: Nr. 17, S. 143. Durer's Befestigungskunst. 
(Max Allihn.) — Nr. 18, S. 161. Gustav Wasa's Politik gegen 
die romische Kirche. (Karl Fischer.) 

Im neuenReich: Nr. 16 f. Nicolaus von der Flue. (Gustav Frey- 
tag.) — Nr. 21, S. 804. Aus den Aufzeichnungen eines Bettel- 
monchs (13. Jahrh.). (Alfred Dove.) 

Sachsisches Kirchen- u. Schulblatt: Nr. 15. Aus der Re- 
formationszeit. (J. K. Seidemann.) 

Illustrirte Deutsche Monatshefte: Nr. 92 (188), S. 135. 
Etwas iiber deutsche Yornamen. (Karl Braun.) II. — S. 157. 
Zur Geschichte der Rose und ihrer Symbolik. (M. J. Schleiden.) 

The illustrated London News: Nr. 1702, p. 931. The porta 
nigra, Treves (mit Abbild.). 

Augsburger Postzeitung: Sonntags-Bl., Nr. 19 ff. Die alten 
Landsknechte. Das deutsche Eriegshandwerk zur Zeit der Re- 
formation. (Hans Weininger.) 

Neue Freie Presae: Nr. 2768. Friedrich Schiller und der Schild 
des K6nig8 Mathias Corvinus. — Nr. 2776. Die Heimat Wal- 
ther's von der Vogelweide. (G. Dahlke.) 

Kgl. Preufs. Staatsanzeiger : Beil., Nr. 13. Beitrage zur deut- 
schen und preufsischen Geschichte und Landeskunde in Schul- 
programmen. — Nr. 14. Der Fruhling in der deutschen Mytho- 
logie. 

Oesterr. Yierteljahresschrift f. kathol. Theologie: 1871, 
4. Heft. Zwei bisher noch ungedruckte Schrifben Gerhohs von 
Reichersberg. (F. Scheidelberger.) — Beitrage zur Geschichte 
der Erzdiocese Wien. 12 u. 13. (Th. Wiedemann.) 

Wochenblatt d. Joh.-Ord. -Bailey Brandenburg: Nr. 19. 
Deutsche Hausinschriften. — Ein deutscher Studierender als 
evangelischer Martyrer in Rom. — Nr. 20 ff. Der Templer-Orden 
und die eigentliche Ursache seines Sturzes. (Dr. Karl Herquet.) 

Oesterr. Wochenschrift f. Wissensch. u. Kunst: N. F., 
1. Band, 3. Heft. Die Quellenschriften f. Kunstgeschiohte und 
Kunsttechnik des Mittelalters und der Renaissance. (A. Hg.) 

Zeitschrift f. bild. Kunst: 7. Heft, S. 200. Jan Baptist van 
der Meiren. (Wilh. Schmidt.) 

Zeitschrift f. wissensch. Theologie: 3. Hft Noch einmal 
Luther's Geburtsjahr. (H. Holtzmann.) 

Allgem. Zeitung: Beil., Nr. 118. Zur Geschichte des Orlando 
di Lasso und seines Grabsteins. (Rud. Marggraff.) — Nr. 123. 
Notiz uber die Familie Holbein. (Wilh. Schmidt) — Nr. 125. 
Zur Geschichte der Universitat Strafsburg. 

Frankfurter Zeitung: Nr. 135, 2. Bl. Der Sarkophag Einhard's. 

Illustr. Zeitung: Nr. 1504. Der Erfurter Todtentanz. (H. 
Kruspe.) — Nr. 1506. Das Ottilienkloster im Elsafs. (Robert 
Afsmus.) 

Kolnische Zeitung: Nr. 132, 2. Bl., u. 133, 2. Blatt Die Je- 
suiten in Kdln. (Dr. L. Ennen.) — Nr. 133, 3. BL Pfahlbauten 
(am Lviptener See). (N. Stett Ztg.) 

Leipz. Zeitung: Wissensch. Beil., Nr. 26.. Die Hubertsburger 
Frieden8verhandlungen. 



Yermischte Nachrichten. 

42) Betrachtliche Ueberreste romischer Gebaulichkei- 
ten wurden bei der Fundamentierung des neuen Kursaals zu 
Baden im Aargau aufgedeckt. Bis jetzt sind zwei Seitenmauern, 



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173 



Anzeiger ftir Kunde der deutechen Yorzeit. 



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jede von 24 Ellen Lange and 2 Ellen 7 Zoll Starke, zu Tage ge- 
treten, welche sich noch weiter auszudehnen scheinen. An diesel- 
ben schliefst sich nnmittelbar das Hypokaust an, von welchem, in 
7 Reihen, je 12 zwei Fufs hohe Mauerpfeiler sichtbar geworden 
sind. Der Estrich and die Steinplatten , die auf diesen Pfeilern 
ruhten, sind eingebrochen , und der Zwischenraom ist mit Schutt 
gefullt ; Bruchstiicke von Heizrohren zeigen sich uberall massen- 
haft. Eine weitere Nachforschung diirfte vielleicht auch verschie- 
dene Alterthumer zu Tage fordern , wie sie im letztvergangenen 
Herbst bei der Herstellung eines Waschhauses gefunden warden. 
£8 befanden sich daranter einige eehr bemerkenswerthe Bronze- 
bildwerke. Sammtliche dazumal aufgefundene Anticaglien sind in 
Nr. 1 des „Anzeigers far schweizerische Alterthumskunde far 1872 a 
beschrieben and zam Theil abgebildet. (HI. Ztg., Nr. 1504.) 

43) Mebrere Gegenstande aus dem Steinalter sind bei 
Ansgrabungen im sudostlicben Norwegen, welche der junge Al- 
terthumsforscher Anders Lorange aus Frederikshald unternahm, 
mm Vorschein gekommen. Bei Stenkjar in der Nahe Ton Dront- 
heim bat man sogar einen Haofen von eog. Kuchenabfallen aus 
dem Steinalter vorgefunden, was von Interesse ist, da man bis- 
her bo hoch im Norden keine Spur von Bewohnern aus dem Stein- 
alter entdeckt hatte. (Dies., Nr. 1506.) 

44) Bei Raigern (Mahren) sind im Lehmboden uralteGra- 
ber aufgedeckt worden. Dieselben hatten meist eine glockenfor- 
mige Gestalt, waren 6 bis 7 Furs tief and oft bis 9 Fufs im Durch- 
messer. Ihr Inneres barg Asche, mit Erde gemengt, bei einigen 
aber bios reine Asche mit wenig Eohlenresten, worin viele Men- 
schenskelette lagen. Hie and da sind auch Urnenscherben, Bruch- 
stiicke von Mahlsteinen, ganze Schichten verkohlter Weizenkorner 
nnd eine Menge kleiner Malermuscheln gefunden worden. Bei 
Anfdeckung eines solchen Grabes am 27. April fanden sich am 
Boden in einem Rundkreise sieben Skelette vor. Ordnungslos un- 
tereinander geschichtet, bald mit dem Gesicht zur Erde oder ganz 
Terschoben, lagen diese Skelette, deren Schadel meist von der Bo- 
denschwere zerdruckt waren, beisammen. Hievon waren zwei Er- 
wachsenen und die ubrigen Kind era angehdrig. Auffallenderweise 
fend sich das eine der erstern Skelette ohne Schadel vor. Bis 
jetzt sind Beigaben von Metall nicht gefunden worden. 

(Eoln. Ztg., Nr. 130, 2. Bl.; vgl. 111. Ztg., Nr. 1507.) 

45) Am 10. April wurden bei Clingen (Sondersbausen) auf 
einem zur dortigen Domaine gehorigen Grundstiicke, stid warts 
nach Gangloff - Sommern zu, zwischen dem Wurmbach und dem 
Dreisebach, ganz zufallig, bei tiefen Umpflugen der Ackererde, 
eine grofeere Anzahl (uber 20) menschlicher Skelette ge- 
funden. Sie lagen nahe beisammen, und nach der Angabe eines 
niverlassigen Mannes, der auf der Fundstatte mit beschaftigt war, 
fand sich unter dem Schadel mancher Skelette ein grofserer Stein ; 
anch das Skelett eines Pferdes, wenigstens eine grofsere Anzahl 
Ton Enochen eines solchen, wurde gefunden. Die Gewalt der 
Pfluge verwandelte leider die an sich sehr murben und zerbrech- 
lichen Knochen in Trummer. DurchAmtmann Sc heller in Clin- 
gen gelangten einige Fundstucke nach Sondersbausen, welche der 
Sammlung des Vereins far deutsche Geschichte und Alterthums- 
kande einverleibt werden. Es sind dies ein Reibstein zum Zer- 
malmen der Getreidekorner, eine ziemlich flache Urne mit einem 
Henkel, welche auf einer Bruchflache das die alten Thongefafse 
charakterisierende Gefuge zeigt, endlich das Fragment des Ober- 



kiefers eines menschlichen Skeletts. Die Zahne dieses Kiefers 
zeigen eine ungemeine Festigkeit und keine Spur eines krankhaf- 
ten Zustandes ; dabei ist aber die Kauflache in auffallender Weise 
abgenutzt und erscheint wie poliert, ganz wie man dies bei den 
Zahnen anderer Skelette, die in unserer Gegend zusammen mit 
Urnen oder Bronzestucken gefunden wurden , bepbachtete. Aus 
dem Angegebenen geht mit Sicherheit hervor, dafs die in der 
Flur von Clingen durch die Pflugschar aufgerissene Stelle eine ur- 
alte Todtenstatte gewesen, und ist zu wflnschen, dafs zu einer ge- 
eigneteren Jahreszeit dort weitere und zweckmafsig geleitete Unter- 
suchungen stattfinden. (Der Deutsche, Nr. 48.) 

46) Ansehnliche Theile eines romischen Todtenfeldes 
sind in letzter Zeit bei Regensburg durch die umfassenden 
Erdarbeiten der neuen Strecken der Ostbahn und der Staatsbahn 
auf der sogen. Emmeraner Breite blofsgelegt worden. Der Regens- 
burger historische Verein nimmt sich der Durchforschung der 
Graber mit Eifer an und sucht die gemachten Funde nach Krafben 
fur die archaologische Wissenschaft auszubeuten. Merkwurdig ist, 
dafs an ein und derselben Stelle sich zuweilen fdnf bis sechs ver- 
schiedene Begrabnifsarten finden. So zeigten sich einzelne Aschen- 
uraen, wie auch mehrere zusammen, in einer Art von Gewolbe. 
Dann wurden sorgfaltig ausgemauerte Graber, meist gedeckt mit 
grofsen gebrannten Platten, die den Stempel der dritten Legion 
fdhren, aufgefunden. Endlich kam eine Unzahl von starken Stein- 
sargen, unter denselben einer fur ein Kind, zum Vorschein. In 
alien diesep Grabern waren die Knochenreste wohlerhalten. Auch 
wurden Skelette aufgefunden, die, nach den in der Nahe befindli- 
chen eisernen Nageln zu schliefsen, wahrscheinlich in Holzsargen 
begraben worden waren. — Gleichzeitig wird erwahnt, dafs zur 
Zeit im Miinchener Eunstverein eine bei Eehlheim ausgegrabene 
Statuette des Bacchus ausgestellt worden ist. (111. Ztg., Nr. 1507; 
vgl. die 37. Nachr. in d. vor. Nr. des Anz.) 

47) Unlangst wurde in dem Walde nach Schernberg zu, 
in der Nahe der Steiger-Allee (Sondershausen), unter dem Wurzel- 
ballen einer starken Buche eines jener Bronzewerkzeuge gefunden, 
die man Eelte nennt. Der Fund ist insofern von besonderem In- 
teresse, ah er, so weit sich nachkommen lafst, in der Umgegend 
von Sondershausen der erste seiner Art ist, wahrend ahnliche 
Bronzewerkzeuge, die sogenannten Palstabe (von pall, im Altnor- 
dischen Spaten oder Hacke bedeutend) sowohl froher als auch in 
den letzten Jahren an mehreren Stellen, z. B. im Geschlinge hin- 
ter Bebra und im Hopfengrunde bei Badra, gefunden wurden. 
Diese Palstabe, einem kurzen, dicken Meifsel oder Stemmeisen nicht 
unahnlich, wurden mit der einen Seite, die schmal keilformig zu- 
lauft, in einen gespaltenen Holzstiel oder Schafb eingefogt und da- 
rin auf verschiedene Weise befestigt. Die Kelte dagegen haben 
zwar auch an der einen Seite eine meifsel formige , wol gleich ur- 
8priinglich durch den Gufs hergestellte Schneide, wie die Palstabe, 
aber an der entgegengesetzten Seite sind sie walzenformig, und hier 
haben sie einen tief in den Korper des Werkzeugs eindringenden 
cylindrischen Hohlraum. In diesen Hohlraum wurde der Schaft 
oder Stiel befestigt; man hat in dieser Hohlung zuweilen Reste 
von einem Holzstiel gefunden. Oefter, so bei dem hier gefundenen 
Eelte, findet sich aufsen, nahe unter dem Rande der Oeffnung, 
ein kleines Oehr oder ein Henkel, wahrscheinlich, um eine Schnur 
hindurchziehen zu konnen. Der hier gefundene ist vorzuglich er- 
halten ; er mifst in der Lange ungefahr 1 Decimeter, unten an der 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Schneide ist er gegen 5 Centimeter breit; seine grdfete Dicke, am 
Oberrande, betragt 4 Centimeter ; die nicht runde, sondern stumpf- 
vierkantige Hdhlung betragt oben im Durchmesser 2,5 Centimeter, 
ihre Tiefe 7,5 Centimeter. Nilsson ist fiber die Anwendung dieser 
Eelte im Ungewissen. In einem Aufsatze, welcher in der beson- 
deren Beilage zum Deutscb. Reichs-Anz. u. Preufs. St-Anz. vom 
4. Mai d. J. unter dem Titel : „Zur Oeschichte Westpreufsens, in- 
sonderheit des Schwetzer Ereises" abgedruckt ist, wird ein solcher 
Kelt, der bei Teschau gefunden wurde, abgebildet und beschrieben 
als eine „meifselartig geschliflene . . . Speerspitze aus Bronze, in 
welcher Alterthumsforscher die Hauptwaffe der Germanen nach 
Tacitus, die Frame a, erkennen wollen, die zum Eampfe in der 
Nahe, aber auch als Schleuder diente und durch deren Zusammen- 
schlagen die Manner bei den Volksversammlungen ihre Meinung 
kundthaten." Die Annahme, dafs die Eelte speziell germanischen 
Ur8prungs seien, dorfte sohwerlich zu beweisen sein und stimmt 
zunachst wenig mit den weitverbreiteten Fundstatten solcher 
Bronzewerkzeuge iiberein. In Schweden und Danemark, wo der- 
artige Funde bekanntlich viel haufiger als bei uns sind, hat man 
die Guf8formen dieser Eelte gefunden. In Schonen wurden eiserne 
Eelte gefunden, wie hier bei uns He ft el derselben Form von Bronze 
and Eisen nahe beisammen an einer Grabstatte gefunden worden 
sind. Durch den Forstmeister von Wolffersdorf ist der oben be- 
schriebene Eelt. in die Sam m lung des Vereins fur deutsche Ge- 
schichte und Alterthumskunde zu Sondershausen gekommen. 

(Der Deutsche, Nr. 55.) 
48) In der Nahe von Barnstorf, Amts Diepholz (Hannover), 
fanden Arbeitsleute einen alten irdenen Topf mit mehreren hun- 
dert Silbermiinzen, welche aus der Zeit des Bischofs Hermann 
von Monster (1174 bis 1203) und des Bischofs Gerhard von Os- 
nabruck (1192 bis 1216) herruhren sollen. — Ferner wurde von 
einem Landmann auf einem in der Nahe der Stadt Stade bele- 
genen Hiigel, „Hohenwedel" genannt, der fast durchgangig be- 
ackert ist, eine Munze aus der romischen Eaiserzeit, etwa von der 
Grofse eines osterreichischen Guldens, nur etwas dicker, von gelb- 
licher Bronze , gefunden. Das Munzstuck fuhrt auf dem Revers 



das Bild des Eaisers mit der Umschrifb: TIB. CLAVD. CAE8. 
AVG. P. M. TR. P. IMP. P. P. , und zeigt auf dem Avers an der 
linken Seite die Buchstaben: SPEC. Das Geprage ist kunstvoll, 
sehr deutlich und wohlerhalten. 

Osnabriick. J. Lodtmann. 

49) Zwei Einwohner von Eleinbernsdorf bei Munchen- 
bernsdorf (Thuringen) fanden bei einer Erdarbeit einen Topf mit 
500 Brakteaten. Hofrath Gersdorf in Leipzig halt dieselben far 
reufsischen Ursprungs resp. Geprages und aus dem 13. Jahrh. 
stammend. Goldarbeiter Schick in Gera, der gegenwartige Be- 
sitzer, gedenkt die Munzen an Liebhaber zu verkaufen. — Scbon 
vor etwa 60 Jahren sind reufsische Brakteaten in Lindenkreuz 
(gleichfalls in der Nahe von Miinchenbernsdorf) ausgegraben wor- 
den. (Frkf. Ztg., Nr. 119, 1. Bl. 

50) Ein irdener Topf mit 700 Stuck alter Silbermiinzen 
ist in Goppersdorf bei Burgstadt gefunden worden. Dieselben 
sind von der Grofse eines Zehngroschenstuckes und zeigen auf der 
einen Seite einen Lowenkopf. Von munzkundiger Seite werden 
sie als sog. Prager Groschen bezeichnet, die von 1311—49 unter 
der Regierung Johanns von Lutzelburg, Eonigs von Bohmen, und 
der gleichzeitigen Markgrafen von Meifsen geschlagen sind. 

(111. Ztg., Nr. 1506.) 

51) Die Prager Handels- und Gewerbekammer gedenkt eine 
Collectivau8stellung von Beitragen zu einer Ge- 
schichte derPreise zu veranstalten, und zwar zu gleicher Zeit 
und in Verbindung mit der grofsen Iudustrieausstellung, welche 
1873 in Wien stattfinden soil. Die genannte Behorde hat deshalb 
unterm 2. April eine gedruckte Einladung zur Betheiligung er- 
gehen lassen. 

52) Die beiden Gemeindecollegien der Stadt Augsburg 
haben 1800 fl. bewilligt* zur Unterstutzung der Herausgabe eines 
Urkundenbuchs der genannten Stadt. Die Auswahl und Her- 
ausgabe wird der stadtische Archivar Dr. Christian Meyer besor- 
gen. Das Buch soil, etwa 100 Bogen stark, in zwei Quartbanden 
erscheinen. (Eorr. v. u. f. D., Nr. 231, aus d. Allg. Ztg.) 



Mittheilangen. 



Bltte. Der Gefertigte, seit zwei Decennien mit derSammlung monasteriorum ordinis Cisterciensis oder altere Mo- 



des Materials zu einem Monasticon Cistercience, welches 
zum ersten Male alle Eloster dieses Ordens beiderlei Ge- 
sohlechts*mit ihren Vorstanden, Bischofen, Heiligen, G el eh r ten, 
Eunstlern u.8. w. umfassen soil und bereits iiber 2000 Eloster 
enthalt, beschaftigt, bittet alle P. T. Leser dieser Blatter, in de- 
ren Handen manuscriptae chronologiae seu genealogiae 



nographieen von solchen Elostern sich befinden, urn freund- 
liche Mittheilung ihrer Adressen. 

P. Leopold Janauschek, 

Mitglied des Cistercienser-Stifls Zwettl, Professor der 

Theologie im Stifte Heiligenkreuz. 

(Post: Baden nachst Wien.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. E. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Yerlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedrnckt bei U. E. Sebald in Nurnberg. 



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V--v 



V&rnbsrff . Dm Abonnement dot Blst- 
tM, wtlobes slle Monete ersoheint, wild 
gunjlhrig sngenommen and betr&gt nach 
tsrs susslen Poetcoavention bei alien Poet- 
Intern and Baohnendlangen DeuUchlands 
isci Ostttrreiehs Sfl. 86 kr. im Sefl.-Fufs 
Oder S Thlr. preafs. 

Tflr /VvnJrefe* ebonnlert man In 
Psrii bei d«r dentsohen Buchhandlung Ton 
F. KttneMeek, Nr. 11 roe do Lille; for 



AMEIGER 



Wsy, 



England bei Williams A Na _ 
rietta-Btreet Gorent- Garden 
far Ncrd-Amerika bei den Postamtern Bre- 
men and Heinbarg. 

Alio far dee gennan. Maeeam be- 
stknmten Sendangen eaf dem Wege dee 
Bnchhandels werden dareh den Commis- 
eionftr der literar.- artist Anstalt det Mo- 
■earns, P. A. Brookhaas in Leipzig, be- 
fOrdert. 



FDR KU1E DM 





Nene Folge. 



Nennzehnter Jahrgang. 



1872. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MJSECMS. 



Juni. 



Wissenschaftliche Mitthellongen. 



Mittelalterliche Grabsteine. 

In der Kirche des ehemaligen Cisterzienser-Nonnenklosters 
iu Gnadenthal *) im Hohenlohe'schen befinden sich zwei Grab- 
steine, deren Abbildung and kurze Beschreibung far Freunde 
mittelalterlicher Denkm&ier in mehrfacher Beziehung nicht ohne 
Interesse sein darfte. 

Fig. I ist der Doppel-Grabstein der Stifter des Klosters 
Gnadenthal, Konrad's von Krautheim and seines Sohnes Kraft 
(welch letzterer 1266 als Deutschordensritter vorkommt), vom 
J. 1267. Es ist nicht mehr bekannt, wo dieser Stein, welcher 
wipranglich uber 8' lang nnd gegen 3 1 /*' breit war und im 
Laufe der Zeit an verschiedenen Stellen angebracht warde, zn- 
erst gelegen, and ob er flach aof dem Boden der Kirche ein- 
gemauert war, wie die ubrigen Grabsteine, oder als Deckel 
einer niederen Tamba diente, welche vielleicht, am in der 
kleinen Kirche Raam za gewinnen, sp&ter entfernt worden ist. 
Die vielfach abgekurzten, leider theilweise nan fehlenden In- 
schriften laateten arspranglich 

1) in zwei Reihen aafsen herum, am Rande: 
„Anno Milleno Dacentenoqae triceno 
Bis dacto, janctis tribas annis atque qaaternis 

*) Dieses Kloster wurde urn's Jahr 1245 von Hohebach, wo es 
1243 von Konrad von Krautheim and seiner Gemahlin Kunigunde 
gegrfindet worden war, nach Gnadenthal (vallis gratiae) verlegt. 
Ygi Beschreibung des Oberamts Oehringen, herausgegeben von 
dem konigl. statistisch-topogr. Bureau in Stuttgart, 1865, S.226ff. 



Septembris raensis moritor nonisqae Kalendis*) 
De Crutheim dominos jacet istic atque sepoltos, 
Claastri fandator et Christi veros amator 
Hie, lector, stabis pro Conradoqae rogabis"**). 
2) Im Innern des Steines: 
„Est cum patre natus Frater Crafto tamolatos 
Sunt fundatores devote pro quibus ores." 
Aateer diesen Inschriften beweisen aach die beiden Wap- 
penschilde, dafs dieser Stein das gemeinschaftliche Grab des 
Yaters and des Sohnes bedeckte. Der antere Schild enth&lt 
das bekannte, von Weifs and Roth quer gestreifte Wappen 
der Dynasten von Krautheim; der obere das Deatschordens- 
kreuz***). Aaffallend auf den ersten Blick mochte die Stel- 

*) „Ob hier nicht nonis (5.) und Kalendis (1.) Sept. zu addie- 
ren, so dafs also der 6. September der Todestag Konrad's ware?" 
Was die Acta acad. Theod. Palat. II, 54 uber Konrad's Ableben 
im Kloster Gnadenthal geben, ist aus Hanselmann entnommen; 
nach v. Stalin. Ueber Grabschriften in Versen und namentlich 
uber die in Versen ausgedriickten und dadurch mitunter sehr un- 
deutlichen Jahreszahlen vgl. H. Otte, Handbuch der kirchl. Kunst- 
Archaologie (1868) H, 8. 820-822 u. 838—836. 

**) Erinnert an die Aufschrift: „* Hie stans mente pia quin- 
que legat Ave Maria" auf dem Grabstein eines gewissen Johannes 
im Dorfe Tirol bei Meran, welcher wol auch noch aus dem 13. 
Jahrh. stammt. Vergl. unsere archaolog. Skizzen aus Tirol in der 
herald, -genealog. Zeitschrift, Organ des. herald. Vereins „Adler" 
in Wien, 1. Jhrg., Nr. 8, S. 77 u. 78. Dieser Grabstein ist hochst 
merkwiirdig durch seine Umschrift nach Art der Siegellegenden. 
***) Ganz in derselben einfachen Form befindet sich, nach 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



180 



long der beiden Wappen erscheinen, insoferne das des Sohnes 
die erste Stelle einnimmt; allein dies erklart sich leicht aus 
der hohen Bedeutung des Deutschordens in jener Zeit. 

Fig. I. 



1111110 s 



Ob Kraft im selben Jahre mit seinem Vater verstorben 
ist, darttber fehlen im Aagenblick die urkundlichen Nachweise. 
Ein Kraft von Krantheim soil 1269 als Komthur des Deutsch- 
ordens vorkommen *). Auch sind oberhalb, zwischen dem Rande 

Fl* IL 




t3>igkftp€B&riP 




luivoaouNSf* 



v. Schreckenstein , das Ordenskreuz auf Siegeln aus jener Zeit; 
z. B. auf dem JT1 Sig. IV. A. 1. von 1272 mit der Legends : 

„* 8' Conmendatoris (sic !) de Sandegge <( (im Thurgau), und noch 
beinahe hundert Jahre spater auf dem C\ Sig. IV. A. 2. — mit 
dem Bruatbilde des h. Nicolaus als Kirchenpatrons — mit derLe- 



gende: „* 8' PLEBANI • I • VBERLINGEN"; die Pferrei Ueber- 
lingen war namlich dem Deutschorden incorporiert Das weuse 
Lilienkreug und der Mittelsohild mit dem Adler im Wappen des 
Deutschordens sind bekanntlich Zuthaten viel spaterer Zeit. 

•) Die Bezeichnung „Frater Crafto" spricht nioht gegen die 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



182 



des Grabsteines and der inneren, Krafts Bei6etzung verkunden- 
den Inschrift, einige unkenntliche Zeichen (Ziffern ?) eingehauen, 
welche rich darauf beziehen kdnnten; allein die, doch wol 
gleicb anfenglich angebrachten, beiden Wappenschilde des Va- 
ters and des Sohnes lassen auf gleichzeitige Beisetzang beider 
schliefsen. 

Solche Doppel-Grabsteine gehflren zu den grofsen Selten- 
heiten. Sie sind nicht zu verwechseln mit den alten Grab- 
steinen, auf welchen spftter eine weitere Inscbrift beigesetzt 
wurde*), oder mit solchen Grabm&lern, welche erst in der 
Folge fur mehrere, auch bereits fruher verstorbene, Glieder 
eines Geschlechts gesetzt wurden**), und die daher keine 
eigentlichen Grabsteine sind. 

Figur II. ist der Grabstein der Gemahlin Kraft's II. von 
Hohenlohe, Adelheid Mechtild, geborenen Gr&fin von Wurttem- 
berg; f 1342***). Derselbe ist 8' 4" lang und 3' 4" breit 
and bedeckt noch heute das Grab der Gr&fin in der Gnaden- 
thaler Kirche. Die sorgfaMtig ausgefuhrte Umschrift und die 
am 3" tiefer liegenden, ziemlich rohen Wappenschilde sind 
yertieft eingegraben. Die ganze Arbeit verr&th einen einfachen 
Steinmetzen und macht an und fur sich den Eindruck eines 
Tiel hoheren Alters. Dieser Grabstein ist offenbar nach dem 



Ft* IU. 



Fig. IV. 




Annahme, dafs Kraft Comthur des Deutschordens war ; denn noch 
im 15. Jahrh. werden sogar die Landkomthure und Ordensmeister 
Bruder (fratres) genannt. 

*) Vergl. Walz die Grabdenkmaler von St Peter und Nonnberg 
iq Salzburg, 1867, Nr. 13 und 47. 

♦*) Vergl. Walz, a. a. 0., Nr. 23 und 26. 
***) Vergl. J. Albrecbt, Archiv fur Hohenloh. Gescbichte II, 
Ml, 1. und daa Correspondenzblatt des Gesammtvereins der deut- 
schen Geschichts- und Alterthums-Vereine, 1863, Nr. 2, S. 11. 



Vorbild des vorigen (Fig. I) verfertigt. Auch hier ist die 
Stellung der beiden Wappenschilde insofern unrichtig, als, streng 
genommen, das Wappen des Mannes obenhin gehflrt; jedoch 
mag bier der Umstand mafsgebend gewesen seiu, dafs es sich 
um den Grabstein der Fran handelte ; auch kann ihr gr&flicher 
Stand als Ursache dieser Stellung gelten. Uebrigens be- 
lehren uns die mittelalterlichen Frauen-Siegel, dafs im 13. 
und 14. Jahrh. eine feste Kegel fiber die Stellung der Alliance- 
Wappen, wie Manche annehmen, nicht bestanden hat Classisch 
ist die Form der Wappenschilde, wenn auch nicht mehr in der 
ganzen Reinheit der ftltesten Dreieck-Schilde, wie wir sie auf 
Fig. I sehen. 

Zu den ftltesten heraldischen Schildformen auf mittelalter- 
lichen Denkm&lern gehOren unstreitig die beiden hier abgebil- 
deten Wappenschilde auf zwei Grabsteinen der sog. Scbenken- 
kapelle zu Gomburg bei Schwftbisch-Hall *). 

Fig. Ill ist auf dem Grabstein Konrad's von Sulz und 
tr&gt oberhalb des Schildes die Inschrift: 

•jh-V-RNOVs^- 

(V. Kalend. Novemb. obiit Cunradus de Sulce.) 
Ein Konrad von Sulz ist urkundlich nicht bekannt; aber 
ein „Walterus de Sulce" kommt schon als Zeuge in einer Ur- 
kunde von 1157 vor**), und ein Ruger de Sulz wird unter 
den Wohlthfttern des Klosters Comburg genannt, „deren Be- 
gr&bnisse in der Schenkenkapelle zu sehen u ***). 

Fig. IV. ist von dem Grabstein eines Herrn von Schiffau 
(Scefouue), welche nach dem Comburger Schenkungsbuche schon 
seit dem Jahr 1085 vorkommen •(•). Das Wappen ist also ein 
redendes. Auf diesem Grabstein ist keine Inschrift mehr zu 
sehen. 

Leider fehlt auf beiden Grabsteinen die Ajigabe des To- 
desijahres; nach den Schildformen gehOren sie aber unter die 
altesten deutschen Denkm&ler dieser Gattung und kdnnten 
beide wohl noch aus dem 12. Jahrh. stammen. Der erstere 
(Fig. Ill) gehOrt jedenfalls in die Zeit der Entstehung der 
heraldischen Schilde und dttrfte seines Gleichen in Deutsch- 
land nicht haben. Auch die Inschrift ist wegen ihrer Stellung, 
sowie wegen der Form der Buchstaben und wegen der Zusam- 
menziehungen und Abkurzungen fur die Schriftkunde sehr in- 
teressant. Den Werth dieser beiden, leider schon beinahe bis 
zur Unkenntlichkeit abgeschliffenen Steine zuerst erkennend, 
haben wir dieselben bereits vor 11 Jabren durch ihre Ver- 
setzung aus dem Fufsboden der Vorhalle der sog. Schenken- 



*) Vergl. Correspondenzblatt, a. a. 0., S. 9ff. 
**) S. Wirtemb. Urk'.-Buch n, Nr. CCCLXII. 
***) S. Wibel, Hohenl. Kirchengesch. IV, 58. Ueber dieses Wap- 
pen vergl. Correspondenzblatt, a. a. 0., S. 10. 
t) S. Wirtemb. Urk.-Buch I, 389 ff. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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kapelle in die Wand, rechts neben dem Eingang, vor baldiger 
vollstandiger ZerstOrong gerettet and glaaben dafttr den Dank 
aller Alterthumsforscher zu verdienen. F.-K. 



Kleinere Mittheilnngen aus den graflich Stolbergi- 
schen Archiven zu Ortenberg und Gedern. 

(Schlufs.) 

Das Augustiner-Mannskloster Hirzenhain zwischen Orten- 
berg and Gedern (gestiftet 1431) war eine Familienstiftung nnd 
Erbbegrabnifs des vorerw&hnten Kflnigstein-Eppstein'schen Ge- 
schlechts. Es bestand darin unter den evangelischen Grafen 
zu Stolberg gemeinschaftlich mit Ysenburg von 1569 — 1593 
eine evangelische Klosterscbule *). Unter den Hirzenhainer 
Acten des 16. Jahrh. nun findet sicb im Fach B. 31 des gr&fl. 
Gemeinschafts-Arcbivs zu Ortenberg ein m&fsiger Band in Quarto, 
bei dessen Herstellung die gleichzeitige Papierhandschrift eines 
geschichtlichen Volkslieds auf die Mainzer Unruhen von 1428 
— 1430 verbraucht wurde. Das den in Rede stehenden Ereig- 
nissen so benachbarte Hirzenhain — oder wie es nach der noch 
heute ublichen Ausspracbe genannt ist Hirzenh&n — nahm in 
dem inneren Kampfe der st&dtischen Patrizierparteien einmal 
die dorthin hinausgerittenen Burger von Frankfurt v stolze und 
riche" auf. „Unser liebe frauwe baden sie fruntlich an"**). 
Die Patronin von Hirzenban war n&mlich neben der beil. Anna 
und dem beil. Antonius zunftchst die Jungfrau Maria. 

Da das Lied, dem unser Fragment angehdrt, nacb einer 
gleichzeitigen Pergamenthandschrift ans dem Archiv des Main- 
zer Geschlechts „zum Jungen u im ersten Bande von v. Lilien- 
cron's Historischen Volksliedern der Deutschen S. 319—324 voll- 
st&ndig mitgetheilt und mit- dem nothwendigsten Commentar 
begleitet ist, so konnte hier von einer n&heren sacblicben Orien- 
tierung abgeseben werden. Auch schien es am angemessensten, 
der leichteren Vergleichung wegen die dort gegebene Versz&h- 
lung beizubehalten. Das Hirzenhainer Fragment enthalt die 
bei v. Liliencron auf S. 320—322 abgedruckten Verse 63—112 
und bietet folgende beachtenswerthe Yarianten, die zum Theil 
Berichtigungen des Liliencron f schen Textes sind. Vers 64: 
Vnd butcent sie. V. 71: w. yr ere. V. 73: Der seckel to. 
V. 74: Vnd machent. V. 75: Gonst eren vnd glauben h. 
Y. 78: hor ich sagen (:gedan). Y. 88: in daz boslin geblasen. 
V. 90: ein rosyn enpaUen. V. 93: so rug es h. V. 96: sat 
man. V. 97: fast verhart. Y. 98: eine wile m. V. 99: czu 
brespart . . . nimmer g. V. 100: v<m virstat. V. 101: sin 
weste (?). V. 102 : m. hasszen in. V. 103 : n. sin guder sin. 
Y. 107 : w. sin wol m. g. V. Ill : als sidder . . . verschmehet sint. 



*) Vergl. meine "Geschichte der evangelischen Klosterscbule 
zu Bsenburg nebst Mittheilungen aber die Klosterschule zu Hir- 
zenhain, S. 235—279. 

**) v. Liliencron, die historischen Yolkslieder der Deut- 
schen I, S. 325, 4. 



Am merkwurdigsten ist Vers 94, welcher nach v. Lilien- 
cron's Handschrift lautet: Zu Menee ist einer kamen mit dem 
bart. Eberhard Windek ist gemeint Unser Hirzenhainer 
Fragment aber liest statt dessen: zu mentz ist eyn hornet mit 
eim bart. Der Eomet wird bekanntlich Bartstern (Grimm, 
Wbcb. L, 1146) genannt von den Strahlen, die er nach der 
Seite desHimmels hin wirft, wohin er sich bewegt, im Gegen- 
satz zu seinem Schweif. Diese Yariante ist entschieden krftf- 
tiger und sinniger. Wir haben hier wol auch das bisher & 
teste*) Beispiel der Erwfthnung des Bartes beim Kometen. 

Im Archiv zu Gedern fanden sich, ebenfalls beim Einbin- 
den eines Actenstflcks (A. 20, 1) verwendet, ein paar gegen 
9 — io Cm. hohe und breite Pergamentstuckchen, welche kleine 
BruchstUcke aus dem mittelhochdeutschen Passional in der 
Sprache des 13. Jahrh. enthalten, w&hrend die Handschrift dem 
14. Jahrh. angehflrt Der Inhalt derselben ist aus der Legende 
des heiL Andreas; eine Probe davon (vgl. das alte Passional, 
herausgeg. von Hahn, 1845, S. 207, 37—50) mdge hier Plata 
finden. 

Den man mir dar an meze, 
So solde ich billich sin gedagen; 
Min herre hat durch mich getragen 
Sin cruze, dar an bleib er tot; 
Vor der vruchtberen not 
Ensal mir nimmer gruwen, 
Ob du des crazes ere 
Entphiengest in rechter lore. 
Daz were an selden din gewin. 
Yernim den nvtzlichsten sin 
Durch waz vns christus wart gesant 
Ynd durch waz in die minne bant 
An des crazes hertekeit. 
Zum Heften einer Ortenbergischen Eellereirechnung von 
1616 (Ortenberger Archiv C. 40) sind ferner 2 Duodez-Blfttt- 
chen aus einer Pergamenthandschrift des 14. Jahrh., einem Ge- 
bet- und Psalm enbttchlein angeh5rend, verwendet worden. Auf 
dem einen derselben, mit XXIX numeriert, finden sich folgen- 
gende Yerse aus dem 119. Psalm: 

V. 9 — 12. ,.War an riechtet der iungeling sine wege. dar 
an daz er din worte behalde. mit gantzem herzen han ich dine 
wege gesucht. verdrip mich nicht von dinen geboden. In mini 
herzen han ich verbogen min gekose daz ich dir nit ensundete. 
Herre, du bist lobelich, lere mich dine gerechtekeit." Y. 16. 
„Ich sal drachten in dinen gerechtekeiden vnd en nit vergeszin 
dinre worte. 44 

Yersteckt in einem ganz anders bezeichneten ArchivstQck 
desselben Ortenberger Archivs (C. 1 , 1), wurde folgender, ge- 
scbichtlich merkwurdiger Brief PhiL Melanthons an den bei der 
Reformation in Kdln in hervorragender Weise betheiligten Gra- 
fen Heinrich zu Stolberg und Wernigerode (1509—1572), Dom- 



*) aber hochet zweifelhafte. 



Die Redaction. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



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dechanten zu Kdln and Stammherrn aller gegenwftrtigen Gra- 
fen za Stolberg, im Original, and zwar bei dem Archivstuck: 
„Doctoris Martini Lutheri Yaticiniom de Seditione Nobiliom 
in Germania 1544 44 entdeckt. 

„8. D. IUustris Domine. Etsi legere calomnias et Sophis- 
mata, homini natura non amanti mendacia, insaaue est, tamen 
non poenitet nee vidisse ea quae collegium Coloniense contra 
Episcopi Reformationem congessit. 

De Justificatione non procnl a nobis discedant, et tamen 
nostra calumniantur, de Missa etiam dicunt, valde pium fore, 
si presbyter non solos sumeret coenam domini, sed haberet 
alios pios simul sumentea et agentes gratias. Sed de inuoca- 
tiojie mortuorum hominom pugnant rabiosius, excusant etiam 
canticum Salae Begina. Hoc modo, si ludere liceat, possit 
homo argatas excusare etiam cultum Palladis, Cereris, Dianae, 
ricut certe sapientes ethnici cogitarunt. Stabiliunt celibatum et 
multa manifesto falsa. Qaare non longa refutatione opus est. 
Nee ego ignoro consaetadinem longi temporis magnum tyran- 
Dom esse, et difficile nobis esse, conuellere ea quae tarn longa 
vetustate confirmata sunt, et tot patrum ac Sanctorum exem- 
plis excusantur. Sed scimus tales in Ecclessia pugnas esse ve- 
ritatis cum longa vetustate. Ideo contra praetextus et fucos 
confirmemus animos voce aeterni dei, qui de filio dixit hunc 
aadite, item iussit vitare Idola. Fugite Idola, scriptum est 
aliqaoties. 

Haec simplici studio scripsi ad celsitudinem vestram, ut 
sciret in summa quid de capituli scripto mihi videatur. Ec- 
clesiam dei vobis commendo, ac deum aeternum patrem domini 
nostri Jesu Christi oro, ut vos seruet ac regat et det vobis et 
reipublicae annum faustum et foelicem. Gal. Januarij 1544. 

Philippus Melanthon." 

Aufechrift: Ulustri Comiti ac Domino, Domino Henrico 
comiti in Stolberg et Werngerod etc. Decano summi college 
Coloniensis Patrono suo. 

Wernigerode. Dr. Ed. Jacobs. 



Zur Geschichte der Kriegskunst. 

I. 
Herzog Ludwig der Bftrtige von Bayern-Ingolstadt, Graf 
von Mortain, und sein gleichnamiger Sohn, der Hdcker genannt, 
Graf von Graisbach, waren mit ihren Yettern, den Herzogen 
Ton Ober- und Niederbayern, und deren Ritterschaft in best&n- 
dige Handel verwickelt, wobei es zu mehreren Fehden kam. 
Dies gescbah aucb im Jahre 1428, wo Herzog Ludwig der 
Hdcker mit einigen aus dem niederbayeriscben Adel, insbeson- 
dere mit den Zengern zu thun batte. Als er die Febde begann, 
schrieb er an seinen Yater, Ludwig den Bartigen, den er urn 
Bath fragte, wie er den Krieg fuhren sollte. Dieser antwortete 
seinem Sohn in einem eigenbftndigen Schreiben vom 31. Juli 
U28 folgendermafeen : 



„Hochgeborner fftrst, lieber sun! Als du vns rate($ fra- 
gest, wie du deinen chrieg gegen vnsern veinden treiben sul- 
lest, da kunnden wir dir noch niemant vber lannd aus geraten. 
Der krieg werdet dich lernen, wie do den treiben solt; aucb 
die kriegslewt vnd dein baubtleut werdent dir wol sagen, was 
notdurft ist Sunder drew dingk hat mir oft wol geraten. 
Das erst: Wer wol chriegen wil, der acht vmb gut kunt- 
schaft, vnd vil vnd menigerlai ; doch solt du jn nicht getrawen, 
das du jn sagest, was willen du habest zutun auf jr chunt- 
schaft. — Das ander, das du vil lewt oft fragest, waz man 
zutun hab, vnd iedlichen besunder; daz tu nimmer (?), das es 
ainer von dem andern noch vil lewt hdren. Albeg nim eines 
ieden anslag in geschrift besunder, wie er es vor jm hab, das 
er es ennden well; vnd sitze dann alain vber si all, vnd nim 
daraus ainen, zwen oder drei, die zuennden sein, vnd die enndt 
dann nach rat, dem du getrawest. Das dritt: Halt all dein 
sach in grosser gehaim vnd getraw deins kriegs lewten als du 
mynndst mugest, waz du willen zutun habst. Dann ob du dein 
gesellen tailen sullest oder beieinander ligen, da chan ich dir 
nicht aus geraten, wann du solt deinen chrieg oft verkeren, 
zwen tag, drei oder vier all beieinander, drei tag oder vier von 
einander tailen. Nymer solt du deinen chrieg ainerlai treiben, 
sunder in der wochen oder in ainem monet drei stund oder 
vier stund verkeren vnd oft halden lassen vnd wolreitend knecht 
ausschicken, ob si vnnser veind ergreiffen mugen. Sunder hai($ 
dein gesellen alien Zengern zustund entsagen vnd alien seinen 
wissentlichen helffern, auch alien andern vnsern veinden. Das 
schreiben wir dir auf dein verpessern. Geben vnd mit vnser 
hannd geschriben an samtztag vor vincula Petri Anno xxviij." 

„Loys« *). 
II. 

Im Jahre 1458 nahm Herzog Ludwig der Reiche von 
Bayern-Landshut die Beichsstadt Donauwdrth mit Waffenge- 
walt in Besitz. Deshalb gerieth er in die Ungnade des Kaisers 
Friedrich, der uber ihn die Beichsacht verh&ngte und ein Beichs- 
heer gegen ihn aufbot Herzog Ludwig rustete sich 1460 zur 
kr&ftigen Gegenwehr, indem er viele Kriegsleute und damn- 
ter eine merkliche Anzahl Buchsenmeister in seinen Sold nahm. 
Unter letztern befand sich auch der kunstreiche Meister Her- 
man Hertenstain, der am Pfintztag vor Oculi (13. Marz) von 
Herzog Ludwig mit jahrlichen 50 fl. in Gold **) auf ein Jahr 
in Bestallung genommen wurde und sich dabei zu folgenden 



*) Er unterzeichnete etatt „Ludwig a immer franzosisch „Loyt (( . 
Er batte sich naralich lange Zeit amHofe seiner Schwester Elisa- 
beth, der Gemahlin des Ednigs EarlYI. von Frankreich, aufgehal- 
ten and franzoaieche Sitten and Manieren angenommen. Dorch 
seine Gemahlin Anna von Bourbon kam er in den Besitz derGraf- 
schaft Mortain. 

**) Die andern Buchsenmeister, die in der Kegel auch das Ge- 
schdtz giersen und Pulver bereiten mufsten, erhielten keinen so 
hohen Jahressold, oft kaum die H&lfte, jedoch gewdhnlich noch 
ein Hofgewand. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



187 

Dienstleistungen gegen den Herzog verpflichtete: „Ich maister 

Herman Herttenstain, puchsenmaister, tu zuwissen alien den, 

die disen zetel h5rn, sehen oder lesen, das Ich diser hernach- 

geschriben knnst ein rechter redlicher maister pin mit rttsten, 

mit schiessen vor stetten vnd vor schlflssern vnd wo sein not 

tut, als ich das obgenanter maister Herman pewarn will vnd 

auch offt bew&rtt hab vnd noch bent bej tag bew&rn will mit 

der hilff gottes vnd meiner kunst, wo man mein dann bedarfL 

Mer thu ich zuwissen, das ich ain schirm will lassen machen 

durch mein kunst, des xv oder xvj wagon genug zutragen haben. 

Vnd wo ich dann khum fttr ain stat oder fttr ain slotts, do 

ich vern&m, das ich den schirm nicht mdcht auffslahen in der 

nfthe an schaden, so will ich den schirm lassen aufslahen in 

der wcitt, das sy micb mit Irem geschofTs nicht erraichen mu- 

gen. Vnd dann so sullen mir denselben schirm zwen man hin- 

zuziehen *) an die stat, do ich jn dann haben wil, do man mir 

dann nyemant dnrch denselben schirm beschedigen noch laidi- 

gen mag. Auch will ich ein gerttst machen, darauf wil ich ain 

pttchsen legen bej sibentzig oder achtzig zenter, vnd die sullen 

zwen man Ziehen vntter den schirm auch bis an die stadt, do 

ich die hinhaben will, vnd das dieselben man nicht mOgen be- 

schedigt werden. Das alles will ich mit der gottes hilff vnd 

meiner kunst maisterlich bewftrn.* 4 

„Item wil ich mer machen durch mein kunst mit der hilff 
gots ain maisterlich wagenpurg vnd die zufuren, zebeschliessen 
vnd zumachen vnd zuornen als dann einem rechten redlichen 
maister vnd der wagenpurg zugehcrtt, vnd alien zeug darein 
zumachen vnd zeornen als sich dann gepurtt, damit man sich 
dann der veindt ernstlich vnd krefftigklich vnd redlich erwern 
vnd vorsteen mag, vnd darnach zumercken, wie die pttchsen 
sollen sein zu yeglichen wagen, damit man sich dann der veindt 
erwern mag als oben geschriben stet. Vnd der wftgen in die 
wagenpurg sollen xxiiij vnd iiij kerren, die auch jn die wagen- 
purg zuhflren (sic), vnd die bucbsen in der wagenpurg sullen 
als behend sein zuschiessen als ainer mit ainem winttenarmbst **) 
mag gesein. Vnd ain yeglich pttchs sol v. stain schiessen, all 
schufs zu rechter ram vnd mafs in die veinde. Vnd ich obge- 
nanter maister Herman will einen yeglichen redlichen tugentli- 
chen handtwerckman in vier stunden lernen schiessen vnd laden 
mit der pttchsen auss der wagenpurg in die veindt, damit das 
ich mein kunst maisterlich bewftrt hab, also das er wifs ram 
vnd mafs zuschiessen in die veind." 

„Item mer wil ich machen zway w&genlein vnd ein kftrr- 
lein, darauf vnd auff yedem w&gelein ein pttchsen ligen sol, vnd 
auf dem karrlein auch ein pttchsen ligen sol, damit man als be- 
hennd mag gesein mit schiessen als ainer mit ainem wintten- 
armbst. Vnd die wftgenlein vnd das k&rrlein sullen auch als 
behennt sein zufuren als ain geraysiger zeug volls trabens tra- 
ben mag. Vnd wenn der veindt drey an meiner ainen warn, 



188 



so wolt ich mich jrer mit der gottes hilff wol erwern; vnd 
wenn sy mir ain man beschedigten, so wolt ich je allwegen 
drey beschedigen mit meiner kunst. u 

Item so wil ich auch machen ein grabschirm mit meiner 
kunst, den man nutzen und geprauchen mag vor ainer stat oder 
vor ainem gschloss, vnd mag sich darhinder hinzugraben auf 
das n&gst, vnd durch den schirm mich nyemant schiessen mag. 
Vnd das jngepew desselben schirm mag man mit ainem wagen 
fttren perg vnd tal wo man jn hin wil fttren, dardurch man 
nyeinand belaidigen noch beschedigen mag. Vnd die anndern 
stuckh, die dann zu demselben schirm gehOren, vindet man all- 
wegen wol jn ainem dorff oder ainem wald, der darzu gehftrtt." 

Mttnchen. Jos. Baader. 



Der Bflrzel. 

Ueber diese in mittelalterlicben Quellen des 14. und 15. 
Jahrh. nicht selten erwahnte Krankheit hat K. Weinhold in 
der Zeitschrift fttr deutsche Philologie I, 22—24 gehandelt 
Als Nachtrag dazu theile ich bier ein scherzhaftes Recept ge- 
gen die Krankheit mit, das sich in der Munchener Handschrift 
cod. germ. 444. BL 8 b — 10* findet. 

„Ich tu euch kunt und zu wissen das es gar unrecht tut 
und hat getan gemainckleichen untter den lewten ttber KOln 
an dem Rein abwarcz und auffwarcz in der selben gegent ttber*) 
mit gar gro(Jem pOrczeL Nu hat mein fraw von Tenwurck* 
grefynn zu Hohenwerck, von kranckhait wegen ires leybes 
nach eynem weysen arczt gesant in ein lant, haist Holant* 
der selb meister der erczney der kom von pet wegen zw di- 
ser vorgenanter grefin vnd halff ir zu dem pOrczel vnd an* 
dern lewten. vnd do er von dannen wolt, do pat in die**) von 
Tenwurck das er ir geb geschriben yede dinck fttr den p&r- 
czel. er gab irs geschriben gar vnd genczleichen. Wer ea geha- 
ben mag das her nach geschriben stet, der ist genesen gar vnd 
gentzlichen an alien zweyfel, vnd dorumb schenckot sy im 
M°. gulden. Dise ler hebt sich also an. 

Wenn der pOrtzel erst an sy kumen wolt oder an ander 
lewt kom , der nem des patschum von einem alten percz , vnd 
das klinglein von eynem parftt(Jen ermel, vnd die galen von ei- 
nem paderhut, vnd kttppferein mangolt, vnd der hadern von 
einer alten troyen oder wammas, vnd httrnein ke(J vnd gahen 
smalcz, und. von fischezenen ein zentner unslicz vnd iiii lot esels 
httsten, vnd iiii lot wagensmalcz, vnd iiii lot von her Neyt- 
harcz leber, vnd eynes hanen krehen auff eynem glockhawp, 
vnd des monschein, vnd des swai(J von einem enttenfufi, vnd 
des sprungs von einem snecken, vnd das lachen von einem to- 
ten kolben, vnd Eberleins schuochfleck, vnd glocken don, vnd 
kislingsmalcz, vnd des ploben von dem hymel, vnd stop das 



*) Auf einer Schienenbahn ? ! 
**) Armbrust, die mit einer Winde gespannt wird. 



*) lies iiber al. 

**) grefin mag ausgefallen sein, ist aber nicht nothwendig 
zu erganzen. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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alles zwsamen in einem glesreim mdrser, vnd gew(J es in ein 
strdene pfannen, vnd secz es auff ein pappiren dryfafi, vnd 
lap es wol erwarmen, vnd new(S es zu cumpletzeit so die sunn 
aaff gat, on p6(J gedenk, so pisttu genesen ton dem tot, ob 
dieh nichtz irt. Helff das nicbt wol uud paid an dir, so nim 
die lebern yon eynem stadel, vhd der longen von eynem tttr- 
nagel, vnd des plutz von einem ofenstein, vnd die hicz von 
einem sne, vnd des linden von eynem stahel, vnd das hirn von 
einer agst oder peihel, vnd ii lot peimol, vnd iii des wassers 
anji dem Jordan, vnd ii lot frawen gedenck, vnd das hercz 
von einer hackpenck, vnd das krOs von eynem weczstein, vnd 
die ftJJ von eyner ewen*), vnd der oren von einem ttlrnagel, 
vnd v lot der trew die die roptanscher haben auff dem jar- 
markt, vnd ii lot des daez das der hap filr sich wttrfft mit 
den hindern fa(Jenn, vnd drey alter sprung, vnd vii lot des 
dons das der wachter tut vor dem tag, vnd misch es alles zw- 
samen, vnd tu es in ein kreczen der gemacht sey au(3 dimer 
ranch, vnd henck es ze liechtmep an die sunnen die halben 
nacht, vnd mach dar aup wehsslers kUgelein, vnd newp die 
nflchterling nber cumplet zeit, vnd wach die nacht an pd|$ ge- 
denck, and trinck dar auff kolnsafft aup einem ro(3nagel ge- 
trnckt. . Dunck dich dann an dir selben das die ertzney von 
dir well gan, das dein schinpain sol, leg dich rttckweip auff 
den pauch, haip dir ii rQgein dttrnagel dar flber pinden, vnd 
zx lot stiglitzfersen gepraten auff dem sne. Vnd sey es das 
es dich**) helffenn well, das doch unversebenlichen ist, so haip 
dir eynen sacktrager gewinnen vnd haip dir den die schultern 
vnd die schinpain wol pern mit eynem eychen dremel, vnd den 
rack ***) liderein, vnd gang dar nach in ein holderein pad, vnd 
sitz anf ein hecklein, vnd solt dar auff gar wol erswiczen, so 
wirstu gesunt. Auch nym an der gemain erczney. Es spre- 
chen die natdrleichen meyster das kein erczney peper sei for 
den purczel vnd fttr den plaen hasten dann die. Item nim ii 
lot des zitern von den sternen, vnd iii lot vnd ein hant vol 
des rapen gesangs, e die sttnn auff gat, vnd nym die sprung 
der die sunn drey tut an dem heyligen ostertag, vnd des mon- 
nen scheins iii lot, vnd mUl das alles zwsammen, so gewingstu 
ein dewigen raagen; kerstu im das under aup, so gewinstu 
ein frdlichen anplick. 

Datum die erczney ist geschriben an dem Rein dez jars- 
tag da man zalt nach Eggen gepttrt iiii meil von pfingsten an 
dem nechsten tag nach Rogers tag des totengrabers." 

Der Humor dieses Stttckes erinnert ebenso an die Lttgen- 
marchen wie das von Pfeiffer aus einer andern MUnchener Hand- 
schrift mitgetheilte Recept (Germania VIII, 63), mit welchem 
es anch in manchen Einzelheiten tibereinstimmt. Die Bezie- 
hnngen auf Neithart Egge und die drei Sprttnge der Sonne am 



Ostertage machen den Text auch in anderer Hinsicht an- 
xiehend. 

Schliefslich erw&hne ich als Nachtrag zu dem Artikel 
Bflrzel in Grimms Wb. 2, 554, in der Bedeutung als Pferde- 
krankheit, dars in der Heidelberger Hs. 367 sich eyn gutir 
seyn (Segen) vor den pirtzil findet (Adelung 2, 297), und 
daft mir K. Schiller den berzel in einer Kostenrechnung 
ttber die Zttge H. Albrechts von Meklenburg (1358) nach- 
weist: illos (sc. equos) consumpsit vermis proprie dc ber- 
zel, quos percusserunt ad campum; vgl. Meklenb. Jahrb. 
16, 230. 

Heidelberg. Dr. K. Bartsch. 



*) kann auch el ben gelesen werden; ellen? 
**) wol dich nit. 
***) hier muisen wenigstent drei Worte ausgefallen sein. 



Findling zu den lateinischen Beimen des Hittel- 
alters. 

Aus der Wolfenbtttteler Papier-Handschrift 1203 aus dem 
15. Jahrh. hat Bruns „Romantische Gedichte in altplattdeut- 
scher Sprache" (Berlin, 1798) herausgegeben. Am Schlusse 
aber findet sich noch folgende Aufzeichnung, deren Mittheilung 
ich dem Herrn Prof. Zacher verdanke. Sie ist in fortlaufen- 
den Zeilen geschrieben, besteht jedoch aus rohen leoninischen 
Versen. Der derbe volksthmnliche Scherz, der an die bekann- 
ten Petruslegenden anklingt, 3chien immerhin doch einen Ab- 
druck zu verdienen; die zahlreichen Abkttrzungen habe ich 
aufgeldst, offenbare Schreifehler verbessert. 

Dens, o Griste, quid portat rusticus iste? 

Saccum cum pomis. Si vellet vendere nobis! 

Yendere nolo tibi, quia melius acquisivi. 

Tunc dixit Peter: Volo peccare, magister. 
5 Peccare volo, poma comedere volo. 

Omnipotens Deus, Deus et sanctus Bartolomeus, 

Emerunt factum pro tribus marcam et unam. 

Tunc voluit Cristus saccam comedere solus. 

Tunc dixit Jocap: Non facias per meum calocop. 
10 Accepit baculum, voluit percutere Cristum. 

Cristus clamavit, omnes sanctos invocavit. 

Omnes venerunt, qui in trono fuerunt, 

Preter unus homo, qui natus fait sine callo: 

Callum non habuit, currere non potuit. 
15 Johannes baptista venit cum sua balista; 

Imposuit telam, voluit sagitare Andream. 

Tamas in fornace clamavit : Sitis in pace I 

Y. 3 stent mel'. — V. 7 darf man des Reimes wegen 
wol nicht andern; was von factam hier und saccam v. 8 zu 
halten sei, lasse ich dahingestellt 

Heidelberg. Wattenbach* 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Der Name Canstatt 

Eine der ftltesten deutschen Ortsnamenbildungen ist die 
mit «Burg"; (s. Fdrstemann, altd. Namenbuch II, 326—29). 
Dieses „Burg u irie „Berg" in Nurnberg, Bamberg, (Fdrstemann, 
a. a. 0. 232—36) bezeichnet eine schutzende Stfttte ; es gehOrt 
ablautlich zu „bergen". Weil unsere altesten St&dte meist 
noch aus der r6mischen Zeit heruber stammende Oertlichkeiten 
zu Citadellen anlegten, so hiefs zunfcchst dieser feste Platz in 
der Stadt Burg, welcher Name sich auch auf die darum an- 
wachsende H&userzahl erstreckte. Neben „Burg" begegnete 
schon sehr fruhe „Statt tt , das jetzt falsch mit dt geschrieben 
wird. Wahrend „Burg u meist mit Adjectiven oder Personen- 
namen zusammengesetzt erscheint, begegnet „Statt", (St&tte, 
Stelle, itaum, legend, wie Stal, Stall in Burgstall) hftufig mit 
Pflanzen- und Gestrfcuchnamen. 

Die fruheste urkundliche Schreibung des Namens Canstatt 
murs nun untersucht werden; sie ist einfach Canstat v. J. 708, 
wirtemb. Urkdb. I, 2. Stalin I, 179 : „ villain in Kanstat, 1289" 
Schmid, Mon. Hohenb. Nr. 119: „curiam in Kanstat sitam"; 
Nr. 120: „Kannstat u , 1296. Eine andere Form ist in 
Canninstat (ad 1185), Canistat (1187; wirtemb. Urkdb. II, 
237). Neben diesen Formen begegnet in den Metzer Jahr- 
buchern v. J. 746: Condistat. Vgl. F6rstemann, a. a. 0. 378. 
Was sollen wir nun mit diesem so gestalteten Namen anfangen ? 
Hat die Urkunde von 708 ff. recht, oder die von 746? Der 
Metzer Chronist schildert ein so wichtiges Ereignifs, das bei 
Canstatt vorgeht: den Sieg der Franken uber die Alemannen 
und den wahrscheinlichen Hinrichtungstag der alemannischen 
Edlen. Sollte er da den Namen nicht recht wissen ? Das ist 
unmflglich! Ich halte die Form Condi fur dieselbe wie Can, 
Kan. Ist Canstatt wie Niedernau schon rOmisches Bad ge- 
wesen, warum sollte sich dort nicht zufallig ein rflmischer Name 
erhalten haben? Das lat. Canna aber bedeutet Schilf, Rohr, 
(griech. xawa). Der alte Leichtlen fand einen Burger „ad Ca- 
nam", den er geradezu nach Canstatt versetzte ; und wer will's 
ihm wehren? Lautlich sollte freilich fur Cann, Hann, Han ste- 
hen ; allein bei derartigen petrefactfcchen Ueberresten, bei Oert- 
lichkeiten und Schallnachahmungswflrtern, stockt unser Gesetz. 
Der Kanbach, der ganz unbedeutend in den Nekar geht und 
einer H&he hinter Canstatt den Namen gab (1277: mons qui 
dicitur Canbach), wttrde unsere Vermuthung wahrscheinlicher 
machen und w ad arundines", zu den Schilfen, bestatigen, wozu 
der Platz zwischen Tubingen und Kilchberg kommt, der ehe- 
dem ebenso hiefs. — Can ist rSmische, Cand, Cond keltische 



Form. (Wahrscheinlich gehftrt auch der Name Constanz hie- 
her.) Eine Stelle bei Columella V, c. 5 durfte vielleicht auch 
angezogen werden. Die lateinischen Bauern in Spanien and 
Italien hiefsen die Taucher, Senker mergi (ital. mergo) die 
Gallier Candosocci; dieses cando — gehOrt wol zu can- 
thus, das eine Glosse mit „geflochtener Zaun", (unser Kant- 
zaun beim Wasserbau) wiedergibt. Wir kommen also wieder 
auf ein Wassergeflechtwerk hinaus, das vollends Canna nnd xavra 
bestatigen. Columella gebraucht „ad arundines". Sei dem, 
wie ihm wolle, etwas in die Augen fallendes mufs da gewesen 
sein, was Veranlassung zum Namen gab. Das Auffallende 
kann nur im Thai gewesen sein, und ein Blick auf die Boden- 
beschaffenheit bestatigt unsere Vermuthung erst recht. — Eine 
Deutung ware noch. mOglich, und das verspottete „Kanne" 
kame zu Ehren. Sollte der ausgehOhlte Embaum, die ursprttng- 
liche Kahnart, sowie der ausgehOhlte Wein- und Wassereimer 
nicht Licht auf Canstatt werfen? KOnnte der kleine Kanbach 
nicht von seiner gleichsam vom Wasser gehOhlten altesten Ge- 
stalt so benahnt worden sein? Kanne und Kahn gehdren 
zusammen. Ein Umstand, der bei Namen nicht zu verachten, 
ist der: Canstatt war der Knotenpunkt aller rOmischen Strafsen, 
was in Oertlichkeiten manchmal Andeutungen hinterlassen hat. 
Hier wufste ich jedoch nichts darauf BezQgliches. — 

Zum Schlusse citiere ich noch eine Stelle aus dem Buche : 
„Fons Aquae vitae Cantstadiensis oder kurze and 
grundliche Beschreibung der ftirtreffl. Natur, Krafft 
und Wirkung des Canstatter Salz Wassers". (Stuttg., 
ROfslins Wittwe 1710. 12) v. J. G. Greifs, Chir. und 
Badmeister. 

Yorrede: Dafs Cantstatt von einer Kannen oder Kante 
benennet worden, lasset sich sowohl auf dem fuhrenden Stadt- 
wappen schliefsen, so ist auch jedermann bewufst, dafs eine 
Kante nichts anders als ein TrinkgefiLfs bedeute: woraufi dann 
noch weiter abzunehmen sey ein solcher Orth, welcher seinen 
Inwohnern und Ankommlingen mit einem guten Trunk aufwar- 
ten kOnne. Der edelste Trunk, den uns die Welt vorzusetzen 
weifs, ist und bleibet wol der Wein. Hieran fehlet es dorch 
gdttlichen Segen diesem Orte so gar nicht, dafs er sowol ge- 
nug edlen und herrlichen Wein fur sich erzielet, als andern 
nahe und ferngelegenen davon zu ihrer Nohtdurft und Erqui- 
ckung mittheilen kann. 

A. Birlinger. 



(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. E 8 6b aid in Niirnberg. 



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BEELAGE ZUM ANZEIGER FUR BUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1872. Jtf 6. Jnni. 



Chronik des germanischen Museums. 



Nil rn berg, den 15. Juni 1872. 

Der Anregung, welche der Reichstag gegeben, folgend, hat 
rich das germanische Museum an der Weigel'schen Auction in 
Leipzig betheiligt. Es wurde manches werthvolle Einzelstuck er- 
worben, Manches, was unzweifelhaft den Weg aus Deutschland ge- 
nommen hatte, dem Vaterlande, selbst um hohe Preise, erhalten; 
Manches aber mufste leider der Concurrenz des Auslandes iiber- 
lassen bleiben. Auf Einzelnes allerdings wurde freiwillig verzich- 
tet, weil uns noch eine andere Quelle bekannt ist, aus der Wich- 
tigea und Wesentliches , wie wir glauben, in kurzer Frist erwor- 
ben werden kann, so dafs wir immerhin den Freunden der na- 
tionalen Anstalt die Beruhigung bieten konnen, dafs in nicht zu 
femer Zeit die Vorgeschichte und die Anfange der grdfsten, fol- 
genreichsten und wichtigsten deutschen Erfindung, der Buch- 
druckerkunst, in so wiirdiger Weise bei una wird vertreten sein, 
dafs wir sodann die weitere Abrundung der betreffenden Samm- 
lung ruhig der Zeit werden iiberlassen konnen. Dies Zeugnifs 
konnen wir uns geben, dafs in dieser Sache, die mit Recht so 
hohes Interesse gefunden, die Anstalt ihrer nationalen Pflicht sich 
bewufst war und gethan hat, was in ihren Eraften stand. 

Wenn die Druckkunst die wichtigste und folgenreichste deut- 
fiche Erfindung genannt werden darf, und die Sammlung der alte- 
sten Dokumente fur ihre Geschichte wohl als eine nationale An- 
gelegenheit betrachtet wird, so sind wir in der Lage, der gewifs 
nachst ihr bedeutsamsten Erfindung und ihrer Geschichte, die wir 
mit Rucksicht auf das, was Deutschland fur ihre Ausbildung ge- 
than, gleichfalls als eine nationale betrachten miissen, nicht min- 
der grofse Aufmerksamkeit zu Theil werden zu lassen, — nam- 
lich der der Feuerwaffen. Den reichen Geschenken, durch die uns 
Se, Maj. der Eonig yon Bayern diese Aufgabe erleichtert hat, ist 
wieder ein neues Geschenk gefolgt, indem noch nachtraglich ein 
franzosisches Hinterladungsgeschutz , sowie eine Reihe von Ge- 
wehren und Handwafifen dem Museum ubergeben wurden, welche die 
Entwicklung der Bewaffnung der bayerischen Armee bezeichnen. 
Ebenso hat Se. Maj. der Eonig von Wurttemberg befohlen, um 
die Entwicklung der Bewaffnung der wurttembergischen Armee 
darzustellen , dem german. Museum fonf Eanonen, einen Morser 
and eine Reihe von Gewehren und sonetigen Handwafifen als Ge- 
schenk zu uberlassen. 

Ein eigenthumliches Geschenk, das gewifs vielen Besuchern 
der Anstalt Yergnugen bereiten wird, haben wir von Sr. Hoheit 
dem Herzog Ernst von Sachsen-Eoburg-Gotha erhalten. Bekannt- 
lich waren im Mittelalter und der nachfolgenden Zeit auf Schlos- 
sern, in Elostern und Stadtgraben u. s. w. sehr haufig Barengru- 
ben errichtet, deren urdeutsche Insassen gleichsam zum Inventar 
and Apparat eines alten Gebaudecomplexes gehorten und, von 
Alt und Jung freundlichst gefuttert, ihnen wiederum zur Eurzweil 
dienten. Mehrerer solche Barengruben haben sich da und dort 
noch bis in die neueste Zeit erhalten ; so auch auf der Veste Eo- 



burg. Um nun dem Museum, das an alterthumlichem Aussehen 
seiner Gebaude durch so viele Uebertragungen alter Gebaudereste 
mehr und mehr gewinnt, auch diese Ausstattung zu geben, hat Se. 
Hoheit dem Museum einen jungen Insassen des Eoburger Baren- 
zwingers zum Geschenke gemacht, fur den auch schon ein ent- 
sprechendes Lokal in Bereitschaft gesetzt wird. 

Den am 17. Mai erfolgten Tod eines um unsere Anstalt ver- 
dienten Mitgliedes des Gelehrtenausschusses , des Professors Gu- 
stav HauBer am hiesigen Realgymnasium , haben wir schliefslich 
mit aufrichtigem Bedauern zu melden. 

Im Anschlusse an die in Nr. 1 des Anzeigers gebrachten 
Pflegschaftsveranderungen haben wir Folgendes nachzutragen : 

Neue Pfiegschaften wurden im deutschen Reiche errichtet in 
Aschaffenburg. Pfleger: Anton Niedling, k. Lehrer an der 
Gewerbschule, s. 1. Febr. d. J. Colmar. Pfleger: Wilh. Nein- 
haus, Oberlehrer am kais. Lyceum, 8. 1. Mai d. J. Lobenstein. 
Pfleger: Jul. Oertel, Madchenlehrer, s. 3. Juni d. J. Mieste. 
Pfleger: A. M. Hildebrandt, Heraldiker, s. 15. April d. J. 
Neuburg a. D. Pfleger: Herm. Loe, k. Studienlehrer , s. 16. 
Mai d. J. Orlamunde. Pfleger: Vict. Lommer, Advokat u. 
Notar, s. 1. Mai d. J. Pirmaeens. Pfleger: Herm. Zapf, 
Pfarrer, s. 15. Januar d. J. 

Pfleger RudolfTemple in Pest, welcher die Pflegschaftsge- 
schafte seit 1866 niedergelegt hatte, hat dieselben wieder aufge- 
nommen. 

Folgende Pflegschaften wurden neu besetzt: Beilngries. 
Pfleger: Graf, k. Landrichter, in Greding, s. 1. Januar d. J. 
Burgsinn. Pfleger: Eotmann, Pfarrer, s. 23. Febr. d. J. Do- 
naueschingen. Pfleger: Ludw. Schmidt, Hofhuchhandler, 8. 
1. Juli d. J. Dortmund. Pfleger: Arnold Essellen, Rechts- 
anwalt, s. 15. Febr. d. J. Erbach. Pfleger: Grenz, Lehrer, 
b. 1. April d. J. Grimm a. Pfleger: Dr. Grofsmann, Superin- 
tendent, 8. 1. Febr. d. J. Mulheim a. R. Pfleger: Hugo Vor- 
ster in Broich, s. 1. Mai d. J. Nordlingen. Pfleger: Chrn. 
Mayer, Rektor der kg]. Gewerbschule, s. 1. April d. J. Schwa- 
bach. Pfleger: Eonr. Eraufs, Stadtschreiber, 8. 1. Juli d. J. 
Straubing. Pfleger: GarlBorger, k. Advokat, s. 1. Mai d. J. 
Triptis. Pfleger: Alfred Euchler, Pfarrer, in Braunsdorf, 
b. 22. Mai d. J. 

Eingegangen sind die Pflegschaften Altruppin, Archangel, Dan- 
nenberg, Havre, Ostheim (S. -Weimar) u. Vilshofen. 

Aufserhalb des deutschen Reiches wurden folgende neue Pfleg- 
schaften errichtet und haben die Vertretung unserer Interessen 
ubernommen in Florenz: L. Schweigert. Mailand: Cheva- 
lier Alphonse Reichmann. Chicago: Dr. Ernst Schmidt. 
New-Tork: B. Westermann, Buchhandler. San Jose (Costa 
Rica): Gerh. Jager, Theilhaber des Geschafbshauses 0. v. Schro- 
ter u. Co. Lima: George Brunswig, Theilhaber der Eunst- 
handlung Brunswig u. Wagner. Montevideo: Dr. med. Carl 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



196 



Brendel. Rio Grande do Sal: L. vonLoefsl, kaiserl. deut- 
scher Konsul. Capstadt: C. S. Poppe, Consul des deutschen 
Reiches. Singapore : Julius Briissel, Kaufmann. Adelaide: 
N. v. Treuer, kaiserl. deutscher Konsul. Melbourne: Brahe, 
Consul des deutschen Reiches. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden fol- 
gende neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Yon Stftdten: Linz 11 fl. 40 kr. Ribnitz 3fl. 30 kr. Wei- 
den 3 fl. Wismar (auf weitere 10 Jahre) 17 fl. 30 kr. 

Yon Privaten s Cassel. Arnthal 1 fl. 45 kr., Aschrott, Fabri- 
kant, 3 fl. 30 kr., L. v. Bischoffshausen, Direktor, lfl. 45 kr., v.Bo- 
delschwingh , Oberprasident , 3 fl. 30 kr., Glafsner, Apotheker, 1 fl. 
45 kr., R. E. Goldschmidt lfl. 45 kr., S. S. Goldschmidt, Rentier, 
lfl. 45 kr., Arthur v. Griesheim 3fl. 30 kr., von Hardenberg, Re- 
eierungsprasident, 3fl. 30 kr., Dr. Adolph Harnier lfl. 45 kr., Dr. 
Wilh. Harnier lfl. 45 kr., Henschel, Commerzienrath , 3fl. 30 kr., 
F. Hentze, Particulier, 1 fl. 45 kr., Horschutz, Kaufmann, 1 fl. 45 kr., 
von Meyer, Minister, lfl. 45 kr., Nagell, Hofapotheker, lfl. 45 kr., 
Nebelthau, Oberburgermeister, lfl. 45 kr., Pabst, Geh. Regier.-Rath, 
1 fl. 45 kr., Peters, Justizrath, 1 fl. 45 kr., Gust. Pfeiffer 1 fl. 45 kr., 
Louis Pfeiffer 1 fl. 45 kr., Dr. Renner 1 fl. 45 kr., A. Rittershausen 
lfl. 45 kr., Rothfels 2fl. 377»kr., Scheel, Buchdruckereibesitzer, 
1 fl. 45 kr., Dr. Schotten 1 fl. 45 kr., Freiherr von Waitz, 3fl. 30 kr., 
Wittich, Stadtrath, 1 fl. 45 kr., Zuschlag, Oberfinanzrath a. D., 1 fl. 
45 kr. Fflrth. Carl Blefsmann 2fl., Scherer, Pfarrer, lfl. 30 kr. 
(statt friiher 1 fl.) Hamburg. Gust. Ritter, Pfarrer, 3 fl. 30 kr. Ki- 
tzingen. E. D. Metsch, Weinhandler, lfl. 45 kr. KBnigsberg i. Pr. 
Moriz Stettiner, Kaufmann, 3 fl. 30 kr. Montevideo. Dr. med. Bren- 
del 2fl. Nordhau86n. A. Becker, Fabrikdirektor , lfl. 45 kr., Fr. 
Kuntze, Stadtrath, lfl. 45 kr., J. Zacharias, Fabrikant, 3fl. 30 kr. 
Niimberg. Dr. med. Reichard Barthelmefs 2fl„ Moriz Bullnheimer, 
Braumeister, 2 fl., Dr. Ad. Cnopf, Bez. Ger.-Accessist, 3 fl., Th. Ey- 
rioh, Architekt, lfl. 45 kr., von Furtenbach, k. Stadtrichter , lfl. 
45 kr., Glock, Zeichenlehrer , lfl. 45 kr., Dr. phil. Hugo Goring 
lfl., E. Hecht, Ingenieur, lfl. 45 kr., Sigm. Heller, Rechtsconci- 
pient, 1 fl. 12 kr., Lor. Hettig, k. Maschinenmeister, 1 fl., Fr. Schd- 
niger, Apotheker, lfl. 30 kr., Sedlmayr, k. Appell.-Ger.-Direktor, 
3fl. 30 kr., Christoph Stettner lfl., Tretzel, Rittmeister, 2fl., A. 
Yogel, Kaufmann, lfl. Schmalkaiden. L. Bernhardt, Oberpfarrer, 
lfl. 45 kr., Jul. Burhenne, Bflrgermeister , Rechtsanwalt u. Notar, 
lfl. 45 kr., Wilh. Dache, Stadtschreiber, lfl. 45 kr., Friedr. Eichel, 
Kaufmann, lfl. 45 kr., Dr. A. Rehm, Kreisphysikus , lfl. 45 kr., 
Th. Schimmelpfennig, Amtsrichter, 1 fl. 45 kr., H. Simon, Real 1 eh - 
rer, lfl. 45 kr., Dr. E. Wachenfeld, prakt. Arzt, lfl. 45 kr., Feo- 
dor Willisch, Buchhandler, lfl. 45 kr. Tauberbischofsheim. Eber- 
hard, Reallehrer, 1 fl., Elfner, Oberamtsrichter, 1 fl., Heck, Lehramts- 
praktikant, lfl., Kopp, Amtmann, lfl., Loehbuhler, Amtsrichter, 
lfl., Schott, Pfarrverweser, lfl. 

Einmalige Beit rage wurden folgende gegeben: 

Yon gtttdten i Thiengen. Stadtgemeinde 15 fl. 

Yon Verelnenx FOrth. Gewerbverein 20 fl. 

Yon Privatenx Nordhausen. J. Zacharias, Fabrikant, 17 fl. 
30 kr. 

Zn den Kosten der Uebertragung des Angustlner- 
klosters: Nurnberg. Dr. Zehler 5fl. 5kr. 

Unsern Sammlungen giengen ferner nachstehende Geschenke zu: 

I. Fur die kunst- und kulturgesohiohtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6608-6638.) 
Auenheim. H. Forster, Pfarrer: 4 romische Silber- u. 3 Bronze- 
mnnzen. — Botzen. H. Ritter von Gold egg: 5 photographi- 
sche Aufnahmen aus dem Schlosse Velthurns in Sudtirol. — Coin. 
GobbeU, Kaplan: 2 verzierte Fufsplattchen, 15. Jhdt. — Fiirth. 
Lehmus, Pfarrer: Goldgulden des Matthias Corvinus. Silberne 
Spottmedaille, 17. Jhdt. — Lorch. A. Keuchen: 2 kleine Silber- 
munzen, 1772 u. 1773. 15 Kupferjetons, 17.— 18. Jhdt. 86 Ku- 



pfermunzen, 17.— 19. Jhdt. — Magdesprung. Direction der Ei- 
sengiefserei: 21 Gypsabgiisse von Bleireliefs des 16. Jhdts. — 
Nurnberg. Dr. med. R. Barthelmefs: Silberne Taufmedaille, 
18. Jhdt. Silberne Hochzeitsmedaille, 18. Jhdt Jubelmedaille auf 
die Erbauung Erlangens, 1786. von Gemming, Oberst: Grofser 
Spiegel mit venetianischen Glasern, 17. Jhdt. Mummenschanzfest, 
Wassermalerei vom 16. Jhdt. G. J. Gutmann, Kaufmann: 2 ver- 
zierte Fufsplatten. Georg Kern, Privatier: Reste von Mamuth- 
knochen. C. Kiihn, Kaufmann: 2 Bruchstucke alter Wandkalen- 
der. Kreidezeichnung auf Pergament. Nidermaier, Rechtsan- 
walt: Sabel der pfalzischen Miliz des 18. Jhdts. Roder, Inspek- 
tor : B6hmi8cher Groschen, 1590. Degen eines Brabanter Freiwil- 
ligen von 1789. E. Schwerdt, Kaufmann: 2 eiserne Notariats- 
stempel vom 18. Jhdt. — Oldenburg. Dr. Merzdorf, grofsherz. 
Bibliothekar : 1 Bracteat und 2 mittelalterl. Silbermunzen. 6 Sil- 
bermunzen vom 18. u. 19. Jhdt. Medaille zum 50jahrigen Dienst- 
jubilaum des Ministers von Brandenstein in Oldenburg, 1832, Ku- 
pfer. 7 Lackabdriicke von Siegeln. — Regensburg. G. Jacob, bi- 
schofl. Ordinariatssekretar : 3 Proben alter Spitzen. — Schmalkai- 
den. Dr.jur. Gerland, Rechtsanwalt : Siegel der Stadt Witzenhau- 
sen. Brandenburger Groschen von 1555. E. Neubert, Bergdi- 
rector : 2 Lackabdriicke von Siegeln des 15. u. 17. Jhdts. — WSrz- 
burg: Streit, Sekretar des landwirthschaftlichen Vereins: Photo- 
graphische Abbildung einer im Besitz des Geschenkgebers befind- 
lichen Marienstatue von T. Riemenschneider. 

II. Fur die Bibliothek. 

(Nr. 28,198—28,382.) 

Amberg. Fr. Pustet'sche Buchh. : Marty, Friedensbilder aus 
dem deutsch-franz. Kriege v. 1870—71. 2. Aufl. 1872. 8. — Ana- 
bach. Histor. Yerein v. Mittelfranken: Ders., 37. Jahres- 
bericht etc., 1869 u. 1870. 4. — Bfirn (Mahren). Johann Gans: 
Die Europaische Fama. 1710. 8. Holberg, Vergleichung der Hi- 
storien und Thaten verschiedener grofser Helden; 2. Th. 1741. 8. 
Simeon Ben Johai, die Historie des Kriegs zwischen den Preufsen 
u. den Oesterreichern. 1758. 8. Politische Gesprache der Todten 
iiber die Begebenheiten des 1794. Jahres. Nr. 3—26. 8. — Berlin. 
G. Grote'eche Verlagsh. : Fechner, d. deutsch-franzos. Krieg v. 
1870—71. 1871. 8. Jul. Kionne, Verlacrsh. : Remy, d. deutsche 
Heldenkampf in Wort u. Lied ; Lief. 6—14. 8. Pallraann, die Cim- 
bern und Teutonen. 8. Verlag von R. Lesser: Ule, Alexander 
v. Humboldt; 4. Aufl. 8. C. G. Liideritz'sche Verlagbuchh. (C. 
Habel) : Bergau , das Ordenshaupthaus Marienburg in Preufsen. 
1871. 8. Martin, Gothe in Strafsburg. 1871. 8. Diestel, die Sint- 
flut u. Flutsagen des Alterthums. 1871. 8. Kreyfsig, fib. Realis- 
mus u. Realschulwesen. 1871. 8. Berendt, geognostische Blicke in 
Alt-Preufsens Urzeit. 1872. 8. NVolff, d. brand enb. - preurs. Staat 
nach seiner geschichtl. Entwickelung entworfen. 1871. 8. van 
Muyden, Verlagsh.: Gedenktafel d. k. preufs. Armee etc. 1871. 
8. Borchardt, Htterature fran^aise pendant la guerre de 1870 — 71. 
1871. 8. Kgl. geh. Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker): 
Lippe-Weifsenfeld, Geschichte des preufs. 6. Husaren-Regimenta. 
1860. 8. v. Prittwitz u. v. Viebahn, Geschichte d. k. preufs. Kais. 
Alexander-Garde-Grenadier-Regiments. Nr. 1. 1864. 8. Herwarth 
v. Bittenfeldt, Geschichte des k. pr. II. Garde-Regiments zu Fufs. 
1865. 8. Hopfner, kl. Berlinische Reimchronik; 2. Ausg. 1871. 8. 
Fontane, aus den Tagen der Occupation; 2 Bde. 1871. 8. Ver- 
zeichnifs der kais. deutschen Consulate 1872. 4. Gebr. Pat el, 
Verlagsh. : Duller, Geschichte des deutschen Volkes, fortges. v. 
Pierson; Lief. 11—18. 1871. 8. Wernicke, d. Geschichte d. Welt; 
Lief. 11—18. 1871—72. Dorr, d. deutsche; Lief. 11—18. 1871— 
72. 8. Sim. Schropp'sche Hof-Landkartenhandl. : Fix, d. Ter- 
ritorialgeschichte des preufs. Staates; 2. Aufl. 1869. 8. Plan der 
Gefechtsfelder der 2. Garde-Infanterie-Division am 30. Oct. u. 20. 
Dec. 1870. 8. Jul. Springer, Verlagshandl. : Mignet, la Germa- 
nic au8. etau9. siecle. 1871. 8. — Bern. Allgem. geechicht- 
forBch. Gesellschaft der Schweiz: Dies., schweizerischea 
Urkundenregister ; Bnd. I, 5. u. II, 1.— 3. Heft. 1868-72. Dr. B. 
Hidber, Professor: Ders., d. erste Schiefspulver u. Geschutz in 
der Schweiz etc. 1866. 8. Histor. Yerein des KantonsBern: 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



198 



Ders., Archiv etc.; Bnd. VI, 4. VII, 1—3. VIII, 1. 1867—72. 8. - 
Brealaa. Ed. Trewendt, Verlagsh.: Eberty, Geschichte d. preufs. 
Staats; Bnd. 3—6. 1868 — 72. 8. — Brtinn. K. k. mahr.-schles. 
Gesellschaft: Dies., Mittheilungen etc.; 51. Jhg. 1871. 4. No- 
tizen-Blatt der his tor. -statist. Section etc. 1871. 4. — Ca886l. Th. 
Kay, Hof-Kunst- u. Buchh. : v. Gricourt, die Beziehungen Frank- 
reichs zu Deutschland unter Napoleon III. 1870. 8. v. Wittich, 
aus meinem Tagebuche 1870-71. 1872. 8. — Elberfeid. R. L.Fri- 
derichs Verlagshandl.: Bartsch, Grundrifs zur Geschichte der 
provenzalischen Literatur. 1872. 8. — Erfurt K or n er' sche Buchh.: 
Musica sacra; II. Abtheil. 1872. 8. — St Gallon. Historischer 
Verein: Ders., Mittheilungen etc.; n. F. 4. Hea. 1872. 8. Er- 
lebnis8e eines St. Gallischen Freiwilligen der Loire -Armee im 
Winter 1870. 1872. 4. Goetzingerus , das buechlin der herren 
Ton Ramswage. 8. — Glarus. Historischer Verein des Kan- 
tons Glar us: Ders., Jahrbuch etc. 8. Heft. 1872. 8. — Gottingen. 
K. Gesellschaft der Wissenschaften : Dies., Gottingische 
zelehrte Anzeigen ; 2 Bnde. 1871. 8. Dies., Nachrichten v. d. k. 
Gesellschaft der Wissenschaften. 1871. 8. Vandenhoeck und 
Ruprecht, Verlagsh.: v. d. Ropp, Erzbischof Werner v. Mainz. 
1872. 8. Schum, die Jahrbiicher des St. Albans-Klosters zu Mainz. 
1S72. 8. Dehio, Hartwich v. Stade. Erzbischof v. Hamburg-Bremen. 
1872. 8. Hohlbaum, Joh. Rennets livland. Historien u. d. j. liv- 
land. Reimchronik; I. Th. 1872. 8. — Graz. His tor. Verein f. 
Steierraark: Ders., Mittheilungen etc. 19. Heft. 1871. 8. Ders., 
Beitrage etc.; 8. Jhg. 1871. 8. Dr. J. Zahn, Archivar am Joan- 
neum : Marck, de veris initiis circulorum imperii. 1761. 4. Habich- 
horet, serenissimo domino Friderico Wilhelmo duci Mecklenbur- 
gico etc. 1697, 2. — Hamburg. 0. Meifsner, Verlagsh.: Mestorf, 
d. archaolog. Congrefs in Bologna. 1871. 8. — Hannover. C. Rump- 
le r, Verlagsh. : Sudendorf, Urkundenbuch zur Gesch. der Herzoge 
t. Braunschweig und Luneburg; VII. Th. 1872. 4. Verlag der 
Sch 1 1 e r ' schen Hofbuchdruckerei : Zeitschrift f. deutsche Kultur- 
geschichte; n. Folge. I. Jhg. 1.— 4.H. 1872. 8.— Heidelberg. Fr. 
Bassermann'sche Verlagsh. : Mendelssohn-Bartholdy, der Rastat- 
ter Gesandtenmord. 1869. 8. K. Groos, Verlagsh.: Wafsmanns- 
dorff, d. erste deutsche Turnbuch. 1871. 8. Zopfl, d. reichsstan- 
dische Gesammthaus Seinsheim. 1871. 8. — Hermannstadt. Ver- 
ein f. siebenbiirg. Landeskunde: Ders., Archiv etc.; n. F. 
DC. Bnd., 3. H. und X. Bd., 1. H. 1871 und 72. 8. Ders., Jahres- 
bericht etc. 1870—71. 1871. 8. Trausch, Schriftsteller-Lexikon; 
II. Bnd. 1870. 8. Klein, Geschichte der Deutschen in Nord-Sie- 
benborgen. 1871. 8. Progr. Lutsch, Beitrag zu e. Kalender der 
Horader Umgegend v. Hermannstadt. 1871. 4. Progr. Hoch, Ge- 
schichte dea Schafsburger Gymnasiums. 1871. 4. Progr. — Karls- 
ruhe. M a c k 1 o t ' sche Buchh. : Mag? , Kriegs-Kalender ; Heft 17 — 
26. 1872. 8. — Klagenfurt Geschichtverein f. Karnten: 
Ders., Archiv etc., 12. Jhg. 1872. 8. Mittheilungen aus d. Ge- 
schichtvereine. 8. Sonderabdr. v. Gallenstein, archaolog. Nachgra- 
bungen. 8. Sonderabdr. v. Jabornegg-Altenfels, Uebersicht der in 
der Monumenten-Halle des Landhauses zu Klagenfurt aufgestellten 
Romersteine. 8. — K3ln. Ad. Badeker, Verlagsh.: Besse, die 
Kdnigin Louise v. Preufsen. 1870. 8. — Leipzig. W. Ban sch, Ver- 
lagsh.: vam Hingberg, ut auler un neier Tied; I. Bnd. 1872. 8. 
F. A. Brockhaus, Verlagshandl.: v. Raumer, Europa vom Ende 
des siebenj. bis zum Ende des amerikan. Krieges; 3 Bnde. 1839. 
8. Spreu. 1848. 8. v. Raumer, Briefe aus Frankfurt und Paris, 
1848 — 49. 2 Bde. 1849. 8. v. Raumer, vermischte Schrifben ; 3 Bnde. 
1852 — 54. 8. v. Raumer, Lebenserinnerungen und Briefwechsel ; 

2 Thle. 1861. 8. Nippold, Chrstn. Carl Josias Freih. v. Bunsen; 

3 Bnde. 1868—71. 8. Schuchardt, Lucas Cranach des Aeltern Le- 
hen und Werke ; 3. Th. 1870. 8. Keil, Frau Rath. 1871. 8. Has- 
sel, von der dritten Armee. 1872. 8. Simon, meine Erfahrungen 
auf dem Gebiete der freiwilligen Krankenpflege. 1872. 8. Histor. 
Taschenbuch, hgg. v. Riebl; 5. Folge, 2. Jhg. 1872. 8. Wander, 
Sprichworter-Lexikon; Lief. 38 und 39. 1872. 8. Justus Nau- 
mann, Verlagsh.: Becker, Dr. Martin Luther. 2. Aufl. 8. Bott- 
cher, d. Leben Dr. Joh. Gerhard's ; 2. Ausg. 8. v. Schubert, Zuge 
aus dem Leben des eel. Joh. Tob. Kiefsling in Niirnberg ; 3. Aufl. 
8. Mor. S chafer, Verlagsh.: Drivok, altere Geschichte d. deut- 
schen Reichsstadt Eger; Lief. 1—3. 1872. 8. E. A. Seemann, 



Verlagsh. : v. Alten, aus Tischbeins Leben und Briefwechsel. 1872. 
8. F. C. W. Vogel, Verlagsh.: Rumpelt, d. deutschen Prono- 
mina und Zahlworter histor. dargestellt. 1870. 8. Bartsch, chre- 
stomathie de Pancien francais. 1866. 8. — Miinster. Fried r. Re- 
gens berg, Verlagsh.: Geisberg, Merkwiirdigkeiten der Stadt 
Monster; 5. Aufl. 1871. 8. — Neuhaldensleben. C. A. Eyraud, 
Verlagsh.: Steger und Ehrke, Deutschlands Krieg und Sieg. 8. 
Mittheilungen aus d. Kriegsleben etc. 1872. 8. — Neuwied. J. H. 
Heuser's Verlagsh.: Kratz, Spinoza's Ansicht lib. den Zweckbe- 
griff, 1871. 8. — Nordhausen. Ad. Biichting, Verlagsh.: Das kl. 
Buch vom Fiirsten Bismarck; 5. Aufl. 1872. 8. Liste sammtl. 
deutschen Buch-, Antiquar- etc. Handlungen f. 1872; 25. Jhg. 8. 
— N urn berg. Dr. G. W. K. Lochner, qu. k. Studienrektor und 
Stadtarchivar : Ders., Leben und Gesichte der Christina Ebnerin. 
1872.8. Vorstande der Albr.-Durer-Haus-Stiftung: Ge- 
denkbuch der 400jahrigen Geburtstagsfeier Albr. Durer's in Niirn- 
berg. 1872. 8. Freih. v. Welser, k. Bez. - Ger. - Direktor a. D. : 
Ottonis episcopi Frisingensis chronicon. 1569. 2. Aventini, des . . . 
Beyerischen Geschichtschreibers Chronica. 1622. 2. Meichelbeck, 
chronici Benedictoburani pars I et II. 1751. 2. Tritheraius, anna- 
lium Hirsaugiensium tomus I et II. 1690. 2. Hund, metropolis 
Salisburgensis ; torn. I — III. 1620. 2. Sleidani veri et ad nostra 
tempora usque continuati andere Edition. 1625 u. 1624. 2. Cru- 
sius, annales Svevici, dodecas I. — III. et paraleipomenos liber. 
1596. 2. Franck, Chronica Zeitbuch vnnd Gesch ichtbibel. 1555. 2. 
Goldast, rerum Alamannicarum scriptores ; 1. 1 — III. 1730. 2. Kuen, 
collectio scriptorum rerum historico-monastico-ecclesiasticarum ; 
t. I — V. 1755 — 65. 2. Sandrart, palatiorum Romanorum pars I & 
n. 1694. 2. — Peat Magyar Tudomanyos Akademia: Ev- 
kdnyvei; Kotet XIII, 1. 2. 4. 5. 1869—70. 4. Archaeologiai Koz- 
lemenyek ; K. VIII, 1. 2. 1870—71. 4. Monumenta Hungariae ar- 
chaeologica ; K. I, 2. 1869. 4. Tortenettud. Ertekezesek; VHI— 
XH. Szam. 1869 — 70. 8. Statistikai es nemzetg. Kozlemenyek ; K. 
V, 2. VI, 1. 2. Vn, 1. 2. 1869—71. 8. Monumenta Hungariae hi- 
storica. Scriptores XX. XXV. 1870 u. 71. 8. Monumenta Hung, 
hist. Diplomataria XII — XV. 1869. 70. 8. Magyar tortenelmi tar ; 
XIV. 1870. 8. Torok-magyarkori tortenelmi emlekek; K. IV— VI. 
1869 — 71. 8. Rupp, magyarorszag helyrajzi tortenete ; K. I, 1. 2. 

1870. 8. Almanach; 1870 es 1871. 8. Budapesti Szemle; 43.-50. 
fuzet. 1869. 8. Ertesitoje; 3.-5. evfolyam: 1869, 9 — 20. 1870, 
1—18. 1871, 1—9 szam. 8. — Prag. J. G. Calve'sche k. k. Uni- 
vers.-Buchh. : Toman, d. bohmische Staatsrecht u. d. Entwicklung 
der osterr. Reichsidee v. J. 1527—1848. 1872. 8. v. Hasner, Ty- 
cho Brahe und Kepler in Prag. 1872. 8. Lese-undRedehalle 
der deutschen Studenten: Dies., Jahres - Bericht , 1871 — 72. 
8. — Pr088nltz. K. Umlauff, k. k. Landesgerichtsrath : Aus Sie- 
benbttrgens Vorzeit und Gegenwart. 1857. 8. — Riga. N. Ky na- 
me 1, Verlagsh.: .v. Bunge, Liv-, Esth- und Curland. Urkunden- 
buch und Regesten; Bnd. I — VI, 6. 1853 — 71. 4. Baltische Mo- 
natsschrift; Bnd. IV, 6 bis Bnd. XVHI. 1861—68. 8. v. Richter, 
d. livland. Strafprocefs ; 2 Thle. 1845. 8. Seraphim, iiber d. Abro- 
gation des Pilten'schen Rechts. 1864. 8. v. Heldrungen, Bericht 
iiber d. Vereinigung des Schwertordens mit dera deutschen Orden. 
1865. 8. Bienemann, Briefe u. Urkunden zur Geschichte Livlands 
in d. J. 1558—1562 ; 3 Bnde. 1865—68. 8. Mittheilungen aus dem 
Gebiete der Geschichte Liv-, Ehst- u. Kurlands; Bnd. X, 3 u. XI, 
1—3. 1865—68. 8. v. Sivers, Herder in Riga. 1868. 8. — Rostock. 
E. Kuhn, Verlagsh.: Perrot, zur Geschichte des Verkehrswesens. 

1871. 8. — Salzburg. M ay rische Buchh.: Zillner, salzburgische 
Kulturgeschichte in Umrissen. 1871. 8. von Spiels, k. k. Ma- 
jor : Die gantze heylige geschrifft. genant dy bibel. Niirenberg 
durch anthonium Koburger. 1483. 2. Horwart von Hohenburg, 
von der Hochberhumpten , Adelichen vnd Ritterlichen Kunst der 
Reyterey. 1581. 2. — Schweinfurt. G. J. Giegler, Buchh.: En- 
derlein, d. Reichsstadt Schweinfurt wahrend des letzten Jahrzehnts 
ihrer Reichsunmittelbarkeit •, I. II. 1862—63. 8. — Schwerin. Ver- 
ein f. meklenburg. Geschichte: Ders., meklenburgisches Ur- 
kundenbuch ; Vn. Bnd. 1872. 4. — Straaabvrg. M. Schauen- 
burg, Buchhndl. : Keil, ein denkw. Gesellen - S tammbuch aus der 
Zeit des 30jahrigen Krieges. 8. Eichrodt, d. Pfalzgrafen. 1859. 8. 
Schauenburg, Reisen in Central -Afrika; 3 Bnde. 1867. 8. Keil, 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



200 



deutsche Studenten-Lieder des 17. u. 18. Jahrh. 8. Schenkel, La- 
ther u. seine Kampfgenossen ; 2. Aufl. 1868. 8. Badische Geschichte; 
Lief. 1—4. 1868—69. 8. — Stuttgart. J. G. Cotta'sche Buchh. : 
Forster, Miinchen ; 7. Aufl. 1854. 12. Hoffmeister, Nachlese zu Schil- 
ler's Werken; Bnd. 1 u. 3. 1858. 8. Fischer, Florian Geyer, d. 
Yolksheld im deutschen Bauernkrieg. 1866. 8. Lingg, die Volker- 
wanderung ; 3 Bnde. 1866—68. 8. Ebneru. Seubert, Verlagsh. : 
Waagen, Handbuch d. deutschen u. niederland. Malerschulen j 1. u. 
2. Abth. 1862. 8. Roquette, Geschichte der deutschen Dichtung ; 2. 
Aufl., Lief. 1. 2. 1871 u. 72. 8. Buhlmann, die Architektur des 
classischen Alterthums n. der Renaissance; I. Abth. 1872. gr. 2. 
A. Kroner, Verlagsh.: Mensch, d. Froschmausekrieg. 4. Hertz, 
der Werwolf. 1862. 8. Meyer, Karl der Kuhne. 1862. 8. Hartmann, 
Frauenspiegel a. d. Alterth. u. Mittelalter. 1863. 8. Hertz, Hug- 
dietrichs Brautfahrt. 1863. 16. Hertz, Heinrich v. Schwaben. 1869. 
16. Menzel, Roms Unrecht. 1871. 8. Hertz, deutsche Sage im Elsafs. 
1872. 8. Kurz, aus den Tagen der Schmach. 1871. 8. Vogler 
u. Beinhauer, Verlagsh.: Griesinger, illustrirte Geschichte der 
Deutschen; Bnd. I. 1872. 8. Gust. Weise, Verlagshandl. : Zim- 
mermann, Deutschlands Heldenkampf ; 1. Halfte. 8. Zimmermann, 
illustr. Geschichte des deutschen Volkes ; I. Halbbd. 8. Vier Mo- 
nate vor Paris. 1871. 8. Portrat - Album aus d. deutsch - franzos. 
Kriege. 2. Gedenkbuch an d. ruhmvollen deutsch-franzos. Krieg. 
1870—71. 2. La guerre Franco - Allemande illustree. 2. — Tflbin- 
Q6R. H. Laupp'sche Buchh.: v. Mohl, geschichtl. Nachweisungen 
uber d. Sitten u. d. Betragen der Tubinger Studirenden wahrend 
des 16. Jahrh.; 2. Aufl. 1871. 8. Scharpff, d. Cardinal u. Bischof 
Nicol. v. Cusa. 1871. 8. — Ulm. Verein f. Kunst u. Alterth. 



in Ulm u. Ob er schwaben: Ders., Verhandlungen etc; n. K. 
4. Heft. 1872. 4. — Weimar. Herm.Bohlau, Verlagsh.: Heusler, 
d. Ursprung der deutschen Stadtverfassung. 1872. 8. — Wlen. Se. 
Maj. Franz Joseph I. Kaiser v. Oesterreich: Leitner, die 
hervorragendsten Kunstwerke der Schatzkammer des osterr. Kai- 
serhauses; Lief. 9. 10. Imp. 2. K. k. geographische Gesell- 
schaft: Dies., Mittheilnngen etc. Bnd. XIV. (n. F. 4. Bd.) 1871. 
8. K. v. H 6 1 z 1 , Buchhandler : Merkwurdigkeiten u. Sagen aus 
d. Umgegend Briinns. 1842. 8. Realis, Heraldische Blumen. 1840. 
8. Moshamer, d. Donaureise v. Wien bis Pesth. 1843. 8. Koch, 
d. Donaureise v. Linz bis Wien. 1854. 8. Chmel, Materialien zur 
osterreich. Geschichte; 2 Bnde. 1837 u. 38. 4. A. Pichler's 
Wittwe undSohn, Verlagshndl. : Mehl, d. schonsten Sagen des 
class. Alterthums und des deutschen Mittelalters. 8. — WOrzburg. 
A. S tuber's Buchh.: Rofsbach, Geschichte der Gesellschaft ; V. 
Theil. 1872. 8. — ZOrich. J. Herzog, Verlagsh.: Anzeiger f. 
schweizer. Alterthumskunde ; Jhg. 1872. Nr. 1. 8. 

HI. Pur das Arohiv. 

(Nr. 4253—4256.) 
DQsseldorf. Dr. Stammer, Oberlehrer: Brief des Astrono- 
men Dr. Robert Luther zu Bilk bei Diisseldorf. 1871. Autogr. 
Schlursworte aus einem Briefe des Dichters F. Freiligrath. Ohne 
Datum. Autogr. — NOrnberg. Dr. R.Barthelmefs: Geburtsbrief, 
ausgestellt von Heinrich Gottlob Grafen von Reder etc. fur Hein- 
rich Jahn. 1737. Pgm. — Salzungen. Gustav Lommler, Ober- 
lehrer: Mandate und Briefe vermischten Inhalts. 36 Dokumente. 
1663—1815. Akten. 



Chronik der Mstorischen Vereine. 



Publications de la Section historiqne de PInstitut 
Royal Grand-Ducal de Luxembourg. Annee 1870—1871. 
XXVI (TV). Luxembourg, V. Buck. 1871. 4. 

Gesellschaftsangelegenheiten. — Table chronologique des char- 
tee et diplomes relatifs aPhistoire de l'ancien pays de Luxembourg. 
Regno de Sigismond, empereur des Romains, roi d'AUemagne, de 
Hongrie et de la Boheme, due de Luxembourg et comte de Chiny. 
Du 16. aout 1419—9. de"cembre 1437. Par M. Wurth-Paquet. — 
Notice supplemental sur lea travaux de transformation executes 
a Luxembourg. (Annee 1871.) Par J. Ulveling. — Etymologische 
Forschungen, als Beitrag zu den Studien des Herrn de Lafontaine, 
uber die Ableitung der Ortsnamen des Luxemburger Landes. Von 
Prof. M. Stronck. — Die wichtigsten Exemplare in meiner Samm- 
lung romischer Mflnzen. Von Dr. Elberling. — Lettres confirma- 
tives de Paffranchissement de Wiltz. Par M. le docteur Neyen. — 
System der einst mit dem Romerlager zu Dalheim verbundenen 
Chausseen und Schanzen ; von J. Engling. — Vermischtes. — Ab- 
bild. : Plan der Festung Luxemburg ; Munzen. 

Bulletin du Comite flamand de France. Tome VI. 
Nr. 1. — Janv., Fevr., Mars et Avril 1872. Lille et Dunkerque. 
1872. 8. 

Notes et documents pour servir a Phistoire des maisons re- 
ligieuses ou hospitalieres et des eglises de la Flandre maritime, 
par A. Bonvarlet. — Nouvelle demonstration de l'utilite de la langue 
flamande, par J.-J. Carlier. — Analectes historiques sur la Flandre 
maritime, par E. de Coussemaker. 

Bulletin Monumental ou collection de memoires sur les 
monuments historiques de France, public sous les auspices de la 



Societe franchise d' archeologie pour la conservation 
et la description des monuments nationaux, et dirige 
par M. de Caumont. 4. Serie, Tome 8, 38. Vol. de la Collection. 
Nr. 6. Paris et Caen, 1872. 8. 

La commune de Buxerelle (Vienne), par Mgr. X. Barbier de 
Montault. — L'eglise de Corgnac, pres de Thiviers (Dordogne), 
par M. de Caumont. — Cryptes de St. -Germain d'Auxerre, par 
M. Victor Petit. — Weitere kleine Mittheilungen. 

Memoires et documents publies par la Societe 
d'histoire et d'archeologie de Geneve. T. XVH, Livrai- 
son 3 m e. Geneve et Paris, 1872. 8. 

Rapports de Gustave-Adolphe avec la Republique de Geneve, 
par M. A. Roget. — Emmanuel Philibert, due de Savoie, et Pami- 
ral de Coligny, par M. Th. Claparede. — Theophile Heyer, no- 
tice par le meme. — Paul Lullin, notice par le meme. — Rlei- 
nere Mittheilungen. 

Archiv des historischen Vereins des Eantons Bern. 
Vni. Band. Erstes Heft. (Bern, 1872.) 8. 

Ueber die WasBer-, Schachen- und Schwellenverhaltnisse im 
Stromgebiet der Emme, von Moritz v. Stiirler. — Ueber einige 
volkswirthschaftliche Verhaltnisse des Emmenthals im Jahre 1764, 
von dems. — Zur Topographic des alten Berns, von Dr. G. Stu- 
der. A. Das Areal des Predigerklosters. B. Das Areal des Insel- 
klosters. — Die weltlichen und geistlichen Herren im Emmenthal 
im hoheren Mittelalter, von Egb. Friedr. v. Mdlinen. — Beitrag 
zu einer topograph. Geschichte der Stadt Bern, von Karl Howald. 
— Die Staldencorrectionen bis zu Ende des 18. Jahrh., mit Be- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



202 



riicksichtigung der zwei steinernen Bruoken beim niedern Spital. 

— Mitglieder-Verzeichnifs. 

Jahrbuch des historischen Vereins des Kantons 
Glarus. AcbtesHeft. Zurich u. Glarus, Meyer u. Zeller. 1872.8. 

Protocolle des Vereins. — Ueber Pannerberren und Panner- 
tage des Landes Glarus. Von C. F. Schindler. — Der Kanton 
Glarus unter der Helvetik. Dritter Zeitraum: Herbst 1799 bis 
August 1802. Von Dr. J. Heer. — Kurze Zusammenstellung der 
glarnerischen Gescblecbter. Von J. J. Weber. — Urkundensamm- 
hing zur Gescbichte des Kantons Glarus. (Forts.) 

Mittheilungen zur vaterlandischen Gescbichte. 
Herausgeg. vom historiscben Verein in St. Gallen. Neue 
Folge. 4. Heft*). (Der ganzen Folge XIV.) St. Gallen, Huber & 
Comp. 1872. 8. 

Vom Herkommen der Schwyzer. Von Dr. Hugo Hungerbuh- 
ler. — Drei Beitrage zur St. Galliscben Reformationsgeschichte. 
I. Die Cbroniken des Hermann Miles und Johannes Eefsler. Von 
Ernst Gotzinger. n. Die Reformation der Stadt Wyl. Von dems. 

— Die erste und zweite Reformation der ehemaligen Freiherr- 
schafit Hohensax-Forsteck. Von Pfarrer H. G. Sulzberger. — Ver- 
einsangelegenheiten. 

Erlebnisse eines St. Galliscben Freiwilligen der 
Loire-Armee im Winter 1 870. Hrsg. von dems. Verein. Jahrg. 
1872. Mit einer Karte. St Gallen, Huber & Comp. 1872. 4. 

Schweizerisches Urkundenregister, hrsg. von der 
allgemeinen geschichtsforschenden Gesellscbaft der 
Schweiz. Zweiter Band, erstes bis drittes Heft. Bern, E. J. 
Wyfs. 1869—1872. 8. (Jabr 1144—1200.) 

Gottingische gelehrte Anzeigen. Unter der Aufsicht 
der Konigl. Gesellschaft der Wissensdhaften. 1871. Er- 
ster und zweiter Band. Gottingen. Verlag der Dieterich'schen 
Buchhandlung. 1871. 8. 2098 Stn., nebst Reg. zu 15 Stn. 

Nachrichten von der K. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der Georg-Augusta-Universitat aus dem 
Jahre 1871. Gottingen. Verlag der Dieterich'schen Buchhandlung. 

1871. 8. 

Ueber frankische Annalen aus dem Kloster St. Maximin. Von 
G. Waitz. — Ueber die bandschriftlichen Ueberlieferungen des 
Continuator Reginonis. Von dems. — Ueber die Imhof-Blumer'sche 
Munzsammlung zu Winterthur. Von F. Wieseler. 

Zeitscbrift des Arcbitekten- und I ngenieur-Ver- 
eins zu Hannover. Band XVm. Heft 1. (Jahrg. 1872.) Han- 
nover. Schmorl & von Seefeld. 1872. 2. 

Die mittelalterlichen Baudenkmaler Niedersach- 
s en 8. Herausgeg. von demselben Verein. Sechszehntes Heft. (Drit- 
ter Band. Viertes Heft.) Hannover. Schmorl & von Seefeld. 

1872. 2. 

Die Stiftskirche zu Gandersheim, von K. Henrici. — Die 
St. Martinikirche zu Mori n gen, von C. W. Hase. — Die Kapellen 
zu Kienhagen und Oldenrode bei Moringen, von dems. 

Beitrage zur Forderung der Kunst in den Gewer- 
ken. Herausg. von dems. Verein. Band I. Heft 10. Hannover. 
Schmorl & von Seefeld. 1872. 2. 

Drittes alphabetisches Inhaltsverzeichnifs der 
Druckschriften dess. Vereins. 2. 



*) Das 8. Heft fehlt. 



Quartalberichte des Vereins fur meklenburgische 
Geschichte und Alterthumskunde. XXXVII, 2. 3. Schwe- 
rin, im Januar und April 1872. 8. 

Meklenburgisches Urkundenbuch herausgegeben von 
dems. Verein. VII. Band. 1322—1828. Schwerin, 1872. 4. 1 Bl. 
u. 656 Stn. 

Bremisches Jahrbuch. Herausgegeben von der histori- 
rischenGesellschaft desKunstlervereins. Secbster Band. 
Zweite Halfte. Bremen. Verlag von Ed. Muller. 1871. 8. 

Des Syndicu8 Widekindt Bericht uber die im Jahre 1580 dem 
Erzbischof Heinrich in. geleistete Huldigung zu Bremen. Mitge- 
theilt von Heinr. Smidt. — Die bremische Erzbischofsfehde zur 
Zeit des grofsen Sterbens 1348 — 1351. Von H. A. Schumacher. 

— Beitrage zur Bremischen Quellenkunde. Von Karl Koppmann. 

— Die Hausmarken Bremens und des Unterweser - Gebiets. Von 
S. A. Poppe. 

Am 21. und 22. Mai ist die zweite Hauptversammlung des 
Hansischen Geschichtsvereins in Lubeck gehalten worden. 
In der ersten Sitzung wurde der Jahresbericht vorgelesen, nach 
welchem mit den aus freiwilligen Beitragen bestehenden Mitteln 
zuvdrderst eine Zeitschrifb herausgegeben werden soil, und far die 
Herausgabe der beiden Hauptwerke des Vereins, des Urkundenbu- 
ches und der Hanserecesse von 1431 an, die Doctoren Hohlbaum 
•und v. d. Ropp gewonnen worden sind. Den Schlufs der Sitzung 
bildete ein Vortrag des Staatsarcbivars Webrmann iiber das Lii- 
bische Patriziat, insbesondere iiber dessen Entstehung und Ver- 
haltnifs zum Adel. Den Rest der Nacbmittagssitzung fiillte eine 
eingehende Discussion iiber stadtiscbe Geschichtsquellen aus, wel- 
che zur Herausgabe geeignet waren. Am zweiten Tage hielt 
Dr. Frensdorff aus Gottingen einen Vortrag uber neuere Forschun- 
gen auf dem Gebiete des Liibiscben Rechtes. Hierauf machte 
Dr. Pauli Mittheilungen Uber das alteste Vorkommen des Wortes 
Hansa im Englischen, das auf einen skandinavischen Ursprung zu 
deuten scheine, wenn nicht, wie er fur ricbtiger halten mochte, 
dasselbe sehr fruh von Deutschland nach England gekommen sei. 
Zum Schlufs hielt Hr. Mantels seinen angekiindigten Vortrag : 
„Wie die Liibecker sich Reliquien aus England und Venedig holten." 

In der am 10. April eroffneten fiinften diesjahrigen Versamm- 
lung des Vereins fur Erfurtische Geschichte und Al- 
terthumskunde berichtete der Vorsitzende iiber die Auf&ndung 
eines Leichenfeldes zwischen der Loberstrafse und der Hamster- 
burg, und tbeilte ferner aus dem Briefe eines ostfriesischen Schul- 
lehreni eine Vermuthung iiber die Heimat des Glockengiefsers der 
Erfurter Domglocke mit. Lehrer Ney hielt sodann einen interes- 
santen Vortrag iiber die Sage vom Kyffhauser, unter Vorausschi- 
ckung einer Geschichte der Burg und einer Etymologic deren Na- 
mens. Die Sage mit Recht auf heidniscbe Vorstellungen zurdck- 
fuhrend, scheint der Vortragende, dem Berichte der Erfurter Zei- 
tung zufolge, gleichwohl auf den Grund der Ueberlieferung (my- 
thische Naturanschauung) nicht eingegangen zu sein. For den Ans- 
spruch, die Vertauschung Friedrich's H. mit dem Rothbart sei in 
der Reformationszeit vor sich gegangen, ware die Quellenangabe 
von Interesse gewesen. 

Siebzehnter Bericht der Philomathie in Neifse vom 
October 1869 bis zum April 1872. Neifse, Graveur'sche Buch- 
handlung. 1872. 8. 

Eine deutsche Handschrifb (mit Facsimile), von Skladny. — 



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203 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



204 



Der Neifser Rector Valens Acidalius, von Dr. Fr. Adam. — Tage- 
buch fiber die Belagerung der Stadt and Festung Neifse 1807, 
mitgeth. von Prof. Aug. Kastner. — Verhandlungen, reap. Angabe 
der gehaltenen Vortrage. 

Die am 16. Mai abgehaltene Sitzung des Vereines fur Ge- 
sohichte und Alterthumskunde in Frankfurt a. M. er- 
offnete der Vorsitzende mit einem ehrenden Nachrufe, welchen er 
zweien jungst verstorbenen Geschichts- und Alterthumsforschern, 
dem Freiherrn von Aufsefs und dem Staatsrath von Maurer, wid- 
mete. — A us Anlafs des Hauserabbruchs in der Judengasse theilte 
Dr. Strieker mit, dafs bei demselben die Triimmer des 1786 theil- 
weise abgerissenen runden Monchs- (Prediger- oder weifsen) Thur- 
mes sichtbar geworden seien. Derselbe ist in der Mitte des 



14. Jahrh. erbaut worden. — Die Vorlage einer Abhandlung im 
neuesten Jahrbuche des Bonner Alterthumsvereins uber „Mittel- 
rheinische Sarkophage" veranlasste Dr. Becker, iiber deren Inhalt 
mit besonderem Bezuge auf den Fund eines Steinsarges und einer 
Grabplatte am Frankfurter Dome eingehend zu bericbten. Der 
Nachweis eines ausgedehnten Vertriebes solcher Steinsarge und 
eigenthumlich ornamentierter Deckelplatten von den frtihesten, ro- 
misch - frankischen Zeiten bis wenigstens in's 11. — 12. Jahrh. ver- 
anlasste Dr. Vogler zu geologisch-historischen Mittheilungen iiber 
den iiberseeischen Versandt sogenannter Bremer oder Lubecker 
Steine aus dem Buckeburgiscben bis zur Ostsee und dem Ltinebur- 
gischen, sowie iiber andere in Luneburg vorfindliche, aus der Ferne 
bezogene Steinarten. 



N a c b r I c h t e n. 



Literatur. 

Neu cr8chienene Werke. 

14) Zeitschrift fiirEthnologie und ihre Hiilfswissen- 
schaften als Lehre vom Menschen in seinen Be- 
ziehungen zur Natur und zur Geschichte. Her- 
ausgegeben von A. Bastian und R. Hartmann. Zweiter 
und dritter Jahrgang. 1870, 1871. Berlin, Wiegandt und 
Hempel. 8. Mit Abbildungen. 

Seitdem mehr und mehr die Wahrnehmung sich aufdrangt, 
dafs, was wir Geschichte nennen, nur das Nachspiel vorangegan- 
gener, nicht minder bedeutender Ereignisse ist, und die sogen. 
Natur- und Charakterbildung eines Volkes ebenfalls als Ergebnifs 
seiner historischen Entwicklung aufgefafst werden mufs, hat sich 
das Bedurfnifs herausgestellt, auch auf diese zwar unbeschriebenen, 
aber keineswegs unbezeugt gelassenen Epochen, — in deren 
Gehalt allein schon die Thatsache der Sprachbildung einen kaum 
zu ergriindenden Einblick gewahrt — die Forschung zu rich- 
ten. Diesem speciellen Zwecke sowie der Aufgabe, das anders- 
wo in entsprechender Richtung Geleistete zu sammeln und kri- 
tisch zu beleuchten, ist die vorliegende Zeitschrift gewidmet 
und durch Reichhaltigkeit des bis jetzt zusammengetragenen Ma- 
terials, durch Vereinigung einer eben so umfassenden Anschauung 
wie ernsten Strenge der Untersucbung, vorztiglich aber durch 
Fernhaltung der auf eben erst in Angriff genommenen Gebieten 
so leicht sich einschleichenden Begunstigung bestimmter Tenden- 
zen hat sie hinreichend als ihrer Absicht entsprechend sich be- 
wahrt. Nur die Frage, ob das bisher allgemein eingehaltene Ver- 
fahren, die in weitem Kreise den Sitz der Eultur umgebenden 
niederen Schichten der Gesittung als Yorstufen, statt als Ablage- 
rungen jener zu behandeln, gerechtfertigt sei, kehrt auch ango- 
sichts ihrer Leistungen wieder. Die Thatsache, dafs die Eultur 
uberall unbrauchbare Elemente ausstofst, welche in ihrer Gestal- 
tung den sogen. Naturvolkern nur zu sehr gleichen, wahrend diese, 
soweit sie von dem ihnen zugeschriebenen Vorzug nicht wirklich 
etwas bewahrt haben, sich als vollig ungeschickt erweisen, zu wah- 
rer Gesittung sich zu erheben, mufs starke Bedenken erregen. 
Doch ist hier derOrt nicht, solcheFragen zu verfolgen. Wir be- 



merken nur noch, dafs die in der Natur des behandelten Gegen- 
standes begriindete Verknupfung desselben mit manchen Gebieten 
der Naturwissenschaft , mit dem ganzen Bereiche der Grab- und 
Pfahlbaufunde, wie einzelnen Theilen der spateren Geschichte ein 
uberaus lebensvolles und belehrendes Gesammtbild gewahrt, so 
dafs die Zeitschrift auch auf jeden gebildeten Laien die grofste 
Anziehungskraft zu iiben nicht verfehlen wird. v. E. 

15) Chronik der Stadt Fiirth von Dr. Fronmiiller sen. 

Fiirth, J. Ludwig Schmid's Buchhandlung. 1872. 8. 418 Stn. 

Mit Titel in Farbendruck, einem Kupferstich und autograph. 

Plane. 
Noch vor wenigen Jahrzehenden hatte es, abgesehen vom lo- 
kalen Interesse, nberfliissig erscheinen konnen, einen Gegenstand, 
wie den vorliegenden , ernster Forschung und gediegener Behand- 
lung zu unterziehen. Erst seitdem man angefangen, den Ereislauf 
der Geschichte zu beobachten, der aus der Individualitat des Vol- 
kes seinen Ursprung nimmt und dahin seine Ergebnisse zuruckla- 
gert, kann auch ein Ort, der nie einen Hof, einen Adel in sich 
barg, weder Grofsthaten der Waffen noch der Wissenschaften aus 
sich hervorgehen sah, auf weitergehende Beachtung rechnen. Als 
wenig bedeutender Wallfahrtsort lange vor Griindung des benach- 
barten Nornberg bestehend, hat Fiirth erst durch die Uebersied- 
lung der aus letzterer Stadt vertriebenen Juden und Aufnahme der 
durch den engherzigen Zunftzwang derselben zuruckgewiesenen in- 
dustriellen Krafte den Ansatz seines heutigen Aufschwunges ge- 
wonnen. Jahrhunderte lang unter drei Herren etehend, die fort- 
wahrend um den Alleinbesitz stritten und die Einwohnerschaft in 
drei Lager theilten, scheint doch grade hier die Eifersucht man- 
ches Vorurtheil der Zeit durchbrochen zu haben, das anderswo 
durch erwachende Vernunft erst viel spater beseitigt werden konnte. 
Rechtzeitig, zuvorderst unter dem Scepter Preursens, dann Bayerns, 
der Segnung einheitlicher Verfassung und gesicherten Fried ens hin- 
gegeben, konnte es die in seinem Entstehen wirkenden Elemente 
zu einer Entfaltung bringen, die kaum vorauszusehen gewesen, die 
aber als historische nachgewiesen zu haben das Verdienst des vor- 
liegenden Buches ist. v. E. 



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305 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



206 



Aufs&Ute in Zeitschriften. 
Das neue Blatt: Nr. 25. Hans Lauremberg, ein Kampfer gegen 

fremde Sitte und Zucht. (Tbeodor Seemann.) 
Euro pa: Nr. 21. Charakterkopfe aus dem Bauernkrieg: Georg 

Metzler von Ballenberg. (Heerer.) 
Die Grenzboten: Nr. 23, S. 379. Die Siebenburger Sachsen in 

neuester Zeit (Karl Badewitz.) 
Der Hausfreund: Nr. 28, 8. 442 n. Nr. 29, S. 458. Brotlose 

Kflnste. Culturgeschichtliche Skizze von Dr. A. C. Muller. 
Im neuen Reich: Nr. 23, S. 880. Der deutsche Reim. (B.Del- 

bruck. 
Sachs. Kirchen- und Schulblatt: Nr. 22 ff. Aus der Refor- 

mationszeit. Nicolaus Storcb. 
Rhein. Kurier: Nr. 128. 129. Die Saalburg (Ausgrabungen das.). 
Organ f. christl. Eunst: Nr. 9. Der Streit am die Echtheit 

von A. Durer's Portrait-Kohlenzeichnungen. (R. Bergau.) 
Revue des deux Mondes: Tome 99, 15. Mai, p. 241. L'inva- 

sion Germanique au 5 e Siecle, son charactere et sea effete, par 

M. Fustel de Coutanges. 
Deutscher Reichsanzeiger : Nr. 17, Beil. zur Geschichte der 

Tourniere am brandenburg - preufe. Hofe. — Nr. 18. Zur Ge- 
schichte Westpreufsens, insonderheit des Schwetzer Ereises, bis 

1466. 
Oesterreich. Wochenschrift fur Wissensch. u. Kunst: 

N. F. 1. Bd., 8. u. 9. Heft. Deutsche Alterthumskunde. (J. 

Strobel.) — Ein Reisehandbuch aus dem 16. Jahrh. (A. II g.) 

- Zur Reform der Landesmuseen in Oesterreich. (R. v. Eitel- 

berger.) — Aus dem Tagebuche des Siebenbiirgers Georg Bric- 

cius. (Fr. Krones.) — 10. Heftff. Aus der Geschichte eines 

Volkes u. seiner Literatur. (Ed. Sachau.) 
Zeitschrift f. bild. Kunst: 8. Heft, S. 235. Die Restauration 

des Kolner Rathhauses. (Dr. Ennen.) 
Frankfurter Zeitung: Nr. 160, 2. Bl. Pariser Briefe von Lud- 

wig Pfau. XX. (Musee de Cluny.) 
Illustr. Zeitung: Nr. 1509. Die alte Universitat Strafsburg. 
DerDeutsche. SondershauserZeitung: Nr. 62. Die Strafe 

des Korbsitzens oder Korbspringens. 



Vermischte Nachrichten. 

53) In der Nahe von Nincop bei Neufelde im Altenlande 
(Hannover) sind Pfahlbaureste aufgefunden worden. Rechtssei- 
tig von der Erte und parallel mit dieser ziebt sich eine sumpfige 
Niederung bin, welche sich von der Geest bis zur Elbe erstreckt. 
In dieser Niederung nun befindet sich eine aus reinem, kornigem 
Geestsand bestehende Anbohe, unter welcher man die Spuren eines 
alten Pfahlbaus entdeckte. In der Nahe fanden sich Scherben, ge- 
brannte Ziegel, Knochen etc. (111. Ztg., Nr. 1509.) 

54) Bedeutende Knochenreste sind neuerdings in einer 
Hohle bei Nu fsd or f in Innerkrain gemacbt worden. Diese Grotte, 
Verlaja jama genannt, liegt eine Viertelstunde Wegs von der Trie- 
ster Reichsstrafse am nordlichen Abhang eines mafsigen Hilgels. 
Die bisher veranstalteten Grabungen haben iiber 40 Centner Kno- 
chen von verschiedenen Thieren und auch von Menschen zuTage 
gefordert, und zwar von letztern 23 Schadel verschiedenen Alters. 
Naheres uber diese Fun do ist nocb nicht erforscht, doch deutet 



die Auffindung von roroischen Schmuckgegenstanden in der Hohle, 
sowie der Umstand, dafs in der Nahe ein romisches Castell sich 
befand, auf die romiscbe Zeitperiode hin. (Dies., Nr. 1508.) 

55) Ein junger Mann, Namens H. Stolpe, am 30. Mai in Up- 
sala zum Doktor promoviert, hat im letztvergangenen Herbst auf 
der Malarinsel Bjdrko zum Zweck einer wissenscbaftlichen Ab- 
handlung Nach grabungen anstellen lassen und dabei so wich- 
tige und zahlreiche antiquarische und geologiscbe Funde gemacbt, 
dafs diese die Auftnerksamkeit der Akademie der Wissenschaften 
in hohem Grade auf sich gezogen und einen Ausflug mehrerer Ge- 
lebrten nach dieser Insel veranlafst haben. Jetzt hat der Konig 
2000 Rthlr. angewiesen, wovon 500 zum Ankauf der von Stolpe 
gemacbten Sammlungen fur den Staat verwendet und 1500 diesem 
zur Disposition gestellt werden sollen, um in diesem Sommer seine 
archaologischen und naturbistorischen Untersucbungen auf Bjdrko 
und den angrenzenden Malarinseln fortzusetzen. 

(Koln. Ztg., Nr. 160, 2. Bl.) 

56) Vom Altdorfer Gewerbvereine wurde am 29. Mai eine 
Oeffnung von Hiinengrabern, welche auf der Westhaider 
Ho he gelegen sind, veranstaltet. Im Ganzen wurden 5 Grabstat- 
ten geoffnet, deren Inbalt in Scherben von sehr vielen Thonge- 
8chirron, in zerbrochenen Urnen, Gebeinen, fast ganz verrosteten 
Eisengerathon und Kupferdraht bestand. Als wertbvollster Fund 
sind nocb zwei grofse kupferne Halsringe, guterhalten und von 
schoner Arbeit, zu erwahnen. Sammtliche Gegenstande fanden 
sich unter einer Kohlenscbicht, die auf Leicbenverbrennung schlie- 
fsen lafst. (Frk. Kur., Nr. 278.) 

57) Die grofsen Erdarbeiten, welche aus Veranlassung der Bau- 
ten der Ostbabn und der Donautbalbahn in unmittelbarer Nahe 
der Stadt Regensburg vorgenoramen werden, fordern bestandig 
eine erheblicbe Zahl von romischen Grabstatten zu Tage. 
Da die Funde von Seite des historischen Vereins stets sorgfaltig 
uberwacht und beobacbtet werden , so gewinnen die ohnehin schon 
bedeutenden Sammlungen desselben erheblicbe Yermehrungen, na- 
mentlicb an Aschenurnen der allerverschiedenartigsten Gestalt, 
Thranenflaschchen, Grablampchen von der einfacbsten bis zur kunst- 
reichsten Form; besonders bemerkenswerth ist die Auf fin dung 
kleiner Glockcben von Eisen oder Bronze. Die Partien, welche 
gegenwartig zur Aufdeckung gelangen, bergen die Graber aus dem 
Ende des 2. Jahrh. , wie man nach den aufgefundenen Munzen, 
welche den Kaisern aus jener Zeit angehoren, scbliefsen darf. 
Noch verdient bemerkt zu werden, dafs an mehreren Stellen Qua- 
derkonstruktionen zu Tage gefordert wurden, welche offenbar als 
Unterbau fur Monumente dienten, von denen manche Reste, wie 
z. B. der wohlerhaltene Kopf eines Greifen, zum Vorechein kamen. 

(Beil. z. AUg. Ztg., Nr. 164, S. 2497.) 

58) Am 1. Pfingstfeiertag ward auf der 700 Jahre alten Ru- 
delsburg ein erheblicher Theil der Restaurationsarbeiten, 
welche mit Genehmigung des dermaligen Burgherrn, Barons Schon- 
berg, an der Burg vorgenommen und von einem Centralbaucomite 
mit Lokalcomites in verschiedenen Stadten Deutschlands unter- 
stiitzt werden, der Oeffentlichkeit ubergeben : eine neue Freitreppe, 
der alte Gradus, daruber Vorhalle und Kemnate im Ritterhaus. 
Die neuen Raumlicbkeiten wurden durch ein Banquet bei Gele- 
genheit der Denkmalsweihe vor der Burg (Denksaule mit Reicbs- 
adler zum Andenken der 1870/71 gefallenen deutschen Corpsstu- 
denten) eingeweiht. (III. Ztg., Nr. 1508.) 



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207 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



59) Der aus dem 13. Jahrh. stammende Johanniterhof zu 
Frankfurt a. M. wird nun far die Zwecke und Bedurfnisse der 
Neuzeit in Beschlag genommen ; es erhebt sich in ibm das im Ban 
begriffene Aichgebaude. Der Hof hat heute noch, nachdem der 
Garten des Wiirttemberger Hofes wieder zugezogen wurde, die- 
selbe Grofse, wie vor 500 Jahren, und erstreckt sich von der 
Schnurgasse bis zur grofsen Andaue hinter dem ehemaligen golde- 
nen Lowen. Von dem ehemals so merkwiirdigen Johanniter- 
hof, in welchem Giinther von Schwarzburg nach empfangenem 
Gifte 1349 starb, in welchem Kaiser Maximilian einkehrte, wird, 
da gleichzeitig eine Strafse nach dem Domplatz geoffnet werden 
soil, keine Spur mehr iibrig sein. In die Kirche, welche aus dem 
14. Jahrh. stammt, wird vorerst das stadtische Vergantungsbureau 
gelegt werden. Dieselbe hatte als Gotteshaus wenig Gliick. Schon 
in der Reformationszeit wurde sie entheiligt und libel zugerichtet. 
1626 wurde sie wiederhergestellt und 1801 durch den Commen- 
thur des Ordens, Frhrn. von Pfundt, ganz ihrem Zwecke entfrem- 
det. Nach Hinwegnahme der Glocke von dem Thurme wandelte 
er Kirche und Sakristei zu einem eintraglichen Waarenlager urn; 
bei der Secularisation der geistlichen Giiter an die Stadt gekom- 
men, theilt sie nach Fertigstellung der Aiche das Schicksal der 
Dreikonigskirche und wird abgebrochen. Letztere scheint von 
ihrem Ursprunge an schon baufallig gewesen zu sein ; denn 1690, 
1768 und 1783 mufste sie lange Zeit wegen der vorzunehmenden 
Reparaturen geschlossen werden. (Frkf. Ztg., Nr. 144, 1. Bl.) 

60) Aus Regensburg schreibt man unterm 7. Juni: Ein 
altes, ubrigens im besten Zustande befindliches Gebaude, dem 
Aerar gehorig, soil verkauft werden, und wird sodann ohne Zwei- 



fel zum Abruch bestimmt Es ist die „ a 1 1 e W a g e " oder „ T ri nk- 
stube", in welcher das weltgeschichtliche Religionsgesprach von 
1521 stattfand, gegenwartig aber die nicht unbedeutende Kreis- 
bibliothek aufgestellt ist Der Erlos aus dem Verkauf soil zur 
Erbauung des neuen Gymnasialgebaudes in Regensburg verwendet 
werden. (Korr. v. u. f. D„ Nr. 294.) 

61) Aus Miinchen, 9. Juni, schreibt man der A. Abdtzg.: 
Noch am gestrigen Samstage wurde mit dem Abbruche des 
Kostthores, eines der altesten Baudenkmaler der Stadt Mnn- 
chen, dessen Entstehung bis in die Zeit des Kaisers Ludwig des 
Bayern im Anfange des 14. Jahrh. hinaufreicht , begonnen. Das 
Thor, welches ursprunglich Graggenauer Thor hiefs, erhielt seinen 
dermaligen Namen von der sog. Reichen Almosenstifbung des 
Munch ener Patriziers Martin Ridler aus dem Jahre 1449, welche 
Stiftung, bestehend in Reichnifs von Brod und Fleisch, jeden Sams- 
tag an die hausarmen Burger der Stadt an diesem Thor vollzogen 
worden ist. (Ders., Nr. 297.) 

62) Die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt a. M. 
hat am 23. Mai beschlossen, ein Gebaude fur das historische 
Archiv, die stadtische und die Alterthumesammlung 
zu errichten und dazu 220,000 fl. bewilligt. (111. Ztg., Nr. 1509.) 

63) Die Predigergemeinde von Erfurt hat durch den Vtr- 
kauf der in ihrem Besitze befindlich gewesenen sog. zweiundvier- 
zigzeiligen lateinischen Gutenberg-Bibel einen Erlos von 
1750 Thaler erzielt. Das Exemplar war besonders schon erhalten, 
nur fehlten im ersten Bande ein Blatt und im zweiten vierzehn 
Blatter. Das Buch ist durch den Besitzwechsel nach England ge- 
kommen. (Koln. Ztg., Nr. 161, 2. Bl.) 



Mittheilongen. 



8) Bltte urn Auskunft 

Auf einem, allem Anschein nach noch aus dem Anfang des 
14. Jahrh. stammenden, eisernen Siegelstempel, mit der Legende 
in Majuskel : * S' Margarete. dee. (dicte) Rateggin (oder Niteggin, 
die beiden ersten Buchstaben sind nicht mehr gut erhalten), be- 
findet sich ein Dreieckschild mit 3 (2. 1. gestellten) glatten, runden 
Scheiben, ahnlich wie bei Siebmacher II, S. 64 Hofreit, S. 86 Hechen- 
riedt, S. 87 Rein, S. 115 Printhagen und Gronsfeld. 

Der Unterzeichnete ersucht urn giitige Auskunft fiber dieses 
Wappen, resp. Ober die — wahrscheinlich Patrizier- oder borger- 
liche — Familie Rategg oder Nitegg, welche dasselbe gefuhrt hat. 

Kupferzell, im Juni 1872. 

Fflrst zu Hohenlohe-Waldenburg. 

9) Der Unterzeichnete beschaftigt sich mit Erforschung der 
Geschichte seines Geschlechtes und wurde jede dahin zielende hi- 
storische Notiz dankbar entgegennehmen , auch grofsere Arbeiten 
gern entsprechend honorieren. Yorziiglich liegt ihm daran, den 
muthmafslichen Zusammenhang der spateren Grafen von Schlip- 
penbach mit den alten Grafen von der Mark, sowie mit den west- 
falischen Wappengenossen, den Bonen aufKettinghausen, den Bud- 



berg, Neuhof u. s. w. zu verfolgen, womoglich sicherzustellen. 
Gefallige Einsendungen wolle man an die Redaction dieses Blat- 
tes richten. 

Arthur Graf von Schlippenbach. 

10) Zu kaufen wird gesucht einer der alten Stiche von W. 
Kilian, G. D. Heumann u. 8. w. nach der grofsen, von J. von Sand- 
rart gemalten Darstellung des Friedensmahles auf dem Rathhause 
zu Nurnberg v. J. 1649. Anmeldungen mit Preisangabe bei der 
Expedition dieses Blattes. 

11) Anfrage. Im vafcerlandischen Landesmuseum zu Linz be- 
findet sich ein von einem Antiquar gekauftes, unzweifelhaft echtea ku- 
pfernes Rundtypar vom 13.— 14. Jhdt., die heil. Jungfrau, zur Seite 
gewendet, sitzend und das Kind, auf dem Kniee stehend , haltend ; 
im Siegelfelde zu beiden Seiten die Inschriften J. H. V. und MR 
DNI. Die Inschrift lautet: f S. COVENTVS BTE. M. D.» CAST 
TVRVL = Sigillum conventus beate Marie de castro Turul(enai). 
Was ist und wo liegt das „Castrum Turulense"? 

Neukirchen bei Lambach in Oberosterreich. 

Dr. Pius Schmieder, 
Verwaltungsrath des Landesmuseuxns. 



Yerantwortliche Redaction: A. Essen w ein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruokt bei U. £. Sebald in Nurnbeig. 



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lirnberg. Dm Abonnement des Blat- 
tit, welchee aUe Monate erscheint, wird 
guutfahrig angenommen and betf&gt nach 
deraeuesten Postconvention bei alien Post- 
lattro und Buchhandlungen DetitttcAUmd* 
ind. Oesierreiohs 8fl. 86 kr. im 24 fl.-Fufs 
oder 2 Thlr. preaft. 

For Frankreieh abonniert man in 
PirU bei derdeatschenBuchhandlungYon 
F. Bincksieck, Nr. 11 rue d© Lille; fur 



1MEIGER 



England bei Williams 6 Korgate, 14 Hen- 
rietta-Street Covent - Garden in London; 
for Nord-Amerika bei den Postamtern Bre- 
men and Hamburg. 

Alio fur das german. Moaeom be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege des 
Baohhandels werden doroh den Commis- 
sionar der literar.- artist. Anstalt des Mo- 
seams, P. A. Broc khans in Leipzig, be- 
fOrdert. 



FUR K I \ II K DER 



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Neue Fol 




Neunzehnter Jahrgang. 



1872. 



DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 

a¥7, 



Jnli. 



Wissenschaftliche Mittheilungen. 



Elne Abbildung des alten Kolner Domes. 

(Mit einer autographierten Tafel.) 

Der altere EOlner Dom, der Yorganger des jetzigen, um 
dessentwillen jener abgetragen wurde, hat naturgemafs ein gro- 
(ses kunstgeschichtliches Interesse in Anspruch genommen, ein- 
mal weil er ein Glied jener kostbaren Eette rheinischer roma- 
niacher Eirchengebaude bildet, dann weil er ja zur Geschichte 
seines Nachfolgers, des jetzigen Domes, in Beziehung steht, die 
auch eine eingehende Erforschung seiner Geschichte nahe legt. 

Boisser6e hat nach einer yon Gelenias einem alten Werke 
in der Domschatzkammer entnommenen Beschreibung des 13. 
—14. Jahrh. den alten Dom im Stile der rheinischen Bauten 
des 12.— 13. Jahrh. in grofser Regelm&fsigkeit wieder aufgetra- 
gen und als Gebaude des 9. Jahrh. ansgegeben , eine Ansicht, 
die mit Recht vielseitig bekampft wurde and wobei selbst die 
Frage gestellt werden mufste, ob der alte Dom nor uberhaupt 
ein Gebaude yon kttnstlerisch oinheitlicher Anlage war, oder ob 
nicht vielmehr jedes Jahrhondert das Seinige gethan, ein un- 
organisches Conglomerat daraus zu bilden. 

Yon Sr. Excellent dem Grafen R. v. Stillfried in Berlin 
warden wir nan aaf eine Zeichnang aufmerksam gemacht and 
ans eine Darchzeichnang mitgetheilt, von der wir ein Facsi- 
mile aof beiliegender Tafel geben. Yon dieser Zeichnang hatte 
Graf Stillfried, nach gutiger Mittheilang, schon vor mehr als 
40 Jahren eine Copie an Boisser6e gesendet, ohne dafs dieser 
sie eigentlich benntzt h&tte; and doch haben wir ohne Zwei- 
fel darin eine Abbildnng des KOlner Domes ans dem 11. Jahrh. 



zu erkennen. Sie ist in einem Evangelienbach des 11. Jahrh. 
enthalten, welches ehemals im Domschatze sich befand, spater 
mit der tlbrigen Bibliothek nach Darmstadt kam, wo es Graf 
Stillfried einsah und die Abbildung daraus copierte, und das jetzt, 
so lange, bis das neue Sakristei- und Bibliothek-Gebaude fertig 
ist, wieder unzuganglich und wohlverwahrt in EOln liegt. Die- 
ser Codex, mit 1951*) bezeichnet, besteht aus 210Pergament- 
blattern in klein Folio. Auf der Ruckseite von Fol. 2 findet 
sich in einer Schrift von vergoldeten Majuskeln folgende Mit- 
theilang : 

„Prece et caritate hillini coloniensis domus cujusdam ca- 
nonici. Nos duo non solum spa sed etiam carne germani 
Purchardus et chuonradus invitati et coacti. presentem libra 
accepimus scribendum ad altare sci petri infra muros colonic 
principaliter constractvm fideli devotione tradendam; Datoris 
quidem premium quia nqvimus certum. nrm quoque pro qua- 
litate meritoruro speramus propicium . * . lector amande tui 
simul et misereri nri. 

Fol. 3 enthalt die ziemlich langathmige Traditionsorkunde 
des Hillinus an den heil. Petrus; die Ruckseite von Fol. 16 
das hier in Facsimile gegebene Bild, dessen oberste Abthei- 
lung ein Eirchengebaude darstellt, unter dem kein anderes 
gemeint sein kann, als der Dom, dessen Canonicus Hillinus 
war, und zu dessen Petrusaltar er das Buch stiftete. 

Das Bild zeigt den einen Chor nebst zwei runden ThQr- 
men in der Ecke des Querschiffes ; ein zweites Querschiff am 



*) Von Jaffe als 12 beachrieben. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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andern Ende des Langhauses, das von einem viereckigeq Thurra 
flankiert wird, und zwei Kuppeln ttber den beiden Vierungen. 
Der Stil ist altchristlich ; es dllrfte somit ein treues Bild des 
819 erbauten Domes sein. 

Numberg. A. Essenwein. 



Sphragistische Aphorismen. 

LVII. 



Von Mulverstedt hat in seinem neusten Werke : „Mittel- 
alterliche Siegel ans dem Erzstift Magdeburg", 2. Liefg. S. 34 ff, 
yorstehendes Siegel Arnold's von Ummendorf von 1348 (1358?) 
beschrieben and davon Taf. V., Fig, 1. eine Abbildung mitge- 
theilt. Ueber dieses Siegel bemerkt derselbe: „Schildf5rmig 
gestaltet and ziemlich grofs, zeigt es eln gespaltenes Siegelfeld, 
in welchem links ein balber, an den Theilungsstrich anstosfen- 
der Scbwan sichtbar ist, recbts vier wolkenartig gezinnte 
Qaerbalken oder vielleicht ein mit vier. Querreihen Pelzwerk 
(Feh) belegtes Feld tt . 

Obgleicb es uns schwer ftllt, einem so verdienstvollen 
Fachgelehrten gegenuber, dessen gtltiger Unterstutzung unserer 
eigenen Forschangen auf dem Gebiete der Siegel- and Wappen- 
kunde wir schon so manche schatzbare Aaskonft and Belcbrang 
verdanken, onsere Ansicht aofrecbt zu erhalten, so glauben wir 
docb, bier ein far alle Male onser bescbeidenes Bedenken aus- 
sprechen zu mttssen, ob'es im Interesse dieser Wissenscbaften 
gerathen ist, immer wieder neue Theorien aufzustellen and 
neae Bezeicbnangen za erfinden, wodurcb die allgemein be- 
klagte bisberige Unsicherheit der sphragistiscben Beschreibun- 
gen and heraldischen Blasonierang nor nocb vermebrt and die 
daraas entstebenden Mifsverst&ndnisse verewigt werden. Der 
von verscbiedenen Seiten and bereits aoch von ans gerugten 
Yerwechslang (heraldiscb) von recbts and links nicht zu ge- 
denken, — wie kann man bei Blasonierang des Wap pens auf 
dem Ummendorf schen Siegel von einem gespaltenen „ Siegel- 
feld,, (statt w Schild") sprechen? Und wozu fur eine und 
die s e lb e beraldiscbe Figur vier, zum Tbeil ganz ungewohn- 



liche, Bezeichnungen : „wolkenartig-gezinnte u oder „ge- 
wellte 44 Qaerbalken und Zinnenbalken und Balkenein- 
tbeilung, urn so mebr, als bei einer g era den Zahl von Strei- 
fen, wie im vorliegenden Wappen, ubernaupt von Balk en gar 
nicht die Rede sein kann? 

Will der gelehrte Herr Verfasser die von uns keineswegs 
erfundene, sondern in der deutschen Heraldik nur znr Gel- 
tung gebrachte Theorie des heraldischen Pelzwcrkes nicht an- 
erkennen, und zieht derselbe vor, die aus der Zopfzeit stam- 
mende Bezeichnung „Eisenhutlein" oder Wolkcn beizubehalten, 
wozu setzt er dann nach seiner Blasonierung „wolkenartig ge- 
zinnte Querbalken" hinzu* ,, oder vielleicht ein mit vier Quer- 
reihen Pelzwerk (Feh) belegtes Feld", da doch zwischen die- 
sen beiden heraldischen Figuren keinerlei Beziehung oder Aehn- 
lichkeit besteht? — Nach unserer Ansicht uber die plastische 
Darstellungsart des heraldischen Pelzwerkes im Mittelalter kann 
es durchaus keinem Zweifel unterliegen, date die linke Halfte 
des Ummendorfischen Wappens aus vier Querstreifen von Pelz- 
werk, Kursch (fasc6 de vair) besteht. Diese Ansicht wird aber 
zum Ueberflufs auch noch durch die Angabe von v. Mttlver- 
stedt's (a. a. 0.) uber das Wappen der Deven best&tigt, dessen 
linke Halfte von Hermelin ist, die er aber ebenfalls in ganz 
eigenthumlieher Sprachweise ein „mit tropfenformigen 
Tippeln (!) gestreutes Feld" zu nennen beliebt. 

Was ferner die Blasonierung des halben Vogels in der 
rechten Hftlfte des Wappenschildes als „Schwan oder Gans" 
betrifft, so scheinen uns die Grunde, welche v. Mulverstedt 
(a. a. 0. S. 34, Note 3) dafur anfuhrt : „denn es sind deutlich 
Schwimmfufse sichtbar, keine Krallen, der Hals des Vogels ist 
dunn und sehr gekrummt, der Schnabel nicht der eines Raub- 
vogels", durchaus nicht stichhaltig und entscheidend. Diese 
Formen des Kopfes und des Halses kommen auch auf anderen 
gleichzeitigen Siegeln vor, die des Flugels und des Schwanzes 
sind sogar die ganz gewOhnlichen, und was den „Schwimmfufs* 
betrifft, so ist auch dieser, wie unsere Zeichnung zeigt*), bei 
der Rohheit des Stempels und der Mangelhaftigkeit der bis 
jetzt bekannten Original -Siegel etwas problematisch. Die 
Darstellungsart der Verbindung (des monogrammatischen Zu- 
sammenschiebens) eines halben Vogels mit einem andern (hal- 
ben) Wappenbilde war von jeher eine so charakteristische 
des heraldischen halben Adlers, dafs die Prftsumtion schon da- 
fur spricht, dafs wir es auch hier mit einem solchen zu 
thun haben. Dafs die „heraldische Aesthetik" es er- 
heischen, ja sogar „nothwendig" erheischen sollte, dafs ein 
Vogel, wenn er all ein als Wappenbild vorkommt, sich mit 
„geschlossenen Flugeln" zeige, dagegen „in der Com- 
binierung und halbiert mit einem ausgebreiteten Flu- 
gel", so ist diese Behauptung ganz neu und — sit venia verbo 
— etwas gewagt. 



*) Was den Fufs und den Schwanz betrifft, so entspricht un- 
ser Holzschnitt dem Originate etwas mehr. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



2U 



Nor eine ganz genaue historische Untersuchung des Wappens 
der betreffenden Familien und die Vergleichung vieler Siegel der 
selben kOnnte die Annahme eines anderen Yogels rechtfertigen. 
Die ?on t. Mttlverstedt beigebrachten wenigen Beispiele genii- 
gen dazu nicht. Jedenfalls wurde der Stempelschneider, welcher, 
Dach dieser Arbeit zu urtheilen, allerdings kein grofser Kunst- 
ler gewesen zu sein scheint, wenn er auf diese Art einen 
heraldischen halben Schwan oder eine halbe Gans, einen halben 
Reiher, Eranich oder Pfau, (letztere drei sind bekanntlich keine 
Wa8senr6gel und haben auch keine SchwimmfQfse) , hatte dar- 
stellen wollen, sich einer ganz unheraldischen Form bedient ha- 
ben, die sonst wol kaum zu finden ist. *) 

Wollte man die charakteristische Stellung des Adlers 
mit streng symmetrisch ausgebreiteten FlUgeln und Schwanz, 
(Taigle 6ploy6, „alis et cauda expansis") nicht mehr als ent- 
scheidendes Eennzeichen in der Heraldik gelten lassen, so wurde 
man bei Blasonierung mancher Wappen aus alterer Zeit in 
grofse Verlegenheit gerathen, da es wahrlich an mangelhaften 
Zeichnungen von Adlern nicht fehlt und man kaum im Stande 
sein wurde, dieselben nicht nur von alien ubrigen RaubvOgeln, 
sondern selbst yon einer Menge anderer V5gel zu unterscheiden. 
Die Physiologie ist bekanntlich die schwachste Seite unserer 
alten Herolde und Wappenkttnstler gewesen. 

LVIII. 



Grafin Sophie, Gemahlin des Grafen Otto II. von Ravensberg, 
geborenen Grafin von Bruchhausen, mit, welche nach zwei Sie- 
geln an Kloster BersenbrQcker Urkunden v. 1235 u. 1246 im 
Staatsarchiv zu Osnabrttck gefertigt worden ist. Der in Nie- 
sert's Munster'scher Urkunden - Sammlung mitgetheilte Kupfer- 
stich dieses Siegels, nach einem Exemplar von 1252, ist durch- 
aus unrichtig ; namentlich erscheint auf demselben der bekannte 
Ravensbergische Wappenhelm mit dem Lindenbaum als ein mit 
drei Rosen verzierter Topf, aus welchem ein Tannenbaunachen 
herauswachst. Wieder ein Beispiel, wie vorsichtig man derar- 
tige shpragistische Abbildungen aufnehmen soil ! 

Dieses Siegel liefert einen neuen Beweis, date ursprttnglich 
die Frauen ihr angestammtes Wappen rechts fuhrten. Denn, 
obgleich hier die Grafin den Wappenhelm ihres Mannes in der 
Hand halt, so steht doch der Ravensbergische Schild links, da- 
gegen ihr angestimmtes Wappen ■*) rechts. Interessant ist auch 
auf diesem Siegel die Darstellung des Pelzmusters im Mantel- 
futter. F.-K. 



nischen Fiirsten aus dem 11. Jahrh. eine Eule mit, welche nach 
Art unseres heraldischen Adlers dargestellt ist. Ein anderes Bei- 
spiel ist uns bis jetzt nicht bckannt. 

*) Die drei Rosen sind ursprunglich das Wappen des Grafen 
von Hallermond, welches der Vater der Grafin Sophie von seiner 
Mutter Beatrix Grafin von Hallermond, einer Erbtochter, angenom- 
men hatte. 



Wit theilen hier eine genaue Abbildung des Siegels der 



*) A. de Beaumont in seinem interessanten Buche: „Recher- 
ches sur Vorigine du blazon et en particulier sur la fleur de lis" 
(Paris, 1853) theilt, pi. VII, Nr. 25, als Wappen eines turkoman- 



Ein Lobgedicht auf Albertns Magnus. 

Der freundlichen Mittheilung des Herrn Dr. E. Sievers 
verdanke ich die Abschrift der folgenden Verse aus einer Je- 
nenser Handschrift, welche ein Werk des Albertus Magnus „de 
naturis multarum rerum u enth&lt. Auf das Ende dieser Schrift 
folgen die Worte „Incipit commendacio fratris Albert! Ratispo- 
nenis episcopi. u 

Fons et meta boni, da Christe viam rationi, 
Remige virtutis, fac litus adire salutis. 
Hieran schliefsen sich jedoch zun&chst die Namen der 
vielfflrmigen Hexameter, welche die entartete Metrik des Mit- 
telalters erfunden hatte, erlautert durch je zwei Zeilen als Bei- 
spiel, die mit Albert nichts zu schaffen haben. Das Gedicht 
zu seinem Preise aber ist merkwurdig, weil es ihn als Bischof 
von Regensburg feiert, was er nur von 1260 bis 1262 gewe- 
sen ist. Der erste Vers bezieht sich deutlich genug auf die 
trauerige Lage des Bisthums unter Albert I., nach dessen Ab- 
setzung Bruder Albert, der Dominicaner, vom Papste gen&thigt 
wurde, trotz seines Widerstrebens das Bisthum anzunehmen. 
Wol gleich im Anfang, zur Begrufeung des neuen Hirten, sind 
dann diese Verse verfafst, deren Urheber augenscheinlich noch 
keine Ahnung davon hatte, wie bald sich der neue Bischof sei- 
nem Amte wieder entziehen wurde. Anfang und Ende einer 
jeden Strophe bilden sonst Anfangszeilen bekannter Eirchenlie- 
der, was an andere ahnliche Spielereien erinnert. 



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Anzeigerfur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Incipit ritmicum die tarn 

1. Jam lucis orto sydere, 
pulso meroris tedio, 
ex cinere, de pulvere, 
Ratisponensis concio, 
regali sacerdocio 
sedes beata fruere. 
Indaere iamvlibere 
iocunditatis pallio, 
summo Verbi 1 ) de solio 
iam lucis orto sydere. 

2. Deus creator omnium, 
qui cuncta solus ordinat, 
iam columbinum nuncium 
post corvi fraudem destinat, 
qui verbum Patris seminat, 
famem repellit mentium, 
caulas tuetur ovinm, 
vulpes, lupos exterminat; 
sic plait, tonat, fulminat 
Deus creator omnium. 

3. Vergente mundi vespere 
virtus eclipsim patitur, 
sed novo celi munere 
novum hoc iubar oritur, 
per quod error extinguitur, 
fides lucet in opere, 
armantur viri dextere, 
murus Syon construitur 

et Babilon confunditur, 
vergente mundi vespere. 

4. Vexilla regis prodeunt 
per sacros duos ordin6s, 
qui crucem Christi provehunt 
contra pravorum turbines. 
Per quadros mundi cardines 

Heidelberg. 



en de Alberto episcopo. 
partes in bella coeunt: 
iusta a ) cum palma reddeunt 
vere vitis 3 ) propagines. 
Hiis signifer dum premines, 
vexilla regis prodeunt. 

5. Ad cenam agni providi 
sollempnis iste nuncius, 
in mundi fine tepidi 
missus, clamat apertius 
qui Jhesu Christo dulcius: 
„Venite 4 ) corde languidi, 
serpentis virus lividi 
evomite quantocius, 

et properate cautius 
ad cenam agni providi." 

6. In veritate comperi, 5 ) 
quod tota mundi suavitas, 
morbo laborans veteri, 
est vanitatum vanitas. 
Ergo, regalis civitas, 
nova iam stude fieri, 

tuo conformis syderi. 
Quod tanti patris dignitas 
nunc 8 ) tua sit felicitas, 
in veritate comperi. 

7. Iste confessor Domini, 
ardentis verbi facula, 
vitam conformans nomini, 
cum grege sine macula 
tendat ad agni fercula: 
superno iunctus agmini 
Deo psallat et homini, 
degustans vite pocula 
felix vivat per secula 
iste confessor Domini. 

Amen. 
Wattenbach. 



*) ubi cod. *) i8ta cod. *) uites cod. 4 ) uenire cod. *) cor- 
peri oder corpori cod. 6 ) „nunc" habe ich des Metrums wegen 
zugesetzt. 



Die zwolf Monate. 

Aus einer Einsiedler Handschrift des 15. Jahrh. 
Jenner* 
Genner bin ich genannt, 
Trinken und essen ist mir wol erkant; 
In disem Monat ist nicht gut 
Von den Menschen lassen bl&t; 



Nit ensalbe dein gebein, 

So der man treit Wasser hein, 

B6m pflanzen und huser buwen 

Hat ich dir nit truwen. 

Wer g&n oder riten sol, 

Den lingt des weges nit gar wol. 

Horniing. 

Hornung bin ich genant, erkenne mich; 

Gist du nacket, es gerttwet dich. 

In disem Manet ist gut laflsen. 

Is und trink zu mafseD, 

Die Furs nit ensalb noch enw&sche, 

Wen die m&n schint in die fische. 

Gut trank solt du nemen, 

Die Strass mag dich nit gelemen. 

Wer frowen den nimpt 

der bedarf das im Wol geling. 

Mftrx. 

Ich bin geheifsen Merz, 
Den pflig ich vfsterz. 
In disem Manet so lass kein blut, 
Doch so ist sweisbade git. 
Des Hopts sol man schonen, 
Wan in dem wider ist die mone. 
Nicht z& ader lassen; aber baden 
Das ist gfit on alien Schaden. 
Die oren arznyen sol man enb&rtn, 
du macht ttch wol den bart schttren. 

April. 

Ueberall bin ich genant, 

B5m pfelzen u. reben beschnid ich durch dz land. 

In disem ma net nimm dich nit an 

Lafsen z& der median. 

Wen die man ist in dem Stier, 

So pfelze bdm vil oder vier. 

Hiiser buwen daz ist gut, 

Samen seyen och nQlzen tit 

Lars dich kein artzet wisen 

Den hals heilen mit ysen. 

MmU 

Hie kum ich stolzer mey 

Mit klfigen bl&men allerlei. 

In disem manet man warm baden sol, 

Ovch tantzen, springen und leben wol, 

So die m&n ist in zwyfaltigen Strafsen, 

So solt du nit an den armen lafsen 

Din nagel und din hende 

Mit ysen nit anwende, 

Das dir wirt verheifsen 

Damit wirst du fast gereitzet. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Bracket. 

Brachmanet bin ich genant, 

HOwen and kerst nimm ich in die hand. 

In disem manet sol nieman Ian, 

Es sol ovch nieman mufsig gan. 

In dem Erebs lafsen ist gross Yerlust 

Z& den lebern, lnngen nnd zu der bmst. 

Trsenk nemen das ist gut. 

Dn bfst vf der Strafe behut 

An trann 1 ) solt da dich nit keren, 

Mit Arbeit solt da dich gerne weren. 

Heamonat. 

Welcher ochse zttchet gerne den pflfig, 
Dem wil ich geben heawes gnfig ; 
Ouch wil ich dir in trewen sagen; 
Hut dich ?or den hundigen tagen. 
Der Ldw meret smertzen 
Der lnngen and dem hertzen. 
Nit leg an kein nttwes gwand; 
Bist da geladen, da wirst geschant. 
Du solt kein Artzny niefsen 
Und sol dich sptiwen ser verdrieflsen 

August. 

Woluf mit mir in die aren 

Die da sniden wellent lernen 

Sich ouch vben vff das bret ; 

Trink weder kirswin noch mfttt. 

Nieman mit dir der ee besagt, 

So die man ist in der rnagt*). 

Die adren and die ripp 

Mit ysen nieman gripp, 

Zu sayen hab gut zuversicht, 

En kein schif vf wasser getruw nit. 

September. 

Gutes mostes hab ich vil, 

Den ich Singeren geben wil. 

In disem manet solt du nit gan, 

Du solt zu der Leber zu Ader Ian. 

In der wag hut der gemlchte, 

Nieren und Arsbaggen den wirt richte. 

Wilt du vil loffen ttber feld, 

Du kumpst um din Gluck und vmb din geld. 

October. 

In Gottes namen, amen, 

Seyen ich minen samen. 

Ich bitt dich, herr Sant Galle, 

dz er mir wol und nutzlich falle. 

Der Scorpion hat vber die scham gewalt. 

Far schon, wilt du werden alt. 



Ouch far nit ze Schif noch vber felt, 
Der fal git tfltlich widergelt. 
November. 
Ich wil Schyter howen vil, 
Sit der winter komen wil 
Mit siner kelte also sere, 
dz ich mich vor dem frost mug erneren. 
Der Schatz schadet der huff, 
Wan die man schinet daruff. 
Lafst an den armen, schir dz hopt, 
Baden ist dir och erlopt; 
Du solt och negel und har besniden, 
So macht du vntrew vermiden. 

December. 

Mit wtirsten und mit braten 
Wil ich min hus beraten. 
Also hat das jar ein end, 
Got uns sin Gnad allzit und Stund send! 
Der Stein bo k schadet den knuwen, 
Darumb huet ir mit trttwen. 
Der siech wirt der mag wol genesen. 
Du macht zu schif nit sicher wesen, 
Dz du gebuwest dz vellet; 
An kein ding sich st&tentlich stellet. 
Plato schreibet in sinem capitel dz man in dem winter- 
monat alle ding efsen und trinken soil u. s. w. — 
(Folgt das Aderlafsmftnnchen.). 



Noch einige Wetterregeln aus der Hs. 53, S. 289, als An- 
hang zu einer astronomischen Abhandlung, aus dem 15. Jahrh. 

„Item, weget der wind an der ersten cristnacht des jares 
sterbent die lut gem. 

Weget der wind an der ander nacht, des jares verderbent 
gem die win. 

Weget der wind an der miternacht, des jares so sterbent 
gem die Eung und die grofsen herren. 

Weget der wind an der vierden nacht des jares wirt gerne 
vil korn. 

Weget der wind an der V. nacht, des jares sterbent gern 
die wifsen lttt und versinkent gern die schiff. 

Weget der wind an der VI. nacht, des jars werdent gern 
strit und kriege. 

Weget der wind an der VII. nacht, des jares kumpt gem 
grofs libel von mangerley sachen wegen. 

Sed si deus vult convertit haec omnia solus. 

Einsiedeln. P. Gall Morel. 



') Traume. *) Jungfrau. 



Zilchtigers Bestellnng. 

„Zu wissen, daz Hanns Wintter zu einem zuch tiger auff- 
genomen vnd bestellt ist den bttrgern des rats der stat Nttrem- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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berg x jare nehst nach einander volgende getrewlichen zu die- 
nen vnd zu gewartten vnd dartzu alles das zu halten nach er- 
clerung sein eides im wanckelpuch, vnd er hat den burgern des 
diensts in kein weise nicht ab zusagen, sunder wenn vnd zu 
welher zeite sie wOllen vnd in fliget, so miigen im die burger 
sfllichen dienste wider absagen. Vnd vmb solichen sein dienste 
gibt man im yedes der vorgeschriben jare alle wochen j ft 
newer haller vnd zu yeder goltuasten j % n. 

Von einem zu ratprechen oder zu verprennen tod oder le- 
bendig von yedem ij % n. 

Von einem zu hencken j fb n. 

Von enthaupten j & n. vnd dartzu fttr strick vnd hent- 
schuch von einer yeden obgerflrten person xv dfi. 

Von eim gang zu einer yeden person in dem loch xv dfi. 

Vnd wa er von der burger wegen aurswendig yemant recht- 
uertigt oder richt, gibt man im zusampt der kost zwifachen lone. 

Von yedem oren abzusneyden xxx dfi. 

Von styren prennen xxx dfi. 

Durch packen zu prennen von yedem prant xxx dfi. 

Von yedem augen aufszustechen xxx dfi. 

Von ruten aufszuhawen von yedem lx dn. 

Actum sexta post kunegunde in den vasten anno etc. lx°. 

Aus einem Mscr. des k. Archivs zu Nflrnberg vom Jahre 
1460. 



Ntirnberg. 



Dr. Heinrich. 



Znr hohenzollerischen Alterthumskunde. 

L Weisthttmliches von Bingen*), 1494. 

In dem fftrstlichen Archive zu Sigmaringen unter bin- 
gen" Nr. 15 liegt ein Pergamentlibell, ein Schiedsrichterbrief, 
Bingen -Bittelschiefe-Zwiefalten (Abt) betreffend. Gymnasial- 
lehrer Lichtschlag gab in den Mittheilungen des Vereins fttr 
Geschichte und Alterthumskunde in Hohenzollern. (Ill, 10. An- 
merk. 2 u. IV, 57) Nachricht davon ; er beabsichtigt auch, die 
vom Archivar Schwartzmann (f) grundgelegte Arbeit daruber 
weiter zu verfolgen und den Inhalt des Libells zu verOffent- 
lichen, dessen Betreff lautet : „betreffend pot vnd ver- 
bot, die dienst, den hirtenstab, den kell- oder 
pfandhof vnd die wiettraitinen**) alles zu Bingen." 



*) Marktflecken in Hohenzollern -Sigmaringen. 
**) Dieses Wort bedeutet eine Oedung, die, urbar gemacht, 
dem Lehexi8herrn die 9. oder die Landgarbe tragt. Ich halte znr 
Erklarung fur nothwendig, sich an witt, wit, Holz, zu erinnern, 
woher Witthau, Weythau an der obern Donau datiert; das 
weitere soil anderwarts erklart werden. Beifugen mochte ich 
etwa folgende Belege des Wortes aus unserer Hs., wo es unzah- 
lige Male wiederkehrt. „Zuom vierden gestande unser her von 
Zwifalten jnen nitt, sy die von Vischach genossen haben die wit- 
raitinen so witt Bingen zwing und benn, trib und trautt, won 



1) Bl. 5 a sagt ein „ztig" aus : „den hierttenstab so lang 
er ingedenk acht er vff LX jar, so hab der hierttenstab gegen 
Bittelschie|3 gehOrtt, zum ersten den von Hornstain vnd dar- 
nach den von Rischach in sollicker form: die gmaind zu Bin- 
gen erwOllen ainen hiertten vnd schicken dan den selben hiert- 
ten zu den EdellUten gen Buttelschie|J den stab von inen zu 
erapfahen. die selben lihen im dann den stab, daruff glob oder 
schwere inen dann der hiertt inen irn frommen zu schaffen vnnd 
schaden zu warnen vff irm veld vnd in iren welden vnd hol- 
tzern, dz sy im wissend v|J der vrsach vff ain zitt ob XL ja- 
ren vergangen erwaitend die von Bingen ainen hiertten hie(J 
Hans Fritag; der woltt den stab von Juncker Clricl en von 
Hornstain nitt empfauchen vnd ains mauls kam derselb Juncker 
iJlrich von Hornstain gen Binggen in dz dorff vnd httwedem- 
selben hiertten zwen finger ab vff dem hiertenstab 
von siner vngehorsamy wegen vnnd wenn ein hiertt vn- 
recht die (thue), so geb die gmaind zu Bingen zw&n erber man 
dar, desglichen der hiert ouch zw&n vnd wie die fier oder der 
mertail den hirten strauffen, dem mu(5 vnd soil er gehorsam sin 
vnnd gehOrtt dieselb strauff der gemaind zu Binngen vnnd sust 
nyemands andern: dz sy also im bruch." (Vgl. Bl. 7 b .) 

2) Bl. 9 * : denn alain wenn er ain meny hett oder zug 
vich so miest er den von Rischach zu acker gon vn hab doch 
sollich guott trissig oder vierzig jar inngeheptt, denn es sy 
erblechen vnd wenn man dz den erben nitt lichen wOltt wenn 
sie dann ain quart wtns vn zwh hendschfich vff den 
berg satzten oder stalten, so hetten sy das gfitt damit empfan- 
gen. u Bl. 9 b : „den die do vff des Gotzhus oder der kttrchen 
gietter sitzen denselben hab min her von zwyfalten wytter 
nitt zu gebitten denn vm u(Jst5llig zins vnd gultten vnd urn 
erbs&tz vnd handtlon. sin des zugen widemb, hab ouch die fry- 
haitt wenn man die selb widemb nitt lichen wOltt, so stOlle 
man zwo ma|J wins vff den kirchberg vff den klotz, 
so hab man den mitt demselben empfangen." 

3) Bl. 11*: „diser zug sagtt: von dem alten Haintzen 
Mayern hab er gehOrtt, das Bingen ain fry dorf sy vn zw5lff 
ayd allda geschworen worden, das kain her da zu gebietten 



und waid gang, aber kurz, wer witraitinen mache, da es nitt 
in ainem guot lige miesse jnen der N. die landgarb darvon ge- 
ben" 1494. Bingen, Hirtenstab f. 3 » „So haben die von Jungnow 
etc. jnen so sywittraitinen gemacht hond die landgarb davon 
gegeben etc, item ain trittentail zwing vnd bann vnd der witt- 
raity daselbs. — zwing, bann und wittraitinen ... item der witt- 
raitine halb wurd ein ziig sagen."'4 b : „oder werd aigentlich ge- 
fraugt wzwittraittinen sy doch vff disen tag jnen haben buwen 
vnd niepen vnd vp was wittraittinen so man holz ussgerfltt 
oder veld gebuwen hab" etc. 5»: „aber er wiss nit wz witt- 
raittinen vff disen tag die von Rischach inn haben buwen und 
messen etc.; dz die wittraittinin, der hierttenstab und die 
dienst zd Bingen dem benanten v. Rischach zugehoren; 5 k . hab 
er jnen die landgarb von den wittraittinen zuo Bingen ge- 
8ammlet deren ze geben hab sich niemands gespertt; 6 a . 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



222 



hab, denn alain yeder her sinen aigen ltttten; — er hab ge- 
hflrtt, wenn die von Bingen ainen hiertten gelichend so sol 
aladann derselb hirt gen Bittelschie(J gon vnd den herren da- 
selbs ouch am lichung bitten vnd ob niemands da were, 
so soil der hirtt trttw maul mit sinen stecken an 
den velsen schlachen; darnauch so mOg der hirtt 
wider hinweg gon wenn jm anders niemans entj&ch." 

A. Birlinger. 



Eine Kolner Urknnde des 13. Jahrhnnderts. 

Erzbischof Sigfried von Kftln gebietet den SchOffen zu 
Annweiler, in zweifelhaften Rechtsf&llen die SchOffen zu Bonn 
zu befragen. — Kflln, 1279, Janr. 27. 

„Sifridus Dei gratia sancte Coloniensis ecclesie archiepi- 
acopus dilectis fidelibus suis, scabinis in Anwilre gratiam suam 
et omne bonum. Mandamus vobis, quatinus , si super aliqua 
sentencia dicenda aut ferenda in quocumque casu dubitare vos 
contingat, scabinos nostros Bunnenses consulatis, et, secundum 
quod ipsi sentenciandum esse decreverint, in hujusmodi casu 
sentenciam dicatis et proferatis, quotienscumque fucrit oportu- 
num. Datum Colonie, VI kalendas Februarii, anno domini 
millesimo ducentesimo septuagesimo nono." 

Original in meinem Besitz. An zwei Pergamentstreifen 
bangt ein Fragment des Siegels ; von der Umschrift der Rtick- 
seite sind noch lesbar die Zeichen * YTALIE ARCHI . . IVS 

Berlin. Harry Brefslau. 



Ueber die Beerdignng von Ministerialen geistlicher 
Stifte bei ihrer Stiftskirche. 

Im Allgemeinen begegnen wir der Annahme (vgl. Richter, 
Lehrbuch des Kirchenrechts, S. 892), die alte Sitte der Beer- 
digung in unmittelbarster Nahe der Eirche auf den sogenann- 
ten KirchhOfen sei ursprttnglich ein Ausflurs der frommen Vor- 
stellung gewesen, dafs die Seele des Abgeschiedenen ein grOfse- 
res Heil erwarte, je n&ber der Leichnam bei der heiligen Statte 
rohe. Nachfolgende Urknnde des Collegiatstiftes St. Martin 
zu Mtlnster vora Jahre 1321 ergibt, dads es im Stifte Mttnster 
um jene Zeit ah eine von Alters her ttbernommene und streng 
verbindende Gewohnheit gait, die Leiche eines Stiftsministeria- 
len auf dem freien, den Dom zu Mttnster umgebenden Platze, 
der zugleich der Burgplatz der altesten in die karolingische Zeit 
binein reichenden Burg jenes Bisthums, der urbs Monasterium, 
aus der sich dann die Stadt Mttnster entwickelte, war, zu be- 
erdigen. Man kOnnte daher leicht versucht sein, den hier vor- 
liegenden Fall weniger auf einen frommen Gebrauch, als auf 
eine bestimmte, vielleicht lehnrechtliche Verpflichtung zurttck- 
zufthren. 

Das Capitel von St. Martin zu Mttnster erklart, irrthttmli- 
cher Weise und entgegen dem alten Rechtsgebrauche , demzu- 
folge alle Stiftsministerialen bei dem Dome zu Mttnster beerdigt 



werden mttssen, eine Ministerialin bei seiner Kirche beigesetzt 
zu haben, und begibt sich aller hierauf zu grttndenden Ansprttche. 
1321, December 4. 

„Nos decanus totumque capitulum ecclesie sancti Martini 
Monasteriensis notum facimus omnibus presentem litteram in- 
specturis et recognoscimus publico protestantes, quod ab antiqua 
consuetudine iam longo tempore observata ministeriales sancti 
Pauli si qui decesserint in civitate Monasteriensi apud maiorem 
sancti Pauli predicti*) consueverunt sepeliri: preterea recogno- 
scimus, quod ministerialem, de qua questio vertitur inter deca- 
num et capitulum maioris ecclesie predicte et nos, erronie apud 
ecclesiam nostram sepelivimus et errorem nostrum per presen- 
tes revocamus. 

Datum anno domini M°CCC°XXI° die beate Barbare vir- 
ginis". 

Mttnster. Saner. 



*) so. ecclesiam — der Dom. 



Findllnge meist zur Oeschlchte von Schw&bisch-Hall. 

In der Stiftsbibliothek zu Melk findet sich in den beiden 
Papierhandschriften 0. 44, 1 u. 2 neben Kanonistischem eine 
Reihe von Urkundenabschriften, meist auf die Stadt Schwftbisch- 
Hall bezttglich, die wir hier verzeichnen wollen, und von denen 
Nr. 15—18 fttr die Geschichte der Vehme, Nr. 8, 9, 13 und 
14 fiir die des Konrad, Schenken von Limburg, besondere Be- 
achtung verdienen. 

Auf „Formulare Rolandini Notarii" — „tractatus de ele- 
ctione abbatum" — w tractatus de successione descendentium, 
ascendentium et de collateralibus" folgen zunftchst: 

1. 1467. s. d. et 1. Mathys von Rinderbach und Jorig 
von Bachenstein, Bttrger zu Halle, und Vormttnder Gotzen von 
Bachenstein's Erben, bevollmftchtigen als den Vertreter ihrer 
Mttndel den „ersamen prister, herrn Johanns Heuschen, pro- 
curator des hoffs zu wirczpurg" in der Streitsache „eins ver- 
meinten raubs eines weingarten halben." 

2. 1426, 23. Sept. Herbipoli. Joannes de Eycharding, 
canonicus ecclesiae Herbipolensis, confert Joanni Schiltknecht, 
rectori parochialis ecclesiae in Ingelstat, Herbip. dioec, prae- 
bendam per mortem Thomae de Bereut in ecclesia S ci Joannis 
Novi monasterii vacantem. 

Daran schliefst sich: „Practica judicialis Heinhci de Be- 
hem, licentiati in decretis, Officialis episcopi Basiliensis", wo- 
rauf wieder zwei Urkunden folgen : 

3. 1463, fer. secunda post dominicam Esto mihi (21. Febr.). 
Conradus baro baroniae in Winsperg, s. R. I. camerarius he- 
reditarius, praesentat domino Gotfrido Schenk in Lympurg, 
eccl. Herb, administratori , ad beneficium aut altare s. Nicolai 
C. in ecclesia parochiali oppidi Winsperg Herb, dioec. vacans 
ad praesens Johannem Schube, clericum dictae dioecesis. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



224 



4. s. d. et a. Heinricus de Wecbina, canon, eccl. Herbip., 
yicarius in spiritualibus generalis, committit Johanni de Malkos, 
canonico et archydiacono in ecclesia Herb., institutionem cor- 
poralem Conradi Valmer presbyteri ad capellaniam in Bilriet 
vacantem per obitum Conradi Gretzenbach per providos viros 
consules oppidi Hallensis praesentati. 

Hieran schliefsen sich folgende Stiicke: Consilium faculta- 
tis theologicae Wiennensis ad votum Arcbiepiscopi Salisburg. 
H43. Sess. XL XX. XXXI. cone. Basiliensis. Ordo judiciarius 
(niutilus). Stylus Romanae Curiae. Forraulare interrogationum et 
libellorum in causis secundum stylum s. pallatii causarum apo- 
stolici et totius Romanae curiae. Mehrere ordines notariatus 
et causarum. Lotharii de miseria bumana. An diese reihen 
sich wieder Urkunden; namlicb: 

5. Senis. 1460, XI. kal. Maji (21. April). P. Pius II. be- 
auftragt die Pr5pste von Brandenburg, Bamberg, Eichstatt und 
St. Rupert in Onolzpach und deren Dekane, mit Anwendung 
kirchlicber Strafen die Guter der Markgrafen von Brandenburg 
und der Burggrafschaft Nurnberg zu schirmeu. 

6. s. d. et I. Judici, militibus et legifero judicio pro- 
vincial' ducatus Franconiae inbibetur nomine ecclesiae Herbipo- 
lensis et magistrorum fabricae ibidem et in Ochsenfurt, ne ad 
instantiam Friderici Pubock sententiam cognoscant in legatis et 
causis piis Joannis Schekhorn sub poena excommunicationis. 
(Bruchstuck.) 

7. 1457. Eheprozersakten : Elza Mullerein, incola Her- 
bipol., contra Stephauum Wirsing, civem Herbip., de deflora- 
tione. 

8. 1465, 27. April. Venerabilis vir Conradus Wernth 
de Hasfurt, clericus Herbipol., decret. licentiatus, petit aposto- 
los nomine Conradi Waldecker de Sanczenbacb, civis oppidi 
imper. Hall. „Cum Reverendus Pater dominus Thadeus abbas 
monasterii S l Jacobi extra muros Herbip. assertus conservator 
seu subconservator jurium provincialium et libertatum episco- 
patus Herbipol. praesumit se esse et fieri judicem seu subcon- 
servatorem ac facultatem et jurisdictionem usurpare seu ven- 
dicare maxime in causa vertente inter dom. Joannem Episco- 
pum Herbip. venerabileque capitulum actorem et conradum Wal- 
decker reum . . . quod Conradus quasdam communitates villa- 
rum Geylendorf, Berckingen, Vndern Rodt, Sulczpacb, Vicb- 
perg ac ceteras ad nobilem virum Conradum Schenk de Lim- 
purg spectantes de episcopatu et ducatu traxit in causam co- 
ram generoso viro dom. Johanne Sultz, comite judice in Rot- 
weil." 

9. 1465, 29. Mai. Hall. Notariatsinstrument des „S. von 
H. Clerick Wirczpurger bistums" uber 2 Pergamenturkunderi 



des kaiserlichen Hofgerichts zu Rotweil auf Bitte des „ Conrad 
Waldecker von Sanzenbach, burger der stat Hal." (Die Ur- 
kunden selbst feblen.) 

10. s. d. et 1. Herboldus abbas monasterii in Murrhart, 
Ord. S. Ben. Herbipol. dioec., vidimiert auf Bitte des honora- 
bilis viri Johannis Hirfs, plebani in Weschem, Herb, dioec., con- 
fratris fraternitatis ecclesiae B. Catberinae in suburbio oppidi 
imp. Hall ejusd. dioec. filiae parochiae villae in Wescbem litte- 
ras confirmatoriales Alberti, episcopi Herbip., approbateriales ?e- 
ner. dom. Heinrici fel. mem. abbatis in Murhart et dom. Gos- 
wini de Rotingen, plebani in Wescbem. 

11. s. d. et L G., episcopus Herbip., Franconiae orienta- 
lis dux, litteras praedecessoris Jobannis episcopi et abbatum in 
Comburg successivis temporibus ecclesiae parochiali S l Mi- 
chaelis Archangeli oppidi Hall concessas per incendium annihi- 
latas renovat. 

12. s. d. et 1. Citantur Waltherus Breysch, Joannes Her- 
cke, Joannes Kleiber, presbyteri Herbip. dioec, in causa dom. 
Leonhardi, carpentarii provincialis, de quibusdam bonis per 
dom. Kicolaum Bucbmuller fel. rec. derelictis et ad dictum Leon- 
hardura jure bereditario spectantibus in oppido Heilprun. 

13. 1465, non. Aug. (5. August). Romae. Paulas II. abbati 
monasterii S cl Aegydii de Nuremberga et decano ecclesiae sci 
spiritus in Hedelberga, Bamberg, ac Wormat. dioec, committit 
causam inter Conradum Waldecker laicum et Joannem episco- 
pum Herbip. et capitulum ibidem vertentem, qui falso asserue- 
runt, dictum Conradum quosdam laicos dictae dioec. coram 
certo judice imperiali contra privilegia et libertates ecclesiae 
Herbipolensis traxisse in causas, quo in casu Bernhardus Win- 
eck, decanus ecclesiae sanctorum Petri et Alexandri Ascbaffen- 
burg, Maguntin. dioec, conservator {ut dicebatur) privilegio- 
rum et libertatum bujusmodi per apostolicae sedis litteras de- 
putatus comiserat vices suas Thatheo abbati monasterii sci Ja- 
cobi extra muros Herbip., a quo abbate indebite gravatus Con- 
radus ad sedem apostolicam adpellavit. 

14. 1466, . . . Joannes Comes de Sulcz, Judex civit. im- 
per. in Rotweil, petit ut SS mus Dominus Papa contra nobilem 
Conradum S.R.I, pincernam haereditarium de Limpurg, laicum 
Herbipol., in sententia proscriptionis ab ipso uti judice propter 
ejus multiplicem contumaciam lata ad instantiam Conradi Wal- 
decker de Sanczenbacb, armigeri ejusd. dioec, per excommuni- 
cationis et aliarum censurarum sententias procedere dignetur. 

Neukirchen bei Lambacb. Dr. P. Schmieder. 

(Schlufs folgt.) 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literariscb - artistischen Anstalt des germaniscben Museums in Nurnberg. 



Gedrackt bei U. E 8 eb aid in Niirnberff. 



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BEILAGE ZUM MZEIOER FUR KUIVDE DER DEUTSCBEN VORZEIT. 

1872. Jtf 7. Juli. 



Chronik des germanischen Museums. 



Nttrnberg, den 15. Juli 1872. 

Der Abbruch des ehemaligen Augustinerklosters hat begon- 
nen. Da rich einerseits herausgestellt hatte, dafs die Uebertragung 
in weiterem Umfange, als ursprunglich der Magistrat in's Auge 
gefafst, moglich und wiinschenswerth , andererseits aber eine gro- 
feere Sorgfalt nothig sei, als sie in der Regei bei Abtragungen 
stattfindet, so ist ein neues Uebereinkommen getroffen worden, 
das beide stadtische Collegien genehmigt haben. Darnach sind 
einfach die zor Uebertragung bestimmten Gebaude : das ehemalige 
Hauptgebaude des Klosters mit der St Leonhardskapelle, den 
Capitelsaal, Dormitoriura, einen Kreuzgangflugei u. A. enthaltend, 
sowie die iibrigen drei Fliigel des Kreuzganges und eine Reihe von 
Eihzeltheilen aus den verschiedenen anderen Gebauden dem Mu- 
seum iibergeben worden, welches die Uebertragung selbst besorgen 
wird. Dazu haben die stadtischen Collegien einen Baubeitrag von 
1030 Mark gefugt. Der durch seine trefflichen Leistungen bekannte 
Salzunger Kirchenchor hat bei Gelegenheit eines Concertes, das er 
in der hiesigen Lorenzkirche gab, 150 fl. von der Einnahme gleich- 
fells als Kostenbeitrag fur diese Uebertragung gespendet Bereits 
wird eifrig an den grofaen Unterbauten, die zu diesem Zwecke 
nothig sind, gearbeitet und zugleich der Abbruch betrieben. Die 
erwahnten drei Flflgel des Kreuzganges sind schon bis zum Bo- 
den niedergelegt und die Mehrzahl der Steine, wohl numeriert 
and bezeichnet, auf den neuen Bauplatz gefuhrt,wo noch vor 
Herbst wenigstens zwei Flflgel rich wieder erheben sollen. 

Unsere Waffensammlung hat wieder eine interessante Berei- 
cherung durch ein Hinterladungsgewehr des 16. Jahrh. erhalten, 
das wir der Gewogenheit Sr. Hoheit des Herzogs Ernst von Sach- 
sen-Koburg und Gotha verdanken. 

Neue Forderungen sind auch in Bezug auf die Sammlung der 
Grabmalabgusse zu berichten, indem der hohe steiermarkische Lan- 
desaosschufs unserer Bitte am Anfertigung und Uebersendung eines 
Abgusses des unlangst erst aufgefundenen Grabsteins des Minne- 
singers Ulrich von Liechtenstein bereitwilligst entsprochen, und Se. 
Erlaucht Herr Graf Eberhard von Erbach-Erbach, dessen Verspre- 
chen schon fruher erwahnt worden, dieses durch Anfertigung 
eines Abgusses des Grabsteins des Schenken Jorg von Erbach 
(t 1481) gutigst eingelost hat 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden fol- 
gende neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Von PriTAten t Aussig a. E. Leon. Gafemann, k. k. Bez.-Ger.- 
Adjnnkt, 1 fl. 10 kr. Berlin. Dimmling, Edelsteingraveur, 1 fl. 45 kr., 
Baron y. Minnigerode, Premierlieutenant der Gardes du Corps, 1 fl. 
45 kr., Otto, Edelsteingraveur, lfl. 45 kr. Beilthen (Oberschlesien). 
Beyersdorff jun., 1 fL 10 kr. Drzezga, Kontroleur in Paulsgrube, 1 fl. 
10 kr., Isidor Eisner lfl. 10 kr., Eliason, Kaufraann, lfl. 45 kr., 
Freudenberg , Maschinenmeister in Lipine , 1 fl. 10 kr. , Griitzner, 
Bergrerwalter in Samuelsgluck, lfl. 45 kr., Habich, Bauunterneh- 
mer, lfl. 45 kr., Jusczyk, Rentier, lfl. 10 kr., Just, Markscheider, 
1 fl. 45 kr., Eromer, Kreisrichter, 1 fl. 45 kr., Linke, Bauinspektor, 
1 fl. 45 kr. Broaberg. Hanschke, Rechtsanwalt, 1 fl., Joel, Rechts- 



anwalt, 1 fl. Froschweiler (Elsafs). Karl Klein, Pfarrer, 1 fl. Hers- 
bruck. W. Hefs, k. Rentbeamter, 1 fl., Rittelmeier, Pfarrvikar in Hap- 
purg, 30 kr. Meissen. Dr. Roscber, Oberlehrer zu St. Afra, 1 fl. 45 kr. 
Morgenroth (Oberschlesien). Jul. Barth, Inspektor, 1 fl. 45 kr., Gold- 
stein, Restaurateur, lfl. 45 kr., Janik, Bergverwalter, 1 fl. 45 kr., 
Rupprecht, Materialienverwalter, 1 fl. 10 kr., Skrzeczek, Spediteur, 
lfl. 45 kr. N Urn berg. Gg. Gotz, Kaufmann, lfl. 45 kr., Heinrich 
Papellier, k. Stadtger. -Assessor, lfl. 12 kr., Fridolin Steiner, Hi- 
storienmaler, lfl., K. Wentzler, Reisender, lfl. Rattelsdorf. (Ober- 
franken). E. J. Herrings, Guts- u. Bergwerkbesitzer, 1 fl. Zeitz. 
Herm. Schade, Hutten- und Grubenbesitzer, 8fl. 30 kr. 
Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 
Von PriTatenx Beuthen. Friediander, Commerzienrath, 8fl. 
45 kr., Rosenberg, Betriebsinspektor , 1 fl. 45 kr. Morgenroth. Or- 
tenburger, Betriebsinspektor, 1 fl. 45 kr. Wittenberg. Freih. v. Frey- 
berg, Rittergutsbesitzer, 1 fl. 45 kr. 

Ferner giengen unsern Sammlungen nachstehende Geschenke zu: 

I. Fiir die kunst- und kulturgeschichtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6639—6663.) 
GreifBwald. Dr. Pyl, Universitats- Professor: 4 Blatt lithogr. 
Abbildungen von Alterthiimern. — Hannover. Dr. Grotefend, 
geh. Archivrath: 4 Silbermiinzen aus dem Barnstorfer Funde. — 
Herbom. Magistrat: Franzosischer Luftballon „die Stadt Paris", 
am 15. December 1870 bei Herborn niedergegangen. — Munchen. 
Se. Majestat KonigLudwig II.: Eroberte franzosische 4pfiin- 
der Kanone mit Bronzerohr, Hinterlader: PArmand Carrel (souscrip- 
tion du journal le Siecle). 8 bayer. Infanteriegewehre verschiedener 
Construction. 2 Pistolen. 9 bayerische blanke Waffen verschiedener 
Art. 1 bayr. Ulanenlanze. — NOmberg. Dr. G. Merkel: Keil 
von rothem Sandstein, bei Nttrnberg 10 Fufs tief in der Erde ge- 
funden. E. Pfennig, Hausmeister: Badischer Friedenskreuzer, 
1871. S. Pickert, Antiquar: 2 Bruchstucke von verzierten ve- 
netianischeD Glasern. — Oldenburg, von Al ten, Oberkammerherr: 
2 Facsimile von Zeichen auf Urnen aus dem Budjadinger Lande. 
12 Lack-, Wachs- u. a. Siegel. — Rattelsdorf. Herrings, Guts- 
besitzer : Haarnadel von Bronze mit grofsem , durchbrochen ver- 
ziertem Kopfende, gefunden bei Kammerzell unweit Fulda. — 
Stuttgart. Se. Majestat KonigWilhelm: Wflrttemberg. Sechs- 
pfdnder mit glattem Bronzerohr, Laffete und Protze, Wiscner, He- 
bel und Kuhleimer. Desgl. Zwolfpfiinder mit glattem Gufsstahlrohr. 
Dsgl. Achtzehnpfunder mit eisernem Rohr. Dsgl. Vierpfunder mit 
Bronzerohr, gezogen. Dsgl. Siebenpfflnder Haubize mit Bronze- 
rohr. Dsgl. Zehnpfunder Morser mit Bronzerohr. 12 wiirttemb. 
Gewehre, Carabiner und Pistolen, 6 blanke Waffen und 1 Lanze. 
Ed. Kahlbau: Pistol mit Schwammschlofs. — Wien. K. K. Cen- 
tral-Commission fur Baudenkmale: 2 Bogen mit Separat- 
drucken der Holzschnitte aus den Veroffentlichungen der Commis- 
sion. 

II. Fur die Bibliothek. 

(Nr. 28,383—28,536.) 
Aarau. H. R. Sauerlander's Verlagsbuchh. : Buhler, Davos 
in seinem Walserdialekt ; 2. Halbbnd. 1870. 8. Hunziker, das Jahr- 
zeitenbuch der Leutkirche von Aarau. 1872. 8. Brunner, Hans v. 
Hallwil, der Held von Granson u. Murten. 1872. 8. Hebel, aleman- 
nische Gedichte. 1872.8. — Berlin. Rob. Eitner: Monatshefbe f. 
Musik-Geschichte; IV. Jhg., 1—6. 1872. 8. Mitscher u. R6- 
s tell, Verlagsh. : Hildebrandt, herald. Musterbuch; Lief. 2. 1872. 



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227 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



228 



4. Universitat: 9 akademische Gelegenheitsschriften. 1871 u. 
72. 4. u. 8. Verein „Herold" : Ders., Vierteljahrsschrift f. He- 
raldik, Sphragistik u. Genealogie; Jhg. 1872, 1. Heft. 8. — Bres- 
lau. J. U. Kern' 8 Verlag (Max Miiller) : Cohn, d. Entwicklung d. 
Naturwissenschaft in den letzten 25 Jahren. 1872. 8. E. Mor- 
genstern, Verlagshnd!. : Adamy, Heimatskunde v. Breslau. 1872. 8. 
— Cassel. Verein f. Naturkunde: Bericht XVI— XVIII. 1871. 
8. — Colmar. v. Cuny, kaiserl. Appellrath : Revue d'Alsace ; 1872, 
Avril — Juin. 8. — Cur. Conradin v. Moor: Ders., Geschichte 
v. Curratien u. d. Republik „gemeinen deY Bflnde"; XII. Heft. 
1872. 8. — Darmstadt Verein f. Erdkunde etc.: Dess., Notiz- 
blatt etc.; HI. Folge, 10. Heft. 1871. 8. — Detmold. Meyer'sche 
Hofbuchh. : Helwing, Geschichte des preufs. Staats ; 2. u. 3. Theil. 
1835—46. 8. — Dorpat. Universitat: 13 akadem. Gelegenheits- 
schriften. 1871. u. 1872. 4. u. 8. — Dresden. K. sachs. Alter- 
thumsverein: Ders., Mittheilungen etc.; 22. Heft. 1872. 8. 
Direktion des GrQnen Gewdlbes: Grasse, beschreibender 
Catalog des k. Grflnen Gewolbes. 1872. 8. Schrag'sche Verlags- 
Anstalt (H. Klemm) : Kade, ein feste burgk ist vnser gott : Der neu- 
aufgefundene Luther-Codex v. J. 1530; 2—6. Heft. qu. 4. Verein 
f. Geschichte u. TopographieDresdens: Ders., Mittheilun- 
gen; 1. Heft. 1872. 8. Verein for Munz-, Wappen- u. Sie- 
gelkunde: Ders., Mittheilungen; 2. Heft. 1872. 8. — Eichstatt. 
Krull'sche Buchh. : Lefflad, Regesten der Bischofe v. Eichstatt. 

1871. 4. Progr. — Frankfurt a. M. Fr. Benj. Auffarth, Verlags- 
hndl. : Strieker, Entwickelungsgeschichte d. deutschen Nationalist. 
1850. 8. Urkundenbuch zur Geschichte der Holstein-Lauenb. An- 
gelegenheit. 1858. 8. Deutschland u. die Reformation. 1861. 8. 
Kurhessisches Urkundenbuch. 1861. 8. Strieker, Beitrage zur arztl. 
Culturgeschichte. 1865. 8. — Freiburg i. Br. Herder' sche Ver- 
lagsh. : Janssen, Schiller als Historiker. 1863. 8. Janssen, Joh. Friedr. 
Bohraer's Leben u. AnschauuDgen. 1869. 8. — FOrth. Dr. C. Hu- 
tzelmann, Lehrer a. d. k. Gewerbs- u. Handelsschule : Ders., die 
Angriffe Frankreichs auf Elsafs und Lothringen. 1872. 8. — Gera. 
C. G. Griesbach, Buchhandl. : Hirt, J. Chrn. Friedr. Leopold, 
sein Leben u. seinProcefs etc. 2. Aufl. 1869. 8. — Gott in gen. Die- 
terich'sche Buchh.: Forschungen zur deutschen Geschichte; Bnd. 
XII, 2. 1872. 8. Vandenhoeck u. Ruprecht, Verlagshndl. : 
Miildener, bibliotheca historica; Jhg. 19, 2. 1871. 8. Muldener, 
bibliotheca geographica; Jhg. 19, 2. 1871. 8. Schaumann, Ge- 
schichte des zweiten Pariser Friedens far Deutschland. 1844. 8. 
Rossler, d. Grondung der Universitat Gottingen. 1855. 8. Jung- 
hans, d. Geschichte der frank. Kdnige Childerich u. Chlodovech. 
1857. 8. Bessell, uber Pytheas von Massilien. 1858. 8. Cohn, ein 
deutscher Kaufmann des 16. Jahrh. 1862. 8. — Greifswaid. Rii- 
gisch-Pommer'sche AbtheiJung der Gesellsch. f. Pom- 
mersche Gesch. u. Alterthumskunde: Dies., Beitrage zur 
Rug.-Ponimer'schen Kunstgesch. ; Heft I. 1872. 8. Pyl, Lieder u. 
Spruche des Fursten Wizlaw v. Riigen. 1872. 8. — Giitersloh. C. 
Bertelsmann, Verlagsh. : Menzel, Geist der Geschichte. 1835. 8. 
Theologia deutsch; hgg. v. Pfeiffer. 1855. 8. v. Raumer, Kreuz- 
ziige; 2 Thle. 1840 u. 61. 8. v. Raumer, Erinnerungen aus den 
J. 1813 u. 1814. 1850. 8. v. Barsewisch, Einiges v. d. alten Stadten, 
Fursten u. dem AdeJ. 1864. 8. v. Raumer's Leben, v. ihm selbst 
erzahlt. 1866. 8. Schmid, d. Leben Joh. Jakob Mosers. 1868. 8. 
Barthel,d. deutsche Nationalliteratur der Neuzeit; 8. Aufl. 1870. 
8* — Halle. Buchhandlung des Waisenhauses: Zeitschrift 
f. deutsche Philologie; Bnd. IV, 1. 1872. 8. — Kempten. Jos. Ro- 
se Psche Buchh.: Haggenmiller, Genealogie der Hohenzollern v. 
1061—1871. 8. — Kiel. Gesellschaft f. d. Gesch. d. Herzog- 
thiimer Schlesw., Hoist, u. Lauenb. : Dies., Zeitschrift etc.; 
m. Band, 1. Heft. 1872. 8. Schwers'sche Buchh.: Volbehr, d. 
Geistlichkeit der hoist. Generalsuperintendentur v. 1848 — 1871. 

1872. 8. Ratjen, Geschichte der Universitat zu Kiel. 1870. 8. — 
Ungensalza. F. G. L. Grefsler, Schulbuchhndl. : Drose, Einfiih- 
rung in d. deutsche Literatur. 1868. 8. Jakel, Gesch. des preufs. 
Staates; 2 Bnde. 1864. 8. Haase, evangelische Liederkunde ; I. 
Theil. 6. Aufl. 1871. 8. — Leipzig. F. A. Brockhaus, Verlagsh.: 
Varnhagen v. Ense, ausgewahlte Schriften; VII. Bnd. 1872. 8. 
Brockhaus, F. A. Brockhaus in Leipzig. 1872. 8. Brockhaus, Friedr. 
Arnold Brockhaus ; 1. Th. 1872. 8. Brockhaus, d. Firma F. A. Brock- 



haus in Leipzig. 1872. 4. J. C. H i nr i ch 8 ' sche Verl.-Buchh. : Dies., 
Vierteljahrs-Catalog; Jhg. 1864. 1866, 1. 2. 4. 1867—1870. 1871, 2-4. 
1872, 1. 8. Baldamus, d. literar. Erscheinungen der letzten 15. 
Jahre auf d. Gebiete der Bau-, Maschinen- u. Eisenbahnkunde ; 
1. u. 2. Bdchn. 2. Aufl. 1866 u. 72. 8. Hinrichs, fdnfjahriger Bii- 
cher-Catalog ; 4. Bnd. 1871. 8. Rdntsch, uber Indogermanen u. 
Semitenthum. 1872. 8. Brachelli, statist. Skizze des deutschen 
Reiches; 2. Aufl. 1872. 8. Luckhardt'sche Verlagshandl. : Luck- 
hardt, allgem. Bibliographie der Militair - Wissenschaften ; I. Jhg., 
Nr. 1 — 4. 1872. 8. Faidherbe, Feldzug des franzos. Nordheeres in 
den J. 1870 — 71. 1872. 8. Heinr. Mathes, Buchandl.: Unge- 
witter, d. Tanzmusik. 1868. 8. Bruckbach, Wegweiser in die Ge- 
schichte der Padagogik. 1869. 8. Kleinert, Wolf Dietr. v. Raiten- 
au, Erzbischof von Salzburg. 1870. 8. Wolfram, Grundziige der 
neuen deutschen Dichtung. 1870. 8. E. A. Seemann, Verlagshdl: 
Jahrbiicher f. Kunstwissenschaft ; 4. Jhg. u. 5. Jhg. 1. H. 1871. 72. 
8. — Meiningen. G. Bruckner, Archivrath u. Professor: Ders., 
histor. Skizze v. Burg u. Bad Liebenstein. 1872. 8. — Mitau. Kur- 
land. Gesellschaft f. Literatur u. Eunst: Dies., Sitzungs- 
Berichte etc. aus d. J. 1871. 1872. 8. — Mfinchen. K. b. Akade- 
mie der Wissenschaften: Dies., Sitzungsberichte der philos.- 
philol. u. histor. Classe; 1871, V. VI. u. 1872, I, Heft. 8. Dies., 
Sitzungsberichte der mathematisch-physikalischen Classe ; 1871, III. 
u. 1872, I. Heft. 8. Herm. Manz'sche HofkunsthndL: Mayer, 
statistische Beschreibung des Erzbisthums Munchen - Freising ; 
1.— 4. Lief. 1871. 8. Vogel, zur Erinnerung an Dr. Cajetan v. Kai- 
ser. 1872. 8. Holland, Theod. Horschelt. 1871. 8. — Munster. 
Fr. Regensberg, Buchh.: Wilmans, westfal. Urkunden-Buch; 
Bnd. m, Abth. I, 4. H. 1871. 4. Scheffer-Boichorst, Herr Bernhard 
v. d. Lippe als Ritter, Monch u. Bischof. 1871. 8. Wormstall, uber 
d. Wanderung der Bataver nach den Niederlanden. 1872. 8. — 
Nordhau8en. Dr. Th. Perschmann, Oberlehrer: Ders., mittelal- 
terl. Kunstdenkmaler; 1. Heft. 1872. 8. — Nurnberg. Engelhardt, 
Rechtsrath : Elagen eines Jiinglings, geweint bei dem frohen Grabe 
Gellerts. 1770. 8. Geburt, Thaten u. Ende des Rheinbundes. 1814. 
8. Sigm. Sol dan' 8 Hof- Buch- u. Kunsthandl. : Nurnberg und 
seine Sehenswiirdigkeiten. 1872. 8. — Peat. G. Heckenast, Verlh. 
Rosegger und Heuberger, Volkslieder aus Steiermark mit Melo- 
dieen. 1872. 8. — Plauen. Herm. M or ell, Kaufmann: Eotzebue, 
d. Flufsgott Niemen und noch Jemand. 1813. 8. Die Gross thaten 
Napoleons. 8. 4 Aufrufe aus d. J. 1813. 2. — Prag. Fr. Tempsky, 
Verlh.: Jire^ek, zaklady zemskeho zh'zeni v korune Kralovstvi 
ceskeho za Karla IV. 1872.8.— Rostock. Stiller'sche Hofbuch- 
handlung (Hermann Schmidt): Mejer, der Freiherr v. Stein uber 
deutsche Einheit u. deutsches Kaiserthum. 1871. 8. Erabbe, Kai- 
ser Karl V. und das Augsburger Interim. 1872. 8. — Salzungen. 
Gust. Lomler, Oberlehrer: Banting, Braunschweigische Chro- 
nica; I. u. II. Th. 1586. 2. Gottl. Melzhairaer, Gemeinderaths- 
Vorsitzender: Trinckhusius, discursus ad L. II. ff. Mandati Nemo 
ex consilio obligatur etc. 1669. 4. Nothwendig und nQtzlicher Un- 
terricht, wornach sich die . . . Hebammen . . . richten und halten 
sollen. 1682. 4. Kellner, parentum jura in peculio adventitio. 
1693. 4. Sibrand, tractatio de pignorationibus. 1710. 4. Heyiigen- 
staedt, de crimine quasi perduellionis contra ministros principis. 
1732. 4. Ritterus, de jurata specificatione. 1738. 4. Fiirbringer, 
de tutore alienae iurisdictionis. 1739. 4. Reichhardtus , de renun- 
ciatione portionis statutariae tacita; 1760. 4. Furstlich Sachs, er- 
neuerte u. verbesserte Ordnung, wornach ... die Medici, Apothe- 
cker, Chirurgi u. a. ... sich zu achten. 1681. 4. Recept od. Mit- 
tel wider die jetzt grassirende Vieh-Kranckheit. 1682. 4. Medicin. 
Unterricht . . . wie man sich bey der Zeithero garssirenden rothen 
Ruhr zu verhalten. 1691. 4. Marci, Wiirkung und Gebrauch der 
bekannten Glassischen Pillen. 1702. 8. Strykius, de jurispnidentia 
Pauli apostoli. 1730. 4. Hartmann , de conservatione ferarum no- 
civa. 1709. 4. Walch, de Claudiani carmine de raptu Proserpinae 
inscripto. 1770. 4. Bohmer, de mentis Augustanae confessionis in 
rem juridicam. 1730. 4. Heim, zwei kurze Abhandlungen : von der 
Schlacht bey Fladenheim ; v. d. uhraltesten Besitzern und Herren 
des Amtes Fischberg. 1766. 8. Verordnung Bernhards Hertzogs 
zu Sachsen . . . wie es . . . mit Erbschafftstheilungen . . . za haJ- 
ten. 1684. 4. Verordnung die organische Einrichtung der Unter- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



230 



behorden betr. 1825. 4. Krafft, de uno spiritu sanoto etc 1770. 4. 
Burg-, Siege- und Danck-Predigt iiber den am 5. Dec. 1757 erfoch- 
tenen aufserordent). grofsen Sieg. 1757. 4. Schreiben eines Rechts- 
gelehrten an Prinz Carl von Lothringen. 1758. 4. Hermann, Un- 
terricht v. d. unterschiedenen Zeiten der Verjahrungen. 1738. 8. 
Jurist. Betrachtung v. d. Verjahrung derer Laster. 1733. 8. v. T rck, 
Einiges iiber Einzuggeld und Landescaution. 1796. 8. Fernere 
Fortsetzung ' der wahrhafften Nachricht v. denen Meiningischen 
Tutel-Streitigkeiten. 1763. 2. Schleusinger Statuten, Meinunger 
Statuten, Ordnungen etc. ; Pap.-Hs. 16. — 17.Jafcrh. 2. Gelegenheits- 
gedichte etc. 13 Stuck. 1746—74. 2. Ludw. Wucke, Literat: 
Beschreibung des Furstl. Sachs. Amts Frawenbreitungen. Pap.-Hs. 
1670. 2. — Speier. Hist or. V ere in d. Plalz: Ders., Mittheilun- 
gen etc.; I. II. 1870 u. 71. 8. Zeufs, d. freie Reichsstadt Speier. 
1843. 4. Zeufs, traditiones possessionesque Wizenburgenses. 1842. 
4. — Stuttgart If. statist-topograph. Bureau: Wurttember- 
gieche Jahrbucher etc. Jahrg. U370. 1872. 8. Nebst Beilagen. — 
• Trier. C. Troschel, Buchhndl. : Im Lazareth. und auf dem Ver- 
bandplatze. 1872. 8. — Wien. Wilh. Braumiiller, k. k. Hof- u. 
Universitats.-Buchhdl. : v. Alpenburg, deutsche Alpensagen. 1861. 
8. Pfeiffer, Marienlegenden. 1863. 8. Feierabend, der Alpenstich 
in d. Schweiz. 1866. 8. v. Friesen, Ludwig Tieck; 2Thle. 1871. 8. 
v. Arneth, Joseph II. u. Leopold v. Toscana; 2 Bnde. 1872. 8. v. Vive- 
not, vertrauliche Briefe des Freih. v. Thugut; 2 Bnde. 1872. 8. 



K. k. statist. Central-Commission: Dies., Mittheilungen etc.; 
Bnd. XVIII, 3. 4. XIX, 1. 2. 1871—72, 8. R. v. Waldheim, 
Verlagsh. : Kiirschner, Eger u. Bohmen. 1870. 8. 

III. Fiir das Archiv. 

(Nr. 4257 — 4262.) 

Berlin. Gustav Seyler, Redakteur des „Herold" : Lehenbrief 
Georgs zu Limpurg, Erbschenken und Domprobstes zu Bamberg, 
an Sebalt Pfintzing zu Niirnberg iiber zwei Fischwasser beiFiirth. 
1502. Pgm. Lehenbrief Hans Samsons v. Hirschberg zum Sigritz u. 
Schwarzbach a. d. Saale, an Margaretha, Wittwe des Hans Zapf zu 
Pellersdorf, uber ein Erbgut 1590. Pgm. Kaufbrief Hans Sam- 
sons von Hirschberg u. s. w. an Margaretha, Wittwe des Hans 
Zapf zu Pellersdorf, uber das Erblehen eines daselbst gelege- 
nen Gutes. 1590. Pgm. Lehenbrief der Dorothea von Hirsch- 
berg, einer geboruen von Redwitz, Wittib, zu Schwarzenbach an 
der Saale, an Christoph Zapf, iiber das Gut zu Pellersdorf. 1607. 
— Lehenbrief Gerhard Christophs von Liischwitz auf Glasbutte 
u. s. w. an Hans Zapf, ober das Gut zu Pellersdorf. 1643. Lehen- 
brief des Markgrafen Christian von Brandenburg „statt und von 
wegen" seines Enkels Christian Ernst, an Hans Zapf, iiber das Gut 
zu Pellersdorf. 1655. 



Chronik der Mstorlschen Vereine. 



Archiv des Vereins fiir siebenburgische Landes- 
kunde. Neue Folge. Neunter Band. IH. Heft. Kronstadt, Jo- 
hann Gott und Sohn Heinrich. 1871. 8. 

Deutsche Mythen aus aiebenb.-sachs. Quellen von Friedr. Willh. 
8chuster. (Forts.) 

Zehnter Band. I. Heft. Hermannstadt. 1872. 8. Der neue- 
ste archaolog. Fund bei Hammersdorf. (Mit 4 Tafeln.) Von Ludw. 
Reifsenberger. — Zwei Jahre aus dem Leben HermannstadtsJ vor 
zwei Jahrhunderten. Ein Vortrag von Dr. G. P. Teutsch. — 
Deutsche Mythen, von Schuster. (Schlufs.) 

Jahresbericht desselben Vereins fur das Jahr 1870/71. Her- 
mannstadt. 1871. 8. 

Mittheilungen der K.-K. Mahrisch-Schlesischen 
Oesellschaft zur Beforderung des Ackerbaues, der 
Natur- und Landeskunde in Brunn. 1871. 51. Jahrg. 
Brunn. 4. 

Notizen-Blatt der histor.-statist. Section der ge- 
nannten Oesellschaft (Vom 1. Janner bis 1. Dec. 1871.) Briinn, 
1871. 4. 

Zur Geschichte von Brunn. Von d'Elvert. — Geschichtlicher 
Riickblick auf Zator und das gleichnamige Herzogthum. Von Ru- 
dolf Temple in Pest. — Zur mahr.-schles. Biographic Von d'El- 
vert. (Forts.) — Sagenhafbe Darstellung der Ursachen des Mon- 
golen-Einfalles im J. 1241 und dessen Verlaufes in Schlesien, nach 
der deutschen Legende der heil. Hedwig. Von R. Trampler. — 
Zur Geschichte der Landwirthschafb in Mahren und Schlesien, von 
d'Elvert: Der Weinbau. — Das adelige Damenstift Maria-Schul in 
Brunn. — Das Entstehen der Kaffeehauser in BrOnn, von d'El- 
vert. — Verzeichnifs der Gubernial - Akten iiber die Versetzung 
der mahrischen Schafmeister in den Stand der Ehrlichkeit. — Kir- 
chenordnung im Furstenthume Jagerndorf (1616). — Urkunden- 
schatze im Niokolsburger Rathhaus- Archiv. Mitg. v. J. Liedermann. 



— Zur mahr. - schles. Adelsgeschichte , von d'Elvert. (Forts.) — 
Die offentlichen Anlagen in Brunn. — Jacob Hackh (1581 — 1634). 

— Bilder-Lotterien in BrOnn. — Die letzte mahrische Synode 1591. 

Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur 
Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. XVIL 
Jahrg. Mai — Juni. Wien. 1872. 4. 

Schreinwerk in der Pfarrkirche zu Mochling im Jaunthale in 
Karnten. Von Ritter von Gallenetein. (Mit einer Photographie.) 

— Ein altdeutscher Wandteppich von Schlofs Strafsburg in Karn- 
ten. Von Albert Hg. (Mit einer Tafel.) — Archaologische Aus- 
beute auf einem Ausfluge nach dem Chorherrnstifte St. Florian in 
Ober-Oestereich.) (Mit 11 Holzschnitten.) (Joh. Gradt.) — Alt- 
christliche Elfenbeinarbeit in Brescia. (Dobbert.) — Meister Jorg 
Jordan. (Mit 1 Holzschnitt.) (Albert Ilg.) — Zwei gothische 
Kirchthurme in Prefsburg. (Mit 2 Holzschn.) — Die Kunst des 
Mittelalters in Bohmen. II. Theil. (B. Grueber.) — Kirchliche 
Baudenkmale in Ober-Oesterreich. (Mit 5 Holzschn.) (Fronner.) 

— Todesdarstellungen vor den Todtentanzen. (Albert Ilg.) — 
Ein Lamberg'scher Grabstein im Schottenkloster zu Wien. (Mit 
1 Holzschn.) (Dr. K. Lind.) — Evangelien-Codex mit vielen kost- 
baren Miniaturen und Initialen im Prager Domschatze. (Dr. Fr. 
Bock.) — Romische und mittelalterliche Kunstschopfungen am 
Fufse des Wechsels. (Mit 1 Holzschn.) (Alb. Ilg.) — Grabmale 
zu Weinsteig in Nieder-Oesterreich. — Funde von Romersteinen. 

— Die Familien Gundlach und Gundel. Eine special - historische 
Studie von Dr. Ernst Edlen von Hartmann-Franzenshuld. (Mit 7 
Holzschn.) — Beitrage zur mittelalterlrchen Sphragistik. (Mit 1 
Holzschn.) (Dr. K. Lind.) (Forts.) — Romisches aus Ober-Dobling. 
(Fr. Kenner.) — Ulrich's von Lichtenstein, des Minnesangers Grabmal 
auf der Frauenburg (Steiermark). (Mit 1 Holzschn.) (Dr. K. Lind.) 

Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft 
in Wien. n. Band. 1872. Nr. 5. 6. 8. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



232 



Erster Bericht fiber die Auffindung eines Pfahlbaues im Mond- 
see. Von Dr. M. Much. — Kleinere Mittheilungen. Von Dr. Hein- 
rich Wank el. 1. Urgeschichtliche Ansiedelung auf dem Mifskogel 
in Mabren. — Die vorgeschichtlichen Alterthiimer der Stadt Olmutz 
und ihrer Umgebung. Von L. H. Jeitteles. (Forts.) 

Heraldisch-genealogische Zeitschrift. Organ des 
heraldisch-genealogischen Vereins „Adler" in.Wien. 
Wien, Mai — Juni. 1872. II. Jahrg., Nr. 5 u. 6. 4. 

Albrecbt Dflrer in seinem Verhaltnisse zur Heraldik. Von Al- 
fred Grenser. — Zwei Hallstatter Salzsiederfamilien. Eine histo- 
risch-genealogiscbe Studie fiber die Familien Seeau und Eisel, mit 
besonderer BerQcksichtigung ihres Grundbesitzes in Oberosterreich. 
von Moriz Maria Edlen von Weittenhiller. — Die Familien-Chro- 
nik der Eielmannsegg. (Alfred Grenser.) 

Mittheilungen des historischen Vereins furSteier- 
mark. Neunzehntes Heft. Graz, 1871. 8. 

Vereins - Angelegenheiten. — Sigmund von Herberstein. Ein 
Lebensbild, mit besonderer Rucksicht auf die Beziehungen Herber- 
stein's zur Steiermark und seine Schriften ; von Dr. F. Krones. — 
Die romischen Grabschriften des norisch - pannonischen Gebietes ; 
von Prof. Dr. F. Pichier. — Die Abstammung der Fflrsten von 
Windisch-Gratz, eine Gegenschrift zu Dr. C. TangPs Aufsatz ; von 
Johann Gebhard, Kanonikus. — Ein kaiserliches Dankschreiben an 
die Stadt Graz aus dem Jahre 1463. — Die gegenwartig bliihen- 
den Familien des steiermarkischen Hochadels, zusammengestellt 
im Fruhjahre 1871. — Ulrich's von Liechtenstein, des Minnesan- 
ger8, Grabmal auf der Frauenburg. (Letztere 3 Aufsatze von L. 
Beckh-Widmanstetter.) — Kleinere Aufsatze und Mittheilungen. 

Beitrage zur Kunde steiermarkischer Geschichts- 
quellen. Hrsg. von demselben Vereine. 8. Jahrg. Graz, 1871. 8. 



Die zeitgenossischen Quellen zur Geschichte der Grafen von 
Cilli, mit Einschlufs der sog. „Cillier Chronik" (1341—1456). Von 
Dr. F. Krones. — Archivalische Reiseskizzen von Dr. Arnold Lu- 
schin. 

Der Kirchen-Schmuck. Blatter des christlichen 
Kunstvereines derDioceseSeckau. 1872. IE. Jahrg. Nr. 5. 
6. Graz. 8. 

Bedeutung dea altheidnischen Tempels und des katholischen 
Gotteshauses. — Die Gothik, ihre Wiirde, ihr Name, ihre Ge- 
schichte. 

Archiv fur vaterlandische Geschichte und Topo- 
graphic. Herausgegeben von dem Geschichtvereine fur 
Karnten. Zwolfter Jahrgang. Klagenfurt. 1872. 8. 

Die keltischen Namen der romischen Inschriftsteine Earn- 
tens. Von Dr. Friedrich Pichier. — Regesten aus Lehen-Urkunden 
des Benedictiner-8tiftes St. Paul vom 16. —-18. Jahrh. Mitgeth. 
vom Archivar Beda Schroll. 

Sitzungsberichte der philosophisch - philologi- 
sohen und historischen Classe der k. b. Akademie der Wis- 
senschaften zu Munchen. 1871. Heft V u. VI. — 1872. Heft L 
Munchen. 1872. 8. 

Ueber die mittelhochdeutschen Gedichte von Salomon und 
Judith und Verwandtes. Von Hoftnann. — Quellenbeitrage zur 
Geschichte Konig Heinrich's IV. Von Ritter. — A. Ueber einen 
neuentdeckten Zauberspruch gegen die Fallsucht. B. Ueber die 
Clermonter Runen. 

Sitzungsberichte der mathem.-physikal. Classe. 1872. Heft I : 
Die Rauberhohle am Schelmengraben, eine prahistorische Hohlen- 
wohnung in der bayerischen Oberpfalz. 



Nachrichten. 



Literatur. 

Neu er8chienene Werke. 

16) Die Grundung der Union 1598 — 1608. Bearbeitet 
von Moriz Ritter. Auf Veranlassung und mit Unterstii- 
tzung Seiner Majestat des Konigs von Bayern Maximilian II. 
herausgegeben durch die historische Commission bei der ko- 
niglichen Akademie der Wissenschaften. Munchen, M. Rie- 
ger'sche Universitatsbuchhandlung (Gustav Himmer). 1870. 
gr. 8. XIV. 751 Stn. 
Im Jahre 1860 beschlofs die historische Commission : die gro- 
fsen Bewegungen auf deutschem Boden, von der Mitte des sech- 
zehnten Jahrh. hinweg, welche die Ereignisse des dreifsigjahrigen 
Krieges vorbereiteten und erst durch diese selber zu einem Ab- 
schlusse gelangten, durch quellenmafsige Forschungen zu klarerem 
Verstandnisse bringen zu lassen. Mit der Darstellung der Ereig- 
nisse und Verwickelungen, welche zunachst das engere Biindnifs 
der protestantischen Stande herbeifiihrten, wurde insbesondere der 
Verfasser des vorliegenden Werkes beauftragt. Herr Moriz Ritter 
sah sich durch das neue und umfangreiche Material, in dessen Be«> 
sitz er durch die Beniitzung mehrerer deutschen Archive, insbe- 
sondere des Munchener Staatsarchives, gelangt war, schon im Jahre 



1867 veranlafst, die Geschichte der deutschen Union in einem er- 
sten Bande zu veroflfentlichen. 

Dieses Werk erlautert zunachst die Gegensatze zwischen der 
protestantischen und katholischen Partei im deutschen Reiche aus 
dem Kampfe der reformatorischen Idee gegen die aus dem Mittel- 
alter heriibergebrachte Vorstellung von der solidarischen Haftung 
zwischen Staat und Kirche zur Behauptung der religiosen Einbeit, 
und leitet sodann den Faden der gegenseitigen Bestrebungen, An- 
klagen und Aufreizungen bis zu den durch den Erzbisohof Geb- 
hard von Koln im Jahre 1583 veranlafsten Unruhen. Die Nieder- 
lage, welche bei dieser Gelegenheit die Protestanten erfuhren, und 
die geringe Zuversicht, welche sie in den Schutz von Seiten dee 
Kaisers und des Reiches eetzten, weckten in ihnen zuerst den Ge- 
danken einer engeren Vereinigung, dessen Ausfuhrung besonders 
von dem Kurfursten Johann Kasimir von der Pfalz auf das eifrig- 
ste betrieben wurde. Eine solche schien um so mehr geboten, da 
das im Jahre 1585 von dem spanischen Konig Philipp II. mit fran- 
zosischen Grofsen abgeschlossene Biindnifs mittelbar auch den deut- 
schen Protestantismus zu bedrohen schien, und zugleich der nie- 
derlandische Krieg mit seiner heftigen Parteistellung ganz unmit- 
telbar auf die nachsten Grenzlander einwirkte. 

Dazu gesellte sich endlich noch dfe schon brennende Jalich- 



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Anzeiger for Kunde der deutschen Yorzeit. 



234 



•che Erbfrage, die mit alien daran geknflpften Moglichkeiten klar 
and ausfohrlich auseinander gesetzj, ist. 

Die Nothwendigkeit , sich zusammenzuthun , stellte sich von 
neuem drangend vor Augen, als auf Befehl des Erzherzogs Albert 
von Oesterreich*, des niedcrlandischen Statthalters , der spaniscbe 
Admiral Mendoza, obne sich um die Neutralitat des deutscben 
Reicbes zu kummern, im Jabre 1598 mit einem ansehnlichen Heere 
in die Gebiete von Julich, Mors, Wesel und Cleve einbrach, seine 
Soldner das Land in der wildesten Weise brandschatzen, ausplun- 
dern und mifsbandeln liefs und dabei gegen die protestantiscben 
Orte mit besondcrer Harte verfubr. Gleicbwohl blieb die dagegen 
in Bewegung gesetzte Reichsexekution wegen inneren Zwiespaltes 
verfeblt und wirkungslos. Auch die Streitfrage fiber das Strafs- 
burger Bisthum fand durcb die Zusamraenkunfte von Heidelberg 
und Frankfurt keine Erledigung und diente nur dazu, die Stadt 
Strafsburg nach franzosischer Htilfe begehrhch zu macben. Nach 
der letzteren drangten die steigenden Verwickelungen aucb die 
protestantischen Fursten hin, und obgleich von sebr verschiede- 
nen Gesicbtspunkten ausgehend, da diese stets die kirchlicbe Frage 
im Auge bebielten, wahrend Heinrich IV. ausscbliefslich politische 
Zwecke verfolgte, trafen docb beide in der Bekampfung der Habs- 
burgischen Uebermacht zusammen. Die Erzahlung wird vorlaufig 
bis zu dem Abscbiede des Heidelberger Tages im Jabre 1603 ge- 
fuhrt, durch welchen die Strafsburger Angelegenheit, in Folge des 
zweideutigen Benebmens des Kurfursten von Brandenburg, zum po- 
ktischen Vortbeile Frankreicbs, aber zum Nacbtheile der protestan- 
tischen Sacbe ausgeglicben wurde. 

An diese aufsere „Geschicbte der deutschen Union" scbliefst 
rich nun das vorliegende Werk: „Die Griindung der Union" ge- 
wissermafsen als die innere und urkundliche Entwicklung dersel- 
ben auf das genaueste an. Nachdem der Verfasser in einer be- 
sonderen Einleitung die von Johann Kasimir von der Pfalz begon- 
nenen und spaterhin besonders von dem Landgrafen Moriz von 
Hesaen mit Eifer fortgefiibrten Yerbandlungen dargestellt bat, 
lafst er die „Akten zur Gescbicbte der Griindung der Union 1598 
—1608" in einer langen Reibe von Regesten nachfolgen. Als 
Grand fur diese Art der Behandlung wird in dem Yorworte an- 
gedeutet, dafs man, bei der erdriickenden Masse von Briefen und 
Akten, das iibermafsige Anschwellen des Werkes und die ermu- 
dende Ausfflhrlichkeit vermeiden wollte. Es ist nun freilich schwer, 
hiebei den richtigen Mittelweg zu finden und dem bistorischen 
Interesse allseitig zu genugen, da oft ein unscbeinbares Regest in 
dem einen Forscber den Wunscb nach der vollstandigen Urkunde 
rege macht, wabrend ein anderer von seinem Standpunkte aus 
ohne Anstand daruber hinweggebt. Wir batten daher gerne ge- 
sehen, wenn wenigstens fur einzelne Falle von anerkannter Bedeu- 
tnng, wie namentlich fur die so wicbtigen Yerhandlungen auf dem 
Heidelberger Tage von 1603 eine Ausnahme gemacht worden ware. 
Das Yerfabren im allgemeinen hatte dabei immerhin seine Geltung 
behalten konnen, da jedenfalls ein deutlicbes und vollstandiges 
Regest vollkommen ausreicht, dem Forscher den Weg anzudeuten, 
auf welcbem er zu den Originalakten gelangen kann. 

Die beiden, sich gegenseitig erganzenden Werke liefern uns 
cm reicbes und trefflich geordnetes Material, das einem der wicb- 
tigsten Zeitraume deutscher Gescbicbte zahlreiche neue und uber- 
rwchende Gesichtspunkte abzugewinnen verspricht. Ibr Inhalt 



hat zugleich durcb die grofsen Ereignisse der letzten Jahre ein 
erhohete8 Interesse erbalten. A. F. 

17) Strafsburg im sechzehnten Jabrhundert. 1500 
— 1598. Reformationsgescbichte der Stadt Strafsburg, dem 
evangelischen Volke erzabl t von Julius Rathgeber, Pfar- 
rer in den Vogesen. Bevorwortet von K. R. Hagenbach. 
Stuttgart, 1871. 8. Druck und Verlag von J. F. Steinkopf. 
VDI u. 412 Stn. 

Ein einfach angelegtes, anspruchsloses und zugleich hochst in- 
haltvolles und lehrreiches Bucb. Dieses Urtheil bestatigt aucb 
Professor Hagenbach in Basel, der seine Yorrede, wie er selbst au9- 
drucklicb sagt, in der doppelten Absicht gescbrieben hat, w sowohl 
einer dankbaren Freude, als einem aufrichtigen Bedauern Ausdruck 
zu geben; einer dankbaren Freude fiir den Genufs, den mir das 
Durcblesen der mir anvertrauten Handschrifb gewahrt, und den 
Gewinn, den sie mir in Absicht auf meine eigene Studien ge- 
bracht, einem lebhafben Bedauern, dafs ich bei meiner neulichen 
Ueberarbeitung des Reformationszeitalters im dritten und vierten 
Bande meiner „Vorlesungen" das reiche Material nicht mehr habe 
benutzen konnen, das bier zu weiterer Yerwendung yorliegt." 

Der Verfasser wirft zunachst einen Blick auf die Zustande 
des alten Elsasses, wo neben zehn mittelbaren Stadten Miiblbau- 
sen und Strafsburg sich besonders bemerklich machen. Jenes trat 
friihe mit der Schweiz in engere Beziehungen und ward endlich 
ein zugewandter Ort der Eidgenossenschafb; dieses aber errang 
als unmittelbare Stadt des Reiches eine freie Verfassung, welcbe 
vom Jahre 1482 hinweg, und merkwiirdiger Weise gerade unter 
franzosischer Herrschafb, ununterbrochen bis zum Jahre 1790 fort- 
gedauert hat, von wo an sie unter der durch die Revolution ge- 
schaffenen Ordnung der Dinge verschwand. 

Der Einfuhrung der Reformation giengen in Strafsburg zahl- 
reiche religiose Bewegungen voraus, die allmahlich unter der Ein- 
wobnerechaft Wurzel gefafst hatten. Schon friihe bildete sich da- 
selbst eine Gemeinde von Waldensern ; im Jahre 1212 wurden auf 
das Betreiben der Dominikaner achtzig Mitglieder derselben, welche 
ihrem vermeintlichen Irrthum nicht entsagen wollten, vor dem Thore 
des Weifsenthurms ofifentlich verbrannt Im Laufe des 14. Jabrhun- 
derts hatte die Gemeinschaft der Gottesfreunde, welche sich in 
den rheinischen Gegenden gebildet hatte, ihre Stellvertreter auch 
in Strafsburg, unter denen besonders der Dominikaner Johannes 
Tauler machtig hervorragte. Um das Jahr 1400 spurte man die 
Sekte der sogenannten Winkeler auf, deren Grundsatze sich den- 
jenigen der Waldenser anschlossen. Ihre Mitglieder wurden von 
dem Rathe bestraft, docb keineswegs verbrannt, wie die Prediger- 
monche gewunscht hatten. Nachmals bildete sich eine Hussiten- 
gemeinde, und dauerte, obschon ibr Fiihrer, Friedrich Reiser aus 
Schwaben, verbrannt wurde, im Stillen dennooh fort Endlich tra- 
ten am Scblusse des fdnfzehnten und zu Anfang des sechzehnten 
Jahrhunderts drei benihmte Manner auf, Johannes Geiler von 
Kaysersberg, Jakob Wimpfeling aus Schlettstadt und der Strafsbur- 
ger Sebastian Brant, die durch ihre vielseitige Thatigkeit die Durcb- 
fuhrung der kircblichen Reformation vorbereiten halfen. 

Diese letztere begann mit dem Auftreten des Matthaus Zell 
aus Kaysersberg, der von dem Volke gewohnlich nur Meister 
Mathis genannt wurde. Er war im Jabre 1518 zum Leutpriester 
der St. Lorenzkapelle am Munster ernannt worden und erofihete 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



236 



im Jahre 1521 seine Vortrage iiber das Evangelium. Obschon 
von dem Bischofe mit dem Banne belegt, erhielt er doch bald 
kraftige Untersttttzung durch Wolfgang Kapito aus Hagenau, Mar- 
tin Butzer aus Schlettstadt und Kaspar Hedio aus Ettlingen. Das 
Buch schildert nun die weiteren Fortschritte der neuen Ideen im 
Umkreise der Stadt, die weise Mafsigung, mit welcher der Rath 
verfuhr, die schweren Verwickelungen, welche der Bauernkrieg und 
die Bewegung der Wiedertaufer zur Folge hatten, die Wirkungen 
des Sakrament8treite8 und die ersten Beriihrungen mit den Vor- 
kampfern der Reformation in Frankreich bis zu dem Schoffen- 
schlufs von 1529, durch welchen die Messe aberkannt wurde. 

Unter den nachfolgenden Ereignissen treten zunachst die 
Kampfe mit den Wiedertaufern hervor, welche zu derselben Zeit, 
als man in Miinster die Grundung des neuen Reiches von Zion 
vorbereitete, in Strafsburg zahlreiche Anhanger gefunden hatten. 
Die Synode von 1533 erschiitterte zwar den Einflufs derselben; 
doch bedurfbe es noch mehrerer Jahre, bis das Unwesen vollig be- 
seitigt war. Aus der grorsen goistigen Regsamkeit, welche durch 
den Zusammenfluia ausgezeichneter Manner, unter denen auch Jo- 
hann Calvin, der nachmalige Reformator von Oenf, zu nennen ist, 
in Strafsburg fortwahrend unterhalten wurde, gieng auch die Grun- 
dung des Gymnasiums hervor. Mit Umsicht und Ausdauer hatten 
der verdienstvolle Stattmeister Jakob Sturm von Sturmeck und 
Martin Butzer den Gedanken zur Reife gebracht und zugleich die 
aufseren Hulfsmittel far ihre neue Schopfung aufzufinden gewufst. 
Die Anstalt wurde nach dem Plan ihres ersten Rektors, des be- 
rtthmten Johannes Sturm von Schleiden, eines Landmannes des 
Geschichtschreibers Sleidanus, am 22. Marz 1538 eroffnet. Diese 
und andere Ereignisse, welche mit der Einfiihrung der Reforma- 
tion in Verbindung stehen, werden in dem Buche von dem 
Verfasser in klarem Zusammenhange und lebendiger Anschaulich- 
lichkeit erzahlt. Er leitet uns auf diese Weise durch die schwe- 
ren Verwicklungea des schmalkaldischen Erieges in die Zeiten 
des Interims hinflber, die der Kirche von Strafsburg die schwer- 
sten Verluste auferlegten. Obschon jenes durch den Vertrag von 
Passau wieder beseitigt worden war, so dauerten doch die religid- 
sen Kampfe auf der einen Seite mit der katholischen Kirche, auf 
der andern zwischen den evangelischen Parteien ununterbrochen 
fort. Die letztern endigten mit dem Siege des reinen Lutherthumes 
unter Doktor Pappus, und damit schliefet auch das Buch. 

In der ganzen Darstellung treten uns die gelehrten und griind- 
lichen Vorstudien des Verfassers entgegen ; gleichwohl bewegt sich 
sein Stil fortwahrend in ungezwungener Natorlichkeit und edler 
Popularitat. Zugleich behandelt er die gegnerischen Ansichten 
in ruhiger und wurdiger Weise. Das Buch erfullt in hohem Grade 
die jeder Monographie gesetzte Aufgabe : den Zusammenhang ih- 
res Gegenstandes mit dem Ganzen der Geschichte hervorzuheben 
und die allgemeinen Bewegungen der Zeit in den einzelnen Oert- 
liohkeiten und Personlichkeiten sich abspiegeln zu lasaen. A. F. 



Aufsatzt in Zeitschrtften. 

Das Ausland: Nr. 25 f. Der Urlaut. Sprachwissenschaftliche 
Studie von Adolf Zeising. — Nr. 27. Die Polargegenden Euro- 
pa's nach den Vorstellungen des deutschen Mittelalters. — Nr. 



29, S. 677. Der Regenzauber. Ein Beitrag zur Culturgeschichte. 
(Dr. R. Hastfencamp.) — S. 685. Die Pflanzen in der Sagenweit 

— S. 693. Beitrag zur Geschichte des Touristenthums im 16. 
Jahrhundert. 

Deutsche Blatter: Juni. Der poetische Sagenschatz von Elsafs- 
Lothringen. 1. (W. Maurer.) 

Daheim: Nr. 37. Aus alten Stadten. HI. Die konigliche Stadt 
Danzig. (Rob. Konig.) — An der Wiege der Buchdruckerkunst. 

Die Gartenlaube: Nr. 27, S. 446. Das Reliquieukastlein des 
deutschen Reichs (Niirnberg — Niederlegung der Mauern). 

Die Grenzboten: Nr. 24, S. 411. Karl V. (Wilhelm Maurenbre- 
cher.) II. — Nr. 27. 28. Aus Weimar's Culturgeschichte, 1800- 
1832. (C. A. H. Burkhardt.) -, Nr. 29, S. 81. Das deutsche 
Publicum und die altnordische Literatur. (H. Riickert.) — S.97. 
Reisen zu Ad fang des vorigen Jahrh. (Max v. Eelking.) I. „An- 
notationes auf der hollandischen Reise." — S. 115. Der echte 
Verfasser der Abenteuer des Freiherrn von Munchhausen. 

Der Hausfreund: 12. Heft, Nr. 36, S. 568. Trunk, Trank und 
Trinkgefafse der Deutschen in alten Zeiten. — 13. Heft, Nr. 37, 
S. 586. Die Klosterruinen von Eldena. (Frhr. v. Reinsberg- 
Duringsfeld.) 

Im neuen Reich: Nr. 23. Der deutsche Reim. (B. Delbruck.) 

Jahrbucher fur Kunstwissenschaft : V, 1, S. 54. Untersu- 
chung der Frage, wann Hans Holbein der Aeltere Augsburg 
verlassen hat. — Einiges fiber Sigmund Holbein und den Ur- 
heber des Sebastianaltares. (W. Schmidt.) 

Der Katholik: Mai. Die Gebeine des Einhard, der Imma und 
Gisia in der Kirche zu Seligenstadt. 

Rhein. Kurier: Nr. 168. Schwalbach vor 50 Jahren. 

Allgem. Militar-Zeitung: 47. Jahrg., Nr. 17 u. 18. Vortrage 
iiber die Kriegsgeschichte von Elsafs-Lothringen. 3. Die Schlacht 
bei Nancy 1477. 

Illustrierte Monatshefte: Nr. 94 (190), S. 367. Klopstock 
und der preufsische Staat. Nach handschriftlichen Quell en von 
H. Prohle. I. — S. 375. Gustav Adolf als Brautwerber. Von 
Wilh. Petsch. — S. 440. Ungedruckte Briefe des HerzogB Karl 
August von Weimar an den Grafen von Gortz. I. 

Organ fur christL Kunst: Nr. 10. Die beriihmtesten Heiligen 
in der bildenden Kunst. Von B. Eckl. — Die biblischcn Decken- 
gemalde in der Kirche von Zillis im Canton Graubunden. — 
Nr. 11 flF. Der gothische Baustil. Von Dr. J. Dippel. 

Schles. Provinzialblatter (Rflbezahl): IV, S. 175. Hausmar- 
ken und Hauszeichen. — S. 177. Die Kirche in Wustebriese, 
Von Dr. Schimmelpfennig. — V, S. 246. Berun und Iser in 
Oberschlesien. Eine etymologische Skizze von Dr. Beyersdorf. 

Deutscher Reichsanzeiger : Nr. 24. Die Apotheker der al- 
ter en Zeit, mit besonderer Rucksicht auf die alteste kurbran- 
denburgische Apothekertaxe von 1574. 1. — Die Honengraber 
der Altmark. 

Wochenblatt der Joh.-Ord.-Balley Brandenburg: Nr. 
25. Die Seeschlacht in der Malche (1567). — Nr. 26. Die politi- 
sche und geistige Bedeutung d^s alten Strafsburg. — Walden- 
ser auf dem Taunusgebirge. — Nr. 29. Das St. Johanniafest in 
der Volkssitte. * 

Oesterreich. Wochenschrift fur Wissensch. u. Kunst: 
N. F. 1. Bd., 13. Heft. Neuentdeckte Grabschrifb N"eidbard's. 

— 15. Hft. Berthold Schwarz und Roger Baco. — 18. Hft. Kaiser 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Maximilian and die Geschichtswissenschaft. (A. Horowitz.) — 

22. u. 23 HfL Weisthtimerforschungen in Oesterreich. — Le- 

bendige Quellen der Alterthumswissenscbaft. (Conze.) — Zur 

Geschichte des Egeriandes. 
Zeitschrift f. bildende Kunst : 10. Heft, S. 293. Philipp von 

Stosch und seine Zeit. (Carl Justi.) — S. 316. Alt-Nurnbergs 

Untergang. 
Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 185. Zur Geschichtsforschung am 

Rhein. 1. 
Illustr. Zeitnng: Nr. 1511. Die Joncker von Prag, Baumeister 

des Strafsburger Munsterthurms. 



Yermischte Nachrichten. 

64) Im vorigen Jahre wnrde dnrch den Sekretar des histori- 
schen Yereines fur Steiermark ein bedeutsamer Fund gemacht : 
dai Grabmal des Minnesangers Ulrich von Liechten- 
stein auf dessen Burg, der Frauenburg in Steiermark. Der 
genaimte Sekretar, Herr L. Beckh-Widmannstetter, verdfFentlichte 
das interessante Denkmal sofort in einer kleinen Broschure mit 
Abbildungen. So einfach and schmacklos der Stein ist, bietet er 
doch nach mehreren Seiten hin grofses Interesse. Es ist ein rdmi- 
scher Inschriftstein benfltzt und in denselben der Wappenschild, dar- 
uber ein Kreuz und zu oberst die Uncialinschrift eingehauen : „hie 
leit vlrch dises houses rehtter erbe." Schon der Umstand, dafs 
ein Romerstein ohne Tilgung der alten Inschrift ubermeifselt 
wnrde, verleiht dem Denkmal grofses Interesse; grofseres liegt 
darin, dafs uns in demselben wol der alteste Stein mit deutscher 
Inschrift vorliegt, (Ulrich starb 1275 oder 1276); vor allem aber 
ist es der Trager des Namens selbst, der dem Stein in den Augen 
aller Freunde unsrer alten Dichtkunst ein hohes Interesse erwecken 
mnfs. Zwar wnrde die Annahme bestritten, dafs jener Ulrich der 
Sanger des Frauendienstes, derjenige sei, dem der Stein gewidmet. 
J. Falke in Wien glaubte, die Schlichtheit des Steines entspreche 
der Bedeutung des Mannes nicht ; derselbe sei nicht in Frauen- 
burg, sondern in Seckau begraben, wo das Todtenbuch des Stif- 
tes seiner erwahne, und er habe sich nicht des Hauses „Erbe* 
nennen konnen, da er dessen „Besitzer" gewesen. Letzterer An- 
sicht wird freilich kein Philologe zustimmen konnen, da im Gegen- 
theil das Wort Erbe im Sprachgebrauch jener Zeit gerade das 
Verbaltnifs Ulrichs bezeichnend wiedergibt. Auch der erste Ge- 
gengrund ist unhaltbar, weil bekanntlich Grabmaler nichtkirch- 
licher Edler in jener Zeit allgemein, in Oesterreich insbesondere 
noch im 14. Jahrh., hochst einfach waren, und Deutschland mach- 
tigere Manner aufzuweisen hat, deren Grabsteine noch einfacher 
sind. Die Erwahnung Ul rich's im Seckauer Todtenbuche verliert 
ihren Werth durch den Umstand, dafs seiner auch in dem von 
St, Lambrecht gedacht ist. An beiden Orten kann er nicht be- 
graben sein; es ist aber auch von einem Begrabnisse des Ulrich 
in beiden nicht die Rede. Da nun Beckh-Widmannstetter noch 
genau nachgewiesen hat, dafs von dem im 13. Jhdt. lebenden Liech- 
tenstein'schen Ulrichen nur der Minnesanger Besitzer der Burg 
war, so durfte wohl jeder Zweifel gelost sein. Es ist daher sehr 
dankenswerth und ein Zeichen ebenso des Interesses an dem gro- 
fsen Landsmann als an den nationalen Aufgaben des german. Mu- 
seums, dafs der steiermarkische Landesausschufs ein en trefflichen 



Gypabgnf8 dieses Steines fur das germanische Museum hat ferti- 
gen lassen, wo er des grofisen Minnesangers Gedachtnifs jedem 
Besucher erneuern mag. 

65) In der Sakristei der Kirche zu Marie-aux-Chenes bei Metz 
hat man eine alte gothische Altarwand aus dem 15. Jahrh. 
aufgefunden, welche die 12 Apostel mit ihren Attributen darstellt 
Das kleine Monument kommt in das Archaologische Museum zu 
Metz. (HI. Ztg., Nr. 1514.) 

66) Die Restauration des Dome zu Naumburg ist auf 
Antrag des vorigen Herbst in dieBer Stadt versammelt gewesenen 
Deutschen Geschichte- und Alterthumsvereins vom Kaiser geneh- 
migt worden. (Dies., Nr. 1515.) 

67) Die Grundsteinlegung fur den zu Ehren Wiihelm's von 
Oranien auf der Schlofsruine zu Dill en burg zu errichtenden 
Thurm hat am 29. Juni stattgefunden, als an dem Tage, an wel- 
chem vor 300 Jahren der hervorragende Staatsmann Beine Resi- 
denz Dillenburg fur immer verliefs, um den Niederlanden die an 
Spanien verlorne Freiheit wieder zu gewinnen. 

(Dies., Nr. 1514.) 

68) Das Monument des seinerzeit weltbertlhmten Arztes und 
Professors Herman Boerhave (f 1738) ist am 26. Juni zu Ley- 
den enthullt worden. Dasselbe besteht aus einer uberlebensgro- 
fsen bronzenen Statue, einem Werk des Bildhauers Strackee in 
Amsterdam. Die Bildsaule, welche Boerhave in eine Toga gehullt 
und mit einem Buche in der Hand darstellt, soil vom kunstleri- 
schen Standpunkte aus Manches zu wunschen ubrig lassen. 

(Dies., Nr. 1515.) 

69) Die beruhmtemilitarwissenschaftlicheBibliothek 
von Metz, 40000 Bande stark, ist in den Besitz des Grofsen Ge- 
neralstabs in Berlin ubergegangen. Dieselbe ist ein Unicum ihrer 
Art; sie enthalt Werke, welche zu den allergrofsten Seltenheiten 
gehoren, aufserdem sehr werthvolle Handschriften und Zeichnun- 
gen. (Das.) 

70) „Den danske Rimkronike", das alteste gedruckte 
Buch in danischer Sprache, wird in einer p h otolith o graph i- 
schen Ausgabe durch die Photographen Butz-Miiller und Go. 
und die lithographisch-photographische Anstalt von Ferlen u. Co. 
in Kopenbagen herausgegeben. Das Original, 1495 gedruckt, exi- 
stiert jetzt nur in zwei Exemplaren. (Das.) 

71) Ein bemerkenswerther, auf die Bibliotheca Palatina, 
die bekanntlich zur Zeit des dreifsigjahrigen Krieges von Heidel- 
berg nach Rom entfuhrt wurde, sich beziehender Fund ist jungst 
gemacht worden. Mit der Verpackung und dem Transport der- 
selben war vom Papste als Bevollmachtigter Leo Alani beaoftragt, 
welcher ttber seine Hin- und Herreise eine bisher unbekannte, sehr 
genaue Beschreibung handschriftlich hinterlassen hat. Diese Hand- 
schrift wurde kurzlich in einem Dorfe bei Udine aufgefunden und 
sofort dem Oberbibliothekar der Heidelberger Universitatsbiblio- 
thek, Geh. Hofrath Dr. Bahr, iibersandt, welcher sie in den „Hei- 
delberger Jahrbucbern* veroffentlichen wird. Der Inhalt der 
Hand8chrift ist in vielfacher Beziehung von Interesse. 

(Korr. v. u. f. D., Nr. 834.) 

72) Eine Geschichte des Zeitungswesens aus der Fe- 
der Frederik Hudson's, welcher seit einer Reihe von Jahren als 
geschaftsfflhrender Herausgeber des ,,Herald" fungiert, wird in der 
nachsten Zeit bei Harpers Brothers in Newyork erscheinen. 

(HI. Ztg., Nr. 1515.) 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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73) Bekanntlich waren alle Aufsenwande der von Kurfurst 
Max I. im 17. Jahrh. erbauten Residenz zu Miinchen archi- 
tektonisch b em a It. Nun hat man begonnen, im Kaiserhofe 
die alten Malereien wieder herzustellen und die Bauten, welche 
in Folge der Errichtung des grofsen Wintergartens dort noth- 
wendig wurden, damit in Einklang zu setzen. Die Wirkung ist 
eine bedeutende, und ware nur zu wunschen, dafs die Arbeiten 
recbt bald auf die in edelsten Formen gehaltene westliche Facade 
ausgedehnt warden. (Ueber Land und Meer, Nr. 30.) 

74) Die obnehin zu Niirnberg schon sparlich gewordenen 
Privatsammlungen von Antiquitaten und Kunstgegenstanden wer- 
den demnachst wieder um eine der hervorragenderen vermindert 
werden. Der pens. k. Hauptmann v. Train, welcber nacb Miin- 
chen uberzusied,eln gedenkt, hat das Antiquariatsgescbaft Fr. Heer- 
degen zu Niirnberg mit der Versteigerung seiner seit 26 Jah- 
ren mit Gliick und ausdauerndem Fleifse gesammelten Antiqui- 
taten beauftragt. Diese Versteigerung soil im September d. Js. 
stattfinden. (Korr. v. u. f. D., Nr. 320.) 

75) In dem Becken des Untersees zwiscben dem „weifsen 
Horn" und dem sog. „Staad" in der Nahe von Ermattingen wurde 
bei dem niederen Wasserstand der Ort einer ehemaligen Pfahl- 
baute entdeckt. Ausgerissene Pfahle aus Tannen- und Fohren- 
holz waren dreieckig zugespitzt. Steinbeile, Pfeil- und Lanzen- 
Bpitzen aus Feuerstein fanden sich vor. Das eingetretene Steigen 
des Wassers hemmte weitere Nachforscbungen. 

(Ausland, Nr. 28.) 

76) Eine Deputation des Tborner Copernicus -Vereins hat am 
25. Juni in dem alten ehemaligen Domanensee Ko wale wo bei 
Schonsee nach Pfahlbauten graben lassen. Als Resultat zeigte 
sich, dafs Pfahle von 16 Fufs Lange im Grunde stecken. Unter 
anderen versteinerten Sachen wurde das Gebifs eines grofsen 
Hechtkopfes an's Licht gezogen, welches mit den ubrigen Funden 
dem Copernicus-Museum einverleibt werden soil. 

(111. Ztg., Nr. 1514.) 

77) In den Pfahlbauten im Baldeggersee in der Schweiz 
sind wieder interessante Funde gemacht worden, so ein machtiges, 
gut erhaltenes Hirschgeweih , sehr fein gearbeitete Hammer, Mei- 
fsel und andere Werkzeuge aus Stein und Horn, Eberzahne, Kno- 
chen von Auerochsen etc. Alle diese Gegenstande stammen aus 
den altesten Perioden des Pfahlbaues; sie wurden dem antiquari- 
achen Museum in Luzern iibergeben. (Dies., Nr. 1515.) 

78) Eine alte Grabstatte ist am 29. Mai in der Nahe von 
Waddewarden bei Jever entdeckt worden. Etwa 40 Centime- 
ter unter der Oberflache fanden sich bedeutende Reste menschli- 
cher Skelette und 2 Urnen, angefullt mit Enochenrestcn, Schmuck- 
gegenstanden aus Enochen und Metall und steinernen Pfeilspitzen. 
Zwei Schadel wurden unbeachadigt an's Tageslicht gebracht, sie 
zeigten eine merkwurdige, von der heutigen Bevolkerung abwei- 
chende Bildung des Hinterkopfes, was auf ein sehr hohes Alter 
des Begrabnifsplatzea deutet Auch Reste eines Pferdeskelets fan- 
den sich vor. Neben und unter diesen Gerippen lagan massenhaft 



Scherben von Gefafsen, theils uralte von wenig ausgobildeter 
Kunst, theils jflngere aus schonem rothen Thon; dazu kommt 
noch eine Menge von arg verrosteten Eisenstiicken. Endlich ist 
von besonderer Wichtigkeit das Vorhandensein von Glasschlacken, 
doch ist deren Entstehung noch dunkel. (Dies., Nr. 1513.) 

79) Im Juni wurden bei Gauting auf dem Trakte einer al- 
ten Romerstrafse bei Vornahme eines Baues verschiedene romi- 
sche Alterthiimer, bestehend in einer Halskette aus Thon und 
Emailperlen, zwei grofsen Ohrringen, Armspangen u. s. w., und 
aufserdem ein gut erhaltener Menschenschadel gefunden. 

(Korr. v. u. f. D., Nr. 305.) 

80) Bei den Erdarbeiten auf dem Kurhausplatz zu Baden im 
Aargau wurden abermals interessante Entdeckungen gemacht. So 
grub man jiingst eine romische Topfbrennerei aus. Der 
Topferofen hat eine Lange von 6 — 7 Fufs und ist eben so breit 
und hocb. Er ist aus Ziegelstucken aufgemauert, mit einem gro- 
fsern Gewolbe von etwa 3 Fufs Hohe und 2 Fufs Breite, von 
welchem rechtwinklig horizontal nach jeder der beiden Seiten hin 
je drei Ziige auslaufen von 3 — 4 Zoll Weite und 2 Zoll Hohe. 
Die Zuge sowie die innere Wand des Gewolbes sind meist noch 
mit Lehm ausgestrichen. Ziemlich haufig sind auch grofsere, zwei 
Mafs haltende Becken, in der Form unserer Milchbecken, zu fin- 
den. Nach den Ueberresten zu urtheilen, wurden Geschirre ge- 
macht aus gewohnlichem Lehm und aus feinerem Thon. 

(111. Ztg., Nr. 1511.) 

81) In Ron stan z ist man bei den Erdarbeiten, welche fur 
die neue Wasserleitung in einer erheblichen Tiefe vorgenommen 
werden, nicht nur auf grofse Ueberreste alter Mauer- und Festungs- 
werke, sondern in der Nahe des Ministers auch auf romische 
Alterthiimer gestofsen, besonders auf einen Estrich, der un- 
zweifelhaft romischen Ursprungs ist. Ein Theil desselben wurde 
herau8genommen und der stadtischen Alterthumssammlung im 
Rosgarten einverleibt. Es ist dies bis jetzt der einzig sichere An- 
haltspunkt dafur, dafs sich ehemals ein romisches Castell daselbst 
befand. (Dies., Nr. 1515.) 

82) Die zum Zwecke der Bahnbauten im Gange befindlichen 
Ausgrabungen des romischen Todtenfeldes in der Nahe 
der Stadt Regensburg gewinnen immer grofsere Bedeutung. 
Zu den interessantesten Funden der letzten Zeit gehort eine fast 
einen Fufs im Durchmesser grofse Urne von Glas, in der sich ein 
Reifchen von Golddraht befindet, an welches eine Perle ange- 
schnurt ist. Ein vollkommenes archaologisches Rathsel bieten 
aber zwei Statten, an denen sich die Enochenreste von Pferden 
oder ahnlichen Thieren befanden, liegend auf einer Schicht von 
Eierschalen und umgeben von einigen hundert Munzen, welche 
fast bis zur Unkenntlichkeit oxydiert sind. Als besonders merk- 
wiirdig ist noch zu erwahnen eine an der fraglichen Stelle ausge- 
grabene Urne, welche nebst Erde zwei fast noch unversehrte Eier 
enthalt. Alle zum Vorschein gebrachten Gegenstande sollen nach 
genauer Verzeichnung dem historischen Verein in Depot gegeben 
werden. (Korr. v. u. f. D., Nr. 355; a. d. Allg. Ztg.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. E. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Mufleums in Nurnberg. 



Oedrnokt bei U. E. Sebald in Nflrnberg. 



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Vornbare;. Dm Abonnement dee Blat- 
tes, welehee alle Monate ereobeint, wtrd 
ganajahrig angenommen and betragt naoh 
dttraeaeeten PoetconTention bei alien Poet- 
anftern and Bachhandlangan DeutadUamds 
tncL Oeeterreicbs Sfl. 86kr. im 24 fl.-Pufi 
odtr % Thlr. preaft. 

Par /^VanAreicA abonniert man in 
Parto bei der denttohen Buohhandlang Ton 
F. Klinokaieek, Nr. 11 roe da Lille; for 



\\znu:i{ 



England bei Williami A Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street OoTent - Garden in London \ 
for Nord-Amerika bei dan Poitamtern Bra- 
men and Hamburg. 

Alle for das german. Moaeom be- 
etimmten Sendungen auf dem Wege daa 
Buohhandeli warden dutch den Commie- 
eion&r der Uterar.-aitiit Anstalt dei Mu- 
seums, P. A. Brookhaae in Leipsig. be- 
fOrdart. 



FIR MDE DER 





I 



f^^s Neue Folge. 




Neunzehnter Jahrgang. 



1872. 



ORGAN DES GERMNISCHEN MUSEUMS. 

JM8. 



August 



Wissenscbailliche Mlttheilangen. 



Aelteste Druckerzeugnisse im germanischen Museum. 

I. 

* J ' (Mit einer Tafel.) 

Die Auction der Weigel'schen Sammlung filtester Erzeug- 
nisse der Drnckkunst hat Veranlassung gegeben, diese Abthei- 
lang des germanischen Museums wesentlich zu bereichern, so 
daTs sie in der That nunmehr far die Geschichte der Fruhzeit 
von wesentlicher Bedeutung am so mehr geworden ist, als sie 
bereits eine Reihe wicbtiger Stucke umfafst hatte ; insbesondere 
glauben wir, dafs sie nunmehr die faktisch SJtesten Drucke auf 
Papier, die bisher vorgekommen sind, enth&lt. Wir k6nnen 
allerdings hinsichtlich einiger Punkte den wissenschaftlichen 
Resultaten T. 0. WeigeTs nicht vollst&ndig zustimmen. Wir 
halten n&mlich die romanische Ereuzigung (Weigel Nr. 11), die 
in Oberdeutschland von einem Buchdeckel abgelSst wurde und 
die, wenn auch nicht dem Beginne des 12., so doch jedenfalls 
keiner viel gpftterenZeit angeh5rt, nicht fur eigentliches Druck- 
erzeugnifs. Schon der Umstand, dafs sftmmtliche gerade Li- 
nien der Haupteintheilung durch alle Zeichnung hindurch ge- 
hen, zeigt, dafs sie vor der ubrigen Zeichnung auf das Perga- 
ment gebracht sind. Bei genauer Betrachtung sehen sie ganz 
so aus, wie die jetzt noch vom Buchbinder mit heifsem Eisen 
hergestellten Pressungen. Ob nun gerade das Eisen heirs war, 
oder ob man die Zeichnung nur mit einem harten Stifte in 
das feuchte Pergament eingeprefst hat, wagen wir nicht zu 
entschciden. Ganz ahnlich scheinen uns aber die Figuren des 
Mittelbildes hergestellt; wir kOnnen sie nicht als Druck, son- 



dern nur als stark eingedrttckte Zeichnung ansehen. Dafs die 
ubrigen Theile gezeichnet sind, hat T. 0. Weigel selbst ange- 
nommen. Das Blatt hat immerhin, schon weil es zur Meinung, 
dafs es fdrmlich gedruckt sei, Veranlassung gegeben hat, gro- 
fses Interesse, noch grflfseres aber fur die Geschichte des 
Bucheinbandes, und es ist deshalb sehr erfreulich, dafs es in 
Deutschland geblieben ist*). Wenn wir auch die Ueberzeu- 
gung aussprechen, dafs genaue, unbefangene Prtifung unser Re- 
sultat bestatigen wird, so hatten wir immerhin gerne jenes 
Blatt fur das Museum erworben, wenn nicht doch die H6he 
des Preises uns abgeschreckt hatte**). 

Fur das aiteste Blatt der ganzen Sammlung und darum 
fur das aiteste erhaltene Druckwerk auf Papier uberhaupt hal- 
ten wir das in der Sammlung unter Nr. 21 bekannt gewordene, 
das leider Weigel in seinem Prachtwerke nicht facsimiliert hat. 
Wir haben dasselbe erworben und versuchen, so weit die 
Einfachheit unserer Technik es gestattet, ein solches Facsimile 
herzustellen, was freilich die Nothwendigkeit nicht ausschliefst, 
das Originalblatt selbst zu betrachten, und zu sehen, was Zufall 
und mangelhafte Technik, was die Intention des Kunstlers ge- 
than. Das Blatt stellt den Tod der Maria dar und ist ziem- 
lich roh in der Ausfuhrung. Es sind fast vollkommen gleich- 

*) und zwar in Leipzig selbst, in Handen eines eifrigen, wohl- 
habenden Kunstfreundes. 

**) In der Hafsler'schen Sammlung, die gleich falls jungst in's 
germanische Museum gekommen ist, befindet sich ein Manuscript 
des 12. Jhdts., dessen Miniaturen eingedriickte Conturen zeigen, 
ahnlich wie das fragliche Blatt 



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mafsig breite Linien, die nor theilweise im Drncke zerquetscht 
sind. Nichtsdestoweniger hat die Zeichnung eine erfreuliche 
Grofsartigkeit ; die Gesichter ermangeln selbst des Ausdruckes 
nicht. Die Linienfiihrung der Gewandung ist grofs und ernst. 
Der Stil der Zeichnung klingt noch an die schOnen Zeichnun- 
gen und Malereien des 13. Jhdts. an. Wir kOnnen deshalb, 
mit Rucksicht auf den Stil, das Blatt nicht spater als in die 
Mitte des 14. Jhdts. setzen, wurden aber selbst gegen fruhere 
Datierung nichts zu erinnern haben. Das Papier ist offenbar 
der altesten Papierfabrikation angehflrig, obwohl ja gerade auch 
darauf kein Gewicht zu legen ist, weil der Stock jedenfalls lange 
genug gedient hat, ehe dieser Abdruck, der den Stock schon sehr 
beschadigt zeigt, genommen wurde. Das Wasserzeichen, eine Li- 
lie, ist bei Weigel abgebildet. Eine gewisse Bedeutung hat 
sicher auch der Umstand, dafs das Blatt, das in einBuch ein- 
geklebt war, mit der Ruckseite an ein Pergamentschriftblatt 
geblebt ist, das, grammatischen Inhaltes, den Schriftcharakte- 
ren nach dem 13. — 14. Jhdt. angehftrt, und vollkommen deut- 
lich zu ersehen ist, dafs noch der ursprungliche Zusammenhang 
besteht; Tnschriften sind auf dem Bilde nicht; das Blatt ge- 
hSrt also dem reinen Bilddrucke an. 

Zu bemerken ist, was Weigel nicht angegeben hat, dafs das 
Blatt entzwei geschnitten und ein Streifen aus der Mitte bei 
dieser Gelegenheit verloren gegangen ist. Da an der zwei- 
ten Halfte noch der ursprungliche Zusammenhang mit dem 
Rande des Lederuberzuges vom Einbande vorhanden ist und 
ebenso das Pergamentblatt, das unter dem Bilde auf die Innen- 
seite des Buchdeckels geklebt war, und sich daraus zeigt, dafs 
das Buch nur die halbe GrOfse des Bildes hatte; da ferner 
an dem fraglichen Pergamentblatte der Bruch sichtbar ist, in 
welchem es der Buchbinder geheftet hatte, so scheint aus der 
GrOfse hervorzugehen , dafs schon beim ursprunglichen Einkle- 
ben in das Buch der Streifen weggeschnitten worden ist. Ueber 
die Herkunft des Buches, in welcher der wichtigste Factor fur 
die Frage liegt, wo das Bild entstanden ist, hat Weigel die 
naheren Mittheilungen gegeben, die auf Schwaben hinweisen, 
wenn schon das Golorit mit dem der spateren Bilddrucke aus 
Regensburg mehr ubereinstimmt. 

In einer andern Beziehung aber ist das Blatt noch inter- 
essant. Man hat — besonders Passavant und Weigel — die 
Theorie aufgestellt, dafs ein Theil der auf den ersten Blick 
als Holzschnitte erscheinenden Werke Metallschnitte sein mus- 
sen, und will aus der Art, wie die Druckfarbe sich zeigt, er- 
sehen, ob das Blatt von einem Metallschnitte oder Holzschnitte 
abgedruckt ist. Wir wollen nun zwar gerne glauben, dafs man 
Sachen, die in grofser Auflage gedruckt werden sollten, in Me- 
tall geschnitten hat; allein wir kflnnen einmal solche Feinheit 
selbst den Augen des Drucktechnikers nicht zutrauen, urn bei 
so verschiedenartiger alter Druckfarbe mit absoluter Sicher- 
heit in jedem Falle zu bestimmen, ob ein Abdruck von Holz 
oder Metall genommen sei ; wir kflnnen, selbst wenn es solche 
feine Augen gabe, deren Resultate unbedingt zutreffen mufsten, 



nicht umhin, an eine Clichierung zu denken. Wir wissen frei- 
lich nicht, ob letztere Manipulation so hoch hinaufreicht ; jeden- 
falls durfte der Umstand, dafs man ja Metalllettern gofs, dahin 
deuten, dafs auch derartige Bilder gegossen wurden. Aus dem 
16. Jhdt. besitzt das Museum selbst Cliches eines Initialenalpha- 
bets. Nichts aber mufs klarer gegen die Theorie sprcchen, 
dafs am Abdrucke zu erkennen sei, ob der Stock Holz oder 
Metall war, als das vorliegende Blatt, das Weigel als Metall- 
schnitt bezeichnet hat, obwohl nicht bios fast der ganze Rand 
weggesprungen, sondern auch im Innern der Zeichnung Stel- 
len deutlich ersichtlich sind, wo der Holzstock zusammen- 
gesetzt ist. 

Diesem Blatte folgt sodann der heil. Georg zu Pferde 
(Nr. 14) und Christus in der Keiter (Nr. 75), von denes bei- 
den das Weigersche Werk Facsimiles gibt, und die, beide vom 
germanischen Museum erworben, wohl der Zeit angehOren, wel- 
cher sie seither zugetheilt waren, dem Schlusse des 14. Jhdts. 
Ebenso mag auch der heil. Christoph (Nr. 12) in fthnliche 
Zeit gehdren; er wurde nicht vom Museum erworben 4 ') Das 
vom Museum erworbene Blatt Nr. 13 (Ereuztragung) , sowie 
die nicht erworbenen Blatter, Ereuzabnahme (Nr. 15), ferner 
Christus am Oelberge und am Kreuze (Nr. 16), seheinen jfln- 
ger zu sein und haben Manches an sich, was aufs 15. Jhdt 
deutet Dagegen scheint uns auch der Stil der gleichfalls vom 
germanischen Museum angekauften Ablafstafel (Nr. 80) fruherer 
Zeit anzugehflren. Die ganze Darstellung stimmt so auffallend 
mit einer fthnlichen, die auf die Ruckseite eines unbedingt 
der ersten Hftlfte des 14. Jhdts. angehflrenden Alt&rchens im 
germanischen Museum gemalt ist, uberein. Wir mftchten des- 
halb dieses Blatt, das jedenfalls eines der altesten ist, das 
aufser dem Bilde auch geschnittene Schrift trftgt, wenn es nicht 
mehr in's 14. Jhdt. gehen soil, mindestens in die ersten Jahre 
des 15. verweisen, wohin auch das Blatt Nr. 28 gehOrt, das 
einige Jahrzehnte alter zu sein scheint, als die handschrift- 
liche Aufzeichnung auf demselben vom Jahre 1443. Auch die- 
ses Blatt ist in's germanische Museum gekommen. Reizend 
und jedenfalls aus den ersten Jahre n des 15. Jhdts. ist das 
Blatt Nr. 23, das ein Pariser H&ndler erworben hat**). Eine 
nicht ganz gewdhnliche Bedeutung durfte auch das Blatt Nr. 232 
haben. Da dasselbe bei Weigel ebenfalls nicht facsimiliert ist, 
so fugen wir eine Nachbildung in Holzschnitt hier bei (Fig. 1). 
Man ersieht sofort, dafs es eines der Thiere ist, die auf den ita- 
lienischen (in der Regel noch als maurisch betrachteten) Geweben 
des 14. Jhdts. eine so grofse Rolle spielen. Es kann deshalb 
nichts anderes sein, als ein auf Papier gemachter Abdruck eines 
Zeugdruckmodels vom 14. oder Beginn des 15. Jhdts., wie ja 
Zeugdrucke sowohl als gewebte Sloffe vorkommen, bei denen ein- 
zelne Thiere auf den Grand gestreut sind. 

*) Die Hafsler'sche Sammlung enthalt noch ein besseres Exem- 
plar dieses Blattes. 

**) Es 8tammt aus der Hafsler'schen Sammlung als Doublette. 
Beide Exemplare sind wol gleich gut. 



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Ans der grofsen Zahl der Metall- and Holzschnitte, welche 
zasammen die Nrn. 12 — 232 bilden, hat das Museum noch 

Fig. 1. 



manches wichtige and seltene Blatt erworben; sie alle einzeln 
za verzeichnen, wttrde zu weit ftthren. Wir erw&hnen nur, weil 
ktostlerisch hOher stehend als die meisten und vielleicht etwas 
alter als Weigel angibt, das Blatt mit dem Ablasse in niederlandi- 
scher Sprache, Nr. 113*); das Blatt Nr. 91 wegen der so aus- 
gedehnten Anwendung der Schrift (ein grofses Gedicht von 72 



Verwendung der geschnittenen Schrift die Blatter Nr. Ill, 
Tunis sapientiae, und Nr. 136, das speculum humanae salvatio- 
nis ; dann mdge noch der Rosenkranzablafsbrief, Nr. 207, end- 
lich das Leben des h. Jacobus d. &., Nr. 49, genannt sein, urn 
zu zeigen, welch wichtige Stttcke das Museum erhalten hat 
Wenn wir in der Lage sind, bei einigen Blftttern zu sagen, 
dafs wir sie ftlr etwas alter halten, als Weigel sie gesch&tzt, 
bei andern seiner Schatzung zugestimmt haben, so wollen wir 
nicht zu bemerken unterlassen, dafs wir dagegen auch manche 
sowohl der von uns erworbenen als andere Blatter j linger 
sch&tzen, als dies Weigel gethan. — Leider ist man ja bei der 
Geschichte dieser wichtigsten und folgenreichsten aller Erfin- 
dungen — des Druckes — in ihrem ersten Stadium bei so 
Vielem auf blofse Schatzung angewiesen , bei der die Zuverl&s- 
sigkeit von Uebung des Blickes und AusbilduDg des archaolo- 
gischen Stilgeftthls des Beurtheilers und Herbeiziehung von 
Vergleichen aus andern Gebieten abhangt. Wir haben nur 
Hypothesen, keine urkundlich belegten Mittheilungen ; doch 
zweifeln wir nicht, dafs jedes geflbte Auge, das auch die Ma- 
lereien, sowohl die wenigen Tafel- als Wandpialereien vom 13., 
14. und der ersten Halfte des 15. Jahrh. zum Vergleiche bei- 
zieht, uns zustimmen wird. 

Wir wollen jedoch das Gebiet nicht verlassen, ohne noch 
eines andern Werkes Erwahnung zu thun und damit auf Urn- 



Pig, s. 



Versen ist unter das Bild geschnitten), Nr. 92 wegen des dar- 
auf vorkommenden Namens des Briefdruckers Bastian ausUlm; 
wegen Eigenthdmlichkeit der Darstellung und weit gehender 

*) Falkenstein sieht darin eines der altesten Blatter und glaubt 
ee zwischen die Jahre 1406 und 1415 eetzen zu raOssen (S. 16), 
wogegen doch Bedenken zu erheben sein durften. Auf die Ueber- 
einstimmung des kflnstlerischen Charakters mit dem der biblia 
pauperum hat Weigel mit Recht aufmerksam gemacht. 



wegen zur Weigel'schen Nr. 21 wieder zurtlckzukehren. Es be- 
finden sich nftmlich im germanischen Museum 2 gestickte 
Tttchlein, die in unserem Catologe der Gewebe und Stickereien 
unter G 261 und 262 aufgefuhrt sind. Beide sind 0,58 Met. 
lang, 0,30 Met hoch. Sie haben einen ornamentalen Rand 
von ungefahr 0,05 Met. Breite. In der Mitte des einen ist 
die Grablegung und Auferstehung Christi dargestellt, auf der 
zweiten der Tod der Maria. Sie gehoren dem 13.— 14. Jahrh. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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an; sie sind mit Seide und Gold in Plattstich anf leinenem 
Grnnde derart ausgeftthrt, date alle Flachen glatt, ohne jede 
Andeutung einer Modellierung oder Schattierung, mit derselben 
Farbe in sehr gleichmafsigen Stichen ansgefullt and sodann 
die Conturen kraftig nachgestickt sind. Soweit die Stickerei 
noch erhalten ist, zeigt sich nur in der Composition eine kunst- 
lerische Anordnnng; Feinheiten der Stickerei sind nicht zu 
ersehen. Im Gegentheil zeigen die Conturen, z. B. in den Ge- 
richtern, eine gewisse Roheit. Wo jedoch die Seidenfaden ab- 
gewetzt sind (nnd es ist dies glucklicherweise zum grofsen 
Theile der Fall), kommt eine Zeichnung zum Vorschein, die 
bohe kunstlerische Bedeutung hat. Gleichmafsige starke Li- 
nien bilden eine Darstellung, die den besten ihrer Zeit gleich 
kommt und nur bedauern laTst, dafs die stumpfe, einfache Tech- 
nik des Stickens so viele Feinheiten verwischt hat. Letztere 
ist n&mlich noch ganz dieselbe, wie sie bei romanischen Sti- 
ckereien, so z. B. bei den Gew&ndern aus St. Blasien ange- 
wandtist, die sich jetzt in St. Paul in Kftrnthen befinden*). 
Wir geben in Fig. 2 verkleinert die eine Darstellung wieder, 
wobei sich freilich nicht erkennen l&fst, wie weit wir gen5thigt 
waren, uns an die noch vorhandenen gestickten Conturen zu 
halt en, wie weit wir die frei gewordene Zeichnung benutzen 
konnten, wie weit ferner das Verziehen der Leinwand beim 
Sticken und durch den Gebrauch auch die Zeichnung verzogen 
hat. Eine gewisse Verwandtschaft des gestickten Tuchleins mit 
der gedruckten Darstellung (Weigel Nr. 21) wird sofort in's 
Auge springen. Auch die Grflfse des Ganzen, wie die Figuren- 
grfifse stimmt damit uberein. Betrachtet man aber die Linien- 
fuhrung auf dem TQchlein naher, die mit solcher Bestimmtheit 
und Gleichmafsigkeit ausgefuhrt ist, die unter scharfster Loupe 
keine Spur von Ausfliefsen, nirgends eine auch nur geringe 
Abweichung von der Starke zeigt, so wird man sofort geneigt, 
die Zeichnung als gedruckt zu betrachten, und wir hatten 
damit Druckprodukte, die mindestens in den Beginn des 14. 
Jahrh. hinaufreichen. Yielleicht finden sich an der Hand die- 
ser Anhaltspunkte bei genauer Prttfung noch altere Stttcke. 
Allein auch dafur wird sich kaum je eine andere Gewifsheit 
finden lassen, als die Meinung der Techniker, von denen bis 
jetzt alle, die, auf diesen Umstand aufmerksam gemacht, die 
Tuchlein darauf untersucht haben, unsere Vermuthung theilten, 
dafs die Zeichnung desselben gedruckt ist. Wir kSnnen aber 
selbst bei Weigel Nr. 21 fragen, weshalb man in so fruher 
Zeit einen Holzschnitt von solcher Gr5fse hergestellt hat, dafs 
derselbe nur auf zusammengeklebte Papiere gedruckt werden 
konnte, und dabei die Vermuthung aussprechen, dafs es cin 
Probeabzug eines Stickereimodels sei. In Hafslers Sammlung 
ftltester Holzstflcke befanden sich ehemals auch einige Stacke, 
yon denen neue Abdrucke vorhanden sind, die gleichfalls ebenso 
vollstandig, wie unser fragliches Stuck, den Charakter von Yor- 

*) Siehe Jahrbuch der k. k. Centr. - Comm. z. Erf. u. Erh. d. 
Baudenkmale, IV. Bd. Heider, liturgische Gewander aus dem Stifte 
St. Blasien im Schwarzwalde etc. 



zeichnungen fur Stickereien zeigen. Dafs aber fur Stickereien 
viel altere Yorzeichnungen noch spater benutzt wurden, dafttr 
liefsen sich manche Beispiele beibringen. Das lafst aber doch 
wohl schliefsen, dafs Model vorhanden waren, die den des 
Zeichnens nicht kundigen Stickerinnen , besonders in Kldstern, 
dienten. Mit dem Sammeln von Beispielen, die ftltere Zeich- 
nungen bei sp&teren Stickereien zeigen, beschaftigt, wollten wir 
die Aufmerksamkeit der Fachgenossen auf diesen Punkt lenken, 
ohne vorlaufig gerade bestimmt zu verlangen, dafs sie unsere 
Hypothese, die in der Stickerei, besonders in Vordruckmodeln 
fiir dieselbe, einen der Ausgangspunkte fur den Bilddruck und 
damit wieder in zweiter Linie fur den Buchdruck sieht, schon 
jetzt als nachgewiesene Thatsache annehmen sollen. 

Nttrnberg. A. Essenwein. 



Kaiser Ferdinand's Einreiten yon Wien gen Frag, 1558. 

Yertzaichnus der Rom: Kay: Mt etc. Ein Ritt zu Prag 
den 8. Novembris Anno etc. 58. 

Erstlich ist die furstlich Durchleuchtigkeit Ertzhertzog 
Ferdinand seiner Mt. geliebter Sun mit 5000 Pferden vnnd 
Behemen vnnd vmbsessen Schlesiern vnd Yoitlendern geputzt 
vnd zierlich geschmuckt sambt seiner F. Dl. Hofgesind. der 
hochstgedachten Eay: Mt: Entgegen vnd mit eingeritten. 

Item von der Alten Statt. Neuenstatt. Eleinseiten. Ratschin 
vnd Wischenrot. auch den vmbligenden Stetten von Kriegsfolck 
jn die 16 vendle bifs in die 8000 man entgegen getzogen. Bar 
unter in die 12 oder 1500 Hackenschtitzen alle jn Rot Rock mit 
weifs verprembdt geclaid. 

Dergleichen sein vor dem Wischenrot jn die 200 Paurn 
mit Eissin trischeln vnnd Zipffel Kappen wie die Beheim vor 
Jam jr waat vnnd klaidungstracht gehabt. mit gar alten Panirn 
verordnet gewest. die haben jr Kay: Mt: jn dem empfanngen 
ein sondern lust mit jrem zusamen schlagen gemacht. wie dann 
jr Mt: sich lennger bei denselben dann bei andern jm ein 
Reitten aufgehalten. 

Nachmals vber das das sein Mt: die Rathsherrn aufs den 
Drei Stetten zu Prag jn die 48 Personen vor der Statt in 
gleicher cleidung. nemlich all in leberfarb damastin langen 
Rocken. vnd grunen Krentzlein auf dem haubt empfangen. hat 
seiner Mt: die Priesterschafft zu Prag in die 100 personen vnd 
darneben die Studenten vnd lateinische Schulknaben. den himel 
von Rot und weiser farb. darunter sein Mt: der gedacht Senat 
vnnd Rath, volgends eingefuert. entgegen getragen. 

Ynnd airs sein Mt: also in die alten Statt Prag kumen. 
sein seiner Mt: entgegen geordent gewest. auf dem Platz vnd 
Ring vor dem Rathhaufs zu Beeden seitz ab vnd ab. alle 
Junckfrawen. von der Statt Prag jn die 600 oder mer. nach 
jres lannds art vnd geprauch. wol ynnd zierlich geschmuckt 
die haben sein Mt- lateinisch Empfangen vnd sondere panir 
gehabt. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Yolgends sein verordnet gewest. die Kneble vnnd jungen 
yon 5 bifs auf 13 Jam jres alters, alle weissen hembdern mit 
Rotten Kreutzbinden . vnd grunen schonen geschmuckten zwei- 
gen jn henden. mit jren sondern panirn in der zall bei den 
800. Ob deren lateinischen empfangnus die Kay: Mt: gantz 
gnedigst gefallen getragen. 

Daraber sein jn die 300 Jaden mit gar schonen Panir 
vnnd jrera Schenortare *) Laden, oder zehen gepotten vnnd Tal- 
mnet gestanden. Erstlichen die Rabin, vorganger. vnd was 
der Sinagog angehorig. Nachmalfs die Eltesten vnnd witwer 
in Schwartzen lanngen menteln vnd Eappen. yolgends die kna- 
ben. vnd Jangling jn weissen hembdern oder Kittlen. mit goldt 
schon geschmuckt wie sis zan vessten antragen. Nachmalfs 
die jungen Eehmenner jn jrem Dales **) so bei dem Scheuor- 
dare gesongen. 

Ferners sein gestanden her: wittib aufs den Statten zu 
Prag. bifs jn die 400 jn Schwartzen mentlen mit jren langen 
weissen clag sehleirn yon beder seitz ab. bis auf den fues. so 
jr Mt: zu gleichen aber one Panir lateinisch empfanngen. 

Letzlich sein Alten betagten Grauen heupter oder greisen 
jn Schwartz geclaid. ein jeder mit eim grunen Erentzlen auf 
dem haubt jn die 500 gewest. 

Unnd wie die Kay: Mt: zu der Ehrn porten. so wol vnnd 
schon zubereit gewest. komen. jst sein Mt: abgestanden. vnnd 
ein neuer himel von Ertzhertzog Ferdinand zubereit gewest 
darunter sein Mt: sambt derselben zwen geliebdten Sonen Fer- 
dinando vnd Karolo. volgends mit windtliechtern in sein Zimer 
getretten. 

Auch wie sein Mt: auf die Prucken der Moltha jm ein 
Reitten komen. ist alda schon feuerwerck auf dem wasser ge- 
halten. vnd vil schiessens auf dem Ratschin mit grossen stucken 
verbracht worden. 

Item so haben sein Mt- fur sich selbs mit dem hofgesind 
bite jn die 1000 Pferdt mit gehapt. 

Item so ist gester den andern tag nach seiner Mt: ankunfft 
zn obents gar schon feurwerck mit figuren jm lustgartten ge- 
halten. Dergleichen zuuor nit mer weder alhie noch in Teutsch- 
lanndt gesehen worden. 

Vnd wiewol sindher Kaiser Sigmunds Zeiten kein Kaiser 
alhie eingeritten. so ist doch diser Kay: Mt: von Beheimen 
solche Eher widerfaren. Dergleichen zuuor keinem kaiser nie. 
welches sein Mt: jme dann alles gentzlichen wolgefallen lassen. 
allein mit den Juden die hat sein Mt: wie ich von Trabanten 
hore nit wollen ansprechen. sondern beuolhen man solt fort 
rncken. 

Sunst sagt man fur neue Zeitung das Churfurst Augustus 
zu Sachfsen ein manlichen Erben ertzeugt. zu dessen tauff vmb 
Katharina zu Freesen ein grosse versamlung der fursten wer- 
den vnd die Fl. Dl. Ertzhertzog Ferdinand geuatter werden. 

*) Schevortare, d. i. Sefer thora., hebr. , das judische Ge- 
•etzbach. 

**) Dales, Talles, hebr., der Mantel, Gebetmantel. 



vnd noch in 8 tagen den weeg hinein nemen soil. Aufs Franck- 
reich ist es alhie still, allein das ich gehort. die Kay: Mt: hab 
anderwegen zu einem grossen herrn gesagt. Das sein Mt: 
glauben vnd hoffen. die sach soil vertragen werden. 

Heut dato hat die Kay: Mt: der Behmischen Landtschafft 
den furtrag seines Begems selbs gethon vnd wie jch vernimb. 
soli sein Mt: begert haben. Erstlichen den schulden lasst abzu- 
legen. der jr Mt: verganngens Jar vber das Kriegsfolck jn Vn- 
gern zugestanden ist. jn die funffmalhundert tausend thaler. 
Nochmalfs 6 jarlanng ein Turckensteur. vnd dieweil seiner Mt: 
alfs angeender Kaiser zur notturfft gelts bedurfftig. vnnd das 
Clein Lend! Osterreich seiner Mt: zu solcher notturfft hundert 
vnd etlich vnd dreissig tausent gullden zugcben bewilligt. Woll 
sich sein Mt: zu eim solchen Konigreich vil eins bessern oder 
mehrern versehen etc. gleichwol der vberigea begern noch vil 
sein etc." 

Gleichzeitige handschriftliche Aufzeichnung in der Biblio- 
thek des german. Museums, Nr. 7090. Fasz. II. 



Sphragistische Aphorismen. 

LIX. 



Freiherr L. A. von Gumppenberg in seiner interessanten 
Schrift: „Der sechzehnte Januar 1571 u , Wtlrzburg 1870, theilt 
S. 7 eine Abbildung des Siegels Heinrich's von Gumppenberg 
von 1333 mit. 

Wir verdanken der Gate des Herrn Verfassers obiges Cli- 
che des betreffenden Holzschnittes. 

Dieses Siegel ist in doppelter Beziehung von besonderem 
Interesse: Einmal wegen der Form der sogenannten Seebl&t- 
ter im Wappenschilde, sodann wegen der Hermelinspitzen im 
Siegelfelde. DerUrsprung der heraldischen Seeblfttter ist im- 
mer noch etwas problematisch. 

Die alteste Form, wie wir sie auch auf einem Siegel Hil- 
debrand's von Gumppenberg, Heinrich's Vater, von 1281, se- 
hen (vgl. a. a. 0., S. 7) ist die der gew5hnlichen heraldischen 
Lindenbl&tter (herzfCrmig). Ob nun der kleeblattfflrmige Durch- 
schlag nur eine einfache Yerzierung, wie sie im Geschmacke 
der damaligen Zeit haufig angebracht wurde, um die ursprttng- 
lichen Seebl&tter dadurch von den Lindenbl&ttern zu unter- 
scheiden, wird kaum mehr mit Sicherheit zu ermitteln sein. 

Irrigerweise wurden die Seebl&tter bisweilen auch ala 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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SchrOterhorner *) blasoniert, von welchen sie sich aber durch 
ihre Spitze deutlich unterscheiden, da bei den Schroterhttrnern 
der Theil des Eopfes des K&fers, an welchem sie sitzen, anch 
angegeben ist, wie z. B. im Wappen der Herren von Nicolai. 

Anf alien sp&teren, in der angefttbrten Scbrift abgebilde- 
ten einfachen Gumppenberg'schen Siegeln und Wappen, seit 
1305, erscbeinen allerdings die Seeblatter mit einem solchen 
Durchschlag, wenn auch in mehr oder weniger verftnderter Form. 

Im sp&teren quadrierten freiherrlicben Wappen erscheinen 
bekanntlich die Lindenblatter wieder neben den Seebl&ttern. 

Wenn der edle Freiherr sagt : „Diese symbolische Bedeu- 
tnng der Seeblatter in ihrer heraldiscben Form tritt ganz be- 
sonders hervor in einem scbOnen Denkstein, welchen urn die 
Mitte des 14. Jhdts. Richard von Seebach in seinem Dora- 
herrnbofe zu Wflrzburg anbringen liefc, wo der Schild mit den 
drei Seeblattern auf einer fimfbl&tterigen Rose, der Blame der 
Seerose, liegt", so ist dabei nnr zn bemerken, dafs die S. 5 
mitgetheilte Form der Rose die ganz gewflhnliche der heral- 
dischen Rosen ist, welche im Mittelalter nicht selten als 
Unterlage fiir Wappenschilde vorkommen, theils mit, theils ohne 
besondere heraldische oder symbolische Bedeutung**). 

Was sodann die Hermelinspitzen im Siegelfelde betrifft, so 
scheinen dieselben keine willkttrliche, sphragistische Verzierung 
gewesen zu sein, sondern irgend eine heraldische Bedeutung 
gehabt zu haben. Wenigstens sehen wir die Buffelhorner des 
Gumppenberg'schen Helmschmuckes schon seit Gruneberg, 1480, 
mit Herraelin tlberzogen, wodurch die von Hund erzahlte Sage : 
„dafs dem ersten Gumppenberger, der in's Land gen Gump- 
penberg gekommen und eine von Sandizell zur Ehe gehabt, die 
Sandizeller, wie ehedem oft geschehen, ihr Helmkleinod mitge- 
theilt haben,* 4 an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Es ware eine 
Beziehung dieser Ausschrattckung des Siegelfeldes zu dem Helm- 
schmuck, resp. dessen Tinktur, in der Heraldik jener Zeit nicbts 
Auffallendes. 

LX. 
Im vorigen Jahre war ich so glttcklicb, in den Besitz eines Ori- 
ginalsiegelstempels desGrafenFriedrichll.v.Brenen, f 1221,***) 



zu gelangen, dessen Abdruck ich hier mittheile, nebst dem 
Profil des Stempels. 



*) Einen merkwiirdigen Verstols begeht Sibmacher in seinem 
I. Bd., wo er auf S. 8 die Steinbockshorner des mittleren badi- 
scben Helmschmuckes als „Schroterhorn" blasoniert und Taf. 8 
auch so abbildet! Sein Werk ist aber auch kein heraldisches 
Evangelium. 

**) Vergl. Nr. IX u. XL unserer Aphoris- 
men, sowie Nr.50 unserer Frauen-Siegel, Bei- 
lage zum Correspond -Blatt 1863, Nr. 3, mit 
dem hieneben abgebildeten Siegel der Ger- 
burg, Wittwe des Schoffen Heinrich Schon- 
wetter zu Coblenz, vom J. 1277, woselbst 
der Kopf der Sieglerin innerbalb einer Rose, 
dem Wappenbilde, erscheint. 

***) Sohn Friedrich I., f 1182, und Enkel Conrads des Grofsen, 
Markgrafen von Meifsen, f 1157. 



Man k5nnte auf den ersten Blick urn so eber im Zweifel 
tiber die Echtheit dieses Stempels sein, als das Siegelbild wol 
eine grofse Aehnlichkeit mit den meklenburgischen Siegeln, 
u. a. mit denen Heinrich Borwin's III. und Waldemar's*) hatte, 
aber keine Spur des bekannten sp&teren Wappens der Grafen 
von Brene den drei (2. 1. gestellten) Seeblftttern zeigt**). 



*) Vergl. Meklenburger Urkunden-Buch, IV. Band, S. 536, 
Fig. 69 und 71. 

**) Dafs wir das Lindenblatt als den Grundtyp fur die heral- 
dischen Seeblatter und Schroterhorner (nicht Hirschhorner) und 
theilweise auch for manche Herzen ansehen, haben wir bereits bei 
Nr. LIX bemerkt. 

Auf einem Thaler des Churfiirsten und Erzbischofs zu Coin, 
Johann Gebhard von Mansfeld, bei Harzheim, sind die drei See- 
blatter in dem Engern'schen Schilde sogar als Pfeilspitzen darge- 
stellt. Was die zuweilen als Herzen blasonierten Lindenblatter be- 
trifft, so sehen wir ein Beispiel an dem Wappen von Laubenberg, 
in welchem die Lindenblatter erst spater mit Stielen abgebildet 

a b 



wurden, wie Fig. a zeigt; wahrend sie in der Zflricher Wappen- 
rolle ohne solche erscheinen, wie Fig. b. Die Verwechslung der 
Herzen mit den Lindenblattern ist urn so leichter, als Letztere 
sehr haufig in rother Tinktur vorkommen, wie z. B. bei Secken- 
dorf, Degenberg, Wenger u. A.; wie auch in manchen Wappen 
gelbe und weifse (goldene und silberne) Lindenblatter vorkommen. 
Auch in dem Wappen der Grafen von Tecklenburg sind die Her- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



254 



L. v. Ledebur in seinen Streifzttgen dorch die Felder 
des k. preufsischen Wappens sagt u. A. : „Dafs die alten Gra- 
fen von Brena, aus dera Geschlecht der Markgrafen von Mei- 
feen, muthmafslich in irgend einer, weun gleich nicht nachweis- 
baren Beziehung zum Herzogthume Engern und Westfalen 
ebenso soiche drei Seeblatter gefuhrt haben, dies beweisen die 
zum Theil in Abbildung publicierten Siegel derselben; naralich 
das den Grafen Otto nnd Theodor gemeinsame Fufssiegel von 
1226, des Grafen Theodor Reitersiegel von 1235, 1240 and 
1262, ferner das Reitersiegel des Grafen Conrad von 1267 and 
1269, endlich das Schildsiegel des Grafen Otto von 1285." 

Nach Erbstein findet sich dieses letztere Wappen aof zwei 
Brenen'schen Denaren; der eine ftthrt im Av. einen Doppel- 
adler, im Rev. einen Tharm aof einem mit zwei Fabnen be- 
steckten Bogen, nnter welchem eine 8 der drei Seeblatter*); 
der andere, mit der Umschrift : BRfl — NflN, zeigt ein Schild 
mit den drei Seeblattern (BShme, Sachsisches Groschencabi- 
net, Taf. HI, Nr. 29). 

Dasselbe Wappen sehen wir aof dem \~? gig. IV. A. 1 
des Herrn Richard von Friesack, von 1256, mit der Legende : 
* Sigillam Rich[ardi] de Jerichowe, in der anteren Halfte 
des getheilten Schildes, wahrend in der oberen Halfte der 
Stierkopf der Herren von Parchim and Reichenberg aas dem 
wendischen Farstenstamme erscheint**). 

Mit Otto m, f 1290, dem Ur-Urenkel Friedrich's II., 
starb das Geschlecht der Wettiner Grafen von Brene aus and 
Brene fiel an Earsachsen. 

Za meiner grofsen Freade wurde aber bald jeder Zweifel 
an der Echtheit onseres Siegelstempels dorch einen Brief 



meines gelehrten Freundes L. v. Ledebur glucklich gehoben. 
Er schreibt: „In KOhler's Kloster St. Petri auf dem Lauter- 
berge bei Halle (S. 59, Nr. 9) kommt eine Urkunde vom 
J. 1208, ausgestellt von Fridericas comes de Brenin, mit dem 
daranhangenden, in Rede stehenden Greifensiegel*) vor. Aas 
den kleinen Abweichungen der Zeichnang geht nnverkennbar 
die Echtheit des Stempels hervor. Ersterer egalisiert die vier- 
mal sich zeigenden E, wahrend der Stempel nor zweimal diese 
Form and zweimal 8 zeigt. Dieser Uebergang von der Anti- 
quaform des 12. zur gothischen Majuskel des 13. Jahrh. ist eins 
der bedeatendsten Kennzeichen der beiden ersten Dekaden des 
13. Jahrh. Ferner ist die Auslassung des Ponktes zwischen 
dem Dfl and BRflNflN im Stempel in der Abzeichnang cor- 
rigiert. Letztere hat endlich in ihrer Fltlchtigkeit die Schup- 
pen des Hinterlaafes , aach die Perlencontaren der Brastlinie, 
sowie den inneren Perlenkreis der Umschrift fortgelassen." Ich 
lasse hier zur Vergleichung die Abbildung folgen. 




zen nicht das ursprungliche Wappenbild; Sibmacher II, 19 zeich- 
net dasselbe als drei rothe (Linden- oder See-)Blatter, mit Stielen, 
dagegen IV, 14, im Bentheim - Tecklenburg'schen 
Wappen, als Herzen. Auf dem Siegel des Grafen 
Otto von Bentheim, des Schwiegersohnes undErben 
des letzten Grafen Otto von Tecklenburg, f 1261/3, 
sind die Blatter in nebenstehender Form, abge- 
bildet, und daher als Urtyp dieses Wappens zu be- 
trachten. 

„Ganz analog sind die Seeblatter der Thuringischen Familie 
von Seebach zu Schroterhornern , die Seeblatter der Rheinischen 
Familie von Burscheid zu Herzen geworden" sagt von Ledebur 
in seinen Streifziigen durch die Felder des k. preufsischen Wap- 
pens, 8. 112 und 113. Bisweilen wurden die Seeblatter auch als 
Krebsscheeren blasoniert, oder als das untere Beschlage der Degen- 
scheiden, franzdsisch bouterole ; so blasoniert z. B. Menestrier das 
Wappen der Seebach: jjd'argent a trois bouteroles de gueules", 
uud zeichnet gewohnkche Seeblatter, obgleich er in der Einleitung 
die „bouterolle" (sic) ganz anders gezeichnet hat. 
•) Vergl. Anzeiger 1864, Nr. 5, Sp. 169, Nr. 8. 
**) Vergl. Meklenburg. Urk.-Buch, II. Bd. , S. 75 und Jahr- 
bucher des Vereins f. Meklenburg. Gesch. und Alterth. - Kunde 
XXXVI. Jahrg., S. 209, sowie L. v. Ledebur: Archiv for deutsche 
Adels-Gesch., I, 17, die Herren von Friesack, S. lllff. 



Der Stempel ist von Bronze und hat, wie das obige Profil 
zeigt, ein Oehr zum Anhaugen. Diese Form der Siegelstempel 
war im 13. Jahrh. die gcwfthnlichste. Wir geben nmstehend 
das Profil des Siegelstempels Nr. XXXVIIi**); ganz ahnlich 

•) Graf Friedrich's (nicht Dietrich's) von Brene Schenkungs- 
brief an das Kloster St. Peter uber 5 Hufen in Othmarsdorf, vom 
19. Juli 1208. 

In nomine sancte et individue trinitatis. Ego Fridericus 
Dei gracia comes de Brenin . . . . Ut autem hec donatio* futuris 
temporibus inconvulsa maneat et illibata nee valeat a quoquam 
iniirmari, earn testibus qui interfuerunt et sigilli nostri imprefsione 
fideliter fecimus communiri .... Acta sunt hec verbi incarnati 
anno MCCVIII indictione XI. Data in communi placito Metene 
Xim. Kalendas Augusti feliciter Amen. 

Im Archive des germanischen Museums befindet sich ferner 
eine Urkunde desselben Grafen von 1214, woran ein Siegel befind- 
lich ist , das offenbar aus dem fraglichen Stempel geprefst ist. 
Das gleiche Siegel befindet sich auch an einem Schenkungsbrief 
Graf Friedrich's an das Kloster St. Peter, v. 1211 (a. a. 0. Nr. 10), 
in welchem der Name „Brenen" (nicht Brenin, wie in der Urkunde 
von 1208) geschrieben ist. 

**) S. Anzeiger 1870, Sp. 279. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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ist der Stempel Nr. XLIY*). Aber es gab auch schon da- 
mals Stempel, die hinten ganz glatt waren, wie Nr. I**). 




Mittelalterliche Original-Siegelstempel sind — wie wir be- 
reits bei Nr. I bemerkt haben***) — ziemlich selten, nm so 
mebr als dieselben nach dem Tode ihres Inhabers gewShnlich 
zerstflrt zu werden pflegten. So warden z. B. nach dem Tode 
Kaiser Sigismnnd's auf Befehl des Eanzlers alle unter seiner 
Rcgierung gebrauchte Siegelstempel in Stucke zerschlagen f). 
Aus dem Anfange des 13. Jahrh. sind wol nor sehr wenige 
mebr vorhanden, nnd da unser Stempel jedenfalls im J. 1208, 
wo nicht fruher verfertigt worden ist (Friedrich II. kommt 
schon seit dem Tode seines Vaters im J. 1182 urkundlich vor), 
so gehOrt er sicher nnter die grflfsten Seltenheiten dieser Gat- 
tnng. P.-K. 

•) S. Anzeiger 1871, Sp. 129. 
**) S. Anzeiger 1866, Sp. 265. 
**♦) S. Anzeiger 1866, Sp. 268. 
t) S. Anzeiger 1863, Sp. 14. 



Findlinge meist zur Geschichte von Schwabisch-Hall. 

(Schlufs.) 

15. 1462, 6. Nov. „zu Swebischen Halle, Wirtzpnrger 
bistnms , vff dem kirchhoff sant Michels pfarrkirchen vnder den 
linden." Notariatsinstrument. „Der erber veste Hanns von 
Morstein des R. Kaisers Schnltheis nnd Richter zu Hall" pro- 
testiert wider die Klage des Hanns Steltzer wider „Burger- 
meister, Rat nnd gemeinde der stadt Scbwebischen Halle bei 
dem frey heimlich gerichtnnd wider die daruber erfolgte 
Ladung nnd sendet dnrch den „bescheiden Hanns Berrit, ein 
echt recht fryschoff des heiligen reichs dem ersamen 
weisen Hannsen Romer zu Walschenenst, frygreffe in der 
fryengranenschaft zu Hondeme, einen Abnordrnngsbrief. 
(Dieser wie das Ladungsschreiben [letzteres verstummelt] sind 
in das Instrument aufgenommen. Diese Ladung sei wider die 
kflnigliche Ordnung Aber die heimlichen Gerichte.) 

16. 1465, „vff dornstag nae sant Johannestag." Hans 
Romer, freygraue (wie oben) mahnt [die Gemeindevorstehung 
der Stadt Halle], sich mit Heincz Wysschnyder wegen der Erb- 
schaft nach Ylrich Murecker binnen 14 Tagen zu vertragen, 
da sie von dem genannten an den freyenstul zu dem 
hailaren geladen ist. 

17. 1465, samstag vor S. Oswaltztag. Hans von Mor- 



stein, Schnltheis der Stadt Halle, protestiert auf Grund der 
stadtischen Freiheiten gegen die Vorforderungen von Personen 
genannter Stadt und fordert durch den Ueberbringer des Pro- 
testes Hansen Behem, der ihn „dem freigrauen wer offenlich den 
Stul zu der breitten eich besesse, antwurten und daruf einer 
antwurt begeren soil. 4 * Der SchultheijJ leistet nebst Herman 
von Vielsdorf undConradt Spiefs, beide des h. R. Reiches vnd 
heimlichen gerichts echt recht fryschoffen, B&rg- 
schaft fur Ludwig Sesler, desseri Sohn und Heincz Sylern Eh- 
ren, Rechtes und Geleites wegen. 

18. 1462, 4. December. „zu schwebischen Halle in myn 
offenbaren notarij hau(i vnd wonung hinder sant Michelskirchen 
in der stuben." Notariatsinstrument. Hanns Berrit, echter 
rechter freyschopfe, sagt, beeidet in Gegenwart des Schult- 
heifsen Hanns von Morstein, der ihn mit einem Abforderungsbrk^'' 
nach Westualen zu Hans Romer entsendet hatte, dais er den Brief 
dem Freygrafen „an dem frey en stul vnder der breitten 
eich by sigen, als er vf montag nach s. elsbethentag zu ge- 
richt gesejien sy", ubergeben in Gegenwart des Kl&gers Hanns 
Steltzers, der sich aber der Abforderung weigerte. Deshalb 
bestimmte der Freigrafe laut Briefes an Schultheifs und Gemein 
zu Halle gutlichen Ausgleich binnen 14 Tagen genMergent- 
heim; widrigenfalls lade er sie w vnder dy breit eiche an den 
fireyen stul by Sigen vf montag nach dem achzinden tag nehst 
zukumpt nach Crist gepurt" (4. J&nner). Dabei waren Johan 
Guntzburg, „wirt zum roten hirts, Johan Wabach, Henschin Jo- 
han vnd zwe gerichtz knecht, alle zu Sygen gesessen." Das La- 
dungsschreiben ist in extenso aufgenommen. Zeugen des Nota^ 
riatsactes waren die „erbern vesten Jorig von Eltershofen, der 
Elter, Bartholome Gotzman echt recht schiltburtig fry- 
schoffen." 

19. 1442, L. f. Abent assumpcionis. Franckfort. foied- 
richs R5m. KOnigs ^reformatio universalis per totum imperium." 

20. s. d. a. et 1. Conradus Mettelman, possessor alta- 
ris sci Joh. Bapt. in ecclesia parochiali scae Katharinae oppidi 
HaU., appellat ad sedem apostolicam contra Johannem Baldung, 
cler. Herb., cujus procurator Conradus Rere (Rore), plebanus 
in Hopferzelle, Herbip. dioec. fuit. (Yacavit altare obitu Ber- 
tholdi Fischer extra Curiam Romanam defuncti Obtinuit Met- 
telman vigore litteramm Petri S. R. E. Card, et legati per 
Germaniam apostolici a latere, voluit vero Baldung sub forma 
reservationis.) 

Den Schlufs machen: Johannis episcopi Herbip. ordo of- 
ficialatus curiae Herbipol. 

Neukirchen bei Lambach. 

Dr. Pius Schmieder. 

1 — — 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essen wein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. E 8 eb aid in Nilrnberg. 



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BEILAGE ZUM AJVZEIGER FUR EUIVDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1872. JV 8. August 



Chronik des germanischen Museums. 



Nurnberg, 16. August 1872. 

Nachdem in kurzer Zeit der Termin abgelaufen sein wird, fur 
wclchen Se. Maj. Konig Ludwigll. von Bay era den jahrlichen Bei- 
trag von 600 fl. aus Allerhochstseiner Privatschatulle bewilligte, 
so hat Se. Majestat nunmehr durch die so dankenswerthe Verfu- 
gung, dafs fur den Rest des Jahres 1872 die auf denselben treffende 
Quote der seitherigen Summe, fiir die folgenden fQnf Jahre aber 
die jahrliche Summe von 720 fl. ausbezahlt werde, die nationale 
Anstalt aufs neue verbunden. 

Yon Seite der Zeughauscommisssion der Stadt Basel sind dem 
Museum in sehr freundlicher und dankenswerther Weise eine An- 
zahl Gewehre zur VerfOgung gestellt worden. 

Unser Archiv hat durch ein freundliches Geschenk des Herrn 
8. v. Furer einen hochst schatzenswerthen grofseren Zuwachs er- 
halten. Weiterer reicher Zuwachs for dasselbe erfolgte durch An- 
kauf einer grofseren Zahl von Archivalien aus dem Nachlasse des 
jungst verstorbenen Professors G. Hauser. Auch eine Anzahl 
alterer Druckwerke wurde daselbst fUr die Bibliothek erworben. 

Die bei der Weigel'schen Auction gemachten Kaufe wurden 
durch Ankauf der Sammlung altester Erzeugnisse des Bilddruckes 
▼on Oberstudienrath Dr. Hafsler in Ulm in entsprechender Weise 
abgerundet, und wird jetzt zu deren Aufstellung Vorbereitung ge- 
troffen. 

Heute sind 20 Jahre verflossen seit jener Versammlung in 
Dresden, die unter Vorsitz Sr. Majestat des jetzt regierenden K6- 
nigs von Sachsen auf Antrag des Freiherrn von Aufsefs den Be- 
schlufs der Griindung des Museums fafste, und mit Stolz und 
Freude konnen alle, die zu dessen Grflndung und Entwickelung 
mitgewirkt haben, nunmehr schon auf das hinblicken, was die An- 
stalt heute geworden. Sie zeugt heute sehon von einer Opferfreu- 
digkeit der Nation, wie keine zweite Anstalt Wenn wir auch 
in Deutschland und im Auslande noch reichere und grdfsere ver- 
wandte Anstalten haben, denen nachzueifern und die, so weit mdg- 
lich, zu erreichen unsere Pflicht ist, so ist doch keine aus freier 
Initiative des Volkes selbst hervorgegangene und stets selbstandig 
gebliebene Anstalt so weit gekommen, wie die unsrige. Moge die 
Zukunfb ihr so gunstig sein, wie es die Yergangenheit war! 

Heute haben wir leider schon wieder den Yerlust zweier Ge- 
lehrtenausschufsmitglieder zu melden, namlich des Pralaten und 
Reichshistoriographen Dr. JodocusStiilz aus St. Florian, welcher 
am 28. Juni d. J. starb, und des Dr. Joseph Hitter von Berg- 
mann, Regierungaraths und Direktors des k. k. Miinz- und An- 
tiken-Cabineta in Wien etc, gestorben den 29. Juli. 

Seit Veroffentlichung des letzten Yerzeichnisses wurden fol- 
gende neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Yon Stfcdten s Wolgast 5 fl. 15 kr. 

Yon Prlvaten s Cahia. Burger, Commissar, 1 fl. 45 kr., Schind- 
ler, Advokat, 1 fl., Dr. med. Schubart 1 fl. 45 kr. Fiirtn. Gebhardt, 
k. Staatsanwalt, 1 fl. Lobensteil. Heinr. Greuner, Rechtsanwalt u. 



Notar, lfl. 10 kr., A. Hoffmann, Justizrath, lfl. 10 kr., Ferd. Rich- 
ter, Assessor, 52 */i kr., Herm. Ronsch, Diakonus u. Pfarrer, 52 l /*kr«t 
R. Schieck, Justizamtmann , lfl. 10 kr., Albin Schiffmann, Rechts- 
anwalt u. Notar lfl. 10 kr. Mediasch. Dr. Rud. Theil, Gymnasial- 
lehrer, 1 fl. 10 kr. (statt frQher 35 kr.). Nurnberg. Stephan Hopf, 
Kaufmann, 2 fl., Scharnberger, Maschinenmeister a. d. Ostbahn, 2 fl., 
Streng, Direktor des Zellengefangnisses , lfl. 45 kr. Orlamu'nde. 
Edmund Knauch , Fabrikant , lfl. 10 kr. , Baron von Kropff auf 
Zeutsch, lfl. 45 kr., Lommer, Advokat, lfl. 45 kr., Fritz Schneide- 
wind in Niederrossen, 1 fl. Roth a. S. Fischer, k. Pfarrer, 1 fl. 30 kr. 
Schwerin. H. Werner, Realschullehrer, 1 fl. 45 kr. Sonneberg. Dob- 
ner, Rechtsanwalt, 1 fl. 10 kr., Habersang, Postdirektor, 1 fl. 10 kr., 
Hauck, Bezirksgeometer, lfl. 10 kr., Louis Jacob, Kaufmann, lfl. 
10 kr., Spear, Fabrikbesitzer, lfl. 10 kr., Frhr. von Uttenhoven, 
Bergrath, lfl. 10 kr. Staffelstein. Heinr. Kublan, k. Gerichtsvoll- 
zieher, 1 fl. , Heinr. Moller, k. Landrichter, 1 fl., Steinmeier, k. Pra- 
parandenlehrer, 1 fl., Ziegler, k. Post- u. Eisenbahnexpeditor, 1 fl. 
Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 
Yon Privaten: Cahla. Koch, Fabrikant, 7fl., Herm. Schmidt, 
Advokat u. Notar, lfl. Dresden. Dr. Fiesche, Oberlehrer, lfl. 
Jena. Ernst Geifsler, Apotheker, lfl. Munchen. Baron Ernst von 
Liitzelburg, k. qu. Hauptmann, nebst Frau Gemahlin, geb. v. For- 
ster, 5fl. 

Ferner giengen unsern Sammlungen nachstehende Geschenke zu : 



L Fur die kunst- 



und kulturgeschichtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr; 6664—6684.) 

Dresden. Dr. J. Hiibner, Director der kgl. Gemaldegallerie : 
5 Radierungen von und nach dem Geschenkgeber. — Gotha. A. F. 
Freiherr von Leeser: Bronzemedaille auf die Gefangennahme 
dea dan. Marinekapitans v. Dirking -Holmfeld, 1848. 2 rhotogra- 
phien nach dieser Medaille, so wie 2 nach dem auf diese Begeben- 
heit gesetzten Denkmale. 6 Photographien und 3 Steindrucke 
nach Denkmalern und Besitzungen der freiherrl. von Leeser'schen 
Familie. — Graz. Steiermarkischer Landesausschufs: Gyps- 
abgufs des Grabsteins Ul rich's von Liechtenstein, auf der Frauen- 
burg. — Haldem bei Minden. Fr. Generalin von dem Busche, 
Exc. : 40 Siegelstocke Naumburger Domherren, 18. u. 19. Jhdt — 
Mainz. Fr. Schneider, Domprabendat : 2 Ziegelplatten aus der 
Kirche zu Seligenstadt. Ein Stock Wollensammt, 17. — 18. Jhdt 
Metternioh bei Coblenz. Toll, Major a. D.: 36 Blatter Plane von 
Festungen, Lagern etc., Handzeichnungen ; 16 Blatter desgl., Ku- 
pferstiche, 18.— 19. Jhdt. — Nordhausen. Dr. Th. Perschmann: 
4 Abbildungen der Werther'schen Grabplatten zu Nordhausen, 
Golddruck. — Nurnberg. Fechheimer, Kaufmann: Eine aus 
Stein gehauene Marienfigur mit Baldachin, 14. Jhdt. Frhr. von 
F a r e r : 2 Stempelbogen vom 1 7. Jhdt G 6 s c h e 1 , Schreinermeister : 
Gewehr, Sabel und Patrontasche der friiheren Niirnberger Biirger- 
wehr. Heimeran, Kaufmann: Schnitzwerke von einem Dach- 
erker. Ferd. Losch, Pfarrer: Das ehemalige Augustinerkloster 
in Nurnberg, Bieistiftzchg. vom Geschenkgeber. Meyer, Agent: 
3 Bruchstiicke von kupfernen Wasserspeiern. Pohl, Lackirer: 
Spanisches Rohr mit verziertem und vergoldetem Knopf, 18. Jhdt. 
Rennebaum, Kaufmann: Photographie nach dem Getafel eines 
Saales aus einem Hause in Nurnberg. — Sohneeberg. Thierbach, 
Oberstlieutenant : Gewehr-, sogen. Magazinschlofs von Contriner in 
Wien. — Schwelnfurt. J. Sat tier: Photographie nach einer Maria 
Aegyptiaca, Holzschnitzwerk aus Kloster Ebrach. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



260 



II. Fiir die Bibliothek. 

(Nr. 28,537—23,000.) 
Augdfetirg. Dr. Chrn. Meyer, Stadtarchivar : Ders., d. Stadt- 
"buch v. Augsburg, insbesond. das Stadtrecht v. J. 1276. 1872. 8. 
— Crefeld. Dr. W. Buchner, Direktor der h. Tochterschule : 
Ders., Erzherzog Karl. 8. — Dresden. K. sachs. statist. Bu- 
reau: Kale n der u. statist. Jabrbuch fur das Konigr. Sachsen auf 
d. J. 1873. 8. Ortsanwesende Staatsfremde im Kgr. Sachsen am 
1. Dec. 1871. 2. Dr. Jul. Hubner, Direktor der k. Gemaldegalle- 
rie: Programm zum Festact aus Anlafs des lOOjahr. Bestehens 
der k. Akademie der bildenden Kiinste zu Dresden. 1864. 8. 
Hubner, iib. d. Wesen der Farbe. 1868. 8. Hubner, hundert aus- 
gewahlte Sonette Petrarka's. 1868. 8. Hobner, Schadow u. seine 
Schule. 1869. 8. Hubner, Albert Durer. 1871. 8. Hubner, Zeit- 
spiegel. 1871. 8. Hubner, Helldunkel. 1871. 8. Schulbuch- 
handlung : Kriegstagebuch vom 4. Juli 1870 bis 22. Marz 1871. 
1871. 8. Manitius, d. Provence u. ihre Sanger im Mittelalter. 1872. 
8. — Finkenbach (Pfalz). Schneider, Pfarrer: Die erste und die 
letzte evang. Predigt auf d. Ebernburg. 1872. 8. — Gorlitz. Ober- 
lausitz. Gesellschaft der Wissenschaften: Dies., neues 
Lausitz. Magazin ; 49. Bnd., 1. Halfte. 1872. 8. — Hildburghausen. Dr. 
A. Radefeld, Serainarlehrer : Grobe, ein Gang durch die Ge- 
schichte der Stadt Hildburghausen. 1871. 4. — Leipzig. Luise 
Otto, Schriftstellerin : Dies., Privatgeschichten der Weltgeschichte; 
VI. Bnd. 1872. 8. Berlit, Stud. phil. : Berlit, vor Paris u. an der 
Loire, 1870 u. 1871. 1872. 8. — Liibeck. C. Wehrmann, Staats- 
archivar : Ders., d. alteren Liibeckischen Zunftrollen ; 2. Aug. 1872. 
8. — Mainz. Fried r. Schneider, Domprabendat : Die Gebeine 
des Einhard, der Imraa u. Gisla in d. Kirche zu Seligenstadt. 8. 
Sonderabz. — Miinohen. His tor. Commission bei d. k. Aka- 
demie der Wissenschaften: Geschichte der Wissenschaften 
in Deutschland; XI. Bnd. 1872. 8. Histor. Verein von u. fiir 
Oberbayern: Ders., Archiv etc.; Bnd. XXVIH, 3 u. XXXI. 1868 
—69. 1871. 8. Die Sammlungen des Vereins; III. Abtji., 1. u. 2. 
Heft. 1871. 8. — NOrnberg. Nidermaier, k. Advokat: Cramer, 
Wetzlarische Nebenstunden ; Th. 1—128. 1755—73. 8. Barre, all- 
gem. Geschichte v. Deutschland; Bnd. II. IV— Vm. 1749—52. 4. 
Ayrer, histor. Processus juris. 1607. 2. Moser, Teutschland u. des- 
sen Staats-Verfassung. 1766. 4. Der Reichs- Anzeiger; Jhg. 1802. 
4. Allgem. Anzeiger der Deutschen ; Jhg. 1807. 4. Landwirth- 
8chaftl. Zeitung auf d. J. 1805, hgg. v. Schnee. 3. Jhg. 4. Schwerz, 
Beschreib. d. Landwirthschaft im Nieder-Elsafs. 1816. 8. Deutsche 
Welt, thu einmal wegen der Philosophie u. Geistlichkeit die Au- 
gen auf! 2 Thle. 1807. 8. Stisser, Forst- und Jagd - Historie der 
Teutschen. 1738. 8. Kiichelbecker, Nachricht vom Rom. Kayserl. 
Hofe. 1730. 8. Geschichte der alten Staatsverfassung in Frank- 
reich, Teutschland u. Italien. 1763. 4. Heineccius, akadem. Reden 
uber dess. Elementa juris civilis. 1774. 4. Staatsgesprach in dem 
sogen. Reich der Todten zwischen Jacob n. u. Philipp V. 1746. 4. 
Gesprach im sogen. Reiche der Todten zwischen Rudolph I. u. 



Carl VI. 1741. 4. Vertrauliche Unterredung von den vergangenen 
Welt-Geschichten etc. 1745. 4. Gletle, tractatus canonico - civilis 
de testamentis ; p. I & II. 1685—86. 4. Gletle, de criminibus pu- 
blicis. 1688. 4. Kletle, jurisprudentia terribilis. 1687. 4. Daude, 
majestas hierarchiae ecclesiasticae etc. 1746. 4. Wincop, de eo 
quod circa principis imperii dispositionem testamentariam justum 
est. 1732. 4. Ongefahrliche Gedanken von Pflicht, Amt u. Rech- 
ten furstl. Rathe. 1732. 4. Schaffner, de jurisdictione. 1704. 4. 
Beweifs, dafs die osterreich. Niederlande durch den bevorstehen- 
den Frieden dem Hause Oesterreich wieder einverleibt werden 
miissen. 4. Declaration de guerre faite par le ministre du roy 
de France. 1733. 4. Reponse a l'ecrit qui a pour titre memoire 
pour Pambassadeur du roy catholique a la cour de la Grande Bre- 
tagne. 1734. 4. Pieces citees dans la Reponse etc. 1734. 4. Pa- 
tent, so Ihro zu Hungarn u. Boheim Konigl. Majestat . . . erge- 
hen lassen. 1744. 4. Marsch -Ordnung, welche von Unseren . . . 
Kays, trouppen am Ober Rhein zu halten . . . seyn wird. 4. 2 
Bande mit 47 Dissertationen , Abhandlungen etc. juridischen In- 
halts. 1696—1774. 4. Sigm. Soldan, Hof-Buch- u. Kunsthandl.: 
Biographien der in dem Kriege gegen Frankreich gefallenen Offi- 
ziere der baierischen Armee ; n— I V. Abth. 1871. 8. — Seehaosea. 
Dr. Ludw. Gotze, Gymnasial-Oberlehrer : Ders., urkundl. Ge- 
schichte der Stadt Stendal; Lief. 6. 7. 1871. 8. Ders., Geschichte 
der Burg Tangermiinde. 1871. 8. — Venedig. R. Istituto Ve- 
neto di scienze, lettere ed arti: Dass., Memorie; vol. XVI, 
p. I. 1872. 4. — Wallerstein. Wilh. Freih. Loffelholz von 
Kolberg, furstl. 5tt. - wallerst. Domanialkanzleirath u. Archivar: 
Ders., dem Prinzen Karl zu Oettingen-Oettingen u. Oettingen- Wal- 
lerstein zum Gedachtnis. 1871. 8. — Weimar. C. Ruland, Di- 
rektor des grofsh. Museums: British Museum. 1872. 2. — Wlei. 
J. B. v. Hoffinger, Hofsekretar: v. Hoffinger, Kronen aus Ita- 
liens Dichterwalde. 1868. 8. Oesterreich. Geschichte f. d. Volk; 
IV, V, IX, XIII, 1. 2. XIV -XVII. 1866-67. 8. v. Hoffinger, 
Dante's gottliche Comodie. 1866. 8. Lippert von Granberg, Pri- 
matialarchitekt : Danko, d. Feier des Osterfestes nach d. alten rom.- 
ungar.-Liturgie. 1872. 8. Sonderabdr. 

HI. Fiir das Archiv. 

(Nr. 4263 — 4265.) 

FOrth. Grau, Bahnhofverwalter : Ausweis fur die Burgerin 
Eleonore Hendrich, ausgestellt im Namen des Pfalzer Volkes von 
Theodor Romer, dem Delegaten des Civilkommissars zu Zweibru- 
cken. 1849. Pap. Orig. — Niirnberg. Sigmund vonFurer: Ge- 
sellschaft svertrag von Johannes Letscher, Doktor zu Nflrnberg, 
Philips Trakstet, Doktor zu Eisleben, Heinrich Gartner, Doktor, 
Hans Gartner, seinem Vater, und andern Biirgern von Nurnberg, 
die Benutzung der Schmelzhotte zu Arnstadt in Thiiringen betr. 
1502. Perg. Akten u. Papierurkunden, Orig. u. Abschrift vermisch- 
ten Inhalts, von 1467—1619. 61 Fasz. Akten. 



Chronik der historlscben Vereine. 



Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur 
Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. XVn. 
Jahrg. Juli -August. Wien. 1872. 4. 

Beitrage zur Alterthumskunde von West- Bui garien. Von F. 
Kanitz. (Mit 12 Holzschnitten.) — Die Statue Rudolph's von Habs- 
burg im Seidenhofe zu Basel. Von Ed. His. — Herzog Rudolph's IV. 
Schriftdenkmale. Von Dr. Franz Kurschner. (Mit 2 Taf. und 4 
Holzschn.) — Das Kunigundenkirchlein zu Mailberg in Nieder- 
Oesterreich. (Mit 7 Holzschn.) (Victor Luntz.) — Bericht iiber 
einige kirchliche Kunstwerke im Mattigthale und dessen Urogebung. 



(Mit 1 Holzschn.) (Florian Wimmer.) — Einige mittelalterliche 
Schmiedearbeiten in Ober - Ungarn. (Mit 10 Holzschn.) (Victor 
My8kov8zky.) — Kirchliche Baudenkmale in Ober-Oesterreich. (Mit 
4 Holzschn.). (Dr. Fronner.) — Aetzmaler. (A. v. Perger.) — Ael- 
tere Grabsteine in Nieder-Oesterreich. (Mit 4 Holzschn.) (Dr. K. 
Lind.) — Ein neu aufgegrabener Romerstein aus Wien. (Fr. Ken- 
ner.) — Das Kaiserhaus zu Goslar. (Alb. Ilg.) — Zur Literatur. 
Heraldisch-genealogische Zeitschrift. Organ des 
heraldisch-genealogischen Vereins „Adler a in Wien. 
Wien, Juli. 1872. II. Jahrg., Nr. 7. 8. 4. 



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261 



Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



262 



Die Prollenhofer von Purckersdorff. — Der Gewolbschlufsstein 
in der Kirche zu Chwalkowitz. Von Arnold Freyherrn von Weyhe- 
Eimke. — Zum Artikel „Locher von Lindenheim" von Franz Karl 
Wif8grilL — Ueber einen Zweig der Kinsky in den Niederlanden. 
Yon H. Borman8. 

Der Kirchen-Sohmuok. Blatter des christlichen 
Kunstvereines der DioceeeSeckau. 1872. III. Jahrg. Nr. 7. 
Gr&z. 8. 

Die Chri8tusbilder der byzantinischen Zeit. — Die Bekleidung 
der Mensa des christlichen Altares. 

Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. 
Nenere Zeit. (Hrsg. durch d. his tor. Commission bei d. k. 
Akad. d. Wissensch.) Elfter Band. Geschichte der Tech- 
nologic seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts. Von Karl 
Karmarsch. Munchen, R. Oldenburg. 1872. 8. VII u. 932 Stn. 

Forschungen zur Deutechen Geschichte. Herausgeg. 
ion ders. Commission. Zwolften Bandes zweites Heft. Gottin- 
gen, Verlag der Dieterich'schen Buchhandlung. 1872. 8. 

Ueber einige Quellen zur Papstgeschichte im vierzehnten Jahrh. 
Von Dr. Th. Lindner. — Zur Geschichte Kaiser Friedrich II. in 
den Jabren 1239 bis 1241. Von Prof. E. Winkelmann. 1. Die 
italienischen Feldziige 1239 und 1240. — Die altesten Magdebur- 
ger Burggrafen. Von Prof. F. Frensdorff. — Karl des Grofsen 
Saohsenzuge 776—785. Von W. Kentzler. — Kritische Untersu- 
chnngen zu dem Kriege Theodosius des Grofsen mit den Gothen 
378—382. Von Dr. G. Kaufmann. — Kleinere Mittheilungen. 

Oberbayerisches Archiv fur vaterlandische Ge- 
schichte, herausgeg. von dem historischen Vereine von 
und fur Oberbayern. 31. Band, Munchen, 1871. 8. 

Beitrage zur Kenntnifs der Tabula Peutingeriana. Von J. N. 
Seefried. II. III. — Ueber eine zweite romische Verbindungsstrafse 
yon Pons Oeni nach Turum. Von Bernh. Zopf. — Ueber die al- 
ten Graber und den bisherigen Gewinn ihrer Schadelfunde fur die 
Geschichte. Von Dr. Anselm Martin. — Urkundliche Beitrage zur 
Geschichte Miinchens. Von Ernst v. Destouches. — Bericht uber 
Banns von der Leiter, Statthalter zu Ingolstadt, und sein Ge- 
schlecht. Von Ed. Wimmer. — Das Edelgeschlecht der Waldecker 
auf Pastberg etc. bis zum Beginne des 13. Jahrh. Von Friedr. 
Hektor Grafen Hundt. — Ueber die Freisinger und Regensburger 
Bischofsreihen im X. Jahrh. Von Clemens Schmitz. — Ueber die 
hiesigen dem v. wurmbrandt'schen Codex verwandten Handschrif- 
ten des sog. Schwabenspiegels. Von Dr. Ludw. Rockinger. — 
Ueber die ehemaligen Richtstatten der in Munchen zur Todes- 
strafe Verurtheilten und ihre Volkssagen. Von Dr. Ans. Martin. 
— Der bayerische Hofstaat unter Herzog Maximilian I. i. J. 1615. 
Von Oberbibl. Foringer. — Ein Wehrthurm im ehemaligen Klo- 
ster zu Wessobrunn. Von Major Karl Popp. (Mit 1 Abbild.) — 
Eine geheime Gesellschaft am Hofe Max III. Joseph von Bayern. 
Von Dr. Sigmund Riezler. — Kleinere Mittheilungen. 

Die Miinzen- und Siegelsammlung desselben Vereins 
nach ihrem Bestande zu Anfang des Jahres 1871. Erstes Heft: 
Antike Miinzen. Hrsg. durch Friedrich Hector Grafen Hundt. 
Zweites Heft: Mittelalterliche und neuere Miinzen, Medaillen und 
8iegel. Hrsg. durch J. P. Beierlein. Munchen, 1871. 8. 

Zeitschrift des Kunst-Gewerbe-Vereinszu Munchen. 
XXII. Jahrg. Heft 1—8. Munchen, 1872. Theodor Ackermann. 2. 

Charakteristik der Hauspforte von Prof. Emil Lange. — Ueber 



den Einflufs der exakten Wissenschaften und der Technik auf die 
stylistische Entwickelung der schonen Kiinste. Von J. v. Schma- 
del. — Mittheilungen Uber Goldschnitte an Bttchern. Von Schreib- 
maier. — Ueber Steinkrflge und Holzformen fur Backwerk als 
Proben volksthumlicher Kunst. Von A. Meklenburg. 

37. JahreBbericht des historischen Vereins von 
Mittel frank en. 1869 und 1870. Ansbach. 8. 

Urkunden und Regesten zur Geschichte der Sippe der Cro- 
phonen auf dem Nordgau, von Dr. Kropf. — Nflrnbergs Verfas- 
sung im Mittelalter von J. Baader. — Die Franciscanerkirche in 
Rothenburg o. T. von Merz. — Stiftungsbrief des Predigt- und 
Lesamts der hi. Schrift in der S. Gumbertuskirche zu Ansbach 
(von 1430) von Dr. v. Elsperger. — Hagelstein's Briefe fiber den 
Reichstag zu Augsburg von 1530, von Hochstetter. — Uffenheimer 
Urkunde von 1473, von J. Harnes. — Briefe Hedwig's der 2. Ge- 
mahlin Georg's des Frommen, von Auerochs. — Beilager des 
Markgrafen Albrecht mit Anna von Sachsen, von J. Baader. — 
Beschwerden des Dr. Augustin Megersheimer fiirstlichen Rathes 
zu Ansbach (1530). — Zwei Ansbach'sche Weisthiimer. -• Das Ge- 
schlecht der Tucher in Nurnberg und seine Gedenkbiicher , von 
Dr. Th. v. Kern. — Index iiber die ersten 30 Jahrgange der Ver- 
einsberichte, von Walthierer. 

Wiirttembergische Jahrbiicher fiir Statistik und 
Landeskunde. Herausgegeben von dem K. statistisch-to- 
pographischen Bureau. Jahrgang 1870. Stuttgart. H. Lin- 
demann. 1872. 8. 

Beitrage zur Jugendgeschichte des Herzogs Christoph von 
Wiirttemberg. Von Dr. Paul Friedr. Stalin. — Die altere Geneo- 
logie der Grafen von Rechberg. Von H. Bauer. — Beitrag zur 
Lebensgeschichte des Herzogs Eberhard II. von Wiirttemberg. 
Von Dr. v. Stalin. 

Verhandlungen des Vereins fiir Kunst und Alter- 
thum in Ulm und Oberschwaben. Neue Reihe. Viertee 
Heft. Mit 2 Holzschnitten. Ulm, 1872. 4. 

Vereinsangelegenheiten. — Bausteine zu Ulm's Kunstgeschichte. 
Von Prof. E. Mauch: 10. Des Munsterbaues friihere Mittel. 11. Ul- 
mer Kflnstler und deren Monogramme. — Das freie Handwerk der 
Kefsler in Oberschwaben. Von Dr. M. R. Buck. — Die fruheren 
politischen Zustande des ehemaligen Nibelgaues. Von R. Roth. — 
Die Gassenbezeichnung auf dem altesten Stadtplan Ulras. Von C. 
A. Kornbeck. — Bei der Kallende. Von Justizrath Bazing. — Noch 
einmal das Ruhethal. Von dems. 

Mittheilungen des Koniglich Sachsischen Vereins 
for Erforschung und Erhaltung vaterlandischer Ge- 
schichte- und Kuhst-Denkmale. Zweiundzwanzigstes Heft 3 "). 
Dresden, 1872. 8. 

Vereinsangelegenheiten. — Der Dresdner Superintendent Dr. 
Joach. Gottlob am Ende. Von Christian Gottlob Ernst am Ende. 
— WolfKaspar von Klengel. Von Frhrn. 6 Byrn. — Nickel von 
Minckwitz. Ein Ritterleben aus der Reformationszeit. Von Dr. 
Johannes Falke. — Ein Instrumenteninventarium vom Jahre 1593. 
Mitg. von M. Fttrstenau. — Zur Geschichte der sachs. Landstande. 
Die Regierungszeit des Kurfursten Moritz 1547 — 1554. Von Dr. 
Johs. Falke. 

Mittheilungen des Vereins fiir Mflnz-, Wappen- 



*) Heft 17, !9 u. 20 sind noch lurtick. 



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263 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



•and Siegelkundo in Dresden. 2. Heft, nebst 1 photogra- 
phirten Tafel. Dresden, 1872. 8. 

Vereinsangelegenheiten. — Die Auspragung der Thaler im 
Kurstaate und im Eonigreiche Sachsen, von ihrem Aufkommen bis 
zur Gegenwart. — Die Wappen und Siegel der Stadte Sachsens 
etc. (Forts.) — Versuch eines Nomenklator des sachsischen Adels. 
(Forts.) 

Dresdener Chronik vom 1. Juli bis 31. December 1869 
herausg. vom Vereine fiir Geschichte und Topographic 
Dresdens und seiner Umgebung. Nebst Vereins-Nachrich- 
ten. Mittheilungen des Vereines. 1. Heft. Dresden. Emil 
Schilling. 1872. 8. 

(Der vorstehend genannte Verein ist ein auf Anregung des 
Lehrers K. E. Rieger neugegriindeter , dessen Constituierung am 
10. Juni 1869 erfolgte. Obwohl erst von geringer Mitgliederzahl, 
hat derselbe gleichwohl bereits eine erfreuliche Thatigkeit ent- 
wickelt. Wahrend der zwei abgelaufenen Vereinsjahre wurden in 
44 Sitzungen viele Vortrage, darunter nicht weniger als 29 gro- 
fsere, gehalten.) 

Neues Lausitzisches Magazin. Im Auffcrage der Ober- 
lausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften hrsg. 
von Prof. Dr. E. E. Struve. 49. Bd., 1. Halfte. Gdrlitz. 1872. 8. 

Das Franziskanerkloster in Bautzen. Nach Urkunden und ar- 
chivalischen Nachrichten dargest. vom Reg. -Rath Edelmann. — 
Leibniz und sein agyptisches Project. Von Dr. Oskar Hubatsch. 
— Die altesten Drucker (darunter viele Deutsche) und Druckorte 
der Pyrenaischen Halbinsel. Von Dr. phil. Ernst Volger. — Ein 
Tourist gegen Ende des 16. Jahrh. Von Rud. v. Eyaw. — Eini- 
ges znr Geschichte der Frauenkirche. Vom Hrsgbr. — Beitrag 
zur Geschichte des Bergbaues in der Oberlausitz. Bericht von 
dems. — Das Johanneum in Zittau. Von dems. 

Beitrage zur Rttgisch -Pommer'schen Kunstge- 
echichte. Heft I. Danemarks Einflufs auf die friihste christliche 
Architektur des Furstenthuras Rugen. Dargestellt von Karl von 
Rosen. Stralsund und Greifswald. Vereinsschrift der Rugisch- 
Pommer'schen Abtheilung der Gesellschaft fiir Pom- 
mex'Bche Geschichte u. Aiterthumskunde. 1872. 8. 

Lieder u. Spriiche des Fiirsten Wizlaw von Rugen. 
Nach den Ausgaben von v. d. Hagen in den Minnesangern und 
von EttmOller in der Bibliothek der Deutschen Nationallitteratur 
iibersetzt und orlautert von Dr. Theodor Pyl. Greifswald. Ver- 
einsschrift derselben Gesellschafts-Abtheilung. 1872. 8. 

Der Deutsche Herold. Zeitschrift fiir Heraldik, Sphragi- 
stik und Genealogie. Organ des Vereins fur Siegel- und 
Wappenkunde zu Berlin. UL Jahrg. Nr. 6 u. 7. Berlin, 
1872. 4. 

Genealogisch-heraldische Streifziige. 2. Blankenberg. — Fort- 
setzung der Beitrage zur Geschichte der Edlen Herren von Wil- 
denfels. — Redende Wappen. (Ludw. Graf Uetterodt.) — ZurFa- 
miliengeschichte des deutschen Adels (v. Deneken, v. Meinerts- 
hagen.) (Dr. W. Crecelius.) — Beitrage zur Genealogie einiger west- 
phalischer Geschlechter. — Die verschiedenen Familien von Neu- 
mann im Preufsischen Staate. Nachtrage zu v. Ledebur's Adelslexi- 
con. — Die Crause, Krause u. Craufs in 8chlesien. — Bemerkung 
zum „bdhmischen Adler" in Nr. 4 des Herold von 1872. — Be- 
richtigungen zu demselben Artikel. — Der deutsche Reichsadler. 
(Nach dem im Deutschen Reichsanzeiger gegebenen Holzschnitt. 



Mit Consens des p. p. Guratoriums.) — Heraldische Musterbflder. 
Nr. 5. Reise-Erinnerung aus Marburg. — Kleine Notizen etc 

Vierteljahrsschrift des Deutschen Herold. 1872. 1. Heft 
Berlin, 1872. 8. 

Das heraldische Lehensrecht. Eine Untersuchung von Gusti? 
Seyler. — Zur Geschichte der Familie von Rantzau (Linie Neu- 
haus) von Louis von Ahlefeldt. (Mit zwei Stammtafeln.) 

Monatshefte far Musik-Geschichte herausgegeben von 
der Gesellschaft fiir Musikforschung. IV. Jahrg. 1872. 
Nr. 7. Berlin. 8. 

Versuch einer kritischen Erklarung des Kap. X im Microlo- 
gus des Guido von Arezzo. Gerb. Script H. p. 10 von Raym. 
Schlecht. 

Zeitschrift fiir Ethnologie. Organ der Berliner Ge- 
sellschaft fiir Anthropologic, Ethnologie und Urge- 
schichte. Vierter Jahrg. 1872. — Heft HL Berlin. Verlag von 
Wiegandt u. Hempel. 8. 

Funde romischer Munzen im nordostlicben Deutschland. Von 
Dr. J. Friedlander. — Die Glnckshaube und der Nabelschnurrest; 
ihre Bedeutung im Volksglauben. Von Dr. H. Plofs. 

Zeitschrift der Gesellschaft fur die Geschichte 
der Herzogthumer Schleswig, Holstein and Lauen- 
burg. Dritter Band. Erstes Heft. Kiel, 1872. 8. 

Das Schassianum. Von Rudolf Usinger. — Antiquarische Mis- 
cellen. Von H. Handelmann. Mit 2 Steindrucktafeln und 2 Holz- 
schnitten. — Kleiner Nachtrag Schleswigscher Urkunden. Mitg. 
von v. Stemann. — Zur Geschichte des Herzogs Earl Friedrich. 
Mitg. von Friedrich Volbehr. — Eleinere Mittheilungen. 

Nordhausens mittelalterliche Eunstdenkmaler 
gez. von Eugen Duval. ImAuftrage der Nordhauser Section 
desHarz-Vereins herausg. von Dr. Theodor Perschmann. Heft I 
mit 4 Steindrucktafeln. Nordhausen, 1872. 8. 20 Stn. 

Memoires de la Societe royale des Antiqnaires 
du Nord. Nouvelle Serie. — 1870. 1871. Copenhague. 8. 

Les anciennes eglises a tour-geminee dans les villages danois. 
Par J. Eornerup. — Les empreintes des bracteates en or, essai 
d'interpretation. Par J. J. A. Worsaae. — Remarques sur les in- 
criptions runiques des bracteates en or. Par Sophus Bugge. — 
Figures enigmatiques d'hommes et d'animaux employees dans Par- 
chitecture danoise au moyen-age. Avec 1 planche. Par J. Eornerup. 

Aarboger for Nordisk Oldkyndighed og Historie, 
udgivne af det Eongelige Nordiske Oldskrift-Selskab. 
1871. Andet, tredie og fjerde Hefte. Ejobenhaven. 8. 

Om Eristenforfolgelser i Danmark. Af A. D. Jorgensen. — Hvad 
er Eongespeilets „Havgjerdinger" ? Et Bidrag til Forstaaelae af 
Eongespeilet og til Bestemmelsen af dets Affattelsestid. Af J. 
Japetus S. Steenstrup. — Bemaerkninger om Runeindskrifter pa 
Guldbrakteater. Af Sophus Bugge. — Rettelser til Oversa3ttelsen 
af Ljomur. AfR. Jensen. — De udskaarne Eirkedore fra Valtlyof- 
stad og Hyllestad. Af Otto Blom. — Om Middelalderens Frem- 
stillinger af Christus paa Eorset. Af J. Eornerup. — Om Over- 
gang af Meerket I i nordiske Gerningsord. Af L. Vanning. — 
Flintensbrud fra den yngre Stenalder i Belgien og England. Af 
C. Engelhardt. — De aaldste runeindskrifters sproglige stilling. U. 
Af Eonr. Gislason. — Formentlige Vidnesbyrd om vendiske Ind- 
fald i Danmark. Af P. Broock. — Enden nogle Ord om Lim§or- 
dens Forbindelse med Vesterhavet i det lite Aarhundrede. Af C. 



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365 



Anzeiger fur Kunde der deutechen Yorzeit. 



266 



F. Bricka. — Norske Historieskrivere paa Kong Sverres Tid. Af 
Gustav Storm. — Romerske Statuetter og andre Kunstgjenstande 
fra den tidlige nordiske Jernalder. Af C. Engelhardt. 

1872. Forste Hefte. Den celdre Jernalders Begravelser paa 
Bornholm. Af E. Vedel. 



Sitzangsberichte der Kurlandischen Gesellschaft 
fur Literatur und Kunst, ana dem Jahre 1871. Mitau, 
1872. 8. 

(S. 7 ff.) Skizze der Geschichte dee Theaters zn Mitau in alte- 
rer Zeit. Yon J. Ddring. 



Nachrichten. 



Literatur. 

Neu er8chienene Werke. 
18) Aeltere Geschichte der Buchdruckerkunst in 
Magdeburg yon Dr. Ludw. Gotze. Magdeburg, Bansch, 
1872. 8. I. Abth. Drucke des 15. Jhdts. 178 Stn. u. 5 Taf. 

Je folgenreicher eine Erfindung geworden, um so naher liegt 
es fir den Forscher, die Geschichte ihrer Entstehung, Entwicklung 
und Ausbreitung zu verfolgen, um so naher far den Lokalforscher, 
den Antheil festzustellen , den seine Heimat an derselben genom- 
men. So haben wir bereits von einer Reihe von Stadten die Ge- 
schichte der Buchdruckerkunst in denselben. Solche Monogra- 
phien sind aber nicht bios fur" die Lokalforschung wichtig. Nur 
aof Grundlage derselben lafst sich eine wirklich genaue kritische 
Geschichte der Buchdruckerkunst aufstellen, weil das Material zu 
umfassend iat, als dafs ein Einzelner alle diese Spezialforschungen 
bewaltigen, alle diese Tausende von Werken einzeln genau prufen 
konnte. Und doch ist das nothig. Denn wenn einmal die Geschichte 
der Erfindung selbst dargestellt ist, so tritt als zweite Aufgabe die 
hinzu, festzustellen, wie rasch dieselbe sich verbreitet, in welchen 
Stadten sie zuerst Eingang gefunden, ob sie eine bleibende Statte 
dort hatte und welche Werke sie zuerst vervielfaltigte. Eaum kon- 
nen for die Charakterisierung der Kulturzustande im Allgemeinen 
und zum Vergleiche der einzelnen Gegenden und Stadte unter sich 
deutlicher sprechende Beweise gefunden werden, als die Frage, 
welche Werke zuerst gedruckt wurden und wie rasch oder spat 
die grofoe Eunst nach der Erfindung sich Eingang verschaffen 
konnte. Fur Magdeburg, das als erzbischoflicher Sitz, durch die 
Bedeutung seines Domkapitels, seine Eloster und Schulen und die 
Regsamkeit seiner Bflrgerschaft sich zu einem der Kulturmittel- 
punkte Norddeutach lands langst erhoben hatte, wird die Entste- 
hung der ersten gedruckten Bucher im Jahr 1483 nachgewiesen, 
nachdem schon vorher in Liibeck eine Magdeburger Missale ge- 
druckt worden war. Ravenstein und Westfal waren die ersten Dru- 
cker, die in Gemeinschaft in den Jahren 1483 und 1484 sieben 
hier nachgewiesene geistliche Werke druckten. Nachdem diesel- 
ben ihre Werkstatte verlegt, erschien 1486—88 Koch, 1490 Men- 
tier, 1491 Brandis, die in den nachstfolgenden zehn Jahren uber 
30 Werke geistlichen und weltlichen Inhalts druckten, unter de- 
nen insbesondere schon einige Unterhaltungsschriften, d. h. Aus- 
gaben der spater so beliebten und verbreiteten Yolksbiicher sich 
finden. Der Verfasser beschreibt jedes einzelne Druckwerk genau, 
geht auf die Verzierung derselben durch Holzschmtte ein und legt 
insbesondere den Zusammenhang mit andern Stadten, so Mainz, 
Liibeck, Leipzig, Stendal u. s. w. dar, woher theilweise die Dru- 
cker gekommen, wohin sie spater gegangen, wohin der Charakter 
ihrer Typen deutet u. s. w. Elarheit und Uebersichtlichkeit im 



Yortrage erwiesener Thatsachen, Ignorierung und Beiseitelassung 
von Fabeln und Hypothesen, Vorsicht, wo zur AusfuUung von Lu- 
cken im positiven Materiale Hypothesen aufgestellt werden mus- 
sen, zeichnen die Schrift vortheilhaft aus. A. E. 

19) Kulturgeschichte der neueren Zeit. Vom Wie- 
deraufleben der Wissenschaften bis auf die Ge- 
genwart. Von Otto Henne-Am Rhyn. Zweiter und 
dritter Band. Leipzig, Verlag von Otto Wigand. 1871, 1872. 
8. 624 u. 691 Stn. 

Der Verfasser behandelt in der aus dem ersten Bande bekann- 
ten gedrangten Weise, nach welcher er einem Reichthum von That- 
sachen durch kurzes Rasonnement ihre Stellung im allgemeinen 
Gauge der Kulturentwicklung anweist, im zweiten das Zeitalter 
der Aufklarung, im dritten die neueste Zeit. Der erste vorlie- 
gende Band ist in sechs, der zweite in acht Bucher getheilt, wel- 
che in zahlreichen Unterabtheilungen das Leben des Volkes nach 
seiner standischen Gliederung und den verschiedenen Berufsthatig- 
keiten, sowie die verschiedenen Factoren der materiellen Interes- 
sen und ideellen Ergebnisse vorfiihren. Wie es in der Natur der 
Sache liegt, finden wir grofsten Theils das Material wieder, auf das 
wir auch in den friiheren Behandlungen desselben Gegenstandes 
stofsen; vieles Neue ist atyer hinzugefugt. Der Verfasser hat sich 
namentlich in der Gegenwart allseitig umgesehen und sich nicht 
gescheut, den widrigsten Erscheinungen des modernen Zersetzungs- 
proze8se8 gefafst in's Angesicht zu sehen. Das grofste Interesse 
erhalt das Werk aber durch den darin vertretenen Standpunkt in 
Beurtheilung der Thatsachen. Der Verfasser gehort der fortge- 
8chrittensten Richtung des neueren Materialismus an; aber auch 
diejenigen, welche diese Richtung am entschiedensten von sich 
weisen, werden nicht verschmahen diirfen, ihre Ansichten vor 
einer so im Einzelnen durchgefahrten zu prufen. v. E. 

20) Heraldisches Musterbuch von Ad. M. Hilde- 
brandt. Berlin, Mitscher u. Rostell, 1872. 4. 1. u. 2. 
Liefer. 18 Stn. 16 Taf. 

Die Heraldik hat ihre Formen im Laufe der Jahrhunderte 
stets den allgemein geltenden Stilgesetzen angepafst. Weil 
geistiges Produkt der specifisch mittelalterlichen Anschauung, 
ist ihre Bliithezeit mit dieser identisch, und als nach und nach 
die letzten Ideen des Mittelalters unter der Herrschaft derjeitigen 
des 16., 17. und 18. Jahrh. geschwunden waren, mufste naturge- 
mafs auch die Heraldik zu einer systemlosen Spielerei ausarten. 
Wenn nun zwar auch unsere Zeit noch weiter von jenen Ideen ent- 
fernt ist, so haben dennoch die kunst- und kulturgeschichtlichen 
Studien den Formenkreis jener Zeit uns wieder gelaufig gemacht, 
und Eunstler wie Kunstfreunde wollen, wo heraldische Embleme 



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367 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



368 



vorkommen, sie strenge im Geiste der Alten gebildet sehen. Aber 
die historischen Studien sind nicht im Stande gewesen, eine be- 
8timmte Periode der alten Zeit vollstandig lebendig zu machen 
und ihr zu ausschliefslicher Herrschafb zu verhelfen; vielmehr hat 
eine jede ihre Freunde und Anhanger ; jede wird praktisch betha- 
tigt, und die jetzige Heraldik mufs sich demgemafs heute in die 
ernsten, strengen Formen des Ursprunges, morgen in die einfach 
stolzen der Gothik, dann in die pikant launigen der Renaissance, 
wie die bombastisch hohlen der Rococozeit, selbst in die lacher- 
lichen der Zeit des ersten franzosischen Kaisers finden. Da war 
denn ein Buch nothig, das, wie das angefahrte, als Lehrbuch so- 
wohl wie als Nachschlagebuch praktisch eingerichtet, die Entwick- 
lung nicht nur im Ganzen, sondern far jede Einzelform zeigt. 
So hat der Verfasser in der ersten Lieferung 5 Wappen, Schild, 
Helm, Helmzierden und Helmdecken, in je 7 abwechselnden , ver- 
schiedenen Perioden angehorigen Formen dargestellt. Taf. 8 und 
9 (letztere wird erst der 2. Lieferung beigegeben) sind der prak- 
tischen Verwendung des Wappens auf Siegeln gewidmet ; Taf. 10 
bringt Heroldstiicke und heraldische Damascirungen, Taf. 11 — 16 
die Bildung der menschlichen Figuren und ihrer Theile. Ihnen 
folgen die Thiere, so auf Taf. 17 die Lowen. Die Tafeln sind 
charakteristisch gezeichnet, bald stramm und energisch, bald weich 
und leer, je nachdem der Gegenstand es mit sich bringt. Das 
Werk ist auf 5 Lieferungen berechnet. E. 

21) Geschichte von Frankfurt am Main in ausgewahl- 
ten Darstellungen. Nach Urkunden und Acten von Dr. 
G. L. Kriegk, Professor u. Stadt-Archivar. Frankfurt a. M. 
Verlag von Heyder u. Zimmer. 1871. 8. 485 Stn. 

Wir hatten schon fruher Gelegenheit, die ausgezeichneten Lei- 
stungen des Verfassers auf dem von ihm bearbeiteten Gebiete an- 
zuerkennen. Auch in vorliegendem Werke spricht uns vor allem 
der seltene historische Takt an, durch welchen die Personiichkeit 
des Bearbeiters und der Gehalt des Stoffes in der Darstellung zu 
einem bedeutsamen Ganzen zusammentreten. Derselbe macht sich 
auch in der Auswahl der gegebenen Bruchstacke der reichsstadti- 
echen Geschichte bemerkbar, denn es sind nicht etwa, wie man 
erwarten konnte, besonders interessante Theile, sondern Haupt- 
momente der Entwicklung gegeben, aus denen fur Jeden, der 
nicht 8pecialstudien treiben will, sich ein Ganzes zusammensetzt, 
oder be8ondere Vorkommnisse, die ein Schlaglicht nicht allein auf 
die Frankfurter Geschichte werfen. Der einzelnen Abhandlungen 
sind funfunddreifsig , welche sich der Zeit nach von der Vorge- 
schichte des heutigen stadtischen Gebietes bis zum Jahre 1816 er- 
strecken, sowohl die Wandlungen in der Verfassung der Stadt, 
wie historische Ereignisse, die Einflufs darauf hatten, die kirch- 
lichen Verhaltnisse , wie die Bedingungen der Culturentwicklung 
bertthren. Hinweisungen auf die betreffenden Urkunden sind nicht 
gegeben, ohne Zweifel, weil deren Menge erdruckend hatte wir- 
ken miissen. v. E. 



22) Zur Geschichte des Verkehrswesens. Allen Gebil- 
deten gewidmet von F. Perrot. Rostock, Ernst Kuhn's 
Verlag. 1871. kl. 8. 1 Bl. u. 143 Stn. 

Der Verfasser hat sich seinen Stoff in vier Abschnitten zu- 
rechtgelegt. Der erste derselben: „Zur Geschichte des Verkehrs- 
wesens und zur Kenntnifs seiner Bedeutung in der Gegenwart" 



zerfallt abermals in zwei Abtheilungen : 1. bis zur franzosichen 
Revolution (S. 1—48), 2. seit der franzosischen Revolution (S. 48 
—79). In jener geht der Verfasser nach einem kurzen Ueberblicke 
des romischen Strafsenwesens zu dem Mittelalter aber, und sucht 
das allmahliche Wiederaufleben des grofsen Weltverkebrs vor- 
ziiglich aus den Bewegungen zu entwickeln, welche theils die 
Kreuzzuge hervorriefen, theils ihnen zur Seite giengen oder nach- 
folgten. Die nachfolgende Entdeckung der Seewege nach Ame- 
rika und Ostindien, der erweiterte Welthandel und das Kolonial- 
system werden mit der raschen Erweiterung der Verkehrsanstalten 
und den darauf abzielenden Erfindungen in engsten Zusammen- 
hang gebracht. In der zweiten Abtheilung begegnen wir zunachst 
dem grofsen Umschwunge, der durch die franzdsische Revolution 
und Napoleon vor allem in das Strafssnwesen gebracht wurde. 
Daran reiht sich die Geschichte der Dampfschiiffahrt und des 
Eisenbahnwesens, sowie der aufserordentlichen Umwalzung, welche 
diese beiden grofsartigen Verkehrsmittel in der Beforderung der 
Giiter und Briefe hervorgerufen haben. 

In dem Abschnitte: „Ueber das Verkehrswesen der alten Ro- 
mer" kehrt der Verfasser noch einmal zu einem theilweise schon 
vorher behandelten Gegenstande zuruck, offenbar, um in der Ein- 
richtung der nur den herrschenden Kasten zu Gute kommenden, 
aber fur das Volk unfruchtbaren romischen Postanstalten den gro- 
fsen Unterschied zwischen der Vorzeit und der Gegenwart darzu- 
legen. Dazu bietet sich in dem dritten Abschnitte: „Zur Ge- 
schichte des 8chrifblichen Verkehrs" die beste Gelegenheit. Es 
wird von der stufenweisen Vervollkommnung und Verbreitung des 
Schreibmaterials, von der Erfindung des Siegellacks gesprochen. 
Dieses leitet den Verfasser zu den Posteinrichtungen Ludwig's XI. 
in Frankreich, zu den Thurn- und Taxis'schen Reichsposten in 
Deutschland, und zu den riesenmarsigen Fortschritten, die von da 
bis auf die Gegenwart herab auf diesem Gebiete stattgefunden ha- 
ben. Der letzte und vierte Abschnitt: „Zur Geschichte des Be- 
leuchtungswesens und zur Kenntnifs seiner Bedeutung far die Ge- 
genwart" beginnt mit einer sehr bezeichnenden Bemerkung: 
Wahrend des ganzen Mittelalters gab es in den Stadten keine 
Strafsenbeleuchtung ; der erste Versuch hiezu wurde erst in der 
Mitte des sechzehnten Jahrhunderts zu Paris gemacht. Der Ver- 
fasser verfolgt nun die Verbreitung dieser Einrichtung durch die 
verschiedenen Lander Europas bis zur Anwendung des Gases und 
schliefst mit der Beschaffenheit der Leuchtthurme. — Das Buch 
ist voll zahlreicher Notizen, die ebenso zur Unterhaltung , als zur 
Anregung und Belehrung dienen. A. F. 



Aufs&Use in Zeitschriften. 

Das Aus land: Nr. 32, S. 763. Inter sacro et saxum. Ueber 

Wortbildungen aus der Steinzeit. (Dr. G. Bossart-Oerden.) 
Eur op a: Nr. 31. Das (Oberammergauer) Passionspiel u. dieWal- 

kare. I. — Die Holbeinische Madonna (nach Gadertz). 
Die Grenzboten: Nr. 30, S. 121. Eine Berner Patricierin des 

17. Jahrh. (A. Wysard.) — S. 138. Reisen zu Anfang des vori- 

gen Jahrh. (Max v. Eelking.) 2. Reise nach Zerbst, Leipzig 

und Berlin. 
Im neuen Reich: Nr. 31, S. 169. Die Familiengeschichte der 

Sprachen. (Gustav Meyer.) — Nr. 32, S. 209. Hans Sachs. (J. 

0. Opel.) 



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269 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit 



270 



Preufs. Jahrbucher: 30. Bd. S. 51. Maler Miiller u. Gothe. 

(K. Weinhold.) — S. 87. Die Petrussage. I. (W. Lang.) 
Der Katholik: Juni. Die Bekehrung der Burgunden durch Bi- 

schof Crotold von Worms. 
Korrespondent v. n. f. D. : Nr. 381. Der Todestag des Hans 

Sachs. (Lochner.) 
Deutsche Kunstzeitung : Nr. 28, S. 225. Die Holbein'schen 

Madonnen. (G. Breisch.) 
Magazin f. d. Lit. d. Ausl.: Nr. 28, S. 368. Polnische Recla- 
mation in Bezug auf Nic Copernicus. 
Organ far christl. Kunst: Nr. 12. Die beriihmtesten Heiligen 

in der bildenden Kunst. (B. Eckl.) Der heil. Bernhard (1153 

n. Chr.) 
N. Freie Presse: Nr.2850. Zur 400jahrigenjubelfeier derMun- 

chener Universitat. (H. M. Richter.) 
Norddeutsches Protestantenblatt : Nr. 25. Luther's politi- 

scher Rockfall. 
Deutscher Reichsanzeiger: Nr. 27. 29. Zur Geschichte des 

Danziger flandels. — Aeltere Stadtesiegel aus dem Harzgebiet. 

Nr. 29. Aus dem Leben der Volker im Kriege. — Die deutschen 

Bergleute im Mittelalter. 
Revue des deux mondes: 15. Juillet, p. 354. Le socialisme 

au XVI. siecle. 1. La guerre des pay sans, par M. Alfred Maury. 

1. Aoiit, p. 505. Les formes primitives de la propriete. II. La 

marke Germanique et Porigine de l'inegalite. (Emile de Lavoleye.) 
Ueber Land u. Meer: Nr. 43, S. 7. Schlosser aus der Umge- 

bung Berlins. 3. Kopnik. — 8. 8. Erfurt (Karl Seifart.) 
Wochenblatt der Job.-Ord.-Balley Brandenburg: Nr. 

30 f. Der schwarze Tod. Historische Darstellung von Ludwig 

Grafen Uetterodt zu Scharffenberg. — Nr. 31. Der Bischof Hie- 

ronymus Scultetus und Luther. — Nr. 34. Finanzverwaltung u. 

Staatshaushalt des Johanniter-Ordens auf Rhodus. (Dr. Herquet.) 
Oesterreich. Wochenschrift ffir Wissensch. u. Kunst: 

28. u. 29. Heft. Zur Geschichte der Aesthetik. (E. v. Hartmann.) 
Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 202. Die Abteikirche zu Seligen- 

stadt und das Grab Einhards und Imma's. — Nr. 209 ff. Das 

Studentenleben auf der Ludwig-Maximilians-Universitat. 
Frankfurter Zeitung: Nr. 223. Das historische Volkslied. 

Skizze von Emil Weller. IV. 
Illustr. Zeitung: Nr. 1518. Aus dem neuen deutschen Reichs- 

land. Gorze in Lothringen. (Ed. Griinewald.) —- Schlofs Stein 

in Nassau an der Lahn. — Nr. 1519. Der Aberglaube unserer 

Zeit. I. 
Leipziger Zeitung: Wiss. Beil., Nr. 58. Die deutsche Politik 

Gustav Adolf 8 nach den neuesten Ergebnissen der Geschichts- 

forschung. — Nr. 59 u. 60. Graf Wiprecht von Groitsch und 

das Wiprechtdenkmal in der St. Laurentiuskirche zu Pegau. 



Vermischte Nachrichten. 

83) Der Umbau der ehemaligen Abteikirche zu Seligen- 
stadt bot Gelegenheit zur naheren Kenntnifs und Altersbestim- 
mung der einzelnen Theile des Baues. Es hat sich dabei mit un- 
zweifelhafter Gewifsheit ergeben, dafs die ganze Schiffanlage noch 
der ersten Bauzeit angehort und das Werk Einhard's (827 oder 
828) noch in den Grundlinien erkennbar und in betrachtlichen 
Theilen erhalten ist. Einhard's Bau war eine dreischimge Basilika, 



deren Abschlufs gegen Westen nachweisbar war, wahrend an das 
OBtliche Ende der Schiffe das romanische Transept sich anlehnt; 
indefs durften auch hier die alten Grenzen festgehalten worden 
sein. Im Westen legte sich ein Atrium vor, wovon sich die An- 
satze und Spuren des aufseren Dmfanges vorfanden. Dasselbe 
hatte nicht die voile Breite der Schiffe; in der Mitte des Rauroes 
fand sich ein alter, verschiitteter Brunnen und die friiher erwahnte 
hochst merkwiirdige Brunnenfigur, ein Diakon mit einem Wasch- 
becken, welche vor einiger Zeit nach Darmstadt in die dortige 
Sammlung verbracht wurde. Beim Abbruch des romanischen Thur- 
mes an der Nordseite der Westfront zeigten sich an derselben 
Spuren von Verputz, so dafs sich hieraus, wie aus dem Mangel 
eines organischen Verbandes mit Sicherheit entnehmen liefs, dais 
die Thiirme nicht zur ersten Anlage gehorten. Den durchschla- 
genden Beweis for die Altersbestimmung der genannten Theile, 
so wie der Pfeiler und Arkaden des Mittelschiffes bietet jedoch die 
merkwiirdige Technik. Die Grundmauern des Atriums, sowie die 
Eckpfeiler des Schiffbaues, die Thdrofihungen zu den drei Schif- 
fen mit ihren Entlastungsbogen, sowie die Bogenstellung des Schif- 
fes sind namlich in Ziegelbau ausgefiihrt, welcher sich unmittelbar 
an die rdmische Tradition anschliefst. Die machtigen Ziegelplat- 
ten, welche auf der oberen Flache meist vier wellenformige, flach- 
eingetiefte Linien nach der ganzen Lange zeigen, sind sehr sorg- 
faltig geformt und gebrannt; die Dimensionen sind 0,40 : 0,25 : 0,5. 
Die zu den Bogenwolbungen verwendeten Ziegel sind eigens da- 
fur gerichtet und nach dem Radius in der Starke verjflngt. Die 
Mortelschichten sind sehr bedeutend, meist zwischen 0,03 und 0,04 
stark. Der Mortel selbst ist mit feinem Sande gemischt, sehr weifs 
von Farbe, aber anscheinend nicht mehr von grofser Festigkeit. 
Von Detailbildungen ist kaum etwas erhalten, da durch die wie- 
derholten Bodenerhohungen die Basen zerschlagen und verschut- 
tet und bei den Umgestaltungen der Kirch e im vorigen Jahrhun- 
dert die Kampfer zerstort und durch Gypsglieder ersetzt wurden. 
Die ursprungliche Form der Pfeiler ist schlicht quadratisch, ohne 
jede Gliederung; erst die Zopfzeit setzte noch den Seitenschiffen 
als Gurttrager flache Pilaster vor, liefs aber sonst den Korper 
der Pfeiler unberiihrt Um so unverantwortlicher ist es, wenn bei 
den jetzigen Veranderungen Hand an die Pfeiler gelegt und ih- 
nen ein armseliges , modernes Profil mit gebrochenen Ecken auf- 
gezwungen wird. Man hatte wenigstens in diesem Punkte von 
dem Barbarismus der Zopfzeit lernen konnen, die den letzten Rest 
der Einhard'schen Basilika wenigstens zu schonen wufste, wahrend 
die Restaurationen unserer Tage unbedenklich ein so ehrwurdiges 
Denkmal karolingischer Kunst durch das Mai schwachlicher Mit- 
telmafsigkeit entstellt. Die Seitenschiffe, sowie die Oberwand des 
Mittelschiffes zeigen eine ganz verschiedene Technik. Sie sind 
gleich den beiden Kreuzarmen und dem sog. Archive an der Nord- 
seite aus regelmafsig geschichtetem Bruchmateriale, buntem Sand- 
steine der Maingegend, aufgefohrt, und durften jener umfassenden 
Erneuerung in fruhromanischer Zeit angehoren, in welcher auch 
die Thurmanlage an der Westfront entstand. Der Umbau der 
Seitenschiffe und deren Einwolbung ist nahezu voUendet, leider in 
einer Weise, welche keine Spur von der ehrwiirdigen romanischen 
Basilika mehr erkennen lalst. Eamus hinc! 

Mainz. Friedrich Schneider. 

84) An dem Hunengrabe zu Olsdorf (Hamburg) ist eine 
zweite Grabkammer blofsgelegt worden, welche 6 — 7 Fufs lang 



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271 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



272 



und etwa 2 Fnfs breit war; die Hdhe liefs sich wegen des einge- 
sturzten Gewolbes nur annahernd auf etwa 2 Fufs bestimmen. Der 
Boden war mit flachen Steinen gepflastert, die Seitenwande ana 
Gerollblocken gebildet und die Decke aus locker zusammengefug- 
ten Steinen gewolbeartig errichtet. Auf dem Steinpflaster zeigte 
sich eine einzollige Schicht Asche, uber derselben eineSandschicht; 
68 fanden sich in der Grabkammer einzelne Knochenreste, unzwei- 
felhaft von einem Manne herruhrend, sowie an Metallsachen ein 
Bronzeschwert, der zu diesem Schwert gehorige Griffknauf, ein 
Bronzeme88er, eine flachspiralige Heftspange von Bronze. 

(Hamb. Corr., Nr. 175.) 

85) In jiingster Zeit bat Prof. Woldrich bei Pulkau in Nie- 
derosterreich einen interessanten Fund aus einer der alteren Pe- 
rioden der Urgeschichte gemacht, bestehend aus einer Op f er- 
st at te mit Aschenlage und Thierknocben , darunter ein ganzes 
bearbeitetes Geweih, einem Anfuhrerstab und Hornwerkzeugen 
nebst Gefafsscherben. (111. Ztg., Nr. 1518.) 

86) Beim Ausgraben zum Legen der Fundamente des Justiz- 
palastes zu Augsburg wurden am 17. Juli in einer Tiefe von 
15 Fufs eine Bronzemunze aus dem 3. Jahrh., eine Vase von 
schwarzem Tbon, eine blaue Glasperle, Cement -Backsteine und 
die Gerippe eines Stiers und einer Ziege aufgefunden. Da dem 
Fundorte in gerader Richtung gegeniiber, im v. Wohnlich'schen 
Garten, der Tempel des Pluto und der Proserpina stand, so liegt 
die Vermuthung nahe, dafs die Gerippe von Thieren herruhren, 
welche den Gottern der Unterwelt geopfert wurden, da die R6- 
mer zu Anfang des Monats den Gottern der Unterwelt einen 
scbwarzen Stier und eine schwarze Ziege zu opfern pflegten. 

(Korr. v. u. f. D., Nr. 370, a. d. A. Tagbl.) 

87) Drei wohlerhaltene romische Graber sind in der Berg- 
heimer Strafse zu Heidelberg beim Bau des neuen akademischen 
Krankenhauses entdeckt worden. Den Inhalt derselben, als : Ascben- 
kriige etc., hat man dem Prof, der Archaologie Stark zur naheren 
Untersuchung zugestellt. (111. Ztg., Nr. 1519.) 

88) In der Nahe von Hanau ist kurzlich ein archaologi- 
scherFund gemacht worden. Einige Alterthumsfreunde stiefsen 
bei dem Dorfe Ruckingen auf eine Anzahl Urn en, Aschenkriige, 
Steine mit dem Zeichen der 22. romischen Legion, woraus sich 
auf ein Standquartier der Romer schliefsen lafst. Schon fruher 
sind daselbet die Reste eines Bades aufgedeckt und da und dort 
Funde an Grabstellen gemacht worden. (Dies., Nr. 1516.) 

89) Auf dem germanischen Museum fanden sich jiingst, zu 



einem alten Buchereinbande verwendet, zwei mit einem miitel- 
hochdeutschen Gedichtbruchstucke beschriebene Perga- 
mentstreifen. Es ergab sich, dafs dieses Fragment dem von Haupt 
in dessen Zeitschrift, V, S. 75 ff. herausgegebenen „8ervatius u 
angehort. Dasselbe enthalt die Verszeilen 456—464, 483 — 493, 
514 — 522, 544—553, und zwar mit abweichenden, auf ein hoheres 
Alter der Handschrift deutenden Lesarten. Der kleine Fund durfte 
in so fern der Beachtung werth sein, als Haupt nur eine, und 
eine unzweifelhaft j linger e, Handschrift kennt. H. 

90) Aus Aniafs der bevorstehenden Weltausstellung in Wien 
be8chlofs der Gemeinderath , in den Raumen des stadtischen Pa- 
dagogiums eine historische Ausstellung zu veranstalten, 
welche den Zweck hat, ein Bild der Entwickelung Wiens von den 
altesten Zeiten bis zur Gegenwart zu bieten, und daher enthalten 
wird: die wichtigsten Plane und Ansichten der Stadt, einzelner Stadt- 
theile und Gebaude; Abbildungen denkwurdiger Ereignisse; Bild- 
nisse verdienter, der Stadt Wien angehorender Manner ; Zeit- und 
Costumbilder; — ferner in einer zwei ten Gruppe: Funde und Denk- 
male aus Stein, Holz, Metall u. s. w. ; Erzeugnisse von kunsthisto- 
rischem Werthe; Rechtsdenkmale ; Medaillen. Der Gemeinderath 
fordert die Besitzer einschlagiger Gegenstande auf, durch Einsen- 
dung solcher die Ausstellung zu unterstutzen. 

91) Von denPreisfragen, welche die Gesellschaft derKunste 
und Wissenschaften zu Utrecht in diesem Jahre ausgeschrieben 
hat, mogen folgende der Geschichte und Alterthumskunde ange- 
horende hier Erwahnung finden. Man wiinscht eine Abhandlnng 
uber die Kriige aus flandrischem Stein („dites de Gres de Flandre"), 
welche im 16. und 17. Jahrh. in den Niederlanden gebrauchlich 
waren; eine Beschreibung des Lebens Lud wig's von Beaufort, be- 
Bonders hinsichtlich des Verdienstes seiner Forschungen auf dem 
Gebiete der Geschichte ; Nachweisungen flber Predigt und Predi- 
ger des Evangeliums bei den niederlandischen Gesandtschaiten ; 
eine Studio uber den Einflufs des grofsen Rathes von Mecheln 
auf das alte niederlandische Recht. Die Antworten auf die ange- 
fahrten Fragen durfen in franzosischer, hollandischer , deutscher, 
englischer oder lateinischer Sprache abgefafst sein. Der Preis be- 
steht in einer goldenen oder silbernen Medaille im Werthe von 
300 fl. hoIL Die Ausarbeitungen sind an den Sekretar der Gesell- 
schaft, N. F. van Nooten in Utrecht, einzusenden, und zwar noch 
vor dem 1. December 1873. Die ubrigen Bedingungen sind die 
bei Preisaufgaben gewohnlichen. Nahere Auskunft ertheilt der 
genannte Sekretar. 



Mitthellnngen. 

Die diesjahrige 

Versammlung des VerwaltungsansscliTisses des germanischen Mnsenms 

beginnt Montag den 30. September, Vormittags 9 Uhr, im Sitzungszimmer des Museums, wovon alien zur 
Theilnahme Berechtigten hiedurch Mittheilung nebst freundlicher Einladung zugeht. 

Niirnberg, 15. August 1872. Das Direktorium des germanischen Mnsenms. 

Yerantwortliche Redaction: A. Essen wein. Dr. G. E. Frommann. Dr. A. ▼. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nflmberg. 



Gedruckt bei U. E. 8 e bald in Niirnberg. 



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Vtrnberg • Dm Abonnement dee BUt- 
Im, welobei all* Monate ereoneint, wird 
j^jahWg angenommen and betragt naob 
dtrnweitmi Pottoonrention bei alien Poet- 
IsteB and Baohhandlungen DtuUckiand* 
IneL OeBterreiche Sfi. 86kr. im 84 fl.-Fufa 
tear I Thlr. preulB. 

Pftr JVaaArefca abonniert man in 
Peril bei der deuteohen Buohhandlong Ton 
F. niaekeieek, Nr. 11 ma da Lille; fur 



MZEIGER 



England be/ Williami A Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street Govent • Garden in London; 
fur Nord-Amtrika bei den Poaiimiarn Bra- 
men and Hamburg. 

AUe fur daa 
■timmten Sendungen auf dam Wage dee 
Bachhendela warden doroh den Oommii- 
eionar der literar.-artiet. Anatalt daa Mu- 
aeumt, P. A. Brookhaaa in Leipzig, be- 
fordert. 



FDR KI1IE DER 





Nene Folge. 



Neunzehnter Jahrgang. 



1OT2. 



ORGAN DBS GERMMISCHM MUSEUMS.! 

Jtf 9. 




ptember. 



WissenscuaflMe Mittheilongen. 



Aelteste Draekerzeugnlsse im germanischen Museum. 

n. 

(Mit zwei Tafeln.) 
Wir haben in der ersten Abtheilang die Hob- and Metall- 
sdinitte yon besonderer Bedeutung aufgefuhrt, die aus T. 0. 

Fig. 2 (su 8p. 277). 



seam gekommenen Hafsler'schen Sammlong gedacht. Das &i- 
teste Blatt dieser Sammlung ist der heil. Christoph, den Wei- 
gel als ftltesten Metallschnitt auffuhrt (Nr. 12), and der aach 
jedenfals dem 14. Jahrh., vielleicht noch der Mitte desselben 
angehOrt. Das Weigel'sche Blatt ist jedoch sehr verstummelt, 

Fig. 8 (zu 8p. 277). 




WeigeFs Sammlong in das germanische Museum ubergegangen 
sind, and aach nebenbei der gleichfalls iu's germanische Mu- 



und wir geben daher, obwohl dasselbe schon verOffentlicht ist r 
aaf beiliegender Taf. I noch ein Facsimile anseres Tollstftndi- 



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275 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



276 



gen Exemplars. Nftchst diesem haben wir aus der Hafsler'- 
schen Sammlung das Blatt (Weigel, Nr. 23) zu erwahnen, das 
bereits dorch die Weigel'sche Publication bekannt ist. 

Interessant ist ein Blatt der Hafsler'schen Sammlung — 
eine Kreuzigung — , weil sie eine sichere Datierung hat. Auf 
beiliegender Taf. II ist sie 

wieder gegeben. Man kann Fig. i (ro 

deutlich erkennen, dafs das 
Bild auf eigenem Stock ge- 
schnitten und in den gleich- 
falls gesondert geschnitte- 
nen Rahmen eingesetzt ist. 
Letzterer mag der ohne 
Zweifel haufigeren Verwen- 
dung wegen von Metall, das 
Bild selbst von Holz gewe- 
sen sein. Das Blatt befand 
sich auf der innern Vor- 
derseite des Buchdeckels 
eines Manuscriptes mysti- 
schen Iuhaltes, in deutscher 
Sprache verfarst: „Von den 
drei staten", das sich ehe- 
mals in den NonnenklOstern 
Untersdorf und Inzigkofen 
befand. Das Blatt war zuerst 
in dieMitte der weifebekleb- 
ten Innenseite des Buchde- 
ckels befestigt worden ; dann 
wurde rings um dasselbe das 
freibleibende weifse Papier 
beschrieben, so dafs einzelne 
Buchstaben noch auf den 
Papierrand des Holzschnit- 
tes zu stehen kamen. Die 
Schrift ist genau von der- 
selben Hand, welche das 
Buch selbst, besonders die 
diesem Blatte gegenuber- 
stehende Vorderseite des 
ersten Blattes beschrieben 
hat. Die Schrift dieses 
Blattes gibt die Bemerkung, 
dafs das Buch im Jahre 
1441 beendet wurde. Die 

Haltung der Figuren und der Stil der Gewandfalten deutet auf 
die erste Halfte des 15. Jahrhunderts. Um das Blatt in der 
Reihe der Holzschnitte ausstellen zu kCnnen, haben wir, in der 
Ueberzeugung, dafs die Autoritat des Museums genugt, die er- 
wahnten Umstande festzustellen, das Blatt sorgfaltig aus dem 
Buche abgelOst 

Das Hafeler'sche Blatt (Weigel, Nr. 23) befand sich ehe- 



dem an der Innenseite des Buchdeckels eines Manuscriptes, das, 
1449 im Kloster Inzigkofen geschrieben, im Innern 16 kleine 
Holzschnitte aus dem Leben Christi enthielt, die ebenfalls 
an das Museum kamen. Sie sind, wie das Manuscript anch 
nach ihrer AblQsung zeigt, schon wahrend des Schreibens ein- 

geklebt worden und kdnnen 
Sp. S77.) somit auch als datiert be- 

trachtet werden. Freilich 
kdnnten sie auch um wenige 
Jahre alter sein, ebenso wie 
das erwahnte grofse Blatt 
es ist. AUein, abgesehen von 
der tieferen Stufe der Kunst, 
auf der sie stehen, scheint 
doch das , was sich fiber den 
Stil sagen lafst, nicht auf 
fruhere Zeit hinzudeuten, 
wie dies bei dem grofsen 
Blatte der Fall ist, hinsicht- 
lich dessen man der Wei- 
geFschen Datierung zustim- 
men mufs. 8 ganz ahnliche 
Blattchen befanden sich in 
ein zweites Manuscript ein- 
geklebt Die ftbrigen Holz- 
schnitte des 15. Jahrh. kdn- 
nen wir einzeln nicht auf- 
fuhren. Es befinden sich 
darunter 2 grofse Blatter, 
den heil. Kdnig Sigismund 
und die heil. Helena vor- 
stellend, die etwa den 60ger 
Jahren angehdren, und der 
ulmische Stadtheilige, der 
bekannte Mystiker H. Suso, 
welches Blatt etwa den 80ger 
Jahren entstammt 

Auch einige interes- 
sante neuere Abdrttcke alter 
Stdcke befinden sich in die- 
ser Reihe, darunter zwei 
grofse, deren Stdcke dem 
Charakter nach ehemals 
wol auch als Stickereivor- 
zeichnungen bitten gedient 
haben kCnnen. Nach Hafeler's Mittheilimgea soUen die St5cke 
in Stuttgart sein. 

Von besonderem Werthe ist eine Reihe von fast 50 Holz- 
stbcken des 15. Jahrh., die sich vereinigt im Kloster SOflingen 
bei Ulm erhalten hatten. 

An ihrer Spitze steht eine Kreuzigung. Wenn auch et- 
was roher, als die von 1441, ist sie dieser doch nahe veiwandi. 



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w 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



*T8 



Die Figuren der Maria and des heiligen Johannes insbesondere 

zeigen in der Anordnung der Gew&nder solche Aehnlichkeit 

des Stils, daft 

auch hiefittr die 

Mitte des 15. 

Jahrh. angenom- 

men werden 

nrnfs. Wir dru- 

cken den Stock 

unter Fig. 1 ab. 

Die eckigen Fal- 

ten treten schon 

bei zwei kleinen, 

zart gehaltenen 

Pl&ttchen aaf, 

von denen wir 

in Fig. 2 a. 3 

einen Abdrack 

geben. Es ist 

eine heil. Helena 

and eine heU. 

Brigitta. Etwas 

jfinger durfte 

noch ein grOflse- 

rer Stock sein, 

der, auf zwei Sei- 

ten geschnitten, 

einerseits den 

heiligen Frido- 

lin, anderseits 

die Enthaup tang 

der heil Katha- 

rinazeigt Letz- 

tereistalsFig.4 

abgedrnckt. Ana 

der Reihe der 

ubrigen bringen 

wir noch als 

ansprechendes 
Pl&ttchen: das 
Ghristkind, das 
einen Rttckkorb 
yoll Rosen tragt, 
znm Abdrack 
(Fig. 5). Die 

geschnittene 
Schrift lautet : 
„Ich will rose 
breche. Vnd will 

leyde off my frud trechen. Wer sunder lieb zu gott will han. 
Der soil billkh alle zeit i leyde stan. Lcyden soil er haben 
vil. wer gottes freantschafft haben wil. u Auf dem Sprachband, 




das aos dem Korbe heraustritt, steht M paciencia a . — Von ikono- 
graphischem Interesse ist auch die in Fig. 6 abgedrackte Dar- 

stellung: die 
Dreifaltigkeit in 
Gestalt vondrei 
Kindern, welche 
Rosen brechen 
and der Jung- 
fraa Maria (oder 
Dorothea?) in's 
E5rbchen geben. 
Eine Reihe 
von Schnitten, 
Scenen aus der 
biblischen Ge- 
schichte and Le~ 
gende darstel- 
lend, geh5rten 
wol ehedem grd- 
feeren Folgen 
an. Von einer 
solchen Folge 
sind acht Platt- 
chen vorhanden, 
die, roh and an- 
kttnstlerisch ge- 
zeichnet, viel al- 
ter scheinen, als 
sie in der That 
sind. 16 Dar- 
stellangen aus 
einerPassion bil- 
den gleichfalls 
eine nicht voll- 
st&ndige Reihen- 
folge, wenn sie 
auch vielleicht 
nicht alle von- 
derselben Hand 
sind. Es sind Ar- 
beiten, wic sie in 
den letzten 20 
Jahren des 15. 
Jhdts. als Bach- 

illastrationen 

dienten. Wir 

drucken in Fig. 

7 u. 8 zwei Dar- 

stellangen ab, 

die wir gerade deshalb ausgew&hlt haben, weil einige Motive 

derselben sich sp&ter in Dtirer'schen Arbeiten wiederholen. 

Eine grofse Reihe Arbeiten des 16. Jahrh., die in der 



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279 Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 280 

Hafsler'schen Sammlung sich befanden, sowohl Holzschnitte yer- Figuren sehr frtth (vom Anfang des 15. Jabrh.) datiert werden 

schiedener Art, als Holzstdcke, gehCren nicht in den Rahmen mufsten. Wenn man jedoch dieselben genan betrachtet, so 

Fig. 6. Fig. 6. 



dieser Abhandlung, mOgen also nur vorttbergehend erw&hnt sein. zeigt sich, dafs der Stil der Zeichnung keineswegs auf so frflhe 

Was das Museum an interessanten Holz- and Metall- Zeit hindeutet, ja dafs Einzelheiten, wie Formen der Wappen- 

schnitten der filtesten Periode schon besessen, ist der Mehr- schilde u. s. w., uns erst 100 Jahre sp&ter begegnen kftnnen. 

Fig. 7. F 'ff- 8- 



zahl derer bekannt, die sich mit diesem Ennstzweige besch&f- Wir mflssen daher eine frtthe Datierung aufgeben und 

tdgt haben. Es befindet sich darnnter auch eine Reihe yon den naheliegenden Umstand zur Erklarung der Reminiscenzen 
Splelkarten, die nach den Eostfimen der darauf vorkommenden aus so fruher Zeit hervorsuchen, dafs die Earten wie Bnchsta- 



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381 



AMeiger far Kunde der deutschen Vorzeit 



282 



bei and Zahlen eme gewisse Bedeutung end einen gewissen 
Wtfth reprftsentiecen, dafs sie also ibre fruhere typische Gestalt 
am so l&nger beibehielten, als •dasjenige Pri>likum, welches sich 
ihrer bediente, nkht Lust hatte, aufser dem inhalt aach der Form 
der Karten nocfa besondere Avfmerksamkeit zu schenken, son- 
dern auf den ersten Blictk an dem altgewohnten L5- 
wen, an der seit Generations* so geseheaen Kdnigsfigur die 
Etrten erkennen wollte, obne die Zeicben genau anseben and 
zifak& za massea. Dieselbe Bemerkung, die wir in Betreff un- 
serer alten Karten gemacht haben, kann Jedcr bezuglich der 
heatigen Spielkarten nocb machen. Wir laden aber ancb 
Andere ein, ibre altesten Spielkarten anf Grand solcher Erwft- 
gangeii nocbmals prufen and die Zeitsteflang rectificieren za 
wolteH. Fur das bohe Alter der Spielkarten geben die vor- 
handeaen Exempkre immerbia Zeagnifs; wenn sie selbst ancb 
jene Zeit nicbt geseben, so mate sicb doch in ihr der Typus 
festgestellt haben, da ja sonst gewifs spfttere and nicht die 
Motive jener Frtlhzeit typisch geworden wftren. 

Die ftltesten gedrackten Karten, die auch zagleich darch 
ktlnstlerische Bedeatung sich aaszeichnen, dttrften drei Blatter 
in den farstl. Wallerstein'schen Sammlongen za Maihingen sein, 
deren Ausfuhrung denselben Charakter tr&gt, wie die ftlteren 
Holzschmtte. Sie allein durften wirklicb der ersten Halfte des 
15. Jhdts. angehdren. 

Wens ttbrigens Passavant, wie Weigel a. A., die Holzschnitte 
tfr. 303—307 der Wrigel'schen Sammlung anter die Spielkar- 
ten eingereiht hat, bo fehlt dafftr docb jeder tbats&chliche 
Anhaltspankt, and mit demselben Reehte kdnnte man jede Ein- 
zelfigor, die ewe gewisse Gr5fse nicbt ttberscbreitet, als Spiel- 
karte betracbten. 

Yon der Serie der 5 Karten, die Weigel anter Nr. 309 
aaffchrt, haben wir 11 Blatter aas der Hafeler'schen Sammlung. 
Sie stammen jedoch nicbt vom Jahr 1504, sondern, wie onsere 
besser erhaltenea Exemplare beweisen, von denen zweiJahres- 
zahlea tragen, von 1594. 

Nflrnberg. A. Essenwein. 



Zur Oeschichte der Stadt Hof im Vogtlande. 

Volget welcher gestaltt, die statt hoff, dorch denn darch- 
leachtigen Farsten vnnd herren, Herren Hainrichen, des hey- 
ligen Rdmiseben Reichs, Borggraaen zw Meyssen, Graffen zam 
Harttenstein, herren zw Planen vnnd Gere etc. Rflm: Kb: 
Mt: Rath Cammerer, vnnd des Konnigreichs Behem, Oberster 
Canntzler, vnnsern gnedigen Forstenn vnnd herrn, aoff vnnd 
angenomen, vnnd dorch das Kriegsvolck, vnnd Bnrgerschafft so 
darynnen gelegen, daselbst vbergeben worden, 

Erstlich haben sein F. G. an|3 gnaden vnnd beschehenem 
rarbitten, ettlicher Ehrlicher Leath bewilligt, Das alien vnnd 
jheden personen, we(J stannds vnnd wesens die seien, jnn bele- 
gerang der Statt hoff bedrehten vnnd begriffen worden, jr leib 
vnnd Leben gesychert, vnnd gefreyet sein sollen, 



Depgleichen soil allem Kriegsvolck, aach der Burgerschafft, 
so jnn belegerang der statt hoff angedroffen vnnd Bleiben, alle 
jre babe vnnd gntt, farends oder ligends, volgen, vnnd seiner 
beasslichen Narang Bleiben vnnd gelassen werden soil, 

Es soil aach kain Kriegsman, ampt Dienner oder Burger, 
nichts au(3 der Statt hoff, das nitt sein were, oder sonnsst far 
das seinig anziehen wolt, nitt abfaren, wie dann ein jheder 
dasselb, mitt seinem leiblichen aidt, erzeugen vnnd bethen- 
ren soil, 

Vnnd nachdem auch etliche ampts personen vnnd Burger 
von Belegerang der Statt hoff, au(3 der statt gewichen, vnnd 
sich annderstwo hin gewanudt, derselben hab vnnd gutter, will 
hochgedachter Burggraf, zw seinen Fl. Gl. hannden einziehen 
zolassen, vorbehalten haben, 

Es soil auch alles das Kriegsvolck jn der statt hoff, auff 
Morgen, nach heutt dato den 28. Septembrys, zw fruher tag- 
zeit zoraamen, zauor jre bohe wehr nider zalegen, schul- 
dig sein, 

Neben dem jst aach abgeredt vnnd b e will i get, das alle 
die Fenndricb des gannzen Kriegsvolcks so jnn der statt hoff 
gelegen Ehe sie sich au(J der Statt hoff begeben , all(3balden 
vnuerztigenlich jre fendlein von denn stanngen abreissen, vnnd 
derselben kains mer fliegen lassen sollen, vnnd darneben auch 
das ganntze Kriegsvolck, mitt auff gereckten fynngern, zw gott 
dem allmechtigen schweren, jnnerhalb 6 Monaten, wider Rdm : 
Kay: vnnd KOnig: Mt: vnnsere gnedigste herren, auch den 
Churfursten zw Sachsen hertzog Augustum, auch herrn wey- 
gandt vnnd herrn Melcbiorn, Bischoue zw Bamberg vnnd wirtz- 
burg, etc. hertzog Hainrichen zw Braunschweig vnnd Lunen- 
burg, den jungern, Lanndtgrauen Phylipsen zw hessen etc. 
vnnd herrn Heinrichen, des hcyligen Rflmischen Reichs Burg- 
grauen zw Meyssen etc. vnnd die Erbern Rath vnnd gemeine 
statt Nurmberg vnnd wynnde(Sheim, vnnd wer sonnsst jn dieser 
verpunttnus sein m&chte, nitt zwdiennen, Zw forderst aber sol- 
len sie zw gleichen gestaltt schweren, sich Marggraw albrechten 
zw Branndenburg, jn jares fristen, vnnd alien seinen ver- 
wanndten, nach dato nitt diennst pflichtig zw machen, nocb 
sich jnn derselben gebrauchen zulassen, 

Wann nun solches alles wie oben berurtt von dem Kriegs- 
volck beschehen, sollen sie auff ain meil wegs, wie geburlich, 
von dem Leger belaidet werdeo, all^dann sollen sie ferrer bey 
einannder nitt bleiben, sonnder sich von einannder thun vnnd 
zerdrennen, an die orth lauffen dahin ein jeder zubleiben ver- 
mainth, Doch jnn allweg, das er seinem geschworem aydt, wie 
oben gemeldt, nitt zuentgegen hanndele, etc. 

Nachdem auch ettlich geschutz, der zugeh6renden Muni- 
tion jn der Statt hoff, von dem Kriegsvolck gebraucht worden 
vnnd gewesen, dtfsselbige soil alles von dem Kriegsvolck, jn 
der statt bintterlassen, vnnd nichts daruon abgefurrtt werden, 

Souil aber der Burgerschafft sachen bedrifft, so sie schrift- 
lich vbergeben, alls jm Ersten vnnd anndern articul vermeldt, 
das 4ieselben jrs Leibs vnnd lebens, gutts, weib vnnd kindern 



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283 



Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



284 



sollen gesichert sein, darbey man es auch allenthalben wennden 
vnnd bleiben Lesst, etc. 

Doch sollen sie vor alien dinngen, dem Burggraffen zw 
Meissen, vnnserm gnedigen Fursten vnnd Herren, die gebur- 
liche erbhulduog than vnnd laissten, vnnd wann sie das ge- 
than, vnnd sich alls getrewe vnntterthanen hinfurder, gegen 
8ein F. gl. haltten werden, vff dem fall werden sich sein F. 
gl. gegen denselben, hinwider, mitt bestettignng jrer priuilegien, 
vnnd befreyhungen, dermassen zuerzaigen wissen, darob sie 
Billich kain beschwerdt haben mOgen, 

Die gesnchte Religion vnnd Eirchendienner bedreffendt, 
das sie bey derselben, jnmassen sie die bi(J anher gehabt, m6ch- 
ten gelassen werden, vnnd die dienner des wortts aller dynng 
vnbedrnebtt bleiben, Dasselbige jst von seinen Furstlichen gna- 
den, auch gnediglich bewilliget, 

Es wollen auch sein Furstlich gnad nachlassen vnnd be- 
willigen, da ainicher ampts dienner oder Burger, sich jnn der 
Statt hoff, vnnter seinen F. GL heupiich zubleiben, nitt bedacht, 
das er seine habe vnnd gutter dy(J ortts verkauffen, vnnd sich 
annderst wohin wennden mdge, doch das er seine sachen da- 
hin stelle, sich gegen seinen Fl. gl. dermassen Ehe er zuuor 
verkanfft, vorhaltte, damitt sein Fl. gl. denselbigen zuuerhin- 
dern, nicht vrsach gewynne, etc. 

Vnnd beschliejMich sollen seinen Furstlichen gnaden, alle 
ampts bucher vrkhunden, Sal vnnd anndere Register, De(Jglei- 
chen Brieffe gerichts vnnd anndere henndel, vnnd was sonnsst 
mer zw der Regirung diennstlich sein mdcht, nebenn dem al- 
lem, was Marggraff albrechten zustenndig gewesen, vnnd zum 
hoffe jst, zuhannden gesteltt werden, 

Zw vrkhundt vnnd merer sicherheitt, haben wir vnns 
hieundenn verzaichnete personen, so von vnnserm gnedigen 
Fursten vnnd herrn, darzw verordnet, Ains, auch jch Christoff 
von Zedwitz. vnnd annder haubt vnnd Beuelchs Leuth, annders 
thails, mitt Aygner hanndt vnntterschriben etc. 

Geschehen vnnd geben jm feldleger, vor der statt hoff, 
Mittwochen nach Mathej Apostolj vnnd Euangelisten, den 22. 
septembris Anno etc. der mindern Zall jm liij. 

(Aus eincr Papierhandschrift in der Bibliothek des ger- 
manischen Museums, Nr. 7090, Fasz. II.) 



Wagenburgen des 16. Jahrhunderts 

aus des bayrischen Zeugmeisters zu Ingolstadt Wal- 

ther Lutzelmann Artillerie- und Feuerwerksbuch, 

1582 ftir Herzog Wilhelm von Ober- und Nieder- 

bayern verfarst. Cod. germ. 909, (Blatt 184 ff.). 

Zweck der Wagenburg. 
Weil die gerecht Ordnung derselben furtreglich sein mag 
sonderlich wider den Erbfeind, oder da man grofsen raisigen 
Zeug fuhrt. 



Marschordnung. 

In Ebnen und wo es der Raum erlaubt, auch der Feind 
an Reiterei uberlegen ist, soil der Wagenmeister seine Wagen 
vorsichtig fuhren, und zwar in vierfachen Reihen. Das schwere 
GeschUtz, welches nicht auf seinen Ge&feen (Laffetten) gefuhrt 
wird, und die dazu gehftrige Munition gehen in der innersten 
Zeil, das Feldgeschutz vor dem gewaltigen und verlornen Hau- 
fen, die Raisigen vor und hinter der Wagenburg. Bei engen 
Landen (Defileen) soil der Wagenburgmeister in schm&leren 
Reihen gehen lafsen, doch immer so, dais ein oder mehr Haa- 
fen zu Rofs oder zu Fufs, wenn es Noth ist herausbrechen 
kOnnen. 

Verhalten beim Angriff. 

Die Wagen werden mit Ketten untereinander verbunden, 
das Streu- und Hagelgeschofs sammt den Streitkarren kommt 
an die Stirn- und Ruckseite, doch mit solchen Zwischenr&umen, 
dafs die Schiitzenhaufen, die Raisigen und Fufsknecht, welche 
zu der ersteren Unterstutzung bestimmt sind, ausfallen kSnnen. 
— Der raisige Haufen stent in der mittleren Zeile. Wenn 
die „Scharmtttzler" der Schtttzenhaufen zuriickgeschlagen wer- 
den, soil man ihnen Raum zum Einziehen geben: Geschiebt 
der Angriff w&hrend des Marsches, sollen die Wagen enger 
zusammen fahren, dafs der Feind nicht von der Ruckseite ein- 
brechen kdnne, und bis zu einem Platz gezogen werden, wo 
man sich mit Erfolg vertheidigen kann. 

Die Wagenburg auf dem Marsche. (Blatt 185.) 
Die ganze Wagenburg bildet ein Viereck, an dessen Stirn- 
und Rtickseite 8 mit ihren Mundungen gegen den Feind ge- 
richtete, sechsspannige Geschtttze fahren. Die beiden Zeilen an 
den Flanken sind gedoppelt und werden durch die vierspSLnni- 
gen Brttckenwagen, Kugel-, Feldschmiedkarren gebildet. Die 
beiden innern Zeilen enthalten das schwere Geschtttze. Zwi- 
schen der Zeile der linken Flanke und der ersten innern ste- 
hen, dem Geschutz der Stirnseite zunftchst, ein Schtttzenhaufen 
der Scharmtttzler, dann 4 F&hnlein Bttchsenschtttzen, 3 Fahnen 
Reiter, 3 F&hnlein Spiefser; in der mittlern Zeile: 3 Fahnen 
Spiefser, eine Schutzenabtheilung, der Gewaltshaufen der Lands- 
knechte, 2 Fahnen Spiefser in breiter Front; in der ftufsern 
Zeile der rechten Flanke zu : ein Scharmuzirer Schtttzenhaufe, 
4 Fahnen Reiter, ein gevierter Lanzknechthaufe von 2 Fahnen, 
zum Schlusse ein Haufen Spiefser. 

Eine viereckige Wagenburg. (Bl. 186.) 
Dieselbe ist nach einer Angabe, welche Daniel Speckle 
von Strafsburg fur Kaiser Maximilian entwarf, gestellt Die 
Wagenreihen sind an den beiden Flanken und der Ruckseite 
doppelt, die aufserste aus Pontons, die innere von verschiede- 
nen Wagen gebildet, die Stirnseite besteht aus einer Reihe 
niederer Wagen, hinter welchen die Geschtttze, deren Zwischen- 
r&ume durch Balken, auf welchen Doppelhaken aufgelegt, ver- 
bunden sind, sich befinden. Von den Geschutzen wird bemerkt, 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



286 



sie mQfsten durchfallend and ttberschiefeend sein. In dieser, 
wie in den folgenden Abbildungen, sind die R&der der Wftgen 
innen mit Ketten verbunden. An der Stirnseite der recbten 
and linken Flanke sind Vorsprttnge fttr die Ausfalle angebracbt. 

Eine runde Wagenbmrg. (Bl. 187.) 

An dem Tbeile des Kreises, welcber die Angrififeseite bil- 
det, steben 9 Geschtttze in stompfem Winkel anfgestellt, in 
ihren Zwischenr&umen die Hakenbttchsen, urn sie vom Rttcklaufe 
der Geschtttze anabh&ngig zu machen, auf eigenen Schragen 
(Bflcken); je drei weitere Geschtttze rechts and links bilden 
mit ibren Schafslinien mit den angeftthrten 9 ein Kreozfeaer. 
Eine halbrunde Wagenburg (Bl. 188.) 

Sie dient nach der Zeichnang als Brttckenkopf. Die recbte 
Halfte wird durch die Wagen, die linke darch Gescbtttze, in 
deren Zwischenr&umen die Protzen mit einwarts gekehrten 
Deichseln aafgestellt sind, gebildet. In der Wagen-, wie der 
Gescbtttzreibe sind Vorsprttnge fttr AusMe angebracbt. 

Zom Scblasse erzablt der Verfasser, date der edle and 
gestrenge Herr Georg von and zu Hobenhegnenberg, Wisenfel- 
den and Oberhamstatt, fttrstlicb bayer. Ratb, Statthalter der 
Festong Ingolstadt, sowie der kaiserliche Oberst von Panowicz 
ihm zu solcben Wagenborgen die Yorschlftge gemacht batten, 
und ihm aucb noch eine neae Art bekannt gegeben worden 
wire. 

Mttnchen. Wttrdinger. 



Hugo genannt der Primas von Origans. 

ImJabrg. 1871 des Anz., Sp. 373 babe ich den Wonscb 
geaufsert, dab eine in Pertz' Archiv 12, 56 erw&hnte Nach- 
ricbt ttber den Primas Hugo in der Chronik des Richard von 
Cfony gedruckt werden mdge. Sie war es damals wol schon, 
im 31. Band der Biblioth&que de l'ficole des chartes, wo Leo- 
pold Delisle p. 310 die Stelle mittheilt and p. 303—310 ttber 
den Primas eine Untersuchong anstellt. Er bringt da eine 
meines Wissens sonst noch nicht benutzte Stelle aus der Chronik 
des Francesco Pippino bei. Die Abbandlungen von J. Grimm 
and W. Giesebrecbt sind ihm, wie es scheint, anbekannt ge- 
blieben. Aucb aus einer Pariser Handscbrift tbeilt er 2 Verse 
des Hugo Primas mit. Nach der Chronik des Richard von 
Poitiers aber lebte urn 1150 zu Paris der Scholasticus Hugo, 
den seine Mitschttler Primas nannten, klein and hafslich von 
Person, aber gelehrt and witzig, and ein gewandter Improvisa- 
tor. Yon diesem theilt er nun zur Probe ein Gedicht mit: es 
ist kein anderes, als das von uns im Anz. 18, 314 — 343 behan- 
delte, viel zersungene Mantellied, welches hier in 'der besten and 
vollst&ndigsten Gestalt erbalten zu sein scheint; verschiedene 
Brnchstttcke werden dadurch erst recht verstftndlich, wfthrend 
wieder an anderen Orten andere Zusatze gemacht sind. Der 
Dicbter wird in der Ueberschrift Hugo lo Primat Aureliacensis 
genannt, was aber von Delisle mit Beziehung auf Francesco 



Pippino, Richard de Fournival und Henri d'Andeli, wol mit 
Recht in Aurelianensis umgeandert wird. 

De Hagone lo Primat Aurelianensi. 
„Hoc indumentum tibi quis dedit? an fait emptmm? 
Estne tuum?" ^Nostrum, sed qui dedit abstulit ostrum. 
Qui dedit hoc munus, dedit hoc in munere fanas." 
Quis*) dedit hoc munus? „Praesul mihi praebuit unus, 
5 Pontificum spuma, fex cleri, sordida struma, 

Qui dedit in bruma mihi mantellum sine pluma." — 
w Pauper mantelle, macer, absque pilis, sine pelle, 
Si potes, expelle Boream rabiemque procellae. 
Sis mihi pro scuto, ne frigore pungar acuto: 
10 Per te namque puto ventis obsistere tuto." 

Tunc ita mantellus: „Mihi nee pilus est neque vellus. 
Si Notus iratus patulos penetrabit hiatus, 
Stringet utrumque latus per mille foramina flatus. 
Scis quid agis, Primas? erne pelles, obstrue rimas: 
15 Tunc bene depellam iuncta mihi pelle procellam. 
Compatior certe, moveor pietate super te, 
Et facerem iussum, sed Jacob, non Esau sum. 44 
Wie beliebt dieser Scherz ttber die geschenkten Kleider 
war, der nur zu oft praktische Anwendung linden mochte, zei- 
gen die ganz ahnlicben Verse des Primas: 

Res est archana de pellicea veterana, 
Cuius germana turris fuit Aureliana. 
Sie scheinen nur der Anfang eines langeren Gedichtes zu 
sein und sind von Delisle im 4. Band der 6. Serie, p. 605 mit- 
getheilt aus einer merkwttrdigen Compilatio exemplorum in 
Tours, nebst noch einigen anderen Notizen ttber den Primas 
und diese ganze Art der Poesie. Aucb zu dem im Anz. 18, 372 
behandelten Protest gegen die Mischung des Weines mit Wasser 
findet sich hier p. 607 eine neue Version. 

Heidelberg. W. Wattenbach. 



*) So andere ich far Qui. 



Zura Postwesen. 

In Eugen Hartmann's verdienstvoller Entwicklungsgeschichte 
der Posten, Leipz. 1868. wird in der Note auf S. 231 in dem 
Ausdruck „dispositi equi", wofllr Comin. de reb. gest Ludovici 
XI. lib. VIH. citiert wird, der Ursprung des Wortes „Post" 
gefunden und in dem Patent Karl's VHI. (nicht XIV.) vom 
J. 1487 der Ausdruck „postes" zum erstenmal nachgewiesen. 
Hierauf wird auch p. 240 hingewiesen. Im fttnfzehnten Jahr- 
hundert scheint das Wort noch nicht diesseit des Rheins ge- 
braucht worden zu sein. Dann machte es aber seinen Weg. 
Am 14. Marz 1515 findet sich in einem Brief des Raths zu 
Augsburg an den zuNttrnberg: „ein eilend Post in die Nieder- 
lande fertigen". Soden in den Beitragen, p. 161 erwfthnt eines 
Postmeister8 zu Kloster Heilsbronn im J. 1523. Der Rath zu 



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287 



Anzeiger fiir Eunde der deutscheu Vorzeit. 



ass 



Nttrnberg liefs am 22. Aug. 1525 drei Dienern, die in diesen 
schwierigen Zeiten die Post geritten hatten, jedem bis in 10 fl. 
Werth an Kleidern nnd Geld schenken. Am 8. Mai 1528 be- 
schlofs man: dem Keymer, Postboten, soil man hinfttr des Jahrs 
bis auf eines erbern Raths WolgefaUen 20 fl. und 6 Smr. Ha- 
ber geben, und wenn er reutet, hat er die gewdhnliche Beloh- 
nung. Dergleich soil ihm auch ein Tag 20 Kreuzer, so er in 
des Raths Dienst still liegt, gegeben werden, und wann er die 
Nacht zusamt dem Tag reutet, soil man ihm die Belohnung du- 
plieren. Am 24. Mai 1530 wird den nurnbergischen Gesandten 
zu Augsburg aufgetragen, gewisse n&her bezeichnete Fragen 
dem Rathe zum fQrderlichsten bei der Post zu wissen zu ma- 
chen. Am 10. Aug. 1530 beschlofs man Hannsen Voyt, Post- 
boten, seinen Sold mit 5 fl. und 2 Smr. Haber zu bessern, aber 
nicht fur Schaden zu stehen, er wolle dann die 5 fl. Besserung 
lassen fallen. Am 22. Dec. 1530 beschlofc man beiden Post- 
boten in Ansehung der Theurung jedem 2 fl. zu geben. Diese 
Postboten wurden blofs im amtlichen Dienst gebraucht und 
standen unter den Kriegsh^rren. 
Number gl, , ^* V 



Lochner. 



tin's II., mit -dem schon 1570 gestorbenen Paul Pfinzing, Sohn 
Martin's I. und der Anna Lflffelholzin, zu verwechseln. Mehrera 
theilt aber jenen wie seine Schriften und Karten Nopitsch in 
der Fortsetzung des Nttrnberger Gelehrten-Lexikons mit. Paul 
Pfinzing nennt skh den altera im Gegensatz zu seinem Sohn 
gleiches Namens, der, 1588 geboren, auch ein guter Mathema- 
tiker gewesen sein soil. Da unser Verfasser sein Werk L J. 
1598 (ein Jahr Tor seinem Tode) herausgegeben, nachdem er 
schon 1587 zur Raths wttrde gelangt und Landpfleger geworden 
war, so dttrfte die Vermuthung erlaubt sein, dafs die Holzstftcke, 
die zur Erlauterung seines Werkes gedient haben, von ihm in 
der landpflegamtlichen Registratur niedergelegt seien, wenn nicht 
etwa gar Staatsbeitr&ge zur Bestreitung der kostspieligen Aus- 
stattung des Bandes gegegeben worden waren, wo es sich dann 
von selbst yerst&nde, dafs jene in rekhsstadtischen Besitz ka- 
men. Paul Pfinzing hatte sich ja schon durch seine trefflichen, 
theils in Holzschnitt, theils in Radierung erschknenen Karten 
und Pl&ne urn die Topographie des Landes verdient gemacht 
und konnte die Methodus Geometrica ja auch unleugbar fur die 
Verwaltung desselben werthvoll werden. Das Bach gehftrt jeden- 
falls zu den Seltenheiten , da es sich selbst anf der Nttrnber- 
ger Stadtbibliothek nicht findet ▼. L. 



Beitrage zur Oeschichte der Holzschneidekunst. 

Die unter der gleichen Ueberschrift in Nr. 5 des diesjfth- 
rigen Anzeigers besprochehen HolzstOcke sind wirklich abge- 
druckt worden, und zwar in einem geodatischen Werke, welches 
1598 unter folgendem Titel ersehien: „ Methodus Geome- 
trica das ist: Kvrtzer wolgegrtindter vnd aursfuhrlicher Trac- 
tat von der Feldtrechnung vnd.Messung, Wie solche zu Furs, 
Rofs vnd Wagen, an alleji Orterivnd Enden, wo vnd wie die 
auch gelegen, ohne sondece^Mtthe, Arbeit vnd Beschwerung, al- 
lein durch sonderbare behende vnd leichte Instrumenta, vnd an- 
dere dienstliche Vortheil, Griff vnd Mittel zu vsurpiren vnd 
zu gebrauchen, vnd nachmals ferner vnd weiter in das Werck 
zu bringen, zu enden vnd zu verfertigen . . . zu mehrerm 
Bericht vnd Verstandt, mit kttnstlichen gegenuber gesetzten Fi- 
guren Orriirt, demonstrirt vnd deutlich erklert. 44 Fol. 

Die Schlufsworte auf Seite XLV sind datiert : „Nttrnberg 
den ersten Januar Anno 1598. u Darauf folgt: „Gedruckt zu 
Nttrnberg durch Valentin Fuhrmann 14 . Jedem rechts oben pa- 
ginierten Textblatte ist ein rechts unten paginiertes Figuren- 
blatt an die Seite geheftet *) ; den Schlurs macht das beschriebene 
Buchhandler - Emblem. 

Was den Autor betrifft, so nennt Doppelmayr in seinem 
Leben Nttrnberger Mathematiker, S. 82 als solchen den Patri- 
zier Paul Pfinzing d. a., indem er inders den Fehler begeht, 
den wirklichen Verfasser, Paul Pfinzing, geb. 1554, Sohn Mar- 



Zu Johannes Klenkok. 

Den von Wattenbach (1866, Nr. 10, 1871, Nr. 7, 1872, 
Nr.5) gesammelten Nachtragen liber Joh. Klenkok (f 1374) 
lassen sich noch einige weitere Notizen anreihen. 

Ernst FOrstemann (Die Grafl. Stolbergische BibL zu Wer- 
nigerode. Nordhausen 1866. S. 103) verzeichnet eine Papier- 
handschrift vom J. 1465, Zb. 4, welche von „ Johannes Elenck, 
Sohn des Patricius a , ein deutsches Werk enthalt mit dem Ti- 
tel: „von der taugenheit und von der richtunge der chunige." 

Johannes Merkelin, Lector der Augustiner zu Vredenberg 
in der DiOcese Cammin, schrieb urn 1388 zum Unter richt der 
Preufsisch redenden Priester im Ermlande einen lateiniscben 
Tractat ttber die Eucharistie, welcher in mehreren Handschrif- 
ten erhalten ist. In diesem Tractat nennt der Verfasser den 
Magister „ Joannes Kleynkot" neben Thomas von Strafsburg 
als seinen Lehrer und citiert von ihm die „lectura textualis 
super 4 libros sententiarum." Das Nahere gibt Hipler, Biblio- 
theca Warmiensis od. Literaturgesch. des Bisthums Ermland, 
S. 36 f., in den Monumenta historiae Warm., in. Abth., BcL IV. 
Braunsberg 1867. 

Endlich geh5rt in diesen Zusammenhang auch die yon mir 
erwahnte Streitschrift wider die Lehre des Sachsenspiegels, dafe 
der M6nch nicht erbe. VgL Zeitschrift f. Rechtsgesch. , IV, 
202 f. 1864 u. Altpreufs. Monatschrift, II, 605 f. 1865. 

Kdnigsberg. E. Steffenhagen. 

(Mit einer Beilage.) 



*) Diese Einrichtung macht den heutigen, wie unberiihrt aussehenden Zustand der Stocke erkl&rlich. Sie konnen nicht mit der 
Presse iedruckt, eondern mttssen mit dem Reiber abgezogen sein, da, wie fruher bemerkt, der Grand nicht bei alien entfernt und oft 
nur die Linien der Zeichnung eingeschwarzt sind. Es konnte dieses nur bei sehr kleiner Anflage geschehen, wenn das Buch ge- 
wissermafeen als Manuscript gedruckt wurde. Anm. d. Red. 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Ntirnberg. 



Gedruckt bei U. E 8 eb a Id in Ntirnberg. 



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BEILAGE ZUM ANZEIGER FUR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1872. JV 9. September. 



Chronik des germaniscben Museums. 



Nurnberg, den 15. Sept. 1872. 

Der von dem hochw. Domkapitel zu Koln gestiftete Abgufs 
des Grabmales des Domgrunders Conrad v. Hochstaden iat nun- 
mehr in nnserem Kreuzgange zor Aufstellung gekommen und damit 
wieder eine Locke in der Reihe der GrabmalabgOsse geschlossen. 
For die Sammlung der Abgusse ornamentaler Skulpturen hat das 
mittelalterliche Museum zu Basel uns 22 Abgusse von Kapitalen 
and sonstigen Skulpturen romanischen und gothischen Stiles aus 
dem Monster und vier anderen Bauwerken Basels zu flbersenden 
die Giite gehabt Das ehemalige Lutherdenkmal-Comite zu Worms 
hat uns die Orginalmodellskizze Ritschel's iiberwiesen. Mancherlei 
tndere Geschenke sind aus dem unten folgenden Verzeichnisse zu 
ersehen. 

Auch durch Ankauf ist noch vieles Material hinzugekommen 
and in die Sammlungen eingereiht worden. Leider macht f sich 
der Raummangel in mehreren Salen schon so fuhlbar, dafs ganze 
Abtheilungen nicht aufgestellt werden konnen. Diesem Mangel 
wird durch die in dem Obertragenen Augustinerkloster sich er- 
gebenden Raume nur theilweise und ungoniigend abgeholfen wer- 
den, da auch diese, wie mehrere unserer seitherigen, zu sehr selbst 
das Interesse in Anspruch nehmen, als dafs sie ganzlich fur unsere 
speziellen Sammlungszwecke passend sich einricbten liefsen. So 
fingt die Frage nach endlichem Ausbau der ganzen Karthause, der 
tehon vor der Uebernahme derselben in's Auge gefafst war, nach 
and nach an, dringende Losung zu erheischen. Fflr die zu Ober- 
tragenden Theile des Augustinerklosters sind im Laufe des Som- 
mers die nothigen hohen Unterbauten fertig geworden, und be- 
reits steht ein Flugel nahezu wiederaufgebaut da; ein zweiter wird 
in wenigen Wochen eben so weit gediehen sein. In Betreff der 
jong8t aufgestellten neuen Erwerbungen haben wir besonders die 
der altesten Holzschnitte, Kupferstiche u. s. w. zu nennen, so dafs 
das Material zur altesten Geschichte der Druckkunst nunmehr in 
erfrenlicher Weise Obersichtlich vorliegt. 

Am 6. September starb Hofrath Dr. Georg Phillips, Pro- 
fessor des Kirchenrechts an der Universitat Wien, und am 8. dess. 
Mon. der geh. Archivrath, Prof. Dr. A. Fr. Riedel, beide Mit- 
glieder des Gelehrtenausschusses des german. Museums. Mit auf- 
richtigem Schmerzgefuhl theilen wir das Hinscheiden dieser ver- 
dienten Gelehrten hier mit. 

Neue Jahresbeitrage wnrden seit Verdfientlichung des 
letzten Verzeichnisses folgende angemeldet: 

Von Privates* x Berlin. Paul Calmus, Fabrikbesitzer, 1 fl. 45 kr., 
A. Eschwege, Kaufmann, 1 fl. 46 kr., F. v. Heyden, Maler, 3 fl. 30 kr. t 
Jul. Imme, Buchhandler, 1 fl. 45 kr., v. Larcke - Starkenfels, Major, 
lfl. 45 kr., Frau Mandel lfl. 45 kr., Ravene, Geh. Commerzien- 
rath, 3fl. 30 kr. Forth. E.Klein lfl. Gaildorf. Albrecht, Ober- 
amtsaktuar, 1 fl., Buhl, Apotheker, 1 fl., Riimelin, Cameralverwalter, 
1 fl., Schwenk , Reallehrer, 1 fl. Metz. Baumiiller , Lieutenant im 
k. bayr. 4. Inf.-Reg., 1 fl. 45 kr., Kefsler, Lieutenant im k. bayr. 
4. Inf.-Reg., 1 fl. 45 kr., Kopf, Hauptmann im k. bayr. 4. Inf.-Reg., 
lfl. 45 kr., Kuhlmann, Hauptmann im k. bayr. 4. Inf.-Reg., lfl. 



45 kr., Freih. v. Loffelholz, Premierlieutenant im k. bayr. 4. Inf.- 
Reg., 1 fl. 45 kr., v. Peritzhoff, Hauptmann im k. bayr. 4. Inf.-Reg., 
1 fl. 45 kr., Dr. Sattler, Assistenzart im k. bayer. 8. Inf.-Reg., 1 fl. 
45 kr. NOmberg. Wilh. Hennighausen, Fabrikbesitzer, lfl. 30 kr. 
B. Liebich, 1 fl., Freih. v. Rummel, k. Rittmeister, fl. 2, 0. Wilke 
lfl., J. Zink, Rentier, 1 fl. 12 kr. Osnabrflck. Berlage, Domvikar, 

1 fl. 45 kr. Schwarzenbero (Franken). Ant. Morath, mrstl. Schwar- 
zenberg. Archivbeamter, 2 fl. Sulzburg. Albert Schilling, Wein- 
handler, lfl., Eduard Steinhaufsler, Weinhandler, 1 fl., Werkmann, 
Stadtpfarrer, in Heitersheim 1 fl. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Von Vereinen t Eisenach. Gewerbverein 5 fl. 15 kr. 

Von Privatens Breslao. v. Haugwitz, auf Rosenthal, 5fl. 
Metz. Dr. D' Arrest, Oberstabsarzt, 1 fl. 45 kr., Dr. Carstenn, Stabs- 
arzt, 1 fl. 45 kr., Dr. Engelhard, Stabsarzt, 1 fl. 45 kr., Dr. Ejirich, 
Assistenzarzt, lfl. 45 kr., Dr. Erdmann, Oberstabsarzt, lfl. 45 kr. 
Dr. Guttenhofer, Oberstabsarzt, 1 fl. 45 kr., Dr. Hafselwander, 
Assistenzarzt, lfl. 45 kr. , Dr. Kirsten, Stabsarzt, lfl. 45 kr., Dr. 
Thalwitzer, Oberstabsarzt, 1 fl. 45 kr., Dr. Tiburtius, Oberstabsarzt, 
lfl. 45 kr. 

Ferner giengen unsern Sammlungen nachstehende Geschenke zu: 

I. Fur die kunst- and kulturgesohiohtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6685—6716.) 

Basel. Mittelalterl. Sammlung: 6 Capitale aus dem Chore 
des Baseler Munsters, Gypsabgttsse. 2 Pfeilercapitale aus dem 
MittelschifTe dess., desgl. 2 Evangelistenkopfe von deren Stand- 
bildern an den Strebebogen des Munsterschiftes, desgl. Tragstein 
des Pultes am ehemaligen blauen Lettner des Munsters, desgl. 6 
in Holz geschnitzte Schlufssteine aus dem Chor der St* Leonhards- 
kirche zu Basel, desgl. 4 Reliefbilder von der sogen. Heinrichs- 

flocke im Munster, desgl. Relief des Ternunius vom Grabsteine 
es Erasmus von Rotterdam im Munster, desgl. — Breslau. Dr. 
Th. Lindner, Privatdocent : 2 kleine Graburnen. Frln. N. von 
Prittwitz: 4 Holzschnitzwerke, heilige Figuren aus einem ober- 
schlesischen A 1 tare, 16. Jhdt. Dr. A. Schulz, Professor: Ver- 
ziertes Grabgefafs. — Casael. G. A. Bock el, Schlossermeister und 
obr. Zunfbdeputierter : Reichverzierter Thurklopfer nebst Schlofs 
undZubehor, 1729.— C5ln. Domcapitel: Gypsabgurs vom Grab- 
male des Erzbischofs Konrad von Hochstaden im Dome zu Coin. — 
Frankfiirt a/M. Denzinger, Dombaumeister: Gypsabgufs eines 
posaunenblasenden Engels, 13. Jhdt. — Graudeaz. Scharlok: 
20 Gypsabgusse von Denkmalen der Steinzeit. 1 Nachgufs einee 
Bronzeringes in Metall. — Hildeshelm. Schleich, Gypsformator : 

2 GypsabgOsse nach Ornamenten des Lettners im Naumburger 
Dome.— Karlstein. Frau v. Thiele-Winckler: Ein Stuck vom 
umgehauenen Birnbaum auf demWalser Felde. — MQnchen. Sp en- 
gel, Antiquar: Gypsabgufs eines Renaissance-Zinnkruges. Bunt- 
Eemalte Fayence-Schossel. — NOmberg. Rektorat der In- 
dustrieschule: Modell des Wasserwerkes im sogen. Plobenhof 
zu Nurnberg. 2 eiserne Schleudermaschinen. Kummelmann, 
Schuhmachermeister: Pulverhorn mit eingravierten figflrl. Darstel- 
lungen, 17. Jhdt L. Mayer, Privatier: Leuchterfufs von Bronze 
in Gestalt eines Hirsches. Ortwein, Professor an der Kunstge- 
werbschule: 9 Autographieen von demselben nach Nurnberger 
Renaissancedenkmalern. von Schrodt, Stad tcommissar : Lothnn- 
gische Silbermunze von 1776. — Pesth. A. Kamanhazy, Appel- 
lationsgerichtsrath : Silbermunze des hi. Stephan von Ungarn. — 



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Anzeiger fur Eunde der deutschen Yorzeit. 



292 



Walleretein. Frhr. von Loffelholz-Colberg, fiirstl. Domanen- 
direktor und Archivar: Kleine Messingschiissel mit dem Bilde des 
bekleideten Jesuskindes. — Wien: Se. Dure hi. Johann Adolph, 
Fiir8t zu Schwarzenberg: 3 Photographien nach demSchwar- 
zenberg'schen Stammschlofs. — Wiesbaden. Verein fiir nas- 
sauiscbe Alterthumskunde und Gescbichtsforscbung: 
13 Bl. Illustrationen aus den Mittheilungen des Vereins. — Worms. 
Comite zur Errichtung des Lutherdenkmals: Gypsmo- 
dell des Lutherdenkmals zu Worms. 

II. Fur die Bibliothek. 

(Nr. 28,647—28,936.) 
Altona. Herm. U flacker, Bucbh.: Martens, d. schlesw.-holst. 
Landwehr im Kriege gegen Frankreicb 1870—71. 1871. 8. — 
Amsterdam. Eon. oudheidkundig Genootschap: Dies., Vers - 
lag etc. over 1865. 1866. 1868—72. 8. — Bayreuth. C. Giefsel, 
Verlagsh.: Jarwart, slaviscbe Tracbten im Bayreuther Lande. 8. — 
Berlin. Gust. Hemp el, Bucbh. : v. Biedermann, Gothes Briefe 
an Eichstadt. 1872. 8. Jul. Klonne, Verlagsh.: Remy, der Deut- 
schen Heldenkampf i. J. 1870. 6. Lief. 8. Fr. Lo beck's Ver- 
lag: Schmidt d. Franzosen-Krieg ; 2 Bnde. 8. Michaelis, ub. Jakob 
Grimms Rechtscbreibung; I. II. 1868 u. 69. 8. Schnorr v. Carolsfeld, 
zur Geschichte des deutschen Meistergesangs. 1872. 8. Gebr. Pa- 
tel, Buchh.: Wernicke, Geschichte der Welt; 5. Aufl., 19.— 40. 
Lief. 1872. 8. Dorr, d. deutsche Krieg gegen Frankreich im J. 
1870—71; 2. Aufl., Lief. 19.— 24. 1872. 8. Simon Schropp'sche 
Hof-Landkartenhandl. : Die Operationen zur Wiedergewinnung der 
alten Reichsstadt Metz. 1872. Hubert Stier: Ders., Skizze f. 
ein deutsches Parlamentshaus. 1 872. 8. Weidmann' sche Buchh. : 
Brefslau, diplomata centum. 1872. 8. — Bern. J. D alp' sche Buch- 
handl. (K. Schmid): v. Wattenwyl, Geschichte der Stadt u. Land- 
schaft Bern; Bnd. n, 1. 2. 1872. 8. Blosch, Eduard Blosch u. 
30 Jabre Bernischer Geschichte; 1.— 3. Heft. 1872. 8. — Bielefeld. 
Velhagen u. Klasing, Verlagsh.: Werner, d. Buch v. der nord- 
deutschen Flotte. 1869. 8. Hahn, der Krieg Deutschlands gegen 
Frankreich. 1871. 8. Niemeyer, deutsche Gedichte zur deutschen 
Sage u. Geschichte. 1871. 8. Petsch, d. deutschen Knaben Friedr. 
Wilh. Schulze Fahrten u. Abenteuer im Kriege gegen Frankreich. 
1872. 8. Andree, tschechische Gange. 1872. 8. Daheim-Kalender 
aufl872. 8.— Brandenburg. J. Wiesike, Buchh.: Heinrich, Erin- 
nerungen an d. Baracken-Lazareth auf d. Tempelhofer Felde bei 
Berlin. 1871. 8. — Bremen. C. Schiinemann, Verlagsh.: Lenz, 
d. 10. Armee-Corps im Kriege gegen Frankreich. 1872. 8. — Bres- 
lau. W. G. Korn, Verlagshandl. : Handbuch der Provinz Schlesien; 
51. Aufl. 1872. 8. Schulze, d. Succession im Fiirstentb. Oels. 1868. 
8. K. Universitat: Index scholarum etc. 1872—73. 4. Personal- 
Bestand etc. 1871—72, 1872. 8. Beck, Konrad v. Marburg. 1871. 
8. Blafsel, Hubert Languet; 1 Th. 1872. 8. Eisner, de vita et 
scriptis bistoricis Werneri Rolewink. 1872. 8. Kusznitzki, Joel, 
Amos, Obadia qua aetate et quibus de rebus sint locuti. 1872. 8. 
Pollok, quaestionum de quatuor primi belli sacri historiia, quae sub 
Tudebodi nomine comprehenduntur. 1872. 8. Verein f. Ge- 
schichte der bildenden Kiinste: Schultz, Schlesiens Kunst- 
leben im 15.-18. Jahrh. 1872. 4. Verein fur das Museum 
schles. Alterthiimer: Schlesiens Grab-Denkmale u. Grab-In- 
schriften;3. Heft. 1«72. 4. — Christiania. Foreningen tilNorske 
fortidsminderraerkers bevaring: Ders., Aarsberetning for 
1870. 1871. 8. Colmar. L. von Cuny, kaiserl. Appellrath: Revue 
d'Alsace; 1872, Juillet— Septembre. 8. — Coin. B. Schwann 'sche 
Buchh.: Bock u. Willemsen, die mittelalterl. Kunst- u. Reliquien- 
schatze in Maestricht. 1872. 8. — Donauesehingen. Direktion 
des grofsh. Gymnasiums: Kappes, iiber Naturanschauung bei 
d. studierenden Jugend. 1872. 8. Dr. Sigm. Riezler, fiirstl. 
Forstenb. Archivar: Ders., Geschichte v. Donauesehingen. 1872. 8. 
Verein f. Geschichte u. Naturgeschichte: Ders., Schrif- 
ten etc., II. Heft. 1872. 8. — Dor pat Gelehrte estnische Ge- 
sellschaft: Dies., Verhandlungen etc.; Bnd. Vn, 2. 1872. 8. 
Sitzungsberichte etc. 1871. 1872. 8. — Dresden. C. F. Sonne n- 
8cbein: Schiller, Guillaume Tell, traduction francaise, avec des 
recherches critiques sur la tradition de Tell par Sonnenschein. 



1871. 8. — DQ8SSldorf. Juncker v. Oberconreuth, Reg.- 
Rath:EgererJahrbuch; 2. Jahrg. 1872. 8.— Erfurt Korner'ache 
Buchh. (E.Weingart): Musica sacra; Abth. III. 1872. 8. Schulz, uber 
den Choral u. d. alt. Literatur desselben. 1872. 8. W. Frhr. v. 
Tettau: Ders., Beitrage zu den Regesten der Grafen v. Gleichen; 
I. Abth. 8. Sonderabz. — Frankfurt a. M. Dr. Euler, Justizrath: 
Festschrift f. den 10. deutschen Juristentag in Frankfurt a. M. 

1872. 8. Chr. Winter's Verlagsh.: Der Krieg von 1870—71. 

1871. 8. — Frauenfeld. Histor. Verein d. Kantons Thurgau: 
Thurgauische Beitrage etc.; 13. Heft. 1872. 8. — Freiburg I. Br. 
Her der 'sche Verlagsh.: Kraus, d. Spottcrucifix vom Palatin. 

1872. 8. — Fulda. Jos. Gofsmann, Landgerichtsrath a.D.: Ders., 
d. deutsch-franzos. Krieg in den Jahren 1870 u. 1871. 1872. 8. 
— Botha. Ferd. Frhr. von Leesen: Schulze, Beschreibung der 
Vasensammlung des Freih. v. Leesen. 1871. 4. Schulze, devasculo 
picto et Amazonis pugnam et inferiarum ritus repraesentante. 1870. 
4. Progr. — 6ottingen. Dietrich'sche Bucbhandl.: Forschungen 
zur deutschen Geschichte; Bnd. XII, 3. 1872. 8. Vandenhoeck 
u. Ruprecht, Verlagsh.: Maldener, bibliotheca geographica; Jhg. 
XVIH, 2. u. XIX, 1. H. 1870 u. 71. 8. Muldener, bibliotheca 
historica; Jahrg. XVIII, 2. u. XIX, 1. H. 1870 u. 71. 8. — Sraz. 
Dr. Arnold Luschin: Ders., miinzgeschichtliche Vorstudien. 

1871. 8. Sonderabdr. Naturwissenschaftlicher Verein 
f. Steiermark: Ders. Mittheilungen; Jahrg. 1872. 8. J. Zahn, 
Archivar des Joanneums: Ders., Dr. Andreas v. Meiller. 1872. 8. 
Sonderabdr. — Greifswald. Universitat: Dies., index scholarum 
etc. 1872 — 73. 4. Verzeichnifs der Vorlesungen etc., 1872—73. 
4. Erdmannsdorffer , bestandene Versuchungen in der preufsi- 
schen Geschichte. 1872. 8. — GOtersloh. Bertelsmann, Ver- 
lagsh.: Allgem. literar. Anzeiger; Bd. V,2. VI, 2—6 u. VII, 1. 
1870 u. 71. 8. — Halle. Buchhandlung des Waisenhauses: 
Hertzberg, d. Feldziige der Romer in Deutschland. 1872. 8. Fri- 
dankes Bescheidenheit, hgg. v. Bezzenberger. 1872. 8. Leo, an- 
gelsachs. Glossar; I. Abth. 1872. 8. Opel, d. niedersachs.-danische 
Krieg; I. Bnd. 1872. 8. Mobius, liber die altnordische Sprache. 

1872. 8. Opel, d. Tagebuch des Ratbsmeisters Marcus Spicken- 
dorff v. Halle. 1872. 4. — Hannover. Hahn'sche Hofbuchh. : Mo- 
numenta Germaniae historica ; scriptores, t. XXII ; diplomata, t. I. 
1872. 2. Scriptores rerum Germanicarum : Gotifredi Viterbiensis 
gesta Friderici I. et Heinrici VI. 1872. 8. Schafer, danische Anna- 
len u. Cbroniken. 1872. 8. v. Malortie, Beitrage zur Gesch. des 
Braunschw.-Liineburg. Hauses u. Hofes; 6. Heft. 1872. 8. Nie- 
meyer, aus meinem Tagebuche. 1871. 8. Dr. C. E. v. Malortie, 
Staats- u. Hausminister a. D., Oberhofmarschall u. geh. Rath : Ders., 
Beitrage zur Gesch. des Braunschw.-Liineburg. Hauses u. Hofes; 
6. Heft. 1872. 8. — Hof. Friedr. Laubmann, Bildhauer: Ders., 
Gallerie-Katalog etc. 1870. 8. — Jena. W. Mauke, Verlagsh.: 
Sievers, Hamburg am Schlusse des 17. Jahrh. 1872. 8. — Karls- 
ruhe. G. Braun'sche Hofbuchh.: Zeitschrift f. d. Geschichte des 
Oberrheins; Bnd. 24, 3. Heft. 1872. 8. Mack lot' sche Buchh.: 
Magg, Kriegs-Kalender ; 27.-29. Heft. 1872. 8. — Kiel. Univer- 
sitat: Dies., Scbriften aus d. J. 1871; Bnd. XVIII. 1872. 4. — 
Klausenburg. Siebenbiirg. Museum s-Verein: Ders., Evkonyvei; 
K. VI, 1. 1872. 4. — Landau (Pfalz). Rektorat der k. Latein- 
schule: Dass., Jahresbericht f. 1871—72. 4. — Leipzig. Breit- 
kopf u. Hartel, Verlagsh.: Fechner, Bericht uber das auf der 
Dresdner Holbein - Ausstellung ausgelegte Album. 1872. 8. F. A. 
Brockhaus, Verlagsh.: Varnhagen v. Ense, ausgewahlte Schrif- 
ten; Bnd. 6. 7. 8. 1872. 8. E. Jul. Gflnther, Buchh.: Muller, 
d. Fall v. Konstanz; 3 Bnde. 1872. 8. Ramshorn, Maria Theresia 
u. ihre Zeit. 8. Joh. Friedr. Hartknoch, Verlagsh.: Kuckei- 
hahn, Johannes Sturm, Strafsburgs erster Schulrector. 1872. 8. 
Luckhardt'sche Verlagsh.: Ueber Bestrebungen auf d. Gebiete 
deutscher Rechtschreibung. 1872. 8. Wepler, Geschichte der Wil- 
helrashohe bei Kassel; 2. Aufl. 1870. 8. Contzen, zur Wurdigung 
des Mittelalters. 1870. 8. Prusker, Lexikon der bedeutenderen 
Schlachten, Belagerungen u. Gefechte. 1872. 8. Mor. Schafer, 
Buchb. : Drivok, altere Geschichte der deutschen Reichsstadt Eger ; 
4. Lief. 1872. 8. Schubert, Concordia. Anthologie class. Volkslie- 
der; 6. Aufl. 4 Bnde. 8. Fliefsbach, Monzsammlung. 8. Bernb. 
Schlicke, Buchh.: Otto, d. Stiftsherren v. Strafsburg; 2 Bnde. 



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293 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



294 



1872. 8. Veit u. Comp M Verlagsh.: Fock, schlesw.-holstein. Er- 
innerungen. 1868. 8. Eckart, York u. Paulucci. 1865. 8. Fock, 
rugensch-pommersche Geschichten; VI. 1872. 8. Droysen, Ge- 
schichte d. preufs. Politik ; 2.Aufl., 3.Th. 1872. 8. J. J. Weber, 
Verlagsh. : Devrient , meine Erinnerungen an F. Mendelssohn-Bar- 
tboldy; 2. Aufl. 1872. 8. Dr. Heinr. Wuttke, Univers.-Profes- 
wr: Processus in coronando rege Bohemiae Friderico I. 1619. 4. 
Respublica Poloniae, Lituaniae, Prussiae, Livouiae. 1627. 16. Die 
vornehmste Grundfeste des heil. Rom. Reichs. 1745. 8. Morgen- 
Btern, iib. Friedrich Wilhelm I. 1793. 8. Dumouriez, memoires. 
1794. 8. Cbarakteristik der wichtigsten Ereignisse des siebenjahr. 
Krioges ; 1. u. 2. Tb. 1802. 8. Bredow, Karl der Grofse. 1814. 8. 
Eisentreter, geheime Geschichte der Theilung Sachsens. 1818. 8. 
Jack, Lehrbuch d. Gesch. Bambergs ; 2. Ausg. 1820. 8. Zur Kriegs- 
geschichte d. Jahre 1813 u. 1814. 1827. 8. Weiske, de septem cly- 
peis militaribu8. 1829. 8. Vogt, Grand- u. Aufrifs d. christl.-germ. 
Kirchen- u. Staats-Gebaudes im Mittelalter. 1836. 8. Rau, d. Re- 
giments-Verfassung der freien Reichsstadt Speier; I. Abth. 1844. 
4. Die Breslauer Politiker u. ihre Politik. 1849. 8. Script ores re- 
rum Lusaticarum ; n. F. Bnd. Ill, 1. 2. 1850. 8. Rothenburg, das 
Treflen bei Niibbel u. Duppel. 1850. 8. Duemmler, de Bohemiae 
condi cione Carolis imperantibus. 1854. 8. v. Lerchenfeld, Gesch. 
Bayerns unter Konig Maximilian Joseph I. 1854. 8. Capefigue, hi- 
stoire de Charlemagne. 1855. 8. Schulze, de testamento Genserici. 
1859. 8. Eine deutsche Antwort auf preufs. Kundgebungen. 1863. 
8. Pfalz, d. germaDischen Ordalien. 1865. 8. Progr. Kaufmann, 
d. Ruckzug v. Danevirke. 1865. 8. Rinne, d. Friedensfest am 11. 
Nov. 18U6. 4. Fietz, Geschichte Berengar's II. v. Ivrea, Konigs 
v. Italien. 1870. 8. Pelz, d. Deutschen in den vereinigten Staaten 
von Nordamerika. 1870. 8. Wuttke, zur Geschichte der Erdkunde 
im letzten Drittel des Mittelalters. 1871. 8. Wuttke, d. Entste- 
fcung der Schrift, d. verschied. Schriftsysteme. 1872. 8. Bech, 
fiber Johannes Rothe. 8. 8onderabdr. Kuckelhahn, Johannes Sturm, 
Strafsburgs erster Schulrector ; I. Th. 8. Hoffmann v. Fallersleben. 
12. — London. Aug. W. Franks, Direktor des Brit. Museums: 
Ders., guide to the Christy Collection etc. 1868. 8. Thorns, in- 
structions given to Edw. Grimston by king Henry VI. 1870. 4. — 
Lineburg. Altertums- u. Geschichtsverein: Ders., d. Alter- 
tumer der Stadt Liineburg. 6. Heft. 1871. 4. — Magdeburg. E. 
Bansch, Hofbuchh. : Gotze, altere Geschichte der Buchdrucker- 
kunst in Magdeburg. I. Abth. 1872. 8. Verein f. Geschichte 
und Alterthumskunde des Herzogthums und Erz- 
s t i f t s Magdeburg: Ders., Geschichts-Blatter ; VH. Jhg., 2. Heft. 
1872. 8. — Metternich (b. Coblenz). Toll, k. preufs. Major der 
Artillerie a. D. : Feld-Aufsatz, d. i. Feuerwerkerei f. d. Feld-Artil- 
lerie der osterreich. Armee. Pap.-Hs. 18. Jahrh. 2. Militar- Geo- 
graphic u. Kriegs- Geschichte v. Danemark u. Norwegen. Pap.-Hs. 
18. Jahrh. 4. Veranderungen u. Fortschritte in d. preufs. Artil- 
lerie von 1828—1836. Pap.-Hs. 4. Schmedes, k. k. Canoniers- u. 
Bombardiers-Unterricht. Pap.-Hs. 18. Jahrh. 4. Konigl. hohe Ord- 
rea in Abschrift de Ao. 1740 ad 1753. Pap.-Hs. 2. Strampff, kurtze 
Nacbweisung oder Extracte aus d. gefuhrten Correspondance wie 
der Geschaftsgang des 2. Feld-Artillerie-Regiments v. 31. August 
1806 bis 7. Jan. 1807 betrieben worden. Pap.-Hs. 2. Entwurf zu 
einem Belagerungs-Plan, welcher unterm 5. April 1800 eingesandt 
worden. Pap.-Hs. 2. Inventaire der Artillerie-Effecten, welch e sich 
in der Festun* Luxemburg befinden (1815 u. 1819). Pap.-Hs. 2. 
Unterricht f. d. samtlichen Feuerwerckers u. Bombardeurs. Pap.- 
Hs. 18. Jahrh. 2. Infanterie - Exercitium , Unterricht der Scharf- 
schutzen etc. in d. osterreich. Armee v. 1803. Pap.-Hs. 2. K. k. 
Exerzier-Reglement f. d. Belagerungs- u. Feld-Artillerie. Pap.-Hs. 
18. Jahrh. 2. Tage-Buch v. d. reitenden Batterie Nr. 12 des er- 
sten Armee-Corps im J. 1813 — 14 u. 1815. Pap.-Hs. 2. Geschutz- 
Bestand der Festung Coblenz u. Ehrenbreitstein im J. 1824, Saar- 
lonis im J. 1816 u. 1824 etc. Pap.-Hs. 2. Specification des im 
Colnischen Stadt-Zeughause befindl. Vorraths v. Kanonen etc. Pap.- 
Hs, 2. Instruction vor Canonier. Unterricht beim Wurf- Geschutz 
etc. Pap.-Hs. 8. Exercitien der Artillerie. Pap.-Hs. 18. Jahrh. 8. 
Unterricht in d. preufs. Artillerie. Pap.-Hs. 18. Jahrh. 8. Exercicium 
<L k. preufs. Artillerie. Pap.-Hs. 19. Jahrh. 8. Ueber den Dienst 
der reitenden Artillerie. Pap.-Hs. 19. Jahrh. 8. K. preufs. Feld- 



Artillerie- Corps. Pap.-Hs. 1804—6. 8. — MUnchen. Hist or. Com- 
mission bei d. k. Akademie d. W.: Geschichte der Wissen- 
schaften in Deutschland; XII. Bnd. 1872. 8. Ernst v. Destou- 
ches, Archivar u. Chronist der Stadt Munchen: Ders., aus der 
Jugendzeit. 1866. 12. Ders., d. ehemaligen Spitaler u. Convente 
der Barmherz. Briider u. derElisabethinerinnen in Munchen. 1869. 
8. Sonderabdr. Ders., urkundl. Beitrage zur Geschichte Miinch ens. 
1871. 8. Sonderabdr. Ders., Geschichte des k. b. Haus-Ritter-Or- 
dens vom heil. Georg. 1871, 8. Ders., Auf Kaiser Ludwig den 
Bayer. 1872. 4. Ders., d. Krone im Rhein. 8. Ders., d. Helden- 
kreuz. 8. Ders., d. grofsen Stadt feste in Munchen seit dem An- 
fange d. 14. Jahrh. 1872. 4. Ders., die Stadt Munchen in ihren 
auiseren Beziehungen zur Universitat. 1872. 4. Chrn. Kaiser, 
Buchh. : Zorn, das Beweisverfahren nach longobard. Rechte. 1872. 
8. Kg I. Universitat: Prantl, Geschichte der Ludwig-Maximi- 
lians-Universitat in Ingolstadt, Landshut, Munchen ; 2 Bnde. 1872. 
8. Jo 8. Wur dinger, k. b. Major: Haid, histor. Nachweise iib. 
die Ursprungs-Namen aller Strafsen etc. in Augsburg. 1833. 8. 
Articulsbrieif fur des Obersten Engelbert Kurtzen Regiment, 1592. 
Pap.-Hs. 2. Verzeichnisse der Bischofe zu Bamberg, Wiirzburg u. 
a. Pap.-Hs. 17. Jahrh. 2. Mandat Kaiser Karl's V., 1546. 2. — 
Miinneratadt. K. Studienrektorat: Dass., Jahresbericht etc., 
1871 — 72. 4. Walberer, d. Bewegungsgleichungen eines materiel- 
len Punktes. 1872. 8. — Nordlingen. C. H. Beck'sche Buchh.: 
Schulthefs, europaischer Geschichtskalender ; XH. Jhg. 1872. 8. — 
Niirnberg. Dr. Ernst Freih. von Bibra: Ders., iiber alte Eisen- 
n. Silber - Funde. 1873. 8. Direktion des bayer. Gewerbe- 
museums: Dies., Katalog der ersten Wanderausstellung des bayer. 
GewerbemuseumB. 1872. 8. C. Kohler, Historienmaler : Ders., 
d. Trachten der Volker in Bild u. Schnitt ; 4.-6. Heft. 1872. 8. 
Fried r. Korn'sche Buchhandl. : Pfeiffer, die Volksschule des 19. 
Jahrh. in Biographieen hervorragender Schulmanner; Lief. 1. 2. 
8. Zeh'sche Buchh.: Deutsche Blatter; 1. Bnd. Nr. 1-38. 1813. 
8. — St. Petersburg. C. Rottger, kais. Hofbuchh.: Croger, Ge- 
schichte Liv-, Ehst- u. Kurlands; Th. I. II. 1867 u. 70. 8. Dal- 
ton, d. ewige Jude u. d. ewige Johannes. 1867. 8. Dr. Chr. Fr. 
Walt her, kais. Oberbibliothekar u. Collegienrath : Ders., Grab- 
schrift fdr Alex v. Humboldt 1862. 8. Ders., cantilena potatoria 
etc. 1864. 8. Ders., Ode auf d. Hinscheiden des Grofsfurston Ni- 
colai Alexandrowitsch. 1865. 8. Ders., viro excell. et illustr. li- 
bero baroni de Korff etc. 1867. 8. Ders., viro excell. et doctis. 
Ed. de Eichwald etc. 1869. 8. - Potsdam. J. K. F. Knaake, Pre- 
diger: Ders., Jahrbiicher des Deutschen Reichs u. der deutschen 
Kirche im Zeitalter der Reformation. Bnd. I, 2. 1872. 8. — Prag. 
AntonFrind, Canonicus : Ders., die Kirchengeschichte Bohmens ; 
III. Bnd. 1872. 8. — Regensburg. Friedr. Pustet, Verlagsh.: 
Gumpelzhaimer, Regensburgs Geschichte, Sagen u. Merkwiirdig- 
keiten. 2. u. 3. Abth. 1837 u. 38. 8. Mittheilungen iiber d. Stifts- 
Pfarrkirche St. Cassian in Regensburg. 1865. 8. v. Bolanden, die 
Mageren u. die Fetten. 1872: 8. — Rostock. Universitat: 55 
akademische Gelegenheitsschriften. 1871 u. 72. 4. 8. — Rtldolstadt. 
G. Frobel, Verlagsh.: Wallenhauer, Heimathskunde der Fursten- 
thumer Schwarzburg. 1872. 8. — Schaffhausen. Hurter'sche 
Buchh. : Robitsch, Geschichte d. christl. Kirche ; 3. Aufl. 1872. 8.— 
Schassburg. Direktion des Gymnasiums: Hoch, Geschichte 
des Schafeburger Gymnasiums. 1872. 4. Prog. — Seehausen (Alt- 
mark). Dr. Ludw. Gotze, Gymnasial-Oberlehrer : Ders, urkundl. 
Geschichte der Stadt Stendal; 8. Lief. 8. — Sigmarlngen. Dr. F. 
A. Lehner, Hofrath: Ders., fiirstl. Hohenzollern'sches Museum 
in Sigmaringen: Verzeichnifs der Glaser. Verzeichnirs der Email- 
werke. 1872. 8. — Stuttgart. Ebner u. Seubert, Verlagshandl. : 
Kugler, Christoph, Herzog zu Wirtemberg; 2. Bnd. 1872. 8. Adolph 
Krabbe, Verlagshandl.: Gfrorer, allgem. Kirchengeschichte; 
Bnd. I— IV, 1. 1841—46. 8. K. w. Ministerium des Inn em: 
Staats-Anzeiger f. Wiirttemberg; Jahrg. 1871. 4. — Trier. Fr. 
Lintz'sche Buchh.: Marx, Geschichte des heil. Rockes in der 
Domkirche zu Trier. 1844. 8. Marx, d. Ausstellung des h. Rockes 
in d. Herbste des J. 1844. 1845. 8. Marx, Geschichte des Erz- 
stifbs Trier; Bnd. I— V. 1858—64. 8. Kampschulte, d. Universitat 
Erfurt; H. Th. 1860. 8. Coster, Geschichte der Stadt u.*Festung 
Metz. 1871. 8. Broere, Hugo Grotius' Riickkehr zum kath. Glau- 



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295 



Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



296 



ben. 1871. 8. — Washington. Smithsonian Institution: Dies., 
annual report etc. for the year 1870. 1871. 8. 52. annual report 
of the board of public education of the first school district of 
Pennsylvania for 1870. 1871. 8. — Weimar. Herm. Bohlau, Ver- 
lagsh.: Zeitschrift f. Rechtsgeschichte ; Bnd. X, 3. 1872. 8. — 
Wernigerode. Ed. Jacobs, grafl. Stolberg. Bibliothekar : Ders., 
Aschcraleber Fundstucke. 1872. 8. Sonderabdr. Ders., d. Ueber- 
rumpelung Halberstadts, 1643. 1872. 8. Sonderabdr. Kern, Krypta 
der ehemal. Klosterkirche zu Riechenberg. 1871. 8. Sonderabdr. 
Brecht, die Aebtissin Meregart v. Quedlinburg. 1872. 8. Sonderabdr. 
Brecht, Ursprung u. Entwicklung der St. Johannis - Stiftung zu 
Quedlinburg. 1872. 8. Sonderabdr. Holstein, zur Geschichte des 
Collegiat8ti?ts B.- Mariae Virg. et S. Brunonis zu Querfurt. 8. 
Sonderabdr. Holstein, Beitrage zur Genealogie der Dynasten v. 
Querfurt. 8. Sonderabdr. Kohl, e. Quedlinburger Hexenprozefs 
aus d. J. 1575. 8. Sonderabdr. Leitzmanu, d. alteren Miinzen der 
Abtei Quedlinburg. 8. Sonderabdr. Meyer, d. Wiistungen der 
Grafsch. Stolberg etc. 8. Sonderabdr. Nebst Karte. Augustin, 
Abbildungen v. mittelalterl. u. vorchristl. Alterthiimern in den 
Gauen des vormal. Bisthums Halberstadt. 1872. 4. Harz-Verein 
f. Gesch. u. Alterthumskuude: Ders., Zeitschrift etc. ; Jahrg. 
V, 1. 2. Heft. 1872. 8.— Wien. K. Akademie d. Wissenschaf- 
ten: Dies., Sitzungsberichte, philos.-histor. CI.; Bnd. 68, 2. 3. 4. H. 
u. 69, 1.— 3. H. 1871. 8. Archiv f. osterr. Geschichte; Bnd. 67, 2. 

1871. 8. Fontes rerum Austriacarum ; II. Abth., 35. Bnd. 1871. 
8. Alterthums-Verein: Ders., Berichte u. Mittheilungen; 
Bnd.XII. 1872. 4. Wilh. Braumiiller, k. k. Hof- u. Universitats- 
Buchhandl.: Ginzel, kirchenhistor. Schriften; 2 Bnde. 1872. 8. 
Loserth, die Geschichtsquellen v. Kremsmiinster im 13. u. 14. Jahrh. 

1872. 8. Bucher, die Kunst im Handwerk. 1872. 8. General- 
direktion der Weltausstellung: Weltausstellung 1873 in 
Wien; Nr. 1—61. 4. -— Worms. Ernst Henzing: Das Luther- 
denkmal in Worms. 8. Ch. Schiiler u. Ernst Henzing: Dies., 
der Lutherbaum zu Pfiffligheim bei Worms. 4. — WBrzburg. 
Stahel'sche Buchh.: Gatschenberger, Geschichte des Kampfes 
der Jesuiten gegen den modem en Staat. 1872. 8. Die Befestigung 
v. Bagneux. 1872. 8. — Zittau. G. Korschelt, Oberlehrer: 
Kammel, Nachrichten uber d. Johanneum. 1872. 4. Brosing, Nach- 
richten iiber d. allgem. Stadtschule in Zittau; 59. Stuck. 1872. 8. 
— Zurich. Antiquarische Gesellschaft: Dies., Mittheilungen; 
Nr. XXX u. XXXVI, Bnd. XVII, 4. u. 7. H. 1866 u. 72. 4. 



HE. For das Archiv. 

(Nr. 4266—4276.) 

OsnabrQok. J. Lodtmann, Pastor: Verwilligung desBischofes 
Franz von Munster und Osnabruck an Johannes Toutman, den 
von dem Stifte zu Lehn getragenen Hof Bussenerve zu Osede an 
Christian Snider verkaufen zu durfen. 1538. Perg. Erbeinigung 
zwischen Wilhelm, Landgrafen zu Hessen, und Frau Anna, gebornen 
zu Teklenburg, mit der Zusage von Seite des ersteren: im Falls 
des Heimfalles die Burgmannen und Unterthanen der Grafschaft 
Teklenburg und der Herrschafb Rehden bei ihren alten Freiheiten 
und Gewohnheiten belassen zu wollen. 1575. Perg. Schuldbrief 
des LukaB Walbaum von Minden, kurfurstl. brandenb. Cornets, an 
den Lohnherrn Joh. Meusch, Uber ein Darlehen von fanfzig Reichs- 
thalern, beglaubigt vor dem Gerichte der Stadt Osnabruck. 1655. 
Perg. Urkunde des Lohnherrn Barthol. Meusch, Patrons des 
Blumenklosters zu Osnabruck, und der Anna Franckes, als Aelte- 
ster in gedachtem Kloster, fur Gerdt Dreelmann, in Betreff der 
kauflichen Abtretung eines aufser der Nortrupfer Pforte an der 
Dosternstrafse gelegenen Grundstucks. 1670. Perg. — Worms. Gold- 
beck, Dr. med.: Urtheilsspruch der Stadtmeister, Burgermeister 
und des Raths der Stadt Worms in der Klagsache Georg Krapfis, 
Altschultheifsen, wider Christoph Ohrmann, Schultheifsen , Hans 
Reichardt und Kons., die Baubesserung und Erhaltung eines Zauns 
bei der Mainzer Pforten betr. 1595. Perg., sammt zwei angehang- 
ten, auf den gleichen Gegenstand beziiglichen Urkunden von 1424 
und 1543. Perg. Kaufbrief der Frau Eva, weil. Veltin Heussels, 
Burgers und Weingartsmanns, Wittwe, an Georg Krapff, Altschult- 
heifsen zu Worms, iiber einen Eckgarten vor der Martinspforte 
bei der alten Miihle, inwendig der Ringmauer gelegen. 1595. Perg. 
Verhandlungen zwischen Christoph Metzler und H. Steffans Erben 
zu Worms, uber die Abtragung einer Schuld. 1627 — 1657. Akten. 
Schuldschein Joh. Jakob Schweickers von Frankfurt an Georg 
Aedelhaufser daselbst, fiber baar empfangene zwanzig Reichstha- 
ler. 1634. Pap. Abschr. Beschwerden des J. E. Lamprecht bei 
dem Dom8tifte zu Worms iiber die Belastung eines Gartens bei 
der Mainzer Pforte. 1698 — 1713. Akten. Beseheinigung der Ge- 
briider Caspar und Leonhard Camer zu Worms iiber empfangenen 
Taglohn. 1726. Pap. Orig. Kaufbrief uber verschiedene Grund- 
stiicke und Hausreiten in der Stadt Worms. 1730—1776. 



Chronik der historischen Vereine. 



Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften. Philosophisch-historische Classe. LXVHI. Band. 
Heft n— IV. Jahrg. 1871. Mai— Juli. Wien, 1871. 8. 

Bruder Philipps Marienleben. Von Jos. Haupt. — Die Polar- 
gegenden Europas nach den Vorstellungen des deutschen Mittel- 
alters. Von K. Weinhotd. 

LXIX. Band. Heft I — HI. Jabrg. 1871. Octbr., Novbr., 
Decbr. M. Cetius Faventinus und ein Bienensegen aus der Hs. 
887 der k. k. Hofbibliothek. Von J. Haupt. — Ueber das mittel- 
deutsche Buch der Vater. Von dems. — Zwei Briefe Herbart's. 
Mitg. von Zimmermann. — Bericht iiber die im August 1871 in 
Ober-Oe8terreich angestellten Weisthiimer-Forschungen. — Ueber 
die Datirung einiger Urkunden Kaiser Friedrich's II. 

Archiv fur osterreichische Geschichte. Herausg. von 
der zur Pflege vaterlandischer Geschichte aufgestellten Commis- 
sion der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. 47. Bd. 
2. Halfte. Wien 1871. 8. 

Zur Geschichte des Friedens von Aachen im Jahre 1748. Von 



Dr. Adolf Beer. — Ueber das Vorleben Arno's, ersten Erzbischo- 
fes von Salzburg. Von Dr. Al. Huber. — Munzgeschichtliche Vor- 
studien. Von Dr. Arnold Luschin. — Zwei Denkschriften der 
Kaiserin Maria Theresia. Von Alfred Ritter v. Arnetb. — Ger- 
hochi Reichersbergensis ad cardinales de schismate epistola. Von 
E. Miihlbacher. — Die Zusammenkiinfte Josefs II. und Friedrichs IL 
zu Neisse und Neustadt. Von Adolf Beer. 

Fontes rerum Austriacarum. Oesterreichische Geschichts- 
quellen. Herausgeg. von ders. Commission. Zweite Abtheflung. 
Diplomataria et acta. XXXV. Band. Codex diplomatics Austriaco- 
Frisingensis. Sammlung von Urkunden und Urbaren zur Geschichte 
der ehemals freisingischen Besitzungen in Oesterreich. Hrsg. von 
J. Zahn. n. Band. Wien, 1871. 8. 492 Stn. 

Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft 
in Wien. n. Band. 1872. Nr. 7. 8. 

Neu aufgefundene Tumuli in Niederosterreich. Von Dr. ML 
Much. — Fortsetzungen u. Notizen. 



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Z.A.£K.dd.V 1872 N--9 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



298 



Beriohte und Mittheilungen des Alterthums-Ver- 
eines zq Wien. Band XII. Wien, 1872. V 

Vereinsangelegenheiten. — Die alte Peterskirche in Wien, von 
Alb. Bitter v. Camesina (mit 5 Holzschn.) — Studien uber die mit- 
telalterliche Hirschjagd, von Ant, R. v. Perger (mit 1 Taf.). — 
Eiserne Votivgaben, von Dr. F. S. Pichler (mit 3 Holzschn.). — 
Ein mittelalterliches Graber-Verzeichniss des Wiener Minoriten- 
Klosters, von Dr. E. Lind (208 Holzschn.) — Anfzeichnungen tiber 
die Stadt Haimbnrg, von Ant. R. v. Perger. — Die Skelete der 
herzogL Stifter-Familie zu Neuberg, von Dr. Prof. Earl Langer. — 
Archaologische Rundschau in Nieder-Oesterreich (Forts.) — Alte 
Abbildungen der Wiener Burgerwehr, von A. R. v. Camesina (mit 
15 Taf.). 

Heraldisch-genealogische Zeitschrift. Organ des 
heraldisch-genealogischen Vereines „Adler" in Wien. 
IL Jahrg. Nr. 9. Wien, September 1872. 4. 

Geschichte des Grafen Goefs. Yon Dr. Ernst Edlen v. Hart- 
mann - Franzenshuld. — Auszug aus dem Lehenbuch des . . . 
Fursten . . . Joannis Theodori, dels . . . Bischoffens zu Regenspurg 
etc — Fortsetzungen. 

Der Kirchenschmuck. Blatter des christlichenKunst- 
vereines der Diozese Seckau. 1872. III. Jahrg. Nr. 8. 
Graz. 8. 

Die Stadtpfarrkirche zu Murau u. das Streben - System der 
Gothik. I. — Werth der Glockenkunde. 

Forschungen zur deutschen Geschichte. Herausgeg. 
von der historischen Commission bei der kgl. bayer. 
Akademie der Wissenschaften. Zwolften Bandes drittes 
Heft. Gottingen, Verlag der Dieterich'schen Buchhandlung. 1872. 8. 

Die Geschaftsordnung in Sachen der aufseren Politik am Wie- 
ner Hofe zu Kaiser Leopolds und Lobkowitz' Zeiten. Von Dr. J. 
Grofsmann. — Die Streitfrage fiber den Ursprung des Artikel- 
briefs und der zwolf Artikel der Bauern. Von Dr. Alf. Stern. — 
Zur Geschichte Kaiser Friedrichs II. in den Jahren 1239 bis 1241. 
Von Prof. Ed. Winkelmann. 2. Die Reorganisation des sicilischen 
Konigreichs 1240. — Ueber das Gedicht von der Zusammenkunft 
Karla des Grofsen und Papst Leos HI. in Padorborn. Von Dr. B. 
Simson. — Ueber die Anfange des Konigs der Westgothen Leovi- 
gild. Von Dr. Fr. Gorres. — Kleinere Mittheilungen. 

Schlesiens Kunstleben im funfzehnten bis acht- 
zehnten Jahrhundert. Verfasst im Namen des Vereins fiir 
Geschichte der bildenden Kunste zu Breslau for dessen 
Mitglieder von Dr. Alwin Schultz. — Mit einer autographirten Ta- 
fel und drei Lichtdruckentafeln. Breslau, 1872. 4. 30 Stn. 

Der dentsche Herold. Zeitschrift fiir Heraldik, Sphragi- 



stik u. Genealogie. Organ des Vereins fur Siegel- u. Wap- 
penkunde zu Berlin. ID. Jahrg. Nr. 8 u. 9, 1872. 4. 

Beitrage zur Genealogie des Geschlechts Blome. Von J. Gra- 
fen v. Oeynhausen. — Ein Beitrag zur deutschen FamiUenkunde 
(von Qualen u. von Meerheim). — Regesten der Familie von Ei- 
chenberg. Bearbeitet von Victor Lommer. — Nachrichten liber 
die adelige Familie v. Boldigk (Hiibner). — Falsche Wappen 
(v. Rottorff). — Zum heraldischen Lehenrecht. — Belegt — Be- 
steckt. — Das bohmische Wappen u. der deutsche Aar. — Klei- 
nere Notizen. 

Zeitschrift des Architekten- und Ingenieur-Ver- 
eins zu Hannover. Baud XVIII. Heft 2. (Jahrg. 1872.) Han- 
nover. Schmorl u. von Seefeld. 1872. 2. 

Die mittelalterlichen Baudenkmaler Niedersach- 
s ens. Herausgeg. von demselben Verein. Siebenzehntes Heft 
(Dritter Band. Fiinfbes Heft.) Jahrg. 1871. Hannover. Schmorl 
u. von Seefeld. 1872. 2. 

Der Dom zu Minden in Westfalen, mit Abbildungen, mitge- 
theilt von P. Tornow. 

Die Altertiimer der Stadt Luneburg und des Klo- 
sters Lune. Herausgegeben vom Altertumsvereine in Lu- 
neburg. Lief. 6. Luneburg 1871. 4. 

Ansicht von Luneburg a. d. Jahre 1654. Lithogr. — Mittlere 
Nordseite des Rathhauses. Photogr. — Das Kammereigebaude. 
Photogr. — Pforte aus der Burg Luneburg vom Jahre 1371, jetzt 
im Rathause. Nebst Details. Photogr. 

Thurgauische Beitrage zur vaterlandischen Ge- 
schichte. Herausgeg. vom historischen Vereine des Kan- 
tons Thurgau. Zwdlftes Heft*). Frauenfeld, 1872. 8. 

Sammlung aller thurgauischen Glockeninschriften sammt einer 
einleitenden Abhandlung uber die Kirchenglocken. Mitg. von H. 
G. Sulzberger, Pfarrer. 

Bulletin Monumental ou collections de memoires sur les 
monuments historiques de France, public sous les auspices de la 
Societe fran^aise d'archeologie pour la conservation 
et la description des monuments nationaux, et dirige 
par M. de Caumont. 4. Serie, Tome 8., 38. Vol. de la Collection. 
Nr. 7. Paris et Caen, 1872. 8. 

Clochers du diocese de Bayeux, par M. Bouet. (Suite.) — 
Note sur un ancien autel en marbre trouve a Auriol {Bouches-du 
Rhdne), par M. Sabatier. — Rapport present* au Congres de la 
Societe francaise d'Archeologie, tenu a Angers, en juin 1871, sur 
la decouverte d'un theatre gallo-romain, par M. de Lauriere. 

•) Mit Dinte 1st „13." Heft corrigiert 1st diese Corrector begrfindet, to 
fehlt dem linseom da» is. Heft 



NacbricbteDe 



Literatur. 

Neu er8chienene Werke. 

28) Revue d' Alsace. Nouvelle serie — Tome premier. 1872. 
Colmar, au bureau de la revue d' Alsace. Lief. 1 — 6. Mit 
Abbildungen. 8. 
Eine im ElsaXs neu aufgenommene wissenschaftliche Zeitschrift 



lafst sich kaum anders als unter dem Eindruck der letzten, fiir 
das Land so bedeutungsvoll gewordenen politischen Ereignifse be- 
trachten. Bemerken wir nun, dafs dieselbe nicht einmal die Eigen- 
thumlichkeit der in anderen Grenzlandern, der west lichen Schweiz, 
Luxemburg, selbst Belgian erscheinenden ahnlichen Schriften tragt, 
die sowohl dem germanischen wie dem franzosischen Idiom Zu- 
tritt gestatten; fassen wir ferner den ersten, der Aufimerksamkait 



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399 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



300 



der Leser besonders empfohlenen Aufsatz in's Auge, welcher, fruher 
schon zweimal abgedruckt, die keltisch-gallischen Denkmaler des 
Landes bespricht, im Grunde aber nor beweist, was allgemein be- 
kannt: dafs dieUfer des oberenRheins vor der germanischen Ein- 
wanderung eine keltische Bevolkerung batten, so scbeint die Ten- 
denz des Unternehmens zweifellos sich herauszustellen. Machen 
wir uns jedoch weiter mit dem Inbalt bekannt, — so uberzeugen wir 
uns bald, dafs wir auch in dieser Revue auf dem neutralen Boden 
reiner Wissenschaftlichkeit steben, und daf8 sie sowohl diesseits wie 
jenseits der Vogesen gelesen werden kann. Gleich die zweite Ab- 
handlung ist von ungewohnlichem Interesse. Sie bespricht die 
Aufzeichnungen eines Strafsburger Handlungsgehulfen aus dem 
16. Jabrhundert, bei der wir nur bedauern, dafs nicht mehr aus 
dem Originale mitgetheilt und das Mitgetbeilte nicbt in der Ur- 
sprache wiedergegeben ist. Die von Abbildungen begleitete Be- 
sprechung der Gefafssammlung von Rappoltsweiler fiihrt eine An- 
zahl interessanter Denkmaler der Goldschmiedekunst aus der Re- 
naissancezeit vor Augen. Vom weiteren Inhalt beben wir die Ab- 
handlungen iiber die Chronik des Sebald Biihler von 1506 — 1586, 
die historiscben Skizzen fiber bedeutende Orte, Familien und Per- 
sonen des Elsafs von A. Ingold, A. Quiquerez, A. Thiriot u. A., 
endlicb die beraldiscben Beitrage iiber erloscbene Geschlechter 
des Landes von Grandidier hervor. v. E. 

24) Zeitschrift far deutsche Kulturgeschicbte. Neue 
Folge. I. Jabrgang. Herausgegeben von Dr. J. H. Mo Her, 
Studienrath. Hannover. Druck und Verlag der Schluter , - 
scben Hofbuchdruckerei. In Kommission bei Carl Meyer. 
1872. Lief. 1—6. 8. 338 S. 

In der aufseren Ausstattung die erste Folge iiberbietend, hat 
die Zeitschrift fur deutsche Kulturgeschichte nunmehr auch das 
Feld ihrer Betrachtung erweitert, wie gleich ira ersten Heft die 
Mittheilung eines Briefwechels zwischen Kant und Campe durch 
H. Hettner andeutet, welchen die Tendenz des anfanglichen Unter- 
nehmens schwerlich in ihren Bereich gezogen haben wurde. Sonst 
lehnt sie sich, der alteren Ueberlieferung treu, vorzugsweise an 
das Verfassungs- und Recbtsleben, wie an Sitten und Gebrauche 
unsrer Vorzeit an und bringt in dieser Beziehung zahlreiche interes- 
sante Beitrage. Als neue Einleitung geht denselben eine Abhand- 
lung flber Kulturgeschichte und Volkswirthschaftslehre von Joh. 
Falke voran. Unter den Mitarbeitern , wie schon unter den Bei- 
tragenden der vorliegenden Hefte, befinden sich die bewahrtesten 
Namen der heutigen Vertreter der deutschen Kulturgeschichte, 
so dafs wir der Zeitschrift, deren fruheres Ende keineswegs in 
ihr selbst begriindet lag, gegenwartig, bei dem gesteigerten Volks- 
bewusstsein, das beste Prognosticon stellen konnen. Wir ent- 
halten uns, auf Einzelheiten des mannigfaltigen Stoffes einzugehen, 
und bemerken nur, dafs der schlichten Mittheilung kulturgeschicht- 
lichen Materials die eingehende Yerarbeitung bestimmter Partieen 
die Wage halt. 

Aufs&Ure in Zeitschriften. 
Das An Bland: Nr. 36. Skizzen aus Elsafs u. den Vogesen. Von 

Charles Grad. VI. Die Heidenmauer am Odilienberg. 
Eur op a: Nr. 35, S. 1097. Die ersten Mikroskope. — Nr. 36, 

S. 1147. Ein altes Reichs- u. Wassergericht. (Dr. Herm. Klein- 

steuber). 



Gewerbehalle: Nr. 8. Das Pflanzen-Ornament in der Gothik. 

Von Dr. Ed. Paulus. 
Die Grenzboten: Nr. 35, S. 343. Reisen zuAnfang desvorigen 

Jahrh. (Max v. Eelking.) V. Ein fdrstlicher Hof bei der Durch- 

reise in Bremen. — Nr. 36, 8. 370. Die Grabstatten der Ballen- 

stadter. (O. Schwebel). 
Im neuen Reich: Nr. 36, S. 373. Die Frankfurter Messen. 

(W. Strieker.) 
Protest. Kirchenzeitung: Nr. 33. Von den Siebenburger 

Sachsen. 
Rhein. Kurier: Nr. 205, 2. Ausg. Die Grafen zu 8tolberg a. 

der Taunus. 
Illustr. deutsche Monatshefte: Nr. 96 (192), S. 652. Ueber 

das Elsafs u. seine Kunstdenkmaler. (Herm. Ziegel.) 
Magazin f. d. Liter, d. Ausl. : Nr. 35. Flamandisch , Vlamisch 

oder Vlamisch? 
Organ f. christl. Kunst: Nr. 14. F. Plattner's Fresken aus 

der Apokalypse im Innsbrucker Friedhofe. Von Dr. A. Jele. — 

Nr. 15. Liebfrau in Mainz um 1285. — Grabstatten u. Grab- 

steine in Mainz. — Nr. 16. Der Busdorf von Paderborn u. seine 

neueste Restauration. (Bll. zur nahern Kunde Westfalens.) 
Norddeutsches Protestantenblatt: Nr. 31. Das Luther- 

thum u. die Bauern. 
Deutscher Reichs-Anzeiger: Beil., Nr. 31. Strafsen- u. 

Hausernamen in Danzig. — Nr. 32. Ueber die Gaugerichte in 

Westfalen u. Niederaachsen. 
Revue de l'architecture et des travaux publics: 29. VoL, 

p. 10. Panneau de bois sculpte. Fin du XV. Siecle. — P. 12 ft 

Le sentiment et rarchitecture. (Histor. Inhalts.) (H. Esperan- 

dieu.) 
Der Salon: X, 11, S. 542. Die Springprozession in Echternach. 

(Rhenanus.) 
Sonntagsblatt (von Fr. Duncker): Nr. 30. Deutsche Gesell- 

echaft im friihen Mittelalter. (Bodin.) 
Deutscher Reichsanzeiger: Nr. 33. Das Ordenshaupthaus 

Marienburg in Preufsen. — Beitrage zur deutschen Geschichte 

u. Landeskunde aus Schulprogramxnen. — Das Siegel der Univer- 

sitat Strafsburg. 
Ueber Land u. Meer: Nr. 48. Jagdschlofs Moritzburg (Sachsen). 
Die deutsche Warte: HI, 4, S. 193. Die Culturgeschichte u. 

die Aufklarung. Von Otto Henne-AmRhyn. 
Die Illustr. Welt: Nr. 47. Das Romerthor in Trier. 
Oesterr. Wochenschrift f. Wissensch. u. Kunst: I, 31. 

Schlofa u. Schlussel, ein etymologisches Gesprach. — Ueber das 

Alter des Feldmarschallamtes in Deutschland. 
Uns ere Zeit: 15. Heft (1. Aug.) Zur Geschichte des Brief- 

schreibens u. des Briefgeheimnisses. 



Termlschte Nachrichten. 

92) Der historische Verein von und fur Oberbayern regt 
die Frage der sog. Hochacker an, ,jener rathselhaften Ueber- 
reste einer uralten, aber langst aufgegebenen Bodenkultur in Deutsch- 
land," und fordert in einem Flugblatt insbesondere die Alterthums- 
und Geschichtsvereine auf, durch Zusammenwirken eine endgiltige 
Losung herbeizufuhren. Bei dem Umstande, dafs die Hochacker 
in Oberbayern in auffallender Menge zu Tage treten, hat der vor- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



30* 



genannte Verein bereits in seinem Jahresberichte vom 1. Dezem- 
ber 1871 eine Reihe einschlagender Fragen aufgestellt, welche in 
dem erwahnten fliegenden Blatte wiederholt veroffentlicht werden. 

93) In dem eine Stunde von Hagenau im Elsafs entfernten 
Hardthausen sind am 30. August interessante Graber, ver- 
muthlich keltischen Ursprunges, aufgefunden worden. Mitten unter 
den geringeren Grabstatten fand man ein vornehmes Grab, das 
wahrscheinlich einem Hauptling angehdrte. Eigenthtimlich war 
die Art der Bestattung. Der Kopf hatte eine Unterlage von Rinde, 
wihrend unter der Schulter und fiber der Brust Bretter einge- 
zwangt waren, zwischen welchen ein Skelet, mit Schmuck aller 
Art uberladen, geschutzt dalag. An dem Halse, den Handgelenken, 
den beiden Schenkeln und unten am Fufce trug es Ringe und 
Spangen; in nachster Nahe des Schadels lagen viele Heften und 
Nadeln, mit welchen jedenfalls das Haupthaar verziert war. Auf 
der Brust lag eine verzierte Ovalplatte von Kupfer, mit merk- 
wnrdig gut erbaltenen Haselnussen bedeckt Zwischen den Zahnen 
des Todten fanden sich zwei Haselnusse eingeprefst. 

(Korr. v. u. f. D., Nr. 455.) 

94) Im Walde Langel beimDorfe Korner (Gotha) und in der 
Nahe von Koburg, bei Mirsdorf, sind Hunengraber ent- 
deckt worden. Ganze Reihen von Hugeln (25 an der Zahl) ent- 
halten alte Grabstellen. (111. Ztg. Nr. 1523. Ausfuhrlicheres fiber 
diesen Fund enthalt der Korr. v. u. f. D., Nr. 437, doch nichts 
gerade besonders Erwahnungswerthes.) 

95) Bei Laubenheim a. d. Nahe wurde unlangst ein Fund 
gemacht, der in einer rdmischen Steinkiste von quadratischer 
Form mit abhebbarem, ornamentiertem Aufsatze besteht. Die Kiste 
selbst achlof8 wieder einen bleiernen Behalter mit Glasgefafsen 
and Enoch enstiicken in sich. In der namlichen Gemarkung wur- 
den noch mehrere Stein ear ge entdeckt, wie denn uberhaupt die 
ganze Gegend eine ergiebige Fundstatte fur AlterthOmer ist; wir 
erinnern nur an den herrlichen Goldschmuck aus Waldalgesheim, 
die Entdeckungen bei Bingerbriick und Planig, von welch letztern 
beiden Orten das Wiesbadener Museum prachtige Stucke an Glas- 
gefafsen besitzt, die durch ihre Technik und orginelle Schonheit 
der Form nicht nur als Belegstucke fur die Geschichte des Hand- 
werks, sondern auch als Anregung und Vorbilder zu neuen 
Schopfungen gelten konnen. (Rhein. Kur., Nr. 202, 2. Ausg.) 

96) Bei Wasserleitungsarbeiten in Konstanz ist man auf 
Ueberreste mehrerer Thonkriige, wahrscheinlich romischen Ur- 
spnmgs, gestorsen. Unmittelbar daneben fand man ein Grab und 
in demselben ein Skelet, ferner romische Ziegel und von einem 
zweiten Skelet die Vorderarmknochen, welche in einer bronzenen 
Armspange steckten, endlich Fingerknochen mit einem Ring, in 
welchen ein Stein gewesen sein mufs. Auch schwarzliche Thon- 
scherben wurden gefunden. Es wird anzunehmen sein, dafsReste 
von zwei Kulturperioden neben einander liegen. Bei Fortsetzung 
des Grabens stiefs man noch auf eine formliche romische Begrab- 
nifsstatte, indem nacheinander die Fufsenden von vier Grabern 
anfgedeckt wurden, die aus starken, grorsen, rechteckigen Ziegel- 
platten bestanden und in deren jedem sich ein Skelet befand. 
Romischen Ursprungs sind diese Graber ohne Zweifel ; aber kaum 
durften die darin enthaltenen Skelette von Romern stammen. 
Wahrscheinlich hat man es mit alemannischen Soldnern zu thun, 
welche bei den Romern dienten und von diesen bestattet wurden. 

(Korr. v. u. f. D., Nr. 435.) 



97) Eine etwa 2 Fufs hohe, in Sandstein ausgehauene Statue 
eines Pferdes sammt Reiter ist in Pforzheim bei den zur Herstel- 
lung eines Uospitalgartens unternommenen Grabearbeiten 4 Fufs 
unter der Oberflache gefunden worden. Dem Aussehen nach ist 
die noch ziemlich gut erhaltene Skulptur sehr alt. Der Fund 
wurde im Rathhaus untergebracht. (III. Ztg., Nr. 1521.) 

98) Eine romische Votivtafel ist kCrzlich im altesten 
Theil der Domkirche zu Frankfurt a. M. aufgefunden worden, 
welche aus dem Jahr 192 herruhrt. Es ist ein Votivstein der 
ersten Cohorte der Sequaner und Rauraker (Gallier von der obern 
Seine und aus der Gegend von Basel), welche der 22. Legion bei- 
gegeben waren. (Dies., Nr. 1523.) 

99) In der Bibliothek des Nationalmuseums zu Neap el wur- 
den kurzlich zwei interessante Funde gemacht. Der erste ist 
der eines „Trattato della miniatura" aus dem vierten Jahrhundert, 
einer Abhandlung iiber die Technik der Miniaturmalerei, Farben- 
bereitung, Anwendung des Goldes u. s. w., welche bisher nie 
publiciert, noch in einem Katalog je erwahnt wurde. Der zweite 
Fund ist einBildnifs des Desiderius, nachmaligen Papstes Victor III , 
in einer Handschrift des Montecasino, welches wol dem Leone 
Almafitano, dem Urheber eines andern Codex auf Montecasino, 
worin sich ein ahnliches Bild benndet, zugeschrieben werden darf. 

(Dies., Nr. 1523.) 

100) Bei Abnahme der TOnche am frflhern Postgebaude zu 
Freiburg i. Br. sind Frescogemalde zum Vorschein gekom- 
men, welche nach dem Urtheil Bachverstandiger Kunstler aus der 
Holbein'echen Schule stammen. Leider haben diese Gemalde bei 
der jetzigen Operation stark gelitten. (Das.) 

101) Der Grofsherzog von Sachs en -Wei mar hat eine unter 
dem Protektorat des Erbprinzen stehende Commission ernannt, 
um die in offentlichem oder in Privatbesitz befindlichen Kunst- 
denkmale vom 10. Jahrh. ab, als der Zeit des Aufbluhens des 
romanischen Stils, moglichst zu vermehren und systematisch auf- 
zuzeichnen. Geschaftsfuhrender Sekretar der Commission ist Ru- 
land, der Direktor des Museums. (111. Ztg., Nr. 1522.) 



Naoh einer gefSlligen Mittheflung des Herrn Majors Wurdinger 

beflnden sich in der Lindauer Stadtbibliothek folgende Handschrif- 

ten geschichtlichen Inhalts. 

Folio. 

P. 1, 1. Papierhandschrift des 15. Jahrhunderts , bezeichnet als 
Chronica mundi*). 

1) Floree temporum des Bruder Hermanus minorita, (gedruckt 
bei Eccard, corp. hist. med. aevi I 1551, 1640, dann bei Meuschen, 
Lnttich 1743 u. a. m.) 

2) Nicolai Burgmann hist, imperatorum et regum a Carolo 
magno usque ad Carolum IV. (gedruckt bei Oefele, script, rer. 
Boic. I, 598). 

3) De sancto Barlaam et Josaphat. 

4) De S. Pelagio Papa et historia Longobardorum ; der Bio- 
graphic schliefst sich ein Theil Kaiserchronik —J 321 an. 

5) Lateinisches Gedicht iiber die im Auftrage Kaiser Hein- 
rich'sVII. von Conrad von Weinsberg eingenommenen wirtember- 



•) Vgl. Wtirdlnger, Chronik des Kikolans Stalmann. 



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Anzeiger far Kunde der deutschen Vorzeit. 



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gischen Stadte, (ungedruokt) ; ein Epitaph auf die Schlacht von 
Seropach, Lied vom Treffen bei Doffingen, vom Brande zu Constanz 
1398, nebst Brachatiick einer ungedruckten Constanzer Chronik — 
1472. Necrologium der Grafen von Helfenstein *). 

6) Descriptio sanctae terrae a fratre Burcliardo de 
8 axon i a (circa 1280), mangelhaft veroffentlicht bei Gygnaeus: 
Novus orbis regionum etc. Basel 1532. 

7) Fragraente einer Chronik, deren Verfasser sich am Ende 
nennen: „anno domini 1405 vocata sunt haec ultima a fratre 
Leonhardo de Rutlingen, conventualis ordinis. Anno 1407 
ego Nicolaus Stulman camerarius capituli decanatus Lauingen, 
perpetuus vicarius dom. epicospi Augustensis in Altheim scti Viti 
prope Dillingen scripsi hanc chronicam et finivi earn sabbatho 
proximo post omnium sanctorum hora vesperarum. (Viele Nach- 
richten finden sich in den Annales Stuttgartienses.) 

8) Beutelsbacher Chronik ' — 1473, mit einer kurzen Bio- 
graphic des Grafen Eberhard von Wirtemberg. 

9) Ausfuhrliches Verzeichnifs der beiReutlingen und Sem- 
pach Gefallenen mit Varianten, dazwischen Notizen iiber das 
Stift Kempten. 

10) Bulle des Papstes Pius II. „datum anno incarnationis 
1461 sexto Idus Januarii; pontificatus nostri anno quarto f ein Schrei- 
ben des Papstes an Graf Ulrich von Wirtemberg, 1461 duodecimo 
calendas Septembris; desgl. an Kurfurst Friedrich von der Pfalz, 1462 
septimo calendas Januarii, — alle drei bis jetzt nicht bekannt, und 
wichtig for die Geschichte des Mainzer Erzbischofs Diether von 
Ysenburg. 

11) Reihenfolge der Papste, sie schliefet mit „Pius secundus 
hie rexit" (1458-1464). 

12) Registrum romanorum imperatorum, schliefet mit Friedrich 
IE. (f 1493). 

13) Auf einem Blatte wird mit rother Dinte sowohl der Ver- 
anlasser als der Schreiber dieses Codex mit den Worten erwahnt : 
Haec gesta fecit scribi Joannes de Wernaw dei gratia Abbas mo- 
nasterii Campodinensis per Christianum Schimpflin de Roetenbach 
protunc provisorem inLandisonis scolis setae. Hildegardis; als Zeit 
der Abfassung: Haec finita in vigilia scti. Martini 1476. 



•) Interessant 1st hier die Angabe, daft Graf Ulrich yon Helfenstein an 
dem nftmlicaen Tage getodtet worden sei, an welchem die 8tadte bei Altheim 
(7. April 1878) dnreh den Grafen von Wirtemberg geschlagen warden. 



14) Aufzeichnungen iiber die Zerstorung des Schlosses Burg, 
halden 1352 in vigilia Scti. Martin (9. November), sowie den 
weiteren Verlauf des Streites zwischen Abt Heinrich von Mittel- 
berg und den Burgern von Kempten. 

P. 1, 2. Beschreibung des Constanzischen Concilii von 
Ulrich Reichenthal 1474; (Abschrift des 16. Jahrh., mit Lucken, 
ohne Bilder und Wappen.) 

P. 1,3. Suevia sacra, d. i. Beschreibung aller Hochstifter etc. 
von Wolfgang Bensperg 1735. 

P. 1, 4. Franconia sacra, 1738 von demselben. Beide ohne 
besondere historische Bedeutung, lediglich aus Druckwerken zu- 
sammengetragen; nur iiber dasLindauer Stift sind Originalquellen 
benutzt. 

P.I, 6. JacobLinns, Annales Lindavienses — 1624. Bis 
1600 von Line selbst geschrieben, bis 1624 von anderer Hand fort- 
gesetzt. 

P.I,7. Gasp. Neukomm, Annales Lindavienses — 1608, 
mitEitelkeit fur die Neukommische Familie geschrieben, in der An- 
gabe der friiheren Begebenheiten nicht immer wahr. 

P.I,9. Lindauische Chronik — 1668. Von der ersten Hand 
— 1599 gefuhrt; werthvollste Arbeit, mit Benutzung der Urkunden 
und alterer Schriften fiber schwabische Geschichte. 

P. 1, 10. Jac. Schober, Annales Lindavienses — 1684. 

P. 1, 8. Lindauische Chronik von Schnell — 1748, mit einer 
Abbildung der Stadt aus dem 16. Jahrh. 

P.I. Chronik v. Lindau von B. Roenich, 1788 (2 Bande, 
in denen aufser den bisher genannten auch eine altere, jetzt nicht 
mehr vorhandene Geschichte der Stadt benutzt wurde). 

P.I, 11,12. GenealogicaLindaviensia de Wolfg. Bens- 
perg, 1789. Dieses Ergebnifs Jahre langer Forschungen in den 
dort wohlgeordneten, nun an den verschiedensten Orten zerstreu- 
ten Urkunden Lindauer Archivs, durfte wohl die Hauptquelle bei 
Verfaseung einer Geschichte Lindaus bilden. 

Band I. Aufser der Genealogie des alteren Patriciats, den 
Biographien hervorragender Manner, enthalt derselbe die Geschichte 
der Besitzungen, Giilten und Renten der einzelnen Geschlechter, 
und uberdiee noch: 

1) Diarium der von H. Balthasar Pappus und Hermann Christopk 
von Teuffenbach 1567 nach Constantinopel gemachten Reiee. 
(Fortsetzung folgt.) 



Mittheilungen. 



12) Bei S. Rlrmel in I«eipsls ist erschienen und durch alle 
Buchhandlungen zu beziehen: 
Das Sclirlltwe»en im Hlttelalter von w. Watten- 

Inhalt: Einleitung. — Schreibstoffe. — Formen der Bu- 



cher und Urkunden. — Die Schreibger&the und ihre Anwen- 
dung. — Weitere Behandlung der fertigen Handschrift. — Di« 
Schreiber. — Buchhandel. — Bibliotheken und Archive, jr. 8. 
Preia: 2'/4 Thlr. 



Yerantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Yerlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedrackt bei U. E. 8ebald in Nflrnberg. 



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Yirnber*;. Du ▲bonnament dea Blat- 
tat, walcbea all* Monate eraobeint, wird 
ftasjihrig angenommen and betr&gt nach 
der Bavarian Poetoonrention bai alien Poet- 
ftmtarn and Baonhandlangen Deutschlands 
tad. Oeiterreicha 3 ft. S6 kr. Im 24 fl.-Fafa 
odar I Thlr. preofa. 

Fflr Frankrtiek abonnlart man In 
Paiii bai dar deutaohen Bachhaadlong ron 
I. Knneksieek, Nr. 11 rna da Lille; for 



ANZEIGER 



England bai Williaina ft Norgate, 
rietta-Street Covent - Garden in 
for Nord-Amtrika bei den Poetl 
man and Hamburg. 

Alia far daa german. M 
atimmten Sendungen auf dam w ,. 
Boehhandela warden doroh den Gommia^ 
aionftr der literar.-artiet. Anatalt dea Ma- 
aeama, P. A. Brookhaoa in Leipaig, be- 
fOrdert. 




FOR KIMIK DER 





Neue Folge. 



Neunz^hnter Jahrgang. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 



1872. 



J\M0. 



October. 



VVissensclialtliche Mittheilungen. 



Aelteste Druckerzeugnisse im germanischen Museum. 

III. 

Eine Sammlung Schrotblatter von ungefahr 150 Stuck, 
wie solche Weigel besafs, wird wol kaum je mehr sich finden ; 
nnd doch ist es gerade bei dieser ktlnstlerischeu Erscheinung 
nOthig, eine recht grofse Zahl derselben beisammen zu haben, 
um zu entdecken, welche Grunde wol zu jener so eigentham- 
lichen, kunstlerisch wirkenden Technik gefuhrt, wie and wo sie 
entstanden ist, in welchen Ereisen sie sich bewegt and wie 
sie sich ausgebreitet hat. Denn gewifs bietet kaum irgend 
ein anderer Theil der Geschichte des Bilddruckes noch mehr 
zu lOsende Fragen, als die Geschichte der Schrotbl&tter. Die 
aitesten, welche Weigel besafs, versetzte er in's zweite Yiertel 
des 15. Jhdt. So viel scheint aus der Technik klar erkennt- 
lich, dafs sie aus der Hand yon Goldschmieden hervorge- 
gangen sind; and vielleicht beantwortet dieser Ursprang aach 
die Frage, was man darait eigentlich wollte, dahin, dafs es mehr 
ZnJall als die Absicht war, einen andern kunstlerischen Effekt 
heryorzubringen, als ihn der Holz- oder Metallschnitt bot, weil 
eben gerade dieser aus der Technik sich ergab. Allerdings 
zeigen die alteren Holzschnitte bis ubcr die Mitte des 15. Jahrh. 
hinaus kaum Andeatungen einer Schattierung ; bis zum Schlusse 
desselben sind im Allgemeinen die Schraffierungen der Holz- 
schnitte weder consequent, noch kunstlerisch angeordnet. Bei 
dem Schrotblatte dagegeu gab sich eine Modellierung yon selbst, 
da vom reinen Weirs zum reinen Schwarz alle Naancen durch 



grSfsere oder geringere Beseitigung des Grundes sich leicht 
herstellen liefcen and gerade die Wirkung der Technik in 
verschiedenartiger Beseitigung des Schwarz liegt. 

Eine wirkliche Facsimilierung von Schrotblattern ist wegen 
der eigenthumlichen Technik kaum anders als auf photogra- 
phischera Wege mdglich. Wir kfinnen daher nicht daran den- 
ken, hier die interessantesten Blatter zu vervielfaltigen, and 
mussen einfach auf die Originate verweisen. Die schftnsten 
Blatter, die wir besitzen, sind : eine Ereuzigong, die sich schon 
lange im Museum befindet, dann eine heil. Jungfrau mit dem 
Einde, eine Messe des heil. Gregor (beide yon Hafsler erwor- 
ben) and ein Christas am Oelberg (Nr. 336 der Weigel'schen 
Sammlung). Die hOchste kunstlerische Vollendung zeigt das 
letztere Blatt, die verschiedenartigste Behandlung der Grande 
die Messe des heil. Gregor, wo % namentlich aach die mittelal- 
terlichen Stoffmuster sehr sch5n imitiert sind : am Antipendiam 
des Altars ein Stoff mit Papageienmoster, an der Easel des 
Heiligen das Granatapfelmnster. An diese vier grofsen Blatter 
schlierst sich im Museum noch eine Reihe mittlerer and klei- 
nerer, welche die verschiedenartigste Auffassung zeigen. In 
den meisten aber liegt ein Zug, der nicht gerade deutsch za 
nennen ist, sondern mehr auf die Niederlande, auf Burgund 
and Frankreich zu weisen scheint. Der Eopf der Madonna 
auf dem schon erwahnten Blatte, die H&nde, das Eind, selbst 
der Faltenwurf gehflren der Eyck'schen Schule an ; das Ge- 
sicht ahnelt dem auf dem grofsen Bilde Rogiers v. d. Weyde 
in der Pinakothek zu Mttnchen; die Architekturrahmen erin- 



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Anzeiger far Kunde der deatschen Vorzeit 



nern sehr an die goldgestickten Einfassungen niederl&ndischer 
Nadelmalereien. Oft hat das ganze Blatt den Charakter einer 
niederlftndischen oder franzdsischen Perlstickerei. 

Eine gewisse innere Yerwandtschaft findet statt zwischen 
den Schrotbl&ttern und den „Teigdrucken" oder „Schwefel- 
drucken". Aach diese bilden eine Art R&thsel, and der Un- 
befangene kann eben so wenig, wie bei den Schrotbl&ttern, die 
Frage onterdrucken, weshalb man gerade solch kunstliche Bil- 
der herstellte; ob es raehr Spielerei war, oder ob eine ernste 
Absicht zu Grande lag. Yon Teigdracken hat das Museum 
eine Sammlang von mehr als 25 Stuck; 19 warden allein mit 
der Hafsler'schen Sammlung erworben. Leider sind Teigdrucke 
von alien Drackerzeagnissen die der Besch&digung am meisten 
aasgesetzten, and kaam wird irgend ein anversehrter erhalten 
sein. Mit Rucksicht daraof sind manche der Blatter des Ma- 
seams sehr wohl erhalten zu nennen. Manche erscheinen, na- 
mentlich in ihren gemosterten Hintergrunden, fast wie Abdrtlcke 
von Schrotplatten. Bei Weigel waren nur zwei Teigdrucke, 
die beide vom Museum erworben warden. Eigentlich kann 
aber nor Nr. 402 als richtiger Teigdruck gelten; das Blatt 
401 zeigt doch wieder eine andere Technik and ist deshalb 
noch wichtiger. Es ist vollst&ndig in der Weise hergestellt, 
wie unsere Sammttapeten, and zeigt also, dafs das 15. Jahrh, 
diese Technik auch schon kannte. Interessante Zugaben sind 
einige schwarze Abdrtlcke yon for den Teigdruck gestochenen 
Platten. Die Schrottechnik and die Teigdrucke reichen schon 
in das Gebiet des Kupfentichs hinein. Der Druck der Schrot- 
bl&tter erfolgte aber, wie der Holz- oder Metallschnittdruck, 
indem nicht die Yertiefungen, sondern die stehen gebliebenen 
HOhen geschwftrzt and abgedrackt warden. Die Teigdruck- 
technik ist noch nicht vollstftndig klar. Es dorfte indessen 
nicht zu gewagt sein, darin nor eine Spielerei zu sehen, wie 
solche etwa in FrauenklOstern als weibliche Arbeit hergestellt 
worde. Wenigstens sind uns aus neaerer Zeit noch solch 
gebrechliche Heiligenbildchen bekannt, die auf eine sprOde 
Masse gedruckt 'sind. 

Wir haben im ersten Aufsatze auf eine Heine yon Einzel- 
blittern hinge wiesen, bei denen entsprechende Beischriften so- 
wohl an verschiedenen Stellen zwischen den Bildern, als aach 
am untern Rande geschnitten sind ; bei einigen ist eigentlich 
schon die Schrift als Haaptsacbe zu betrachten. Wir glauben, 
dafs einzelne unter denselben schon bis in den Anfang des 
15. Jahrh. zuruckgehen. Es mOgen noch ftltere existiert haben, 
da ja nicht zu sagen ist, daft gerade von den ftltesten Bl&ttern 
mit Schrift aach Abdrtlcke erhalten geblieben sind. 

Es lag nan der Gedanke so nahe, auf diese Weise nicht 
nor Einzelbl&tter, sondern aach ganze Bttcher herzustellen. 
Wann solches aber geschehen and wie alt die ftltesten noch 
erhaltenen derartigen Drucke sind, ist aach nicht nachgewiesen. 
Es l&fet sich nor annehmen, daft sie bis in den Beginn des 
15. Jahrh. reichen, daft sie jedenfalls die Yorl&ufer der Eanst 
sind, mit beweglichen Lettern Bucher za drucken. Aber die 



Anwendung dieser Art des Bachdruckes warde nicht sofort 
aafgegeben, als die verbesserte Methode erfdnden war; sie 
danerte yielmehr bis gegen Schlufs des 15. Jahrh. fort. Na- 
mentlich sind es einige bestimmte Bttcher, die oft, in vielen 
verschiedenen Aasgaben, auf diese Weise hergestellt warden. 
Solche Buchlein gehdren unter die kostbarsten Sch&tze jeder 
Bibliothek. Das germanische Museum besitzt deren bis jetzt 
leider nur wenige and mufste sie aach bei der Weigel'schen 
Aaction der Concurrenz des Auslandes Qberlassen. Doch hat 
es wenigstens yerschiedene interessante Proben derselben aafzu- 
weisen. So eine Aasgabe der Ars moriendi, eines in unendlich 
vielen Exemplaren and den verschiedensten Aasgaben in latei- 
nischer, deutscher, niederl&ndischer and franzOsischer Sprache 
verbreiteten Werkes. Yon der deatschen Aasgabe der biblia 
paaperum v. J. 1470 haben wir ein Blatt Ein Blatt eines 
Donats von Dinkmut in Dim warde mit der Hafsler'schen 
Sammlang erworben. Das wkhtigste dorfte das Fragment 
sein, das — als einzig bekanntes — von der xylographischen 
Aasgabe der historia sanctae crucis sich erhalten hat, and wel- 
chem daher schon manche Autoren bei Behandlong der Ge- 
schichte der Druckkunst die gebuhrende Aufmerksamkeit ge- 
schenkt haben, so daft Weigel in seinem Katalog bei dieser 
Nr. 255 mit Recht sagen konnte: „Unser Blatt ist weder 
gat gedruckt, noch gat erhalten, dennoch aber unsch&tzbar 
als der einzige bisher bekannte Rest eines verlorenen Werkes.* 
Es mag gegen 1460 entstanden sein, rflhrt also eben so wenig, 
als die anderen drei, aus der Zeit vor Guttenberg her. 

Indem wir letzteren Namen genannt, sind wir zur eigent- 
lichen Typographie gekommen. Es liegt uns nicht ob, die 
ftkeste Geschichte derselben za betrachten. Es ist bekannt, wie 
gering leider aach dafur die positiven Anhaltspankte sind, and 
wie weit die Ansichten der FachschriftsteUer aoseinander gehen, 
welche es versucht haben, bei Zusammenstellung der wenigen 
positiven Anhaltspankte darch Hypothesen dieselben za einem 
Bilde abzaranden. Gattenbergs Name kommt auf keinem ein- 
zigen Druckerzeugnisse vor. Man kann also nor unter den 
ftltesten diejenigen ihm zuschreiben, fur welche eine gewisse 
Vermuthung spricht. So streiten sich zwei Bibelaasgaben 
seit Langem am die Ehre, die ftlteste, die von Guttenberg ge- 
drackte za sein. Beide sind seltene Kostbarkeiten. Die Bi- 
bliographen verzeichnen die einzelnen Aufbewahrungsorte der 
wenigen bekannten Exemplare, selbst der Einzelbl&tter aus 
solchen. Das Museum besitzt Einzelbl&tter von beiden, and 
zwar ein Blatt auf Pergament und mehrere Blatter aif Papier 
von der sogen. 36-zeiligen, ein Doppelblatt auf Pergament von 
der 42-zeiligen. Mit den Typen der 36-zeiligen ist noch eine 
Anzahl von Werken groften oder geringen Umfanges gedruckt, 
die man theils des frtthen Daturas wegen — die Typen kom- 
men a. A. auf Ablaftbriefen von 1454 and 55, and zwar in 
Yerbindang mit kleineren vor, die in sp&teren, mit Sicherheit 
Guttenberg zugeschriebenen Drucken sich wiederfinden — theils 
aus sonstigen Grunden Guttenberg zuschreiben za mttssen 



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309 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



310 



glaubt Die gleichen Typen finden sich aber auch am die 
Zeit von 1460 schon von Albrecht Pfister in Bamberg verwen- 
det, dem man deshalb von anderer Seite auch alle diese frtl- 
heren Drucke sammt der 36-zeiligen Bibel zugeschrieben 
hat 

An positiven Nacbrichten fiber das Verh&ltnifs Pfister's zu 
Gattenberg fehlt es g&nzlich, and die Phantasie hat somit 
freien Spielraum. Da betrachten ihn denn die Einen als Ge- 
httlfen Guttenberg's, der ihm seine Typen entwendete, oder sie 
anstatt Lohnes von ihm erhielt, Andere als selbstandigen, 
gleicbzeitigen Erfinder des Buchdruckes mit beweglichen Let- 
tern. Auch s&ne Arbeiten gehOren zu den grttteten Selten- 
heiten. Das Museum hat bei Weigel den mit den Typen der 
36-zeiligen Bibel gedruckten Belial gekaoft, von dem man nor 
noch ein zweites, in England befindliohes Exemplar kennt, wah- 
rend ein drittes, ehedem vorhandenes zwar jetzt verschollen ist, 
hoffentlich aber noch existiert. Das englische and anser Exem- 
plar sind nicht ganz vollstandig. An jenem fehlt der Anfang, 
den wir haben; an diesem der Schlufs, welcher besagt, daft 
es von A. Pfister in Bamberg gedrockt wurde. Eine Jahres- 
zahl ist nicht vorhanden. Datierte Drucke, in denen Pfister's 
Name genannt ist, existieren von 1461 (Boner's Edelstein) ; sie 
haben dieselben Typen. In das in Paris befindliche Exemplar 
der 36-zeiligen Bibel hat der Rnbrikator handschriftlich die 
Jahreszahl 1461 eingesetzt 

Wahrend man also einerseits alle die so seltenen and 
kostbaren Drucke mit den Typen der 36-zeiligen Bibel sammt 
dieser selbst Pfister zoschreibt, hat das Pariser Exemplar der 
42-ieiligen Bibel gleicbfalls handschriftlich die Jahreszahl 1459, 
beides naturlich nor Beweise, daft in den eingetragenen Jahren 
der Drnck schon vollendet and die Exemplare aosgegeben wa- 
ren, aber kein Beweis for das Jahr, in welchem dieses gesche- 
hen and fur die Prioritftt. Die 42-zeilige Bibel ist vollkommen 
so, daft die, welche in der 36-zeiligen Guttenberg's Werk sehen, 
die 42-zeilige der Verbindung Guttenberg's mit Faust and der 
8ch(Jffer'schen Mitwirkung zuschreiben, welch letzterer insbeson- 
dere den Letterngafs so verbessert hatte, daft ein gleichmafti- 
ger, schOner Satz mOglich war, der einen ernsten, monamentalen 
Eindruck hervorbringt, wie aofser SchGffer'schen Drucken kein 
spaterer Druck. Es mttsste demnach die 36-zeilige Bibel etwa 
1462, die 42-zeilige 1455 entstanden sein. 

Yom ersten Psalterium, das Faust and SchOffer (ohne 
Gattenberg) 1457 gedruckt haben, and das als anerreichtes 
Meisterwerk der Typographie zu betrachten ist, zugleich das 
erste gedruckte Buch, welches Druckort, Drucker and Jahr 
angibt, dessen Initialen in 2 Farben gleicbfalls auf der Buch- 
druckerpresse gedrockt sind, das also als Erstling des Farben- 
druckes betrachtet werden mufs, sind gleicbfalls einzelne Per- 
gamentbl&tter im Museum. Wir mussen ons bei alien diesen 
Bingen mit Einzelblattern begnttgen. Der weitere Fortgang der 
Drockkonst im 15. Jahrh., ihre Ausbreitung a. s. w. ist durch 



eine grofse Reihe von Werken vertreten, deren Zahl sich auch 
im letzten Jahre bedeutend gemehrt hat, ohne daft indeft eine 
annahernde Yollstandigkeit erzielt ware. Unter denselben be- 
finden sich manche kostbare and seltene, theils mit, theils 
ohne Holzschnitte. Unter den von Weigel erworbenen Selten- 
heiten ftlhren wir das als Nr. 525 seiner Sammlung bezeich- 
nete „ Passional van Jhesas vnde Marien levende" (LUbeck 1478) 
mit 144 Holzschnitten — alien Bibliographen onbekannt and 
wol Unicura — hier an. Gleicbfalls Unicum and sehr merk- 
wurdig, weil die Holzschnitte eine viel hOhere kunstlerische Stafe 
einnehmen, als andere jener Zeit, ist der Ltibecker Todtentanz 
von 1489, dessen spatere Ausgabe von 1496 schon als Unicum 
betrachtet and za den Seltenheiten der Wolfenbttttler Bibliothek 
gerechnet wurde (Weigel Nr, 296). 

Sonst schon bekannt, aber selten and werthvoll sind 
die von Weigel erworbenen Nrn. 282, 301 and 257: Reiser's 
in EichsUitt Historia beatae Mariae Yirginis (1470), das Zeit- 
glflcklein (Basel, 1492) and des Anselm von Pforzheim Aus- 
gabe der Ars memorandi von 1505. 

Wir haben ubrigens letztere drei Werke nar deshalb an- 
gefuhrt, weil onsere Exemplare durch die Weigel'sche Samm- 
lung bekannt geworden sind; die Zahl der Seltenheiten von 
Eggesteins StraTsburger dentscher Bibel von 1466 bis za seltenen 
Drucken der ersten Jahrzehnde des 16. Jahrh. ist auch sonst 
nicht unbedeatend, wenn auch zur Yollstandigkeit noch Yieles 
fehlt, was nicht einmal selten ist Die schon linger vorhan- 
denen Werke sind ohnehin ans onserem gedruckten Kataloge, 
sowie ans der in einem Saale gemachten Auslage bekannt and 
jedem dafttr sich Interessierenden zoganglich. Nor auf einen, 
dem Laien vielleicht nnbekannten Umstand wollen wir zum 
Schlusse unter Yerweisang auf diese Auslage noch aofmerksam 
machen, daft sich namlich sehr fruh schon — bereits in den 
Ablaftbriefen von 1454 and 55 — eine kleine, leichte Schrift 
ausgebildet hat, die in ihrer weiteren Ausbildung neben der 
monamentalen, von den Alten selbst als Missalschrift bezeich- 
neten groften hergeht, die fur kirchlich litargische BOcher bis 
ins 16. Jahrh. festgehalten wurde und grOfteren konstlerischen 
Ernst, sowie monnmentale Wurde zeigt Eine reiche Anzahl 
von Missalien, sowohl vollstandig als bruchstuckweise , and 
Psalterien von verschiedenen, zum Theil nnbekannten Drackern 
ist vereinigt zwischen den andern Werken ausgelegt, die ver- 
schiedene, oft aber auch bei verschiedenen Druckern weit aas- 
einander liegender Stadte and Zeiten merkwnrdig ubereinstim- 
mende Typen zeigen, so daft eine fOrmliche Typenwanderong 
auch durch onsere Ausstellung illustriert wird. Nicht minder 
machen wir auf die pompdsen Schlufsworte mancher Werke je- 
ner Zeit aufmerksam, welche die hohe Bedeutung der Druck- 
konst preisen, mit welcher Gott Deatschland begnadet habe. 

Nttrnberg. A. Essenwein. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Edlcta ludicra. 

Diese Bezeichnung findet sich in dem neoen, so sehr dan- 
keuswerthen Katalog der Munchener lateinischen Handschrif- 
ten II, 105 fur ein Stttck des Clm. 3696 (nicht 3686), welcher 
einst den Augsburger Dominicanern gehftrte. Sie stehen ohne 
irgend eine Unterscheidung mitten unter Predigten, von dersel- 
ben Hand des 15. Jahrhunderts geschrieben. Da ich nun ein- 
mal der humoristischen and parodistischen Literatur des Mit- 
telalters nachzugehen begonnen babe, scbrieb ich auch diese 
Edicte ab, und biete sie bier dar, obgleich deren Werth nicbt 
eben grofs ist. Augenscheinlich war die Absicht, den hochtra- 
benden Kanzleistil, wie er seit Friedrich II. immer pbrasen- 
hafter tlblich wurde, zu parodieren, and das ist nicht ubel ge- 
lungen. Aber dunkel bleibt der eigentliche Inhalt ; in dem er- 
sten Aasschreiben scbeint der Potentat einen neuen Markt zu 
stiften , der aof einen nach dem judischen Kalender bezeichne- 
ten Tag nach Friaul ausgeschrieben wird; allein diese Ortsbe- 
zeichnung pafst gar nicht in den Zasammenhang, and das „ Julii" 
scheint irrthumlich zugesetzt zu sein. Der eigentliche Ort ist 
die Burg Trinkwein. Kdnnte man aber hiernach eine Anspie- 
lung auf irgend eine wirkliche neugestiftete Messe vermuthen, 
so fehlt dagegen in dem Antwortschreiben der dankbaren Un- 
terthanen jede Beziehung aof einen Markt, and es ist nor noch 
von einem Hoftag die Rede, an welchem die Getreaen belohnt 
and beschenkt werden sollen. Vielleicht findet doch noch Je- 
mand eine versteckte Beziehung heraus und eine Erkl&rung 
des wanderlichen Titels „macrobius u . 

Wir lassen den Text folgen: 

Nos N. dei gracia omnium regnorum monarcha regumque 
inyictissimas, nee non tocias machine mundialis rector ac sum- 
mas macrobias, omnibus regnorum, provinciarum seu terrarum 
principibus, tribunis, thyrannis, satrapis, ducibus, comitibus, 
baronibus, militibus, prefectis, balivis, communitatum rectoribus, 
magistris civiam, scabinis, iudicibus, advocatis, ac nostre dicti- 
oni subiectis quaruracunque dignitatura seu titulorum preerai- 
nencia insignitis, nee non nobilibus et ignobilibus, curialibus et 
popularibus, divitibus et pauperibus, mercatoribus et negocia- 
toribus terrarum quarumcunque, ab insulis maris, que procul 
sunt, usque ad mare ponticum, a flumine magno Eufrates usque 
ad Etbyopiam et Arabes, nostre magnificencie graciam pariter 
et favorem. 

Cum nostram potestatem regiam in tantum conspexerimus 
sublimatam, atputa quod iam virtute superna omnia mundi cli- 
mata nostro imperio prosperitate coraite subiugaverimus, et 
municiones omnium manu victrice obtinuerimus, ac reges gen- 
cium cunctarum tributarios fecerimus manu utique potenti et 
brachio extento: Ideo magnifice gracias agere satagentes omni- 
bus natu maioribus, ducibus et beliatoribus, tyrannis et satra- 
pis Medorum et Persarum, et inclitis Alsatis, Bavaris Swevi- 
genisque, nostre- maiestatis principibus in nostra presencia con- 
stitutis, nostri cordis mysterium eis duximus declarandum, co- 
gitatumqae nostrum in eo esse peroravimas, divicias regni nostri 



ostendere, et magnitadinem atque iactanciam potencie nostre 
cunctis populis, tribubus et Unguis fama celebri velle declarare. 
Eapropter concilio magnatorum seu curialium regie dignitatis 
accedente, pro nostre ut diximus magnificencie decore Forum 
Julii in nostro castro Trinckwinensi tercia die mensis Casleu 
statuimus celebrandum. Ideo mercatoribus Madianiticis nego- 
ciatoribusque Tsmaheliticis ac insuper Bavaris, Alsatis et gen- 
tibus Swevitibus ac Sweticis, aurum, argentum, lapides onichinos 
et preciosos diversorum me tailor um, genera specierum varia, 
aromata, schuch, bruch et diversa utensilia, per dolum et frau- 
dem, phas et nephas, vel alias quomodolibet acquisita portan- 
tibus, accedendi liberam concedimus facultatem: Sanctione in- 
violabili presentis statuti precipientes nichilominus nostris offi- 
cialibus ubilibet constitutis, satrapis, aparitoribus, prefectis, tri- 
bunis, balivis, exactoribus, regnorum, provinciarum, territoriorum 
civitatum, castellorum et locorum quorumcunqae, quatenus omnes 
et singulos, ut premisimus, mercatores et negociatores absque 
omni gravamine vectigalium, theloneorom seu exaccionum cuius- 
cunque tituli seu colons, ad nostram curiam venire cupientes, 
paciffice sinant accedere more solito, nee eosdem modo quovis 
in aliquo presumant molestare. Volentes insuper sanctione ir- 
refragabilis statuti, quod huiusmodi at premisimus rerum alla- 
tarum de diversis mundi partibus, empcionis, vendicionis, com- 
mutacionis *), solummodo infra quindecim dierum curricula exe- 
cucionem sorciatur cum effectu, sab pena dupli nostro erario 
indefectibiliter inviscandL 

Datum ex nostro castro Starckenberg quarta die olimpia- 
dis quinte bora quasi septima circa gallicantum, so man die 
gleser lert. 

Invictissimo ac gloriosissimo, generositatis et magnificencie 
tytulorum inenarrabilium decore redimito, quarto insuper in di- 
vinis personis supposito, tociusque monarchic mundialis domina- 
tori et summo macrobio, omnique adoracionis cultu dignissimo, 
benedictionem omnium gencium, celi rorem, terre pinguedinem, 
frumentorum, vini et olei habundanciam, servitutem populorum 
et tribuum, fratrumque tuorum dominium, toto cordis affecta 
peroptant tue dominacioni regie, filii regni tui venientes de 
longe, et servuli tui surgentes de latere. Et insuper divites et 
pauperes, claudi ac debiles, milites et militares tuique regni 
municipes, votia et precordiorum intimorum preludiis se offe- 
runt ac regni tui magnifficenciam subiectionis**) famulatibus 
peculiaribus humiliter recognosunt. Et iuste quidem. Quis 
enim, o rex gencium, te non timeret et cervicem servitutis tue 
principatui non subiceret. Tu enim es rex regam et dominus 
dominancium, potestati marithime potenter imperans, et motum 
fluctuum et rabiem gencium barbaricarum prudenter gubernans 
quia dominus omnium es, et non est qui tue resistere valeat 
maiestati. Tu nimirum auctor virtutis invictissime et imperii 
insuperabilis diceris, et insuper rex et triumphator rectissime 



*) Hier fehlt ein Nominativ, yon dem die Genitive abhangen. 
•*) subjectionibus cod. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzoit. 



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predicaris, qui profecto inimicorum rugiencium seviciam superas, 
nee non nequicias hostiles potenter expungnas, et tue regie 
potestatis sublimitas extendi cernitur a mari usque ad mare et 
a flamine usque ad terminos orbis universe terre. Et revera, 
quia potencie, diviciarum ac glorie thesauros in gazis tuis et 
apod te absconditos nemo ambigit, eapropter condecet tue 
glorie magnificenciam, servulos too famulatui devotis mentibus 
inhyantes iuxta tue generositatis exigenciam honoribus et sti- 
pendiis rerauuerare congruentibus, qui potissime ob tue glorie 
regie decorem et tue laudis augmentum pericula fluminum et 
marium, pericula latrunculorum ac falsorum fratrum discrimina*) 
sabire minime recusabant. Assunt enim ex omni nacione que 
sub celo est, duces, tyranni et comites, satrape et barones, Greti 
et Arabes, Suevi et Francones, Bavari, Alsati et inferiores, 
ebrii et potatores, et multarum gencium populi et ceteri qui 
spem non habent, munuscula a tua magnificencia postulantes. 
Qui certissime ob* suorum operum insignium tyrocinia gloriosi 
extitere. Fecerunt enim mirabilia in vita sua, et unus sic, alius 
sic ibat, unus per phas, alius per nephas meritorum suorum 
cumulum augere curavit. De quorum quidem tyronum precla- 
rissimorum actibus et meritis non est modo dicendum per sin- 
gula, et ideo de narracione operum eorundem supersedeo causa 
pravitatis **), Submittentes tamen nichilominus nos omnes et 
singuli tue maiestati regie, que reddere poterit unicuique iuxta 
opera sua. 

Datum celerrime ex castro nostro Notenberg per comitem 
de Brestenfels, qui apud imperatoriam maiestatem salutem pre- 
Btulator omnium ex oaritate non ficta. 

Heidelberg. W. Wattenbacb. 



*) di8crimine cod. 
**) brevitatis? Die Aenderung ist aber vielleicht absichtlich. 



Zur Kunde des Schriftwesens im Mittelalter. 

Carmen de natura animalinra. 

Durch Wattenbach's vortreffliche Schrift uber das Schrift- 

wesen im Mittelalter wurde das Interesse fur dasselbe aufs 

Neue geweckt. Einen kleinen Beitrag zur Kunde desselben lie- 

fert derBemer Codex 462, sec. XIII.— XI V. , beschrieben von 

Sinner Catal. Codd. Bern. T. Ill, S. 123, wo der Prolog in 16 

Versen und der Titel mitgetheilt ist. Am Ende bemerkt Sinner : 

Autor ignotus; certe inter pessimos Pogtas adnumerandus. — 

Sehr wahrscheinlich ist aber das Gedicht von Magister 

Conradus de Mure, Cantor Thuricensis *), dessen Styl sehr 

ftbnlich ist. Er lebte in derselben Zeit, d. b. zu Ende des 

13. Jabrb. Unter seinen vielen Schriften wird ein „Carmen 

. de natura animalium" genannt, das verloren ist, sofern es nicht 

•) Vgl. „Conradv. Mure, Cantor der Propstei Zurich, und 
dessen Schriften" im „Neuen schweizerischen Museum" des Ver- 
eins schweizerischer Gymnasiallehrer, Jahrg. IV, Heft 2, S. 29—62 
(Basel, 1865). 



eben bier sich vorfindet. Auch enthftlt der Text dieselben 
abergl&ubischen oder irrthttmlichen Behauptungen, wie z. B. 
der gedruckte Fabularius v. C. de Mure und sein ungedruck- 
ter Graecismus. Anstatt geschichtlicher und naturhistorischer 
Berichte finden wir ferner meistens frostige Allegorieen. In 
diesem Buch tiber die Thiere folgt der Verfasser grflfstentheils 
Isidor's Etymologieen ; so sagt er selbst: 
De Jumentis. 

Ysidorum sequitur hie, qui subnectitur ordo, 

ethimologizat res satis ille bene. 

Hie jumenta, feras, animalia parva, volucres etc. 
Merkwttrdig ist das Kapitel uber das Rindvieh. Zwar 
wird auch hier allegorisiert, z. B. 
(De Bove.) Olim pro culpis fieri bos victima suevit, 

Significans Christum quern crucis ara tulit etc. 
Belehrender sind die folgenden 30 meistens kleinen Ab- 
schnitte, die von einzelnen Eigenschaften und Gliedern des 
Ochsen handeln ; so folgt Bl. 7 : Einiges uber Bereitung des 
Pergamentes. 

Item de pelle qualiter de ea fiat Carta: 

Pellis aquis vituli decoriata datur. 

Calx admiscetur quae crudum mordicet omen 

Mundificet plene decorietque pilos 

Circulus aptatur in quo distenditur ilia; 

Ponitur ad Solem, humor ut exul eat, 

Accedit culter carnesque pilosque revellit, 

Subtilem reddit gratuitatque cutem 

Libris aptatur: primo quadratur in arcus, 

Arcus iunguntur in Statione pari; 

Demum venit (sic) pumex, qui quaeque superflua tollit. 

Creta super seritur, ne liquefiat opus, — 

Puncti punctantur, sequitur, quos linea plumbi, 

Consilio quoru linea tendit iter. 

Pellis de carne, de pelle caro removetur. 

Tu de came tua carnea vota trahe. 
So wird nun Alios einzeln moralisch angewendet, auch in 
den folgenden Abscbnitten: De clavis quibus distenditur pel- 
lis in circulo. De cultro quo raditur pellis. De libris qui 
fiunt de pellibus. De Arcubus librorum. De pumice, de creta, 
de punctis quaterni. De linea, de penna qua scribitur. 
Von der Feder heirst es unter Anderm: 

Concavus hie (Calamus) et fissus erit, percissus, acutus. 

Dexter pes brevior, latior alter erit. 

Incaustum liquidum semper superadditur illi, 

Semper cum scribis hujus egebis ope. 
Auch das Cornu, als Dintengefefs wird erwfthnt: Incau- 
stum tenet hoc cornu, cordis man us haurit, heifst es bei der 
sittlich-allegorischen Erklftrung. Die Penna ist die lingua 
docens, carta e populi sunt. 

Im Abschnitt : De apicibus et coloribus quibus pingitur — 
heifst es: 

Literulas superant apices cervicibus altis; 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



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Hi sunt quasi reges, scripta minora greges. 

Argenti decor hos apices insignit et auri, 

Et rufas, viridis aereusque color. 
Silber ist das gl&nzende Wort, Gold die Weisheit, Roth 
das Bint der Martyrer, Grftn der ewige Frtkhling and Blau die 
Freude des HImmels. Scbwarz ist die Menge des Volkes „quem 
timere facis", mit Androhung der HOlle. 

Quales fiant pictorae in apicibns 

Vidisti quos deposcat pictura colores, 

Nunc videas pingat qualia docta manus. 

Aptas picturas apici manus apta ministrat, 

Ut vites, flores atque feras et aves. 

Yiti palmes inheret palmitibusque racemus, (sic) 

Pampinns et botrns progenerantur ab his. — 
Abermals allegorische Erkl&rung nach dem bekannten Gleich- 
nifs des Evangeliums vom Weinstocke und den Reben. Die 
Blumen sind die Tugenden u. s. w. 

Dieses Wenige nur als Probe ; der Codex verdient jeden- 
falls eine genauere Prufung, wozu das hier Mitgetheilte einen 
Fachmann auffordern m5chte. 

Stift Einsiedeln. Gall Morel. 



Ahrweller'sche Urkunden. 

Ueber die Stadt Ahrweiler im alten Ahrgau, an der 
Ahr gelegen, gibt Barsch (Stftdte und Ortschaften der Eifel, 
Aachen 1852, I, 436—457) reichhaltige, zumeist anf Urkunden 
gesttitzte Nachrichten. Sie gehdrte den Grafen von Are, und 
als 1164 Graf Theodorich kinderlos starb, fiel sie an dessen 
Stammesvetter, den Grafen Theodorich von Hochstaden. Mit 
den umliegenden Ortschaften bildete sie die Vogtei Ahrweiler, 
welche schon 1228 in einer Urkonde des Grafen Lothar von 
Hochstaden erw&hnt wird. Da dessen Sohn kinderlos verstarb, 
fiel die Grafschaft Hochstaden mit Ahrweiler an seinen Bruder, 
den Propst Friedrich von Xanten, und dieser schenkte sie 1246 
dem Erzstifte E5ln, dem damals der jUngste Bruder, Erzb. 
Konrad, vorstand. Seitdem blieb Ahrweiler eine kdlnische 
Stadt bis zur AuflOsung des Erzstifts. Urkunden, die sie be- 
treffen, linden sich in GUnther's Cod. Rheno-Mos. und bei 
Weidenbach, die Grafen von Are, Bonn 1845. Gengler, 
Codex juris munic. Germ. I, 17 (Erl. 1863) erwfthnt nur 4 Ur- 
kunden; die erste, womit Erzb. Konrad 1248 seinen Burgern 
in Are wile ihre althergebrachten Rechte bestfttigt, citiert er 
nach dem Regest bei Bftrsch, wfthrend Weidenbach S. 168 den 
vollen Text gibt Eine weitere Urkunde von 1279 hat H. 
Brefslau in diesem Anzeiger S.221 aus dem Original bekannt 
gemacht: es stent zwar dorten Anwilre gedrnckt, und die Ur- 
kunde wird auf Annweiler bezogen, aber Annweiler in der 
Pfalz hatte Speirer Recht und stand nicht unter dem Erzb. 
von KOln ; es mufs Arwilre gelesen werden. In meiner Biblio- 
thek besitze ich einen Band mit vielen Abschriften von Urkun- 



den fiber Ahrweiler, von denen ein grofcer Theil meines Wis- 
sens noch nicht gedrnckt ist Darunter befindet sich denn auch 
diese von 1279. Von den andern will ich hier nur zwei mit- 
theilen, die von allgemeinerem Interesse sind. 

1) 1284. Erzbischof Sifrid von Edln erlaubt den Bewoh- 
nern von Ahrweiler, bei Bttrgschaften oder in geringeren Fal- 
len ihre Unschuld nicht mehr selbstsieben , sondern mit dem 
eigenen Eide darthun zu dUrfen. 

Nos Sifridus dei gratia s. Colon, eccl. Archiepiscopus, sacri 
imperii per Ytaliam Archicancellarius, notum facimus univer- 
sis presens scriptum visuris, quod cum in opido nostro Arwilre 
gravis opidanis nostris ibidem fuisset a multis retroactis tem- 
poribus observata consuetudo, quod quicunqne alium occasione 
fidejussionis sen alterius levis offense seu querele coram iudicio 
nostro seculari ibidem impeteret, oportebat quod in huiusmodi 
levibus causis seu querelis rens se septima manu suam inno- 
centiam expurgaret, Et. quia huiusmodi consuetudo fait et est 
dictis opidanis nimis honerosa, volentes ipsis opidanis, quos in 
nostris et ecclesie nostre negociis semper invenimus benivolos 
et paratos. gratiam facere specialem, huiusmodi consuetudinem 
de consilio nostro et amicorum duximus mitigandam. Ita vide- 
licet, quod quicunqne opidanorum nostrorum predictorum occa- 
sione fidejussionis seu alterius levis offense seu querele coram 
judicio seculari in Arwilre fuerit impetitus, ille qui impetitur 
suam innocentiam, si secundum ville consuetudinem evidens non 
fuerit probatio, sola manu potent se expurgare, prout etiam 
huiusmodi libertates in aliis nostris opidis et villis solent ob- 
servari, et hujusmodi expurgationem index seu indices qui pro 
tempore fuerint recipere tenebuntnr, nee dictos opidanos no- 
stros de cetero ad expurgationem septime manus artare debent, 
ut poterunt in premissis. In cnins rei testimonium et firmita- 
tem presentem litteram predictis opidanis in Arwilre tradidi- 
mus sigilli nostri munimine roboratam. Datum et actum Anno 
dom. MCCLXXX. quarto. Vigilia Assumptionis beate virginis. 

2) 1335. Erzbischof Walram von KOln bestimmt, date es 
rucksichtlich des Fleischhandels mit den Juden in Ahrweiler 
wie mit denen in Bonn gehalten werden soil. 

Walramus d. gr. s. Colon, eccl. Archiepiscopus, s. imp. per 
Italiam Archicancellarius, discretis viris, magistro civium, con- 
sulibus et universis opidanis suis in Arwilre gratiam suam et 
omne bonum. Ob favorem specialem, quo vos perseqnimur, et 
causis rationabilibus moti vobis hanc gratiam duximus facien- 
dam, videlicet quod in vendendis et emendis carnibus in opido 
nostro Arwilre eundem ritum et eandem consuetudinem cum 
Judeis nostris in Arwilre, quos opidani nostri in Bonna cum 
Judeis nostris ibidem observant, inviolabiliter observers. Da- 
mns vobis hanc litteram sigillo nostro sigillatam in testimonium 
super eo. Datum Colonie anno dom. MCCC. tricesimo quinto. 
Sabb. post festum Mathei apost 

Frankfurt a.M. Justizrath Dr. Euler. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



318 



Sphragistische Aphorismen. 

LXI. 




Da wir gerade von den Formen der raittelalterlichen Sie- 
gelgtempel ge6prochen haben, so lassen wir hier einen Siegel- 
stempel folgen, dessen Siegelbild auf das 14. Jahrh. hinweist, 
dessen Fassung *) aber gerade deshalb auffallend ist, weil diese 
Form junger zu sein scheint. Vielleicht gelingt es noch, dessen 
Inhaber festzustellen , oder durch andere, ftbnlich geformte 
Stempel, deren Alter durch Abdrucke an Urkunden festgestellt 
ist, aach das Alter dieses Stempels n&her zu bestimmen. C. J. 
Milde, der verdienstvolle Sammler und Herausgeber der „8ie- 
gel des Mittelalters aus den Archiveri der Stadt Lubeck", theilt 
mir zwei Siegelstempel von ahnlicher Fassung mit, auf welchen 
beiden aber die Legende Minuskelschrift ist, und die scbon 
deshalb nicht vor der 2. Hftlfte des 15. Jahrh. verfertigt sein 
werden. Obiger Stempel scheint jedenfalls alter zu sein, schon 
wegen der Schrift der Legende und der Abkttrzung Johis statt 
Johannis. 

Ich theile den Abdruck dieses Stempels auch urn der 
Hansmarkei willen mit. Wir treffen Hausmarken schon seit 
dem Ende des 13. Jahrh. auf Burgersiegeln. Milde in seinem 
trefflichen Werke gibt deren ziemlich viele, seit dem Jahre 
1290, unter seinen Siegeln der Lubecker Rathmanner. Da die 
Hausmarken keine eigcntlichen Wappen sind, so gehflren sie 
unter die Bildsiegel II. B. (Siegel mit Hausmarken ohne Na- 
men des Inhabers, II. A., werden wol schwerlich vorkommen.) 

LXII. 



tr&gt die Legende : Sigillum fraternitatis varii operis factorum 
et pellificum, und hftngt an einer Urkunde v. J. 1388. Milde 
vermuthet, dafs es aus den Niederlanden stamme. „Ich habe 
nftmlich", so schreibt er, „die Bemerkung gemacht, dafs diese 
so zierlich mit raannigfechem, reichem Mafswerke verzierten 
Siegel burgerlicher Personen und Corporationen des 14. und 
15. Jahrhunderts entweder entschieden aus den Niederlanden 
stammen, oder eine Beziehung dahin vermuthen lassen. So 
haben z. B. die hanseatischen VOgte und Correspondenten der 
Hanse in Brttssel u. s. w. oft die zierlichsten Siegel, wenn das 
Bild auch nur eine Hausmarke ist." 

Dieses Siegel ist von besonderem Interesse fur meine 
Theorie des heraldischen Pelzwerkes, indem es im 1. und 4. 
Felde ein heraldisches Pelzmuster zeigt. Wir haben schon un- 
ter Nr. IV in diesen Blftttern *) ein Siegel mit einem Wappen- 
schilde mitgetheilt, dessen rechte H&lfte gleichfalls von Pelz 
ist, und zwar von der ftlteren Form des 13. und 14. Jahrh. 
Auf einem Sig. IV. A. 2. mit der Legende : f S. Phillipi pellie- 
fici, aus dem 14. Jahrh. ist das Pelzmuster schon in der sogen. 
Eisenhutform dargestellt. 

***• u Die ftlteste Form des heraldischen 

Pelzwerkes, wie wir sie u. A. im Siegel 
Detler's von Werre v. J. 1269 (Fig. 1.) 
sehen, hat sehr viele Wandlungen durch- 
gemacht bis zu den sp&teren Eisenhut- 
lein**) (Fig. 2) und Wolken (Fig. 3) un- 
serer deutschen Herolde ***). 

Aus dem Verkennen des heraldischen 

Pelzwerkes sind auch die absonderlichsten 

Figuren entstanden, die man gar nicht genau blasonieren kann. 



Fig. 8. 



Fig. s. 



Fig. 4. 



Dieses httbsche Siegel verdanke ich der Gttte des Herrn 
Malers C. J. Milde. Es ist das Siegel des Amtes der Pelzer, 
der Kurschnerzunft **), einer leider nicht bekannten Stadt. Es 

*) Vgl. Anzeiger von 1871, Nr. 9, Sp. 262, 18. 

**) Fur die Kurschner (mittelhochd. KursenaBre) begegnet spa- 
ter auch der Name „Buntfutter" (statt Buntfutterer) d. h. Hand- 
werker, welche Futter von Bunt machten. Bunt hiefs im Mittel- 



hochdeutschen feines Pelzwerk, wie Vech, Feh- oder Feh-Grau- 
werk, mehrfarbiges, geflecktes Pelzwerk. 

*) S. Anzeiger 1867, Nr. 11; die linke Seite des Schildes je- 
nes Siegels konnte wol Haut oder Leder vorstellen sollen. Die 
Bezeichnung Pellifex wird wol kein Familienname sein, sondern 
die Bezeichnung des Handwerkes, wie z. B. nach Lisch auf einem 
Siegel von 1349 mit einem Eessel die Legende stent: S. Gottfridi 
Cuprifabri (Kupferschmied). 

*♦) S. Correspondenzblatt, 1860, Nr. 5, S. 44 
***) Die franzosischen und italienischen wie die englischen He- 
rolde haben das Pelzwerk Hermelin und Kursch (hermine, er- 
mine und armellino, vair, voir und vajo) genau gekannt und nie 



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S19 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



320 



So gibt z. B. Tschudi in seinem Werke „arma gentilitia hel- 
vetica" das Wappen der „Fry von Asth" (Asch oder Esch), 
wie hier Fig. 4, statt eines rothen Schildes mit zwei Pelzspar- 
ren, von dem gew5hnlichen , weirs und blauen T£ttrsch, and 
auch die Zeichnungen dieses Wappens bei Siebmacher I, 81 und 
II, 27 sind nur aus Unkenntnife des heraldischen Pelzwerkes 
entstanden. 

Freilich war es bisweilen schwer, ohne genauere Unter- 
guchung und Vergleichung mit vielen anderen Siegeln, das 
Pelzmuster zu erkennen, namentlich wenn dasselbe, statt nach 
der Breite, nach der HShe des Musters oder schrag genommen 
wurde, wie auf dem Siegel Jordan's von Gersdorf von 1267 *) 
(Fig. 5) und Nicolaus von Bailleul von 1334 (Fig. 6). 



Fig. 5. 



Fig. 6. 



Zwischen die (meist weife und blauen) Pelzstreifen wurden 

sehr haufig farbige (meist rothe) 
Streifen gesetzt, und auf letzte- 
ren auch noch bisweilen Ver- 
zierungen angebracht, Sterne, 
Muscheln oder Rosen, wie z. B. 
(Fig. 7) auf dem Siegel des 
Ritters Wichman von Mokrene 
von 1273. 

Das heraldische Pelzwerk 
ist spater auch bisweilen als 
Glockenblumen, Glocken **) und 
Glaser gezeichnet und blasoniert 
worden. Gerade das Muster 
auf unserem Siegel der Kurschnerzunft , welches sich auch in 



mit den eigentlichen Eisenhiiten oder Wolken verwecbselt, selbst 
wenn sie dieselben in der sogen. Eisenhutform abbildeten. 

*) Zu diesem heraldischen Bilde warf Wiggert s. Z. die Frage 
auf: „was mag das sein sollen?" 

••) Vergl. Anzeiger 1869, Nr. 4, Sp. 104 u. 105. 



dieser Form (Fig. 8) als Mantelfutter auf Grabsteinen aus dem 
13. Jahrh. findet und auf einem Siegel des Wormser Schult- 
heifsen Anselm Nopper von 1368 (Fig. 9), blasoniert Siebmacher 
I, 213 im Wappen der Dill als „LiliconfalblUmlein", d. L 
Maibluralein. 

Fjg. s. Fig. 9. j) ie verschiedenen Muster, mit 

welchen im Mittelalter das Pelzwerk 
in der Heraldik dargestellt zu werden 
pflegte, Jernt man am besten kennen 
durch das Mantelfutter auf den alte- 




ren Portratsiegeln, namentlich der Frauen, auf 
Denkmalern, Grabsteinen und Mttnzen *), sowie 
in den alten Bilderhandschriften auf Fresken, 
Emails**), Glasmalereien und Geweben. 
Das nebenstehende Pelzmuster (Fig. 10) findet sich als 
Fig. io. Wandverzierung in der Kapelle von Schlofs 

Tyrol, in Weifs und Schwarz, und als Man- 
telfutter, weirs und braun, auf einem Bilde 
al fresco des h. Ghristophorus an der Sad- 
seite des Thurmes der St. Johanniskirche zu 
Botzen. 

Einen hdchst werthvollen Beitrag znr 
Kenntnifs der mittelalterlichen Darstellungs- 
weise des Pelzwerkes liefern u. A. die beiden untersten Glas- 
gemalde des von der Kurschnerzunft im 13. Jahrh. gestifteten 
Fensters des Domes zu Bourges ; vergl. Monographie de la ca- 
th^drale de Bourges, par les P. P. Arthur Martin et Charles 
Cahier, de la corapagnie de Jesus ; I. partie : Vitraux du XIIL 
Steele; (Paris 1841—1844, imp. Fol.) und meine Monogra- 
phic: das heraldische Pelzwerk, Taf. IV, Fig. I u. II. 

Das alteste Pelzmuster finden wir u. A. auch auf einem 
altdeutschen Teppich auf der Wartburg, abgebildet im Anzeiger 
v. 1870, Nr. 3, bei dessen Beschreibung v. Zahn bemerkt, dafs 
alle Figuren eigenthUmlich eng anliegende Kleidung von zwei- 
farbigem, in wellenftirmige Falten gezogenem Stoff tragen, „wel- 
cher eine Art Pelzbekleidung vorzustellen scheint". 

F.-K. 

*) Bracteat Markgraf Albrecht's des Baren von Brandenburg. 
**) Gottfried Plantagenet, Graf von Maine und Anjou (t 1H9), 
nach einem gleichzeitigen Emailbilde, als Titelbild meiner Mono- 
graphie : „da8 heraldische Pelzwerk", und Taf. Ic meiner kultur- 
historischen Skizze uber den Gebrauch der heraldischen Helmzier- 
den im Mittelalter. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essen wein. Dr. G. E. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch - artistischen Anstalt des germanischen Museums in Niirnberg. 



Gedruckt bei U. E 8ebald in Nfimberg. 



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BE1LAGE ZUM ANZEIGER FUR KU1VDE DER DEUTSCHE^ VORZEIT. 

1872. JV 10. October. 



Chronik des germanischen Museums. 



Nurnberg, den 15. October 1872. 

Se. Msjestit der Konig von Sachsen hat den far unsere An- 
sttlt seit Langem stets auf je drei Jahre bewilligten Beitrag aus 
allerhdchst seiner Privatschatulle neuerdings fur 1872 — 74 wieder 
iu genehmigen geruht. 

Der Verwaltungsausschufs des Museums hielt am 30. Sept und 
1. Oct. da. J. seine Jahresconferenz ab. An derselben nahmen 
Tbeil : die Herren Commerzienrath Dr. Adam , Geh. Rath Baur, 
Dr. Herm. Beckh, Hofrath Dr. Dietz, Oberbibliothekar Foringer, 
Archivrath Dr. Grotefend, Cassacontroleur Herzer, Frhr. v. Lede- 
bur, Dom. -Kan zl. -Rath Dr. Frhr. v. Loffelholz, Adv. Nidermaier, 
Professor Dr. R. v. Raumer, Professor Dr. v. Ritgen, Frhr. v. Sa- 
ckeD, Prof. Dr. Alwin Schultz, Prof. Dr. Waitz, Prof. Dr. Watten- 
bach, Direktor Frhr. v. Welser, Dr. Zehler, Fabrikbesitzer Zeltner. 
Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildete die Finanz- reap. 
Baufrage, da einerseits eine Anzahl von Bauarbeiten sich unbe- 
dingt nicht mehr versehieben lassen, anderseits aber weder fur 
diese, noch fur die Uebertragung , d. h. fur die vollstandige Wie- 
deraufstellung • der abgebrochenen Theile des Augustinerklosters 
die nothigen Mittel bereit sind. Indem der Ausschufs sich der 
Hoffnung hingab, dafs die Sammlungen von Beitragen fur letzteren 
Zweck noch einige Zuschusse bringen werden, mufste er in erste- 
rerBeziehung besehliefsen, dafs for vollstandige Austrocknung 
der Raume, die nach dem Urtheile der Techniker sich nur durch 
Anlage einer Luftheizung in Verbindung mit anderen Arbeiten 
werde bewirken lassen, im Nothfalle ein neues Anlehen, dessen 
Heimzahlung sich auf wenige Jahre vertheilt, aufgenommen wer- 
den solle. 

Leider hat Herr Regierungsrath Dr. v. Karajan in Wien we- 
gen uberhaufter Arbeiten sich genothigt gesehen, seine Stelle als 
Mitglied des Verwaltungsausschusses niederzulegen. 

Die neuen Fortschritte der Sammlungen fanden grofeen An- 
klang, und es wurde nur das Bedauern laut, dafs wol im folgen- 
den Jahre nicht gleicher Schritt zu halten sei, sowie dafs noch 
immer nicht fflr alle dem Anblick des Publikums wegen Mangels 
entsprechender Raume entzogenen Gegenstande entsprechende Lo- 
kale geschaffen werden konnen. Ebenso bildete die Feuerver- 
sicherungsfrage einen Gegenstand der Verhandlung, da der grofse 
Zuwachs des Museums, sowie der so enorm gesteigerte Marktwerth 
hervorragender Alterthumsgegenstande die Summe, um welche 
jetzt die Sammlungen versichert sind, viel zu niedrig erscheinen 
lafst Diese Frage wurde jedoch nicht erledigt, sondern der 
Lokalauschufs mit genauer Prufung derselben und Beschlufsfas- 
sung beauftragt Dieser hat denn auch bereits in einer jungst 
abgehaltenen Sitzung eine bedeutende Erhohung der Versicherungs- 
summe beschlossen. 

Die Erben der verstorbenen Eaufmannswittwe Frau Caroline 
Rhau haben das german. Museum durch Ueberlassung des im Be- 
sitze der Verstorbenen gewesenen grofsen Antheils des ehemaligen 



v. Krefs'schen Archivs zu Dank verbunden, und zwar haben sie 103 
Bande Archivalien, meist Salbucher, unter Eigenthumsvorbehalt 
iibergeben, die sammtlichen Papierakten, mehrere Centner an Ge- 
wicht haltend; ferner eine Anzahl Pergamenturkunden , Bucher, 
Eupferstiche, eine Sammlung alter Theaterzettel aus dem vorigen 
und dom Beginn dieses Jahrhunderts , sodann Originalthonformen 
zu Medaillen und Goldschmiedeornamenten , altere Kostttmstucke, 
altere Jagdgerathe, Spielwaaren u. A. als Geschenk aber lass en. 
Unter diesen Gegenstanden, die eine voile Wagenladung ausmach- 
ten, befindet sich eine grofse Reihe kulturgeschichtlich merkwttr- 
diger Sachen, so die Anfange der Visitenkarten u. A., wie sie eben 
nur gefunden werden, wenn ein altes Patrizierhaus, in welchem 
jede Generation irgendwelche Spuren in Winkeln des Dachbodens 
und der Kammern zuriickgelassen hat, griindlich geraumt wird. 
Die grofse Zahl der Sachen gestattet es nicht, dieselben im Ge- 
Bchenkeverzeichnisse aufzufahren. Jede der drei Abtheilungen des 
Museums erhielt ihren reichen Antheil. 

Endlich haben wir noch die Notiz hier anzufiigen, dafs daa 
Direktorium es versucht hat, in einem Album die eigenhandigen 
Unter8chriften und Denkspruche aller deutschen Fursten , Feldher- 
ren und Diplomaten zu vereinigen, welche an den grofsen Ereig- 
nis8en des Jahres 1870 und 1871 direkt betheiligt waren. Da wir 
fast auf alien Seiten freundliche Aufnahme unseres Gedankens gefun- 
den, so ist ein Album entstanden, fur das wir zwar noch immer 
einzelne Blatter erhalten, das aber jetzt schon ein Denkmal von 
hervorragender geschichtlicher Bedeutung ist. Bei dem grofsen 
Interesse, das dieses Album bei alien Beschauern fand, haben wir 
geglaubt, die von einem unternehmenden hiesigen Buchhandler, 
Herm S. Soldan, nachgesuchte Erlaubnifs der Publication dessel- 
ben nicht versagen zu sollen. Es hat derselbe bereits begonnen, 
in treuen Facsimiles DenksprQche und Unterschriften nachbilden 
zu lassen, und wird mindestens den ersten Theil des Albums bald 
der Oeffentlichkeit iibergeben. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Von Gemelnden : Graudenz. Stadtgemeinde 3fl. 30 kr. 

Von Privaten: Alafeld. Krause, Rentner, lfl. 45 kr. Dan- 
zig. Pochhammer, k. pr. Hauptmann u. Kompagnie-Kommandeur 
im ostpreuls. Pionnier-Bataillon Nr. 1, 5 fl. — Elltin. Bucholtz, Re- 
gierungsprasident , 1 fl. 45 kr. , Fraulein Janus (statt fruher 1 fl. 
45 kr.) 3fl. 30 kr., Runde, Justizrath, lfl. 45 kr. Hamburg. H. D. 
Kalkmann, 3 fl. 30 kr. Hermannstadt. Heinr. Bergleiter, Professor 
a. evaog. Obergymnasium A. B. 1 fl. 10 kr. , Gust. Cagesius, Prof, 
a. d. ev. Oberrealschule , 35 kr., Dorschlag, Prof. a. d. ev. Ober- 
realsch., 35 kr. , Jos. Konnerth, Prof. a. d. ev. Oberrealsch. 35 kr., 
Rud. Severinus , Prof. a. d. ev. Oberrealsch., 35 kr. Landshut. Dr. 
Gehring, rechtskund. Biirgermeister, 1 fl. 10 kr. Meraeburg. Dr. Bez- 
zenberger, Regierungs- u. Schulrath, 1 fl. 45 kr., Gabler , President 
der General-Commission 1 fl. 45 kr., Schultze, Geh. Reg.-Rath, 1 fl. 
45 kr. Miinchen. J. C. Develey, Fabrikbesitzer, 3fl. Naila. Georp 
Drech8el, Rittergutsbcsitzer in Isigau, lfl.45kr. Niirnberfl. Isi- 
dor Bergheimer, Kaufmann 2fl. 30 kr., Heinr. Huber, Kaufmann, 



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323 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



324 



lfl. 45 kr., Gg. Walter, Kaufmann, 1 fl., C. Wolff, Fabrikant, 2 fl. 

Schelnfeld. Kole£ka, Rentamtsassistent, lfl., Wiirz, Bezirksamtsas- 

sessor, lfl. 

Einmalige Beitrage warden folgende gegeben: 

Von Privaten x Biickeburg. v. M. 1 fl. 45 kr. Darkemen. Fran 

A. Kaswurm, geb. Ammon, 26 E /4kr., A. Kaswurm, Gutsbesitzer in 

Sodenen, 26V*kr., A. Rogge, Pfarrer. 1 fl. 45 kr. 

Unsern Sammlangen giengen ferner folgende Geschenke zu : 

I. Fiip die kunst- und kulturgeschichtlichen Samm- 

lungen. 

(Nr. 6717—6749.) 

Ansbach. D i en st, Pfarrer : Zwieback aus dem belagerten Metz, 
1870. — Basel. Zeughauscommission: Luntenbtichse mitMes- 
singlauf. Grofsere Luntenbuchse. Lederkoppel mit Patronenkap- 
geln, Tasche, Pulverhorn u. s. w. , 16. Jhdt. 3 gravierte Pulver- 
hdrner, 16. Jhdt 3 lederiiberzogene Pulvergefafse, 16. Jhdt. Rad- 
schlorsbochse. Radschlofspistole. Feuersteingewehr , 18. Jhdt. 
Feuersteinpistole. Feuersteinkarabiner vom ehemaligen Gensdar- 
meriekorps. Pistoniertes Gewehr der ehemaligen Basler Standes- 
truppe. Pistonierte Cavalleriepistole. — Darmstadt. Baur, geh. 
Archivrath : Die Burg Tannenberg und ihre Ausgrabungen von J. 
v. Hefner und J. W. Wolf. — Erbach. Graf Eberhard von 
Erbach-Erbach: Gypsabgufo des Grabsteines des JorgSchenken 
von Erbach. — Frankfurt a. M. Denzinger, Dombaumeister : 
Gypsabgufs eines Wasserspeiers vom Dome zu Frankfurt a. M. — 
Hersbruck. Frau Raum: Krug von Alabaster, 17. Jhdt. Konig 
Friedrich d. Gr. und seine Gemahlin, Reliefs aus einer Masse. — 
Miinchen. Ritter von Mayenfels, kgl. Kammerherr: 3 Bruch- 
stucke von Armbrustwinden altester Construction. WOrdinger, 
Major: 2 Stammbaume der Familie Sperberseck, 16. — 17. Jhdt. 
2 fliegende Blatter und 1 Holzschnitt in Tondruck vom 16. Jhdt. 
nebst Facsimile eines Holzschnittes. Stammbaum der Familie Seut- 
ter von Lotzen. — Niirnberg. J. Hasferter, Kassier: 1 Silber- 
und 2 Kupfermunzen des 18. Jhdts. Heinrichsen, Fabrikbe- 
sitzer : Grunglasierte Ofenkachel, 17. Jhdt. Sigm. Merkel, Apo- 
theker: Himmelsglobus von W. J. Blau, 1602. Ein Paar Reiter- 
stiefel vom Ende des 17. Jhdts. Nidermaier, k. Advokat: Ge- 
8chliffene8 Glas mit den Brustbildern der Apostel. S. Pickert, 
Antiquar: Medaille des Pfalzgrafen Wilhelm V. v. 1572, Silber 
und vergoldet. — Posen. Kohler, k. pr. Major: Stereoskop. Auf- 
nahmedes Rathhauses zu Posen. — Seehausen i. Altm. Dr. Gotze, 
Oberlehrer: BronzenerKochtopfvom 15. Jhdt. — Ueberlfngen. Har- 
rich, Domanenrath: Bronzemedaille auf C. v. Rotteck von Neufe, 
1832.— Wendelstefn. Walt her, Pfarrer: Feingestreiftes Halstuch 
von Seidenflor, 18. Jhdt. — Wien. Klein, Professor: Wachsfiil I un- 
gen aus 2 Figuren der pala d'oro des Domes zu Aachen, 11. Jhdt. 

II. Fur die Bibliothek. 

(Nr. 28,937—28,986.) 

Berlin. Dr. Julius Leasing: Ders., Fuhrer durch die Aus- 
8tellung alterer kunstgewerbl. Gegenstande. 1872. 8. — Bern. 
Dalp'sche Buchh. (K.Schmid): Blosch, EduardBlosch u. 30Jahre 
Bernischer Geschichte; IV.— VI. Lief. 1872. 8.— Dresden. Statist. 
Bureau des k. sachs. Minis teri urns: Dass. , Zeitschrift etc.; 
XV. u. XVI. Jahrg. 1869 u. 70. 4. Staatshandbuch f. d. Konigr. 
Sachsen. 1870. 8. Kalender f. d. Konigr. Sachsen, 1871. 1872. 8. 
Erster u. zweiter Jahresbericht des Landes-Medicinal-Collegiums 
iib. das Medicinal wesen im Konigr. Sachsen auf d. J. 1867 u. 1868. 
1869 u. 71. 8. Bruhns, Resultate aus den meteorolog. Beobachtun- 
gen etc. im J. 1868 u. 1869, 5. u. 6. Jahrg. 1870—71. 4. Ueber- 
sicht des Personenverkehrs, des Guterverkehrs, des Giiter-Versandtes 
u. Empfanges. 186& 4. Mittheilungen des statist. Bureaus der 
Stadt Leipzig; 4. u. 5. Heft. 1870—71. 4. Flinzer, d. Bewegung 
der Bevolkerung in Chemnitz im J. 1870. 1871. 8.— Emden. Natur- 
forschende Gesellschaft: Dies., 57. Jahresbericht, 1871. 1872. 
8. — Frauenfeld. J. Huber, Buchh.: Mann, Skizze einer Psycholo- 



gic u. Geschichte der Naturforschung. 1871. 8. Sonderabdr. — 
Gerresheim (b. Dusseldorf.) J. Hermens: Ders., derOrden v. heiL 
Grabe. 1867. 4. Ders., der Orden v. h. Grabe; 2. Aufl. 1870. 4. 
Ders., histoire de l'ordre du saint sepulchre. 1872. 4. — 6168861. 
Heinr. Homberger, Fabrikant: Depesche des k, preufs. Ge- 
schaftstragers bei d. fr. Stadt Frankfurt, v. 21. Juni 1815. 8. — 
Kahla. Verein f. Geschichte u. Alterthumskunde.: Ders., 
Mittheilungen etc.; II. Heft. 1872. 8.— Klein-Welke. G. Battner: 
Kriiger, Gottes That u. des deutschen Volkes Dank. 1872. 8. — 
Kupferzell. Se. Durchlaucht F.-K. Fiirst zu Hohenlohe- 
Waldenburg: Erbstein, weitere Nachtrage zu Albrecht's Munz- 
geschichte des Hauses Hohenlohe. 1871. 2. Albrecht, Schlufs der 
Nachtrage zu den „Miinzen, Siegeln u. Wappen des frstl. Geaammt- 
Hauses Hohenlohe". 2. Albrecht, Archiv f. Hohenlohische Geschichte; 
II. Bnd. 1870. 4. — Leipzig. Albrecht Kirchhoff: Ders., d. 
Anfange kirchlicher Toleranz in Sachsen: August der Starke u. 
die Reformirten. 1872. 8. T. O. Weigel, Verlagshndl.: Muller, 
deutsche Munzgeschichte; 1. Th. 1860. 8. Die Wappen der deut- 
schen freiherrl. u. adeligen Familien. 4Bnde. 1855 — 57. 8. Kortum 
u. v. Reichlin-Meldegg , Geschichte Europa's im Uebergange v. 
Mittelalter zur Neuzeit; 2 Bnde. 1868. 8. Kurts, allgem. Mytholo- 
gie. 1869. 8. Ars moriendi. Editio princeps. Photograph. Facsi- 
mile. 1869. 4. Andresen, Handbuch f. Kupferstichsammler; Bd. I, 

1. 2. u. II, 1. 1870—72. 8. Regnet, Munchener Kunstlerbilder; 

2. Bnde. 1871. 8. Arnold, die Renaissance; 1. Lief. 2. — Lubeck. 
Verein f. Lubeckische Geschichte: Ders., Bericht etc, 
1869, 1870, 1871. 4. Ders., Zeitschrift etc.; Bnd. HI, 1. H. 1870. 
8. Ders., Siegel des Mittelalters ; 9. Heft. 1871. 4. Deecke, nieder- 
rachs. Nam en v. Seeortern aus d. Zeiten der Hansa. — Munchen. 
Jos. Wtirdinger, k. bayer. Major: Ders., Urkunden-Ausziige 
zur Geschichte der Stadt Lindau; H. Reihe. 1872. 8. — Ntirnberg. 
Direktion des bayer. Gewerbemuseums: Entwurf des 
Planes u. derStatuten etc 2. Statu ten etc. 1869. 8. E. He k tor, 
Bibliothek-Sekretar d. germ. Mus.: Scholl, dem Andenken Lud- 
wig Feuerbachs! 1872. 8. Friedr. K or n'sche Buchh.: DieVolks- 
schule des XIX. Jahrh. in Biographieen hervorragender Schul- 
manner; 3. Lief. 1872. 8. — Orlamiinde. Victor Lommer, Ad- 
vokat u. Notar: Ders., Regesten u. Jahrbucher der Stadt Orlamiinde. 
1872. 8. — Paris. Le Ministre de Pinstruction publique: 
Revue des societes savantes des departements ; 4. serie, torn. IX. 
X., Janv. — Dec. 1869. 8. — Reutlingen. Theodor Rupp: Ders., 
iiber d. Bedeutung von Aim. 8. Sonderabz. — Seetiau86H I. d. Alt- 
mark. Dr. Ludw. Gotze, Gymnasial-Oberlehrer : Ders., e. Magde- 
burg. Druck des 15. Jahrh. iiber die Zerstorung von Troja. 1872. 
8. Sonderabz. — Sigmarlngen Hofrath Dr. F. A. Lehner, frstl. 
Bibliothekar u. Conservator: Ders., frstl. Hohenzoll. Museum in 
Sigmaringen. Verzeichnifs der Metallarbeiten. 1872. 8. A. Licht- 
schlag, Gymnasiallehrer: Ders., zwolf Salemer Urkunden des 13. 
u. 14. Jahrh. 1870. 4. — Strassburfl. Dr. Friedr. Wilh. B erg- 
ma nn, Univers.-Professor : Ders., das Graubartslied. 1872. 8. — 
Stuttgart. K. statist. -topograph. Bureau: Dass., Beschreibung 
des Oberamtes Neresheim. 1872. 8. — Utrecht. St. Bernulphus 
Gilde: Dies., het Gildeboek. Tydschrift voor kerkelijke Kunst 
en Oudheidkunde; I. Jaarg., 1. Afl. 1872. 4. — Wlen. Se. Maj. 
Franz Joseph I., Kaiser v. Oesterreich: Leitner, d. her- 
vorragendsten Kunstwerke der Schatzkaramer des osterreich. Kai- 
serhauses; Lief. 11 — 14. Imp. 2. — Wurzburg. Polytechnischer 
Centralverein: Ders., Jalxresbericht, 1871—72. 1872. 4. 

III. Fur das Arohiv. 

(Nr. 4277—4283.) 

Berlin. E. Fried el, k. Kreisrichter : Brief Wladislavs VII., 
Konigs von Polen, die Bestatigung einer von Bogislav, Herzog in 
Pommern, an Simon Woller zu Meddersin (Kreis Biitow) verliehe- 
nen Miihlengerechtsame betr. 1637. Perg. — Miinchen. Wurdin- 
ger, Major: Aus der Chronik Oberaltaichs von Hemauer. Eigen- 
handige Unterschrift des Geheimraths Lippert. Ohne Dat. Autogr. 
Ausschreiben des bischofl. Hofes von Konstanz, worin in Betreff 
der Leistungen an die Kirche von Haslach die einschlagigen Par- 



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325 



Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



336 



teien vor dem dortigen Amte zu erscheinen aufgefordert werden. 
1522. Pgm. — Niimberfl. Engelhard t, Recht9rath : Schreiben 
des Bischofs Marquard Sebastian zu Bamberg an Georg Dietrich 
von Redwitz. 1683. Pap.-Orig. — Zwolf Lehenbriefe und andere 
Urkunden der Freiherren yon Redwitz u. Guttenberg ; 1772 — 1810. 
Akten. Protokoll vor dem Rathe zu Neustadt an der Heyde iiber 



eine Kundschaft, das zwischen Oberlangstadt und Dickenwerth 
streitige Hutrecht betr. 1766. Pap. Ong. — We ndel stein. Wal- 
ther, evang. Pfarrer: Zeugnifa des Hans von Podewels fur Bene- 
dikt Steiner bei Veranlassung der Entsetzung desselben von sei- 
nem bisherigen Pfarramte zu Wildenreut durch den Pfalzgrafen 
Wolfgang Wilbelm. 1627. Pgm. 



Chronik der Mstorischen Verelne. 



Der Kirchenschmuck. Blatter des christlichen Kunst- 
vereinesderDiozeseSeckau. 1872. III. Jahrg. Nr. 9. Graz. 8. 

Die Denkmale der christlichen Kunst im Lavantthale. — Ein- 
flufs der Weberei kostbarer Zeuge auf den Entwickelungsgang der 
Skulptur u. Malerci. (Nach Fr. Bock.) — Kirchenrestaurationen. 

Schriften des Vereins fur Geschichte u. Naturge- 
•chichte der Baar'u. der angrenzenden Landestheile in 
Donaueschingen. II. Heft. 1872. Karlsruhe. 1872. 8. 

Geschichte von Donaueschingen, von Dr. S. Riezler. — Hauser- 
inschriften aus der Baar, von F. Gutmann. 

M o n at 8 h e f t e furMusik-Geschichte, herausgegeben von 
der Gesellschaft fur Musikforschung. IV. Jahrg. 1872. 
Nr. 9. Berlin. 8. 

Die Kirchentonarten in ihrem Verhaltnisse zu den griechischen 
Tonleitern, nebst ihrer geschichtlichen Entwickelung bis zum Ueber- 
gange in die modernen Tonleitern. Dargestellt von Rob. Eitner. 

Geschichtsblatter fur Stadt u. Land Magdeburg. 
Mittheilungen des Vereins fur Geschichte u- Alterthums- 
kunde desHerzogthums u. Erzstifts Magdeburg. 7. Jahr- 
gang. 1872. 2. Heft. Magdeburg, 1872. 8. 

Die Ordnung der evangelischen Gottesdienste in der Metro- 
politankirche zu Magdeburg zu Anfang des 17. Jahrh. Vom 
Superint. A. Fischer. — Zur Geschichte von Wolmirstedt u. des 
Magdeburgisch-Markischen Krieges in den Jahren 1277 bis 1280. 
Von Archivrath v. Miilverstedt. — Zur Geschichte des Magde- 
burgischen Buchhandels im 16. Jahrh. Von Dr. G. Hille. — Die 
Landgerichte vor den Schlofsbrucken zu Egeln u. Wanzleben. 
Von Dr. L. Gotze. — Die Statue Kaiser Otto's des Grofsen auf 
dem Alten Markte in Magdeburg. Von Geh. Reg.-Rath v. Quast. 
— Die Miinzen der Grafen von Barby im neueren Zeitalter, nebst 
einigen Nachrichten iiber das Miinzwesen derselben im Mittelalter 
Von A.-R. v. Miilverstedt. — Ueber Steingerathe u. deren Her- 
stellung. Von Dr. med. Schultheifs. — Die Burggrafen von Gie- 
bichenstein u. die Verschenkung ihres Schlosses Spohren. Von 
A.-R. v. Miilverstedt. — Kleinere Mittheilungen. 

DerdeutscheHerold. Zeitschrift fur Heraldik, 8phragistik 
u. Genealogie. Organ des Vereins fur Siegel- u. Wappen- 
kundezu Berlin. HI. Jahrg. Nr. 10. Berlin, 1872. 4. 

Die von Rottorf (J. Graf v. Oeynhausen.) — Zur Familienge- 
schichte des deutschen Adels. H. (Dr. W. Crecelius.) — Das Ge- 
8chlecht der von Offen im Lippischen. (J. Graf v. Oeynhausen.) — 
Kleine Notizen. 

Zeitschrift des Vereins fur Liibeckische Geschichte 
u. Alterthumskunde. Band 3. Heft 1. Liibeck. Ferd. Grau- 
toff. 1870. 8. 



Mittheilungen iiber das ehemalige Liibeckische Domcapitel. 
Von Staatsarchivar Wehrmann. — Liibeck als Huterin des Land- 
und Seefriedens im 13. Jahrh. — Schiller auf der Liibecker Biihne. 
Von Dr. M. Funk. — Kegelgrab bci Bechelsdorf. Von C. J. Milde. 

— Tonnies Swine. Eine Mittheilung von Staatsarch. Wehrmann. 

Bericht desselben Vereins fur 1869—1871. 4. 

Siegel des Mittetalters aus den Archiven der Stadt 
Liibeck. Herausgeg. von dems. Vereine. Neun tea Heft. Liibeck 
1871. 4. 

Siegel der Holstein-Schauenburger Grafen aus den Archiven 
der Stadt Lubeck. Zweites Heft. 

Zeitschrift des Harz-Vereins fur Geschichte u. 
Alterthumskunde. Herausgeg. von Dr. Ed. Jacobs. Funfter 
Jahrg. 1872. Erstes u. zweites Heft. Wernigerode, 1871. 8. 

Beitrage zur Genealogie der Dynasten von Querfurt. Von 
Dr. Holstein. — Die mittelalter lichen Kunstdenkmaler Nordhausens. 
Von Dr. Petschmann. — Ursprung u. Entwickelung der St. Johannis- 
Stiftung zu Quedlinburg. Von Gustav Brecht — Ein Quedlin- 
burger Hexenprozefs aus dem Jahre 1575. Mitgeth. von Dr. A. 
Kohl. — Das Todtenbuch des Klosters Huisburg. Von Ed. Jacobs. 

— Ueber die Gemahlinnen der Bruder Otto u. Volrad, Grafen von 
Valkenstein. — Beitrage zur Wappen-, Miinz- u. Siegelkunde. — 
Vermischtes. 

Mittheilungen der Antiquar is ch en Gesellschaft (der 
Gesellschaft fiir vaterlandische Alterthumer) in Zurich. BandXVH. 
Heft 4. Notice sur les forges primitives dans le Jura. Zurich. 
1871. 4. 

Heft 6. Die biblischen Deckengemalde in der Kirche von 
Zillis im Kanton Graubundten. 1872. 

Heft 7. Die Antiken von Zurich. 1872. 

Bulletin monumental ou collection de,m6moires 
sur les monuments historiques de France, publie sous les 
auspices de la Societe franchise d'archeologie pour la 
conservation et la description des monuments natio- 
naux, et dirige par M. de Caumont. 4. Serie, Tome 8, 38. Vol. 
de la Collection. Nr. 8. Paris et Caen, 1872. 8. 

L'eglise et le chateau de Dourdan, par M. Joseph Guyot. — 
Le cimetiere gallo-romain de Reillac, par M. le comte P. de Cessac 

— Les maltres perruquiers et les coiffeurs de dames, il y a un 
siecle, par M. Ch. de Ribbe. — Note sur le chateau de Paulin, 
par M. le comte de Toulouse-Lautrec. 

Foreningen tilNorske Fortidsmindesmerkers Beva- 
ring. Aarsberetning for 1870. Kristiania, 1871. 8. 

Om tvende Vaeggebegravelser i Throndhjems Domkirche af 0. 



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327 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



328 



Krefting. — Indberetning om Undersogelser paa en Gravplads 
fra den seldre Jernalder paa Ringerike af 0. Rygh. — Om en 
Gravplade af Metal fra Aaslo af N. Nicolaysen. 

Verhandlungen der gelehrten estnischen Gesell- 
schaftzuDorpat. Siebenter Band. 2. Heft. Dorpat, 1872. 8. 



Osiliana. Erinnerungen aus dem heidnischen Gottercultas tl 
alte Gebrauche verschiedener Art, geaammelt unter den Insel-Estea. 
Yon J. B. Holzmayer. 

Sitzungsberichte derselben Gesellschaft. 1871. Dorpat 
1872. 8. Zur altesten Geschichte der Eaten. 



Nachrichten. 



Literatim 



Neu ersehienene Werke. 
25) Die altesten Weisthumer der Stadt Erfurt uber 
ihre Stellung zum Erzstift Mainz, aus den Hand- 
Bchriftcn herausgegeben, erklart und mit ausfuhrenden Ab- 
handlungen versehen. Ein Beitrag zur Verfassungs- und 
Culturgeschichte der deutschen Stadte von Alfred Kirch- 
hoff. Nebst einem Plane der Stadt Erfurt urn 1300 und 
einer Uebersicbtskarte von Mittelthuringen, gezeichnet von 
Major Bockner. Halle, Verlag der Buchhandlung des Wai- 
senhauses. 1870. 8. VTO u. 814 Stn. 

Die Stadt Erfurt nahm in der alteren Zeit eine sehr bedeut- 
sarae Stellung ein. Sie lag in einer Gegend, durch welcbe die of- 
fene Strafse fuhrte, auf welcber sicb die Volker des Nordens nach 
den sudtichen Gegenden vorschoben. Von Bonifacius zum Sitze eines 
Bisthum8 ausersehen, half sie spaterhin den Verkehr mit den be- 
nachbarten slaviscben Stammen vermitteln. Nachdem sie dem 
Eircbensprengel des Erzstifts Mainz zugewiesen worden war, wurde 
sie Gegenstand langwieriger Streitigkeiten zwiscben ihren Erzbi- 
schofen und den thflringiscben Landgrafen, als den ursprunglichen 
Landesherren, deren Ansprttche nacbmals auf die sachsischen Fur- 
sten ubergiengen. Vergeblicb sucbten sicb die Burger der Stadt 
diesem Zwitterverhaltnisse durch eine freie und unmittelbare Stel- 
lung im Reiche zu entziehen ; der alte Hader hielt sie fortwahrend 
gefesselt und wurde erst gegen Ende des siebzehnten Jahrhun- 
derts damit abgescblossen, data Erfurt der ausschliefslichen Herr- 
ecbaft des Mainzer Erzstifts uberlassen blieb. Diese wechselvol- 
len Schicksale der Stadt, welche mit den allgemeinen Ereignissen 
im Reiche im engsten Zusammenhange standen, verliehen ihr fur 
immer in der Geschichte Deutschlands besondere Wichtigkeit, und 
es war daher ein glueklicher Gedanke, durch Herausgabe der fra- 
hesten, die Verfassung der Stadt betreffenden Urkunden eine fuhl- 
bare Lucke auszufullen. 

Die Sammlung beginnt mit dem Weisthume von 1289, liber 
dessen Entstehung der Verfasser sehr anziehende Erlauterungen 
vorausgeschickt hat. Dasselbe wurde in der Zeit des grofsen 
Zwischenreiches und nach vorausgegangenen langwierigen Streitig- 
keiten, unter der Regierung des Erzbischofes Gerhard, als Aus- ' 
gleich zwischen zwei einander gegenuberstehenden Parteien be- 
rathen und in deutscher Sprache niedergeschrieben. An die zu- 
nachst zu Tage getretenen Bediirfnisse sich anschliefsend , handelt 
es von dem Burgfrieden, von Abgaben und Zinsen, von dem offent- 
lichen Verkehre, dem Miinzwesen und den stadtischen Zollen, und 
schliefst mit einer kurzen Verfugung in Betreff des Schultheifsen- 
amtes, dessen Wirkungskreis ubrigens, aus alter Zeit stammend, 
als bekannt vorausgesetzt wird. 



Auf das Weisthum von 1289 folgt das sogenannte Bibrabuch- 
lein von 1332, so benannt, weil es Hermann von Bibra zum Ver- 
fasser hatte. Dieser bekleidete die Stelle eines Dekans der Stifts- 
kirche Unserer Lieben Frauen und war zugleich Provisor oder 
oberster Verwalter des Mainzer Hofes. Er spielte in den heftigen 
Streitigkeiten, welche die zwiespaltige Wahl Heinrich's von Virne- 
burg und Balduins von Trier zur Folge hatte, eine sehr hervor- 
ragende Rolle und gerieth sogar, da er mit Leidenschaft diePartei 
des letzteren ergriffen hatte, eine Zeit lang in die Gefangenschaft 
der Erfurter Burger. Als Verwalter des Mainzer Hofes verfafste 
dieser Mann ein Buch, in welches er aus alteren Handschriften 
undRegistern alle Einkiinfte, welche durch alle thuringische Lande 
hin und insbesondere in Erfurt und Umgegend dem erzbischof- 
lichen Stuhle zustanden, mit grofser Sorgfalt und Genauigkeit ein- 
trug. Die darin enthaltenen zahlreichen Einzelheiten und Er- 
lauterungen liefern eine Fulle geschichtlichen Materials, welches 
den in dem Weisthume von 1289 gegebenen Stoff bei weitem nber- 
ragt. Wir konnen die Eigenthumlichkeit der Arbeit Hermann v. 
Bibra's am besten mit den eigenen Worten A. KirehhofTs bezeich- 
nen: „Danken wir ihm", so sagt dieser, w dafe er seiner ganzen 
Stellung und Sinnesrichtung gemafs, gewifs kein Titelchen aufzu- 
zahlen versaumt haben wird, was an Gerechtsamen dem Erzbischof 
in Erfurt und dem Thiiringer Land uberhaupt zustand; danken 
wir ihm besonders auch dafdr, dafs er in heiligem Eifer fur das 
Recht des Hochstifts und in sehr natQrlicbem Eifer fur die Er- 
haltung aller EinkOnfte des ihm Qberwiesenen und ihn mit er- 
nahrenden Mainzer Hofes zuriickgriff auf langst vergangene Zeiten 
und aus den alten Registern so manches in sein ausfuhrliches 
Weisthum eintrug, was keine praktische Bedeutung mehr hatte, 
uns aber um so interessanter sein mufs. u 

Der dritte Abschnitt: „Das Weisthum iiber die „Vizthum- 
rechte" gibt uns Aufschlusse iiber verschiedene Bearotungen und 
insbesondere iiber die Abgaben und Leistungen der einzelnen 
Gewerbe. 

Endlich hat der Verfasser die vorbezeichneten Urkunden 
durch eine Reihe von Abhandlungen auf das beste erortert und 
beleuchtet. Er bespricht ausfuhrlich zunachst den Umfang der 
bischoflichen Macht, die 6 ffent lichen Bauten, Mttnzwesen und Zolle, 
sowie alle wirthschaftlichen Angelegenheiten der Stadt. Er geht 
sodann zu dem Verhaltnisse zwischen der graflichen Gewalt und 
den bischoflichen Anspruchen iiber, erlautert in dem Abschnitte 
„Bi8chof und Rath" mehrere wichtige Punkte der stadtischen Ver- 
fassung, verbreitet sich iiber „Landwirthschafb, Gewerbe und Han- 
del" und schliefst mit einem besonderen Abschnitte uber die Juden. 
Die lange dauernden Anreizungen gegen diese letzteren werden 
ausfuhrlich erzahlt. Die Bedruckungen und Verfolgungen wahrten 
bis in die Mitte des fiinfzehnten Jahrhunderts , um welche Zeit 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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ihre vollige Austreibung erfolgte, und zwar, wie derVerfaeser aus- 
drucklich hervorhebt, zum empfindlichsten Nachtheile fur die 
finanzielle Lage der Stadt. Dem Buche ist ein Plan der Stadt 
Erfurt aus dem Anfange dee vierzehnten Jahrhunderts, sowie eine 
Uebersichtskarte yon Mittelthuringen beigefugt. Wir halten diese 
Zugabe fur aufserst zweckmafsig und wonscbten sebr, dafs dieses 
Beispiel auob anderwarts Nachabmung fande. Viele Begebenbeiten 
in der Geschicbte unserer Stadte werden obne vorberige genaue 
Feststellung der topograpbischen Verhaltnisse stets im Dunkel 
bleiben. A. F. 



AufsdUe in ZciUchriften. 
Das Ausland: Nr. 39. Die Literatur der Niederlander. 
Borsenblatt f. d. Deutscb. Buchh.: Nr. 224. Ein Beitrag 

zur Gescbicbte der alten Musikdrucke. 
Euro pa: Nr. 39. Ein militarischer Tourist aus dem 16. Jabrh. 

— Nr. 40. Alte musikaliscbe Instrumente. 
DieGartenlaube: Nr. 40. Luther's Trauring. — Nr. 41. Das 

frankische Loretto (Vierzebnheiligen u. Kloster Banz in Unter- 

franken). 
Die Grenzboten: Nr. 38 , S. 458. Der letzte Staupenscblag in 

Preufcen. 
Preufs. Jahrbucher: 30 Bd., 3. Heft, S. 239. Die oberrheini- 

sche Tiefebene u. das deutsche Reicb ira Mittelalter. I. (Nitzscb.) 
Kunst u. G ewe rbe: Nr. 26. Ein Wort Albrecht Diirer's. (Alb.Ilg.) 
Rhein. Kurier: Nr. 228. 229. 231. 234. Der Trierische Dom- 

schatz. — Nr. 245. Das Rheinweinglas (der Romer). 
Bait. Monatsscbrift: Jul. u. Aug., S. 353. Ueber die livlan- 

dische Reimcbronik. 
Tbe illustrated London news: Sept. 14. Leaves from a 

Sketch-Book. Gbent. — Oct. 5. Brussels. 
Organ f. christl. Kunst: Nr. 17. Die Kirche der ebemaligen 

gefursteten Reicbsabtei Corvey an der Weser. — Nr. 17 ff. Die 

berfihmtesten Heiligen in der bildenden Kunst. Yon B. Eckl 

in Munchen. — Nr. 17, S. 200. Baubericht fiber den Fortbau 

des Domes zu Koln. 
Tbeolog. Quartalschrift: 3. Quart-Heft, S. 345. Die WOrz- 

burger Itala-Fragmente. — S. 383. Die Verwaltung des Kirchen- 

vermogens in den ersten drei Jabrbunderten. 
Revue des deux Mondes: 1. Sept., 1. Livr., p. 105. Le 

80 rial is me au XVI. siecle. II. La propagande anabaptiste apres 

la guerre des paysans, par M. Alfred Maury. 
Ueber Land u. Meer: 29. Band, Nr. 2. Eine Perle deutscber 

Stadte (Rotbenburg a. d. Tauber.) Von Friedr. Lampert. 
Der Salon: 1873, Heft 1, S. 86. Preufsens Koniglicbe Schlosser. 

(George HesekieL) I. Die Potsdam'schen Schlosser. 
Deutscber Reicbsanzeiger: Nr. 35. Siegel der Scbwabiscben 

Linie des Hauses Hohenzollern. 
Wochenblatt d. Joh.-Ord.-Balley Brdbg.: Nr. 40ff. Cultur- 

historische Bilder aus der Vergangenbeit Brandenburgs. I. Die 

Wenden u. das Volkerringen zwischen Elbe u. Oder. 
Oesterr. Wochenschrift f. Wissensch. u. Kunst: 2. Bd., 

34. Heft Des Erzstiftes Salzburg letzte diplomatiscbe Action. 
A 11 gem. Zeitung: Beil. Nr. 256. Der Birnbaum auf der Wal- 

serbaide. (Dr. Sepp.) — Nr. 259. Die musikaliscben Schatze 

des Archivs und der Stadtbibliotbek zu Augsburg. (H. M. 



Schletterer.) — Nr. 265. Die Restauration der St. Ulricbskircbe 
in Augsburg. 

Darmstadter Zeitung: Nr. 260. Die Saalburg. Vortrag von 
Oberst v. Cohausen. 

Illustr. Zeitung: Nr. 1524. Das Wiprecbt-Denkmal in Pegau. 
— Die St. Jakobsfeier in Basel. — Vlamische u. walloniscbe 
Kirme88piele. — Nr. 1525. Die Berliner Gericbtslaube auf 
Babelsberg. — Nr. 1526. Der Abnberr des preufs. Konigsbau- 
ses. — Nr. 1527. Aus dem neuen deutscben Reichsland. Heiden- 
tempel in den Yogesen. 

Leipziger Zeitung: Wissensch. Beil. Nr. 73 u. 74. Die beiden 
Hauptstadte Sacbsens vor 100 u. vor 60 Jahren. 



Vermischte Nachrichten. 

102) Der Marktflecken Schonsee bei Thorn lag fast rings 
von Wasser und Sumpf umgeben und war eine vom deutscben 
Ritterorden mit Mauern und Tburme befestigte, mit einer Burg 
versehene feste Stadt, wahrscbeinlicb, wie viele ahnliche, auf den 
Ueberbleibseln einer scbon von den beidniscben Vorbesitzern des 
Platzes benutzen Kulturstatte errichtet. In neuester Zeit ist man 
damit bescbaftigt, die letzten Reste der Wasserumgebung durcb 
rationelle Kultur in frucbtbares Land umzuwandeln. Bei Gelegen- 
heit dieser Arbeiten, beim Ziehen eines Abzugsgrabens wurden 
verschiedene, einer alteren Kultur angehorige Fnndstocke 
zu Tage gefordert und dem stadt. Museum in Thorn ubergeben. 
Nacb einer gutigen Mittheilung des Herrn H. Adolpb, Curators des 
stadt. Museums in Thorn, hat der Copernicus-Verein fur Wissen- 
scbaft und Kunst daselbst durch eine Commission untersuchen 
lassen, ob sich Reste von Pfablbauten finden. Solche sind nun 
zwar nicht entdeckt worden, indeesen ist immerhin ihr Vorhanden- 
sein wahrscbeinlicb. Pfahliiberreste, die zum Vorscbein gekommen, 
zeigten sich als Ueberbleibsel eines Fiscbbebalters aus der Zeit 
des Ritterordens. Unter den Fundstiicken befanden sich mehrere 
Hirschgeweib - Bruchstiicke mit Spuren von kunstlicher Bearbei- 
tung, ein Hammer, eine stein erne Lanzenspitze, eine Bronzefibula, 
ein Theil einer Gufsform fiir Ringe u. A. 

103) Die warmen Quellen des Kurortes Gleichenberg in 
der ostlichen Steiermark waren schon den Romern bekannt und 
wurden von ibnen beniitzt, wie sich aus den dortselbst gemacbten 
Funden an romischen Inschriftsteinen und Munzen ergibt. In 
neuester Zeit aber wurden dort Ausgrabungen gemacbt, welche 
in eine viel altere Zeit zuriickreichen. An dem sudwestlichen 
Abhange des Hiigele, auf welchem die Villa Wickenburg stebt, % 
stiefs man bei den Erdausbebungen zum Bebufe eines Neubaues 

auf Lagen scbwarzer Erde, in welchen sich Stiicke und Scherben 
von Thongescbirren: Kriigen, Scbusseln, Tiegeln u. dgl., «Brucb- 
stOcke von Steinwerkzeugen : Keilen, Hammern, Aexten mit Lochern 
zum EinfQgen des Stockes, Schneidewerkzeugen von Stein, Knochen- 
trummer u. ahnl. befanden. — Dr. Macber, welcher diese Fund- 
statte zuerst besichtigte und von ihr (in der Grazer Tagespost) 
Nacbricht gab, vermuthet, dafs diese Ansammlung von durcbaus 
zertriimmerten Objecten dadurcb en ts tan den sei, dafs zur Zeit, als 
das Gleichenberger Becken noch ein See war, bier ein Pfablbau 
stand, und von diesem die unbraucbbar gewordenen Geschirre und 
anderen Gegenstande in den See hineingeworfen worden seien. — 
Graf Wickenburg soil die schone Absicbt baben, in Gleichenberg 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Yorzeit. 



332 



ein kleines Museum zu grtinden, um die dort und in der Urn- 
gebung entdeckten sehenawerthen naturhistorischen und archaolo- 
gischen Gegenstande zu sammeln, aufzustellen und eie so dem 
Untergange zu entreifsen. 

Graz. Franz Ilwof. 

104) Ueberau8 interessanteGraber, vermuthlicb keltischen 
Ursprungs, sind zu Hardthausen bei Hagenau imElsafs auf- 
gedeckt worden. Mitten unter den geringeren Grabstatten fand 
man das Grab eines Hauptlings. Eigenthumlich ist bier die Art 
der Bestattung. Der Kopf hatte eine Unterlage von Rinde, wah- 
rend unter der Schulter und iiber der Brust Bretter eingezwangt 
waren, zwiscben denen dasSkelet geschutzt dalag. An demHalse, 
den Handgelenken , den beiden Schenkeln und am Fufs trug es 
Ringe und Spangen, in der Nahe des Schadels lagen viele Hefte 
und Nadeln, wahrscheinlich friiher eine Zierde des Hauptbaars. 
Auf der Brust lag eine verzierte Ovalplatte von Kupfer, welche 
mit gut erbaltenen Haselniissen bedeckt war. (111. Ztg., Nr. 1528). 

105) Eine ausgedehrte altbeidniscbe Begrabnifsstatte 
entdeckte der Archaolog Fr. Patera auf dem Weingartengrund- 
stttck Ballebenka zu Lieben, unweit Prag. Aucb zwiscben Saaz 
und Podersam an der Priesen-Pilsener Bahn, bei den Dorfern 
Tscbekowitz und Oblat, sind neuerdings mebrere beidnische Grab- 
statten aufgedeckt worden. (Das.) 

106) Httnengraber sind unlangst in dem Wald Langel bei 
Korner im Gothaischen aufgefunden worden. Nach der Oeffnung 
eines etwa 90 Fufs hohen Hiigels wurde ein grofses Grab ent- 
deckt, dessen Boden mit Steinplatten ausgelegt war, und unter 
diesem ein zweites Grab. In dem oberen Grabe fand sicb auf 
eicbener Bohle ein mannliches Skelet, das Gesicht nacb Norden 
gewendet, neben demselben ein steinerner Streithammer, ein bron- 
zener Celt rechts neben dem Haupt, zwei thonerne Gefafse zur 
Seite, eine dolcbartige Waffe von Bronze am Knie. Das in der 
unteren Grabkammer liegende Skelet hatte das Antlitz nacb Siiden 
gewendet und als Beigabe eine Pfeilspitze von Feuerstein. Die 
Abwesenheit alles Eisens deutet auf ein sehr hohes Alter dieses 
Hanengrabes. Um das obere Steingrab haben sicb nocb acht, mebr 
oder weniger gut erbaltene Ueberbleibsel menschlicher Skelette 
vorgefunden. (111. Ztg., Nr. 1526). 

107) Bei Suiza (Sacbsen-Altenburg) ist eine alte Grabstatte 
blofsgelegt worden. In der Lohmuhlmulde stiefs man beim 
Nachgraben auf kunstgerechte Steinanlagen und fand die wohl er- 
baltenen Skelette einer ganzen Familie, dazu stein erne Messer von 
sehr grofsen Dimensionen und eine Menge anderer Fragment e aus 
dem Mineralreich. (Dies., Nr. 1524). 

108) In unserer Gegend werden romische Miinzen aus der 
spateren romischen Kaiserzeit nicht selten gefunden. Unlangst 
ist wiederum in der Nahe von Wittlage, hart an der Chaussee, 
eine romische Goldmiinze des Kaisers Theodosius beim Pfliigen 
eines Ackers zu Tag gekommen. 

Osnabriick. J. Lodtmann. 

109) Auf einem Bauplatze an der Bieb richer Chaussee ober- 
halb des Rondels, drei Fufs unter der Erde, von Kalksteinen 
schutzend umgeben, wurden vor Kurzem 43 Stuck alte Silber- 
miinzen ausgegraben. Es sind durchgangig Mainzer Miinzen, 
der Mehrzahl nach unter Erzbischof Adolf II., Grafen von Nassau, 
1461—1475 gepragt und grofstentheils in einseitigen Pfennigen be- 
stehend, welche in einem gespaltenen Schild das Mainzer Wappen 



und den nassauischen Lowen haben, umschlossen von einem Perlen- 
kreise, dariiber ji. Andere Pfennige dieses Fundes sind mit den 
Wappen von Trier, Mainz und Eurpfalz versehen und auf Grand 
gemeinsamer Miinzvertrage gepragt. Einige der Miinzen sind von 
der Stadt Mainz gepragt; diese sind sammtlich einseitige Heller 
und zeigen in einem Perlenkreise einen Schild mit dem Rade, weiter 
das Rad und darunter im Bogen drei Kronen als das Wappen der 
Stadt Koln, mit welcher die betreffenden Stucke in Gemeinschaft 
gepragt sind, endlich das Rad mit 9 dardber, letztere im Verein 
mit der Stadt Bingen gepragt. (Rhein. Kur., Nr. 232). 

110) Ein werthvoller Fund ist im Stifte von St. Paul im 
Lavantthal Karntens gemacht worden. Auf Veranlassung desAbtt 
durchforschte Dr. Sebastian Brunner die dortige Kupferstichsamm- 
lung und fand dabei kostbare Handzeichnungen von Poussin, 
Tintoretto, Salvator Rosa, Palma Vecchio, van Dyk und anderen 
bedeutenden Meistern des 17. und 18. Jahrh. Diese Handzeich- 
nungen so II en von nun an in besondere achtsame Verwahrung ge- 
nommen werden. (111. Ztg., Nr. 1527). 

111) Auf den 19. October d. Js. ist der Beginn der Auction 
der grofsen, alien Touristen als eine Zierde und hervorragende 
Sehenswiirdigkeit des Rheingaues bekannten Eunstsammlung der 
freih. v. Zwierlein'schen Familie zu Geisenheim festgesetzt. Lei- 
der wird hier ohne Zweifel wieder das Ausland einen grofsen Theil, 
vielleicht die kostbarsten der Schatze, fiir sich nehmen. Neben 
einer Reihe von Oelgemalden, einer reichen Sammlung von Por- 
zellangruppen, Kriigen und verschiedenem Anderen sind es beson- 
der8 die Glasgemalde, mehrere Hunderte an der Zahl, in alien 
Grofsen, welche eine kaum je wieder erreichbare Sammlung bilden, 
in der sich der Entwickelungsgang von der romanischen Periode 
durch alle Phasen des gothischen Stiles und der Renaissance bis 
zum Schlusse des 18. Jhdts. verfolgen lafst. Die Grundung der 
Sammlung am Schlusse des vorigen Jahrhundert fiel gerade in die 
Zeit, als man die Kirchen des kostlichen Dammerlichtes , das ge- 
malte Fenster verbreiten, beraubte, um sie heller erscheinen zu 
lassen, und der Sammeleifer fand da billig reichliches Material, 
das nun wol leider zu grofsem Theile gegen hohes Geld den Weg 
in's Ausland finden wird. 

112) Der Begrunder der freiherrlich von Zwierlein'schen Kunst- 
sammlungen zu Geisenheim bat seiner Zeit aus der Lorcher Kirche 
eine Anzahl Glasgemalde erworben, die zum Theil Wappen der 
zahlreichen adlichen Geschlecbter, welche im Mittelalter hier an- 
gesessen waren, darstellen. Man hat beschlossen, diese Gegen- 
stande fur jene Kirche, die jetzt nur noch an der Ostseite Glasge- 
malde besitzt, zuruckzuerwerben ; auch wurde von der Gemeinde 
fur diesen loblichen Zweck eine gewisse Summe bewilh'gt, deren 
Erhohung durch Beitrage des Staates und von Corporationen in 
sicberer Aussicht steht. 

(Rhein. Kur., Nr. 218; vgl. Nr. 242 u. 244). 

113) Das Deutsche Haus (Fondaco dei Tedeschi) in Vene- 
dig ist durch Alter, Ansehen und volkerrechtliche Stellung neben 
der Hansa die wichtigste deutsche Handelsgesellscbafb frtlherer 
Jahrhunderte gewesen. Die Gesetze und Ordnungen , auf welchen 
dasselbe geruht, sind vor einigen Jahren durch Prof. Dr. G. M. 
Thomas in Munchen unter dem Titel: „Capitolare dei Visdomini 
del Fontego de' Tedeschi" in der Bibliothek des Cavaliere Em. 
Cicogna aufgefunden und sorgfaltig abgeschrieben worden. Es 
wird nun beabsichtigt, diese hochst werthvolle Gesetzsammlung 



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333 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



334 



bei A. Asher & Co. in Berlin im Druck eracheinen zu lassen. 
Der Subcriptionspreis betragt 5 Thlr., spaterer Preia 6 Thlr. 

114) In den Raumen des kgl. Zeughauses zu Berlin ist Beit 
einigen Wochen eine Ausstellung alterer kunstgewerblioher Er- 
seugnisse dem Publikum vorgefuhrt, die geeignet ist, in hohem 
Grade die Aufmerksamkeit aller Freunde der Vorzeit auf sich zu 
ziehen. In einer Reihe von Salen ist aufgestellt, was die kgl. Mu- 
seen (es ist fast der gesammte Inhalt der Kunsikammer hierher 
flbertragen, die Schatze des Gewerbemuseums sind hier ausgestellt), 
die kgl. Schlosser, Privatsammlungen, Kirchen u. s. w. an hervor- 
ragenden Werken enthalten. Aus der Epoche des gothischen Sti- 
les ist verhaltnifsmafsig wenig da; um so zahlreicher sind die 



ausgestellten Werke der fruheren Renaissance aus Deutschland 
und Italien. Ueberwaltigend ist die Fiille kostbarer Gegenstande 
spaterer Renaissance und der Rococo peri ode. Kein Zweig des 
Kunstgewerbes, der nicbt durcb hervorragende, auserlesene Stucke 
vertreten ware. Ein Comitee hatte sich zur entsprechenden Durch- 
fuhrung der unter dem Protektorate des Kronprinzen stehen- 
den Ausstellung gebildet; die eigentliche Arbeit fiel dem Docen- 
ten am Gewerbemuseum , J)r. Julius Lessing, zu, der durch treff- 
liche und systematische Aufstellung der Schatze seine Aufgabe in 
vollkommenster Weise erfullt und dem Publikum durcb Heraus- 
gabe eines kurzen, aber gediegenen „Fuhrers" durch die Ausstel- 
lung das Verstandnifs wesentlich erleichtert hat. 



Mltthellungen. 



13) Dreizeloite Plenar-Versammlutiy 

der hi8torischen Commission bei der konlgl. bayer. Akademie der 
Wissenschaften. 

Mnnchen,im October 1872. Die diesjahrige Plenarversamm- 
lung der historischen Commission wurde in den Tagen vom 7. bis 
10. October abgehalten. Da der Vorstand, Geheimer Regierungs- 
rath von Ranke in Berlin, am Erscheinen durch Krankheit ver- 
hindert war, ubernabm der standige Secretar, Geheimer Rath von 
Gieaebrecht, die Leitung der Verhandlungen. In die Commission 
ist zu Folge koniglicher Ernennung neu eingetreten als ordent- 
liches Mitglied Professor Dummler aus Halle, als aufserordent- 
liches Professor Kluckhohn von hier. Aufser ihnen betheiligten 
sich an den Sitzungen von den auswartigen ordentlicben Mit- 
gliedern die Professoren Hegel aus Erlangen, von Sybel aus 
Bonn, Waitz aus Gottingen, Wegele aus Wurzburg und Weiz- 
s acker aus Strafsburg, von den einheimischen Professor Corne- 
lius, Reich srath von Dollinger, Oberbibliothekar Foringer, 
Gebeimer Cabinetsratb a. D. Freiherr von Liliencron, Reichs- 
arcbivdirector von Loher und Reichsarchivrath Muff at. 

In der Ansprache, mit welch er der Secretar die Versammlung 
eroffuete, gedachte er besonders des grofsen Verlustes, welchen 
die Commission jfingst durch den Tod ihres Seniors, des Staats- 
und Reichsraths Georg Ludwig von Maurer, erlitten. Der 
Verstorbene batte in den letzten Jahren an den Arbeiten der 
Commission lebhaften Antheil genommen und nach dem Ableben 
J. Grimm' 8 der oberen Leitung bei der Sammlung der Weis- 
thttmer sich selbst unterzogen. 

Der in herkommlicher Weise flber die Arbeiten des abgelaufe- 
nen Jahres erstattete Geschaftsbericht ergab, dafe sammtlicbe 
Unternehmungen in regelmafsigem Fortgang begriffen sind. Eine 
grofse Zahl von Bibliotheken und Archiven sind abermals fur die 
Publicationen der Commission durchforscht worden, und haben 
die Mitarbeiter derselben dabei stets die dankenswertbeste Forde- 
rung durcb die Behorden der Bibliotheken und Archive gefunden. 
Seit der vorjahrigen Plenarversammlung sind folgende Werke 
in den Buchhandel gekommen: 

1) Die Recesse und andere Akten der Hansetage von 1256 — 
1430. Bd. n. 



2) Geschicbte der Wissenschaften in Deutschland. Bd. XI. Ge- 
schichte der Technologie von Karl Karmarsch. Bd. XII. 
Geschichte der Zoologie bis auf Job. Mailer und Chart. 
Darwin von J. Victor Carus. 

3) Briefe Friedrich's des Frommen Kurfiirsten von der Pfalz 
mit verwandten Schriftstucken , gesammelt und bearbeitet 
von A. Kluckhohn. ZweiterBand, zweite Halfte. 1572 — 
1576. 

4) Jahrbiicher der deutschen Geschichte. Philipp von Schwaben 
und Otto IV. von Braunschweig von Eduard Winkel- 
mann. Erster Band. Konig Philipp von Schwaben. 1197 
—1208. 

5) Bayerisches Worterbuch von J. A. Schmeller. Zweite, 
mit des Verfassers Nachtragen vermehrte Ausgabe, bear- 
beitet von G. K. Frommann. Lieferung VII. 

6) Forschungen zur deutschen Geschichte. Bd. XII. 

Andere Publicationen stehen, wie sich aus den von den Leitern 
der einzelnen Unternehmungen im Laufe der Verhandlungen er- 
statteten Berichten ergab, in naher Aussicht. 

Von der Geschichte der Wissenschaften wird schon in den 
nachsten Tagen die Geschichte der Philosophic, von Geh. Rath 
Zeller in Berlin bearbeitet, erscheinen. Voraussichtlich wird auch 
im Laufe des nachsten Jahres der Druck der Geschichte der 
Nationaldconomie von Geh. Rath Roach er in Leipzig und der 
zweiten Abtheilung der Geschichte der Cheraie von Geh. Rath 
Kopp in Heidelberg begonnen werden konnen. 

Von der umfassenden, unter Professor Hegel's Leitung ver- 
anstalteten Sammluug der deutschen Stadtechroniken ist zunachst 
der vierte Band der Niirnberger Stadtgeschichten , bearbeitet von 
Professor von Kern in Freiburg, zu erwarten. Der Druck dieses 
Bandes wird in einigen Wochen vollendet sein und dann sogleich 
der erste Band der Colnischen Chroniken, von Dr. H. Cardauns 
in Coin und Dr. C. Schroder in Leipzig bearbeitet, der Presse 
ubergeben werden. Auch ein zweiter Band Braunschweiger Chro- 
niken wird nach den Mittheilungen des Arcbivars Hanselmann 
in Braunschweig im Laufe des nachsten Jahres druckfertig herge- 
stellt werden. 



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335 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



336 



Yon den deutschen Reich stagsacten liegt der zweite Band, 
welcher die Zeit yon 1388 bis 1397 umfafst, im Manuscript vollen- 
det vor und wird der Druck desselben sogleich beginnen. Dieser 
Band umfafst 312 Nummern, von denen zwei Drittheile bisher un- 
'gedruckt war en. Der dritte Band 1st so weit vorbereitet, dafs 
Professor Weizs acker denselben bald folgen zu lassen hofft; er 
wird die Thronveranderung, ihre Vorbereitung und die nachfolgende 
Eronung Ruprecht's umfassen, wie auch die Verhandlungen mit 
der Curie wegen seiner Anerkennung. Inzwischen sind auch die 
Arbeiten fur die Zeiten K. Sigmund's und Albrecht's II. durch 
Bibliothekar Dr. Kerler in Erlangen eifrig und mit Erfolg fort- 
gesetzt worden; die Sammlungen haben durch neues werthvolles 
Material unerwartete Bereicherungen erfahren. Um auch die Ar- 
beiten far die Epoche Friedrich V III. schneller zu fordern, ist Dr. 
Ebrard in 8trafsburg als neuer Mitarbeiter eingetreten. 

Zur Vervollstandigung der Sammlungen fur die Hanserecesse 
hat Dr. K. Koppmann sich langere Zeit in Danzig, Konigsberg 
in Preufsen, Riga und Reval aufgehalten. Um Weihnachten wird 
der dritte Band der Recesse begonnen werden, so dafs die Vollen- 
dung desselben im Laufe des nachsten Jahres zu crwarten ist. 

Von den Jahrbuchern der deutschen Geschichte sind mehrere 
Abtheilungen in Bearbeitung. Der erste Band der Geschichte K. 
Heinrich's III., von Dr. E. Steindorffin Gottingen, lag in der 
Handschrift vollendet vor. Fur die Zeiten Lothar's von Supplin- 
burg und Konrad's III. hofft man in Dr. W. Bernhardi in Ber- 
lin einen geeigneten Bearbeiter zu gewinnen. Fur die Fortsetzung 
der Geschichte Karl's des Grofsen sind Verhandlungen eroffnet. 

Die Arbeiten fur die Wittelsbacb'sche Correspondenz sind nach 
alien Seiten gefordcrt worden. Die Correspondenz KurfUrst Fried- 
rich's III. von der Pfalz ist zum Abschlufs gebracht. Da es im 
Interesse des Unternehmens schien, zur Vervollstandigung der 
alteren pfalzischen Abtheilung auch die Correspondenz Johann 
KasinnVs zu veroffentlichen, beschloi's die Commission diese Publi- 
cation, welche etwa zweiBande umfassen wird, vorzubereiten, und 
beauftragte mit den Vorarbeiten Dr. Fr. von Bezold bierselbst; 
auch Professor Kluckhohn sagte seine Beihiilfe bei der Fort- 
setzung dieser Abtheilung zu. Von der alteren bayerischen Ab- 
theilung, welche unter Leitung des Reichsarchivdirectors von 
Loher steht, ist der erste Band der ,,Briefe und Akten zur Ge- 
schichte des 16. Jahrhunderts mit besonderer Beziehung aufBayerns 
Furstenhaus**, bearbeitet von Dr. A. von D ruff el, im Druck so 
weit vorgeBchritten , dafs er bis Neujahr 1873 erscheinen kann; 
die Sammlungen fur den zweiten Band sind bedeutend vervoll- 
standigt. Auch fur die jungere pfalzische und bayerische Abthei- 
lung, beide von Professor Cornelius geleitet, sind die Samm- 
lungen durch archivalische Reisen bereichert worden. Was die 
jungere pfalzische Abtheilung betrifft, so hat der Druck des zweiten 
Bandes der „Briefe und Akten zur Geschichte des dreifsigjahrigen 
Kriegs", bearbeitet von Dr. M. Ritter, bereits begonnen; dieser 
Band wird die Zeit von der Grundung der Union bis zum Tode 
Heinrich's IV. von Frankreich (1608—1610) umfassen. Zur Be- 
schleunigung der weiteren Arbeiten fiir diese Abtheilung ist Dr. 



Baumann als Mitarbeiter angestellt worden. Fur den ersten 
Band der jungeren bayerischen Abtheilung, welcher nach einer 
einleitenden Uebersicht iiber das erste Jahrzehnd der Regierung 
Herzog Maximilian's die Akten fur die Zeit von dem Donauworther 
Ereignirs bis zum Abschlufs des ersten Conflicts zwischen Union 
und Liga (1607 — 1610) darbieten wird, ist besonders der Mitar- 
beiter Dr. F. Stieve thatig gewesen, und sind die Vorarbeiten 
so weit vollendet, dafs man im Winter nachsten Jahres den Druck 
zu beginnen hofft. 

Die Sammlung der Weisthumer wird mit dem in Bearbeitung 
begrifienen Registerband demnachst zum Abschlufs gelangen. Das 
Wortregister, welches unter Leitung des Professors R. Schroder 
Professor Birlinger in Bonn bearbeitet, wird jedenfalls im Laufe 
des nachsten Jahres der Presse flbergeben werden konnen. 

Mit der siebenten Lieferung ist der erste Band der neuen 
Ausgabe von Schmeller's Bayerischem Worterbuch abgeschlossen 
worden. Dieser Band umfafst die bei weitem grofsere Halfbe der 
Arbeit. Da auch der zweite Band bereits im Druck begonnen 
ist und die achte Lieferung in kurzer Zeit veroffentlicht werden 
kann, geht das Hauptwerk des beruhmten bayerischen Sprach- 
forschers in dieser erneuten Gestalt nun schnell der Vollendung 
entgegen. 

Die Zeitschrift: „Forschungen zur deutschen Geschichte", in 
Gemeinschaft mit Director von Stalin und Professor Wegele, 
von Professor Waitz redigirt, wird in der bisherigen Weise fort- 
gesetzt werden. 

Auch die auf den Antrag des Geh. Raths von Ranke und 
des Reichsraths vonDollinger unternommene allgemeine deutsche 
Biographic, deren Redaction sich Freiherr vonLiliencron unter- 
zogen hat, wird im nachsten Jahre in die Oeffentlichkeit tret en. 
Der Druck des ersten Bandes, welcher im Wesentlichen durch den 
Buchstaben A. ausgefiillt wird, beginnt Neujahr 1873. Wie zu 
erwarten stand, hat das Unternehmen die allgemeinste Theilnahme 
gefunden. Die Zahl der Mitarbeiter ist auf iiber 200 gewachsen, 
und unter ihnen finden sich die Namen der hervorragendsten 
-Historiker aus alien deutschen Land era. DasWerk, dessen rasche 
Vollendung gesichert ist, wird sich jedem Gebildeten eben so nfltz- 
lich erweisen, wie es zugleich als ein glanzendes Ehrendenkmal 
dastehen wird, welches durch die hochherzigo Fursorge der bayeri- 
schen Kdnige fiir die historischen Studien dem deutschen Volke 
errichtet wurde. 

14) Diejenigen Vereine und Herren, welche den I. Band des 
Archivs fiir Hohenlohische Geschichte bereits s. Z. durch mich 
erhalten haben, ersuche ich, sich behufs der Uebersendung des II. 
Bandes an mich zu wenden. Diejenigen aber, welche den I. Band 
durch f Director Albrecht erhalten haben, bitte ich, sich deahaib 
an Herrn Domanenrath Preuner in Oehringen zu wenden. 

Kupferzell im October 1872. 

Fiir8t zu Hohenlohe-Waldenburg. 

15) In der Hahn'schen Hofbuchhandlung in Hannover ist 
soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen : 
Grotefend, Dr. H., Handbuch der historischen Chronologie des 

deutschen Mittelalters und der Neuzeit. Quart, geheftet 3 Thlr. 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A* v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Oedraokt bei U. E. Be bald in Ntimberg. 



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■irnbare;. Dm ▲bonnament dtt Bla*- 
tM, welebee alia Monate ereoheint, wird 
gaaajihrlg angenonunen and betrigt n*oh 
tor neaeiten PoeteonTention bei alien Poet- 
taftera and Bnehhandlnngen JD§ut»chJand$ 
inoL Oeiterreicna 3 fl. 80 kr, im U fl.-Fale 
Oder S Tblr. prenla. 

For Fnmkr e k k abonniart man in 
Ptrii bai der daataoban Buennandlang Ton 
P. Klinekeieek, Nr. 11 rna da Lille; far 



MZEIGER 



England bei Williama A Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street GoTent - Garden in London; 
for Kord-Ameriha bai dan Pottamtern Bra- 
man and Hamburg. 

Alia for daa garman. Maeeom be- 
■tinunten Sendungan auf dam Wage daa 
Bocbbandels werdan doroh dan Oommit- 
■ionar der literar. - artitt. Anttalt das Mu- 
eaomi, F.A. Brock haat in Leipaig, ba- 
fordert. 



FDR Kl \HE DER 





Neue Folge. 



Neunzehnter Jahrgang. 



1872. 



ORGAN DBS GERMANISC HEN MUSEUMS. 

JW 11. 




Wissenschaftlicbe Mittheilnngen. 



Eine yenetianische Urkunde im Archly des germa- 
nischen Museums. 

Der Gate des Antiquars Herrn Pickert verdankt das Mu- 
seum eine Urkunde, welche zwar Deutschland nichts angeht, 
aber doch erwunscht ist zur Yergleichong mit einheimischen 
Urkunden in Bezug auf Form und Schrift. Aus ltalien, wo 
tod alte'n Zeiten her sehr viel geschrieben ist, und wo der Ge- 
brauch des Pergaments nicht in so hohem Grade, wie in Deutsch- 
land, durch das Papier beeintr&chtigt wurde, werden fortwfth- 
rend viele Urkunden verschleppt, und man findet deren manche 
in Forth. Selten aber sind sie von so hohem Alter wie die 
Torliegende, welche im M&rz 1052 ausgestellt ist ; die Indiction 
ist irrthttmlich als die sechste angegeben : es soilte die funfte 
sein. Die Form ist fast quadratisch, das Pergament nach 
italienischer Weise nur auf der inneren Seite weifs, aufsen gelb- 
tich. Die Schrift reicht ganz bis an den Rand ; sie unterschei- 
det sich nicht yon gewOhnlicher Btlcherschrift; nur in der letz- 
ten Zeile bai der Notar einige Schndrkel angebracht. Sein 
Zeichen enthalt die Buchstaben NOT mit einigen Kreuzen. 

Abweichend yon deutscher Sitte jener Zeit ist die Aus- 
ateUung durch einen Notar, und wol nur in ltalien war es in 
Jenem Jahrhundert mOglich, dads Zeugen aus dem Laienstande 
selbst unterschrieben; dort aber, und gerade in Yenedig, ist 

68 h&Qfig. 

Den Inhalt der Urkunde bildet der Yerkauf eines Grund- 
stftcks durch die Doppelgemeinde Chioggia (maggiore und mi- 
nore) an einen Bewohner des benachbarten Brondolo; vertre- 



ten ist sie durch ihren Gastalden Joh. Petro (d i. Peters Sohn) 
Centraco, den wir vielleicht zu den Petrus und Joh. Centra- 
nicus stellen dttrfen, welche in dem 997 unter dem venetiani- 
schen Adel abgeschlossenen Frieden bei Romanin I, 386 vor- 
kommen. Ebenda finden wir auch einen Dominicus Saponarius, 
und da wir den zweiten Zeugen wol zu der Familie der Fos- 
cari rechnen dttrfen, so sehen wir also, dafs vornehme Vene- 
tianer zu diesem Geschaft nach Chioggia gekommen waren. 
Was hatte sie dazu wol vermocht? Darttber gibt uns eine, 
etwa dem 17. Jahrh. angehOrige Inhaltsangabe auf der Rttck- 
seite Aufschlufs, wo der Yerkauf des Grundstttcks berichtet ist 
„positi ubi erat monasterium Bronduli, antequam edificatum 
fuisset". Es wird also dieser Kauf der erste Schritt zur Grun- 
dung eines Elosters gewesen sein. In dem jetzt verschwunde- 
nen Brondolo bestand ein viel ftlteres Michaeliskloster ; man 
zeigte aber noch im vorigen Jahrhundert unter dem Wasser 
die Mauern eines Nonnenklosters, welches nach Chioggia ver- 
legt war. Dafs dieses hier gemeint sei, daftir spricht die Rub- 
rik Chioza auf der Ruckseite der Urkunde. Dieselbe ist also 
nicht unwichtig; sie gibt zugleich eine httbsche Probe von dem 
ganz verwilderten Latein der italienischen Notare ; und so mOge 
denn hier ein Platzchen ihr gegdnnt sein. Die Orthographie 
und lnterpunction ist unver&ndert; nur die Eigennamen mit 
grofsen Anfangsbuchstaben versehen. Bemerkenswerth ist, date 
die Zeugen nur mit den einfachsten Namen bezeichnet sind, 
die geuauere Bestimmung aber, die allerdings gar nicht zu ent- 
behren war, sogleich hinzugefugt wurde. 

f In nomine domini dei et saluatoris nostri Ihesu Christi. 



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339 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



340 



Anno ab incarnacione eiusdem redemtoris nostri mill, quinqua- 
gesimo sec. mense marcio indie, sexta in Clug. Scribere ro- 
gauimus Dominicum presb. et notarium banc paginam docum- 
menti. Nos quidem Job. Petro Centraco gastaldo amboram 
Clug. pariter com toto populo amborum Clog, cuius pertinen- 
ciis pertinet per antiquis temporibus per possessionis parento- 
rum suorum. ad maximo usque ad minimum, cum nostris here- 
dibus uenditores. qui banc cartam tradidimus et propriis ma- 
nibus subter adsignauimus testibusque subscribere uel signum 
sancte crucis fieri rogauimus. Ipsos presentes adstantes michi- 
que dictantes. set in omnibus condicionibus que adscripta le- 
guntur consencientes. Constat enim nos quidem ab hod. die 
sub dupla rei. distraxisse. distraximus. uendidisse. et uendide- 
mus. adque tradidisse. et tradidemus. hoptime et absolute, abs- 
que omni reprehensione. Uobis Martino filio Johanni da Sil- 
ua. et habitatori in Brundolus. et tuis heredibus comparato- 
rem improprium. et adheredibus banc (d. i. ac) proheredibus 
sen posterisque uestris profuturum possidendum. hoc est una 
pecia de terra, uel palude posita in loco qui dicitur Brundolo. 
et ipsa terra uel palus nobis aduenit per possessionem paren- 
torum nostrorum per antiquis temporibus. Extendente ipsa 
prenominata terra, uel paludem. In longitudinem suam habet 
pedes septuagintaquinque. de latitudinem suam nolumus earn 
mensurare. quia non est nobis neccesse. Set tamen a quibus- 
que partes mittimus capites et lateres. idest uno capite in calle 
publica. alio capite firmante in riua deffossa de Brundolo. Uno 
latere da parte horientis firmante in nos uenditores. alio latere 
da parte meridiana firmante in Donada mater tua. Una cum 
introito. et exito suo. per terra, et per aqua, et cum uia sua 
heundi et redeumdi. et cum omni suo uigore. et robore. sicut 
ad interiores (sic) nostros parentes. uel et ad nos possessa fuit. 
Ita tibi superscripto Martino. in omnibus tibi tradidimus po- 
testatem possidendum. habendi tenendi. uendendi. donandi. com- 
mutandi. possidendi. dominandi. aut quicqUit tibi placuerit fa- 
ciendi. nullo tibi hominem contradicentem. non propincum ne- 
que extraneum. precium autem placitum banc diffinitum. seu 
receptum. adque completam. de te. aput nos. per omnia habe- 
mus. Idest dinr. exmeratos mancusios. tres et medio tantos. 
et nichil exinde remansit. quod te amplius requirere debeamus. 
Quod si cocunque tempore a nobis, uel a quibuslibet personis. 
pulsatus. aut euictus. exinde fueris. et te minime stare et de- 
fensare noluerimus ab omnibus questionantibus uel calumnian- 
tibus hominibus qui te de superscripta terra, uel palude. ex- 
pellere uoluerit. ex parte uel ex tota. tunc superscriptum pre- 
cium una cum omni melioracione ipsius rei. duplo cum nostris 
heredibus tibi et tuis heredibus restituere promittimus. et in- 
super componere auro libras quinquc. et post soluto prostimo. 
hanc docummenti paginam man. in suam plenissimam firmita- 
tem. f Signum manibus superscripts Johs. Centraco. et ga- 
staldo amborum Clug. pariter et cuncto populo amborum Clug. 
cuius pertinenciis pertinet per antiquis temporibus per posses- 
sionis parentorum suorum qui hanc fieri rogauimus. 



(Notariatt- 
seichen.) 



f ego Johannes testis sub- 

scripsi. 
f ego Johannes testis sub- 

scripsi. 
f Signum man. Stefano 

testis. 
f Signum man. Martino 

testis, 
f Signum man. (vacat) 

testis, 
f Ego Dominicus presb. et notarius 
Heidelberg. 



idest Johannes Saponarios. 

Johannes Fuscari 
de Riuo alto. Stefeno da 

Calle. Martino 
fil. Felix Pitullelo. 



compleui et roboraui. 
W. Wattenbach. 



Narrenleihen. 

Zu jener kulturgeschichtlich merkwttrdigen Sitte brachte 
der laufende Jahrgang des Anzeigers Sp. 124 f. ein Beispiel 
aus Suddeutschland von dem Brandenburg - Ansbach'schen Hofe. 
Ein nicht weniger charakteristisches aus demselben 16. Jahrh. 
kftnnen wir dazu vom Harze beibringen, das sich in den Haupt- 
zttgen auf s nftchste mit jenem etwas ftlteren bertthrt 

Christoph, Graf zu Stolberg, Dompropst zu Halberstadt, der 
als der jungste Sohn Graf Bothos des Gluckseligen, des geschicht- 
lich hervorragenden Erwerbers der Kbnigstein'schen Erbschaft, 
am 9. Januar 1524 geboren wurde und am 8. August 1581 ver- 
starl), verwaltete l&ngere Zeit geistliche Wurden, und w&hrend 
ihn die Rucksicht auf diese, wie er sich noch am 20. Januar 
1579 gegen seinen Bruder Graf Albrecht Georg erkl&rte, ver- 
hinderte, sich zu verm&hlen, so unterhielt er dagegen mit gro- 
fsem Interesse nach der Sitte jener Zeit einen Hofnarren mit 
Namen Ebold oder Ewald*). 

Diesen Narren hatte er seinera Neffen Ernst, Grafen zu 
Regenstein, dem Sohne seiner Schwester Magdalena, geliehen, 
Da Graf Christoph aber seit 1574 die mit seines Bruders Gr. 
Ludwig's Tode an ihn gekommene Regierung der Grafechaft 
Kdnigstein in der Wetterau angetreten hatte, so wollte er sei- 
nen Narren wieder zuruck und urn sich haben. Hierbei diente 
ihm sein am Harze lebender Neffe, der junge Graf Botho zu 
Stolberg (geb. 19. Decbr. 1559, f 21. Septbr. 1583) als Ver- 
mittler. Seine Bemflhungen waren aber, wenigstens zun&chst, 
vergeblich ; denn nachdem Graf Ernst zu Regenstein am 17. Feb- 
ruar 1581 gestorbeu war, wollte dessen Wittwe Margaretha, 
geborene v. Schdnberg und Grfcfin zu Solms, die noch im Jahre 
1594 die Verwaltung des von ihrem Sch wager Graf Botho ihr 
uberlassenen Schlosses Blankenburg fuhrte, diesen ihrer ErgOtz- 
lichkeit dienenden Menschen nicht lassen, gerade so wie in 
einem gleichen Falle die Markgrftfin Susanna. Sie hob horror, 
ihr verstorbener Gemahl habe ihr den Menschen noch kurx 



*) Auf8en ist auf dem gleich zu erwahnenden Schreiben aus 
K6nig8tein vom 6. Mai 1581 bemerkt: „Ebolt nar". 



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341 



Anzeiger far Kunde der deutschen Vorzeit. 



34* 



tot seinem Ende anvertraut. Der Neffe berichtete daraber 
aiu Stolberg den 26. April 1581 (praesent Kftnigstein, 3. Mai) 
dcm Dompropst, seinem Oheim : „Was anlangett den narren, 
hab ich der yon Regenstein den briff zagestaltt, hab aber noch 
kein an(wortt. sie hat sich wohl vornehmen lassenn, ihr herr 
bett ihn ihr an seinem ende bevohlen, derowegen kttntt sie ihn 
die zeitt ihres lebens nicht von sich lassen. ich hoff aber doch, 
ich wil sie noch bereden." 

Graf Christoph berohigte sich aber dabei nicht and schrieb 
etwas angehalten am 5. Mai, also zwei Tage nach Empfang 
des Briefes seines Neffen, an diesen zurttck: „Den Narren be- 
langendt, do bitten wir freundlich, E. L. wOllen nochmaln bey 
der von Reinstein anhalten, das, do J. L. vns denselben zu- 
schicken bedacht, das J. L. vns denselben baltt schicken wftllt- 
ten, den sonsten er vns villeicht nitt finden warde. vnd mOch- 
ten J. L. alsdan mitt demselben [wohllustig] *) machen, was 
sie wOllen vnd was denselben wohJgefellt. doch soil es vns 
eine warnung sein, keinen Nam sobalt wider zuuer- 
leihen." 

Der weitere Erfolg von Graf Christoph's Bemtthangen ist 
nicht bekannt ; ein Vierteljahr sp&ter gieng er mit Tode ab. 

Wemigerode. E. Jacobs. 



*) Das eingeklammerte Wort ist im Entwurf des Briefs durch- 
gestrichen. 



Wagenbur g. 
*Von des Zugs wegen gein Behem. 

Cznm ersten ein gantze genugfertige wagenborg zu voller 
Richtigkeit aoffgantzen ernsten gehorsam alles volkes in alien 
Ernsten krieges geschefften. 

Regirer alle 
gennug than. 
Aach ein sanderliche schyckang vnd aach gar ein rich- 
tige rottirange alles Reysigen tzeuges neben der wagenborg 
ftb vnd za zakomen. 

Alle haaptleate 
willig sein sullen. Getzelte. 
Sanderlichen aach ein natzliche fttrsichtigkeit wie man 
sol prot, pier, ftttteronge vnd notdurfft mit gatem Rate er- 
kriegen vnd gewinnen vnd dabey gantze sicherheit zu haben. 
Pest bewarn 
Gelt enthallden. 
Es ist aach za wissen. welcherley gerete ein yeglicher 
8treytwagen sanderlichen haben sol zu solchen ernsten krieges 
geschefften die yetznnd gegenwttrttig sein vor angen inn landen. 
Ein teyl in der 
Feinde lande. 
Ein yeglich Streitwagen sol haben funf starke pferde vnd 
zwen richtig wagenknechte vnd fittnff ledig reitsetel, sechs Hant- 
pflchpen, ye drey pnchsen za eym schafee. 



Setztartschen 
tJbrig geweren. 
Aach sol sein dabey drey ketten Eine xxv ein langk, Eine 
x ein langk, vnd eine drey ein langk vnd aach kratze hawen 
exte grabscheyt schawfeln eyserein stangen pickel fewstel, 
Schw, eyserein pretnagel vnd hespen. 

Laufgraben mit pflngen. 
Dabei sullen aach sein bei yeglichem Streytwagen xxj per- 
son, ein Czimerman ein Maurer ein Steinmetz, ein Sniit, 
ein wagner, ein gestellmacher, vnd ein pergkknapp, ob man 
mag gehaben aach fttnff werhafftig auf die wagenpferde, vier 
zon pttchsen vier mit Armbrosten, vnd aber die xxj ein haubt- 
man za einem wagen. 

Hogcken mit leynen vnd graben fallen. 

Sfllch werklewte hie aber benent werden, die sullen bey 

jn haben yeglicher seinen Werckgezeuge harnasch sein gewer 

aJs vil yeglichem not ist zu haben auff sulch ernste gescheffte 

zufurdernusse. 

Mer wagen zu gewinnen. 
Als gehorn sulcher Streytwagen fttnff zu einem gelyde 
vnd derselben wagen vier svllen dem funfften oder seinem 
haubtman gehorsam sein. Sulcher gelide fttnff machen einen 
punt, das sy dann xxv wagen, dy gen nach einander an einer 
zeylen. 

Zeichen Spitzer reyter 
Sulcher punt vier die machen dann ein Recbte schickung, 
das sein ein hundert streytwagen vnd die geen neben einander 
in vier tzeilen vnd yeglicher pant hat seinen uberhaubtman, 
dieselben vier haubtleute haben dann einen sanderlichen ttber- 
haaptman vber die gantze schickunge der selben hundert streyt- 
wagen etc. dy haben iij M (2500) Volkes. 

Banyr gleichen teyl. 
Ein sulch gantz schickung sol haben ein Richter mit vier 
schOppffen vnd einen verstaden prediger. Ein yeglich punt 
sol haben einen richtigen Capplan. Ein yeglich gelid sol ha- 
ben ein eigen gezelt oder ein gesperre. 

Auff vier geschycke x M volkes. 
Sulch hundert Streytwagen sullen auch haben hunder 
speifs wagen die sullen auch in sunderlicher schyckunge geor- 
diniret sein mit sanderlichen haaptleaten geleych den streyt- 
wagen. 

Reyten dabey. 
Bey denselben Speyfswagen sullen sein pierprewen, meltzer, 
mttlner, Becken, Botener genug, mader, drescher, snytter aller 
teyl genugck sein, zq schaffen mttlwerck vnd prewpfannen. Das 
mufs man beschern in steten merckten vnd auff Slttsser, dy dann 
werden gelegen sein. 

Stercken Pest 

Meren Gleichen teil 

Auch mancherley tarras, schyrmen and gat hantwerk zum 
stormen, die werden wir dann aufsrichten im Felde so die 
here zusammen komen werden, das also yegliche der here mit 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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fursichtigkeit mSgen zugeen gegen den feinden vnd dabey sicher 
beleyben. 

Hantwerck zu v s boren 

Auch sulde ein yecklich glid besunder haben ein Stein- 
ptichsen oder Tarraspuchsen aaf ein halben wagen mit zweyen 
pferden vnd ein yeglich pnnt ein Steinpuchsen anf einem wa- 
gen mit fttnff pferden, vnd ein gantze Schickunge mit hnndert 
w&gen ein grofs Steinpuchsen mit xvj, xviij oder xx Pferden. 

Pulver, Steine 

Netze, Spesse, Getzelte. geiott genunck. a 

(Dieser Auschlag zur Wagenburg mit sammt den Bemer- 
kungen hiezu ist von einer Hand geschrieben. Die Bemerkun- 
gen sind von einem wohlerfahrenen Kriegsmann, der wahrschein- 
lich in einem der vorhergehenden Zttge die Einrichtungen der 
Wagenburg Ziska's kennen gelernt hatte.) 

Den vorhergehenden Anschlag erlftuternd, erscheint gleich- 
zeitig und von derselben Hand geschrieben das zweite Document. 

„Eine gantze Rechtvertige Wagenburgk zu Erustlichen krye- 
gesgescheflEten, dy sol haben in yeglichem Geschicke hnndert streyt- 
wagen wol angericht. Bey solchen hundert streytwagen sul- 
len geschycket sein zway tausent fufsvolkes, vnd funfhundert 
mit reysigen Pferden vnd bei jeglichem Wagen sullen bleyben 
nach snlcher schickunge zwantzig fnfsvolkes, vnd yeglich Streyt- 
wagen soli haben fttnff starcke wagenpferd mit iiij starcken wer- 
hafftigen wagenknechten, dy sullen iren Harnasch haben bey In 
auf iren Wagen. 

Auch sullen bey yeglichem wagen aufs den zwintzig fufs- 
gengeln fttnff starcke Menner jeglicher sein Harnasch bey im 
auf dem Streytwagen haben, vnd dabey funff ledige Sattel auff 
dy wagenpferd zu werffen, so es wurde not thun. Also sul- 
len auch bey yeglichem sein vnder den zweintzig fufsgengeln ein 
zymerman, ein steinmetze, ein mawrer, ein smid, ein pergknappe, 
ein Wagner, ein geschirrmeister, zwen pttchsenschyfser vnd ett- 
lich Armbrostschtttzen, der jeglicher sol bey im haben sein 
wergkczeug, vnd dabey seinen harnasch vnd sein gewere be- 
sundern. 

Auf yeglichem Wagen sullen auch sein zwu gute axte oder 
mer, cratzen oder hawen, grabscheyt, schaufeln, keylhauen, py- 
ckel, genrsfiifs, feustel, eiserein Stangen, Guter kethen vier Trage. 
Eserein schwh. hespeln, pretnagel vnd auf yeglichem streytwa- 
gen : sechs hantpuchsen , vnd je zu eim schufse drei puchrsen. 
Auch sullen bei sulchen hundert streytwagen, hundert speyswa- 
gen geschicket sein gleych den streyt wagen mit ihrer sunderlich* 
schyckung durch eygne Hauptlewte. 

Auch sol ein yglich streytwagen besunder vnder seinen 
zweintzig mennern ein eygen haubtmann haben vnd fttnff 
wagen das ist ein glyd. dy steen einem besunderen hauptmann 
zu gehorsam, vnder in selbs, vnd also machen fttnf glyd fttnf 
vnd zwaintzig wagen dy geen nach einander in einer zeylen. 
sulcher bunde vier geen in vier zeylen, dy haben vier ober 
Heupleute, vnd dieselben vier hauptleute dy haben aber tiber 



in ein oberhauptman mit eim rothen Phann. Der ist dam 
uber hundert streytwagen. 

Also sein die selben hundert Streytwagen eine rechte voile 
Schyckung auf dritthalb tausent volkes, oder die fttnffhundert 
reysigen pferde, dy in sulche schyckunge mit eingeh6ren, dy 
haben audi ire sunderliche Rotten mit sunderlicher reygieruog 
neben dem fafevolke in derselben wagenburgk zu bleyben, oder 
aufs der wagenburgk zu Rucken als offt es not thun wurde 
mit einr nachvolge der funfhundert wagenpferd, dy dann auch 
reysig geschickt wttrden, als oben begriffen ist 

Auch sol yettlich glid haben Ein kleine Steinpttchfsen auff 
eim halben wagen zu fttren mit zwayn pferden, sunderlichen 
so sol in yeglichem glyd ein Erberger priester geschyckt sein. 
Dy vorchte gotes und den willigen gehorsam im volke zu be- 
stetigen. Auch tet wol not, das ein yeglich glyd ein sunder- 
lien eygen gezelt haben mOcht Fttrbafe mer das ein yeder pundt 
sol haben eine besunder grofse Steinpuchsen zu fttnf oder 
sechfs pferden, vnd also fugte sich wol, das ein gantze schy- 
ckung mdcht haben ein rechte grofee SteinpUchse zu acht- 
zehen oder zu zwaintzig pferden. umb willen reenter ernstlicher 
hauptstttrme zu Slossen vnd zu steten. 

Durch willen grofser vnd merer gotlicher erkentlichkeyt 
in gutem willen und rechtem fttrsatze alle wercke der gescheffte 
ernstlichen zu volbringen tutt wol not, das in yeglichen geschyck 
ein williger vnd verstendiger prediger zu gegeben werde zu 
merung der seligkeyt in dem volke gotes vnd auch das in 
einem yeglichen geschicke ein richter mit vier schflppffen ge- 
setzt und von den obersten hauptleuten bestetigt werde umb 
willeu der mutwilligen vnd bofshafftigen alle vnredlichkeyt zu 
stOren. Sunderlich vnd zu voran vor alien Dingen, das der 
Dinst gotes in ernster vorchte vnder allem volke ordenlichen 
bestetiget werde, gote zv lobe und ailer Cristenheyt zu gute. 44 

Beide Documente sind dem Nurnberger Archive (S. I, 
L. 212) entnommen und mit einer dem 17. Jahrhundert ent- 
stammenden Aufschrift versehen : „ Alte fragmenta historica von 
denen Geschichten Kftnigs Wenceslai in BOhmen, wobey eine 
Beschreibung einer vollkommenen selbiger Zeit gebrauchten 
Wagenburg mit ihrer Zugeh&rung." 

Mttnchen. Wttr dinger. 



Zwei Jagdgewehre mit reicheingelegten Schaften in 
der Waffensammlmig des germanischen Museums. 

Gewisse Dinge sprechen auch ohne viele Worte durch 
sich selbst. So haben wir auch heute unsern Lesern aus den 
Schatzen des Museums zwei Gewehre vor Augen zu ftthren, 
tiber die wir nur wenig zu sagen haben, was nicht auch sons! 
von einer Reihe von Exemplaren sich sagen liefse. Das eine 
(Fig. 1) ist aus dem Schlusse des 16. Jahrbunderts ; es tragt 
zwar keine Jabreszahl, stimmt aber in der Hauptform der 
Schaftung so genau mit anderen ttberein, welche Zahlen vom 
Ausgange jenes Jahrhunderts tragen, date ttber das Alter des- 



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oucnsenscnaiter jener z>eit ana aer nacnsten janrzennae iur net von aer in *ig. o em muster gegeoen ist. uie umiage 

ibre Ornamentik ausgebildet batten , doch im Einzelnen von ist von Elfenbein and Perlmatter. Das Wappen ist das Buech- 

grDrserem, wirklich kunstlerischem Formenverstandnifs zeagt. heim'scbe. Ob die Zahl unter demselben eine Jahreszahl be- 

Wir geben in Fig. 2 and 3 einige Theile dieser Einlage. Das zeichnet — etwa 1603 — bleibe dahingestellt. Es kann aoi 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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dieser Zeit stammen, obwohl genau dieselbe Schaftform, wo- 
bei namentlich die gr6fsere Breite der zum Anschlage an 



dalt heft hern Huprechte Schenken van Kuleoborgh *) and he- 
vet em genomen er ande recht, eghen and lehen and kundi- 



Fig.4. 




die Wange dienenden Flftche auff&llt, noch an den Gewehren 
vom Schlusse des 17. Jahrb. sich findet. 

Nflrnberg. A. Essenwein. 



Kammergerichtliches Urtheil gegen Haprecht yon 
Cuilenborg. 1346. 

Der kaiserliche Eammerrichter Graf Ladwig von Oettingen 
theilt dem Bischofe Ladwig von Monster die im Eammerge- 
richte zu Nurnberg uber dessen Lehensmann, den Edelherrn 
Haprecht Schenk von Cuilenborg and dessen Aogeborige aas- 
gesproehene Reichsacht mit. Nflrnberg, 21. Juli 1346. Ab- 
schrift in einem Copiare des Munsterischen Domkapitels. 

Wi Ludwigh Greve van Ottingen de iunghe sethen tho 
gherichte to Nurenberghe in unses heren stat des Romeschen 
Eeysers Ludwigs and enbeden eynen erwirdegen vorsten by- 
scop Ludwige van Monstere unsen groot und al gnth. Wy dot 
in kund, dat unse vorgen. here de Eeyser verordelt und ver- 



chet sin eliche werdinnen tho eynre wedewen und sine kynd 
to wesen unde heft ene looft den vyenden und verbuit ene 
den vrenden, wante Jacob van Scoonenberghe kemplyke up 
ene verclaget heved als recht ys dar amine, dat he an dat 
Ryche geraden heft**). Dar urame embede wy in van 
gerichtes weghene unde van unses vorghenomden heren gewalt 
des keysers, dat gy denselven heren Huprechte Scenken vor- 
baz nicht mer husen noch hoven und ene nyden und myden 



*) Derselbe erscheint mit seinem Sohne Johann [1342 and] 
1344 urkundlich als Inhaber der niederl&ndischen , an der Grenze 
des Bi8thum8 Munster belegenen und von diesem lehnruhrigen 
Herrschaft Werth nach dem Aussterben der fruheren Besitzer der- 
selben, der Herren von der Leek e. Lacomblet, U.B. HI, Nr. 389, 
415. 

**) Mithin wegen Reichsverraths. Yielleicht steht dieses £r- 
eignifs in Verbindung mit der sich im Jahre 1846 immer xnehr 
hebenden Bewegung gegen Ludwig von Bay era, die am 10. Juli 
1346 zu der Wahl des Gegenkonigs Earl IV. fuhrte, und kann Hop- 
recht von Cuilenborg sich yielleicht im Dienste des gegen Ludwig 
besonders thatigen Erzbischofs Walram von Eoln befunden baben. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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lasset alle de iuwe in alien steden, vesten and gerichten als 
eynen vertalden and verordelden man. Ir solet ok den vor- 
genomden Jacob van Sconenberge beschermen nutlyken unde 
trnwelyke and erne bebolfen syn ap des overgenomden hern 
Huprechtes Scenken lyf ang gfith, wan hee id an uch vordert. 
En doit gy des nycht, want id em vor ans mid gesamenden 
ordele vordalt ys men richtet dar van to in, als rechte were. 
Dessen orknnd gheve wy erne mid ordele dessen breef verse- 
gelt mittes hofgericbtes Ingesegele. anno domini m°. ccc°. qua- 
dragesimo sexto feria sexta ante Jacobi apostoli. 

Aaf8chrift im Copiar: Dampnatio proscriptionis Huperti 
Scenke per iudicem Imperatoris facta Narenberghe. 

Munster. Dr. Saner. 



Ein altes Repetiergewehr. 

Unter den Aktenstucken, welche das steiriscbe Landes- 
archiv aus dem Archive der Herrschaft Obernbnrg ttbernommen 
hat, befindet sich auch nachfolgende Beschreibuug eines Repe- 
tiergewehres, welche der Erfinder Balthasar Gerolt von Ge- 
genhofen im Jahre 1647 an den Laibacher Ftlrstbischof Otto 
Friedrich Grafen von Bachheim gesendet hatte. 
„Bericht dep Ladens. 

Erstlichen sollen die Rohr sauber au(J gepaczet werden, 
al(Jdann der obere Schwandtschrauben (!) heraa(J geschraufft 
vnnd ein Ladst6ckhen gleicher Gr6(3e darein gestdckhet wer- 
den, aljidann mue(J mann die vnntere ROhren den Prant laden 
bip auf den Absacz iuste darait mann mit einer Raumbnadel 
iadiciern khann, Wann dann der Prandt wie bewupt gesdczt 
oder geladen ist, raumet man mit dem H&ckhlein dap mann 
dann nothwendig haben muep die ZindtlOcher von hinden her 
des Schwandtschraafens sauber aup, welches daramb beschicht, 
dap eiu yeder SchusP desto gewiper sicli erzindet. Wann di- 
ses auch beschehen, aipdann schraufet man dap Rohr zue vnnd 
fanngt einen Schusp nach dem annderu mit gerechter Ladung 
anzuladen vnd khann mann gleich merckhen an dem ersten 
Schusp wann mann nit dem Hackblein hineingreifft, ob e|5 auf 
das Centrum zutreffe ; wann man dann dessen gewip ladet mann 
einen Schusp mit dem Pilaster vnnd kugel einen wie den an- 
dern vnd letzten ladet man auf den Prandt auch ebenmespige 
Ladung wie einen andern Schusp doch ohne kugel, wann mann 
will alleinig ein Papier darauf, letztlichen schraubet mann daz 
vntere kleine Schreifelein aup vnd raumet durch vnd durch 
mit einer Raumbnadl so ist mann dann gewisp ; in dem Yberi- 
gen procedieret man mit dem Pulfer aufschitten wie mit ann- 
deren gemainen Rflhren. 

Wann man aber nur ainen ainfachen Schusp laden will, so 
lasst man ein eissenes Stanglein machen, welches so lanng sein 
soil, dap e|i bip gleich an dap Zindtlockh (!) gehen soil vnd 
in die vnntere ROhren st5ckhet mann nur ein sates Ladtstockh- 
lein doch dap ep yber da|5 Zindtlockh gehe, so khann mann 



allzeit, wann mann sich yberschopen einen Schup laden vnnd 
schiessen gemainen Branch nach dap ain annderer nit thuen 
khann. Zur Nacbricht dises Ihr furstlichen Gnaden zugestellt 
den. .9bris 1647. 

Johaun Balthasar Gerolt von Gftgenhofen. der Zeit bey 
Ihren Gnaden Herrn Herrn von Rauchenstain zu Weinzierl 
nechst bey Ybs mich aufhaltendt, aldorten khdnden mir Ihre 
fttrstliche Gnaden befehlen vnnd schafen." 

Leider fehlen zur Stunde alle weiteren Anhaltspunkte, und 
es mufs daher unentschieden gelassen werden, ob je die Er- 
findung Gerolts praktisch erprobt wurde, oder nicht 

Graz. Dr. A. Luschin. 



Zur Geschichte der Befestigungswerke NiLrnbergs. 

Vertzeichnus der gebrechen vnd mangel, So sich bey dem 
Geschtttz vnnd Munition auff den Maurn vnnd Wehrn der 
Stat befunden, Die aus dem Zeughaus erstattet werden sollen, 
p. Herrn Jheronimupen Kressen, Moritzen Furer Actnm 29. 
Octobris 2. vnnd 3. Nouembris Ao. 1590. 

Bey alien Viertelhaggen (Die auff Rechen gelegt Worden) 
mangeln den MundtlOchern Zapffen, die Mdchten vff der Zeug- 
herrn befelch furgemacht werdenn, damit der Staub nit In die 
Ror falle, 

Item tzu den Zttndtern an alien Virtel vnnd Strewhaggen 
solle gesehen werden, welche zerbrochen oder nit genng sindt, 
Das solcher Mangel mit der besserung erstatt werde, 

Item jm anndern Pollwerck vnther dem Luginslandt vnnd 
Im Rundel ob dem Pachofen sindt Pleykugel Zu Pethstolln *), 
gehOrig, dern aber keiner In diesen Pollwercken, sonndern sindt 
Allein Virtelhaggen darinnen. steet zu der herrn Verordenten 
bedencken, ob man diese Kugel wechsseln, oder zu bemelten 
Pethstolln au h Virtelhaggen Kugel an dise ort thun solle. 

In das Rundel oder Pollwerck ob dem Pachofen soil ein 
Truhen Zur Munition gethun, vnnd dieselbig aus dem driten 
Pollwerk vom Laufferthor hinab. Zum einflufs genommen wer- 
den, dessen orts ein vbrige ist. 

Im driten Pollwerkh. Im Zwinger vnther dem Luginslandt, 
Mangeln Zwo Thunnen Puluers, 

Das Falckanetlein jm schwarzen Q solle gepruckt werden, 
dann es zu nider stehet, 

Wiewoln die Kugel auff dem Frawen Thor Thurn, vor 
eiu Jar verm&g dep Zeugmeisters seligen bandtschrifft ergenzt 
worden, so mangeln doch daselbsten 5. Pleyerner Falckanet 
Kugel. Davon will niemand nichts wissen, 

Item mangelt dits orts die Kugelleer. 



•) Pethstolln (so !), wahrscheinlich eine Andeutschung des boh- 
mischen Fremdwortes piStala, Rohr, Feuerrohr, wie noch schle- 
sisch: Bitscbole. Vgl. Anzeiger, 1871, Sp. 133, 88 u. Schmeller 
P, 412. Dr. Fr. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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In der Pastey Neben dem Frawen Thor ist kein Puluer, 
steet gleich wol dits orts etwas dumpffig, vnnd bey der Herrn 
Verordenten bedencken, Ob sie dessen dahin than lassen wdl- 
len, sind dits orts 2 Yirtel vnnd drey Strewhaggen, 

Vff dem Thiergartner Thurn beschwern sich die Thnrner, 
das das Kemmeriein darinnen die Munition fruhen steet, ver- 
sperrt ist, dardurch sie bey den kurtzen finstern tagen am 
liecht zu der Thar, da man jnen jr essen vnd trinncken hin- 
ein langt, vnnd auch gehindert werden, Das sie jn der nidern 
nit an die gassen sehen khonden, Biten derowegen die Trohen 
hinauff zom Geschtitz znsezen, Das khOnd auch wol geschehen, 
vnnd stehet bey der herrn Verordenten bedencken, 

Vff dem Newen Thorthurm sind 19 Pleykugel Die sind 
zu gros zum Falckanetlein, vnnd zu klein zum Falckauuen, 
sollen daselbst hinwegg vnd jnns Zeughaus gethun werden, Vff 
dem Schleyr Thurn betinden sich 3. Centner ve(Mein, vnnd ein 
wendlein vol Puluers, welches Puluers dits orts Zu vil ist, sol- 
len die Zwo Thunnen oder Ve(Jlein herab vnnd Inns Zeughaus 
gethun, vnnd Zur teglichen aufigab gebraucht werden, 

Item Hans Schranner der eine Wechter vff der heimli- 
chen Wacht beim Ausflup, schencket Pier jn seiner Wohnung, 
vnnd sezet bei tag vnd Nacht Zechleut, Die vff den gang zu 
den Shosgattern kommen kdnden, wenn sie wSllen, steet bey 
der herrn Verordenten bedencken, Ob sie jme difl Pierschen- 
cken zulassen vnnd gestatten wOllen, \ 

Im Thurn mit dem Plobcn S. mangelt beim Falckanetlein 
Ein Ladschauffel, 

Im roten G. mangelt beim Falckanet der Wischer, 

Im rothen G Manglet auch der Wischer zum Falckanetlein 

Im Vorwerckh de(S Spitler Thors sind 170 Pethstolln Ke- 
gel steet bey der herrn Verordenten bedencken, Ob man die 
wechsseln vnnd Virtel haggen Kugel dahin thun wOlle, Die- 
weilln dits orts kein Pethstolln ist. 

(Aus der Original-Papierhandschrift iu der Bibliothek des 
german. Museums, Fasz. 7090, Nr. XLIII.) 



Alte Sprttche # ). 

Mein V in mier, deil ich mit dier, 
brichji ich an dier, so rech|$ Gott an mier, 



fergieji ich dein, so fergefi Gott mein, 
da|} soil vn(Jer beder ferbintnup sein. 

Vlrich Graff zu Sultz, 1640. 

Anna Katarina Greffin zue Sultz ge- 
borne Greffin zue hohen Emb(J. 



Graz. 



Ich leb vnd wei(J nit wie lang, 

ich stirb vnd wei(J nit wan, 

ich far vnd wei(J nit wohin, 

raich wundert, da(3 ich so frelicb bin. 

Anno 1644. 

Vlrich graff zue Sultz. 

Glickh kombt offt, 
da|i man nit hofft, 
aber vil mehr 
kombt vnglickh her. 

Geschriben den 26. Jafiy (January?) 

1650. 
Vlrich Graff zue Suelzt. 

Zahn. 



Alte Sprttche. 

(Aus der Miscellanhandschrift 28,670 4° des germ 

Ich sage gantzlich ab . . 
Luthero bi|J ins Grab . . 
Ich lftugne und verspott . 
Des Luthers sein Geboth 



Ich hasse mehr und mehr . 
Der Lutheraner Lehr . . . 
Hinweg aus diesem Land . 
Was Lutherisch wird genannt 
Wer mit Luthero stirbt . . 
In Ewigkeit verdirbt . . . 



Mas.) 

Der ROmischen Lehr und Leben 
will ich seyn ganz ergeben 
die Mefs und Ohren Beicht 
seynd mir gantz sanfft und leicht 
all die das Pabstthum lieben 
hab ich ins Hertz geschrieben 
all ROmisch Brttderschafft 
schutz ich mit aller Krafft 
den Himmel der erwirbt 
wer Romisch bleibt und stirbt 



•) Eingeritst auf ein Feniter des Oratoriums der Pfiwr- 
kirche zu Murau in Obenteiermark. 



Wo Landsknecht sieden und braten, 
Die Pfaffen zu weltlichen Sachen rathen, 
Und die Weiber fuhren das Regiment, 
Da nimmt es selten ein gutes End. 

Wo die Richter schenken Wein, 
Und die Fleischer im Rathe sein, 
Und die Becker schfttzen das Brod, 
Da leidt die Armuth grofse Noth. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in K&mberg. 



Gedmckt bei U. B Bebald in Mflrnberg. 



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BEILAGE ZUM ANZEIGER FUR KCXDB DEB DEUTSCHE*? VORZEIT. 

1872. J* 11. November. 



Cbronik des germanischen Museums. 



Nurnberg, den 15. November 1872. 

Se. kgl. Hoheit Grofaherzog Friedrich Franz von Meklen- 
burg-Schwerin hat auf die Ruckzahlung eines ansgelosten Anle- 
henischeines des Museums a 500 fl., sowie der noch falligen Cou- 
pons zu Gunsten unserer Baukasse verzichtet und so diese, ob- 
wohl wichtige, doch immer noch schwache Easse wesentlich ver- 
fltirkt Ebenao hat der Hof-Buch- und Kunsthandler Sigm. Sol- 
dan dahier uns fur dieselbe Kasse ein Geschenk von 100 fl. zu- 
gehen lassen. Ein oft bewahrter alter Freund unserer Nationalan- 
stalt, Dr. Fr. Oetker aus Cassel, hat derselben ein Geschenk yon 
500 Thlrn. zugesendet, das wir gleichfalls dem Baufond zugewiesen 
haben. Allgemeinen Museumszwecken sind die unten verzeichne- 
ten namhaften Gaben der Herren Professor £. Dummler in Halle 
and Consul L. yon Ldfsl in Rio Grande de Bui gewidmet 

Wie wir hdren, hat ein yon uns alien bayerischen Distrikts- 
rathen vorgelegtes Gesuch um Bewilligung von Beitragen da und 
dort gunstige Aufhahme gefunden, und sind von denselben be- 
reits einige Beitrage bewilligt worden. 

Neben der Sorge fur das Fortschreiten der Anatalt im Allge- 
meinen mussen wir besonders auch die Verstarkung der Baukasse 
im Auge behalten; und so sind denn neuerdings verschiedene 
Schritte zu diesem Zwecke geschehen, von denen wir im nachsten 
Monat entsprechende Erfolge berichten zu konnen hoffen* 

Nachtraglich mitzutheilen haben wir hier den bereits am 
30. Juli zu Wiesbaden erfolgten Tod des Staatsarchivars Dr. Karl 
Bo 8 8 el, eines unserer Gelehrtenausschufemitglieder, dem das Mu- 
seum vielen Dank schuldet. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
nene Jahresbeitrage angemeldet: 

Von Gemelnden t Eisfeld. Stadtgemeinde 3 fl. Michelstadt 
Stadtgemeinde lfl. 

Von Privates s Bautzen. KarlJahn, Gerichtsrath, lfl.45kr., 
Dr. Kreufsier, Rektor u. Professor, lfl. 45 kr., Jul. Morbitz, Fa- 
brikbesitzer, lfl. 45 kr. Beilagriea. Brenkmann, k. Rentbeamter, 
lfl., Joh. Prinstner, Gutsbesitzer, lfl. 45 kr., Weifs, k. Bezirks- 
amtmann, lfl. Berghelm bei Llnz. Baron Victor von Pereira 8fL 
dOkr. CaiiMtatt Reyscher, Professor, 1 fl. (seit 1871). Csstsll. 
Bombard, Domanenamtmann, 1 fl., Dr. Parrot 1 fl., Wolff, Kanzlei- 
direktor, 1 fl., Wolff, qu. App.-Ger.-Assessor, 1 fl. Coblenz. Heinr. 
Landau, Kaufmann, 111. 45 kr. Conataitz. Vincent Sehn lfl. Eiolh 
stitt D Ludw. Buchner, k. Rentbeamter, 1 fl. Freudenatadt Friedr. 
Ettwein, Geometer, lfl. GBppingeti. Dr. F. Mauch lfl. Grading. 
Jak. Forster, k. Stadtpfarrer, 1 fl., Graf, k. Landrichter, 1 fl., Karl 
Merkle, Geometer, lfl., Andr. Muller, k. Notar, lfl., Jak. Zierer, 
L Posthalter, 80 kr. Gliben. B. Winkelsesser, Gymnasiallehrer, 1 fl. 
45 kr. HSohstadt a. A. J. Leipold, Pharmazeut, lfl. Hoheaatoia. 
Claurs, Kaufmann, lfl. 45 kr., Reiff, Kaufmann, lfl. 45 kr. Lelt- 
■trltz. Joh. Czepelak, k. k. Gypmnasialprofessor, 1 fl. 10 kr. Loba- 
dorf. Dr. Muller, Pastor, lfl. 45 kr. Lonnerttadt Dr. Jak. Sturm, 
prakt. Arzt, lfl. Melaingen. Ddbner, Baumeister, lfl., M. Rom- 
berg, Kaufmann, 1 fl., E. Roth, Kaufmann, 1 fl., Schaubach, Archi- 
diakonus, lfl. Mlobelatadt Joseph, Banquier, (statt fruher SOkr.) 
lfl., Siebert, Assessor, (statt fruher 30 kr.) lfl. Niraberg. Christn. 
Walter, SUdtvikar, Id. 30 kr. Olmtitz. Dr. Jak. Ebner lfl.l0kr., 



Phil. Lewin, lfl. 10 kr. Prossaltz. Eduard Beer lfl. 10 kr. R0- 
deahaaaea. Rappold, Pfarrer, lfl. Schelnfeld. Dr. Sieger, prakt. 
Arzt, lfl. Schmalkaldea. R. Fulda, Huttenbesitzer, lfl. 45 kr., 
Neubert, Bergdirektor, 1 fl. 45 kr., Frau Oberst Freifrau von Stein- 
Liebenstein, geb. Freiin v. Schlotheim, lfl. 45 kr. Staqtfal. Otto 
Koch, Kaufmann, lfl. 10 kr., C.F.Wernicke, Kaufmann, lfl.45kr. 
Weiboldahaaaen. Gust. Schneider, Pfarrvikar, 1 fl. Worms. Dr. Bie- 
der, Arzt, lfl., Dr. May, Arzt, lfl., Masuch, Major, lfl. Wflat- 
phil. Wilh. v. Lutzenberger 1 fl. , Reichsritter H. y. Mendel-Stein- 
fels 1 fl. Zippliagea. Heinrich Detzel, Vikar, 1 fl. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Von GemelBden t Gmanden. Stadtgemeinde 11 fl. 40 kr. 

Von Privaten : Halle. Dr. Ernst Dummler, Univers.-Profes- 
s or, 42 fl. Markdorf. Von 3 Ungenannten 42 kr. Rio Graade do 
Sal. L. von Lofsl, kais. deutscher Consul 88 fl. 20 kr. 

Unsern Sammluugen giengen ferner folgende Geschenke zu: 

I. Fur die kunst- und kulturgesohiohtliohen Samm- 

lungen. 

(Nr. 6750—6775.) 
Dresden. Dr. J. H ii b n e r , Direktor der kgl. Gemaldegallerie : 30 
Photographieen, Radierungen, Holzschnitte, Malereien nach Werken 
des Geschenkgebers u. Studien fur solche. Radierte Einlafskarte zur 
Gothefeier von 1849, nach E. Bendemann. — Eisftld. B.Schmid, 
Oberbargermei8ter : Karte des Bisthums Wdrzburg von H. G. una 
G. C. Jung. Karte des Sonnensystems von J. B. Homann. — 
Kaofbeuera. E. Schafer, Grofshandler : Franzos. halber Franc 
von 1808 und Berner Blappert. — Laagea-Kaadel. C. Jung, k. b. 
Notar : St. Galler Thaler von 1621. Strafeburger u. Mainzer Sil- 
bergulden vom 17. Jhdt. Pfalzischer halber Gulden von 1673. — 
Lercheabora. P. Haupt, Pastor: Verzierte Urnenfragmente. — 
MOachta. G. Nieberle's Kunstanstalt fur Oelfarbendruck : 14 Bl. 
landschaftliche Darstellungen in Oelfarbendruck. — NOmberg. E. 
Freiherr von Bibra: Ein Paar Castagnetten. Gustav Birk- 
ner, Marktvorsteher und Fabrikbesitzer : Schrankchen in Form 
eines Kastchens von Holz mit farbigen Seidenstucken verziert. 
2 Kupferjetons des 16. Jhdts. Geyer, Commissionar : Augsburg. 
Kirchenkalender von 1780 in grofser Kupfersticheinfassung. G eu- 
der, Antiquar: Photographic nach einer Prachtschussel von ge- 
triebenem Silber. Dr. me d. Meyer, prakt. Arzt: 36 kleinere 
Silbermunzen verscbiedenen Geprages, 17. u. 18. Jhdt. A. Reck- 
nagel's Verlagshandlung : Nurnberg, aus der Vogelperspective 
gesehen, Kupferstich von Loser. Aetzdruck desselben Blattes. 
Tummel, Buchdruckereibesitzer: Aelterer, auf einer Burg des 
Harzes gefundener Steigbugel. — Pleinfeld. Muller, Pfarrer: 
8 Silber- und 4 Kupfermflnzen ; 1 Messingjeton. — Rodolstadt 
Freiherr 01. von Schauroth, grofsh. hess. Kammerherr: 8 
bei Richmond in Nordamerika gefundene Pfeilspitzen aus Quarz. 
— Sonderthausen. G.Bertram, Antiquar: Gypsabgufs des sogen. 
Pustrichs. — Wittenberg. H. Ko I ling's Verlagshandlung: Bild- 
nifs des Lucas Cranach, Holzschnitt von C. Zimmermann. — Zlt- 
tau. G. Korschelt, Lehrer: 2 Meifsner Groschen. 

II. Fur die Bibliothek. 

(Nr. 28,987—29,278.) 

Aaraa. H. R. Sauerlander, Verlagsbuchhandl. : Rilliet , d. 

Ursprung d. schweiz. Eidgenossenschaft. 1873. 8. — Beriia. Mit- 

scher u. Roe tell, Verlagsh. : Hildebrandt, heraldisches Muster- 

buch; Lief. Ill u. IV. 1872. 4. G. vanMuyden, Verlagsh.: Ta- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



356 



bleau historique de la guerre Franco- AUemande. 1871. 8 Gebr. 
Pat el, Verlagsh.: Wernicke, die Geschichte der Welt; 5. Aufl., 
Lief. 41—60. 1872. 8. Verein fur die Geschichte Berlins: 
Ders., Schriften; Heft 5. 6. 1871. 72. 8. Berlinische Chronik, 
Bgn.24; Urkundenbuch, Bgn. 88— 49 etc. 1872. 4. Wiegandt u. 
Hemp el, Verlagsbuchh. : Hallwich, zur Geschichte des Teplitzer 
Thales. 1871. 8.— Bremen. G. Ed. Muller's Verlag: Elvers, Vic- 
tor Aime Huber; 1. Th. 1872. 8. Spiegel, Albert ftizaus Harden- 
berg. 1869. 8. Sonderabdr. — Breelau. G. P. Aderholz' Buch- 
handl. (G. Porsch): Braun, Handbuch f. die Geschichte der Erzie- 
hnng u. des Unterrichts. 1872. 8. Dr. Herm. Luchs: Ders., 
schlesiscbe Furstenbilder des Mittelalters. 1872. 4. Verein fur 
Geschichte und Alterthum Sohlesiens: Ders., Zeitschrift 
etc.; Bnd. XI, 1. IL 1871. 8. Scriptores rerum Silesiacarum ; 
Bnd. VH. 1872. 4. Griinhagen, Regesten etc. v. 1251—1258. 1872. 
4. Palm, acta publica; Jhg. 1620. 1872. 4. — Caaeel. Th. Kay, 
kgl. Hof-Kunst- u. Buchh. : Pfaff, la grande nation in ihren Re- 
den u. Thaten. 2. u. 8. Abth. 1871 — 72. 8. La guerre autour de 
Metz. 1871. 8. — Colntar. v. Cuny, kais. Appell.-Ger.-Rath : Ge- 
rard, les artistes de l'Alsace pendant le moyen-age ; tome I. 1872. 
8. — Crefeld. Dr. W. Buchner, Direktor der hohern Tochter- 
schule: Buchner, Gedichte. 1872. 8. — Danzig. A. W. Kafemann, 
Verlagshandl. : Kreyfsig, unsere Nordostmark. 1872. 8. — Detmold. 
Meyer'sche Hofbuchhandl. : Stuhr, der siebenjahr. Krieg. 1834. 
8. v. Dohm, Denkwflrdigkeiten meiner Zeit; 1.— 5. Bnd. 1814— 
19. 8. Stuhr, die drei letzten Feldztige gegen Napoleon ; 2 Bnde. 
1832 u. 33. 8. v. Gronau, Chrstn. Wilh. v. Dohm. 1824. 8. Ma- 

g'istri Justini Lippiflorium, hgg. v. Laubmann. SchefTer-Boichorst, 
err Bernhard zur Lippe. 1872. 8. — Dresden. Dr. Julius Hiib- 
ner, Direktor der k. Gemaldegallerie : Ders., Beitrage zur Kunst- 
geschichte. 1866. 8. Grafs dem Kaiser Wilhelm dem Siegreichen! 
1871. 8. — Freiberg (Sachsen). Alterthumsverein: Ders., Mit- 
theilungen; 9. Heft. 1872. 8. Heinr. Gerlaoh, Buchdruckerei- 
bes.: Freiberffer Stadt-, Land- u. Berg-Kalender auf d. J. 1873. 4. 

— Freiburg T. Br. Universitat: 7 akademische Gelegenheits- 
Bchriften. 1871—72. 8. — 8fc Gallen. Huber u. Comp., Verlagsh.: 
Mittheilungen zur vaterland. Geschichte; n. F. IV. (*. F. XIV.) 
Heft. 1872. 8.— 8enf. Societe d'histoire et d'archeologie: 
Dies. , memoires et documents ; t XVIH. 1872. 8. — Gieaeen. J. 
Ricker'sche Buchh.: Weigand, deutsches Worterbuch; 2. Aufl. 
I. Halbbnd. 1872. 8. — Gopplngen. Friedr. Stoz, Buchbinder: 
Der Hohenstaufen. Ein polit. Unterhaltungs- u. Anzeigeblatt ; Jhg. 
1870 u. 1871. gr. 2. Goppinger Wochenblatt; Jhg. 1870 u. 1871. 
gr. 2. — Hamburg. Verein f. hamburg. Geschichte: Gade- 
chens, Hamburgs Biirgerbewaffnung. 1872. 8. — Hannover. Cohen 
n. Risch, Verlagshandl.: Die Eunst im Gewerbe, redig. v. Opp- 
ler; Bnd. I, 1. 1872. 2. Dr. Ernst v. Malortie, k. Staatsmi- 
nister a. D. : Ders., histor. Nachrichten der Familie v. Malortie 
yon 1132—1872. 1872. 8. — Jena. Fr. Frommann, Verlagsh.: 
Stave, Geschichte des Hochstifts Osnabruck; II. Theil. 1872. 8. 

— Komotau. Nic v. Urbanstadt, jub. k. k. Finanz-Bezirkscom- 
xnissar: Ders., Geschichte der Bezirkshauptmannschafts-Gebiete Ko- 
motau, Saaz u. Kaden ; Bnd. 1—3. 1869—71. 8. — Krakau. K. k. 
Gelehrten-Gesellschaft: Dies., Roczniketc.; t XX. 1872. 8. 
Statut Akademii Umiejetnosci w Erakowie. 1&72 8. — Kupferzell. 
F.-K. Fflrst zu Hohenlohe-Waldenburg, Durchl. : Neeber, 
d. grofse Fafe im furstl. Schlofofceller zu Pfedelbach. 1872. 8. — 
Leipzig. F. A. Brockhaus, Verlagsh.: Varnhagen v. Ense, aus- 

fewahlte Schriften ; H. Abth., 3. Th. 1872. 8. Wander, deutsches 
prichworter-Lexikon; 41. Lief. 1872. 8. Otto Holtze, Ver- 
lagsh.: Schmidt, rnssisch-deutsches u. deutsch-russisches Taschen- 
worterbuch. 1871. 8. Weber, Worterbuch der italienischen und 
deutschen Sprache. 1872. 8. Helms, sch wed. -deutsches u. deutsch- 
schwed. Worterbuch. 1872. 8. Helms, Worterbuch der danischen 
u. deutschen Sprache. 1871. 8. Heinr. Schmidt Verlagsh.: Sei- 
densticker, fiber die genossenschaftL Holzungsrechte und Holzge- 
richte im alten Amte Medingen, Furstenthums Luneburg. 1872. 4. 
Sonderabdr. Otto Spamer, Verlagsh.: Illustr. Konversations- 
Lexikon; Bnd. 1. u. 2. 1872. 2. B. G. Teubner, Verlagsh.: 
Looker, d. Geschichte des preufs. Staates. 1872. & J. J. Weber, 
Verlagsh.: Pasque, Gdthe's Tbeaterleitung in Weimar; 2 Bnde. 



1863. 8. Brunier, Friedr. Ludw. Schroder. 1864. 8. Koffka, Iff- 
land u.Dalberg. 1865. 8. Laube, das Burgtheater. 1869. 8. Lube, 
d. norddeutsche Theater. 1872. 8. Hagen, Norica; 4. Aufl. 1873. 
8. — Lerebenborn (Schlesien). Joach. Thorn. Haupt, Pastor: 
Sohlesiens Vorzeit in Bild u. Sohrift (16. Bericht etc.) ; Bnd. EL, 4. 
1871. 4. — Lubeck. G. Wehrmann, Staatsarchivar : Deecke, 
Grandlinien z. Geschichte Lubecks v. 1148—1226. 1839. 4. Deecke, 
v. d. altesten Labeckisohen Rathslinie. 1842. 4. Schroder, topo- 
graph, u. genealog. Notizen aus d. 14. Jahrh. 1843. 4. Classen, 
v. d. Lubeckischen Vogte zu Schonen ; I. Th. 1848. 4. — Luotro. 
Histor. Verein der funf Orte: Ders., der Geschichtsfreund ; 
XXVH.Bnd. 1872. 8. — Marburg. Elwert'sche Univ.-Buchhandl.: 
Henke, Rationalismus u. Traditionalismus im 19. Jahrh. 1864. 8. 
Vilmar, die Genieperiode. 1872. 8. — MOhlhansen. Heinrichs- 
hofen'sche Buchh.: Geifsler, Album v. Mohlhausen. 8. — ifil- 
ohen. Commission f. deutsche Geschichts- u. Quellen- 
forschung: Kluckhohn, Briefe Friedrich des Frommen, Kurfor- 
sten von der Pfalz; Bnd. H, 2. Halfte. 1872. 8. Carl Merhoff, 
Verlagsh. : Trautmann, Miinchner Stadt-Buchlein. 8. Ingerle, Wan- 
derang durch d. Konigr. Bayern. 1864. 8. Braun, Namenbuchlein; 
2. AuS. 1870. 8. Pocci, Todtentanz in Bildern u. Spruchen. 4. 
Wardinger, k. b. Major im 2. Inf.-Regt.: Ders., ub. die von Kai- 
ser Ludwig gewonnene Schlacht bei Miihldorf. 1872. 8. Son- 
derabz. — Neu-Ruppln. Rosenberg, Kreisgerichtsrath : Ders., 
Promemoria. Wie die vaterland. Alterthumskunde im nationalen 
Sinne u. im Dienst anthropol. Wissenschaft nutzbar zu machen 
etc. 1872. 8. — Neuaalza. Herm. Oeser, Verlagsh.: Jacob, d. 
Geschichte des deutschen Reichs in Bildern; Lief. 1 — 5. qu. 4. 
Illustr. Kriegs-Chronik 1870—71, herausg. v. Oeser. 4. — Nuraberfl. 
Sigm. v. Furer, Gutsbesitzer : lnuentuarium vber das geschutz 
mit sambt der zugehdrungenn, wie hierinen begriffenn, der jnnern 
mauern vnnd thurn diser Stat Niirnberg. 1525. Pap.-Hs. 2. Pund- 
nus so vonn kdnig kurfurstenn Ertzpischoffen vnnd pischoffenn 
vnnd Fiirstenn gemacht jst worden an dem Mitwoch noch Jubi- 
late jm 1527 zu preslaw. Pap.-Hs. 1527. 4. Dip ist dap erdicht 
vnd erlogen ding dardurch der lantgraff v. Hessen vermeint hat 
vnach zu haben die pischoff zu vberzihen. Pap.-Hs. 16. Jhrh. 2. 
Einige Stiicke, das Niirnberger Zeughaus, Befestigung der Stadt 
etc. betreffend. Pap.-Hs. 16. Jahrh. 2. Kurtzer Discoure, wie die Vn- 
derthanen zur Soldaterey willig zu machen, vnd was manier vnd 
weip man dieselben vnterweysen mup. Pap.-Hs. 17. Jhdt. 2. Ueber- 
gabe der Stadt Hof, 22. Sept. 1553. Pap.-Hs. 2. Verzaichnus der 
Rom. Kay. Mt. Einritt zu Prag, 8. Nov. 1558. Pap.-Hs. 2. Anfang 
der Materj vnther den Maister zu Bamberg gebreuchlichen. Pap.-Hs. 
16. Jhdt. 4. Fflerer, sommario dalle chroniche di Cypro. Pap.-Hs. 
1566. 4. Ratschlag, Betreffent ein neuen Geistlichen Ritter-Orden, 
so der Pabst aufrichten solle. Pap.-Hs. 1604. 2. Geschehen zu Fe- 
rara jnn der Inquisitischen Catholischen verbiindtnus. Pap.-Hs. 16. 
Jhdt. 2. Naturhistor. Gesellschaft: Dies., Abhandlungen ; 
V. Bnd. 1872. 8. v. Hormann, k. Bezirksgerichtsrath : Haane- 
mann, verwunderlich-englischer Wahrsager; Jhg. 1778, 80, 81, 84 
—91. 8. Rob. Luckmeyer, Galanteriedreohsler : Herman, ein 
new Gebetbuch. 1602. 4. Biblia d. i. die gantze heil. Schrifl. 1720. 8. 
J. Priem, Custos der Stadtbibliothek : Hans v. Auftefs u. das 
German. National-Museum; (Deutsche Zeitung, 1872, Nr. 186). 2. 
Paul Roth, Friseur: Evangelisches Gesangbuch. 8. (TitelbL fehlt) 
— 8chlofs OrtenStein bei Chur. Wolfg. von Juvalt: Ders., For- 
schungen fiber die Feudalzeit im cunschen Ratien; Nachtrag an 
Heft f. 8. — Parle. M. E. Donre: Charvet, description des col- 
lections de sceaux-matrices de M. E. Donge. 1872. 8. — PleinlbM. 
Mailer, Pfarrer: Reichensperger, Bildungsschule fur's Leben. 
1866. a— Potadan. Horvath'sche Buchh. (E. Doring): Riehl, d. 
vaterland. Bildwerke der konigl. Schlosser u. Garten Potsdam's. 8. 
Mascher, d. deutsche Gewerbewesen. 1866. 8. — Sohwal kt l de a. 
Dr. Rehm, Rreisphysikus : Apianus, cosmographia. 1574. 4. — 
$eehanaen (Altmark): Dr. Ludw. Gotze, Gymnas.-Oberlebrer : 
Ders., urkundl. Geschichte der Stadt Stendal ; 9. Lief. 1872. & — 
Sigmarlngen. Verein f. Geschichte u. Alterthumskunde in 
Hohenzollern: Ders., Mittheilungen etc.; V. Jahrg., 1871—72- 
8. — Soest Nasse'sche Verlagsh.: Eehrein, deutsche Geschichte 
aus dem Munde deutscher Dramatiker. 1872. 8. — Steadal. Fran> 



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357 



Anzeiger far Kunde der deutschen Vorzeit. 



\ 



358 



zen u. Grosse, Verlagshandl. : Album v. Stendal u. Tanger- 
munde. 8. — Strassburg. Dr. Fr. W. B erg man n, Univers.-Pro- 
feasor: Dew., sprachliche Studien; 5. Serie. 1872. 8. — Stuttgart. 
EG. Gutekunst, Antiqu.-Kunsth. : Ders., Catalog d. Eupfer- 
gtich-Sammlung des Marchese Jacopo Durazzo in Genua; 1. Halfte. 
1872. 8. — Trier. Gesellschaft fur niitzl. Forschungen: 
Dies., Jahresbericht v. 1869 — 1871. 1872. 4. — Venedig. Re ale 
Istituto Veneto di scienze, lettere ed arti: Dass., Me- 
morie; vol. XVI. XVH. 1872. 4. — Washington. War Depart- 
ment: Division of telegrams and reports for the /bene- 
fit of commerce and agriculture: Daily Bulletin, 23. Oct. 
1872. 2. (3 Blttr.) Weather map, 22. Oct. 1872. 2. (3 Blttr.) — 
Weimar. Hermann Bohlau, Verlagsh. : Zeitschrifb f. Rechtsge- 
schichte; Bnd. V,3.u.X, 2. Heft. 1866 u. 71. 8. — Wlen. Se. Maj. 
Franz Joseph I. Kaiser v. Oesterreich: Leitner, die her- 
Torragendsten Kunstwerke der Schatzkammer des osterreich. Eai- 
serhausea; Lief. 15 u. 16. Imp. 2. Akademische Lesehalle: 
Pies., 2. Jahresbericht, 1872. 8. Leseverein der deutschen 
Studenten Wiens: Ders., 1. Jahresbericht, 1871—72. 1872. 8. 
Verein f. Landeskunde v. Niederosterreich: Ders., Blat- 



ter etc.; V. Jhrg. 1871. 8. Topographic von Niederosterreich; 2. 
8. Heft. 1871. 4. — Windshelm. Hochstetter, Pfarrer: Ders., 
Sebastian Hagelstein's Briefe iiber den Reichstag zu Augsburg a. 
1530. 4. Sonderabdr. - Wittenberg. Herm. Soiling, Verlagsh.: 
Lucas Cranach d. Aeltere, d. Maler der Reformation. 1872. 8. — 
ZOrlch. J. Herzog, Verlagsbuchh. : Anzeiger fur schweizer. Al- 
terthumskunde; Nr. 3. 1872. 8. Universitat: 33 akademische 
Gelegenheitsschriften. 1871—72. 4. 8. 

III. Fur das Arohiv. 

(Nr. 4284-4285.) 

NOrnberg. Ungenannter: Rechnung des Apothekers Wolf 
Stoberlein „zur gdldnen Eanne" in Nurnberg fur Eonrad Eraufe 
s el., das Verzeichnifs der von Dr. Tobias TaufFerer verschriebenen 
Arzneien enthaltend. 1633. Pap.-Orig. Lehrschein der Schneidermei- 
ster Job. Georg Plendinger in Vorra und Jobst Scharff in Steinen- 
sittenbach far Geprg Lederer, Schneidergesellen, behufs seiner An- 
safeigmachung in Nflrnberg. 1754. Pap.-Orig. 



Chronik der historischen Vereine. 



Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur £r- 
forschung und Erhaltung derBaudenkmale. XVII.Jahrg., 
Sept. u. Octbr. Wien, 1872. 4. 

Die Stiftskirche des aufgelassenen Cistercienser-Elosters Baum- 
gartenberg im Lande ob der Enns. Von Johann Gradt. (Mit einer 
Doppeltafel und 2 Holzschnitten.) — Der Fliigelaltar in der Ab- 
teikirche des Cistercienser-Stiftes zu Wiener -Neustadt. Von P. 
Benedict Kluge. (Mit 2 Tafeln.) - Die Kirche sammt Earner zu 
Friedersbach. (Mit 8 Holzschnitten.) — Prudentius und die alt- 
christliche Eunstubung im IV. Jahrh. (Alb. Hg.) — Die Pfarrkirche 
St. Jacob in Lichtenworth. (Mit 12 Holzschnitten.) (J. Gradt.) — 
Ueber die Sage vom ewigen Juden. (A. R. v. Perger.) — Eirch- 
liche Baudenkmale in Ober- Oesterreich. (Mit 5 Holzschnitten.) 
(Dr. E. Fronner.) — Die Miniatur-Malerei von Montecassino. (Al- 
bert Dg.) — Aeltere Grabsteine in Nieder-Oesterreich. (Mit 2 Holz- 
schnitten.) (Dr. E. Lind.) — Zur Eunde steierischer Stadtewap- 
pen und Siegel. (Mit 5 Holzschnitten.) (Joh. Gradt.) — Das Lob- 
kovijf'sche Reliquienkreuz. (Mit 2 Holzschnitten.) (Dr. E. Lind.) 

— Die Trinkschale des heil. Ulrich. (Mit 1 Holzschnitt.) (Ders.) 

— Die gothische Monstranze in der Decanal -Eirche zu Eger. 
(Mit 1 Holzschnitt.) (Dr. E. Fronner.) — Bucherschau, etc. 

Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft 
in Wien. II. Band. 1872. Nr. 8. 8. 

Ergebnisse der Pfahlbau-Untersuchungen. Von^Gundaker Graf 
Ton Wurmbrand. H. — Ueber die Graber in der Herzegowina zwi- 
schen den Orten Cista und Lowrica. Aus dem Polnischen nebst 
Bemerkungen des rues. Uebersetzers Chodakowski von A. Eotlja- 
rewskj. — Die vorgeschichtlichen Alterthumer der 8tadt Olmfltz 
und ihrer Umgebung. Von L. H. Jeitteles. (Schlufs). 

Heraldisch-genealogische Zeitschrift. Organ des 
heraldisch-genealogi8chen Vereines „Adler" in Wien. 
H. Jahrg. Nr. 10. 11. Wien, October. November 1872. 4. 

Ansehnliche Galerie von Portrats aus dem vorigen Jahrhun- 
derte. — Bemerkungen zur Zuricher Wappenrolle. Gesammelt 
von A. Weifs. — Fortsetzungen. 



Der Eirchen-Schmuck. Blatter des christlichenEunst- 
vereines der Diozese Seckau. 1872. Graz. 8. Nr. 10. 

Fortsetzungen. 

Mittheilungen des Vereins fur Geschichte und Al- 
terthumskunde in Hohenzollern. V. Jahrgang, 1871/72. 
Sigmaringen. 8. 

Vereineangelegenheiten. — Regesten zur Geschichte der Gra- 
fen von Veringen. (Schlufs.) Von Lehrer Locher. — Zur Ge- 
schichte der Burg Hornstein und ihrer Besitzer. Von A. Licht- 
schlag. II. — Hohenzollern'8che Ortsnamen. Von Dr. M. R. Buck. 

— 3 Tafeln mit lithographirten Siegel- und Grabsteinabbildungen. 

Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift 16. Bericht 
des Vereins fur das Museum schlesischer Alterthumer, 
hrsg. von Dr. Hermann Luchs. Mit 3 Bildtafeln und mehreren 
Holzschnitten. Band II. Heft 4. Breslau, Druck von Robert 
Nischkowsky. 1871. 4. 

Plastik und Malerei an schlesischen Urnen. Ein Beitrag zur 
Grabersymbolik und Unsterblichkeitslehre des Alterthums von C. 
J. Th. Haupt, Pastor. — Allerlei. 

Der deutsche Herold. Zeitschrift fur Heraldik, Sphragistik 
u. Genealogie. Organ des Vereins fiir Siegel- u. Wappen- 
kundezu Berlin, in. Jahrg. Nr. 11. Berlin, 1872. 4. 

Noch etwas von der Familie von Rottorff. (J. Graf v. Oeyn- 
hausen.) — Nachrichten fiber die Familie de Graeff. — Schmettow 

— Schmettaw. (v. Bertouch.) — Einiges uber adeliche Familien, 
welche in der freien Reichsstadt Aachen das Bflrgerrecht hatten. 

— Sprachliches. — Eleine Notizen. 

Monatshefte fflrMusik-Geschichte, herausgegebenvon 
der Gesellschaft fiir Musikforschung. IV. Jahrg. 1872. 
Nr. 11. Berlin. 8. 

Zur funf- oder vierstimmigen Passion von Jakob Reiner. Von 
P. Anselm Schubiger. — Gluck's Orpheus in Munchen 1773. Von 
Moritz Furstenau. 

Jahresbericht der Gesellschaft fiir nutzliche For- 
schungen zu Trier von 1869 bis 1871. Trier, 1872. 4. 



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359 



Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit. 



360 



Das „more Trevirensi" in der Datirung Trierischer Urkun- 
den frflherer Zeit. Von Domcapitular Dr. Marx. — Ueber die 
Ruckgabe der Abtei Mettlach an das Erzstifl Trier dorch Karl 
den Grossen, v. J. Leonardy. — Schoffengerichtsordnung yon Trier 
1400. Mitg. von Prof. Dr. Kraus. — Zur Namenforschnng. — 
Der romischen Bandenkmale zu Trier Schicksale im Mittelalter 
nnd in neaerer Zeit, yon Dr. Ladner. — Der Leichenacker bei 
Pallien. — DieNenniger Inschrifben, yon Obrist a. D. yon Cohau- 
sen. — Grab- nnd andere Inscbriften. — Kleinere Mittheilungen. 

Der Gesohicbtsfreund. Mittheilungen des historischen 
Yereins der funf Orte Lucern, Uri, Schwyz, Unterwal- 
den nnd Zng. XXVII. Band. (Mit drei artistischen Tafeln.) 
Einsiedeln, New -York nnd Cincinnati, 1872. Gebr. Karl n. Niko- 
lans Benziger. 8. 

Die Landammanner nnd Amtsleute des Landes Nidwalden. 
(1581—1871.) Von G. Descbwanden. — Curriculum yitae des Cle- 
ms nnd Landcapitels Hocbdorf im J. 1731. Von J. Bolsterli. — 
Codex diplomatic™ des Stiftsarchivs Lucern; 1404 — 1500. (Mit 
einer art. Beig.) Von J. Schneller. — Zur Geschichte des Schlos- 
ses Pfaffikon im Canton Scbwyz. (Mit einer art. Tafel.) Von P. 
Gall Morel. — Die Gerwerzunfb zu Lucern; ein historischer Ver- 
such nach geschicbtlicben Quellen. (Mit art. Beil.) Von Fr. X. 
Scbwytzer. — Ueber einen bisher unbekannten Lucerner Druck 
yon Dr. Thomas Murner. Von Fr. Js. Schifimann. — Kundschafts- 
brief am die Falle, Twing nnd Gerichte zu Neudorf, unter Propst 



Jacob yon Rinacb, (c 1880). Von Estermann. — Ueber das Al- 
ter des ebemaligen Frauenklosters in Engelberg. Von P. Ign. 
Odermatt. — Beitrage zur Geschichte des ESnfalls der 8chweden 
in der Schweiz; vora 27. Heum. bis 12. Weinm. 1638. Mitgeta, 
yon Wikard. — Auszuge aus einem alten Landleutenbuche Ton 
Uri. (1491 — 1606) Mitg. yon J. Schneller. — Die Suffize in 
schweizer. Ortsnamen. Von J. L. Brandstetter. — Urkundliche 
Aehrenlese. (60 Aktenstucke von 1282—1601.) Mitgeth. von J. 
Schneller. — Chronologisches Inbaltsverzeichnifs sammtlicher ab- 
gedruckten Urkunden des XXVH Bandes. 

Memoires et documents publies par la 8ociete 
d'histoire et d'archeologie de Geneve. Tome dix-huitieme: 
Documents inedits relatifs a l'histoire de Geneve de 1312 a 1878, 
recueillis par £douard Mallet publies aveo qnelques additions et 
un repertoire chronologique de toutes les pieces imprimees con- 
cernant la meme periode. Geneve 1872. 8' XLVlll et 425 pp. 

Het Gildeboek. Tijdschrift voor kerkelijke kunst en oud- 
heidkunde uitgegeven door het St. Bernulphus-Gilde te Ut- 
recht. Eerste Jaarg. Afl. L (Utrecht, 1872.) 4. 

Christendom en Kunst Ter inleiding op het Gildeboek. (Dr. 
H. J. A. M. Schaepman.) — Onze Patroon. (J. J. van der Horst) 
— De h. Joseph als Patroon der Kerk. Proeve eener Voorstelling. 
(A. Aukes.) — Het vloertapijt der Metropole te Utrecht. (G. W. 
van Heukelum.) — Studiebladen. (Ders.) — Verslag over het ont- 
staan en de werkzaamheden van het St. Bernulphus-Gilde te Utrecht 



\ a e Ii r I e h t e n. 



Literatnr. 

Neu erschienene Werke. 



26) Die Firma F. A. Brockhaus in Leipzig. Zum hun- 
dertjahrigen Geburtstage von Friedrich Arnold Brockhaus, 
4. Mai 1872. Leipzig, F. A. Brockhaus. 1872. gr. 4. Mit 
Kupfern und Lithographieen. 

27) Friedrich Arnold Brockhaus. Sein Leben und Wir- 
ken, nach Briefen und andern Aufzeichnungen geschildert 
von seinem Enkel Heinrich Eduard Brockhaus. Er- 
ster Theil, Leipzig, F. A. Brockhaus. 1872. 8. 384 8tn. 
Mit einem Bildnisse in Kupferstich. 

28) F. A. Brockhaus in Leipzig. Vollstandiges Ver- 
zeichnif8 der von der Firma F. A. Brockhaus in 
Leipzig Beit ihrer Grundung durch Friedrich 
Arnold Brockhaus im Jahre 1805 bis zu dessen 
hundertjahrigem Geburtstage im Jahre 1872 ver- 
legten Werke. In chronologischer Folge mit biographi- 
schen und literarhistorischen Notizen. Herausgegeben von 
Heinrich Brockhaus. Leipzig, F. A. Brockhaus. 1872. 
Enter Theil. 8. 276 Stn. 

Die Verlagshandlung Fr. A. Brockhaus nimmt in der deut- 
schen Literatur eine solche Stellung ein, dafs sie sicher als ein 
Stuck ihrer Geschichte zu betracbten ist, und die drei oben als 
Jnbilaumsschriften der Handlung selbst genannten Werke fur je- 
den an der deutschen Bildung Theilnehmenden von entschiedenem 
Interesse sein mufsten, wenn sie auch nicht, was in hobem Grade 



der Fall ist, durch sich selbst Beach tung verdienten. Aus dem 
ersteren erhalten wir einen Ueberblick der grofsartigen Anlage 
des Geschaftes, wie es von seinen Anfangen bis zu seinem gegen- 
wartigen Betriebe mit kaum anderswo wieder erreichtem Um&nge 
und der Vielseitigkeit zusammenwirkender Einrichtungen sich ent- 
wickelt hat Vorangeschickt ist demeelben eine kurze Biographic 
und Charakteristik des Gronders der Firma, welche sodann im 
zweiten Werke mit erwflnschter Ausfohrlichkeit gegeben wird. 
> Wir lernen in derselben einen Mann kennen, der schon in seiner 
Natur und den daraus entwickelten Eigenschaften alle Burgschaf- 
ten zu so grofsartigen Sehopfungen trug, wie sie seinem Unter- 
nehmungsgeiste das Dasein yerdanken, welchem die schwierigsten 
ZeitverbaltniBse nur als Anlafs dienten, alle Energie. seines umnu- 
senden Geistes zu entfalten. Die zahlreichen mitgetheilten Briefe 
sind wahre Muster einer exacten Behandlung der Angelegenheiten 
des Lebens uberhaupt Mannig&che Schlaglichter auf die politi- 
schen, socialen und literarhistorischen Verhaltnisse der Zeit ge- 
ben dem Buche eine umfassendere Bedeutung. — Im dritten Werke 
haben wir dann die Ergebnisse der Grundnngen von F. A. Brock- 
haus, wie sie dem Publikum seit mehr als zwei Generations vor- 
gelegen haben, d. h. die Verlagsartikel der Handlung, deren Ver- 
zeichnifs bis zum Jahre 1831 bereits den genannten stattlichen Band 
fullt Wir haben darin zugleich die Geschichte mancher der be- 
deutendsten Werke, wie des Conversationslexikons, der Blatter 
fur literarische Unterhaltung, des historischen Taschenbuches a. s. w. 
Die fehlenden zweiten Bande der beiden letztgenannten Werke be- 
finden sich unter der Presse. v. E. 



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361 



Anxeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit 



362 



Auf$dUe in Zeitochriftm. 

Das A us land: Nr. 43. Zur Geschichte des Pferdes. 

Daheim: Nr. 4, 8. 66. Zum Gedachtnifs dee Malers der Refor- 
mation (Lukas Kranach). — Nr. 6, 8. 72. Preufsische Krieger in 
alter a. neuer Zeit Historische Betrachtungen yon W. Pierson* 
— S. 74. Lothringer Fahrten. Von Richard Andree. 

Die Gartenlaube: Nr. 48. Schlofs Canossa. 

Die Grenzboten: Nr. 46, 8. 201. Zigeunersitten. I. 

Der Hans fre und: 1878, S. 9. Im Bleikeller zu Bremen. 

Im neuen Reich: Nr. 43, S. 664. Muratori's Bedeutung. (Alfred 
Dora.) 

Der Katholik: Sept Der Primat in den ersten drei Jahrhun- 
derten. — Zur altesten Wormser Bisthumsgeschichte. 

Protestant. Eirchenzeitung: Nr. 40. Znr vergleichenden Re- 
bgkrasgesohichte. 

Der Knnatfrennd: Nr. 6. Alte Wandmalereien in Tirol. 

Frank. Kurier: Nr. 647. Zur Lucas Cranach-Feier. 

RheiiL Kurier: Nr. 266. Burg Reichenberg. — Nr. 270. Einiges 
fiber Kirchenbaurenovationen. 

AUgem. Militar-Zeitung: Nr. 86. Militarische Briefe aus El- 
sals und Lothringen: 4. Die Grabstatten und Denkmaler urn 
Metz. — Nr. 40. Vortrage ttber die Kriegsgeschichte yon El- 
safs-Lothringen. 6. Bernhard vonWeimars Rheinfeldzug 1688. 

Organ f. christl. Kunst: Nr. 18, S. 213. Heiligthumerverkauf 
sa Friedberg in der Provinz Oberhessen. (Falk.) — S. 216. 
Eine Abbildung des alten Kdlner Doms. — Nr. 19. Zur Kunst- 
geschichte des Crucifixes. Von Dr. J. Stockbauer. (Nebst einer 
art. Beilage.) — Nr. 20, 8. 217. Die Restauration spatgothischer 
Kirchen mit Renaissance • Einrichtung, zunachst mit Rucksicht 
auf die St. Ulrichskirche in Augsburg. — S. 282. Zur Geachichte 
des Wormser Doms. — S. 286. Die Abteikirche zu Brauweiler. 

Deutscher Reichsanzeiger: Nr. 37. Friedrich II. als Kron- 
prinz in Custrin. — Die metallene Grabplatte des Burgermei- 
sters Albert Hovener in der St Nicolaildrche zu Stralsund und 
andere verwandte Denkmale in den Ostseelandern. 2. — Nr. 88. 
Ueber das Wappen Westpreufsens. — Nr. 40. Zur dentschen 
Familien- u. Geschlechterkunde. 1. — Nr. 42. Eine Hoflagd Her- 
zog Philipp's IL von Pommern im Jahre 1617. — Zur Charak- 
teristik des altdeutschen Rechts. 1. 

Der Salon: 1873, Heft 2, S.213. Preufsens Konigliche Schlosser. 
Von George Hesekiel. 

8onntagsblatt (von Fr. Duncker): Nr. 87. Altdeutsche Volks- 
titte and Tracht (Th. Bodin.) 

Ingolstadter Tagblatt: Sonntagsbl. Nr. 44. Beitr&pe zurGe- 
schichte der Stadt Ingolstadt u. ihrer Umgegend. (Ostermair.) 

Tagespost (Grazer): Abendbl. zu Nr. 261. Das landschaftliohe 
Zeughaus in Graz. 

Ueber Land u. Meer: Nr. 6, S. 86. Zur Geschichte des Post- 
wesens. (Gustav Tybusch.) I. — 8. 87. Das St Jakobsfest in 
Basel. (Jean Ndtzli.) 

Die illustrirte Welt: Nr. 41. Das Klotschiefsen der Friesen. 
(Franz Poppe.) 

Wochenblatt d. Joh.-Ord.-Balley Brandbg.: Nr.43f. Der 
Feldzug Saladins im Jahre 1189. — Nr. 44. Vom Johanniter- 
Malteser-Orden. — Nr. 46. Zur Geschichte der Heilkunde im 
dentschen Mittelalter. Culturhistorische Skizze yon Ludwig Gra- 
fen Uetterodt zu Scharffenberg. 



Siebenburg.-deutsches Wochenbl.. Nr. 42. Das historische 
Recht in Ungarn u. die saohsische Nation. 

Oesterr. Wochenschrift f. Wissensch. u. Kunst: 2. Bd., 
87. Hft Beitrage zur deutschen Literaturgeschichte. — 39. Hit 
Das vormalige dsterreichische Adelsgericht. — Cuspinian's Le- 
henhof zu St Ulrich. — 42. Hft Der ewige Jude. (Th. Verna- 
leken.) 

Zeitschrift f. bild. Kunst: 1. Heft, S. 1. Barock, Rococo n. 
Zopf. Von A. v. Zahn. — S. 13. Die niederlandischen Anato- 
mie-Gemalde. (C. Vosmaer.) — 

Allgem. Zeitung: BeU. Nr. 298 1 ZumBirnbaum aufdemWal- 
serfeld. — Nr. 308 f. Sprachenkampf in den Bergen Tirols. — 
Nr. 311. Der ^Maierhof und der Augsburger Rathsherr Philipp 
Hainhofer. Beitrag zur Geschichte der n Kleinkun8t u . Von Franz 
Trautmann. — Nr. 316. Agnes Bernauer. (Stadtarchivar Dr. 
Meyer in Augsburg.) — Nr. 319. Die „Graberfunde" im Dom 
zu Mainz. 

Illustr. Zeitung: Nr. 1630. Zur vierten Sacularfeier des Ge- 
burtsjahrs Lukae Cranach's des Aeltern. — Nr. 1631. Mellrich- 
stadt in Franken. 



Yermischte Naehrichten. 

116) Die Herstellungsarbeiten an der Ostparthie des 
Mainzer Domes wurden im Laufe dieses Sommers ununterbro- 
chen betrieben und erstreckten sich zunachst auf die grundliche 
Ausbesserung der beiden Kreuzflugel. Von den Gurten der Durch- 
gangshallen und den westlichen Schlufsmauern der alten Sakristeien 
an begann durch alle Stockwerke aafsteigend das Auswechseln 
and Einfugen neuer Quader, und jetzt erst wurden die Sunden 
wieder gut gemacht, wclche bei der malerischen Ausschmiickung 
des Innern vor einigen Jahren durch Yerkleistern der Schaden 
waren begangen worden. In den Oratorien selbst wurden an der 
Nord,- Siid- undWestseite dieFenster wieder geoffnet, welche bei 
froheren Herstellungen waren verraauert worden. Die Wande wa- 
ren namentlich da, wo die Dacher der Seitenschiffe und des Kreuz- 
gange8 sich anlegen, durch die Einwirkungen des Feaers bei den 
yerschiedenen Dombranden in einer wahrhaft erschreckenden Weise 
zerstort. Nimmt man dazu die bedeutenden Ausweichungen in 
Folge des seitlichen Schubes der Kuppel und des Thurmbaues, 
so begreift sich, dafe hier ein ebenso rasches, als grundliches Ein- 
greifen nothwendig war, um den Ban vor unabsehbaren Calamiti- 
ten zu bewahren. Die Erneuerung der Gewolbe in den oberen 
Oratorien bleibt der nachstjahrigen Bauperiode yorbehalten. Bei 
alien diesen Arbeiten suchte man sich in der Wahl des Materials, 
wie beziiglich der Technik, sorgfaltig an die Eigenthttmlichkeiten 
der alten Bautheile anzuschliefsen. Am besten l&fst sich Umfang 
und Behandlung dieser Restauration am sudlichen Kreuzflugel uber- 
blicken; denn gerade hier treten die charakteristischen Merkmale 
am deutlichsten hervor. Die an das Mittelschiff anlehnende Flache 
iat in Quaderbau bis zum Hauptgesims durchgefuhrt, w&hrend 
die sQdliche Stirnwand in sorgfaltig geschichtetem Manerwerk er- 
ganzt iat; der steigende Bogenfries dagegen ist, wie ehedem, in 
Tuff gemauert Dazwischen blieben alte Mauertheile ganz unbe— 
ruhrt in ihrer alten Farbe und Eigenart, so dafs die Spuren der 
Restauration nur auf die nothwendigen Grenzen beschrankt wurden, 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



364 



ohne den flbrigen Bautheilen den ehrwiirdigen Hauch ihres viel- 
hundertjahrigen Bestandes zu rauben. 

Nach Abschlufs dieser Arbeiten begann in den letzten Wochen 
die Aushebung des in der alten Krypta aufgeachfltteten Bodens, 
and bereits 1st die Apsis ganzlich frei gelegt. £s hat sich nan- 
mehr ergeben, dafs das Mittelschiff der Krypta nicbt durch eine 
halbkreisformige Saulenstellung geschlossen war, sondern, wie es 
mehrfach eben am Rheine vorkommt, die Saulenstellung sich 
gerade fortsetzte and die seitlicben Raume der Apsis mit halben 
Kreuzgewolben iiberdeckt waren, wie die noch erhaltenen Sockel 
der Sanlen beweisen. Auf einer Seite des letzten Travee's war- 
den auch noch die Einfafsstiicke des Podiums zum Kryptenaltare 
gefunden. 

Die Erdffnung der Grabstatten, welche in dem aufgeschtitteten 
Erdreiche angelegt waren, haben, wie nicht anders zu erwar- 
ten , nur Funde aus verhaltnifsmafsig junger Zeit ergeben ; denn 
nach Demolierung der Krypta im 15. Jahrhundert fand die Bei- 
setzung der Erzbischofe longe Zeit im Mittelschiffe und im West- 
chore statt. Erst im Anfange des 17. Jahrhonderts wahlte man 
wieder den Ostchor als Begrabnifsstatte , und der erste der Erz- 
bischofe welcher hier beigesetzt wurde, war der Churfiirst und 
erwahlte Erzbischof Johann Adam von Bicken, f 1604. Die Leiche 
fand sich in einer kleinen Gruft in einem tonnenlbrmig geschlos- 
senen Bleisarge mit den liturgischen Gewandern bekleidet; da er 
aber noch nicht die erzbischofliche Weihe erhalten hatte, fehlten 
naturlich Kelch und Casula, und die Mitra lag auf seiner Linken 
neben dem Haupte. Pedum und Kreuz waren in Holz geschnitten 
and geschmackvoll verziert. Der Pontificalring ist einfach, aber 
mit den schrag vom Steine sich herabziehenden, gebogenen Schild- 
chen mit emaillierten Palmetten hubsch angeordnet. Ein zweiter, 
ganz kleiner Ring tragt ein email liertes Malteser Kreuz. Die schwe- 
ren Seidenstoffe hatten alio Farbe verloren, gehoren aber nach 
den wohl erhaltenen Dessins der Zeit der Beisetzung an. Das Er- 
gebnifs der Erdffnung des Grabes von Joh. Schweikard von Kron- 
berg (f 1626) war ganz ahnlich; nur war hier die Gruft grofser 
and zur Aufnahme mehrerer Sarge bestimmt. Die Grab funde ge- 
horten sammtlich der Zeit an; nur waren auffallig die machtigen, 
aus Seidenstoffen bestehenden Pontificalstiefel, welche zwischen 
zwei Ledersohlen noch eine fast fingerdicke Korksohle hatten. Beide 
Sarge waren so aufgestellt, dafs das Angesicht gen Osten gewen- 
det war, ein Beweis, wie spat der Gebrauch Eingang gefunden hat, 
Priester und Bischofe mit dem Angeeichte nach Westen, den Glau- 
bigen zugekehrt, zu bestatten. Interessant war noch die Erhebung 
des Sarges des Grafen Lamberg (f 1689), dem das alien Besuchern 
des Domes bekannte Monument, wo er dem halbgedffaeten Sarge 
noch zu entfliehen sucht, gewidmet ist Bedeutender wegen seiner 
wahrhaft furstlichen Ausstattung war der im Geschmack der Zeit 
mit machtigen Lowenkopfen mit schweren Ringen im Maul, mili- 
tarischen Emblemen, gravierten Inschriften und einem grofsen ver- 
goldeten Kruzifix meisterhaft verzierte Zinn-Sarkophag des Land- 
grafen Georg Christian von Hessen-Homborg, f 1677. Bereits ist 
die zweite Reihe der Graber fast vollstandig erofihet, und es wird 
nun die Ezhumierung der letzten in der dritten Reihe beginnen. 
Yon hohem Interesse wird die Untersuchung der tiefer liegenden 
Schichten and des alten Kryptabodens sein, weil begrflndete Hoff- 
nung vorhanden ist, Reste der alten Hochgraber, wo von Spuren 
noch 1804 zu Tag traten, and vielleicht selbst unversehrte Grab- 



statten aus dem 13. u. 14. Jahrhundert, wie dieKonrad's von Wit- 
telsbach und Sigfrid's in. von Eppstein, aufzufinden. 

Mainz. Friedrich Schneider. 

116) Zur Vervollstandigung der im Anzeiger fur Kunde der 
deutschen Vorzeit (Nr. 8, Sp. 271) gebrachten Notiz iiber einen 
bei Rflckingen gemachten archaologischen Fund bin ich 
im Stande, durch die weiteren, fur den hessischen Geschichts- und 
Alterthumsverein von mir geleiteten Ausgrabongen Folgendes mit- 
theilen zu konnen. Das romische Graberfeld liegt zwischen den 
Dorfern Langendiebach and Ruckingen, in der N&he eines schon 
friiher aufgefundenen sog. Rdmerbades. Die Ausdehnung des Fel- 
des mufs eine sehr betrachtliche gewesen sein. Gegenwartig ist 
dasselbe durch die Leipziger Landstrafse und Wald auf der einen 
Seite abgeschlossen, wahrend auf der andern Seite ein grofees 
Stock durch Sandholen schon lange von den Bauern planlos tus- 
gebeutet worden ist. Das iibrig gebliebene und jetzt dorchgra- 
bene Stuck ist etwa 80 Schritt lang and 20 Schritt breit. Es wa- 
ren 120—150 Graber, welche durchschnittlich einen Meter weit von 
einander entfernt lagen. Dieselben waren in der verachiedensten 
Weise, vom leeren Aschenhaufen bis zur reichen Ausstattung mit 
Urnen, Kriigen, Efsgerathen etc besetzt und lagen in bunter Reihe 
neben einander. Grofse Urnen mit Knochen fanden sich in ver- 
haltnifsmafsig geringer Anzahl; meistentheils lagen die Knochen- 
reste in der Mitte des Aschenhaufens oder auch in blofsem 8ande, 
umstellt mit mehr oder weniger Krugen und kleinen, urnenartigen 
Thongefafsen. Glaser fanden sich weniger, ebenso Lampchen. Die 
Gefafse von terra sigillata waren falst darchgangig zerbrochen, 
ja selbst mufs der grofste Theil derselben schon als Scherben in 
das Grab gekommen sein. Dieselben sind in mannigfaltigster 
Weise mit Ornamenten und Figuren verziert Von Grabsteinen 
und Waffen fand sich nichts vor, dagegen auf&llend viele und 
grofse Nagel, Charniere, Beschlage, Henkel und einige Schlussel- 
platten. Die gefundenen Munzen sind in Kupfer oder Bronze aus 
dem 2. Jahrh. und gehen bis auf Septimius Severus. Schmuck- 
stiicke und kleinere Gegenstande kamen wenige vor; das interes- 
santeste ist eine Zierscheibe mit Emaileinlage , sowie eine Venus- 
statuette aus Terracotta. Auch fand sich ein grofser, dick mit 
Kiesschlacken bedeckter Platz, welcher wol als der Verbrennungsplatz 
anzusehen ist, jedoch nicht die dabei vermuthete Strafse, welche, 
nach der Richtung des nicht weit davon befindlichen, muthmafali- 
chen Pfahlgrabens und anderen Funden zu schliefsen, direkt nach 
der Saalburg auf dem Taunus laufen mufste. 

llanau. Hausmann. 

117) Als interessante Nachricht habe ich diesmal mitzutheilen, 
dafs im Juni cL J. zwischen den Dorfern Tempelberg and 
Steinhofel, VU Meile von hier, als Steine zu einem Brucken- 
bau gesucht wurden, ein fur unsere Gegend seltenes Steinkisten- 
grab aufgedeckt wurde. Es war aufserlich durch gar nichts an- 
gezeigt, kaum dafs eine der Deckplatten in der flachen Gegend 
zu Tage lag. Es erstreckte sich in der Form eines Rechteckes 
von Ost nach West, in einer Lange von 14'/i Fufs, einer Breite 
von 4 Fufs und 3 Fufs Hohe, flach unter der Erdoberflache hin. 
Die Seitenwande sind durch Steinplatten gebildet, deren kleine 
Zwischenraume mit kleinen Rollsteinen und Lehm ausgefullt wa- 
ren. Der Boden bestand aus festgeschlagenem Lehm, die Decke 
aus 4 Steinplatten. Das ganze Grab war mit Erde der Umgebung 
and Steinen gefttllt, and es fanden sich die Gebeine von sechs 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Menschen, namentlich die Unterkiefer vor. Einer der Schadel 
(die andern sind meist zerstort) zeichnet aich durch grofee Lange 
im Verhaltnifs zur Breite aus. Die Leichen waren wahrscheinlich 
in ritzender Stellung bestattet und mit Steinen unterstiitzt; denn 
die Beinknochen lagen nach Suden, die Rippen, Armknochen und 
Schadel zusammen nach Norden hin. Aufser einer kleinen Urnen- 
scherbe und einem zum Schleifen von Steinwerkzeugen benutzten 
harten Sandstein wurde bis jetzt nichts gefunden, was auf eine 
Bearbeitung durch Menschen gedeutet hatte, namentlich kein 
Metall. Die Fundstflcke werden in der Sammlung des hiesigen 
Vereins fur Heimatskunde verwahrt 

Muncheberg. Kuchenbuch. 

118) Am 14. Oktober wurde bei Gelegenheit der Ausgrabungen 
far den Bahnhof der kunftigen Donauthalbahn (Regensburg),in 
der Nahe der Zuckerfabrik , ein prachtiger romischer Grab- 
stein zu Tage gefordert. Derselbe ist ganz gut erhalten und 
mifst sieben Fufs in der Lange und gegen drei Fufs in der Breite. 
In der Spitze ist ein Brustbild eingemeifselt. Hieran schliefst sich 
die ganz gut lesbare Inschrift an : „Aurelianus, Miles III. Italicae 
legionis u hat dieses Denkmal errichten lassen. Fast taglich wer- 
den auf diesem a I ten romischen Leichenfelde Aschenkrflge und 
Lampchen ausgegraben. 

(Augsb. Postztg., Nr. 248; vgl. Korr., Nr. 539.) 

119) Ein Rdmergrab ist neuerdings wieder in Sitke im 
Eisenburger Comitat in Ungarn aufgedeckt worden. £s befanden 
sich in demselben ein menschliches Gerippe und mehrere Schmuck- 
sachen, welche dem archaologischen Museum zu 8teinamanger 
abergeben worden sind. (111. Ztg., Nr. 1531.) 

120) Ein hochflt bemerkenswerther Fund von silbernen Ge- 
genstanden und Miinzen ist von der k. Kreisgerichtskommis- 
sion zu Schwerin a. d. Warthe an das k. Museum in Berlin zur 
Auswahl der interessantesten Stucke eingesendet worden. Dieser 
Fund ist im vergangenen Fruhjahr bei Althofchen a. d. Obra ge- 
macht worden. Er besteht grofstentheils aus gegossenen, unregel- 
mafsigen Silberplatten, dann aus einigen Fragmenten von zierlichem 
orientalischen Silberschmuck, endlich aus einigen tausend Mflnzen, 
welche bis zum Jahr 1020 hinabreichen. Die Miinzen mit dem 
Xamen Kaiser Otto's HI. und seiner Grofsmutter Adelheid walten 
vor. Es finden sich Miinzen aus alien Theilen Deutschland's, fer- 
ner bohmische, pomische, niederl&ndische, eine von Chur, italieni- 
tche, etwa 80 angelsachsische der Kdnige Ethelred und Kanut, 
eine irische, gepragt zu Duft (Dublin), byzantinische, endlich orien- 
talische, sowie eine von den Bulgaren an der Wolga gepragte. 

(Dies., Nr. 1532.) 

121) Das Testament des Konigs Karl XV. von Schweden 
verordnet, dafs seine Kunst sammlung von Porzellan, Glas, 
Email eta, sowie seine in mittelalterlichen und orientalischen 
Waffen, Gemalden nordischer Kunstler bestehende Sammlung dem 
Staate Schweden unter der Verpflichtung zufallen sollen, dafs diese 
Sammlongen, von welchen die letztgenannte zu dem Nationalmu- 
seum und die Waffenaammlung zu der Leibrflstkammer verlegt 
werden sollen, fur alle Zukunft vom Staate gewahrt und unter- 
halten werden. (Frk. Kur., Nr. 551.) 

122) Professor Virchow hat sich kurzlich in Wo 11 in aufge- 
halten, ran die von ihm entdeckten Pfahlbauten in der Vor- 
stadt Garten weiter zu verfolgen. Es wurden sehr weitlaufige 
Pfahlreihen blofsgelegt, deren Anordnung keinen Zweifel lafst, 



dafs man es hier mit einer jener alten Niederlassungen zu thun 
hat. Die ungeheure Menge von Kiichenabfallen , namentlich von 
Schweine- und Rinderknochen, von Fischschuppen und Fischgraten, 
die aufserordentlich vielen Topfscherben, unter welchen diesmal 
eine grofsere Zahl sehr schon ornamentierter zu Tage gefordert 
ist, wie zahlreiche sonstige Produkte menschlicher Kunstfertigkeit, 
namentlich in Hirschhorn und Bein, wurden gen a gen, die thatsach- 
lichcn Verhaltnieee in's Klare zu setzen. Aufserdem wurde aber 
auch auf einem Rost aus Balken und Pfahlen ein ausgedehnter 
Lehme8trich blofsgelegt, der ofienbar als Herd gedient hat. Stein- 
und Bronzewerkzeuge sind nicht gefunden worden, dagegen aufser 
bearbeitetem Bernstein zahlreiche Eisensachen, so dafs anzunehmen 
ist, man habe es mit einer der letzten Ueidenzeit angehdrigen An- 
siedelung zu thun. Die vielen vorgefundenen Fischereigerathschaf- 
ten lassen ferner schliefsen, dafs hier die Fischerbevolkerung des 
alten Julin gewohnt hat. (111. Ztg., Nr. 1530.) 

123) Die Restauration des Rathhauses in Gottingen 
im Sinne seiner urspriinglichen Bauart ist nun sowohl im Innern 
als im Aeufeern vollendet. Besonders miihsam war die Herstel- 
lung der neuen Zinnenumfassung. Auf zwei Postamenten zu bei- 
den Seiten der Rampe ruhen die fruher vom Groner Thor herab- 
genommenen, mit dem Wahrzeichen der Stadt Gottingen versehe- 
nen Lowen. (Dies., Nr. 1531.) 

124) Die neue, reich vermehrte, verbesserte, mit genealogi- 
schen Notizen versehene Ausgabe von J. Siebmacher's gro- 
fsem und allgemeinem Wappenbuch, — begonnen von O. T. 
von Heftier, fortgesetzt von A. Grenser, nun weitergefuhrt unter 
Mitwirkung der Herren Archivrath von Mulverstedt, Hauptmann 
Heyer von Rosenfeld, Heraldiker Hildebrandt, Lieutenant Gritzner, 
Advokat Gautsch, Dr. v. Hartmann-Franzenshuld und Anderen — 
ist nun bis Liefg. 100 gediehen und wird mit circa 140 Lieferun- 
gen abgeschlossen sein. Jede Lieferung enthalt 18 lithograph. Ta- 
feln in 4° nebst entsprechendem Text und kostet im Sub scrip tions- 
wege Rthlr. 1. 18 Sgr. Einzelne Lieferungen apart Rthlr. 2. 

125) Von dem im Verlage von Ferdin. Grautoff in Lu- 
beck erscheinenden LubeckerUrkundenbuch wird nachstens 
das Schlufsheft des 4. Bandes ausgegeben werden. Das Werk, 
welches 1843 begonnen wurde, umfafst sodann die Lttbecker Ur- 
kunden vom 12. Jahrh. an bis zum Jahre 1400 und kostet voll- 
standig vom Neujahr 1873 ab 48'/s Thlr., da von diesem Zeit- 
punkte an die froher gewahrte Preisherabsetzung fur die bis 1868 
enchienenen Lieferungen von 35 auf 24 Thlr. erlischt. Bis Neu- 
jahr kann also das Werk noch um 377s Thlr. bezogen werden. 

In demselben Verlage ist nun auch eine zweite verbesserte 
Auflage der alteren Lubeckischen Zunftrollen von Staatsarchivar 
C. Wehrmann erschienen, deren Preis auf l*/s Thlr. festgestellt ist. 



Nach einer gefilligen Mitthellung des Herrn Majors WQrdinger 

beflnden sioh in der Lindauer Stadtbibllothek folgende Handsohrif- 

ten gesohiohtliohen Inhaftt. 

(Schlufs.) 

2) Reisebesohreibung des Herrn Michael Cramers, Bflrger- 
meisters von Isny, 1644 gemacht durch Italien nach Candia, Schio, 
Negroponte, Napoli di Romania, eowie der gehabten Kriegsaben- 
teuer. (Der Verfasser war namlich in ein Schweizerregiment des 
Herzogs v. Modena geprefst und dann 1646 den Venetianern ver- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



368 



kauft worden, die ihn spater nach Candia schickten, wo er alle 
8ohlacht6n zu Wasser una zu Land gegen die Tiirken mitmachte). 

3) Diarium der Reise dee David von Furtenbach in das heil. 
Land 1561. Hieraof folgt eine Geschichte der stadtischen Be- 
sitzungen, Strassen und Gebaude nach archival ischen Quellen, die 
bis in das 14. Jahrhundert zurackreicht. 

Band II. Neaere Familien mit Abschriften der Adelsdiplome 
des Patriziats. 

P. 1,13 — 16. Vier Bande lindauischer Genealogie mit Angabe 
der Quellen und Wappen, aus denen das vorige Werk geschopft 
wurde. 

P. 1, 18. Fratris Francisci Ransperg Annales Brigantinae usque 
1600. Abschrift von 1656, gleichlautend mit den auf der Munche- 
ner Staatsbibliothek und im Reichsarchiv befindlichen Exemplaren. 

P. I, 20. Die durch Werlichius verdeutschte Augsbarger Chro- 
nik von Jacob Welser; beigebunden: Griindliche und ordentliche 
Beschreibung der vornehmsten und nothwendigsten Handlungen 
die seit Carl V. seligen Gedachtnifses — 1559 in der Stadt Augs- 
burg sich zugetragen haben. (Eine Compilation des Welserischen 
und Gasserischen Werkes, doch vielfach verschieden von dem 1595 
zu Frankfurt gedruckten des Werlichius). 

P. 1, 21. Hochzeitbuch , sampt einem Register der Herrn Ge- 
schlechter zu Augsburg, angefangen, ale man zahlt 1484, verfafst 
durch Bernhard Neupolt, Praceptorn der lateinischen Schul zu 
Set. Anna und beendet am letzten Tag Juli 1594. — Verzeichnifs 
der zu Augsburg 1510—1591 geborenen, verstorbenen und verheira- 
theten Leute ; (Zahlenangaben.) — Yon dem Aufruhr in der Stadt 
Augsburg 1368. — Griindliche und ordentliche Beschreibung der 
uralten Geschlechter von Augsburg. 

P. 1, 22. Augsburgische Acta (aus der Reformationszeit). 

P. 1, 23. Annales August. VindeL. per Gasserium Med. Dr. Lin- 
dav. (Entspricht mit Ausnahme der Vorrede und einiger Nachtrage 
dem Abdrucke bei Menken). 

P. I, 24. Reichenauer Chronik. (Mscpt. des 15. Jahrh.) Auf 
dem ersten Blatt das Wappen des Abts Diethelm I., spateren Bi- 
schofs von Constanz (f 1206). Die Chronik schliefst mit Abt Fried- 
rich II. v. Wartenberg-Wildenstein (f 1453). Sie enthalt 120 Sei- 
ten Text, 60 Seiten Abbildungen, Spruchbilder und Wappen. 

P. 1, 25. Uebergabe der Veste Kehl an die Franzosen 1733. 

P. I, 26. Der spanische Successionskrieg 1701 — 14. 305 Seiten. 
— Selbstandige Arbeit mit Abschriften von Originalberichten und 
11 mit grofsem Fleifoe gezeichneten Planen der Schlachten von Hoch- 
stadt, Schellenberg , Hfiningen, der Belagerungen von Ulm und 
Augsburg. 

P. I, 27. Congiura de Spagnoli contra la repubhea di Venetia 
anno 1618. 

P. 1,40. Von den Tigurinern und der Stadt Zurich Sachen 
8 Biicher, verzeichnet von Heinrich Bullinger, Diener der Kirche 
zum grofeen Munster ( — 1649). Mit dem' Portrat Bullingers, ab- 
geschrieben von Matthes Burgi in seinem 80. Jahr. 

P. 1, 41. Collectaneen zu einer deutschen Geschichte von 1440 
— 1489; Hand8chrift des 17. Jahrh. (Aus den Chroniken von 
Stumpf, Munster, Aventin etc., aber auch aus handschriftlichen, 
wahrscheinlich dem Lindauer Archiv entnommenen Urkunden zu- 
aammengetragen). 

P. 1, 43. Griindliche Beschreibung von Johann Hufaen und 
Hironymum von Prag, der zwei hochgelehrten Philosophen. Nam- 
lich wie sie 1414 zu Constanz im Concilio fiber das kaiserliche 
Geleit verurtheilt und verbrannt worden. (Abschrift des 16. Jahrh., 
72 Bogen). 

P. 1, 48. Samuel Holder's Collectaneen zum Streit zwischen dem 
Stilt und der Stadt Lindau, 1589—1595. 



P. 1,49. Decretum Gratiani mit Glofsen; Pergament-Handschrift, 
wahrscheinlich aus dem Anfange des 14. Jahrh. 

P. 1,50. Beschreibung derjenigen merkwurdigen Geschichten, 
die sich in Lindau von 1618 — 1648 zugetragen. (2 Bande in 
Folio, gefuhrt in Form eines Tagebuches und von grofster Wich- 
tigkeit far die Geschichte des Bodensees). 

P. 1, 51. 5 Bande verschiedener Urkunden, Abhandlungen, Be- 
richte des wirtembergischen Kanzlers Valentin Heider, dann des 
Lindauer Sindicus, Daniel Heider , welch letzterer lange Jahre die 
Interessen der Stadt am kais. Hofe (bis 1646) vertrat 

Quart. 

P. II, 1. Historia ecclesiae Lindaviensis; 17. Jahrh. 

P. 11,3. Kirchen und Schul en, derer Lehrer und Stiftungen 
v. Bensperg. 

P. 11,4. Documente, das Spital zu Lindau betreffend. 

P. II, 5. Im Namen Gottes, so vachet hier an das Bach von 
dem wurdigen Sacrament Gottes und hat 12 Theil. Dieses Bach 
hat gemacht und gedichtet Bruder Marquard v. Lindau, Barfusser- 
monch. (Abschrift des 14. Jahrh.; stammt aus der Uffenbachischen 
Bibliothek. Als friihere Besitzerin ist genannt Fran Catharina 
Schottin, St. Clara-Ordens zu Strafsburg). 

P. II, 6. Excerpta zur Reformationsgeschichte, die Formulae 
Concordiae betreffend, von Daniel Pappus. 

P. II, 9. Genealogie der Grafen von Bregenz und Montfort von 
Bensperg. (War Vanotti nicht bekannt una enthalt viel aus dem 
Lindauer Archiv). 

P. II, 10. Caroli Gausers geschriebene Chronica der weltbe- 
riihmten und alten, des heil. rom. Reichs freien Stadt Augsburg. 
Aus mehreren wahrhaften Historian zusammen getra^en. 1586. 

In der Dedication bemerkt der Verfafser, es seien ihm zwei 
sehr alte Biicher fiber Augsburg zur Verfugung gestanden, der en 
eines dem Kaiser Sigismund gewidmet war, das zweite, 
aber jungere zwei namhafbe Burger zu Verfassern hatte. Auf die 
124 Seiten umfafoende Chronik folgt ein Verzeichnifs der Augs- 
burger Bischofe und Geschlechter mit vielen Wappen und Po^ 
traten, dann: a) Augsbur^isches Regiment oder Seer eta inclitae rei 
publicae Augustanae. Pie Regimentsveranderung und Stadtrechte 
des 17. Jahrh. Verzeichnifs der Glieder des Raths, Stadtgerichts 
etc.). 42 Seiten. 

b) Fuggerische Chronik mit angehangter genealogischer Tabelle. 

c) Von Ankunft des uralten Kehlinger'schen Geschlechtes, ge- 
widmet dem Heinrich Rehlinger zu Radau v. Clemens Jager. 

d; Was fur Graf-, Herrschaften, Stadte, Schlosser die Herren 
Fugger auf dem Land liegen gehabt und noch haben. Mit An- 
gabe vieler Kaufpreise. 

e) Copia der Fuggerischen Privilegia von 1530, 1577, 1589. 

P. II, 12. Historia priscae Germaniae; 17. Jahrh. 

P. H, 13. Fried. Myconii Gothaische Geschichte. (Handelt von 
den Bewegungen in Gotha 1517 — 1542). 

P. H, 18. Gsell Albrecht, Lebensgeschichte Lathers und Lin- 
dauisches Schulwesen. 1685. 

P. H, 62. Iwein (Artus Kunig) des Hartman von Aue. (Abschrift 
von 1521, citiert in Pertz' Archiv Band IX, 587). 

P. H,62. Sermo de Seta Elisabeth; tractatus super missas; 
14. Jahrh. 

P. II, 67. Aufzeichnungen des Lord Baltimore mit Briefen 
Linnes (1770) unter dem Titol: Gaudia poetica et coelestes et inferi! 
Eleineres Format. 

P. Ill, 72—74. 8tammbficher des 16. und 17. Jahrh. mit Ein- 
zeichnungen aus Pavia, Paris, Wittenberg, Tubingen und andern 
Universitaten, Kostumbildern und Wappen. 



Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nttrnberg. 



Oedmckt bei U. E. Sebald in NQrnberg. 



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Vftrnberg. Dm Abonnement dM Blat- 
t«f, welchei alle Monate erscheint, wird 
gaujahrig angenommen and betragt nach 
deroeaesten PosteonYention bei alien Post- 
imtarn and Bachhandlangen Deutschlands 
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AMEIGER 




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riette-Street N {^^4^krd4n in London; 
far Xord-Ameritot ber dim Pott am tern Bre- 
men und Hamburg. 

Alle filr dae german. Museum be- 
■timmten Sendungen auf dem Wege des 
Buchhandels werden duroh den Commis- 
sionar der literar.- artist. Anstalt des Mu- 
seums, F.A. Brookhaus in Leipzig, be- 
fordert. 



FDR KMDE DER 





Neue Folge. 



Neunzehnter Jahrgang. 



ORGAIJ DES GERMANISCHEN MUSEMSe 



1872. 



JW12. 



Decembers 



Wlssenschaftliche Mittheilangen. 



Stflcke zum „Ge8chwindschiessen" in der Sammlung 
des germanlschen Museums. 

(Mit 2 Tafeln Abbildungen.) 

Die Vortheile des Schnellfeuerns waren den Alten so klar, 
als unserer Zeit, und wir haben eine ganze Reihe von Ver- 
snchen zu verzeichnen, deren Resultate uns theils bildlich, theils 
in ausgefuhrten Originalstucken und Modellen vorliegen, die 
sich da und dort in Museen und Zeughausern erhalten haben. 
Fast kSnnen wir sagen, daft jedes der Elemente, aus denen 
sich die modernen Constructionen auf diesem Gebiete zusammen- 
setzen, schon in der Vorzeit dagewesen ist. Nur die rtick- 
sichtslose und consequente Anwendung des Schnellfeuerns und 
die allgemeine Einftthrung der dazu dienenden Waffen, damit 
deren praktische Yervollkommnung, ist erst unserer Zeit eigen- 
thumlich und hat die Kriegftthrung umgestaltet, wfthrend frilher 
diese Waffen nur einen beschrankteren Wirkungskreis hatten, 
theilweise gewift nur dazu dienten, den Witz der Zeugmeister 
zu zeigen und als Paradepferde der Zeugh&user den Besuchern 
zu imponieren. 

Es ist bekannt, daft mindestens schon das 15. Jhdt. Ge- 
schutze hatte, deren rttckwftrtiger Theil beweglich war und, 
fur sich geladen, an die R&hre angefQgt wurde; daft sodann 
eine grdftere Zahl iolcher Kammern geladen bereit gehalten 
wurden, um im entscheidenden Augenblicke rasch nach ein- 
ander angefQgt, und nachdem sie in der Lade verkeilt waren, 
abgefeuert zu werden. Wir haben in diesen Blftttern bereits 



ahnliche StQcke mitgetheilt *). Im Grunde genommen, hatte 
man mit diesen Eammern auch ohne ROhre schiefsen kSnnen, 
die nur dazu diente, die Eugel langer im Laufe zu halten und 
ihr so eine bestimmte Richtung zu geben. 

Noch Kaiser Maximilian ftthrte solche „Kammerschlangen", 
deren Abbildungen wir aus dessen ZeugbQchern kennen. Zu 
seiner Zeit und wol schon vorher finden sich aber auch StUcke, 
bei denen, zu besserer Befestigung der Kammer am Rohre, 
an diesem selbst ruckwarts eine Mulde angegossen ist, in 
welche die Kammer eingelegt und verkeilt wurde**). In 
Maximilian's Zeugbuche ***) begegnen wir auch schon R6h- 
ren, die ruckwarts offen sind und durch Keile verschlossen 
werden, bei denen also die Ladung von rttckwarts unmittelbar 
in die Rohre eingeschoben wurde. Eine senkrechte Platte, 
welche sich zwischen zwei seitlichen Lappen auf und ab bewegt, 
bildet den Stofsboden, der durch einen horizontal durch Oeff- 
nungen dieser Lappen durchgeschobenen Keil festgehalten wird. 
Nicht bios ftir grdftere und kleinere GeschUtze, selbst fur 
Hand waffen finden sich im 15. Jhdt. ahnliche Constructionen. 
Wir geben auf der beiliegenden Tafel unter Fig. 1 flie frei- 
• lich rohe Zeichnung einer solchen HandbQchse mit ihren Kam- 



*) Anzeiger, Jhg. 1868, Sp. 227. 228; Jhg. 1870, Tafel zu 
Nr. 12, Fig. 21 u. 22* 

**) Vgl. unsere Quellen zur Geschichte der Feuerwaffen, S. 52. 
***) Cod. iconogr. 200 der Munchener kgl. Hof- u. Staatsbiblio- 
thek. Anzeiger, Jhg. 1870, Tafel zu Nr. 12, Fig. 23 u. 24. 



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371 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



372 



mem wieder, wie sie sich in dem Eyb'schen Kriegsbuche der 
kgl. Universitatsbibliothek zu Erlangen *) befindet, wo dasselbe 
Blatt noch eine zweite, ahnliche Construction nebst mebreren 
Vorderladern zeigt. 

Dafs schnelles Feuern der Zweck aller dieser Construc- 
tionen war, geht aus verscbiedenen Textstellen alter Feuer- 
werkbUcher hervor. Ein anderes Mittel zu demselben Zwecke 
sah man darin, mehrere Rohren auf einem Blocke zu vereini- 
gen, die, wenn sie geladen waren, gestatteten, mehrere Schlisse 
noch rascher nach einander abzufeuern, als dies durch Einle- 
gen der Kammern zu erreichen war. Da diese Laufe sich 
theilweise um eine gemeinsame Achse drehten, so ist der 
heutige Revolver schon darin vorgebildet, und es ist gewifs 
nicht ohne Interesse, dafs gerade in den ftltesten uns erhalte- 
nen Feuerwerkbtlchern diese Maschinen sich finden ; so in dem 
Munchener Cod. germ. 600 vom Schlusse des 14. Jhdts. **), 
und im Gottinger Cod. ms. phil. 63 von 1405 ***). 

Ihre weitere Ausbildung erfuhren diese Maschinen, wie die 
Kammerbiichsen, im Laufe des 15. Jhdts. Einiges enthalt ein 
der Mitte desselben angehdriges Feuerwerkbuch im german. 
Museum (Nr. 719) f), mehr der Cod. german. 734 der Mttn- 
chener kgl. Hof- und Staatsbibliothek ft), wo sich mehrere 
Abbildungen finden, die auf einem und demselben Gestelle ver- 
schiedene Rohren verbunden zeigen; besonders wichtig aber 
ist dafttr der Cod. germ. 599 der letztern Bibliothek fff) , in 
welchem Fol. 9 a drei ROhren orgelartig auf einmal befestigt 
zeigt, Fol. 6b vier ROhren nebeneinander, deren jede beson- 
ders beweglich ist; Fol. 4 b acht gleiche kleinere, um eine 
grOfsere Mittelr&hre gruppiert, aufserdem daneben zwei beson- 
dere bewegliche. Fol. 13 b stellt einen vierr&derigen Karren 
mit drei horizontal beweglichen Gerusten dar, von denen das 
vordere eine ktirzere, haubitzenartige R&hre , die beiden hinte- 
ren je zwei langere, schlangenartige kleine Rflhren tragen. 
Fol. 3 b zeigt auf einem zweiriiderigen Karren eine starkere 
Rohre, etwavon demMafse derheutigen 9 cm -Geschutze, daneben 
zwei einzelne, etwas kleinere; iiber der Hauptrohre liegt eine 
Gruppe von vier Lagen Rohren, je sechs in einer Reihe, die zu 
einem gemeinsamen KOrper derart verbunden sind, dafs stets die 
untere Lage um so viel l&nger als die zufcchst obere ist, dafs 
die Zundldcher Raum finden. Ganz ahnlich ist der Apparat auf 
Fol. 4 a construiert, nur mit dem Unterschiede, dafs die vier 
Lagen kleiner Rflhren je eben so weit nach vorne uber die 
untern vorschiefsen, als sie riickw&rts vortreten, um den Ztind- 
lttchern der oberen Reihe Platz zu machen. Auch Fol. 5 a sind 
die drei grofseren Rohren, wie bei den vorgenannten ; aus den 



*) Cod. ms. 1390. 

**) Quellen zur Geschichte der Feuerwaffen, Taf. A VII, VIII, 
IX. Anzeiger, 1860, Taf. zu Nr. 10. 
***) Ebendaselbst Taf. A XII u. XIII. 

t) Ebendaselbst Taf. A XXXIV. 
ft) Ebendaselbst Taf. A XLI. 
tft) Ebendaselbst Taf. A LIII-LX, etwa aus den J. 1470-80. 



kleineren R5hren sind drei Lagen gebildet, die sich um die drei 
Seiten eines dreiseitigen Prismas legen, das sich um eine Achse 
dreht, so dafs stets eine Lage zum Abfeuern nach oben ge- 
bracht wird. 

Im Zeughause zu Nurnberg befanden sich derartige Orgel- 

geschtttze, die schon in Inventarien des 16. Jhdts. aufgezeichnet 

Fi &- *• sind. Unter der reichen Sammlung von Modellen 

der in diesAm Zeughause aufbewahrten Stucke, 

eister Job. Carl im Schlusse des 

t hat, befinden sich mehrere ahn- 

Es lafst sich aus diesen Model- 

gearbeitet sind, nicht erkennen, 

3riginale entstammten, ob noch 

einer sp&teren Zeit. Sie kom- 

tuch spater vor. So hat Kaiser 

rgelgeschutz mit 40 Laufen auf 

en Karren in seinem Zeugbuche 

er hat auch Streitkarren mit 

;ine Ladenbuchsen sind tragbare 

ehreren Rshren. Einige aus dem 

nde ahnliche Stucke haben sich 

ten, so auf der Veste Koburg. 

itissen wir wol bei alien fragen, 

tasie- und Versuchsmodelle, ob 

rer Zahl hergestellte Kriegsma- 

haben, ob bios die dem Laien 

•adestucke, ob im ernsten Kampfe 

itze. In den Schriften des 16. 

e keine grofse Rolle; man will 

dgl. hOchstens auf dem Walle zu 

•lickweisung eines Sturmes brau- 

sche Museum besitzt einige nicht 

iginalstucke, die diesem Bereiche 

angehoren. So das in beiste- 

hendem Holzschnitte Fig. 1 

in 1 H der wirklichen Gr5fse 

abgebildete Gewehr, von dem 

im Holzschnitte Fig. 2 obere 

Ansicht, Lange und Querdurch- 

schnitt des Laufes in halber 

naturlicher Gr5fse dargestellt 

ist. Das Gewehr gehdrt etwa 

der zweiten HaMfte des 16. 

Jhdts. an und ist als Geschenk 

des Herzogs von Koburg von 

der dortigen Veste, wo noch 

ein zweites solches Exemplar 

sich befindet, in's Museum gekomraen. Die Construction ist 

derart, dafs das Visier a sich zuruckschieben lafst und dann 

gestattet, den durch dasselbe festgehaltenen , um ein Charnier 

sich drehenden KOrper b herauszunehmen, so dafs die Mulde c 



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Fig. 2. 



373 




a 



unij: 



<s 



A 



374 

frei wird, welche den ruckwartigen Theil des Laufes bildet. Der 
Schutze hatte nun eine Anzabl geladener Patronen mit Stahlhulsen 
d, an denen sicli die durch einen Deckel verschliefsbare Pfanne e 
befindet. Diese Patrone wurde in die Mulde gelegt, in die 
Rflhre vorgeschoben , hierauf durch den KOrper b die Mulde 
geschlossen, was durch einen einfachen Schlag geschehen kann, 
da der vorstehende Theil des Verschlusses a oben schrag ist, 
somit die ihn vorhaltende Feder zurttcktreibt, sobald der Keil 
b darauf druckt, und wieder vorschnappt, sobald der Keil an 
seiner Stelle in der Mulde liegt. Durch Drehen des Schiebers 
f kann auch dieser Verschlufs festgehalten werden. Die Pa- 
trone ist nun fest im Laufe; der Schtttze brauchte also nur 
Pulver auf die Pfanne zu geben und konnte so, im Vergleiche 
zu den gew&hlichen Vorderladern jenerZeit, sehr rasch feuern. 

Noch rascher gieng dies naturlich mit einem, freilich sehr 
schweren Gewehr des 17. Jhdts. im Museum, das durch den 
Stempel als nurnbergisch gekennzeichnet und hier im Holz- 
schnitt Fig. 3 abgebildet ist. Es ist das bestimmteste Vorbild 
der modernen Revolver. Ein Cylinder (Holzschnitt Fig. 4) ent- 
halt acht Hohlungen in regelmafsiger Stellung, welche die acht 
Schusse aufnehmen. Waren diese geladen, so wurden die zu 
ihnen gehOrigen, an der Aufsenseite des Cylinders befindlichen 
Pfannen mit Pulver gefullt und deckende Schieber auf selbe 
gebracht. Zur Entzundung diente der einfache Luntenhahn, 
den der Druck auf den Drucker in Bewegung setzt; so lange 
dieser Druck dauert, neigt sich der Hahn mit der Lunte vor 
auf die Pfanne ; sobald er nachlafst, geht dieser zuruck. Eine 
auf dem Laufe befindliche vorschnappende Feder halt den Cy- 
linder an rechter Stelle. Man hebt also die Feder ein wenig, 
dreht den Cylinder, bis die Feder wieder einschnappt, flffnet 
den betreffenden Schieber und druckt los. Diese Manipulation 
achtmal wiederholt, gibt acht sehr rasch sich folgende Schusse, 
und der Schiitze war, auch wo es sich nicht gerade um rasches 
Feuern handelte, nicht wehrlos, bis er wieder auf die gew&hn- 
liche Weise langsam genug scin Gewehr geladen hatte. 

Auch von jenen erwahnten Orgeln besitzt das Museum ein 
dem 17. Jhdt. angehOriges Exemplar, namlich 15 auf ein Brett 
in einer Reihe nebeneinander befestigte kurze Flinten-, d. i. 
Pistolenlaufe. Ein Zundfaden, ruckwarts uber die mit Pulver 
bestreuten Zundlocher gelegt, veranlafste eine fast gleichzeitige 
Entladung aller Laufe. 

Wir haben oben gesagt, dafs die Schriftsteller des 16. 
und 17. Jhdts. Hinterladungsgeschutze vorzugsweise zum Ab- 
schlagen eines Sturmes benutzen wollen. 

Reinhart von Solms (1556) gibt zwei „Steynbuchsen zur 
Cammern", die von ruckwarts zu laden sind. Der Verschlufs 
ist derart, dafs um ein Charnier der Stofsboden sich nach un- 
ten drehen lafst. Ist sodann die Ladung von ruckwarts ein- 
geschoben, der Stofsboden wieder in die Hohe gebracht, so 
wird er durch zwei Keile festgehalten, die sich, wenn wir die 
Zeichnung recht verstanden haben, durch die Lftcher zweier 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



Fig. s. 



fl 



376 



Lappen durchgeschoben, tibereinander wegbewegen*). An- 
dere Namen als „Kammerbtichsen" sind uns far diese Stucke 
sowohl im 15. als im 16. Jhdt. nicht begegnet, obwohl bei 
letzteren schon keine Kammer mebr eingesetzt wurde. Eine 
sehr httbsche Bilderhandschrift, unter der Bezeichnung 
„Bichssenmeistery", 1594 von Friedrich Meyer, gewesenem 
Feldzeugmeister and Btirger zu Strafsburg, verfafst**), be- 
findet sich im kgl. bayer. Nationalmuseum zu Mtinchen. 
In der Abtheilung der GeschUtze sind daselbst die verschie- 
denen damah gebrauchten ROhren abgebildet, mit Namen 
verseben und ibre Kugeln bezeichnet. Den Scblufs dieser 
Abtheilung bilden einige Blatter mit der gemeinsamen Auf- 
schrift: „Volgen nun Etliche stuckh Zum geschwindt schies- 
sen." Es sind deren sieben abgebildet ; die ersten drei ha- 
ben Bronzerohren mit gewohnlichen Lafetten auf je zwei R&- 
dern, das 4., 6. und 7. sind von Eisen, tiber die Lafetten auf 
Gestellen erhOht, so dafs sie horizontal gedreht werden k5n- 
nen. Das 5. steht aaf einer Art Bock. Die Verschlusse 
sind sehr verschiedenartig ; auf der beiliegenden Tafel sind 
sie in Fig. 2 — 8 abgebildet. Besonders bemerkenswerth 
erscheint dabei, dafs sowohl die bronzenen, als die eisernen 
GeschUtze gezogen sind, und dafs sie Spitzgeschosse mit 
Warzenansatzen haben; (Fig. 9 der Tafel). Ein kleines, 
ahnliches eisernes Geschtttz jener Zeit befindet sich im 
Original in jenem Museum und zeigt beinahe so stark ge- 
drehte Ziige wie die moderne Whitworth-Kanone. 

Das germanische Museum besitzt drei solcher Rdhren 
im Original, die von Eisen geschmiedet sind und gleich de- 
nen des Mttnchener Codex sich durch sehr grofse Lange 
auszeichnen. Interessant ist dabei die Art der Verschltisse, 
die wiederum eine andere ist, als die jener genannten sie- 
ben. Es zeigt sich darin, dafs man eine ganze Reihe iihn- 
licher Combinationen erdacht hatte, von denen wol, gerade 
wie heute, jeder Erfinder die seinige fur besonders wich- 
tig hielt. Das eine Sttick hat einen Stofsboden, der in die 
Rdhre rttckwarts eingeschraubt wird. Beim zweiten dreht 
sich, ganz in der Weise wie bei einem Fafshahn, ein ho- 
rizontal durchbohrter , senkrechter Cylinder in der Rohre. 
Steht er nach der Seite, so ist diese offen, die Ladung 
l&fst sich einschieben; wird er um einen rechten Winkel 
gedreht, so ist die R5hre geschlossen und kann abgefeuert 
werden. Der Verschlufs ist jedoch natttrlich sehr schwach. 
Die R6hre tr&gt die Jahreszahl 1593. Besser ist der Ver- 
schlufs an der dritten, wo ein, mittelst einer Kurbel in Be- 



*) Quellen zur Geschichte der Feuerwaffen Taf. A, CXXXII 
u. CXXXIII. 

**) Nach einer darin eingetragenen Dedication hat Werner 
Graf von Tilly, als er nach Eroberung von Prag in dem Hause 
des „Erzrebellen u Jaroslaus Smirjizki einquartiert war, diese 
Bilderhandschrift in dessen Bibliothek gefunden und sie den 



wegung gesetztes, in einem unter der Rohre 
hangenden Kasten befindliches Zahnrad in 
die Zahne einer senkrechten Stange ein- 

Fig. 4. 




greift. Diese wird so weit herabgedreht, bis 
die R5hre offen ist, die Patrone sodann 
eingeschoben , hierauf die Stange wieder in 
12. Marz 1630 dem Kurfursten Maximilian von der Pfalz uber- die H5he gewunden ; dabei kann der Boden 



geben. 



der Patrone abgeschnitten werden. Das 




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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



378 



Zflndloch liegt in der Mitte des Eopfes der oben schttsselartig 
gebildeten Stange. Auf der zweiten beiliegenden Tafel ist diese 
R5hre nebst Durchschnitt des Verschlufsmechanismus als Fig. 9 
ii. 10 abgebildet. 

Ein sehr merkwurdiges Stttck ist die als Fig. 11 darge- 
stellte Revoiverbuchse auf einem Bockgestelle, die sich noch 
bis in die jungste Zeit als letzter Rest der eheraals so reichen 
Waffenvorrathe der freien Reichsstadt Nttrnberg in derPeunt, 
im Inventar der kgl. Kreisgewerbschule erbalten hatte und von 
dieser dem germanischen Museum tiberlassen wurde. Die Con- 
struction des Revolverapparates gleicht in jeder Beziehung je- 
ner des oben abgebildeten Gewehres ; nur enthalt der Cylinder 
zehnLaufe, und jeder derselben hat 2wei Zundlflcher, so dafs 
in jeden Lauf zwei Schusse gebracht werden konnten, von de- 
nen erst der vordere geldst wurde, dann der durch einen star- 
ken Pfropf davon getrennte hintere. Es konnten somit 20 Ku- 
geln von der Grflfse der gewflhnlichen Flintenkugeln rasch 
nach einander gegeben werden, und in der That war im Augen- 
blicke eines Sturmes der Widerstand durch solche Buchsen 
wesentlich verstarkt. Die Revolver- und Hinterladungsgewehre 
and Pistolen des 18. Jhdts. in der Sammlung des germanischen 
Museums schliefsen sich an diese alteren unmittelbar an und 
zeigen in ihrer Mannigfaltigkeit, wie weit fur Combinationen 
dieses Feld ist. 

Nttrnberg. A. Essenwein. 



Die chemische Analyse als Hiilfsmittel fiir den 
ArcMologen. 

Seit einiger Zeit vorzugsweise mit archaologisch-chemischen 
Untersuchungen beschaftigt, glaube ich aussprechen zu kOnnen, 
dars die chemische Analyse in nicht wenigen Fallen ziemlich 
bestimmte Anhaltspunkte abgibt bezttglich der Abstammung und 
des Alters metallischer Gegenstande. 

So habe ich in griechischen Statuetten, Gerathen, WafFen 
and Munzen die Abwesenheit des Zinkes nachgewiesen , und 
ebenso fehlt dieses Metall in den macedonischen Munzen. Es 
liegt auf der Hand, dafs in Falleu, bei welchen starke Zersto- 
rung der Form, und ebenso in solchen, wo eine Falschung 
vorzuliegen scheint, die Anwesenheit, oder das Fehlen des Zin- 
kes als ein entscheidendes Moment betrachtet werden kann. 
Kaum weniger eigenthumlich als die Abwesenheit des Zinkes 
in den Kupferlegierungen der Griechen und Macedonier ist 
dessen Vorkommen in mittelalterlichen deutschen Gegenstanden. 

Erasmus Ebener in Nttrnberg soil 1550, nach Andern 1453, 
das erste Messing aus Ofengalmei (tutia, cadmia fornacum) dar- 
gestellt, der Englander Emerson aber erst 1781 die Darstel- 
long durch metallisches , regulinisches Zink versucht haben. 
Aber abgesehen davon, dafs Klaproth im Pttstrich, dem man 
ein hohes Alter zuschreibt, bereits 18 Proc. Zink fand, und 
16 Proc. in der Einfassung des Hochaltares der Stiftskirche 



zu Goslar, tritt Zink fast in alien Kupferlegierungen des 14. 
und 15. Jahrhunderts bis auf unsere Zeit, in Luxusgegenstan- 
den und mancherlei Gerathschaften, in bedeutenden Mengen 
auf, wahrend Zinn nur in geringen Quantitaten vorhanden ist 
und kaum als absichtlicher Zusatz betrachtet werden kann. Mit 
Ausnahme der Geschtttze und Glocken fertigte man also in der 
gegebenen Zeit kaum mehr Bronze, sondern Messing. 

Einige von mir in neuerer Zeit angestellte und noch nicht 
verdffentlichte Analysen, welche ich hier folgen lasse, bestati- 
gen dies auf s neue. 

I. Statuette, einen LOwen vorstellend, romanisch, aus der 

herzoglichen Sammlung in Neustrelitz. 
II. Statuette, menschliche Figur, ebendaher. 

III. Aquamanile, wol aus dem 14. Jahrhundert, Privatbesitz. 

IV. Desgleichen. 

Es wurde gefunden: 

I. II. III. IV. 

Kupfer . . . 87,00 81,42 80,98 82,68 

Zinn .... 0,47 1,02 0,70 1,03 

Zink .... 10,41 14,40 16,03 14,01 

Blei 1,04 1,76 1,15 1,33 

Eisen .... 0,58 1,12 0,80 0,70 

Antimon . . 0,08 0,21 0,21 0,13 

Arsen .... 0,02 0,02 Spur 0,12 

Nickel. . . . 0,40 0,05 0,13 Spur 



100,00 100,00 100,00 



Nttrnberg. 



100,00 
Bibra. 



Beitrag zur Geschichte der Holzschneidekunst. 

Weder derDeutsche peintre-graveur von Andresen, 
noch einer seiner Vorganger gibt an, dafs die von Jost Am- 
man zu Lonicerus' Trachtenbuch der katholischen 
Geistlichkeit gelieferten Zeichnungen nur Copieen sind, zwar 
frei behandelte, doch solche, welche in den alteren Originalen 
recht wohl wieder zu erkennen sind. Zwar hatte man von 
vorn herein annehmen konnen, dafs Amman in seinen Abbil- 
dungen, welchen bis zu einem gewissen Grade historische Treue 
nicht abzusprechen ist, auf aitere Vorbilder sich gesttttzt habe ; 
denn in der Zeit, als er an dem 1585 erschienenen Werke ar- 
beitete, sah er in seiner Umgebung die vorgefuhrten Trachten 
nicht mehr, und aufserhalb Landes oder durch Andere Studien 
zu machen, kannten zwar schon die Venetianer und lernten die 
Niederlander eben kennen; in Deutschland aber mufste noch 
eine Zeit lang die Phantasie die Wissenschaft ersetzen. Dafs 
der fleifsige Nurnberger Kttnstler sich wirklich nach entspre- 
chenden Vorbildern umgethan, sehen wir aus einem uns vor- 
liegenden Druck, etwa aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, dem 
leider Titel und Schlufs wie auch einige Blatter fehlen, so dafs 
eine nahere Bezeichnung des offenbar seltenen Werkes, das 
Andresen selbst in R. WeigeFs reicher Bibliothek nicht gefun- 



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Anzeiger fur Eunde der deutschen Vorzeit. 



380 



den zu haben scheint, zunachst unthunlich ist. Inhalt und Ein- 
richtung sind dieselben wie bei Lonicerus' Buche, dock ist der 
Text satirisch oder vielmebr den Spottschriften sich anschiie- 
fsend, welche ira Reformationszeitalter so uppig wucherten. 
Die mit 3fij paginierte Vorrede beginnt: „Hie sind dir mein 
Christlicber Leser, fur die Augen gebildet vnd erzelet, des 
mehrer teils Rotten, Orden, Stende, vnd Secten die furnemesten 
vnd berumbsten Stemme, on was noch sind der zweige vn este, 
vn nester, auff einem jglichen stamme, mit jren vnzelicben vn- 
terscbeidten , auclr allein die Mansorden, on was der Weiber- 
ftrden sind. 44 — Blatt 9liij v. beginnen sodann die Abbildungen, 
ohne karrikierte Auffassung, jeder Holzschnitt in einfacher Li- 
nieneinfassung mit geringem landscbaftlichen Hintergrunde, 
8cm. hoch und 6 cm - breit. Sie tragen Ueberschriften, z. B. „des 
Bapst stand, der Bischoffs stand, S. Brigitten Orden" u. s. w., und 
unten je acht Reimzcilen, wie bei Lonicerus, doch, wie bemerkt, 
satirischen Inhalts. Nach den Abbildungen, welche mit den 
Spitalherren scbliefsen, folgen als „Beschlufs" zwanzig Zeilen, 
in welcben der Verfasser sagt, dafs er nur die Stande und Or- 
den zur Abbildung gebracbt, welche jedermann vor Augen seien, 
oder die er in alten Btichern gefunden, und wenn er irgendwo 
in Irrthum gefallen, solle man den letzteren die Schuld zuschrei- 
ben. Den wirklichen Schlufs macht eine in Prosa geschriebene 
Bekampfung des Mdnchswesens. 

Was die Holzschnitte an sich betrifft, so gehoren sie, wenn 
nicht dem jungeren Lukas Cranach, jedenfalls der Cranach'schen 
Scbule an. Sie sind von maniriertem Vortrag, derber Charak- 
teristik, handwerksmafsig, aber nicht ohne Geschick, geschnit- 
ten. Ihrer sind noch siebenundfunfzig tibrig, wahrend Jost Am- 
man hundertundeinen hat. Doch sind im alteren Werke hau- 
figer dieselben Stocke fttr verschiedene Abbildungen verwendet, 
einer sogar dreimal, wahrend dieses im Lonicerus nur einmal 
vorkommt. Der fruhere Bearbeiter der geistlichen Trachten 
ist sogar so naiv, dafs er die Darstellung des Brigittenordens, 
also einer Nonne, auch dem Orden der Nollert-Bruder unter- 
schiebt, und Amman unvorsichtig genug, wenn auch nicht ganz 
in denselben Fehler zu verfallen, doch die letzteren ebenfalls 
durch eine weibliche Gestalt vertreten zu lassen. Aber auch 
sonst bemerkt man deutlich, wie er sein Muster uberall benutzt 
hat, nicht allein, indem er von den Vorbildern die Trachten 
und Ordenszeichen entlehnt, sondern auch die kunstlerischen 
Motive aufnimmt, welche in jenen angedeutet liegen, doch so, 
dafs er alles nach seiner eleganten Weise umbildet und mit 
mehr Meisterschaft durchfuhrt. Bisweilen macht er auch von 
den Vorlagen sich ganz frei, wie gleich auf dem ersten Blatte, 
wo die Darstellung des Papstes den Vorstellungen nicht ent- 
sprechen mochte, die man im Verhuf des 16. Jahrhunderts, 
auch noch in der protestantischen Welt, sich vom Nach- 
folger Petri machte. Jost Amman stellt ihn thronend dar, 
mit allem Aufwande reichen Kostums, doch ohne der Wirklich- 
keit naher zu kommen, als sein Vorganger. Den Bischof hat 
Amman im Pluviale vorgestellt, wahrend der altere in der Ca- 



sel erscheint. Sein Domherr ist eine umgekebrte Copie, an der 
er nur einen neueren Schnitt des Kostums und ein Bund Schltis- 
sel statt des Breviers angebracht hat. Die Figur des p&pst- 
lichen Legaten vertritt im alteren Werke einfach den „Pfaffen- 
stand", den „Premonstrater orden" und die „Canonici regula- 
res. tt Der Diakon ist von Amman wieder in umgekehrter Stel- 
lung gegeben. Von seinem Gewande hat er das Granatapfel- 
muster, das seiner Zeit schon zu fremd erscheinen mochte, 
weggelassen. Der im alteren Werke folgende Benedictiner 
ist bei Amman nach derselben Seite gewendet, doch hat er 
den Stab, welcher auch von ihm noch als Pedum dargestellt ist, 
in die linke, das Buch in die rechte Hand gegeben. Eben 
des Stabes wegen hat er aber aus der Figur einen Benedicti- 
ner-Abt gemacht und einen M5nch dieses Ordens hinzugefugt 

So kOnnte man die Vergleichung der einzelnen Figuren 
fortsetzen und wurde das oben Gesagte bestatigt finden. Das 
Verdienst Jost Amman's wird durch den naheren Aufschlufs 
uber sein Werk nicht geschmalert; der Werth des letzteren 
aber einerseits erh5ht, indem wir uns Uberzeugen, dafs er seine 
Vorbilder nicht ohne Kritik gebraucht hat, anderseits aber 
auch auf das richtige Mars zurtickgefuhrt , wenn wir wissen, 
woher er geschdpft und wie weit seine Kritik das vorliegende 
Material bewaltigt hat. — Nachtraglich sei bemerkt, dafs das 
in Rede stehende Buch sich in einem Einbande von geprefstem 
Schweinsleder mit der schwarz aufgedruckten Jahreszahl 1563 
befindet und zwar in Gemeinschaft mit anderen B8nden ahnli- 
chen Formats, deren einer: De clave ligante in ecclesia 
Christi etc. Autore Johanne Vuigando, schon 1559, ein 
anderer: Libellvs brevis, et vtilis, de Coena Domini 
editus. Avtore M. Nicolao Selneccero, 1561 herausge- 
kommen ist. Da nun Amman 1560 nach Nurnberg kam, 
ware es der Zeit nach zwar mftglich, dafs er die Originalitat 
der besprochenen Abbildungen fur sich in Anspruch nehmen 
kftnnte; allein es ist hochst unwahrscheinlich, dafs er ein so 
umfangreiches Unternehmen bis 1585 sollte unverOffentlicht ge- 
lassen haben, zunial wenn es schon vor 1563 ware in andere 
Hande gelangt und copiert worden. 

Nurnberg. v. Eye. 



Ein altes Trinklied. 



Simus hie sedentes, 
simul conferentes, 
in omnibus gaudentes, 
nullum offendentes, 

sed leti 

faceti 

concinentes. 

Virgo generosa, 
dei speciosa, 



pre ceteris formosa, 
paradisi rosa, 

sicienti 

bibenti 

graciosa. 

Ergo infundatur! 
sic cor iocundatur, 
tristicia fugatur, 
plausus innovator. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



382 



Attente 

repente 

que bibatar. 
Jam sabstanciosus 
liquor unctuosas, 
sapor deliciosus, 
venter fructuosus 

accedat, 

recedat 

et aquosus. 
socii bibamus, 
cyphura capiamus, 
nee moram babeamus, 
sic hylares fiamus. 

Habunde 

repente 

bibamus. 

Ex cod. Lub. 152, f. 242 v. 
Heidelberg. 



Hospitem laudemus, 
sibi decantemus: 
tunc iterum potemus. 
semper convivemus! 

Honeste 

modeste 

iubilemus ! 

Ergo frequenter (?) 
potus iteretur! 
sal modice miscetur 
datumque prandetur. 

Os calet, 

sic valet, 

ut potetur. 

i 
Ergo infundatur (Refrain). 

W. Wattenbach. 



Yerruf gegen Nikolaus, Herrn ron Abensberg. 

Er ist der Letzte seines uralten Geschlechtes. Herzog 
Christopb von Oberbayern bat ihn 1485 bei Freising niederge- 
worfen und entleibt. Einige Zeit vorher bat ihn Benigna Than- 
dorferin durch ein Sffentliches Ausschreiben v. J. 1461 in Ver- 
ruf gethan, weil er ihr ibre Kleinode weggenommen. Der un- 
tere Theil des Ausschreibens zeigt einen Galgen, an dem der 
Abensberger bei den Fttfsen aufgeh&ngt ist; ebenso ist sein 
Wappen, nach unten gekebrt, am Galgen aufgehftngt. *) 

w Allen vnd yeden fursten, grauen, freiherrn, herrn, rittern vnd 
knechten klag ich Wenygnna Thandorfferine geporen von Nusperg 
ttber Nicklafsen, der sich nennt herren zu Abensperg, das mir 
der meine kleynet aufs meyner behaufsunge in gutem gelauben 
vnd getrauen dieplich, poefslich vnd anders danne eynem fro- 
men zustet, entragen vnd entfremdt hat, des verlaugent als eyn 
poefswicht, mich darmit in komer vnd verderplichen schaden 
mer dan vmb dry tausent gulden bracht hat. Hirumb so war- 
nen ich alle frome frauwen vnd allermeniclich (?) vor demsel- 
ben verretischen plutferkeuffer vnd morders - poefswicht , euch 
wissen zuverwaren vor jm, wann Ime keyn Diepstall noch an- 
der poefsheit zuvil ist. Zu vrkunde versigelt mit meynem pett- 
schafft Anno etc. lxj Jar. 

Niclans herre zu Abensperg ben ich genant 
Mein posheit macht mich weid bekannt." 

Mttnchen. J. Baader. 



*) Das Original soil sich im Besitze des Antiquars Butsch in 
Augsburg befunden haben. 



Sphragistische Aphorismen. 

LXIII. 



Dieses Siegel der Burggrafin Geldrudris von Dohna vom 
J. 1300 ist besonders interessant durch den ungleichen Helm- 
schrauck. Es gibt wol einzelne Wappen mit unsymmetrischen 
Helmzierden, auf jeder Seite ein anderes Kleinod. Beispiele 
davon auf mittelalterlichen Siegeln finden sich u. A. in dem 
trefflichen Werke: „ Siegel des Mittelalters aus den Archiven 
der Stadt Lubeck", im III. Heft, Taf. II, Fig. 16 u. 17, im 
V. Heft, Taf. VI, Fig. 81, Taf. VII, Fig. 90 u. 91 u. Taf. IX, 
Fig. 126 ; im VIII. u. IX. Heft, Taf. VII, Fig. 38 u. 39, Taf. 
IX, Fig. 50, 52—54 u. 56, Taf. X, Fig. 57—59. In der Zu- 
richer Wappenrolle kommen unter258*) und 468**) zwei der- 
artige Helmzierden vor; ebenso bei Siebmacher, Bnd. I, im 
Wappen der von der Recke, von Biberstein, von Karpfen, von 
Pack, von Haller,' sowie in dem Wappen der Tschammer ; auf 
diesem rechts die Hirschstange der rechten Seite des gespalte- 
nen Schildes und links das Bttffelhorn der linken Seite des 
Schildes ***). Allein auf dem Siegel der Burggrafin Geldrudis 
ist offenbar nur die Hirschstange rechts dem Dohna'schen W T ap- 
pen entnommen, und der linke, schwer zu blasonierende Theil 
des Helmschmucks f) bezieht sich wol auf ihr eigenes, ange- 
stammtes Wappen. 

Geltrud war die Gemahlin des Burggrafen Otto III. von 
Dohna und besafs Rabenau in Sachsen ; ihr Stammhaus ist bis 
jetzt unbekannt. Es ware aber mOglich, dafs gerade der er- 
wahnte Theil ihres Helmschmuckes zur Erforschung ihres Ge- 
schlechts beitragen konate, da derselbe ganz eigenthUmlich und 
bis jetzt einzig in seiner Art ist. 

LXIV. 
Dieses Siegel Conrad's von Enzberg, an einer Urkunde 
von 1343 im gemeinschaftlich furstlichen Hausarchive zu Oeh- 



*) Siebmacher I, 201 ist dieses Wappen der Brymsin von 
Herblingen mit zwei Buffelhornern angegeben. 

**) Siebmacher II, 80 : Hirschbach. 

***) Auf Taf. VI der Bilder der Hedwigs-Legende , von A. Rit- 
ter von Wolfskron (Wien, 1846), erscheint ein Ritter mit einem 
ahnlichen Helmschmuck: rechts ein weifses Buffelhorn, links eine 
rothe Hirschstange. 

t) Etwa drei Federn (oder Brettchen), die unterste mit vier 
Lindenblattern verziert. 



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383 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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ringen mit der Legende: *. S. CVttRADI. DG ettSGBGRG, 
(das Z ist verkehrt graviert) ist ein sehr seltenes Beispiel eines 



Sig. IV. A. 2., mit einem runden Wappenschild. Dasselbe lie- 
fert einen neuen Beweis, wie einfach und sicher die Be- 
zeichnung der Siegel nach meinem, in diesen Blattern (Jahr- 
gang 1866, Nr. 7, Sp. 236) raitgetheilten , sphragistischen Sy- 
stem ist. Denn wenn man der Bezeichnung dieses Siegels 
IV. A. 2. nur beifugt : „mit rundem Schild", so ist ein Mifs- 
verstandnifs durchaus nicht moglich and die Aehnlichkeit ebenso 
wie die Verschiedenheit dieses Siegels mit denen der Gattung 
IV. A. 1. dadurch ganz genau bezeichnet. F.-K. 



Zur Chronik der Reichsstadt Nurnberg. 

1382. Die Stadt liegt in Streit mit Adam von Saunsheim. 
Herr Albrecht von Vestenberg und A pel von Kreulsheim schlich- 
ten denselben und erhalten dafur vom Rath 12 ft 7 (J hi. zu 
einem Tuch und ein Paar Hosen. 

1395 ist grofses Sterben. Der Schulmeister zu St. Se- 
bald stirbt. Fttr ihn regiert die Schule Petrus, der Schreiber 
H. Geuder's. Der Rath schenkt ihm dafur 3 % 15 (i hi. 

1396 wird ein neuer Schulmeister zu St. Sebald ange- 
nommen. Zu seinera Einstand erhalt er vom Rath 12 % hi. 

Ziehen die Ntirnberger Schutzen nach Regensburg, wo sie 
um Kleinode schiefsen, dieselben gewinnen und nach Nurn- 
berg bringen. Der Rath schenkt ihnen „ze stewr" 9 fl. 

Der Schulmeister zu St. Egidien siegelt sechs Vidimus fttr 
den Rath; dieser zahlt ihm dafur 3 % hi. 

1419. Sebald Pirkheimer, Fritzen Pirkheimers Sohn, Seitz 
Smeltzing, Ulrich Hirfsvogel, Peter Quetrer, Georg Laner, Jacob 
Auer, Hartman Schedel, Hanns Rab, Ulrich Erber, Herman 
Reisperger &c. werden um Geld gestraft, Pirkheimer um 152 fl. 
4 (i 8 hi., die anderen etwas minder, weil sie „kawfmanschafft 
aufs vnd ein gen Venedig gearweit beten, daz der Rate ver- 
boten het von vnsers herren kttnigs haifs vnd verbots wegen." 



1422. Eine Zauberin und ihr Mann werden in's Loch 
gelegt. 

Michel Amman und Eytel Jacob werden gestraft, weil sie 
aus glasern zu trinken gegeben haben „daz verboten ist." 

Die jungen Burger und Gesellen schiefsen zu Walburgis 
um Kleinode; der Rath gibt dazu 6fl. 

Cardinal Placentinus kommt nach Nttrnberg; der Rath 
verehrt ihm ein Fuder Wein und Fische; der Cardinal da- 
gegen ladet etliche des Raths zu Tisch. 

1425 ist grofses Sterben; darob entgeht den Stadtpfeif- 
fern ihre Nahrung. Das klagen sie dem Rath, der ihnen 7% 
Halle r schenkt. 

1426. Contz von Eismannsberg wird „von wilder geberde 
wegen tt , die er von Altdorf ill die Stadt gebracht, in's Loch 
gelegt. 

1429. Der Rath schenkt einem Abenteurer, der auf 
dem Saile geht, 2 ft 4 p Haller, und des Bischofs von Mainz 
S&ngerin („singerin") 2 ft 4 (J hi. 

1432 kommen die Hussiten, die zum Concil nach Basel 
Ziehen, nach Nurnberg. Der Rath lafst durch den Gericht- 
schreiber Johann und den Battel Plank in der Stadt ausrufen, 
man soil die Beheim (Hussiten) nicht beschreien, und ihnen 
nicht nachlaufen. Auch lafst der Rath w&hrend ihrer Anwe- 
senheit umreiten und Nachtwachen gehen. 

1433 lafst der Rath den Maalbeerbaum umzaunen, der 
unter der Vesten steht. 

Die Heglin mufs zur Strafe den Stein tragen ; der Battel 
Paulus, der ihr vorpaukt, erhalt dafUr vom Rath 2 (3 4 hL 

Fritz Straussel zu Lauffen bringt am Tag St. Peters und 
Pauls aus Rom die Nachricht von der KrOnung des Kaisers 
Sigmund. Er erhalt dafur vom Rath 20 fl. und 8 (5 in Gold. 
Am selben Tag noch wurde ein Freudentanz gehalten; daftlr 
und „vmb wein vnd den pfeiffern vnd mesnern vnd den tnr- 
nern Sebaldi, als man alle glocken hie in der stat lewtet, vnd 
die pfeiffer vnd trometer auff sant Sebalds kirchen pfiffen vnd 
man frewdenfewr macht allvrab vnd vmb in der stat, vnd vil 
kind vnd junger vnd alter leut am marckt vnd sust in der 
stat vmb das fewr tantzten in festo sanctorum apostolorum pe- 
tri et pauli, do die potschafft kam, daz vnser gnedigister herre 
keyser Sigmund zu Rom gekront was worden zu Romischen 
keyser" — gab der Rath 8 ft 8 p hi. 

. 1434. Der Rath lafst sich durch C. Paumgartner grots 
und klein Papier aus Venedig bringen. 

Mtinchen. J. Baader. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: A. Essen wein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch - artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. E Sebald in Nttrnberg. 



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BEILAGE ZUM ANZEIGER FUR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1872. Jtf 12. December. 



Chronik des germanischen Museums. 



Numb erg, den 15. Dec. 1872. 
Wiederum stehen wir vor dem Jahreeschlusse und freuen uns 
beim Rdckblick, dafs auch dieser vergangene Zeitabschnitt ein ge- 
segneter war und dafs die Anstalt in demselben wiederum ernst- 
liche Fortschritte machen konnte, sowie dafs fur neue Thatigkeit 
die Keime gegeben sind, die Aussicht auf weitere Erfolge zeigen. 

Wir haben in unserer letzten Mittheilung angedeutet, dais 
rerschiedene Schritte geschehen sind, um fur die Baukasse neue 
Mittel flussig zu machen. Neben der Sorge fur neue Lokalitaten 
haben wir ja noch die fur den Uebertragungsbau des Augustiner- 
klosters, der mehr eine Sache der Pietat ale Abhulfe eines Be- 
durfnisses der Anstalt ist. Die schonen, alten Theile dieses 
Klosters sind eher selbst als Schaustucke zu betrachten, denn als 
Ausstellungslokale. Es ist ein hervorragendes, ehrwurdiges Kunst- 
werk, ein Vermachtnifs der Vorzeit, das nicht zu Grande gehen 
darf. Wen sollte dies mehr interessieren , als unsere Konstler? 
So haben denn einige von ihnen selbst den Gedanken angeregt, 
dafs aufl ihren Ereisen fur diesen Zweck die Mittel dazu fliefsen 
mflfsten, und haben sich darnm bereit erklart, Gemalde und son- 
itigeKanstwerke zu schenken, die zu verkaufen sein warden, und 
deren Ertrag zu genanntem Zwecke bestimmt werden soil, und 
haben zugleich andere Collegen veranlafst, Aehnliches zu thun. 
Einige Ennstwerke sind uns schon ubergeben worden, andere sind 
zngeaagt. Bereits sind es mehr als 60 Eunstler, darunter die er- 
sten Namen Deutschlands, welche ihr Interease an der Sache auf 
die angedeutete Weise kundgegeben haben. Gestfltzt auf solch 
erfreuliches Entgegenkommen , gedenken wir nun auf dem betre- 
tenen Wege weiter zu gehen und einen Aufruf an alle deutschen 
Kunitler zu erlassen, sich an diesem Unternehmen zu betheiligen, 
wenn nicht ein eben so erfreulicher Fortgang freiwilliger Anmel- 
dongen, wie solche biflher stattgefunden, uns dieses Schrittes 
uberhebt. 

Als eine angenehme Anerkennung des Werthes unserer Samm- 
lnngen kdnnen wir es betrachten, dafs das South Kensington Mu- 
seum in London das Ansuchen gestellt hat, dafs wir einen Kata- 
logmit Copieen unserer Holzschnittincunabeln veroffentlichen moch- 
ten, und durch Subscription auf eine Anzahl Exemplare die Ko- 
tten gedeckt hat. Auch zu einer andern Publication hat unsere 
Anstalt die Gelegenheit geboten. Wir sind schon seit zwei Jah- 
ren bemttht, im Anschlufs an unsere Autographensammlung ein 
Album anzulegen, in welches die deutschen Forsten, Feldherren 
and Staatsmanner, welche die Ereignisse des Jahres 1870 und 
1871 ge8chafifen haben, eigenhandig ihre Namen und Denk- 
spruche eintragen sollen. Allgemeines Hebenswurdiges Entgegen- 
kommen hat uns so bereits ein Denkmal geschaffen, das von her- 
Torragender historischer Bedeutung geworden ist. Wenn wir uns 
nun auch nicht entschliefsen konnten, dieses Album selbst zu pu- 
blicieren, so lange noch andere Aufgaben nicht gelost sind, so ha- 
ben wir doch dem Hof-Buch- und Eunsthandler S. Soldan hier die 



Genehmigung gerne ertheilt, in treuen Facsimiles die ihm interessant 
erscheinenden Blatter desselben zu veroffentlichen, welche er unter 
dem Titel „Gedenkbuch des Erieges 1870 — 71 und der Aufrich- 
tung des deutschen Reiches" herausgibt , und deren erste Abthei- 
lung — 60 Blatter — bereits erschienen ist. 

Auch heute kdnnen wir wieder eine ansehnliche Zahl von 
einmaligen Geldgaben und angemeldeten Jahresbeitragen bringen, 
deren manche neue Zeugnisse des Interesses sind, das selbst in 
weiter Ferae deutsche Manner unserer Anstalt entgegenbringen. 
Auch einige der Bewilligungen bayerischerDistriktsrathsversamm- 
lungen sind heute aufgefiihrt ; andere dergleichen werden im nach- 
sten Verzeichnisse folgen. 

Im An8chlu8se an die in Nr. 6 des Anzeigers gebrachten 
Pflegschaftsveranderungen haben wir folgende nachzutragen : 

Neue Pfleg8chaften wurden errichtet in Fiiretenfeld (Steier- 
mark). Pfleger : Dr. L. H u n d e g g e r , Advokat, 8. 12. Januar d. J. 
Landau (Pfalz). Pfleger: J. Dreykorn, Gymnasialrektor, s. 1. 
Oktober d. J. Muhltroff i. V. Pfleger: Richter, Pastor, vom 
1. Januar 1873 an. Saalfeld. Pfleger: W. Hebenstreit, Bur- 
germeister, 8. 30. November d. J. Sefslach. Pfleger: Lucas 
Wendler, Lehrer in Autenhausen, s. 14. Sept. d. J. 

Folgende Pflegschaften wurden neu besetzt: Berchtesga- 
den. Pfleger : Ignatz Frhr. v. Barth, k. b. Eammerer u. Land- 
richter, 8. 1. August d. J. Cannstatt. Pfleger: Louis Harten- 
stein, Banquier, s. 1. Oct. d. J. Donau worth. Pfleger: Ant 
Lauter, Maler, 8.24. Nov. d. J. Gotha. Pfleger: E.F.T hie ne- 
mann, Hofbuchhandler, 8. 1. Juli d. J. Gottingen. Pfleger: 
Ringe, Collaborator, s. 1. Octbr. d. J. Heiligenstadt. Pfle- 
ger: J. Caspar Grothof, GymnasiaUehrer, 8. 1. August d. J. 
Lauf. Pfleger: Paul Neumann, Privatier, s. 1. Novbr. d. J. 
Lubeck. Pfleger: Dr. Ernst Schon, Advokat, vom 1. Januar 
1873 an. Mannheim. Pfleger: E. Waag, Professor a. gr. Gym- 
nasium, s. 1. Novbr. d. J. Mergentheim, Pfleger: Dopffel, 
Reallehrer, vom 1. Januar 1873 an. Metz. Pfleger: Eduard 
Griinewald, kais. Friedensrichter, 8. 1. Oct d. J. Ravens- 
burg. Pfleger: Fingerle, Lyceallehrer, a. 1. August d. J. 
Scheinfeld. Pfleger: Anton Morath, furstl. Schwarzenb. 
Archivbeamter, s. 1. Septbr. d.J. Zweibrucken. Pfleger: Gg. 
Hahn, Professor, s. 10. Septbr. d. J. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Von politlsehen Corporationen, Stftdten t Bayreuth. 
Di8trikt8gemeinde 10 fl. Ludwlgahafen. Stadtgemeinde 5 fl. Neokara- 
ulm. Oberamtscorporation 10 fl. Neuburg a. D. Stadtgemeinde 10 fl. 
Regen8burg. Distriktsgemeinde 15 fl. Tolz. Distriktsgemeinde 10 fl. 
UfTenhelm. Distriktsgemeinde 10 fl. Vlllaoh. Stadtgemeinde 5 fl. 
50 kr. Weldenberg. Distriktsgemeinde 5fl. 

Von Tereinens Alsenz. Casinogesellschaft 3fl. 65ppinflen. 
Handels- und Gewerbeverein 5fl. Heilbronn a. N. Aktiengarten- 
verein 10 fl. 

Von Prlvaten : Aachaffenburg. Dessauer, Direktor, 1 fl. 45 kr., 



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387 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Dr. Hermann lfl., Herzfelder, Rechtsanwalt, 3fl. 30 kr. Bozen. 
Earl, Zahnkfin8tler 5 fl. 50 kr. (leistet den Beitrag bereits seit 1869). 
Braunsdorf. Kiichler, Pfarrer, 35 kr. Cannstatt. Firma G. Har- 
tenstein 5fl. 15 kr., v. Heine, Geh. Hofrath, 4fl., Dr. Nadelin lfl. 
Dlnkel8biihl. Oskar Fleischner, Kaufmann, 1 fl., Eduard Gansler, Apo- 
theker, 1 fl., Roman Hattemer, k. Bezirksamtsassessor, lfl. — Ess- 
llngen. Oskar Merkel 3fl. 30 kr. Fiucht. Hoffmann, Pfarrer, lfl. 
Forchheim. Friedr. Thelemann, k. Bezirksamtsassessor, lfl., Theod. 
Zellfelder, Pfarrvikar, lfl. 45 kr. 6ernshelm. Gg. Schlosser, Dia- 
konus, 1 fl. 30 kr. Hamm. v. Dethen, Kreisrichter, 1 fl. 45 kr. Hei- 
delberg. Holtzmann, Professor, 1 fl. Heilbronn a. N. H. Becker, Kauf- 
mann, lfl. Jena. Preyer, Professor, lfl. 45 kr., Dr. Schiele, Colle- 
eienrath, lfl. 45 kr. Klagenfurt. Carl Graf Fugger-Babenhausen, 
k. k. Oberst, 2 fl. 20 kr., Paul Muhlbacher, Gewerkschafts- u. Gutsbe- 
sitzer, 2 fl. 20 kr. Mainz. Dr. Bockenheimer, Grofsh. Bez.-Ger.-Rath, 
2fl. (statt friiher lfl. 45 kr.) Mergentheim. Frau Kriegsrath Rummel 
1 fl. Neuburg a. D. H. Loe, k. Studienlehrer, 1 fl., Romeis, k. Stu- 
dienrektor, 1 fl. 45 kr. Plrmasens. Heinr. Eckhard, k. Notar, 1 fl., 
Zapf, Pfarrer, lfl. Salzburg. Dr. Dismas Kuhn, k. k. Professor 
der Geburtshilfe, lfl. 10 kr., Ludw. Opacher (f), Kaufmann, lfl. 
10 kr., Jobst Schiffmann, Direktor des stadt. Museums Carol. -Au- 
gusteum, lfl. 10 kr., Leop. Spangler, k. k. Staatsanwaltssubstitut, 
1 fl. 10 kr., Ludw. Zeller, Kaufmann, 1 fl. 10 kr. San Jose (Costa- 
Rica). G.Andre lOfl. 40kr., E.Becker lOfl. 40 kr., V. H. Golcher 
2fl. 8kr., Carlo Johanning 4fl. 16 kr., Adolfo Knohr 10 fl. 40 kr., 
Arturo Kopper 10 fl. 40 kr., H. Lutz 2fl. 8kr., Gustav A. Meine- 
cke 4fl. 16 kr., G.Mullner 8fl.32kr., Walter C. Riotte 10fl.40kr., 
Erno Rohrmoser 6fl. 24 kr., L. 0. von Schrdter, 10 fl. 40 kr. 
Straubing. Borger, k. Advokat, 1 fl. 30 kr. Stuttgart. Dr. Alexan- 
der Bacher 1 fl. 45 kr., Alexander Pflaum 1 fl. 45 kr., Moritz Pflaum 
lfl. 45 kr., Pfaff, Finanzassessor, lfl. Warschau. Felix Arendt, 
Zahnarzt, lfl. 52 kr., Moritz Berend, Kaufmann, lfl. 52 kr., Carl 
Breland, Kaufmann, 9fl. 20 kr., T. Cahen, Kaufmann, 3fl. 44 kr., 
Eduard Jantzen, Kaufmann, lfl. 52 kr., Leo Jantzen, Kaufmann, 
1 fl. 52 kr., William Jantzen, Kaufmann, 1 fl. 52 kr., Oskar Joesche, 
Kaufmann, lfl. 52 kr., Adolf Libas, Banquier, 46 fl. 40 kr., Otto 
Partowicz, Kaufmann, lfl. 52 kr., Julius Schmidt, Kaufmann, 3 fl. 

44 kr. , F. Siewc2ynski , Kaufmann , 1 fl. 52 kr. , Hermann Sommer- 
feld lfl. 52 kr., Ernst Weese, Kaufmann, lfl. 52 kr., Richard 
Wildt, Kaufmann, lfl. 52 kr. Wismar. Dr. Fr. Crull 3fl. 30 kr. 
Zwickau. C. Hey roth, Cassendirektor , lfl. 45 kr., Mockel, Baumei- 
ster, 1 fl. 45 kr. , Dr. Rascher , Medizinalrath , 1 fl. 45 kr. , Gustav 
Thost, Bergingenieur, 1 fl. 45 kr., Winkler, Cantor, in Bockwa 1 fl. 

45 kr. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Von Verelnent Ulm. Verein fur Kunst und Alterthum in 
Ulm und Oberschwaben 14 fl. 

Von PriTaten : Aschaffenburg. v. Bauer 5 fl. Beyrut (Syrien). 
Kais. Ottomanische Bank 17 fl. 30 kr., Xen. F. Christmann, kais. 
Bankbeamter, 5fl., J. von Haas, kais. Bankdirektor, 9fl. 15 kr., 
Guido Hulse, Kaufmann, 9fl. 15 kr., Ferdinand Leithe, Kaufmann, 
9fl. 15 kr., Dr. Lorange, Arzt, 3fl., Liitticke u. Co., Kaufleute 
9fl. 15 kr., Michel Massad, kais. Bankcommis, 2fl. 20 kr., F. Stri- 
bel, Schneidereibesitzer, 2 fl. 20 kr., Selim Suaya, kais. Bankkassier, 
2fl. 20 kr., Th. Weber, Generalconsul, 9fl. 15 kr. Cannstatt. E. 
Pfeiffer 5 fl., v. Veiel, Hofrath, 5 fl. Forchheim. Joh. Agatz, Stadt- 
kaplan, 1 fl., Baumeister , k. Rentbeamter , 1 fl. , Joh. Buhr , Stadt- 
kaplan, 1 fl., Egid Deuerling, k. Bezirksamtmann, 1 fl. 45 kr., Wilh. 
Hoppe, k. Oberforster, 1 fl., Pet. Krapp, k. Stadtpfarrer u. Dechant, 
lfl. 45 kr., Karl Oertel, Kaufmann, lfl., Dr. Ottmar Schmidt, Apo- 
theker, 1 fl. Jena. Dr. Schiele, Collegienrath, 3 fl. 30 kr. San Jose 
(Costa-Rica). Endres 14 fl. 56 kr., L.GrevelOfl. 40 kr., C. Grytzell 
42 fl. 40 kr., Gmo. Hoist 10 fl. 40 kr., C. W. Luthmer 10 fl. 40 kr., 
F. Maison 6fl. 24 kr., N. N. 16 fl., Guillo. Steindorth 2fl. 8 kr., 
Gmo. Vanne 42 fl. 40 kr., O. Watjen 10 fl. 40 kr. Sohaas (Sieben- 
burgen). Josef Hal trich, Pfarrer, 49 kr. Schassburg. Von den Gym- 
nasiasten 5 fl. 50 kr. Warschau. B. Loth, Kaufmann, 1 fl. 52 kr., A. 
P. 3fl.44kr. Zwickau. Bleyl, Betriebsingenieur, lfl. 45 kr. 

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu : 



I. Fiir die kunst- und kulturgesohiohtliohen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6776—6793.) 
Beyrut (Syrien). Weber, Generalonsul : 3 Mflnzen des Jo- 
hanniterordens, gefunden unweit Acca in Syrien. — Finkenbach. 
J. Schneider, Pfarrer: 2 kleine Silber- und 2 Kupfennunzen 
vom 18. Jhdt. — Fiirth. Bohm, Kaufmann: Bleiernes Wallfahrts- 
zeichen des Klosters Ettal. — 6iessen. Dr. Buchner: Die Kreu- 
zigung Christi und die Martyrien der Apostel, Kupferstiche von 
H. Goltzius nach M. de Vofs. 12 Blatter aus der Passion von de 
Gheyn und Dolendo nach K. van Mander. 26 Portrate inKupfer- 
stichen vom 18. u. 19. Jhdt. H. Kapstadt: 139 Portrate in 
Kupferstich, Schwarzkunst und Steindruck. — Karlsruhe. Victor 
Scheffel: 5 St. Galler u. a. Bracteaten vom 13. Jhdt. — Man- 
ohen. Franz Trautmann: Stiick bunter Ledertapete vom 17. 
Jhdt. 2 Photographieen nach Handzeichnungen im k. Reichsar- 
chive zu Miinchen. — Niirnberg. K. Daumer, Privatier: Galvano- 
plast. Nachbildung einer Medaille auf den Nurnberger Mopsorden 
von 1745. Fleischmann, Fabrikant : Braunglasierter Kreufse- 
ner Krug, 17. Jahrh. Buntbemalter sachs. Krug, 18. Jhdt. Hau- 
ser, k. Bauamtmann : BruchstUcke von mittelalterlichen, zu Ru- 
ckersdorf bei Niirnberg gefundenen Thongefafsen. Strunz, Sei- 
fensieder: 2 inHolz geschnitzte Consolen. — Winnweiier. A. Flach, 
Eisenbahn-Ingenieur : Oesterr. Groschen von 1692. 

II. Fur die Bibliothek. 

(Nr. 29,279—29,322.) 

Aitenburg. E. v. Braun, herzogl. Sachs.- Altenb. Archivrath: 
Ders., die Stadt Aitenburg in den Jahren 1350—1525. 1872. 8. 

— Barmen. Hugo Klein, evang. Buchhandl. : Romberg, kirchl. 
u. sociale Zustande im Elsafs; 3. Aufi. 1872. 8. — Basel. Histo- 
rische Gesellschaft : Dies., Basler Chroniken; I. Bnd. 1872. 8. 
Berlin. Fr. Lobeck's Verlag: Lochner, Geschichte der Reichs- 
stadt Niirnberg zur Zeit Karl's IV. 1873. 8. — Biickeburg. Furstl. 
Lippische Hofbibliothek: Memoire abr6ge de ce qui s'est 
paese au siege de Cassel en 1761. 1762. 4. — Colmar. B. v. Cuny, 
kaiserl. Appellrath : Revue d'Alsace ; 1872, Oct.— Dec. 1872. 8. — 
Detmold. Heinrichs, Consistorialrath : 28. Jahresbericht des Lippi- 
8chen Hauptvereins der Gustav-Adolph-Stiftung auf d. J. 1872. 8. 

— Dresden. Dr. Jul. Hubner, Direktor d. k. Gemaldegallerie : 
Ders., aus meinem Leben. 1872. 8. Sonderabdr. — Freiburg i. Br. 
Fr. Wagner'sche Buchh. : Martin, d. histor. Studium der neue- 
ren Sprachen. 1872. 8. — Glessen. Dr. Otto Buchner, Real- 
lehrer: Der Einzug des siegreichen Heeres am 16. Juni 1871. 8. 

— 6raz. Dr. Arnold L us chin, Privatdozent : Ders., d. Entste- 
hungszeit des osterreich. Landrechtes. 1872. 4. Dr. Fritz Pi ch- 
ler, Professor: Ders., das Landschafts-Zeughaus in Graz. 4. Dr. 
J. B. Weifs, Univers .-Professor : Gfrorer, byzantinische Geschich- 
ten, hgg. v. Weifs; I. 1872. 8. — Halle. Dr. Ernst Dummler, 
Univers.-Professor : Ders., Anselm der Peripatetiker. 1872. 8. — 
Hanau. Friedr. Fischbach, Lehrer d. Ornamentik an d. k. Aka- 
demie : Ders., die Pflege der deutschen Kunst-Industrie. 12. Ders., 
Album fur Wohnungsdecoration ; 1. Lief. gr. 2. Peter Joseph 
Fischbach, Friedensrichter zu Bensberg. 1871. 8. — Karlsruhe. 
Dr. Victor Scheffel: Vionnet, les monuments prehistoriques de 
la Suisse occidental e et de la Savoie. 1872. Imp. 2. — Leipzig. 
J. J. Weber, Verlagshandl. : Illustrierter Kalender fur 1872 u. 
1873. 8. — Miincheberg. Kuchenbuch, Kreisgerichtsrath : Leh- 
mann, das Rauschen der himml. Heerschaaren auf den Wipfeln 
des deutschen Volkswaldes. 1870. 8. u. a. m. J. Fr. C. Rogatz, 
Conrector: Ders., d. deutsch-franzos. Krieg im J. 1870 u. 1871. 8. 

— Miinchen. K. b. Akademie der Wissenschaften: Dies^ 
Abhandlungen der philos.-philol. Classe; Bnd. XII, 3. Abth. 1871. 
4. Dies., Abhandlungen der mathemat. -physikal. Classe ; Bnd. XI, 
1. Abth. 1871. 4. Friedrich, uber d. Geschichtschreibung unter 
dem KurfUrsten Maximilian I. 1872. 4. Historische Commis- 
sion: Schmeller, bayerisches Worterbuch; 2. Ausg. , bearb. von 
Frommann; 7. Lief. 1872. 8. Chroniken der deutschen Stadte; 



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389 



Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



390 



10. Bnd. 1872. 8. — Nflrnberg. Ammersdorfer, Bleistiftfabri- 
kant: Joco-seriorum naturae et artis, sive magiae naturalis centu- 
riae III. 1677. 4. Dr. Ludw. Feuerbach'e Erben: Hallische 
Jahrbucher fur deutsche Wissenschaft und Kunst ; Jbg. 1 — 5. 1838 
—42. 4. E. H e k t o r , Sekretar des german. Museums : Schmitthen- 
ner, kurzes deutsches Worterbuch. 1834. 8. Friedr. Kom'sche 
Buchh. : Die Volksschule des 19. Jahrhunderts ; 4. Lief. 1872. 8. 
Carl Sch oil: Ders., Wahrheit aus Ruinen. 1873. 8. — RegeR8- 
burg. Histor. Verein f. Oberpfalz u. Regensburg: Ders., 
Verhandlungen etc. 28. Bnd. 1872. Q. Denzinger, d. sogen. Esels- 
thurm am Dome zu Regensburg. 1872. 8. Sonderabdr. Keber, ein 
noch ungedrucktes Gedicht des Conr. Celtes. 1872. 8. Sonderabdr. 
?. Schonwerth, Joh. Andr. Schmeiler und seine Bearbeitung der 
bayer. Mundarten. 1872. 8. Sonderabdr. v. Walderdorff, Hans 
Weininger. 1872. 8. Sonderabdr. Teicher, Geschichte der Leistun- 
gen u. Auszeichnungen des kgl. bayer. 11. Infanterie-Regiments in 
dem Kriege 1870—71. 1872. 8. Sonderabdr.— Slgmarlngen. Hofrath 
Dr. F. A. Lehner, frstl. Hohenzollern'scher Bibliothekar u. Con- 
servator : Ders., frstl. Hohenzollern'sches Museum zu Sigmaringen. 



Verzeichnif8 der Metallarbeiten. 1872. 8. — Speler. Hist. Ver- 
ein der Pfalz: Ders., Mittheilungen ; in. 1872. 8. — Stra88burg. 
Kais. Univers.- u. Landesbibliothek: Die Einweihung der 
Strafsburgtr Universitat am 1. Mai 1872. 1872. 8. — Stuttgart 
J. G. Cotta'sche Buchh. : Beschreibung des Konigreichs Wurttem- 
berg; Heft 4—11 u. 13—27. 1827-50. 8. Uhland's Scbriften zur 
Geschichte der Dichtung u. Sage; VIII. Bnd. 1873. 8. Ed. Hall- 
berger, Verlagshandl. : Beschreibung des Konigreichs Wiirttem- 
berg; Heft 28— 31 u. 33—37. 1851—56. 8. Karl Kirn, Verlags- 
buchh. : Cramer, d. Grafschaft Hohenzollern, 1400—1850. 1873. 8. 

III. Fur das Arohiv. 

(Nr. 4286-4287.) 

NQrnberg. Dr. Fr. Zehier: Autograph des Dr. Gerber, Vice- 
kanzlers der Universitat Tubingen. 1851. — ZwelbrQcken. J. Mar- 
zall, k. Lehrer: Diplomatiscbe Korrespondenz zwischen Konstan- 
tinopel und Athen : fiinf turkische Urkunden u. Briefe. 19. Jahrh. 
Akten. 



Chronlk der historischen Vereine. 



Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft 
in Wien. II. Band, 1872. Nr. 9. 8. 

Blatter des Vereine 8 fur Landeskunde von Nieder- 
osterreich. Neue Folge. V. Jahrg. Wien, 1871. 8. 

Ueber die beiden Wappen am Grabsiein Friedrich's von Chreus- 
pach in der Augustinerkirche zu Baden. — Fortsetzungen. 

Topographie von Niederosterreich. Hrsg. von dems. 
Veiein. Zweites und drittes Heft. (Bogen 9—24.) Mit 2 Taf. in 
Farbendruck. Wien, 1871. 4. 

Der Kirch en- Schmuck. Blatter des christlich en Kunst- 
vereines der Diozese Seckau. 1872. HI. Jahrg. Nr. 11. 
Graz. 8. 

Fortsetzungen. 

Abhandlungen der philosophisch-philologischen 
Classe der koniglich bayerischen Akademie der Wis- 
senschaft en. Zwolfter Band. In der Reihe der Denkschriften 
der XLV. Band. Munchen, 1871. 4. 

Die Entstehungszeit der alteren Gulathingslog von Konrad 
Maurer. — Ein katalanisches Thierepos von Ramon Lull. Von 
Konrad Hofmann. 

Ueber die Geschichtschreibung unter dem Kurfflr- 
sten Maximilian I. Vortrag in der off. Sitzung ders. Akade- 
mie am 27. Marz 1872 . . . gehalten von Dr. Johann Friedrich. 
Munchen, 1872. 4. 43 Stn. 

Mittheilungen von dem Freiberger Alterthums- 
verein. Herausgeg. von Heinr. Gerlach. 9. Heft. Mit 6 Tafeln 
Abbildungen. Freiberg. 1872. 8. 

Das Wappen der Stadt Freiberg. Von Adv. Gautsch und 
8tadtrath Gerlach. — Die „Thumerey" zu Freiberg. Von Cantor 
Hing8t. — Zur Geschichte des sachsischen Bruderkrieges. Von 
Dr. E. Herzog. — Eine Freiberger Stadtrechnung vom Jahre 1577. 
Von Stadtrath Gerlach. — Alte Freiberger Rathsordnungen. Von 
dems. — Einiges uber den alten Halsbrucker Bergbau bei Frei- 
berg. Von Berginsp. G. A. Richter. 

Zeitschrift des Vereins fur Geschichte and Alter- 
thum 8chlesien8. Namens des Vereins herausgegeben von 



Dr. Colmar Grflnhagen. Elfter Band. Erstes Heft. Breslau, Jo- 
seph Max & Komp. 1871. 8. 

Errichtung der Koniglichen Kammer in Schlesien. Von Dr. 
Franz Kiirschner. — Die betenden Kinder in Schlesien. Von 
Pfarrer Sommer. — Eine archivalische Reise nach Wien. Von 
Prof. Dr. Griinhagen. — Jagerndorf unter der Regierung der 
Hohenzollern. Von Prof. Biermann. — Herzog Johann Christians 
von Brieg zweite Ehe mit Anna Hedwig von Sitsch und die aus 
derselben abstammende piastische Nebenlinie der Freiherren von 
Liegnitz. Von Dr. C. A. Schimmelpfennig. — Die Siegel Boles- 
laws II. von Schlesien. Von Dr. H. Grotefend. — Zur Geschichte 
des Breslauer Aufstandes von 1418. Von Prof. Dr. Griinhagen. — 
Gegenuberstellung der Zustande in Myslowitz kurz vor und nach 
Eintritt der preufs. Herrschaft. Von Dr. Lustig. — Archivalische 
Miscellen etc. 

Scriptores rerum Silesiacarum. Hrsg. von dems. Ver- 
ein. Siebenter Band. Historia Wratislaviensis von Mag. Peter 
Eschenloer. Herausgeg. von Dr. Herm. Markgraf. Breslau, Jos. 
Max & Comp. 1872. 4. XXIX und 257 Stn. 

Regesten zur Schlesischen Geschichte. Namens dess. 
Vereins hrsg. von Dr. C. Griinhagen. Vom Jahre 1251 bis 1258. 
Breslau, J. Max & Comp. 1872. 4. 72 Stn. 

Acta public a. Verhandlungen und Correspondenzen der 
schlesischen Fursten und Stande. Namens dess. Vereins hrsg. von 
Dr. Herm. Palm. Jahrg. 1620. Breslau, J. Max & Komp. 1872. 
4. Xn und 826 Stn. 

8chle8ische Furstenbilder des Mittelalters. Namens 
des Vereins fur das Museum schlesischer Alterthumer in Breslau 
. . . hrsg. von Dr. Herm. Luchs. Mit 47 Bildtafeln. Breslau, 
Eduard Trewendt. 1872. 4. 

Berlinische Chronik nebst Urkunden-Buch. Heraus- 
geg. von dem Verein for die Geschichte Berlins. 8. Lief, 
des ganzen Werkes. Jahrg. 1872. Berlin, 1872. K. Geh. Ober- 
Hofbuchdruckerei. 2. 

Schriften dess. Vereins. Heft V. Kleine Berlinische Reim- 
Chronik. Gedichte mit historischen Bemerkungen von A. Hopfher. 



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391 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



393 



Heft VI. Beitrage zur Geschichte Berlins wahrend des dreifsig- 
jahrigen Krieges. Berlin, 1871. 1872. 8. 

In der am 22. October stattgefundenen Versammlung des 
Vereins fur Geschichte und Alterthumskunde zn Er- 
furt hielt Dr. W. Schum einen Yortrag fiber seinen Besuch einer 
Reihe deutscher Archive and Bibliotheken, insbesondere iiber seine 
bei dieser Gelegenheit gemachten Studien uber Erfnrts Verhalt- 
nisse im Reformationszeitalter. — Hieran schlofs sich ein Yortrag 
vom Zeichenlehrer Krospe flber den Erfurt er Todtentanz, der in 
farbigen Gopien vom Maler Th. G5tz und in Federzeichnungen 
vom Yortragenden den Anwesenden vorgelegt wurde. 



Zeitschrift des Architekten- und Ingenieur-Ver- 
einB zu Hannover. Band XVUI. Heft 2. (Jahrg. 1872.) 2. 

Die Kunst im Gewerbe. Darstellung ausgefuhrter Arbeiten . . . 
nebst Original - Aufhahmen kunstgewerblicher Erzeugnisse ana der 
Bluthezeit des Mittelalters, herausgeg. vom Hannover'schen Archi- 
tekten- und Ingenieur-Verein, redigirt von Edwin Oppler. Band L 
Heft 1. Hannover 1872. Cohen & Risen. 2. 

Basler Chroniken hrsg. von der historischen Gesell- 
schaft in Basel Erster Band. Hrsg. durch Wilhelm Vischer 
und Alfred Stern. Unter Mitwirkung von Moriz Heyne. Leipzig, 
S. Hirzel. 1872. 8. XXVI und 591 Stn. (Mit 2 Steindrucktafeln.) 



Nachrlchten. 



Literatnr. 

Neu erschienene Werke. 



29) Abbildungen vonmittelalterlichen undvorchrist- 
lichen AlterthOmern in den Gauen des vormali- 
gen Bisthums Halberstadt, gesammelt von Chr. 
Fr. Bernh. Augustin, Ober-Domprediger zu Hal- 
berstadt u. s. w. Nach Notizen des verewigten Dr. Au- 
gustin be8chrieben von Dr. A. Friedrich. Wernigerode. 
Druck von B. Angerstein, 1872. 4. 30 Stn. Mit Abbildun- 
gen in Steindruek. 

Aniais zur Herausgabe dieser Schrift hat die Erwerbung der 
bereits 1856 vom Ober-Domprediger Augustin hinterlassenen Al- 
terthumer far die graflich stoUbergische Sammlung zu Wernige- 
rode gegeben, und es werden in derselben theils die vom fruhe- 
ren Besitzer verdffentlichten Abhandlungen in Erinnerung gebracht 
— wie derselbe auch bereits die Abbildungen hatte herstellen las- 
sen — theils werden letztere von neuen Bemerkungen des Her- 
ausgebers begleitet, da erstere allerdings manches Veraltete ent- 
halten. Die erste Abhandlung betrifft den sogen. Lugenstein auf 
dem Domplatze zu Halberstadt, sowie einige in und bei dieser 
Stadt aufgefundene AlterthQmer aus Stein und Thon. In der fol- 
genden haben wir den genauen Bericht uber die Ausgrabung einer 
alten Begrabnifestatte in der Nahe von Halberstadt, die viel des 
Besonderen bietet, wenn wir auch die Opferphantasieen , in wel- 
chen der Yerfasser sich ergeht, zuriickweisen miissen. Die Abhand- 
lung wurde, was wir nicht unbemerkt lassen wollen, v bereits 1823 
geschrieben; daher deren romantische Farbung. Mit fJebergehung 
der folgenden ahnlichen Inhalts weisen wir vorzuglich auf den 
Nachtrag hin, welcher fdr die in letzter Zeit mehr in denVorder- 
grund tretende Frage der Ueberleitung der vorchristlichen Topfer- 
kunst in das Mittelalter wichtige Anhaltspunkte bietet Er be- 
8pricht namlich eine Anzahl aufserst merkwardiger, im Garten des 
Franziskanerklosters zu Halberstadt gefundener und in eine be- 
stimmte Zeit zu verweisender Thongefafse, welche neben geringen 
Anklangen rdmischen Einflusses den ununterbrochenen Zusammen- 
hang der heimischen Ceramik deutlich erkennen lassen. Einer 
Aufzahlung „verschiedener Gotzenbilder 14 ist mitRecht ein Frage- 
zeichen hinzugefagt; denn sie bestehen aus einem Bronzeleuchter 
und kleinen, wol als Spielzeug anzusehenden Thonfiguren des 
14. Jahrhunderts. v. E. 



30) Das Pfalgraben-Casteli Salburg bei Homburg 
v. d. H. VonDr.K.Ros8el, k. Staatsarchivar a.D. Wies- 
baden, 1871. Im Selbstverlag des Verfassers. In Commit- 
sion bei F. Frauenholz in Homburg v. d. H. gr. 8. 26 Stn. 
Mit 1 Holzschnitt u. zwei Planen in Steindr. 

Schon in den Jahren 1855 — 1857 wurden auf der Salburg um- 
fassende Nachgrabungen veranstaltet , deren Ergebnisse indefs bis 
dahin einer zusammenhangenden wissenschafblichen Bearbeitung 
entbehren mufsten, wenn auch Gerhard in seiner archaologischen 
Zeitung von 1856 darauf zuruckkam und v. Hefner in einem Auf- 
satze in der neuen Munchener Zeitung vom selben Jahre das all- 
gemeine Interesse dafar rege machte. Zur Befriedigung der zsU- 
reichen Besucher des Ortes ist der letztgenannto Aufsatz in Ein- 
zelabdrucken ausgegeben. Bei der einstigen Bedeutung des Castellfl 
aber for die Kriege zwischen den Romern und Germanen worde 
eine erneute, sachgemafse Bearbeitung um so wunschenswerther, als 
inzwischen die Ausgrabungen uber den Stand der fruher erschie- 
nenen Veroffentlichungen hinweggeruckt waren. In vorliegender 
Schrift haben wir, was in der Beziehung gewflnscht werden 
kann: eine einfache, pracise Darlegung des Sachverhalts, die nach 
Mafsgabe der wirklich vorhandenen Zeugnisse den Gegenstand 
wissenscbaftlich erschopft und fdr den Ort als Fohrer dienen 
kann. Nach kurzer Feststellung der GrQndung und Geschichte 
des Castells werden die daselbst gefundenen Inschriften, Mflnzen, 
Militarziegel und Anticaglien betrachtet, die bauliche Anlage er- 
mittelt und fur die Erforschung der noch nicht ganz aufgedeck- 
ten Umgegend Winke gegeben. Die trefflichen Karten erleichtern 
die Uebersicht auch fur Auswartige. v. E. 

31) Geschichtliche Nachweisungen flber die Sitten 
und das Betragen der Tubinger Studirenden 
wahrend des 16. Jahrhunderts. Von Robert von 
Mo hi. Zweite Auflage. Tubingen, 1871. Verlag der E 
Laupp'schen Buchhandlung. 8. Mit einer Ansicht von Tu- 
bingen im 16. Jahrhundert in Steindruek. 

Wie der Verfasser selbst gesteht, geben die unter obigem Ti- 
tel verdffentlichten Auszuge aus den Senatsprotokollen, dem Priri- 
legien- und Statutenbuche wie anderen, Disciplinarsachen betref- 
fenden Acten der Universitat so wenig ein erschdpfendes BUd des 
Lebens und der Wirksamkeit derselben, selbst innerhalb des be- 
Btimmten Zeitraums, als wenn wir zur Charakteristik unserer 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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Funde alter menschlicher und thierischer Knochenreste, alter Waf- 
fen, Werkzeuge und Gerathe von Stein, Knochen, Thon oder Me- 
tall auf oder in der Erde, im Torfmoor, in Gewassern, uberhaupt 
aller Spuren von Niederlassungen, Befestigungen, Pfahlbauten oder 
Grabstatten des Menschen aue vorgeschichtlicher Zeit, thunlichst 
Sorge zu tragen. §. 2. Die gedacbten Behorden und deren Be- 
amte sind beauftragt, von neuen Auffindungen solcher Art der 
fur diesen Zweck von dem NaturwiBsenschaftlicben Verein und 
der Historischen Gesellscbaft des EunBtlervereins zu Bremen ge- 
meinschaftlich eingesetzten „Anthropologischen Commission" un- 
gesaumt Eenntnifs zu geben und, falls die dauernde Erhaltung 
der gefundenen Gegenstande nicbt tbunlicb sein sollte, dafflr zu 
sorgen, dafs dieselben mindestens bis nach erfolgter Kenntnifsnahme 
und Feststellung des Sacbverhalts von Seiten eines Mitgliedes der 
gedacbten Commission in ibrem Zustande belassen werden. — 
§. 3. Privatpersonen , insbesondere die Verwaltungen von Bau- 
gesellscbaften und ahnlicben Unternebmungen , welche in den Be- 
sitz oder zur Kenntnifs von Denkmalen oder Gegenstanden der 
bezeicbneten Art gelangen soil ten, werden aufgefordert, in gleicber 
Weise zu verfabren. — Beschlossen Bremen, in der Versammlung 
des Senats vom 18. und bekannt gemacbt am 21. November 1872." 

127) In der diesjabrigen General versammlung des Vereins fur 
na8sauiscbe Alterthumskunde und Geschichtsforschung wurde u. A. 
zur Spracbe gebracht, dafs die Arbeiten an der Salburg bei 
Horn burg, welcbe seither dem Conservator unterstellt waren, durcb 
drei Umstande eine lebhafte Forderung erfahren baben: durcb 
die fur die Erbaltung des Vorhandenen bewilligten Staatsmittel, 
durcb einen aus den Umwohnern der dortigen Gegend, cives Tau- 
nenses, gebildeten Verein , welcher die Erbaltung des Bestebenden 
durcb eine sacbgemafse Restauration sicbern will, und endlich 
durcb die auf Recbnung des konigl. Museums zu Berlin unternom- 
menen Ausgrabungen im n 6 rd lichen Theile des Castells. Hierdurcb 
wurde es moglich, das ganzlich zerriittete Mauerwerk der 4 Thore 
wieder bis zu einer zur Erbaltung des Grundrisses nothigen Hohe 
berzustellen und den ausgegrabenen Tbeil der biirgerlichen Nie- 
derlassung binter dem Castell durch eine Umhegung zu schiitzen, 
welcbe man nach Art der Gebiicke angeordnet bat. Es wurden 
bei dieser Gelegenheit neue, sebr lehrreiche Heizvorrichtungen und 
eine regelmafsige Reihe von kleinen Hausern mit ihren wohlerhal- 
tenen Balkenkellern entdeckt und ferner durch den Durchhieb der 
Rdmerstrasse durch den Wald diese Belbat sowie die ihr zur Seite 
liegenden Graber freigelegt. Zur Erhaltung und belebrenden Dar- 
legung jener Graber bat der genannte Verein auf alten Funda- 
menten ein Graberhaus erbaut, das seinen Zweck ausspricht und 
erfullen wird. Durch die fur das Berliner Museum vorgenommene 
Ausgrabung, welche leider nur geringe Ausbeute gewahrte, wurde 
fur das Castell wenigstens der grofse Vortheil erreicht, langs der 
Nordseite desselben den urspriinglicben Boden und ein bisher noch 
unbekanntes heizbares Gebaude freigelegt und den ganzen nord- 
lichen Wall auf seine ursprungliche Hohe gebracht und reguliert 
zu haben. (Rbein. Eur., Nr. 291.) 

128) Eine grofse heidnische Grabstatte wurde kiirzlich 
in der Nahe der Dorfer Veselic und Nahoran, bei Haroraer 
und Bohmisch-Skalitz durch J. Houser und Jos. Rydle entdeckt. 
Sie fanden im dichten Wald unweit der Burgruine Veselic eine 
Reihe von kegelformigen Hugeln, welche sie in Gemeinschaft mit 
dem Professor J. E. Hrase ale heidnische Grabhttgel erkannten. 



Dieselben, etwa 120 an der Zahl, sind bis zu einer Klafter hoch. 
Einer hat 2 Elafter Hohe. (111. Ztg., Nr. 1534.) 

129) Beim Bau der Leipzig -Zeitzer Eisenbahn fanden Arbei- 
ter in der Flur Grofs-Dalzig, 1 Meter tief unter der Ackerkrume, 
eine einfache Urne von gebranntem Thon, die auf dem Schadel 
eines in sitzender Stellung befindlicben Skelets stand. Daneben 
wurde, von einer Steinplatte bedeckt, eine Urne von ungebrann- 
tem Thon mit Ueberresten von Glasperlen, Eupfermonzen und ver- 
kohlten Enochen gefunden. Ein steinerner Hammer ohne Stiel, 
aus poliertem Serpentinstein sauber gearbeitet, lag an der rechten 
Seite des Skelets. (Das.) 

130) Am 6. December stiefs man im untern Theile der Stadt 
Ems, welcher fruher mit Dorf bezeicbnet wurde, beim Aufgraben 
der Strafse wegen Legens der Wasserleitungsrohren auf Mauern 
und Fufsboden romischen Ursprungs, woraus sich die Vermutbung 
des Herrn Vogelsberger bestatigt, dafs im unteren Theile von 
Ems eine grofse romische Ansiedelung vorhanden gewesen. 
Unter den vielen Platten, welche den aus Ealk und Backstehv 
stuckchen bestehenden Boden deckten, fanden sich 3 Steine mit 
unter sich verschiedenen Stempeln der COH. nn. VJND. Die 
4. Coborte wird demnach diesen Theil des Castells erbaut baben. 
Herr Vogelsberger hat eine genaue Zeichnung nebst Mafsen an 
der Fundstelle aufgenommen und 2 Pfeiler von den vielen, welche 
unter dem einen Fufsboden waren und zur Heizung dienten, nebst 
Platten u. s. w. in seiner Sammlung aufgestellt, um die Construc- 
tion zu veran8chaulichen. Es fanden sich noch verschiedene ei- 
serne Elammern, welche zum Befestigen des Bodens dienten, und 
einige Enochen — wie es scheint von Pferden — , aufserdem ein 
Hufeisen, welches sich dadurch auszeichnet, dafs es klein und ohne 
Nagellocher ist. Der Rand des Eisens scheint derart gewesen zu 
sein, dafs er den Huf umschlofs und dadurch festhielt. — Die bei 
Aufraumung des Pfarrhausgartens gefundenen Gerippe gehoren 
wahrscheinlich einer spateren als der romischen Zeit an; es fanden 
sich daselbst nur Bruchstucke von romischen und mittelalterlicben 
Scherben, welche sammtlich aufbewahrt wurden. Ein kleiner ro- 
mischer Miihlstein von ca. Vl% Durchmesser wurde vergangene 
Woche in der Nahe des EreideFschen Hauses in einer Tiefe von 
l'/i' gefunden. Aufserdem fand man eine Grofsbronze-Munze von 
Trajan gegeniiber dem goldenen Lamm oder der Wage (nahe 
beim Eursaal) mit dem Eopfe des Kaisers und der Umschrift: 

JMP CAES NERVAE TRAJANO AUG GER DAC P M 

Alle diese Gegenstande hat Herr Vogelsberger seiner 

reicbhaltigen Sammlung einverleibt. (Rhein. Eur., Nr. 204.) 

131) Zu Frei-Laubersheim bei Ereuznach wurde gleich 
bei der Eirche ein reiches frankisches Todtenlager aufge- 
deckt, unter welch em nach alien Anzeichen eine noch altereger- 
mani8cbe Todtenstatte liegt. Die zahlreichen und theilweise sehr 
interessanten Funde sind an das Mainzer Museum gelangt. 

132) In Mainz ist die HerBtellung der Erypta unter dem 
Ostchore des Domes in vollem Gange. Die alte Quaderverkleidung 
der Wande wird ohne Veranderung belassen, da das Material gro- 
fsentheils trefflich erhalten ist, und sowohl in seiner ursprungli- 
chen Bearbeitung, wie durch die Einwirkung einer vierhundert- 
jabrigen Verscbuttung ein so charakteristisches Geprage besitzt, 
dafs jede versuchte Verbesserung viel eher ein Nachtheil als ein 
Vorzug bei einem so ehrwiirdigen Baudenkmale sein wurde. 

133) In Wurzburg ist die Restauration der dortigen 



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Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Minoriten-Kirche in Anregung gebracht worden. Es werden 
ra diesem Zwecke gegenwartig Vorbereittingen getroffen. Haupt- 
sacblich handelt es sich um die Herstellung der ursprunglichen 
Architektur des MittelschifFes, welches, flachgedeckt und mit Licht- 
gaden von rosenformiger Gestalt versehen, in der Zeit der Herr- 
schaft des Ffirstbischofs Julius ein flachgespanntes Gewolbe erhielt, 
welches so tief angelegt ist, dais die Lichtgaden nunmehr in dem 
Dachraume liegen. Im Anschlusse daran miifste das Dachwerk 
derart verandert werden, dafs die 3 Dacher gesondert wurden, 
wahrend jetzt ein schlecht construierter Dachstuhl die drei Schiffe 
uberdeckt. Bei einer durchgreifenden Herstellung des Inneren 
wiirde namentlich der Chor mit seinem Mobiliar eine der ursprung- 
lichen Anlage entsprechende Umgestaltung erfahren. 

134) Autographen von Martin Luther, Ph. Melanchthon, 
J. Bugenhagen, K. Cruciger, J. Jonas und G. Major wurden fttr 
den Preis von 47 Pfd. St. von Herrn Labuyfiere angekauft. Es 
waren zwei Pergamentbogen in Folio, und jeder der beruhmten 
Reformatoren hatte auf eine Seite die Erklarung zu einem Bibel- 
verse geschrieben und Datum (1543) und Namen darunter gesetzt. 
Hochst wahrscheinlich hatte ein Student, bevor er Wittenberg ver- 
liefs, diese Autographen von den beruhmten Professoren sich zum 
Andenken erbeten. Nur J. Jonas hat gar nicht datiert, und G. 
Major's Datum lautet 1549. 

135) Am 4. December wurde zuKronach an dem muthmafs- 
lichen Geburtshause des Malers Lucas Cranach eine Gedenk- 
tafel angebracht, welche in weithin sichtbarer Schrifb die Worte 
enthalt : ,,In diesem Hause wurde im Oktober 1472 geboren Lukas 
Cranach." 

136) Am 24. October wurde fiber der Eingangsthiire zur stadti- 
schen hoheren Tochterschule zu Goth a, dem fruheren Wohnhause 
Lucas Cranach' 8, in der Wand eine Gedenktafel von weifsem 
Mannor eingeffigt, welche die Inschrift tragt: „Dem Maler der 
Reformation Lucas Cranach zur Feier seines vierhundertjahrigen 
Geburtstags 1872 gewidmet vom Kunstverein zu Gotha." Der 
Malersaal, in welchem Cranach seine Meisterwerke schuf, dient 
jetzt als Schulzimmer. (Deutsche Kunst-Zeitung, Nr. 143.) 

137) Unter dem Titel „ Codex Cavensis Diplomaticus nunc pri- 
mum in lucem editus etc." erscheinen die Urkunden vom Ende 
des 8. bis zur Mitte des 12. Jahrh., welche im Archive der Bene- 
diktinerabtei zur heiligsten Dreifaltigkeit von Cava deiTerreni 
aafbewahrt werden, herausgegeben von D. Michele Morcaldi und 
zwei andern Benediktinern des genannten Klosters. Die Doku- 
mente sind interessant, namentlich als unerschopfliche Quelle fur 
die vergleichenden Studien des offentlichen Rechts, der Gewohn- 
heiten und Gebrauche, des Ackerbaus und des Handels zu jener 
Zeit. Das Werk wird 7 bis 8 Bande in 4. von je 400 Seiten um- 
fassen und mit chronologischen Verzeichnissen, Vocabularien etc. 
ausgestattet sein. Der Preis fur jeden Band berechnet sich auf 
30 Lire ital. 

138) Die Bibliothek des verstorbenen Justizraths Barheine in 
Insterburg, reich an Manuskripten und Incunabeln, diese 
mit Guttenberg beginnend, nebst bibliographischem und palaogra- 
phischem Apparat (ca. 1000 Nummern), soil im Fruhjahr 1873 
durch Lepke in Berlin zur Versteigerung gelangen. 

139) Das Landschafts-Zeughaus zuGraz hat in jungster 
Zeit vielseitig von sich reden gemacht, nachdem die Absicht laut 



geworden war, dasselbe aufzulosen und aus einem Theil der Bestande 
ein Waffenmuseum zu errichten. Es ist daher sehr dankens- 
werth, dafs Professor Dr. Fr. Pichler, Vorstand des steiermarki- 
schen landschaftlichen Antikenkabinets, eine eingehende Skizze des- 
selben geliefert hat. Das Haus, unmittelbar neben dem landschaft- 
lichen Standehaus in der Herrengasse zu Graz gelegen, hat nach 
dieser Strafse hin die Schmalseite gekehrt, mit den Figuren von 
Mars und Bellona und den Wappen von Myndorf , Rotenmann, 
Rattmannsdorf, Saurau und Eibiswald. Es ist 1644 erbaut und 
zeigt in zwar oinfachen Formen doch die schwere, an's Barocke 
streifende Durchbildung der Hochrenaissance. Wenn auch schon 
fruher die Steiermark ihr Landesrfisthaus besafs, so ist doch offen- 
bar die Zeit der Erbauung dieses Hauses auch die, in welche die 
darinnen heute noch aufbewahrten Waffenstiicke zusammenge- 
bracht wurden; nur Weniges ist alter, wahrend das Material aus 
dieser Zeit in Massen vorhanden ist. Es sind nicht iiberwiegend 
PrunkwafTen, wie in fiirstlichen Sammlungen. sondern das Materia), 
mit welchem die Steiermark ihre Soldner ausrfistete, und es steht 
noch im Wesentlichen 60 da, wie man es damals stellte. An die 
Waffen des 17. schliefsen sich die des 18. Jahrhunderts an, und 
selbst bis in den Anfang unseres Jahrhunderts reichen die Be- 
stande, bis die Einheit Oesterreichs und seine grofse Armce ein 
gesondertes steierisches Contingent nicht mehr nothig machte. 
So sind in vier Stockwerken iiber 28,000 Stuck meist gemeine 
Waffen in der Weise aufgestellt, wie sie ein Zeughaus bietet, 
freilich nicht mehr ganz in urspriinglicher Weise, da ja die Zeit 
an Alles tastet. Doch wird jeder Besucher (Verfasser dieser Zei- 
len hatte wiederholt Gelegenheit wahrend seines Aufenthaltes in 
Graz, Besucher dahin zu fUhren und ihr Staunen zu sehen) sofort 
die interessanteste Seite nicht in den Einzelheiten, sondern in der 
Totalitat dieses alten Zeughauses suchen. Wenn er iiber 4300 Pi- 
stolen, gegen 4000 Musketen und Carabiner mit Lunten- und Rad- 
schlofs u. A., ungefahr eben so viele Pulverhorner, gegen 3000 Hel- 
lebarten, nahezu 2600 Helme, iiber 2000 Korasse, meist mit Gans- 
bauchen, die grofse Zahl der Radschlorsspanner, Schwerter u. s. w. 
wohlgeordnet und auf Gestellen zusammengereihet findet, so denkt 
er nicht daran, das Einzelne zu studieren ; aber mehr als in irgend 
einer Sammlung von Kostbarkeiten ist er in die alte Zeit versetzt 
und versteht das Kriegsleben, dessen Geist er in einem vollstan- 
digen Theile hier findet; wie Furtenbach und die alten Kriegs- 
8chrifbsteller ein Zeughaus schildern, wie sie den Kriegsherren be- 
lehren, was er anschaffen und wie er es aufbewahren mufs, so 
steht es leibhaftig da, ein lebendig gebliebenes, vollstandiges Stuck 
einer alten Zeit. Wohl sind neben der grofsen Masse auch ein- 
zelne wenige Stuck e von hervorragender Zierlichkeit , mit reicher 
Ornamentik von eigenthiimlichem Bau, doch keines, das den bes- 
8ern Stiicken der Ambraser Sammlung und des historischen Mu- 
seums zu Dresden an die Seite treten konnte. Will man Speci- 
mina aussuchen, so gibts kaum 500 verschiedene Stucke; eine 
vollstaudige Geschichte des Waffenwesens gibt es nicht, noch eine 
prunkende Riistkammer. 

Deshalb wurde es jeder Freund der Kulturgeschichte auf s 
lebhafte8te bedauern, wenn der Plan wirklich zur Ausfiihrung 
kame und das Zeughaus aufgelost wurde. Wir haben inDeutsch- 
land, England und Frankreich fiirstliche Rustkammern genug, die 
una den Prunk und Luxus zeigen, den die Fiirsten mit Hulfe aus- 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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gezeichneter Kunstler und kunstfertiger Werkmeister zu treiben 
wufsten, wenn sie auch gewifs nicht daran dachten, eich in ern- 
ster Feldschlacht mit jenen Prunkwaffen zu bekleiden ; wir haben 
eine Reihe trefflich wissenschaftlich geordneter Sammlungen, die 
uns nach jeder Richtung hin die Gesehichte der Waffen verfolgen 
la88en; — aber ein altes Originalzeughaus , in welchem Geriiste 
und Einrichtung wie Waffen noch fast vollstandig beisammenge- 
blieben sind, haben wir nicht mehr. Und doch ist heute gerade 
die Wissenschaft auf dem Standpunkte angelangt, dafs sie ge- 
sammte Kulturbilder sucht und braucht. Wir geben uns Miihe, 
nicht bios die Gesehichte des einzelnen Mobiliars, sondern des 
ganzen Hauses der Vorzeit zu studieren; wir sind froh, dafs noch 
da und dort einzelne wenige Hauser ganz in ihrer alten Einrich- 
tung erhalten sind, dafs wir von andern noch Modelle haben; 
wir betrachten selbst die Puppenhauser , mit denen vor 200 und 
300 Jahren die Kinder gespielt, nicht bios als alte Spdelzeuge, 
sondern als wichtige kulturgeschichtliche Denkmale, weil sie uns 
Ge8ammtbilder von Haus, Zimmer und Kiiche geben; wir sind 
froh auf alten Bildern eine ganze Kiiche, einen ganzen Kaufladen, 
eine Rostkammer zu sehen ; wir studieren Furtenbach , Fronsper- 
ger uj A., urn ein Zeughaus des 16. und 17. Jhdts. kennen zu 
lernen — und das noch erhaltene soil uns vor den Augen abge- 
brochen werden! 

Im Namen der Wissenschaft, der Kulturgeschichte insbeson- 
dere, wie der Waffengeschichte, bitten wir den hohen Landesaus- 
schufs urn Gnade fur sein Zeughaus! Wenn auch schon da und 
dort etwas geandert ist, was man uns ja als Ein wand entgegnen 
mdchte, so ist doch aus dem noch Vorhandenen immer besser zu 
erkennen, wie ein altes Zeughaus aussah, als wenn man es ganz 
wegnimmt! Und wenn auch ein paar Gestelle aus Riicksicht auf 
die Alterthumsfreunde und Forscher mit den wenigen Waffen, die 
das Waffenmuseum bilden sollen, hiniiber getragen werden, so 
werden sie uns doch gewifs nicht die Gesammtheit ersetzen kon- 
nen, zu der selbst die geschmahten niedern Stockwerke und ver- 
haltnifsmafsig dunkeln Raume gehoren. Sie konnten hochstens 
die Nachwelt an das erinnern, was hier zerstort worden ist. 

A. Es8enwein. 
140) In Niirnberg haben die Freunde der Gesehichte wieder 
einen grofeen Verlust zu beklagen. Das alte Archiv der freien 
Reichsstadt Niirnberg, eines der wichtigsten far deutsche Ge- 
sehichte, insbesondere Kulturgeschichte, gieng mit der Souveranitat 
an den bayerischen Staat iiber. Schon damals wurde ein wesentli- 
cher Theil, insbesondere die alteren Pergamenturkunden bis zum 
14. Jahrh., aus diesem Archive herausgenommen und dem Reichs- 
archive einverleibt ; der grofse Bestand blieb jedoch im Rathhause 



zum Theil in den alt historischen Lokalitaten, in welche nach und 
nach das Archiv hineingewachsen war, da auch dieses als nurn- 
bergisches Staatsgut an den Staat Bayern kam. Nach und nach 
kaufte die Stadt Nflrnberg ihr Rathhaus zurfick, und zuletzt war 
nur mehr der Theil Staatseigenthum geblieben, welcher das Archiv 
enthielt. Der berechtigte Wunsch der Gemeinde, vollstandig eige- 
ner Heir im Rathhause zu sein, das durch die Ausdehnung der 
Stadt hervorgerufene Bedurfnifs, zu deren Regiment in vermehr- 
ten Lokalen vermehrteB Beamten- und Schreiberpersonal unterzu- 
bringen, fuhrte dahin, dafs die Stadt mit dem Staate wegen Rau- 
mung der Archivlokalitaten in Verhandlung trat und dafs endlich 
ein Yertrag geschlossen wurde, wonach die Regierung gegen Zah- 
lung von 20,000 fl. die Raumung der Archivlokalitaten zusagte. 
Um jene Summe lassen sich aber in Niirnberg neue geeignete Lo- 
kale nicht beschaffen, und so hat man einfach beschlossen, das mit 
dieser Stadt und ihrer Gesehichte so enge verwachsene Archiv, 
dieses grofste Denkmal des Reichthums, der Macht, des Ansehens 
und der Bedeutung, welche das vielgepriesene Niirnberg fur das 
deutsche Reich, wie fiir die Kulturentwickelung des gesammten 
deutschen Yolkes hatte, aus Niirnberg fort nach Eichstatt zu ver- 
legen, weil dort der Staat leere Gebaude besitzt und bei etwa 
7000 fl. Uebersiedelungskosten noch immer ungefahr 13,000 fl. baa- 
ren Nutzen hat. 

Dai's dadurch der Stadt Nflrnberg ein in vielen Beziehungen 
fiir sie hochst wichtiges Element genommen wird, ist dabei frei- 
lich nicht berucksichtigt. Dies Archiv enthalt fiir die Gesehichte 
der Patriciergeschlechter , wie so vieler biirgerlicher Familien 
fiberaus werthvolle Dokumente, und mehr und mehr wird ja in 
neuester Zeit das Gebiet der Familiengeschichte gepflegt, wie ein 
Blick in jede Bibliothek beweist. In Niirnberg, das den Forscher 
ohnehin anzieht, und das in seinen Bibliotheken reiches Material 
als Hiilfsmittel fur die Beniitzung des Archives bietet, fand eine 
Reihe von Forschern Gelegenheit zu langerem Aufenthalt fur Be- 
niitzung des Archives, die in Eichstatt einfach unmoglich ware. 
Schon der Umstand, dafs dort der Bahnhof fast eine Stunde von 
der Stadt entfernt liegt, dann der schwerer wiegende, dafs dort 
keine Biblipthek von der Bedeutung sich bietet, wie solche zur 
Beniitzung des Archives unerlafslich ist, lafst den BeBchlufs, das 
Archiv dorthin zu verlegen, gleichbedeutend werden mit dem Be- 
schlusse, es zu vergraben und der Iforschung unzuganglich zu 
machen. In Niirnberg erlautert jedes Haus, jede Bmcke, jede 
Strafse das, was die Urkunden sagen ; das Archiv ist hier eine 
lebendige Quelle, — in Eichstatt wird es todt sein. 

Sollten denn in Bayern die heutzutage iiberall giiltigen Grund- 
satze fiir Archivverwaltung nicht mehr gel ten, dafs namlich ein 
Archiv dahin gehort, wo es gewachsen ist? Ein Archiv ist ein 
Besitz, der auch Pflichten und Riicksichten auferlegt und nicht 
bios dazu dient, um ein Gescbaft zu machen; sonst kame man 
ja damit wieder auf den Standpunkt, der doch hoffentlich hente 
nirgends mehr gilt: ein Archiv als Makulatur zu verkaufen, am 
dadurch noch mehr Geld zu erubrigen. Noch ist die Uebersiede- 
lung des Nurnberger Archivs nicht erfolgt ; und so geben wir uns 
derHoffhung hin, der Staat werde noch Mittel finden, geeignete 
Raume zu beschaffen, um der Stadt Niirnberg ein werth voiles Erbe 
ihrer Vorzeit, ein wichtiges Denkmal ihrer ehemaligen Grofse zu 
erhalten. A. E 8 sen w ein. 



Da mit dieser Nummer der Jahrgang 1872 des Anzeigers geschlossen ist, so wird die giitige Bestellung der 
Fortsetzung desselben hiedurch in Erinnernng gebracht. Halbjahriges Abonnement wird nicht angenommen. 

Verantwortliche Redaction: A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Yerlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nflrnberg. 



Gedrackt bei U. E. 8ebald in Niirnberg. 



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ANZEIGER 



FtR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 



Nene Folge. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 



sodl:li;--.---. n , 



Zwanzigster Band. 

Jahrgang 1873. 

Niirnberg, im Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums. 



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Redaction des Anzeigers. 



August Essenweiii, Dr. phil., I. Direktor des germanischen Museums. 
Georg Karl Frommann, Dr. phil., II. Direktor und Vorstand der Bibliothek. 
August v. Eye, Dr. phil., Vorstand der kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen. 



B e i t r a g e 

zu yorliegendem Bande haben geliefert: 



AnemuUer, B., Dr., geh. Archivar u. Professor, in Rudolstadt. 

Baader, J., k. Archivrath, in Miinchen. 

Bartsch, K., Dr., Hofrath u. Professor a. d. Universitat zu Heidelberg. 

Crecdius, W., Gymnasiallehrer, in Elberfeld. 

Flegler, A., Dr., Archivvorstand des german. Museums. 

Friedlaender, Ernst, Dr., Staatsarchivar, in Auricb. 

Otngler, H. G., Dr., Professor an der Universitat zu Erlangen. 

Hartmann, Hermann, Dr., in Lintorf. 

Heinemann, Otto von, herzogl. Bibliothekar, in Wolfenbfittel. 

Hektor, Enno, Sekretar des german. Museums. 

Hofmann, Konr., Dr., Professor a. <L Universitat zu Miinchen. 

Hohenlohe-Waldenburg, Furst Friedrich Karl, Durchl., in Kupferzell. 

Ilg, Albert, Dr., Custos u. Docent des k. k. osterr. Museums, in 

Wien. 
Irmisch, Th., in Sondershausen. 
Jacobs, Ed., Dr., grafl. Stolbergischer Bibliothekar u. Archivar, in 

Wernigerode. 
Kern, Theodor v., Dr., Professor a. d. Universitat zu Freiburg i. Br. (f) 
K6Mer, Karl, Historienmaler, in Nurnberg. 
Konig, Julius, k. Stadtgerichtsratb, in Breslau. 
Latendorf, Friedrich, Dr., Gymnasiallehrer, in Schwerin. 
Lexer, M., Dr., Professor an der Universitat zu Wurzburg. 
Lochner, G. W. K., Dr., Stadtarchivar, in Nurnberg. 



Lodttnann, J., Pastor, in Osnabruck. 

Lommer, Biirgermeister u. Advokat, in Orlamunde. 

Mantels, Wilh., Dr., Stadtbibliothekar, in Liibeck. 

Mehlis, Chr., Studienlehrer, in Zweibrucken.' 

Morath, A., furstl. schwarzenberg'scher Archivbeamter, inSchwar- 

zenberg. 
Mothes, 0., Dr., Baurath, in Leipzig. 

Oefele, Edmund Frhr. v., Reichsarchivpraktikant, in Miinchen. 
Peiper, Rudolf, Gymnasiallehrer, in Breslau. 
Riezler, 8., furstl. fiirstenberg'scher Archivar, in Donaueschingen. 
Schnaase, C, Obertribunalrath, in Wiesbaden. 
Schneider, Friedrich, Domprabendat, in Mainz. 
SchneU, E., Dr., furstl. hohenzollern'scher Archivar, in Sigmaringen. 
Schnell, J., Dr., Civil jyerichtsprasident, in Basel. 
Schultz, Alwin, Dr., Professor an der Universitat zu Breslau. 
Steffenhagen , Emil, Dr., Sekretar der kgl. Universitatsbibliothek 

zu Gottingen. 
Vogt, Wilh., Studienlehrer, in Weifsenburg im Nordgau. 
Wattenbach, W., Dr., Professor an der Universitat zu Berlin. 
WiU } C, Dr., furstl. Thurn- u. Taxis'scher wirkl. Rath u. Archivar, 

in Regensburg. 
Wurdinger, J., k. b. Major a. D., in Miinchen. 
Zahn, J., Dr., Archivar des landschaftl. Johanneums zu Graz. 



Alphabetisches Register 

zum 

zwanzigsten Bande des Anzeigers fiir Ennde der dentsehen Vorzeit. 



I. Auffe&tze und ATotizen. 



63 f. 
64. 



259 ff., 



Agnus Dei, s. Zauberkraft. 

Alterthumer, s. Funde. 

An f rage : den Bischof v. Siebeneich betr. 152. 

Anfrage: die Oertlichkeiten Furstinawe u. Chusenrein betr 

Anfrage: Ritterrecht in Schlesien u. der Oberlausitz betr. 

Anfrage: das schweizerische „runen u betr. 151 f. 

Anfrage: Sophie, Tochter Heinrichs I. v. Anhalt betr. 64 

Aphorismen, sphragistitische (mit Abbild.) 36 ff., 94 ff. 

324 ff., 357 ff. 
Appellation, an das kaiserl. Kammergericht. 295 ff. 
Archiv, furstl. Hohenzollern'sches in Sigmaringen. 311 f. 
Augsburg : Reichstag im J. 1530, 8. Geschichte, s. Volksbelustigung. 
Bamberg, s. Kunstsammlung. 

Beschreibung der Stadt Lindau von 1602: Auszuge aus ders. 8ff. 
Bohlsen, s. Leichenfeld. 
Breslau, s. Handschriften. 

Brief, auf einem alien Biicher deck el gefunden. 237 f. 
Brief, Konig Erichs XIV. v. Schweden an den Grafen Giinther XLI. 

von Schwarzburg. 230 ff. 
Brief des Grafen Robert von Leicester an den Grafen Giinther XLI. 

von Schwarzburg. 89 ff. 
Briefbuch des Meister Simon von Homburg: Auszuge aus dems. 

6ff., 33 ff., 70ff. 
Brief e, zwei, des Bischofs Christoph Bernhard von Minister. 46 f. 
Bruchstuch einer Schusterordnung. 328. 
Bruchstucke einer Evangelienhandschrift das VI. Jahrh. im germ. 

Museum. 301 f. 
Bruchstucke v. Jacob van Maerlant's Rymbybel. 196 f. 
Budingen: Schlofskapelle, 8. Holzschnitzarbeiten. 
Chrismon. 254 f. 
Chronik der Reichsstadt Nurnberg : Beitrage zu ders. 47 f., 79 U 

103 f., 135 f. 
Chusenrein, s. Anfrage. 



Commission, historische, bei der k. b. Akademie der Wissenschaf- 
ten: 14. Plenar-Versammlung. 341 ff. 

Congrefs, erster kunstwissenschaftlicher, in Wien. 180. 277 f. 

Darstellung der heil. Walburg in der Kunst des 16. Jahrh. 221 f. 

Epitaph Luthers. 240. 

Erzgufswerke, s. Modelle. 

Evangelienhandschrift, s. Bruchstuck. 

Feuerprobe an einer Hexe 1485. 77 f. 

Feuerwaffe im Besitze Sr. Durchl. des Fiirsten Georg von Schwarz- 
burg-Rudolstadt (mit Abbild.). 184. 

Findlinge. 136. 304. 328. 

Flurnamen, orlamundische. 232 ff. 

Flurnamen in der Rheinpfalz. 291 ff. 

Frauen: gegen dies. 134. 

Funde v. AlterthOmern im Hannover'schen. 149. 

Funde, neue, romischer Munzen hn Osnabruck'schen. 148 f. 

FurierzeUel. 238 ff. 

Furstinawe, s. Anfrage. 
• Futterale, zwei, zu den deutschen Reichskleinodien (mit Abb.). 1 ff. 

St Gallen: Stiftsbibliothek, s. Wachstafeln. 

Gandersheim, s. Kirchenschatz. 

Gedicht, dem Kaiser Maximilian I. gewidmet. 130 f. 

Gedichte, kirchlich-politische, des 12. Jahrh. 99 ff. 

Geschichte des Hauses Hohenlohe: Beitrag zu ders. 194 ff. 

Geschichte des Schurstab'schen Hauses S. 526 in Nurnberg: Bei- 
trag zu ders. 42 f. 

Geschichte der Kunstlerfamilie Lindenast: Beitrag zu ders. 304. 

Geschichte Ludwigs des Bayers: Beitrag zu ders. 303 f. 

Geschichte des Reichstags von Augsburg, 1530: Beitrag zu ders. 
299 ff. 

Geschichte des Schlosses Schwarzenberg : Beitrag zu ders. 230. 

Geschichte der Nurnberger Stadtbibliothek : Beitrag zu ders. 161 f. 

Handbuchse, Tannenberger, im german. Museum (mit Abb.) 119 f. 



Alphabetisches Register zum Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



Handschriften der k. u. Universitasbibliothek zu Brealaa: Aas- 

zuge aus dens. 14 ff., 39 ff. 
Hannover, s. Funde. 

Heib und Segensspruche, mittelalterliohe. 226 ff. 
Hohenlohe, s. Geschichte. 

Holzschnitzarbeiten in der Schlofekapelle zu Budingen. 303. 
Interim, das Augsburger von 1548, s. Weifsenburg. 
Jamnitzer, Wenzel, s. Tafelaufsatz. 
Kammergericht, kaiserl., s. Appellation. 
Kirchenschatz, der Gandersheimer. 345 ff. 
Klage iiber das Alter. 131 ff. 

Klenkok, Johannes, 'wider den Sachsenspiegel. 288 ff. 
Kohlenbecken, messingenes, v. 16. Jahrh. (m. Abbild.) 347 ff. 
Krieg, der bayerische, 1504 : Beitrag zu dems. 191 ff. 
Kunstsammlung, die stadtische, zu Bamberg. 353 ff. 
Leicester, Graf Robert, s. Brief. 

Leichenfeld aus vorchristlicher Zeit bei Bohlsen. 245 f. 
Liebesbrief, burlesker. 133 f. 
Lindau, s. Beschreibung. 
Lindenast, KQnstlerfamilie, s. Geschichte, 
Ldsung des Rathsels auf Sp. 74. 133. 
Lubeck, s» Todtentanz. 
Ludtcig der Bayer, s. Geschichte. 
Luneburg, s. Silberschatz. 
Luther, 8. Epitaph. 

Maerlant, Jacob van: Rymbybel, s. Bruchstacke. 
itfotf, Arnold, u. seine Tochter, Peter Vischer's Schwiegertochter. 

127 ff, 165 ff, 187 ff. 
Maximilian I., Kaiser, s. Gedicht. 
Me f sketch, romanischer, nebst Patene im , german. Museum (mit 

Abbild.). 162 ff. 
Modelle alter Erzgufswerke in Nurnberg. 302. 
Munich, Peter, Stiickgiefser in Nurnberg. 222. 
Miinster: Bischof Christoph Bernhard, 8. Briefe. 
Munzen, romisohe, s. Funde. 
Museum, germanisches, s. Bruchstucke, s. Handbiichse, 8. Koh- 

lenbecken, s. Mefskelch, 8. Seidenstoff, 8. Siindenwasche, s. 

Thonwaaren. 
Nurnberg, a. Ghronik, 8. Modelle. ^ 
Nurnberg: kgL Archiv. 62 ff, 215 f. 
Nurnberg: Schurstab'sches Hans S. 526, 8. Geschichte. 
Nurnberg: Stadtbibliothek, s. Geschichte. 
Orakelfragen u. Wassersegen. 262 ff. 
Ordnung die man haldet so man ainen kunig gesegent vnd kro- 

net etc. 313 ff. 



360. 



Orlamunde, 8. Flurnamen. 

Osnabruck, s. Funde. 

B&thsel, arithmetische. 249 ff. 

B&thsel, drei lateinische, des Mittelalters. 

BeichsMeinodien, s. Futterale. 

Beime, lateinische, des Mittelalters. 96 ff. 

Bheinpfals, s. Flurnamen. 

Bunen, s. Anfrage. 

Sachsenspiegel, s. Klenkok. 

Schwarzburg: Graf Gunther XLI., s. Brief. 

Schtoarzenberg : Seniors, 8. Geschichte. 

Schtoeden: Konig Erich XIV., s. Brief. 

JSchioeine- und Hundesegen. 43 ff. 

Seidenstoff des 15. Jahrh. im german. Museum (mit Abbild.) 264. 

Siebeneich, Bischof v.: 8. Anfrage. 

Sigmaringen, s. Archiv. 

Silberschatz in Luneburg. 72 ff. 

Simon v. Hamburg, a, Briefbuch. 

Sphragistik, 8. Aphorismen. 

Sprichworter. 217 ff. 

Sprichtodrterkunde : Beitrag zu ders. 852 f. 

Spruche, alte. 16. 

Stadtrecht, Wiener. 153 ff. 

Stofsseufzer eines humanistischen Theologen des 16. Jahrh. 193 £ 

Siindenwasche, die (mit Abbild.). 359. 

Tafelaufsatz, verschollener, von Wenzel Jamnitzer. 318 ff. 

Thonwaaren, buntglasierte, des 15. — 18. Jahrh. im german. Mu- 
seum (mit Abbild.). 121 ff., 185 ff., 222 ff., 281 ff., 321 S. 

Todtentanz, Lubecker, vor seiner Erneuerung im J. 1701. 158 ff 

Trachtenbucher , funf der alteeten, u. ihr Verhaltnifs zu einan- 
der. 197 ff. 

Verse gegen die Weiber. '255 ff. 

Vischer, Peter, 8. Mag. 

Volksbelustigung wahrend des Reichstages zu Augsburg 1530. 45 t 

Wachstafeln in der St. Galler Stiftsbibliothek. 78 f. 

Walburg, die heilige, als deutsche Gaugottin in der Kunst des 
16. Jahrh. (mit Abbild.). 65 ff 

Walburg, die heilige, 8. Darstellung. 

Wassersegen, 8. Orakelfragen. 

Weiber, s. Verse. 

Weidel, Caspar, Buchfuhrer zu Nurnberg. 285 ff. 

Weifsenburg im Nordgau u. das Augsburger Interim 1548. 91 ff 

Weltausstellung in Wien. 275 ff 

Wien, 8. Congrefs, s. Stadtrecht, s. Weltausstellung. 

Zauberkraft des Agnus Dei. 199 f. 



II. Uteratur-Anzeigen. 



Bach, Max, Musterbuch fur Zeichner etc. 371 f. 

Bldtter fur Kunstgewerbe, redig. v. V. Teirich. 369 ff. 

Cramer, J., die Grafschafb Hohenzollern. Ein Bild siiddeutscher 

Volkszustande, 1400—1850. 115 f. 
Dammann^ C, anthropologisch-ethnographisches Album in Photo- 

graphien. 335 f. 
Ueber den Einflufs der Feuerwaffen auf die Taktik. 86. 
EUger, Carl von, Kriegswesen u. Eriogskunst der schweizerischen 

Eidgenossen im XIV., XV. u. XVI. Jahrh. 309. 
GeschichtsqueUen der Provinz Sachsen und angrenzender Ge- 

biete. 53 ff. 
Ofrdrer, Aug. Fr., Geschichte Venedigs von seiner Grundang bis 

zum Jahre 1084. 115. 
Orotefend, H., Handbuch der historischen Chronologie des deut- 
schen Mittelalters u. der Neuzeit. 141 ff. 
Handelmann, Heinrich, die amtlichen Ausgrabungen auf Sylt 1870, 

1811 u. 1872. 272 f. 
Heusler, Andr., der Ursprung der deutschen Stadtverfassung. 273 f. 
Janssen, Johannes, Frankfurts Reichscorrespondenz nebst anderen 

verwandten Aktenstocken von 1376—1519. 145 ff. 
Kraus, F. X., die christliche Kunst in ihren friihesten Anfangen. 57 f. 
Kreyfsig,¥. A. Th„ unsere Nordostmark. 116 f. 
Kugler, Bernhard, Christoph, Herzog zu Wirtemberg. 113 f. 
Die Kunst im Gewerbe, redig. v. E. Oppler. 369 ff. 
Das Kunsthandwerk, hgg. v. Bucher u. Gnauth. 369 ff. 
Lochner, Georg Wolfe. Karl, Geschichte der Reichsstadt Nflrnberg 

zur Zeit Kaiser Karl's IV. 1347—1378. 273. 



211. 



Luchs, Hermann, schlesische Furstenbilder des Mittelalters. 

Mantels, W., s. Milde, C. J. 

Meyer, Christian, das Stadtbuch von Augsburg, insbesondere das 

Stadtrecht vom J. 1276. 29. 
Milde, C. J., u. W. Mantels, der Todtentanz in der MarienkapeUe 

zu Liibeck. 144 f. 
MuJlenhoff, K., u. W. Scherer, Denkmaler deutscher Poesie und 

Prosa aus dem VIII.— XII. Jahrh. 209 ff. 
Quitzmann, E. A., Die alteste Geschichte der Baiern bis zum 

Jahre 911. 872 f. 
Bedtenbacher, Rudolf, Beit rage zur Kenntnifs der Architectur des 

Mittelalters in Deutschland. 28 f. 
BiUiet, Albert, der Ursprung der schweizerischen Eidgenossen- 

schaft. 2. Aufl. 27 f. 
Bitter, L., malerische Ansichten von Nurnberg. 178 f. 
Stieve, Felix, die Reichsstadt Kaufbeuren und die baierische Re- 

staurationspolitik. 177 f. 
Thausing, Moriz , Darer's Briefe , Tagebucher u. Reime nebst ei- 

nem Anhange von Zuschriften an u. fur DOrer. 56 f. 
Vionnet, Paul, les monuments prehistoriques de la 8uisse occiden- 

tale et de la Savoie. 56. 
Vischer-Heufsler, W., das Karthauserkloster und die Bflrgerschaft 

von Basel. 85 f. 
Wegele, Franz X., Friedrich der Freidige, Markgraf v. Meifsen, 

Landgraf v. Thuringen, u. die Wettmer seiner Zeit (1247— 

i:*25). 269 ff. 
Zeitschrift fur deutsche Kulturgeschichte. 61 f. 



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Number^. Dm Abonnement des Blat- 
tot, welches aile Monate ereoheint, wird 
gtnsjihrig angenommen und betr&gt nach 
derneueeten Postconvention bei alien Post- 
Iffltern and Baehhandlangen Deuischlandi 
ind. Oesterreicns 8 flL 36 kr. im 84 fl.-Fufs 
oder 9 Thlr. proofs. 

Far Frankreich abonniert man in 
Peril bei der deuteohen Buchhandlong yon 
F. Klincksieok, Nr. 11 rue de Lille; far 



AMEIGER 




England bei Williams 6 Norgate, 14 Hen-" 
rietta-Street Co vent - Garden in London; 
for Nord-Amerika bei den Postsjntern Bre- 
men and Hamburg. 

Alle fur das german. Museum be- 
stimmten Sendongen auf dem Wege des 
Buchhandels warden durcb den Commis- 
sion&r der literar.- artist. Anstalt des Mu- 
seums, F.A. Broekhaus in Leipzig, be- 
fordert. 



Fl)R KIIIG DER 





Neue Folge. 



Zwanzigster Jahrgang. 



1873. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEMS. 



Jannar. 



Wissenschaftliche Mitthellungen. 



Zwei zn den deutschen Beichskleinodien gehorige 
Futterale. 

Kaiser Karl IV. war ein sorgsamer, ordnungsliebender 
FOrst. Wie er durch die goldene Bulle die Verfassung des 
Reiches und die Eaiserwahl ordnete and das Ceremoniale fest- 
stellte, so sorgte er auch fur die Aufbewahrung der Reichs- 
kleinodien, fttr die er lederne Futterale machen liefs, welche 
die einzelnen Stttcke einschlossen. Die Mehrzahl dieser Fut- 
terale ist heute noch bei den Kleinodien in der Wiener Schatz- 
kammer. Wie aber bei deren Flucht aus Nurnberg einzelne 
Sttlcke der Kleinodien verloren gegangen sind, so offenbar auch 
einige Futterale. Das germanische Museum war vor nunmehr 
etwa drei Jahren so glttcklich, in MUnchen eine grofse vier- 
eckige Schachtel nebst Deckel zu finden, deren Besitzer sie 
langst verschiedenen deutschen Museen zum Kaufe ange- 
boten hatte, ohne dafs bei dem etwas defecten Zustande eines 
sich hatte entschliefsen konnen, das Stack zu kaufen, fur wel- 
ches die Summe von 80 fl. allerdings hoch erscheinen mufste, 
wenn man die Bedeutung des Stttckes nicht kannte. Wer aber 
die bei den Beichskleinodien befindlichen Futterale Karl's IV., 
sowie das abereinstimmende Futteral zur bdhmischen Krone ge- 
sehen, konnte keinen Augenblick im Zweifel sein, dafs hier eine 
Heliquie des deutschen Reichs feilgeboten werde. Somit war das 
Stack eine wOrdige Acquisition fur das germanische Museum. Es 
ist eine rechteckige Schachtel von 44 cm. Breite und jetzt noch 
63 cm. Lange, nachdem von der Schachtel sammt Deckel ein 



Ende abgesagtist, das ungefahr 10cm. betragen haben mag; sie 
hat sammt dem Deckel eine Hflhe von ungefahr 10 cm *). Die 
Schachtel wie der Deckel ist aus dttnnen Holzbrettchen zu- 
sammengeftlgt, innerlich mit weichem, rothgefarbtem Kalbleder 
ausgefattert, aufserlich mit sprddem, rothbraunem Leder be- 
klebt, in welches ringsum an den Seiten der Schachtel wie 
des Deckels je eine einfache Reihe schrag gestellter, grofeer Blat- 
ter eingeschnitten ist, die verschiedenen Charakter zeigen, bald 
an Lorbeer, bald an Eiche erinnern, bald so in Reminiscenzen an 
den romanischen Stil stilisiert sind, dafs sie einer bestimmten 
Gattung nicht mehr zugezahlt werden kdnnen. Die Oberseite des 
Deckels ist reich geschnitten. Ihre Darstellung geben wir in 
Fig. 1. Ein senkrechter Streifen theilt sie in zwei Theile; 
man sieht jedoch noch, dafs das zum grdfsten Theile abgesagte 
obere Ende einen breiten Fries bildete, der ttber beide Ab- 
theilungen weggieng. Unmittelbar unter diesem Friese sind 
sechs Zeilen Schrift in Majuskeln eingeschnitten, die, aber beide 
Abtheilungen weggelesen, folgendermarsen lauten: 

* SALVATOR • MVNDI • SALVA • NOS • OMNES • 
QVIA • PER • CRVCEM • ET • SANGUVINEM • TUVM • 
REDEMISTI • NOS • AUXILIARE • NOBIS • TE • DEPRE- 
CAMUR • DEUS • NOSTER • 

Darunter sind zwei glatte Wappenschilde eingeschnitten; 



*) Die Formen Bind nicht scharf, die Kan ten abgerundet, die 
Bretter geworfen, so dafs die Dimensionen nicht ganz genau ange- 
geben werden konnen. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



Figr. i 



unter jedem ein phantastisches Thier mit zwei Beinen, aas 
dessen Rachen eine Laubranke sich schlingt. Das Ornament 
des Deckels ist bemalt; 
die Randeinfassung roth 
zwischen zwei lichtblau- 
en Streifen; die Thiere 
lichtblaugrtln, dasLaub- 
werk grlin; gelbe und 
rothe Linien geben noch 
eine weitere Zeichnung 
in den Thier- und Laub- 
werken. Die zwei Ran- 
der des mittleren Strei- 
fens sind hellblau, ebenso 
das Rankenwerk in die- 
sem aufsteigenden Frie- 
se; die Blatter sind roth. 
Dieselbe Farbe zeigen 
die Buchstaben der In- 
schrift. Auf den beiden 
Wappenschilden ist (he- 
raldisch) rechts : der ein- 
k5pfige schwarze Adler 
mit rother Zunge, auf 
schwefelgelben Grund 
aufgemalt, links: weifs 
mit schwarzen Conturen 
der bOhmische L6we auf 
rothem Grande. DieBe- 
malung hat schon stark 
gelitten, so dafs z. B. 
vom Adler nur mit Muhe 
sich mehr als der Kopf, 
der Schwanz und die 
Fufse erkennen lassen. 
Der Grund hinter Schrift 
und Ornament zeigt die 
dunkle Farbe des Le- 
ders. Das Leder ist da- 
selbst gerauht und zwar 
im Mittelfriese und hin- 
ter der Schrift durch 
gekreuzte Strichlagen, 
die mit dem Messer ein- 
geschnitten sind , hinter 
den Thieren und dem 
Ornament durch unend- 
lich viele, mit der Bunze 
gehauene Punkte. Von 

dem obern Friese sind noch die Fufespitzen zweier ahnlicher 
Thiere erhalten, wie sie unten sind, aus denen deren Stellung 
sich ergibt, sowie die Auslaufe von Ornamenten. Interessant 



ist die Andeutung der kleinen Pflanzchen zwischen denFflfsen 
diener beiden Bestien. Der Deckel liefs sich ganz von der 

Schachtel abheben, wnr- 
de jedoch spater durch 
zwei ziemlich rohe, ei- 
serne Bander und ein 
Schlofs daran befestigt; 
das obere Band tragt 
die Jahreszahi 1497. 
Bander und Schlofs mufs- 
ten abgenommenwerden, 
da erstere die Zeichnung 
des Deckels beeintrach- 
tigten; doch lafst sich 
daraus, dafs wol beide 
in ziemlich gleicher Ent- 
fernung von beiden En- 
den befestigt worden 
sind, und das Schlofs 
jedenfalls etwa die 
Mitte bildete, erkennen, 
wie lange ungefahr das 
Stuck gewesen sein mnfs, 
das abgeschnitten wor- 
den ist. Wir sind da- 
her gewifs nicht wesent- 
lich irre gegangen bei 
der Erganzung, die wir 
an unserer Zeichnung, 
(Fig. 1) vorgenommen 
haben. 

Nachforschungen fiber 
die Schicksale, welche 
das Stuck erfahren und 
wie es von den Reichs- 
kleinodien weggekom- 
men ist, haben uns we- 
nig Aufklarung gcgeben. 
Der Grofsvater eines 
Vorbesitzers soil aus 
NUrnberg nach Munchen 
Ubergesiedelt sein nnd 
diese Reliquie wahr- 
scheinlich mitgebracht 
haben. Durch die Ban- 
der zusammengehalten 
und das Schlofs ?er- 
schlossen, diente der Ka- 
sten, nachdem sein Ende 
abgesftgt war, einem Drechsler, um, neben der Drehbank ste- 
hend, die herabfallenden , noch brauchbaren Beinabfalle aufzu- 
nehmen; dort will ihn der letzte Verkftufer gefunden und als 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



6 



Alterthum erworben haben, ohne die Bedeutung des Stttckes zu 
erkennen, bis er von uns aufmerksam gemacht wurde. Er Melt 
es aber fllr „byzantinisch" (in sttddeutschen Ktinstlerkreisen 
noch immer den romanischen Stil bezeichnend) and deshalb 
far „uralt" and setzte den Preis fur das schon stark mitge- 
nommene Sttlck so hoch an. Ob die Erzahlung richtig, kon- 

Fig. 2. 



Das in Fig. 2 abgebildete Fatteral umschlofs, wie das 
Aeufsere zeigt, einen KeichsapfeL Es befanden sich deren meh- 
rere bei den Reichskleinodien, so dafs sich nicht angeben lafst, 
far welchen es ursprtinglich bestimmt wurde. Es war, als die 
Reichskleinodien aus NUrnberg gefltichtet wurden, in der hie- 
sigen heiligen Geistkirche zurUckgeblieben and wurde vor eini- 
gen Jahren von der Kirchenverwaltung dem Museum ttber- 
geben. Es besteht aus einer etwas in die Hdhe gezogenen 
Kugel auf niedrigem Fufs, die sich in der Mitte Offnet. Die 
den Deckel bildende Halfte hat einen hohen, schmalen Aufsatz, 
in welchen das Kreuz eingeschoben wurde. Oehre rings um 
beide Theile gestatten das Durchschieben eines Riemens, der, 
zugebunden, das Futteral verschlofs. Das ganze Futteral hat 
eine Hflhe von 27 cm., die Kugel einen Durchmesser von 
10,5 cm. Es ist mit eingeschnittenen Ornamentranken bedeckt. 
Auf jeder Seite des Deckels ist ein Wappenschild auf die Ku- 
gel geschnitten. Die Ranken sind offenbar ohne Vorzeichnung, 
sehr frei, skizzenartig angeschnitten, ohne dafs sich die Linien 
stets bertihren und schliefsen; der Grund hinter den Ranken 
ist gepunzt. Auf der Fufsflftche ist die Jahreszahl 1457 ein- 
geschnitten. Die Anfertigung fallt also in die Zeit Fried- 
rich's IV. Das Leder ist glatt, schwarz gefarbt. Das Innere 
ist auch hier mit weichem, rothem Leder gefuttert. 

NUrnberg. A. Essenwein. 



Aus dem Brief buche des Meister Simon YonHomburg. 



nen wir nicht prttfen. Welches Stiick der Reichskleinodien 
aber sollte die Schachtel ursprtinglich umfassen ? Wohl jeden- 
falls eines der Gewander, und da scheint uns der Grflfse nach 
nor etwa die dunkelpurpurne Tunica mit den goldgestickten, 
rothen Randern, hochstens etwa die Alba hinein zu passen ; die 
sogen. Adlerdalmatica oder gar das Pluviale mOchte zu grofs 
sein. Vielleicht auch sollten die kleineu Stttcke, wie Strtlmpfe, 
Gttrtel, Stola u. A. in die Schachtel gelegt werden, die, wie 
oben angedeutet, erst am Schlusse des 15. Jhdts. verschliefe- 
bar gemacht wurde. 



Diese Handschrift, Cod. 152 der Lilbecker Stadtbibliothek, 
hat mir schon zu mehreren Mittheilungen Stoff gewahrt: 1851 
im Notizenblatt der Wiener Akademie, S. 382—384, 1854 in 
der Abhandlung tiber Briefsteller des Mittelalters im Archiv 
der Wiener Akademie, Band XIV, und 1872 in der Germania 
XVII, 181 — 190. Der sehr reiche Inhalt ist aber dadurch nur 
wenig bertihrt worden. Eine Handschrift, welche sich frtlher 
in der Amploniana zu Erfurt befand (Pertz' Arch. VIII, 270) 
hat fast denselben Inhalt gehabt, und da auch diese aus Erfurt 
stammt, habe ich sie frtlher fttr identisch gehalten; doch ist 
wol nur die eine aus der andern abgeschrieben. Den Anfang 
bildet die Briefsammlung Transmunds von Clairvaux aus dem 
12. Jahrh. (vgl. Rockinger tiber Formelbilcher S. 148), welche 
jedoch mit vielen spateren Stttcken gemischt ist. Aus dieser 
theile ich hier, wo auf den geschichtlichen Gehalt der Hand- 
schrift einzugehen kein Raum ist, einen Brief mit (f. 30), der 
wol noch in unserer Zeit manchen verwandten Anklang wecken 
kann, namlich die Klage tiber spate Wiedergabe eines entlie- 
henen und obendrein auch noch schlecht behandelten Buches. 
Der Wunsch, ein zweites Buch geliehen zu erhalten, findet ver- 
dienter Weise keine Beriicksichtigung ; im Gegentheil wird ein 
noch zurtickbehaltenes Buch eingefordert. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



Invectiva ad amicum qui male custodivit librura 
sibi accomodatum. 
Gravis iactura est et pluribus honusta dispendiis, cam ea- 
tenus dampnum rei temporalis incurritur, at et ipsa caritatis 
simplicitas deludatur; quod ideo dicimus, quia librum quern 
remisistis, nimio neglectu pessumdatum et stillicidii alluvione 
complutum, com incaute servassetis, cautissime remisistis. Pro- 
curantes videlicet cum portatore ipsius, ut eum noctu traderet, 
et ipse ante lucem in crastinum causa nondum cognita pertrans- 
iret: quasi non sufficeret, quod iniuriam dampni dati seroti- 
nus hospes obtulit, nisi denuo confidentiam nostram fuga red- 
deret improvise festinacionis illusam; querens adhuc ille alium 
a nobis recipere librum, qui priorem dimiserat sub tali ludifi- 
cacione confusum, Licet ergo pro ilia que omnia sustinet cari- 
tate, preteritam ad presens dissimularemus offensam, similia 
tamen a simili formidantes, librum alium quern habetis ex nostris, 
confestim nobis volumus resignari. Scientes eum pocius in se 
retorquere periculum, qui experiencia precedentis, futuri non 
declinat infortunia detrimenti. 

II. 

Filr die Gescbichte der Musik und ihrer Pflege erscheint 
die Einladung nicht unwichtig, welche in einer als „Epistole 
Gruningers" bezeichneten Sammlung (f. 59 v.) ein Schulmeister 
an einen Collegen richtet, das bevorstehende Fest der h. Ka- 
tharina durch eine gemeinsame musikalische Auffuhrung zu 
feiern. Die h. Eatharina gait ja als die Schutzerin der christ- 
lichen Gelehrsamkeit ; ich erinnere nur an den von Stephan in 
den Neuen Stofflieferungen 1846 aus Milhlhausen mitgetheilten 
Ludus de b. Katerina. Unsere Sammlung scheint aus Erfurt 
zu stammen, und vielleicht lassen sich auch die constabiles aus 
dortigen Yerh&ltnissen erklaren. 

J. regens scole istius vel istius, quern scientifica recommen- 
dat industria, viro multum honorando, rectori tali vel tali, in- 
tegerrime vinculum dilectionis una cum constantis fidelitatis 
obsequio sedule prelibatis (sic). Tunc amicicie, virtutis claris- 
sime, robur invalescit, cum alterutrum se diligencium alter al- 
terius condignis peticionibus acquiescit. Hinc est, fautor ac 
amice mi humilius honorande, (quod) vestre dilectioni presen- 
cium serie innotesco, quia ego una cum ceteris meis conbur- 
salibus ob eximie virginis Katherine ac celestis rosigere festi- 
vitatem solempnem, eciam ex quorundam constabilium auxilio, 
convivium ordinavi, proponens predictam festivitatem solem- 
pnizare cantibus ac organis amorem ob ipsius. Quare, fautor 
ac amice mi sincerius diligende, vestre honorabilitati humilimo 
rogatu supplico predevote, quatenus una cum vestris melioribus 
quos habere potestis cantoribus, predicte solempnitati velitis in- 
teresse, ut tamen velud ipsa apud Cristum suis mentis in celis 
iam triumphans, a nobis suis precibus paupertatis molem, falsi 
quoque criminis abiectionem potest ammovere, ita nos terrigene 
condecentes ei laudes persolvamus. Hoc agentes me vestris 
beneplacitis firmiori nexu kathenatis. 



III. 

Zwischen verschiedenen fingierten und wirklichen Briefen 
findet sich in unserer Handschrift f. 79 v. ein Bittgedicht von 
armen Schulern an einen vornehmen Herrn eingetragen, wie 
sich dergleichen nicht selten finden. Die ersten beiden Zeilen 
machen offenbar einen Anspruch, Hexameter zu sein, welche 
denn freilich aller Metrik Hohn sprechen. Es lautet: 
Scolares pauperes supplicantes elemosinam 
a quodam domino ricmatice 

Salve flos florum, virtutis culmen honorum ! 

Dat vobis hoc scriptum conventus scole sociorum. 

Prout advenistis, eorum spem valde auxistis. 

Ad vos miserunt, pro deo munera querunt, 

In scolis iacentes, magnum defectum pacientes. 

Ordo quorum durus, nam paupertas murus. 

Habent enim claustrum super boream et austrum, 

Et licet detestabile, tamen inexpugnabile. 

Aliis est durior, et omnibus securior. 

Primo quam Bernardinus, secundo quam Celestinus, 

Ymmo si phas est dicere, plus quam Franciscinus. 

Nam ipsi carent pane, vespere que de mane : 
Sic fames atque sitis eos valde cruciat, ut credo bene scitis. 

Hinc petunt instanter vestrum donum gratulanter, 

Ut aperiatis bursam, eorum tollendo miseriam. 

In sacris enim scribitur: date nunc et dabitur, 

Nobis hie in terra, vobis in celi curia. 

Sigillo credatis, ut eos in memoria habeatis, 
Dantes eis munus, quod vobis retribuat, qui trinus est et onus. 

Socii scolastici paupertati dediti petentes relevari. 
Heidelberg. W. Wattenbach. 

(Schlufo folgt.) 



Aus einer Beschreibnng der Stadt Lindau von 1602 

im m. Theile Roenich's, Seite 11*). 

Nun mOcht jetzt einer gem mit Wunder 
WIssen wie es gestalt jetztunder 
Mit der Stadt ganz durch uberall 
Yon jetzund laufender Jahrzahl 
5 Da man zahlt also fttrwahr 

Sechszehnhundert und zwei Jahr 
Von Gebauden, Thurn, Vesten, Pastei 
Und sonst noch anders mehr dabei 
1st folgendermassen zu vernehmen 
10 Wie man zuerst in die Stadt thut kommen 
Erstlich der Stadt Eingang thut sein 
Ueber vorgemelt lang Brugg 1 ) herein 



♦) S. Anzeiger 1872, Sp. 804. 

') Diese alte, steinerne Brucke, welche 74 Joche hatte, wurde 
1663 abgebrochen und dafur eine holzerne mit 85 Jochen erbtat 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



10 



Zu Fufs mit Wagen auch mit Rossen 

Yier gewaltig Thor hats da beschlossen 
15 In der Mitt ein starker Thurm*) zur Hand 

Daselb wird das Burgthor genannt 

Auf welchem der Schutzgatter 8 ) fest 

Yerwahret ist aufs aller best. 

Der Trumeter halt darauf got Wacht 
20 Schant was sich zutragt Tag nnd Nacht 

Anch unter diesem Thurm mit Namen 

Sind gstellt zwei grofse Stuck Cartaunen 

Gleich so man that in die Stat neingehen 

Sieht man gleich die Heidenmauer stehen 
25 Daselbst wird es zu Schmieden genannt 

Da Schlosser, Schmied, Kefsler, Wagner Hftuser han 

So man dann weiter geht farbafs 

Da folgt das Ort der Manrerstaad. 

Daselbst that das Zenghaus 4 ) stebn. 
30 An vielen Orten sagt man davon 

Wer daselbst hinein wird gefuhrt 

Sieht er es ganz lustig geziert 

That man noch weiter fttrbafs gehen 

Da that das kaiserlich Posthaas stehen 
35 Nach diesem folgt die Fischergassen 

Der Kalchhtltten Thans nicht zu vergessen 

Dann folgt die Barfttfser Kirch 5 ) 

Der Brettermarkt ist da zunachst 

Dabei thut das Gerichtshaus 6 ) stehen 
40 Das heirst zur neuen Brugg im Eck. 

Darauf folgt die Binderzunft gar schOn 

Solche beede grofse Hftuser bekannt 

Werden die Salzst&del 7 ) genannt 

Dabei die Rofsmfthl thut stehen. 
45 Yon dannen thut man weiter sehen 

Die Schiefshfltten 8 ) und Burg 9 ) dastehen 

Nicht weit davon das Kronenthor 

Und noch fQrbafs das Wachthausthor 

Im See da steht das Jagdschiffhaus 



*) Erbaut 1253: extructa est turris alta, ilia est quadrata, quae 
civium fit, das Burgthor vulgo dicitur, in quo 1479 horologium 
primum positum est, quae in Ao. 1546 via relicta quarta altitu- 
dinis suae destructa est. 

3 ) 1255 errichtet 

4 ) Wurde 1509 erbaut, verbrannte 1720, worauf man 1721 
dasselbe wieder aufbaute. 

s ) An der Stelle des Wagenschupfens der Aebtissin Euphemia 
erbaut 1241 — 1250. 

«) 1589—90 erbaut. 7 ) 1690—91 gebaut. 

■) Kommt bereits 1424 vor. 

•) Die Grundmauern aus Romerzeit, die spatere Befestigung 
von 1620 ; sie hieng mit der Stadt durch einen 100 Schritt langen 
Steg zuaaramen. Auf ihr stand die alteste Kirche, die Aurelien- 
kapelle, spater Jakobskirche. 



50 Darnach weiter ins Wasser hinein 
Ist eine schdne Burg ummauert fein 
Lustig gepflanzt mit grttnen Linden 
Mit spazieren lftfst man sich da finden 
Gemelte Burg ist stark und fest 

55 Wie ein Pastei aufs allerbest 

Und da ein Veind herzu wollt rucken 
Da kann man ihn mit grofsen Stucken 
Ins Wasser nans mit solcher Gwalt 
Begegnen und abtreiben bald 

60 Dann wann ein Schiff damit wird troffen 
So wird dasselb alsbald zerbrochen 
Davon mufs es zu Boden sinken 
Und alles was darin ertrinken 
Von dieser Burg wieder herum 

65 Geht man den neuen Tham hinum. 
Bis zu dem Lurkenhaus genannt 
Die Schiff sttllt man allda zu Hand 
Die Schiffahrt an diesem Ort thut sein 
Da fahrt man stettig aus und ein. 

70 Und weiters Ubers Wasser ntlber 

Sieht man allda zugleich auch wieder 
Ein hohen Thurm alt und bekannt 
Der Mangenthurm 1 ) ist er benannt 
Darauf thut stets ein Wachter sein 

75 Wann man will fahren zur Stadt hinein 
Und sieht die Schiff im Wasser leiden 
Mit der Trommet giebt er ein Kreiden*) 
Yon diesem Thurm besser hinan 
Thut das untere Inselthor stahn 

80 Und alsdann besser fUrhin 

Thut das obere Inselthor sin 
Yon diesen zwei Thoren ich sag 
Dafs jedes ein aufziehend Brugg hab 
Da der Stadtgraben hart herum 

85 Das Wasser drein vom See herkummt. 
Noch ftlrbafs an der Stadtmauer entlang 
Kommt man zu einem festen Thamm 
Allda ein runder Thurm bekannt 3 ) 
Da wirds auf der Neue genannt 

90 Gleichbald und noch besser hinummen 

Thut man zu Kaisers Zenghaus 4 ) kummen 
Geht man dennoch ftlrbafs mit Fleifs 
Kommt man zum Thamm im Paradeis 
Gleichsam an einem Eck der Stadt. 



l ) Mangenthurm, von dem auf ihm befindlichen Wurfzeug. Seine 
Erbauung fallt wol in die der ersten Stadtmauer 1272, ebenso die 
des Diebsthurms ( s ). *) Signal ; Schmeller P p. 1363. 

*) Kaiser Maximilian I. erbaute dieses Zeughaus in den Jah- 
ren 1508 — 1526. Sein anfanglicher Wunsch, es auf der Burg zu 
errichten, wurde vom Rathe abgeschlagen. 



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11 



Anzeiger fiir Eunde der deutschen Vorzeit. 



12 



95 Ein festen Thurm es allda hat 1 ) 
Ganz rand im Wasser steht er gar 
Mit starkem Geschtltz ganz wohl verwahrt 
Geht man noch weiter hinum 
Allda sieht man wiederum 

100 Einen gemauerten starken Thurm hoch 2 ) 
Und dann furbafs sieht man auch noch 
Ein starkes Blockhaus und Wasserthor 
Die lateinisch Schul steht gleich davor 
Geht man dann auch noch weiter fort 

105 1st der Spital wie ihr mich h5rt. 

Darnach auch der Fledermausthamm 
Woher er nur hab diesen Nam 
Vielleicht wegen eines Thurms dabei 
Der sich vergleicht einer Pastei, 

110 In welchem Thurm man strafen thut 
Die so leben im Uebermuth 
Derselbe ist Fledermausthurm 3 ) genannt 
Den unnuzen Gesellen wohlbekannt 
Darnach, wenn ich noch furbafs gang 

115 Folgt wieder ein langer fester Thamm 
Bis hinan zu einem Eck der Stadt 
Allda ein vesten Thurn es hat 4 ) 
Angehangt vast an der Pastey 
Darauf kann man sich wehren frei 

120 Beiderseits zu Land und Wasser 
Mit grofsem Geschtltz allermassen 
Dafs nicht der Feind bald mit Gwalt 
Etwas von diesem Ort erhalt 
Allda heifst mans den Zeughaus Thamm 

125 Das sind die Vesten allesamm 

Ringsweis urn diese Stadt herumm 

Noch weiter ich jetzt furbals komm 

Da in der Stadt und gar darinnen 

Viel steinerne Brunnen darinn entspringen 

130 Der furnehmst Brunn in dieser Stadt 
Einundzwanzig Springrohren hat 5 ) 
Derselbe steht am Baumgarten z'Hand 
Auch da die zwo Pfarrkirchen stand. 
Noch besser zu der Stadt hinein 

135 Am Brodplatz thut das Rathhaus*) sein 



*) Losersthurm. 2 ) Krattlersthurm. 

3 ) Abgetragen 1614, neu errichtet 1617. Stoffel Werkeisen 
war der erste Gefangene in ihra. 

4 ) Siegelsthurm, vielleicht verderbt aus sinwel = rund. 

•) Errichtet 1601 an Stelle des unter den Bauherren Johann 
Bensperg und Adam Mittler 1538 gebauten. 

6 ) Von dem am 7. Marz 1264 die Stadt verheerenden Brande 
an scheint ein Rathhaus nicht vorhanden gewesen zu sein, und 
wurden die Rathsverhandlungen im Barfofserkloster abgehalten. 
Erst acht Tage nach St. Urban 1422 wurde auf dem Brodplatz, 
an der Stelle eines dem Ulrich Gafsler gehorigen Weingartens der 



Darin ein ehrsam weiser Rath 
Der ganzen Stadt Verwaltung hat 
Allda mit Weisheit und Verstand 
Z'regieren uber Stadt und Land 

140* Mit Gricht sammt einem grofsen Rath 
Auch i$£ die Stadt hoch mehr begabt 
Mit Kirchen, Schulen, Policey 
Auch hats cine schOne Liberey 
Doctores und gelehrte Leut 

145 Findt man allda zu jeder Zeit 

Gottshauser Spital und andre Stift 
Ist alles in guter Ordnung gricht 
Zu spenden aus in Mangels Noth 
Giebt man aus dem ersparten Vorrath. 

150 Auch Bttrgerschaft und ganz Gem ein 
Ist ordentlich ausgetheilet fein 
In neun Theil in ganzer Summen 
Wan sie sullen zusammen kumen 
Jeder an sein gewifs Ort bekannt 

155 Die werden die Neun Zunft benant 

Die Gfreyte Gsellschaft die Ersten seyn 
Aus diesen nimmt man allweg Ein 
Zum Burgermeister in den Rath 
Allzeit es diese Ordnung hat 

160 Und wann ihr zusammenkunft thut sein 
Kehren sie zu dem Sufzen ein 1 ) 
Darnach ein ander Zunft bekant 
Wird die Schneiderzunft genant 
Die dritt ich auch erzahl ingmein 

165 Dieselb thut der Be cken zunft sein 
Die vierte thu ich auch bekennen 
Die Binderzunft thut man sie nennen 
Und dann als die ftinft bekant 
Wird wohl der Schmiedenzunft benannt 

170 Die sechste sag ich auch mit Namen 

Die Fischerzunft kommt da zusammen 
Die siebente sieht man noch darbei 
Sag, dafs der Schuhmacherzunft es sei 
Noch eine drin kommt man zusammen 

175 Die Metzgerzunft ist sie mit Namen 
Die letzte Rebleutzunft mit Nam 
Da kommt die ganze Baurschaft zusam 
Wann solche alle znsammen kommen 
Macht es der Zahl eine grofse Summen 



Bau des jetzt ebenfalls aufser Gebrauch gesetzten Rathhauses be- 
gonnen. 1540 wurde es mit Gemalden geziert, 1618 durch Nico- 
laus Lindner von Nurnberg die Malereien renoviert. 

*) Gebaut 1358, nachdem 1357 in Lindau eine neue Zunfl- 
ordnung eingefiihrt worden. Der Befehl Kaiser Karl's V. (1551), 
die Ziinfte aufzuheben, ihre Hauser zu verkaufen, kam hier nicht 
zur Durchfuhrung, indem die Binderzunft 1595, die Fischer 1562 
neue Zunft ha user bauten. 



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13 



Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



14 



180 Noch mehr kann ich nicht unterlassen 
Wie es noch mehr folgendermassen 
Beschaffen sei mit der Stadt 
Da es noch viel der H&user hat 
Aufserhalb dem Stadtgraben weit 

185 Hat es noch mehr zu dieser Zeit 
Ein Insel, so ist der Ort genannt 
Die Fischer drinnen ihr Wohnung hand 
Auch Schiffmacher und Schiffuhrleut 
Die z'Wasser fahren jede Zeit 

190 Solche Insel ist soweit nmgeben 
Mit GUrten und mit viel Weinreben 
Ist auch ummauert auf das best 
Mit Pasteien und Thurmen fest 
Wie die verzeichnet folgen fein 

195 Der erste Thurm das Thor 1 ) thut sein 
Und wie mans nennt das Lurkenhaus 
Da fohrt man mit den Schiffen naus 
Darnach so ist es bars gesterkt 
Mit dem Huenlischen Bollwerk 2 ). 

200 So man weiter hinum thuet gehen 

Da thuet des BOnels Bollwerk 3 ) stehen 
Geht man dan noch weiter hinumen 
Thut man zu einem festen Thurm kommen 
Ganz rund, hoch, unbeweglich fest 

205 Mit grofsem Geschtttz verwahrt aufs best 
Wo man die Insel wollt verletzen 
Kann man sie aus dem Thurm entsetzen 
Drum dieser gewaltig Thurn bekannt 
Wird der grune Thurn 4 ) genant 

210 Von diesem Thurn noch bars hinan 

Thut wieder ein starkes Bollwerk stan 
Doch etwas nieder aber fest 
Frei, offen, rund verwahrt aufs best 
Drauf schiefst man mit grorsen Stucken 

215 Wenn der Feind wollt nach zu herrucken 
In Schiffen auf dem Wasser her 
Mit Schiefsen ist man ihm gef&hr 
Wie man denn nennt diesen Ort 
Der Krdllen Bollwerk 5 ) heifst das Wort 

220 Darnach von dannen noch hinfur 



*) Feuchtbastion. 

*) Fischerthor, erbaut 1564 ; vor ihm war eine 50 Schritte 
lange holzerne Briicke ; vor dieser auf 150 Schritte die Pallisaden. 

3 ) Spater Fuchsloch. 

4 ) Erbaut 1508; „ist der auf serst Thurm bei dem Rondell oder 
Pastei (Horn)", er diente zum Wachtthurm und zum Schutze des 
Fischerthores am Insel -Horn (1562). 5 ) Dieses Bollwerk wurde, 
nachdem es sehr in Verfall gerathen, 1614 durch Esaias Grub6r 
um 400 fl. wieder hergestellt. Den Plan dazu machte der Stadt- 
hauptmann Matthias Polan ; das Werk fafste 200 Schutzen und 
5 Geschatze ; jetzt Carlsbastion. 



Hat es der Streichwehrenen vier 
Die eine heifst der Schwedlisch Garten 
Darin thut man der Feinde auch warten 
Noch drei ubrig Wehrenen es hat 
225 Die langen nachsthin zu der Stadt 
An den Stadtgraben daselbst hinan 
Gleich da das Paradies Thamm thut stahn 
Yon dannen die Insel hat ihr Endt. 
Munchen. Wurdinger. 



Aus Handschriften der k. und XJniversitatsbibliothek 
zu Breslau. 

1. II. F. 23. Formulare Epistolarum Officialium. 
Die folgende Anrede bezieht sich auf die Schwangerschaft 
der Kflnigin Hedwig von Polen, Tochter Ludwig's des Grofsen 
von Ungarn und Gemahlin Wladislaw's II. Jagello. Sie gebar' 
ttbrigens eine Tochter und starb im Wochenbett 1401. 

F. 1 *. Mains dei gracia princeps veris. florum domi- 
nus et heres ac nature minister Vniuersis et singulis principi- 
bus Ecclesiasticis et secularibus, Comitibus, Baronibus, nobili- 
bus et plebeijs cuiuscunque status, dignitatis uel eminencie 
fuerunt, hominibus vbicunque ambitu regni Polonie contentis, 
ad quos presentes peruenerint, fidelibus suis dilectis Graciam 
et benignitatis continuum incrementum. Jam prata viridi 
amicta vestitu, jam arua amenitate fauent 

Jamque philomena noue celebrat tripudia lucis 
odas mellici carminis ore canens 
et libens ac grata sui gutturis organa pulsat 
sic proprio proprium predicat ore deum 
jam vniuersarum condicio rerum quasi renata iocunda leticie 
sollempnitate munda hilariter blandiuntur, hora eciam est vos 
iam de sompno surgere, deo gracias agere et quanta vobis 
diuinitus quasi prodigiose missa sunt, conspicua meditacione 
pensate. Serenissima itaque princeps domina Hedwigis, dei 
gracia ludwici quondam regis Vngarie nata, Polonie Re- 
gina, tot annis existens stcrilis, quasi labrusca in florem exu- 
berans et velut oleaster pro desiderande prolis concepte mas- 
culine videlicet ut arbitror iam turgescit in florem. Que dei 
cum adiutorio ad regni vestri pallacia vobis taliter expedit in- 
vitare vniuersaliter singulis et singulariter vniuersis: regia 
proles, decus polonorum, metus paganorum, multarum expec- 
tacio nacionum, o incomparabile donum cur faciem tuam ab- 
scondis, cur vtero delitescis? an aera spernis? veni desidera- 
bilis quem expectabamus in tenebris desideriorum, veni coro- 
naberis. Intende suauiter procede fortiter veni vtiliter, Suaui- 
ter inquam absque materni corporis detrimento, fortiter hosti- 
bus in terrorem, vtiliter rei publice in comodum et tutelam. 
Tempus tue natiuitatis aduenit: veni coronaberis, veni ut in- 
tueamur te, vt per te noue consolacionis pociamur vberibus, vt 
te peculiarem nostrum dominum et possessorem, quem interno 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



16 



prestolamur affectu, sensibiliter agnoscamus, vt per te iusticia 
quasi mortificata resurgat et eclipsati juris suppleatur defectus. 
diem tue natiuitatis precedens anticipa, vt consolacionis bene- 
fices preuenias mentes nostras ; leges limitum nature transgre- 
dere egrediens quam in orto tuo sompnolentam esse putamus. 
Te itaque dudum nostra vocabant suspiria et esuriencium re- 
quirebant lamenta. Te ergo insigne dyadema polonorum ex- 
pecta(t), Te supremus litwanie invitat principalis, Te vngaria 
manu turcarum perfida lacessita in dominum naturalem anhe- 
lat, Te principes in dominum, barones in regem, populus in 
preceptorem et eciam invitat in tutorem. Tanto etenim dies 
tuos et gloriam wltus tui videre desiderat subiectorum numero- 
sitas nacionum, quanto te de fonte regie venustatis, de radice 
generose propaginis, de semine parentum mire virtutis progres- 
surum agnoscunt. Ad nostrorum quippe nemo potest addere 
plenitudinem gaudiorum, si te iam audiremus in cunabulis va- 
gientem, si denique loquentem, Si tandem regni thabernacula 
cerneremus te feliciter disponentem. Porro gloria et honore 
(1 b ) coronabit te dominus et constituet te principem super 
terras multas dabitque tibi gentes, hereditatem tuam et pos- 
sessionem terminos paganorum. Tunc reges eos in virga fer- 
rea et tamquam vas fictile confringes eos. Ipse enim dominus 
regni tui felicis gubernacula disponet, actus tuos in bono com- 
ponat. Coronam regni tui sublimabit et brachio tuo fortitudi- 
nem dabit, cordi tuo intellectum sapiencie infundet, ori tuo 
legem veritatis adiciet, cunctis te amicabilem reddet, Multarum 
tibi gencium colla substernet. Sed o naturarum (?) omnium 
originale principium, o rerum omnium speciale presidium, 
mundane regionis regina, summi principis fidelis victoria, 
cunctarum monetaria(l) rerum domina, mater nostra 

Que tuis [mundis] mundi moderas babenis, 

Cui celum seruit, famulatur aer, 

quem colit tellus, veneratur vnda 

Cui velut mundi domine*) tributum 
singula soluunt, 
Cur moraris? an dormis? cur torpes? an pondere pressa? 
vel nequis, uel non vis, uel nescis? ymmo potes, quia potens; 
vis quia bona; scis quia sagax. operis incepti protinus consu- 
mare processum. Numquid circa utilitatem eius deliberas, 
cuius concepcionis operam nasceris adbibere ? Magnum etenim 
inconstancie vicium tuam deuenustare videretur constanciam, 
Si iniciale bonum, si opus inconceptum conseruare spreueris 
nemine refragante. Nichil siquidem expectancium ita concul- 
cat animos, nichil adeo desiderancium mentes perturbat, Nichil 
tociens spem desperare facit, nisi dilacio promissorum. Hec 



enim humane cupiditatis semper inest affected, hoc commutat, 
habet sibi proprium. quod in desideratis quibuscunquc moras 
non patitur, ymmo celeritatem ipsam refutat tarditatem. Da- 
tum in floridis pratis Cracouie. 

Aus demselben Formelbuche theile ich folgenden Brief 
eines Krakauer Professors mit, der wahrscheinlich bestimmt 
war, am schwarzen Brette angeschlagen zu -.verden. 

F. 12 *. Georgius ad Studentes excusat se de exercicio 
rethoricali offerens se ad queuis beneplacita eorum. 

Yniuersis et singulis alme vniuersitatis studij Cracouiensis 
studentibus, ad quos presentes peruenerunt uel quibus expedit, 
G. Notarius dominis, obsequij amicis, amicicie socijs vero sin- 
cere dileccionis continuum incrementum. licet alias quorundam 
ex vobis crebris excitatus hortamentis propter varias, quibus 
tunc implicatus extiti, curas Rethoricalibus non potuissem exer- 
cicijs insudare, jam vero eisdem' in aliqua parte curis exutus 
ad exequenda huiusmodi desideria vestra me promptum exhi- 
beo, si tan turn mee inest potencie, quantum conceditur volun- 
tati. Voluntas quidem prompta est, potestas autem infirma. 
Scitis itaque, quia duo sunt in quibus humanarum accionum 
omnis consistit perfeccio, voluntas scilicet et potestas, quorum 
si alterius desit, nichil est, quod perfici possit. Porro quia 
circa huius rei magnitudinem meus langwet animus, intellects 
obtunditur, racio deuiat et voluntatis desideria contremiscunt, 
Imperfectum ergo queso meum videant et intelligant oculi ve- 
stfi et in libro memorie vestro scribatur, si qua inueneritis 
congruencia votis vestris, Si vero incongrua, extunc non igno- 
rancie sed obliuioni pocius asscribatur. Datum. 

Breslau. A. Schultz. 

(Schlufs folgt.) 



Al'te S p ruche. 

Man kennt den Wolf am Gange, 
Die Glock am Klange, 
Den Franziscaner am Strange, 
Den Bauern an der Gabel, 
Den Advokaten am Schnabel. 



*) Handschr. : domine mundi. 



Verlafs dich auf die Leute nicht, 
Sie sind wie eine Wiege; 
Wer heute Hosianna! spricht, 
Schreit morgen : crucifige ! 

(Miscellanhandschr. im german. Mub. 28,670.) 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen AnstaJt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt be! U. £ 8 eb aid in Nttrnberg. 



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BEILAGE ZUM ANZEIGER FUR KUNDE DER DEUTSCHE^ VORZEIT. 

1873. J\£ 1. Jannar. 



Chronik des germanischen Museums. 



Niirnberg, den 16. Januar 1878. 

Die Mittheilungen des Jahres 1878 konnen wir mit der Nach- 
richt eroffnen, dafs die Abtragung der dem Museum ubergebenen 
interessanten Bautheile des Augustinerklosters noch vor Schlufs 
des Jahres 1872 beendet worden ist, and dafe die gftnstige Wit- 
tenrag es gestattet hat, unausgesetzt auch in dem Wiederaufbau 
derselben fortzufahren. Der Bau complex, der zur Wiederaufstellung 
gelangt, ist der Kreuzgang, der einen nahezu quadratischen Hof von 
cs. 20 Meter Lange und Breite umschliefst ; an denselben anstofsend 
im Erdgeechof8 drei Sale, der mittlere der ehemalige Kapitelsaal, 
dessen Gewolbe auf zwei dtinnen Saulen ruht, mit der sich an- 
schliefsenden Leonhardskapelle. Ueber einem Fliigel des Kreuz- 
ganges und den erwahnten drei Salen enthalt das erste Stock- 
werk einen grofsen Saal von ca. 25 Met. Lange und 12 Met. Breite, 
das alte Dormitorium, dessen schone Balkendecke von einem reich- 
profilierten, gewaltigen Durchzug getragen wird, der auf zwei 
machtigen holzernen Saulen ruht. Eine Kapelle mit zierlichem 
Netzgewolbe, uber der Leonhardskapelle stehend, schliefst sich 
diesem Saale als Ausbau an. Era zweites Stockwerk enthalt einen 
zweiten grofsen, jedoch sehr niedrigen Saal mit Balkendecke. Die 
architektonische Bedeutung wie die malerische Erscheinung der 
Bauten werden jeden Besucher iiberzeugen, dafs es eine nicht zu 
unterschatzende That des Museums ist, dieselben der Nachwelt in 
der ursprunglichen Gestalt zu erhalten, wenn auch vielleicht nur 
das grofse Dormitorium sich for die Ausstellungszwecke des Mu- 
seums vollstandig eignet. 

Die Zahl der Kiinstler, welche an der Beschaffung von Mitteln 
for diesen Wiederaufbau durchUeberlassung zu verwerthenderEunst- 
werke sich zu betheiligen zugesagt haben, ist auf c. 100 gestiegen. 
Bereits sind einige werthvolle Gemalde sowie interessante Zeichnun- 
gen abgeliefert worden. Wir versparen die Aufzahlung jener Namen 
bis zum vollstandigen Abschlusse der Sache. Einer der Kiinstler, 
der auch era sehr hubsches Bild zu besagtem Zwecke gespendet, 
Herr Historienmaler A. v. Heyden in Berlin, hat dem Museum 
gleichzeitig zur Aufstellung in seinen Sammlungen era grofses 
historiscbes Gemalde, die Begegnung Luthers und Frundsbergs auf 
der Treppe vor dem Reichstagssaal zu Worms, das Vielen von der 
letzten grofsen Ausstellung zu Munchen her noch im Gedachtnisse 
sein wird, zum Geschenke gemacht. 

Eine Vermehrung der Waffensammlung verdanken wir dem 
kgl. sachsischen Eriegsministerium , welches eine Reihe von Ge- 
wehren und sonstigen Waffen, die in der sachsischen Armee in 
Gebrauch waxen, dem Museum uberlassen hat. 

Ebenso freuen wir uns, mittheilen zu konnen, dafs die 8tadt 
Mflnchen ihren seither geleisteten Jahresbeitrag von 60 fl. auf 
100 fl. erhoht hat 

Herr Reg.-Rath Frhr. von Holzschuher in Augsburg hat das 
ihm gehorige Archiv der Veit Holzschuher'schen Linie imAnschlufs 



an das von der Gesammtfamilie im Museum bereits deponierte Fa- 
milienarchiv unserm Archive mit Eigenthumsvorbehalt uberlassen. 
Era fur unsere Sache besonders thatiges Mitglied des Gelehr- 
tenausschu88es , P. Gall Morel, Rektor des Stifts Maria Einsiedeln 
(Schweiz), ist uns leider im December v. J. durch den Tod entris- 
sen worden. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Yon Gemelnden t Blankenburg. Stadtgemeinde 1 fl. 10 kr. 
HSchstadt a. A. Distriktsgemeinde 16 fl. Landau (Pfalz). Distrikts- 
gemeinde 10 fl. Miesbach. Distriktsfiremeinde 15 fl. SaaJfeld. Stadt- 

Semeinde 5fl. Schweinfurt Distriktsgemeinde 80 fl. — Werneok. 
distriktsgemeinde 80 fl. W5rth. Distriktsgemeinde 5fl. 

Yon Terelnen: FQrstenfeld (Steiermark). Deutscher Yer- 
ein lfl. 10 kr. Obermosohel. Casinogesellschaft lfl. 

Yon PriYaten : Aachen. Oskar v. Forkenbeck, Gutsbesitzer, 
1 fl. 45 kr. Ansbach. Faber, k. Bezirksamtmann u. Reg.-Rath, 1 fl. ; 
Hartwig, k. Post- u. Bahninspektor, lfl.; Jordan, Rechnungskom- 
missar, 1 fl. ; Nonnenmacher, Kechnungskommissar, 1 fl. 12 kr. ; Jos. 
Roder, Kaufmann, 2fl.; Schinid, IL Staatsanwalt, lfl. 12 kr. Ban- 
then. Nowak, Hauptrendant , lfl. 45 kr. Bremen. Dr. Dflnzel- 
mann, Lehrer, 1 fl. 45 kr. ; Dr. H. A. Mailer, ordentl. Lehrer a. d. 
Hauptschule, lfl. 45 kr. Brasaa. Carl Schwaab, kaia. deutscher 
Yiceconsul, lfl. 45 kr. Burtacheid. Rhon, Baumeister, lfl. 45 kr. 
Caaael. Weber, Forstmeister, lfl. 45 kr. Dresden. Leuckartt, kgl 
sachs. Oberamtsrath u. Gutsbesitzer, 1 fl. 45 kr. FQrstenfeld (Steier- 
mark). M. Glock , Burgerschuldirektor , 85 kr. ; M. Helff , Burger- 
schullehrer, 85 kr.. J. Holler, Gemeinderath, 21 kr. ; Dr. LeQp. Hun- 
degger, Advokat, 2fl. 20 kr. ; L. Pferschy, Gemeinderath, 14kr. ; 
Pichlhofer, Bezirksschulinspektor, 14 kr.; E. Riedl, Bflrgerschul- 
lehrer, 36 kr. ; J. Sutter, Gemeinderath, 14 kr. ; Dr. R. Werle, k. k. 
Fabrikarzt, 14 kr. Hersfeld. Wiskemann, Professor, lfl. 45 kr. 
Kempten. Durst, Buchdruckereibesitzer, 1 fl. Leipzig. Dr. G. Lampe, 
senior, Kaufmann, 8fl. 80 kr.; H. Rigann, Kaufmann, 3fl. 30 kr.; 
Hugo Scharf, Kaufmann, 3 fl. 80 kr. ; 0. G. Tauchnitz , Privatmann, 
3fl. 80 kr.; Dr. Wold. Wenck, Professor, lfl. 45 kr. — NOrnbera. 
J. Deibler, Assistant a. d. k. Industrieschule, lfl.; Robert Pohl- 
mann, Stud, hist., 2 fl. Prag. Phil. Reach lfl. 10 kr. Ron. Graf 
v. Tauffkirchen, k. b. Gesandter, 9fl. 40 kr. SaaJfeld. Fils, Geo- 
meter, 1 fl. ; Keller, Professor, 1 fl. ; Gg. Schad, Braumeister, 80 kr. ; 
Albin Scheler, Diakonus, 30 kr. Salzburg. Joh. Lobe, Hotelbesitzer, 
lfl. 45 kr. Sehtetz. Baumann, Lehrer, in Oberbohmsdorf, 85 kr. 
(statt fruher 17Vtkr.); Brofsmann, Kaufmann u. Stadtrath, 35 kr.; 
Pobig, Kammerregistrator, H'/ikr-; Dr. Schwenke, 17Vjkr.; Wend- 
ler, Justizamtmann , 85 kr. Sonthofen. Haitinger, k. Bezirksamt- 
mann, 2 fl. Stanfen. Schadler, Oekonom, 2fl. Stuttgart Schlotter- 
beck, Privatier, 80 kr. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Yon Prlvaten : Groaa-Glaohow. Drost Freiherr v. Meerheimb, 
8fl. 45 kr. Hersfeld. Beerlein, Rechtsanwalt, lfl. 45 kr.; Gleim, 
Rechtsanwalt, lfl.45kr.; Herz Hers 62"/, kr.; v. Mflldner, Rechts- 
anwalt, 52'/, kr. Innsbruck. A. Mages, 2fl. 20 kr. Ron. Dr. W. 
Erhardt, 2fl. 20 kr. Saalfeld. Ungenannter 80 kr. Wiesbaden. 
Jul. Muller, Gerichtsassessor a. D., 8fl. 46 kr. 

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke an: 



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19 



Anzeigfer fur Kunde der deutschen Yorzeit 



30 



L Fur die kunst- und kulturgeschiohtliohen Samm- 

lungen. 

(Nr. 6794—6805.) 

Berlin. A. vonHeyden, Historienmaler : Luthers Begegnung 
mit Frundsberg auf dem Reichstage zu Worms, Oelgemalde des 
Hrn. Geschenkgebers. — Mannheim. Alterthumsverein: Ab- 
drucke eines Holzstockes vom 16. Jbdt — Munchen. Kg J. Kriegs- 
ministerium: Sogen. Todtenorgel, Bronzegeschofc mit funf 
Rohren, 16. Jhdt. — NQrnberg. Magistrat: Bronzeepitaph dea 
Buttners Ulrich Reinhart, 16. Jhdt. Dr. A. von Eye: Karl 
d. Gr. Kupferstich von A. Reindel nach Durer's Gemalde zu Norn- 
berg. Goschel, Schreinermeister : Eiserner Steinbohrer von al- 
terthumlicher Construction. Fran Hummer: Thiirklopfer von 
Messinggufs in Gestalt eines Lowenkopfes, 17. Jbdt. — Redwitz. 
Low, Apotheker: 9 Silbermiinzen vom 13. Jbdt aus dem Red- 
witzer Funde. — Trlglltz. Ragotzky, Pfarrer: Heraldiscbes Kar- 
tenspiel, 18. Jbdt. — Wlen. Se. DurcbL Furst Johann Adolf 
zu ochwarzenberg: Photograph. Aufnahme des Sterbebauses 
des Freiberrn Johann zu Schwarzenberg in Nurnberg. 

IL Fur die Bibliothek. 

(Nr. 29,823-29,521.) 

Amsterdam. Academic royale des sciences: Dies., Ver- 
bandelingen etc.; Afd. Letterkunde, 7. Deel. 1872. 4. Verslagen 
en Mededeelingen etc ; Afd. Letterk., II. Reeks, 2. Deel. 1872. 8. 
Esseiva, ad juvenem satira. 1872. 8.— Basel. Gesellschaft zur 
Beforderung des Guten und Gemeinniitzigen: Vischer- 
Heufsler, das Kartbauserkloster und die Burgerschatt v. Basel. 51. 
Neujahrsblatt etc 1873. 4. Universitat: Vischer - Heufsler , d. 
Karthauserkloster u. die Burgerschaft v. Basel. 1873. 4. — Bay- 
reuth. Histor. Verein v. Oberfranken: Ders., Archiv etc; 
Bnd. XII, 1. Heft. 1872. 8. — Berlin. K. Akademie d. Wissen- 
s ch aft en: Dies., philolog. u. histor. Abhandlungen aus d. Jabre 

1871. 1872. 4. Gustav Hem pel, Verlh.: Wolff, fortlaufende Ge- 
schichte der Gegenwart; Bnd. I. II. 1871 u. 72. 8. v. Tiedemann, 
der Festungskrieg im Feldzuge gegen Frankreich 1870—71. 1872. 
8. GebroderPatel, Verlh. : Pierson, Bilder aus Preufsens Vor- 
zeit. 1872. 8. v. Quast, k. pr. geh. Reg.-Rath u. Generalconser- 
vator: Die Burgwalle der Insel Rttgen. 8. Sonderabdr. — Bern. 
J. Dalp'sche Buch- u. Kunsthdl. (K. Schmid): Blosch, Ed. Blosch u. 
30 Jahre bernischer Geschichte ; VII. u. VIII. Lief. (Schlufs). 1872. 8. 
v. Wattenwyl, Geschichte der Stadt u. Landschaft Bern; II. Bud., 
8. Heft (Schlufs). 1872. 8. — Breslau. Schlesische Gesell- 
schaft f. vaterl. Cultur: Dies., 49. Jahres-Bericht, 1871. 1872. 
8. Dies., Abhandlnngen etc., philos.-histor. Abtbeil. 1871. 8. Dies., 
Abhandlungen, Abtheil. f. Naturwissensch. u. Medicin, 1869—72. 

1872. 8. — Brflnn. MorizTrapp, Custos des Franzens-Museums : 
Ders., Beitrage zum biirgerl. Militarwesen Briinn's der alten bis 
Jetztzeit. 1873. 8. — Corbaoh. Histor. Verein der Fiirsten- 
thflmer Waldeck u. Pyrmont: Ders., Beitrage; Bnd. Ill, 3. 
Heft 1872. 8. v. Rauchbar, Leben u. Thaten des Fttrsten Georg 
Friedrich v. Waldeck ; Bnd. II, 2. 1872. 8. — Darmstadt. G. Jong- 
fa aus'scheHofbuchh.: Maurer, in Frankreich, 1870— 1871. 1872. 8. 
— Dorpat. Kaiser 1. Universitat: 11 akademische Gelegenheits- 
schriften. 1872. 4. 8. — Dresden. Kgl. sachsischer Verein 
far Erforschung uud Erhaltung vaterlandische Ge- 
schichts- u. Kunstdenkmale : Ders., Mittheilungen etc.: 17. 
19. u. 20. Heft. 1867. 1869. 1870. 8. — Dusseldorf. Dr. Jacob 
Schneider, k. Professor: Ders., neue Beitrage zur alten Ge- 
schichte u. Geographie der Rheinlande; IV.FoIge 1873. 8. — Eln- 
Sledeln. Gebr. Carl u. Nic. Benziger, Verlh.: Zimraermann, 
d. heil. Bonifacius, Apostel Deutschlands. 1872. 8. — Emden. Na- 
turforschende Gesellschaft: Dies., kleine Schriften; XVI. 
1872. 8. — Frauenfeld. J. Huber, BuchhndL: Haberlin-Schalteg- 
ger, Geschichte des Kantons Thurgau v. 1798—1849. 1872. 8. — 
Genf. Jules-G. Fick, Buchdruckerei : See, memoires der RR. 
PP. Jesuites du college de Colmar (1698—1750). 1872. 8. — Sla- 



ms. Histor. Verein des Kantons Glarus: Ders., Jahrbuch; 
9. Heft 1873. 8. — Gtfttingen. Dieterich'sche Bucbb.: Wolf, 
Beitrage zur deutschen Mythologie ; II. Abth. 1857. 8. Stern, ub. 
den Werth einiger Summen. 1872. 4. Sonderabdr. — Graz. Aka- 
dem. Leseverein an d. k. k. Universitat: Ders., funfter 
Jahresbericht 1872. 8. Direktor Dr. Rich. Peinlicb, k. k.Schul- 
rath : Ders., Geschichte d. Gymnasiums in Graz; II. Periode. 1872. 4. 
Progr. — GQtersloh. C. Bertelsmann, Verlh.: Eickhoff, Dr. Mar- 
tin Luther 1872. 8. — Hannover. Hahn'sche Hofbuchh. : v. Munch- 
hausen, Geschlechts - Historic des Hauses derer von Munchhausen. 
1872. 8. Grotefend, Handbuch der historischen Chronologic 1872. 
8. Beiche, vollstandiger Blotenkalender der deutschen Pbaneroga- 
men-Flora; 2 Bnde. 1872. 8. H. Wilh. H. Mithoff, Ober-Bau- 
rath a. D. : Ders., Kunstdenkmale u. Alterth timer im Hannover 1 - 
schen; 2. Bnd. 1873. 4. — Jena. Universitat: 37 akademische 
Gelegenheitsschriften. 1872. 4. 8. — Kiel. Schwers'sche Buchh.: 
Lipsius, die Quellen der romischen Petrussage. 1872. 8. Dr. Karl 
Weinhold, Univers.- Professor: Ders., ub. die Bruchatocke eines 
frankischen Gesprachbuchleins. 1872. 8. Sonderabdr. — K3ln. L. 
Schwa nn^scbe Verlagsbuchh. : Ditges, Grofs St. Martin in Koln. 
8. Bock, Rheinlands Baudenkmale des Mittelalters ; U. Serie, 2. 
—12. Lief. u. III. Serie, 1—3. Lief. 8. Barbier de Montault, die 
Mosaiken im Minister zu Aachen ; ubers. v. Korner. 1872- 8. En- 
nen, Geschichte der Stadt Koln; Bnd. II. HI. 1865 u. 1869. 8. — 
Langensalza. G. F. L. Grefsler's Schulbuchb.: Mauer, Ge- 
schichts-Bilder ; 5. Aufl. 1871. 8. — Leipzig. F. A. Brookhaus, 
Verlh.: Zur Erinnerung an die Feier des hundertiahrigen Ge- 
burtstages von F. A. Brockhaus. 1872. 8. Stern, Stein u. sein 
Zeitalter. 1855. 8. Mauritius, Heinrich Friedrich Karl v. u. zum 
Stein. 1856. 8. Vollert, die interessantesten Criminalgeschichten 
aller Lander; 6 Bnde. 1867—72. 8. Hermann, Bruder Ludwig der 
Wasgauer. 1872. 8. Varnhagen v. Ense, ausgewahlte Schriften; 
X. Bnd. 1872. 8. Deutsche Dichter des 16. Jahrhunderts ; 7. 
Bnd. 1872. 8. Fefsler, Geschichte von Ungarn; 12. Liefer. 1872. 
8. E. Julius Gunther, Verlh.: Ramshorn, Kaiser Joseph II. 
u. seine Zeit; 2. Aufl. 8. J. C. Hinrich'sche Buchh.: Brachelli, 
statist. Skizze der osterreichisch-ungarischen Monarchic; 3. Aufl. 
1872. 8. Mor. S chafer, Buchhandl.: Drivok, altere Geschichte 
der deutschen Reichsstadt Eger; 5. Lief. 1872. 8. E. A. See- 
ma n n , Ver!ag9h. : Zeitschrift f. bildende Kunst ; Bnd. VI, 10.— 
12. VII, 1. 2. Heft. Kunstchronik 1. 3—8. 10—12. 1871—72. 8. 
Ortwein, deutsche Renaissance; Lief. 1.— 12. 1871—72. 2. Peyer 
im Hof, die Renaissance -Architektur I tali ens; I. Samml. 1870. 8. 
Kraus, d. christliche Kunst in ihren fruhesten Anfangen. 1873. 8. 
C. F. Winter'sche Verlagsh. : v. Smitt, Denkwfirdigkeiten einet 
Livlanders; 2 Bnde. 1858. 8. Hanser, Deutschland nach dem 
dreifsigjahrigen Kriege. 1862. 8. Blum, Graf Jakob Johann v. Sie- 
ve™ u. Rufsland zu dessen Zeit. 1864. 8. Thiersch, Friedr. Thiersch's 
Leben; 2 Bnde. 1866. 8. Ruge, Junius' Briefe. 3. Aufl. 1867. 8. 
Sharpe, Geschichte des hebraischen Volkes u. seiner Literatur. 
1869. 8. Beta, d. neue deutsche Reich. 1871. 8. - Lindatt. J.Th. 
Stettner, Buchh.: Boulan, Lindau vor Altem u. jetzt. 1870. 8. 
Verein fflr Geschichte des Bodensee's und seiner Urn- 
gebung: Ders., Schriften etc.; III. Heft. 1872. 4. — Liibeck. Se- 
nat der freien Hansestadt: Codex diplomaticus Lubecensis; 
I. Abth., 4. Theil. 1873. 4. — Magdeburg. L. 8 chafer's Buchh.: 
Geifsler, Album v. Magdeburg. 8. Verein f. Geschichte und 
Alterthumskunde des Herzogth. u. Erzstifts Magde- 
burg: Ders., Geschichtsblatteretc; 7. Jahrg, 1872, 3. Heft. 1872. JJ. 
— Marburg. Universitat: 6 akadera. Gelegenheitsschriften. 1872. 
4. 8. — Miinchen. H. Manz'sche Buchh.: Punkes, Papst Vigilius 
u. der Dreikapitelstreit. 1865. 8. Losch, Churfurst Max I. von 
Bayern. 1867. 8. Hartraann, Entwicklungs-Geschichte der Posten. 
1868. 8. v. Dollinger, d. Universitaten sonst u. jetzt; 2. A. 1871. 8. 
Mayer, statist. Beschreibung des Erzbisth. Mflnchen-Freysing ; 5- 
u. 6. Lief. 1872. 8. Freiherr Edmund v. Oefele: Ders., zur 
Geschichte des Hausengaues. Aufzeichnungen des 11. u. 12. Jahrh. 
1872. 8. Sonderabdr. — Neuburg a. D. Histor. Filial -Ver- 
ein: Ders., Jahresbericht f. d. J. 1872. 8. Collektaneen-Blatt etc 
36. Jahrg. 1872. 8. - Niirnberg. Herm. Ballhdrn (v. Ebner'- 
sche Buchh.) : Priem , Konrad Grttbel und seine Nachfolger in d. 



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31 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



82 



number?. mundartL Dichtung. 1878. 8. Bauer, Oberlehrer: Gut- 
acaten d. Schiedsgerichts iiber d. eingesandtenEntwflrfe zu einem 
Nati onaldenkmal 1. Konig Maximilian II. 1866. 8. LisetteMinck: 
8chmidt, alter a. neuer Schreib-Calender auff d. J. 1682. 82. An- 
dachtige Morgen- and Abendaearen etc. 82. Wunache zam Bey- 
lager. 1767. — Peat Guatav Heckenaat, Verlagshandl. : Ro- 
aegger, Gescbichten ana Steiermark. 1871. 8. Roaegger, Wander- 
leben. 1871. 8. Rosegger, Gestalten aus dem Volke der dsterreicb. 
Alpenwelt 1872. 8. Kuh, zwei Dichter Oesterreicbs : Franz Grill- 
parzer. A. Stifter. 1872. 8. — Pffty. Verein f.Geschichte der 
Deutachen in Bohmen: Dera., 10. Jahresbericht, 1871—72. 
1872. 8. Dera., Mittheilungen etc.; Jbg. XI, 1—8. 1872. 8. — 
Riga. H. Brutzer & Co., Verlagsh.: Ulmann, lettiachea Worter- 
buch; I. Tb. 1872. 8. — Rostock. E. Kuhn's Verlag: Muther, 
zur Geacbicbte dea romisch-canoniscben Prozeaaea in Deutschland. 
1872. 8. Scbirrmacber, Beitrage zur Geacbicbte Mecklenburgs, 
vornehmlich im 13. Jabrb. 1872. 8. — Teachen. K. Prochaska, 
Verlh. : Abani, Geacbicbte des deutsch - franz. Krieges; II. Abth. 

1871. 8. — Tflblngen. Dr. Adelb. von Keller, Univers.-Profes- 
aor: Miiller, Anti Rudolf Gottacball n. Jul. Frauenstadt. 1871. 8. 
H. Laupp'acbe Buobb. : Werfer, Ubald der Landaknecbt ; 2. Aufl. 

1872. 8. Universitat:25 akdemiacbe Gelegenheitssehriften. 1866 
—71. 4. 8. — Weimar. Herm. Bohlau, Verlagsh.: Zeitschrift f. 
Recbtageachicbte ; Bnd. XI, 1. H. 1872. 8. — Wlen. Wilb. Bran- 
miiller, k. k. Hof- u. Universitatsbuchh. : Carus, Go the, deaaen 
Bedeutung f. unacre a. die kommende Zeit 1863. 8. Bratranek, 
Briefwecbael zwischen Gothe u. Kaapar Graf v. Sternberg. 1866. 8. 
Grafae. Jagerbrevier ; 2. Aufl. 1869. 8. Pobl, d. Geaellachaft der 
Musikfreunde des osterreich. Kaiserstaates. 1871. 8. Wolf, d. Auf- 



hebung der Kloster in Innerdsterreich. 1871. 8. Brunner, d. Hu- 
mor in der Diplomatic u. Regierungskunde dea 18. Jabrh. ; 2 Bnde. 
1872. 8. Gervinus, hinterlassene Schriften. 1872. 8. Thurnwald, 
Dichter, Kaiser u. Papst. Waltber v. d. Vogelweide ala politischer 
Dichter. 1872. 8. Weifs, Lehrbuch der Weltgeschichte. Bnd. V, 
1. 2. 1872. 8. Quellenscbriften fur Kunstgeschichte etc., berauag. 
v. Eitelberger v. Edelberg; III. IV. 1872 u. 73. a Jo a. Klein, 
Hiatorienmaler u. Professor: Bauernfeld, Franz v. Sickingen. 8. 
Dera., d. Geschwister v. Nurnberg. 8. Dera., Ernst u. Humor. 8. 
Dera., ein deutscber Krieger. 8. Dera., d. Zugvogel. 8. Dera., der 
Vater. 1840. 8. Dera., Industrie u. Herz. 1847. 8. Dera., d. Ge- 
schwister v. Nornberg. 1847. 8. Ders., d. Ban era v. Weinsberg. 1864. 
8. Dera., Exellenz, oder: der Backfisch. 1865. 8. Ders., Frauen- 
freundschaft 1865. 8. Ders., aus der Gesellschaft. 1867. 8. Dera., 
moderne Jugend. 1870. 8. Ders., Landfrieden. 1870. 8. Verlag 
v. L. W. Seidel u. Sohn: v. Cornaro, strategische Betrach tun- 
gen iiber den Kriegim J. 1812. 1870. 8. Hoffmann, der Kampf 
um feste Platze (Festungskrieg) und dessen Geschichte. 1872. 
8. — Wiesbaden. Nassauischer Verein fur Naturkunde: 
Ders., Jahrbttcher ; Jhg. XXV u. XXVI. 1871 u. 72. 8. 

HI. Fur das Archivi 

(Nr. 4288.) 

Wlen. Ungenannter: Acbtzehn Erlaase und Schreiben ver- 
achiedener Aebte und Herren von Adel im Namen der Verordne- 
ten einer loblichen Landschaft in Wien an den Buchhalter dieser 
letzteren, besonders die Fiihrung der Gescbafte und das Rech- 
nungswesen betr. 1645—1673. Akten. 1 Faaz. 



Chronik der historiscben Verelne. 



Mittheilungen dea Vereina fur Geschichte der Deut- 
schen in Bohmen. XI. Jahrg. Nr. I— HI. Prag, 1872. 8.*) 

Daa Urkundenbuch von Saaz. Von Dr. Ludw. Schlesinger. — 
Beitrage zur Geschichte von Arnau. Von Dr. Carl Leeder. — Zur 
Geschichte der Belagerung Egen durch die Schweden 1647. Von 
Dr. Franz Kurschner. — Aus Joachimsthale Vergangenheit Von 
Dr. Gustav C. Laube. — Bdhmisches Privatgeld im Jabre 1848 
und 1849. Von Dr. Anton Tobias. — Kleinere Mittheilungen. 

Zehnter Jajhreabericht desselben Vereina. Fur daa Jahr 
1871—72. Prag, 1872. 8. 

Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur 
Erforachung und Erhaltung der Baudenkmale. XVH. 
Jahrg. — Novbr.— Decbr. Wien, 1872. 4. 

Die Fe8te Klingenberg (Zvikov) in Bohmen. Notizen von 
Franz Rudolph Bezdeka, (Mit 5 Holzschnitten.) — Ein gothischea 
Vortragekreuz in der k. k. Ambraaer Sammlung. Von Eduard 
Freiherrn von Sacken. (Mit 1 Tafel und 8 Holzschnitten.) — 
Paasau. I. (Dr. K. Lind.) — Kirchliche Baudenkmale in Ober- 
Oeaterreich. (Dr. K. Fronner.) (Mit 8 Holzschnitten). — Die mit- 
telalterlicben Baudenkmale der Stadt Laa und deren Umgebung. 
(Jos. Gradt) (Mit 1 Tafel und 24 Holzschnitten.) — Die aMteaten 
Siegel der Stadt Wiener-Neuatadt (Dr. A. Luachin.) (Mit 2 Holz- 
schnitten.) — Wenzel Erzherzog von Oeaterreich, Johanniter-Or- 
dena-Prior in Caatitien. (Dr. Honisch.) — Die inneren Stadtthore 



•) Vom Jabrg. DC lit nor Heft 1—6 dam Moaeum zuejegaBgen; Jahrg. X, 
aowif ear S. Jahtaabea. find giaslleli aaagabUebea. 



zu Koniggratz. — Aeltere Grabdenkmale in Nieder - Oesterreicb. 
(Dr. K. Lind.) (Mit 1 Holzscbn.) — Das Grabmal (oder der Grab- 
stein) Leutold's von Wildon in der Stiftakirche zu Stainz und die 
Siegel der Wildoner. (Dr. K. Lind.) (Mit 1 Tafel und 13 Holz- 
schnitten.) — Zur Kunde der St. Stephanskirche in Wien. (Dr. K. 
Lind.) (Mit 1 Holzacbnitt) — Aus Heiligenkreuz in Nieder-Oeater- 
reich. (Prof. W. Neumann.) — Aus St. Pauls in Karnten. — Btt- 
cherschau. 

Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft 
in Wien. n. Band, 1872. Nr. 10. 8. 

Die Hohlen bei Villach. (Felix Luschan.) — Erklarung einiger 
Gegenatande aus dem Pfahlbau im Mondaee. (Dr. M. Much.) — • 
Der angebliche slavische Apiaoult in der Byciakala-Hohle. (Dr. Jo- 
sef Karabacek.) — Mittheilung an die anthropologiache Geaellachaft 
fiber einen (vorhistorischen) Fund bei Stettenbof, (August Graf 
Brenner-Enkevoirth.) 

Heraldisch-genealogiBche Zeitschrift Organ des 
heraldiach-genealogiachen Vereinea „Adler" in Wien. 
H. Jahrg. Nr. 12. — HI. Jahrg. Nr. 1. Wien, December 1872. 
Jan. 1878. 4. 

Protokoll der ersten Monatsversammlung vom 20. Novbr. — 
Zum Wappen der schwabischen Grafen von Montfort — Die Schil- 
ler von Herdern in Tirol. Von Hugo von Goldegg. — Die Schweigger. 
— Einige heraldische Monumente dea XV. Jahrh. zu Wiener- 
Neuatadt Beaprochen von Friedr. R.-Frhrn. v. Waldbott-Bassen- 
heim. — Die Lilie in der Heraldik. Von Alfred Grenser. — Die 
Hackher zu Hart Dieses Geachlechtea Geschichte und Genealogie 



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Anzeiger far Kunde der deutechen Vorzeit. 



24 



von Moriz Marie Edlen von Weittenhiller. — Die Kaiserstein (Be- 
merkungen zu Pusikan's Werk). 

Der Kirchen-Schmuck. Blatter des christlichen 
Kunetvereines der Didzese Seckau. 1872. III. Jahrg. 
Nr. 12. Graz. 8. 

Glockeninschriften. 

Mittheilungen der Gesellschaft fur Salzburger 
Landes kunde. XII. Vereinsjahr 1872. Salzburg. 8. 

Die Thannhausen. Ein Beitrag zur Kunde von Salzburgs 
Adelsgeschlechtern. (Mit einer Stammtafel.) Von Robert Bitter 
von Raab. — Die altesten Original-Urkunden des f. e. Consistorial- 
Archives zu Salzburg, mitg. von Archivar Adam Doppler. — Ver- 
ordnungen K. Karls des Grofsen und Beschlusse der Reisbacher 
Synode c a. 800. Von dems. — Kunstschatze und Alterthumer. 
Von Friedrich Pirckmayer, — Salzburgischer Hoffstath meiner 
Wolff Diethrichen von Raithnau Erzbischoven daselbst: So anno 
1590 in dp Werkh gericbt ist worden. (Nach des Erzbischofs 
eigenhandig geschriebenem Entwurfe.) Von dems. — Chronologie 
der General - Steuereinnehmer der erzstiftl. salzburgischen Land- 
schaft. Von dems. — Urtheilspruch in Zanbereisachen (Concept). 
Von Dr. Zillner. — Verzeichnifs der Decane der Universitat zn 
Salzburg vom Jahre 1652—1811. Von Dr. Leopold Spatzenegger. 

— Gesellschaftsangelegenheiten. 

Zeitschrift des Eunst-Gewerbe-Vereins zu Man- 
chen. XXH Jahrgang. Heft 9— 12. Monchen 1872. Theodor 
Ackermann. 2. 

Der Erzgufs und seine Bearbeitung von Prof. Fritz Miller. 

Verhandlungen deshistoriscben Vereines vonOber- 
pfalz undRegensburg. 28. Band der gesammten Verhand- 
lungen und 20. Band der neuen Folge. Mit Illustrationen. Stadt- 
amhof, 1872. 8. 

Die drei Dombaumeister Roritzer und ihr Wohnhaus, die al- 
teste bekannte Buchdruckstatte in Regensburg. (C. W. Neumann 
und Graf v. Walderdorff.) — Ein noch ungedrucktes Gedicht des 
Conrad Celtes ; metrisch ubersetzt und erlautert von Dr. J. Reber. 

— Der sog. Eselsthurm am Dome zu Regensburg; mit 2 autogr. 
Beilagen. (Fr. J. Denzinger.) — Johann Andreas Schmeller und 
seine Bearbeitung der baierischen Mundarten mit Bezugnahrae auf 
das Oberpfalzische. (Fr. X. v. Schonwerth und Graf v. Walder- 
dorff.) — Miscelleo. — Vereinsangelegenheiten. 

In der Versammlung des genannten Vereins vom 9. Januar 
hielt der Ordinariatsass. Jacob einen Vortrag fiber zwei von ihm 
aufgefundene Fragmente des Gedichts Tristan und Isolde von Eil- 
hart von Oberge. Der Vorsitzende, Graf von Walderdorff, machte 
sodann aufmerksam auf ein seltenes Druckwerk der Regensburger 
Ereisbibliothek , eine kroatische Uebersetzung der Poatillen des 
wurttemb. Landessuperintendenten Johann Brenz von 1568. Es 
ist das einzige noch vorhandene Exemplar dieses Werkes. 

Collektaneen-Blatt fur die Geschichte Bayerns, 
insbesondere for die Geschichte der Stadt Neuburg a. d. D. und 
des ehemaligen Herzogthums Neuburg, bearbeitet von Mitgliedern 
des historischen Filval-Vereines zu Neuburg. Sechsund- 
dreifsigster Jahrgang 1872. Neuburg 1872. 8. 

Die Honoratioren der Stadt Neuburg im 19. Jahrh. Zweiter 
Theil. Von A. Forch. — Die Franzo*en in Deutschland im Jahre 
1796, mitg. von Jos. Wolfg. Holl. — Uebersfeld, Altesheim, Tai- 
ting ; Monographien von C. A. Bohaimb. — Ein in der Pfarrkirche 



zu Zell befindliches artistisches Monument, mitg. von A. . Geisi — 
Zur Reise der Prinzessin Maria Anna nach Spanien, von v. Ren- 
ner. — Das Schutzenbuch der Stadt Neuburg, mitg. von H. Loe. 

— Pobenhausen und der Calvarienberg , Monographic von Max 
Strobl. 

Archiv fiir Geschichte und Alterthumskunde von 

Oberfranken. Zwolfben Bandes erstes Heft. Bayreuth 1872. 8. 

Ansprache des Vereinsvorstandes. — Das Gefecht bei Rochlitz. 

— Der Zapfenorden. — Fragen des historischen Vereins von Ober- 
bayern. — Jahresbericht. 

Mittheilungen des historischen Vereines der Pfals. 
m. Speier, 1872. 8. 

Urkundliche Geschichte der Herren und Grafen von Falken- 
stein am Donnersberge in der Pfalz. Entworfen von J. G. Leh- 
mann, Pfarrer. — Vereinsangelegenheiten. 

Neunundvierzigster Jahres-Bericht der Schlesi- 
schen Gesellschaft fur vaterlandische Cultur. Enthilt 
den Generalbericht uber die Arbeiten und Veranderungen der Ge- 
sellschaft im Jahre 1871. Breslau, 1872. Bei Josef Max und 
Comp. 8. 

Hi8torische Section : Ueber Christian Thomasius, von Dr. Schuck. 

— Ueber den historischen Johann von Nepomuk, von Dr. Rei- 
mann. — Ueber die oberschlesischen Holzkirchen und Verwandtet, 
von Dr. Luchs. — Ueber die Eriegslasten Schlesiens in den Jah- 
ren 1806—13, von Dr. Grunhagen. — Ueber das politische Witi- 
wort unter Ludwig XIV., Ludwig XV. und Ludwig XVI., von 
Dr. Maafs. — Ueber die Schlacht von Striegau oder Hohenfriede- 
berg und fiber das Manuscript eines preufsiechen Officiers aus 
jener Zeit Bericht uber die Excursion auf das Schlachtfeld und 
zu den Striegauer Baudenkmalern. Von Dr. Kutzen. — Ueber 
den Streit Paul's IV. mit Ferdinand I., von Dr. Reimann. — Ueber 
das siidwestliche Gebiet der Grafechaft Glatz, von Dr. Kutzen. — 
Ueber die bei der Beschiefsung Strafsburgs vernichteten offentli- 
chen Bibliolheken. 

Abhandlungen derselben Gesellschaft. Philosophisch-histo- 
rische Abtheilung. 1871. Breslau, 1871. Bei Josef Max und 
Komp. 8. 

Neue Beitrage zur Lebensgeschichte von Martin Opitz nebit 
4 ungedruckten Briefen desselben. Von H. Palm. — Papst Paul IV. 
und das Kaiserthum. Von Ed. Reimann. — Nachtrag zum Lieg- 
nitzer Lehnsstreit 1449 — 69. Von Herm. Markgraf. 

Philologische und historische Abhandlungen der 
Koniglichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 
Aus dera Jahre 1871. Berlin, 1872. 4. (Ohne deutschgeschicht- 
lichen Inhalt.) 

Der Deutsche Hero Id, Zeitschrift fur Heraldik, Sphragi- 
stik und Genealogie. Organ des Vereins fur Siegel- und 
Wappenkunde zu Berlin. III. Jahrg. Berlin, 1872. Nr.12. - 
IV. Jahrg. 1873. Nr. 1. 4. 

Zur Familie de Graeff. — Die Grafen von Almesloe-Tappe. 
(von Fock.) — Mittheilungen Ober die von Heister. — Abbildung 
eines wirklichen Kampfschildes mit Wappen aus dem Ende des 
XIII. Jahrh. Vom Fflrsten F.-E. zu Hohenlohe - Waldenburg. - 
Hat es zwei Geschlechter v. Leipzig(er) gegeben? (G. A. v. M.) 

— Noch einige Worte tiber die von Schlatheim. (Tilesius v. Ti- 
lenau.) — Nocheinmal das A Imesloe-Tappe'sche Wappen. (0. Sga.) 

Monatshefte fur Musik-Geschichte herausgegeben von 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit 



36 



der Gesellschaft far Mnsikforschung. IV. Jahrg. 1872, 
Nr. 12 u. V.. Jahrg. 1878, Nr. 1. Berlin, 8. 

Berichtigungen zu dem „Locheimer Liederbuche" yon 1450 
(Aoigabe Bellermann- Arnold -Chrysander im 2. Bande der Jahr- 
bucher. Leipzig, 1867) von 0. Kade. — Ob Druck, ob Schrift? 
(Pergament-Oradnale betr.) (R. Schlecht) — Le Nosze d'Ercole e 
d'Ebe von Gluck. (Morits Fflrstenau.) — Beilage : Hans Leo von 
Hauler (Hasler oder Haszler). Geboren 1584 zu Nurnberg, ge- 
itorben den 8. Juni 1612 zu Frankfurt a. M. Chronologisches Ver- 
zeichnifs seiner gedruckten Werke, nebst alphabetisch geordnetem 
Inhaltsanzeiger. Verfasst von Rob. Eitner. (8. I— VllL) 

Geschichts-Blatter fur Stadt und Land Magdeburg. 
Mittheilungen des Yereins far Geschichte und Alterthums- 
kunde des Herzogtbums und Erzstifts Magdeburg. 
7. Jahrg. 1872. 8. Heft Mit 2 Tafeln Abbildungen. Hrsg. von 
Dr. F. Geisheim. Magdeburg, 1872. Verlag der Schafer'schen 
Baohhandlung (A. Rudiger). 8. 

Ueber das Kaufhaus der 8tadt Burg in Magdebnrg und den 
Begriff und die Bedeutung von Kauf- und Spielhausern (theatra) 
im Allgemeinen. Von Dr. F. Geisheim. — Zur Kenninifs der 
Magdeburger Gesangbocher des 16. Jahrh. Yon Superint. A. Fi- 
scher uud Dr. L. G5tze. — Die Magdeburger Raths-Apotheke im 
16. Jahrh. Yon Dr. L. Gotze. — Beitrage zur Geschichte der 
Stadtkirche zu Egeln etc. Yom Rector A. Engeln. — Ein Mag- 
deburger Druck des 15. Jahrh. ober die Zerstorung von Troja. 
Yon Dr. L. Gotze. — Das angebliche Schlofs der Stadt Burg, seine 
Lage und vermeintliche Entstehung. Yon v. Mulverstedt. — Elei- 
nere Beitrage. 

Hamburge Burgerbewaffnung. Ein geschichtlicher 
Ruckblick von C. F. Gadechens. Hrsg. vom Yerein far ham- 
burgiscbe Geschichte. Mit 4 Tafeln Abbildungen in Farben- 
druck. Hamburg. Wilhelm Mauke. 1872. gr. 8. 60 Stn. 

Zeitschrift des Architekten- und Ingenieur-Ver- 
eins zu Hannover. Band XVIII. Heft 3. (Jahrg. 1872.) Han- 
nover. Schmorl & von Seefeld. 1872. 2. 

Urkunden-Buch der Stadt Lobeck. Hrsg. von dem 
Yereine far Lubeckische Geschichte und Alterthums- 
kunde. Yierter Theil. Lubeck, Ferdinand Grautoff. 1878. 4. 
928 Stn. 

Beitrage zur Geschichte der Furstenthumer Wald- 
eck und Pyrmont. Im Namen des waldeckischen hist. 
Yereins herausg. von A. Hahn. Dritten Bandes drittes Heft. 
Arolsen, 1872. 8. 

Die Dalwiger Kirche bei Gorbach ; die Siechenhauser im Wald- 
eckischen. (Dr. L. Curtze.) 

Schriften des Yereins fur Geschichte des Boden- 
see's und seiner Umgebung. Drittes Heft. Mit einer Pfahl- 
bautenkarte des Bodensees und einer Abbildung der Schlacht von 
Domacb. Lindau. Commissionsverlag von Joh. Thorn. Stettner. 
1872. 8. 

Yereinsangelegenheiten. — Das Kaufhaus in Konstanz und die 
darin abgehaltene Papstwahl. Yon J. Marmor. — Yortrag uber 
Sitten und Gebrauche am Bodensee. Yon Oberstaatsanwalt Haager. 



— Yortrag iiber die Pfahlbauten. Mit einer Karte. Yon Diaconus 
A. Steudel. — Kampfe des Patriciate und der Zunfte zu Lindau 
im 14. Jahrh. Yon Major J. Wurdinger. — Zur Ethnologic der 
Bodenseegegend. Yon Dr. Buck. — Die jerusalemitanische Grab- 
kapelle in Konstanz. Yon Dr. T. Tobler. — Ein alter Holzschnitt 
mit Volkslied uber die Schlacht von Dornach 1499. Mitg. von 
Dr. Frhrn. H. v. u. z. Aufsefs. — Hans Conrad Werdmiiller aus 
Zttrich, gewesener Commandant der freien Reichsstadt Lindau. 
Yon H. Werdmiiller von Elgg. — Urkundenauszuge zur Geschichte 
der Stadt Lindau. (Forts.) 

Jahrbuch des historischen Yereins des Kantons 
Glarus. Neuntes Heft. Zurich & Glarus, Meyer & Zeller. 
1878. 8. 

Die Reformation im Lande Glarus. Yon Dr. J. J. Blumer. — 
Keltische Spuren in den Orts-, Berg- und Flufonamen des Cant. 
Glarus. Yon J. H. Heer. — Aus dem Tagebuch eines glarnerischen 
Statthalters vom Jahr 1725. Yon Dr. F. Schuler. — Urkunden- 
aammlung. (Forts.) 

L'Investigateur. Journal de laSociete des fitudes 
Historiques — Ancien Institut Historique — reconue etablis- 
sement d'utilite publique par decret du 3. Mai 1872. Trente- 
huitieme Annee. Livraisons de Juillet a Octobre 1872. Paris 
1872. 8. 

fitienne Marcel et Jean Caboche. Episodes des XIV. et XY. 
Siecles. (A. Yavasseur.) — Rapport sur une etude de M. PAbbe 
J. Corblet. (Les tombes en bronze des deux eveques, fondateurs 
de la cathedrale d'Amiens.) (Louis Lucas.) — Monographic de 
Peglise de Caraux de Larboust. — Fouilles dans un cimetiere Gallo- 
Romain a Garin (Haute- Garonne). 

Verslagen en Mededeelingen der Koninklijke Aka- 
demievanWetenschappen. Afdeeling Letterkunde. T weede 
Reeks. Tweede Deel. Amsterdam, C. G. van der Post. 1872. 8. 

Nehalennia-altaar onlangs te Domburg ontdekt. Beschreven 
en toegelicht (Met eene Plaat.) (C. Leemans.) — Over potten 
met kinderbeenderen, bij het kerkhof te Harich in Friesland ont- 
dekt (Ders.) — Het middelnederlandsch gedicht van Sinte Bran- 
dane. (E. VervHjs.) — Germaansche woorden in latijnsche op- 
8chriften aan den Beneden-Rijn. (H. Kern.) — Over de zending 
van graaf Willem Bentinck - Rhoon naar Weenen in 1740. Naar 
aanleiding der uitgave zijner aanteekeningen door A. Beer, Wee- 
nen, 1871. (W. G. Brill.) 

VerhandelingenderK. Akademie. Afdeeling Letterkunde. 
Zevende Deel. Amsterdam, C. G. van der Post. 1872. 4. 

Een actio spolii van 1229 en eene inleiding in erfgrond van 
1243. (L. A. J. W. Sloet.) — Oude muurschilderingen van de 
kerk te Bathmen in Overijsel. (Mit Abbildungen in einer Mappe, 
qu. 2.) (C. Leemans.) ' 

Publications extraordinaires du Cercle Archeo- 
logique du Pays de Waes. Nr. 9. Livre des Feudataires 
des Comtes de Flandre au Pays de Waes aux XTV., XV. et XVI. 
Siecles, d'apres les manuscrits de la Chambre des Comptes a Bru- 
xelles, avec Table onomastique et Introduction par le Chevalier de 
Schoutheete de Tervarent. Saint-Kicolaas, 1873. 8. X et 653 pp. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



38 



Nachrlchten. 



Literatur. 

Neu erachienene Werke. 



1) Der Ursprung der schweizerischen Eidgenossen- 
schaft. Gesohichte und Sage von Albert Rilliet. Zweite 
. . . Auflage. Aus dem Franzosischen in's Deutsche uber- 
tragen . . . von Carl Brunner. Mit einer Karte der Urkan- 
tone. Aarau, H. R. Sauerlander. 1873. 8. 
Noch auf lange Zeit hin wird fiir den Geschichtsforscher die 
Bestimmung der Grenzscheide zwischen Sage und Geachichte eines 
der interessantesten Probleme bilden, trotzdem, dafs die Frage als 
bereits entsehieden betrachtet werden kann, wol am bo eber, als 
die Skeptik der heutigen Wissenschaft selbst von seither als ver- 
burgtest gegoltenen Geschichtserzahlungen nnerbittlich mit dem 
scharfen Meeser der Kritik ein Stack nach dem andern hinwegschnei- 
det. Die Tellsage (dariiber, dafs nor eine Sage, aber keine Ge- 
schichte von einem Tell besteht, herrscht in der Wissenschaft kein 
Zweifel mehr) bietet far die Ldsung jener Frage einen der ergiebig- 
sten Stoffe, der eine erhohte Bedeutung dadurch erworben hat, dafs 
er, mit Hamlet and Faust das gleiche Schicksal theilend , zur dich- 
terischen Apotheose gelangte, and so den Karrnern unendlich zu 
than gab. Was fiber Tell irgend gesagt werden konnte, ist, mochte 
man behaupten, bereits gesagt worden. Gleichwol sind wir Rilliet 
und seinem Uebersetzer zu Dank verbunden dafar, dafs sie in 
einem einzigen, mit vollster Sachkenntnifs geschriebenen Werke 
una rand and nett die Ergebnisse der bisher gepflogenen Unter- 
Buchungen in erschopfender Weise darbieten. Namentlich mufs der- 
jenige, der fur die Tellsage sich lebhaft intereasiert, ohne dafs ihm 
Gelegenheit zu eingehendern Studien geboten ware, hoch erfreut 
sein, hier beisammen zu linden , was bisher nur zerstreut in weni- 
ger umfanglichen, oder doch weniger auf den fraglichen Gegenstand 
speciell bezttglichen Schriften vorhanden war. — Dem Titel entspre- 
chend , beginnt der Verf. mit der Geschichte, und erst nachdem er 
an der Hand authentischer Quellen den Leser mit der Entstehung 
der Bchweizerischen Eidgenossenschaft, die Geschichte des Schweizer- 
volkes, in8besondere aber der Waldstatte von den Uranfangen bis 
zum Jahre 1315 verfolgend, vollkommen vertraut gemacht hat, 
(dafs fiir diesen Theil Kopp der Bahnbreeher war, ist jedem Ein- 
geweihten bekannt; doch verdient sein Name immer und immer 
wieder auf den Schild gehoben zu werden), und nun der bisher nicht 
unterrichtet gewesene Leser verwundert fragt : wo bleibt denn aber 
Tell? wo der Rutlischwur?, bringt er in einem zweiten Theile 
die 8age, deren Anfange, Weiterentwicklung, Bedeutuag und Kri- 
tik. Beigegebene erlauternde Anmerkungen und Urkundentexte 
werden auch dem Fachgelehrten willkommen sein. — Eines ist 
ausgemacht: Tell ist keine historische, sondern eine sagenhafte 
Persdnlichkeit, die nicht einmal der Schweiz ausschliefslich ange- 
hort Unaufgeklart aber bleibt immer noch, wann and wie die 
Sage in der Schweiz zuerst aufkam und an die Geschichte sich 
anlehnte ; ob sie auch dort ursprunglich schon heimisch war, oder 
von auf8en her importiert und vielleicht nur von Gelehrten der 
heimi8chen Geschichte aufgepfropft warde. Der Uebersetzer lafst 
Bich in einem Nachwort, in welchem er mit Grund dem Verf. 



wegen theilweise unrichtiger Auffassung der Mythentradition ent- 
gegentritt, auch auf diese Frage ein, ohne sie jedoch in losen. Hr. 

2) Beitrage zur Eenntnifs der Architectur des Mit- 
telalters in Deutschland. Originalaufhahmen grots- 
tentheils noch nicht veroffentlichter Architecturmotive von 
Denkmalern deutscher Baukunst von Rudolf R ed ten- 
bach er, Architect Carlsruhe, 1872. J. Veith. Fol. 3 Ab- 
theilungen zu je 4 Heften a 1 Thlr. 

Sammlungen von Architekturmotiven, Reiseaufnahmen u. s. w. 
warden in der jungsten Zeit mehrfach zur Verdffentlichung ge- 
bracbt. Allen diesen Arbeiten hafbet j edoch die Zufalligkeit ihres Zo- 
standekommens als ein gewisser Mangel an ; oft sind es lose Blatter, 
die ohne festgegliederten Plan mehr oder weniger zahlreich inner- 
halb eines sehr dehnbaren Titels zusammengefafst sind. Ohne die 
mannigfachen Verdienste solcher Arbeit im geringsten in Zweifel 
Btellen zu wollen, lafst sich eben der Anlage von Werken dieser 
Art eine gewisse Unvollkommenheit nicht ablaugnen. Geht doch 
dabei der wichtige Zweck ganzlich verloren, dafs der innere Ent- 
wickelungsgang, welchen die Kunst auf einzelnen Gebieten genom- 
men hat, ganz aufser Acht gelassen werden mufs. Und gerade in 
dieser Beziehung schlagt das vorliegende Werk eine Richtung ein, 
welche bisher bei den Publikationen unserer deutschen Konatwerke 
nicht oder doch nur ungeniigend vertreten war. Zwar handelt es 
sich hier zur Zeit noch nicht um eine strong aystematische, umfat- 
sende Darstellung des Entwickelungsganges unserer geaammten 
deut8ch-mittelalterlichen Architektur, wie sie z. B. von Viollet-le- 
Duc for Frankreich geschaffen worden; indefs ist doch in Anord- 
nung des gebotenen Stoffes ein verwandter Gedanke festgehal- 
ten, welcher die gegebenen Einzelheiten zu einem organischen 
Ganzen verbindet. Es sind namlich die gleichartigen Gegenstande 
chronologisch und genetisch zu Gruppenbildern zusammengeord- 
net, und gerade durch diese systematischeAnordnung ist das Werk 
Redtenbacher's von ganz entschiedenem Werth. Die vergleichende 
Uebersicht der dargestellten Objecte, welche der Prospectus be- 
sonders betont, wird durch Angabe der Entstehungszeit wesentUch 
nnterstutzt. Anderseits erleichtert die Durchfubrung eines einheit- 
lichen MafsstabeB die rasche und sichere Beurtheilang der Aaf- 
nahmen und ist fur die praktische Verwendung der Motive von 
Belang. Der in drei Gruppen zerlegte Stoff enthalt eine Fulle 
von Materialien, welche sowohl dem constructiven als dem pla- 
stisch- wie maJerisch-ornamentalen Gebiete entnommen sind. Ein 
strong systematiBcher Plan ist dabei in der Ausgabe nicht einge- 
halten. Es steht nach den vorliegenden beiden Lieferungen in 
der That zu hoffen, dafs das Unternehmen sowohl „der Kuntt- 
forschung, wie der Bauprazis, sei dieselbe nun der Reetauration 
alter Baudenkmaler oder nenen Schopfungen zugewandt", eine will- 
kommene Hilfsquelle sein werde. Eine reoht gOnstige Aufnahme 
ist am bo mehr zu wunschen, als der Verfasser, mit so grofser 
Liebe und Begeisterung fur unsere heimische Kunst selbst erfulit, 
die Theilnahme dafur auch in weiteren Kreisen zu wecken bestrebt 
ist. Nicht mit Unrecht spricht er in seinem Vorworte sich darn- 
ber aus, dafs das glanzende Bild, welches Viollet-le-Duc von der 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



30 



Architektur Frankreichs der Welt vorgefuhrt hat, bei manchen 
„das Gefuhl der Enttauschung fiber den Werth nnserer deutschen 
Monnmente" hervorgerufen habe, gani mit Unrecht jedoch, da 
one eingehende Prufung derselben den Beweis liefert, „dafs sie 
trots dee besoheidenen Gewandes, in dem sie oft genug erscheinen, 
in Frische und Originalitat der Composition, an Sohonheit der 
Yerhaltnisse and in der Detailbildung keineswegs den meist opu- 
lenter gekleideten franzosischen Verwandten nachstehen." „Wenn 
Dentschlands Werke in so prachtiger Ausstattung wie Viol let -le- 
Doc's Werk im Zusammenhang uns vor Augen gefuhrt wurden, so 
dorfte wol kein Mensch Zweifel hegen, dafs rich dieselben mit 
Tollem Rechte an Kunstwerth den Baaten in Frankreich an die 
8eite stellen lassen." Mit anerkennenswerthem Eifer und gluck- 
liehem Erfolge hat der Verfasser gestrebt, diesem seinem Ideale 
nahe zu kommen. In glucklicher Wahl ist eine Folle von Mo- 
tifen, welche bisher entweder gar nicht, oder nor sehr ungenugend 
verdffentlicht worden waren, gleich in den ersten Lieferungen ver- 
einigt ; mit der richtigen Wahl steht die musterhafte Darstellungs- 
weiie in gldcklichem Einklange, so dafs das begonnene Werk sich 
den besten Leistungen auf diesem Gebiete der Kunstliteratur an 
die Seite stellen darf. Hoffentlich wird eine rege, vielscitige 
Theilnahme den raschen Fortgang eines so verdienstlichen Unter- 
nehmens fordern helfen. F. S. 

3) Das Stadtbuch von Augsburg, insbesondere das 
Stadtrecht vom Jahre 1276, nach der Originalhand- 
schrift zum ersten Male herausgegeben uud erlautert von 
Dr. Christian Meyer, Archivar der Stadt Augsburg. 
Verlag von F. Butsch Sohn. 1872. 8. 363 Stn. Mit einem 
lithographierten Facsimile der Handschrift. 

In der That werden wenige Archivare in der Lage sein, {lurch 
eine Arbeit, wie die vorliegende, fur ihr Amt sich zu legitimieren, 
die eine gelehrte im ausgiebigsten Sinne dee Wortes genannt zu 
werden verdient. Der Hauptgegenstand der Abhandlung, das 1276 
abgefaiste Stadtrecht von Augsburg, ist nicht nur eines der urn- 
iassendaten, welche iiberhaupt existieren — es enthalt nicht weni- 
ger als 150 paragraphenreiche Artikel — sondern ist auch als 
nothgedrungene Bereinigung und Feststellung aufserst verwirrter 
Rechtszustande in seinem Zusammenhange wie in Einzelheiten kei- 
neswegs eine leicht zu handhabende Materie. Der Verfasser erle- 
digt seine Aufgabe, indem er in gedrangter Uebersicht die fruhe- 
ste Geschichte der Stadt wie des Bischofssitzes, besonders in Ruck- 
sicht der gegenseitigen Rechtsverhaltnisse wie derer zum Reiche, 
sodann die Geschichte des Stadtbuches gibt und dessen Text un- 
ter fortgesetzter kritischer Beleuchtung mittheilt, unter Hinzufa- 
gong eines Glossars und eines Sachregisters , welche die weitere 
Verwerthung des Werkes aufserordentlich unterstutzen. In glei- 
cher Weise sind die spateren Eintrage in das Stadtbuch, wie an- 
dere Verfassungsurkunden , namentlich das kurze, lateinisch abge- 
fafste Stadtrecht vom J. 1104, behandelt. Die Erlauterungen sind 
mit Einschlufs nothwendiger Yerweisungen auf Urkunden und spa- 
tere Literatur in Anmerkungen unter dem Texte angefugt. Ein 
eigenes Verzeichnifs gibt fCir die angewandten Abkiirzungen die 
erforderlichen Anhaltspunkte. v. E. 



Aufs&tae in ZeiUchrtftm. 

An s alien Welttheilen: Nov. Westpreufsen vor 100 Jahren. 
(G. Jaquet.) — Dec Die Seemacht und der flberseeische Han- 
del unter dem Grofaen Kurfiirsten und den Konigen Fried- 
rich I. und Friedrich Wilhelm I. (Jul. Bacher.) 

Militar. Blatter (von v. Held): 28. Bd., 4. Hft. Zur Geschichte 
der Kavallerie-Ausbildung unter Konig Friedrich II. 

Gewerbehalle: Lf. Iff. Faiencen des sechszehnten Jahrhunderts ; 
Henri-Deux- Arbeiten ; Palissy. Von Jak. Falke. 

Die Grenzboten: Nr. 51, S. 441. Moritz von Sachsen. (Wilh. 
Maurenbrecher.) 

Die Gegenwart (von P. Lindau): 2. Bd., Nr. 45. Hans Sachs 
als Streiter in Kirche und Staat 1. (K. Blind.) 

Im neuen Reich: Nr. 2. Die Entwicklung der niederlandischen 
Malerei. (J. A. Crowe.) — Gassen- und Hausernamen zu Frank- 
furt und Strafsburg. (W. Strieker.) 

Jagdzeitung: Nr. 23, S. 660. Eine neue Sage vom Schutzen 
Tell. (Vgl. Koln. Ztg. vom Anf. Oktbr.) 

Korrespondent v. u. f. D. : Nr. 8. Judengasse und Wunder- 
burg in Niirnberg. 

Rhein. Kurier: Nr. 301. Die Stufen der Thonindustrie. (v. Co- 
hausen.) — Nr. 307. Die Akustik im Alterthum. 

Organ f. christl. Kunst: Nr. 21. Der Hahn und der Hase 
(zur christlichen Symbolik). Von Giefers. 

Norddeutsches Protestantenblatt: Nr. 45. Der 9. No- 
- vember 1522 in Bremen. (A. Walte.) 

Deutscher Reichs-Anzeiger: Beil. Nr. 44. Lucas Cranach, 
Maler zu Wittenberg 1472—1553. — Nr. 45. Frankfurt a. M. 
in seiner geschichtlichen Entwickelung. — Zur Geschichte 
der deutschen Literatur. — Ueber Schlesiens Kunstleben vom 
15.— 18. Jahrh. 1. — Nr. 46. Das Kgl. Schloft zu Coblenz. 
1. — Hauser mit Denktafeln in Berlin. 1. — Nr. 47. Die 
Jagd in der altdeutschen Sage und Dichtung. — Nr. 48. Eine 
hofisch-ritterliche Tafelgesellschaft im Mittelalter. — Nr. 49. 
Das Grabmal des Konigs Rudolf von Schwaben im Dome zu 
Merseburg. — Nr. 51. Mittelalterliche Kirchen in der Provinz 
Posen. — Das Schlofs Sigmaringen und seine Kunstschatze. 
— Nr. 52. Inschriften Halberstadter Bauten. 

Revue generate de ^architecture etc.: Nr. 7 — 8. Chemi- 
n6es (XIV. et XV. siecles), par M. F. Huguelin. 

Sonntagsblatt (v. Fr. Duncker): Nr. 46. 47. Die letzten Raub- 
ritter und ihre Nachkommen. (Th. Bodin.) — Zur Geschichte 
des Blitzableiter8. (H. Meier.) — Plattdeutsch in Brasilien. 
(J. Engell-Gunther.) 

Theolog. Studien und Kritiken: 1873, 1. Hit. Die ge- 
schichtlichen Zeugnisse fiber Luther's Geburtsjahr. (Kostlin.) 

Deutsche Turnzeitung: Nr. 45 ff. Joachim Camerarius' Ge- 
sprach tiber Leibesabungen vom Jahr 1544. Aus dem Latei- 
nischen ubersetzt von K. Wassmannsdorff. 

Ueber Land und Meer: Nr. 15. Aus der Grafschaft Henne- 
berg. (K. Seifert.) 

Wochenblatt d. Joh.-Ord.-Balley Brdbg.:Nr. 51. Der 
Nahre*de (Furst Ludwig von Anhalt, f 1650). — 1873, Nr. 1. 
Hohen-Schdnhausen. Eine Erinnerung an die Robels. (Oscar 
Schwebel.) — Der Adel des Herzogthums Lothringen. (Aug. 
Lersenberg.) — Nr. 2. Wahlspriiche deutscher Fiirsten. 



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31 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



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Oesterr. Wochenschrift: N.F. 2. BcL, 46. Hft. Deutsche Re- 
naissance. (Fr. Lippmann.) — Projectirte und begonnene Aus- 
grabungen. 

Illustr. Zeitung: Nr. 1542. Ausgrabnng eines 60Qjahrigen 
Wracks am Ostseestrand bei Danzig. (M. Bischof.) 



Termischte Nachrichten. 

1) Der Limbnrger Dom, dieses prachtvolle Denkmal deut- 
scher Banknnst, stand lange unvollendet da, bis durch die von 
einem Dombauverein herbeigeschafften Mittel 1863 and 1864 die 
fehlenden Thurmchen am sudlicben Querschiff anfgesetzt and in 
den letzten Jahren durch die vom Staat geleisteten Zuschiisse der 
Chorbau mit Sakristei, die beiden Querschiffe oder Ereuzarme 
nebst den vier Thiirmen der Querschiffe und der Mittelthurm 
aufeerlich wiederhergestellt und verputzt wurden. Der diirftigen 
Ausstattung im Innern soil nun in den folgenden Jahren abgehol- 
fen werden, und es sind hiezu 15,000 Thaler bewilligt. Bildhauer- 
arbeit und Malerei werden die Wande schmucken; Altar, Eanzel 
und Kirchenstiihle dem erhabenen Bau entsprechend h erg es tell t. 
Die jetzigen, gewohnlichen Fenster will man durch Glasmalereien 
ersetzen. Fur die beabsichtigten Arbeiten sind im Ganzen 36 — 
40,000 Thaler ausgeworfen. Die Plane fur die Restauration wur- 
den vom Baumeister Stier in Berlin angefertigt. 

(111. Ztg., Nr. 1541.) 

2) Die Hauptkirche zu St. Bartholomai in Alten- 
burg soil nach einem Beschlufs des dortigen Stadtraths einer um- 
fassenden Restauration im urspriinglichen (spatgothischen) Stil 
des Bauwerks unterzogen werden. Mit Rucksicht darauf, dafs zu- 
gleich eine Heizung der Kirche hergestellt werden soil, sind die 
Kosten dieser Restauration vorlaufig auf 22,000 Thlr. veranschlagt. 

(Dies., Nr. 1542.) 

3) Bei dem gegenwartig sich vollziehenden Neubau des Flu- 
gels des koniglichen Schlosses in Stettin, in welchem sich 
der Remter befindet, wird wegen der historischen Bedeutung 
dieses alterthumlichen Saalea derselbe auf Anregung des deutschen 
Kronprinzen im obersten Geschofs in seiner frdhern Gestalt wie- 
derhergestellt werden. Sammtliche Theile des alten Saals, auch 
die schon halb zerstorten Balken, werden daher sorgfaltig ausein- 
ander genommen, um spater bei dem Neubau wieder eingesetzt zu 
werden. (Dies., Nr. 1542.) 

4) Ein sog. Kochenabfallplatz (Kjokkenmodding) , der 
erste in Nor wegen, ist im Drontheim-District en tdeckt worden. 

(Dies., Nr. 1539.) 

5) In Entfernung von etwa s / 4 Stunden Wegs von Leipzig, 
bei Plagnitz, in der Elstermundung, sind bei Gelegenheit der 



Grundlegung eines Theils des Elsterflufsbettes in Tiefe von 2,3 Me- 
ter unter der Wiesenflache, an der Qrenze zwischen einer die ge- 
nannte Hohe habenden Schicht von gelbbraunem Lehm und einer 
1 Meter starken Schicht von blaugrunem plastischen Thon, eine 
Anzahl liegende Eichenstamme und eine grofsere Anzahl kleine, 
zu beiden Seiten der Stamme als Halt derselben eingeschlagens 
Pfahle gefunden worden. Da zwei der Stamme beinahe einen rech- 
ten Winkel bilden, da sich ferner in der Nahe 1 Hirschkrons, 
1 Unterkiefer von einem Wiederkauer, einige sehr unvollkommene 
Steingerathe, eine gute Steinaxt ohne Loch, eine dergleichen kleinere 
mit Stielloch, Kohlenreste, Scherben, eine Kesselurne etc, gefun- 
den haben, so liegt die Vermuthung sehr nahe, dais wir es hier 
mit einem Pfahlbau zu thun; haben. Diese Vermuthung erhalt 
noch dadurch weitere Kraft, dais in der ganzen Elstermandung 
Bronzebeile, Steinbeile, Eisenbeile etc. in derselben Bodenschicht 
vorkommeu. Der Besitzer des Terrains, Dr. Heine, hat mir augen- 
blicklich beim ersten Entdecken Mittheilung gemacht; die Fund- 
gegentsande kommen alle in die Sammlung des Vereins fur die 
Geschichte Leipzigs und mit den Ausgrabungen, die sehr sorgfal- 
tig betrieben werden, bleibe ich in stetem Zusammenhang. 
Leipzig. Baurath Dr. O. Mothes. 

6) In Ahrweiler wurden in der Nahe des Apollonarisbrunnens 
bei Ausgrabungen zu Neubauten, 14 Fufs tief unter der Oberflache, 
romische Alterthiimer gefunden, worunter Thon- und Glas- 
gefafse und gut erhaltene romische Munzen von Kaiser Valerianoi 
(253-259 n. Chr.) und Casar Salonius Valerianus (250—268 n.Chr.). 
Aehnliche Ausgrabungen wurden im Jahre 1583 bei Anlage des 
Abflufsgrabens fiir den Apollonarisbrunnen gemacht. Damals ent- 
deckte man, dafs in einer Tiefe von ebenfalls 14 Fufs ganze Rei- 
hen regelmafsig gepflanzter Weinstocke in der Erde standen, wo- 
raus sich ein Schlufs auf das Alter ^des Weinbaus im Ahrthal ma- 
chen lafst. (111. Ztg., Nr. 1537.) 

7) Bei den Erdarbeiten der Bebra-Friedlander Bahn 
wurde eine irdene Urne aufgefunden, welche eine grofse Anzahl 
altfranzosischer Silbermiinzen enthielt. Dieselben stam- 
men anscheinend aus der Zeit Philipp's des Schonen (1285—1314). 

(Dies., Nr. 1542.) 

8) Soeben ist erschienen: Bibliotheca typographies: 
Manuscripte (c. 80 Nummern, vom 8. Jahrh. an) ; Incunabeln (von 
Gutenberg an) ; Bticher mit Holzschnitten und Kupfern ; Perga- 
mentdrucke; Reformationsschriften (zum Theil mit Autograpnen 
der Reformatoren) ; werthvolle bibliographische und palaographi- 
sche Werke etc. aus dem Nachlasse von Barnheim in Inster- 
burg, der sie im Laufe von 50 Jahren meist aus Klosterbibliothe- 
ken erworben. Diese schatzbare Sammlung wird am 8. Mai d. J. 
durch Lepke in Berlin versteigert. 

(Vgl. Anzeiger 1872, Nr. 12, Beilage: Vermischte Nachrich- 
ten, Nr. 188.) 



Yerantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Yerlag der literariflch-artiBtischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gcdrnokt bei U. E. 8 e bald in Nurnberg. 



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L^ 



Vftrnberg;. Dm Abonnement dee Blai- 
tu, welehee alio Monate ertoheint, wird 
gan4jahrig angenommen and betragt nach 
d«r aeaatten Poftconyention bei alien Post- 
Imtarn and Bachhandlangon DeuUchland* 
inoL Oeiterreicht 3 fl. 86 kr. im 84 fl.-Fali 
Oder I Thlr. preuft. 

Far Frankreieh abonniert man in 
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V. IDinekaieok, Nr. 11 roe de Lille; far 



AMEICIER 



England bei WUliami A Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street CoTent- Garden in London; 
for Nord-Amerika bei den Pottamtern Bre- 
men and Hamburg. 

Alle for dai german. Museum be- 
■thnmten Sondongen aaf dem Wege del 
Buchhandeli warden durch den Commie- 
•ionar der literar.-artiet. Anstalt dee Mu- 
eeomt, F.A. Brookhane in Leipaig, be- 
fordert. 



FIR KMDG DER 





ffeue Folge. 



Zwanzigster Jahrgang. 



1873. 



ORGAN DBS GEIUIANISI HEN MUSEl MS. 



JV«. 



(bcdl:l.j. 



Februar. 



WissenschaftMe Mittheilongen. 



Iu8 dem Briefbuche des Meister Simon von Hombnrg. 

(Fortselzong.) 

IV. ♦ 

Meister Simon Baczch ist als Syndicus der Stadt Lubeck 
1464 gestorben; eine Beziehung auf seine Heimat hat f. 198 
die Abschrift einer Urknnde des Bischofs Dietrich von Metz 
fftr das Stift Hombnrg, Metzer Sprengels, worin wegen unzu- 
reichender Einkunfte dem Decan nnd den Canonikcrn verstat- 
tet wird, ihre Pfarrkirchen durch Coadjntoren versehen zn las- 
Ben, ohne Verpflichtnng znr Residenz. „Datum et actum in 
castro nostro de Yico, a. d. 1380, die vicesimo septimo men- 
sis Novembris." Es scheint aber, dafs M. Simon anch andere 
Landsleute nach Ltibeck gezogen nnd fur sie Briefe geschrie- 
ben hat. Denn der folgende Brief (f. 87 v.) ist von einem 
Arzt, der einer Einladung nach Metz, wo er seine Kindheit ver- 
lebt hat, wo seine Heimat ist, gerne folgen wurde, der aber 
doch den Bernf als Arzt mit der gesicherten Einnahme, welche 
er in Lubeck gefdnden, nicht anfgeben will. 

Quod libenter repatriaret, si haberet statnm. 
Op tare m tandem, amici carissimi, optarem ntiqne, si ce- 
tera forent paria, post lougum apnd exteras naciones incolatum 
ad aeris nativi redire dulcedinem, et vobis alilsqne consagwi- 
neis conversacione coninngi. Magnipenderem qnippe per vos 
ita rem agi et disponi, nt Metensis ilia preclara civitas senem 
foveret, que me nntrivit infantem. Vincit in hoc scribentis ani- 
mnm et diatornitas et yite securitas, que in nativi aeris et nu- 



trimenti asswetia canabnlis vegetacione plurimnm conservator 
et viget. Trahit nichilominns ad hoc amor patrie, nature lex 
allicit, et consagwineorom innata dilectio. viri et cognati 
carissimi, quid ne huiusque tan turn elongaverit ab amicis et 
proximis, ipsi scitis. Nam cam familiarium rernm penoria 
multum opprimerer, cogebar nimirum apnd exteros labore plu- 
rimo, qne vite exigit necessitas, qoerere, et deinde ad illius 
sciencie conscendere solium, qne hodie annnente domino cuncta 
copiose ministrat. Per illam qnidem, phisicam dico, apnd Lu- 
bicenses redditibus annnis competentibus frnor, et cure mee 
cottidie satis nberes reporto fructus. Quamobrem conflictu 
quodam animus in se qnatitnr, cum neture (lies : native) desi- 
derium patrie reditnm swadeat, quern certum hoc, quod apud 
Lubiceuses possideo, plurimum vetat ; presertim cum minus con- 
sultum videatur, certum pro incerto derelinquere, ac rem cer- 
tam in dubiam commutare. Ad vos igitur michi f eversus est 
pro hac animi dissensione sedan da, qui michi forte de aliquo 
certo poteritis providere etc. 

Ganz ahnlicher Art ist der folgende Brief (f. 191), dessen 
persduliche Beziehungen, die Verbindung mit dem Ermelander 
Bisthum, und des angebotenen Amtes Art und Localitftt, dun- 
kel 6ind; dagegen ist hier nicht nur der sichere Erwerb in 
Lubeck hervorgehoben, sondern auch ein solches ausfuhrliches 
Lob dieser Stadt hinzugefQgt, dafs auch den heutigen Bewoh- 
nern dieser edlen Stadt es Freude machen mufs, dasselbe zu 
lesen. 



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Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Secondam omnibus in rebus fortunam pro salute. Vene- 
rabilis domine ac fautor mi perpeculiarissirae. Ex litteris 
quippe vestris michi nuperrime trausmissis omni ambiguitate 
semota luculenter conspicio, vestrum ac aliorum preclarissimo- 
rum doctorum erga me inmeusum favorem amoremque integer- 
rimum: cum michi profecto uon parvum, ymmo grande munus 
mera liberalitate offertis, quod plerique viri utique spectabiles, 
uti haut dubito, summopere conantur adipisci. Quantas igi- 
tur pro tantis beneficiis graciarum actiones offerre teneor, ego 
ipse viz cognosce Sane, vir spectatissime, huiusmodi genero- 
sam oblacionem michi ultro factam in presenciarum acceptare 
congruum non existit, partim propter medicine practicam cui ope- 
ram do, que quidem michi nunc hie ac in nostra equidem patria 
fructuosior erit, quam iuris pontificii sciencia eciam ingentis- 
sima, partim quia novitates nostra de patria dietim expecto, 
quibus habitis forsitan necessarium erit ut patriam quantocius 
revisitem, si privilegia ac bona nostre Warmiensis ecclesie de- 
beant recuperari. Sic itaque tarn propter bona ecclesie quam 
propria de mea mora aliquo in loco penitus dubius existo. 
Verumptamen dulcis amor patrie me sicuti quamplurimos crebro 
compellit. Virgilius nempe sic suis modulatur carminibus : 
Omnia vincit amor et nos cedamus amori. Quamobrem, vir do- 
ctissime, hoc in loco insignitissimo aliquantisper morari decrevi, 
quousque cunctipotens de fonte sue innumere pietatis ymbrem 
pacis super nos misericorditer effundet. Scribitis quoque, vir 
amantissime, vestro de bono aere optimaque gente etc. Verum 
fateor me vestre planctacionis viridarium, cui omnium rerum 
pius sator salubre det incrementum, numquam oculis conspe- 
xisse et idcirco de hoc iudicare non valeo. Set hercle unum 
scio, ut hie locus egregius a divina terrenaque imperiali maie- 
state plerisque dodatus est muncribus. Hie sunt fluenta limpi- 
dissima, aer serenissimus, terra opima, nemora iocundissima, 
pomeria florentissima, edificia pulcherrima, platee fecibus sem- 
per purgate, presul devotissimus, clerus disciplinatus, beneficia 
grassa, templa politissima, in quibus divine laudes perpetim 
Bummo cultu peraguntur, turres altissime que suis aureis fulgori- 
bus intuencium oculis eminus choruscant, cenobia preclara omni 
religione fulgencia, bibliotece numero librorum ditissime, di- 
vini verbi precones*) disertissimi , mercatores in negociacioni- 
bus studiosissimi , cives omnium rerum opulentissimi : Et quod 
superest, policia reipublice ornatissima, ci vitas omnibus defen- 
sionibus munitissima, totaque gens apprime pacitica. Set taceo 
de pulchro femineo sexu, cuius delectabilis intuitus lassata in- 
genia vires cogit recuperare. Venus enim ac Dyana nostras 
Lubicenses in pulchritudine antecedunt ; illas enim vero morum 
venustas, personarum proceritas, melliflua eloquia, roseus lilia- 
lisque aspectus opulentissime decorant. Sagax quippe natura in 
earundem nobili creacione penitus in nullo erravit. Porro ut 
summarie proferam: quidquid boni ac pulchri est hie splendi- 
dius copiosiusque quam in ceteris invenitur locis. Alter quo- 



que paradisus non inmerito potent appellari. Hiis dictis sat 
est, ne videar calamum nimium protelare. Demum accuratis- 
sime precor, quatenus preclaros doctores, videlicet dominum 
Her. et Petrum, viros utique omni sciencia et probitate lau- 
reatos, mei ex parte sinceriter salutetis, vobisque omnibus gra- 
ciarum actiones, non quas debeo, set quas valeo, iterum atque 
iterum devotissime impendo. Valete dyu fauste. Datum in 
civitate Lubiccnsi. 

Heidelberg. W. Wattenbach. 

(Schlufs folgt.) 



Sphragistische Aphorismen. 

LXV. LXVI. 



*) pretores, Codex. 



Diese beiden Siegelstempel, aus der Samralung des Ver- 
eins fur Geschichte und Naturgeschichte in Donaueschingen, 
theilen wir hier hauptsachlich wegen der Bezeichnungen „vice 
plebani" und „incurati u in ihren Legenden mit, welche beide aof 
mittelalterlichen Siegeln ziemlich ungew&hnlich sind. 

Beide Stempel sind von geringer Bronze und haben aof 
der Ruckseite einen Ring zum Anhftngen, aber ohne den Grat, 
wie bei andern Stempeln. Der erstere (Nr. LXV) mit der 

Legende: * 2VICG • PLGBANI • D8 foVVIttGlIl ist das 
Amtssiegel des Kaplans von Hufingen, mit dem leidenden, kreuz- 
tragenden Heilande im Siegelfelde. Er scheint noch aus dem 13., 
spatestens 14. Jahrh. zu stammen. Das S am Anfang der Le- 
gende ist verkehrt graviert; auch das L scheint es zu sein. 

Das zweite ist das Siegel eines Incurati G. von Fridingen, 
wol aus derselben Zeit wie das vorige. Im Siegelfelde ist die 
bekannte Legende des h. Martin abgebildet Unter incuratus 
wird nach einer gutigen Mittheilung meines gelehrten Freundes 
von Schreckenstein ein in curam animarura eingewiesener Prie- 
ster verstanden, oftmals im Gegensatze zum eigentlichen Pfarr- 
herrn, Kirchherrn (Rector ecclesiae), der unter Umstanden 
nur die niedere Weihe erhalten hatte. So besiegelt z. B. eine 
Urkunde vom Jahre 1301 ein w incuratus in Dingeltftorf" (Dia- 
gelsdorf, Uebeflingen gegenuber). Nach Ducange's glossarium 
(ed. Henschel) in, 805 b bedeutet incurare : „parochum facere, 
ecclesiae curam conferre," und incuratus: „cui cura ecclesiae 
data est, curatus." Diefenbach gibt in seinem glossarium la* 
tino-germanicum das Wort incuratus durch „besteter Lutprie- 



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ster". Man kann gewissermafsen dieses Wort auch mit Pfarr- 
yerweser ttbersetzen. 

Lxvn. 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit 



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Wir theilen dieses Rttcksiegel des Erzbischofs von K5ln, 
Engelbert II. von Falkenberg (v. 1265) wegen der zwei Fah- 
nen*) hier mit Fahne, Schwert und Scepter, als Zeichen 
weltlicher Hoheit und Gerichtsbarkeit, kommen im Mittelalter, 
wie bei alien Dynasten, so aucb bei den geistlichen Fttrsten 
neben dem Bischofsstabe, dem Zeichen ihres geistlichen Amtes, 
auf Mttnzen, Denkmalern und Bildern, ebenso wie auf Siegeln 
nicht selten vor, und namentlich ftthren die Bischbfe von Wurz- 
burg schon seit dem 12. Jahrh. auf ihren Siegeln und Munzen 
— mit oder ohne Stab — Fahne, Schwert oder Scepter. 

Solche symbol ische Bilder und Embleme sind aber mit 
den heraldischen Wappenbildern nicht zu verwechseln, und 
namentlich ist dies auch bei den Fahnen der Fall. Eine he- 
raldische Fahne, im Gegensatz zu den symbolischen Fah- 
nen, wie z. B. auf obigem Siegel, finden wir auf dem fruher, 
unter Nr. VIII**) abgebildeten Siegel Graf Albrecht's von 
Hohenberg, als des vom Papste im J. 1348 ernannten Bischofs 
von Wttrzburg. C. Heffner in seinem neuesten, interessanten 
Werke : „Fr&nkisch-Wttrzburgische Siegel** hat zwar die Frage, 
ob die Fahne oder der sog. „fr&nkische Rechen", die be- 
kannten drei silbernen Spitzen im rothen Felde ***), das Wap- 
pen des Bisthums Wttrzburg waren, dahin beantwortet: „dafs 
die Fahne dem Herzogthume gebuhrt," im Widerspruch mit 
der von uns vertretenen Ansicht f). Allein wir kftnnen von 
unserer ursprunglichen Ansicht nicht abgehen und halten die 
Fahne immer noch fur das Wappen des Bisthums, und die 
Spitzen fur das des Herzogthums Franken. 



*) Auch auf den Siegeln seiner Nachfolger, Siegfried's von 
Westernburg und Wigbold's von Holte, kommen die beiden Fah- 
nen vor. 

*•) Vgl. Anz. 1867, Nr. 11, Sp. 341. 
•**) Heffner blasoniert dieses Wappen, a. a. 0. S. 154, als drei 
rothe Spitzen im silbernen Felde, was aber jedenfalls nnrichtig 
ist, da der untere Theil, die drei aufsteigenden Spitzen, vonSil- 
ber tingiert sind. 

t) Vergl. unsere Abhandlung „das Wappen der Reichsschenken 
von Limpurg" im Correspondenzblatt von 1861, Beil. zu Nr. 5; 
Erwiderung von H. Bauer in der Zeitschrift „Wirtembergisch 
Franken*', V, S. 468 ff. ; unsere Erwiderung und Bauer's Bemer- 
kungen a. a. 0. VI, S. 17ff. 



Auf dem, von Heffner a. a. 0. auf Taf. XVn unter Nr. 2 
abgebildeten Siegel, welches am meisten fiir seine Ansicht zu 
sprechen scheint, halten wir das Wappen mit der Fahne ent- 
schieden fur das Wttrzburger Stadtwappen. Wenn Heffner (S. 155) 
behauptet: „die Fahne dagegen ist bekanntlich schon an und 
fur sich das Zeichen des Herzogthums, da die Belehnungen 
damit von dem Kaiser nicht allein fur Wttrzburg, sondern fttr 
jedes Herzogthum mit der Fahne vorgenommen wurden," und 
daraus den SchluTs zieht: „War die Fahne aber uberhaupt der 
Repr&sentant des Herzogthums *), so wurde sie dann hier (bei 
Wttrzburg) bei einem geistlichen Fttrsten als Trfcger weltlicher 
Gewalt zum speciellen Sinnbild**) derselben gew&hlt," so er- 
lauben wir uns, zur Widerlegung dieser Behauptung anzuftth- 
ren, dafs die Belehnung der geistlichen Fttrsten nach dem Con- 
cordate von 1122 mit dem Scepter geschehen sollte, und dafs 
das Fahnenlehen nicht bios einen Gegensatz zu den kleineren, 
ohne Fahne geliehenen Lehen bezeichnet, sondern auch einen 
Unterschied zwischen weltlichen (Fahnen -)Fttrstenlehen und 
geistlichen (Scepter-) Fttrstenlehen ***). 

Was die Berufung Heffner's auf die Autorit&t des Chroni- 
sten Lorenz Fries betrifft, der die Fahne fttr das herzog- 
liche Wappenbild erkl&rt, so kann derselben eine gewifs nicht 
geringere Autorit&t in heraldischen Dingen entgegengesetzt 
werden, die des bekannten Grafen Wilhelm Wernher von Zim- 
mern, welcher in seiner „Chronik des Erzstiftes Mainz und 
dessen Suffragan - Bischdfen", vom Jahre 1550, die Fahne als 
das Wappen des Bisthums Wttrzburg und die Spitzen als 
das herzoglich fr&nkische Wappen angibt. 

Fttr unsere Ansicht in Betreff der Fahne erlauben wir 
uns, ganz besonders noch daran zu erinnern, dafs s&mmtliche 
geistliche Wappen in der Zttricher Wappenrolle in der Form 
von solchen Fahnen abgebildet sind ; ferner : dafs von den vie- 
len Inhabern von Fahnenlehen im Mittelalter kein einziger 
deshalb eine Fahne im Wappen geftthrt hat, und dafs auf meh- 
reren Landgerichts- Siegeln aus dem 16. und 17. Jahrh. nur 
der Wappenscbild mit den drei Spitzen unter der Bttste des 
Erzbischofs (in der rechten Hand das Schwert, in der linken 
Hand den Bischofsstab haltend) erscheint, und schon die be- 
kannte Legende dieser Siegel: „Herbipolis sola judicat ense 
stola", spricht dafttr, dafs hier das Wappen des Herzogthums 
abgebildet war. 

Wenn Heffner in seiner Schrift, S. 157, bemerkt: „Bei 
den bischDflichen Siegeln finden wir nie die Spitzen allein, 
sondern nur im Vereine mit der Fahne und dem Familien- 



*) Das war keineswegs der Fall. Auch fflhrten alle Dynasten, 
die Grafen und freien Herren, eben so gut wie die Herzoge, ihre 
eigenen Fahnen. 

**) Es handelt sich aber hier nicht um ein Sinnbild, son- 
dern urn ein Wappenbild. 

***) Vgl. meine Erwiderung in „Wirtembergisch Franken VI, 
1 (1862), S. 33 u. 34, Note *, wo die Frage durch Ficker ausfuhr- 
licher besprochen ist. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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•wappen", so scheint nns das ganz entschieden fur unsere An- 
sicht zu sprechen ; ubrigens gibt er selbst Taf. VIII, Fig. 3 
eine Ausnahme von dieser Regel, allerdings nor nach einer 
Zeichnung, die jedenfalls unrichtig datiert war, wie er selbst 
S. 51 bemerkt. Die beiden Beispiele, welche Heffner fur sich 
anfuhrt, S. 157 u. 158, nftmlich das Siegel Hermann's von Lich- 
tenberg and Albrecht's von Hohenberg, scheinen ans eher das 
Gegentheil zu beweisen. 

Auch die Tinktur der Fahne — von Weifs find Roth 
quadriert — spricht fur ibren Charakter als heraldische Fi- 
gur. Auf den Umstand, dars, wo die Spitzen nnd die Fahne 
zusammen erscheinen, erstere stets den ersten Platz einnehmen, 
mufs doch ebenfalls einiges Gewicht gelegt werden, indem auf 
das Herzogthnm von bischOflich wurzburgischer Seite immer ein 
grofses Gewicht gelegt wurde. Zudem steht es urkundlich fest, 
dars im Jahre 1760 das furstliche Hochstift die „drey silberne 
Spitzen im Rothenfeld ... fur das eigentliche Wappen des 
Herzogthums Franken" gehalten hat, wobei es sich auf Spener 
nnd die Reichskundigkeit beruft, nnd die „drey im Rothenfeld 
anfsteigenden Spitzen" ausdrtlcklich als die eigentlichen „Tes- 
sera and notae characteristicae" des Herzogthums Franken be- 
zeichnet; wie dieses Wappen bekannter Mafsen auch sp&ter 
fur das Herzogthnm Franken in das kOnigl. bayerische Wap- 
pen ubergegangen ist*) F.-K. 



*) S. 0. T. v. Hefner, Handbuch der theor. u. prakt Heral- 
dik, S. 232, Nr. 7, u. Taf. LVHI, Fig. 1784. 



Ans Handschriften der k. nnd Universit&tsbibliothek 
zu Breslau. 

(Schlufs.) 
L 0. 3. Anselmi meditationes. 
Oracio dominice passionis singula ad breue contexens 
a quodam nostri ordinis Carthusiensis monacho nomine Hin- 
ricus compilata das el prope Hildensem. 

1. Jhesus ortum ingreditur plebs ce P^ condempnare 
turbatum se conqueritur sputatur et percutitur 
ex morte propinquante velatur et illuditur 
orat transferri calicem iubetur prophetare. 
sudando fandit sanguinem 4. Coram pylato iudice 
angelo confortante. mu i t0 delatus crimine 

2. Osculum iude sustulit inmunis iudicatur 
turbe se sponte obtulit Missus herodi placuit 
nine captus vincalatur sed dum ad cuncta tacuit 
Ad Annam primo ducitur illusus refutatur. 

a serais redargaitur 5 De chris to datur opcio 

et dire alapatur. iunct0 latrone noxio 

Z. Accusat testis perfidas quis horum redimatur 

adiurat preses inaidus Barrabe vitam flagitant 



11. Hely hely vociferat 
ad patrem qui reliquerat 
se totum in tormentis 
vocis efficacia 
resoluens corda saxea 
flebilibus lamentis. 



12. Fons sitit indeficiens 
fel gnstat mella tribuens 
at lingua puniatur 
Nee solum corporaliter 
plus ymmo spiritaliter 
sitisse comprobatur. 



vniuersi conclamitant 
Ihesus crucifigatur. 

6. Nudatur nudos vestiens 
ligatur vinctos redimens 
ut sufferat flagella 
Quibus totus conscinditur 
sanumque nil relinquitur 
in came tarn tenella. 

7. Cristus veste coccinea 
sceptro corona spinea 
instar regis aptatus 
Salutando deluditur 
consputando polluitur 
multimode plagatus. 13. Validis hinc clamoribus 

8. Hone crucifige replicant cum lacrimis et precibos 
nouam querelam agitant capite inclinato. 

ac minas addiderunt Expirans christus moritur 

Sic contra conscienciam vnte salus exoritur 

mortis ferre sentenciam genitis ex peccato. 

Pylatum compulerunt. 

9. Genus mortis turpissimum 
lignum crucis grauissimum 
saluator baiulauit 
Nudatur et distenditur 
clauatur et suspenditur 
blasphemos tollerauit. 

10. Tunc iuxta uaticinium 15. Cum multa reuerencia 
pertransit cor virgineum ac luctus vehemencia 

gladius symeonis 

Christus matri compatitur Flet mater dolentissime 
super omne quod patitur mortem prolis dignissime 
externe lesionis *). 

De Allexandro versus egregius. 
Quoniam friuola gaudia mundi, Quoniam rerum fugitiuns 
honor, quam nomen inane. 

Magnus in exordio**) cui non suffecerat orbis 

Sufficit exciso de fossa marmore petra 

Quinque pedum fabricata domus qua nobile corpus 

Exigua requievit humo. 
Si possent homines bona mundi perpetuare 
Tunc homo perpetuo mundum deberet amare 
Sed quia nullus homo sibi mundum perpetuabit 
Propterea mundum sapiens homo nullus amabit. 
Sic homo quid speres quod mundo totus inheres 
Tecum nulla feres licet omnia solus haberes 
Si tu sentires quid esses et vnde venires 
Nunquam rideres sed cuncto tempore fleres 
Quid sis quid fueris quid eris semper mediteris 
Quidquid agas prudenter agas et respice finem 

*) radiert •*) ex© 



14. Fractis latronum cruribus 
miles vnus ex pluribus 
defunctum lanceauit 
Educens sacra flumina 
quorum contactu lamina 
fuscata reparauit. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Te benefactorem manifestat fama tuorum 
Inuenies penam laudem querens alienam. 

(Nosce?) qui plorans orans modo crimine mundas 
Yndas diuiDO vino miscere laboras 
Ores et lacrimis ymis suspiria innge 
Ynge manus oleo lco sic fugiat stupefactus 
Actus compescas escas digitis pietate 
A te des munus vnus a virgine partus 
Artus extendens tendens supra astra redire 
Ire dat inustos onustos vocas hie satis vstos. 

Quando sacerdotes dotes cessant viciare 
Are congaudent audent frenare pusillas 
Illas ex villis illis ubi sunt maculate 
Late dispergunt pergunt anime sine morbis. 
Orbis delictum lictum post terga reponunt 
Ponunt frementes mentes committere fletum 
Letum solamen amen hijs ut conterat amen. 

Mente proba pura mors est super omnia dura 
Vincere pro cura medici dant optima iura 

Morbos pulsura tardant a morte futura 

Hec homines multi male seruant dam quasi stulti 

Non medicos curant sic pauco tempore durant 

Fraudem celatam tege per speciem simulatam 
Ye foris albatis qui vos tumulis simulatis. 

De Breuitate vite. 
Yir bone quid curas res viles res perituras 
Nil profutoras dampno quandoque futuras 
Nemo diu mansit in culmine et cito transit 
Est breuis atque leuis in mundo gloria queuis. 
Qui fait hie ymus illic erit ordine primus. 

Yirtus iusticia clerus mammon symonia 

calcatur . errat . regnat dominatur 

Yirtutem fugias vicium cole celica sperne 
Quere malum contempne bonum sectare reatum. 

Esurit ars • decreta tument . leges dominantur 
Pontificat moyses . talamos medicina subintrat. 

Roma manum rodit . quam rodere non valet odit 
Dantes exaudit . non dantibus hostia claudit. 

Res est grata senem pueriliter esse iocosum 
Gratius est iuuenem moribus esse senem. 

Aus derselben Handschrift (Vorsetzblatt) : 
Sit potus tenuis. Cibus aridus. Aspera vestis 
Dorso virga. Brevis sompnus durumque cubile. 
Flecte genu. Tonde pectus nuda caput orans 
Hereat os terre mens celo lingwa loqaatur 
Cor dictet . sit larga manus Jejunia crebra. 



Mens humilis . Simplex oculus . caro munda purum cor 
Recta fides . spes firma . duplex dilectio semper 
Ferueat assidiuus . precibus iustis tamen oret 

Religiosorum dicta. 
Sperans contemptum . contemnit omnia mundi 
Perfidus inspiciat Petram . latroque latronem 
Zacheum cupidus . quern pungit cura matheum. 
Grudelis Paulum . non mundus came Mariam 
Hos deus exemplum mundo concessit habendum 
Yt post delictum vadat peccator ad ipsum. 

Est nostre sortis transire per hostia mortis 
Est graue transire vbi transitus sine redire 
Et non est scire quis prior debet abire 
Quando placet Christo de mundo tollimur isto. 

Sit dominus terre nolens obprobria ferre 
Constans legalis audax nemini specialis. 

Religio te non sapio si mundus amatur 
Religio nisi corde pio non appreciatur. 
Religio non principio sed fine probatur. 
Breslau. A. Schultz. 



Zur Geschichte des Schflrstab'schen Hauses S. 526 
in Nftrnberg. 

Item Her seyttfrytt schttrstab hett ein mofflin derkauffett 
das haup am mylchmarckt pey sant maurycen gelegen von 
heinnrichtt vnhulder alz man zaltt nach cristus gepurtt m.°ccc.° 
xxviii jare vnd er hett es x jar vnd er starb nach xpus ge- 
purtt m°ccc°xxxviii jare do ly(S er das haup seynnem son ley- 
poltt schttrstab. 

Item Here leypoltt schttrstab sein son mein vranherr hette 
ein Ntttzlin mein anfraw vnd hette darnach ein streyttpergerin 
ein|J ritther(5 tochter der erbett das haup von Hern seyttfrydt 
seinem vater seligen als man zalt von cristus gepurtt m°ccc° 
vnd xxxviii jare der hett das haup xlii jar vnd er starbe als 
man zalt von cristus gepurtt m°ccc°lxxx jare do 11(3 er das 
haup seinem son erhartt schttrstabe. 

Item Here erhart schttrstab meinp anhern leypollt schttr- 
stab seligen pruder der hette ein pfintzigin vnd der erbett das 
haup von Hern leypolt schttrstab selligen seinem vater meinem 
vranherrn Noch cristus gepurtt m°ccc°lxxx jare vnd ez ver- 
pron ym aber er pawett ez wider von gruntt auff vnd pesap 
ez vnd hett ez jnnen lxiiii iar do starb er nach xps gepurtt 
m°ccccPxxxviiii jare vnd lyp ez seynem son leypolt schttrstab. 

Item leypolt schttrstab Hern erhartt schttrstab son hette 
ein hallerin vnd erbett das haup von seinem vater als man 
zalt von cristus gepurtt m°cccc°xxxviiii jare vnd hette ez jnnen 
vnd pesap ez xx jar do starb er noch cristas gepurtt m°cccc° 
lviiij jare vnd lip ez seynem son leypolt schttrstabe. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Here leypollt schttrstab der junge hette ein zinglin vnd 
erbett das haw(S yon seynem vatter leytpolt schttrstab selligen 
alz man zalt von cristus gepurtt m°cccc°lviiij jare vnd er hette 
ez xi jar do verkaufft er das hau(3 mir erasm schtlrstabe als 
man zallt von cristas gepurtt m°cccc° vnd lxx jare an sant do- 
rythea tag was VI tag febrario vnd da(J selbig jar pawett ich 
das haw(S vnd pessert ez also. 

Item Ich erasm schtlrstabe kaufft das hau($ von leypolt 
schttrstab meynnem vettern als man zalt von cristus gepurtt m° 
cccc°lxx jare an sant dorothea tag was VI tag febrario vnd ich 
pawett vnd pessert das haw(S das selbig jare vnd ich zog in 
das haw(3 vnd pesa(J ez alz man zallt von cristi gepurtt m° 
cccc°lxxi jar VI tag jm Mayen das war am montag nach wal- 
purgen. Aber mir starb dorothea mein Hebe hawsfraw selige 
dar for ee jch in das haw (5 zog an sant ambrosius tag das 
was IIII tag abbryllis nach cristus gepurtt m°cccc° vnd lxxi 
jar der got genedick sey. 



Aus dem zum kgl. Archivconservatorium — hactenus — 
zu Nurnberg gehorenden Codex, ttberschrieben : Nttrnberger 
Krieg betreffende, von Sebald Schttrstab im Anno 1511 er- 
kaufft (Mspt. Nr. 251). 

Der eigenhandige Schreiber ist, wie aus der Aufzeichnung 
selbst hervorgeht, Erasmus Schttrstab, bekannt durch sein Ge- 
schlechterbuch , von dem im Jahresbericht des histor. Vereins 
von Mittelfranken vom J. 1863 ein Abdruck gegeben ist, zu 
welchem das Vorstehende ein Anhang sein mag. Dafs der 
Irrthum, Seifrid Schttrstab, der Kaufer des Hauses S. 526, sei 
1338 gestorben, wahrend er noch 1350 urkundlich ttber das 
Seinige verfttgt (s. Urk. Nr. 3 im Anhang zur Geschichte d. 
Eeichst. Nttrnb. zur Zeit K. Karl's IV.), sowohl hier als auch 
in dem erwahnten Abdruck zu finden ist, gibt zunachst nur 
die Warnung, diesen, herkommlich als unanfechtbare Autorita- 
ten angesehenen, Aufzeichnungen doch nur mit Vorbehalt zu 
trauen, da sie sammt und sonders, sie mbgen berrtthren von 
wem sie wollen, doch nur aus dem Gedachtnifs und der mttnd- 
lichen Ueberlieferung, beides unsichere Quellen, erflossen sind. 

Nurnberg. Lochner. 



Schweine- und Hundesegen. 

Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts gerieth 
der Rath der Reichsstadt Weifsenburg am Nordgau haufig mit 
den Geistlichen der Stadt in Zwist wegen allzu grofser Strenge, 
die sie in ihren Predigten ttbten. In den darttber noch vor- 
liegenden Acten im Archive dieser Stadt befindet sich auch 
unter Nr. 1321 das Bruchstttck einer Predigt ttber Math. VI, 
24—34, am XV. Sonntage nach Trinitatis gehalten gegen den 
sog. „Sew- und Hundsegen". Eine Jahreszahl und der Name 
des Predigers ist zwar nicht angegeben, indefs weisen Schrift 
und Sprache auf die bezeichnete Zeit Die Veranlassung zu 



derselben ist folgende : ein wttthender Hund war in den Wald 
gerathen, wo die Schweine gehtttet wurden. Aus Furcht, es 
mDchten dieselben gebissen worden sein, und in der Absicht, 
sie vor der Wuth zu bewahren, trieb man sie nicht nur in die 
Schwemme, sondern nahm auch zum „Brauchen" seine Zuflacht 
Dagegen predigte der Geistliche, der uns den ganzen Vorgang 
im Nachfolgenden schildert, zog sich aber die Mifsbilligung des 
Rathes zu. Jener entscbuldigt sich nun wegen seiner StreDge 
und gibt zu, dafs der Aberglaube seine Geburtsstatte extra mu- 
ros der Reichsstadt habe. Jedenfalls haben wir hier vor uns 
einen jener, den Aberglauben erzeugenden und fortpflarizenden 
Gebrauche, welche die Volkssprache mit dem Worte „Sympa- 
thie" benennt, und die heute noch nicht ausgestorben sind. 

„Ew. L. haben sich noch zu erinnern, wolcher mafsen 
heut 8 tag zur frtthester mit guter gelegenheit, nach anlaTs des 
Evang. bey so mildreichen segen, so der Allinechtige, dises 
Jar ttber, an allerley frttchten uns bescheert, Chrliche Zuhdrer 
zu gebttrender gratias angewisen, auch derwegen gemeine offen- 
liche dancksagung angestellet worden. 

Es hat sich aber eben selben tags auch begeben, dz ein 
wtttender hund under die aicbelschwein geraten in wald, dauon 
villeicht auch etliche beschediget, da dann folgenden morgens, 
zu einer nutzlichen inn dergleichen fallen tiblichen mitel der 
schwemme un wafsers gegriffen worden. Bey solchen natttr- 
lichen mitel aber ist es nit gebliben, sondern do hat man noch 
selben abendes eine an der Eunst auf Zetteln geschriben, no 
haus zu haus geschickt, darauf etliche f un besondere wort 
verzeichnet gewesen, die man den schweinen, als ein Coratif, 
oder praeservatif arzney in brot eingeben, un zum rttTsel ein- 
stofsen soil. 

Difs mittel wirdt nun Zweifelson vilen gutherzig, als die 
bisher solcher zauberischer mitel ungewonet, seltzam un frembd 
furkommen sein: wie zwar Ich fur mein person, sobald mir 
solcher Zettel zuhanden kommcn, un waz man damit thun soil, 
verstanden, denselben in stttck zerrifsen .... 

Wir zwar aus Ministerio wollten gem fttr unser person 
solcher hafsiger, argerlicher sachen geschweigen, auch wo mug- 
lich helffen zudecken : wo wir uns dann auch von hertzen zn 
schamen haben, fttr eine Ersame, christliche gemein, do ie- 
mands fremtdes solches von uns h&ren un erfaren soil: Aber 
es ist no tori, un numer publicum worden, lest sich nicht ver- 
tuschen, das gespunst ist zu grob: Solten wir Lerer darzn 
stillschweigen, mdchte man uns dann erst wol stume hund schel- 
ten, die nit bellen kdnnen, un mttsten ehe die stummen gOtzen 
un die stein reden un schreien .... 

Damit aber nit iemand gedenke, weil in solchen verfluch- 
ten Segen, ja etwas stehe, dz in heutigen Evang. zu finden, 
derwegen es sogar unrecht nicht sein kDnne, als wollen wir 
fttr difsmal (ferner deductio un auffurung diser Sachen, kraft 
Amts zu ander gelegheit vorbehalten) nur ein wenig hieuon 
etwas melden: mit der protestation inn hdchster un bester 
form, dz solche anzeig un rechtmefsige beschuldigung, niemands 



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Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit, 



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wefs stands ud wesens der ist, oder sein m5chte, za schmach 
injuri oder verkleinerung seiner geburenden reputation, son- 
dern inn krafft des hohen befohlen ambts allein Gottes ehre 
oft widerbringong der irrenden gemeint un gesuchet werde. 

Demnach gesetzet erstlich, es weren inn solchen Gergese- 
nisch Sew uft hnndssegen lauter heilige gnte wort un zeichen : 
so were nn ist es doch unrecht, aberglanbig abgOttisch : Dann 
die wort nit darzu gegeben, baben auch die krafft von gott 
nit empfangen, demnach anch dahin nit zn gebranchen, dz man 
kranckheiten an menscben oder vihe damit beilen soil : Und die- 
weil ia aberglaubige, den segen so vil halten wollen, mOchten 
sie sich erinnern, dz sonderlich solcb vermeintes heiltumb far 
die Sew nit gebOret inn ansehnng dz der herr bei Matth. bald 
nach disen Evangelio spricht, Ir solt Ewere perlein nit fur die 
sew werffen. 

Uber dz ist es mit solcben undergleichen zanberiscben 
Begen also beschaffen, dz der weniger teil wort seind, signifi- 
cativa, vn etwas bedenten, sondern mernteils seind es frembde 
unbekante, ungereumbte wort, die kein mensch (one der znm 
Teofel ein weil in die Schnl gangen) verstehen, nn was sie be- 
denten sagen kann, sondern mit solchen barbarischen unteutschen 
wortten spottet der Teufel gleich seiner selbsten, nn aller die 
sich dadurch ftffen un betrttgen lafsen : ZuvOrderst aber bDnet 
er hiemit gott im himel und vorab dz teuere Verdienst Jesu 
Christi, inn dem sonderlich auch dz zeichen des f in solchen 
segen zu 8 underschidlichen malen stehet, un zn merklicher 
lesternng des f Christi der Saw in rufsel gestofsen werden 
soil Und solte dz den wfltend hnnd nit dz genente leid an- 
tfann? solte es nit ein krefftig bewertes mitel beionders fur 
die sew sein 1 Irim ; Eirim : Irion : Eirion : afyiov : Gott af- 
frion: Soes; un dises alles fein mit f illnminirt? a 

Weifsenburg im Nordgau. 

Wilhelm Vogt. 



Yolksbelustignng w&hrend des Reichstags zn Angs- 
burg 1530. 

In einer eigenen Nachschrift zn dem vom St. Johannistag 
datierten Berichte, den die beiden Gesandten der Reichsstadt 
Weifsenburg am Nordgau an den Rath daselbst abschickten, 
findet sich folgende Begebenheit erz&hlt: 

M An sant Johanes Abent hat der kayser ein gros sibendt 
feyr*) gehabtt pey ij fuder holtz nnd in der mit ein grossen 
hochen paum gemacht. Darauff ein krantz, daz fewr nndt an 
zintt, Welcher den krantz herab nemb ee nnd daz fewr recht 
yber sich kum dem wole man 8 kronen schenken, Aber etlich 
welchen haben hinanff w&llen steygen haben sy sorg gehabtt 



daz fewr werde sy yber eylen *ind wider rab gestigen. Da ist 
knmen ein armer tewffel, etJAch sagen ein stal knecht hatt den 
krantz geholt ist wider rab knmen ee daz fewr in ale hech 
prunen hat den hat man von stund an znm Eayser gefurt sagt 
man er hab im 12 kronen geschenkt etlich sagen im ein pfrOnt 
zw gesagtt oder am hoff zw behalten." 
Weifsenburg am Nordgau. 

Wilhelm Vogt. 



*) Sibent feyr, d. i. Sonnenwendfeuer am Johanniaabend 
(23. Juni); vgl. Schmeller IE, 260 ff. (2. Ausg., Bnd. II, 297 ff.): 
Sunnwent, Suwent-, Suwent-, Simmet-Feuer. Dr. Fr. 



Zwei Briefe des Bischofs Christoph Bernhard yon 
Miinster. 

Die nachstehenden beiden Briefe des Bischofs Christoph 
Bernhard yon Monster sind fur die Eultnrgeschichte seiner Zeit 
sefcr interessant. Es ist zu bedauern, dafs der zweite nndatiert 
ist;*) doch wird man nicht irren, wenn man annimmt, er sei 
etwa ein Jahr spftter als der erste geschrieben worden. Znr 
Orientierung theilen wir mit, dafs das Herzogthum Mirandola, 
frtther eine Orafschaft, 1619 zum Herzogthum erboben wnrde. 
Die Herzoge waren ans dem Hause Pico nnd Lehnslente des 
heil. rdmischen Reichs. Als der letzte Herzog Franz Maria 
in dem spamschen Erbfolgekriege nach Spanien gegangen nnd 
vom Eaiser in die Acht erkl&rt war, wurde das Herzogthum 
Als ein Reichslehen im Jahre 1711 dem Herzog von Modena 
fur eine Million Gulden ttberlassen. An diesem Hofe lebte 
also der mflnsterische Arzt Lorenz Wolf, dessen Ruf bedentend 
gewesen sein mufs, da sich der feme Furstbischof so sebr be- 
mttht, ihn in sein Vaterland wiederkehren zu sehen. 

C(hristophorus) B(ernardus). Honorabilis, devote, nobis 
sincere dilecte. Eximia te medendi peritia ac felicitate pollere 
accepimns, et virnm ex hac nostra dioecesi genitum ex laude 
in Italia florere laetamnr. Cum itaque pro amplitudine hujus 
nostrae regionis pauci admodum insignes medici hie reperian- 
tnr, juri naturae consonum existimamus, ut popularibns tuis 
potius, quam exteris opituleris. Quamobrem ea potestate, quam 
in te tuaque bona nobis subjecta habemus, tibi serio praeci- 
pimus, ut quamprimum hue revertaris, et in hac vel alia nostra 
civitate medicinam exerceas. Quod nti te pro tua prudentia 
non detrectaturum neque indignationem nostram ulla tergiver- 
satione provocaturnm esse confidimns, ita cum, cui nunc inser- 
vis, Magnatem non solum illustris familiae claritudine sed 
etiam egregia virtute praestantem ac celebrem suisque majo- 
ribus dignum, visis hisce literis perhonorifice te dimissurum 
esse non dubitamus. Tuam interim promptam obedientiam prae- 
stolantes gratioso te affectu coroplectimur. Dat. in civitate 
nostra Monasteriensi, 26. Febr. Anno 1668. 

Tit : Honorabili ac devoto, nobis sincere dilecto Laurentio 
Wolf, Medicinae doctori j. 

Mirandnlam. 
C(hristophorus B(ernardus). Honorabilis, docte, nobis sin- 
cere dilecte. Cum valde miraremur, te mandato nostro avo- 
*) Es lagen mir nur die Concepte vor. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



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catorio nondum obtemperare , et in patriam tuam, praestanti- 
bus Medicis indigentem, reverti, a propinquis tuis intelleximos, 
Ulustrissimum et Excellentissimum Dominum Ducem Mirandu- 
lanum epistolam nostrara ad te scriptam, quasi a nobis non exa- 
rata sed falsa ac snpposititia esset, saspectam habuisse, idfeoque 
tibi facultatem abeundi denegasse. Quamobrem, ut eidem III 
atque Exc. Duci haec opinio eximatur tibique nulla relinquatur 
excusatio, hasce literas nostras ad intimum Sanctissimi Domini 
Nostri cubicularium, et ecclesiae nostrae cathedralis praepositum 
et arcanomm consiliorum nostrorum participem, Dominum Wil- 
helmum Baronem de Furstenbergk Romam misimus, ut hie eas 
tibi reddi curaret, et 111. atque Exc. Duci testaretur, manda- 
tum nostrum antebac ad te missum ac praesens scriptum revera 
a nobis profectum esse, atque omni falsitatis ac fraudis sus- 
picione carere oportere. Quapropter iterum tibi districte et 
sub poena gravissimae nostrae offensae et confiscations bono- 
rum tuorum praecipimus atque mandamus, ut quamprimum tibi 
per hyemem licebit, ad nos iter arripias, atque ad opitulan- 
dum patriae tuae hue redeas et concivibus tuis imposterum 
operam impendas. Quod si ulterius id facere neglexeris nos 
infallibiter procedemus ad paenam, quam tibi comminati sumus, 
nee ullam admittemus excusationem, quippe 111. et Exc. Ducem 
Mirandulanum ejusmodi principem esse confidimus, ut te con- 
tra debitum patriae tuae officium atque obsequium, quod no- 
bis exhibere teneris, invitum retinere non velit, quo circa ad- 
ventum tuum proximo vere expectantes benevolo tibi affectu 
manemus addicti. 

Aurich. Ernst Friedlaender. 



Zur Chronik der Beichsstadt Niirnberg. 

1433. Der Rath gibt 65 fl. 16 1 /* (J in gold und 49 tt 
3(3 4 hi. „das das grofs schiessen mit armprost der gest vnd 
der vnsern, das man hie tet in Ebdomada post Bartholomei 
vnd funff tag weret, mit alien sachen gekost hat vmb kleined, 
der waren das pest ein pferd, kostet 14 guldein, ein pecher 
von 9fl., ein ochs 6fl., ein armprost 4fl., ein guldeiner ring 
3 fl., ein parcbant 2 fl. 1 Ort, vnd der verrsten stat ein vng- 
rischer guldein, vnd das man auch vmb wein, prot, obs vnd 
ander Ding gab vnd daz man auch den schreibern, pfeiffern, 
trometern vnd andern amptleuten, die darob waren, zu liebung 
gab." 

Die Fahrt, die Erhart Haller und Ylrich Truchsers, Stadt- 
schreiber, nach Rom zum neugekrdnten Kaiser thaten, um die 
kaiserliche Bestfttigung der Stadtprivilegien nachzusuchen, kostet 



dem Rath 2296 fl. 1 Ort und 8 ft neuer Haller. Davon gaben 
Haller und Truchsefs 600 Ducaten in die Eanzlei um 8 goldene 
Bullen und um 14 Brief unter dem kaiserlichen Maiest&tssiegel, 
200 Ducaten um Gold zu den 8 Bullen, und 40 Ducaten dem 
Goldschraied, um die Bullen zu machen. 

Sodann zahlt der Rath in diesem Jahre 97 ft 17 (J hL 
fur 26 Eimer Waizenbier und Gerstenbier, das eine b5hmische 
Jungfrau zu Nurnberg braute. Das Bier schickt der Rath dem 
Kaiser nach Basel, wie es derselbe verlangte, uud dazu 1000 fl. 
und 100 fl. far ein Kleinod. 

Zwei Zigeuner werden auf einen Tag in's Loch gelegt 

1434. Kaiser Sigmund hatte der Stadt die Kaiserkrone 
versetzt. Im Jahre 1434 in der Osterwoche lftfst sie der Rath 
nachBuchhorn fuhren, wahrscheinlich, um sie dem Kaiser aus- 
zuh&ndigen. 

Am 31. August wird Turnier gehalten an des Rieter*s 
Haus. Hauptmann desselben ist Jorg von Ehenheim. Auf 
dem Rathhaus wird ein Tanz gehalten und dasselbe durch 
einen Gang uber die Scherergasse erweitert Auf dem Tur- 
niere sind 353 Helme und darunter 60 Ritter. 

Einer, der „dreien t5chtern" die Ehe versprochen, wird 
in's Loch gelegt und vom Zuchtiger durch die Stirn gebrannt. 

1435. Die Buchsenschutzen erhalten vom Rath 26 ft hL 
zum Ankauf von Kleinoden, um die sie alle Monate schiefsen, 
und die Trompeter und Pfeifer, die ihnen aufblasen, werden 
mit Geld beschenkt. 

Der Rath zahlt 5 ft 18 (J hi. fur die Zehrung des H. 
Pul und Anderer, als man dem bOsen Werwolf nachstellet, der 
in der Gegend um Nurnberg, Lauf und Eschenau umlief und 
grofsen Schaden that an Leuten, Kindern und Yieh. 

Die vorzuglichsten Beamten der Stadt sind : Leupold Pan- 
wolf; Stadtschreiber, mit 32 fl., Bartholomes Neythart, Rath- 
schreiber, mit 50 fl., Gttrg Madach, Losungsschreiber, mit 
21 fl., Ulrich Truchsefs, Schreiber, mit 32 fl., Jobs Kapfer, 
Schreiber, mit 13 fl., Johann Dum, Schreiber, mit 10 fl., Mei- 
ster Johann Schintel und Meister Peter von Berkt, die innern 
Aerzte, mit je 25 fl., Magister Johann Marquardi, Stadtsjndi- 
kus, mit 13 fl., die drey Stadtpfeiffer mit je 6V»fl., Dr. Gre- 
gor Haymburger, Jurist, mit 50 fl., Meister Erhart, der Wund- 
arzt, mit 13 fl., der Trompeter mit 10 fl., Hanns Ott, der Lau- 
tenschl&ger, mit3fl., Paul der Buchsenmeister, mit 12 fl., Demut 
Weinsteinin, die Hebamme etc. mit 2fl. vierteljfthriger Besol- 
dung, die ihnen zu Pfingsten, KreuzerhOhung, St Lucia und am 
Sonntag Invocavit ausbezahlt wurde. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essen wein. Dr. G. K. Fromminn. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literariseh-artistischen Anstalt des germanischen Museams in Nurnberg. 



Gedrnokt bei U. E 8ebald In Hfirnbezg. 



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BEILAGE ZUM AMEIGER FUR BMDE DER DEUTSCHE^ YORZEIT. 

1873. Jtf 2. Februar. 



Chronik des germanischen Museums. 



Numb erg, den 15. Februar 1873. 

Das wachsende Interesse an der Uebertragung des Augustiner- 
klosters hat wieder neue Zusagen verschiedener Kunstler, zn dem 
angegebenen Zwecke Beitrage zu leisten, hervorgernfen. Aufser 
den versprochenen Kunstwerken baben wir auch in diesem Mo- 
nate wieder eine Geldgabe yon 100 fl. zn gleicbem Zwecke zu 
verzeichnen, mit der una Herr Oberbaurath Ziebland in Miincben 
erfreute. 

Durcb den fortwahrenden Zuwachs der Sammlungeu gestaltet 
rich jedocb das Bedurfnifs, auch weitere Lokale zu beschaffen, die 
tor die Ausstellung des Museums geeignet sind, immer dringender. 
Bereits sind wir nicht mehr in der Lage, einige grofse Gypsab- 
gusse unterzubringen, welche inBriissel far das Museum gefertigt 
warden. Ebenso erwarten wir in kurzer Zeit die Abgusse der 
Korssen'schen Bronzethuren zu Nowgorod, welche auf unsere Ver- 
anlas8ung geformt worden sind, wie der Skulpturen der goldenen 
Pforte zu Freiberg, deren Nachbildung gleichfalls durch die kgl. 
sachsische Regierung auf unsere Veranlassung geschehen ist ; auch 
die Abformung der Thuren an St. Maria auf dem Capitol in Koln 
ist nahezu beendet, ohne dafs wir sofort alle diese grofsen Ab- 
gusse aufstellen konnten. 

Manche Erwerbungen, die in jiingster Zeit gemacht wurden, 
werden wir gliicklicherweise noch zur Aufstellung bringen konnen. 
Wir erwahnen davon : zwei reichgeschnitzte, gothische Tische, einen 
prachtvollen, romanischen silbernen Eelch nebst Patene, mit Niel- 
len und Filigran geschmuckt, eine Reihe italienischer Majoliken, 
zum Theil mit Wappen niirnbergischer Patrizier verziert, welche 
diese ehedem in Urbino und Venedig hatten fertigen lassen, einige 
Waffenstticke, interessante Helme, einen romanischen Bronzeleuch- 
ter, eine Serie alter nurnbergischer Drechslerarbeiten in Holz, 
Horn und Elfenbein. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue J ah res beitrage angemeldet: 

Yon Gemelnden : Frledberg (Bayern). Distriktsgemeinde, 
20 fl. Germer8heim. Distriktsgemeinde, 25 fl. Immenstadt. Stadt- 
gemeinde, 2fl. Kandel. Distriktsgemeinde, 25 fl. Ludwigshafen. 
Distriktsgemeinde, 15 fl. Miinchen. Stadtgemeinde (statt friiher 50 fl.), 
100 fl. Neustadt a. d. Haardt. Distriktsgemeinde, 25 fl. Nbrdlingen. 
Distriktsgemeinde, 15 fl. Oettingen. Distriktsgemeinde, 15 fl. Speyer. 
Distriktsgemeinde, 15 fl. 

Von Privates: Are a. d. Mosel. Alippi, Polizeikommissar, 
lfl. 45 kr. Augsburg. B. Barth, Rechtsanwalt, 1 fl. ; v. Bezold, 
Bez.-Ger.-Rath , lfl.; Braun, Rechtsanwalt, lfl. 30 kr.; Flemisch, 
Rechtsanwalt, 1 fl. 30 kr. ; Griin, Obergerichtsschreiber, lfl.; v. Gu- 
termann, Rechtsanwalt, 1 fl. ; Mayrhofer , Rechtsanwalt, 1 fl. 30 kr., 
Mettenleitner, Staatsanwaltschaftssubstitut, lfl.; Micbahelles, Bez.- 
Ger.-Rath, lfl.; Mailer, Rechtsanwalt, lfl. 30 kr.; Pohlmann, 
Rechtsanwalt, lfl. lQkr. ; Putz, Rechtsconcipient, lfl.; Sack, Re- 
gierungssekretar , lfl.; Schoniger, Staatsanwalt , lfl.; Weinmann, 
Rechtsconcipient, 1 fl. Basel. Dr. phil. Ad. Bockmann 2 fl. 20 kr. ; 
Dr. phil. Fr. Geiger 2fl. 20 kr.; Karl Geldner lfl. 10 kr.; Adal- 
bert Mylius, Consul des deutschen Reiches, 2fl. 20 kr.; Dr. jur. 
Julius Neumann, Professor, 4fl. 40 kr.; Karl Opitz, Kaufmann, 



lfl. 45 kr.; J. Rode 2fl. 20 kr.; J. Rupe, Kaufmann, 2fl. 20 kr. ; 
Philipp Triidinger, Fabrikant, 2fl. 20 kr. Briinn. Hermann Hof- 
mann, Turnlehrer, lfl. 10 kr. Friedberg i. W. K. Trapp, Gru- 
bendirektor, 1 fl. 45 kr, Immenstadt. Peter Paul Marckhart , Kauf- 
mann, lfl.; Adolf Probst, Fabrikbesitzer, 5fl. ; Wilhelm Pap- 
pus v. Trazberg, Freiherr von Rauchenzell u. Laubenberg, k. b. 
Premierlieutenant a la Suite und Rittergutsbesitzer, lfl. 45 kr. 
Joseph Stahel, Prokurist, 5fl. Jena. Ad. Schmidt, Professor, lfl. 
45 kr.; Dr. Karl Schulz, Referendar, lfl. 45 kr. Ldrrach. Math. 
Preiser, Kaufmann, lfl. Metz. Domling, Landgerichtsrath , lfl. 
45 kr.; Dr. Gorgens, Professor, lfl. 45 kr.; Grunewald, Friedens- 
richter, 1 fl. 45 kr. ; Hamm, Friedensrichter, 1 fl. 45 kr. ; Dr. Horn- 
burg, Professor, lfl. 45 kr.; Dr. Krichel, Professor (statt friiher 
lfl.) lfl. 45 kr. Mieste. Hildebrandt, Pastor, lfl. 45 kr. Nord- 
lingen. Miiller, Senior, 24 kr. Noveant (Lothringen). Jung, Inge- 
nieur, lfl. 45 kr. Nurnberg. Dr. Leasing, Fabrikant, 2fl. Pest. 
Robert Lampl lfl. 45 kr. Schiiichtern. Anacker, Kan tor, 30 kr.; 
Leimbach, Seminarlehrer , lfl.; Lotz, Seminarlehrer , lfl.; Hubert 
Zinkhan 30 kr. ; Zintgraff, Apotheker, 1 fl. 45 kr. Verny bei Metz. 
Fries, Friedensrichter, 1 fl. 45 kr. Wien. Dr. Rich. Godeffroy, Vor- 
stand des chem. Laboratoriums des allg. osterr. Apothekervereins, 
lfl. 10 kr.; Leop. Simoni, priv. Apotheker, lfl. 10 kr. Zweibrii- 
Cken. Joh. Jak. Heck, Fabrikant, 1 fl. 45 kr. ; Frau Elise Roth, Fa- 
brikantenwittwe, lfl. 45 kr.; Georg Roth, Fabrikant, lfl. 45 kr. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Von Terelnen: Erfurt. Lesekranzchen der Realschule, lfl. 
45 kr. 

Von Privates: Barn (Mahren). Hans Lichtblau, Freigutsbe- 
sitzer, 2fl. 20 kr. Dorpat. Weihrauch, Dozent, lfl. 52 kr. Garde- 
legen. Keller, Buchdruckereibesitzer, lfl. 45 kr. Miinchen. Frhr. 
Edm. y. Oefele, Reichsarchivpraktikant , lfl. 45 kr. Rethel. Frhr. 
Ernst v. Liitzelburg, k. b. Premierlieutenant, 2fl. 20 kr. 

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu: 

I. Fiir die kunst- und kulturgeschichtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6806— 6859.) ^ 

Dresden. Kgl. sachs. Kriegsministerium: 6 Gewehre, 
3 Karabiner, 1 Pistol, 11 Stuck blanke Waffen und 1 Kiirafs von 
1821. C. Andrea, Maler: 5 Photographien nach Architekturen. 
Kohler, kgl. sachs. Generalmajor : Stuck Holz aus derKajiite der 
Gefion. Zinnerner Schraub thaler mit Abbildungen der Schlachten 
Napoleon's I. Ankleidepuppe, Wassermalerei. — Eger. H. Gradl, 
Kassier: 44 Holzstocke mit astrologischen Zeichen und Schriften. 
Magischer Schutzbrief von 1718. 2 Orignalsiegel vom 14. und 18. 
Jhdt. 16 Gypsabgasse von Medaillen u. s. w. — Frankfurt a. M. 
J. B. Baumeister: Ein Convolut Kupferstiche von Amling u.A. 
— Fiirth. Dr. med. Fronmuller sen. : Worfel von Serpentin- 
stein mit 32 Kanten. — Hannover. Brehner, Medailleur: Ver- 
goldete Medaille auf Beethoven, 1870. Desgl. auf die Siege von 
1870, 1871. Dr. Grot ef end, geh. Archivrath : 5 lippische Spann- 
dienstzeichen. 18. Jhdt. Siegesthaler von 1871. Dr. Hahn, Me- 
dicinalrath: Spencerkarabiner. Silberne Dose vom 18. Jhdt. 3 
seltene Thaler von 1862, 1868 und 1872, 10 neuere kleinere Sil- 
ber- und 12 Kupfermunzen. — Nurnberg. K. Daumer, Privatier: 
2 eiserne Gewichte vom 16. Jhdt. Messingstempel vom 18. Jhdt. 
Medaille vom Grafen Th. v. Tolstoy, 1817. Stadtmagistrat : 
Bronzene Handspritze vcn 1547. S. Pickert, Antiquar : Sogen. 
Pilgerei, aus Achat gedreht. Photographic nach einem Gobelin. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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M. Pickert, Antiquar: 2 bun tb era alt e persische Fayencetassen. 
Probst, Photograph: 2 sculptierte Schlufssteine vom 15. Jhdt. 
Zur Strassen, Professor an der Kunstgewerbschule : 2 antike 
Thonbildnereien. — Regensburg. Dr. C. Will, wirkl. furstl. Rath 
u. Archivar: Photogr. Abbildung einer Hausorgel vom 18. Jhdt. 
— Rudotetadt Se. Durchl. Fiirst Georg von Schwarzburg- 
Ruflolstadt: 8 Photographien nach Ausgrabungen und Pracht- 
waffen im Besitze Sr. Durchlaucht. — Seehausen. Dr. Gotze: 
Kabbalistisches Petschaft aus Messing, 17. Jhdt. — Slgmaringen. 
Se. kgl. Hoheit Fiirst Anton zu Hohenzollern-Sigma- 
r in gen: Gerade B-Trompete. 

II. Fiir die Bibliothek. 

(Nr. 29,522—29,681.) 
Ansbach. An dr. Ruck, Redakteur: Ders., der Zopfe Ende. 
1870. 8. Ders., Wiedergegeben. 1870. 8. Ders., ein Dominospiel. 

1872. 8. Ders./d. Schwindel in der Falle. 1873. 8. — Berlin. Dr. 
T. Marcker, k. pr. geh. Archivrath : Ders., die Wanderungen 
der deutachen Reichskleinodien. 1872. 8. Sonderabz. Redaktion 
des „ Hero Id": Nachrichten iiber die Familie de Graeff. 8. Son- 
derabdr. v. Ahlefeld, zur Geschichte der Familie von Rantzau. 8. 
Sonderabdr. v. Miilverstedt, der heraldische „Schachroche." 8. 
Sonderabdr. Dr. C. F. Trachsel: Ders., Glossarium der Berli- 
nischen Worter u. Redensarten. 1873. 8. — Bern. v. Scheel, Pro- 
fessor : Wappen der Mitglieder des Reichskammergerichts (urn 
1785). Titelbl. fehlt. 8. — Bonn. Universitat: Bluhme, z.Textes- 
kritik des Westgothenrechts. 1872. 8. v. Doornick, de Alberto 
dace. 1872. 8. Riibel, de fontibus quatuor priorum bistoriae Au- 
gustae scriptorum ; pars I. 1872. 8. Woker, de Erasmi Rotterdami 
studiis irenicis. 1872. 8. Nebst 47 anderen akadem. Gelegenheits- 
schriften. 1872. 4. 8. — Briinn. Moriz Trapp, Custos des Fran- 
zens-Museums : Ders., der Spielberg in Brunn. 1873. 8. — Darm- 
stadt. Dr. Ludw. Baur, grofsh. hess. Geh.-Rath u. Archivdirek- 
tor: Ders., heasische Urkunden; V. Bnd. 1873. 8. — Eger. Heinr. 
Gradl, Kassier: Bodenehr, anderer Theil desTractats, so betitelt 
Force de l'Europe. qu. 4. Jos. Ho Hub, k. k. Gymnasialprofes- 
sor : Haupt-Bericht der Handels- und Gewerbekammer zu Eger . . . 
im J. 1863. 8. Frind, histor. Analecten uber Eger u. d. Egerland. 
1864. 8. Progr. Kittel, Kursachsen u. die Gegenroformation in 
Eger. 1869. 8. Progr. — Frankfurt a. M. Unbekannter : Ver- 
zeichnifa der Abgeordneten zur ersten deutschen Reichsversamm- 
lung in Frankfurt a. M. 1849. 8. Sammlung von Plakaten u. Zei- 
tungsblattern, die Stadt Frankfurt betreffend; 1835—60 (58 Stuck). 
2. 4. 8. — Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshdl. : Janfsen, 
Frankfurts Reichscorrespondenz ; Bnd. II, 2. 1873. 8. — Genf. Edu- 
ard Fick, Buchdruckereibesitzer : Baum, Proces de Baudichon 
accuse dlieresie a Lyon. 1873. 8. — Greifewald. Dr. Theod. Pyl, 
Univers.-Professor : Ders., Pomraer'sche Genealogien ; Bnd. II, 2. 

1873. 8. — Hannover. Architecten- u. Ingenieur-Verein: 
Ders., die Kunst im Gewerbe. Bnd. I, 1. 1872. 2. Dr. Grote- 
fend, geh. Archivrath: Verordnung des furstl. Braunschw. Consi- 
storiums. 1591. 2.— Heidelberg. Dr.K.Wafsmannsdorff,Turn- 
anstaltsvorsteher : Ders., die militarischen Frei- u. Gerathubungen 
in Bayern u. Prenfsen. 1873. 8. — Hermannatadt. Verein f. sie- 
benbiirgische Landeskunde: Ders., Jahreabericht fur 1863 
—64. 1865. 8. — Komotau. Nic. v. Urbanstadt, jub. k. k. Fi- 
nanz-Bezirkscommissar : Mehler^ ursprungl. chronolog. Geschichte 
Bohmena ; Th. I. II. 1806. 8. Der Cardinal Hut, oder Bericht von 
den Cardinalen. 1667. 12. Geschichte des Konigreichs Boheim. 
1783. 8. Militairisches Taschenbuch. 1783. 8. Friedrich's v. Knaufs 
selbstschreibende Wundermaschine. 1780. 8. v. Engel, Geschichte 
des Freistaats Ragusa. 1807. 8. Geschichte des Klosters der Ur- 
sulinerinnen zu Kuttenberg. 1843. 8. Universal-Accis-Ordnung im 
Konigr. Boheimb. 1709. 4. Artickeln des allgem. Landtags Schlus- 
ses auff dem Kon. Prager-Schlosse. 1652, 1671, 1684, 1705, 1716, 
1728 u. 1788. 4. Sommer, kurze Geschichte der Stadt Schlacken- 
wertb. 1866. 8. 36 Stiick kais. Mandate, meist das Konigr. Boh- 
men betreffend; 1625—1762. 2. 4. 97 Stuck kais. Verordnungen 
etc., meist das Konigr. Bohmen betr.; 1541—1810. 2. 4. 24 Stiick 
Ordnungen von Zunften des Konigr. Bohmen ; 1739—78. 2. Nebst 



45 anderen Schriftcn verschiedenen Inhalts. 1548 — 1865. 2. 4. 8. — 
Konigsberg i. Pr. Universitat: 16 akademische Gelegenheitsschrif- 
ten. 1872. 4. 8. — Leipzig. J. C. Hinrich'sche Buchhandl.: All- 
gemeine Bibliographie far Deutschland; Jhg. 1871. 1872. 8. Dr. 
Schroder: Ders., Griseldis. Apollonius v. Tyrus. 1872. 8. Son- 
derabdr. W. Violet, Buchhandl.: Moser, d. Belagerung v. Leip- 
zig im J. 1547 (Sonntags-Beil. d. Leipz. Nachr.) 2. — Munches. 
K. Akademie der Wissenschaften: Dies., Sitzungsberichte 
der philos.-philolog. Classe ; 1872, Heft II u. III. 8. Dies., Sitzungs- 
berichte der mathemat. - physikal. CI. ; 1872 , H. II. 8. Dies. , In- 
haltsverzeichnifs zu Jhg. 1860 — 70 der Sitzungsberichte. 1872. 8. 
— St. Nicolas. Cercle archeologique du pays des Waes: 
Ders. , Publications extraordinaires etc. ; Nr. 9. 8. — Nurnberg. 
Lorenz Ritter, Kupferstecher : Ders., malerische Ansichten aus 
Nurnberg; Bl. 1—12. 1871. 2. — Paris. Ministerium des 6f- 
fentl. Unterricht8: Revue des societes savantes des departe- 
ments; V. serie, t.I.II.(anneel870). 1871.8.— Prag. F. Temp sky, 
Verlagshandl. : Bayer , die Historia Friderici IE. Imperatoris des 
Enea Silvio de' Piccolomini. 1872. 8. — Quedlinburg. Gustav 
Brecht, Bargermeister : Janicke, Urkundenbuch der Stadt Qued- 
linburg; I. Abth. 1873. 8. — Regensburg. Dr. C. Will, wirkl. 
furstl. Rath u. Archivar: 2 Mandate Kaiser Karl's V. 1525 u. 1529. 
2. — Salzburg. Gesellschaft fiir Salzburg. Landeskunde: 
Dies., Mittheilungen etc.; XII. Vereinsjahr, 1872. 8. — Schaffhaa- 
sen. Fried r. Hurter' sche Buchh. : Schoppner , Charakterbilder 
der allgem. Geschichte; 3. Aufl. Bnd. 1—3. 1871—73. 8. — See- 
hausen. Dr. Ludw. Gotze, Gymnasial-Oberlehrer : Ders., urkundl 
Geschichte d. Stadt Stendal ; 10. Lief. 1872. 8. — Slgmaringen. Hofrath 
Dr. F. A. Lehner, furstl. Bibliothekar und Conservator: Ders., 
furstl. Hohenzollern'sches Museum zu Slgmaringen: Verzeichnifs 
der in dem Kleinodienschrank befindlichen Gegenstande. 1872. 8. 
Ders., furstl. Hohenzollern'sches Museum: Verzeichnifs der Hand- 
8chriften. 1872. 8. A. Lichtschlag, Gymnasial-Oberlehrer : Ders., 
Beitrage zur Hohenzollern'schen Ortsgeschichte. 1872. 4. Progr. — 
Wien. Se. Maj. Franz Joseph I., Kaiser v. Oesterreich: 
Leitner, d. hervorragendsten Kunstwerke der Schatzkammer des 
osterreich. Kaiserhauses ; Lief. 17 u. 18. Imp. 2. Dr. Matthias 
Pangerl, Archivar: Ders., Urkundenbuch des ehemal. Cistercien- 
serstiftes Goldenkron in Bohmen. 1872. 8. 



HI. Fiir das Arohiv. 

(Nr. 4289-4311.) 

N urn berg. Eckert, Lehrer: Zeugnifs Job. Friedrich's zu Pyr- 
baum, als Lehrprinzen, fur Andreas Eckert von Wolkersdorf, dafs 
er nach nunmehr vollendeter Lehrzeit als „hirschgerechter Jager 
und Weidmann" zu betrachten sei. 1769. Pgm. Ungenannter: 
Kaufbrief der Vormunder des „Geschefft8" der Katharina Wirsin- 
ger zu Nurnberg an Peter Hochsteter daselbst, uber die Erbschaft 
an der Behausung in der Derrersgasse. 1513. Pg™- Kaufbrief Hans 
Gutschraieds, Messerers in Nornberg, an HansPrunsterer, desgro- 
fsern Rathes, iiber die Eigenschaft und zehn Gulden jahrlichen 
Zinses aus seiner Behausung in der Derrersgasse. 1557. Pgm. Brief 
der Wittwe Hans Gutschmids in Nurnberg zur Uebergabe ihres Htu- 
863 in der Derrersgasse an Ruprecht Erdinger, Genannten des gro* 
fseren Rathes, wegen Riickstandes in der Abtragung der schuldi- 
gen Zinsen. 1576. Pgm. Kaufbrief des Ruprecht Schlunpf, Bor- 
gers zu Nurnberg, an Lienhard Spat, Barchentweber, iiber eine 
Behausung am Schwabenberge, dem Froschthurm gegeniiber. 1606. 
Pgm. Kaufbrief der Geschwister Biirckhner an Mathaus Frey, 
Barchentweber, uber eine Behausung auf dem Schwabenberge, 
nahe dem Froschthurme. 1694. Pgm. Bescheinigung der Maria 
Rosina Kohler, Tochter des verstorbenen Georg Seyfried Kohler 
von Neunhof, an Mathaus Frey, flber hundert Gulden als Ablosung 
der Eigenschaft an dem Hause auf dem Schwabenberge. 1694. 
Pgm. Letzter Wille des Mathaus Frey, Tuch- und Leinwandhand- 
lers, auch verordneten Lieutenants unter der Burgerschaft zu Nurn- 
berg 1727. Pgm. Beizettel des Hieron. Wilh. Ebner von Eschen- 
bach, als Kirchenpflegers , zu dem von der Frau Christina, Joh. 
Georg Wiedmann's, Beckers, Wittwe, unterm 7. Mai 1706 einge- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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losten Grabzettel auf St. Roohuskirohhof, worin die betheiligten — 1790. Akten. Zwei stadtgerichtliche Bescheide uber die vormals 
Erben aufgefuhrt werden. 1731. Pgm. Zwolf Kaufbriefe and ge- dem Joh. Mich. Messerer zugehorige Behausung in der aufseren 
richtliche Entscheidungen, ein Haus in der Derrersgasse betr. 1554 Laufergasse. 1785. Akten. 



Chronik der historischen Vereine. 



Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft 
in Wien. IH. Band, 1873. Nr. 1. 8. 

Eine Opferstatte bei Pulkau in Niederdsterreich. Vortrag, von 
Prof. Dr. J. WodHch. (Mit 4 litbogr. Tafeln.) 

Heraldisch-genealogische Zeitschrift. Organ dee 
heraldisch-genealogischen Vereines „Adler" in Wien. 
m. Jahrg. Nr. 2. Wien, Februar 1873. 4. 

Kifs-Varda. — Fortsetzungen. 

Der Kircben-Schmuck. Blatter des christlichen 
Kunstver eines der Didzese Seckan. 1872. IV. Jahrg. 
Nr. 1. Graz. 8. 

Glasmalerei. (Dr. Alb. Ilg.) — Ein Muster wabrer Kirchen- 
musik. — Stndien uber die cbristlicbe Malerei. — Ueber die Mi- 
tra der Bischofe and Aebte. Von P. Ladw. Findeys. 

Sitzangsbericbte der philosophisch - philologi- 
schen and historischen Classe der k. b. Akademie der 
Wissenschaften zu Munchen. Heft II. IH. Munchen. 1872.8. 

Ueber frankisch-wirzburgische Zentbticber, von Rockinger. — 
Quellenbeitrage zur Geschichte des Kaiser's Rudolf II., von Ritter. 
— Ueber die in der letzten Zeit gemachten Ausgrabungen romi- 
schor Antiquitaten in Regensburg, von Ohlenschlager. — Ueber 
die lateinischen Sequenzen. Von Hofmann. — Nachtrag zu den 
Clermonter Runen. Von dems. — Ueber die von Kaiser Ludwig 
gewonnene Schlacht bei Mohldorf , von Wurdinger. — Valentin 
Fernandez Aleman, von Heyd. 

In der Versammlung des historischen Vereins vonOber- 
pfalz und Regensburg vom 13. Februar wurde uber dieFort- 
setzung der Ausgrabungen romischer Alterthiimer berichtet. Aucb 
warden fiber ein jiingst aufgedecktes Leicbenfeld bei Schelleneck 
(a. d. Altmuhl) Mittheilungen gemacht; es fanden sicb ein eisernes 
Schwert, Armringe von Bronze, Thonperlen und Goldmonzen mit 



Oebren ; die Graber diirften mit denen von Nordendorf derselben 
Zeit angeboren. 

Pommersche Genealogien. Nach urkundlichen Quellen 
und den Sammlungen von A. Balthasar, J. A. Dinnies und C. Ge- 
sterding herausgeg. von Dr. Theod. Pyl. Zweiter Band. Genea- 
logien der Familien Wakenitz, Liibeck und Smiterlow nebst Bei- 
tragen zur Geschichte von Greifswald und Stralsund als Ergan- 
zung zu 0. Focks Riig.-Pomm. Geschichte, sowie Stammtafeln der 
Familien Bere, Semlow, Schulow, Ferber, Wulflam, Darne, Holt- 
husen, Kriidener, Voge, Letzenitz, Below, Wampen, Vredekow, 
Lange, Bokholt und Lowe, mit Abbildungen der Wappen und 
eines Grabsteins der Familie Letzenitz. Greifswald. Vereinsschrift 
der Ragisch - Pommerschen Abtheilung der Gesellschaft fur 
PommerscheGeschichte und Alter t hums kunde in Stral- 
sund und Greifswald. 1873. 8. 

Monatshefte fur Musik-Geschichte herausgegeben von 
der Gesellschaft fur Musikforschung. V. Jahrg. 1878. 
Nr. 2. Berlin. 8. 

Ein altes Piano-Forte. 

In der am 28. Januar stattgefundenen Versammlung des Ver- 
eins fur Geschichte und Alterthumskunde zu Erfurt 
hielt Archivrath Dr. Burkhardt aus Weimar den ersten Theil eines 
Vortrages uber das sog. tolle Jahr in Erfurt 1509. Naheres uber 
den Inhalt bringt die Erfurter Zeitung, Nr. 32. 

Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. 

CX. Hans Sachs. Herausgeg. von Adelbert von Keller. Sechs- 
ster Band. — CXI. Die ersten deutschen Zeitungen hrsg. mit 
einer Bibliographic (1505—1599) von Emil Weller. — CXH. Hi- 
storia del Cavallero Cifar hrsg. von Dr. Heinr. Michelant. — CXHI. 
Friedrich's von Logau sammtliche Sinngedichte hrsg. von Gustav 
Eitner. Tubingen, 1872. 8. 



Nachrichten. 



Literatur. 



Neu erschienene Werhe. 
4) GeBcbichtsquellen der Provinz Sachsen und an- 
grenzenderGebiete. Herausgegeben von den geschicht- 
lichen Vereinen der Provinz. Erster Band. Erfurter Denk- 
maler. Herausgegeben von dem Thuringiseh - Sachsischen 
Alterthumsverein zu Halle. Halle. Verlag der Buchhand- 
lung des Waisenhauses. 1870. VII, 231 u. 174 Stn. 

Das vorliegende Werk, dessen Stellung und Verhaltnifs zu 
den anderweitigen Arbeiten der sachsischen Vereine Prof. Ernst 



Dummler zu Halle in einem Vorworte erlautert hat, bildet gewis- 
Bermassen eine Erganzung zu dem gleichzeitig erschienenen Buche : 
w Die altesten Weisthumer der Stadt Erfurt iiber ihre Stellung zura 
Erzstift Mainz," welches bereits in unserem Blatte (s. Anzeiger 
fur Kunde der deutschen Vorzeit, 1872, Sp. 327—329) besprochen 
worden ist. Dasselbe gibt namlich in der einen Halfte nach chro- 
nologischer Reihenfolge geordnete Beitrage zur aufseren Geschichte 
Erfurts und der umliegenden Lande, in der andern ein satirisches 
Gedicht, welches einen sehr anziehenden Blick in die allgemeine 
Geistesrichtung iiberhaupt und in die Stimmung der thiiringischen 
Lande ganz insbesondere gewahrt. Diese beiden Schriften „Er- 



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Anzeiger far Kunde der deutschen Vorzeit. 



56 



farter Denkmaler" und „die altesten Weisthiimer der Stadt Er- 
furt" erhellen und erlautem sich vielfaltig, obgleich die in ihnen 
enthaltenen Quellen nicht ausdrucklich auf cinander Bezug nehmen. 

Wir begegnen zunachst dem Chronicon Sampetrinum, welches 
von 1036 bis 1355 die gesammte, aus dem Erfurter Benediktiner- 
stift St. Peter hervorgegangene Geschichtschreibung umfafst. Es 
ist nach der Gottinger Handschrift bearbeitet. Der Herausgeber, 
Bruno Stiibel, legte gerade diese letztere zu Grunde, nachdem er 
sich uberzeugt hatte, dafs die Dresdener Handschrift, nach wel- 
cher Mencken in seiner Sammlung das Chronicon herausgegeben 
hat, nur als eine mangelhafte Abschrift der ersteren betrachtet 
werden darf. Die Chronik schickt nach mittelalterlicher Sitte eine 
Aufzahlung nackter Thatsachen aus fruherer Zeit als Einleitung 
voraus und beginnt so mit der Predigt des Erlosers zu Kaper- 
naum. Die Nachrichten werden erst mit dem zwolften Jahrhun- 
derte zusammenhangender und ausfuhrlicher. Sie nehmen zwar 
fortwahrend auf die grofsen Weltereignisse Riicksicht; doch bil- 
den diese gleichsam nur den Rahmen, innerhalb welches sich die 
auf Erfurt und Umgegend beziiglichen Ereignisse fortbewegen. 
Dafs die Mitarbeiter des Chronikon meistens Zeitgenossen waren, 
welche das aus eigner Anschauung Erlebte, oder wenigstens die 
frischen Berichte dariiber mit lebendigem Eindruck wiederzugeben 
vermochten, erhoht den Werth ihrer Mittheilungen. 

Dem Chronicon Sampetrinum folgen die von Ottokar Lorenz 
herausgegebenen Annales Reinhardsbrunnenses, von 1015 bis 1259, 
welche vermuthlich von einem in der ersten Halfte des vierzehn- 
ten Jahrhunderts in Erfurt lebenden Dominikaner verfafst sind. 
Sie haben zunachst eine kritische Bedeutung. Es ergibt sich nam- 
lich aus den hieruber angestellten Untersuchungen, dafs denselben 
die alten, aber jetzt verloren gegangenen Reinhardsbrunner Anna- 
len zu Grunde liegen. Der Erfurter Dominikaner steht daher ganz 
unabhangig neben dem Compilator der von Wegele veroffentlich- 
ten grofsen Annales Reinhardsbrunnenses; aber keide haben aus 
einer gemeinsamen und urspriinglichen Quelle geschopft. 

Von unschatzbarem Werthe ist das letzte der in diesem Bande 
enthaltenen Stiicke, das von Theobald Fischer herausgegebene 
Carmen satiricum Nicolai de Bibera occulti Erfordensis. Der Ver- 
fasser ist, trotz der scheinbaren aufseren Uebereinstimmung des 
Namens, kein Sprofsling der Familie, welcher der spatere Hermann 
von Bibra, der Aufzeichner der Erfurter Bischofsrechte, angehorte. 
Der Beiname scheint davon entstanden zu sein, dafs derselbe die 
Stelle eines Custos der Kirche von Bibra bekleidete; sicher aber 
ist, dafs er als Geistlicher in Erfurt lebte. Das von ihm geschrie- 
bene Carmen satiricum zerfallt in drei Abtheilungen , welche er 
selber Distinctionen genannt hat. In der ersten derselben ergiefst 
sich die bittere Lauge des Verfassers iiber die offentliche Wirk- 
samkeit und das Privatleben Heinrichs von Kirchberg, des beriihm- 
ten Vertreters romischer Rechtsgelehrsamkeit in Erfurt, dessen 
zweideutiges Benehmen auch von Kirchhoff in der Einleitung zu 
dem Weisthum von 1289 angedeutet ist. Die zweite Distinction 
geht zu den allgemeinen Zeitverhaltnissen iiber. Sie schildert die 
iiberall verbreitete Sittenverderbnifs, den gesunkenen Zustand der 
Geistlichkeit, die Habsucht und Schwelgerei des papstlichen Hofes ; 
sie verbreitet sich dann iiber die damalige traurige Lage des thii- 
ringischen Landes, und scheut sich nicht, sogar den Landgrafen 
selber wegen seines anstofsigen Lebenswandels zur Rechenschaft 
zu ziehen. Die dritte Distinction verweilt bei der Lage der Stadt 



nach Aufhebung des Interdiktes und wiederhergestelltem Frieden. 
Sie entwirfb ein aehr genaues Bild von dem damaligen burgerli- 
chen Treiben und wird auf diese Weise hochst belehrend fur die 
Eenntnifs der Sitten und Zustande der ganzen Zeit. Mogen die 
Pinselstriche des Verfassers vielfach an Uebertreibung leiden, 
nimmt er auch nicht selten einen verbitterten und einseitigen Par- 
teistandpunkt ein, — immerhin erhohen diese Eigenthtimlichkeiten 
noch den Werth des Buches. Es wurde spaterhin in Mahren und 
Bohmen viePgelesen, und namentlich auch von Johannes Hufs be- 
niitzt. In ihm wirkten schon unbewufst die ersten Eeime der 
reformatorischen Ideen. A. F. 

5) Les monuments prehistoriques de la Suisse oc- 
cidentale et de la Savoie. Album de photographies 
avec texte par Paul Vionnet. Lausanne. Imprimerie 
Georges Bridel. 1872. Fol. 35 photograph. Tfln. 23 Stn. 
Text mit eingedruckten Lithographien. 

In der westlichen Schweiz und Savoyen finden sich Dolmen, 
Menhirs und Cromlechs, welche den Hunenbetten der norddeut- 
schen Ebene wie den Denkmalern in Frankreich und England im 
Wesentlichen gleichen, wenn auch an Grofsartigkeit nachstehen. 
Daneben kommen aber ahnliche vor, welche in die andern Orts 
als Opferaltare bezeichnete Eategorie fallen, jedoch als charakteri- 
sierendes Merkmal statt der sonst gefundenen streifenformigen 
Vertiefungen , der sogen. Blutrinnen, napfartige, auch unregel- 
mafsige Locher, oft in grofser Anzahl und unregelmafsiger Zusam- 
menstellung enthalten. Diese Locher riihren offenbar von Men- 
schenhand her; ihre ursprungliche Bestimmung wird aber schwer 
zu entdecken sein. Der Yerfasser sucht auch nicht, sie schlufs- 
goltig zu erklaren. Seine Absicht geht mehr dahin, darauf auf- 
merksam zu machen, vor allem aber, diese der Zerstorung preis- 
gegcbenen Denkmaler wenigstens in treuen Abbildungen zu er- 
halten. So hat er dieselben bis auf einige wenige, welche der 
Photographie unzuganglich sich erwiesen, sammtlich auf diesem, 
keinen Zweifel iibrig lassenden Wege reproducieren lassen. Zor 
Erhohung der Deutlichkeit sind Abbildungen in Steindruck dem 
Texte eingefiigt. Aehnliche Steine, wie die oben bervorgehobe- 
nen, welche sich im Riesengebirge befinden, sind im Jahrgang 
1857, Sp. 153 dieses Anzeigers besprochen. Andere sollen im 
Harz, im Fichtelgebirge , in der Gegend von Heidelberg vorkora- 
men. Ohne Zweifel wiirden deren auch sonst wo sich entdecken 
lassen, wenn kenntnilsreiche Beobachter ihr Augenmerk darauf 
richteten. Die Hauptsache ware aber, dafs sie auch bei uns durch 
geniigende Abbildungen nicht nur bekannt gemacht, sondern ganz- 
licher Vergessenheit entrissen wurden. Denn die moderne Indu- 
strie legt ihre gefrafsigen Zahne auch an diese harten Granitblocke 
und diirfte sie iiber kurz oder lang ganz verschlungen haben. 
Das oben genannte Werk konnte als Muster gelten. v. E. 

6) Diirer's Briefe, Tagebiicher und Reime nebst 
einem Anhange von Zuschriften an und fur Du- 
rer, ubersetzt und mit Einleitung, Anmerkungen, Personen- 
verzeichnifs und einer Reisekarte versehen von Moriz 
Thausing. Wien, 1872. Wilhelm Braumuller. 8. 250 Stn. 

Wer sich je mit wissenschaft lichen Forschungen abgegeben, 
weifs, dafs es kein grofseres Hemmnifs derselben gibt, als unge- 
loste Vorfragen, und dafs es selbst als Erleichterung angeeehen 



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Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit. 



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werden kann, wenn dargethan ist, bis zu welchem Punkte oder 
ob sie xiberhaupt gar nicbt zu erledigen sind. Als solche Vorfrage 
etanden dem seit der vor etwa einera Jabrzehend gegebenen neuen 
Anregung sich immer mebr vertiefenden Studium der Werke Dii- 
rer's dessen eigene oben genannte Scbriften — man konnte sagen 
fast so binderlich entgegen, wie sie forderten. Wenigstens baben 
sie den auf diesem Gebiete arbeitenden Gelehrten so viel Kopf- 
brecben verursacht, wie der Gegenstand ihres Forscbens selbst, 
and den Genufs desselben durcb unmittelbar sich anknupfende 
Zweifel mannigfacb gestort. Die baufigen, oft nur gelegentlicb 
oder tbeilweise unternommenen Versuche, das in diesen Scbriften 
niedergelegte wissenscbaftlicbe Material zu bewaltigen, konnen 
wir mit der vorliegenden Tbausing'schen Bearbeitung wenigstens 
so lange for abgescblossen erklaren, bis vielleicht einmal durcb 
gimstigen Zufall ganz unbekannte Erganzungen an das Licbt ge- 
bracht werden. Es ist in dieser Bearbeitung nicbt nur das voll- 
standige Material, neben der scbrifblicben Hinterlassenscbaft des 
Kflnstlers — mit Ausnabme seiner wissenscbaftlicben Arbeiten 
— aucb dasjenige seiner Zeitgenossen, welcbes auf ihn Bezug bat, 
zusammengestellt, sondern von den bisherigen Erklaruagsversuchen 
mit grofsem Scbarfsinn aucb das Wertb voile benutzt, mancher 
Gesicbtspunkt neu eroffnet und das Ganze zu einem erfreulicben 
Bilde vereinigt. Auf einen weiteren Kreis Tbeilnehmender berech- 
net, sind die mitgetbeilten Documente aus der alten Spracbe und 
Scbreibweise in die neueren ubertragen und bierin vor allem be- 
kundet sich die Vertrautbeit des Verfassers des Bearbeiters mit 
seinem Stoffe und der feine Takt, der ihn nicht nur in den all- 
zuhaufigen zweifelbaften Fallen zum Richtigen, sondern uberall 
zum rechten, treffenden Ausdrucke fuhrt. Um diese Arbeit voll- 
kommen zu wurdigen, mufs man die friiber gemacbten ahnlichen 
Versuche, namentlich die ungeheuerlichen Arbeiten der Englander 
vergleichen. Das Werk bildet den dritten Band der von R. von 
Eitelberger berausgegebenen Quellenscbriften fur Kunst. v. E. 

7) Die cbristliche Kunst in ihren frtthesten Anfan- 
gen. Mit besonderer Berucksichtigung der neuesten Re- 
sultate der Katakomben-Forschung popular dargestellt von 
Dr. F. X. Kraus, Professor der Gescbichte und der christ- 
lichen Kunstarchaologie an der Universitat Strafsburg. Leip- 
zig, Verlag von E. A. Seemann. 1872. 8. 218 Stn. mit 
53 Holzschnittcn. 

Seit lange gewohnt, die Kunst der Katakomben als sparlicben 
Anfang der christlicben Kunst uberhaupt anzusehen, bat man sie 
zu sebr von ihrer technischen Seite betracbtet und ihren Gehalt, 
wenn auch im allgemeinen gewiirdigt, docb zu wenig pracisiert. 
Erst da die genauere Untersuchung der spateren Kunst darauf 
fuhrt e, fur die verschiedenen darin vereinigten Elemente die Her- 
kunft zu prQfen und nach einem Mafsstab fur ibre Beurtheilung 
zu suchen, konnte die Bedeutung der Katakomben zur Genflge 
hervortreten. Denn dafs der letztere nirgend anderswo liegt, als 
dort, wird schwerlich mit Griinden bestritten werden konnen. 
Wird nun diese Ansicbt, namentlich bei der Gefahr der Mifsdeu- 
tung, wol kaum bald eine durchgreifende werden, so ist es inte- 
ressant zu bemerken, wie sie bei jeder neuen Bearbeitung des 
Gegenstandes, oft unwillkiirlich, zum Durcbbruch kommt. Im oben 
genannten Werke hat der Verfasser die grundlichen historischen 
Forschungen der letzten Jahre zu einem anschaulichen Gesammt- 



bilde vereinigt und so, bei einer freieren Uebersicbt fiber die Ein- 
zelheiten des Materials, den Totaleindruck des Gegenstandes ent- 
scbiedener vermittelt. Eine Erganzung findet das Buch in der 
gleichzeitig erscbienenen Roma sotterranea desselben Autors, 
welcbe die Details behandelt v. E. 



Aufs&tze in Zeitsehriften. 

Das Ausland: Nr. 4. Der Stevin'sche Windwagen (um 1600).— 
Nr. 5, S. 100. Die Nachgrabungen auf den Pfahlbauten Ro- 
benbausen und Niederweil. In den Jahren 1870 bis und mit 

1872. (Jakob Messikomer.) 

Das neue Blatt: Nr. 19 ff. Kalendergeschichte^ Kulturhistori- 

sche Skizze von Dr. A. E. Mailer. 
Die Gegenwart (von P. Lindau): Nr. 2. Zur Statistik des Klo- 

sterwesens in Elsafs-Lothringen. (A. Schreiber.) 
Deutsche Gemeindezeitung: Nr. 3. Das Archiv der Stadt 

Erfurt 
Die Grenzboten: Nr. 2, S. 53. Das Grabmal des beiligen Se- 

bald zu Niirnberg. (R. Bergau.) 
Literar. Handweiser: Nr. 180. Nicolaus Copernicus. (Mit einem 

Ueberblick der Scbriften, die sein Leben betreffen). (Franz 

Huhkamp.) 
Im neuen Reich: Nr. 5. Reim u. Rhythmus im Deutschen und 

Romanischen. (H. Schuchardt.) 
Jahrbuch des deutschen Protestanten-Vereins: 1872. 

Das Strafverfahren nach dem Hexenspiegel. (Rassow.) — Jo- 

bann Amos Comenius. (Seyffarth.) 
Der Katholik: Decbr. Die Inclusen und Inclusinen des Mittel- 

alters am Mittelrhein. — In Sachen der Canonisation Alberts 

d. Gr. 
Neue Evangel. Kircbenzeitung: Nr. 7. Zur 400jahrigen Ge- 

burtsfeier des Kopernikus. 
Korrespondent v. u. f. Deutschland: Nr. 64ff. Studien zur 

Kunstgeschicbte von Niirnberg. VIII. Eine alte Werkzeichnung. 

(R. Bergau.) — Nr. 85. Der Bernsteinhandel ira Alterthum. 

(Schw. M.) — Nr. 92. Regiomontanus und Kopernikus. 
Kunst u. Gewerbe: Nr. Iff. Wendclin Dietterlin. Ein Strafs- 

burger Kiinstler des 16. Jahrh. (O. v. Scborn.) 
Illustr. deutsche Monatshefte: Nr. 4 (196), S. 438. Seba- 
stian Bach*8 Lebenslauf und Kflnstlerart. (Louis Kohler.) 
Organ f. christl. Kunst: Nr. 23 ff. Die hervorragendsten Sce- 

nen aus dem Leben der allerseligsten Jungfrau, welcbe durcb 

die Kunst (Sculptur u. Malerei) ganz besonders verberrlicht 

wurden. I. Die Eltern der h. Jungfrau Joachim und Anna. — 

1873, Nr. 1 ff. Auch etwas flber den Dom zu Koln am Rhein. 
Norddeutsches Protestantenblatt: Nr. 51. Wobin gehdrt 

der Altar in christlichen Kirchen? 
Deutscber Reichs-Anzeiger: Beil. Nr. 3. Friedrich Heinricb 

Johann von Farenheid. (Nekrolog.) 
Oesterreich. Vierteljabresschrift f. katbol. Tbeologie: 

ll.Jahrg., 3. Heft, 1872. Die Protestantisirung des Tullnerfel- 

des. Ein Beitrag zur Kirchengeschichte. (A. Kerschbauer.) 
Die illustr. Welt: 1873, S. 314. Kunigunde von Orlamunde. 

(Wilhelm Petsch.) 
Wocbenblatt d. Joh.-Ord.-Balley Brdbg.: Nr. 4f. Ein 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit 



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roroaisches geistliches Schauspiel. Auszug aus einer hand- 

8chriftlichen Abhandlung iiber dasselbe and em Lustflpiel in 

derselben Sprache. — Der Sichelorden. 
Siebenbarg.-deutsches Wochenblatt: Nr. 1. Bericht iiber 

kirchliche Alterthumer. (L. Reissenberger.) 
Oesterr. Wochenschrift: 52. Heft (1872). Die Herkunft der 

Seller. 1. 2. (W. Obermuller.) — Oesterreichs Waffenfabrika- 

tion im Mittelalter. 
Zeitschr. f. bild. Eunst: Heft 4, S. 126. Kunstgeschichtliche 

Miscellen aus deutschen Historikern. I. (A. Horawitz.) 
Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 26. Hans Holhein d. J. ein gebor- 

ner Augsburger. (Wilh. Schmidt.) 
Illustr. Zeitung: Nr. 1545. Aus dem alten Munchen. (Earl 

Albert Regnet) — Nr. 1546. Zur vierten Sacularfeier der 

Geburt des Nik. Kopernicus. 



Vermischte Nachrichten. 

9) Bei Gelegenheit der vierten Sacularfeier des Ge- 
burtstages von Copernicus wird u. A. auch die fruher schon 
vielfach erorterte Frage nach seiner nationalen Herkunft neuerdings 
ventiliert. Nach dem Korr. v. u. f. D., Nr. 77, fdhrt die Schles. 
Ztg. den Nachweis, dafs der grofse Astronom nicht polnischer Her- 
kunft sei, sondern aus dem schlesischen Eulengebirge , und zwar 
aus dem hinter Silberberg belegenen Orte Eoppriche stamme, der 
ehedem nach einer vom Jahre 1369 datierten Urkunde Koppernik 
geheifsen und in dessen Nahe ein Kupferbergwerk betrieben wor- 
den. Die in Frankenstein ansassig gewesenen Vorfahren des beruhm- 
ten Astronomen schrieben sich „Koppirnick, Koppernigk und Eop- 
pernick" und waren nachweislich Kupferschmiede ; auch sein Vater 
trieb einen Eupferhandel. Die in Bohmen seit Ottokar H. einge- 
wanderten Bergleute waren Deutsche und erhielten das Glatzer 
Land oberwiesen, wo sich seitdem fast nur deutsche Ortsnamen 
bildeten. — Nr. 90 des Eorr. bringt die Inschrift, welchc Coper- 
nicus auf seinGrabmal in derJohanniskirche zu Thorn setzen liefs, 
wie folgt: 

Non parem Pauli gratiam requiro, 

Veniam Petri non posco, sed quam 

In cruris ligno dederas latroni 
Sedulus ore, 
nebst einer Hervorhebung der Verstofse gegen Prosodie und Me- 
trum in der ersten und zweiten Zeile. 

10) Auf Befehl des Fursten Georg von Schwarzburg- 
Rudolstadt ist der Anfang gemacht worden, die in dessen Be- 
sitz befindlichen, grofsen Theils aufserst kostbaren Alterthums- 
denkmaler auf photographischem Wege zu verviel- 
faltigen und so grofseren Ereisen zuganglich zu machen. Die 
herausgekommenen ersten acht Blatter bringen Abbildungen von 
Grab fund en und einzelner Stiicke der reichen Gewehrsammlung zu 
Rudolstadt und Schwarzburg. Unter den ersteren ist ein Theil 
eines interessanten Fundes von Bronzegegenstanden , welche zu 
Gdllingen bei Frankenhausen in einer grofsen Urne beim Ackern 
aufgedeckt wurden; unter den anderen eine der hubschen kleinen 
Eanonen mit der Eidechse, vom J. 1537, sowie mehrere pracht- 
voll eingelegte Gewehre vom Ende des 16. und dem Anfang des 
17. Jahrhunderts. 



11) Gelegentlich der Erdarbeiten fur den bei B a 1 i n g e n (Wurt- 
temberg) zu erbauenden Bahnhof fand man unweit der Eyach, an 
einem Hflgel, in einer Tiefe von vier bis fQnf Fufs 8 — 9 wohl un- 
terscheidbare Grabstatten mit menschlichen Skeletten. Die 
einzelnen Individuen zeigen nach ihrem Enochenbau mannliches 
Geschlecht, sind iiber mittlerer Grofse, und liegen mit dem Gesicht 
gegen Osten gekehrt, jedes fur sich in besonderer Ruhestatte. 
Bei den meisten dieser Erieger nnden wir noch deutlich erkenn- 
bar, wenn auch stark oxydiert, das kurze Schwert, eine Lanze mit 
langer Spitze, wol auch noch einen Dolch. Bei einem Individuom, 
dessen ungewohnlich starkes Enochengeroste einem besonders statt- 
lichen Mann angehoren mufste, traf man unterhalb des zerspalte- 
nen Schadels desselben, aufser den schon erwahnten Waffen, in der 
Gegend der Halswirbel eine Agraffe oder Broche, deren goldene 
Schmuckplatte mit feiner Filigranarbeit versehen und mit farbigen 
Steinen besetzt ist ; auf der silbernen Riickseite lafst sich die Art 
und Weise, mit welcher die Broche das ietreffende EleidungsstOck 
zusammengehalten hatte, deutlich erkennen; an der Hufte des 
Skeletts liegen Schnallen und andere Ueberbleibsel vom Wehrge- 
hange. An\ Fusse des Grabes fand man eine Reihe von Schmuck- 
gegenstanden, Lasurperlen, Fingerringe in der Form sich in den 
Schwanz beifsender Schlangen, Rosetten mit feiner Arbeit und 
zierlichen Arabesken, sammtlich von Bronze und stark oxydiert 
Ein kleines Ereuz von demselben Metall, ein silbernes Beschlag, 
ohne Zweifel zu einem Buche gehorig, ebenfalis mit dem Zeichen 
des Ereuzes versehen, deuten auf christliches Zeitalter. Aehnliche 
Schmuckgegenstande , welche seinerzeit in Rottweil ausgegraben 
wurden, hat man von sachverstandiger Seite als aus dem 5. und 
6. Jahrhundert herruhrend bezeichnet 

(Eunst u. Gewerbe, Nr. 2.) 

12) Am 13. Februar deckten Arbeiter im westlichen Flogel 
des Ereuzganges von St. Paul in Worms eine Reihe alterer 
Graber auf. Zu oberst fand sich ein aus Backsteinen leicht ge- 
mauertes Gewolbe, jedenfalls aus der letzten Zeit des Stifts, wo- 
rauf die Bauweise und die hohe Lage deuten. Der darinnen be- 
findliche Holzsarg war leer. In einer Tiefe von drei Fufs unter 
der gegenwartigen Bodenoberflache stiefs man auf einen regellos 
und schief iiber die im Folgenden besprochenen Sarge gelegten 
Grabstein von grofster Form. Ein zu demselben gehoriges Grab 
war nicht bemerkbar. Noch tiefer (sieben Fufs unter der Ober- 
flache) lagen in gleicher Hohe und geordnet neben einander Stein- 
sarge, Steinkisten, wovon der eine noch seinen Deckel hatte. Bis 
jetzt sind 8 Sarge ausgegraben. Auch fand sich noch ein Scha- 
del sammt Hauptknochen. Die Sarge, von roher Arbeit, gut er- 
halten, laufen nach unten schmaler zu; sie gehdren der altesten 
Zeit des im Anfange des elften Jahrhunderts vom grofsen Bischof 
Burkard I. gegrundeten Stifts an. Beim Weiterfuhren der Arbei- 
ten werden wohl noch andere Funde zu Tage kommen. 

Was im Besonderen St. Paul betrifft, so diene zu wissen, dsis 
dieser Ort zu den geschichtlich merkwurdigsten der Stadt gehort 
Dort stand das Schlofs der rheinfrankischen Herzoge. Es war wahr- 
scheinlich die Geburtsstatte, sicher aber die Wohnstatte Herzogs 
Konrad, der in der Ungarschlacht 955 fiel und mit grofsem Pomp 
im Dome begraben wurde, desgleichen Bruno's, der als 24jabriger 
Jiingling unter dem Namen Gregor V. den papstlichen Thron be- 
stieg und die Eirche glorreich regierte. Noch zeigt man in den 
vaticanischen Grotten unter dem St. Petersdom zu Rom die Grab- 



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Anzeiger far Kunde der deutschen Vorzeit. 



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platte, die da berichtet, daf8 dieser Gregor der Domschule zu 
Worms seine glanzende Ausbildung verdankte, und dafe er in drei 
Sprachen das Volk zu belehren verstand. Dicselbe Domschule be- 
luchte sein Neffe, Kaiser Konrad II., der erste Erbauer des Kaiser- 
doms zu Speier nnd ein Zogling des Bischofs Burkard, der den 
sanftmuthigen Knaben aus dem Schlosse auf dem Paulusplatze zu 
sich nahm, um ihn auszubilden. 

Kaiser Heinrich II. schenkte das Herzogsschlofs dem Bischof 
der Stadt. Dieser wandelte es in ein Stift um. Welche beruhmte 
Manner die Geschichte dieses Stifts verherrlichen, erlaubt der Raum 
nicht, hier anzufuhren. (Neue Worms. Ztg., Nr. 39.) 

13) Auf einem Bauplatze an der Bieb richer Chaussee wurden 
?or Kurzem 3 Fufs tief, umgeben von Kalksteinen, 43 Stuck alte 
Silbermunzen ausgegraben. Es sind durchgangig Mainzer 
Munzen, der Mehrzahl nach unter Erzbischof Adolf II., Grafen 
von Nassau, 1461 — 1475, gepragt und bestehen grofstentheils in 
einseitigen Pfennigen, welche in einem gespaltenen Schilde das 
Mainzer Rad und den nassauischen Lowen mit daruberstehendem 
A fuhren. Andere Pfennige dieses Fundes sind mit dem Wappen 
von Trier, Mainz und Churpfalz versehen und auf Grund gem ein- 
Bchafllicher Monzvertrage ausgepragt worden. , Einige der Munzen 
sind von der Stadt Mainz gepragt; es sind einseitige Heller und 
zeigen in einem Perlenkranze einen Schild mit dem Rade und da- 
runter im Bogen drei Kronen als das Wappen der Stadt Kdln, 
mit welcher die betreffenden Stucke in Gemeinschaft geschlagen 
wurden; endlich Heller mit dem Rade und daruberstehendem B, 
welche im Vereine mit der Stadt Bingen geschlagen wurden. 

(Numismat. Ztg., Nr. 1.) 

14) Auf dem hohen Chore der Neuwerker Kirche in Goslar 
wurden vor einiger Zeit uberttinchte Wandmalereien entdeckt. 
Der Magistrat veranlafste nahere Untersuehung und, wie das dor- 
tige Kreisblatt berichtet, ist schon jetzt, nachdem erst ein Theil 
des Ueberstrichs und der Staubablagerung vorsichtig entfernt wor- 
den, nach dem Urtheile Sach vers tan dig er festgestellt , date der 
Kunstwerth jener Malereien ein ganz aufserordentlicher ist. Ober- 
baurath Salzendorf, bekannt durch seine vom Kdnig Friedrich 
Wilhelm IV. angeordnete kunstlerische Mission nach Konstantino- 
pel, war bei seiner, durch die Restauration des Kaiserhauses ver- 
anlafsten, Anwesenheit in Goslar ersucht, die Malerei in der Neu- 
werker Kirche in Augenschein zu nehmen. Er aufserte sich nach 
kurzer Prflfung dahin, dafs hier Kunstschatze so seltener Art ver- 
borgen seien, wie vielleicht in keiner anderen Kirche Deutschlands. 
Zu der vom Magistrate beabsichtigten Restauration schlug er Pro- 
fessor Welter vor, und wie das gen. Blatt mittheilt, wiirde die 
Herstellung der Malereien, die eine weit grofsere Ausdehnung ha- 
ben, als man anfanglich vermuthete, sich mit Sicherheit ausfuhren 
lassen. (Korr. v. u. f. D., Nr. 87.) 

15) Der zweite Jahrgang der neuen Folge der von Dr. J. H. 
Muller herausgegebenen „Zeitschrift fur deutsche Kultur- 
geschichte" wird u. a. folgendo Mittheilungen bringen : Wiirz- 
burg im 12. Jahrh., von Prof. Wegele; die Frauen in der deut- 
schen Geschichte, von W. v. Giesebrecht; die politische und so- 
cial-politische deutsche Lyrik in unserm Jahrhundert, von Prof. 
Honegger ; drei Jahre aus dem Leben einex deutschen Reichsstadt 
(Nuraberg), von Dr. A. v. Eye; die alten Brttderschaften in Bre- 
men, von J. G. Kohl; deutsche Soldtruppen im Dienst der Re- 
publik Venedig, von Archivrath Kaufmann ; Pasquille des 17. Jahrh., 



v. Prof. Zahn; die Entwicklung der deutschen Volkswirthschaft, 
und: die Verhandlungen des sachsischcn Kurfiirsten Christian II. 
mit seinen Landstanden 1601 — 1609, von Staatsarchivar Dr. Falke; 
zur Geschichte der Klosterwirthschaft, von Prof. Horawitz. 

16) Bei der Vornahme von Bodenuntersuchungen in der auf 
der Nordseite des Doms zu Worms angebauten Aegydienkapelle 
fand sich zunachst das Epitaph des Bischofs Reinhard 
von Sicking en (gest. 1482). Der ehemalige Messinggufs, wel- 
cher den Bischof im bischoflichen Ornate darstellt, ist schon langst, 
wahrscheinlich seit 1689, verschwunden. Die Platte verdeckt die 
gewolbte Gruft des Bischofs. Mehrere Stufen fuhren in dieselbe. 
Die sehr vermoderte Leiche liegt in einem sehr einfachen Holz- 
sarge, der keine Spur von Bemalung oder Ornament zeigt. Aus 
dieser Einfachheit, sowie aus der geschichtlich uberlieferten That- 
sache, dafs die Leiche aus dem Sterbeorte Ladenburg, der bischof- 
lich-wormsischen Stadt am Neckar, nach Worms uberfiihrt werden 
mufBte, lafst sich schliefsen, dafs eine bedeutende Aenderung statt- 
fand. Entweder ist der gegenwartige Holzsarg ein schlechter Er- 
satz fur den altera bessern, oder der gegenwartige war der Innen- 
sarg, den ein besserer, vermuthlich Metallsarg umgab. Bei der 
ersten Eroffnung liefs sich sofort eine friihere unbefugte Eroff- 
nung, wenigstens der Gruft, constatieren. Die Treppen lagen im 
Schutt und Geroll verdeckt, welches sich sogar bis in die Halfte 
des Bodens der Gruft fortgearbeitet hatte. Das Kopfende des 
Sarges lag in diesem Schutte, damit auch Kopf und Oberkorper 
der Leiche. Das deckende Brett war verrockt. Der Verstorbene 
trug ein seidenes Mefsgewand, rothseidene Handschuhe. Der Scha- 
del allein ist gut erhalten. Der Bischof Reinhard, ein tuchtiger 
Mann seiner Kirche, ist Erbauer der Kapelle, wie er auch testa- 
mentarisch eine Summe Geldes fur den neuprojectierten und un- 
ter seinem Nachfolger Joh. v. Dalberg begonnenen Kreuzgang aus- 
warf. Die Fenster der Kapelle enthielten Glasmalereien. 

17) Mit Bezug auf den Aufsatz in Nr. 12 d. vor. Jahrgangs 
dieses Blattes (vermischte Nachrichten, Nr. 140, Sp. 399 f.) sind 
wir in der angenehmen Lage, melden zu konnen, dafs die dort 
behandelte Frage vielseitige Beach tung gefunden. Die Presse er- 
orterte dieselbe, und insbesondere besprach sie ein Artikel in der 
Augsburger Allgem. Zeitung von Prof. Hegel in Erlangen aufs 
Eingehendste. Eine Petition des hiesigen Patriziates und eine 
zweite aus dem Kreise der hiesigen Biirgerschaft giengen nach 
Munchen ab, um fur Belassung des Archives in Nuraberg zu wir- 
ken. Sicher ware die Agitation noch viel lebhafber ge worden, 
wenn nicht die seitherige Abgeschlossenheit des Archives das- 
selbe so ganz aufser Beziehung zum grofsen Publikum gehalten 
hatte. Se. Excellenz der Herr Minister des Innern kam dieser 
Bewegung freundlichst entgegen, gab sofort Befehl, die Ueber- 
siedelungsarbeiteu zu sistieren und trat mit der Stadt in Unter- 
handlung, indem er anbot, das Archiv dort zu belassen, wenn die 
Stadt unentgeltlich Lokale dafur bestelle. Von Seite der Stadt- 
behorden wurde eine Commission eingesetzt, um die Verhandlun- 
gen zu leiten und zu ermessen, bis zu welchem Grade die Stadt 
Opfer bringen konne. 

So ist denn Hoffnung-gegeben, dafs diese wichtige Quelle fur 
ge8chichtliche Forschungen NOraberg erhalten bleibt, da ohne 
Zweifel die Stadt bereit sein wird, ein Opfer fur das Denkmal 
ihrer alten Herrlichkeit zu bringen. Immerhin jedoch kann man 
in dieser Beziehung ein liber gewisse Grenzen gehendes Opfer von 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



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der Stadt nicht verlangen ; es bleibt daher auch fur den Staat die 
Pflicht eines solchen bestehcn. Das Archiv enthalt nicht ausschliefs- 
lich das Material fur die Geschicbte der Stadt, sondern es sind 
damit einige andere Archive seiner Zeit vereinigt worden, deren 
Material im engsten Zusammenhange mit dem nurnbergischen 
stent, und dies Archiv ist einmal Eigenthum des Staates, nicht 
mehr der Stadt. Wenn nun jene Lokalitaten, die das Archiv bis- 
her im Rathhause inne hatte, beschrankt und in sonstiger Weise 
unpassend waren, so ist es nur billig, dafs der Staat, aufser jenen 
20,000 fl., die ihm fur Raumung des Rathhauses zukommen, noch 
mehr aufwende, wenn er statt derselben grofsere und passendere 
erhalt. 

Die leeretehenden Raume in Eichstadt konnen nicht in Be- 
tracht kommen. Wenn man sie durchaus verwenden will, so mo- 
gen sie zu Anderem dienen. Warum verlegt man nicht das kgl. 
Reichsarchiv aus Miinchen dahin, warum nicht die Glyptothek oder 
Pinakothek? Weil das eben nicht geht. Aber ebensowenig geht 
es an, das Nurnberger Archiv dahin zu verlegen, welches m Niirn- 
berg bleiben mufs, weil es dahin gehdrt. Das germanische Mu- 



seum hat ein lebhaftes Interesse an dieser Frage ; schon als erdriert 
wurde, wo es seinen Sitz nehmen solle, war gerade das reiche 
kulturgeschichtliche Material des kgl. Archiv s einer der ausschlag- 
gebenden Grunde fur Niirnberg. Aus diesem Grunde bat auch das 
Direktorium des germanischen Museums an Se. Excellenz den Herrn 
Minister die Bitte gestellt, selbst wenn er jene Opfer, welche die 
Stadt zu bringen im Laufe der Verhandlungen sich bereit zeigt, 
fiir zu gering halten sollte, nicht die Wiederaufhahme der Ueber- 
tragungsarbeiten befehlen , sondern mit dem Museum , in Unter- 
handlung treten zu wollen , welches vielleicht die Lokalfrage in 
Verbindung mit seiner eigenen Lokalfrage bringen und so die 
Ldsuug ermoglichen konne, da sicherlich Patriziat und andere 
Private auch einige Opfer zu bringen bereit sein werden. In letz- 
ter Linie miifste das Museum selbst auf Kosten seiner eigenen 
Entwicklung fur die Sache eintreten, damit nicht einer der Fak- 
toren, welche der Stadt die Berechtigung des Besitzes unserer 
nationalen Anstalt geben, der Stadt und damit dem Museum ent- 
zogen werde. 

A. Essenwein. 



Anfragen. 



1) Der Unterzeichnete bittet um Nachweisung folgender, ver- 
muthlich in Mittel- oderSiidostdeutschland gelegener Oertlichkeiten : 

a. Furstinawe. Otto Herzog von Meran und Pfalzgraf von 
Burgund stellt 25. Dec. 1243 fiir seinen Vasallen Eberhart von 
Widdersberg eine Urkunde aus : „Datum apud Furstinawe castrum 
nostrum" (Monum. Boica VIII, 182—83). Da in dieser Urkunde 
mit Bezug auf die Ammerseegegend gesagt wird : ^secundum ydi- 
oma terre illius", so scheint der Ausstellungsort weit davon 
entfernt, denn son3t wOrde es wol „istius" heifsen. Die Zeugen 
gehoren den frankischen Geschlechtern der F6rt9ch (von Thurnau), 
von Plassenburg, Streitberg und Schaumberg (letzteres in Sachsen- 
Meiningen, westlich von Schalkau) an. Hormayr (sammtliche 
Werke III, 370) erklart Furstinawe als Fiirstenau im Yoigtlande, 
doch will sich mit diesem Namen dortselbst weder ein bestehen- 
der Ort, noch (vgl. Eisel, Sagenbuch des Voigtlandes, 1871) eine 
ehemalige Burg finden. Die sonst in Deutschland vorkommenden 
Oertlichkeiten dieses Namens liegen weit aufserhalb des Bereiches 
der andechsischen Besitzungen. 

b. Chusenrein. Nach einer ungedruckten , mir in neuerer 
Abschrift vorliegenden , undatierten Urkunde des Bischofes Eber- 
hart von Bamberg verpfandet an denselben beim Auszuge des 
Kreuzheeres 1147 ein Graf Poppo, zweifelsohne der Andechser, 
seine Grafschaft — wahrscheinlich die vom Hochstifte Bamberg 
zu Lehen ruhrende Grafschaft im Rednitzgau mit dem Hauptsitze 
Plassenburg — , dann er und sein Bruder Bertold ihre „infra ter- 



minos Chusenrein" gelegenen Allodien. Letzterer Name scheint 
am ehesten einen Hohenzug zu bezeichnen. 

c. Was ist die Quelle der von Cohn in den Stammtafeln z. 
Gesch. d. europ. Staaten, Taf. 150, und von Reitzenstein in den 
Regesten der Grafen von Orlamiinde, Taf. 6, gemachten Angabe, 
Sophie, die Tochter des Forsten Heinrich I. von Anhalt, sei mit 
dem (1231 Wittwer gewordenen) Herzog Otto I. von Meran (f 1234), 
dann mit Graf Siegfried von Regenstein (f 1248 ?) verheirathet 
gewesen ? 

Miinchen. Freiherr Edmund Oefele, 

Reichsarchivpraktikant. 

2) Mit einer Abhandlung uber das im 14. bis 17. Jahrh. in 
Schlesien und der Oberlausitz iiblich gewesenen Ritterrecht 
(jus equestre), auch Ehrentafel oder Ritterbank genannt, beschaf- 
tigt, wflnscht der Unterzeichnete Aufschlufs zu bekommen dar- 
uber: 

ob aufser in Schlesien und der Oberlausitz auch auch in an- 
deren Theilen Deutschlande das Ritterrecht und die Ehren- 
tafel zu Recht bestanden haben. 
In den hier in Breslau zu Gebote stehenden Quellen ist nicht ein- 
mal eine Andeutung hieriiber zu finden. 

Breslau. Julius Kdnig, 

kgl. Stadtgerichtsrath. 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Yerlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Numberg. 



Gedrackt bei U. E. Sebald in Niirnberg. 



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Nfirnborff. Dm Abonnement des Blat- 
tss, welches alia Monate erscbeint, wird 
gsnsjahrig angenommen and betragt nach 
der neuesten Postconyention bei alien Post- 
Irntern and Buobnandlungen Dcutschlandt 
ind. Oesterreicbs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fufs 
oder 9 Thlr. preufi. 

Far Frankreich abonniert man in 
Parif bei der deutsoben Bucbbandlung Ton 
F. Klincksiack, Nr. 11 rue de Lille; far 



\\zi;iw:it 



England bei Williams A Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street Covent - Oarden in London'; 
for Nord-Amcrika bei den Postamtern Bre- 
men and Hamburg. 

Alio for das german. Museum be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege dee 
Bucbbandels werden durch den Commis- 
sionar der literar. • artist. Anstalt des Mu- 
seums, F. A. Brockhaus in Leipzig, be- 
fordert. 



FOR KIMIK DER 





Nene Folge. 



Zwanzigster Jahrgang. 



1873. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 



'^odl:u: 



Mftrz. 



ODl< 



Wissenschaftliche Mittheilungen. 



Die heilige Walburg als dentsche Gaugottin in der 
Kunst des 16. Jahrhunderts. 

E. L. Rochholz weist in seiner interessanten Schrift: 
„Drei GaugOttinnen als dentsche Kirchenheilige" 
nach, wie der Verehrung der heil. Walburg, Verena und 
Get rand ursprtinglich ein heidnischer Knit zn Grunde lag nnd 
im Aberglauben nnd den Sitten des Yolkes sich lebendig er- 
halten hat, nachdem l&ngst das Christen thum die heidnische 
Ueberliefernng gel&utert nnd die Kunst den alten Vorstellun- 
gen eine durchans ver&nderte Gestalt verliehen. In besonde- 
rem Bezng auf Walburg findet sich liber dem Steinthore zn 
Antwerpen ein Reliefbild eingemauert, das zwar verstiimmelt, 
aber die heidnische Gdttin noch mit Sicherheit erkennen lafst 
nnd dessen Verehrung von Seiten der Frauen als Patronin des 
Ehesegens aus den verschiedensten Zeiten bezeugt wird. Be- 
kannter ist noch der Stein im Dorfe Emmetsheim im bayeri- 
schen Franken, der das Bild der genannten in zweifacher Auf- 
fassnng zeigt und far das Landvolk bis in das vorige Jahrhun- 
dert dieselbe Bedeutung behielt, wie der erst erwahnte. Einen 
Anklang an dieMythe in Darstellnngen spftterer Zeit will Roch- 
holz auf der in M. Rader's Bavaria sancta befindlichen, 
yon Sadeler ausgefuhrten Abbildung des Grabmales der h. Wal- 
burgis zu Eichstatt erkennen, wo unter den And&chtigen an 
den Stufen des Steinsarges ein grofser Hofhund schlafend an- 
gebracht ist Allerdings war, wie nachgewiesen, der Hund 
der heidnischen GOttin der Fruchtbarkeit geweiht; wer indefs 
bei l&ngerem Verweilen unter den Werken der ftlteren Kunst 



sich ttberzeugt hat, welche Stellung der Hund in der fruheren 
Gesellschaft tiberhaupt eiDnahm, wie er in steter Begleitung 
bei Hoch und Niedrig, zu Hause und auf der Strafse vor- 
kommt, bei Gastmahlern der Fursten heimisch, bei Rathsver- 
sammlungen und selbst in der Kirche zugelassen war, kann 
nichts Auffallendes darin sehen, wenn er in einem Haufen Be- 
tender schlafend sich findet. Am wenigsten kflnnen wir yon 
einem Mtinchener Hofkupferstecher von fremder Herkunft er- 
warten, dafs er die geheimen Ueberlieferungen eines damals 
dem bayerischen Herrscherhause noch fern stehenden Volks- 
stammes gekannt und in seinen Arbeiten berticksichtigt habe. 
Dafs gleichwohl die heidnischen Vorstellungen sich hinreichend 
wach erhielten, nm auch noch in der spateren Kunst hervor- 
zutreten, und mit dieser selbst in die Kirche sich dr&ngten, 
beweist die im unten eingefttgten Holzschnitte verkleinert wie- 
dergebene Malerei aus der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts, 
welche seit lftngerer Zeit sich in den Sammlungen des germani- 
schen Museums befindet. Das Bild ist neben einem Seiten- 
stucke von gleicher Gr5fse ein Altarfltigel aus dem aufgehobe- 
nen Cisterzienser - Nonnenkloster Seligenpforten im Bisthum 
Eichstatt. Lange Zeit im Besitz eines Bauern dortiger Ge- 
gend, der die eine — hier nicht abgebildete — Tafel sogar 
als Thur vor einem Huhnerstall benutzt, hatten sie sehr gelit- 
ten, waren in der Zeichnung indefs vollkommen kenntlich ge- 
blieben. Das Seitenstttck stellt den Bitter Georg zu Pferd 
dar, in welchem der Maler einfach den bekannten Holzschnitt 
von Dttrer B. Nr. Ill copiert hat Der in unserer Abbildung 
wiedergegebene Gegenstand mttfste v511ig unverstftndlich bleiben, 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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wenn nicht die oben bezeichneten mythologischen Untersuchun- 
gen ein Licht darauf wQrfen. Schon die Nebeneinanderstel- 
lung einer durch den Goldschein hinreichend als solche be- 
zeichneten Heiligen mit einer Fran in weltlicher Tracht, die, 
weit entfernt, die gewOhn- 
liche Stelle und Stellung der 
Stifter einzunehmen, wie eine 
Gleichberechtigte neben der 
ersteren Platz genommen, ist 
in der alter en Rnnst ohne 
Parallele und liegt so wenig 
im Begriff der kirchlichen 
Kunst uberhanpt, dafs wir 
nach einem besonderen Grund 
suchen mussen, nm es zu er- 
kiaren. Welche Heilige ist 
sodann durch das Attribut 
einer Gans bezeichnet? Sie 
kommt in Begleitung des Bi- 
schofs Martin von Tours vor ; 
im Rachen eines Wolfes ne- 
ben dem Bischof Vedastus 
von Arras. Oder nehmen wir 
an, dafs die G&nse auf un- 
serem Bilde verunglttckte 
Schwftne seien, zu welchen 
der Kunstler das Modell et- 
wa aus nachster Nahe nahm, 
so finden sich diese wieder- 
um nur neben den Bisch5fen 
Hugo, Ludgerus und Cuth- 
bert. Dazu kommt der abge- 
schnittene Gansefufs in der 
Hand der Heiligen, der durch 
nichts in der christlichen Le- 
gende gerechtfertigt ist. 

In der heidnischen My- 
theaber ist Walburg als Frtth- 
lingsgSttin Herrin der Wild- 
ganse. Auch kommt sie un- 
ter den Walkyren vor und 
wird so, wie geflugelt, auch 
schwanenflifsig gedacht. Der 
einer solchen Gfltterjungfrau 
im Kampfe von einem ihrer 
Helden abgehauene Fufs, den 
dieser unversehens traf, als 

er zum Hiebe gegen seinen Feind ausholte, und der im Verlaufe 
der Volksuberlieferung zum Gansefufe zusammengeschrumpft 
und in den zauberkr&ftigen Drudenfufs verwandelt wurde, findet 
auch in der Hand der Walburg seine Bedeutung. Sie ver- 
richtet noch als kirchliche Heilige wunderbare Heilungen, na- 



mentlich von Lahmen und Klumpfufsigen , die sonst nach dem 
Volksglauben im Morgen- und Frtihlingsthau Hulfe fanden, der 
beim Ritt der Walkyren den Mahnen ihrer Rosse enttrftufelt 
und aus dessen Bertlhrung der Fufs derselben so gut wohl- 

thatige Krafte in sich anf- 
nehmen konnte, wie Unholde 
ihn mit dem Fufs vom Grase 
streiften, um seine segenbrin- 
geuden Wirkungen fern zu 
halten. Dem G&nsebein knupf- 
ten sich auch noch im sp&- 
teren Aberglauben geheim- 
nifsvolle Eigenschaften an ; 
es wurde aus demselben, wie 
aus der G&nseleber, geweis- 
sagt (vergl. Jac. Grimm, d. 
Mythologie a 1067 f. J. W. 
Wolf, Beitrage zur deutschen 
Mythologie, S. 48). 

Auch in den sonstigen 
Darstellungen der heil. Wal- 
burg kommen Andeutungen 
vor, welche an deren heid- 
nische Vergangenheit erin- 
nern, wenn bereits auch mehr 
in das Gewand christlicher 
Legendenbildung gehullt Auf 
ihrem Grabstein in der Klo- 
sterkirche zu Heidenheim am 
Hahnenkamm v. J. 1484 er- 
scheint sie zwar rein als Aeb- 
tissin, in der rechten Hand 
den Stab, in der linken ein 
Buch haltend. Zwei zu bei- 
den Seiten fiber ihr schwe- 
bende Engel setzen eine Krone 
auf ihr Haupt. Unter ihren 
Fufsen windet sich, so weit 
sich noch erkennen l&fst, eine 
Schlange. Ueber dieser liegt 
das danische Wappen, das 
ohne Zweifel die der Heili- 
gen von der Legende zuge- 
theilte angels&chsische Ab- 
kunft festhalten soil. Das 
gewdhnliche Attribut der 
Heiligen aber ist das Fl&sch- 
chen mit dem wunderthfttigen Oele, welches ihren Gebeinen 
nach ihrem Tode entstrOmte und an den theils von ihr gespende- 
ten, jedenfalls unter ihrer Obhut stehenden heilkr&ftigen Thau 
erinnert. Doch kommt sie auch mit dem Abzeichen dreier Aehren 
vor, und diese hangen mit ihrer ehemaligen Bedeutung als Bringe- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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rin des Sommers naher zusammen. Nicht nur steht das Frucht- 
korn ursprunglich unter ihrer Vorsorge, sondern die sp&tere 
Sage weiset ibr auch in einem Aehrenfelde Zuflucht an, vor dem 
sie verfolgenden wilden Heere, wozu die Beobachtung Anlafs 
gegeben haben mochte, dafs die nach Beginn des Mai oft noch 
mit winterlichem Ungestum wieder hervorbrechendeu Schnee- 
und Regensturme in den Saaten doch eine Grenze ibres feind- 
lichen Auftretens finden and bier durcb Trankung des Erd- 
bodens vortbeilbaft wirken mttssen. Docb sind die Aebren als 
Zeicben der gewahrten menschlicben Nothdurft tiberhaupt ancb 
in die Hande der heilspendenden Gottesmutter ttbergegangen 
(s. Rochholz, im angegebenen Werke, S. 25 ff.), and die Mar- 
tinsg&nse baben aucb ursprunglich mit dem Biscbofe von Tours 
nichts za tban, sondern giengen auf diesen ebenfalls aus dem 
Heidenthum tiber, wenn auch auf anderem and nicbt so di- 
rectem Wege wie bei der heil. Walburg. Diese dttrfte indefs 
in der Kunst kaum zum zweiten Male in deren Gesellscbaft 
anzutreffen sein. 

Dem Verfertiger anseres Altares sind offenbar die sonsti- 
gen Darstellungen dieser Heiligen nicbt unbckannt gewesen; 
wahrscbeinlich bat ihm der in seiner Nahe befindliche Grab- 
stein vorgeschwebt ; denn die Kleidung ist im Wesentlichen 
dieselbe, aus Weibel, W impel and Mantel zusammengesetzt 
Nor das Scapulier ist nicbt deutlich za erkennen. Aber die 
einer Benedictinerin zakommende schwarze Farbe ist so ent- 
schieden verlaugnet, dafs wir diesen Umstand unm5glich aos 
einem Irrthum erklaren kOnnen. Kopf- and Halsbedeckang 
sind weifs, das Unterkleid dunkelgrttn, der Mantel blafsrotb. 
Es kann wol keinem Zweifel anterliegen, dafs der Ktinstler 
die eigentliche christliche Heilige nicbt hat darstellen wollen, 
wemgstens nicbt in der Eigenscbaft, in der sie in der kirch- 
lichen Legende auftritt. Die Lflsung des Ratbsels, vor wel- 
cbem wir nns befinden, kann nur der ganzen Darstellung ent- 
nommen werden. Wir sehen zwischen beiden dargestellten 
Personen einen Baom mit zum Theil dttrren, zum Theil be- 
laabten, fruchttragenden Zweigen. Die FrQcbte gleicben Kir- 
schen, das Laub ist weidenblattfOrmig. Vielleicht vermied der 
Zeichner absicbtlich, eine bestimmte Gattung Baume zu cha- 
rakterisieren, um die Bedeutung eines Symboles pragnanter aus- 
zudrucken. Die Frau hat, indem sie die Heilige bedeutungs- 
voll anblickt, die linke Hand an eine Frucht gelegt and ist er- 
sichtlicb im Begriff, sie za pflucken, wahrend die rechte auf 
dem scheinbar gesegneten Leibe ruht 

Ein spat oder unter auffallenden Umstanden tragender 
Fnxchtbaum hat aber bekanntlich im Yolksaberglauben die Be- 
deutung, dafs das Hans, zu welchem er gehOrt, durcb Zuwachs 
seiner Bewohner erfreut werden soil. Nehmen wir nun hinzu, 
in welcher Eigenscbaft gerade in der Gegend, in welcber wi- 
ser Gemalde entstanden, das Andenken an die altheidnische 
Walburg sich erhalten, wie noch im vorigen Jahrhundert kin- 
derlose Frauen zum Emmetsheimer Steine wallfahrteten, um 
dort Erfullung ihrer Wunsche zu erflehen, so ergibt sich die 



Deutung des rftthselhaften Bildes ganz angezwungen. Die Frau 
neben dem Baume, der Tracht und dem reichen Schmucke 
nach einem vornehmen Stande angehOrend, war vielleicht auch 
in Emmetsheim gewesen, ihre Bitte erhtfrt worden, und nach 
alter Sitte hatte sie eine Stiftung gelobt Auf dieser mufste 
die wundertbatige Segenspenderin um so mehr hervortreten, 
als sie ja durcb die That ihre fortdauernde Macht bekundet. 
In die Kirche konnte sie naturlich nur als Heilige Eintritt fin- 
den, und sie so auszustatten, gieng um so leichter an, je mehr 
in der Vorstellung der Zeit der Unterschied zwischen der ur- 
sprunglichen GaugOttin und der sp&teren Heidenheimer Aebtis- 
siu sich verwischt baben mochte. Zwar sollte bei dieser Ge- 
legenheit die eigentliche Heilige nicht in Betracht kommen. 
An deren Yermittlung hatte man sich ja nur um das ewige 
Seelenheil wenden kflnnen. In diesem Falle wttrde ohne Zwei- 
fel die fromme Stifterin, wie es Gebrauch, sich in kleinerer 
Figur und beteuder Stellung zu Fufsen ihrer Patronin haben 
darstellen lassen. Unter gegebenen Verhftltnissen durfte sie 
schon in traulicherer Nfthe zu ihrer Helferin sich gesellen. So 
konnte diese auch mit Abzeicben ihrer ehemaligen Wttrde, dem 
rothen Mantel, wie mit Attributen abgebildet werden, die sie 
von der kirchlichen Heiligen wenigstens in soweit unterschie- 
den, dafs mehr die Walburg des Volksglaubens als der Legende 
in den Vordergrund trat. Es konnte diese ganze Auffassung 
um so mehr durchgefuhrt werden, als frtther ja auch die letz- 
tere den heidnischen Glauben nicht schlechtweg verworfen, son- 
dern demselben nur christliche Begriffe untergeschoben hatte. 
Wie frtther die Eirche mit dem Volke, so haben wir nun den 
merkwttrdigen Fall, dafs das Volk mit der Kirche accordiert 
Beide haben, wie ersichtlich, in frtther und spater Zeit sich 
wohl geeinigt, bis ganz andere Epochen ttber den Fall hinge- 
gangen und der Wissenschaft ttberliefert haben, was bis dahin 
als Sache des Glaubens immer einen Rest des Zweifels ttbrig 
gelassen. 

Nurnberg. v. Eye. 



Aus dem Briefbnche des Meister Simon vonHomburg*). 

(Schlufs.) 
V. 
Dem Preise der Stadt Lttbeck in dem vorhergehenden 
Briefe wollen wir gleich ein Lied folgen lassen (f. 267 v.), in 
welchem ebenfalls von der Herrlichkeit dieser, damals in vol- 
ler Blttthe strahlenden Stadt die Rede ist, zngleich aber 
auch dieselbe zur Frftmmigkeit und andcren Tugenden ermahnt 
wird, welche in der bOsen Welt sonst nicht mehr zu finden 
seien. 



*) In Nr. 1 des Anzeigero, Sp. 7, Z, 3 v. u, ist obiectionem 
zu leaen. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Verschiedene offenbare Fehler der Handschrift habe ich 
zu yerbessern versucht, die ursprtingliche Lesnng unten hin- 
gesetzt. 

1 Ventorum multis flatibus pro criminum reatibus 

Lex iuris fatigatur. 

2 Emarcet iam iusticia, prefulget avaricia, 

Favorque iudicatur. 

3 Nautarum heu naufragium in terrisve incendium 

A nulio relevatur. 

4 Invadit strages varia mox terras atque maria : 

Gwerris fomentum datur. 

5 Rapina, furtum, spolia, vix reputantur vicia: 

Sic regna depravantur. 

6 Usura, sacrilegia, negocia nepharia 

Per orbem principantur. 

7 Emenda tn pericula, lucerna Lubeck fulgida, 

Ne tua lux fuscetur. 

8 Ne sol in te deficiat, cruorem lone incidat, 

Ne in te ve creetur. 

9 Ne aurum tuum defluat, aquila neve corruat, 

Ne iubar pallietur. 

10 Set dens in te scateat, ne fons salutis lateat, 

Jnsticia sectetur. 

11 Tua precelsa gloria ne vibret spurca scoria, 

Ne sceptrum anferator. 

12 Insignia fama aorea illustret orbis climata, 

Laos honor angeatnr. 

13 Condoleat magnifica sublimis tna gracia 

Iniariam perpessis. 

14 Xux toa conctis cernitur, umbratile cum spernitur, 

Quietis meta fessis. 

15 Extende signnm federis, nimis cam ventis lederis, 

Ne turbine mergaris. 

16 Non tantum transitoria, set querito celestia, 

Ut Sanctis nniaris. 

17 Tu Lubeck lux virtutum, extende anna, scutum: 

Pugna pro patria. 

VI. 

Die Verse, welche den letzten Theil des Briefbuches fal- 
len, gewahren die bunteste Mischung von Scherz und Ernst. 
Auf die schon im Anzeiger 1871, Sp. 307 erwahnten Schmah- 
verse auf dieWeiber: „Noscere qui quaeris" (f. 236) folgt die 
ernsthaft gehaltene, weit verbreitete und in vielen Handschrif- 
ten erhaltene Mahnung: „Viri venerabiles, sacerdotes dei u ; 
dann ein weit roheres, in der Form verkttnsteltes Klagelied 
fiber das Concil zu Basel und die durcb dasselbe erfolgte Ab- 
setzang des Papstes Eugen. Als charakteristisch fttr dieZeit, 



mOge demselben hier ein Platzchen gegdnnt sein, obgleich es 
zum Theil kaum verstandlich ist 



1, 2 relatibus. — 2, 3 Fauor. — 3, 1 Nautorum. — 3, 2 ter- 
ns ne. — 4, 1 8tragi8. — 4, 2 terns. — 9, 2 ne. — 11, 2 scores. 
— 11, 3 ceptrum auferetur. — 15, 2 minus ventis. 



Anno Chri8ti 


quo scripsisti 


M C quater 


XL, pater 




mundi impugnatur. 


Basilea 


in hoc rea 


Extat clare, 


quod amare 




iustus sic dampnatur. 


Clericorum 


nunc proborum 


Flaunt treni, 


Nazareni 




vestis laceratur. 


Dividitur 


succiditur 


Velud lignum 


capud dignum, 




a membris detruncatur. 


2 En tantus 


luctus planctus 


Instat mundo 


gemibundo 




scismatis errore. 


Falsitatis 


veritatis 


Jam est bellum 


et duellum 




magno cum furore. 


Galeata 


et armata 


Vincit prima, 


iacet yma 




prostrata cum merore. 


Hie est nummus 


iudex summus, 


Decretista 


et legista 




abs omni pudore. 


3 Justos punit, 


reos munit 


Dignos sternit 


et prosternit 




et indignos prehonorat 


Kathedratur, 


infulatur 


Jam ignarus 


et avarus, 




deum quoque (qui) ignorat 


Litterati 


graduati 


Non curantur, 


postergantur, 




Rama quod deplorat. 


Moniales 


sunt hostiles (sociales?) 


Heremite 


urbanite, 




monachus non orat 


4 Non est fides, 


uti vides, 


In prelatis 


exaltatis, 




neque in subiectis. 


Omnes errant, 


ut pro^ternant 


Petri sedem 


infra pedem 




iuribus neglectis. 


Participes, 


o principes 


Non (vos) sitis, 


hiis, set lis sit 




vobis cum non rectis; 


Qui commendas 


et prebendas 


Querunt pigwes 


et biligwes 




sunt in suis sectis: 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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5 Reprobantes 
Quem vex celi 

Sedem Cristi, 
Bene rexit 

Tractatores 
Convenite, 

Unara partem, 
Eligatis, 



et dampnantes 

pro fideli 
eligit succedere. 

at legisti, 

et protexit 
magno cum honore. 

electores, 

diftinite 
mundi pro decore. 

rectam artem 

presentatis 
dei pro amore. 



Ymmo rogo 
Ne declines 

Zelum zela: 
Dens gratnm 

Et coronam 
Tibi gratis 



6 Cristianus rex Romanus 

Execntor sis et tutor 

partis sanioris. 
te, non cogo, 
ad affines, 
set semper melioris. 
hac cantela 
tuum statnm 
facit cunctis horis. 
dabit bonam 
cum beatis 
in vinculo amoris. 
Hierauf folgen die im Anzeiger, Jhg. 1870, Nr. 1, Sp. 10 f. 
mitgetheilten Verse : „Fuge coetum feminarum", aber mit dem 
sonst fehlenden Schlufs: 
Ego omnes has probavi, Ergo ut predixi cave; 

Breves laudes reportavi, Licet dulce dicant ave, 

Bursam quoque vacuavi. Impingunt tamen maculam. 

Die folgenden deutschen StUcke sind von mir in der Ger- 
mania 17, 181—186, das Lied der Wallfahrer nach Mont- 
Saint-Michel von Mantels herausgegebea Dann folgen f. 240 
Denkverse auf die Schlacht bei Plowcze am 27. Sept. 1331, 
welche freilich siegreich far den deutschen Or den war, aber 
viele Opfer gekostet hatte, und auf den Judenmord von 1349. 
Qui versus legeris hos, cum luctu memoreris, 
pulsu precordia tange, 
magna sunt heu nece strati 
Gosme: tunc terra Prusie 
fratres, iuvenes et adultos, 
dignare iuvare Maria, 
salvemur, eique resiste, 
rex est, perimens dominos tot, 
quod in anno contigit isto: 



Suspira, plange, 
Quod cruce signati 
In luce sive die 
Amisit multos 
Quos tu virgo pia 
Et per te, Criste, 
Qui dictus Luckod 
Fratres in Cristo, 



Post M post tria C post X (tria) I que sequente. 

Anno milleno tria G XLque noveno 
Cuspidibus, gladiis, dampnatur et igne crematur 
Turpis ebrayca gens, que tot mala tunc operatur, 
Partibus in mundi cunctis spargendo venenum 
In fontes et aquas, ob quod perdatur in evum, 



Ecclesiam Cristi quia sic delere studebat, 
Disponente deo quod non complere valebat. 

vn. 

Die Mischverse zu Ehren des Schulerbischofs sind in der 
Germania 17,186 abgedruckt. Weiterhin stofsen wir f. 242 auf 
eine jener Parodieen der h. Schrift, an welchen das Mittelalter 
weniger Anstofs nahm, als die Gegenwart. Die jedem Geist- 
lichen stets gegenw&rtigen Psalmenverse und anderen Spruche 
eigneten sich vortrefflich zu solcher Ver wen dung, und so fin- 
den wir sie hier, wechselnd mit Hexametern, in einem Spottge- 
dicht auf die Manche, d. h. die Bettelm5nche, dessen Ausf&Ue 
anderen gegenUber noch zu den sanfteren geh5ren. Der Samm- 
ler dieser Handschrift hat verschiedene von grofser Derbheit 
aufgenommen und scheint den BettelmOnchen besonders gram 
gewesen zu sein ; diese aber werden wol hier erscheinen dtlrfen. 
Quis*) nescit quid sit monachus? (est) mobile vulgus. 

In omnem terrain exivit sonus eorum. (Rom. 10, 18) 
Statim post primam solent intrare coquinam. 

Sepulchrum patens est guttur eorum. (Rom. 3, 13) 
5 Omnia devorant, nee eos possunt saciare 

Volucres celi et pisces maris. (Ps. 8, 9) 
Fercula multa petunt et longum tempus edendi : 

Si vero non fuerint saturati, murmurabunt. (Ps. 58, 16) 
Vix psalmos discunt, tunc mox carnalia gliscunt, 
10 Sicud equus et mulus, in quibus non est intellectus. 

(Tob. 6, 17) 
Dicit gaudenter (monachus) cum plurima cernit: 

Letatus sum in hiis que dicta sunt michi. (Ps. 121, 1) 
Set cum pauca videt, replicat miserabile carmen: 

Heu michi, quia incolatus meus prolongatus. (Ps. 119, 5) 
15 Ut bene pascatur monachus nil aliud optat: 

Superbo oculo et insaciabili corde. (Ps. 100, 5) 
Utque habeat vestes omnis cetus monachorum: 
Moab, Agareni, Jebal et Amon [hii fuerunt illic]. 

(Ps. 82, 8) 
Sic igitur sperant celestia regna mereri: 
20 Non sic impii, non sic! (Ps. 1, 4) 

Obgleich hiermit zusammengeschrieben , scheint doch die 
folgende Strophe nicht unmittelbar dazu zu gehOren: 
Fratribus congaudeo minoribus, 
Nam humanis florent in honoribus. 
Dicunt quod sint homines 
Propter deum pauperes. 

vni. 

Ein Rathsel, welches ich nicht zu ldsen vermag, bietet uns 
f. 246 der Lttbecker Handschrift in folgendem Distichon: 
Nullus hie introeat qui sumere vult alimentum, 
Quin prius exponat quid sit pluripladrimentum. 



*) Qui in der Handschrift. 
ich zugesetzt. 



Die eingeklammerten Worte habe 



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75 



Anzeiger fur Kunde der dentschen Vorzeit 



T6 



Eine eigenthumliche Art der Poesie besteht in der Nach- 
ahraung des halbgebildeten Kauderwelschs verdorbener Scbola- 
ren. Diese werden uns f. 249 vorgeftthrt, wie sie, mit ihrem 
Lehrer, der sie bei den Elementen festhalt, unzufrieden, einen 
hftheren Meister suchen , von diesem aber abgewiesen, der Mei- 
nung sind, sie seien aocb fur ihn schon viel zu gelehrt, nnd 
nun selbst als Lehrer aufzutreten beschliefsen. Das erg5tzliche 
Stiickchen ist hin und wieder fehlerhaft: ich habe es lesbar 
zu raachcn und die Verse einigermafsen herzustellen gesucht. 



Dicunt:„Curramuspropere, 23 
Nos ille debet legere 
quidquid cor nostrum gli- 
scit. 



1. Scolaris dixit sociis : 

„Hic somas correctus. 
Magister nil pronunctiat, 
Set semper nos examinat: 

hie sumus neglectus. 

2. „Si circa textum dubia 

multa pronuncciaret, 
Et pulchra notabilia, 
Per marginem subtilia, 

sic nobis informaret. 

3. „Textum per multas glosulas 

deberet nos glozare, 
Per cyfrasque, nee tociens 
Deberet, solet quociens, 

nos examinare. 

4. „ Dicit quod nos grammaticam 

studere deberemus. 
Studere methaphisicam 
Ac loycam et phisicam 

libenter velleremus. 

5. „Nos credit puerilia 

velimus quod studere, 
Cum sumus magnus socius 
Et iam in baccalarius 

debemus promovere. 

6. „Latinum mandat loquere 

debeamus ut minores, 
Ac metras extra discere, 
Voces per casus flectere, 

parvus ut leccatores. 

7. „Vult nos ut in examine 

parvus ut studeamus, 
Primam partem vigesies, 
Secundam et quindecies, 

cum bene studeramus. 

8. „Habemus circa parvulum 

triplex bene commentum. 



Si velleremus studere, 
Nos sibi ipsi concludere 
vellemus argumentum. 

9. „Hic dicit nos ut pueris, 
Quid nos est addiscendum, 
Gum sumus satis sapiens 
Et ipsimet intelligens, 
Quid nobis est studendum. 

10. „Libellos textualiter 

hie nobis (semper) legit, 
Et dicit notabilia 
Quod nobis non utilia. 

sic certe male regit." 

11. Hinc captis saccis cursitant 

nee possunt permanere, 
Set centum scolas queritant, 
Pennis papirum maculant : 

sic credunt se studere. 

12. Sacram scripturam cupiunt 

ad pennam sibi dari. 
Scribunt commenta varia, 
Se credunt et per talia 

sic posse magistrari. 

13. Librorum in principiis 

se monstrant diligentes. 
Plateas statim queritant, 
Quibus frequenter ambulant, 

finem raro videntes. 

14. Librorum primo folio 

finito philosophorum, 
Mox spernunt (banc) ma- 

teriam, 
Psalmorum volunt gloriam 

(et) ewangeliorum. 

15. Dum audiunt alicubi 

magister quod regiscit, 



16. „ Magister, bone domine, 

velletis nos habere. 
Libenter in theoloyca 
Et naturali phisica 

vellemus nos docere. 

17. „Audivimus hie studium 

bonum quod haberetis. 
Remote cucursivimus, 
Donee vos invenivimus, 

ut nos informaretis. 

18. „Libros bonos colleximus, 

libenter studeremus, 
Si nos bona hospicia 
Gum vestra adiuvancia 

habere poteremus. 

19. „Nos propriis in partibus 

vellemus studuisse, 
Magistri si potuerant, 
In partibus qui fuerant, 

libros magnos legisse. 

20. „Albertum ter didiscimus 

Boeciique solamen, 
Gum parvis naturalibus 
Cunctisque loycalibus 

formare dictamen." 

21. Quibus refert discrecio 

magistri reverendi: 
„Vestra testantur verbula, 
Quod estis in grammatica 

non parum dirigendi. 

22. „Librorum novi copiam, 

ut forsitan audistis: 
Set nichil in puerilibus 
Silesco de subtilibus, 

vos certe didicistis. 



Scienciarum scandere 
si vultis summitates, 
Tunc primo partes discite, 
Hinc consequenter gliscite 
vobis congruitates." 

24. „Magister, nos non venimus 

ob declinacionem 
Quam si vellemus discere, 
Bene vellemus manere 

nostram in regionem. 

25. „Vos forte multa legere 

velletis, si sciretis, 
Set cum nescitis alia, 
Dixistis nobis talia, 

vos sic ut excusetis. 

26. „Vadamus hinc ad partibus, 

magister vos valete. 
Scolares nostros azinus 
Quos scitis, et non socius 
scientes nos docete. 

27. „Sciatis fratres, quare nos 

non voluit habere : 
Plus quam (magister) ipse scit 
Quod scivimus, hinc nescivit 

quid nos vellet docere. 

28. „Audivit quod in omnibus 

nos doctus esseremus: 
Si coram nos quid legere 
Deberet, hunc corrigere 

timet quod velleremus. 

29. „Nam longas bonas pallias 

nos ipsis ordiremus. 
Sciencior quam optimus 
Quod sumus baccalarius; 

nos optime videmus. 

30. „Nos volumus in partibus 

scolares informare. 
Nos scimus scolas regere 
Librosque magnos legere, 

quos et pronuncciare." 



4, 1. 2 lautet in der Handschrifb so : Dicit grammaticam stu- 
dere Quod deberemus. — 5, 5 debermus. — 8, 2 triplicem. 5 Vel- 
leremus. — 14, 4 gloBam, gegen den Reim. — 15, 1 alicui. 



IX. 

Von dem ubrigen Inhalt unserer Sammlung ist Manches 
nicht mittheilbar, Vieles auch des Raumes nicht wurdig; ich 
beschr&nke mich daher auf folgende Schulineisterklage, f. 264: 
1. En quamvis honorabilis a multis et amabilis 

sit status rectoratus, sit satis reputatus, 

24, 3 u. 4 velleremus , gegen den Vers. — 25 , 5 excusaretis. 
— 27, 2 volunt. 5 velleret. — 30, 2 nunc scolares. 3 scolares. 
1, 4 et satis. 



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77 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



78 



2. Ac intamescens localom 
argento cum florenis, 
propinans dulce poculam 
com epulis amenis: 

3. A quo tamen amplectitur, 
hie raro iocundatnr, 

ob onus quod annectitur, 
quo iocis spoliator. 

4. Hie spargitur vcrmiculis, 
catharro maculatur, 

ac bombis de clericulis 
persepe molestatur. 

5. Hie genas videt humidas 
ac anum maculatum, 

Heidelberg. 



8. 



manus quandoque tumidas, 
et audit ullulatum. 

A.c sedens (in) clamoribus 
et strepitu gravatus, 
hie iacet in fetoribus, 
ut sus inveteratus: 

Gum posset cum coralibus 
in choro famulari 
hie magis quam in talibus 
abiectis dominari. 

Hinc propter hec et alia 
tu vale rectoratus: 
quern delectabunt talia, 
sit tibi sociatus. 

W. Wattenbach. 



6, 3 vetoribus. — 7, 1 Cur. — 8, 3 delectant. 



Feuerprobe an einer Hexe 1485. 

Der Hexenprozefs, von dem die folgende Urfehde aus dem 
fur8tl. Furstenbergischen Archive zu Donaueschingen berichtet, 
ist in mehrfacher Beziehung beachtenswerth. Einmal sind Ver- 
folgungen von Hexen in so fruher Zeit Oberhaupt noch nicht 
sehr haufig ; gerade urn die Zeit, von der unsere Urkunde da- 
tiert, haben bekanntlich die Hexenprozesse in Deutschland zu- 
folge der Bulle des Papstes Innocenz VIII. vom Dez. 1484 : „ Sum- 
mis desiderantes affectibus", und der Mission der drei berttch tig- 
ten Dominikaner eine grOfsere Verbreitung zu gewinnen erst 
begonnen ; doch fehlt aller Anhalt dafur, auch unsern Fall schon 
mit diesen Ereignissen in Verbindung zu bringen. 

Noch eigenthumlicher aber als ein Hexenprozefs in so 
fruher, ist das Vorkommen von Gottesurtheil in so spater Zeit, 
und hier ist wieder die Feuerprobe in der Anwendung gegen 
Hexen ein ungleich selteneres Beweismittel als die fttr diese 
Falle sprichwflrtlich gewordene Wasserprobe. Bezuglich des 
glucklichen Ausgangs vergleiche man das in Grimm's Rechts- 
alterthttmern II, 916 angeftthrte Gedicht des 13. Jahrhunderts, 
wo ein heimlich in den Aermel gestecker Span das gluhende 
Eisen aufheben und die Probe schadlos bestehen hilft. 

Ich Anna Henni von Rotembach (Rdthenbach bei Neustadt 
im Schwarzwald) bekenn offenlich mit disem brieff vnd tun 
kunt aller mengklichem, das ich ain langy zit im lttmden vnd 
ain verliimdotten frow hexxen werck halb gewest, darum raich 
dann der wolgeborn graue Hainrich grauff z& Fttrstemberg der 
iung, lantgrauff im Bare etc. min gnediger herr, darum venglich 
angenomen vnd vmb sOlichs an mym lib mit recht gestrauft 
wolt haben. Wann ich nu vmb solichs der sachen halb, dero 
vnschuldig, das hai(J ysen zetragen botten, haut die wirdig 
muter magt Maria nach mym tragen ir gnaud mit mir tailt, 
das es mich nit gebrandt, sunder vnschuldig geben nach erkant- 



ntt|J, vnd haut mich also min egemelter gnediger herr miner 
vengknu(J vff ain statt vrfecht, das by miner wiblichen trttw 
zu loben vnd zeschweren, ledig zeit vnd gelausen, also das ich 
by miner wiblichen trtiw mit vfgehabnen vingern vnd gelertten 
wortten lob vnd sebwer zu gott vnd den halgen (sic) die be- 
dachtten vengknu(J der sach halb niemer mer ewigklich an mi- 
nen gnedigen herrn von Fttrstemberg alien vnd yeden, den irn 
vnd den, so iren gnauden zilgehdren vnd zu versprechen stond, 
noch an den, so raut, daut oder hilff zu sOlicher miner vengk- 
ntt($ tan, noch sust an dhainen andern menschen nit sol rechen, 
efferen noch anden, weder mit wortten, wergken, ratten, ge- 
datten, haimlich noch offenlich, weder durch mich selbs, die 
minen, noch die, so mir zugeh&rig, verwandt vnd verdacht sint, 
noch sust durch yemans vberal in dhainen weg, ouch wider 
die benanten mine gnedigen herren von Fttrstemberg, die irn, 
noch die, so iren gnauden zu versprechen stond, nit zettind 
noch schaffen geton werden in kainen weg, sunder ob ich ichtzig 
mit ainichem irer gnauden oder dero verpflichttem zettind hett 
oder gewun, vmb was sach das were, recht zenemen vnd zege- 
ben hinder irem stab lut irer loblichen fryhait von kttngen vnd 
kaisern begaubot. Wo ich aber das, so obgeschriben stautt> 
nit hielt vnd daruon redte vnd sich des yemant anneme in ai- 
nem oder mer puncten vberfure, das doch der billichait vnd 
miner gelttpt nach nit sin sol, ouch was sich der sach halb 
mit zerung vnd anderer ding erloffen, zu betzalen, wo das al- 
les nit beschech, haben vor ab mine gnedigen herren von Fttr- 
stemberg, die irn, die inn zfi versprechen stond, vnd wer inn 
des helffen welt, vollen gewalt vnd gfit erlangt recht oder, ob 
sy wellen, mit gewalt on recht, wo sy mich betretten vnd an- 
kamen, niendert vsgenomen, mit mir als ainem vbeltadigen, bOs- 
sen, trttwlosen wib vnd frowen zu gefarn, vnd wie sy also mit 
mir handeln vnd tttnd, es sye rechtlich oder gewalttigklich, da- 
ran haben sy nit gefreuelt, sunder alweg recht geton, vor dem 
allem mich vberal ntttz sol schirman, so yetzo war ist oder 
fttro bin erdacht werden mecht, dann ich mich des alles vnd 
yedes entzich vnd begib, gantz vnd gar, mit vrkund vnd in 
craft di(J briefs; vnd des ze offem waurem vrkund hab ich 
mit vli(i erbetten die erbern Burgkhartten Tierberger vnd Clawi 
Henn(Jlern von Fttrstemberg, das ir yetwederer sin aigen insi- 
gel, doch im vnd sin erben onschedlich fttr mich offenlich an 
disen brieff gehengkt hond, der geben ist an mentag nach Le- 
tare mituasten als man zalt von Cristus gepurt 1485 iaure. 
(Marz 14.) 

Perg. Orig. mit den zwei angezeigten, hangenden Siegeln. 

Donaueschingen. Riezler. 



Wachstafeln in der St Galler Stiftsbibliothek. 

In den Catalogi librorum von Hanel findet sich Gol. 724 
die Notiz, dafs der Cod. Sangall. 1091 aus sechs Wachstafeln 
mit Wirthschaftsrechnungen des 14. Jahrh. bestehe. Nach einer 
freundlichen Mittheilung des Herrn Dr. Wartmann sind sie 



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79 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



80 



in neuer Zeit ungeschickt zusammengebunden ; nor die erste 
ist auf der oberen Seite ohne Wachs; die letzte fehlt also. 
Mit Zurechnung des schmalen Randes betragt die H5he der 
Tafelchen 14,6, die Breite 8,1 Centimeter. Das Wachs ist 
ganz schwarz, und die Tafeln, deren vertiefte Flache damit 
ganz ausgefullt ist, haben ganz das Ansehen von Schiefertafeln. 
Hin und wieder sind Stttcke des Wachses abgesprungen , und 
die Lesung ist dadurch noch mehr erschwert, scheint aber 
auch kaum der Muhe werth. Nach einigen lesbaren deutschen 
Worten scheinen die 6 Tafeln Bruchstucke des Taschenbuchs 
eines Klosterbeamten aus dem 15. Jahrh. zu sein. 

Man hatte also auch in St. Gallen diesen, von vielen Or- 
ten nachgerade zur Genuge bekannten Gebrauch, der sich fttr 
dieses Kloster auch aus verschiedenen alteren Stellen nachweisen 
lafst. Auffallend ist daher, dars sich in dem Cod. 242 saec. 
XI, p. 28 zu dem bekannten Rathsel von Aldhelm uber die 
Pugillares folgende, schon von lid. von Arx (Berichtigungen 
und Zusatze, S. 29), doch ohne genauere Angabe, angefuhrte 
Glosse findet, namlich zu der Zeile: Calciamenta mini trade- 
bant tergora dura (hier stebt freilich tergore, mit der Glosse 
scil. a): „Sicut videtur in tabulis Scotorum." Die Irlander 
oder Schottenmflnche gebrauch ten allerdings Wachstafeln, wel- 
che sie ceracula nannten; aber hier mufs doch eine besondere 
Eigenthtimlichkeit gemeint sein, welche diese Tafeln von ande- 
ren unterschied, und nach dem glossierten Vers mufs man 
schliefsen, dafs es eiu sonst ungewflhnlicher Einband von star- 
kem Leder gewesen ist. 

Heidelberg. W. Wattenbach. 

Zur Chronlk der Reichsstadt Niirnberg. 

1435. Am 23. Marz wird Dr. Gregor Haymburg als Ju- 
rist der Stadt aufgenommen. 

Die Einnahmen der Stadt betrugen in diesem Jahre 
104897 ft 2 (5 11 hi., die Ausgaben 62544 ft 7 (J hi. 

' 1437. Hanns Ulmer wird nach Oesterreich geschickt, um 
fur die Stadt Getreide einzukaufen. Der Herzog von Oester- 
reich erlaubt ihm 6 Schiffsladungen und gibt ihm einen Brief, 
wofur Ulmer 1611. vnger. in die herzogliche Eanzlei bezahlt. 
Markgraf Fridrich von Brandenburg und Herzog Johann (Pfalz- 
graf) aber erlauben die Ausfuhr von Getreide nach Nurnberg 
nicht. 

Das Opfer beim Begangni(J des Kaisers Sigmund sel. und 
die Zehrung der Aebte von Castell, Heilsbronn, Aurach und 
St Aegidien, die dazu berufen worden, kostet dem Rath 97 ft 
10 p hi. 



Der Rath schickt dem Herzog von Sachsen und dem Herrn 
von Plauen Walsch- und Frankenwein, Brod und Obst auf das 
Rathhaus, wo sie vor Markgraf Fridrich von Brandenburg als 
kaiserlichem Commissarius miteinander rechten. Dies und die 
Huter unter den Thoren und die Wachter auf der Stiege und 
bei den Eetten verursachen dem Rath eine Auslage von 80 ft 
10 (J 2 hi.*) 

Fur die Gemahlin des Caspar Schlick, obersten kaiserli- 
chen Kanzlers, werden zu Niirnberg ein k5stlicher Kammer- 
wagen und ein hangender Wagen gemacht; beide kosten 130 fl. 
Rein., die der Rath bezahlt. 

1438. Die Judenschaft zu Nurnberg leiht dem Rath 5000 fl. 
und erhalt dafur einen Schuldbrief ; bald darauf aber lafst sie 
dem Rath und der Stadt zu Ehren und zu Steuer an den 
schweren Gebauden**), die aufgefuhrt werden, die ganze 
Schuld nach. 

An Judenzins von den Juden in der Stadt und zu Wftrth 
und von den Judenhausern nimmt der Rath zu Walburgis and 
Michaelis 2171 ft novi oder 956 fl. ein. 

Der Otterfaher***) erhalt als Salarium fttr die Wintermo- 
nate 3fl. 

Der Rath zahlt 10 fl. in Gold an Herzog Otten's Boten 
„als er das potenbrot an vns gewan, als der new Romisch kn- 
nig erwelt was worden." Zwei Stunden spater kann mit der- 
selben Nachricht auch Hanns Ulmer aus Frankfurt mit eignen 
Enechten und Pferden; der Rath schenkte ihm auch 10 fl. 

Mehrere Brauer werden gestraft, weil sie zum Brauen 
Wasser aus dem Fischbach genommen. 

Ein Fraulein, das mit St.Valentins Plagf) beschwert war 
und aus der Stadt hinweg geschickt wurde, erhalt 2 ft zur 
Liebung. 

Paul Vttrchtel und Sebald Pflmer werden nach Wien ge- 
schickt, um dem neugewahlten ROmischen KOnig Gluck zu wttn- 
schen und die stadtischen Privilegien bestatigen zu lassen; ihre 
Reise kostet 896 fl. 15V» (5 in Gold und 5 ft 15V'2 P novi, 
einschlQsslich der 300 fl., die dem Caspar Schlick geschenkt 
werden. 



*) Jm Januar 1438 rechteten sie abermals auf dem Rathhaaa ; 
der Rath schickte ihnen dazu um 52 ft hi. Wein, Brod, Obst etc. 
**) Stadtgraben und Festungswerke etc. 
***) Vgl. Schmeller, bayer. Worterbuch, Bud. I *, Sp. 177 : Otter. 

Dr. Fr. 
t) Veitstanz ; s. Zeitschrift f. d. d. Mundarten VI, 2—5. Dr. Fr. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essen wein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Godruckt bei U. B Sebald In Nflrnberg. 



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Neunzehnter 



Jahres- 
bs ptmmtftytn 

liirnberg. 



Bericht 
JtationalinufMins. 



1. Januar 1873. 



[/as Jahr 1872 war das zwanzigste , seit jene 
ersammlung von Geschichts- und Alterthums- 
wdiern, welche zu Dresden unter Vorsitz Sr. 
ty des jetzt regierenden Kflnigs von Sachsen 
*te, die Grtlndung unserer Nationalanstalt be- 
blossen. Unter wechselnden Schicksalen hat sie 
Jh in dieser Zwischenzeit so gunstig entwi- 
jdt, dafs wir heute mit Befriedigung auf den 
eg, welcher uns , wenn auch unter mancherlei 
odernissen, auf den heutigen Stand gefuhrt, 
rfickblicken und ohne Bangen auf die weite 
An rorwarts schauen kOnnen , welche die An- 
dt noch zu durchlaufen hat, ehe sie das ihr 
teckte grofse Ziel erreicht. Auch das eben ab- 
dofene Jahr hat uns diesem Ziele urn ein gutes 
fck naher gefuhrt. 

Sehen wir zuv6rderst auf die finanzielle Seite, 
tet das Jahr 1872 eine grofse Reihe neuer, 
fdmafsig fortzusetzender Jahresbeitrage ge- 
"dit. Zunachst hat Sc Maj. Konig Ludwig II. 
J Bayern den jahriichen Beitrag von 600 fl. 

72011. erhoht und uns denselben fttr fernere 
bare zugesagt; ebenso hat Se. Durchl. der 
ffi Johann von Liechtenstein den seither ge- 
teten, zuletzt 1867 auf 5 Jahre bewilligten 
tog von 50 fl. auf fernere 5 Jahre erstreckt. 
i Feststellung des Etats des deutschen Rei- 
s for 1873 im Reichstage haben Graf Fran- 
werg, der schon wiederholt ftir unsere Anstalt 
gttreten war, und Furst Hermann von Hohen- 
e-Langenburg nebst 81 anderen Abgeordneten 
| Antrag gestellt, von 1873 ab den jahriichen 
tog des deutschen Reiches fur das german. 
«ewn auf 16000 Thlr. festzustellen , ein An- 
!* der angenommen wurde und auch die Zu- 
Bmung des Bundesrathes erhielt 

Eine grofse Reihe deutscher Stadte hat auch 

abgelaufenen Jahre regelmafsige Jahresbei- 
^fur die Anstalt bewilligt, theils auf unbe- 
^rte Zeit, theils auf eine gewisse Reihe von 
«n, darunter Wien mit 1 16 fl. 40 kr. auf 3 Jahre. 

Stadt Munchen hat ihren Beitrag von 50 fl. 

100 n\ erhoht und Dresden einen solchen von 
J 45 kr. bewilligt. Neben den Stadten hat eine 
kbayerischer Distriktsgemeinden dem Museum 
Jteicher Weise ihre Forderung angedeihen las- 

Sehr reich ist auch wieder das Verzeichnifs 

neuen Jahresbeitrage von Privaten. 

Nicht minder wurde eine Reihe einmaliger 
dgaben, theils zu allgemeinen, theils zu be- 
aten Zwecken, dem Museum ubergeben. Un- 

ersteren haben wir zunachst ein Geschenk 

^9° A- v on Ihrer Majestat der deutschen 
*erin Augusta dankbarst zu vermelden , so- 
11 ein Geschenk von 88 fl. 20 kr. von Herrn 

v - Loral, kaiserl. deutschem Konsul in Rio 
•Me do Sul, ferner von 42 fl. von Herrn Prof. 
Jtommler in Halle und 42 fl. 20 kr. von Herrn 
Grytzell in San Jose (Costa Rica). 

Enter den Geschenken fttr besondere Zwecke 



ihnen 



wir: fttr Herstellung und Einrichtung 






Herrn Bttrgermeister Dr. Kellinghusen und Herrn 
Otto Westphal, sowie je 43 fl. 45 kr. von den Her- 
ren Joh. Bade, Dr. A. Lappenberg, Arnold Otto 
Meyer u. a. m. in Hamburg. 

Fttr die Baukasse erhielten wir ein Ge- 
schenk von 600 fl. von Sr. kgl. Hoheit dem Grofs- 
herzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin, 
sodann 875 fl. von Herrn Dr. Oetker in Cassel, 
100 fl. von Herrn Hofbucbhandler Sigm. Soldan 
in Nurnberg. Zu den Kosten der Herstellung 
eines Brunnens zum Andenken an den Grunder des 
Museums hat Herr Freiherr von Seefried 100 fl. 
gespendet; zu den Kosten fttr Uebertragung des 
Augustinerklosters sind 600 fl. 50 kr. von Seite 
des Magistrates der Stadt Nurnberg. 150 fl. vom 
Salzunger Kirchenchor, als Theil aes Ertrages 
eines Concertes dahier, von Herrn Privatier Dau- 
mer 25 fl. ubergeben worden. Um die nothigen 
Mittel vollends zu beschaffen, haben iiber 100 
deutsche Kttnstler dem Museum Gemalde, Skizzen, 
Zeichnungen, Skulpturen u. A. theils zugesagt, 
theils schon ubergeben, die verwerthet werden 
sollen und voraussichtlich eine namhafte Summe 
einbringen werden. Hinsichtlich der ttbrigen 
Geldgaben verweisen wir auf die unten stehenden 
Verzeichnisse. 

Die Vermehrung unserer Sammlungen war 
sehr bedeutend, und zwar theils durch gtttige 
Geschenke, theils durch grdfsere Ankaufe. Eine 
bedeutendere Acquisition von Antiquar Pickert 
dahier, die um die Wende der Jahre 1871 und 72 
bewirkt wurde, brachte dem Museum eine Reihe 
kostbarer Stttcke fttr alle Abtheilungen, nament- 
lich: 3 geschnitzte Altire des 15.— 16 Jhdts., eine 
Reihe romanischer Kirchengerathe , eine grofse 
Zahl seltener Fayencep und Glaser u. A. m. 
Grofse Vermehrung erhielt auch unsere WafFen- 
sammlung sowohl aus diesem Kaufe, als durch 
Geschenke Ihrer Majestaten des Kaisers, der Ko- 
nige von Bayern, Wurtemberg und Sachsen, Sr. 
Hoh. des Herzogs von Sachsen- Coburg-Gotha, der 
Fttrsten von Schwarzburg-Rudolstadt und Son- 
dershausen, der Stadt Amberg. 

Auch unsere Sammlung von MObeln hat durch 
Ankauf eines grofsen gothischen Prachtschrankes 
und durch Ueberlassung einer ttberaus kostbaren 
Bettstatte vom Beginne des 17. Jhdts-, sowie 
durch Ankauf von 2 grofsen Puppenhausern u. A. 
reichen Zuwachs erhalten. Unsere Gemaldesamm- 
lung wurde durch Erwerbung von 6 sehr werth- 
vollen Gemftlden des 15. Jhdts. bereichert. Ein 
grol'ses, neueres historisches Gemalde : Luther und 
Frundsberg, erhielten wir vom Kttnstler selbst, 
Herrn A. v. Heyden in Berlin, zum Geschenke. 

Einige Oefen und eine Reihe von einzelnen 
Ofenkacheln wurde gekauft ; sehr schOne Kacheln 
schenkte Se. kgl. Hoheit der Furst Carl Anton 
von Hobenzollern-Sigmaringen. 

Auch fttr unsere Sammlung von Musikinstru- 
menten fanden sich nocn nianche Stttcke. 

Von hervorragendster Bedeutung jedoch sind 



altesten Drucke und des Holzschnittes sowohl 
durch die Weigel'sche Auction zu Leipzig, als 
durch Ankauf der Hafsler'schen Sammlung und 
manche Einzelkaufe gemacht haben. 

Ein Theil der ebengenannten Gegenst&nde 
wurde der Bibliothek eingereiht, die auch sonst 
noch manchen schatzbaren Zuwachs durch An- 
kauf erhielt, darunter mehrere interessante Hand- 
schriften. Vor Allem aber war es wieder der 
deutsche Buchhandel, der dieselbe so wesentlich 
bereicherte. 

Dem Archiv wurde manche werthvolle Ver- 
mehrung durch Ankaufe, sowie durch Schenkung 
mehrerer Centner Akten aus dem ehemals v. Krcfs'- 
schen Archive, einer grfifseren Partie Archivalien 
von Seite des Herrn Sigm. v. Fttrer und durch 
Ueberlassung mit Eigenthumsvorbehalt sowohl 
des Archives der Veit-Holzschuher'schen Linie 
von Seite des Herrn Reg.-Rathes Frhrn. v. Holz- 
schuher in Augsburg, als auch von ungefahr 100 
Urkundenbuchern aus dem v. Krefs'-schen Archiv 
durch die Erben der verstorbenen Frau Kauf- 
mannswittwe Rhau dahier, denen auch das vor- 
hin genannte Geschenk zu verdanken ist 

Was unsere Bauten betrifft, so sind im Laufe 
des Jahres zwei neue Sale erOffnet worden. Fur 
das Augustinerkloster wurden die bedeutenden 
Unterbauten hergestellt, 2 Kreuzgangflttgel unter 
Dach gebracht und an dem Wiederaufbau der 
ttbrigen Theile ununterbrochen fortgearbeitet 

An Publikationen erschien im vergangenen 
Jahre der 19. Jahrgang des Anzeigers fttr Kunde 
der deutschen Vorzeit, eine neue Ausgabe des 
Wegweisers durch die Sammlungen, diesmal der 
Kttrze, Handlichkeit und Billigkeit wegen ohne 
lllustrationen ; sodann die 2. Lieferung der Quel- 
len zur Geschichte der Feuerwafifen, letztere wie- 
der im Verlage von F. A. Brockhaus, endlich 
eine Broschure: Die Aufgabe und die Mittel des 
germanischen Museums. 

Eine Ausstellung interessanter alterer Kunst- 
werke fand auch im vergangenen Jahre statt, 
ttber die gleichfalls ein Katalog erschienen ist 

Solch grofse Fortschritte aber, insbesondere 
die bedeutenden Ank&ufe, liefsen sich trotz der 
reichen Zuflttsse nur dadurch bewirken, dafs ein 
Theil der fttr 1873 bestimmten Mittel in An- 
spruch genommen wurde, so dafs in diesem Jahre 
Manches noch zur Zahlung und in Rechnung 
kommen wird, was schon 1872 ins Museum auf- 
genommen wurde, darum aber auf eine namhafte 
Fortbildung verzichtet werden mufs. 

Mit innigem Schmerze hat die Anstalt am 
Schlusse dieses Berichtes noch den Tod ihres 
Grttnders, des Freiherrn v. u. zu Aufsefs, zu ver- 
zeichnen, der am 6. Mai v. J. aus dem Leben ge- 
schieden. Wenn er auch schon vor 10 Jahren 
die Leitung der Anstalt niedergelegt , hatte er 
doch als Ehrenvorstand noch stets im Verwal- 
tungsausschusse mitberathen. Einen anderen Ver- j 
lust hat dieser Ausschufs durch den Austritt des ^ 



t» _ ai m\- 



Seit Ver&ffentlichung des Jahresberichts fittr 1871 Bind zu den Unterstfltzungen des germanischen Museums folgende, and zwar als Jahresbefcrii 
neu hinzugekommen: 



Von Staatskaaaen. 

fl. kr. 
Deutsches Reich (fruher 14000) i88,000 — 

Von regierenden Hauaern.; 

Bayern, KdnigLudwlglL, Majesttt 

(auf wcitere 5 Jahre) 710 — 

Liechtenstein, FQrstJohann.Durch- 

Uucht (auf weitere 10 Jahre) 50 — 

Sachsen, K6nig Johann, Majestit 

(auf weitere 8 Jahre) 860 — 

Von offentiichen Kaaaen, Stadten etc. 

Altenburg, Stadtgemeinde 8 45 

Anklam, Stadtgemeinde 8 45 

Aussee, Marktgemelnde 1 10 

Baden (Baden), Stadtgemeinde 10 — 
Ballenstedta. Barz,8tadtgemeinde 8 80 
Bautzen. Stadtgemeinde 8 45 

Bayreutn, Distriktsgemeinde 10 — 
Blankenbarg, Stadtgemeinde 1 10 

Bribe, Stadtgemeinde 5 50 

Bttckeburg, Stadtgemeinde 8 45 

Bunzlau, Stadtgemeinde 5 15 

Burgsteinfurt, Stadtgemeinde 8 80 

Calbe a. 8., 8tadtgemeinde 5 15 

Crailsheim, 8tadtgemeinde 8 — 

Diez, Stadtgemeinde 1 45 

Dingolfing, Stadtgemeinde 1 45 

Dresden, Stadtgemeinde 43 45 
Duisburg, 8tadtgemeinde 1 45 

Dnrlacb, Stadtgemeinde 5 — 

Eisfeld, 8tadtgemeinde 3 — 

Enns, Stadtgemeinde 5 50 

Friedberg i. W., 8tadtgemeinde 5 — 
Gardelegen, 8tadtgemeinde 1 45 

Germersheim, Distriktsgemeinde 25 — 
Giersen, Stadtgemeinde 5 — 

Gleiwitz, 8tadtgemeinde 5 60 

Gliickstadt, 8tadtgemeinde 7 — 

Goslar, 8tadtgemeinde 8 45 

Grein a. D., Stadtgemeinde 1 10 

Graudenz, Stadtgemeinde 3 30 

Bechingen, Stadtgemeinde 2 — 

Hertford, Stadtgemeinde 5 15 

Bochstadt a. A., Distriktagemeinde 15 — 
Jever, Stadtgemeinde 5 15 

Ilmenau, Stadtgemeinde 1 45 

Immen8tadt, Stadtgemeinde 2 — 

Kaiserslautern, Stadtgemeinde 10 — 

Kandel, Distriktsgemeinde 85 — 

Klagenfurt, Stadtgemeinde 11 40 
Krenznach, Stadtgemeinde 5 15 

Lahr, Stadtgemeinde 8 45 

Landau (Pfalz), Distriktagemeinde 10 — 
Langensalza, Stadtgemeinde 5 15 

Lennep, Stadtgemeinde 7 — 

Liegnitz, Stadtgemeinde 8 45 

Linz, 8tadtgemeinde 11 40 
Lohr, Stadtgemeinde 5 — 

Ludwigshafen, 8tadtgemeinde 5 — 

Liineburg, Stadtgemeinde 17 80 
Mainbernhcim, Stadtgemeinde 8 45 

Mainz, 8tadtgemeinde 80 — 
Michelstadt. 8tadtgemeinde 1 — 

Mlesbach, Distriktagemeinde 15 — 
Minden, Stadtgemeinde 8 80 

Monheim, Stadtgemeinde 1 46 

Moosburg, 8tadtgemeinde 8 — 

Neckarsulm, Oberamtacorporatlon 10 — 
Neubrandenburg, 8tadtgemelnde 5 15 

Neuburg a. D., Stadtgemeinde 10 — 
Neuotting, 8tadtgemeinde 8 — 

Neusalza, 8tadtgemeinde • 8 80 
Neustadt a. 8., Stadtgemeinde 2 — 

Ochsenfurt, 8tadtgemeinde 8 — 

Olmtttz, Stadtgemeinde 11 40 
Oels, Stadtgemeinde 5 15 

Oelsnlta, 8tadtgemeinde 1 45 

Oettingen, Stadtgemeinde 2 — 

Parchim, Stadtgemeinde 8 45 

Plauen, Stadtgemeinde 8 45 

Posen, Stadtgemeinde 26 15 

Rastatt, Stadtgemeinde 10 — 

Regensburg. Distriktagemeinde 15 — 
Reichenbach i. V., 8tadtgemeinde 3 80 
Ribnitz, Stadtgemeinde 8 80 

Rostock, Stadtgemeinde 17 80 
Roth, Stadtgemeinde 8 30 

Rudolstadt, Stadtgemeinde 8 — 

8aalfeld, Stadtgemeinde 5 '— 

Saarbriicken, Stadtgemeinde 7 — 

8chle8wig, 8tadtgemeinde 7 — 

Schongau, Stadtgemeinde 1 80 

Schweinfurt, Distriktsgemeinde 80 — 
Schwetz, 8tadtgemeinde 8 80 

Soest, Stadtgemeinde 8 45 

Spandow, Stadtgemeinde 8 45 

Spremberg, 8taatgemeinde 8 45 

Btavenhagen, Stadtgemeinde 5 60 

Strehlen, Stadtgemeinde 8 30 

Suhl, Stadtgemeinde 8 80 

Teplitz, Stadtgemeinde 88 10 

Tola, Distriktsgevielnde 10 — 

T*X1. Ua.ktmt.walt.illi • 



fl. kr. 
Tuttlingen, Stadtgemeinde 8 80 
Uffenhelm, Distriktsgemeinde 10 — 
Villach, Stadtgemeinde 5 50 
Villingen, Stadtgemeinde 5 — 
Weiden. Stadtgemeinde 8 — 
Weidenberg, Distriktsgemeinde 5 — 
Weinheim, Stadtgemeinde 8 80 
Werneck, Distriktsgemeinde SO — 
Wesel, Stadtgemeinde 7 — 
Wien, 8tadtgemeinde 116 40 
Wiesbaden, Stadtgemeinde 17 SO 
Wismar, Stadtgemeinde, (auf wei- 
tere 10 Jahre) 17 80 
Wolfenbilttel, 8tadtgemeinde 5 50 
Wolgast, Stadtgemeinde 5 15 
Worth, Distriktsgemeinde 5 — 
Zeitz, 8tadtgemelnde 8 45 
Zschoppau, Stadtgemeinde 8 45 
Zullichau, Stadtgemeinde 5 15 

Von Stiftungon. 

Niirnberg,J.a r. Schlusselfelder- 
scheFamillen-8tiftung (statt frtt- 
her 15 fl. — kr.) 85 — 

Von Vereinen, Geaeilachaften etc. 

Alsens, Casinogesellscbaft 8 — 

Chur,bistor.-antiquar.Gesellschaft 4 85 
Fdrstenfeld (Steiermark), Deut- 

scher Verein l io 
Gdppingen, Handels- u. Gewerbe- 

verein 5 — 

Obermoschel, Casinogesellachaft l — 
Beilbronn a. N., Aktiengarten- 

yerein io — 

Von Privaten. 

Algn, Pfarrer, in Mimbach (Pfalz) 1 — 

Aloers, Heinr., in Bamburg 1 45 

Albrecht, Oberamtsaktuar,in Gail- 
dorf 1 — 

Alippl, Polizeikommissir, in Ars 1 45 

Andr6, G., in 8an Jose (Costa 
Rica) 10 40 

Arendt, Felix, Zahnarzt, in War- 
schau 1 52 

Arnthal, J., in Bamburg 3 80 

Arnthal, Rudolph, Banquier, in 
Cassel 1 45 

Aschrott, Fabrikant, in Cassel 8 80 

Asimont, Eduard, k.Landgerichta- 
assessor, in Bruck 1 — 

Bacber, Alexander, Dr. in Stutt- 
gart 1 45 

Back, Elkan, Fabrikant, in Proft- 
nitz 1 10 

Ballerstedt, Bofprediger,in Bticke- 
burg 1 45 

Bartb, B., Rechtsanwalt, in Augs- 
burg l — 

Barth, Julius, Inspektor, in Mor- 
genroth 1 45 

Barthelmefs, Reichard, Dr. med., 
in Niirnberg 8 — 

Bauer, Gottl.,Korb handler, i. Lich- 
tenfels I — 

Baumann, Lehrer, in OberbShms- 
dorf (statt frtiher 17 >/»kr.) — 85 

Baum tiller, Lieutenant imk. bayr. 
4. Inf.-Reg., in Metz 1 45 

Beck, Adolf, Kaufm., in Schwein- 
furt 1 — 

Becker, A., Fabrikdirektor, in 
Nordhausen 1 45 

Becker, E., in San JosS 10 40 

Becker, H., Kaufmann, in Beil- 
bronn a. N. 1 — 

Beer, Eduard, in Profsnltz 1 10 

Beez, Dr., Gymnasiallehrer , in 
Plauen 1 10 

Bender, Dr., Gymnasiallehrer, in 
BUdingen i 1 — 

Berend, Moritz, Kaufm., in War- 
schau 1 58 

Bergbeimer, Isidor, Kaufmann, 
in Niirnberg 8 80 

Bergleiter, Heinr., Professor a. ey. 
Obergymnasium A. B., in Ber- 
mannstadt 1 10 

Berlage, Domrikar, in OsnabrUck 1 45 

Bernhardt, L., Oberpfarrer, in 
Schmalkalden 1 45 

Beughem, v., Bauptmann, in Det- 
mold 1 10 

Beyer, Gg., Veterinfirarzt, in Wer- 
neck 1 — 

Beyersdorff jun., in Beuthen 1 10 

Bezold, v., k. Bez. -Gen -Rath, in 
Augsburg 1 — 

Bezzenberger, Dr., Reg.- u. Schul- 
rath, in Merseburg 1 45 

Bieder, Dr., Arzt, in Worms 1 — 

Bier, Fabrikant, in BUdingen 1 — 

Bierhals, A., Condi tor, in Nttrn- 
k™ t an 



fl. kr. 
Bischoff, Assistant a. d. k.Remon- 

teanstalt in Fflrstenfeld 1 — 

Bischoffshausen, L. y., Direktor, 

in Cassel 1 45 

Bitthiiuser, F. J., k. Forstgehilfe, 

in Werneck 1 — 

Blefsmann, Carl, in Fiirth 8 — 

Bockenheimer, Dr., gr. Bes.-Ger.- 

Rath, in Mainz (statt fruher l fl. 

45 kr.) 8 — 

Bodelschwingh r., Oberprftsident, 

in Cassel 8 80 

Bomhard, Dom&nenamtmann , in 

Castell 1 - 

Bbrger, k. Adrokat, in Stranbing 1 80 
Boyneburgk, Almar, Reichsfrei- 

herr v., in Eisenach 8 80 

Brandl, Dr., in Klagenfurt 1 10 

Brassert, Dr., k. Berghauptmann, 

in Bonn 1 45 

Braun, Rechtsanwalt, in Augsburg 1 — 
Breland, Carl, Kaufmann, in War- 

schau 9 20 

Brendel, Dr. med., in Montevideo 8 — 
Brenkmann, k. Rentbeamter, in 

Beilngries 1 — 

Brettel, Dr. med., in BUdingen l — 

Broffemann, Kaufmann u. Stadt- 

rath, in Schleiz — 85 

Buchmann, A. C, in Bamburg 10 80 
Buchner, D. Ludw., k. Rentbe- 
amter, in Eichstatt 1 — 
Bucholtz, Regierungsprasident, in 

Eutin 1 45 

Buhl, Apotheker, in Gaildorf l — 

Bull heller, Casp., Funkttonar, in 

Werneck — 80 

Bulluhelmer,Moritz, Braumeister, 

in Niirnberg 8 — 

Burger, Commissar, in Cahla 1 45 

Burhenne,Jul.,BUrgerm., Rechts- 
anwalt u.Notar, in Schmalkalden 1 45 
Busch sen., In Aselage 1 45 

Cahen, T., Kaufm., in Warschau 8 44 
Cagesius, Gust, Prof. a. d. evang. 

Oberrealsch. In Bermannstadt — 35 
Calmus, Paul, Fabrikbesitser, in 

Berlin 1 45 

Chapeaurouge, de, Dr. t Oberge- 

richtsraih, in Bamburg 8 45 

Clason, Dr., in Rostock 1 45 

Olauis, Kaufmann, in Bohenstein 1 45 
Cnopf, A^ Dr., Bez.-GQx.-Acceaslst, 

in Niirnberg 8 — 

Cornlzelius, Gg., Maler, In Banau 1 — 
Cbsfeld, Ed., in Bielefeld 1 — 

Cramer, Assistent a. d. k. Remon- 

teansUlt, in Fttrstenfeld 1 — 

Crull, Fr., Dr., in Wismar 3 30 

Culmbacher, Heinr., Hotelbesltzer, 

in Meiningen 8 — 

Czepelak, Joh., k. k. Gymnasial- 

£rofessor, in Leitmerlts 1 10 

she, Wilh., 8tadtschreiber, in 

Schmalkalden 1 45 

Dauer, Rechtsanw., in Reutlingen 1 — 
Deibler, J., Assistent a. d. k. In- 

dustrieschule, in Niirnberg 1 — 

Deimling, C, Dr., Professor, in 

Mannheim 8 — 

Dessauer, Direktor, in Aschaffen- 

burg i 45 

Dethen, v.. Kreisrichter, in Bamm 1 45 
Detzel, Heinr., Vikar, In Zipplingen 1 — 
Develey, J. C, Fabrikbesitaer, in 

Munchen 8 — 

Dimmling, Edelsteingrayeur , in 

Berlin 1 45 

Dingier, Jul., Fabrikbesitser, in 

Zweibrttcken 2 — 

Ddbner, Baumeister, in Meiningen 1 — 
Ddbner, Rechtsanw., in Sonneberg 1 10 
D511, P. J., k. Notar, in Werneck 1 — 
Doraling, Landger -Rath, in Metz l 45 
Ddrschlag. Prof. a. d. ev. Ober- 

realsvhule in Bermannstadt — 35 
Drechsel, Gg., Rittergutsbesitser, 

in Isigau l 45 

Drzezga, Controleur, in Pauls- 

grube l 10 

Dfinzelmann, Dr., Lehrer, in 

Bremen 1 45 

Durst, Buchdruckereibesitser, in 

Kempten l — 

Ebel, Eugen, in Berlin 2 — 

Eberhard, Reallehrer, inTauber- 

bischofshelm 1 — 

Ebner, Jak., Dr., in Olmiitz l 10 

Eckart, Frledr., k. Gertchtsvoll- 

zieher, in Werneck 1 — 

Eckhard, Heinr., k. Notar, in Pir- 

masens 1 — 

Eckhold,8eminardirekt,inOster- . . . 

burg Digitised 

Eichel, Friedr., KauftaL, in Schmal- 



Eiehleiter, Buchdruckereibea, in 

Bruck 
Elnaigl, Alois, k. k. Notar. in Prod- 

nits 
Eisner, Isidor, in Beuthen 
Elfner. Oberamtsrlchter, in Tss- 

berbischofsheira 
Eliason, Kaufmann, in Beuthen 
Engel, M., in Berlin 
Eschwege, A M Kaufm., In Berlin 
Ettwein, Friedr., Geometer, in 

Freudenstadt 
Ewald, Ernst, Maler, in Berlin 
Eyrich, Th., Architekt, in Horn- 

oerg 
Faber, k. Bezlrksamtmann and 

Beg.-Rath, in Ansbach 
Feiler, Pfarrer, i. Reichenschwand 
Ferber, Regier.-Acceamist, inNorn- 

berg 
Ferber, R. B., Dr., in Hamburg 
FilB, Geometer, in Saalfeld 
Fischbach, Friedr., Lehrer a d. 

k. Akademie in Banau 
Fischer, k. Pfarrer, in Roth a a 
Fleischner, Oskar, Kaufmann, in 

Dinkelsbiihl 
Flemisch, Rechtsanw^ in Augsbnrg 
Forkenbeck, Oskar y., Gatsben- 

tser, in Aachen 
Forster, Jak., k. 8tadtpfarrer, in 

G reding 
Freudenberg , Maschinenmeister, 

in Lipine 
Freyberg, Freiherr y., Rittergnuv 

besiUer, in Wittenberg 
Friedrich, Dr., Professor, in Reut- 
lingen 
Fries, Friedensrichter, in Vernjr 
Fritscb, P., Rechtsanwaltswittwe, 

in Erlangen 
Fugger- Babenhausen, Cart Graf, 

k. k. Oberst, in Klagenfurt 
Fulda, R., Huttenbee,, in Schmal- 
kalden 
Furtenbach, ron, k. Stadtriehter, 

in Nttrnberg 
Gable r, President der General- 
Commission, in Merseburg 
Gansler, Eduard, Apotheker, is 

Dinkelsbiihl 
Gafamann, Leop., k. k. Bezirki-Ad- 

junkt, in AuHSig su E. 
Gebhardt, k. Staataanwalt, in 

Fttrth 
Gehring, Dr., reehtakund. Burger* 

melster, in Landshut 
Geissell. Heinr., Bijouteriefkbri- 

kant, in Banau 
Glaser. Bez.-Ger.- Assessor, in 

Bamburg 
Glafsner. Apotheker, in Cassel 
Glock, Zeiohnenlehrer, in Niirn- 
berg 
Glock, M., Burgerschuldirektor, 

in FUrstenfeld (Steiermark) 
Godeflfroy, Ad., in Bamburg 
Godsche, Otto, Verlagsbuebhlnd- 

ler, in Berlin 
Golcher, V. B., in 8an Jose 
Goldscheider, Sigm., Kauftnann, 

in Profsnitz 
Goldschmidt, R. E., Kaufmann, 

in Cassel 
Goldschmidt, 8. 8., Rentier, in 

Cassel 
Goldstein, Restaurateur, in Mor- 

genroth 
Gomperz, Jul., Bandelskammer- 

president, in Briinn 
Gorgens, Dr., Professor, in Mets 
Goring, Hugo, Dr. phiL, in Niirn- 
berg 
Gorser, Arnold, Korbhandler, is 

Lichtenfels 
Gottschalk. Conr., Gastwirth and 

Brauereibesitser, in Brand 
Gotz, Gg., Kaufm., in Nfirnberg 
Gdtz, Gust. Com mis, in Nfirnberf 
G6tzer8dorfer, Jos., Prof. a. d. k. 

k. OberreaUchule Schottenfeld 

in Wien 
Graf, k. Landrichter, in Gredinff 
Greuner, Heinr^ Rechtsanwalt a 

Notar, in Lobensteln 
Grles. B., Dr., in Hamburg 
Griesbeim, v., Oberatlieutenast, 

in Detmold 
Griesheim, Arthur r., Fabrikant, 

in Cassel 
Gritzner, Lie a ten. a. D^ in Berita 
Gros, Dr.,prakt Arat, ia Wemerk 
Grttn, Obergeriohtatehreiber, in 

Augsburg 
Grttnewald, Friedenariehtar, » 



ft. fa 



fl. kr. 
8rttener, Bergrerwalter, in 8a- 

muelagl&ck 1 45 

Garsefeld, K^ in Hamburg 7 — 

6ztennann , T n Rechtaanwalt, in 

Augsburg 1 — 

Ham. H. X, grofsh. Notar, in Op- 

penbeim 7 — 

Habenieht, Dr., GymnasiaUehrer, 

in PUnen 1 10 

Haberzang , Peetdirektor, in Son- 

neberg 1 10 

Hsbieh, Bauunternehmer, in Ben- 
then 1 45 
Haitinger, kBezlrksamtmann, in 

8onthofen 2 — 

Hamm, Friedenerlchter, in Met* l 45 
fianschke, Rechtsanw., in Brom- 

berg 1 — 

Hardenberg, y., Regierungspraei- 

dent, in Caasel 8 10 

Harnier, Adolph, Dr., Ant, in 

Cassel 1 45 

Harnier, Wilhelm, Dr., Arat, in 

Caasel 1 45 

Hartenstein, G., Firm*, in Gann- 

statt 5 15 

Hartmann, Fr. 8., k. Geriohte- 

schreiber, in Brock 1 — 

Hartwig, k. Poet- u. Bahninspek- 

tor, in Ao8bach 1 — 

Hattemer, Roman, k. Beairksamts- 

aasesaor, in Dinkelsbtthl 1 — 

Hauck, Beairkageomter, in 8on- 

neberg 1 10 

Becht, K., Ingenleur, in Nflrnberg l 45 
Bechtel, k. Rentbeamter, in Wer- 
neck 1 — 
Bechtel, Heinr., k. Postexpeditor, 

in Werneck 1 — 

Beek, Lchramtspraktikant , in 

Tauberbischofabeim 1 — 

Begel, Gymnasiast, in Erlangen 1 — 
Beinel, Carl, Etniafabrikant, in 

Hanau 1 — 

Seine, Y n Geh.Hofrath, lnCann- 

statt 4 — 

Heitmann, Hauptm., in Detmold 1 10 
Helff, M. , Burgerschullehrer, in 

Fflrstenfeld (Stelermark) — 85 

Heller, 8igm., Rechtsconcipient, 

in Nurnberg 1 it 

Bennighnusen , Wilh., Fabrlkbe- 

■iUer, in Nflrnberg 1 80 

Benschel , Coinmerzienrath , in 

Caasel 8 80 

Bentze, F n Particulier, in Caasel l 45 
flerxnann, Dr., in Aschaffenbarg l — 
Herrings, E. J., Outs- nnd Berg- 

werksbesitzer, In Rattelsdorf 1 — 
Bertling, ▼., Regierungsaccessist, 

In Budingen 1 — 

Berzfelder, Rechtsanw., inAschaf- 

fenburg 8 80 

Heft, W. , k. Rentbeamter, in 

Herabrnck 1 _ 

Hettig, Lorens, k. Maschinenmel- 

ster, in Nilrnberp 1 — 

Heyden, F. r., Maler, in Berlin 8 80 
Heyroth, C, Kaasendirektor, in 

Zwickau 1 45 

BiMebrandt, Pastor, in Mleste 1 45 

Hildebrandt, A. M., Heraldlker, 

in Mieste 1 45 

Birsehmann, Job., Gastwirth, in 

Nurnberg 1 — 

Hoffmann, Pfarrer, in Feucht l — 

Hoffmann, A., Justisrath, in Lo- 
benstein 1 10 
Hofmann, Herm., Tnrnlehrer, in 

Brttnn 1 10 

Hofmann, Nikolaue, Fabrlkant, in 

Nurnberg 1 80 

Holler, J., Gcmeinderath, in Fflr- 
stenfeld (Stele rm.) — 21 
Holtzmann, Prof eaaor, in Heidel- 
berg 1 — 
Elolzer, Carl, Ziegeleibesitzer , in 

Brack 1 — 

3opf, 8teph., Kaufm., in Nflrnberg 2 — 
3ornburg, Dr., Prof., in Meta 1 45 

Sorschuta, Kaufmann, in Caasel 1 45 
loverden, Graf, in Berlin 1 45 

ifibbo, W., Dr., in Hamburg 1 45 

Sober, *L, Kaufm., in Nflrnberg 1 45 
ItLbner, RechnnngsfUhrer, in 

Werneck — 80 

Inbsch , 6g., Oberschreiber , in 

Werneck 1 — 

Inndegsrer. Loop., Adyokat, in 

Fflrstenfeld (Stelerm.) 2 20 

znme, J M Buchhandler, in Berlin 1 45 
sacob, Louis , Kaufmann, in Son- 

neberg 1 10 

aacobson, Ferd., in Hamburg 7 — 

aahn, K-, Gerichtsrath, in Bautzen 1 45 
sanik, Bergrerwalter, in Morgen- 

roth 1 45 

zzntzcn, Edoard, Kaufmann, in 

Warachan 1 52 

ramataen, William, Kaufmann, in 



fl. kr. 
Janus, Frlulein, in Entin (atatt 

frtther 1 fl. 45) 8 80 

Joel, Rechtaanwalt, in Bromberg 1 — 
Johannlng, Carlo, in San Jose 4 16 

Johns, E^ Senator, in Hamburg 7 — 
Jordan, Rechnungakommisaftr, in 

Ansbach 1 — 

Joeache, Oskar, Kaufmann, in 

Warschan 1 52 

Joseph, Banquler, in Michelstadt 

(statt frUher 80 kr.) l — 

Jung, Ingenienr, in Noveant 1 45 

Jusczyk, Rentier, in Beuthen l 10 

Just, Markacheider, in Beuthen 1 45 
Kalkmann, H. D. in Hamburg 8 80 
Kappeaser, Pfarrer, in Alsens 1 — 

Karl, Zahnkttnstler, in Boxen 5 50 

(Dieser Beitrag wurde bereita aeit 
1869 geleistet) 
Kataenberger, Dr., k. Beairkaaret, 

in Werneck 1 — 

Kelber, Pfarrer, in Forenbaeh — 80 
Keller, Professor, in 8aalfeld 1 — 

Kellinghusen, A. H., Dr, in Ham- 
burg 10 — 
Keftler, Lieutenant im k. bayer. 

4. Inf.-Reg., in Meta 1 45 

Kiefsling, Professor, in Hamburg 8 80 
Kilian, Bealrksgeometer, in Lien- 

tenfels 1 — 

Klein, E., in FUrth 1 — 

Klein, Karl, Pfarrer, in Fr5ach- 

weiler l — 

Klinger, Franz, Redakteur der 
Zeitschr. d. allg. osterr. Apothe- 
kerrereins, in Wien 1 10 

Knauch, Edmund, Fabrlkant, in 

Orlamttnde 1 10 

Kndhr, Adolfo, in San Jose 10 40 

Koch, Dr., in Berlin 1 45 

Koch, Konsul, in Berlin 1 45 

Koch, Otto, Kaufmann, in Stendal 1 10 
Kolecka, Rentamteaesiatent , in 

Schelnfeld l — 

Konnerth, Prof, a d. er. Ober- 

realschule in Hermannstadt — 85 
Kopf, Hauptmann im k. bayer. 4. 

Inf.-Reg., in Meta 1 45 

Kopp, Amtmann, in Tauberbi- 

scnofsheim I — 

Kopper, Arturo, In 8an Jose 10 40 

Krause, Rentner, in Alsfeld 1 45 

Krause, Ludw. Chrn., Maler u. 
Zeichnenlehrer a. Gymnasium 
zu Torgau 1 10 

Kretschmayer, Dr., Direktor der 
hohern Tochterschule and des 
k. k. Lehrerinnenaeminara in 
Briinn 1 10 

Kreufsler, Dr., Rektor u. Profes- 
sor, in Bautzen 1 45 
Krichel, Dr., Professor, in Meta 

(statt frtther 1 fl.) l 45 

Krober, Karl, Kaufmann, in Nflrn- 
berg 2 — 
Krom, Privatier, in Nflrnberg 1 10 
Krdmer, Krelsrichter, in Beuthen 1 45 
Kropff, Baron von, auf Zeutach 1 45 
Krug, Gr., Rechtaanwalt, in Gla- 

denbacn 1 45 

Kublan, Heinr., k. Gerichtsvoll- 

zieher, in SUffelstein 1 10 

Kflchler, Pfarrer, in Braunsdorf — 85 
Kuhlgatz, Dr., in Buckeburg 1 45 

Kiihlmann, Hauptmann im k. 

bayer. 4. Inf.-Reg., in Mete 1 45 

Kuhn, Dismaa. Dr., k. k. Professor 

der Geburtsbllfe, in Salzburg l 10 
Kuntze, Fr., SUdtrath, in Nord- 

hausen 1 45 

Lampe, C, Dr., sen., Kaufmann, 

in Leipzig 8 80 

Landau, Heinrioh, Kaufmann, in 

Coblenz 1 45 

Langfeldt, Landbaumeister, in Ro- 
stock 1 45 
Lappenberg, A., Dr., in Hamburg 8 80 
Larcke-Starckenfels, y., Major, in 

Berlin l 45 

Leipold, J., Pharmaseut, in Hdeh- 

stadt a A. 1 — 

Lena, Pet, Bildhauer, in Nflrn- 
berg; l 86 
Leopold, Administrator d. k. Re- 

monteanstalt in Fflrstenfeld 1 — 

Leuekardt, k. sachs-Oberamterath 

u. GuUbesitzer, in Dresden 1 45 

Lewin, Phil., in Olmflta 1 10 

Libas, Adolf, Banquler, in War- 

sehau 46 40 

Liebich, BL in Nflrnberg 1 — 

Limmer, Bauinspektor , in Reut- 

lingen 1 — 

Llnke, Bauinspektor, in Beuthen 1 45 
Lippert, D., in Hamburg 8 45 

Lips, Mitprediger, in Glefsen 1 — 

Lochbflhler, Amtsrichter, In Tan- 

berbischofsheim l — 

Loe, k. Studienlehrer, in Ken- 
burg a. D. l — 



tenant im k. bayer. 4. InC-Reg. 
in Meta 

Lohe, HOtvlbeaitaer. In 8alaburg 
Lommer, Adyokat, in Orlamttnde 
Lunta, Vikt., Architekt am Rath- 

hauabau in Wien 
Lute, H., in San Jose 
Ltttsenberger, Wilh. v., in Wflst- 

phttl 
Lnz, Buchhalter, in Werneck 
Maier, Pet, Mechanlker, in Nflrn- 
berg 
Mandel, Frau, in Berlin 
Marckhart, Pet Paul, Kaufmann, 

in Immenstadt 
Martens, J. F., in Hamburg 
Masuch, Major, in Worms 
Matsen, O., Dr., in Hamburg 
Mauch, F^ Dr., in Gdppingen 
May, Dr., Arzt, in Worms 
Mayrhofer, Rechtsanw., in Augs- 
burg 
Meding. H. v., RittergaUbeaitser 

auf Horst (Altmark) 
Meinecke, Gustav A., in San Jose 
Mendel- Stelnfels, H., Reicharitter 

v., in Wttstphul 
Merkel, Oskar, in ETalingen 
Merkle, K., Geometer, in G reding 
Metsch, E. D., Weinhandler, in 

Kitzingen 
Mettenleitner, Staataanwaltasub- 

•titut, in Augsburg 
Meyer, v., Minister, in Caasel 
Meyer, A. O., in Hamburg 
Meyer, F. Max. in Hamburg 
Meyer, Karl, Kaufmann in Nflrn- 
berg 
Michahelles, Bez.-Ger.Rath, in 

Au go burg 
Michitach, Kaufmann, in Leit- 

meriu 
Minnigerode, Baron v., Premier- 
lieutenant der Gardes du Corps, 

in Berlin 
Mockel, Baumei8ter, in Zwickau 
M6Uer, Heinr., k. Landrichter, in 

8taffelstein 
M5rath, Ant, fflrstL schwarsen- 

berg. ArchiYbcamter, inSchwar- 

aenberg 
Morbitz, Jul., Fabrikbesltzer, in 

Bautzen 
Mtthlbacher, Paul, Gewerkschafts- 

u. Gutsbesitzer, in Klagenfurt 
Mttiler, Rechtsanw., in Augsburg 
Mttller, Dr., Pastor, in Lobsdorf 
Mttiler, Ad., Oberfbrster, in Gla- 

denbach 
Mttller, A., k. Notar, in Greding 
Mttiler, H. A., Dr., ordentl. Leh- 

rer a d. HaupUchule in Bremen 
Milliner, G., in 8an Jose 
Nftdelin, Dr., in Cannstatt 
Nagell, Hofapotheker. in Cassel 
Nebe. Rechtaanwalt, in Zeitz 
Nebeltbau, Oberbttrgermeister, in 

Cassel 
Netzle. A., Studienlehrer, in Zwei- 

brttcken 
Neubert, Bergdirsktor, in Schmal- 

kalden 
Noll, Rentner, in Glefsen 
Nonnenmacher, Rechnungakom- 
misaftr, in Ansbach 
Nowak, Hauptrendant, in Beuthen 
Oeynhausen, Graf von, in Berlin 
Opacher, Lndwig, Kaufmann, in 

8alzburg (f) 
Ostwald, Moritz, Kaufmann, in 

Nflrnberg 
Otto, Edelsteingrareur, in Berlin 
Pabst Geh. Reg.-Rath, in Caasel 
Papellier, Heinr., k. 8tadtger.-As- 

sessor, in Nflrnberg 
Parrot, Dr., in Castell 
Parthe, J., Dr., Direktor des k. k. 

Realgymnasiums, in Brttnn (statt 

frtther l fl. 10 kr.) 
Partowitz, Otto, Kaufmann, in 

Warschan 
Paul, J. E., In Hamburg 
Pereira, Viktor Baron von, in 

Bergheim bei Llns 
PeritznofT, v. , Hauptmann im k. 

bayer. 4. Inf.-Reg., in Meta 
Peters, Justizrath, in Caasel 
Pfaff, Finaneassessor, in 8tuttgart 
Pfeiffer, Gust, Banquler, in Caasel 
Pfeiffer, L^ Banquler, in Caasel 
Pferschy, L., Gemeinderath, in 

Fflrstenfeld (8telerm.) 
Pflaum, Alexander, in 8tuttgart 
Pflaum. MoriU, in 8tuttgart 
PichlhOfer,Besirksschulinspektor, 

in Fflrstenfeld (8teierm.) 
Pobig, Kammerregistr., in Schleia 
Pochhammcr, k. pr. Hauptmann u. 

Compagnie-Kommand. im ost- 

preufa Pionn.-BatailL Nr. 1. In 



fl. kr. 



1 


45 


1 


45 


1 


45 


5 


50 


8 


8 


1 


„_ 


1 


— 


1 


_ 


1 


45 


1 





10 


80 


1 


— 


3 


30 


1 


— 


1 


— 


1 


80 


1 


45 


4 


16 


1 





8 


80 


1 


— 


1 


45 


1 





1 


45 


17 


80 


5 


15 


1 


45 


1 


- 


1 


10 


1 


45 


1 


45 



1 — 



8 — 

1 45 



8 


80 


1 


80 


1 


45 


1 





I 


— 


1 


45 


8 


88 


1 


— 


1 


45 


1 


45 



1 45 
— 80 



1 


45 


1 


45 


1 


18 


1 


45 


1 


45 


1 


10 


8 


_ . 


1 


45 


1 


45 


1 


18 


1 


— 


8 


80 


1 


52 


7 


— 


8 


80 


1 


45 


1 


45 


1 


— 


1 


45 


1 


45 




21 


1 


45 


1 


45 




14 




17i/a 



fl. kr. 
Pohlmann, Rechtsanw., in Augs- 
burg x io 
Pdhlmann, Robert, 8tud. hist, in 

Nflrnberg % _ 

Prttoriua, L. Chr., Dr., nrakt Arat 
n. Chef-Redakt d. media-ehirur. 
Centralblattes t in Wien 8 20 

Preyer, Professor, in Jena i 45 

Prinstner, Job., Gutsbesitzer, in 

Beilngrlea i 45 

Probst, Adolf, Fabrikbesltzer, in 

Immenstadt 5 — 

Promber, Ad., Dr., Adyokat, in 

Brttnn 1 10 

Puta, Rechtaconcipient, in Augs- 
burg 1 __ 
Quaaa. Buchhandler, in Berlin 1 45 
Rappold, Pfarrer, In Rfldenhauaen 1 — 
Rascher, Dr., Mediainalrath, in 

Zwickau 1 45 

Ravene, Geh. Commeraienrath, in 

Berlin 3 80 

Reach, Phil., in Prag 1 10 

Rehm, A., Dr., Kreiaphyaikna, In 

Schmalkalden 1 45 

Reiche, Dr., Consistorialrath , in 

Bttckeburg 1 45 

Reiff, Kaufmann, in Hohenstein 1 45 
Renner, k. Post- u. Bahnexpedi- 

tor, in Waigoldshausen 1 45 

Renner, Friedr., Dr., Rechtaan- 
walt in Cassel 1 45 
Rens, Dr., in Wildbad 1 — 
Reyscher, Profesaor. in CannsUtt 1 — 
Rhon, Baumeiater, in Burtscbeid 1 45 
Richter, Ferd., Aaseasor, in Lo- 

benstein _ 521/1 

Richter, J. F., in Hamburg 8 45 

Riedl, E., Bttrgerschullehrer, in 

Fflratenfeld (Steierm.) — 85 

Rigann, H., Kaufm., in Leipzig 8 80 
Riotte, Walter C, in San Jose 10 40 
Rittelmeier, Pfarrvikar, in Hap- 

purg _ 30 

Rftter, G., Pfarrer, in Hamburg 8 80 
Rittershauaen, A., Kaufmann, in 

Caasel 1 45 

Rittmann, Alex., Dr., prakt Arat 

in Brttnn % 20 

Rochelt, A., Dr., k. k. Notar, in 

Leitmerits 1 10 
R5der, Joa, Kaufmann, in Ans- 
bach % 

RSdiger, Friedr., Bijouteriefabri- 

kant, in Hanau 1 — 

Rohrmoser, Erno., in San Jose 6 84 

Romberg. Kaufra M in Meiningen 1 — 
Romeis, k. Studienrektor, in Neu- 

burg a. D. \ 45 

Rdnsch, Herm., Diakonue u. Pfar- 
rer, in Lobenstein — 521/) 
Roosen, H., in Hamburg 14 _ 
Roscher, Dr., Oberlehrer zu St 

Afra in Meifsen 1 45 

Roth, E., Kaufm., in Meiningen 1 — 
Roth tela, Jeremias, Partikulier, 

in Cassel 1 45 

Rottberger, Ign., Buchdrucker, in 

Profanitz 1 10 

Ruble, F. G., Dr., In Hamburg 8 80 
Rttmelin, Cameralverwalter, in 

Gaildorf 1 — 

Rummel, Frau Kriegsrath, in 

Mergentheim 1 — 

Rummel, Frhr. y M k. Rittmeister, 

in Nflrnberg 9 — 

Runde, Justisrath, in Eutin 1 45 

Rupprecht, Mate rial! en verwalter, 

in Morgenroth 1 — 

Sack , Reglerungssekr. , in Augs- 
burg 1 __ 
Sand, O., Profess., in Zweibrflcken 1 12 
Battler, Dr., Assistenzarzt im kgt 

bayer. 4. Inf.-Reg., in Mete 1 45 

Saner, Valentin, Pfarrcuratus, in 

Werneck 1 — 

Schad, Gg^ Braumeiater, in Saal- 

feld — so 

Schade, Herm., Htttten- n. Gru- 

benbeaitaer, in Zeitz 8 SO 

Sehadler, Oekonom, in Staufen 8 — 
Scharf, Hugo, Kaufm., in Leipzig 8 30 
Scharnberger, Maschinenmeister 

a. d. Ostbahn, in Nflrnberg 8 — 

Schaubach, Archidiakonus,in Mei- 
ningen 1 — 
8ehaaler, Qg. E. Feinblattgold- 

fabrikant, in Nflrnberg 1 80 

Scheel, Buchdruckereibeaitzer, in 

Cassel 1 45 

Scheifele, C. F. G., in Hamburg 8 80 
Scheler, Alb^ Dlakonua, in 8aal- 

feld ^ - 80 

Soberer, Pfarrer, in Fttrth (statt 

frtther 1 fl.) 1 30 

Schieck, R. , Justisamtmann , in 

Lobenstein 1 10 

Behiele,Dr.,Gollegienrath,lnJena 1 45 
Sohierenberg, G. A. B^ in Detmold 1 10 
Sahiffmann. Albln. RaehUanwalt 



Bchiffmann, Job*, Direktor dei 
stadt. Mas. Carol. - Augusteum 
in Salzburg 
Schilling, Albert, Weinh&ndler, 

in Sulzburg 
Schlmraelpfennig, Th., Amtsricht, 

in Schmalkalden 
Schindler, Advokat, In Cahla 
Schlcifsner, Aug., Silberwaaren- 

fabrikant, in Hanau 
Schlosser, Gg., Diakonus, in Gerns- 

heim 
Schlotterbeck, Privatier, in Stutt- 
gart 
8chraid, II. 8taaUanw., in Ansbach 
Schmidt, Jul., Kauftnann, in War- 
schau 
Schmitz, EL, PostsekreUir, in Gla- 

denbach 
8chneider, Gust, Pfarrvlkar, in 

Welboldfhausen 
Schneidewlnd, Frits, in Nioder- 

rossen 
8choniger, Fr. , Apotheker, in 

Nurnberg 
Schoninger, 8taatsanw. f in Augs- 
burg 
Schott Pfarrrerweser , in Tau- 

berbischofshelm 
Schott , Piarryerwcser , in Hers- 

bruck 
Schotten, Dr., Obermedizinalratb, 

in Cassel 
Schroter, L. O. yon, in San Jose" 
Schubart, Dr., in Berlin 
Schubart, Dr. med., in Cahla 
Schubart, Julius, in Berlin 
Schultze, Geh. Reg.- Rath, in Mer- 

seburg 
Schulz, Gustay, in Nttrnberg 
8chur, F M eyang. Pfarrer, In Brilnn 
Schwaab, Carl, kais. deutscher 

Vireconsul, in Brussa 
Schwcigger, Dr. phil., in Werneck 
Schwcnk, Reallehrer. in Gaildorf 
Schwenke, Dr., in 8cnleiz 
8edlmayr, k. Appell.-Ger.-Direkt., 

in Nurnberg 
Seeliger, Emil, Prof. a. d. k. k. 
Oberrealschule Schottenfeld in 
Wien 
Sehn, Vincent, in Konstans 
Semper, Otto, Fabrik., in Altona 
Severinus, Rud., Professor a. d. 
ey. Oberrealschule, in Her- 
man nstadt 
Seyler, Redakteur des Herold, in 
Berlin 



fl. kr. 



8iebert, 



, in Michelstadt 



10 



46 



1 
1 

1 

1 

1 — 

1 SO 

— 30 
1 12 

3 44 

1 — 

1 — 

1 — 

1 80 

1 — 

1 — 

— 80 

1 45 

10 40 

1 45 

1 45 

1 45 

1 45 

2 20 

1 45 

— 52 
1 — 

— 17V» 

8 80 



1 10 
1 — 
1 45 



- 85 
5 15 



(statt friiher 30 kr.) 
Sieger, prakt Arst, in 8teinfeld 
8iewczynski, F., Kaufm., in War- 

schau 
Sillem, R., Dr.. Hamburg 
Simon, H., Reallehrer, in Schmal- 

kalden 
Skrzeczek, Spediteur, in Morgen- 

roth 
Sommerfeld, Hermann, in War- 

schau 
Spangler, Leop., k. k. 8Uatsan- 

waltssubstitut, in 8alzburg 
Spear, Fabrikbealtzer, in Sonne- 

berg 
Stahel, Joseph, Prokurist, in Im- 

menstadt 
8tanley Booth, in Hamburg 
Staudt, C. v., Privat, in Nurnberg 
Steiner, Fridolin, Historienmaler, 

in Nurnberg 
Stein haulsler, Eduard, Weinhand- 

ler, in Sulzburg 
Stein-Liebenstein , Frau Oberst 

Freifrau v., geb. Freiin v. 8chlot- 

heim, in Schmalkalden 
Steinmeier, k. Praparandenlohrcr, 

in SUffelstein 
Stettlner, Moriz, Kauftnann, in Kb- 

nigsberg i. Pr. 
8tettner, Christoph, in Dresden 
Stockfleth, A., Dr., iu Hamburg 
Strong, Direklor des Zellenge- 

fangnisses in Nurnberg 
Strlcdinger, Dr., Notar, in Krum- 

bach 
Sturm, Ed., Dr., Landesadvokat, 

in Brttnn 
Sturm, Jak., Dr., prakt Arzt, in 

Lonnerstatt 
8utter, J., Gemelnderath, in Fttr- 

stenfeld (Steierm.) 
Taeu yon Amerongen, Baron, in 

Bonn 
Tauchnitz, C. C., Priyatmann, in 

Leipzig 
Tauffkirchen, Graf, k. b. Ge- 

sandter, in Rom 
Teichmann, -J. G., Gttrtlermei- 

ster, in Nttrnberg 
Tesdorpf, A., Senator, in Hamburg 
Theil, Rud., Dr., Gymnaslalleh- 

rer. in Mediasch (sUtt friiher 

85 kr.) 
Thelemann, Friedr.. k. Besirks- 

amtsassessor, in Forchheim 
Theobald, A., Dr., in Hamburg 



fl. kr. 

1 — 

l — 

1 52 

8 45 

1 46 

1 46 



62 
10 

10 

80 



1 45 



8 

1 
8 


80 
80 


1 


45 


1 


80 


5 


50 


1 


- 


— 


14 


1 


46 


8 


80 


9 


40 


1 

8 


45 
45 


1 


10 


1 
8 


80 



Thorbecke, G., Lehrer, in Detmold 
Tkost, Gustay, Berglngenieur, in 

Zwickau 
Thyriot, Friedr., Stadtbaumelster, 

in Hanau 
Trauttenberger , G., Dr., eyang. 

Pfarrer u. Con senior, in Briinn 
Trazberg, Wilh. Pappus v., Freih. 

y. Rauchenzell u. Laubenberg, 

k. b. Premierlieut a la Suite 

u. Rittergutsbesitzer, in Immen- 

sUdt 
Trenkle, Th., Vikar, in Eschenau 
Tretzel, Rittmeister, in Nttrnberg 
Trieschet, Alu., Dr. , Advokat, in 

Profsnitz 
Troost, Frau Math., in i>etmold 
Ulex, G. L., Dr., in Hamburg 
Ulrich, Eduard, Apotheker, in 

Werneck 
Ulrici, A., Kaufmann, in Berlin 
U Men ho v en, Freiherr v., Berg- 
rath, in Sonneberg 
Valette, Henri, in Berlin 
Vogel, Kaufmann, in Nttrnberg 
Voigt, C, Hofgraveur, in Berlin 
Voigt, J. F., Dr., in Hamburg 
Volkart, Jul., in Berlin 
Voltz, Adam, Bijouteriefabrikant, 

in Hanau 
Wachenfeld. E., Dr., prakt Arzt, 

in Scbmalkalden 
Waitz, Sigin. Freih. v., in Cassel 
Walter. Chrn., Stadtvikar, in 

Nurnberg 
Walter, Gg., Kaufmann, in Nttrn- 
berg 
Warburg, Albert, in Altona 
Warburg, J. R., in Hamburg 
Warburg, Sigm., in Hamburg 
Warburg, 8. R~, in Hamburg 
Warnecke, F., geh. exp. Sekret&r, 

in Berlin 
Weber, Forstmeister, in Cassel 
Weese, Ernst, Kaufmann, in War- 

schau 
Wegener, Theod., in Berlin 
Wehrenbold, J. D., Huttenbesitzer, 

in Gladenbach 
Weiffenbach, Dr., Gymnasialleh- 

rer, in Gladenbach 
Weinmann , Rechtsconclplent, in 

Augsburg 
Weishaupt, Heinr., Bljouterlefa- 

brikaui, in Hanau 
Weifs, k. Bezirksamtmann , in 

Beilogries 
Wellershaus, Pfarrer, In Cleve 



fl. 


kr. 


1 


10 


1 


46 


1 


- 


2 


20 


1 


45 


1 


80 


2 


— 


1 


10 


1 


45 


7 


— 


1 





1 


46 


1 


10 


1 


46 


1 


— 


1 


45 


3 


80 


1 


46 


1 


- 


1 


45 


3 


30 


1 


30 


1 





1 


46 


3 


80 


3 


80 


3 


80 


1 


46 


1 


46 


1 


52 


1 


45 


1 


45 


1 


- 


1 


- 


1 


- 


1 





1 


46 



fl. kr. 
Wenck, Wold~ Dr., Professor, la 

Leipzig l 46 

Wendler, Justizamtm., in Sehleiz — tt 
Wentzler, Reisender, in Nttrnberg 1 — 
Werkmann, Stadtpfarrer, in Hei- 

tersheim l - 

Werle, R., Dr. , k. k. Fabrikarzt, 

in Fttrstenfeld (Steierm.) — 14 

Werner, H., Realachullehrer, in 

8chwerin 1 45 

Wernicke, C. F., Kaufmann, in 

Stendal 1 45 

Wichmann, N. D., in Hamburg 7 - 
Wieprecht, Alfr., in Nttrnberg 1 - 
Wild, Richard, Kaufmann, in 

Warschau 1 62 

Wilko, O., in Nurnberg 1 - 

Willisch, Feodor, Buchhlndler, 

in Schmalkalden 1 45 

Winckel, Dr. med., Unlyers.-Pro£, 

in Rostock 1 46 

Winkelsesser, B., Gymnasialleh- 

rer, in Guben 1 46 

Winkler, Cantor, in Bockwa 1 45 

Wiskemann, Professor, in Hert- 

feld 1 45 

Wittich, Stadtrath, in Cassel 1 45 

Wlttich, Assessor, in Berlin 1 4* 

Woletz, Fritz, Kaufm. in Profsnitz 1 19 
Wolf, Sigm., Kaufm., in Profsnitz 1 19 
Wolff, Kanzleidirektor, in Castell 1 - 
Wolff, qu. AppelL-Ger.-Asteas., in 

Castell 1 - 

Wolff, Fabrikant, in Nttrnberg 8 - 
Woermann, C , in Hamburg 17 SO 

Wttrz , Bezirksamtsaaseasor , in 

Scheinfeld 1 - 

Zacharias, A. N., In Hamburg 8 45 
Zacharias, J., Fabrikant, in Nord- 

hausen S W 

Zajiczeck, Joh., Bttrgermelster, in 

Profsnitz 1 10 

Zapf, Pfarrer, in Plrmasens 1 - 

Zeller, Ludw., Kaufmann, in Salz- 
burg 1 10 
Zellfelder, Pfarrvlkar, in Forch- 
heim 1 45 
Zellfelder, Vikar, in Werneck 1 - 
Zenker, Professor, in Erlangen 1 45 
Ziegler, k. Post- u. Babnexpeditor, 

iu 8taffelstein 1 - 

Zierer, Jak., k. Posthalter, in Gra- 
ding - » 
Zink. J., Rentier, in Nttrnberg 1 H 
Zuscnlag, Oberfinanzrath a. D n 

in Cassel 1 45 

Zweig, Markus, Bttrgermeister d. 

lsraelltengemeinde in Profsnitz 1 10 



An einmaligen Beitr&gen, unter denen manche von Freunden herruhren, die solche neben ihren regelmafsigen Jahresbeitrftgen gespendet, oder dil 
Bchon fruher, theil weise wiederholt, solche Beitr&ge geleistet haben, wurden seit Drucklegung des letzten Jahresberichtes folgende gegeben: 



Von regierenden Hausern. 

fl. kr. 
Deutschland, Kaiserin Augusta, 

Kdnigin v. Preufsen, Majestat 200 — 

Von StSdten. 

Clausthal, 8tadtgemeinde 3 SO 
Friedrichstadt, 8Udtgemeinde 10 80 
Gmunden, 8tadtgemeinde 11 40 
Graslltz, Stadtgemeinde S — 
Reichenberg (Bdhmen), Stadtge- 
meinde 5 50 
Thiengen, Stadtgemeinde 15 — 



Von Vereinen, Geseiisohaften etc 

5 1 



49 



Eisenach, Gewerbeyerein 
Erfurt. Lesekranzchen der Real- 

schule 
Fttrth, Gewerbeyerein 
Ulm, Bttrgergesellschaft 
Ulm, Verein f. Kunst u. Alter- 

thum in Oberschwaben 

Von Privaten. 

A. P. in Warschau 

A^atz, J., Stadtkaplan, in Forch- 
heim 

D Arrest, Dr., Oberstabsarst, in 
Metz 

Bade, Johannes, in Hamburg 

Bauer, y., in Aschaffenburg 

Baunieister, k. Rentbeamter, In 
Forchheim 

Beerlein, Rechtsanw., inHersfeld _ __ 

Beyrut, kais. ottomanische Bank 17 80 



8 44 



1 45 

48 45 

5 — 

1 — 



Bleyl, Betriebsingen., in Zwickau 
Bttckeburg, Ungenannter 
Buhr, Joh., Stadtkaplan, in Forch- 
heim 
Buschmann, A. C, in Hamburg 
Catstenn, Dr n Stabsarzt, in Metz 



45 
45 



1 — 
10 30 
1 45 



Christmann, Xen. F., kais. Bank- 

beamter, in Beyrut 
Deuerling, Egid, k. Bezirksamt- 
mann, in Forchheim 
Dttmmler, Ernst. Dr., Professor 

a. d. UniyerslUU zu Halle 
Ejirich, Dr., Assistenzarzt, in Metz 
End res, in San Jose 
Engelhard, Dr., Stabsarzt, in Metz 
Erdmann, Dr., Oberstabsarst, in 

Metz 
Erhardt, W., Dr., in Rom 
Fiesche, Dr., Oberlehrer, in Dres- 
den 
Fried Under, Commerslenrath, in 

Beuthen 
Geifsler, E., Apotheker, in Jena 
Gleim, Rechtsanwalt, in Hersfeld 
Greye, L., in 8a n Jose 
Gries, H., Dr., in Hamburg 
Grytzell. C, in 8an Jose 
Guttenhdfer, Dr., ObersUbsarzt, 

in Metz 
Haas, J. v., kais. Bankdirektor, 

in Beyrut 
Haltrich, Josef, Pfarrer, in Schaas 
Hafielwander, Dr., Assistenzarzt, 

in Metz 
Haugwitz, v., auf Rosenthal bei 

Breslau 
Hausinger, Steuerkommissar, in 

Gladenbach 
Hefs, Hen, in Hersfeld 
Hoist, Gmo., in 8an Jose 
Hoppe, Wilh., k. Oberfbrster, in 

Forchheim 
Hiilse, Guido, Kaufm.. in Beyrut 
Kaswurm, A., Gutsbesitzer, inSo- 

denen 
Kaswurm, A., Frau, geb. Ammon, 

in Darkemen 
Keller, Buchdruckereibesitzer, in 

Gardelegen 



fl. 


kr. 


5 


- 


1 


45 


42 
1 

14 
1 


45 

56 
45 


1 
2 


45 

SO 


1 


- 


8 

1 

1 

10 

43 

42 


45 

45 
40 
45 
40 


1 


45 


9 


15 
49 


1 


45 


5 


- 


1 
10 


45 

521/* 
40 


1 
9 


15 


- 


26»/4 


- 


16V4 


1 


45 



Kellinghusen, H., Dr., Bttrgerm., 

in Hamburg 
Kirsten, Dr., Stabsarzt, in Metz 
Koch, Fabrikant, in Cahla 
Krapp , Pet , k. Stadtpfarrer und 

Dechant, in Forchheim 
Ktistermann, Franz, in Hamburg 
Kwisda, Ferd., Apotheker z. hell. 

Markus, in Wien 
Lappenberg, Alfr., Dr., in Ham- 
burg 
La Roche - 8tarkenfels , Freiherr 

v., in Potsdam 
Leithe, Ferd., Kaufm., in Beyrut 
Lippcrt, D., in Hamburg 
Lorange, Dr., Arzt. in Beyrut 
Lofsl, L. v., kais. deutscher Con- 
sul, in Rio Grande do Sul 
Loth, B., Kaufmann, in Warschau 
Luthmer, C. W., in San Jose 
Ltttticke und Co. , Kaufleute , in 

Beyrut 
Ltttzelburg, Ernst Freiherr v., k. 
b. Premierlieutenant, in Rethel 
Ltttzelburg, Ernst Baron v., k. 

?u. Hauptmann, nebst Gemah- 
in, geb. v. Forster, in Mttnchen 
M., v., in Bttckeburg 
Mages, A., in Innsbruck 
Maison, F., in San Jos6 
Markdorf, drei Ungenannte 
Massad, Michel, kais. Bankcom- 

mis. in Beyrut 
Meerneimb, Drost Freiherr v., auf 

Grols-Glschow 
Meyer, Arnold Otto, in Hamburg 
Monckeberg, J. G.,Dr., in Hamburg 
Muldner, v., Rechtsanw., in Hers- 
feld 
Mttlier. Jul., Gerichtsassessor, in 

Wiesbaden 
Oefele, Freih. Edmund v., Reichs- 
archiyspraktikant, in Munchen 



fl. kr. 



87 


80 


1 


46 


7 


— 


1 


45 


17 


80 



4 291/2 
48 45 



1 


46 


9 


15 


8 


46 


3 


— 


88 


20 


1 


52 


10 


40 



9 15 
2 20 



5 


— 


1 


46 


2 


20 


6 


24 


— 


42 


2 


20 


8 


45 


43 


45 


8 


45 



— 621/* 



1 45 



Oertel, Karl, Kaufmann, in Forch- 
heim 

Ortenburger, Betriebsinspektor, in 
Morgenroth 

Petersen, die Kinder des verstor- 
benen Herrn Professors, in Ham- 
burg 

Pfeifter, E., in Can n statt 

Reisner , Reyierfbrster . in Forst- 
haus Rothenburg (Schleaien) 

Reye, D. W., Dr., in Hamburg 

Rogge, A., Pfarrer, in Darke- 
men 

Roosen, B. C, Pastor, in Hamburg 

Rosenberg , Betriebsinspektor, in 
Beuthen 

Saalfeld : Ungenannter 

San Jose: Ungenannter 

Schifaburg: von den Gymnasiasten 

Schiele, Dr., Collegienrath, in Jena 

Schmidt, Berm., Advokat u. No- 
tar, in Cahla 

Schmidt, Ottmar, Dr., Apotheker, 
in Forchheim 

Steindorth, Guillo., in San Jos4 

Strlbel, F., Schneiderelbesitser, 
in Beyrut 

Suaya, Selim, kais. Bankkassier, 
in Beyrut 

Thalwitzer, Dr., ObersUbsarzt, in 
Metz 

Tiburtius, Dr., ObersUbsarzt, in 
Metz 

Ulex. G. L., in Hamburg 

Vanne, Gmo., in San Jose 

Velel, v., Hofrath, in CannsUtt 

Voigt, J. F., Dr., in Hamburg 

Watjen, O., in San Jos6 

Weber, Th., kais. deutscher Ge- 
neralkonsul, in Beyrut 
- - • • ~tto, in Haajb— , 

, Fabrikant, in Kord- 



fl. kr. 
1 - 
1 45 



5 U 
5 - 



- 15 



8 45 Westphal, Otto, in Hamburg 



hausen 



1 45 

26 15 

1 45 

- » 

IS - 

5 5« 

S 50 

1 - 

1 - 

t § 

t » 

t 30 

1 46 

1 45 

IT *> 

41 *> 

b - 

17 » 

10 4* 

9 li 

87 » 

17 » 



Aulserdem giengen im Laufe des Jahres zur Baukasse und zu den Eosten der Uebertragung des Augustinerklosters folgende Beitr&ge ein : 



kfeklenbnix-8chwerlD, OrofBhenog Friedrlch Frans, KdDigl. Hoheit . . . 

Dtomer, Privatier, in Nurnberg 

Loffelbolz, Wilh., Frhr. v., Dr., fttrstl. Archivar u. Domanialkanzleiratb, 

in Wallerstein 10 

Nirnberg, 8tadtmaglstrat , 600 



fl. kr. 

500 



— Oetker, Fr., Dr„ in Casael 

25 — Salzungm, Kirchenchor 

Soldan, Sigm., H of- Bach- u. Kunstbandler, in Nilrnberg 

— Zehler, Dr., in Nilrnberg 

50 



fl. kr. 

875 — 

150 — 

100 — 

6 5 



Summarischer Anszng ans der Rechnung des germanischen Nationalninseums 



far die Zeit vom 1. Januar bis 31. December 1871. 



A. Uebertrage ans voriger Rechnung. 

fl. kr. 

1. Kassebestand 254 48 

1 Reehnimgsdefckte und Ersatsposten — — 

I Emgegangene Aktlyausstande 1484 15 



fl. kr. 
1788 8 



B. Unterstfltzungsbeltrage. 

fl. kr. 

L Zimen ans dem Aktienfond 29 80 

1 Zinsen ana angelegten Baartnmmen 22 36 

I Jaliresbeitrage (von 31,185 fl. 32»/4 kr.) 98892 18«/i 

4 Getchenke nnd einmalige Beitrage 2841 48>fo 

I Beitrage fur besondere Zweoke 2491 — 



I. Einnahmon. 

fl. kr. 
Transport 36,016 16 

C. Elgene Ertr&gnisse. 

fl. kr. 

1. ErlSs der literarisch-artiatischen Anstalt 1581 16'h 

2. Eintrittsgelder 4842 24 

8. Ertrag der Realit&ten 207 80 

4. Aufserordentliche Einnabmen 99 17»/4 

6780 28V4 

D. Capltalbewegongen. 

fl. kr. 

1. Anfgenommene PassiYYorscbusse 1068 41^4 

2. Helmbezablte Aktlykapitalien — — 

8. Rttckerstattete Aktivvorscbusse 409 10»/s 

4. Anfgenommene PaaslTkapitalion 4050 — 

6522 58>/4 

L Zuaohfl88e aus anderen Kaasen . . . 4300 - 

gumma ailer Einnabmen 52,569 36 1 /* 



34,277 IS 



LatUS 36,016 16 



II. Ansgabe 



A. Uebertrage aus vorj&hrlger Rechnung. 

fl. kr. 

I Zablungsrtickstande 4284 40'h 

2. Kecnnungsdefekte nnd Ersatsposten — — 

B. Admlnl8tration8ko8ten. 

fl. kr. 

I. Besoldangen fur die Administration 6099 24 

1 Remuneration en filr besondere Dienstleistnngen ... 714 —"4 

I Diiten and Reisekosten 786 47>fe 

l Regie, als: 8cbrelbmateriallen , Inserate, Kalender, 
Circulare, Formularien, Heisnng, Reinignng and 

Beleacbtung 878 86Vi 

i- Oeffentlicbe Lasten, Feuerrersicberung 862 20«4 

8. Postporto, Fnhr- nnd Botenlohne 1154 38»/4 

I Miethzinse and Paebtgelder 16 — 



4284 



kr. 

40 Va 



10461 41*/< 



C. Geb&ade und Elnriohtongsgegenatftnde. 

fl. kr. 

I. Baokosten 9670 53>/a 

L InTeatarstftcka and Einrlehtangsgegenstande .... 478 2>h 



10,148 66 



Latas 24,845 18»/4 



fl. kr. 

Transport 24,846 18»/4 

D. Publlkatlonen ...-.-.. 1337 39^ 
L Yermehrung der Sanmlungen. 

1. Kunst- and knltargescbiobtlicbe Sammlangen : fl. kr. 

a) Besoldangen far wlssenschaftliche u. kilnst- 

lerische Arbeiten 1700 — 

b) Ankaufe 4117 2*k 

e) IfaterialbedurfnUse 188 20 

d) Arbeiten des Bucbbinders, Gypsformators, 

Vergolders u. dergL 829 16>fo 

e) Porto fur Gescbenke and Ankaufe .... 508 65^4 fl. kr. 

7888 86 

2. Bibliothek: fl. kr. 

a) Besoldungen fur wissensebaftliehe Arbeiten 2200 — 

b) Ankaufe 126 86 

c) Bncbbindartdnne and Materialbedurfinisse . 182 1 

d) Porto for Gesebenke and Ankaufe . . . 48 54 

2667 81 
8. ArcblT: fl. kr. 

a) Besoldangen far wissenscnaftliche Arbeiten 1000 — 

b) Ankaufe 60 50 

0) Materialbedfirfnisse and Bachbinderarbelten 8 18 
d) Porto fur Gescbenke and Ankaufe . . . 2 86 

1066 44 

Latas 87,196 47»/4 



fl. kr. 
Transport 87,195 473/4 



F. Capltalbewegungen. 

fl. kr. 

1. Rtickzahlnng von Passiycapifcilien 7870 — 

2. Zinsen von Passivcapitalien 8696 4 

8. Riickzablung von Passivvorschilssen — — 

4. Geleistete Aktivyorscbilsse M66 — >/i 

5. Angelegte Kapitalien — — 



13,982 4>fe 



LatUS 51,137 52>/4 



fl. kr. 
Transport 51,127 sity 



G. Yerechledene Ausgaben. 

fl. kr. 

1. Coursyerluste 329 8>/4 

2. Tazen, Stempel 13 37>/t 

3. Zuscbusse an andere Kassen — — 

4. Aufserordentliche, unyorhergesehene Ausgaben .... 1072 20 



1415 ft 



Summa aller Ausgaben 52,542 58 



Abscblnss. 



8nmma aller Einnabmen 
Summa aller Ausgaben 



fl. 


kr. 


. . . 52,569 


36»/i 


. . . 52,542 


58 



Kassabestand . 



26 My, 



Zar Erl&uterung des In den Einnabmen unter A. l yorgetragenen Eassabestandes yon 254 fl. 48 kr. , gegenuber der nach dem Bechnungsabschlusse pro 1870 yerblia- 
benen Mebrausgabe yon 3787 fl. SSty kr., set bemerkt : 

Bel der VerSffentlichung der Rechnungsergebnisse werden die einzelnen Ausgabeposten der Haupt- und Spezialkassen naob den einscblagtgen Tlteln xusammengeiroifa. 

Die Hauptkaase hatte nun am Schlusse des Jahres 1870 eine Mebrausgabe yon 4042 fl. 21S/4 kr. 

Hievon geht der obige Bestand einer 8pezialkasse mit 254 „ 48 n 

ab, es verbleibt sonach die in dem 18. Jabresberichte erw&bnte wirkliche Mebrausgabe yon ~~. 3787 fl. 33^71kr. 

Diese Mebrausgabe 1st unter der Summe yon 4234 fl. 40«/i kr. inbegriffen, welche oben unter den Ausgaben A. 1 yorgetragen 1st 



Gedruckt bei U. E. 8EBALD in Number*. 



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Google 



BEILAGE ZUM AJVZEIGER PUR KCflDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 



1873. 



Jtf3. 



M&rz. 



Cbronik des germanischen Museums. 



Numb erg, den 19. Marz 1873. 

Die Sammlungen des germanischen Museums haben in neuerer 
Zeit zu mehreren Publikationen Anlafs gegeben. So liegt bereits 
eine Folge von 18 Blattern Photographieen nach Kunstwerken aus 
dem Museum uns vor, die der hiesige Buchhandler Sigm. Soldan 
durch den Photographen Hahn hat anfertigen lassen, und die sich 
auf etwa 60 Blatter erstrecken und mustergultige Yorbilder fur 
verschiedene Gewerbe bieten sollen. Das Werk ist vom Verleger 
Direr Majestat der deutschen Kaiserin gewidmet. 

Ein grofseres, reich mit Holzschnitten , Farbendrucken und 
Stichen illustriertes Werk soil in zwei Quartbanden die Sammlun- 
gen des Museums besprechen. Dasselbe wird unter dem Titel: 
„Die kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen des Germani- 
schen Nationalmuseums zu Nurnberg, als Uebersicht Qber die En t- 
wickelung der deutschen Kultur im Ganzen und Einzelnen" dem- 
nachst bei £. A. Seemann in Leipzig erscheinen. 

An der Wiener Weltausstellung wird sich das Museum durch 
Vorfuhrung seiner sammtlichen Publikationen betheiligen. 

Die Arbeiten fur die Einrichtung einer Luftheizung und Ven- 
tilation in den Ausstellungsraumen des Museums werden in den 
nachsten Tagen begonnen und im Laufe des Fruhjahres durchge- 
fuhrt werden, so dafs es moglich sein wird, schon den nachsten 
Winter ohne die vielseitigen Gefahren for die Sammlungsgegen- 
stande zu uberdauern, wie sie sich ganz besonders im letzten 
feuchten Winter und im jetzigen Friihlinge geltend machten, wo 
die Feuchtigkeit derart iiberhand genommen, dais Besucher, die 
nicht mit den Verhaltnissen vertraut sind, kaum werden geglaubt 
haben, dafs wir den Schatzen des Museums die gebuhrende Auf- 
merksamkeit schenken. 

Der hiesigen protestantischen Kirchenverwaltung sind wir auf 8 
Neue zu Dank verpflichtet worden, da sie unter Eigenthumsvor- 
behalt eine prachtvolle grofse Zinnschussel mit Kanne von Caspar 
Enderlein dem Museum iiberlassen hat. 

Seit Veroffentlichung des letzten Yerzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Von DiBtriktBgemeinden x Miinchberg 10 fl. Plrmasena 
10 a. Schongau 10 fl. Sulzbach 10 fl. 

Von Prlvatenx Bamberg. M. Klee, Privatier, 1 fl. 45 kr. ; 
Schober, k. Archivsekretar, 1 fl. 45 kr. Danzig. Const. Ziemszen 
lfl. 45 kr. Nflrnberg. Feuchter, Mitglied des Stadttheaters, 1 fl. ; 
Christ. Cramer, k. Appellrath, 3fl. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Von Distriktagemeindeii : Alchach 10 fl. 

Von Privaten: Landau (Pfalz). Franck, Subrektor, lfl. 

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu: 

L Fur die kunst- und kulturgeschichtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6860—6869.) 

Berlin. Sturm, Armeezahlmeister : Bronzenes Dintenfafs aus 
dem Mittelalter. — Nfirnbarf. Freiherr von Andrian: 4 al- 



tere Niirnberger Kartenspiele. Clement, Hausdiener am german. 
Museum: Brandenburger Kupferzeichen von 1622. Goschel, 
Schreinermei8ter : Schraubenbock von Holz. Kraufs, Kaufmann: 
Silbermunze von Konig Philipp II. von Spanien mit Gegenstempel. 
G. Magnus: Strafsburger Silbermunze vom 16. Jhdt. Schmidt, 
Drechslermeister : Emailierte Dose und Porzellanpfeife mit kiinst- 
lich gedrechseltem Beinrohr. Ungenannter: 4 altere Niirnber- 
ger Kartenspiele. Halber Bogen buntes Papier, 18. Jhdt. Wenz- 
ler, Kaufmann: 3 Wachssiegel vom 15. u. 16. Jhdt. 

IL Fiir die Bibliothek. 

(Nr. 29,682—29,721.) 
Aarau. H. R. Sauerlander, Verlagshndl. : Zschokke, der 
heilige Gral. 1872. 8. — Alaenz. Kappesser, Pfarrer : Brevia- 
rium latinum cum calendario. Pgm.-Hs. 15. Jahrh. 8. — Berlin. 
R. Lessor's international Buchhndl. : Killisch, „Berhn", der 
Name der deutschen Kaiserstadt, sprachl., geogr. u. gesch. erklart. 
1872. 8. Fr. Lobeck's Verlag (P. Anders): Schmidt, d. sieben- 
jahrige Krieg; 4. Aufl. 1865. 8. — Braunschweig. Fr. Krahe, 
Baurath : Ders. , d. Klosterruinen zu Walkenried ; (Sonntags- 
Beil. zur Braunschw. Zeitg., 1873, Nr. 6— 8.) 4. — Breslau. Verein 
f. dasMuseum schlesischer AlterthOmer: Schlesiens Vor- 
zeit in Bild u. Schrift; 17. u. 18. Bericht etc., Bnd.II, 5. 6. 1872. 
4. — Colmar. L. v. Cuny, Appellrath: Revue d' Alsace; II. An- 
nee, Janv. — Mars. 1873. 8. — Emden. Gesellschaft f. bildende 
Kunst u. vaterl. Alterthiimer: Dies., Jahrbuch etc., Heft L 

1872. 8. — Erlangen. Physicalisch-medicinische Societat: 
Dies., SitzuDgsberichte ; 4. Heft 1872. 8. — Frauenfeld. J. H. 
Thalmann: Ders., Ernstes u. Hei teres aus d. Kriegsjahre 1870— 
71. 1872. 8. — Gbttlngen. K. Gesellschaft der Wissenschaf- 
ten : Dies., Nachrichten etc aus d. J. 1872. 8. Gottingische gelehrte 
Anzeigen; 2Bnde. 1872. 8. — Greifswald. Universitat: Dies., in- 
dex scholarum etc 1873. 4. Dies., Verzeichnifs der Vorlesungen. 

1873. 4. — Hamburg. Agentur des Rauhen Hauses: Baur, 
Ernst Moritz Arndt's Leben, Thaten u. Meinungen. 3. Aufl. 8. 
Scholz, Hans Sachs. 8. Schlosa Jagersburg bei Forchhelm. v. Gol- 
del, Privatier: Seutter, Atlas novus etc. Imp. 2. — Krakau. J. 
Wildt, Buchhndl.: Rocznik dla archeologow numizmatikow i bi- 
bliografow Polskich, rok 1870. 1873. 8. — Magdeburg. Verein f. 
Geschichte u. Alterthumskunde des Herzogth. u. Erz- 
8 1 i f 1 8 Magdeburg: Ders. , Geschichts - Blatter etc ; 7. Jahrg. 

1872, 4. Heft. 8. — MOnchen. Histor. Commission bei d. k. 
Akademie d. Wissensch. : Schmeller, bayerisches Worterbuch ; 
2. Ausg., VIH. Lief. 1872. 8. Dr. G. M. Thomas, Bibliothekar : 
Ders., d. altesten Verordnungen der Venezianer fur auswartige An- 
gelegenheiten. 1873. 4. Sonderabdr. — NSrdlingen. G. H. Beck'- 
sche Buchndl.: v. Querfurth, kritisches Worterbuch der heraldi- 
schen Terminologie. 1872. 8. Stein, Geschichte des Konigs Kon- 
rad I. v. Franken u. seiues Hauses. 1872. 8. — N Or n berg. Friedr. 
Korn'sche Verlagshndl.: Die Volksschule des XIX. Jahrh. inBio- 
graphieen ; 6. Lief. 1 873. 8. Rob. Luckmeyer, Burstenfabrikant : 
Geschichts-, Geschlechts- u. Wappen-Calender auf d. J. 1741. 8. — 
Prag. Deutscher Verein zur Verbreitung gemeinnutzi- 
ger Kenntnisse: Ders., IV. Jahres-Bericht etc. 8. — Preasburg. 
Stefan v. Rakovszky: Ders., das Prefsburger Rathhaus u. der 
Stadtrath. 1872. 8. Sonderabdr. — Sigmaringen. Seb. Locher, 
Lehrer: Ders., Regesten zur Geschichte der Grafen von Veringen. 
8. EugenSchnell, fdrstl. hohenzoll. Archivar : Ders., d. Reichs- 
Erzkammereramt der Markgrafen u. Kurfursten v. Brandenburg. 

1873. 8. Sonderabdr. — Stuttgart J. G. Cotta'eche BuchhandL: 



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83 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



84 



Stolzel, die Entwicklung des gelehrten Richterthums in deutschen 
Territorien. 2 Bnde. 1872. 8. Schiller's sammtliche Werke. Mit 
Einleitungen von Godeke; 4 Bnde. 1871. 8. — TObingen. Ludw. 
Friedr. Fues'sche Buchhndl. : Ofterdinger, ein Manuscript Eepp- 
ler's. 1872. 4. — Turin. GuidoCora: Cosmos. Comunicazioni sui 
progressi piu recenti e notevoli della geografia e scienze affini; 
I. 1873. 8. — Weimar. Bernh. Friedr. Voigt, Verlagshndl. : 
Handel, die Schablonenmalerei d. Mittelalters. 1873. qu. 2. Blflth- 
ner u. Gretschel, Lehrbuch d. Pianofortebaues in seiner Geschichte, 
Theorie u. Technik. 1872. 8. Nebst Atlas. 4. — Wernigerode. Harz- 
Verein fur Geschichte u. Alterthumskunde: Ders., Zeit- 
schrift etc.; V. Jhrg., 3. u. 4. Heft. 1872. 8. — Wien. Dr. A da lb. 
Horawitz, Professor: Ders., Beatus Rhenanus literar. Thatigkeit 
in den Jahren 1530—47. 1873. 8. Sonderabdr. Dr. Jos. Kara- 
bacek, Privatdozent : Ders., d. angebl. slavische Apiscult in der 



Byciskala-Hohle. 8. Sonderabdr. Verlag v. R. v. Waldheim: 
Blatter fur Kunstgewerbe, redig. v. V. Teirich; I. Bd. 1872. gr.4. 

EH. Fur das Archiv. 

(Nr. 4312-4314.) 

Koburg. R. Ludloff: Erklarung des J. Michellet in franzos. 
Sprache ; (unleserlich). 1638. Pap. Brevet d'adjutant commandant 
pour le citoyen Alexis Catherine Victor Grillon confere par ordre 
de Bonaparte, premier consul de la republique francaise. Paris, 
le deuxieme jour du mois floreal , Pan sixieme de la republique. 
1799. Pgm. Acht Formularien fur Erlasse der Commission de Com- 
mandant d'armes und fur Brevets aus der Zeit des franzdsischen 
Konsulats. s. d. Pgm. 



Chronik der historischen Vereine. 



Der Kirchen-Schmuck. Blatter des christlichen 
Eunstvereines der Diozese Seckau. 1873. IV. Jahrg. 
Nr. 3. Graz. 8. 

Die Votivkirche in Passau. 

Die Chroniken der deutschen Stadte vom 14. bis in's 
16. Jahrh. Zehnter Band. (Die Chrpniken der frankischen Stadte. 
Nurnberg. Vierter Band.) Hrsg. durch die hi 8 tor. Commis- 
sion bei der kgl. Academie der Wissenschaften. Leip- 
zig, S. Hirzel. 1872. 8. VIE u. 440 Stn. 

Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift. 17. Bericht 
des • . . Vereins fur das Museum schlesischer Alter- 
thiimer, hrsg. von Dr. Hermann Luchs. Mit 2 Bildtafeln und 
mehreren Holzschnitten. Band II. Heft 5. 6. Breslau, Druck von 
Robert Nischkowsky. 1872. 4. 

Abbildungen (zu einem spater zu bringenden Aufsatz): Der 
Pfarrthurm zu St. Jacobus in Neifse 1477 — 1512; St. Vincenz- 
statue am Dom zu Breslau von 1470; Archivalmer des Breslauer 
Domkapitels von 1455. — Zur schlesischen Eunsttopographie. Von 
E. Wernicke. — Die Burg Zeiskenberg. Von P. Kerber. — El- 
fenbein-Diptychon aus der Neifser Gegend (14. Jahrh.). Von F. 
Heinelt. — Ueber Conservierung aus alter Zeit stammender Gegen- 
stande in evangelischen Eirchen. Von Dr. H. Luchs. — Allerlei: 
Altschlesische Glasmalerei, u. s. w. 

Zeitschrift fiir Ethnologie. Organ der Berliner Ge- 
sellschaft fflr Anthropologic, Ethnologie und Urge- 
schichte. Vierter Jahrg. 1872. Heft VI. Berlin. Verlag von 
Wiegandt u. Hempel. 8. 

Zu Nicolaus Federmann's erster Reise in Venezuela (1530— 
1531). Von A. Ernst in Caracas. — Die Verehrung derHimmels- 
korper. 

Geschichts-Blatter fiir Stadt und Land Magde- 
burg. Mittheilungen des Vereins fur Geschichte und Al- 
terthumskunde des Herzogthums u. Erzstifts Magde- 
burg. 7. Jahrg. 1872. 4. Heft. Hrsg. von Dr. F. Geisheim. 
Magdeburg, 1872. Verlag der Schafer'schen Buchhandlung (A. Ru- 
diger). 8. 

Von der Bruderschaft der Ackerknechte auf den Magdeburgi- 
schen Ddrfern und vom Hanseln. Von Dr. F. Danneil. — Ueber 
den Ursprung der Stadt Burg. Vom Stadtrath Wolter. — Das 



Schlofs Gloworp bei Aken. Vom Archivrath v. Mulverstedt — 
Fruheste Erwahnung der noch bestehenden Ortschaften des Her- 
zogthums Magdeburg mit Auaschlufs des Saalkreises. Von Dr. 
Ed. Jacobs. — Zur Charakteristik des Erzbischofs Dietrich von 
Magdeburg 1361 bis 67. Von Dr. Geisheim. Die Amtshauptleute 
dea Amtes Egeln. Von A. Engeln, Rector. — Kleinere Mitthei- 
lungen. 

Gottingische gelehrte Anzeigen. Unter der Aufsicht 
der Eonigl. Gesellschaft der Wissenschaften. 1872. Got- 
tingen. Verlag der Dieterich'schen Buchhandlung. 1872. 8. 2079 
Stn., nebst Register. 

Nachrichten von der E. Gesellschaft der Wisien* 
schaften und der Georg-Augusts-Universitat aus dem 
Jahre 1872. Gottingen. Verlag der Dieterich'schen Buchhandlung, 
1872. 8. 

Ueber einen bisher unbeachteten Brief Spinoza's nnd die Cor- 
respond en z Spinoza's und Oldenburg's im J. 1665. (A. Stern.) 

Zeitschrift des Harz-Vereins fur Geschichte und 
Alterthumskunde. Herausgegeben von Dr. Ed. Jacobs. Ffinf- 
ter Jahrgang. 1872. Drittes u. viertes Heft. Wernigerode, 1872. 8. 

Henning Eemde, Stadtvogt zu Wernigerode 1489—40, nebst 
Untersuchungen iiber gleichartige Namen und fiber Amt und Stand 
der Stadt- und Landvogte zu Wernigerode. Mit zwei in den Text 
gedruckten Holzschnitten. Von Ed. Jacobs. — Die Diocesansyno- 
den des Halberstadter Sprengels im 12. Jahrh. Von F. Winter. 
— Henning Calvor, geb. 1686 zuSilstedt, f 1766 zu Altenau. Von 
Ed. Jacobs. — Mittheilungen aus dem Archive der Stadt Goslar. 
Von G. Bode. — Ueber Ursprung und Namen des Hauses Stolberg. 
Von Botho, Grafen zu Stolberg- Wernigerode. — Kleinere Mitthei- 
lungen. 

Jahrbuch der Gesellschaft fur bildende Eunst und 
vaterlandische Alterthumer in Emden. Heft I nebst ei- 
ncr Earte zur Entstehungsgeschichte dee Dollart. Emden und 
Aurich. Verlag von W. Haynel. 1872. 8. 

Vortrage : Ubbo Emmius, Mohlmann und die Entstehung des 
Dollart. Von Generalsuperint. Bartels. — Ueber die Graburnen 
der heidnischen Vorzeit, anknupfend an Harkenroht's Bericht uber 
die im Jahre 1720 bei Larrelt ausgegrabenen Urnen. Von Eirchen* 
rath N. Vietor. — Eurze Geschichte der franzosisch -refonnirten 
Eirche in Emden. Von Pastor Pleinet. 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 

N a c h r I c h t e d. 



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Literatar. 

Neu erschienene Werke. 

8) Das Karthauser-Kloster and die Biirgerschaft 
vonBasel. Von Prof. W. Vischer-Heufsler. 51.Neu- 
jahrsblatt, herausgegeben yon der Gesellschaft zur Befor- 
derung des Guten und Gemeinnutzigen. 1873. Basel, Schweig- 
hauserische Buchdruckerei. 1878. 4. 35 Stn. 

Die Gesellschaft zur Beforderung des Guten und Gemeinnutzi- 
gen in Basel hat seit 1821 ohne Unterbrechung an der Sitte fest- 
gehalten, jahrlich ein Neujahrsblatt herauszugeben, welches irgend 
einen Gegenstand aus der Geschichte der Stadt behandelt. So 
befafst sich denn die j ungate dieser Art von Publikationen mit 
dem Karthauserkloster zu Basel, und wir halten es fiir angezeigt, 
bei dieser Arbeit einen Augenblick zu verweilen, da sie einem 
Sprofsling des Klosters gewidmet ist, in dessen Raumen jetzt die 
Erinnerung an die Vorzeit sorgsame Pflege findet. 

Die Baseler Karthause wurde gestiftet im Jahre 1401 von dem 
Oberznnftmeister Jacob Zibol, welcher einer der reichsten Familien 
der Stadt angehorte. Derselbe ward oftmals mit Gesandtschaften 
an Fursten und Stadte betraut, und auf einer solchen Reise kam 
er mit anderen Boten nach Nurnberg. Daselbst liefs ihnen der 
Bath einen freundlichen Empfang zu Theil werden und die Sehens- 
wardigkeiten der Stadt zeigen. Man fiihrte die Fremden auch in 
das noch nicht lange vollendete, von dem reichen Burger Mar- 
quard- Mendel gestiftete Karthauserkloster. Dasselbe erregte die 
besondere Aufmerksamkeit Zibol's, welcher schon viel von der 
frommen Lebensweisa der Karthauser gehort ; er bat deshalb die 
Baihaherren, dafs sie ihm zu einer Unterhaltung mit den Mon- 
chen verhelfen mochten. Der Prior zeigte sich willfahrig, berief 
den Convent, und die ganze Haltung der Vater, die erbaulichen 
und gehaltvollen Reden, die sie fuhrten, machten einen solchen 
Eindruck auf Zibol, dafs er sich in der Stille vornahm, seine Be- 
muhungen darauf zu richten, dafs auch Basel ein Kloster dieses 
Ordens erhalte. 

Nach Hause zuriickgekehrt, setzte sich Zibol mit dem Prior 
Wynand in Strafsburg in Verbindung, und da derselbe auf das an 
ihn gerichtete Ansinnen eingieng, konnten bereits im Jahre 1402 
die ersten Karthauser in Basel einziehen. Zu ihrer Aufhahme war 
der kauflich erworbene Bischofshof in Klein -Basel eingerichtet 
worden, und im Jahre 1403 wurde die neue Stiftung durch den 
Biachof von Constanz bestatigt. 

Der Verfasser unserer Schrift gibt eine lebendige Schilderung 
des Lebens in den Karthauserklostern, von welcher wir einen Theil 
reproducieren wollen, da es gewifs nicht unerwunscht sein kann, 
an die Reste der Gebaulichkeiten, in welchen die uberlebenden 
Zeugen der grauen Vergangenheit eine Statte der Aufbewahrung 
gefonden haben, das Andenken an die Bestimmung zu knupfen, 
welcher sie ursprOnglich gedient haben. „Die Zellen der Kar- 
thauser bilden jede ein kleines Gebaude fur sich, dem ein kleines, 
abgeschlossenes Gartchen beigegeben ist; in diesen Zellen, die in 
der Kegel den grofsern der beiden Kreuzgange, die sich an die 
Kirche anschliefsen , umgeben, verbringen die Monche den grofs- 
ten Theil ihrer Zeit einaam, theils mit vorgeschriebenen Andachts- 



obungen, theils in nachdenklicher Beschaulichkeit, theils mit an- 
gemessener Arbeit; doch sehen sie sich taglich mehrmals bei ge- 
meinschaftlichem Gottesdienste in der Kirche, sie sehen sich im 
Capitelsaal, wo ihnen an gewissen hohen Festtagen gepredigt wird, 
wo der Prior wichtige Mittheilungen erofinet, und wenn er im 
Namen des Convents einen Entschlufs zu fassen hat, dessen Rath 
einholt, wo auch allwochentlich eine ofientliche Beichte abgehal- 
ten wird, ferner an Sonn- und Festtagen bei gemeinschafblichen 
Mahlzeiten im Refectorium, bei denen aber nicht gesprochen wer- 
den darf, sondern Abschnitte aus der heiligen Schrift vorgelesen 
werden. Eine gemeinsame Unterhaltung, ein Colloquium, das aber 
nicht zu unnothigem Geschwatz mifsbraucht werden soil, wird an 
Sonn- und Festtagen im kleinen Kreuzgang abgehalten. Im Uebri- 
gen ist den Monchen strenges Stillschweigen auferlegt, das sie 
nur brechen durfen, um etwas Nothwendiges zu begehren mit 
moglichst wenig Worten." c. W. 

9) Ueber den Einflufs der Feuerwaffen auf die Tak- 
tik. Historisch-kritische Untersuchungen von einem hohe- 
ren Officier. Berlin, 1873. E. S. Mittler u. Sonn. 106 
Stn. 8. 

So sehr auch die Waffen der Vorzeit den Sammler interea- 
sieren, bo vielseitig ihre Geschichte behandelt ist, so hat doch die 
Taktik in nichtmilitarischen Kreisen sehr wenig Interesse erregt, 
obwohl die Ausbilduug des Waffenwesens in steter Wechselbe- 
ziehung zur Geschichte der Taktik gestanden. Aber selbst in mi- 
litarischen Kreisen scheint stets mehr die jeweils geltende Theorie r 
als geschichtlicher Vergleich Gegenstand des Studiums gewesen 
zu sein. Und doch mtissen gerade auf dies em Felde vergleichende 
historische Studien die Bedeutung so vieler Momente darlegen, 
bier, wo steter Fortschritt der Bewaffnung und die Erfahrungen 
jedes Krieges neue Umgestaltungen mit sich brachten, aber auch 
stets alte Reminiscenzen nachwirkten, bis abermals neue Erfahrun- 
gen ihre Beseitigung veranlafsten. Wie oft mufste ein Motiv wie* 
der aufgenommen werden und hatte die uberraschendsten Erfolge, 
welches sie friiher schon einraal gehabt, aber bei stetem Wechsel 
des Schwerpunktes Neuem hatte weichen miissen. So kurz auch 
in den vorliegenden Blattern das Einzelne gehalten ist, so sehr 
die alte Zeit der Gegenwart gegentiber zurucktritt, so ist doch 
dieses Schriftchen durch Klarheit der Anlage, Scharfe des Blickes 
for das Wichtige vollstandig geeignet, auch Nichtmilitaren einen 
Ueberblick iiber die Geschichte der Taktik vom 14. Jahrh. bis auf 
die Gegenwart zu gewahren. Wenn der Verfasser im Vorworte 
darauf hindeutet, dafs die militarische Literatur bis jetzt die Ge- 
schichte der fernen Vorzeit zu sehr vernachlassigt babe, so mag 
dies wol daran liegen, dafs fur diese denn doch nur der Histori- 
ker das Material an's Tageslicht schaffen kann, sich aber vie- 
len Fragen gegenuber als Laie betrachten mufis, so dafs eine 
8chrift, die, wie die vorliegende, dem Historiker zeigt, welche 
Fragen dem Militar fur das Stadium der Kriegsgesefaichte von 
Wichtigkeit sind, dem ersteren gewifs willkommen sein und ihm 
Fingerzeige fur Beschaffung des dem Militar wichtigen histori- 
schen Materialea geben mufs. A. E. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



88 



Aufs&Ue in Zeitechriften. 

A vlb alien Welttheilen: 4. Jahrg., Febr. Die Pfahlbauten der 
Schweiz. (J. B. Thiessing.) 

DasNeueBlatt: Nr. 22. Der vierhundertjahrige Geburtstag 
des Copernicus. Mit Illustrationen una einem Facsimile. (Adolf 
Prowe.) 

Daheim: Nr. 21. Zum Andenken an Nikolaus Eopernikus. (W. 
Pierson.) — Historische Statten des deutschen Reiches. I. Ein 
Gang durch das Zeughaus zu Berlin. (Georg Hiltl.) — Nr. 23. 
Schilda (zur Geschichte der Stadt, mit Abbild. des Geburts- 
hauses Gneisenau's). (Richard Andree.) 

Im neuen Reich: Nr. 9. Deutschland und der gothische Stil. 
(M. Tausing.) — Virgil im Mittelalter. (H. Schuchardt.) 

Der Eatholik: Janr. Johannes Hufs und die bdhmische Com- 
mune im 15. Jahrh. 

Iliustr. deutsche Monatshefte: Nr. 6 (198), S. 654. Wil- 
helm Heinse's Grabstatte in Aschaffung. (Ludw. Herrmann.) 
S. 686. Die Singgesellschaft „zum Antlitz" in St. Gallen (ge- 
griindet 1620). (Bernhard Schols.) 

Deutscher Reichsanzeiger: Nr. 7. Das Eaiserhaus zu Gos- 
lar. — Zur Geschichte des brandenb.-preursischen Staatshaus- 
halts. 1. — Nr. 8. Die Bergschlosser des Bayer. Hochlandes. 1. 

Revue critique: 1872, Nr. 51. Sixte- Quint. (De Hobner.) — 
Carte des etats de PEurope centrale dans leurs rapports avec 
Pancien empire romain-germanique. 

(Grazer) Tagespost: Nr. 51, Abendbl. Zeughaus oder Waffen- 
museum? (Dr. Franz Ilwof.) 

Ueber Land und Meer: Nr. 22. Das alte Konstanz und seine 
merkwurdigsten Gebaude. (J. Marmor.) — Nr. 24. Eine alte 
Reichsstadt (Efslingen). 

Wochenblatt d. Joh.-Ord.-Balley Brdbg.: Nr. 8f. Ein 
Denkstein deutscher Treue (die Johannitercapelle zu Frank- 
furt a. M.). (Ludw. Graf Uetterodt.) — L'Ordre de la Palme 
d'or. Ein Dam en or den aus dem 17. Jahrh. — Nr. 10. Ueber 
die friiheren Besitzthumer des Johanniterordens zu Frank- 
furt a. M. 

Zeitschr. fur bild. Kunst: Nr. 21. Eine Holbein-Zeichnung. 
(Alfred Woltmann.) 

Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 56. 63. Die Schimmelkirchen der 
Holledau. Wodan als Rofsdieb und die Schimmelkapellen der 
Holledau. (Dr. Sepp.) I. II. — Nr. 75. Das Geburtsjahr Hol- 
beins. (L. Pezold.) 

Iliustr. Zeitung: Nr. 1547. Das Pflugfest in Hollstadt, ein al- 
tes Feet der Deutschen. (H. Vocke.) 



Yermischte Nachrichten. 

18) Verschiedene keltische und romische Graber Bind 
bei dem Ort Muraz, oberhalb der Stadt Siders im Canton Wal- 



lis, beim Umgraben eines Weinbergs entdeckt worden. Unter den 
in denselben aufgefundenen Gegenstanden befinden sich mehrere 
Statuetten heidnischer Gottheiten, die in das cantonal e Museum 
nach Sitten abgeliefert wurdeu. (111. Ztg., 1550.) 

19) In Zwickau wurde jungst unter dem Fufsboden eines 
Hauses ein Kastchen mit 80 Stuck wohlerhaltener Silbermnn- 
zen aus dem 16. und 17. Jahrh., theils yon Speciesthaler-, theils 
von Thaler- und Guldengrofse, gefunden. Meist sind es kursach- 
sische von 1560 an, ferner braunschw.-laneburg. und Reichsmun- 
zen von verschiedenen Eaisern. Es fanden sich auch 3 spanische 
Piaster von Philipp II., 1 schwedischer Reichsthaler von Gustav 
Adolf, 1 danischer von 1624, 1 hohenlohischer l'/a von 1615, 1 
stolberg-wernigerod. von 1624, 1 Salzburger, reichsstadtische von 
Bremen, Nurnberg, Basel, Schaffhausen, auch 3 sachsische Jubel- 
species auf die Augsburgische Confession (1630) und 1 sachsischer 
Vicariatsspec. von 1619 u. s. w. Wenn nun die jiingste dieser 
Munzen, 1 braunschw.-luneberg. oder sog. Harzspecies, von 1633 
ist, so lafst sich vermuthen, dafa der Schatz in diesem Zwickauer 
Kreuz- oder Elendsjahre verborgen worden ist. 

(Num. Ztg., Nr. 3.) 

20) Eine Urne mit iiber 100 Stuck SilbermQnzen (Brak- 
teaten) wurde beim Fallen von Baumen in der Nahe des Dorfes 
Weltwitz bei Neustadt a. d. Orla gefunden. Es zeigen sich auf 
denselben mindestens sechserlei verschiedene Stempel, zum Theil 
sehr gut erhalten. Die Munzen sind, mit Ausnahme eines Stacks, 
welches eine Inschrift zeigt, sog. stumme, d. h. nur mit Bildnissen 
und Emblemen versehene. Von der Urne sind nur Bruchstocke 
erhalten. (111. Ztg., 1548.) 

21) In Braunsberg, in der Yorstadt Eoslin, wurde eine 
Anzahl alter kufischer (arabischer) Munzen aus der Zeit des 
Ealifen Harun al Raschid gefunden. Dieselben sind von dunnem 
Silber und der Grofse eines FunfgroschenstQcks. (Dies., 1550.) 

22) Eine Marmorstatue des Nikolaus Kopernicus, 
von Victor Bradzki in Rom gefertigt, wurde in der katholischen 
St. Johanniskirche in Thorn aufgestellt. (Dies., 1548.) 

23) Bei der Seltenheit von Tafelgemalden des Hauptbegrunders 
der monumentalen Malerei des 19. Jahrh. ist es gewifs fur viele 
Gemaldesammler und Galerien von Interesse zu erfahren, dafs ein 
Oelgemalde von Peter v. Cornelius, vielleicht das Einzige 
in Privatbesitz um 2400 Thaler zu verkaufen ist. Es ist die Er- 
findung der Weberei, aus des Meisters erster Epoche, worin 
noch die David'sche Schule durchklingt. Nahere Mittheilnngen 
sind durch Herrn Professor Aus'm Weerth in Kessenich bei Bonn 
zu erhalten. 

24) Im Verlage von Friedrich Wreden in Braunschweig ist 
vor Kurzem das nachstehend verzeichnete Werk erschienen : „Die 
Landgrafschaften des heiligen romischen Reichs. Eine 
rechtsgeschichtliche Studie nach urkundlichem Material von Dr. 
Wilhelm Franck." Der Preis ist auf l'/j Thlr. festgesetzt 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. E. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedrnckt bei U. E. Sebald in Nttraberg. 



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* (bod l: lib;":)* 



yurabera;. Dae Abonnement dei Blat- 
tes, welcbee elle Monate erteheint, wird 
gsnsjihrig angenommen and betrigt nach 
derneuesten Poatcoarention bei alien Post- 
Imtern and Bachbandlungen Deutscklandi 
IncL Oesterreicba 8 fl. 86 kr. im 24 fl.-Fuft 
od«r S Thlr. preafs. 

Far FrttnJereieh abonnlert man in 
Paris bei der deuttohen Buohhandlong Ton 
F. Klinckiieek, Nr. 11 roe de Lille; fUr 



anzeiger 



England bei Williami A Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street Coyent- Garden in London; 
far Nord-Amerika bei den Postamtern Bre- 
men and Hamburg. 

Alle fur das german. Mneeum be- 
etimmten Sendungen auf dem Wege dee 
Buchbandele warden durch den Oommis- 
■ionar der literar.- artist. Anitalt dei Mu- 
seum*, F.A. Brookhaue inLeipaig.be- 
fOrdert. 



FOR »E DER 

Nene Folge. 





Zwanzigster Jahrgang. 



ORGAN DBS <i^1UU\1M Iij^ MUSEUMS. 



1873. 



J^4. 



April. 



Wissenschaftliclie MlttMlnngen. 



Ein Brief des Grafen Robert you Leicester an den 
Grafen Giinther XLI. yon Schwarzburg. 

Monsieur le Conte, Encores que le peu de cognoissance 
& familiarity que nous auons par le pass£ eu ensemble soit 
(par faulte de bonne occasion de sentreuisiter par lettres) quasi 
esteincte et mise en oubly : Si ne veulx ie de mon coste (pour 
ne la perdre du tout) laisser passer ceste occasion qui s'offre 
de vous escripre ce mot de lettre en faueur d'ung gentilhomme 
Anglois nomm6 Preston qui est votre prisonnier. Or ma le 
diet gentilhomme puis-nagueres escripte quil ya entre vous et 
lay quelque commencement d'accord pour sa ran$on, Mais que 
la somme qne vous luy demandez est si grande que ny luy ny 
tous ses parens ne le scauroient payer. Ce que peult estre 
vous faictes le pensant autre quil est : surquoy je me suis auis£ 
de vous faire entendre au vray son estat et quality, qui nest 
autre ie vous promectz que celle dung simple gentilhomme 
puisne de sa maison. Ses parens sont pouures, et tous ses 
teres sont escolliers. Quant a luy il a est6 aultresfois page 
de mons* le Marquis de Northampton et lorsque le Due Jehan 
de Finland vint pardeca son maitre le luy donna pour le ser- 
uir de page. Par le moyen duquel il est venu puis apres au 
service du Roy de Suede. De biens je pense veritablement 
quil n'a autre en ce monde que ce quon luy osta quand il 
fust prins prisonnier. Je vous laisse donques mons s a penser 
comment il est possible que se pouure -homme puisse payer 
les deux mil escuz quil diet que vous luy demandez. Car je 
vous asseure sur mon honneur quil nest rien plus vray que ce 



que ie vous dis. Et serois marry de vous faire perdre on di- 
minuer vng seul denier de ce que par droict et raison vous 
appartient. Si ie pensois en ma conscience quil fust homme 
pour vous satisfaire. Mais puis quil ne lest pas jl fault que 
ie vous supplie en son endroict de luy faire quelque grace 
pour lamour de moy. Et sil vous plaist de luy donner conge 
pour sept ou huict mois pour aller veoir ses amis il regardera 
dans le diet temps par quelque moyen ou de vous payer ce 
que raissonnablement vous luy demanderez pour sa rangon, ou 
de se rendre de rechief prisonnier entre voz mains. Ce fai- 
sant Vous mobligerez beaucoup enuers vous, et nefauldray de 
le recognoistre par tous les moyens dont ie me pourray aui- 
ser quant loccasion se presentera pour ce faire. Qui sera 
lendroict ou je feray fin en me recommandaut de bien bon 
cueur a Vre. bonne grace. Suppliant le createur quil vous 
doint. Mons? le Conte en sant6 tres longue et bonne vie. De 
Londres le xxvj me de juing 1565. 

Vre. entierement bien affectionn£ 
a Vous faire plaisir & sendee 
R. Leycester. 
Aufschrift: Monsieur Mons? le conte de Suartzburch. 

Vorstehendes Schreiben fand sich in einer grOfseren Brief- 
sammlung des hiesigen furstl. Archivs, uber welche ich sp&ter 
zu berichten gedenke. Zu bequemerem Verstftndnifs desselben 
mftgen folgende Bemerkungen dienen. Der Graf von Schwarz- 
burg Gunther XLI (auch der Streitbare, Bellicosus, genannt), ein 
Freund und Schwager Wilhelm's I. von Oranien, war Ende 1554 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



92 



and zu Anfang des folgenden Jabres mit dem Kftnig Philipp von 
Spanien am Hofe zu London (cf. Jovius, chronicon Schwarzb. 
bei SchOttgen et Kreysig, diplomataria et scriptores histor. 
Germ, medii aevi I, p. 678). Damals wird die Bekanntschaft 
zwischen ibm und dem Grafen Leicester stattgefunden baben, 
auf welche der Eingang obigen Briefes sich bezieht. Graf 
Guntber nahra in den Jahren 1563 — 65 an dem Kriege des 
DanenkOnigs Friedrich gegen KOnig Erich XIV. von Schweden 
als Befeblshaber eincr ansehnlichen Reiterschaar thfttigen and 
rahmreichen Antheil. In diesem Kriege wurde der englische 
Adelige Preston sein Gefangener. Letzterer hatte seinen Die- 
ner nach London gescbickt, dafs er Mittel and Wege za sei- 
nes Herrn Losgabe aufsuchen sollte. In dem biesigen ftlrstl. 
Archive findet sich nftmlich ein zweiter, diese Anlegenbeit be- 
treffender Brief, datiert London 25. Jani 1565, an den Gra- 
fen von Schwarzborg gerichtet, gleichfalls in franzdsischer 
Sprache. Leider ist die Unterschrift darch Feachtigkeit aus- 
gelOscht; der Briefschreiber bezeichnet sich aber als den ehe- 
maligen Herrn des Gefangenen and war also aller Wahrschein- 
lichkeit nach der Marqais von Northampton*). Leicesters 
Brief stimmt in manchen Stelien wortlich mit diesem Briefe 
vom 25. Jani tiberein. Wahrscheinlich war Leicester ersucht 
worden, seine Fttrsprache mit der Northampton zu vereinigen, 
and hatte den Sachverhalt aas des Letzteren Brief in den sei- 
nigen mit herubergenommen, oder darch seinen Sekretax her- 
ubernehmen lassen. Die kleineren Schriftztige des Brieftcxtes 
scheinen von den grofsen Schriftzugen der Unterschrift Lei- 
cesters verschieden. 

Sondershausen. Th. Irmisch. 



*) Das Siegel zeigt einen Franenkopf oder vielmehr das Brust- 
bild einerFrau; ein Barett bedeckt den Kopf, desses langes, auf- 
gelostes Haar auf die Schultern herabfallt. Wie das Siegel an 
Leicesters Brief, so hat auch das Siegel dieses Briefes den Spruch 
des Hosenbandordens als Umschrift : HONJ # SOIT # QVI # MAL 
* Y ♦ PENSE. 



Weissenburg am Nordgan und das Augsburger In- 
terim 1548. 

Als im Jahre 1547 darch die Unschlussigkeit der schmal- 
kaldischen Verbundeten der Kaiser rasch die Oberhand wieder 
gewonnen and besonders die oberdeatschen Stadte, welche die 
Confessio Augustana angenommen und dem schmalkaldischen 
Bande sich angeschlossen hatten, seine Ungnade ftthlen liefs, 
mufste auch die kleine Reichsstadt Weifsenburg am Nordgaa zur 
Strafe eine kaiserliche Abtheilung anter dem Commando des 
„Leutten Ambts u Carabal einnehmen. Ein Chronist des vorigen 
Jahrhunderts bemerkt dazu: ,,1547 Mufste Weifsenburg zur 
Zuchtigung wegen Religions Aenderung 700 Neapolitanische 
Reutter einnehmen, welche den ganzen Winter hier gewesen 
and die Stadt sehr be&ngstiget und drangsaliret." 



Im folgenden Jahr wurden zu Augsburg im bekannten In- 
terim Festsetzangen in Bezug auf das Bekenntnifs gctroffen, 
welche die evangelische Lehre wieder in die Pfade der alten 
Eirche allm&hlich uberleiten sollten. So hoffte der Kaiser jetzt 
den Lieblingsgedanken seines Lebens, die Wiederherstellang der 
Einheit der Kirche, sich endlich verwirklichen za sehen. Die Bi- 
schdfe verstanden seine Absicht Man konnte die Abgefallenen 
unter der Ganst derVerh&ltnisse wieder in den Didcesanverband 
zuruckbringen. Wie das der Bischof Moriz von Eichst&tt mit 
der erw&hnten Reichsstadt anfieng, das beknnden folgende beide 
Briefe, von denen der erste auch der Pfarrgeistlichkeit zuge- 
stellt wurde, der andere den Rath der Stadt sehr eindringlich 
an seine Pflichten erinnerte. Sie kdnnen wol als ein Zeichen 
der Zeit dienen. 

I. 

Mauritius dei gratia Episcopus Aystetensis . . . Venerabi- 

libus salutem in Domino. Quum pro Episcopali digni- 

tate, qua deo anuente, licet indigni, fungimur, hae nobis par- 
tes incumbant, ut omnium nostrorum saluti diligentia quanta 
possimus maxima consulamus, idque potissimum hoc pertur- 
batissimo seculo, quo (proh dolor et nephas) neque clerus, qui 
sal terre, lux mundi, et forma gregis esse, neque populus, qui 
parere potius et subsequi quam precedere, atque illius offitium 
sibi petulanter usurpare debebat, suo satis officio faciunt. Nos- 
que earn functionem agnoscentes, nihil tarn desideravimus sem- 
per, quam ijs malis pro gloria dei et animarum salute mederi, 
obstiterunt tamen hucusque ardentibus Votis nostris et pijs co- 
natibus adversa multa. Ea vero quia nunc divina dementia 
maiori ex parte sopita atque sublata videantur, magna sana 
diuque exoptata, restituendi pristino suo nitori ecclesias et pra- 
vos hominum mores emendandi commoditas adfulsit que qui- 
dem precipue in synodis, cum Episcopalibus, turn provinciali- 
bus rite celebrandis (prout eas in ecclesiam revocandas et re- 
novandas ad instantiam sacre Caes. Maj. in conventu Augu- 
stano proxime preterito Archiepiscopi nostri et nos Episcopi 
unanimiter conclusimus) posita est. His enim precipua agri do- 
minici cultura constat, his spine et tribuli heresium schisma- 
tumque eradicantur, suppululantes errores extirpantur, defor- 
mata subinde reformantur et vinea domini Sabeoth ad frugem 
uberrimam preparatur, his demum sancti patres olim in eccle- 
sijs synceram doctrinam et incorruptam disciplinam conserva- 
runt, quorum vestigiis pie inserentes, nos quoque synodum Epi- 
scopalem ex authoritate nostra ordinaria, accedente mandato 
etiam imperatorio, die lune post festum S. Catharine Virginis 
et martyris, Yicesima sexta nimirum mensis novembris proxime 
futura celebrare, maturo consilio decrevimus. Proinde ad earn 
vos omnes et singulos, quos vel de jure vel de consuetudine 
vocare debemus, ea lege que despecta obedientia est, requiri- 
mus et peremptorie citamus, mandantes ut dicto die mane hora 
septima, per vosmetipsos aut alios ex unoquoque collegio, ant 
decanatu rurali ad minus tres vel quatuor, eosque idoneos cum 
suficientj et pleno mandato, habitibus Vestris, Ecclesiastiacis, 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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give sapellicijs at vocant. Prelati autem cum suis pontificali- 
bus ornamentis indati in civitate nostra Aystetensi ad carapa- 
narum pulsnm conveniatis audituri et recepturi que juxta for- 
mnlam reformationis a S. Caes&ria May. nobis prescriptam et 
Vobis jam antea exhibitam ad correctionem Cleri & populi 
Vestro etiam consilio accedente salubriter cooperante spiritos 
sancti gratia, nihil tamen interea sedi Apostolicae vel concilio 
geuerali prejadicantes statuemus. Hocque Yos ita factoros 
plane confidimus. datum in civitate nostra Aystetensi sab sigillo 
nostro pontificali 29. Octobris Anno Domini M.D.XLVIII. 

II. 

Moritz von gottes gnaden. Bischove zu Eystet nnnd Thumb- 
probst zu Wurtzbnrg. 

Unnsern Gunnstlichen grues zuvor. Ersam unnd wei($ 
liebenn Besondern. Auff Unnser jttngst schreiben *) haben Wir 
beat dato, Eur Antwurt*) empfangenn, Auch Innhalts vernu- 
men. Und hetten Un(J gentzlich versehenn. Ir soltet euch 
auf der Rdmischenn kayen. Mat. Unnsers Allergnedigstenn Her- 
ren gnedigist Begeren. so Ir Mat. auff Jttngst gehaltnen Reichs- 
tag an die Stende, der Neuen Religion gethun, auch Unnser 
jttngst vatterlich unnd treulich Anzaigen erjnnern unnd ersue- 
chen widrumb zu der AUgemeinen Christenlichen Kirchen her- 
gebrachten ordnungen unnd Ainigkait on verner Weigerung ge- 
thun, und euch mit derselben, obberurten Unsern vorigen Ver- 
manen und schreiben nach allerdings verglichen haben. Die- 
weil wir aber aus berurter eur Antwurt vermerkhen, das so- 
lichs noch nit beschehen, so ermanenund ersuechen Wir euch 
hiemit nochmals zum vaterlichsten und gantz treulich. Ir w6l- 
let zu der Ainigkait obvermelter AUgemeinen Christenlichen 
Kirchen Unnserm hievorigen schreiben nach tretten, darzue 
wir euch mit Unserer muglichen Hilffe furderlich zusein aber- 
mals urbuttig, oder doch zum wenigsten bey euch unnd den 
eurn hCchstgedachter R6m. kayen. Mat. Ratschlag und ordnung 
durchaus gelebenn, unnd es jnn alien dingen derselben geme($ 
halten, wo unnd wormit auch jnn solchem bey euch und den eurn 
Mangel and Ungleichait (wie Wir aus obberurter eur Antwurt 
zum theil vermergken) befunden und vor Augenn wern, das 
selbig on lengern Verzug gentzlich abstellen und damit wir 
eurnthalben der kayen. May. dester bessern Bericht thun ma- 
gen. Daran beweist Ir zuvorderst dem Almechtigen got lob 
und ehr, der Rflmischen kayen. Mat. schuldige billiche gehor- 
sam. unnd Uns als eur geistlichen Obrigkeit wohlgevallen, ge- 
gen euch (denen Wir solichs nochmals nit verhalten mugen) 
mit gunstlichem Willen zu beschulden. Datum in Unscrm 
8chlo($ auff sanndt Willibalts Berg zu Eystet Donnderstags den 
20. Decembris 1548. 

Weifsenburg am Nordgau. 

Wilhelm Vogt. 

*) Beide Anschreiben, sowohl das des Bischofs, als das dee 
Rath 8, finden sich nicht im stadtischen Archiv zu Weifsenburg. 



Sphragistische Aphorismen. 

LXVIII. 



Der kttrzlich in unseren Besitz gelangte Stempel mit dem 
Wappen der Haggen oder Hauggen und der Legende : * S. Mar- 
garete dicte Haeggin, welcher noch aus dem 14. Jahrh. zu 
stammen scheint, ist dadurch besonders merkwurdig, dafs der- 
selbe aus einer Legierung von weichen Metallen, Zinn, Blei 
u. dgl., besteht*), deren specifisches Gewicht sich zu dem 
des Eisens wie 5,9 zu 7,7 verhalt. Die meisten mittelalter- 
lichen Siegelstempel waren bekanntlich aus Bronze oder Mes- 
sing, ausnahmsweise aus Silber und Blei, und spater aus Eisen. 
Von silbernen Siegelstempeln haben wir bereits zwei erw&hnt: 
den Gottfried's von Hohenlohe, Grafen von Romaniola **), und 
den des Herzogs Mestwin I. von Ostpommern ***). 

Schulthefs in seinem Werke uber schweizerische Stftdte- 
und Landessiegel beschreibt auch mehrere silberne, zum Theil 
vergoldete Stempel, wovon der alteste, von Schaffhausen, noch 
aus dem Ende des 14. Jahrh. stammt. Ueber Siegelstempel 
von Gold und Silber ist auch zu vergleichen: Neues Lehrge- 
baude der Diplomatik, II. Buch, 5. Hauptstuck : „ Von den Sie- 
geln", I. Abschnitt, §. 438—448, wo ubrigens wiederholt die 
Siegelstempel mit ihren Abdrttcken, den Siegeln selbst, resp. 
den Bullen, auf bedauerliche Weise verwechselt sind. Von 

*) Somit sind die Angaben aber das Metall dieses Siegelstem- 
pels und iiber den Geschlechtsnamen der Sieglerin in der „Bitte 
um Auskunft, in der Beilage zum Anzeiger, Jhrg. 1872, Nr. 6, 
Sp. 207 (Nr. 8 der Mittheilungen), als berichtigt zu betrachten. 

•*) Vgl. Anzeiger 1866, Nr. 8 : Sphragist. Aphorism. I und 1867, 
Nr. 11, Sp. 342, Notizen : 8, auch 1871, Nr. 9, Notizen : 17. Es 
ware hier noch nachzutragen, dafs auf der Ruckseite eines silbernen 

Siegelstempels der Stadt Freiburg i. U. die Jahrzahl (J Jt^ W ^ 

eingraviert ist, also auch die Zahl 4 verkehrt, wie auf dem Siegel 
Gottfried's, und die 3 so ziemlich von derselben Form. Wenn Mar- 
cker im Anzeiger von 1859, Sp. 374 bemerkt : „Bei den Jahrzahlsie- 
geln ist ubrigens auch ihre historische Bedeutsamkeit noch beson- 
ders zu beachten, indem die Jahrzahl in der Regel auf ein epoche- 
machendes Ereignifs in der Geschichte des Sieglers hindeutet", so 
diirfte sich dieselbe bei dem Siegel Gottfried's auf seine Ernennung 
zum Grafen von Romaniola beziehen. 
***) Vgl. Anzeiger 1871, Nr. 9, Sp. 261. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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bleiernen Siegelstempeln haben wir bereits eincn flttingen'schen 
erwSLhnt *) ; ein solcher ist uns aber bis jetzt nicht zu Gesicht 
gekommen. Im 18. Jahrh. wurden auch Petschafte von Perl- 
mutter graviert, welche sehr schdne Abdrucke liefern. 

Der Umstand, dars schon im 13. Jahrh., wo gewifc ein 
Siegelstempel noch etwas Kostbares war**), von manchen Her- 
ren mehrere, oft von einander sehr verschiedene und mitunter 
httchst primitiv gestochene Siegel vorkommen, macht es wahr- 
scheinlich, dafs in angenblicklicher Ermangelung des eigentlichen 
Siegelstempels bei Ausfertigung wichtiger Urkunden ein Inte- 
rimsstempel in der Eile gefertigt werden mufste, und da ein 
solcher wahrscheinlich nach gemachtem Gebrauche gewOhnlich 
wieder vernichtet wurde, jedenfalls nicht fiir die Dauer be- 
stimmt war, so empfahl sich natflrlich dazu ein weicheres Me- 
tall oder sogar ein anderes passendes Material. Ueber das 
Wappen obiger Sieglerin wurde ich zuerst durch Mauch in 
Gaildorf belehrt, welcher die Gate hatte, mir mehrere Haugge'- 
sche und Lichtenberg'sche Siegel mit demselben Wappen aus 
der Mitte des 14. Jahrh. mitzutheilen, sowie genealogische 
Notizen fiber beide Familien ***), welche das g lei c he Wap- 
pen fuhrten, woraus um so mehr auf eine Verwandtschaft zu 
schliefsen ist, als auch in der Lichtenberg'schen Familie der 
Zuname „Humel" erblich war. 

Wir besitzen ein sehr schOnes, grofses Siegel IV. A. 2. 
(von 7 Cm. im Durchmesser) Heinrich's von Lichtenberg, des 
Kanzlers K. Ludwig's des Bayern, mit der in zwei Reihen ge- 
stellten, abgekurzten Legende: *< S. Hermani de Lichtenberch 
illustrissimi domini Ludovici Romanorum imperatoris cancella- 
rii, scolastici Spir. ac prepositi S!L Germani extra muros ef 
de . . . (?f), v. J. 1330, auf welchem sich in der oberen rech- 
ten Scheibe des Wappens ein Schwan (?) befindet, wahrschein- 
lich als Beizeichen. In dem abwechselnd mit vier Spitz- und 
vier Rundbogen und Laubwerk verzierten Siegelfelde sind zu 
beiden Seiten und oberhalb des eingebogenen Wappenschildes 
drei phantastische Thiergestalten. 

Da der Name Margarete urkundlich sonst nicht in der 
Familie bekannt ist, so ware es mdglich, dafs unser Siegel- 
stempel der Margarete von Helmstadt, Gemahlin des Hans 
Hagg von Hoheneck, geh5rt hat. Wie Margarete sich auf ih- 
rem Siegel „Haeggin" (von Hagg) nennt, so nannte sich die 
Gemahlin Johann's von Rechberg, Anna „die Hauggin", (von 
Haugge). 

*) Vgl. Anzeiger, a. a. 0. 
**) Nach einer eigenhandigen AufzeichnuDg des Reichs-Erb- 
kammerers Conrad von Weinsberg aus Basel vom J. 1440 Kefs 
derselbe dort drei Siegelstempel „graben, mir zwei und meiner 
Husfrow eins", wofdr er drei Gulden (Goldgulden) bezahlte. 

***) Vgl. die von dem k. wQrttemb. statistisch -topograph. Bu- 
reau herausgegebene Beschreibung des Oberamts Aalen, S. 151, 
und Sattler's histor. Beschreibung des Herzogthums Worttemberg 

n, 73. 

t) Wol : eiusdem (civitatis). D. Redact. 



Der Stempel ist fur ein Frauensiegel des niedern Adels, 
namentlich im Verhaltnifs zu den andern bekannten Siegeln 
dieses Geschlechts, von auffallender Grdfse. Er war ursprQng- 
lich zum Anhangen gerichtet ; doch ist an der schmalen Platte, 
welche sich auf der Ruckseite desselben angeldthet befindet, 
das Oehr abgebrochen. F.-K. 



Lateinische Reime des Mittelalters. 

In dem Cod. membr. in 8 V0 Nr. 2 der v. Derschau'schen 
Bibliothek zu Aurich, welcher Abhandlungen fiber die Regel 
des Benediktinerordens enth&lt, befinden sich zwischen zwei 
Hauptabtheilungen des Buches nachstehende Verse, von einer 
Hand des 15. Jahrhunderts eingetragen. Fur die Anschauungs- 
weise eines Benediktinermdnchs damaliger Zeit ist das Gedicht 
immerhin charakteristisch, wenn auch die Muse dem dichten- 
den Bruder fern genug geblieben ist: man lese nur z. B. den 
achten Vers ; kann man sich wol geringsch&tziger uber die 
Laienwelt ausdrucken? Die metrischen Harten und Fehler 
und die grammatischen Unklarheiten durfen den Leser nicht 
storen; auf gute Verse kam es gewifs dem Benediktiner weni- 
ger an, als das, was er zu sagen sich vorgenommen hatte, 
mdglichst scharf auszudrflcken. Uebrigens war er ein Freund 
der Gelehrsamkeit ; denn er verkundet Vers 32 unverhohlen, 
die Lekture sei die Amme der Monche. 



1. Si vis esse cenobita 
Huius vite viam vita, 
Ut sis re et nomine 

Tue mentis sordes munda, 
Ut sis Deo laus iocunda 
In utroque homine. 

2. Solus Deus diligatur, 
Cui soli relinquatur 
Omnis laus et gloria. 
Honor, virtus et potestas 
Ipsi sit, cuius majestas 
Replet, regit omnia. 

3. Non est tuum honorari 
Velle, homo vel laudari 
Cum sis vite misere. 
Quitquit hie honoris captas, 
Si non Deo totum aptas 
Perdis tuum vivere. 

4. Mundus gaudet quod dolen- 

dum 
Docet se non diligendum 
Cum amicos decipit. 
Fleret quidem in presenti, 
Sed non heret bone menti 
Nee a morte eripit. 



5.Juvenes clyopoleos 

Sed et principes nympheos 
Prostravit arbitrio. 
Morbus iste captivavit 
Omnem clerum et potavit 
Amaro absyntheo. 

6. Non tarn facile honores 
Si sentirent et labores 
Affectarent clerici 

Qui preesse non prodesse 
Perdit suum esse (sic) 
Pena dignus duplici. 

7. Ad honores sunt parati 
Donis Dei sunt ingrati 
Juvenes cum senibus. 
Totum datur dignitati, 
Parum aut nil sanctitati 
Hiis nostris temporibus. 

8. Sic et vita laycorum 
Parum distat a porcorom 
Consuetudinibus. 

Super modum epulantur 
Intus, foris obsecantur 
Pleni malis omnibus. 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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9.De salote animarum 
Rams sermo, sed terrarum 
Amplitodo queritur. 
Qui none potest plus ditari 
Yel in altnm sublimari, 
Hie beatus dicitur. 



17. In hoc tamen consolatur 
Yere sanctas et letatur 
Qui mundas traosiet. 
De hoc casu flere mundi 
Debetur peccatis mundi 
Quorum dolor veniet. 



10. Mundus finem jam minatur 18. Ad te ergo revertere 



Qui tot malis inquinatur 
Quod predixit Veritas. 
Civitas jam refrigescit, 
Omnis sanctus obmutescit, 
Habundat iniquitas. 



Hoc prostratos miserere 
Cur sis factus considera. (sic) 
Sibi te fecit similem 
Deus, cui dissimilem 
Te facis aagens scelera. 



11. Po tens ridet impotentem, 19. Consors quondam angelorum 



Sic astutus innocentem, 
Adolescens veterem. 
Yir a fratre supplantatur, 
Puer matri adversatur, 
Dives spernit pauperem. 



Legem tenes jumentorum 
Ipsis factus similis. 
Esca ventri venter escis, 
Hunc et has frenare nescis, 
Propter quod es fragilis. 



12. Sanctus hodie putatur 20. Surge miser, quid dormitas ? 



Qui non nimis inquinatur 
Malis criminalibas. 
Formam vite si requiris 
Non hanc queras jam in viris 
Sed in voluminibus. 



Imitare cenobitas 
Antiquorum temporum. 
Qui tenentes viam vite 
Contempserunt non invite 
Opes, vires corporum. 



13. Perit lex a sacerdote, 21.Erant mundo crucifixi, 



Pereunt virtutes tote 
A sene consilium. 
Multos babemus doctores 
Sed paucissimos factores 
In terra mortalium. 

14. Hanc jure captivitatem 
Si manentem civitatem 
Hie haberem plangere. 
Dura plane captivitas 
In qua nescitur Veritas. 
Ve si semper viverem. 



Et hie ipsis sed transfixi 
Caritatis gladio. 
Yitam hanc parvi pendebant, 
Nam celesti adherebant 
Magno desiderio. 

22. Corpus satis castigabant, 
Lectionibus vacabant, 
Et orabant jugiter. 
Nunquam erant otiosi, 
Omnibus affectuosi; 
Yade fac similiter. 



15. Heu homo, cur creator 23. Ut conserves te devotum, 



Qui tot malis captivatur 
Yelit nolit, moritur. 
Quid sit malum hie vitare, 
Yel quid bonum hie amare, 
Yix infelix cogitur. 



Quidquid vides, fuge totum, 
Paupertatem elige. 
Non te locus vilitatis 
Angat, vel extremitatis, 
Sed nesciri dilige. 



16. Unde nemo jam mirari 24. Te prelato subjugabis, 



Debet, si hie consolari 
Omnis Justus redimit. 
Immo satis est dolendus, 
Et a Deo respuendus 
Qui non mundum respuit. 



Quidquid jubet observabis 
Et hoc voluntarie. 
Noli facta judicare 
Prelatorum, sed vitare 
Debes fel invidie. 



25. Temet ipsum reprehende 
Et diligenter attende, 
Ne quid umquam judices. 
Pro te reddes rationem 
Nunquam proferas sermonem, 
Ut te ipsum vindices. 

26. Erit tibi salutare 
Si amari et amare 
Omni hora studeas. 
Quitquit facis, reprobatur 
Apud Deum, nee laudator 
Nisi pacem teneas. 

27. Diligantur juniores, 
Venerentur et priores, 
Esto earns omnibus. 
Non accipies personam, 
Sed amabis vitam bonam 
In cunctis hominibus. 

28. Sic gaudere cum gaudente 
Bonum est, paulo dicente, 
Et flere cum flentibus. 
Ordinatus ordinatis, 
Patiens inordinatis 
Eris tuis fratribus. 

29. Corporum infirmitates, 
Sed et morum paupertates 
Pacienter tollera. 
Neque velis apparere 
Magnus, nee laudem habere 
In hac vita misera. 

30. Cave ne sis singularis, 
Sed quidcunque operaris 
In commune facias. 
Lege, canta, psalle, ora, 
Sicut omnes, et labora, 
Yive et non alias. 



31. Primus eris ad laborem, 
Tardus autem ad honorem 
Sed ad iram ultimus. 
Omnibus subiciaris, 
Nunquam aliud loquaris. 
Quam quod habet animus. 

32. Omnem horam occupabis 
Ympnis, psalmis, et amabis 
Tenere silentium. 
Super hoc orationem 
Diliges, et lectionem, 
Nutricem claustralium. 

33. Habens victum et vestitum 
Quale fuerit largitum, 
Nichil queras amplius. 
De colore non causeris, 
Quod si vile, tunc leteris 
Et sic eris sobrius. 

34. Cave ne sis curiosus 
In vestitu, vel gulosus 
In diversis epulis. 
Sic non eris sompnolentos. 
Nee in potu vinolentus 
Nee vacabis fabulis. 

35. Nimis est periculorum 
Esse monachum verborum, 
Cum silere debeat. 
Joci quidem sunt ferendi, 
Nunquam tamen referendi, 
Quos proferre pudeat. 

36. Omnem fugies peccatum, 
Si videre vis pacatum 
Salvatorem omnium. 
Ipsum corde, ore, ora, 
Ut in tue mortis hora, 
Sit tibi in auxilium. Amen. 



Auf einzelnen Bl&ttern am Anfange und zum Schlusse des 
Codex stehen folgende Wortspiele: 



1. Religio 



quam felix 

religiosi vita, 

cui talis inest 

obediencia 



te non cupio 

te non sapio 

sine corde pio 

non principio 
I prompta 
devota 
voluntaria 
simplex 
humilis 
ordinata 
jocunda 
strenua 
universalis 
perseverans 



si mundus amatur 
si lingua vagatur 
non appreciatur 
sed fine probatur. 
dilatione 



sine 



dedignatione 

contradictione 

discussione 

' fictione 

i deviatione 
turbatione 

' trepidatione 
exceptione 
cessatione. 



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Anzeiger fur Eunde der deutechen Vorzeit. 



100 



Bdnum est, 
nos hie esse 
in monasterio, { 
quia homo 
hie 



L Fnge mundum 
Fuge peccatum 
Attende carnem 
Deprecare Deum 

Aurich. 



>us. 



vivit 

quiescit 

cadit 

surgit 

incedit 

irroratur 

contemplatur 

moritur 

purgatur 

premiatur 

quia vanitas est. 

quia iniquitas est. 

quia fragilis est. 

quia misericors est. 

Ernst Friedlaender. 



pun 

securi 

rari 

veloci 

cauti 

devoti 

limpidi 

fiduci 

citi 

copiosi 



atis 



Kirchlich-politische Oedichte des zwolften Jahr- 
hunderts. 

Im frttheren Mittelalter bildete die Uebung im Verse- 
machen einen sehr wesentlichen Theil des Schulunterrichts : 
eine Sitte, die sich wohl noch unmittelbar aus dem alten Reiche 
fortgepflanzt hatte. Blieb man nun anfanglich den alten Re- 
geln treu, versuchte sich auch noch in verschiedenen Metren, 
so gewann doch immer mehr der Hexameter, allenfalls noch 
mit dem Pentameter verbunden, die Alleinherrschaft, und seine 
EintSnigkeit suchte man durch die vielerlei Spielereien zu 
beleben, zu welchen noch erhaltene Lehrbucher fOrmliche An- 
weisung gaben. Die Verse wurden nicht nur in sich gereimt, 
leoninisch, sondern auch untereinander , und wieder in ihren 
einzelnen Gliedern. Im zwftlften Jahrhundert tritt uns das in 
voller Ausbildung entgegen. Naturlich litt bei diesem Bestre- 
ben, bei der oft schwierigen Kunstelei, der Inhalt; der Sinn 
ist haufig schwer zu entrathseln, besonders wenn noch dazu 
persdnliche oder politische Rucksichten den Verfasser hinder- 
ten, sich frei auszusprechen, und Beziehungen beruhrt werden, 
die uns unbekaunt sind. Das ist auch der Fall bei den fol- 
genden Yersen, welche ich in einer Mflncheher Handschrift des 
12. Jahrh. (Clm. 17212, Scheftl. 212) fand, die aber doch zur 
Charakteristik der Zeit von Werth sind. 

Der Verfasser des ersten Stucks ist ein eifriger Verehrer 
Lothar's des Sachsen, den er Kaiser nennt; er schrieb also 
nach dem 4. Juni 1133. Heftig erbittert ist er gegen die 
Rdmer, welche allein ihm Widerstand leisten und an dem Ge- 
genpapst Anaclet oder Petrus Leonis festhalten, aus Habsucht ; 
aber Lothar wird sie bandigen, und die Rdmer, was vielleicht 
V. 14 bedeuten soil, an ihm kcinen Kftufer finden. Man wird 
dadurch an die Worte Anselms von Gembloux zum Jahre 1133 
erinnert: Sed Romanorum avaritiam a discidio partium ne- 
quiens revocare, dissimulato negotio inefficax rediit. Petrus 
vero pseudopapa in domo Crescentis regnat, et alter in alte- 
rum praedis, rapinis, incendiis et homicidiis desaevit." 



vit 



ora 



atur 



ator 



ens 



atan 



era 



ustura 



edes 



Die Verse lauten fol. 7: 
Presul amabilis et venerabilis, ut vide 
Carmina metrica, dicta poetica respici 
Ut patet omnibus, imperialibus Africa ser 
Jura dat Anglia, Gallia, Grecia, Roma proter 
5 Hec caput exerit, et furit, et ferit interi 
N Interioribus acta furoribus exerit 

Ora minatia, laxa capatia, plena cru . 

Quod minus expedit, omne malum dedit omnibus 
Roma timentibus, immo furentibus, insidi 
10 Arma petentibus, arma volentibus, arma min 
Set quasi Marius, iste Lotharius induper 
Arma minantibus, et dominantibus est domin 
Post mala plurima, summa set infima, destitu 
Nee sibi comparat his*) quibus imperat ambitus 
15 Roma quid afficit? omne quod aspicit, et quasi S 
Non cito respuit, omne quod influit os Levi 
Iste Petrus Leo, quern minus audeo dicere i 
Quid nisi despicit omne quod aspicit esse ven 
Hie Petrus incola, respicit idola, respicit 
20 Respicit omnia spiritualia flante Meg 

Roma volubilis, est modo mobilis, hec sacra s 
Est modo sordida facta perhonida Simonis 
Simo quis est? magus ille, quid est? vagus ille maligna*. 
Cum via Simonis et via demonis equa ten 
25 Cur mala talia, tarn temeraria, nemo ver 
Set sapientia, que regit omnia, consili 
Sit moderatio, sit reparatio, sit medi 
Es folgen darauf einige zusammengeschriebene , aber nicht 
zusammengehorende Epigramme und Spottverse, vorzuglich ge- 
gen die rflmische Curie. Frilh schon war der Scherz verbrei- 
tet von den Gebeinen der Martyrer Albinus und Rufinus, d. h. 
Silber und Gold, welche in der ganzen Welt zerstreut sind 
und von den Rdmern gesammelt werden. Schon bei Landulf 
von Mailand ist eine Anspielung darauf (MG. SS. VHI, 98) 
und der Zeitgenosse Lothar's, Berthold von Zwifalten, hat das 
Epigramm in etwas abweichender Form (ib. X, 119). Zin- 
gerle gibt es aus seiner Sterzinger Handschrift (SB. d. Wiener 
Ak. LIV, 314), und die Carmina Burana enthalten p. 15 eine 
Anspielung. 

Sehr haufig kommt 2 vor, oft der erste Vers allein, wie 
Bur. p. 23. Auch der Scherz mit den Namen der Casus in 
3 begegnet haufig in vielfach wechselnder Form, z. B. Bar. 
p. 19, Zingerle p. 315. 

Dagegen ist 4 mir sonst nicht bekannt, und wol ohne 
Zweifel franzSsischen Ursprungs: die schOne Kdnigin Eleonore 
war ja sehr leichtfertig, und mochte zu diesem Epigramm An- 
lafs geben, dessen specieller Gegenstand dunkel bleibt Merk- 
wUrdig ist das folgende 5., in welchem augenscheinlich ein eif- 
riger Anhftnger der eifrigsten kirchlichen Partei redet, welcher 



etur 



atrix 



*) vielleicht for is, wo dann eos zu erganzen ware. 



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101 



Anzeiger for Kunde der deutechen Vorzeit 



102 



Innocenz II. noch viel zu nachgiebig war: hier wird er mit 
dem frttheren Gegenpapst Wibert, Lothar mit Heinrich IV. 
verglichen, vor der KaiserkrCnung, wie es scheint; denn auf 
andere Personen kann es doch schwerlich bezogen werden. 
Unumwunden wird ihnen mit der, Fanatikern aller Zeiten eige- 
nen Rucksichtslosigkeit der Gehorsam aufgekttndigt 

Das letzte Sttlck hat keine Beziehung auf die Ereignisse 
der Zeit and keine Spitze. Wir lassen jetzt diesen Abschnitt 
folgen. 

1. Martiris Albini sen martiris ossa Rufini, 

Rome si quis habet, vertere cuncta valet. 

2. Roma mannm rodit: si rodere non valet, odit 
Dantes exaudit, non dantibus ostia clandit. 

3. Accusativas si venerit ante tribunal, 
Ant accnsetur ant accnsaverit ipse, 

Proficit in vanum*), si venerit absqne dativo. 

4. Abbatissaram reginaramqae sabactor, 

Ob stupri pretiura snmpsit episcopium. 
Mondi Roma caput, si non nlciscitur illud, 
Que caput orbis erat, cauda sit et pereat. 

5. Papa wipertizas, regem heinrizare videmus: 
Nee te pro papa, nee eum pro rege tenemus. 

6. Cur cecidisse deus grave permisit Salomonem? 
Sicut ego credo, duplicem propter rationem: 
Scilicet ut sit homo pavidus, cum tarn sapi 
Esse cadendo**) legit factum velud insipi 
Aut ne messiam Judeus eum celebr 
Quern tarn perfectum super omnes esse prob 
Ergo si queris***) messiam, sancta Soph 
Est quem concepit, genuit pia virgo Mar 

Den Schlufs bildet endlich ein l&ngeres Gedicht gegen die 
Simonie von einem Magister Petrus, augenscheinlich einem Fran- 
zoseo. Es ist in demselben kunstlicben Metrum geschrieben, wie 
das erste Stuck, welches daher vielleicht denselben Verfasser hat, 
wenn man einem Franzosen damaliger Zeit eine solche Verherr- 
lichung des Kaisers beimessen darf; in dieser Sachlage, wo er 
den von der franzdsischen Kirche anerkannten Papst nach Rom 
zurtickfUhren wollte, w&re es vielleicht mdglich. 

Von abweichender metrischer Form ist das Stuck V. 13 
—45, welches ich, obgleich es in der Handschrift nicht unter- 
schieden wird, abgesetzt habe; nach einer, wie mir scheint, 
treffenden Vermuthung von W. v. Giesebrecht ist dieses Stuck 
eben der V. 12 erwfthnte Aratus. Diese Strafpredigt wen- 
det sich nur gegen den rOmischen Hof; im Verfolg, wo nun 
das fruhere Metrum wiederkehrt, richtet Petrus sich gegen 
die Gallier. Anst5fsig ist in V. 52 dem Metrum und dem Sinne 
nach das nee; man mbchte mit naheliegender Verbesserung 

*) inventus cod. 
**) canendo cod. ***) qr cod. 



entem 



aret 



la 



nunc lesen, und vielleicht hat Petrus sich von seinem Eifer 
fortreifsen lassen, nur Gallien den Vorwurf der Simonie zu 
machen, obgleich ja eben vorher Rom ganz vorzuglich ange- 
griffen worden ist. Im nftchsten Verse 53 ist, wie Giesebrecht 
richtig bemerkt hat, das Wort Idol atria nach mittelalter- 
licher Unsitte zertheilt, und dem Sinne nach wieder zu ver- 
binden. 

Das letzte Stuck, in welchem auch das Metrum wieder 
ein anderes wird, halte ich, obgleich es in der Handschrift 
nicht unterschieden ist, fUr ein ganz abgesondertes, selbst&n- 
diges Gedicht. 

Versus magistri Petri contra symoniacos. 
Signat Musa Petri vario narramine metri, 
Quam sit feralis contagio simonialis. 
Undique mundi stagna profundi turbine m 
Exagitantur, dampna minantur, pace rem 
5 Grex viciorum corda virorum pulsat 
Undique terror, luctus et error multus 
Ira, libido, ceca cupido, cuncta 
Et sceleratis impietatis arma 
Aurea pestis, sevior istis, sevius 
10 Ingruit orbi vis mala morbi, cunctaque t °* 
Quamque potenter, quam violenter secula v 
Nuper aratus subtitulatus sermo ret 



ubique 



ministrat 



exit 



Jam totam Romam sibi vendicat ambitus 
Denarium Romam fer, qui venalia qu * 
15 Hie pro denario donatur pontificates, 
Hie abbatia prostat cum preposit 
Hie et venalis iacet ecclesiastica c 
Hie omnis sacer ordo iacet venalis in 



ura 



urbe 



aurum 



orbi 



evit 



Ut vendant et emant, stent hie cum Simone t 
20 Venditor omnis habet merces hie simoniales. 

Signa Petrus quondam faciens sacra respuit 

Signa modo faciens cum Simone postulat 

Sic magus in Petrum transit vice simoniali. 

Roma potens fit vile forum, fit Simonis 
25 Et fit avaricie templum Petri sacra s 

Nee solam Romam gravat huius lesio m 

Que caput est orbis, set toti iam nocet 

Nimirum capitis dolor omnia membra repl 

Deque malo sic principio sanies mala er 
30 Simon in urbe furit, amor auri fervet ubi 

Pontifices per eum populis dominantur ini q 

Argenti precio venundatur unctio s 

Reliquie sacre venduntur ut simul 

Lingua sacerdotis parvo venalis hab 
35 Cui si nil dederis, divinus sermo tac 

Si multum reus es, reus illi porrige m 

Quidquid peccaris, totum dimittit in 

Nee gratis recipit, que gratis protulit, _„_ 

OSS& 

Terra parens: homini precio datur aut prece f 



acra 



etur 



ultum 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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atis 



Solvitur argento nodus consaDguinit 
Discidiumque malum fit iure sacro soci 
Venditur ere sacra benedictio crismaque s 
Sacra columba datur precio fideique lav 
Expulit a templo quondam deus hoc faci 
Perfert in templo similem modo rem faci 



acrum 



atur 



oris 



Omnis episcopus hoc faciens opus abici 
Nee memorabilis, immo notabilis, hie tene 
Crimina talia sunt capitalia plena pud 
Que deus obruet et cito destruet igne fur 
Gallicus incola sic colit idola mente sev 
Principe demone, preside Simone, qui colit 
Solaque Gallia symonialia nee oper 
Ydola nam tria cuncta per atria thurific 



era 



ere 



orum 



etur 



Proh dolor omnia crimina turpia prava lie 

Ut inaledictio, sic benedictio venditur 

Venditur altaris cibus, hostia sanctific 

ata 
Indignis sua mors, set dignis vita be 

Improbitas ilium vendit male presbiter 

Nunc etenim alta fides salvat, spes pura bon 

Est cibus iste deus qui vite panis hab 

Quisquis eum vendit, pro vita morte fru 

Suspensus laqueo Judas non totus ob . 

Altera pars eius crepuit, pars altera v 

Servus adhuc dominura mutato nomine ven 

Non animum mutat, quia mutua premia pren 

Ergo ferat meritas Judas cum Simone pe 

Tartareas subeat dampnatus uterque cate 

Heidelberg. W. Wattenbach. 



dit 



nas 



Znr Chronik der Beichsstadt Nfirnberg. 

1438. Dem kaiserlichen Kanzler Caspar Schlick werden 
wegen einer Generalbestfitigung der st&dtischen Privilegien 
300 fl. vnger., und einige Tage sp&ter abermals 910 fl. geschenkt. 

Heir Hanns von Wallenrod und Herr Michel von Ehen- 
heim rennen zu Niirnberg mit scharfen Glefen (Lanzen) ; es wird 
ihnen ein Tanz gehalten. 

Der Rath schickt des R6mischen KSnigs Botschaft, nam- 
lich Herrn Caspar Schlick, dem von Weinsberg und Haupt 
Marschalk und den Abgeordneten des Concils, der Churfursten, 
der Ritterschaft von St. Georgen Schild und der Reichsstadte, 
als sie urn St. Margarethen Tage auf dem Rathhause und in 



Endres Hallers Hause tagten, urn 69 ft 5 (3 8 hi. Wein, Brod, 
K&s und Obst zur Labung. 

Der Hirt auf St. Sebalder Seite leistet den Diensteid and 
erhfi.lt, wie gewdhnlich, 2 ft neuer Haller als Beisteuer zu einem 
Ochsen. 

Den Gasten, die vor dem Sterben nach Nurnberg geflohen 
waren, wird ein Tanz gehalten ; derselbe kostet ,27Va ft hi. 

Ein gewOhnlicher Rife Papier kostet V/% ft hi., ein Rifs 
grofses Papier 4 ft 15 (3 hi. 

Fur Wfllfe, i. e. fur eingelieferte Wolfs -Ohren, zahlt der 
Rath 4 ft 4 (J hi.*) 

1439. Heinrich Faust kommt in's Lochgefangnifs ; der 
Lochhtiter, der Lbwe und Zuchtiger erhalten fur ihre Atzung 
und Arbeit, die sie mit Faust und Eberhart Has gehabt, 4 ft 
6 |S hi. 

Der Hausknecht im Rathhaus erhalt fur ein gewichstes 
Tuch 1 ft 3 p. 

Henslein Ofenseul „eyn freihait"**) wird wegen gef&hrlichen 
Eartens auf 6 1 /* Tage in's Loch gelegt und auf ein Jahr aus 
der Stadt verwiesen. 

Die Herzogin von Sachsen verktlndet dem Rath, dafs sie 
eines jungen Herrn genesen sei. Der Bote erhalt 2 fl. 

Das inner e Spitalerthor erhftlt eine Uhrglocke, die 174 4 
1 Ort kostet. 

Markgraf Friedrich von Brandenburg und die von Din- 
kelsbiihl rechten auf dem Rathhaus; der Rath schickt ihnen 
dazu Wein, Brod, Obst und Licht. 

Funf silberne vergoldete Gabelein zu gebratenen Birnen 
kosten 4fl. 17(5 ; sie wiegen 5 Loth, 3 Quint. 

Die Hausfrau des Caspar Schlick beschaut die Veste und 
wird dabei mit Wein und Confect bewirthet ***). 

Zwei Buben, die sich auf St. Sebalds-Kirchhof blutrunstig 
geschlagen, werden in's Loch gelegt und vom Zuchtiger mit 
Gerten gehauen. 

Zwei Personen aus Wflhrd, die das Sacrament durch spdtt- 
liches Oelen verschmahen, werden in's Gefangnifs gelegt 

Herr Hanns von Egloffstein, Herr J8rg von Ehenheim 
einer- und Hinschuk Pflug und Christan Frauenberger anderseits 
halten zu Nurnberg ein Gerenn mit scharfen Glefen. 

Munchen. Baader. 



*) 1st eine der standig wiederkehrenden Ausgaben. 
**) Vagabund, Lump. Schmeller P, p. 815. 
***) Es geschah ofter, dafs angesehene Gaste die Veste besich- 
tigten und bei dieser Gelegenheit bewirthet wurden. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Ess en wein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch - artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. E 8 eb aid in Nflrnberg. 



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BE1LAGE ZUM ANZEIGER FUR KUIVDE DER DEUTSCHM VORZEIT. 

1873. JV£ 4. April. 



Cbronik des germanischen Museums. 



Niirnberg, den 15. April 1873. 
Das so oft bewahrte, huldvolle Interesse Sr. Majestat des deut- 
schen Kaisers an unserer Anstalt hat einen neuen erfreulichen Aus- 
druck dadurch erhalten, dafs allerhochst derselbe den jahrlichen 
Betrag von 500 Thalern aus der Kabinetsschatulle, der zuletzt fiir 
1870 — 72 bewilligt war , nunmehr auch auf 1873 — 75 zugesagt 
hat Zugleich hat Se. Majestat fur die seiner Zeit von aller- 
hochst demselben begrundete Hohenzollernstiftung, der wir schon 
die Nachbildung so manchea interessanten , auf das hohenzollern'- 
Bche Haus bezuglichen Denkmales zu danken haben, fur dieselben 
Jahre je 200 Thaler zugesagt, damit diese Stiftung nunmehr auch 
einen Abgufs der Schliiter'schen Statue des grofaen Kurfursten fur 
das germanische Museum herstellen lassen k&nn. 

Sr. kgl. Hoheit dem Grofsherzog Ludwig m. von Hessen- 
Darmstadt hat die Sammlung unserer Feuerwaffen eine Bereiche- 
rong zu danken, die nicht hoch genug zu schatzen ist, indem Se. 
kgl. Hoheit die bisher im allerhochsten Privatbesitze befindliche 
HandbOchse, welche mit so vielen anderen interessanten Gegen- 
standen im Jahre 1849 aus dem 1399 zerstorten Schlosse Tann en- 
berg ausgegraben wurde, dem Museum zum Geschenke gemacht 
hat. Wenn auch aufserlich unscheinbar, ist dieses Stuck doch 
deshalb von unschatzbarem Werthe, weil es vielleicht das einzige 
ist, das unzweifelhaft noch in's 14. Jahrh. gehort, und somit eine 
Bereicherung unserer Sammlung, die ihr von gar keiner anderen 
Seite hatte werden konnen.- 

Unlangst hatten wir Gelegenheit eines freundlichen Geldge- 
schenkes Erwahnung zu thun, durch welches Heir Oberbaurath 
v. Ziebland in Miinchen unsere Anstalt erfreut hat. Heute haben wir 
die Genugthuung, mittheilen zu konnen, dafs derselbe unserer An- 
stalt eine schatzen s werthe Sammlung kunstgeschichtlicher Werke, 
die mehrere Collis Frachtgut umfafste, zum Geschenke gemacht hat. 
Unter den Geldgeschenken, die heute in's Verzeichnifs aufzu- 
nehmen sind, haben wir die besondere Freude, 100 Thaler von 
Herrn H. Achenbach in Moskau, nebst einigen kleinen von ihm 
gesammelten Betragen zu verzeichnen, welche, for Herstellung 
eines Brunnens bestimmt, von dem lebhaflen Interesse zeugen sol- 
len, das Deutsche in Moskau an unserer nationalen Anstalt neh- 
men. Der Brunnen wird im kunftigen Augustinerhofe aufgestellt 
werden, und Herr S. Pickert dahier hat die Gute gehabt, uns fur 
denselben eine kleine Bronzestatue zu uberlassen, einen Dudelsack- 
pfeifer, nach einem Originalmodell des 15. Jahrh. von hervorragen- 
der Schonheit gegossen, das, wie die Anordnung fiir Wasserrohren 
zeigt, offenbar schon urspriinglich far einen Brunnen bestimmt war. 
Die Zahl der Ktinstler, welche fur die Uebertragung des Au- 
gustinerklosters kiinstlerische , zur Veraufserung bestimmte Bei- 
trage zugesagt haben, ist fortwahrend im Steigen; auch werden 
nach und nach die Zusagen erfullt, und so entsteht eine Sammlung, 
bei der wir nur zu bedauern haben, dafs sie zur Veraufserung be- 
stimmt ist, wahrend in derselben eine herrliche Grundlage fur eine 
Gallerie moderner Gemalde gegeben ware. 



Wie alJjahrlich, so soil auch demnachst eine kleine Ausstel- 
lung hervorragender kunstgewerblicher Erzeugbisse in den Mona- 
ten Mai und Juni im Museum stattfinden, fiir welche bereits sehr 
schone Beitrage, namentlich mit Genehmigung Sr. Maj. des Ko- 
nigs von Sachsen einige kostbare Werke aus dem historischen Mu- 
seum zu Dresden, zugesagt sind. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage augemeldet: 

Von Gemeinden : Hemau. Distriktsgemeinde, 10 fl. Hers- 
bruck. Distriktsgemeinde, 10 fl. Ingolstadt Distriktsgem. , 15 fl. 
Landsberg. Distriktsgem., 10 fl. Leutershausen. Distriktsgem., 10 fl. 
Neubarg a. D. Distriktsgem., 10 fl. Riedenburg. Distriktsgem., 10 fl. 
Seligenstadi Stadtgem., 1 fl. 45 kr. Yilshofen. Distriktsgem., 10 fl. 
Waldmohr. Distriktsgem., 10 fl. 

Von Privatenx Biickeburg. Dr. Ermisch, lfl. 45 kr.; von 
Meding, Hofmarschall , lfl. 45 kr. Erlangen. Dr. Hugo Meyer, 
Univ.-Professor, 1 fl. Miinchen. Th. Ackermann, Buchhaadler, 2 fl. ; 
Mcrzbacher, Banquier, 2 fl. ; Munich, Major, 7 fl. Niirnberg. D. S Gut- 
ter, Kaufmann, lfl.; Sulzoeck, Artilleriehauptmann, 2fl. ; v. Wal- 
ther, Premierlieutenant u. Adjutant im k. 14. Inf.-Reg., 1 fl. 30 kr. 
Schmalkalden. Dr. Hasselbach, Realschulinspektor, lfl. 45 kr. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Von Privaten: Biickeburg. v. Landesberg, Obristlieutenant 
a. D., 19 fl. 16 kr. Erlangen. Dr. Kerler, Univers.-Bibliothekar, 
1 fl. Moskau. Achenbach, Kaufmann, 175 fl. ; von einigen Deutschen 
21 fl. Miinchen. Stud. jur. Ludw. Bauer 2fl. Singapore. Von den 
dortigen Deutschen, gesammelt durch den Pfleger Kaufmann J. 
Brussel, 104 fl. 57 fl. 

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu: 

I. Fiir die knnst- und kulturgeschichtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6870-6889.) 
Darmstadt. Se. kgl. Hoheit Ludwig HI., Grofsherzog 
von He 88 en: Bronzegeschutz vom 14. Jhdt., ausgegraben auf der 
Ruine Tannenberg. — Mailand. Reichmann, Cavaliere: Eiserne 
Stirnschiene fur ein Pferd, 16. Jhdt. Ein Paar verzierte Steig- 
bugel, 16. Jhdt. 2 verzierte Pferdegebisse, 16. Jhdt. Darstellung 
des Christkindes , Oelgemalde vom 17. Jhdt. — Miinchen. Dr. K. 
ForBter, herzogl. Sachsen- Meining. Rath: Gypsabgufs eines ver- 
zierten Helmes vom 10. Jhdt. R. v. Ziebland, Oberbaurath: 118 
Photographieen nach alteren und neueren Architekturen u. a. Kunsfc- 
werken. Luther's Zelle in Erfurt, Radierung von G. C. Wilder. 
59 Bl. Autographieen der Wiener Bauhiitte. — Niirnberg. L. Ale- 
xander, Rentier: Ornamentierter, griinglasierter Kachelofen vom 
17. Jhdt. Fiegler, Beutler: Journal einband vom J. 1741. — Ol- 
denburg. Dr. Merzdorf, Oberbibliothekar : 10 Schriftproben auf 
Pergament und Papier. 6 Holzschnitte, Kupferstiche und Radie- 
rungen vom 16. u. 17. Jhdt. 2 Klostermalereien vom 18. Jhdt. — 
Schmalkalden. Dr. Rehm, Kreisphysikus : 2 Bleimedaillen auf die 
Theuerung von 1771 und 1847. Bleiabgufs eines jiidischen Silber- 
lings. — Stuttgart. M. Rommel's photograph. Druck - Anstalt : 
25 Photographiedrucke nach seltenen Kupferstichen und Niellen. 

II. Fiir die Bibliothek. 

(Nr. 29,722—29,820.) 
Berlin. Gropius'sche Buchh. (Ernst u. Korn): Minutoli, Ca- 
talog der Sammlungen von Musterwerken der Industrie u. Kunst 
des Institute Minutoli ; I. n. Th. Ib72 u. 73. 8. Brinckmann, Er- 
lauterungen zur Sammlung Minutoli. 1872. 8. Mitscheru.Ro- 



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107 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



108 



at ell, Verlagshndl.: Hildebrandt, herald. Musterbuch; V. Lief. 
(Schlufs.) 4. G. van Muyden, Verlagshandl. : Welfische Regen- 
ten in den Krisen des letzten Jahrhunderts. 1868. 8. Roscher, zur 
6riindungsge8chichte des Zollvereins. 1870. 8. Deutschland. Eine 
periodiache Schrift, hgg. v. W. Hoffmann; I. Jhg., 1. u. 2. Bnd. 
1870. 8. Gebr. Patel, Verlagshndl. : Wernicke, d. Geschichte d. 
Welt ; Lief. 61—72 (Schlufs). 1873. 8. Woltmann, d. Baugeschichte 
Berlins bis auf die Gegenwart. 1872. 8. Redaktion des Deut- 
schen Reich sanzeigers etc.: Deutsche Monatshefte; I. Jhg. 

I. u. 2. Heft. 1873. 8. Jul. Springer's Verlag : Miiller, politi- 
Bche Geschichte der Gegenwart ; V. 1872. 8. Bernhardt, Geschichte 
der Waldeigenthums, der Waldwirthschaft u. Forstwissenschafb in 
Deutschland; I. Bnd. 1872. 8. Kliipfel, Geschichte der deutschen 
Einheitsbestrebungen ; I. Bnd. 1872. 8. Franz Vahlen, Verlags- 
buchh. : Sickel, monumenta Germaniae histories : diplomatum im- 
perii torn. L, besprochen. 1873. 8. — Bonn. Dr. Birlinger, 
TJnivers.-Prof. : v. Arnim u. Brentano, des Knaben Wunderhorn; 
1. u. 2. Lief. 1 873. 8. Universitat: Catalogus chirographorum in 
bibliotheca acad. Bonnensi servatorum; part. I — III. 1858 — 60. 4. 
— Braunschweig. C. A. Schwetschke & Sohn (M. Bruhn), 
Verlh. : Urkundenbuch der Stadt Braunschweig; Bnd. I, 3. Abth. 
1873. 4. Fried r. Wreden, Verlh.: Franck, d. Landgrafschaften 
des heil. rom. Reichs. 1873. 8. — Bremen. C. Ed. Miiller, Ver- 
lagshandl.: Die Frage v. der Todesstrafe. 1869. 8. Schultze, die 
augsb. Confession als Gesammtbekenntnifs unserer evangel. Lan- 
deskirche. 1869. 8. — Breslau. Wilh. Gottl. Horn, Verlagsh.: 
Solger, der Kreis Beuthen in Oberschlesien. 1860. 8. Triest, to- 

Sograph. Handbuch v. Oberschlesien; I u. II. 1864 u. 65. 8. — 
anzig. A. W. Kafemann, Verlagsh.: v. Neitzschutz, Studien 
zur Entwickelungs - Geschichte des Schafes ; II. Heft. 1873. 8. — 
Darmstadt. Verein f. Erdkunde: Ders., Notizblatt; III. Folge, 

II. Heft. 1872. 8. — Detmold. Meyer'sche Hofbuchhndl. : Mafs- 
mann, Arminius, Cheruscorum dux. 1839. 8. Mafsmann, Armin, 
Furst der Cherusker. 1839. 8. Pott, etymolog. Forechungen auf d. 
Gebiete der Indo-Germanischen Sprachen ; Th. II, 2, 3. u. 4. Abth. 
HI u. IV. Th. 1867—73. 8. v. d. Horst, Geschichte der deutschen 
Literatur; 3 Thle. 1869 — 70. 8. Brandes, d. deutschen Worter 
aus der Fremde. 1868. 8. Brandes, der Name des Badeortes Pyr- 
mont. 1870. 8. — Dresden. Dr. K. v. Weber, Ministerialrath, Di- 
rektor des Haupt - Staatsarchivs : Archiv f. d. sachs. Geschichte ; 
XI. Bnd. 1872. 8. — Frankfurt a. M. Verein f. Geschichte u. 
Alterthumskunde: Ders., Archiv etc., n. Folge, V. Band. 1872. 
8. Mittheilungen etc., Bnd. IV, 3. 1872. 8. Neujahrsblatt etc. f. 
d. J. 1872. 4. Freiburg I. Br. Gesellschaft f. Beforder. der 
Geschichts-, Alterthums- u. Volkskunde: Dies., Zeit- 
schrifb etc.; Bnd. II, 4. 1872. 8. — Fulda. J. Gegenbaur, Gym- 
nasial-Oberlehrer : Ders., d. Kloster Fulda im Karolinger Zeital- 
ter; 2. Bdch. 1873. 8. — Gorlitz. Oberlausitz. Gesellschaft 
der Wissensch. : Dies., neues Lausitzisches Magazin ; Bnd. 49, 2. 
1872. 8. — Gb'ttingen. Dieterich'sche Buchhandl.: Forschungen 
zur deutschen Geschichte. Bnd. XIII, 1. 1872. 8. Vandenhoeck 
u. Ruprecht, Verlagshandl.: Miildener, bibliotheca historica; 
Jhrg. 20, 1. 1872. 8. Ders., bibliotheca geographica; Jhg. 20, 1. 
1872. 8. — Gutersloh. C. Bertelsmann, Verlagsh.: Strack, Ge- 
schichte des deutschen Volkschulwesens. 1872. 8. — Halle. Buch- 
handlung des Waisenhauses: Ewald, d. Eroberung Preu- 
fsens durch die Deutschen; I. Buch. 1872. 8. Geschichtsquellen 
der Provinz Sachsen; n. Bnd. 1. Abth. 1873. 8. — Hamburg. 
Otto Meifsner, Verlagshandl.: Burmester, Arm un Riek. 1872. 
8. — Hannover. Hahn'sche Hofbuchh. : Leunis, Synopsis der 
drei Naturreiche; 2. Aufl., II. Th., 2. Halfte, 6. H. 1873. 8. — 
Hersbruck. Th. W. Ulmer, Pfarrer : Ders., Chronik der k. baieri- 
schen Stadt Hersbruck. 1872. 8. — Hildesheim. Gebr. Gersten- 
berg, Verlagshandl.: Ortschafts-Verzeichnifs far d. Provinz Han- 
nover etc 1872. 4. — Karlsruhe. G. Br aun'sche Hofbuchh. : Zeit- 
schrift f. d. Geschichte des Oberrheins. Bnd. XXIV, 4. H. 1872. 8. 
Karlsruhe im Jahre 1870. 8. — Koln. Histor. Verein f. den 
Niederrhein: Ders., Annalen etc.; 24. Heft. 1872. 8. — Langen- 
8alza. F. G. L. Grefsler, Schulbuchh. : Wunderlich, die Reforma- 
toren des 14., 15. u. 16. Jahrh. 1873. 8. Drose, padagogische Cha- 
rakterbilder; 4. Aufl. 1872. 8. — Lausanne. Societe d'histoire 
de la Suisse romande: Dies., Memoires et documents; tome 



XXVH.1872. 8. — Leipzig. F. A.Brockhaus, Verlagshndl.: Gott- 
schall, Portrats u. Studien: Bnd. I— IV. 1870—71. 8. Straufs, Ul- 
rich v. Hutten; 2. Aufl. 1871. 8. Deutsche Dichter des 16. Jahrh.; 
VI. Bnd. 1871. 8. Deutsche Dichter des 17. Jahrh.; V.Bnd. 1873. 
8. Varnhagen v. Ense , ausgewahlte Schriften ; XI. Bnd. 1873. 8. 
Wander, deutsches Sprichworter-Lexikon; Lief. 42 u. 43. 1873. 
8. J. C Hinr ions' sche Buchhandl. : v. Zezschwitz, zur Apolo- 
gie des Christenthums. 1865. 8. v. Zeschwitz, ober d. wesentL 
Verfassungsziele der luther. Reformation. 1867. 8. Luckhardt*- 
sche Verlagsbuchh. : v. Glasenapp, der Feldzug von 1871. 1872. 8. 
Verlag von E. A. Seemann: Deutsche Renaissance ; 13. — 17. Lief. 
1873. 2. Otto Wig and, Verlagshndl.: Schneider, PariserBriefe; 
4 Thle. 1872. 8. — Miinchen. Theod. Ackermann, Buchhandl.: 
Brunn, Beschreibung der Glyptothek zu Miinchen; 2. Aufl. 1870. 
8. Hundt, d. Edelgeschlecht der W r aldecker. 1871. 8. Sonderabdr. 
v. Retberg, Diirer^ Kupferstiche u. Holzschnitte. 1871. 8. K. b. 
Akademie der Wissenschaften : Dies., monumenta Boica; 
vol. XLI. 1872. 4. Histor. Commission bei d. k. Akademie 
d. Wissenschaften: Dies., Geschichte der Wissenschaften in 
Deutschland; 13. Bnd.: Zeller, Geschichte der deutschen Philoso- 
phic. 1873. 8. — St. Nicolaa8. Oudheidskundige Kring van 
hetLand vanWaes: Ders., publications extraordinaires ; nro. 10. 
1873. 8. — Nurnberg. Friedr. Tdpfer, Direktor: Ders., Urkun- 
denbuch for die Geschichte des grafl. u. freiherrl. Hauses derVogte 
v. Hunolstein; III. Bnd. 1872. 4. — Oldenburg. Dr. J. L. F. Th. 
Merzdorf, grofsh. Oberbibliothekar : Schilleriana : 11 Stuck, die 
Schillerfeier zu Leipzig am 10. Nov. 1859 betr. 4. u. 8. — Prag. 
Verein f. Geschichte der Deutschen in Bohmen: Ders., 
Mittheilungen etc.; Jhrg. IX, 7. 8. X, 1-6. XI, 4. 8. Ders., 7. 
8. 9. u. 10. Jahresbericht. 1869—72. 8. Ders., Mitglieder-Verzeich- 
nifs. 1871. 8. Ders., Beitrage zur Geschichte Bohmens; III. Abth., 
Bnd. 2. 1871. 8. Ders., Festschrift zur Erinnerung an die Feier 
des 10. Griindungtages. 1871. 8. Grueber, die Hauptperioden der 
mittelalterlichen Kunstentwicklung in Bohmen, Mahren, Schlesien. 

1871. 8. Sonderabdr. Hallwich, zur Geschichte des Teplitzer Tha- 
les. 1871. 8. Schlesinger, d. Urkundenbuch von Saaz. 1872. 8. 
Leeder, Beitrage zur Geschichte v. Arnau ; I. 1873. 8. Sonderabdr. 
Tobias, Andreas Hammerschmidt. 8. Sonderabdr. — Rathsberg b. 
Erlangen. Dr. Hermann Beckh, Gutsbesitzer : Bayle, histori- 
sches u. critisches Worterbuch, ubersetzt v. Gottsched; 4 Thle. 
1741 — 44. 2. Hyde, catalogus impressorum librorum bibliothecae 
Bodlejanae. 1674. 2. -— Rostock. Direktorium der Grofsen 
Stadtschule: Krause, iiber den 1. u. 2. Theil der Rostocker 
Chronik. Eine Kinderlehre des 15. Jahrh. 1873. 4. Progr. Ernst 
Kuhn's Verlag: Rosier, iiber d. geschichtl. Entwickelg. d. volks- 
wirthschaftl. Ideen der neueren Zeit. 1872. 8. Bechstein, das Spiel 
von den zehn Jungfrauen. 1872. 8. — Saarbrucken. H. Siebert, 
Verlagshndl.: Kollner, Geschichte derStadte Saarbrucken u. St.Jo- 
hann. 2 Bnde. 1865. 8. — Schwerin. Dr. Friedr. Latendorf, 
Gymnasial - Oberlehrer : Ders., L. v. Passavant gegen Agricola's 
Sprichworter. 1873. 4. Progr. Verein f. meklenburgische 
Geschichte u. Alterthumskunde: Ders., Jahrbiicher u. Jah- 
resbericht; 37. Jhrg. 1872. 8. — Utrecht. Historisch Genoot- 
schap: Dies., Kroniek; 27. Jaarg., 1871. 1872. 8. Werken etc.; 
nieuwe Serie, Nr. 17. 1872. 8. Katalogus der Boekerij etc 3. 
Ausg. 1872. 8. — Veitshbchhelm. G. Karch, Dechant u. Pfarrer: 
Ders., das Portal der Schottenkirehe zu Regensburg. 1872. 4. — 
Wien. K.k. statistische Central-Commission: Dies., Mitthei- 
lungen etc. ; Bnd. XIX, 3. 4. Heft. 1872. 8. Programm zur Verfas- 
sungeiner international en Statistik d. Unterrichts-Anstalten. 1872. 4. 
Programme d'organisation d'une statistique internationale des etablis- 
sements d'enseignement. 1872. 4. Verein f. LandeskundeT. 
Niederosterreich: Ders., Blatter etc., VI. Jahrg. Nr. 1 — 12. 

1872. 8. Topographie v. Niederosterreich; IV. Heft. 1871. 4. 

III. Fiir das Archiv. 

(Nr. 4315.) 
NQrnberg. Harscher, Kupferschmied : Zeugnifs der Altfjesel- 
len des Schlotfegerhandwerks fiir J. G. Guttenberger aus Wohrd 
bei Nurnberg iiber* seine Aufnahme in die Zahl der ehrlichen Ge- 
sellen. 1791. Pgm. 



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109 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



110 



Cbronik der Mstorischen Verelne. 



Mittheilungen des Vereins fur Geschichte der 
Deutschen in Bohmen. XI. Jabrg. Nr. IV. Prag, 1873. 8. 

Moritz Hartmann. Von Carl Victor Hansgirg. — Dr. Carl An- 
ton Tobias. Necrolog. Von Dr. Hallwich. — Die Holzweberei in 
Altehrenberg bei Numburg in Bohmen. Von Dr. Friedr. Klein- 
wachter. — Das Kaadner Copialbuch. Von Dr. Ludw. Schlesin- 
ger. — Miscellen. 

Beitrage zur Geschichte Bdhmens. Hrsg. von dems. 
Vereine. Abth. III. Geschichte der Stadt Leitmeritz. Bearbeitet 
von Jul. Lippert. Mit zwei Karten. Prag, 1871. 8. 664 Stn. 

Festschrift zur Erinnerung an dieFeier des 10. Griindungs- 
tages im Jahre 1871. Hrsg. vom Ausschusse dess. Vereins. Prag, 
1871. 8. 

Deutsches Leben. Vortrag von B. Grueber. — Geschichte des 
Kummerner See's bei Bribe. Mit 10 urkundlichen Beilagen. Von 
Dr. L. Schlesinger. — Festbericht. 

Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur 
Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. XVIII. 
Jahrg. — Janner — Februar. Wien, 1873. 4. 

Ein Haus-Altarchen von altspanischer Lederarbeit. Von Albert 
Ilg. (Mit einer Tafel.) — Der angebliche Votiv- Altar des Tribu- 
nen Scudilo. Von Dr. N. Kohn. — Ein vergessenes Grab zu Strafs- 
burg im Elsafs. Von Dr. A. Luschin. — Die Kunst des Mittelalters 
in Bohmen u. Mahren. Von Bernh. Grueber. (Mit 33 Holzschn.) 
— Zur Oswaldlegende. Von A. R. v. Perger. — Funde aus pra- 
hiatorischer Zeit. Von Dr. St. v. Krzyzanowsky. (Mit 13 Holz- 
schn.) — Neueste Funde zu Carnuntum. Von Ed. Frh. v. Sacken. 
(Mit 1 Holzschn.) — Romisches aus Karnten. Von dems. — Ar- 
chaologisches aus Vorarlberg. Von dems. (Mit 3 Holzschn.) — 
Der Kreis ober dem Manhartsberge in Nieder - Oesterreich. Von 
Karl Rosner. (Mit 1 Tafel und 9 Holzschn.) — Das Landschafts- 
Zeughaus in Gratz. Von Dr. Fritz Pichler. — Spragistische Bei- 
trage zur Geschichte von Tyroler Geschlechtern. Von Dr. Arnold 
Luschin. (Mit 10 Holzschn.) — Beitrage zur mittelalterlichen Sphra- 
gistik. Von Dr. Karl Lind. (Mit 4 Holzschn.) — Ein byzantini- 
sches Madonnenbild. Von Alb. Ilg. — Aeltere Grabmale in Nie- 
der-Oesterreich. Von Dr. Karl Lind. (Mit 3 Holzschn.) — Noti- 
zen und Correspondenz. — Bucherschau. 

Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft 
in Wien. IH. Band. 1873. Nr. 2. 8. 

Die Funde von Brux. Von Felix Luschan. — Ueber Ver- 
wendbarkeit des Ldfs zur Altersbestimmung anthropologischer 
Funde. Von 0. Frhr. v. Petrino. 

Blatter des Vereines fur Landeskunde von Nieder- 
osterreich. Neue Folge. VI. Jahrg. Wien, 1872. 8. 

Ueber Ortsnamen in Niederosterreich. Vortrag von Dr. M. 
Much. — Der Wildbann in Nieder-Oesterreich im 17. Jahrh. Ein 
urkundlicher Beitrag zur Geschichte des landesfflrstlichen Jagdre- 
gale. Von V. Reuterer. — Aus dem osterreichischen Volksleben. 
Eine Bauernhochzeit in Oberhdflein. — Die ehemaligen Einsiedler 
in Niederosterreich. Von Dr. Anton Kerschbaumer. — Zur Ab- 
wehr (gegen den zu Anfang erwahnten Aufsatz : Ueber Ortsnamen 



in N.-O.). Von Dr. V. Goehlert. -— Aus dem geschichtlichen und 
80cialen Leben der Stadt Retz. Vortrag von J. K. Puntschert. 

Topographie von Niederosterreich. Hrsg. von dems. 
Verein. Viertes Heft. (Bogen 25—32.) Wien, 1871. 4. 

Volks-Charakter, Volks-Leben (Brauche und Sitten), u. A. 

Heraldisch-genealogische Zeitschrift. Organ des 
heraldisch-genealogischen Vereines „Adler" in Wien. 
III. Jahrg. Nr. 3. Wien, Marz 1873. 4. 

Zu den Grabdenkmalern von St. Peter und Nonnberg zu Salz- 
burg. Von Ed. G. Frhr. v. Pettenegg. — Denkmiinze auf Andreas 
von Oesterreich, Kardinal - Fiirstbischof von Brixen und Konstanz, 
vom Jahre 1600. — Die Ratz von Eismannsberg. Von Gustav 
Seyler. 

Der Kirchen-Schmuck. Blatter des christlichen 
Kunstvereines der Didzese Seckau. 1873. IV. Jahrg. 
Nr. 4. Graz. 8. 

Pfarrkirche St. Maria zu Fernitz bei Graz. Von Joh. Graus. 

Forschungen zur Deutschen Geschichte. Herausg. 
von der historischen Commission bei der Kgl. Bayer. 
Akademie der Wissenschaften. Dreizehnten Bandes erstes 
Heft. Gottingen, Verlag der Dieterich'schen Buchhandlung. 1872. 8. 

Zur Anordnung der Bonifazischen Briefe und der Frankischen 
Synoden. Von Dr. E. Dunzelmann. — Papst Hadrian I. und das 
Furstenthum Benevent. Von Dr. F. Hirsch. — Zur alteren ala- 
mannischen Geschlechtskunde. Von Prof. G. Meyer von Knonau. 

— Die Wiirzburger Immunitaten und das Herzogthum Ostfranken. 
Von Dr. H. Brefslau. — Erzbischof Wichmann von Magdeburg. 
Von Pastor F. Winter. — Zur Quellenkritik der Sachsenchronik. 
Von Dr. L. Weiland. — Die Reichstage zu Frankfurt und Wurz- 
burg 1208 und 1209 und die Kurfiirsten. Von Prof. G. Waitz. — 
Bericht fiber die 13. Plenarversammlung. 

Monumentorum Boicorum collectio nova. Edidit Academia 
Scientiarum Boica. VolumenXIV. — Monumenta Boica. 
Volumen quadrageaimum primum. Monachii, MDCCCLXXH. 4. 

Monumenta episcopatus Wirziburgensis, 1344 — 51 (207 Urkun- 
den). 

Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. 
Neuere Zeit. Dreizehnter Band. Geschichte der deutschen Philo- 
sophic seit Leibniz. Von Dr. Eduard Zeller. Herausgegeben 
durch dieselbe Commission. Miinchen, 1873. R. Oldenbourg. 8. 
XVIU u. 924 Stn. 

Zeitschrift des Kunst-Gewerbe-Vereins zu Miin- 
chen. XXIH. Jahrg. 1-4. Heft. Miinchen, 1873. Theodor Acker- 
mann. 2. 

Die Kunsttischlerei im 16., 17. und 18. Jahrh. Von Dr. Geh- 
ring. — Aus der friihern Bliithezeit der Mttnchener Kunst. (Briefe 
des Herzogs Maximilian von Bayern , mitg. durch Prof. Mefsmer.) 

— Technisches aus der Vorzeit. 

In der Monatsversammlung des historischen Vereins 
von Oberpfalz und Regensburg vom 3. April berichtete 
Pfarrer Dahlem iiber interessante Funde aus der Romerzeit, 
welche beim Graben des Grundes zu einem Neubau bei Kumpf- 
muhl zu Tage kamen. Der Eigenthflmer des Grundstuckes , Karl 



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Ill 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



112 



Mufsgnug, hat sammtliche Gegenstande, best eh end in 10 Urnen, 
einer Haarzange von Bronze, cinigen Lampen u. s. w., dem histo- 
rischen Verein uberlassen. Bekannt ist die Gestalt des liegenden 
Pfortners in der heil. Jakobskirche zu Regensburg, deren Restau- 
ration, wie schliefelich mitgetheilt wurde, jetzt riistig fortschreitet. 
Bei Entfernung der Tanche hat sich am Kopfe dieses schottischen 
Monches der Name RYDAN gefnnden. 

Zeitschrift der Gesellschaft fiir Beforderung der 
Geschichts-, Alterthums- und Volkskunde von Frei- 
burg, dem Breisgau und den angranzendenLandschaf- 
ten. Zweiten Bandes drittes Heft. Freiburg im Breisgau, Franz 
Jos. Scheuble. 1872. 8. 

Graf Friedrich II. von Fttrstenberg als Stifber eines kathol. 
Schutzbundnisses, von Dr. S. Riezler. — Freiburg im Jahre 1644, 
von K. Mendelssohn-Bartholdy. — Kleinere Mittheilungen. — Die 
geschichtliche Literatur des Breisgaues und der angrenzenden 
Landschaften, 1869—71, von Th. v. Kern. 

Freiburger Diocesan-Archiv. Organ des kirchlich- 
lich-historischen Vereins fur Geschichte, Alterthums- 
kunde und christliche Eunst der Erzdiocese Freiburg 
mit Berucksichtigung der angrenzenden Bisthumer. Siebenter 
Band. Freiburg im Breisgau. Herder'sche Verlagshandlung. 1873. 8. 

Das Thai Simonswald unter dem St. Margarethenstifte zu 
Waldkirch. Von Archivrath Dr. J. Bader. — Zur Geschichte der 
Abtswahl des Friedr. v. Eeppenbach zu Gengenbach im J. 1540. 
Mit 4 Beilagen. Von Dr. W. Franck. — Rudolph von Zahringen, 
Bischof von Luttich. Von Dr. K. Zell. — Ulrich von Richendal 
und seine Concilschronik. Von Stadtarchivar J. Marmor. — Wei- 
terer Beitrag zur Geschichte des Johann IV., Bischofs zu Constanz 
(1351—56). Von Dr. Fr. Mone. — Reisebochlein des M. Slurtzel 
zu Buchheim aus dem J. 1616. Herausg. von Prof. Dr. Konig. — 
Die Constanzer Weihbischofe (1076 — 1548). Von Decan Haid. — 
Die ehemalige Benedictiner- u. Reichsabtei Petershausen bei Con- 
stanz. Von F. X. Staiger. — Aus dem literar. Nachlafs des Ar- 
chivdir. Dr. F. J. Mone: Bereitung und Behandlung der Maler- 
farben im 15. Jahrh., u. A. — Kleinere Mittheilungen. 

Archiv fiir Frankfurts Geschichte und Kunst. Neue 
Folge. Herausgegeben von dem Vereine fur Geschichte u. 
Alterthumskunde zu Frankfurt am Main. Fiinfter Band. 
Frankfurt a. M. 1872. 8. 

Dr. Gerhard Westerburg, der Leiter des Bfirgeraufstandes zu 
Frankfurt a. M. im Jahre 1525. Von Dr. th. G. E. Steitz. — Des 
Rector Micyllus Abzug von Frankfurt 1533, nach seinen bisher 
unermittelt gebliebenen Ursachen dargestellt von dems. — Lu- 
ther's Warnungs8chrift an Rath und Gemeinde zu Frankfurt 1533 
und Dionysius Melander's Abschied von seinem Amte 1535. Zwei 
urkundliche Beitrage zu Frankfurts Reformations-Geschichte. Von 
dems. — Die Grafschaft Bornheimerberg. Von Dr. Friedr. Scharff. 

— Mittelrheinische Chronisten am Ende des Mittelalters. Von 
Dr. J. Falck. — Meister Eckhart in Frankfurt. Von Justizrath 
Dr. Euler. 

Mittheilungen an die Mitglieder dess. Vereins. Vierter 
Band, Nr. 3. Ausgegeben im October 1872. Frankfurt a. M. 8. 

Vereinsangelegenheiten. — Miscellen: Die Sammlung der 
Schlosserzunft. — Das Grab des Kurfursten Albrecht Achilles von 
Brandenburg. — Frankfurter Familiennamen. Von Dr. W. Strieker. 

— Herr von Reineck. Von dems. — Zur Geschichte des Hauses 



„zum ewigen RQstenberg" (Prinz Karl), J. 199, alte Mainzergasse 
32. Von dems. Von der Grafsch. Gleichen. Von Euler. Seine 
Notizen. 

Neujahrs-Blatt dess. Vereins fur das Jahr 1872. Frank- 
furt am Main. 1872. 4. 

Das erste stadtische Theater zu Frankfurt a.M. Ein Beitrag 
zur aufseren Geschichte des Frankfurter Theaters. 1751 — 1872. 
Nach den Acten bearbeitet von Dr. A. H. E. von Oven. Mit einer 
Ansicht des Junghofs und des dortigen Theatersaals. 

Neues Lausitzisches Magazin. Im Auftrage der Ober- 
lausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften heraus- 
geg. von Prof. Dr. E. E. Struve. 49. Bd., 2. Halfte. Gorlitz. 
1872. 8. 

Die von Metzrade in der Oberlausitz. Von Dr. Hermann 
Knothe. — Bisher nicht bekannte Oberlausitzer Urkunden. Mitg. 
von dems. — Eine antike, in Schlesien gefundene Bronzefigur des 
Jupiter. Von Dr. Alfred von Sallet — Zur Preabyterologie des 
Zittauer Weichbildes vor der Reformation. Von Dr. H. Knothe. 

— Nachtrage zu den Ortsnamen der Gdrlitzer Haide. Von Pastor 
Ender. — Beitrage zur Geschichte des Gymnasiums in Zittau. 
Von Prof. Kammel. — Epigramme aus dem 16. Jahrh. Von Dr. Al- 
fred v. Sallet. — Miscellen. — Nachrichten aus der Gesellschaft. 

Der Deutsche Herold, Zeitschrift fur Heraldik, Sphragi- 
stik und Genealogie. Organ des Vereins fur Si eg el- und 
Wappenkunde („Herold") zu Berlin. IV. Jahrg. 1873. 
Nr. 2. 3. 4. 

Schack Carl Graf zu Rantzau-Ascheberg. Eine biographische 
Skizze. Von Louis von Ahlefeldt. — Die von Druchtleben. Von 
J. Graf von Oeynhausen. — Mittheilungen fiber die im Herzog- 
thum Julich fruher ansassig gewesene Familie von Huckelhoven 
und einen Theil ihrer Verwandten. — Das Damenstift zur heiligen 
Anna in Wurzburg. Von Oscar v. Schellerer. — Die f v. Fock 
in Lubeck. (Mit 2 Illustr.) — Eine Ahnenprobe des Mittelalters. 

— Von Lellich. — Die Tappen im Lande Hadeln in Fehde mit 
Hamburg. — Ahnenproben alter Zeit. — Findlinge (aus den Ar- 
chiv en der Stadt Warburg). Von Dr. Kromecke. — Die Dynasten von 
Greifenstein u. Lichtenstein. Von Pfarrer Allmenroder u. G. Seyler. 

Vierteljahrsschrift far Heraldik, Sphragistik und Genea- 
logie. Redigirt von G. A. Seyler. Hrsg. von dems. Verein. 1872. 
2. Heft. Berlin, 1873. 8. 

Die heraldische „Schachroche". Mit besonderer Beziehung auf 
das Rochow'sche Wappen. Vom Archivrath v. Miilverstedt. Mit 
2 Holzschnitten und 2 Steindrucktafeln. — Die Grafen von Pa- 
penheim und von Canstein, von J. Grafen von Oeynhausen. — 
Der Landherr Albert von Seeberg, ein Burggraf von Leisnig ; seine 
Vorfahren und Nachfolger. Von Chi. C. Frhrn. v. Reitzenstein. 
Mit 1 Stammtafel. 

Monatshefte fiir Musik-Geschichte, herausgegeben von 
der Gesellschaft fur Musikforschung. V. Jahrg. 1873. 
Nr. 3. Berlin. 8. 

Biographische Mittheilungen fiber Anton Cajetan Adlgasser, von 
P. Sigismund Keller. 

Jahrbucher des Vereins fur meklenburgische Ge- 
schichte und Alterthumskunde, aus denArbeiten des Ver- 
eins herausg. von Dr. G. C. Frdr. Lisch. 37. Jahrg. *) Mit Quar- 
talbericht vom October 1872. Schwerin, 1872. 8. 

•) Der 86. Jahrg. if t dem g. M. nicht zugekommen. 



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113 



Anzeiger for Kunde der deutscften Yorzeit. 



114 



Wallenstein's Kirchen- und Schulregiment in Meklenburg, von 
Dr. Lisch. — Die Landwehren and dio Grenzheiligthiimer des Lan- 
des der Redarier, von Dr. Beyer. (Mit 3 Steindrucktafeln.) — Die 
Hauptgottheiten der westwendischen Volkerschaften, von dems. — 
Echte wendische Gotzen, von Frhrn. v. Hammerstein. (Mit 2 Stein- 
dracktaf.) — Ueber den wendischen Gott Zuarasici, von dems. — 
Aofdeckung von Alterthumern za Ruchow, von Director v. Bulow. 
— Grab- und andere Alterthumer. 

Annalen des historischen Vereins fur den Nieder- 
rhein, insbesondere die alteErzdiocese Koln. Vierund- 
zwanzigstes Heft Koln, 1872. M. Du Mont-Schauberg'sche Buch- 
handlung. 8. 

Landaufenthalt des Golnischen Churforsten Joseph Clemens 
auf dem Schlosse Raimes bei Valenciennes im Sommer 1712 , von 
L. Eaufmann. — Die Freiherren von Breidbach zu BUrresheim, 
von Hofrath Weidenbach. — Ueber die villa regia Flamersheim und 
die daraus entstandene Pfarrei and Gemeinde Kirchheim, von Ger- 
hard Decker, Pfarrer. — Das Amtsrecht in der Duffel, von Prof. 
Dr. Richard Schroder. — Hagiologisches, von Dr. Mooren. — Hi- 
8tori8ch-kriti8che Untersuchungen iiber die Grafen and Dynasten- 
geschlechter am Niederrhein im 11. and 12. Jahrh., von Pfarrer 
Mailer. — Das Hospital zum h. Geist in Neufs und das damit 
verbundene Recto rat, von Hermann Huffer. — Die Familie von 
der Lippe gen. Hune, von Anselm Frh. v. Hoiningen-Huene. — 
Die altere Geschichte des Klosters Steinfeld, von Dr. Ennen. — 
Urkunden, Stadt and Erzstift Koln nebst den angranzenden Terri- 
torien betreffend, von J. J. Merlo. — Nachtrag zu Aegidias Ge- 
lenius, seine Reise von Rom nach Koln. — Miscellen, von Ri- 
chard Pick. 

Organ fur christliche Kunst hrsg. u. redigirt von J. 
van Endert in Coin. Organ des christlichen Kunstvereins 
fur Deutschland. Nr. 3 a. 4. — Koln, 1. a. 15. Febr. 1873. 
XXHI. Jahrg. 4. 

Die Stylgesetze der Glasmalerei. — Ueber alte and neae 
christliche Kunst in Italien. (Dr. de Waal.) — Ungedruckter Brief 
des f Magisters Cornelius an f Professor Christian Heller. — Das 
Kloster Beuron and die St. Mauruekirche in Hohenzollern. — Zur 
Erklarung der Domthuren in Augsburg. Von Prof. Dr. Stock- 
bauer. — Das Triptychon der Maria Stuart in der reichen Capelle 
der k. Residenz in Munchen. — Die Restauration des Munsters 
in Ulm. 

L'investigateur. Journal de la Societe des Etudes 



Historiques — ancien Institut Historique — reconnue etablis- 
sement d'utilite publique par decret du 3. Mai 1872. Trente-hui- 
tieme Annee. Livraisons de Novembre 1872 a Janvier 1873. Paris 
1873. 8. 

Resume* historique sur Pinstruction primaire considered au 
point de vue religieux, par M. Nigon de Berty. — Le livre des 
faicts d'armes et de chevalerie de Christienne de Pisan, par M. De- 
poisier. 

Revue des Societes savantes des departements, 
publiee sous les auspices de Pinstruction publique. Cinquieme Se- 
rie. Tome I et H. Paris, 1870. 1871. 8. 

Memoires et documents publies par la Societe d'hi- 
8toire de la Suisse romande Tome XXVII: Chartes com- 
munal es duPays de Vaud des Pan 1214 a Pan 1527, par Francois 
Forel. Lausanne, Georges Bridel, editeur. 1872. 8. LXXUI a. 366 p. 

Bulletin du Comite Flamand de France. Tome VI, 
Nos 3 et 4*). Lille et Dunkerque, 1873. 8. 

Confiscations dans la Flandre maritime sous Philippe-le-Bel, 
par E. de Coussemaker. — Bribes heraldiques et genealogiques, 
par A. Bonvarlet. 

Publications extraordinaires du Cercle Archeolo- 
gique du Pays de Waas. Nr. 10. 

Notice historique des etablissements de bienfaisance de la ville 
de St. Nicolas. Deuxieme partie. Les hospices des orphelins et 
des orphelines, par le Dr. J. Van Raemdonck. St. Nicolas. 1873. 
gr. 8. 

Kroniek van het Historisch Genootschap, gevestigd 
te Utrecht. Zeven en twintigste Jaargang, 1871. Zesde Serie. 
Tweede Deel. Utrecht, Kemink en Zoon. 1872. 8. 

Aanteekeningen betrekkelijk het gebeurde te Utrecht in 1786 
en 1787. — Stukken rakende de quadruple alliantie van 1718. — 
Diploma van 1541 als bijdrage tot de kennis der zeden van de 
toenmalige geestelijkheid. 

Werken uitgegeven door het Historisch Genootschap. Nieuwe 
Reeks, N. 17 : Brieven en onuitgegeven stukken von Johannes 
Wtenbogaert. Verzameld en met aanteekeningen uitgegeven door 
H. C. Rogge. Derde deel. Eerste afdeeling. 1626, 1627. Ut- 
recht, Kemink en Zoon. 1872. 8. 

Katalogus der Boekerij van het Histor. Genootschap. 
Derde uitgave. 1872. Utrecht, Kemink en Zoon. 8. 

*) Nr. 2 (nach eioer Bemerknng auf dem Umschlage der oblgen Doppel- 
nummer aus Versehen mit der Ziffer 8 beseichnet) ift nlcht gekommen. 



Nachrichten. 



Literatnr. 

Neu erschtenene Werhe. 

10) Christoph, Herzog zn Wirtemberg von Dr. Bern- 
hard Kugler, Professor der Geschichte an der Universi- 
tat zu Tubingen. Zweiter Band. Stuttgart Verlag von 
Ebner und Seubert. 1872. 8. 640 Stn. 
Es kann far den Geschichtsschreiber kaum eine nnerquick- 
lichere Aufgabe geben, als die zweite Halfte der Reformations- 



epoch e zu erzahlen, denn es gibt nur von Halbheiten und Erbarm- 
lichkeiten zu berichten ; zumal wenn eine bestimmte Fassung sei- 
nes Themas ihn hindert, in jene Tiefen der Zeitlaufte hinabzustei- 
gen, wo die grofaen Impulse des Jahrhunderts verborgen, aber 
nnverandert nachwirkten. Mit dem Fleifse und der Gewisseuhaf- 
tigkeit, welch e wir aus dem ersten Bande schon kennen, hat der 
Verfasser durch die Wirrnisse seinen Weg gebahnt, welche zn 
schaffen der Schwache immer besser gelingt als der Thatkraft, 
und zwar in fortwahrendem Anschlufs an den Haupthelden seines 



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Anzeiger for Kunde der deutschen Yorzeit. 



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Berichtes, der, fast einzig im Stande, unser Interesse wach zu er- 
halten, in diesem Abschnitte seines Lebens vor der Charakter- 
losigkeit seiner Zeitgenossen doch selbst erlahmt. Wir sehen den 
Herzog, im vergeblichen Kampfe mit dem Zwiespalt der Theologen 
nnd der Selbstsucht der Fursten, auf verschiedenen Reichs- nnd 
Farstentagen, in wiederholten Religionsgesprachen erfolglos sich 
bemiihen, Einheit in dem Gange der Politik und der kirchlichen 
Bewegung zu erhalten, fast eben so unntttz fur die Hugenotten 
in Frankreich und die Niederlander unter den Spaniern sich ver- 
wenden, urn endlich in der Besserung und Regelung der Zustande 
seines eigenen Landes Befriedigung zu suchen. Wir haben in die- 
sem Bande nicht weniger als achtundfunfzig Abtheilungen , deren 
Scheidung durch veranderten Ort oder besondere Ziele der oft 
unterbrochenen Handlung gerechtfertigt ist. Ein kurzer Nachtrag 
bringt einige Berichtigungen und Erganzungen. v. E. 

11) Geschichte Venedigs von seiner Griindung bis 
zum Jahre 1084. Von Aug. Fr. Gfrorer. Graz, Ver- 
lag der Vereins-Buchdruckerei. 1872. 8. 608 Stn. 

Eaum eine andere Stadt erregt in ihrera Besucher solches 
Verlangen, ihre Geschichte kennen zu lernen, wie Venedig. Die deut- 
sche Literatur bot bisher kein Werk, das in geniefsbarer Weise 
eine Uebersicht derselben gewahrt hatte, und auch das vorliegende 
wird, wie der Herausgeber in der Vorrede bemerkt, den Erwar- 
tungen derjenigen nicht entsprechen, welche in einer wissenschaft- 
lichen Arbeit die romantischen Erzahlungen bestatigt sehen wol- 
len, welche die Sage so reichlich bietet. Der Staat Venedig war 
ein Ergebnifs der Noth, sein Wachsthum ein Erfolg kahler Be- 
rechnung und anhaltender Arbeit; die Pracht und Schonheit der 
Stadt erhob sich nur auf einer materiellen Unterlage, die an die- 
ser Stelle schon bedeutend wurde, als noch ein guter Geschmack 
die Zeit im Allgemeinen beherrschte. Freilich reicht unsere Ge- 
schichte nur bis ungefahr zu dem Zeitpunkte, wo die altesten 
Baudenkmaler des heutigen Venedig ihr Entstehen fanden, und 
eine Fortsetzung haben wir leider nicht zu erwarten, da sie aus 
dem Nachlasse des Verfassers herausgegeben und schon vom Her- 
ausgeber, Prof. J. B. Weifs zu Graz, erganzt worden ist Gleich- 
wohl bildet das Buch nur den ersten Band eines grolseren Wer- 
kes, welches im Ganzen unter dem Titel : „Byzantinische Geschich- 
ten" erscheint und dessen zweiter Band Byzanz selbst, sowie die 
sudlich der Donau gesessenen Stamme, Kroaten, Serben und Ma- 
gyaren, behandeln wird. v. E. 

12) Die Grafs ch a ft Hon en zo Hern. Ein Bild euddeutscher 
Volkszustande. 1400—1850. Von J. Cramer, Kreisrich- 
ter zu Hechingen. Stuttgart. Verlag von Karl Kirn. 1873. 
8. 479 Stn. Mit 4 Tabellen und 1 Karte. 

Eins jener treff lichen Werke, die durch vollstandige Ausscho- 
pfung eines be^renzten Gebietes die wichtigsten Ergebnisse fiir 
die allgemeinen Verhaltnisse zu Tage fordern. Den Hauptinhalt 
des Buches bildet der durch Jahrhunderte sich hinziehende Kampf 
zwischen Herren- und Biirgerrecht, den zufalligen Gestaltungen 
und rflcksichtslosen Consequenzen der Geschichte mit den unab- 
weisbaren Anforderungen menschlichen Bewufstseins , die sich ge- 
genseitig zu Extremen treiben, aufreiben und endlich, einem ge- 
meinsamen Schicksale unterliegend, nur Rohmaterial fiir weitere 
geschichtliche Bildungen abgeben. Einerseits zwischen dem alien 



Ernstes und mit grofser Beharrlichkeit durchgefuhrten Versuche, 
das ganze Land in ein Jagdrevier und die Unterthanen in eine 
Art hoherer Meute zu verwandeln, und den Phantastereien der 
neueren Revolutionen andererseits, spielt auf dem fiinf Quadratmei- 
len grofsen Gebiete ein ernstes Drama sich ab, welches wiederholt 
blutige Aufstande beleben und worin, aulser den Hauptparteien 
Gesandtschaften von und zum Kaiser, das Wetzlarer Reichskammer- 
gericht und der Wiener Reichshofrath , Executionstruppen u. s.w. 
die Nebenrollen innehaben. Vor allem ist die rechtliche Seite al- 
ler Zustande und Vorgange in's Auge gefafst, und die Verhaltnisse 
der Territorialgewalt und Leibeigenschaft, des Heimatrechtes im 
Hof- und Gemeindeschutz, ferner Handel undVerkehr, kirchliches 
und gesellschaftliches Leben finden eingehende Erorterung. v.E. 

13) Unsere Nordostmark. Erinnerungen und Betrachtun- 
gen bei Gelegenheit der hundertjahrigen Jubelfeier der 
Wiedervereinigung Westpreufsens mit Deutschland von F. 
A. Th. Kreyfsig. Danzig. Verlag und Druck von A. W. 
Kafemann. 1872. 8. 144 Stn. 

Den Gegenstand, welchen die leidenschaftliche Erorterung der 
Tagespresse nicht zur Klarheit zu bringen vermochte, sehen wir 
hier auf das Gebiet wissenschaftlicher Betrachtung versetzt, und 
wir nehmen nicht ohne Verwunderung wahr, wie sehr sich die 
theoretische Construction der Frage und der geschichtliche Ver- 
lauf der Sache unterscheiden ; ja, wir sind iiberrascht, zu sehen, 
wie weit und tief die im fernen Oaten sich abspielenden Ereignisse 
in das ganze, nicht allein etaatliche, sondern auch geistige Leben 
unseres Volkes eingegriffen haben. In sechs Abtheilungen fuhrt 
der Verfasser zunachst die Beriihrungen der Slaven und Deutschen 
zwischen Elbe und Pregel aus al tester Zeit vor und leitet aus den 
geschichtlichen Vermittelungen die bis auf den heutigen Tag be- 
bemerkbaren kulturhistorischen Niederschlage ab, verfolgt sodann 
die auf Grund der letzteren mit erhohter Energie und viel weiter 
gesteckten Zielen sich erhebenden politischen Machinationen Sei- 
tens der ersteren und zeigt, wie endlich, nachdem der keinen 
Augenblick still gestandene Kampf das bios staatliche Gebiet 
langst verlassen, es ein Act der Nothwehr von Seite Preufsens 
war, die in Rede stehenden Lander an sich zu ziehen. Wie der 
Gegenstand von allgemeinstem Interesse, ist die Darstellung aufserst 
anziehend, die Auffassung uberzeugend. . v. E. 



Aufsatze in Zeitschriften. 

DasAusland: Nr. 13. Zur Geschichte der Feuerzeuge. (Auch 
in w Nbgr. Presse", Nr. 95 f.) — Prof. Woldrich's Entdeckung 
einer prahistorischen Opferstatte bei Pulkau in Niederoster- 
reich. — Nr. 16, S. 318. Romische Funde in Skandinavien. 
(Aus dem Correspondenzbl. der deutschen anthrop. Gesell- 
schaft.) 
Allgemeine Bauzeitung: 27. Jahrg., S. 330. Glockengiefser- 

kunst. (Eduard Rau.) 
Deutsche Blatter: Marz. Die Uroffenbarung in der altnordi- 
schen Gotterlehre. Eine mythologische Studie. 1. (v. Goler.) 
Daheim: Nr. 28. Im Siebenburger Sachsenland. (Dr. Lotz.) 
Die Gegenwart: Nr. 10. Ueber Mundarten. (Kl. Groth.) 
Die Grenzboten: Nr. 14, S. 1. Die Belagerung von Leipzig im 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



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Jahre 1547. (C. A. H. Burkhardt.) — Nr. 15, 8. 63. Social- 

demokratisches aus der deutschen Vergangenheit. 1. Die 

Bauern8chaft. (M. Allihn.) 
Im neuen Reich: Nr. 17, S. 656. Arts dem Leben der Sieben- 

bOrger Sachsen. 
Der Kunstfreund: Nr. 1. Die alten Wandgemalde in den Fi- 

lialkirchen der Pfarre St. Andra bei Brixen. 
Deutsche Kunstzeitung: Nr. 14. Einiges fiber die Bedeutung 

des „hi8torischen Styles." 
Magazin f. d. Literatur des Auslandes: Nr. 11. Zum Ab- 

schlufs der Frage vom Wilhelm Tell. (F. A. Leo.) 
NflrnbergerPresse: Nr. 9 1 . Wilhelm Heinse's Grabstatte in 

Aschaffenburg. Von Ludw. Hermann. 
Theologische Quartalschrift : 1873, 1. Die speculative Got- 

teslehre des Nicolaus von Cusa. Yon Dr. Storz. 
Deutscher Reichsanzeiger: Nr. 7. 8. Zur Geschichte des 

brandenburgisch-preufsischen Staatshaushalts. 1. 2. — Nr. 8. 

Die Bergschlosser des bayerischen Hochlandes. 1. — Nr. 9. 

10. Zur Geschichte der Norpolexpeditionen. 1.2. (1497—1858.) 

— Nr. 11. Zur Geschichte des forstiichen Unterrichtswesens in 
Deutschland. 1. 

Revue des deux Mondes: 15. Mars 1873, p. 437 ff. fitudes 

nouvelles but Gre"goire VII. et son temps. (Charles Giraud.) 
Der Salon: Heft VII, S. 877. Vun den Liittenheid. (Klaus Groth.) 
Sonntagsblatt (von Fr. Duncker) : Nr. 7. Nikolaus Copernikus. 

(W. Buchner.) — Nr. 8. Die Hunengraber. (C. Miiller-Fursten- 

walde.) 
Ueber Land und Meer: Nr. 27, S. 522. Das aufsere Schlofs- 

thor in Tubingen. 
Volksblatt f. Stadt u. Land: Nr. 10. Linguistische Studien 

(Mundarlliches). 
Wochenblattd. Joh.-Ord.-Balley Brdbg. : Nr. 13. DieOber- 

kirche zu Frankfurt a. d. 0. 
Zeitschr. fiir bild. Kunst: Beibl. Nr. 23. Das Parisurtheil 

in der Kun9t des Mittelalters. (Dr. Adolf Rosenberg.) 
Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 96. Von Joseph H. (G. Wolf.) — 

Nr. 110. Margareta von Schwangau. 
Illustr. Zeitung: Nr. 1552. Die Graber der Grafen von Wettin 

in der wiederhergestellten Klosterkirche auf dem Petersberg. 

(G. Stillfried.) — Nr. 1554. Rembrandt's „Hundertguldenblatt". 

— Der Hochalter im Kloster von Blaubeuren. — Nr. 1555. 
Das Volksschauspiel in Gersau. (Aug. Feierabend.) — Altro- 
mische Funde zu Alzei. 



Yennischte Nachrichten. 

25) Bei einer Versteigerung im Hotel Drouot zu Paris hat B. 
Suermondt far seine Sammlung in Aachen kurzlich eine derEunst- 
geschichte noch unbekannte Zeichnung von Holbein fiir die 
Summe von 7050 Frcs. erstanden. Sie zeigt den Kopf eines Man- 
nes, drei Viertel lebensgrofs, das Ge9icht zu drei Vierteln, gegen 
rechts blickend, mit ziemlich plumper Nase, blauen Augen, kasta- 
nienbraunem Haar und hellem braunen Bart. 

(Deutsche Kunstztg., Nr. 14.) 

26) L. Pezold in Riga berichtet der A. Z., dafs sich auf einem 
estlandischen Gute ein Selbstportrat Hans Holbein's des 
Jung em befinde, welches die Angabe tragt: aetate 45 anno 1542. 



Hans Holbein ist somit erst im Jahre 1542 in das 45. Lebensjahr 
getreten, da ein anderes vorhandenes Portrat des Malers Hans 
Holbein vom Jahre 1543 demselben gleichfalls ein Alter von 
45 Jahren gibt. Wie hieraus hervorgeht, fallt der bisher streitig 
gewesene Geburtstag Holbein's in die zweite Halfte des Jahres 
1497. (Korr. v. u. f. D., Nr. 148.) 

27) Die Nachricht iiber die Auffindung eines bisher un- 
bekannten Manuscriptes von Eopernikus in Thorn ist 
richtig und von da brieflich aber sehr unvollstandjg nach Brauns- 
berg gelangt. £s ist nicht sowohl ein selbstandiges Werk von 
Eopernikus, als vielmehr Randbemcrkungen und Zusatze von seiner 
Hand, die er den 1531 erschienenen Ephemeriden von Johann 
Stofler beigefugt hat, gefunden worden. Das gedruckte Buch 
enthalt 84 Seiten, und das mit den Randglossen von Eopernikus 
versehene Exemplar befindet sich zur Zeit in der Bibliothek der 
kais. russischen Sternwarte zu Bulkowa bei Petersburg; der Di- 
rektor der Sternwarte, Dr. Strawe, gab auf Anlafs des kurzlich 
gefeierten Jubelfestes dem Vorsitzenden des Eopernikus -Vereins, 
Prof. Dr. L. Prowe, Nachricht von der Existenz dieses werthvollen 
Buches und hatte die Gute, gleich einige Auskunft iiber den In- 
halt desselben beizufugen. Danach enthalten die schriftlichen 
Randbemerkungen theils Angaben aus dem Leben des Eopernikus, 
theils Notizen zur Geschichte seiner Zeit, theils Aufzeichnungen 
uber astronomische Beobachtungen. Aufser diesen, an den Rand 
der bedruckten Blatter geschriebenen einzelnen Anmerkungen be- 
finden sich in dem Bande noch zusammenhangende Zusatze astro- 
logischen Inhalts und zwar Auszuge aus alteren oder wenigstens 
anderen astrologischen Schriften, dann aber auch eigene astrolo- 
gische Bemerkungen. Die Randglossen wie die grosseren Beifu- 
gungen stammen aus den Jahren 1532 — 1539; alsUrheber derselben 
nennt sich zwar Eopernikus nicht, doch weist die Handschrift ihn 
als solchen aus ; auch zeigt der Inhalt, dafs der Urheber in Frauen- 
burg gelebt und sich viel mit Astronomie beschaftigt haben mufs : 
beides trifft fur Eopernikus zu ; ein anderer Astronom aufser 
ihm hat in jenen Jahren in Frauenburg nicht gelebt. 1539 ist 
das Buch in anderen Besitz iibergegangen, aller Wahrscheinlichkeit 
nach in die Hande des Domherrn Fabian Emmerich. Nach Pul- 
kowa ist es aus Easan gelangt, es hat es namlich der Vater eines 
Professors in Easan im vorigen Jahrhundert bei einer Reise nach 
Deutschland, auf welcher er auch den damals beruhmten Mathe- 
matiker Euler besuchte, in Preufsen aufgefunden und — auf welche 
Art, ist ungewifs — erworben und seinemSohne hinterlassen , aus 
dessen Besitz es dann nach Pulkowa ubergegangen ist. 

(Danz. Ztg., Nr. 7814, a. d. Brb. Z.) 

28) Die Sturmfluth vom 13: November v. J. hat zu einem in- 
teressanten und materiell werthvollen Funde gefuhrt. In einem 
von der Ueberfluthung betroffenen Garten auf Hid den see wurde 
von Besitz em desselben am folgenden Tage ein glanzendes Stiick 
Metall gefunden, welches sich bei naherer Untersuchung als Gold 
erwies und jetzt in den Besitz des Regierungsprasidenten Grafen 
v. Behr gekommen ist. Der Gegenstand, 10 Dukaten schwer, von 
reinem Golde, ist der Strals. Ztg. zufolge ein Schmuck stuck, 
zum Tragen vor der Brust oder am Halse bestimmt, worauf ein 
zur Aufnahme eines Bandes geeignetes zylinderartiges Oehr hin- 
deutet. Stil und Technik weisen dem Werke ein hohes Alter zu f 
und es wird sich auch bei weiterer Untersuchung und Vergleichung 
wol die Vermuthung rechtfertigen lassen, dafs der Fund in jene 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Reihe yon Kunstgegenstanden gehort, welche, im skandinavischen 
Norden nicht selten gefunden, von den danischon Archaologen in 
die Zeit vom 5. bis 8. Jahrh. unserer Zeitrechnung, in die sog. 
zweite Eisenzeit, gesetzt werden und die theils unter byzantini- 
schem oder vielmehr orientalischem Einflafs im Norden entstanden, 
theils auch wol in jener Zeit unmittelbar aus dem Morgenlande 
eingefuhrt sind. Zahlreiche Funde der Art aus Grabern und 
Mooren in den Museen von Kopenhagen und Stockholm 
zeigen ein reich ornamentiertes Mittelstiick und zu bei- 
den Seiten desselben zum Aufreihen an einer Scbnur 
kleinere Goldbrakteaten, d. h. Scheiben, mit Oehren ver- 
sehen, das Ganze zu einem prachtigen Halsgeschmeide 
gestaltend. Wahrscheinlich hat auch der Hiddenseer 
Fund, vielleicht in gleicher Anordnung als Mittelstiick, 
zu demselben Zweck gedient. (Korr.v.u.f.D.,Nr.l72.) 

29) Der Verwaltungsrath der Wedekind'schen 
Preisstiftung fur Deutsche Geschichte macht 
unterm 14. Marz d. J. wiedcrholt dig Aufgaben bekannt, 
welche fur den dritten Verwaltungszeitraum , d. h. fur 
die Zeit vom 14. Marz 1866 bis zum 14. Marz 1876, von 
ihm gestellt worden sind. Hier seien nur die Aufgaben 
selbst wieder namhaft gemacht. Es wird verlangt: fur 
den ersten Preis „eine Ausgabe der verschiedenen Texte 
der lateinischen Chronik des Hermann Korner" ; fur den 
zweiten Preis „eine Geschichte des jiingeren Hauses 
der Welfen von 1055 — 1235 (von dem ersten Auftreten 
Welfs IV. in Deutschland bis zur Errichtung des Her- 
zogthum8 Braunschweig -Luneburg)". Was den dritten 
Preis betrifft, so bleibt hier die Wahl des S toffs den 
Bewerbern nach Mafsgabe gewisser Bestimmungen fiber- 
lassen. 

30) Unter den von der „Societe Dunkerquoise 
pour Pencouragement des sciences, des lettres et des 
arts" fur 1873 ausgeschriebenen Preisaufgaben befin- 
det sich folgende aus der Eunstgeschichte : Eine Lebens- 
beschreibung des flandrischen Malers Jean de Reyn, im 
17. Jahrh. zu Dunkirchen geboren, nebst einem ausfuhr- 
lichen („raisonnierenden") Katalog seiner Werke. Der 
Preis besteht in einer goldnen Medaille zum Werthe von 
200 Frcs. Die Einsendungen mussen vor dem 1. Okto- 
ber erfolgen. 

31) Die Tannenberger Handbuchse, welche 
jangst als Geschenk Sr. kgl. Hoheit des Grofsherzogs von 
Darmstadt in's germanische Museum gekommen, ist 
vorzuglich deshalb von so grofser Wichtigkeit, weil sie wol die 
einzige ist, die mit Sicherheit dem 14. Jhdt. zugewiesen werden 
kann, da das Schlofs 1399 zerstort und nie wieder, nicht einmal 
vorubergehend, wohnbar gemacht wurde. Sie lafst uns also auf. 
den Stand der Handfeuerwaffen im 14. Jhdt. sch lief sen. Obwohl 
v. Hefner - Alteneck in seiner Schrift uber die Tannenberger Aus- 




grabungen eine auf sere Ansicht dieser Buchse gegeben, so enthalt 
doch diese Mittheilung uber das Wesentliche, das Innere, keine 
Auskunft. Wir bringen daher nochmals nebenstehende Abbil- 
duugen : in */t wirklicher Grofoe die ganze Buchse mit Andeutung 
eines Stieles (dessen Lange freilich sehr problematisch ist), in 
*/s den Durchschnitt, welcher zeigt, dafs aufser der aufseren Ver- 
starkung auch innen eine solche des unteren Theiles eine engere 
Kammer fur das Pulver bildete, deren betrachtliche 
Lange auf geringe Kraft des Pulvers hindeutet (ahnlich 
wie bei der Steinbuchse aus dem ersten Drittel des 15. 
Jahrh. im german. Museum ; Anzeiger 1870, Sp. 147 — 48.) 
Das Rohr von Bronze hat ein Gewicht von 1,235 Kilogr., 
eine Lange (mit der Kammer zur Aufnahme des Stie- 
les) von 33 cm. Die innere Tiefe betragt im Ganzen 
27,2 cm., wovon 11,7 auf die Kammer, 15,5 auf die 
weitere Rohre kommen. Die Rohre ist nicht genau in 
der Mitte des Metalles, jedoch schon rund und offenbar 
ausgedreht, und hat eine Weite Ton 1,7 cm. Die Kam- 
mer ist, so weit durch die Mundung der Rohre deren 
Mttndung sichtbar wird , nicht genau rund und hat zwi- 
schen 0,9 und 1,1 cm. Durchmesser. Das ganze Aeufsere 
ist achteckig. Ob das dabei gefundene Eisenstangchen 
als Ladstock zu betrachten sei, scheint zweifelhafL 

A. Essenwein, 
32) Die so vielseitig interessante Geschichte des 
Domes zu Trier, wol des altesten Kirchengebaudes 
in Deutschland, das, wenn auch vielfach umgebaut, doch 
noch Reste der ursprunglichen Anlage, und zwar aus ro- 
mischer Periode hat, konnte nie so genau studiert wer- 
den, wie dies bei Gelegenheit der Restauration in den 
Jahren 1843—58 der Fall war, wo alle Tunche und Mor- 
tel entfernt, so dafs innen und aufsen das Mauerwerk 
sichtbar war, welches durch seine verschiedene Technik 
die Geschichte des Baues selbst erzahlen konnte. Dom- 
kapitular v. Wilmowsky verfolgte damals mit angstlicher 
Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt alle diese Spuren und 
zeichnete sie auf, wodurch ein Album entstand, das die 
Geschichte des Domes in der romischen, frankischen 
und romanischen Periode wiedergab. Die Veroffentli- 
chung dieses Albums war langst ein Wunsch aller, die 
sich mit Kunstgeschichte beschaftigen ; allein 26 Tafeln, 
von denen iiber die Halfte in Farbendruck ausgefabrt 
werden mussen, sind nicht billig herzustellen , und so 
blicb die Veroffentlichung frommer Wunsch, bis endlich 
eine reiche Subvention das Erscheinen moglich machte. 
Nunmehr wird das Werk erscheinen konnen, und zwar 
im Verlage der Fr. Lintz'-schen Buchhandlung in Trier; 
es werden die 26 Tafeln in Folio , von umfassendem Texte in 4* 
begleitet, im Subscriptionswege auf 25 Thlr. zu stehen kommen. 
Bestellungen nehmen jetzt schon alle Buchhandlungen an. 



Berichtigung. In Nr. 2 des Anzeigers, Sp. 34, Z. 1 v. o. lies : 
assweti a und Z. 4 : quid me hucusque ; Sp. 35 , Z. 31 v. o. lies : 
dotatus, u. Z. 6 v. u. ist wol ein non einzuschalten. 




Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye, 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nttraberg. 



Gedrnokt bei U. E. Sebald in Niirnberg. 



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Vtrnbera;. Dm Abonnement dot Blat- 
tM, welohee all© Monate ertobeint, wird 
gaotjahrig angenommen and betragt nach 
derneueiten PoetcooTention bei alien Pott- 
Imttrn and Bachhandlangen Deuttehlandt 
ineL Oeeterreiohs Sfl. 86 kr. im &4fl.-Fala 
oder I Thlr. preuft. 

Far Frankrtick abonniert man in 
Parii bei der deatsohen Buehhandlang ron 
f. Xlinekaieek, Nr. 11 roe de Lille; fax 



ameiger 



England bei Wffliarai A Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street OoTent - Garden in London; 
for Nord-Anerika bei den Poatamtorn Bre- 
men and Hamburg. 

Alle for dae german. Moaeom be- 
■timmten Sendongen auf dem Wege dee 
Buchhandels werden durob den Commie- 
eionar der literar.- artist, Anatalt des Mu- 
seums, F.A. Brookbaae in Leipzig, be- 
fOrdert. 



FOR KUIE DM 





Neue Folge. 



Zwanzigster Jahrgang. 



1873. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 

J¥5. 



•(bodl:lib •..' 



[aX 



Wissenschaftliche Mittheilongen. 



Bnntglasierte Thonwaaren des 15. — 18. Jahrhunderts 
im germanischen Museum. 

I. 

Yon alien Gebieten der Gewerbsthatigkeit haben wol we- 
nige fur die gesammjte menschliche Kultur gr&fsere Wichtig- 
keit als die Herstellung der Gefefse aus gebranntem Thon, die, 
mit dem Gesammtnamen Keramik bezeichnet, auch noch auf 
andere Gebiete, so auf das der Architektur and Skulptur 
hinubergreift. Die Funde von Gef&Tsscherben in den ftltesten 
Pfahlbauten, von Gefafsen in den altesten Grabern beweisen, 
dafs scbon an der Schwelle der Kultur die Gefafsbildnerei ge- 
Btanden und die roben Formen den Anf&ngen der Eunstbildung 
angehOren. Welche mannigfaltige Ausbildung nun, welch hohe 
kunstleriche Yollendung tritt uns in den Gefafsen der klassi- 
schen Antike entgegen! Welche Feinheit hat das kostbarste 
Porzellan ! 

So wichtig und bedeutsam der ganze Gewerbszweig ge- 
nannt werden mufs, so grofe sind die Schwierigkeiten, die sich 
der Bearbeitung einer bis in's Einzelne zoverlassigen Geschichte 
desselben entgegenstellen. Wer h&tte auch tiber einen Topf 
oder einen Teller urkundliche Nachrichten aufbewahrt? Und 
wo Nachrichten vorhanden, wie lafst sich beweisen, dafs gerade 
dieses oder jenes GefaTs, das uns noch erhalten, dasjenige ist, 
auf welches sich die Mittheilung bezieht. Unbestreitbare Da- 
ten geben nur diejenigen Stucke, auf denen sich der Name der 
Stadt und des Yerfertigers, sowie Jahreszahlen befinden. Alles 
Andere mufs im Wege der Combination gefunden werden. 



Da lafst sich nun freilich mancher Schlute Ziehen, der 
fast ebenso unanfechtbar ist, als zuverlassige, urkundliche Quel- 
len. Die durch Inschriften bestimmten Stttcke tragen Formen, 
die auf andern wiederkehren, deren innige Yerwandtschaft also 
fttr denjenigen klar liegt, der die Sprache der Formen ver- 
steht. Bruchstttcke lassen eine Untersuchung des Thones zu, 
und gleicher Thon weist auf gleiche Fabrikationsst&tte. Es 
finden sich Wappen, deren bestimmte Familien auf den Stucken 
ihre Beziehungen zu gewissen Fabrikationsorten verfolgen las- 
sen und so wieder Anhaltspunkte geben. Diese und eine Reihe 
anderer Vergleichspunkte , mit den uberlieferten Nachrichten 
liber die Fabrikation uberhaupt, fiber die Eigenschaften aller 
Stucke bestimmter Zeiten und Orte zusammengehalten , geben 
einen Faden, der durch das scheinbare Labyrinth mit gewisser 
Sicherheit den Weg zeigt. Immerhin aber ist es wunschens- 
werth, dafs Schlusse nicht zu rasch gezogen werden, dafs die 
Combination sich an mftglichst vielen Stucken versuche, und 
date durch die Zusammenstellung mOglichst vieler solcher Com- 
binationen die Richtigkeit jeder einzelnen gepruft werde. 

Urn dies zu ermOglichen, ist die Ver&ffentlichung recbt 
vieler StUcke wunschenswerth ; denn jede solche Prufung zeigt, 
dafs heute noch manche, auf dem Weg der Combination ent- 
standene und unbedingt geglaubte Annahme der Berichtigung 
bedarf. Urn nun auch das Material des germanischen Museums 
dafur nutzbar zu machen, soil in diesen Blattern nach und 
nach eine ganze Reihe solcher Gegenst&nde zur Kenntnifs ge- 
bracht werden. Es ist dabei in erster Linie darauf abgesehen, 
Abbildungen zu geben und dadurch Yergleiche zu ermOglichen. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



124 



Der Text soil nor das enthalten, was aus der Abbildong nicht 

fcervorgeht, sowie MittheiluDgen fiber die Herkunft, die Iohaber 

der Wappen, Andeatnngen, welche aus deu Darstellungen, ins- 

besondere durch Vergleich mit andern Kunstgebieten, sich er- 

geben. Wenn wir hierbei nicht auf deutsche Fabrikate uns 

beschr&nken, ja sogar mit fernliegenden beginnen, so bat dies 

darin seinen Grund, f\k. 

dafs far die Thfttig- 

keit in Deutschland 

auf dem Gebiete 

der buntglasierten 

Thonwaaren der 

Ausgangspunkt au- 

fserhalb liegt und 

erst klar gestellt 

werden mufs, ehe 

mancbe Annahme 

ttber die deutschen 

Arbeiten als fest- 

stehend betrachtet 

werden kann ; so- 

dann aber auch, 

weil nachweislich 

schon in alter Zeit 

nicht bios sehr viele 

solche Fabrikate in 

Deutschland einge- 

ffihrt, sondern, wie 

die Wappen bewei- 

sen, auf deutsche 

Bestellung gefertigt 

sind, so dafs gerade 

die deutschen Be- 

ziehungen viel zur 

Aufklarung der Ge- 

schichte des frem- 

den Fabrikat es bei 

tragen. 

Dafs wir uns an seither angeno ro mene Bezeichnungen so 
viel als mbglich halten, sei dadurch begrttndet, dafs wir nicht 
durch neue Bezeichnungen die Verwirrung, die, wie wir bald 
zeigen werden, da und dort schon besteht, noch mehren 
wollen. 

Als Ausgangspunkt des ganzen Industriezweiges der bunt- 
glasierten Thonarbeiten des Mittelalters und unserer Zeit darf 
wol der Orient, speziell die maurische und persische Industrie, 
betrachtet werden. Deshalb hat auch das Werk von Darcel 
und Delange *), das wol bis jetzt als der sicherste Ftthrer be- 



*) Recueil de faiences italiennes des XV «, XVI© et XVlIe si- 
ecles dessine par M. M. Carle Delange et C. Borneman et accom- 
-pagne d'un texte par M. A. Darcel et M. Henri Delange. Paris 1869. 



zeichnet werden kann, die Betrachtung der orientalischeD, nap 
mentlich persischen, Fayencen an die Spitze gestellt. Wir ha- 
ben geglaubt, hier den Rath des Dr. Karabacek in Wien, eines 
Mitgliedes unseres Gelehrtenausschusses , einholen zu solleo, 
der ttber alle Beziehungen der abendl&ndischen Kultur, spe- 
ziell Industrie, zur morgenlandischen seine Studien ausgedehnt 
i. und uns schon in 

mancher Beziebnng 
durch seine freond- 
lichen Mittbeilan- 
gen auf die richtige 
Spur geleitet hat. 
Wir verzichten auf 
dieErforschungder 
Quellen, aus de- 
nen die Araber ge- 
schdpft haben, and 
begnttgen uns mit 
der durch Karaba- 
cek nachgewiesenen 
Thatsache, dafs im 
Mittelalter in ?er- 
schiedenen Stadten 
Spaniens Fabriken 
bltthten, welche 
Thongeschirre mit 
metallglanzendem 
Refleze verfertig- 
ten. Ibn Batdta 
und der spanische 
Araber Ibn-el-Ch4- 
tib (Mitte des 14. 
Jhdts.) bezeichnen 
Malaga als einen 
Hauptfabrik- und 
Ezportplatz nlr 
Thongeschirre mit 
metallischemReflex. 
Der Handel in's Abendland wurde durch die Insel Majorka 
vermittelt, die ebenso ihren Namen diesen Erzeugnissen gab, 
wie die Insel Cypern den von dort in's Abendland gelangten 
cyprischen Tuchern , d. h. wirklich maurischen Seidengeweben 
Egyptens. Yon Majorka kamen sie nach Italien, wo roan noch 
in der Mitte des 16. Jhdts. ausschliefslich die metallglanzen- 
den Arbeiten als Majoliken bezeichnete. Die Bezeichnung r spa- 
nisch-maurisch", welche alien solchen metallglanzenden Thon- 
waaren gegeben wird, hat demgemafs eine feste Basis; allein 
nur die wenigsten Stttcke, die sich erhalten haben, gehOren 
dieser maurischen Industrie selbst an. Ob sie auch in Sicilien 
unter den Arabern betrieben wurde und also der Ausdrack 
sicilisch - arabisch Berechtigung hat, scheint mindestens nicht 
nachgewiesen, wenn auch wahrscheinlich. Yon alien, die bei 



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135 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



136 



Darcel-Delange als spanisch-maurisch aafgefuhrt sind, sowie yon 
der Mehrzahl der sonst verOffentlichten, kann nach Karabacek 
nor die Vase aus Stockholm als wirklich arabisch bezeichnet 
werden; alle andern sind entweder Nachahmungen , die von 
der christlichen Industrie Spaniens, nach Unterdruckung der 
Manren, oder in Italien gefertigt sind. Unter den &hnlichen 
Erzengnissen, die yig. 

im germanischen 
Museum sich befin- 
den, bietet eind* 
Platte mit scharf 
profilierter Vertie- 
fong and glattem 
Rande einiges In- 
teresse, von der 
wir hier in Fig. 1 
die innere Seite, in 
Fig. 2 die ftufsere 
abbilden. Anf glat- 
tem, der Fleisch- 
farbeimTone nahe- 
stehendem Grande 
sind im Innern in 
zweierlei Metallre- 
flex, reingelbera und 
etwas rdthlichem, 
lineare Verzierun- 
geo aufgemalt. Wir 
haben versucht, 
durch dicke and 
dtanere Linien die 
beiden Tone aaf 
der Zeichnang wie- 
derzageben. In der 
That zeigt sich aber, 
dafs sie nor einem 
Farbetopf entstam- 
men, dafs nur stftr- 
keresAuftragen die 

rothlichere Farbe bewirkt hat. In der Mitte ist ein Wap- 
penschild, der einen LOwen and ein zierliches b trftgt, auf- 
gemalt. Die Rttckseite zeigt ein Thier in rOthlichem und leicht 
gezeichnete Ranken in gelbem Reflex. Die frtthere Herkanft 
des Stflckes lftfst sich nicht ermitteln ; es war in verscbiedeuen 
Sammlungen and kam zulctzt aus der des hiesigen Hofantiquars 
Pickert in's germanische Museum. Dafs es nicht arabisch sein 
kann, zeigt sofort der Wappenschild und das zierliche b. Letz- 
teres ist wol als eine Marke zu betrachten. Die Form des 
Schildes deutet aaf das 14. Jahrh., kann jedoch auch dem Be- 
ginne des 15. Jahrh. angehOren, w&hrend das b in seiner orna- 
mentalen Haltung schon aaf das 15. deutet Das Thier der RQck- 
seite zeigt sich sofort denen verwandt, welche in der Formen- 



welt der Seidengewebe des 14. Jhdts. eine so grofse Rolle spie- 
leu, die ebenfalls unter arabischem Einflusse entstanden sind and 
Italien zur Heimat haben, deren Muster aber noch in das 
15. Jhdt. hereingehen. Dafs in den linearen Verzierungen des 
Tellers auch noch maurisches Element sich zeigt, mOchte dar- 
auf deuten, dafs die Entstehong dieser Majolikaschtlssel noch 
;< unter nicht za sehr 

zurackgetretenem 
Einflusse der ara- 
bischen Kunst za 
suchen ist, sie so- 
mit za den ftlteren 
Erzengnissen der 
Imitation gehOrt 
Als Zeit der Ent- 
stehung lftfst sich 
etwa der Beginn 
des 15. Jhdts. an- 
nehmen; uber den 
Ort , ob Spanien 
oder Italien, kann 
uns die Aehnlich- 
keit des Thieres 
mit italienischen 
Seidengeweben be- 
lehren, iudem sie 
fur letzteres Land 
spricht. 

Unter denPho- 
tographieen nach 
Kunstwerken des 
britischen Museums, 
die wir darchzublftt- 
tern Gelegenheit 
hatten, fanden wir 
eine Schale, die 
mit einem Thie- 
re and Ornamen- 
ten geschmuckt ist, 
welche genaa demselben Formenkreis angehOren, wie die Rttck- 
seite unseres Tellers. Sie ist dort als sicilianisch and der 
Mitte des 15. Jhdts. angehOrig bezeichnet Sie trftgt eine In- 
schrift mit lateinischen Buchstaben, eine Anrufung der heil. 
Katharina. Dr. Karabacek glaubt nun auf den Umstand hin, 
dafs die heil. Katharina die Schutzpatronin von Bologna ist, 
in Verbindang mit der Marke b unserer Platte die Hypothese 
bauen zu kOnnen, dafs die beiden Stucke Fabrikat von Bo- 
logna seien, so dafs also auch bei Untersuchung andererfthn- 
licher Schttsseln gepraft werden mufste, ob Beziehungen za 
Bologna sich ergeben, and ob vielleicht Bologna ein Site 
war, wo im 14. and 15. Jhdt solche spanisch-maurische Ma- 
joliken imitiert wurden, in der Mitte der Orte Ferrara, Bar 



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Anzeiger far Kunde der deutschen Vorzeit. 



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venna, Faenza, Forli and Caffagiolo, wo sehr frUhe selbst&ndig 
italienisch arbeitende Fabriken sicb befanden. 

Nflrnberg. A. Essenwein. 



Arnold Mag nnd seine Tochter, Peter Yischer's 
Schwiegertochter. 

Im ftnfzehnten and sechzehnten Jahrhundert findet sich 
in Nflrnberg eine nicht geringe Zahl yon solcben Kaoflcaten, 
die anter dem Namen Faktor oder Diener die Geschftfte eines 
ausw&rtigen Haases besorgten, dabei auch auf eigene Rechnung 
handelten and za diesem Ende sich das Bttrgerrecht erwarben. 
Daft vor Allem die Fagger so verlreten waren, yersteht sich; 
Wolf Hofmann, der Fagger und ihrer Gesellschaft Diener, wird 
schon am 6. Nov. 1494 genannt, am 12. Dec. 1495 worde er 
znm Bflrger aufgenommmen, and spftter (3. Aug. 1500) heirs t 
er vollm&chtiger Faktor Jorgen Fuggers. Engelhart Schaaer, 
der Fagger Faktor za Rom, war mit Anna, Christof Tetzels 
and der Clara Gartnerin Tochter, verheiratet; in einem Briefe 
von 1508 an Pirkheimer heifst er: Angelas Saaer, concivis 
noster, qui negotiationibas Faggeroram Romae praepositus est. 
Auch die Hochstetter zu Augsburg waren durch einen eigenen 
Faktor vertreten. Stefan Gabler yon hier wird als solcher 
bis 1516 Ofter genannt, worauf er, im Besitz eines bedeuten- 
den, von seinem reichen Oheim Conrad Lindner ererbten Ver- 
mOgens, seinen Posten aufgab und 1518 Sophia Gartnerin hei- 
ratete. An seine Stelle kam Heinrich Kittlinger, der am 
5. Dec. 1524 der Ambrosius und Hanns der Hochstetter zu 
Augsburg Faktor heifst; und auf diesen folgte Heinrich Her- 
mann von Wimpfen, der am 9. Oct. 1528 Bttrger zu Nflrnberg, 
Faktor der Ambrosi und Hannsen der Hochstetter zu Augs- 
burg genannt wird. Er ist der Stammvater eines angesehenen 
Geschlechts, das sich zuletzt mit Weglassung des Familienna- 
mens bios „von Wimpfen" schrieb, aber nach dem Sturze und 
mysteriOsen, im Gefangnifs erfolgten Tode des Losungamtmanns 
Johann Friedrich von Wimpfen (13. Dec. 1688) von hier weg- 
zog, jedoch ausw&rts noch fortbestehen soil (Wald. Beitr. 2, 369). 
Yon andern Augsburger H&usern sei zun&chst Endres Bern's 
gedacht, dessen Gesellschafter und Faktor Martin Franz war, 
seit 13. Dec. 1521 mit Cordula, Sebald Linken und der Ur- 
sula Imhflfin Tochter, verheiratet, 1522 Genannter und spftter 
Pfleger des gemeinen Almosens. Auch Mathes Mannlich zu 
Augsburg hatte 1519 hier seinen Faktor an Michel Hitzler, 
die Pymel ebendaselbst 1520 an Ulrich Wagner. Wol der 
namhaftcste von diesen Augsburger Faktoren ist der fast zu 
einer Person der Sage gewordene Bernhard Walther, dem, 
nachdem er am 11. Mftrz 1469 durch Hanns und Erhart die 
VOhlin, Gebrflder zu Memmingen, ausgedehnte Vollmacht, in 
ihrem Namen zu handeln, bekommen und am 13. Dec. 1494 
Diener und Faktor Hannsen VOhlins, Bflrgers zu Memmin- 
gen, heifst, am 12. Sept 1499 von Anthoni Welser zu Augsburg 



und Conrad YOhlin zu Memmingen als ihrem und ihrer Ge- 
sellschaft Faktor, Respondenten, An wait, Buchfflhrer und Han- 
tierer umfassende Yollmacht ertheilt wird. Bald nachher, als 
seine Frau starb, begab er sich dieser Yerbindlichkeit, kaofte 
sich ein fttr seine astronomischen Studien gelegencs Haus S. 376, 
baute sich auf demselben ein Observatorium und starb im Ge- 
nusse wissenschaftlichen Dilettantismus 1504. Schon am 13. Juli 
1505 kommt Jacob Sattler als Faktor der Welser and YOhlin 
vor. Ein anderer Welserischer Faktor war Hanns Pfann, der, 
ebenso wie sein Nachfolger Bartholom&us Nittinger, als Christoph 
Welsers Faktor das Kaltenhauserische Haus am Markt, S. 875, 
innehatte. Dieser letztere war auch Bttrger und Genannter. 
Aber auch die Handlungsh&user anderer St&dte waren vertre- 
ten; so die Borer in Ulm 1521 durch Marx Pflaum, die Rot- 
tengatter ebendaselbst 1524 durch Hanns Korn; Heinrich Ker- 
stenz zu Lttbeck 1525 durch Endres Stefan, der das jetzt ab- 
getragene Haus L. 313 kaufte und dessen Tochter Yeronika 
den Lazarus Harsdorffer heiratete. Dieser ttbernahm das Hans 
1575 von Wolf Furter, seinem Schwager, und bei seinem Sohn 
Christoph Harsdorffer logierte am 16. Juli 1624 Kurfttrst M&- 
ximilian von Bayern, als er hieher gekommen war, urn durch 
den Kurrarsten Erzbischof von Mainz, der im deutschen Or- 
denshause abgestiegen war, in das kurfttrstliche Kollegium aof- 
genommen zu werden. Die Engel za Leipzig hatten Jobst 
Memminger znm Faktor, der aber, weil er mit ihrem Gut be- 
trttgerisch uragegangen war, sich auch deshalb in's Prediger- 
kloster geflttchtet hatte, vom Rath 1521 seines Genanntenamts 
entsetzt wurde. Ein damals sehr bedeutendes Haus mtissen 
die Hundtpifs zu Ravensburg gewesen sein, die schon 1481 
genannt werden. Ihr mehrj&hriger Faktor Jorg Bader — er 
kommt schon 1503 vor — wurde 1516 durch einen andern 
Diener der Hundtpifs -Gesellschaft, Wolf Plarer, trflnnig (so 
vielals: treulos durchgegangen) gesagt; doch gab ihm der 
Rath 1517 ein halb Jahr Geleit, ein Zeichen, dafs seine Sache 
nicht ganz schlecht stand. Joachim Weyermann erscheint 1524 
als Faktor der Hundtpifs, Stifter eines erst etwa 100 Jahre 
sp&ter erloschenen, wohl angesehenen Kaufmanngeschlechts. Der 
letzte desselben, Joachim geheifsen, mit Ursula Ntttzlin ver- 
heiratet, starb 1622 kinderlos. 

Yon mehreren andern, die, weil sie nur einmal vorkom- 
men, hier fuglich ttbergangen werden mftgen, sei nur noch einer 
genannt, Arnold Mag, der Gesellschaft Fuchsjager von Gent 
Diener, der am 18. Jan. 1492 die Erlaubnifs erhielt, sein We- 
sen bis Martini hier zu haben. Darauf wurde ihm, der jetzt 
Arnold Mag von Auersdorf genannt wird, am 8. Nov. dess. 
Jrs. zugegeben, dafs er hie sein und hantieren mdge als ein 
Burger, zwischen hie und der kommenden Heiligthamsweisong, 
doch soil ihm dieser Aufschlag an der Losung nicht zu Gate 
kommen oder abgerechnet werden. Er mag sein Dienstver- 
h&ltnife gelOst and beschlossen haben, sich in Nflrnberg h&os- 
lich niederzulassen. Mttglich, dafs ein z&rtliches Band, ver- 
eint mit andern Yortheilen, ihn hier festhielt. Er war ohne 



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Anzeiger f&r Kunde der deutschen Yorzeit. 



130 



Zweifel aus den Eheinlanden gebttrtig, nnd wie auf der einen 
Seite die melodische rheinische Mundart, wie sie der Dichter 
nennt, sich gewinnend in die Herzen der Franen einschmeichelt, 
bo hat es anch damals nicht an holdseligen Franen gefehlt, 
deren Liebenswfirdigkeit einen Auswartigen hier festzuhalten 
im Stande war. Denn es scheint nicht, dafs er schon ver- 
heiratet war, als er sich in Nurnberg niederliefs, obgleich man 
liber seine Fran ohne alle nnd jede Anskunft ist. Nicht ein- 
mal ihr Tanfhame kommt in den Urknnden vor. Das Alter 
der Tttchter aber, die noch sehr jnng heirateten, lafst kaum 
annehmen, dafs er als Wittwer mit den Kindern hieher gezo- 
gen sei. Er kaufte am 3. Febr. 1495 von Jacob Groland ein 
Haas am Sand nm 265 fl. rhn., mit einem darauf lastenden, an 
Lazarus Holzschnher falligen Eigengeld von 8fl. rhn., wortkber 
am 16. Febr. ein von Sebald Schttrstab nnd Hanns Rieter be- 
zeugter Gerichtsbrief ausgestellt wurde. Dieses Haus sdheint 
er anch bewohnt zu haben; aber, obgleich die Nachbarn zn 
beiden Seiten, ja selbst nach hinten zn angegeben sind, so dUrfte 
es doch unmftglich sein, die Lage fur jetzt zn bestimmen. In 
demselben Jahre kanfte er nm 200 fl. ein Gattergeld von 10 fl. 
aos einem Hause auf dem Neuenbau, wahrscheinlich Lorenzer 
Seite, wortlber am 29. Juli 1495 ein von Jacob Groland nnd 
Niclas Grofs bezeugter Gerichtsbrief gegeben wurde. Dann 
gab der Schultheifs Wolf von Parsberg zn Parsberg, Ritter, am 
Montag 14. Aug. 1497 einen mit Zeugnifs Ulrich Grundherrs 
nnd Sebald Schurstabs ausgestellten Brief daruber, dafs Arnold 
Mag ein bisher von Wolfgang Lflffelholz besessenes Eigengeld 
aus dem Hause Heinrich Heinsheuns, des Pfragners, im Betrag 
von 10 fl. rhn. urn 260 fl. gekauft habe. Das Haus lag zwischen 
zwei Beckenhausern, dem Conz Ofners, der zun&chst an dem 
ebemaligen Wirthshaus zu den Sieben Thurmen wohnte, und 
dem Hermann Fullsacks, und dttrfte sich vielleicht als S. 321 
bezeichnen lassen. Dann findet sich sein Name in einem Ge- 
richtserkenntnifs vom 25. Juni 1505, indem in der Sache Ar- 
nold Mags gegen Jobsten Stettberger und Conrad Schmittner, 
als Vormunder Sebald Wagners sel. Geschafts, um 10 fl. ver- 
Menes Gattergeld, zu Recht erkannt wurde, die Beklagten 
hatten diese Summe dem Klager, unverhindert ihrer Einrede, 
billig zu entrichten. Aus Hanns Furlegers beiden, aneinander 
gelegenen Hausern auf dem Rofsmarkt kaufte er das Eigengeld 
tod 24 fl., also mit 600 fl., wofUr weiter unten die Beweise fol- 
gen werden. Aus diesen Kapitalanlagen geht zwar kein grofs- 
artiger Reichthum hervor, aber doch ein gesichertes YermOgen, 
wozu auch noch auswartige Renten kamen, von denen spater die 
Rede sein wird, und es mufs immer noch bedacht werden, daft 
die hier gegebenen Anfuhmngen zwar vorlaufig die einzigen 
sind, die gegeben werden kdnnen, dafs aber nicht geschlossen 
werden darf, dafs es nicht noch andere, unbekannt gebliebene, 
gegeben hat. Arnold Mag scheint eine mit dem ruhigen Port, 
den er hier endlich gefunden hatte, sich begnugende Natur 
gewesen zu sein, den die stifle Zuruckgezogenheit seiner Haus- 
lichkeit mehr begluckte, als das unruhige Getreibe des Offent- 



lichen Lebens, und den man daher auch nicht als Genannten 

findet, was er so gut wie mancher andere hatte werden kOn- 

nen. Nach dem auf jeden Fall fruhen Tod seiner Ehefrau, sei 

er nun erst hier Wittwer geworden, oder schon als solcher 

nach Nurnberg gekommen, hielt ihn nichts mehr am Leben 

fest; die Zukunft seiner beiden, allerdings noch unversorgten 

TOchter durfte durch das ihnen zufallende VermOgen als ge- 

sichert angesehen werden; und so mag er ruhig aus dieser 

Welt geschieden sein, vielleicht 1512, vielleicht dafs er die 

Verehelichung seiner altesten Tochter noch erlebt hatte ; denn 

schon 1513 war Ursula, seine al teste Tochter, mit Hermann 

Yischer, altestem Sonne des beruhmten Rothschmieds Peter 

Vischer, verheiratet 

Numberg. Lochner. 

(Schlufs folgt.) 



Ein dem Kaiser Maximilian I. gewidmetes Gedicht. 

Der durch seine Schrift de ortu et fine romani imperii 
bekannte Abt Engelbert von Admont (1297 — 1327) stand auch 
in naheren Beziehungen zu dem Osterreichischen Hofe und ver- 
fafste • fur die jungen Herzoge Albert und Otto eine Schrift 
padagogischen Inhalts, welche de regimine principum betitelt 
ist. Eine Handschrift dieser Abhandlung befindet sich auch 
in der k. k. Hofbibliothek zu Wien, (Codex Nr. 5158). Die- 
selbe stammt aus der Carthause Gamnitz, ist 1495 geschrieben 
und enthalt als Einleitung ein deutsches Gedicht, welches wir 
hier folgen lassen: 

Audi rex Maximiliane 

quid agas cogita sane. 
Du hast wenig in deiner taschen 
und wilt teglich laren grofs fiaschen; 
das hat dein reicher vater nit getan, 
des chlueghait soltu sehen an 
und weislich ordinieren dein herschaft und leben, 
recht einnemen und nuczlich guet ausgeben, 
Yon den dingen wil ich nit mer schreiben, 
kurtzlich sunder rat ich dir 
das puech zuo lcsen vleissiglich, 
so magstu ein solcher seliger furst werden 
das dein geleich nit ist auf aller erden. 
Unrechtlich einnemen guet und unbeislich verschbenten 
pringt grofsen schaden und grofs herzen schenten. 
Du solt pey dir haben gotforchtig rat zwey oder drey, 
geistlich wolgelert, die allzeit dir wonen pey, 
wan dy weltlichen raten imer in ir aigne taschen 
und als dy swein aus dem acker dein guet naschen, 
sy erzaigent mit worten sich frewntlich dir, 
aber ir herz ist verr hin dan, das gelaub mir, 
sy haben nuer lieb dein guet und suechen deinen nutz nicht, 
alain auf aygen gewin erget all ir zueversicht, 
und mOchten sy all dein gut in iren gewalt pringen, 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



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sy warden dir benedicamus frOlich singen. 
Ad hortea vacua non tendit prudens formica. 
Dyweil da reicblich gibst so bastu frewnt vil, 
so da emprist 1 ) guet, nyemant mer dein achten wil. 
Yon smaickero soltu dicb allzeit huetten wol, 
wayl sy Bind falschhait and posbait vol, 
sy guffen*) and geyden 3 ) and loben dich ser, 
aber da dein leib and hertz von in ker 
and yolg ainem gotforchtigen weysen man, 
der dich and dein sel versorgen kan, 
so magstu regiren dein volch weislich mit lieb 
and wesizen das ewig hymelrich. 
Das schenck ich dir Maximilian 
wan ander gab ich enhan, 
far all schatz ist weishait, 
nym das von mir in danckparkait. 
Schwarzenberg. A. Mflrath. 



*) bresten, entbresten, empresten, Mangel leiden, entbehren. 
Schmeller P, Sp. 367. D. Red. 

*) guofen, ttbermflthig schreien, prahlen. Schmeller, P, Sp. 875. 
*) geuden, riihmen, prahlen. Schmeller P, Sp. 872. D. Bed. 



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15 



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25 



Klage ilber das Alter. 

Kumm grimger tod and bolle mich, 
Mich alten man, des bitt ich dich. 
Wie nun menchlich geren wird alt, 
So wirt er doch allso gestalt. 
Ich was weidelich and chlig: 
Nun bin ich worden niemantz fig. 
Ich sicz aid lig, stand oder wo ich bin, 
So mu(ie ich brider ubrig(J sin. 
iunge welt! sich an mich: 
Da wirst geschaffen glich als ich. 
Ich was iung and friwden vol, 
Mit aller uppicheit was mir wol: 
Nun hon ich vor alter cheinen mit, 
Und frdwt mich weder lib noch git. 
Dencz und uppicheit vieng ich an, 
Und was den frowen ein werder man. 
Ich richsen, histen und spij u(J, 
Das nieman rie hot in dem hu(J. 
Ich bin kranch und und (sic) an mecht, 
Mich versmechen nun mide und knecht 
In iugend was ich lieb und werd: 
Im alter nun min nieman begerd. 
Die iugend hot ein sfllich end, 
Das sechend an mir, ob ir wend. 
Was man mir nun sett von got, 
Das ducht mich alles gar ein spot, 
Ich spott dick der alten wibe: 



Den spott mip ich nun selb liden. 

An dem dancz trig ich hievor 
30 Den schedel frSwlich hoch enbor: 

Nun gon ich krum an einem stab, 

Und fall des nechsten in das grab. 

Ghein frflwd was aun laugen, 

So ich nitt was under ogen. 
35 Ich fir menchlich frisch und lustig was: 

Nun trieffen mir die ougen und die nas. 

Aun mich kund nieman nichtz geschaffen: 

Nun hot man mich fir einen affen. 

Aun sponczieren mocht ich nitt gesin: 
40 Das wer mir nun zemol ein grossi pin. 

Wer alt wirt, der wirt min gelich, 

Ungestalt und wunderlich. 

Ich bin an minen sinnen tob, 

Und zittern als ein espin lob. 
45 Min fruind achten min gar clein, 

Und bin ir aller iberbein. 

Ich geh6r nitt wol und bin blind, 

Dorumb spotten min die kind* 

Mir trieffen och die oren, , 

50 Das man lutt mip schrien, sol ichz hiren, 

Und bin ein verschmechter man: 

Yon nieman ich chein lieb hon. 

Der welt frowd in disser zitt 

Menchlich sdlich ende gitt 
Diese Klage steht im Cod. lat. Monac. 641, f. 69. Es fol- 
gen noch einige Verse, welcbe denselben Gedanken in grOberer 
Weise Ausdruck geben und nicht zu jener gehOren. Dann 
aber schliefsen sich noch zehn Gebote an, welchen hier eine 
Stelle verg6nnt sein mag. Was dann auf f. 72 zonftchst folgt 
habe ich in der Germania 17, 185 mitgetheilt 

Nota decern precepta Sibille, et essent 
scribenda aureis litteris. 
Daz send die zechen gebot und ler, 
Die Sibilla natirlich schribet her. 

Das erst: chein gesellschaft soltu haben 
Mit onderchanten noch gemeine tragen (sic). 

Das ander: pip nicht zesagen einem yetlichem bereft 
Dines herczen heimlicheit. 

Das dritt : wildu giten mite tragen, 
Geloub nicht alien die dir sagen. 

Das fierd: versintem veint gelobe nicht, 
Wann sin triu hot nides pflicht. 

Das finfft: was du host, das behit mit sinnen; 
Nicht mer verzer decn du migst gewinnen. 

Das sechst: nitt drur omb verloren git, 
Das doch chein wider pringen tit. 



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Anzeiger ffir Kunde der deutschen Vorzeit. 



134 



Das sibend: mit (nit?) yedem solt da sin bereit, 
Ze chosen nach siner gelegenheit. 

Das acht: mit dinem mechtiger hab chein zorn, 
Und lich im nichtz: es wer verlorn. 

Das n&nt: nitt friw dich in tribsal vast 
Noch tod dines nechsten: da wirst gehast 

Das zechend: hab rot in alien dingen, 
Wilt das zu giitem anefanch and ende pringen. 
Heidelberg. W. Wattenbach. 



Die Losung des Rftthsels, 

welches sich in Nr. 3, Sp. 74 anten abgedrackt findet, ist ans 
bereits darch freandliche Mittheilang des Herrn Dr. Lorenz 
Diefenbach geworden, in dessen ttberaus nutzlichem Glossariam 
latino-germanicum, Sp. 443 a, s. v. plaripla sich auch die Form 
pluriplarimentom findet, zu welcher in unserer Stelle nor noch 
ein d hinzugekommen ist. Es bedeutet GansgekrOse and ge- 
hdrt nach Diefenbach's Ansicht zu den vielen Wortfabrikaten, 
die seit dem 15. Jahrhundert auftauchen and grofsentheils 
von Frankreich und den Niederlanden rheinaufwarts gekommen 
zu sein scheinen. 

Heidelberg. Wattenbach. 



Bnrlesker Liebesbrief. 

Mein willig dienst als der krebs gat and mein emssigz 
abrigs gebet zwischen mitter nacht und mettin zeit das sy ewr 
gnad gehonam und berait al(J ein zamloses wildes ros seinem 
herrenn Wissend Hebe fraw das mich als ttbel nach iw belanget 
als ein alten esel nach seiner lieben muoter und wenn ich pey 
far gnad pin so han ich frewd als ein hund pey einem pfeyf- 
fer and han auch dar zuo hohen muot als ein leo der gefan- 
gen leit Auch sind ir mein hochster tag Das sagt mir unser 
mulier Auch wissend das ich nOtigs mit juch het zuo reden yon 
der stat wegen darumb so beschaident mir ein tag zwisch 
pfingsten' and esslingen auff der gruenen hayde Da hin will 
ich zuo juch elyen (1. eylen) and gaachen als ein schlegel auff 
einer dillen weder reytend noch gand und mit jw zuo vail 
werden wesenlicben als ein ha(J mit einem paugker wie die 
sach versorg" werde Das die katz hew hab und der esel schmaltz 
wann mir ist vil tugent von iw gesagt worden in der wochen 
die da her ein gat and besander das ir sunst mit aller welt 
unbekumert wellend sein als ein bilgrein mit muschelen so er 
von Bant Jacob gat und meniclichs ledig stan als der hund 
der flOch in aQgsten und haben auch dar umb ein gerugs aings 
leben au($erwelt als der new bader an dem cristabend Ir habend 
auch ein senlichs belangen nach mir als nach dem tod dar 
nmb han ich ewr fruntschafft als geren als der wolf den ygel 
and der rebman den reiffen zwischen sand jdrgen and sand ur- 



bans tag Ich han auch ewr mit dem lOffel nit vergessen den 
will ich ew auff der nflchsten feyr schicken wann in kainer 
zuo ro(J gefuren mag und halten das als in ainer gehaim als 
ir mir verhaissen habent Anders ich schreib ewr gnad fur- 
bap nymmer mer Nut mer zuo disenn zeiten Ich hiett ew mer 
geschriben als ewr tugend wol zw gehttrt So han ich die gros- 
sen zechen verhawen mit ainem pffilgen dar umb ich den 
ckainen vinger verbunden han mit ainem alten goiter diser brief 
ist geschriben da die rewsen au(3 dem wasser gand under zal 
als die schuoler pickel gie(3en etc. Iwr gnedig antwurt land 
mich wissen in amergkaim wider wissen. 
startalin 
Iwr williger diner wenn die gennp 
mit dem creien gand. 

Aus der Munchner Handschrift God. germ. 379, Bl. 95 b . 

Heidelberg. E. Bartsch. 



Gegen die Frauen. 

In dem God. Yindob. 5512 findet sich auf der Innenseite 
des hinteren Einbanddeckels folgendes Gedicht. 
I Hec tria subuertunt sensum: affectio rerum, 

Multus thezaurus et stultus amor mulierum. 

Gessas quando dare mulier cessabit amare. 

Nee hodie nee heri nee eras credas mulierL 
5 Nil loquitur veri fallax wit semper haberi. 

Grede mihi, si credis ei. tu decipieris. 

Ffallere. flere. nere statuit deus in muliere 

Ffallere dum videt. quem potest, femina ridet 

Fforet si licitum, falleret ipsa deum. 
10 Sermo beginalis, iufans et amor monialis, 

Scurra, iurista, sathan, meretrix, medicos quoque caffer*) 

Ac owum molle permerdant quemlibet orbe. 

Gausidicus, medicus, meretrix semper meditantur 

Vt, qui plus dederit, ilium fallendo sequantur. 
15 Si canis applaudit, meretrix bylarem tibi wltum 

Preheat, inclinat monachus (?), aut femina plorat. 

Principis amplexus aut oscula dat monialis, 

Mercator iurat, hijs nulius credere curet. 

Est res formosa mulier, quam tangere noli; 
20 Si fugis, ipsa fugit; si tangis fugere nescit 

Ergo fuge tactum, ne tactus transeat actum. 

Adam, sampsonem, david regem et salomonem 

Decepit mulier; quis modo tutus erit? 

Pisces, perdices, vicium simul et meretrices 
30 Purgant de cista nummos bene quatuor ista. 

Breslau. Alwin Schultz. 



*) Hdschr. tasser oder casser; ich glaube caffer = caper lesen 
zu mussen. — „8oIlte nicht tasser (= tessera; Diefenbach, glos- 
sar. 574) passender erscheinen?" D. Red. 



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Anzeiger for Kunde der deutsehen Vorzeit. 



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Zur Chronik der Beichsstadt Nflrnberg. 

1439. Im newen Spital wird des R6mischen EOnigs Be- 
grftbnifs gehalten ; cs kostet 33 fl. 5 % hi. und 12 (J. 

Herzogs Otten und des von Weinsberg zwei Boten erbal- 
ten 20 fL zu Botenbrot, als sie die Nachricht von der Wahl 
des neuen E6nigs brachten; H. Grafenttder, der Stadt Diener, 
dem die yorgemeldeten Boten, obwohl er Tag und Nacht ge- 
ritten, urn 3 Stund zuvorgekommen, erhalt nur 6fl. 

Die Eonigin von Ungam lafst dem Rath verkttnden, dafs 
Gott sie erfreut habe und dafs sie eines jungen Herrn Eflnigs, 
genannt Lasla, genesen sei. Der Bote erhalt 10 fl. 

1440. Am Fest Corporis Christi erhalten die Amtleute, 
wie gewShnlich, neue R6cke, die 87 ft 7 (J und 4 hi. kosten. 

Die Hebammen schneiden einer im Kindbett gestorbenen 
Frau das Kind lebend aus dem Leibe, so dads es zur Taufe 
kam; sie erhalten dafttr vom Rath 5fl. zu einer Liebung*). 

1441. Der Schulklopfer der Juden wird yon gefahrlicher 
Alchemic wegen in's Loch gelegt und vom Zttchtiger durch die 
Stirn gebrannt. 

Herr Wigeleus vom Wolfetein fallt auf dem Rathhause in 
ein „abtrafft"**) und stirbt. 

Michel Wiener wird wegen eines Maulstreichs (Maulschelle) 
um 5 ft novi gestraft. 

Markgraf Albrecht von Brandenburg halt zu Nurnberg 
am Sonntag nach Martini ein Turnier, auf dem 231 Helm, 
darunter drei Fursten, und 33 Ritter erscheinen. Die Wachen, 
SOldner, der Tanz auf dem Rathhaus, das Gestubl an des Rie- 
ters Haus, die Schranken, die Erweiterung des Rathhauses uber 
die Scheerergasse, Wein, Brod etc. verursachen dem Rath eine 
Auslage von 235 % 16 (J 8 hi. 

Einen Edelmann Namens Weinmar Mugkentaler lafst der 
Rath zu Eichenhofen aus dem Hause nehmen und seiner Rau- 
berei und anderer Verhandlung wegen mit dem Schwerte 
rechtfertigen. Unter andern hatte er dem Paul, Gruntherr und 
dem Rathsschreiber Meister Hanns, als sie zum ROmischen E6- 
nig geschickt wurden, ihre Kleider, und dem Rathe etliche sil- 
berne Becher aus einem Felleisen genommen. Seine 2 Enechte, 
die mit ihm verhaftet wurden, liefs man frei. 

1442. Ein Badknecht schneidet einer Frau die Zflpfe 
ab und wird deshalb „hindan" beruft (i. e. ttffentlich ausge- 
stellt unter Angabe seines Verbrechens). 

*) Aehnliche Geschenke an die Hebammen aus derselben Ver- 
anlassung kommen ofter vor. 

**) Es ist wol „abkrafb" (Entkraf tung , Ohnmacht) zu lesen. 
Vgl. Grimm, Wbch. I, 46. Schmeller P, Sp. 1364. D. Red. 



Ein Schlosserknecht wird auch „hindan<' beruft von eines 
Lieds wegen, das er uber etliche Meister der Stadt gemacht 
hat. 

Meister Conrad, ein Zimmermann, erhalt vom Rath 15fl. 
fdr 2 Muster zu einer werfenden Bleiden*) und einer schieben- 
den Leiter. 

Der Rath lafst 3 heimliche Eundschafter sieben Wochen 
lang in den Hausern der Stadt umgehen, n wahrzunehmen als 
ihnen befohJen ist tt Jeder erhalt w&chentlich 7 ft alt 

1458. Der Sittich (Papagei), den der Rath dem Era- 
bischofe von Mainz verehrt und nach Aschaffenburg schickt, 
kostet 50 U 12 (5 2 hi., und zwar der Sittich, den man von 
Antoni Paumgartner kaufte, 25 fl., die Yergoldang des Hanses 
7fl., der Bote, der den Vogel trug, 1 fl., das Tuch um das 
Vogelhaus 9 (J 4 hi., das Fafs, in das das Haus gestellt wurdo, 
4 (J 8 hi. und das Fuhrlohn 8 (J 2 hL **). 

1482. Fur die Rathsstube und die Eanzlei werden fonf 
Augenspiegel***) angeschafft, w wann die Herrn der bedurffen, 
sie da zu finden." Sie kosten 8 (J 4 hL 

Mttnchen. Baader. 



*) Stein8chleuder, Wurfmaschine. Schmeller P, Sp. 312. 

D. Red. 
**) Im Jahre 1460 verehrte der Rath auch der Eonigin von 
Bohmen einen Sittich, den man gleichfalls von Antoni Paumgart- 
ner um 25 fl. kaufte und der mit aller Zugehorung auf 65 ft novi 
1 p 11 hi. zu stehen kam. Unter den Geschenken, die Kaiser 
Friedrich bei seiner Anwesenheit zu Nflrnberg im J. 1471 von der 
Stadt erhielt, war auch ein Vogelhaus. 

**♦) Brille. Grimm, Worterb. I, 812. D. Red. 



Findling. 

Roma jacet: Treviris cecidit: declinat Agrippa: 

Nutant Quadratae*) moenia, tecta ruunt. 
At Noriberga tibi dedit aurea Joppiter aeva, 
Imperii stas arx, urbibus inclyta spes. 

1525. 
Aus einem Actenbande des NUrnberger Stadtarchivs. 

Lochner. 



*) Qaadrata, d. i. Regensburg; s. Schmeller IP, Sp. 71. 

D. Red. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. E. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. E 8 eb aid in Nflrnberg. 



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BEILAGE ZUM ANZEIGER I*R KUtfDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1873. J¥ 5. Mai. 



Cbronik des germanischen Museums. 



Numb erg, den 15. Mai 1878. 

Unsere Sammlungen haben in jungster Zeit eine hubsche Be- 
reicherung dadurch erhalten, dafs aus der Modellkammer der ehe- 
maligen polytechnischen Schule zu Miinchen uber 100 altere Mo- 
delle von Wagen, Schiffen, landwirthschaftlichen Gerathen und tech- 
niachen Anlagen verschiedener Art vom kgl. bayer. Kultusministe- 
rium, unter Vorbehalt des Eigenthums fur die Nachfolgerin jener 
Anstalt, una iibergeben word en sind. 

Das Comite, welches im Herbste vorigen Jahres eine so glan- 
zende Ausstellung alterer kunstgewerblicher Arbeiten im kgl. Zeug- 
hause zu Berlin veranstaltet hatte, bat mit einem eehr ehrenden 
Schreiben 260 Blatter damals aufgenommener Photographieen zu 
bleibender Erinnerung an jene Ausstellung unserer Anstalt als Ge- 
schenk ubersandt. 

Aus dem kgl. Zeugbause zu Berlin ist una im Tausche gegen 
ein alteres Gewehr, das wir doppelt batten, ein solcbes des 15. 
Jhdts., vom historischen Verein zu Wiirzburg auf ahnlicbem Wege 
ein solebes vom Jahre 1534 uberlaseen worden. Der Gemeinde- 
rath der Stadt Wien bat uns einen Burgerharnisch des 16. Jhdts. 
und einen Aalspiefs aus dem dortigen stadtischen Zeughauee zum 
Geschenke gemacht. 

Der unerbittliche Tod bat aua der Mitte dea Verwaltunga- 
ausschussea unserer nationalen Anstalt, eben wahrend wir die letzte 
Mittheilang niederschrieben , am 15. v. M. einen Mann gerissen, 
dessen Verdienste um dieselbe nicbt hocb genug angeschlagen 
werden konnen. Oberstudienratb Dr. Hafsler in Ulm, der uner- 
mudet Thatige, hatte einen grofsen Theil seiner Zeit und Kraft 
dem germaniachen Museum gewidmet, dessen Grttndung er mit 
betrieben und das er vom Anfang an durch aeinen Rath wie dureb 
mannigfacbea Eintreten fur dasselbe, so lange der Gedanke nocb 
nicht allgemeine Anerkennung gefunden, wesentlich gefbrdert. 
Insbesondere war seine Thatigkeit bei den verschiedenen Bera- 
thnngen zur Aenderung der Satzungen in Anspruch genommen, 
deren endlicbe Durchfuhrung zu allgemeiner Befriedigung und zu 
allaeitigem Einverstandnifa in hohem Grade seinem vermittelnden 
Einfluase zu danken war. 

Auch v. Kara j an, k. k« Regierungsratb und I. Custos der 
k. k. Hofbibliothek zu Wien, der vor Kurzem erst aus dem Ver- 
waltung8aus8chusse geacbieden, innerhalb dessen er sich so aner- 
kennenswerthe Verdienste um Forderung dea Museuma erworben, 
ist, in jiingater Zeit vom Tode abgerufen, unserem Gelehrtenaus- 
schuaae entrissen worden, wie auch friiher Prof. W. Menzel in 
Stuttgart, dem gleicbfalls manche Forderung des Museuma zu 
danken war. 

Seit Verdffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage an^emeldet: 

Von Dlstriktsgemeinden : Altdorf. 10 fl. Griesbach. 10 fl. 
Kempten. 20 fl. Kulmbach. 10 fl. Ochsenfurt. 10 fl. Rotthalmiinster. 
10 fl. 

Von Prlvaten: Betzlngen. W. Gminder, Fabrikant, lfl.; 



E. Knapp, Fabrikant, lfl. Cleve. Frhr. Adolph von Wittgen- 
stein , Oberforster , lfl. 45 kr. Dachau. Ed. Horhammer , Malz- 
fabrikant, 1 fl. ; Gust. Medicus, k. Hauptmann a la suite u. Fabrik- 
besitzer, in Deutenhofen 3fl. ; Mich. Scharl, Kaufmann, lfl. Det- 
Biold. Bohmer, Pastor, 1 fl. 10 kr. ; Heinrichs, Consistorialrath, 1 fl. 
10 kr. ; Quentin, Medizinal-Asaessor, 1 fl. 45 kr. ; Dr. med. Rohden, 
lfl. 10 kr. Hermannstadt Friedr. Czekeliua, Profesaor, lfl. 10 kr.; 
Pauline Herbert, Professorsgattin, 1 fl. 10 kr. ; Dr. Karl Reifaenber- 
ger, Lehrer an der evang. Madchenachule A. B., 1 fl. 10 kr. KrunH 
bach. Jaud, k. Landrichter, lfl. 30 kr. Metz. Prinz Philipp von 
Arenberg, Durchl., lfl. 45 kr.; Friedhoff, Bankvorstand , lfl. 
45 kr.; Soldschmidt, Oberpostin8pektor, lfl. 45 kr.; Kleber, kais. 
Landgerichtsrath , lfl. 45 kr.; Meurer, Polizeidirektiona- Assessor, 
lfl. 45 kr.; Dr. Rogg, Oberstabaarzt, lfl. 45 kr.; Schmidt, Kreis- 
direktor, 1 fl. 45 kr. ; Stroser, Advokat-Anwalt, 1 fl. 45 kr. ; Dr. Wolf, 
Lycealprofes8or, 1 fl. 45 kr. Niirnberg. Ferd. Ebentheuer, Farben- 
fabrikant, lfl. 30 kr. ; F. W. Langenbach, Graveur, lfl. ReutlilH 
gen. A. Harter, Bankdirektor, 2fl. ; W. Kampe, Bankdirektor, 2fl. 
Werneck. Jacobi, k. Oberforster, 1 fl. ; Ferd. Adalb. Reindel, k. Ver- 
walter, lfl.; Kilian Schneider, Apotheker, 30 kr. ; Wunderlich, 
Buchhalter, 30 kr. Worms. Dr. Bender, Mitprediger, lfl.; Max 
Heyl, Rittmeister a. D., 5fl. ; Landmesser, Lehrer, lfl.; Friedr. 
Schon, Fabrikant, 5fl. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 
Von Prlvaten s Hannover. Graf von Eulenburg, Oberprasi- 
dent der Prov. Hannover, Exc, 17 fl. 30 kr. 

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu: 



I. Fur die kunst- 



mid kulturgeschichtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6890—6899.) 
C5in. Voigtl, Dombaumeister : Krappe von Sandstein vom 
Coiner Dom. — Ellingen. Schneider, Pfarrverweser : 1 agypti- 
sche und 3 romische Kupfermiinzen , gefunden bei Ellingen. — 
Milnchen. Gedon, Bildhauer : Ornamentierter Dachziegel vom Be- 
gum des 19. Jhdts. — Niirnberg. R. Bergau, Professor: Glocken- 
zug von alter Posamentierarbeit. S. Pickert, Antiquar: 7 per- 
sische Silbermiinzen alterer Zeit. 31 kleinere Silbermiinzen vom 
13.-— 16. Jhdt. L. H. Riefle, Installateur : 3 grunglasierte ver- 
zierte Ofenkacheln vom 17. Jhdt — Wiirzburg. F. Kneis: St Bar- 
bara, Holzfigur von T. Riemenschneider. 

II. Fur die Bibliothek. 

(Nr. 29,821—29,958.) 
Admont. P. Jak. Wichner, Stiftsarchivar : Ders., d. Biblio- 
thek d. Abtei A dmont. 8. — Basel. Universitat: Bernoulli, d. Lu- 
zerne rchroni k des Melchior Rufs. 1872. 8. Frey, d. heil. Severinus. 
1872. 8. Progr. Kinkelin, d. Bevolkerung des Kantons Basel-Stadt 
am 1. Dez. 1870. 1872. 4. Berichte des Sanitats - Collegiums von 
Basel-Stadt v. J. 1870. 1872. 8. Nebst 17 weitern akademischen 
Gelegenheitsschriften. 1871 u. 1872. 4. 8. — Berlin. M. Per els: 
Die deutsche Schaubflhne; 13. Jhg., H. 1 u. 2. 1873. 8. Dr. F. 
Piper, Univers.-Professor : Ders., das christl. Museum der Univers. 
zu Berlin, sein Zuwachs in den J. 1871, 1872. 4. — Detmold. H. 
von Donop, Hauptmann: Oudart, catalogue des montres ancien- 
nes et curieuses etc. 1866. 8. — Dresden. K. sachs. Staatsre- 
gierung: Codex diplomaticus Saxoniae regiae; II. Haupttheil, 
4. Bnd. 1873. 4. — Freiburg I. Br. Kirchlich-histor. Verein 
der Erzdiocese Freiburg: Ders., Freiburger Diocesan-Ar- 



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Anzeiger fllr Kunde der deutschen Vorfceit. - 



140 



chiv; 7. Bnd. 1873. 8. — Graz. L. Beckh-Widmanstetter, 
k. k. Oberlieutenant : Den., d. Grabmal Leu to Id's von Wildon in 
d. Stiftskirche zu Stainz u. d. Siegel der Wildoner. 4. Sonderabdr. 
Dr. N. Kohn: Ders., der angebliche Votiv- Altar dee Tribunen 
Scudilo. 1873. 8. Steiermarkischer Verein zar Forde- 
rung der Kunst-Industrie: Ders., Rechenschafts-Bericht uber 
d. Vereinsjahr 1872. 1873. 4. — Halle a. S. Dr. E. Dflmmler, 
Univers.-Professor : Ermenrici epistola ad Grimoldum archicapella- 
num, ed. Duemmler. 1873. 4. — Hanau. Direktion desk. Gym- 
nasiums: Duncker, d. Freiherr vom Stein u. d. deutsche Frage 
auf d. Wiener Congresse. 1873. 8. — Magdeburg. Verein f. Ge- 
schichte u. Alterthumskunde dee Herzogth. und Erz- 
atifts Magdeburg: Ders., Geschichts- Blatter; 8. Jahrg., 1873, 

1. Heft. 1873. 8. — Munchen. R. v. Ziebland, k. Oberbaurath: 
Zeiller, itinerarium Italiae. 1640. 2. Britton, the history and anti- 
quities of the metropolitical church of York. 1819. 4. Britton, the 
history and antiquities of the metropolitical church of Canter- 
bury. 1821. 4. Pugin, specimens of Gothic architecture ; vol. I. II. 
4 T Pugin, details of ancient timber houses. 1836. 4. Pugin, de- 
signs for iron and brass work. 1836. 4. Pugin, Gothic furniture in 
the style of the 15. century. 1835. 4. Pugin, designs for gold and 
silversmiths. 1836. 4* Transactions of the royal institute of Bri- 
tish architects ; vol. I, p. 2. 1842. 4. Britton, the history and an- 
tiquities of the see and cathedral church of Norwich. 1816. 4. 
Britton, the history and antiquities of the cathedral church of Ox- 
ford. 1821. 4. Winkles, French cathedrals. 1837. 4. Winkles, ar- 
chitectural and picturesque illustrations of the cathedral churches 
of England and Wales ; vol. I. II. 1836 u. 38. 8. Ingram, memo- 
rials of Oxford ; vol. I. II. Heideloff, d. Ornamentik des Mittel- 
alters ; 3 Bnde. 4. Heideloff, d. kleine Altdeutsche ; I.— III. Curs. 
1849 — 52. 8. Heider, Eitelberger u. Hieser, mitteialterl. Kunst- 
denkmale d. osterr. Kaiserstaates ; 2 Bnde. 1858—60. 4. Boisseree, 
Denkmale d. Baukunst vom 7. bis zum 13. Jahrh. am Nieder-Rhein. 
1833. Imp. 2. Springer u. v. Waldheim, Oesterreichs kirchl. Kunstdenk- 
male der Vorzeit; Lief. 1 u. 2. 1856. 2. Puttrich, Denkmale der 
Baukunst des Mittelalters in Sachsen; Abth. I u. II. 1841. 2. 
Schimmel, die Cistercienser-Abtei Altenberg bei Coin. Imp. 2. 
Denkmale deutscher Baukunst des Mittelalters am Ober-Rhein; 
1. — 3. Lief. 1825. gr. 2. Kopp, Beitrag zur speziellen Darstellung 
des spitzbogigen Baustyls ; 1. u. 2. Heft 2. Aufl. 1839. gr. 2. Pe- 
zolt, Schatze der mitteialterl. Kunst aus Salzburg. Imp. 2. Eggert, 
Sammlung gothischer Verzierungen. gr. 2. Schmidt, rdmische, 
byzantin. u. german. Baudenkmale in Trier u. seiner Umgebung; 
1.— 4. Lief. 1836 — 43. Imp. 2. u. 4. Thran, Denkmale altdeut- 
scher Baukunst, Stein- u. Holzsculptur aus Schwaben ; 1.— 3. Heft. 
1846. Imp. 2. Geier u. Gorz, Denkmale romanischer Baukunst am 
Rhein; 1. — 3. Lief. 1846. Imp. 2. Zur Architektur u. Ornamentik 
des deutschen Mittelalters. Imp. 2. Barthol. Zeitblom u. seine Al- 
tarbilder auf dem Heerberge. 1845. Imp. 2. Bock, d. monumen- 
tal e Rheinland; Lief. 1 — 4. 1867 — 69. Imp. 2. Eggert, d. Glas- 

Semalde der neuerbauten Mariahilf- Kirche in d. Vorstadt Au zu 
Eanchen. Imp. 2. Jobst u. Leimer, Sammlung mitteialterl. Kunst- 
werke aus Ocsterreich; Bnd. I, 1.— 8. Heft. 1861. Imp. 2. Atlas 
kirchlicher Denkmaler des Mittelalters im osterreich. Kaiserstaate. 
Imp. 2. v. Minutoli, Denkmaler mitteialterl. Kunst in den bran- 
denburg. Marken ; I. Th. 1. u. 2. Lief. 1836. gr. 2. Hoffstadt, Gothi- 
sches A.B.C.Buch; 1 — 7. Lief. 1840—63. Imp. 2. Mittelalterliche 
Baudenkmale in Schwaben; Heft 1 — 7. 1856—67. gr. 2. Moller, 
penkmaler der deutschen Baukunst, fortges. v. Gladbach ; III. Th. 

2. Moller, Denkmaler der deutschen Baukunst; I. Theil. gr. 2. 
Moller, die Kirche der heil. Elisabeth zu Marburg, gr. 2. Moller, 
die Kirchen des heil. Georg zu Limburg u. des heil. Paulus zu 
Worms, gr. 2. Moller, der Miinster zu Freiburg i. Br. gr. 2. 
Kunst-Denkmaler in Deutschland; 1.— 6. Heft. 1844—45. 4. Die 
mitteialterl. Baudenkmaler Niedersachsens ; 1. — 15. Heft 1856—69. 
4. Cantian, ehernes Grabmal des Erzbischofs Ernst v. Magdeburg 
in d. Domkirche zu Magdeburg. 1822. qu. 2. Dobner, d. ehernen 
Denkmale Hennebergiscber Grafen von P. Vischer. 1840. 2. Roth- 
bart, das Luther- Zimmer auf der Veste Coburg. 1845. qu. 2. 
Schulcz, Denkmaler der Baukunst; I. Heft 1869. 2. Heideloff, 
architektonische Entwurfe; 1. u. 2. Heft. 1850. qu. 2. u. 8. Hei- 



deloff, die Bauhotte des Mittelalters in Deutschland. 1844. 4. Hei- 
deloff u. Wrankmore, Abbildung der kathol. Kirche zu Leipzig. 
1847. 8. Ghillany u. Heideloff, d. deutsche Adler u. die deutschen 
Farben. 4. Hensoldt, die neue Stadt-Pfarr-Kirche in Sonneberg. 
1845. 8. Hundeshagen, Kaiser Friedrich's I. Palast in der Burg 
zu Gelnhausen. 1832. 2. Ungewitter, Vorlegeb latter fur Ziegel- 
u. Steinarbeiten. gr. 2. Kallenbach, Atlas zur Geschichte d. deutsch- 
mittelalterlichen Baukunst. 1847. qu. 2. Ungewitter, Vorlegebiat- 
ter fur Holzarbeiten. gr. 2. Botticher, die Holzarchitectur des 
Mittelalters. 1837. 2. Grueber, vergleichende Sammlungen for 
christl.-mittelalterl. Baukunst; 2 Thle. 1839—41. 2. Grueber, die 
Kaiserburg zu Eger. 1864. 4. v. Hefner, Trachten des christlicben 
Mittelalters; 1. — 3. Abth. 4. Murphy, uber die Grundregeln der 
gothischen Bauart. 4. Heideloff, d. Kunst d. Mittelalters in Schwa- 
ben; 1.— 8. Lief. 1855—64. 4. Heideloff, Muster -Werke fur den 
Drechsler; I. Heft. 1851. 4. Heideloff, Muster- Werke fur den Hef- 
ner, Topfer etc.; 1. Heft 1851. 4. Heideloff, Muster -Werke for 
den Zimmermann; Heft 1. 2. 1851. 4. Kallenbach u. Schmidt, (L 
cbristliche Kirchen -Baukunst des Abendlandes. 1850. 4. M tiller, 
Beitrage zur teutschen Kunst- u. Geschichtskunde. 2 Aufl. 1837. 4. 
Mithoff, Kirchen u. Kapellen im Koni^r. Hannover; 1. Heft 1865. 
4. Roriczer, d. Biichlein von der Fialen GerechtigkeiL 1845. 4. 
Busching, das Schlos der deutschen Ritter zu Manenburg. 1823. 
4. Verhandlungen des Vereines f. Kunst u. Alterthum in Ulm; 

1. 2. Bericht. 1843—46. 4. Harrer, Chorgestuhl der Kathedrale 
zu Freising ; 1.— 3. Heft. 1847—48. kl. 4. Kallenbach, Album mit- 
teialterl. Kunst; 2. u. 3. Heft. 1847. qu. 4. Mittelalterliche Ver- 
zierungen Englands u. Frankreichs. 1842. qu. 4. Knight, uber d. 
Entwickelung der Architektur vom 10.— 14. Jahrh. ninter den Nor- 
mannen. 1841. 8. Kallenbach, chronolog. Formenfolge der altdeut- 
schen Baukunst. 1847. 8. Eberlein u. Grunewald, d. Werkzeichner. 
8. Bock, Rheinlands Baudenkmale des Mittelalters. 8. Mothes, 
Geschichte der Baukunst und Bildhauerei Venedigs ; 2 Bde. 1859 
u. 60. 8. Caveda, Geschichte der Baukunst in Spanien. 1858. 8. 
Kugler, Geschichte der Baukunst; Bnd. IV, 1. 2. 1867. 8. Peyer 
im Hof, die Renaissance -Architektur Italiens; I. Samml. 1870. 8. 
Krieg v. Hochfelden, Geschichte der Militar-Architektur in Deutsch- 
land. 1859. 8. Nohl, Tagebuch einer italienischen Reise. 1866. 8. 
Ansichten v. Spanien ; I— IV. 1835—38. 8. Busch, Vorschule der 
darstellenden Geometrie. 1846. 8. — Nurnberg. Engelhardt, 
Rechtsrath: Wir sind frey ! 1814. 8. Acht deutsche Lieder. 1841. 
8. — Strassburg. Societe pour la conservation des mo- 
numents historiques d'Alsace: Dies., bulletin ; II. ser., VIH 
tome, 2. livr. 1872. 8. — Tiibingen. Dr. A. v. Keller, Univers.- 
Professor: Verzeichnis der Vorlesungen etc. 1873. 4. — Veltshocfc- 
heim. Georg Karch, Pfarrer u. Dechant: Ders., d. Legende der 
heil. Bilhildis. 1870. 4. Ders., d. Rathselbilder an der Bronzethure 
zu Augsburg. 1870. 4. Ders., d. Portale der alten Sigismund-Ka- 
pelle zu Oberwittighausen. 1872. 4. — Venedig. Istituto Veneto 
di scienze, lettere ed arti: Dass., memorie etc, vol. XVII, 

2. 4. — Wien. Dr. Ernst Edler von Hartmann-Franzens- 
huld: Ders. , Sonnenblumen. 1868. 8. Dr. J oh. von Hoffin- 
ger: Ders., PrinzEugen, d. edle Ritter. 8. v. Helfert, der Wiener 
Congrefs. 8. v. Hoffinger, osterreich. Ehrenhalle ; (I.). 8. v. Hof- 
finger, d. fdrstl. u. grafl. Haus Dietrichstein. 1866. 8. v. Hoffin- 
ger, Dr. Joh. Nep. Ehrlich. 1866. 4. v. Hoffinger, zur Erinnerung 
an Wilh. R. v. Haidinger. 1873. 8. v. Hoffinger, von der Univer- 
sitat. 1869. 8. JacobKlier. 8. Sonderabdr. Dr. Franz Kursch- 
ner: Ders., Herzog Rudolph's IV. Schriftdenkmale. 4. Sonderabdr. 
— Winzingen (Pfalz). Ungenannter: Heideloff, die Ornamentik 
des Mittelalters; Bnd. 1 — 4. 4. Lange, der Rhein u. die Rhein- 
lande; 2 Bnde. 1845 u. 47. 8. — Zwickau. Ottomar Fiedler, 
Stadtrath: Ders., Geschichte d. deutsch. Feuerlosch- u. Rettungs- 
Anstalten. 1873. 8. 



HI. Fiir das Archiv. 

(Nr. 4316—4321.) 

Detmold. Hugo Freih. v. Donop, Flugeladjutant Sr.Dnrch* 
laucht , des Fursten v. Detmold : Verzeichnifs von Briefen, welcke 



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141 



Anzeiger ffir Kunde der deutechen Vorzeit. 



ui 



Ton Jorff Meminger, Pfleger zu Dobra, an Hans Wolfsperger, Pfle- 
ger zu Haohsperff, nnd an Wolf Temp auf Befehl Niklaus Rau- 
bera aus der Truhe zu Dobra herausgegeben worden sind. 1521. 
Urkundenb. Entscheid Kaiser Ferdinand's III. an Ernst, Grafen 
zu Ysenburff, und Friedrich Kasimir, Grafen zu Hanau, die Klagen 
der Untertnanen des Spielberger und Grunaaer Gerichts betr. 
1656. Pap.-Abschr. Brief Peter Philipps, Bischofs zu Bamberg und 
Wurrburg, und Christian Ernsts, Markgrafen zu Brandenburg, an 
Friedrich, Herzog zu Sachsen, die Angelegenheiten des Horzogs 



von Lothringen betr. 1676. Pap.-Orig. Etat der knrfurstlich sach- 
sischen Armee, wie selbige mense Junii 1786 effective besteht. 
Akten. — Franersheim (Rheinhessen) : WilhelmFlegler, Pfarr- 
vikar : Kaufbrief des Jocelinus de Urnavasio an Johannes, den Kir- 
chenvorstand zu Narres im Kant Wal lis, und dessen Erben, fiber 
drei Mahd Wiesen. 1347. Perg. von Gemming, Obrist: Regi- 
ster fiber den Verkauf der hinterlaasenen Habe der Frau Magda- 
lena, Hektor Pomer's ehelichen Hausfrau, von den Vormiindern 
zum Beaten der vier Pomer'schen Kinder veranstaltet. 1629. Akten* 



Chronik der hlstorischen Vereine. 



Heraldisch-genealogische Zeitschrift. Organ des 
heraldisch-genealogischen Vereines „Adler" in Wien. 
m. Jahrg. Nr. 4; Wien, April 1873. 4. 

Regesten, Grabschriften und Notizen zur Genealogie und Ge- 
schichte der Herren von Zelking, gesammelt von Friedrich Kern. 

— ForUetzungen. 

Der Kirchen-Schmuck. Blatter des christlichen 
Kunstvereins der DidzeseSeckau. 1873. IY. Jahrg. Nr. 5. 
Graz. 8. 

Planeta plicata. — Kirchenfenster. 

Mittheilungen der anthropologischenGesellschaft 
in Wien. IH. Band. Nr. 3 u. 4. Wien, 1873. 8. . 

Geologischer Bericht uber den Briixer Schadel und uber wei- 
tere Funde der Briixer Gegend. Vortrag von Dr. J. Woldftch. 

— Eine Opferstatte bei Raigern in Mahren. Yon Dr. Heinrich 
Wankel. 

Zeitschrift fur Ethnologie. Organ der Berliner Ge- 
lellschaft far Anthropologie, Ethnologie und Urge- 
schichte. Funfter Jahrg. 1873. — Heft I. Berlin. Verlag von 
Wiegandt u. Hempel. 8. 

Ueber niederlandische Alterthumer. Yon E. Friedel. (Mit 1 
Taf. Abb.) 

Geschichts-Blatter fur Stadt und Land Magde- 
burg. Mittheilungen des Vereins for Geschichte und Al- 
terthumskunde des Herzogthums und Erzstifts Mag- 
deburg. 8. Jahrg. 1873. 1. Heft Hrsg. von Dr. F. Geisheim. 
Magdeburg, 1873. Yerlag der Schafer'schen Buchhandlung (A. 
Rttdiger). 8. 

Die Entstehung der Stadt Burg. Von Pastor F. Winter. — 
Zur Frage fiber die Abkunft des Erzbischofs Dietrich von Magde- 
burg (1361 — 67). Von Dr. Ludw. Gotze. — Beitrage zur Ge- 
schichte des Altstadtischen Gymnasiums zu Magdeburg. Von Dr. 



Hohtein. — Die Willkfiren der Stadt Schdnebeck. Von Pastor 
F. Winter. — Die Franzosische und die Pfalzer-Colonie in Mag- 
deburg zu Anfang des 18. Jahrh. Von Dr. Gotze. — Zwei bis- 
her ungedruckte Handschriften zu der Geschichte der Neustadt bei 
Magdeburg etc. 

Organ fur christliche Kunst, hrsg. u. redigirt von J. 
van Endert in Coin. Organ des christlichen Kunstvereins 
fur Deutschland. Nr. 7 u. 8. — Koln, 1. u. 15. April 1873, 
XXHI. Jahrg. 4. 

Die heilige Familie. Von B. Eckl. — Fortsetzungen. 

Bulletin de la Societe pour la conservation des 
Monuments historiques d'Alsace. II© Serie. — T. VOL 
— 2« livraison. Strasbourg. 1872. gr. 8. 

La Chronique strasbourgeoise de Jean-Jacques Meyer, par M. 
Rodolphe Reuss. 

Vorgeschichtliche Steindenkmaler in Schleswig-Holstein. Zwei- 
tes Heft. Als XXXIII. Bericht der vormaligen Schleswig- 
Holstein-Lauenburgischen Gesellschaft fur dieSamm- 
lung und Erhaltung vaterlandischer Alterthumer. Mit 
3 lithogr. Tafeln und 3 Holzschnitten. Kiel, 1873. 4. 

Die Hauptversammlung des Hansischen Geschichts- 
vereins und des Harzvereins fur Geschichte und Alter- 
thumskunde zu Braunschweig findet am 3., 4. u. 5. Juni d. J. 
statt; (wenn unsere Leser dieses Blatt erhalten, wird freilich die Ver- 
sammlung sehr wahrscheinlich bereits der Vergangenheit ange- 
horen). Auf den 3. Juni ist gemeinschaftliche Sitzung beider Ver- 
eine angesetzt. In derselben halt Stadtarchivar Hanselmann einen 
Vortrag uber Braunschweigs Beziehungen zu den Harz- und See- 
gebieten und wird die Anlage eines Generalrepertoriums der ge- 
sammten Geschichtsliteratur des Harzes besprochen. In einer wei- 
tern Sitzung vom 4. Juni bringt Prof. Constantin Uhde einen Vor- 
trag uber die Geschichte des Profanbaus in Braunschweig. 



Nachrlchten. 



Literatnr. 

Neu erachienene Wetkt, 
14) Handbuch der historischen Chronologie des deut- 
schen Mittelalters und der Neuzeit von Dr. H. Grot ef end. 



Hannover, Hahn'sche Hofbuchhandlung. 1872. IV und 
200 Stn. gr. 8. 

Seit Mabillon, welcher die Vorbedingungen des Urkundenstu- 
diums nach alien Seiten hin feststellte, sind insbesondere auch auf 



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143 



Anzeiger far Kunde der deutschen Vorzeit. 



144 



dem Gebiete der geschichtlichen Zeitrechnung eine Reihe von 
Werken veroffentiicht worden. Obschon jener grofse Forscher in 
dem zweiten Buche seines berdhmten Werkes „De re diplomatics", 
den nachsten praktiscben Zweck im Auge behaltend, seine Unter- 
suchungen auf die beiden ersten frankiscben Monarcbieen und den 
Anfang des kapetingiscben Konigshauses beschrankte, so sab er 
sicb dennocb genothigt, dieselben auf wissenschaftliche Thatsacben 
der matheniatiscben Cbronologie zurflckzufabren. Nur so war es 
moglich, die verschiedenen Zeitrechnungen , welcbe sicb wabrend 
der genannten Epoche nnausgesetzt durchkreuzten, unter sicb aus- 
zugleichen und in gegenseitige Uebereinstimmung zu bringen. 

Die spateren Bearbeiter des Facbes mufsten notbwendig auf 
dem vorgezeicbneten Wege beharren und dabin trachten die all- 
gemeinen Gesetze auf die Cbronologie einzelner Zeitraume und 
Lander in praktiscber Weise anzuwenden. In Frankreicb dehnten 
die fleifsigen Benediktiner , den Spuren ihres Meistera folgend, 
ihre Forscbungen und Sammlungen weiter aus und bereiteten so 
das grofse Werk vor, welches unter dem Titel : L'art de verifier 
les dates des faits bistoriques etc. scbon in der Mitte des vorigen 
Jabrbunderts zum ersten Male erschien , aber erst in der vierten 
Ausgabe, zu Anfang des gegenwartigen, zum Abschlusse gelangte. 

Die deutschen Forscher giengen zunachst darauf aus, je nach 
ihrem Standpunkte, einzelne Zweige des reichen Materials fur den 
Gebrauch zuganglich zu macben. Zunachst erlauterte der um die 
Aufhellung des deutschen Alterthums bochverdiente Haltaus in 
seinem Calendarium medii aevi praecipue germanicum die Gescbichte 
des Jahres, der Monate und ihrer einzelnen Tage in vortrefflicher 
Weise. Er wufste zugleich sein kleines, aber inhaltreiches Buch 
durch die Verflechtung zahlreicher Notizen aus dem kirchlichen 
und biirgerlichen Leben des Volkes eben so anziehend als lehr- 
reich zu machen. Nach ihm bearbeiteten Rabe, Bellandi und Hell 
chronologische Hulfsmittel, die auf langere oder kiirzere Zeit in 
Gebrauch blieben; Gatterer schrieb einen Abrifs der Chronologie, 
Heinrich Waser ein sehr griindlich angelegtes, aber unbequem ein- 
gerichtetes „hi8toriscb-diplomati8ches Jabrzeitbuch". Erst demver- 
dienstvollen Anton Pi I gram indessen gelang es, in seinem Calen- 
darium chronologicum medii potissimum aevi monumentis acco- 
modatum ein Buch zu liefern, in welchem die wissenschaftlichen 
und praktischen Anforderungen in eine fafsliche Verbindung ge- 
bracht waren. Indem er die damals bekannten wissenschaftlichen 
Ergebnisse und insbesondere das in der Art de verifier les dates 
und bei Haltaus gesammelte Material sorgfaltig benutzte , wufste 
er neben genugender Vollstandigkeit zugleich eine verhaltnifs- 
mafaige Begrenzung der einzelnen Theile zu erreichen, wie sie 
kaum in irgend einem Werke vor ihm zu finden war. 

Pilgram's Buch war fur seine Zeit das chronologische Haupt- 
werk, das in alle Archive Eingang fand, und ist, seiner ganzen 
Anlage nach, noch bis jetzt ein hochst braucbbares Hulfsmittel 
geblieben, obgleich genauere Forschung und Erfahrung Berichti- 
gungen und Erganzungen nothwendig gemacbt haben. Helwig, 
obschon er sicb unabhangig von ihm zu stellen suchte, konnte ihn 
gleichwobl nicht erreichen; die ubrigen Bearbeiter der auf das 
deutsche Mittelalter angewendeten Zeitrechnung aber von Zinker- 
nagel bis auf Weidenbacb haben ihn mehr oder weniger zu ihrem 
Vorbilde genommen. Mittlerweile ist der chronologische Stoff 
durch grundliche Forscbungen fiber einzelne Lander und Volker 
in hohem Grade angewacbsen; wir besitzen aufserdem neben 



Brinkmeier's „praktischem Handbucb der historischen Chronologie 
aller Zeiten und Volker" in der neuesten Ausgabe der w Art de 
verifier les dates", in Ideler's „Handbuch der mathematiecben and 
technischen Chronologie", sowie in Matzka's „ Chronologie in ihrem 
ganzen Umfange" allgemein wissenschaftliche Werke des gediegen- 
sten Inhalts, welcbe dem Forscher fiir einzelne Falle stets eut 
Aushulfe und Belehrung dienen konnen. 

Wenn nun nach so vielfacher Behandlung des Gegenstandei 
und bei reichlich angewachsenem Stoffe ein neues Handbuch der 
Cbronologie fur unmittelbar praktiscbe Zwecke hervortritt, so tind 
ihm die Grundlinien seines Verfahrens ziemlich bestimmt vorge- 
zeichnet. Es darf sich nicht mehr mit weitlaufigen Erorterungen 
und Untersuchungen befassen. Die allgemeinen Grundfonnen 
miissen als feststehende Thatsacben behandelt, die Regeln ihrer 
Anwendung aber zu durchsichtigem Verstandnifs gebracht sein, 
Ueberall ist moglichste Kurze mit Genauigkeit und Scharfe der 
Begriffe und Bestimmungen festzuhalten. Wir haben anzuerken- 
ncn, dafs der Verfasser des vorliegenden Baches sich dieser Auf- 
gabe vollkommen bewufat gewesen ist. f 

Sein Inhalt zerfallt zunachst in die Berechnungen des alten 
und in diejenigen des neuen Stils. In dem ersteren Theile wer- 
den der Reihe nach behandelt: das julianische Jahr, Ostercychw, 
Sonnencyclus und Sonntagsbuchstabe , Mondcyclus und goldene 
Zahl, Ostern, Epakten, claves terminorum u. s. w., Indiction, die 
wichtigsten Aeren, Jahresanfang, Tagesbezeichnung und Tagesein- 
theilung, und zwar die letzteren Abschnitte in sehr einlafslicher 
und erschopfender Weise. Die auf den neuen Stil bezaglichen 
Unterabtheilungen sind: Vorgeschichte, Reform der Nacbtgleichen 
und Ausschaltung , Reform der Mondberechnungen und Epakten, 
Einfuhrung des gregorianischen Kalenders und Revolutionskalen- 
der. Daran reihen sich auf eilf Tafeln die sorgfaltig und zweck- 
mafsig ausgearbeiteten Berechnungen iiber die wichtigsten der 
in den vorausgegangenen Abschnitten behandelten Zeiteintbeilan- 
gen, beginnend mit den Sonntagsbuchstabon alten Stils u. s. w. 
Zwei nachfolgende Tafeln enthalten die Regierungsjahre der Kai- 
ser und Papste. Es folgen sodann ein lateinisches und ein deut- 
sches Glossar, ein Heiligenverzeichnifs, ein Verzeichnifs von Bis- 
thumern, eine Uebersicht der beweglichen Feste, die Osterfeste 
von 500 bis 2000 und der romische Kalender. 

Wenn wir nun die in Behandlung des allgemeinen Thciles 
beobachtete Sparsamkeit vollkommen billigen, wenn wir nament- 
lich die ebenmafsige Verhaltnirsmafsigkeit der einzelnen Gliede- 
rungen als besonders gelungen hervorzuheben haben, so moge 
an diesem Orte die Bemerkung gestattet sein, dafs wir nur in 
den beiden Glossarien hie und da die wfinschenswerthe Bestimmt- 
heit und auch diejenige Ausfuhrlichkeit vermifst haben, die ohne 
ungebahrliche Anschwellung des Materials nach unserer Meinung 
immerhin stattfinden konnte. 

Das Buch des Herrn Verfassers hat bereits den Weg in viele 
Hande gefunden und wird sich noch weiterer Verbreitung zu er- 
freuen haben. Die ubersichtliche Anlage des Ganzen, die treffliche 
Behandlung einzelner Abschnitte, die Leichtigkeit der Zurechtfin- 
dung und selbst die Bequemlichkeit des gewahlten Formates las- 
sen dieses erwarten. A. F. 

15) Der Todtentanz in der Marienkapelle zuLubeck. 
Nach einer Zeichnung von C. J. Milde, mit erlautemdem 



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Anzeiger for Kunde der deutechen Vorzeit. 



146 



Text yon Prof. W. Mantels. Lubeck. 1866. H. G.Raht- 
gens. qu. 2. 

Der „Anzeiger" pflegt, entsprechend eeiner Bestimmung, nor 
die neuesten Erscheinungen der deutsch-historischen Literatar zur 
Besprechung zu bringen, und die Redaktion ware froh genug, 
wenn sie nor fur die werthvollsten dieser Erscheinungen immer 
Besprecher fande. Urn so mehr bedarf sie der Entschuidigung, 
wenn sie diesmal eine aus dem Jahre 1866 datierende Schrifb jetzt 
noch zur Anzeige gelangen lafst 

Zwei Grande sind es, die zu dieser Aasnahme uns veranlafs- 
ten. Der eine, dafs die Milde-Mantels'sche Schrifb, bei unverkenn- 
barem Werthe, offentliche Beachtung kaum gefanden hat, und der 
andere, dafs dieselbe durch eine Gegenschrift : „Der Liibecker Todten- 
tanz. Ein Versuch zur Hers tell ung des alten niederdeutschen Tex- 
tes yon Dr. Herm. Baethcke. Berlin, Calvary 1873." neue Bedeu- 
tung erlangt hat Die letztgenannte Schrifb steht uns leider nicht 
zur Verfugung, und wir mussen uns daher beim Besprechen des 
Milde'schen Todtentanzes, auf einfache Berichterstattung uns be- 
schrankend, der Fuhrung des Hrn. Prof. Mantels, insbesondere 
seiner Ausfuhrung in den Gott gel. Anz. vom 7. Mai d. J., fiber- 
lassen. 

Was die allgemeine Bedeutung des Todtentanzes betrifll, so 
genugt eine Hinweisung auf die Schriften von Lubke, Mafsmann 
und Wackernagel. Der Liibecker Todtentanz stammt einer unver- 
burgten (obwohl nicht unglaubbaften) Tradition zufolge aus dem 
Jahre 1463. Das Kostum deutet eher auf altere als auf jungere 
Zeit. Nach verschiedenen Restaurationen , die das Bild erfah- 
ren, wurde es 1701 von einem Maler Wortmann auf Leinwand 
fibertragen, und dieses Gemalde ist das noch jetzt existierende. 
Was aus dem fruhern geworden, ist unbekannt. Wenn Hr. Pro- 
fessor Mantels glaubt, dieses sei kein Mauer-, sondern ein Holz- 
tafelgemalde gewesen, so konnen wir seiner Ansicht nicht beistim- 
men, um so weniger, als die beigebrachten Beweise doch kaum 
in'8 Gewicht fallen. 

Zur altera Geschichte des Gemaldes dienen als Hauptquelle 
von Melle's „Grondliche Nachrichten von Lubeck" (1713). Dieser 
theilt auch die ursprunglich unter den Figuren angebracht gewe- 
senen niederdeutschen Verse mit, wahrend die je trig en hochdeutsch 
sind. Um die Herstellung des richtigen Textes nun handelt sich 
der Streit, der sich zwischen Mantels und Baethcke entsponnen 
hat. Doch ist nicht vom Wortlaut die Rede, sondern nur von 
der Strophenfolge. Wir diirfen uns fiber diesen Punkt ein Urtheil 
nicht erlauben, da das ndthige Material uns nicht vorliegt, und 
enthalten uns um so lieber eines solchen, als Prof. Mantels Aus- 
sicht gegeben hat, zur Aufklarung uber die Geschichte des Lii- 
becker Todtentanzes und zur Rich tigs tell ung des urspronghchen 
Textes zu demselben far unsere Zeitschrift nachstens neue Bei- 
trage zu liefern. H. 

16) Frankfurts Reichscorrespondenz nebst anderen ver- 
verwandten Aktenstucken von 1376—1519. Herausgegeben 
von Dr. Johannes Jan as en, Professor der Geschichte 
zu Frankfurt am Main. Zweiter Band. Aus der Zeit Kai- 
ser Friedrich'8 III. bis zum Tode Kaiser Maximilian's I. 
1440—1519. Erste Abtheilung. Aus der Zeit Kaiser Fried- 
rich's III. bis zur Waal Kdnig Maximilian's I. 1440—1486. 
Freiburg im Breisgau. Herder'sche Verlagshandlung. 1866. 



XL. 446 Stn. Zweite Abtheilung. Aus der Zeit Kaiser 
Maximilian's I. 1486—1519. Freiburg u. s. w. 1872. Seite 
447 bis 1002. 

Auf die Wichtigkeit des vorliegenden Werkes ist in unserem 
Blatte schon bei der Anzeige des im Jahre 1863 erschienenen 
ersten Bandes, der die Zeit Konig Wenzel's bis zum Tode Konig 
Albrecht's II., 1376—1439, behandelt, genOgend hingewiesen wor- 
den (Anzeiger far Kunde der deutschen Vorzeit X, 1863, S. 273— 
74). Indem wir genau an das dort abgegebene Urtheil anknupfen, 
erubrigt uns nur, unsern Lesern den in dem zweiten Bande hinzu- 
gekommenen Stoff in einem, nach der Zeitfolge geordneten Ueber- 
blicke vorzufiihren. Sie mogen daraus ermessen, welcher Reich- 
thum von geschichtlichen Thatsachen ihnen durch das ganzeWerk 
uberhaupt dargeboten ist. 

Der zweite Band beginnt mit verschiedenen Aktenstucken, 
welche sich auf die Wahl Kaiser Fried rich's III. im Jahre 1440 
und seine spatere Anwesenheit in Frankfurt beziehen. Unter den- 
selben sind die „ausfuhrliche Archivnote uber die Wahl Konig 
FriedricVs III. und die derselben vorausgegangenen Yerhandlun- 
gen des Raths zu Frankfurt mit den Kurfflrsten, insbesondere dem 
Burggrafen Heinrich von Plauen als Abgeordneten Bohmens betr.," 
sowie die „polizeilichen Verordnungen und Sicherheitsmafsregeln 
des Raths zu Frankfurt bei der Ankunft des Konigs Friedrich 
und der Farsten u. s. w. a besonders anziehend. Ein andererKreis 
von Briefen dreht sich um die Kronung zu Aachen. Aehnliche 
Mittheilungen erfolgen Qber den Tag zu Nurnberg im Jahre 1444. 
Ganz besonders reichhaltig und belehrend aber ist der Briefwech- 
sel, welcher sich entspann, als im Jahre 1461 das Streben Georg 
Podiebrad's vonBohmen nach der deutsch - romischen Kaiserkrone 
deutlich hervorgetreten war. Er nimmt seinen Anfang mit dem 
Schreiben Dietrich's von Mainz, Friedrich's von der Pfalz und Fried- 
rich's von Brandenburg an Friedrich III., worin sich diese Farsten 
offen und riicksichtslos iiber die erbarmliche Lage des Reichs und 
die Fahrlassigkeit des Kaisers beklagen. Als wichtige Zwischen- 
ereignisse spielen einestheils die Verwickelungen , welche die Ent- 
setzung Dietrich's von Mainz herbeifahrten, anderntheils die Reichs- 
fehde wider Ludwig von Bayern. Die Verhandlungen uber die 
letztere, an welcher namentlich der Markgraf Albrecht Achilles 
von Brandenburg eifrig schiirte, gehen noch in die folgenden Jahre 
hinuber. Es ist das Bedeutsame dieser Zeit, und zeugt nament- 
lich von der grofsen politischen Bedeutung der Stadte, dafs ihre 
Schreiben, Bittgesuche und Erlasse sich nicht bios auf die beson- 
deren ortlichen Angelegenheiten beschranken, sondern auf die 
grofsen Weltbegebenheiten und alle wichtige Ereignisse des Vater- 
landes Bezug nehmen. Auf solche Weise erhalten uns die stadti- 
schen Urkunden in lebendiger Verbindung mit den Vorkommnissen 
der ganzen Zeit, und die erste Abtheilung des zweiten Bandes 
schliefet mit der Erwahlung Maximilian's I. zum romischen Kdnige 
im Jahre 1486, uber welche ein ausfdhrlicher Bericht Johannes 
Kremer's, Dieners des Stadtschreibers von Frankfurt, mitgetheilt 
wird. 

Die zweite Abtheilung des zweiten Bandes zerfallt in zwei 
grofse Zeitabschnitte : die Regierungszeit Kaiser Friedrich's III. 
eeit der Konigswahl Maximilian's I., von 1486 bis 1493, und die 
Regierungszeit Maximilian's I., von 1493 bis 1519. Die Lage Fried- 
rich's III. war eine hochst schwierige geworden. Aus seiner eige- 



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Anzeiger for Kunde der deutschen Yorzeit. 



141 



nen Hauptetadt Wien vertrieben, suchte er die Hulfe der Reichs- 
stande gegen den ungarischen K5nig Mathias Hunyadi zu gewin- 
nen, und die deshalb auf dem Reichstage zu Nurnberg im Jahre 
1487 gepflogenen Unterhandlungen werden ausfuhrlich mitgetheilt 
Neue Schwierigkeiten kamen hinzu, ah urn dieselbe Zeit Maximi- 
lian in den Niederlanden gefangen gehalten wurde. Auch dieses 
Ereignifs, obschon es nur mittelbar in die deutschen Angelegenhei- 
ten eingriff, tritt in den stadtischen Aufzeichnungen zu Tage. 
Beide Angelegenheiten gehen sodann in die Streitigkeiten mit K6- 
nig Wladislaw von Ungarn und Karl VIII. von Frankreich iiber. 
Auffallend ist, dafs der so vielfach wichtige Schwabenkrieg in ei- 
nigen wenigen Urkunden nur beilaufig beriihrt wird und ei- 
nen Nachklang bios noch in den Verhandlungen auf dem Reichs- 
tage zu Augsburg iiber das Verhaltnifs der Stadt Constanz zu den 
Eidgenossen findet. Besonders zahlreich werden in den folgenden 
Jahren die kaiserlichen Erlasse, welche sich auf die Hulfe wider 
die Turken und die Romfahrt beziehen. Hdchst ernnderisch ist 
der Kaiser in dem Bestreben, die deutschen Reichsstande in die 
uberall von ihm angezettelten Handel zu verwickeln, und charak- 
teristisch in dieser Hinsicht besonders ein 8chreiben aus Augsburg 
vom 6. Marz 1510. Die durch die vielseitigste Mannigfaltigkeit 
feeselnden Mittheilungen werden bis zu dem Tode Maximilian's I. 
fortgefuhrt, und das lezte Aktenstuck ist die Verkundigung des 
Todes des Kaisers durch den Rath von Frankfurt und in Folge 
dessen das Verbot aller Fastnachtsbelustigungen vom 6. Februar 
1519. 

Wie in dem ersten Bande sind die Aktenstucke theils nach 
ihrem vollstandigen Text©, theils in AuszOgen mitgetheilt Ueber- 
all werden die Fundorte angegeben, und zugleich, wo eine Veroffent- 
lichung stattgefunden hat, die Erlauterungen fiber die Art und 
Weise derselben hinzugefflgt. A. F. 



Aufa&tse in Zeiischriften. 
Das A u si and: Nr. 19. Entstehung mythischer Personen aus dem 

Ei in estnischen und finnischen Marchen. (Dr. M. Weske.) 
Mainzer Journal: Nr. 101, Beil. Antiquitatenfunde (in Mainz). 
Kor respondent v. u. f. D. : Nr. 213. Vom romischen Leichen- 

felde. 
Die Grenzboten: Nr. 17. Die Verdeutschung der Ortsnamen in 

Westpreufsen und Posen. (Edw. 'Kattner.) 
Nornberger Presse: Nr. 126. Das Osterfest und die Verbren- 

nung der Juden. (Beitrag zur german. Mythologie, von Karl 

Blind.) 
Wochenblatt d. Joh.-Ord.-Balley Brdbg.: Nr.13. Der Hol- 

bicksche Tanz und die Priesterehe. — Nr. 19. Regiment Prinz 

Ferdinand. 1740 — 1806. — Der Pfingsttag zu Nienburg. — 

Nr. 20. Beitrage zur Geschichte der Kreuzzuge aus orientali- 

schen Historikern. Von Prof. Dr. Petermann. 
Zeitschr. fur bild. Kunst: Heft 7, S. 193. Frans Hals-Galle- 

rie von W. Unger und C. Vosmaer. 
Illustr. Zeitung: Nr. 1558. Schlofs Auerbach (an der Berg- 

strafse). 
Wiener Zeitung: April. (1. Halfte.) Meistersinger in Oester- 

reich. Von Dr. K. J. Schroer. (Abgedruckt auch in der Neu- 

titscheiner „Biene", Nr. 12.) 



Yermischte Nachrichten. 

83) Neue Funde rdmischer Munzen im Osnabrflck'- 
schen. Im Augusthefte des Anzeigers vom Jahre 1868 habe icb 
versucht, die Romerspuren im Osnabruck'schen zu verfolgen, und 
dabei hervorgehoben, dafs wol nirgends romische Munzen, welche 
das Zeitalter des Augustus nicht iiberschreiten, in solcher AnztM 
gefunden worden sind und noch immer gefunden werden, all im 
Amte Vorden in der Nahe des Gutes Barenau. Neuerdings ist 
dort wieder eine romische Silbermunze, Denar, gefunden worden. 
Avers : Jugendlicher behelmter Kopf. Marcus POPLICIus LEGatur 
PROPRaetore — Revers : Ein Krieger, auf dem Vordertheil einei 
Schiffes stehend, empfangt von einer weiblichen Figur mit zwei 
Lanzen einen Palmzweig. CNejus MAGNUS IMPerator. ^Der De- 
nar ist dem Cnejus Pom pejus zuzuschreiben und stellt denselben 
dar, wie er nach der Schlacht bei Thapsus in 6panien an's Land 
steigt und von der Schutzgottin des Landes, Hispania, empfangen 
wird, welche ihm einen Palmzweig darreicht. Diese Mflnze ist in 
die Munz8ammlung des Rathsgymnasiums zu Osnabruck uberge- 
gangen. 

Durchblattert man nun die ganze reichhaltige Literatur fiber 
die vermuthlichen Zoge und Schlachtfelder des Varus und Ger- 
manicus, so mufs auffallen, dafs den scharfsinnigsten Combinationen 
nirgends ein namenswerther Fund von romischen Munzen zur 
Hulfe kommt. Clostermeier in seinem Werke : Wo Hermann den 
Varus schlug, kann nur zwei romische Munzen, eine silberne 
und eine kupferne, die in der Nahe des Winfeldes gefunden wor- 
den sind, und welche er selbst gesehen hat, namhaft machen. 
Auch die verschiedenfach versuchten Localisierungen des Schlacht- 
feldes Idisiavisus sind durch keine irgendwie nennenswerthen Funde 
weder ober- noch unterhalb der Weserscharte unterstotzt worden. 
Um so auffallender mufs es sein, dafs gerade da, wo man kein 
Schlachtfeld sucht, eine solche Masse von RomermQnzen, welche 
auf die Zeit der romischen Feldzuge unter Augustus hinweisen, 
— schon zu J. Moser's Zeiten wurden 130 solcher, die in der 
Nahe von Barenau gefunden worden waren, hier aufbewahrt — 
aufgehoben worden ist und immer noch aufgehoben wird. Wenn 
es mir nun auch nicht einfallt, zu den vie 1 en Hypothesen uber die 
Lage der Schlachtfelder und die Richtung der Romerzuge eine 
neue hinzuzufugen, so mochte ich dennoch immer wieder daranf 
hinweisen, dafs die Ansicht, welche auch Dr. Bomers : Campus Idi- 
siavisus vertritt, Germanicus habe auf seinem Zuge nach der We- 
ser den siidlichen Theil des Fflrstenthums Osnabruck beruhrt, 
sehr viel fur sich hat. Bomers lafst Germanicus bei Lingen eine 
Briicke iiber die Ems schlagen, um auf das rechte Ufer uberzn- 
setzen, dann auf die Hase zu marschieren, am linken Ufer dersel- 
ben zwischen dem Grofsen Moor (Ealkrieser und Venner Moor, 
woran Barenau liegt) und den Osnabriick'schen Waldungen hin- 
durch an die Hunte gelangen, letztere bei Bohmte uberschreiten 
und dann den Weg iiber Liibbecke, immer den Westsuntel zur 
Rechten, nach der Weser ziehen und ihn so den Eintritt in die 
aus friiheren Erfahrungen gefiirchteten waldigen Berge vermeiden. 
Allerdings wird von anderer Seite, von J. G. Kohl und H. Gntbe, 
die neuentdeckten pontes longi in der Tinner Dose im Amte 
Hiimmling, Lathen gegeniiber, als Fortsetzung der pontes longi 
zwischen Valte und Terapel, und dfc, welche das Moor nordlich 
vom Diimmer durchlangen, zu Hulfe nehmend, der Weg des Ger- 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit 



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manicus durch den Hummling fiber Cloppenburg, durch die Gar- 
ther Heide nacb Bubren and von da auf dem alten Folkwege nacb 
der Weaer gesucht, eine Abzweigung aber dennocb fiber Vechte 
in die pontes longi nordlich vom Dfimmer angenommen, wo denn 
dieser Weg auf den von Bomers angegebenen, fiber Liibbecke 
fohrenden einmfindet. Nebenbei mufs auch die Bedeutung der 
Namen Damme and Vorden, welcbe Ortschaften zwischen diesen 
Linien liegen, in's Gewicht fallen. Hertzberg: FeldzOge der R6- 
mer in Deatschland, gebraucht wiederholt den Ausdruck Damm- 
cbaassee, wenn er von den Knuppeldammen und Aufschuttungen 
des Domitius spricht, and Vorden sind nach J. Moser Wege, die 
zuerst mitHolz belegt gewesen. Jedenfalls gewinnt darcb 
die bedeutenden Fande romischer Mttnzen, welcbe im Amte Vorden 
an der Sudseite des Grofeen Moores gemacbt worden sind, die 
Amicht, dafs das Scblacbtfeld Idisiavisus unterbalb der Weser- 
schanze zu sachen sei, an Boden. 

Eine andere roraische Munze, eine Goldmunze des Kaisers 
Theodosius I., von Coben mit Nr. 19 bezeichnet, ist im vorigen 
Jabr in der Nahe von Wittlage an der alten Heerstrasse, welcbe 
von Osnabruck nacb Minden fuhrt, gefunden worden. Da sie aber 
fur die oben verfolgten Zwecke keinen Anhaltspunkt gibt, so ist 
der Fundort von keiner Wicbtigkeit 

Lintorf. Dr. Hermann Hartmann. 

34) Im vergangenen Jabre sind im Hannover'scben ver- 

schiedene werthvolle Funde von Alterthflmern gemacbt, 

welcbe fast ausnabmslos dem Provinzial - Museum uberwiesen wur- 

den. Den bedeutensten Fund ergab der von Dr. Hoffmann in 

Celle ausgebeutete Fried h of bei Darzau an der Elbe, Amts Dan- 

nenberg. Von den zablreicben Urnen, zum Tbeil von glanzend 

8cbwarzem Thon mit Maander-Ornament, welches damit in hiesiger 

Provinz zum ersten Male vorgekommen, wurden etwa 60 Stuck 

erbalten. Anfserdem sind verschiedene Bronzespangen, zum Tbeil 

mit Silber, ferner Silberspangen , Emailspangen und Eisenspan- 

gen, ein Berloque von Silber, ein dergl. mit Filigran von Gold, 

Armband er von Silber, von Silberdrabt und von Bronze und son- 

stige kleinere Scbmucksacben und G era the vorgefunden worden. Der 

Fund umfafst gegen 1180 Gegenstande, welche dadurch meist be- 

merklicb sind, dafs sie in Technik und Ornament entschieden ro- 

mischen Einflufs nachweisen. Ferner sind aufgefunden in der 

Nahe von Terheide bei Esens zwei kleine Gefafse von Gold und 

zwei Urnen; in der Nahe von Quekborn bei Ottersberg Theile 

eines Giirtelbescblages von Bronze und ein Bronzemcsser von sel- 

tener Form.; in der Nahe von Leer ein rdmischer Feldkessel von 

Bronze, der aber beim Herausheben zerbrochen ist; in der Nahe 

von Wnstrow bei Rebenstorff zahlreiche Urnen und Kleiderhaf- 

ten von Bronze und Silber; am Gallberge bei Hildesheim eine 

BronzemOnze, die Faustina junior; in einem Grabhiigel bei Bre- 

sel e n z , Amts Dannenberg, ein Sporn von Bronze mit sehr kurzem 

Stachel und in Barnstorf bei Diepholz mehrere Miinzen aus dem 

Mittelalter, welche in den Besitz verschiedener Privatpersonen aber- 

gegangen sind. 

Osnabruck. Pastor J. Lodtmann. 

35) Vom 15. bis 20. April fanden im kleinen Brauns-Hain 
bei Hobenkirchen, unweit Polzig im Altenburgischen , grofsere 
Ausgrabungen von Hiinengrabern statt Dieselb en wurden 
im Auftrag des preufsiscben Ministeriums durch den Professor 



Dr. Klopfleisch in Jena ausgefuhrt. Der Cantor Hugo Tharmann 
in Hobenkirchen hatte dieselben, 16 an der Zahl, entdeckt, und 
nachdem er an umwohnende Alterthumsforscher in Gera und 
Altenburg kleinere Versucbsstationen zur Erdfinung abgegeben 
und sicb ein vollstnndigeres Urtheil fiber die Wichtigkeit des 
Fundes verschafft, dem Ministerium Anzeige von diesem Funde auf 
preufsischem Gebiete gemacbt. Zunachst wurden passende Hll- 
gel ausgewahlt und dieselben in Kreisform ausgearbeitet. Es 
wurde ein 4' breiter Graben unweit der Peripherie eingeschlagen. 
Bei 2' Tiefe trafen die Arbeiter auf eine dicke Kohlenschicht, 
Asche und gebrannten Lehm, so dafs die Verbrennung von Holz 
constatiert wurde. Bald kamen Steinmeifeel zum Vorschein. Die- 
selben sind flachbehauen, wie Holzkeile aussebend, aus GrOnstein, 
resp. Serpentin, manchmal sogar aus Achat oder Feuerstein bear- 
beitet. Es fanden sicb 10 Stuck vor. Aufser diesen Steinmeifseln 
fand man Meeser aus Feuerstein. Es mogen gegen 30 Stuck ge- 
funden sein. Ferner fanden sicb Reibsteine vor. Dieselben glei- 
chen einem Backstein, sind aus buntem Sandstein und haben auf 
der einen Seite eine muldenformige Vertiefung. Es fanden sich 
ca. 5 — 6 Stock vor. Das Hauptinteresse boten die Urnen dar. 
Dieselben waren nicht durch Steine geschotzt, sondern lagen von 
der Erde umachlossen, zum Theil arg zerdriickt. Sie waren oval, 
mit Henkeln und zum Thcil mit 4 Fflfsen versehen. Die Verzie- 
rungen waren wie mit einem Radchen mit 2 DrOckern gemacbt 
und glichen dem Eindruck eines Bindfadens. — Die Fom der 
Urnen ist sehr verschieden. Einige sehen wie eine Schussel, an- 
dere wie ein Bierseidel, andere wie ein Vase aus. 8ie waren roh 
gearbeitet, scbwach gebrannt und bestanden aus Cementthon und 
sandigem Lehm. (Sachs. Prov.-Ztg., N. 95.) 

86) Wahrend (so schreibt man aus Regensburg unterm 8. 
Mai) beim Eisenbabnbau fortwahrend Urnen, Lampchen etc. auf 
dem romiscben Leichenfelde ausgegraben werden, hat man vor 
einigen Tagen bei Gelegenbeit der Legung des Fundamentes zur 
8fldlichen Mauer des Karmeliterbrauhauses, welches nach dieser 
Seite hin erweitert wird, die Unterbauten des ostlichen Thores 
der alten Rdmerstadt, der Porta orientalis, in ihren m&chtigen 
Quadern blofsgelegt. Auch fand man die das Castrum umgebende 
Mauer und die mit Mortelubergufs bedeckte Romerstrafse. Lei- 
der kann diesen Nachgrabungen nicht weiter Folge gegeben wer- 
den. (Augsb. Postztg., N. 111.) 

37) In den jungsten Tagen (Ausgang Aprils) erlebten die 
Altertbum8frennde Regensburgs eine besondere Freude, da, 
wie fruher Stucke der alten Romermauer, so diesmal der Grund- 
bau des ostlichen Thores der urbs quadrata zum Vorschein kam. 
Die machtigen Quader liegen so dicht gefiigt nebcn und auf ein- 
ander, dafs sie aller Wahrscheinlichkeit nach trotz des Wechsels^ 
der neben und auf ihnen im Laufe vieler Jahrhunderte vor sicb 
gegangen ist, nie aus ihrer ursprunglichen Lage geriickt worden 
sind. Der Fundort liegt namlich ganz in der Nahe des Platzes^ 
wo das ehemalige St. Klarakloster mit der im Jahre 1809 bei der 
Be8chiefsung der Stadt zu Grunde gegangenen Kircbe, die ohne 
Zweifel auch einen Theil ihrer Fundamente auf die Romermauer 
aufgebaut hatte, stand. Das Grundstuck, auf welchem sich die 
jetzt in ihrem Unterbau blofsgelegte porta principalis befindet, ge- 
hort zu dem jetzigen Karmeliterbrauhaus. 

(Korr. v. u. f. D., Nr. 232.) 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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38) Am 18. April wurde auf dem. romischen Leichenfelde ne- 
ben der Herbst'schen Ziegelei (Reg ens burg) ein Steinsarg aus- 
gegraben, der auf ein christliches Begrabnifs, wio es zur 
Zeit Constantino des Grofsen und seiner Sonne im Gebrauche 
war, hindeutet. Ein Kreuz mit der Fahne ist auf demselben an- 
gebracht anstatt des heidnischen D. M. (diis manibus). Das Denk- 
mal enthalt folgende, gut lesbare Inschrift: C. L. RETICVS. VET. 
EX. LEG. III. ITAL. AVR. LVCINAE. QVONDAM. CONIVGL 
CARI8SIMAE. VIXIT. AN. XXXV. ET VRSTONI. FILIO. VIX. 
AN. Xn. ET. REGVLAE. FILIAE. VIX. AN. V. ET. LVCIAE. 
FILIAE. F. VIX. AN. HI. C. (Augsb. Postz., Nr. 99.) 

39) Eine 150 Meter lange und l x /i Meter breite Pfahlbriicke 
ist von einem Colonisten zu Wrisxnerhamrich, Amts Aurich, 
beim Torfgraben gefunden worden. Die Beilhiebe an den Pfahlen 
aind noch sichtbar. Fur das hohe Alter der Briicke zeugt, dafs 



sich dieselbe unter einer etwa sechs Fufs machtigen Torflage 
fand. (111. Ztg., Nr. 1558.) 

40) Im Arbogawald in Westermannland (Schweden) hat 
man einen alten Grenzstein mit einer in Runenzeichen 
eingehauenen Inschrift gefunden. Da dieselbe ein Spruch «u 
Gu8tav Wasa'a Bibel ist: „Siehe, dieser Stein soil sein ein Zei- 
chen zwischen uns," so mufs man schliefsen, dafs Runenschrift noch 
Mitte des 16. Jahrh. dann und wann gebraucht wurde. 

(Dies., Nr. 1556.) 

41) Von dem Rembrandt'schen „Hundertgulden- 
blatt" hat C. Flameny einen neuenStich vollendet, der ton Levy 
in Paris fur den Preis von 200 fl. (Abzug vor der Schrift) and 
100 fl. zu beziehen ist Derselbe Kunstler hat zu dem im gleichen 
Verlag erschienenen Werk Blanc's „L , Oeuvre complet de Rem- 
brand" 75 vortreffliche Eupferstiche angefertigt. (Dai.) 



Mittheilungen. 



Anfrage. In Fehraltorf (Cant. Zurich) und der Urogebung 
besteht unter den Bauern der Gebrauch, dafs, wenn sie Grund- 
stucke theilen und sich nicht sofort verstandigen konnen, sie ab- 
reden, sie wollen „runen. u Alsdann theilen sie das Grundstiick 
in so viele Theile, als Theilhaber sind, bezeichnen jeden Theil mit 
einem Buchstaben, und jeder wahlt sich nun einen Buchstaben. 
Treffen sie zusammen in der Wahl, so ist damit bewiesen, dafs die 
Theile nicht gleich grofs sind, und die Grenze wird genauer ge- 
zogen. So fahren sie fort, bis die Wahl verschiedene Buchstaben 
triffb, als womit der Beweis geleistet ist, dafs gleich getheilt wurde. 

Aus welchem Wortstamme lafst sich dieses run en erklaren? 
Oberlin hat ein runen = judicare, und Zarncke (mittelhochd. Wbch. 
II, 794) fuhrt eine Stelle aus Servatius 3493 an, die hierauf einiges 
Licht werfen konnte; aber voiles Licht doch nicht 

Basel. J. 8chnell. 



Unzweifelhaft ist dieses schweizerische runen kein anderes 
Wort als das noch im neuhochd. raunen (heimlich sagen) fort- 
lebende mittelhochd. Verbum runen, althochd. riindn, runen (heim- 
lich sprechen, sich heimlich berathen; Graff II, 526. Benecke- 
Mflller II, 793. Schmeller II 1 , 106 f.), das in seiner urspronglichen 
Bedeutung noch mit dem Substantiv diu rune (ahd. runa, goth. 
runa, altnord. run), Geheimnifs, Gefluster, geheime Berathung, und 
der daraus entwickelten eines geheimnifsvollen, auf ein Stabchen 
(Runenstab) eingeschnittenen Schriftzeichens zusammenhangt. Eben- 
so weist auch der damit benannte, in obiger Anfrage beschriebene 
Branch deutlich auf jene urgermanische Sitte des Loosens vermit- 
telst Runenstabchen und der spater aus diesen entstandenen Haus- 
marken zurflck, wie ja dieselbe in Skandinavien und hie und da 
im nordlichen Deutschland auch heute noch fortlebt. Vergl. Ho- 
meyer's Abhandlung: iiber das germanische Loosen (1854) und 
den Nachtrag dazu: die Loosstabchen (1858); auch v. Liliencron 
und MiillenhofT: zur Runenlehre (1852) und neuerdin^-s Hofer's Mit- 
theilung iiber „Marken und Lose" in der Germania XVIII, S. 8 f. 

In dem Erscheinen dieser mit dem uralten Namen verbunde- 
nen Sitte auf schweizerischem Boden liefse sich ein neues Zeugnifs 



fur die auch sonst, namentlich durch die Sage, unterstotzte An- 
nahme einer frohen Einwanderung vom hohen Norden her in die- 
ses Alpenland erkennen. 

Far das altere Vorkommen eines schweizerischen runen (rau- 
nen) in der verwandten Bedeutung des geheimen Abstimmens und 
Wahlens ware folgende schon ofter citierte Stelle aus Wurstisen's 
Baseler Chronik (beim Jahr 1460) iiber die Wahl eines Rectors 
der Universitat anzuziehen : „Diese sechs Kieser name der Rector 
(bei der Wahl seines Nachfolgers im Amte) durch den Notariom 
in Eydtspflichte, giengen darnach in ein besonder Gemach, da jhe 
einer auff des andern abtritt durch die raun ihre Stimmen ga- 
ben. u Stalder (schweiz. Idiotikon II, 264), der diese Worte nach 
Frisch (II, 93») und Scherz- Oberlin (p. 1271) anfiihrt, erklart die 
Raune als das Stimmgeben in das Ohr einer beeidigten Magi- 
stratsperson", wie letzere durch „submi8sa vox ad aurem alicujus 1 ', 
entsprechend dem ahd. run a, mittelhochd. rune. Ebenso node 
ich in einem handsch rift lichen schweizerischen Idiotik6n aus dem 
17. Jahrh. (in meinem Besitze) den Eintrag n Runa: erwehlen durch 
die Runa a runen susurrare, runa mysterium" etc. Doch durfte 
man bei dem Ausdrucke „durch die Rune" wohl auch an den fru- 
heren Gebrauch von Runenstabchen oder der spateren Hausmar* 
ken denken, aus welchem ich ebenfalls die Worte des Lischauers, 
eines osterreichischen Dichters des 13. Jahrh. (v. d. Hagen's Min- 
nes. II, 386 » , 2) : „Durch den stap runet man verholn", erklaren 
mochte. Dr. Frommann. 

Anfrage. Auf dem Frankfurter Wahltage 1486 erschien in 
Begleitung des Erzherzogs Maximilian u. a. (neben dem Bischof 
von Cambray) der Bischof von Siebeneich (Sibeneich, Sibeneck, 
ep. Sibinicensis). Den Namen, welcher bei der Uebereinstimmung 
aller Handschriften und alten Drucke nicht wol corrumpiert sein 
kann, haben nicht bios die alteren Herausgeber der Reichstags- 
acten , sondern auch neuerdings wieder Job. Janssen , Frankfurts 
Reichscorrespondenz II, 418 unerklart gelaasen. Ich weifs eben- 
falls keine Deutung zu finden und ware jedem Fachgenossen, der 
eine solche kennt, fur deren gefallige Mittheilung zu Dank ver- 
pflichtet. 

Freiburg i. Br. Professor Dr. v. Kern. 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der lkerarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedrnokt bei U. E. Sebald in Ntlraberg. 



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yfirnberff. Dm Abonnement dee Blaft- 
Im, welchei all* Monate erscheint, wird 
gansjabrig angenommen nnd betragt naoh 
d*rneueitenPo«tconTention bei alien Post- 
ftmtern and Bucbbandlungen Deutschlandi 
inel. Oerterreich. 3 fl. 86 kr. im 34 fl.-Fuls 
odtr 2 Tbir. preufi. 

Far Frankrekh abonniert man in 
Pari* bei der deatschen Buchhandlung Ton 
V. Klinokeieek, Nr. 11 roe do Lille; for 



AMEIGER 



England bei Williams A Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street Cogent- Garden in London; 
for Nord-Amerika bei den Poitamkern Bre- 
men and Hamburg. 

Alle fur das german. Museum be- 
stimmten Sondungon auf dem Wege dee 
Buchhandeli warden durob den Commia- 
sionar der literar.-artiit. Anitalt dei Mu- 
seums, F.A. Brookhaus in Leipzig, be- 
fordert. 



FOR K I \ II K DER 





Neue Folge. 



Zwanzigster Jahrgang. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 



1873. 



J^6. 



Jnni. 



Wissenschaftllche MittheilangeD. 



Wiener Stadtrecht. 

Die Bibliothek des germanischen Museums besitzt unter 
Nr. 28,909 eine Papierhandschrift, welche in fthnlicher Weise, 
wie die von H. Siegel beschriebenen „zwei Rechtshandschrif- 
ten des Wiener Stadtarchives" (Wien, 1858. 8°.) und der in 
V. HasenOhiTs „Oesterreichischem Landesrecht" (Wien, 1867. 
8°.), S. 8 — 12 nach seinem Inhalte genau gescbilderte Codex 
der Wiener Hofbibliothek, eine Verbindung des Schwabenspie- 
gels mit wiener -stadtrechtlichen und Osterreichisch-landrecht- 
lichen Quellen enthalt. Als recbtshistorisch beachtenswerth 
mdge diesclbe hier einer kurzen Betrachtung unterzogen wer- 
den, und sollen hiebei die drei erw&bnten Wiener Manuscripte 
mit der Bezeicbnung A, B, C in Yergleichung kommen. 

Die, leider! an zwei Stellen defecte Museums -Handschrift, 
in geprefstes braunes Leder gebunden und mit Messingbeschlft- 
gen und Scbliefsen versehen, begreift 201 ungezablte beschrie- 
bene, sowie am Anfange 6 und am Ende 7 leere Blatter star- 
ken, weife en, mit dem Wasserzeichen einer von einem Cirkel 
umgebenen Wage und eines darttber scbwebenden Sterns (gleich 
A) sigoierten Papiers in Mittel-Folio. Die von einer und der- 
selben Hand herruhrende, durcbaus gleichmafsige Scbrift stellt 
sicb als eine in Cursiv ilbergehende Minuskel dar und zeigt 
zahlreiche, leicht lflsliche Abkttrzungen. Die Ueberscbriften 
Bind roth, die Initialen der einzelnen Abscbnitte und Eapitel 
sauber nnd zieriicb mit verscbiedanen Farben gemalt. Da sich 
Urkunden aus den Jabren 1457 und 1458 als Belege der ein- 
gerttckten Appellations-Ordnung in dem Codex finden , so kann 



die Entstehung desselben nicht frtther als in die zweite Halfte 
des 15. Jahrhunderts gesetzt werden. Als fraheren Eigenthfl- 
mer desselben bezeicbnet eine, auf dem am Scblusse eingekleb- 
ten, mit lateiniscben Yersen beschriebenen Pergamentblatte be- 
findliche Notiz mit der beigefttgten Jahrzahl 1610 den „Edlen 
vnd vefsten Herrn Wolff Prftmer Burger, des Innern Statt 
Baths vnd Handlsmann in Wienn". 

Der Codex beginnt mit zwei Registern, einem zu dem „kai- 
serlichen Recht" mit 457 Kapiteln (Bl. 1—9) und einem zu 
den „Stat Rechten zu Wienn", die Kapitel von 458—813 fort- 
zahlend (Bl. 10— 18»). 

Hierauf folgt das Landrecht des Schwabenspie- 
gels, wovon jedoch der Anfang fehlt, so dafs die Hdschr. erst 
im Eap. 3 mit den Worten: „ist dem Babst geseczt, zebe- 
scbaid* zeit ze Richtfi (1. Ritn) auf aim plannkchfi pherd" 
etc. anhebt. Es schliefst sicb nun der in den Codex aufge- 
genommene Schwabenspiegels-Text zu 456 Kapiteln in deren 
Reibenfolge ziemlich genau der durch v. Lafsberg edierten 
Form an, nur dafs nicbt selten aus einem einzigen Eapitel der 
letzteren im Museums- Codex mehrere gemacht wurden und 
umgekebrt. Auch begegnen hier zahlreiche Satzverktirzungen, 
sowie selbst einige Eapitel des v. Lafsberg'schen Textes vdllig 
weggelassen worden sind. Angebangt erscheint, wie in A, B, 
C, die „saczung des lanndfrids von dem Romischen kunig Ru- 
dolffn zu Wirtfpurg in dem Concilio aufgesaczt" von 1287 (Mon. 
Germ, hist Legum T. I, p. 448) in deutscher Uebertragung. 

Den zweiten Haupttheil des Museums -Codex bildet aber 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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die Sammlang flsterreichischer und insbesondere Wie- 
ner Rechtsquellen. Sie enthalt folgende Stttcke: 

1) Das jetzt sog. Wiener Weichbildrecht (A, B, C), 
gewdhnlich in das Jahr 1435 verlegt, in jttngster Zeit aber 
fttr eine Privatarbeit aus der Mitte oder mindestens dem Ende 
des 14. Jabrh. erklart (G. Sandhaas, zur Gesch. des Wiener 
Weicbbildrecbtes, 1863, S. 12, 13). Es beginnt, da wieder im 
Codex das Anfangsblatt mangelt, welches die Artikel 1 — 3 
(458—60) umfafste, mit Art. 4 (461) : „Von den Recbten der 
vorsprechen zu Wienn a und scbliefst mit Art. 155 (612) : „Wer 
kamergut auf aifi wechsel fttrt vnd des beraubt wirt. a Der 
Text stimmt im Ganzen mit dem bei Rauch, Rer. Austr. Scriptt 
T. Ill, p. 144 — 248 gedruckten, weniger mit dem von Fr. 
Stark, das Wiener Weichbildrecht, 1861, S. 5—10, 15—22 
bescbriebenen und auszttglich mitgetheilten, soweit hier eine 
Vcrgleichung mOglich ist, uberein. 

2) In den Artikeln 613 — 700 „ain Bestettung von herczog 
Albrechtn (II.) vber die Recbten der Stat Wienn" von 1340 
(A, B, C), gedruckt bei Rauch 1. c. p. 37—60. Vgl. Bischoff, 
Oesterreich. Stadtrechte n. Privilegien, S. 195—99. 

3) Im Art. 701 n ain Hanntvefst vber Erbrecbt zu Wiefi 
auch nach dem lanndesrechtn ze Osterreich," d. i. die Satzung 
Herzog Albrecht's III. und des Rathes liber die Erbfolge von 
1381 (C), gedruckt bei Rauch 1. c. p. 256—58. 

4) In den Artikeln 702 — 7 sechs Ratbsschlttsse, n&mlich: 
a) ttber Heirastcucr von 1351, b) fiber Sonntagsknechte von 
1353, c) „von dem Stand des Glaswerchs" von 1354, d) „von 
dem stannd des Wachs" von 1360, e) „von dem stand der 
Tuchberaitter vnd der Lodwurcber" von 1357 und f) „das 
kain Burger oder Burgerinn dem andern sein diener oder die- 
nerin vber seinen willen aufentbalden sol" von 1356 (sammtlich 
auch in C; dagegen in A nur a, b, f, e und in B nur b — f). 
Gedruckt findet man a, b, e, f bei Rauch 1. c. p. 72, 77, 82, 
81, sowie c, d in v. Hormayr's Wien, seine Geschicke und 
Denkwttrdigkeiten, Abthl. I, Bd. V, Urkk. Nr. 162, 63, S. CXLIIf. ; 
a allein auch bei Bischoff a. a. 0. S. 199. 

5) In den Artikeln 708—43 „ain bestettung von herczog 
Albrechtn (I.) vber die alten Rechtn der Stat Wienn" v. 1296 
(A, C), gedruckt, jedoch ohne Zerlegung in Artikel mit Rubri- 
ken, bei de Senkenberg, Visiones p. 283 sq. und v. Hor- 
mayr a. a. 0. Bd. II, Urk. Nr. 55, S. XL— XL1X. Vgl. Bi- 
schoff a. a. 0. S. 194. 

6) In den Artikeln 744 — 52 w ain hanntvefct von kaiser 
Fridreichii das er die Stat in des Reichs gewalt nymbt" (A, 
B, C), Verdeutschung des Privilegs Kaiser Friedrich's II. v. 
1237 (wiederholt 1247), gedruckt bei v. Hormayr a. a. 0. 
Bd. II, Urk. Nr. 50, S. XXX f. Ueber die Abdriicke des la- 
teinischen Urtextes s. Bischoff a. a. 0., S. 174, 176. 

7) In den Artikeln 753—85 „ain hanntvefst das Wienn ain 
Reichstat ist" (A, C), d. i. eine deutsche Ucbersetzung des von 
0. Lorenz (Ueber die beiden Wiener Stadtrechtsprivilegien 
K. Rudolfs L, Wien, 1864. 8°.) als „Rechtsentwurf" zur Vor- 



lage bei Herzog Albrecht bezeichneten sog. Rudolfinum b, ge- 
druckt bei Rauch L c. p. 3—14. 

8) In Art. 786 eine, vermuthlich auf einem Rathsschlusse 
beruhende Satzung „welich vngesessen lewt haissent vnd wie 
offt man da furbietn sol" (C) nebst einigen kurzen unrubri- 
zierten, zum Theil strafrechtlichen Satzen in Art. 787. 

9) Im Art. 788 „das ist von Purckrecht" (A : „von purk- 
recht vnd gruntrecht", B: „von Grunt Recht", C: „das ist 
gruntrecht"), ein Auszug aus einer Yerordnung Herzog Ru- 
dolf s IV, von 1360, gedruckt bei v. Hormayr, a. a. 0. Bd.V, 
Urk. Nr. 142, S. XXXIV. Vgl. Bischoff a. a. 0., S. 200. 

10) Im Art. 789 die Handfeste Herzog Friedrich's I. „vber 
der kauflewt Recht vnd Ir* wag" von 1312 (A, C, vielleicht 
auch B) , in der spateren Confirmation Herzog Albrecht's IE 
von 1375, gedruckt bei Rauch 1. c. p. 121 sq. 

11) Im Art. 790 die Handfeste der Herzoge Albrecht IEL 
und Leopold III. „vber die gew&ndlich Strafs der kauflewt 11 
von 1369 (A, B, C), gedruckt bei Rauch 1. c. p. 110, 111. 

12) Im Art. 791 die Handfeste Herzog Rudolfs IV. „von 
purkchrecbt abczulOsen" von 1360 im Auszuge (A, B, C), voll- 
standig bei Rauch 1. c. p. 86—90. 

13) Im Art. 792 u. d. T. „ain Gemechtbrief von dem 
kaiser vnd dem kunig zu Behem ains tails vnd den von Oster- 
reich des andern vmb lannde" (B : „Tayll priff der lannd", C), 
die Erbverbrtiderung zwiscben Kaiser Karl IV., Wenzel und 
Jobann auf der einen und den Herzogen Rudolf IV., Albrecht IIL, 
Leopold III., sowie der Herzogin Margaretha Maultasch auf 
der anderen Seite vom J. 1364. Vgl. Lichnowsky, Gesch. 
des Hauses Habsburg, Thl. Ill (Regesten), S. DCXXVHI, Nr. 549. 

14) Im Art. 793 die Handfeste der Herzoge Albrecht IIL 
und Leopold III. „von der Tauern zu Wienn 44 von 1360 aus- 
zugsweise (A,B, C), ganz gedruckt bei Rauch I.e. p. 113— 15. 

15) Im Art. 794 die Handfeste des Grafen Albrecht von 
Habsburg als Verwesers der osterreichischen Lande uber die 
„Niderleg der kauflewt zu Wienn 4 * vom Mai 1281 (A, B, C), 
gedruckt bei v. Hormayr a. a. 0. Bd. V, Urk. Nr. 133, 
S. XIV f. 

16) Im Art. 795 „von frdmbchen Weinn" das Weinhan- 
dels-Privileg Herzog Albrecht's III. von 1369 (A, B, C), wel- 
ches Rauch 1. c. p. Ill — 13 vollst&ndig mitthcilt. 

17) Im Art. 796 das Ungeld's Privileg Herzog Rudolf s IV. 
von 1359 (A, B, C), gedruckt bei Fr. Kurz, Oesterreich un- 
ter Rudolph dem Vierten (1821), S. 321 f. 

18) Im Art. 797 „von der Fuetrer Recht" (A, B, C) einen 
Extract der Handfeste Albrecht's IIL und Leopold's III. von 
1368 bei Rauch 1. c. p. 105 sq. 

19) Im Art. 798 „ain Hanntvefst das all ainigung vnd ge- 
sellschafft vnd auch ir Aufsetz So sy vnder In gemacht haben 
ab sullen sein vnd von den vleischakchern die Recht", Ver- 
ordnung Herzog Rudolfs IV. vom Aug. 1364, gedruckt bei 
v. Hormayr a. a. 0. Bd., V Urk. Nr. 145, S. XLIIf. 

20) Im Art. 799 „ain Hanntvefst vber die Rechtn in der 



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Anzeiger for Eunde der deutechen Vorzcit. 



158 



SchSfstrassen" (B, C), d. i. Satzung Herzog Albrecht's III. fttr 
die seiner Gemahlin Beatrix von Nttrnberg gerichts- and dieust- 
hOrigen „Amman Burger vnd lewt gemainlichen gesessen in 
der Scbfifstrafs vnd ze Erdpurgk" (jetzt einer der Wiener Vor- 
st&dte), gedrackt beideSenkenberg, Selecta T. IV, p. 454 sq. 

21) Im Art. 800 Satzungen „von den vnderk6wffelii u (A, 
C), entnommen ans der Handfeste Herzog Friedrich's II. von 
1848, bei Ranch 1. c. p. 68—70. 

22) In dem Art. 801 eine nmfassende Yerordnnng „von 
Heyratt" samrat „arbor consangwinitatis" (Art 802) and Aus- 
legang daza (Art. 803), sowie „ain Notabile in Erbscbaft vnd 
ist ain Exempel von drein Brtidern" in Artt. 804, 805. Die 
Stflcke 801 (gedruckt bei Ranch 1. c. p. 248—56), 802 und 
803 linden sich anch in C. 

23) Im Art. 806 u. d. T. „Best6ttbrief vber Hawsgenos- 
schafft tt das Mttnzer-Privileg Herzog RudolfFs IV. von 1362 in 
seiner Confirmation durch Herzog Albrecht III. vom J. 1368 
(A,B, C), gedruckt bei Ranch 1. c. p. 102—5. 

24) In dem Art. 807 Satzungen „von dem wBgen des 
prats 44 und „von holcz vnd flflssen" (1359), sowie Bftckerord- 
nung des Baths von 1392. Sie stehen s&mmllich in C, die 
Brodwag-Raitung und die Bestimmungen Herzog Rudolfs IV. 
fiber Holz und Florse von 1359 (vollstHndig gedruckt bei 
Ranch 1. c. p. 85 sq.) auch in B., die letzteren allein in A. 

25) In einem unrichtig mit 809 numerierten Artikel, ttber- 
schrieben „Nota des Gerichts zuuall" (A, C) ein kurzes Ver- 
zeichnirs von Gerichtsgefollen. 

Den dritten Haupttheil des Museums- Codex macht, wie 
dies auch bei C der Fall ist, das sog. ttsterreichische 
Landesrecht („des lanndes Rechtn in Osterreich") aus, und 
zwar in einer Form, welche der Fassung des von HasenOhrl, 
a. a. 0., S. 263 f. verflffentlichten Wiener Codex sehr nahe 
kommt Es ist unter dem einzigen Art. 808 aufgenommen und 
follt 8 Blatter. Der Text hat keine Kapitelabtheilung. An- 
gebingt sind, ebenfalls wie in C, in den Artikeln 809—10 die 
dem J. 1412 angebflrigen Ordnungen „der vafsczieher" und 
»Ton der Mawrer vnd Zimerlewt taglon", letztere vollstftndig 
gedruckt bei v. Hormayr a. a. 0., Bd. V, Urk. Nr. 153, 
S. CXVIIf.), sowie im Art. 811 Bestimmungen „von den leg- 
rern vnd gesstfi die zu Wiefi handeln." 

Eodlich den Schlufs der Museums-Handschrift bilden zwei 
grSfsere Aufsfttze, n&mlich: 

a) „Nota wie man mit Appellacion handlfi sol 
mkay*. kamergricbt" (Art. 812) in 22 kurzen, ungezahl- 
ten §§. mit 3 inserierten Gerichtsbriefen Kaiser Friedrich's III. 
ion 1457 und 1458, im Ganzen drei Blatter ftillend ; 

b) „Ordnug die man haldct so man aifi kunig 
?esegent vnd krflnet etc. 44 (Art. 813), 2V4Blatter fttllend, 
S3 §§. ohne Numerierung begreifend. 

Beide Aufsatze fehlen in den drei verglichenen Wiener 
fcnuscripten und scheinen auch noch ungedruckt zu sein. 
Auf einem Blatte des Museums -Codex werden dann noch 



einige seltsame Notizen tlber Orakelfragen und Wassersegen 
angctroffen. 

Das Gesammtresultat der Vergleichung desselben mit den 
Handschriften A, B, C kann nun schliefslich dahin zusammen- 
gefafst werden, dars der erstere in der Zahl der aufgenomme- 
nen Stttcke und in der Aufeinanderfolge derselben mit dem jeden- 
falls ftlteren C fast durchgehends barmoniert, wogegcn die Co- 
dices A, B zwar ebenfalls die im Museums-Codex enthaltenen 
Bestandtheile zum grftfseren Theile enthalten, aber in einer 
vielfach abwcichenden Ordnung. 

Erlangen. Prof. Dr. Gengler. 



Der Ltibecker Todtentanz vor seiner Erneuerung im 
Jahre 1701. 

Durch die in der Beilage zu Nr. 5 des Anzeigers f. K. 
d. d. V. enthaltene Besprechung meiner Ausgabe des Ltibecker 
Todtentanzes ftihle ich mich veranlafst, folgende, auf neuerer 
Untersuchung beruhende Erganzung und Berichtigung zu geben. 

Angeregt durch eine Vertheidigung meiner Auffassung des 
alten, niedersachsischen Textes gegen die jllngste Schrift des 
Dr. Herm. Bacthcke : Der Ltibecker Todtentanz, Berl. 1873 
(G5tt. Gel. Anz. Nr. 19), und besonders aufgefordert durch eine 
Frage des bewahrten Kenners der Todtentanze, Professors Mafs- 
mann (Spen. Zeitg. Nr. 148), ob nicht unter der heutigen Leine- 
wand noch Spuren eines alten Wandgemaldes zu finden seien, 
habe ich die Wande der Kapelle untersuchen lassen. Folgen- 
des ist das Resultat. 

Der jetzige Todtentanz, nach meiner frtiheren Beweisftth- 
rung 1701 neu auf die Leinewand copiert, ist auf grofee Holz- 
rahmen gespannt. Hinter demselben ist die Wand mit unab- 
gehobelten FQhrenbrettern verschalt, welche, horizontal auf ein- 
ander geftigt, mit leichter Schragung so gegen die Mauer hin 
abfallen, dafs der hinter dem Gemalde sich sammelnde Staub 
und Schmutz, ohne dem Bilde zu schaden, zwischen den Bret- 
tern und der Mauer hinabgleitet Biegt man die Bretter aus- 
einander, so kommen die unabgeputzten und ungefugten Steine 
des Mauerwerks zu Gesichte, welche den unabweislichen Be- 
leg liefern, dafs bier nie auch nur das Geringste von Malerei 
auf der Wand gewescn sein kann. 

Damit war also Mafsmann's Frage nach einem Frescoge- 
malde erledigt. Aber auch meine bisherige Annahme, dafs das 
Bild vor 1701 auf Holz gemalt gewesen sei, hat sich nicht 
sticbhaltig erwiesen. Ich fand namlich unter der von oben 
her das Bild in seinem ganzen Umlauf begrenzenden wulstarti- 
gen HolzkrOuung alte Leinwandreste hervorragend, welche na- 
mentlich an der Westseite ununterbrochen fortlaufen, Farben- 
spurcn tragen und den deutlichen Beweis liefern, dafs das vo- 
rige Leinewandbild herausgeschnittcn ist, um es zu entfernen, 
und wol auch um vom Maler bequemer copiert werden zu 
kOnnen. Dafs man die Beste hat sitzen lassen, erkl&rt sich 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



160 



daraus, dars unter der ziemlich plumpen modernen Krftnung 
die alte geschmackvollere, mindestens zum Theil, geblieben ist, 
welche, wie ich es 1866 verrauthete, nicht bauchig gegen die 
Kapelle auslagert, sondern als Hohlkehlung vertieft ist, nach 
der Weise von Bilderrahraen des 16. Jabrhunderts, und wahr- 
Bcheinlich mit einer gothischen Verzierung abschlofs, zu deren 
Behuf sich oben an der Kehle noch eine Leiste anfgenagelt fin- 
det. In der Keblung sind blaue Farbenspuren, and in be- 
stimmten Entfernungen ganz nngleich ausgeschnittene vergol- 
dete sechseckige Papier st erne daraafgesetzt, denen durch 
eine kleine, hineingedruckte Masse die nOthige Befestignng und 
in der Mitte die erforderliche plastische Erh5hung gegeben ist. 
Fuhrte nan diese Entdeckang einerseits za dem bestimm- 
ten Zeugnifs, dafs auch vor 1701 der Todtentanz auf Leinewand 
gemalt war, so entbielt sie anderseits den deutlichen Hinweis 
auf die Worte, mit denen in denen Wochenbuchern der Kirche 
der Restaaration yon 1588 gedacht ist: 
Ao. 1588 in der 10, weken na Mycbaelis uthgegeven: Item 
erstlich ap 1 son dach gekofft l 1 /* hundert fyn geslagen 
golt tho behoff des dodendantz bawen in 1 blawen velde 
myt sternen tho bemaken. Dar vor gegeven 3 V 12 A 
Noch na halen laten V2 hundert golt tho behoff der ster- 
nen tho dem dodendantz, is 1 # 4 A 

Es kam also darauf an, liber die Restauration von 1588 
noch N&beres zu erkandcn, am so mehr, als ich vor 7 Jahren 
die betreffenden Wochenbuchauszuge auf Grund einer tibrigens 
sehr sorgfaltigen Zusammenstellung alles Details der Wochen- 
bttcher, soweit sie das Aeufsere and Innere der Kirche betref- 
fen, in einer vom gegenwartigen Werkmeister and Organisten 
Jimmerthal angefertigten Geschichte der Marienkirche vergli- 
chen batte. Eine vollstandige Durchsicht sammtlicher Ausgabe- 
posten lieferte za den zwei 1866 verOffentlichten Inscriptionen, 
der eben angefuhrten and der Bezahlung des Malers Silvester 
noch folgende: 
Ao. 1588 in der 6. weken na Paschen: Noch up 1 frydach 
gekofft 10 brede eln lennewant to behoff des doden- 
dantz, de eln tho 3 A is 1 # 14 A 

In der 14. weken na ostern : Noch dem maler Sylvester ge- 
kofft tho behoff des dodendantz 3 smale eln lennewant 

under tho fodern — # 4 /5 6 •% 

In der 7. weken na Mychaelis: Noch uthgegeven vor 2 fu- 
ren brede tho sagen, so tho her Jochim Schelen (Pre- 
diger) in synen staven (geheizte Stube) unde tho dem do- 
dendantze tho bekleden unde uth tho flycken — #4/3 
In der 11. weken na Mychaelis: Noch den sagers vor 8 
schulp snede (Blattschoitte) dorch 2 eken brede tho 
behoff lysten umme den dodendantz van tho maken 

— V 9 A 
Ao. 1589 in der 8. weken na dem Nyen jare: Noch uthge- 
geven vor penninck unde scharff-negell myt klenen kop- 
pen tho behoff der lysten im dodendantze an tho ne- 
gelen, is — #9/56*% 



In der 12. weken na dem Nyen jare, was Palmdach: Noch 
Johan Bremer (Eirchenvorsteher) vor 1 lanck dycke 
droge eken bret van 36 scho lanck dre vote bret tho 
behoff der lysten im dodendantz tho maken 2 daler 

4 ¥ 2 A 
Diese Ausgaben beweisen, dafs 1588 die Holzeinfassung 
des Todtentanzes so erneut ist, wie sich noch jetzt die Reste 
vorfinden, und dars der innerhalb derselben gcmalte Todten- 
tanz auf Leinwand war. Ja, er scheint damals nicht auf die 
Leinewand erst gebracht zu sein, sondern auf derselben nor 
ausgebessert; denn die Bezahlung an den Maler lautet fur Auf- 
frischung des Bildes und wird nur nebenbei fur diese, haupt- 
sachlich fur andere Arbeiten, geleistet Die Inscription heifst 
namlich genau so: 
Ao. 1588 in der Nyen jars weken : Noch hebben dit mall 
Johan Bremer, Jurgen van Stiten gerekent myt Silvester 
dem maler van wegen des, so he by der karcken unde 
Karckenwanynge dat 88. jar hefft gemalet — hyr myt 
in gerekent de dodendantz, so he up dat nye dyt jar 
upgeiuchtet — beffynt syck yn syner rekenynge an 

gelde 93 ¥ 4 A 

dar up ehme myne heren affgedynget, dat ehme noch tho 

quam, so ick betalet 69 # — A 

Auch die geringe Ellenzahl der angeschafften Leinewand 
spricht gegen eine vflllig neue Uebertragung des Bildes auf 
dieselbe im J. 1588. 

Nach dem Ergebnife unserer Untersuchung beh&lt also von 
Melle Recht, wenn er ttber die Bilder von 1701 sagt, „sie 
sahen annoch ebenso aus, wie sie vordem gestalt gewesen wa- 
ren. a Antoni Wortmann ist der getreue Copist, als den wir 
ihn noch im Bilde erkennen; weder ihn, noch von Melle trifft 
ein Yorwurf fur die im alten, niedersachsischen Texte (und 
vielleicht auch im Bild) eingetretene Stdrung. Wir mussen 
den Urheber derselben weiter zuruck suchen, vor 1588 oder 
vielleicht gerade 1588. Eben bei dieser theilweisen Restaara- 
tion lafst sich eine Textverschiebung urn so fuglicher anneh- 
men. Ein Theil der Leinewand ward ergftnzt, ein TheU un- 
terfuttert. Wenn das namentlich die letzere Textbalfte war, 
so erklart sich ohne Zwang, weshalb von Melle diese 1701 
noch entziffcrn, von der nicht ausgebesserten ersteren nichts 
mehr lesen konnte. 

Eine Schwierigkeit bleibt noch unerledigt. Wann ist die- 
ser schon 1588 „upgeluchtede" Todtentanz entstanden, und 
wie war sein Vorgftnger beschaffen ? Denn dafs der ursprung- 
liche Todtentanz gleich auf Leinewand 1463 gemalt sein sollte, 
ist gegen alle bisherige Erfahrung, und jedenfalls weisen die 
heute noch erhaltenen Leinwandfctzen frtthestens auf das 16. 
Jahrhundert. Wir mussen also im Anfange desselbeu doch 
eine Uebertragung von Hplz auf Leinewand annehmen, durch 
welche mOglicherweise die mehrerwahnten Stdrangen auch 
veraniafst seiu kOnnen, and die aus uns unbekannten Grunden 
schon 1588 einer Aufbesserung bedurfte. 



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1§1 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



162 



Die Eapelle selbst bewahrt noch heute ein Zeugnifs far 
die ftl teste Gestalt des Todtentanzes, das weder zu der jetzi- 
gen Copie, noch zu deren Original vor 1588 pafst. An der 
Ostwand befindet rich unter der in das alte Aufseufenster der 
Eapelle hineingebaaten Orgel ein Kopf, der so tief in die 
ErOnang des Todtentanzes hineinragt, dars diese desbalb einen 
Aosschnitt erhalten hat. Ich hielt ihn bisher fttr eine Schlufs- 
verzierang des Orgelfufses. Eine Besichtignng nahebei bat aber 
gezeigt, daft er mit der Orgel gar nicbt zusammenh&ngt. Er 
ist von einer schmalen Leiste eingefafet, von Holz, an den Ex- 
tremit&ten nnten mit Leincwand ttberzogen, anf dieser Kreide- 
gnmd aufgetragen, tlber dem Spuren yon Vergoldung erkennt- 
lich sind. Za diesem ausdrucksvollen, plastischen Eopf stimmt 
nur ein entsprechend auf Holz ausgefttbrtes Gemalde. Der 
Eopf, welcher heute, abgeseben von der durcbschnittenen Erfl- 
nung, hinter der sich die von 1588 birgt, an einer ganz gleich- 
gttltigen Stelle, zwischen Eaufmann und Tod ttberschaut, mute 
frtther einen Ausgangs- oder Mittelpunkt des Bildes abgegeben 
haben, und mag er nun an seiner alten Stelle geblieben sein, 
oder nicht — jedenfalls wird dadurch eine andere Anordnung 
des Todtentanzes an den Wanden bedingt. Ueber diese sich 
zu entscheiden, bedarf es naherer Erkundigung nach den Ein- 
zelheiten des Revaler Todtentanzes, der, dem Lttbecker im 
Texte und in den Bildern, wie ich Gdtt. Gel. Anz. S. 738 ff. 
schon angab, so enge verwandt, von einer ftbnlichen Figur 
ausgeht. Es bedarf aber auch einer grtindlicheren Erwagung der 
allm&hlichen Umgestaltung der Eapelle, welche z. B. nicht spft- 
ter, als ibre ttstlichen Fortsetzungen , wie ich 1866 annahm, 
sondern frtther entstanden ist, wie sich noch an demerwahn- 
ten Aufseufenster der Ostwand nachweisen l&fst, da eine durch 
dasselbe laufende Stange die Aussprttnge zur Befestigung der 
Bleifenster nach Osten hat. Auch scheint die in die Eapelle 
hineinspringende alte Sakristei , welche den Todtentanz jelzt an 
der Sttdseite ganz unterbricht und urn die Ecke herumzulaufen 
zwingt, nicht von Anfang des Gemaldes an existiert zu haben. 

Vorl&ufig glaubte ich die bisherigen Ergebnisse meiner 
Untersuchung mittheilen zu sollen, um so mehr, als icb, selbst 
ein Laie, tlber manche der hier aufgeworfenen Fragen mir 
von Eundigeren Rath und Auskunft erbitten m6chte. 

Lttbeck. Wilh. Mantels. 



Zur Geschichte der Nfirnberger Stadtbibliothek. 

Dafs bereits vor der im Reformationszeitalter geschehenen 
Vereinigung der verschiedenen Elosterbibliotheken in dem ver- 
lassenen Predigerkloster eine Stadtbibliothek zu Ntirnberg vor- 
handen war, findet sich zwar selten erwahnt, ist aber doch 
schon bisher nicht unbekannt gewcsen. Zuverlassige AufschlUsse 
hiertiber dttrften sich aus einer genaueren Durchforschung der 
verschiedenartigen amtlichen Aufzeichnungen des Nttrnberger 
kgL Archivs, besonders der dort aufbewahrten Stadtrechnungen 



des 15. Jahrh. ergeben. Hier'sei nur auf zwei Eintr&ge der 
letztcren hingewiesen, welche ein doppeltes Interesse zu er- 
regen im Stande sind. Wir sehen, dafs der Rath unter An- 
weisung verh&ltnifsm&fsig nicht unbedeutender Summen Bttcher 
fllr der Stadt „Liberei" in grdfserer Anzahl aufkaufen liefs, 
und dafs er den Auftrag dazu einem Mitgliede gab, dessen 
literarische Bildung uns hinl&nglich bezeugt ist, und von dem 
wol auch die Anregung zu jenen Bacherkaufen ausgegangen 
war. Hans Tuchcr (am Milchmarkt) *), durch die noch wah- 
rend seines Lebens in Druck gegebene Beschreibung seiner 
Palastinareise allgemein bekannt, hat sich, wie ich im V. Bde. 
der Nttrnberger Chroniken zu zeigen hoffe, auch um die Ge- 
schichte seiner Vaterstadt verdient gemacht. Ein jttngerer 
B ruder des Baumeisters Endres Tucher, erreichte er kein so 
hohes Alter wie dieser. Schon im J. 1491 ist er verstorben**). 

In der Stadtrcchnung des J. 1488 (gleichzeitige Copie 
im Jahresreg. IV. d. Nbg. Arch.) heifst es in der am 22. Octo- 
ber beginnenden IX. Frag : 

Item 483 guldin lannd|3. 9 (5 2 hlr. costen mit alien dingen 
179 bucher durch Hannsen Tucher den eltern gemeiner statt 
in ir lieberey erkaufft nach innhalt desselben Tuchers rechnung 
uns am mitwochen ante Leonardi (5. November) uberantwort 
und in der scattel ligend. 

Und in der XIII. Frag : 

It. 12 guldin lannd(5. fur ainen codice auf pirgamen ge- 
druckt durch H. Tucher erkaufft und in gmeiner statt liberey 
getan. 

Freiburg i. Br. Theodor v. Eern. 



*) Vergl. uber ihn Niirnb. Chron. IV, 34, nn. 
**) Vergl. die im V. Bde. der Niirnb. Chronik erscheinende 
TucherVhe Fortsetzung der J ahr bucher des 15. Jahrh. beim an- 
gefdhrten Jahre. 



Ein romanischer Merskelch nebst Patene im germa- 
nischen Museum. 

In der Sammlung kirchlicher Gerathe des germanischen 
Museums befindet sich ein silberner, vergoldeter und mit Niel- 
len geschmuckler Eelch nebst Patene, der, aus dem 1215 gc- 
grilndeten Eloster Mariensee bei Hannover stammend, eine Ar- 
beit des 13. Jahrh. und ein Glied jener Reihe kostbarer, nieder- 
sachsischcr kirchlicher Goldschmiedarbeiten ist, deren Schule dem 
heil. Bernward von Hildesheim ihre ersteBlttthe dankt, und die 
uns noch in so vielen Werken erhalten ist, welche wir im Dom- 
schatze zu Hildesheim, dem Welfenmuseum in Hannover, dem be- 
rUhmten Welfenschatze (jetzt in Wien), in dem Museum zu 
Braunschweig u. a. 0. bewundern. Historische Nachrichten Uber 
den Eelch selbst sind uns leider nicht uberliefert. Vor etwa 20 
—30 Jahren brachte ihn eine Aebtissin des adelichen Frauenstif- 
tes, das an Stelle des Elosters getreten ist, einem Goldschmiede 
in Hannover zum Tausche gegen einen neuen. Die Zwischenkunft 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



164 



eines Kttnstlers hat ihn yom Schmelztiegel gerettet, und nach- 
dem er erst in die H&nde eines andern Ktlnstlers tibergegan- 
gen war, kam er in's germanische Museum, wo er jetzt der 
alteste einer stattlichen Reihe mittelalterlicher Originalkelche 
ist. 

Die schalenfflrmige, flache, am obern Rande ein klein we- 
nig ausgebogene Cupa 
ist vollst&ndig glatt ; der 
kreisrande Fufs geht in 
leichtem Schwung in den 
Standerttber. Vier gr5- 
fsere, ein wenig uber 
die Flache hervorgetrie- 
bene, kreisrunde Medall- 
ions sind mit Niellen ge- 
schmuckt, von denen eine 
Christus am Kreuze mit 
Maria nnd Johannes dar- 
stellt, die drei anderen 
Typen des Opfertodes, 
namlich: Abraham, im 
Begriffe den Isaac zu 
opfern, gerade gegen- 
uber; dazwischen einer- 
seits: Abel, sein Opfer 
tragend , anderseits : 
Melchisedek, Brod und 
Wein bringend. Letz- 
tere beide Figuren wen- 
den sich mit dem Ge- 
sichte der zwischen ih- 
nen befindlichen Kreu- 
zesgruppe zu. Am Aa- 
chen unteren Theile des 
Fufses sind vier kleine 
Niellomedaillons zwi- 
schen die grOfeeren ein- 
geschoben : vier Prophe- 
tenbrustbilder, die gleich- 
falls s&mmtlich das Ge- 
sicht der Kreuzigung zu- 
kehren. Von ibnen ge- 
hen langs des Kelchfufs- 
randes vier Sprttche aus, 
die unmittelbar unter 

der Kreuzigung zusammenlaufen und von denen zwei von der 
Rcchten zur Linken mit umgekehrten Bucbstabenzeichen (wie 
fQr den Druck) gescbrieben sind, um auch ihre Beziebung zur 
Kreuzigung anzudcuten. Der eine der Propheten ist nicbt bios 
mit einer Krone versehen, sondern auch als Dav(id) bezeich- 
net. Der Reihenfolge nach laufen die zwei Sprttche 
links : Sic (ut) ovis ad occisionem ducitT(ur) (Jesaias LIU, 7.) 



Fig. 1. 



Foderunt manus (Ps. XXI, 17). 
rechts: XfC (Christus) factus est obediens 
Ecce quom°(do) morir(ur). 
Den Uebergang in den St&nder vermitteln von oben nach 
abwftrts laufende Ornamente. Um den St&nder, der in der 
Mitte von einem grofsen Knauf unterbrochen ist, legt sich 

ober- und unterhalb die- 
ses Knaufes eine kleine, 
aus Filigrandrabten ge- 
bildete Arkadenreihe, 
die frei vor dem Grande 
steht. Auch der Knauf 
ist mit einem Filigran- 
ornament tiberzogen, 
das eine durchbrocbene 
Httlse um denselben bil- 
det. Diese Hulse ist 
am Rande von sechs 
Kreiseq durchbrochen, 
welche Medaillons aus 
dem Grunde hervortre- 
ten lassen, die nielliert 
sind. Das eine stellt 
Christus segnend dar 
(die Hande mit Wunden- 
malen); ihm gegenttber 
das Lamm mit der Fahne, 
dazwischen die vier Sym- 
bole der Evangelisten. 
Die zu dem Kelche 
gehOrige Patene zeigt in 
der vertieften Mitte ei- 
nen Vierpafs, dessen vier 
Ecken mit graviertcn 
(wol ehemals niellier- 
ten?) Engelbrustbildern 
ausgefttllt sind. Rings 
um den Rand l&uft die 
Inschrift: En panis sa- 
cer et fidei laudabile 
manus Omnibus omnis 
adest et sufficit omnibus 
unus. Fig. 1 gibt die 
Ansicht des Kelches, 
Fig. 2 — 5 auf der fol- 
genden Seite die vier grofsen Medaillons. Die HOhe des Kel- 
ches betragt 14,7 cm., der Durchmesser der Cupa 12 cm. 
Nurnberg. A. Essenwein. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



166 



Arnold Mag and seine Tochter, Peter Yischer's 
Schwiegertochter. 

(Fortsetzung.) 

Eb mdge verstattet sein, hier einige Beitr&ge zur Kennt- 
nirs der Familienverb&ltnisse des beruhmten Meisters zu ge- 
ben, die auch nach dem, was Mayer in „des alten Nttrnbergs 
Sitten und Gebr&uche" gegeben bat, nicht uberflttssig sein 
mOchten. Der alte Hermann Vischer, Peters Vater, eingewan- 
dert und Burger geworden, wie Mayer gezeigt hat, 1453, hatte 
yon seiner ersten Ehe- Flg> 

frau Felicitas aufser die- 
sem Sobn eine Tochter 
Martha, die mit Peter 
Mulich, von unbekann- 
ter Lebensstellung, ver- 
heiratet war. Nach dem 
Tode der Felicitas nahm 
Hermann Vischer eine 
zweite Frau, Namens 
Anna, die ihm drei Kna- 
ben gebar und ihn ttber- 
lebte. Schon am Din stag, 
29. Jan. 1488 erklarte 
Anna, Hermann Vischer's 
des Rotbscbmieds Witt- 
we, mit Zeugnifs von 
Niclas KOler, Endres 
von Watt und Sebald 
Schreier, dafs ihre Stief- 
und rechten Kinder (be- 
ziehungsweise der letz- 
tern Vormttnder) ihr fur 
alle ihre Ansprttche 29 fl. 
rh. ausgezahlt haben, wo- 
mit sie auf Alles ver- 
zichtet, ausgenommen 
auf das, was von den 

Erbfallen ihrer eigenen Kinder ihr zustehen wurde. Am folgen- 
den Tage, 30. Jan., erkl&rten Peter Vischer, Rothschmied, und 
Martha, Peter Mulichs eheliche Wirthin, an einem, und Hanns 
Gerstuer und Hanns Gutbier, als Vormttnder Bartholomes, H&nns- 
leins und Enderleins, Hermann Vischer's seligen Kinder von 
seiner zweiten Frau, am andern Theil, dafs sie sich uber den 
Nachiafs Hermann Vischer's dahin vertragen haben, dafs Peter 
Vischer und Martha, seine Schwester, den Vormttndern fur jedes 
Kind 75 fl. geben sollen, wobei Peter Ntttzel und Sebald Schreier 
Zeugen waren. Sodann erklftrt am Montag, 4. Febr. Peter Vi- 
scher an einem, Peter Mulich und Martha, seine eheliche Wir- 
thin, am andern Theile, dafs sie sich urn alien Hermann Vi- 
scher's und Felicitas, seiner Wirthin, ihrer Eltern seligen, Nach- 
lafs so vertragen haben, dafs Peter Vischer seiner Schwester 



noch 240 fl. herausgeben soil, wofttr sie sich aller AnsprQche 
begibt, und er ubernimmt auch, ohne Entgelt seiner Schwester, 
die Zahlung der den Stiefgeschwistern bedungenen dreimal 75 fl. 
Hiebei sind Wilhelm Hegnein und Sebald Schreier Zeugen. 
Ob Peter Vischer damals schon verheiratet war, ist nicht ge- 
wifs, da nirgends seine Frau genannt ist, auch da nicht, als 
er am 9. Febr. den Vormttndern der Stiefkinder fur die rich- 
tige Bezahlung der dreimal 75 fl., die in Fristen erfolgen sollte, 
sein ganzes Hab und Gut verp&ndet, bei welcher Handlung 
die Zustimmung der Frau, da sie eventuell einstehen mufste, 
2^5. jedenfalls erforderlich 

war; doch dtirfte es 
wahrscheinlich sein, da 
der Ans&rsigmachung 
und dem Meisterwerden 
die Verehelichung in der 
Regelvorausgieng. Eben- 
so lafst sich der Name 
der Frau nicht mit Ge- 
wifsheit bestimmen. Nach 
einem vom 12. Aug. da- 
tierten, jedenfalls nach- 
traglichen Vertrag we- 
gen der Zuschtttze — 
welches Dokument aber 
auch einen andern Peter 
Vischer, da seine Le- 
bensstellung darin nicht 
angegeben ist, betreffen 
kann, — hiefs sie Do- 
rothea; in einem von 
| Peter Vischer eigenh&n- 
t dig an Peter Harfsdorf- 
fer den jttngern vom 17. 
Nov. 1493 gerichteten 
Briefe spricht er von 
dem „Abgang seiner lie- 
ben Hausfrauen, der Gott 
gnftdig sei", so dafs er jedenfalls Wittwer war, als er die 
Margaretha, die 1522 auf St. Rochus begraben wurde und 
vermuthlich die Mutter aller seiner Kinder war, heiratete. Ob 
er nachher noch einraal geheiratet habe, ist wenigstens nicht 
unwahrscheinlich. 

Das aiteste dieser Kinder war nun ohne Zweifel der den 
Namen des Ahnherrn tragende Hermann, der mit Ursula, Ar- 
nold Mag's Tochter, verheiratet war. Von dieser Verheiratung 
und zugleich von Arnold Mag's Hingang erf&hrt man aus einer 
Urkunde vom Freitag, 18. Nov. 1513, worin Ursula, Hermann 
Vischer's eheliche Wirthin, mit Wissen und Willen Peter Vi- 
scher's, ihres Curators und Schwfthers, „auch in Beiseyn jeztge- 
melts ihres Ehevogts", vor Gericht erklttrt, dafs sie in Willen 
sttlnde, ihre Behausung am Sand, welche sie von Arnold Mag, 



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167 



Anzeiger fiir Eunde der deutschen Vorzeit. 



168 



ihrem Vater, geerbt hat, zu verkaufen. Weil sie aber noch 
minderjahrig, so ware ihre Bitte, in diesen Verkauf yon Ge- 
richts wegen zu willigen, und da dieses geschehen, so verkauft 
sie das Haas an Jorg Felles nm 425 fl. Da die ubrigen Be- 
stimmungen des Hanses mit denen des Eanfs vora 16. Febr. 
1495 ubereinstimmen, so ist kein Zweifel, dafs es das von Ar- 
nold Mag erkaufte Haus ist, and der Unterschied des Eauf- 
preises crklart sich darans, dafs das jetzt als frei and eigen 
verkaufte Hans damals mit einem mittlerweile abgelflsten Ei- 
genzins belastet gewesen war. Im folgenden Jahr erschienen 
▼or Gericht Hanns Schneider and Sebald Behaim, fiir sich 
and Heinrich Flucken, ihren Mitvormand, als weiland Arnolden 
Mag's seligen Geschafts and Kinder Yormttnder, and mit ihnen 
Ursala, Hermann Vischer's eheliche Wirthin, obgedachts Magen 
Tochter, mit Wissen and Willen ihres ehelichen Haaswirths 
and ihr hierza von Gericht gegebenen Curators , und brachten 
vor, dafs sie um ihrer Pflegekinder und Geschwister Nutzen 
willen im Willen stunden, die 20 fl. rh., die Arnold Mag seli- 
ger auf der Stadt Coin vergangener Zeit um 500 fl. rh. erkauft, 
zu verkaufen. Weil sie aber niemand batten, der mehr dar- 
auf gelegt, als Wolf Hofmann, von wegen Agnesen, Gott- 
schalk Hurts, Burgers zu Coin ehelicher Wirthin, und die ge- 
meinen geschriebenen Rechte, auch dieser Stadt Statut und 
Reformation ausdrucklich verbieten, der Pflegekinder Hab und 
Gut ohne Erlaubnifs der Obrigkeit zu verkaufen, und es ihnen 
beschwerlich ware, jahrlich die Zinsen so fern ein- und herzu- 
bringen, und sie um diese Eaufsumme die Zinsen hie wohl er- 
langen und zu Wegen bringen kOnnten, wofern ihnen die Er- 
laubnifs gegeben wurde, gedachte jahrliche Zinsen anzugreifen 
und zu verkaufen: so bat en sie, ihnen diese Verftnderung zu 
bewilligen, auch gemelten Wolf Hofmann anstatt Agnes Gott- 
schalk Hurtin zu erlauben, das also gerichtlich zu thun; wo- 
rauf ihnen die Erlaubnifs ertheilt wurde, und sie diese 20 fl. 
rh. Ewiggeld dem Wolf Hofmann um 470 fl. verkauften, wovon 
70 fl. verfallene Zinsen, die er ihnen baar (d. h. sogleich) ent- 
richtet und bezahlt habe, worttber die Verk&ufer quittierten; 
die 400 fl. aber solle Hofmann zu den vier folgenden Frank- 
furter Herbst- und Fasten -Messen mit je 100 fl. bezahlen. 
Geschehen am Frei tag, 21. Juli 1514. Obgleich in dem hier 
so, dafs nichts Wesentliches ubergegangen ist, regestierten 
Briefe von Pflegekindern und Geschwistern geredet wird, so ist 
doch nur eine, damals noch unvermfchlte Tochter, der Ursula 
jttngere Schwester, bekannt. Wolf Hofmann ist der Eingangs 
genannte Faktor der Fugger. Die eigentliche Eauferin aber, 
Agnes Hurtin, war auch ein Nttrnberger Stadtkind, Erhart Ro- 
ten und der Barbara Gerungin Tochter, die in Urk. v. 29. 



Juli 1495 Jungfrau Agnes Rotin genannt wird und in Urk. y. 
12. Mai 1514: Agnes, Gotts chalk Hurts zu Coin eheliche Haus- 
frau, Bartholomaus Vischer's des alten Stieftochter. Dieser Vi- 
scher, ein seiner Zeit beruhmter Goldschlager, hatte ihre Mut- 
ter, seine erste Fran, als Wittwe geheiratet Er starb 1518 
(Eiefh. Nachr. I. 151) und hat mit dem Rothschmied und den 
Seinen nichts gemein als den Namen, 

Nun hdrt man erst, nach ungefahr anderthalb Jahren, et- 
was urkundlich Gewisses uber Hermann Vischer, als er er sich 
nftmlich ein Haus kaufte. Am Mittwoch, 2. Jan. 1516 bekannte 
Hanns Rot vor Hanns Eoburger und Mathes Jorian, als erbe- 
tenen Zeugen, dafs er Hermann Yischern, dem Rothschmied, ver- 
kauft habe die Erbschaft der sechs H&user, die ancinander in 
St. Lorenzen Pfarr, vornen im Eingang gegen Mitternacht sehend, 
auf der einen Seite, gegen Aufgang der Sonne, an der Zwolf- 
Bruder-Behausung, und an der andern Seite, gegen Untergang 
der Sonne, an Seizen Bicdermann's Hof gelegen, und dazu die 
zwei eigenen H&user an einander hinten an den vordern sechs 
Gcmachen im Hof liegend, mit der freien Ein- und Durchfahrt, 
unten und zwischen denselben sechs Gemachen stehend, auch 
dem Hof, Brunnen, Garten und dem Lusthauslein im Garten, 
alles hinten gegen Mittag, an Peter Wernhers Garten stofsend. 
Er gelobte auch, den Kaufer der sechs Behausungen und dazu 
die frei eigenen Behausungen, Durchfahrt, Hof und Garten for 
frei eigen, und die Erbhauser fur Erbe zu wahren und zu ver- 
treten, da cr ihm 757 fl. rh. dafur bezahlt habe. In diesen 
Eauf willigte Ludwig Imhof, der die Eigenschaft mit 6 fl. rh. 
und dazu 1 fl. Gatterzins auf den sechs Behausungen hatte. 
Jakob Grimmen, des nicht unbekannten Steinmetzen, Baumei- 
sters der ersten steinernen Brucke (jetzt Maxbrucke) und des 
Chors von St. Lorenzen Pfarrkirche, und seiner Ehefrau Clara 
beider seligen Erben hatten 1512 das Anwesen an Hanns Rot, 
Michel Roten zu Lauf Sohn, verkauft, der eine Tochter des 
jungeren Hanns Behaim, des Landbaumeisters, zurFrau hatte. 
Auch damals wird die Lage ebenso wie hier bezeichnet 
Durch das Mendlische Zwdlfbruderhaus, das am Eck der vor- 
dern Karthausergasse und dem jetzigen Eornmarkt, ehedem 
Steig, gelegen, noch vor Aller Augen steht, wird man wohl 
nicht irren, wenn man das gekaufte Anwesen als L. 980 be- 
zeichnet. Im Uebrigen hat die Zeit alle andern Verhiltnisse 
wesentlich unkenntlich gemacht; namentlich ist es wahrschein- 
lich, dafs der Besitz sich uber den Umfang dieses gegenwartigen 
Hauses hinaus crstreckt habe. Denn, selbst die geringste Breite 
der sechs Gemacber oder Behausungen zugegeben, wie man 
noch hie und da einzelne, die nur ein Fenster breit sind, se- 
hen kann und in frttherer Zeit unstreitig noch mehr sehen 
konnte, so wurde das ebengenannte Haus, das eine Breite von 
drei Fenstern hat, doch nicht genugen, und das gekaufte An- 
wesen mufs sich noch weiterhin erstreckt haben. 



Nurnberg. 



(Schlufs folgt.) 



Lochner. 



(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedrnekt bei U. E Sebald in N&rnberg. 



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BEILAGE ZUM AMEIGER FUR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1873. Jtf 6. Jnni. 



Chronik des gcrmanischen Museums. 



Numb erg, 15. Juni 1873. 

Ihre Majestat die deutsche Kaiscrin Augusta, Konigin von 
Preufsen, hat auch in diesem Jahre die Gnade gehabt, unsere von 
ibr so oft unterstQtzte, bo gnadig crmunterte und woblwollend ge- 
forderte Anstalt mit einer Gabe von 200 fl. zu erfreuen, fur welche 
wir hier aufrichtigsten Dank darzubringen haben. 

Nachdem die Schatze, welche una im Laufe des Winters und 
Fruhjahrs zu zeitweiliger Ausstellung zugesagt wurden, nunmehr 
eingetroffen, sind solche in dem dafiir bestimmten Saale I seit eini- 
gen Tagen dem Publikum vorgeftthrt. Schon friiher haben wir er- 
wahnt, dafs Se. Maj. der Konig von Sachsen zu diesem Zwecke 
die Darleihung einiger Prachtschwerter aus dem kgl. historischen 
Museum zu Dresden bewilligt hat. Ebenso hat uns Se. Maj. Kai- 
ser Wilhelm den kostbaren Pokal, der frQher als eine Arbeit Ben- 
venuto Cellini's gait, nunmehr aber, seit die Forschung nachge- 
wiesen, dafs Deutschlands Meister jener Zeit hinter den Italienern 
nicht zurflckstanden, als eine Niirnberger Arbeit betrachtet wer- 
den kann, zur Ausstellung, doch leider nur auf wenige Tage uber- 
lassen. Yon Sr. Erlaucht, Herrn Grafen v. Giech sind einige 
schone Sachen eingesandt, ebenso von Herrn S. Pickert hier, von 
Herrn v. Humbracht in Rudolstadt und dem histor. Yereine zu 
Wiirzburg. Die grofste Zahl kostbarer Schatze hat aber Se. Durch- 
laucht, Fiirst Georg von Schwarzburg - Rudolstadt dem germani- 
schen Museum fur seine Ausstellung zugewiesen. Es ist dies eine 
Reihe von Prachtwaffen, besonders eingelegte Gewehre und Pisto- 
len aus dem Zeughause des Schlosses zu Schwarzburg, eine An- 
zahl Limousiner Emaillen, Goldschmiedarbeiten , Elfenbeinschnitz- 
werke, sowie einige sehr interessante Bronzegegenstande, der ger- 
manischen Periode angehorig, an verschiedenen Orten des Fiirsten- 
thums ausgegraben. Se. Durchlaucht hat aber nicht nur die Gnade 
gebabt, solche herrliche Werke zur Ausstellung zu leihen, sondern 
auch vier Schwerter aus der Mitte des 16. Jhdts. mit zierlich ge- 
gliederten Griffen und einen Sattel, mit Sammt- und Seidenstoff 
uberzogen aus derselben Zeit, dem Museum zum Geschenke ge- 
macht. 

In dem am 13. d. M. zu Berlin erfolgten Tode des k. preufsi- 
schen geh. Regierungsraths und Universitatsprofessors Dr. Fried- 
rich von Raumer, des Nestors der deutschen Historiker, hat auch 
der Gelehrtenausschufs des german. Museums den Yerlust eines 
seiner geehrtesten Glieder zu beklagen. 

Im Anschlusse an die in Nr. 12 des Jahrgangs 1872 des An- 
zeigers gebrachten Pflegschaftsveranderungen haben wir folgende 
nachzutragen : 

Eine neue Pflegschaft wurde errichtet in Strafsburg. Pfle- 
ger: Dr. Aug. Schricker, Senats - Sekretar der Universitat, 8. 
I. Januar d. J. Folgende Pflegschaflcn wurden neu besetzt: Co- 
hurg. Pfleger: Moriz Brand, herzogl. Rentkommissar , s. 18. 
Mai d. J. Dusseldorf. Pfleger: v. Schaumburg, Oberst z. 
Disp., and Grot Johann, Maler, 8. 1. Juni d. J. Mflnchen. 



Pfleger: Theod. Ackermann, Buchhandler, u. A. Merzba- 
cher, Banquier, s. 1. Januar d. J. Neuburg a. D. Pfleger: 
Fr, Xav. Seidl, Lehrer a. d. k. Gewerbschule, s. 20. April d. J. 
Oppenheim. Pfleger: P. Steiner, Realschuldirektor, s. 6. Juni 
d. J. Pegnitz. Pfleger: Ferd. Wockel, k. Pfarrer, s. 18. 
April d. J. Rudolstadt. Pfleger: Dr. B. Anerouller, geh. 
Archivar u. Professor, s. 1. Juni d. J. Schonberg (Hessen). Pfle- 
ger: Dr. med. Bernh. Jos. Eraufs in Bensheim, s. 13. Juni 
d. J. Stargard. Pfleger: Dr. Herrn. Ziemer, Gymnasialleh- 
rer, 8. 4. Mai d. J. Windsheim. Pfleger: E. Pohlmey, k. Stu- 
dienlehrer, 8. 26. Januar d. J. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Yon Dlstriktsgemef nden : Annweller. 10 fl. Bergzabern. 
10 fl. Illertissen. 10 ti. Kastl. 10 fl. Mailersdorf. 10 fl. Paraberg. 
10 fl. Zusmarshausen. 10 fl. 

Yon Vereinen: Reutlingen. Yerein f. Natur- u. Alterthums- 
kunde 10 fl. 

Yon Privaten: Annaberg. Georg Schmidt, 1 fl. 10 kr. Buch- 
holz. Adler, Commerzienrath , (statt friiher 1 fl. 10 kr.) 1 fl. 45 kr. 
Budingen. Prinzefs Adelheid zu Ysenburg u. Biidingen, Durcbl., 2 fl. ; 
Schwarz, Lehrer, 1 fl. ; M. Wertbeimer, Kaufmann, 1 fl. Cleve. Frei- 
herr Adolph v. Wittgenstein, Oberforster, 3 fl. 30 kr. (nicht 1 fl. 
45 kr. , wie irrthQmlich in der vor. Nr. des Anzeigers mitgetheilt 
wurde). Erlangen. Stud. phil. Heinrich Tillraann , 1 fl. Gottingen. 
Ringe, Gymnasiallehrer, 1 fl. 45 kr. Lauf. Einfalt, Yikar, 30 kr. ; 
Mehlis, Studienlehrer, 1 fl. Merseburg. Fraulein Antonie Berger, 1 fl. 
45 kr. Metz. Lowenthal, Kaufmann, 2kr. 20 kr. ; Pauli, Landge- 
richt8rath, 1 fl. 45 kr.; Dr. Vix, Regierungs- u. Medizinalrath, lfl. 
45 kr. MlcheUtadt. Lower, Sekretar, (statt friiher lfl.) 1 fl. 12 kr. ; 
Marguth, Pfarrverwalter, 1 fl. Neuburg a. D. Hans Gronen, k. Pre- 
mier lieu tenant, 1 fl. 45 kr. ; Dr. Kugler, k. Assistenzarzt, 1 fl. 45 kr. ; 
Aug. Prechter, Buchhandler, 1 fl. 45 kr. ; C. Schilcher, k. Ingenieur, 
lfl. 45 kr. Pllnken (Ostpreufsen). Freiherr v. Printz, Ritterguts- 
besitzer, lfl. 45 kr. Reutlingen. Egmont Fehleisen, Buchhandler, 
2fl. ; Carl Poppel, Fabrikant, 2 fl. Soett Rademacher, Gerichte- 
rath, 1 fl. 45 kr. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Yon Privaten: Anerbach. Ernst Meltzer, Superintendent, 
35 kr. Dresden. Dr. Otto Meltzer 35 kr. Frankenberg. Theodor 
Gnanck, Kaufmann, 1 fl. 45 kr. ; Karl Friedr. Jescbke 35 kr. ; Mel- 
tzer, Burgermeister, 35 kr. ; Karl Friedr. Rudiger 35 kr. ; Gustav 
Schiebler, Kaufmann, 1 fl. 45 kr., Clemens Schieck, Kaufmann, 1 fl. 
45 kr. Landau. Franck, Subrektor, lfl. Soesl E. Beltmann, lfl- 
45 kr. ; von der Crone, Pastor, 1 fl. 45 kr. ; Dorrenberg, Rathmann, 
lfl. 45 kr.; Fix, Seminardirektor , lfl. 45 kr.; Fritsch, Landratb, 
1 fl. 45 kr. ; Jordan, Gymnasialdirektor, 1 fl. 45 kr. ; Josephson, Pa- 
stor, lfl. 45 kr. ; Dr. Legerlotz, Prorektor, lfl. 45 kr.; Lentze, 
Rechtsanwalt, 1 fl. 45 kr. ; von Michels, Geh. Justizrath, 1 fl. 45 kr. ; 
W. von Koppen lfl. 45 kr. ; Schdtte, Rentner, 1 fl. 45 kr.; E.Vor- 
werck, Oberlehrer, 1 fl. 45 kr. ; Ziegler, Buchhandler, 1 fl. 45 kr. 

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu: 

I. Fur die kunst- und kulturgeschichtliohen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6900-6916.) 
Berlin. Comite" fur die Ausstellung im Zeughause: 



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171 



Aazeiger fur Eunde der deutschen Yorzeit. 



172 



261 Pbotographieen aus der Ausstellung alterer kunstgewerblicher 
Gegenstande im k. Zeughause im Herbst 1872. — Dresden. L. Gr li- 
ner, Direktor des k. Kupferstichkabinets : 6 Kupferstiche von der 
Hand des Hrn. Geschenkgebers. — Ntirnberg. Buhl, Schneider- 
meiater : Ein auf Leinwand gezogenes historisches Blatt von 1673. 
Frau Rosch, Drechslers- Wittwe : Fayenceschflssel, 18.— 19. Jbdt. 
Schniidel, pens. Feldwebel : Kupfermedaille auf die Bescbwo- 
rung der franzos. Verfassung von 1790. Zirk, Kaufmann : 10 
Stck. Abdrucke von Miinzen des 17. u. 18. Jbdts. — Regensburg. 
Ziegler,k. Bauanitsassessor : Gypsabgufs des roraanischen Lowen- 
kopfes an der Kirchenthore zu Reichenbach. Verzierter Urnen- 
deckel, gefunden zu Regensburg. Bruchstiick einer Thonfliese aus 
St. Erameran in Regensburg. 3 romische Kupfermiinzen, 3 Thon- 

§efal'se u. Bruchstiick eines Glases, gefunden unter dem Fundament 
es Gymnn8iums zu Regensburg. Bruchstocke romischer Glas- und 
Thongefalse, kleine Urne und Lowenkopf von Thon, gefunden zu 
Regensburg. Lowenmaske von Tbon, ebendaselbst gefunden. Ei- 
serne Votivfigur aus der Kirche zuPenk. — Rudolstadt. Se. Durch- 
laucht Fiirst Georg von Schwarzburg - Rudolstadt: 
Schwarzbedruckte Leinwandflagge von 1741. 4 Schwerter und 
Prunksattel vom 16. Jbdt. 2 Photograpbieen nach alterthumliehen 
Trinkgefafsen, im Besitze des durchlaucht. Herrn Schenkers. — 
WIen. Graf Crenneville, k. k. Oberstkammerer : Silbermedaille 
auf die Yermablung des Herzogs Leopold Maximilian von Bayern 
und der Erzherzogin Gisela, von Tautenhayn. 

II. Fur die Bibliothek. 

(Nr. 29,959—30,956.) 

Aaran. H. R. Sauerlander's Verlagshndl. : Sutermeister, 
Kinder- u. Hausmarchen aus d. Schweiz. 1873. 8. — Arnstadt. Di- 
rektion des Gymnasiums: U hi worm, Arnstadt im zweiten 
Jabrzehent des 16. Jahrhunderts. 1873. 4. — Basel. Direktion 
derGewerbeschule: Becker, d. deutschen Satznamen. 1873. 4. 

— Berlin. Dr. J. Friedlander, Direktor des k. Miinzkabinets : 
Ders., Geschichte des k. Miinzkabinets zu Berlin. 1873. 8. Sonder- 
abdr. C. G. Liideritz'sohe Verlagsbucbb. (C. Habel): Pfleiderer, 
Theorie des Aberglaubens. 1873. 8. Fraas, d. alten Hohlenbewoh- 
ner. 1873. 8. Naumann, Deutsch lands musikalische Heroen. 1873. 
8. Rosch, d. Wesen und die Geschichte der Sprache. 1873. 8. 
v. Schulte, liber Kirch enstrafen. 1872. 8. Dr. R. Graf Still- 
fried, k. Oberceremonienmeister , Excel I. : Ders., zum urkundli- 
chen Beweise ub. die Abstammung des preufs. Konigshauses von 
den Grafen von Hohenzollern. 1873. 4. Sonderabdr. — Branden- 
burg. AdolphMuller, Buchh. : Wirth, Jean Paul Friedr. Richter 
als Padagoge. 2. Aufl. 1872. 8. — Braunschweig. Friedr. Vie- 
weg u. Sohn, Verlag6h. : Globus, hg. v. Andree; Bnd. 21 u. 22. 
1872. 4. Sonnenburg, die Heroen der deutschen Literatur; l.Bd. 
1872. 8. — BrOssel. Acade'mie royale des sciences, des 
lettres et des beaux-arts deBelgique: Dies., memoires 
etc. t. XXXIX. 1872. 4. Memoires couronnes et autres memoi- 
res; t. XXIL 1872. 8. Bulletins etc t. XXXI — XXXIV. 1871 u. 
72. 8. Annuaire etc.; 38. et 39. annee. 1872. 1873. 8. Compte 
rendu des seances de la commission royale d'histoire ; 3™« ser., 
t XII, 4. 5. XIII. XIV. 4me 8 er. t. I, 1. 1871-73. 8. Centieme 
anniversaire de fondation ; 1. 1. II. Ifc72. 8. Bormans , ouddietsche 
Fragmenten van den Parthonopeus van Bloys. 1871. 8. Praet, 
speghel der wijsheit of leeringhe der zalichede. 1872. 8. A d. Quo- 
te let, secretaire perpetuel de l'academie royale: Ders., tables de 
mortalite et leur developpement. 1872. 4. Ders., de Phomme con- 
sidere dans le systeme social etc. 8. — Colmar. v. Cuny, k. Ap- 

Sellrath: Revue d' Alsace; II. annee, avril— juin. 1873. 8. — Cur. 
onradin von Moor: Dero., Geschichte von Curratien ; XIII. 
Heft 1873. 8.— Dlllingen. Kauff man n, grafl. Fugger'scher Do- 
maneninspektor : Frick, Ulmisches Monster. 4. — Dor pat. Kais. 
Universitat: 13 akademische Gelegenheitsschriften. 1872—73. 
4. 8. — Epfenbaoh (Baden). E. Michel, Pfarrer: Wilhelmi, Is- 
land, Hvitramannaland , Gronland u. Vinland. Prospectus. Hs. 4. 

— Fell (Rheinpfalz). Wilh. Reichhold, Pfarrer: Munch v. Bel- 
linghausen, Protocoll der Reichs-Friedens-Deputation zu Rastatt; 



1 — 6. Bnd. 1800. 4. — Freiburg I. Br. Wagner'sche Buchh.: 
Schinzinger, d. Reserve-Lazareth Schwetzingen im Kriege 1870 a. 
1871. 1873. 8. — 6enf. Ed. Fick, Buchdruckereibesitzer : Com- 
plaincte et cantiques de Peglise fide I e. 1551. 8. — Gotha. Justus 
Perthes, Verlagshndl.: Gothaiscbes genealogisches Taschenbuch. 
1873. 16. Almanach de Gotha. 1873. 16. Gothaisches genealog. 
Taschenbuch der grafl. Hauser. 1873. 16. Gothaisches genealog. 
Taschenbuch der freiherrl. Hauser. 1873. 16. v. Spruner's Hand- 
Atlas f. die Geschichte des Mittelalters u. der neuern Zeit 3. Aufl. 
1.— 9. Lief. 1871 — 73. qu. Imp. 2. — Hannover. Schmorl a. 
v. Seefeld, Verlagshndl.: Seinecke, Lehrbuch der Geschichte d. 
deutschen National-Literatur ; 2. Aufl. 1873. 8. — Kiel. Schlesw.- 
Hol 8t.-Lauenb. Gesellschaft f. d. Samml. u. Erhaltung 
vaterlandischer Alterthumer: Dies., XXXIII. Bericht: vor- 
geschichtl. Steindenkmaler in Schleswig - Holstein ; 2. Heft. 1873. 
4. Dr. K. Weinhold, Univers.-Professor : Ders., die deutsche 
geistige Bewegung vor hundert Jahren. 1873. 4. — Koln. Histor. 
Verein fiir den Niederrhein: Ders., Annalen etc.; 25. Heft 
1873. 8. — Landsberg a. d. W. Fr. S chaffer u. Co., Buchh.: En- 
gel, Geschichte aus der niederen Volksklasse. 1872. 8. — Laadl- 
hut. Verein f. Forderung der Kunstindustrie in Mie- 
derbayern: Ders., der Kunsthandwerker ; I. Jhrg. Nr. 1. 1873. 
8. — Leipzig. Otto Spamer, Verlagshndl.: Engelmann, Ge- 
schichte des Handels u. Weltverkehrs ; 3. Aufl. 1873. 8. Klencke, 
Alex. v. Humboldt's Leben u. Wirken, Reisen u. Wissen ; 6. Aufl. 
1870. 8. Otto, deutsche Dichter- u. Wissensfiirsten im 18. u. 19. 
Jahrh. 1873. 8. Grosse u. Otto, vor funfzig Jahren. 1863. 8. Mo- 
thes, illustrirtes Baulexikon ; 3. Aufl. 1. Thlr.-Lief. 1873. 8. F. C. 
W. Vogel, Verlagsh. : Jonckbloet's Geschichte der niederlandi- 
schen Literatur; 2 Bnde. 1870 u. 72. 8. Otto Wigand, Ver- 
lagsh. : Feuerbach , Anselm Ritter von Feuerbach's Leben u. Wir- 
ken; 2 Bnde. 1852. 8. — Linz. Museum Francisco-Caroli- 
nura: Dass. , 31. Bericht etc. nebst Beitrage ; Lief. 26. 1873. 8. 
Dass., Urkundenbuch etc. ; Bnd. VI. 1872. 8. Das oberosterr. Mu- 
seum Francisco-Carolinum. 1873. 8. — Liibeck. Wilh. Mantels, 
Professor, u. C. J. M^lde: Dies., der Todtentanz in der Marien- 
kirche zu Liibeck. 1866. qu. 2. — Mainz. Dr. K. G. Bocken- 
heimer, Bezirksgerichtsrath : Ders., die Mainzer Patrioten in den 
Jahren 1793—1798. 1873. 8.— Mannheim. Beck, Oberhofgerichts- 
registrator: Jongelinus, notitia abbatiarum ordinis Cistertiensia 
per orbem universum; X libri. 1640. 2. Heesius, manipulus re- 
rum memorabilium claustri Hemmenrodensis. 1641. 2. Henriquez, 
lilia Cistercii. 1633. 2. — Marburg. Dr. Friedr. Munscher, Gym- 
nasial direktor : Braun, d. Tage v. Canossa unter Heinrich IV. 1873. 
4. Progr. — Miinchen. K. Hof- u. Staatsbibliothek: Catalo- 
gus codicum latinorum bibliothecae regiae Monacensis ; torn. I, 
p. III. 1873. 8.— Niirnberg. Carl Kohl er, Historienmaler : Ders,, 
d. Trachten der Volker; 7. Lief. 1872. 8. Friedr. Korn'sche 
Buchhndl. : Die Volksschule des XIX. Jahrh. ; 7. Lief. 1873. 8. 
Maximilians-Heilungs- Anstalt : Dies., 59. Jahres- Bericht 
aufd. J. 1872. 1873. 4. — Prag. Lese- u. Redehalle der deut- 
schen Studenten: Dies, Jahres-Bericht, 1872—73. 1873. 8. — 
Riga. N. Kymmel, Verlagsh.: v. Bunge, liv-, est- u. curland. Ur- 
kundenbuch ; VI. Bnd. , 7. u. 8. Heft. 1873. 4. — Seehausen (Alt- 
mark). Dr. Ludw. Gotze, Gymnasialoberlehrer : Ders., urkundl. 
Geschichte der Stadt Stendal ; 11. Lief. 1872. 8. — Strassborg. 
Moritz Schauenburg, Verlagsh.: Illustrirte Dorfzeitung; 8. 
u. 9. Bnd. 1870 u. 71. 4. — Stuttgart. J. G. Cotta'sche Buchh.: 
Grimm in cer, Lug-in's-Land. Gedichte in schwab. Mundart 1873. 
32. — Turin. Guido Cora: Cosmos; vol. I, 2. 1873. 8. — Veae- 
dig. Istituto Vencto di scienze, lettere ed arti: Dass., 
memorie etc.; vol. XVI, 2. 4. — Wake bei Gottingen. Friedr. 
Herm. Alb. v. Wangenheim: Ders., Regesten u. Drkunden zor 
Geschichte des Geschlechts Wangenheim; II. 1872. 8. — WeNNT. 
Geographisches Institut: Kiepert, Gallia u. Britania. 4. Kie- 
pert, d. rom. Donau-Provinzen, Germania u. Sarmatia. 4. — War 
nlgerode. Dr. Ed. Jacobs, grafl. Stolb. Archivar u. Bibliotheksr: 
Ders., frubeste Erwahnung der noch bestehenden Ortschaften des 
Herzogth. Magdeburg. 8. — WIen. Se. Majestat Franz Jo- 
seph I., Kaiser v. Oesterreicb: Leitner, die hervorragend- 
sten Kunstwerke der Schatzkammer des osterreich. Kaiserhauses ; 



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173 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



174 



Text. 1873. Imp. 2. Eais. Akademie der Wissenschaften: 
Dies., Sitzungsberichte etc.; Bnd. 70, 1.— 3. H. u. 71, 1. — 4. H., 
nebst Register. 1872. 8. Denkschriften etc.; pbilos.-histor. CI., 

21. Bd. 1072.4. Archivfurosterreich. Gescbicbte ; Bd. 48, 1. 1872.8. 
Fontes rerum Austriacaruro ; 2. Abtb., 36. Bnd. 1871. 8. Almanach; 

22. Jahrg. 1872. 8. Furstl. Schwarzenberg'sches Cen- 
tra larch iv: Die Archive des fiirstl. Hauses Schwarzenberg a. L. 
1873. 8. Katalog zur Collectiv-Ausstellung der Fursten Joh. Adolf 
a. Adolf Josef zu Schwarzenberg. 1873. 8. K. k. geographic 
ache G esel lachaft: Dies., Mittheilungen etc.; XV. (n. F. V.) 
Bnd. 1873. 8. Dr. A dalb. Horawitz, Univers.-Professor : Ders., 
zur Geschichte derKlosterwirthschaft; I. u. II. 1872 u. 73. 8. Son- 
derabdr. Dr. Franz Eiirschner: Ders., die Urkunden Herzog 



Rudol's IV. von Oesterreich. 1873. 8. — WQrzburg. A. Stuber's 
Buchh. : Rofabach, Geschichte der Gesellschaft ; Th. VI. 1873. 8. 

III. Fur das Arohiv. 

(Nr. 4322—4323.) 
Dillingen. Kauffmann, grafl. Fugger'acher Domaneninspektor : 
Aussage des Adam Leinsanffl von Derndorf vor dem Gerichte zu 
Mindelheim iiber die von ihm veriibten Verbrechen and Uebel- 
thaten. 1615. Akten. — Niirnberg. C. Zirk, Kaufmann: Papiere, 
welche sich auf die Begrabnifsieierlichkeiten der Frau Susanna 
Helena, Wittwe des Wolf Adam Friedrich Stromer von Reich en- 
bach, geb. Loffelholz von Colberg, in Niirnberg beziehen. 1764. 
Akten. 



Chronik der historischen Vereine. 



Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften. Philosophisch-historische Classe. LXX. Band. 
Heft I— m. Jahrg. 1872. — Janner, Februar, Marz. 1872. 8. 

Beitrage zur Kenntnifs der Rom-Sprache. II. Von Dr. Friedr. 
Muller. — Ueber das mittelhochdeutsche Buch der Marterer. Von 
Josef Haupt. — Beatus Rhenanus. Von Ad. Horawitz. — Der Ordo 
iudiciarius des Codex Bambergensis P. I. 11. aufgefunden und zu- 
erst publicirt durch Dr. Joh. Friedr. Ritter von Schulte. 

LXXI. Band. 1.— 4. Heft. Bibliotheca Patrum Latinorum Ita- 
lic*. Von Aug. Reifferscheid. V. — IX. Die Bibliotheken von Ve- 
nedig, Florenz, Neapel, La Cava und Monte Cassino. — Eutropius 
und Paulus Diaconus. Von Prof. Dr. W. HarteL — Ueber die ro- 
mische Reichsstrafse von Virunum nach Ovilaba und iiber die Aus- 
grabungen in Windisch-Garsten. Von Dr. Frdr. Kenner. — Ueber 
das md. Arzneibuoh des Meisters Bartholomaeus. Von Jos. Haupt. 

— Des Beatus Rhenanus literarische Thatigkeit in den Jahren 1508 
— 31. Von Ad. Horawitz. — Die Wohnsitze der Kelten auf der 
pyrenaischen Halbinsel. Von Hofrath G. Phillips. — Ueber die 
Bruchstacke eines frankischen Gesprechbuchleins. Von Dr. E. 
Weinhold. — Ueber Entetehung und Bedeutung der Formel : „Salva 
svedis apostolicae auctoritate" in den papstlichen Privilegien von 
Dr. Frdr. Thaner. 

Register zu den Banden 61 bis 70 der Sitzungsberichte der 
philos.-histor. Classe der kais. Akad. d. Wise. VII. Wien, 1872. 

Archiv fur osterreichische Geschichte. Herausgege- 
ben von der zur Pflege vaterlandischer Geschichte aufgestellten 
Commission der kais. Akad. der Wiss. Achtundvierzigster Band. 
Brste Halfte. Wien, 1872. 8. 

Denkschriften des Fursten Kaunitz-Rittberg. Von Adolf Beer. 

— Das Tagebuch des Grafen Ferdinand Bonaventura von Harrach 
wahrend seines Aufenthaltes am spanischen Hofe in den Jahren 
1697 und 1698. Nebst zwei geheimen Inatructionen. Von Dr. A. 
Gaedeke. 

Fontes rerum Austriacarum. Oesterreichische Geschichts- 
quellen. Herausg. von der histor. Comm. der kais. Akad. d. Wiss. 
in Wien. Zweite Abtheilung. Diplomataria et acta. XXXVI. Band. 
Sammlung von Urkunden zur Geschichte der ehemals freisingischen 
Besitzungen in Oesterreich. Hrsg. von J. Zahn. HI. Band. Wien, 
1871. 8. 

Denkschriften der kais. Akad. d. Wiss. Philosophisch- 
historische Classe. Einundzwansigster Band. Wien, 1872. 4. 



Ueber die Mundarten und die Wanderungen der Zigeuner Eu- 
ropa's. I. Von Dr. Franz Miklosich. — Die Glosse zum Decret 
Gratians von ihren Anfangen bis auf die jungsten Ausgaben. Von 
Frdr. v. Schulte. 

Almanach der kais. Akad. d. Wiss. Zweiundzwanzigster Jahr- 
gang. 1872. Wien. 8. 

Heraldiach-genealogiache Zeitschrift. Organ des 
heraldisch-genealogischen Vereines „Adler" in Wien. 
IH. Jahrg. Nr. 5. Wien, Mai, 1873. 4. 

Ein heraldisches Musterblatt vom Jahre 1486, mitgetheilt von 
Friedr. Heyer von Rosenfeld. — Erloschene grafliche Familien in 
Mahren. — Wappen aus dem Saale des Schlosses Dorfheim beim 
Markte Saalfelden im Mitter-Pinzgau. (Gustav Mayrhofer.) 

Einunddreifsigster Bericht fiber dasMuseum Fran- 
cisco-Carolinum. Nebst der sechsundzwanzigsten Lieferung 
der Beitrage zur Landeskunde von Oesterreich ob der Ens. Linz, 
1873. 8. 

Angelegenheiten des Museums. — Bemerkungen iiber die mit- 
getheilten Fundgegenstande in romischen Gebauden zu Windisch- 
ganten bei Spital am Pyhrn. Von Dr. L. Lindenschmit. — Ein 
Dokument fur das Vorkommen der Einmauerung Lebendiger in 
Oberosterreich, mitgetheilt von Albin Czerny. — Ein Raubmord 
zu Freizell im Jahre 1659. Von Franz Vanderbank. — Ein Mis- 
sale mit Miniaturen in der Bibliothek des Chorherrenstiftes St. Flo- 
rian. 

Urkundenbuch des Landes ob der Ens. Herausgege- 
ben vom Verwaltungs-Ausscbufs des genannten Museums. Sechs- 
ter Sand. Wien, 1872. 8. 721 Stn. 

Das oberd8t<erreichi8che Museum Francisco-Caro- 
linum in Linz. Linz, 1873. 8. 

Darstellung der Wirksamkeit, Sammlungen und Publicationen 
wahrend der 40 Jahre seines Bestehens (1833—73). 

Der Verein fur die Geschichte der Provinz Preu- 
fsen, gegrundet im Dezember v. J., hat seine erste offentliche 
Sitzung am 8. April in Konigsberg abgehalten. Direktor Teppen 
hielt einen Vortrag fiber die Geschichte der Stande Preufsens, 
durch welchen die Versammlung unmittelbar in die in Aussicht 
genommene Hauptarbeit des Vereins, die Herausgabe der Akten der 
Standetage, eingefuhrt wurde. Der zweite Vortrag, von Dr. M. 
Perlbach behandelte die erste Eroberung Samlands. Die weiteren 
Mittheilungen betrafen geschaftliche Angelegenheiten. 



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175 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



176 



Der Deutsche Herold, Zeitachrift for Heraldik, Sphragi- 
stik und Genealogie. Organ des Vereins fur Siegel- und 
Wappenkunde („Herold") zu Berlin. IV. Jahrg. 1873. 
Nr. 4. 4. 

Der „Lilienhaapel" und dessen Entstehung. Mit einer artisti- 
schen Beilage. (Tilesius von Tilenau.) — Zwei preufsische Wap- 
penverleihungen fiir englische Edelleute. (J. Graf v. Oeynhausen.) 

— Mittheilungen uber adeliche Familien, welche in der freien 
Reichaatadt Aachen das Btirgerrecht hatten. — |Jemerkungen liber 
gleichnamige Geschlechter Hoyningen u* Huene. — Von Maltitz. 
(H. v. Goldegg.) 

Nr. 5. Siegel der Abtei Waltham in England. (Tilesius v. Ti- 
lenau.) — Der heraldische „Schachroche". (C. Chi. Frhr. v. Rei- 
tzenstein.) — Eine Helmstreitigkeit zwischen den Herren zu Ha- 
nau und den Grafen zu Rieneck. (Seyler.) — Wappen der Fami- 
lie von Goeckingk. (H. v. Goeckingk.) 

Monatshefte fiir Musik-Geschichte, herausgegeben von 
der Ge8ell8chaft fiir Musikforschung. V. Jahrg. 1878. 
Nr. 4. «. 

Drucke von Ottaviano Petrucci auf der Bibliothek des Liceo 
filar monico in Bologna. Ein bibliographischer Beitrag zu Ant. 
Schmidt Ottaviano dei Petrucci (Wien, 1845) von Fr. X. Haberl. 

— Die Kirchenmelodien Johann Criiger's. Von Bode. 

Nordhausens mittelalterliche Kunstdenkmaler 
gez. von Eugen Duval. Im Auftrage der Nordhauser gection 
des Harz -Vereins herausgegeben von Dr. Theodor Perschmann. 
Heft II mit 3 Steindrucktafeln. Nordhausen, 1872. 8. 

Annalen des historischen Vereins fiir den Nieder- 
rhein, insbesondere die alte Erzdiocese K51n. Fiinfundzwanzig- 
stes Heft. Koln, 1873. M. Du Mont-Schauberg'sche Buchhand- 
Iung. 8. 

Die Kunstgilde der Topfer in der abteilichen Stadt Siegburg 
und ihre Fabricate. Von J. B. Dornbuach. — Der Reichsvicekanz- 
ler Dr. Matthias Held. Von Dr. Ennen. — Die sogcnannten Per- 
sonate in einigen Pfarrkirchea am Niederrhein. Von Dr. Mooren. 

— Schlofs Bensberg. Von Dr. Harlefs. — Der Meister des Schrei- 
nes am Hauptaltare in der Pfarrkirche zu Kempen. Von Dr. H. 
Keufsen. — Die Kreuzigung Petri, von P. P. Rubens, in der Kir- 
che St. Peter zu Koln. Von Dr. Ennen. — Weisthum des Dorfes 
Heerdt Von C. F. Strauven. — Weisthumer von Richard Pick. 

— Die Wurzeln „snu" und „lag a in deutschen Flufs- und Orts- 
namen. Von Dr. Mieck. 

Organ fiir christliche Kunst, hrsg. u. redigirt von J. 
van Endert in Koln. Organ des christlichen Kunstvoreins 
fur Deutsohland. Nr.9. 10. — Koln, 1873*— XXIII. Jahrg. 4. 

Die Darstellung des Bosen in der mi ttelalter lichen Kunst. — 
Zwei dreigewolbige Bauten in Worms. — Antiquitatenfunde. — 
Aelteste Darstellungen der heiligen Jungfrau. — Walafridi Strabi 
(f 849) picturae historiarum novi testamenti. 

L'investigateur. Journal de la Societe des Etudes 
Historiques — ancien Institut Hiatorique — . Trente-neuvieme 
Annee. Livraisons de Janvier et Fevrier 1873. Paris, 1873. 8. 

Biographie des grands inventeurs dans les sciences, les arts 
et l'indu8trie. Aerostation (Montgolfier etc.). 

Annuaire de l'Academie Royale des Sciences, des 
Lettres et des Beaux-arts de Belgique. 1872 et 1873. 
Trente-huitieme et trente-neuvieme Annee. Bruxelles, 1872. 1873. 8. 



Bulletin de l'Academie . . . . de Belgique. 40»« Annee, 
2™ Sen, T. XXXI. 1871. Bruxelles, 1871. 8. 

Episodes des relations exterieures de la Flandre: Guillaume 
De Deken, le bourgeois negociateur ; notice par M. Varenbergh. — 
Ce que l'on appelait en Brabant les Treves du comte (Treugae od- 
mitis), et, a ce propros, de la Paix institute par l'eveque de Liege 
Henri Ier ? notice par Alph. Wauters. 

T. XXXII. La sauverainete hereditaire du prince d'Orange 
dans les provinces de Hollande, de Zelande et d'Utrecht (1580), 
par M. le baron Kervyn de Lettenhove. — Nouveaux documents 
pour la tradition iconographique des Neuf Preux , notice par M. 
t. Fetis. 

T. XXXIII. Jeanne la Folle et Charles Quint (2me partie), par 
M. Gachard. — Voyage de Paul I« en Belgique, en 1782, notice 
par M. Gachard. — Une lettre de Symier au due d'Anjou, par M. 
lo baron Kervyn de Lettenhove. 

T. XXXIV. Un voyage au treizieme siecle, notice par M. Va- 
renbergh. — Messire Henri Kerens, eveque de Ruremonde, note 
par M. Wauters. — Marie Stuart d'apres les documents conserves 
au chateau d'Hatfield, par M. le baron Kervyn de Lettenhove, — 
Declaration de la reine Elisabeth contre le prince d'Orange et ses 
adherents (1575), par le meme. 

Compte rendu des seances de la commission royale dliis- 
toire, ou recueil de ses bulletins. Troisieme Serie. Tome dou- 
zieme. IVme et Vme Bulletins. Bruxelles, 1871. 8. 

Notice sur un cartulaire de la tresorerie des comtes de Hai- 
naut. Par M. Leop. Devillers. 

T. treizieme. Analectes historiques, 17 m « et derniere Serie. 
Par M. Gachard. — Comptes de l'expedition d'fidouard l*r en 
Flandre. Par M. le baron Kervyn de Lettenhove. — Inventaire 
des joyaux, ornements d'eglise, vaisselle, tapiaseries, livres, ta- 
bleaux, etc., de Charles-Quint, dresse a Bruxelles au mois de mai 
1536. Par M. Michelant. — Les Seigneuries et les Seigneurs en 
Brabant au dix-huitieme. siecle. Par M. Gachard. 

T. quatorzieme. Lettres de Joseph II. sur les troubles des 
Pays-Bas en 1787 et la revolution de 1789. Par M. Gachard. — 
Notice des cartulaires de la collegiale de Saint -Denis, a Liege. 
Par M. Stanislas Bormans. — Inventaire des bagnes, ornaments 
d'eglise, pierres, vaiselles, tapiaseries, livres, etc., de Philippe II, 
fait a Bruxelles au mois de mars 1589. Par M. Michelant. — 
Analyse des documents relatifs au projet de manage d'£lisabeth et 
du due d'Alencon, qui sont conserves au chateau d'Hatfield. Par 
M. le baron Kervyn de Lettenhove. — La vente publique, a Bru- 
xelles, du mobilier de la cour et des eglises et couvents en 1580 
et 1581. Par M. L. Galesloot. — Notice d'un cartulaire du clerge 
secondaire de Liege. Par M. Stanislas Bormans. 

Quatrieme Serie. T. premier. Ier Bulletin. Notice des ma- 
nuscrits concernant Thistoire de la Belgique qui existent a la Bi* 
bliotheque royale, a Berlin. Par M. Gachard. — Recueil de let- 
tree de Viglius a ses amis, de Janvier 1576 a avril 1577. Par M. 
le baron Kervyn de Lettenhove.. 

Memoires couronnes et autres memoires, publies par 
PAkademie .... de Belgique. Collection in -8. — Tome XXII, 
Bruxelles, Avril 1872. 

Het gealacht der Artevelden in te veertiende eeuw en de Na* 
latenschap van Philip Van Artevelde; door Frans De Potter. — » 
L'art dans la societe et dans Petat; par fidouard Fetis. 



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177 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Yorzeit. 



178 



Academie etc. Centieme Anniversaire de Fondation 
(1772—1872). Tome premier et second. Bruxelles, 1872. 8. 

Ouddietsche Fragmenten van den Parthonopeus 
van Bloys, grootendeels bijeenverzameld door wijlen professor 
Ferdinandus Deycks, en verder in orde gescbikt en kritisch uit- 
gegeven op last van de k. Akademie van Belgie, door J.-H. Bor- 
Brussel, 1871. 8. XXXIV u. 420 Stn. 



Speghel der wijsheit of leeringhe der zalichede, van Jan 
Praet, westvlaemschen dichter van 't einde der XIII© eeuw, voor 
de eerste mael uitgegeven van wege de k. Akademie van Belgie, 
door J.-H. Bormans. Brussel, 1872. 8. XV u. 208 Stn. 

Memo ires de PAkademie etc T.XXIX. Bruxelles, 1872. 4. 

Memoire hiatorique et statistique sur les Quatre Metiers et 
les iles occidentales de la Zelande; par M. J. -J. De Smet. 



Nachrichten. 



Literatur. 



Neu crschienene Werke. 
17) Die Reichsstadt Kaufbeuren and die baierische 
Restaurationspolitik. Ein Beitrag zur Vorgeschichte 
des dreifsigjahrigen Krieges von Felix Stieve. Miinchen, 
1870. M. Rieger'sche Universitatsbuchhandlung (Gustav 
Himmer). 102 Stn. 8. 

Ein kleines, aber gehaltvolles und lehrreiches BuchI Die 
grofse Bewegung einer ganzen Zeit spiegelt sich in dem Leben 
einer kleinen Stadt ab and gewinnt aus den scheinbar unbedeu- 
tenden Vorgangen in derselben roannigfache Aufhellang. Wir 
werden zugleich belehrt, wie ein neuer Gedanke, oft mit ent- 
tcheidendem Uebergewicht durchgefiihrt und eben so oft wieder 
zuruckgedrangt and unterdruckt, nach miihsamen Umwegen 
und Wechselfallen endlich doch zu dauernder Verwirklichung ge- 
langt. 

In Kaufbeuren wurde im Jahre 1524 der erste thatkraftige 
Versuch zur Einfiihrung der kirchlicben Reformation unternom- 
men. Er scheiterte indefs bald; denn da gleichzeitig auch der 
Aufruhr der schwabischen Landleute ausgebrooben war, den man 
sich mit der Wirksamkeit der religidsen Neuerer in enger Verbin- 
dung dachte, so benutzten dies die Gegner zur Verdachtigung. 
Die Bewegung wurde daher auf Befehl des schwabischen Bundes 
strenge unterdruckt, und in den folgenden achtzehn Jahren be- 
hauptete in Kaufbeuren die katholische Kirche ihre frohere Herr- 
achaft. 

Im Jahre 1543 traten plotzlich unter der Mehrheit der gerin- 
geren Burger entschieden feindselige Gesinnungen gegen dieselbe 
hervor. Sie mochten durch die religidsen ZusammenkQnfte, welche 
damals im Sinne Kaspar Schwenkfelds , des schlesischen Mysti- 
kers, durch ganz Schwaben hin veranstaltet wurden und auch in 
Kaufbeuren Eingang fanden, angeregt worden sein. Die ersten 
Mafsnahmen des Ratbes im reformatorischen Sinne trugen wenig- 
stens ganz das Geprage derselben. Dieser Umstand beschaftigte 
bald die oflentliche Meinung und erregte insbesondere die Auf- 
merksamkeit der protestantischen St&nde, denen die angeblichen 
Schwarmereien eines Schwenkfeld wie die Wiedertauferei ebenso 
verhafst waren, als die Einrichtungen der romiechen Kirche. Sie 
sorgten dafur, dafs im Jahre 1546 der evangelischen Gemeinde von 
Kaufbeuren in der Person des Thomas Kirchmair (Naogeorgus) ein 
regelrechter Prediger vorgesetzt wurde. Seine Wirksamkeit sollte 
indessen nicht von langer Dauer sein. Gerade um diese Zeit er- 



focht der Kaiser seine Siege uber den schmalkaldischen Bund. 
Das Interim wurde erlassen, und in Folge dessen der Protestantis- 
mus in Kaufbeuren zum zweiten Male unterdruckt. 

Aber auch dieser Rockschlag hatte keinen Bestand. Kaum 
dafs die kaiserliche Uebermacht durch den Passauer Vertrag 
und die darauf folgenden Ereignisse ihre Endschaft erreicht 
hatte, so wurden die katholischen Mitglieder aus der stadtisclien 
Verwaltung wieder entfernt und durch Manner von entschieden 
protestantischer Gesinnung ersetzt. Dies gescbah im Jahre 1554. 
Der neue Rath, durch die bisherigen Erfahrungen gewitzigt, gieng 
ubrigens mit grofser Vorsicht zu Werke. Er liefs sich nur Schritt 
fur Schritt, und nur wenn die oflentliche Meinung unaufhaltsam 
dazu drangte, zur Einfiihrung der einzelnen protestantischen Ein- 
richtungen bewegen. Dieser langsame Prozefs vollzog sich bis zum 
Jahre 1584. Damals war die Zahl der Katho liken bis auf ein 
Zehntel der gesammten Bevolkerung herabgesunken. 

Gleichwohl hatte auch damit der Streit seine Endschaft noch 
keineswegs erreicht. Er entzundete sich theils an dem Kalender- 
streite, der in dem kleinen Gemeinwesen eine lange Verwirrung 
anrichtete, theils an der Frage iiber Benutzung der Kirchen. Den 
von auf 8 en her aufgestachelten Katholiken gelang es, ihre Ange- 
legenheit vor den Kaiser Rudolf II. zu bringen, und eine von die- 
sem eingesetzte Commission entscbied, nach lange hin und herge- 
zogenen Verhandlungen, kurz vor dem Ausbruche des dreifsigjah- 
rigen Krieges im Wesentlichen zu ihren Gunsten. Was diesen an 
sich unerquicklichen Handeln eine besondere Bedeutung verlieb, 
war der Umstand, dafs die bayerischen Herzoge Wilhelm und sein 
Sohn Maximilian I. ihre Hand dabei for tw ah rend im Spiele hatten* 

Damit endigt die Erzahlung der Schrift. Sie deutet nur noch 
an, dafs im Jahre 1627 der Protestantism us mit rucksichtsloser 
Gewaltsamkeit vollstandig unterdruckt, wahrend des dreifsigjahri- 
gen Krieges aber von der schwedischen Besatzung regelmafsig wie- 
derhergestellt, und von der kaiserlichen eben so oft aufs neue be- 
seitigt wurde bis der westfalische Friede die Zustande vor 1624 
zuriickfuhrte. Aber auch nach diesem Abschlusse dauerten die 
Reibungen zwischen den beiden kirchlichen Parteien noch lange 
Zeit fort. 

Die Darstellung ist unparteiisch , klar und tlbersichtlich. An 
einzelnen S tell en hatten wir ausfuhrlichere Mittheilungen aus Ak- 
ten and Urkanden gewunscht A. F. 

18) Maleri8ohe Ansichten aus Nurnberg. Original- . 
radirungen von L. Ritter. Mit erlauternden Bemerkun- 



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179 



Anzeiger fur Eunde der deutschen Vorzeit. 



180 



gen von R. Bergau. L— III. Lief. Nflrnberg. 1871—1873. 
S. Soldan's Hof-Buch- und Musikalienhandlung. 2. 

Seit den ersten bildlichen Darstellungen der Stadt Nurnberg 
aus dera 15. Jahrhundert hat dieselbe im Ganzen wie in ihren 
Einzelheiten unzahlige Male einen Stoff kiinstlerischer Behandlung 
abgegeben. C. G. Mtiller in seinem Verzeichnifs von niirnbergi- 
schen topographi8ch-hi8torischen Kupferstichen und Holzschnitten 
zahlt bis zum Jahre 1801 mehr als 2000 in diesen Bereich fallen- 
der Blatter auf. Wie viel ist seitdem noch geliefert wordenl 
Alles Fruhere charakterisiert sich durch eine auffallende Nuchtern- 
heit.der Auffassung, fur die wir keineswegs durch Genauigkeit der 
Darstelluug entschadigt werden. Man sieht deutlich, wie ea den 
fruheren Darstellern weniger urn den Gegen stand an und fflr sioh, 
als um dessen Beziehungen zur Stadt oder deren Bewohnerschaft 
zu thun geweaen, und wie ihnen oft wenig mehr als ein Hinweis 
auf seinen Zweck, seine Geschichte u. 8. w. genugte. Die oben 
genannten malerischen Ansichten gehen von entgegengesetztem 
Prinzipe aus. Sie fassen das beatimmte Motiv auaschliefslich in 
seiner augenblicklichen Erscheinung auf und gebcn, indem sie sich 
aufs innigste dessen Eigenthttmlichkeiten anschmiegen, nicht nur 
einen wahrhaft historischen Abdruck, sondern auch, was sie zu- 
nachst bezwecken, ein echt poetisches Bild, dem eine vollendete 
Meisterschaft der Ausfohrung den letzten Werth verleiht Diese 
Ansichten flbertreffen somit Alles, was auf diesem Gebiete ihnen 
▼orausgegangen ; als Radierungen stehen sie dem Beaten an der 
Seite, was die Neuzeit geliefert. Zu den schonsten Blattern geho- 
ren die Aussicht vom Burgzwinger, die Ansicht des Einflusses der 
Pegnitz durch die Stadtmauer, der sogen. Kaiserhof, Ansicht der 
Westseite der Stadt, der schone Brunnen, der Prunksaal im Rupp- 
recht'schen Hause u. s. w. Der Text gibt in gedrungenster Kiirze 
die nothigen Anhaltspunkte zur Erklarung. v. E. 



Aufa&tae in Zeitechriften. 

Die Gartenlaube: Nr. 23. Die Zeidler im Nurnberger Reichs- 

wald. (V. J. M. Lotter.) 
Im neuen Reich: Nr. 24. Die Papstwahl von 1159 und ihre 

Folgen. (W. Lang.) 
Preufs. Jahrbiicher: April, S. 431. Die Sage von der Bestat- 

tung KarPs des Gr. (Theodor Lindner.) 
Korrespondent v. u. 1 D. : Nr. 303 ff. Schlofs Runkelstein bei 

Bozen. 
Mittheilungen des k. k. Oeaterr. Museums f. Kunst und 

Industrie: Nr. 93. Ausstellung einer Anzahl Druckwerke, 

darstellend die Entwicklung der alteren Buchdruckerkunst in 

Mahren. Zusammengest. von Dr. B. Dudik. 
Illustr. deutsche Monatshefte: Mai, S. 154. Geschichte 

des Kupfers. Von Jakob Noggerath. — Juni, S. 280. Ursprung 

des deutschen Volksaberglaubens, besonders in Bezug aufPflan- 

zen. (M. J. Schleiden.) 
Revue des deux mondes: 15. Mai, S. 436. Les origines du 

regime feodal. (Fustel de Coulanges.) 
Sdnntagsblatt (v. Fr. Duncker): Nr. 16. Die Tafelrunden des 

Mittelalters. (C. Muller-Fiirstenwalde.) 
(Grazer) Tagespoat: Nr. 123 (Mgbl.). Das alteste Metallfab- 



rikat Steiermarks (vorrom.) in der Weltauaatellung. (Dr. Frdr. 

Pichler.) 
Wochenblattd.Joh.-Ord.-BalleyBrdbg.:Nr.23. DieStadte 

Konigsberg und Bahn im Streite mit Johannitem. (Oskar 

Schwebel.) — Nr. 24 f. Die deutschen Kaiser in der Yolks- 

sage. (Ders.) — Zur Geschichte der Johanniter- Commends 

Lietzen. (Ders.) 
All gem. Zeitung: Beil. Nr. 157. Pfingsten in Gunzele. (Jobs. 

Schrott.) 
Frank. Zeitung: Sonnt-Beig. , Nr. 20. Yon der Altmuhl: Die 

Fossa Carolina oder der Karlsgraben. 



Yermischte Nachrichten. 

42) Zum „ersten kunstwissenschaftlichen Congrefs 
in Wien" ladet ein Comite, dessen Vorsitzender Hr. R. Eitel- 
berger v. Edelberg ist, durch gedrucktes Schreiben ein. Der Con- 
grefs findet in den Tagen vom 1. bis 3. September im k. k. oster- 
reichischen Museum zu Wien, Stubenring Nr. 5, statt und wird 
sich mit der Erorterung nachstehend bezeichneter kunstwissen- 
schaftlicher Gegenstande beschaftigen : Die Anforderungen der 
Kunstwissenschaft an die Anordnung, Katalogisjerung und Ver- 
waltung der Museen; die Conservierung von Kunstwerken (Ge- 
malden, 6 ffent lichen Denkmalern, kirchlichen Miniaturen, Hand- 
zeichnungen u. s. w.) ; der kunstgeschichtliche Unterricht an Hoch- 
und Mittelechulen ; Grundung eines Repertoriums der Kunstwissen- 
schaft und Anlage eines kunstgeschichtlichen Regeatenwerkea ; Re- 
productionen von Kunstwerken und deren Verbreitung im Interesae 
der Museen und des Eunstunterrichtes. Antrage, die zu einer 
Discussion Anlafs zu geben sich eignen, sind bis 1. August einzu- 
reichen. Das Comite macht gleichzeitig bekannt, dafs aufser der 
den Werken alter Kunst und Kunst Industrie gewidmeten Gruppe 
der Wei tauss tell ung auch noch eine beaondere Ausstellung alter 
Bilder aus dem Wiener Privatbesitz wahrend der Monate August 
und September d. J. im k. k. dsterreichischen Museum atattfin- 
den wird. 

43) In den Tagen vom 8. — 14. Mai wurde eine Sammhmg 
aeltner Hand- und Druckschriften aus der Verlassenschaft 
des Justizraths Barnheim in Insterburg in Berlin verateigert 
Der Verewigte hatte im Laufe von fast 50 Jahren Gelegenheit, 
zum Theil aus aufgelosten Klosterbibliotheken, wie der von Oliva 
bei Danzig, St. Petri in Erfurt u. s. w., manche Kostbarkeit so. 
erwerben, und so ist es erklarlich, dafs Pergament -Manuscripts 
bis zu 151 Thalern bezahlt wurden. Dieselben waren allerdingt 
mit in schonster Farbenpracht prangenden Initialen, Miniaturen 
und Randverzierungen versehen. Von Manuscripten auf Papier 
kam Jacobus de Theramo's Belial von 1448 auf 101 Thaler und 
alte Mainzer Drucke — J. Guttenberg ante 1460 — wurden bis 
151 Thaler bezahlt und aufserdem mit aehr guten Preisen Nurn- 
berger aus der Officin von Regiomontanus und Romische aus der 
von Conr. Sweynheim und Am. Pornartz. Der Gesammtertrag der 
Versteigerung stieg iiber 5000 Thlr. (Dzgr. Ztg.) 

44) Bei einer unlangst in England stattgefundenen Verstei- 
gerung von seltenen alten Buchern und Manuscripten 
kam ein Exemplar der ersten gedruckten lateinischen Bibel (Mogun- 
tiae r per Fust et Schoffer) mit einem Datum, auf Pergament ge- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



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drackt, aus der La Valliere-Bibliothek unter den Hammer, die mit 
780 Pfd. St. bezahlt wurde. w Bible historiee", ein prachtiges Ma- 
nuscript auf Porgament, mit 130 Miniaturbildern, 2 Bande, erzielte 
490 Pfd. St. ; „Biblia Germanica", die erste Ausgabe der deutschen 
Bibel, 80 Pfd. St.; eine von Millea Corerdale in 1535 iibersetzte 
Bibel, die erste Ausgabe der beil. Schrift in englischer Sprache, 
400 Pfd. St. Die von Thomas Matthew 1537 iibersetzte Bibel, ein 
aufserst rares Werk, aus welchem jedoch zwei Blatter fehlen, 
190 Pfd. St.; eine zweibandige lateinische Bibel (Venetiis, per J. 
Jensen, 1476), auf Pergament gedruckt, ein prachtvolles Buch, 
299 Pfd. St., u. s. w. (Frk. Kur., Nr. 285.) 

45) Bei dem vor ein paar Monaten in Joachims thai (Boh- 
men) stattgefundenen Brand e sind auch die herrlichen Kirch en- 
gemalde von Lucas Granach und Albrecht Durer ver- 
nichtet, ferner die prachtigen Holzschnitzereien , die in ihrer 
VolJendung an die Kunstwerke eines Veit Stofs erinnerten. Ueber- 
dies hatte die Kirch e einen bedeutenden Reichthum an kostbaren 
Gefafsen etc, die sammtlich zu Grunde gegangen sind. 

(Dr. Kunstztg., Nr. 16, 20. Apr.) 

46) Jeder Besucher Bambergs erinnert sich der imposanten 
Gebaude des ehemaligen Benediktinerklosters Michaelsberg, welche 
auf einem vorspringenden Hiigel Stadt und Umgegend beherrschen* 
In ihnen befindet sich das Burger-Hospital, und in einigen nicht 
sonderlich geeigneten Zimmern desselben war bis vor Kurzem 
die stadtische Bildersammlung aufgestellt. Als nun vor einiger 
Zeit ein getrennter FlBgel, der s. g. Kanzleibau, frei geworden, 
wurde er sofort zur Aufnahme der stadtischen Kunstsamm- 
lungen bestimmt. Der derzeitige Biirgermeister Dr. Schneider 
fand in dem Hofmaler Hauser den richtigen Maun zum Konserva- 
tor, and so ist jetzt ein stadtisches Museum geschaffen worden, 
auf das die Bamberger mit voller Befriedigung blicken konnen. 
Die stadtischen Kunstsammlungen entstanden zunachst durch die 
Schenkung der Galerie des Domvikars Hammerlein, welcher die fur 
Sammler so giinstige Zeit kurz nach der Sakularisation zum billi- 
gen Erwerbe manches werthvollen Bildes zu benutzen verstanden 
hatte ; mit ihr wurde n dann die friiher schon testierten Bilder der 
Geistlichen Betz und Schellenberger vereinigt. Vor einigen Jah- 
ren erwarb die Stadt auch die Sammlung des Inspektors Heunisch, 
und in der letzten Zeit erhielt sie noch vom Staate eine Reihe 
werthvoller Bilder aus der Schleifsheimer Galerie zur Aufstellung 
uberlassen. Demnachst wird auch die bekannte grofse Kupfer- 
stich- nnd Holzschnittsammlung des verstorbenen Kunstschrifts tel- 
lers Joseph Heller, welche ebenfalls Eigenthum der Stadt ist und 
zur Zeit noch in der dffentlichen Bibliothek sich befindet, hier zur 
Aufstellung kommen. Die Gemalde selbst sind jetzt, streng histo- 
risch geordnet, in 12 Zimmern und einem Saal aufgehangt; in ei- 
nem zweiten Saale werden Gegenstande des Kunstgewerbes aufbe- 
wahrt. Am zahlreichsten vertreten sind die deutschen und die 
niederlandischen Schulen, weniger die italienischen , franzosischen 
nnd epanischen. Unter den Werken der Eleinkunst ist besonders 
ein berrlicher Teppich mit neun Passions -Bildern aus dem Jahre 
1480 and eine Sammlung kunstvoller alter Schlosser beachtens- 
werth. (Beibl. z. Ztschr. f. bild. Kunst, Nr. 30.) 

47) Je mehr die Reste des zu Anfang Mais zu Re gens burg 
auagegrabenen rdmischen Propugnaculums hervortreten, am so 
mehr steigert sich das Interesse an diesem so seltenen Werke ro- 
mischer Befestigungskunst. Der ausgehobene Grundstein hat aller 



Wahrscheinlichkeit nach schon bei dem Einlassen an den Rand em 
Schaden gelitten, so dafs die Inschrift etwas defect ist. Dieaelbe 
erscheint in Buchstaben von etwa 6 Cm. Hohe auf einer Platte 
von 2 M. Lange, 90 Cm. Br. und 12 Cm. Dicke, und diirfte fol- 
gendermarsen zu lesen sein : 

DRIANI. NEPOS. DIVI TRAIANI P 

RIMVS. TRIB. POTESTATIS. XXXVI. I 

Vs. MAXIMVS. ANTONINI. IMP. 

COM. PORTIS. ET TVRRIBVS. EFG. 

MENTE DEXTRIANO. LEGAV. 

(Allg. Ztg., Beil. Nr. 136.) 

48) Vor einiger Zeit wurden in Karnten romische Stein- 
denkmale aufgefunden : ein Meilenstein bei Oberdrauburg aus 
dem Jahre 304, ein Sarkophag aus den Ruinen von Teurnia, ei- 
ner rdmischen Stadt, welche auf dem Hiigel ob dem Marktflecken 
Spittcl in Oberkarnten lag, wo sich jetzt die Ortschaft St. Peter 
im Holz befindet, zwei Steinreliefs an der Pfarrkirche zu Tiffen 
bei Feldkirchen, ein Sarkophagdeckel nachst der Schlofsruine 
Strafsfried und eine Inschrift zu St. Martin, Filialkirche der Pfarre 
Klein St. Veit, welche u. a. zwei Namen, Capitor und Atimeria, 
enthalt, die keltischen Ursprungs zu sein scheinen. 

(Das Ausl., Nr. 21 ; a. d. Carinthia.) 

49) Gelegentlich einiger Taucherarbeiten auf dem Meeres- 
grunde der Kjoge-Bucht stiefs man auf einen Scbiffsrumpf, 
den man seiner Lage nach sogleich far die Reste des danischen 
Linienschiffes „Danebrog" annahra, dessen Untergang eines der 
schonsten Blatter der danischen Kriegsgeschichte ist. Wahrend 
des Treffens in der Kioge-Bucht am 4. Oktober 1710 zwischen ei- 
ner danischen Flotte unter A. Chr. Gflldenlowe und einer schwe- 
dischen Flotte unter dem Admiral Wachtmeister gerieth das Li- 
nienschiff „Danebrog", das erste Kriegsschiff, welches vom jetzigen 
danischen Kriegswerfte vom Stapel gelaufen, in Brand. Der Chef, 
Ivar Huitfeld, machte zuerst Versuche, das Feuer zu ldschen, je- 
doch ohne Erfolg; er konnte jetzt die Mannschaft nur dadurch 
retten, dafs er das Schiff auf seichten Grund segelte ; um dieses 
aber moglich zu machen, mufste er durch die ganze danische 
Flotte hindurch auf die Gefahr hin, dieselbe durch sein brennen- 
des Schiff in Brand zu stecken. Er zog daher vor, sein eigenes 
und der Mannschaft Leben aufzuopfern, warf den Anker aus und 
gab dem Feinde Schufs auf Schufs, bis das Feuer die Pulverkam- 
mer erreichte und das Schiff mit ihm und seiner heldenmathigen 
Mannschaft von 500 Mann, von denen nur einige wenige gerettet 
wurden, in die Luft sprang. Die angestellten naheren Untersu- 
chungen haben vollstandig erwiesen, dafs es der Rumpf dieses 
Schiffes ist, auf den man gestofsen ; in demselben hat man einige 
Skelette jener tap fern Seekrieger gefunden, und durch Hulfe der 
Taucher hat man etwas Tauwerk geborgen, das sich im Lehm- 
grunde vollstandig gehalten hat, nebst 11 metallenen Kanonen^ 
die alle vor 1710 gegossen sind und deutliche Spuren des Feuera 
and der feindlichen Kugeln tragen. Einige dieser Kanonen schei- 
nen in der Schlacht in der Kjogen-Bucht 1677 den Schweden ge- 
nommen zu sein, und mehrere darunter sind fur die Waffenge- 
geschichte von besonderm Interesse. Wahrscheinlicher Weise wer* 
den diese der in vielen Beziehungen vorzuglichen geschichtlichen 
Waffen8ammlung des danischen Zeughauses einverleibt werden. 

(Frk. Kur., Nr. 279.\ 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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50) Braunsberg, 14. April. Am 8. d. wurde auf den Lan- 
dereien des benachbarten Gutes Hammersdorf von einer Instfrau 
ein stark mit Rost Cberzogener Metallic lump en im Gewicht von 
ca. 2 Pfund bemerkt und aufgenommen. Dieselbe hielt den Fund 
fur altes Eisen und verkaufte solchen an einen hiesigen Handler 
fur 2 Sgr., der wiederum mit einigen Silbergroschen Gewinn den 
gefundenen Gegenstand an einen zweiten Handler veraufserte. 
Dieser untersuchte den Gegenstand naher und fand unter dem 
Roste nicht Eisen, sondern feines Silber, wonach der Fund 
einen reellen Werth von etwa 40 Thlr. reprasentiert. Der Handler 
beseitigte den Rost; es stellte sich nunmchr der Gegenstand als 
ein Theil eines eilbernen antiken Gerathes heraus, anscheinend von 
einer grofsen Schale herruhrend. Durch das Reinigen war das 
urspriinglich zusammengebogene Stuck in mehrere Theile zerlegt 
worden, und liefsen einzelne davon, namentlich ein Randstiick, recht 
saubere Gravierungen, ein Jagdstiick darstellend, erkennen, welche 
einstens vergoldet gewesen. (Dzgr. Ztg. Nr. 7854.) 

51) Unter den j tings t bekannt gemachten Preisaufgaben 
der furstlich Jablonowski'schen Gesellschaft zuLeip- 
zig befinden sich folgende aus der Geschichte und Nationalokono- 
mik: Fur das Jahr 1873 : eine Darlegung der nationalokonomischen 
Ansichten, welche die vornehmsten Handelsrechts-Schriftsteller des 
16. und 17. Jahrhunderts, zumal vor Colbert, ausgesprochen haben. 
(Preis 60 Ducaten.) Fur das Jahr 1873 (vom vorigen Jahre pro- 
longiert) : eine quellenmafsige Geschichte des polnischen Getreide- 
handels mit dera Auslande. (Preis 60 Ducaten.) Fur das Jahr 
1874: eine eingehende Erforschung des besondern Verbal tnisses, 
in welchem innerhalb der indogermanischen Gemeinschafb die Spra- 
chen der littauisch-slawischen Gruppe zu den germanischen stehen. 
(Preis 60 Ducaten.) Fiir das Jahr 1875 : eine Geschichte der Aus- 
breitung und Weiterentwickelung der deutschen Sprache in Ost- 
und Westpreusfen bis zum Ende des |15. Jahrhunderts, rait be- 
sonderer Riicksicht auf die Betheiligung der beiden deutschen 
Hauptdialekte an 

derselben. Der Preis 
betragt 60 Ducaten ; 
doch wurde die Ge- 
sellschaft mit Ruck- 
sicht auf die bei der 
Bearbeitung wahr- 
scheinlich nothig 
werdenden Reisen 
und Corresponden- 
zen nicht abgeneigt 
■ein , bei Eingang 
einer besonders aus- 
gezeichneten Losung 
den Preis angemes- 
sen zu erhdhen. Fur 
das Jahr 1876: Eine 



(wenn auch nur begrenzte) Geschichte des Haringsfangs und Harings- 
handels im Gebiete der Nord- und Ostsee. (Preis 700 Mrk.) Die Preis- 
bewerbungsschriften sind in deutscher, lateinischer oder 
franzdsischer Sprache zu verfassen, miissen deutlich geschrie- 
ben und paginiert, ferner mit einem Motto verse hen und von 
einem versiegeltenZettel begleitet sein, der auswendig dasselbe Motto 
tragt, inwendig den Namen und Wohnort des Verfassers angibt. 
Die gekronten Bewerbungsschriften bleiben Eigenthum der Gesell- 
schaft. Die Zeit der Einsendung endet fur das Jahr der Preis- 
frage mit dem Monat November; die Adresse ist an den Secre- 
tar der Gesellschaft (far das Jahr 1873) den Prof. Dr. F. Zarncke 
zu richten. Die Resultate der PrOfung der eingegangenen Schrif- 
ten werden jederzeit durch die Leipziger Zeitung im Marz oder 
April bekannt gemacht. 

52) Unter den Gegenstanden, die aus dem Besitze Sr. Durch- 
laucht des Fiirsten Georg von Schwarzburg-Rudolstadt gegenwar- 
tig im germanischen Museum ausgestellt sind und die, theilweise 
durch hohen Eunstwerth ausgezeichnet, das Augenmerk der Be- 
sucher auf sich Ziehen, betindet sich auch ein Stiick, dessen wir 
trotz seiner Unscheinbarkeit doch hier besondere Erwahnung than 
wollen, weil es for die Geschichte der Feuerwaffen einiges Inter- 
esse hat. Das Stiick, dessen Abbildung hier unten folgt, hat nebst 
einem zweiten, ganz gleichen semen Platz im alten furstlichen Zeug- 
hause zu Schwarzburg, das so manche schone und seltene Waffe 
birgt. Es ist von Eisen geschmiedet und besteht aus drei Thei- 
len: zunachst einem langen, massiven, spitzulaufenden Stiel, an des- 
sen starkem Ende die Rammer, aus einem einzigen Stuck geschmie- 
det, angeschweii'st ist. An die Kammer ist die weitere Rohre an- 
ge8chmiedet, aus einer Eisenplatte hergestellt, welche um einen 
Dorn herum'gelegt und der Langc nach geschweifst ist. Fflnf Ringe 
aus 8chmiedei8ernen Streifcn sind um diese kreisrund zusammen- 
geschweifste Platte gelegt; am hintersten sind die langeren Enden 
unten zusammengeschmiedet , so da fa ein Haken gebilaet ist. Eine 
robe Gliederung bildet ein Mundstiick. An der Kammer ist seit- 
warts oben durch einige Schlage in das heifse Eisen eine Pfanne 
herausgetrieben, die mit dem Ziindloche in Yerbindung stent. Die 
Lange der Rohre mifst 0,50 Met., die der Kammer 0,26, die 
des Steiles 0,77. Der Durchmesser der Kammer ist nicht genau 
festzustellen ; er betragt etwa 0,06 Met., der der Rohre 0,12 ; das 
Gewicht ist 40 Kilo. Das ganze Stack hat einen rothen Mennig- 
anstneh. A. E. 




Yerantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch- artiatischen Anstalt des germanischen Museums in Nttmberg. 



Gedruckt bei U. E. Sebald in Nfimberg. 



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Mftrnbara;. Dm Abonnamant daa Blat- 
tas, walehaa all© Monata araohaint, wird 
ganajahrig anganomman and batr&gt nach 
otrnaoaatan Poatconrantion bai allan Poat- 
ftmtarn and Bachhandlangan Dtuttehlandt 
isol. Oaatarraicha S ft. SO kr. im 24 fl.-Fofa 
odar 2 Thlr. prauft. 

For Frankrcieh abonniart man in 
Paria bei dar daotaohan Buchhandlung Ton 
F. Kllnckdaok, Nr. 11 rua da Lilla; for 



AMEIGER 



England bai William* * Norgata, 14 Han- 
natta~8traat Corant - Oardan in London; 
for Nord'Ameriha bai dan PoaUmftarn Bra- 
man and Hamburg. 

All© fur daa garman. Muaaom ba- 
■timmton 8andangan auf dam Wage daa 
Bachhandalt warden doroh dan Oommia- 
•ionftr dar litarar.- artist. Anitalt daa Ma- 
leumi, P. A. Brookbaaa in Laipsig, be- 
fOrdart. 



FDR RIDE DER 





Neue Folge. 



Zwanzigster Jahrgang. 

(bcdl:li: 



./Ci - ; 



ORGAN DBS GERMANISCHEN MUSEUMS. ^ (ODlC 



1873. 



X*7. 



Julia 



WissenscbafUlcbe Mittbeilnngen. 



Buntglasierte Thonwaaren des 15.— 18. Jahrhunderts 
im germanischen Museum. 

n. 

Das halbe Datzend jener Platten im germanischen Museum, 
die unter der Bezeichnung spanisch- oder sicilianisch-maurische 
nach der allgemeinen technischen Benennung sich einfuhren 
warden, von denen wir ein Stuck, wol das alteste, unter Nr. I *) 
abgebildet baben, zeigt in der Verzierungsweise ebenso viele 
verschiedene Formenkreise. Chronologische Feststellung der- 
selben soil nicht versucht werden. Eine dieser Platten hat 
ein Ornament, das jener Platte fthnelt, die als dritte in der 
Serie Delange's abgebildet und dor Sammlung des Herrn Jo- 
seph Fan in Paris entnommen ist. Unser Stuck ist jedoch nur 
in dem gelblichen Metallreflex gezeichnet, wfthrend jenes auch 
theilweise blaue Zeichnung hat 

Das Blau findet sich bei uns, verbunden mit dem gelb- 
lichen Metallglanze, auf einer anderen Platte, deren Innenseite 
wir umstehend in l U der naturlichen GrSfse abbilden. Es ist 
eine streng symmetrische Yertheilung der blauen Hauptdekora- 
tion, welche, wie ersichtlich, auch zuerst aufgetragen und dann 
gebrannt ist. Erst nach diesem Brande ist die gelbe Metallfarbe 
aufgetragen, theils Flachen fullend, theils ein leichtes, freies 
Rankenwerk liber die freibleibende Flache des Grundes gie- 
fsend. Dieses Ornament zeigt genau denselben Stil, wie die 
Ornamente der Rttckseite auf der Platte I. Es deutet also 
auf das 14.— 15. Jhdt. Die strenge Haupteintheilung, die Form 

•) Vgl. Anzeiger, Jhg. 1873, Nr. 5, Sp. 121 — 127. 



der Blatter, die in der blauen Zeichnung erscheinen, weist 
gleichfalls auf diese, vielleicht auch auf ftltere Zeit zurttck. Der 
Wappenschild dagegen scheint der Form nach dem Schlusse 
des 15. Jhdts. anzugehdren. 

Die deutsche Heraldik des 15. Jhdts. stellt nur ausnahms- 
weise, und zwar bei kOniglichen Wappen, die Krone direkt 
und unmittelbar auf den Schild. Obwohl wir hier kein deut- 
sches Fabrikat vor uns haben, lftfst sich doch vielleicht anneh- 
men, dafs das Wappen ein kOnigliches ist; — doch welches? 
Die kOniglichen Wappen sind so ziemlich bekannt; auch die 
fremden. Ob die Farbe der Rauten, hier gelblichmetallen, 
auf weifslichen Grund aufgetragen, direkt zu nehmen ist, oder 
ob sie bios die Zeichnung des Wappens wiedergeben soil, mag 
dahingestellt bleiben. (Letzteres ist das Wahrscheinlichere.) 
Es ist uns nicht gelungen, das Wappen zu bestimmen, da un- 
ser Material hinsichtlich der italienischen und spanischen Wap- 
pen nicht vollstandig genug ist. Vielleicht gelingt es einem 
andern, und er kann dadurch den Entstehungsort erkennen 
und so einen wichtigen Beitrag zur Geschichte dieser Fabrika- 
tion liefern. Dies der Zweck der Mittheilung umstehender 
Zeichnung. Die Aufsenseite ist vollst&ndig mit leichtem Orna- 
ment in der Weise, wie es innen zu der blauen Zeichnung 
hinzutritt, bedeckt Es lftfst sich im Ganzen wol annehmen, 
dafs auch dieses Stack nicht maurisch, dafs es vielmehr christ- 
liche Imitation des 15. Jhdts. ist. 

Nurnberg. A. Essenwein. 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Arnold Mag und seine Tochter, Peter Vischer's 
Schwiegertochter. 

(Schlufs.) 

Aber nicht lange sollte sich Hermann Vischer des Glttcks 
erfreuen, eigenes Hans nnd Hof zu besitzen, wo er, aus dem 
Gewtthl und Getreibe des vftterlichen Hauses und der Giefs- 
hUtte heimgekehrt, sich in Ruhe der Hauslichkeit laben und 
erholen konnte. Schon am Mittwoch 11. Febr. 1517 bekannte 
Heinrich 

Heinsheim, 
dafs er Kun- 
zen Gerzner 
sein Haus um 
146h\, die 
dieser auf St. 

Walburgen 
Tag zu be- 
zahlen ver- 
sprach und 
sich auch 
durch Zeug- 
nifs von Cas- 
par Schmut- 
terherr und 
Hanns Kle- 
berger tiber 
die am Eri- 
tag, 12. Mai 

geschehene 
Zahlung aus- 
wies,verkauft 
habe, in wel- 
chen Ver- 
kauf auch 
Jakob Am- 
man und Pe- 
ter Vischer 
willigten, de- 
nen die Ei- 
genschaft mit 
10 fl. rh. von 
wegen Her- 
mann Vi- 
scher's nach- 

gelassner Tochter, deren Vormiinder sie seien, zustand. nebst 5 fl. 
Gattergeld, die der Agnes Stamlerin gehdren. Zeugen des vom 
Gericht am Samstag 4. Juli 1517 gegebenen Briefes waren 
Hanns Ebner und Leo Schttrstab. Das Haus wird selbst bis 
aufs Einzelnste genau so bezeichnet, wie am 14. August 1497, 
als Arnold Mag zuerst die 10 fl. Eigengeld gekauft hatte, welche 
nach seinem Tode an seine Tochter und nach derselben und 



ihres Mannes Tode an die Enkeltochter gefallen waren. Dafs 
die kleine Ursula ganz elternlos war, sieht man nicht nur aus 
der Urkunde selbst, da die Mutter, wenn sie noch lebte, irgend- 
wie genannt wttrde, son dem auch aus Johann Neudorffer's No- 
tiz, „Hermann Vischer sei, als ihm seine Hausfrau mit Tod 
abgieng, Kunst halb auf seinen eigenen Eosten gen Rom ge- 
zogen, und habe viel kostliche Ding, das er aufgerissen and 
gemacht habe, mitgebracht, welches seinem alten Vater wohl- 
gefiel und seinen BrUdern zu grofser Uebung kam. Er ist — 

fttgtNeudorf- 
fer bei — in 
seinen besten 
Tagen bei 
Nachts in St 
Gilgen Gas- 
sen unter ei- 
nem Schlit- 
ten elendig- 
lich und er- 
baVrmlich am- 
gekommen." 
Heller, in den 
Beitragenvon 
1822, setzt 
als Jahr des 
Todcs 1540 
hinzu, was 
bei Campe im 

Abdruck 
Neudorffer's 
von 1828 sich 
nicht findet, 
doch nur, 
weil es in 
dem Mspt., 
das er zu 
Grund seiner 
Ausgabe leg- 
te, auch nicht 
stand. Fiir 
die Art und 
Weise, wie 
Hermann Vi- 
scher umsLe- 
ben gekom- 
men, mufs man sich an Neudorffer's Gewahr gentigen lassen. 
Ebenso beruht die Reise nach Rom lediglich auf seiner ;An- 
gabe; hier ist es genug, zu sehen, dafs des Kindes beide El- 
tern todt waren, und die kleine Ursula nun unter [der Vor- 
mundschaft ihres v&terlichen Ahnherrn, Peter jVischer's des 
altera, und Jakob Amman's, Stadtschreiners, eines auch sonst 
zu der Vischer'schen Familie in freundschaftlichen Beziehun- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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gen erscheinenden Manne9, stand. Da Ursula bei dera Ver- 
kaaf des CSlnischen Ewiggelds am 21. Juli 1514 noch per- 
sdnlich, also lebend erscheint, den Eanf des Hauses am Steig 
2. Jan. 1516 aber Hermann Vischer allein handelnd abscbliefst, 
ohne seiner Ehefrau zu gedenken, so mufs ibr Tod and seine 
Reise nacb Rom in die Zwiscbenzeit fallen, wofflr aber freilich 
alle und jede andere Beweise ganzlich abgeben. Auch in einem 
am Freitag 15. April 1519 mit Zengnifs Niclas Haller's and 
Sigmund Furer's gegebenen Gerichtsbrief daruber, dafs Hanns 
Sorgenfrey der Sporer vor Caspar Scbmutterherrn nnd Laza- 
rus Spenglern, als erbetenen Zeugen, am 29. Nov. 1518 seine 
Behausung in St Lorenzen Pfarr (es werden wol die Nach- 
barn, aber keine Gasse oder Platz genannt) an Wilibald Reit- 
hofer and Katherina, seine eheliche Hausfraa, am 45 fl. ver- 
kaaft habe, finden sicb wieder Jakob Amman, Scbreiner, und 
Peter Vischer als Vormttnder Ursula Vischerin, Hermann Vi- 
scher's seligen T&chterleins, genannt, der 1 fl. Ewig- und 1 fl. 
Oattergeld, beides rheinisch, aus besagter Behausung gehftren. 
Ueber die weitern Geschicke des Kindes und der Jungfrau 
liegt nicbts vor; sie wird nicht eher wieder genannt, als nacb 
dem Tode des alten Meisters Peter Vischer, wo sie am 2. 
Aug. 1529 in dem mit den Fuggern des Gitters wegen abge- 
schlossenen Vergleich (s. Anzeig. f. K. d. d. V. 1870, Febr.) als 
Ursula Viscberin, wciland Hermann Vischer's verlassene Toch- 
ter, jetzt Paulas Behaim's Ehefrau, genannt wird. Dieser Pau- 
las Behaim war bekanntlicb ein Sobn des alten, damals noch 
lebenden Hanns Behaim, Stadtbaumeisters und Anscbickers in 
der Peunt. Ebenso wird sie in der vom 3. August 1530 da- 
tierten Erbtheilung ttber des alten Peter Vischer's Nachlafs unter 
den Erben als „Ursula, Meister Paulusen Behaim's Ehewirtin, Her- 
mann Vischer's seligen Tochter , des alten Peter Vischer's Enik- 
lein", aufgefuhrt. Ueber ihr weiteres Geschick und ihr ehe- 
liches Leben gebricht es zur Zeit — and vielleicht fur immer 
— an Angaben. 

Aber auch Barbara, Arnold Mag's zweite Tochter, sollte 
einem Sohn des alten Peter Vischer als Ehefrau zu Theil wer- 
den. Ungenannt, jedoch inbegriffen, ist sie bereits beim Verkauf 
des COlnischen Ewiggelds; ausdrllcklich genannt aber wird sie 
in Folgendem. Hanns Schneider, Gewandschneider, erschien 
vor Gericht fur sich und Sebald Behaim, seinen Mitvormund, 
als weiland Arnold Magen seligen Geschafts und Barbara, sei- 
ner Tochter, Vormund, und erwies mit dem Gerichtsbuch, dafs 
Ulrich Trolling am vergangenen Pfinztag, 14. Dec. 1514, vor 
Lodwig Imhof und Jeronimus Guldcnmund, als erbetenen Zeu- 
gen, bekannt habe, dafs er ihnen, den Vormundern, anstatt der 
Barbara Magin, ihrer Pflege tochter, verkauf t habe die Eigen- 
schaft und 6fl. Stadtwahrung Ewig- und 10 fl. Gattergeld, 
aus dem Haus in St. Laurenzen Pfarr, hinter St. Jacob, zwi- 
schen Hannsen Remer's und Hannsen Taschner's Hausern gele- 
gen, wovon das Erb dieser Zeit Michel Geisbart's und Chri- 
stina, seiner Ehewirthin, ist, weil ihm Hanns Schneider von sei- 
ner nnd seines Mitvormunds wegen, anstatt ihrer Pflegetochter, 



fQr die 6 fl. Stadtwahrung 168 fl. und fur die 10 fl. Gatterzins 
200 fl., alles in rbeinischer Wahrung, gegeben habe, darum er 
auch die Vormttnder und ihre Pflegetochter Barbara ledig und 
los sagt, ihnen vier ttber die Eigenschaft und die Behausung 
verlautende Briefe ttberantwortet und sich aller Ansprflche da- 
ran begibt. Den am Mittwoch, 20. Dec. 1514 ausgefertigten 
Gerichtsbrief bezeugten Niclas Grofs und Niclas Haller. Das 
in Frage stehende Haus naher zu bestimmen, dttrfte ein vergeb- 
licbes Unterfangen sein; ttbrigens mag es wol dem Bierbrauer 
Michel Geisbartnoch gehdrt haben; er hatte aber schon 1494 das 
Haus am Kornmarkt L. 293 a. gekauft, das er auch bewohnt 
haben wird. Der Mangel des dritten Vormunds erklart sich 
aus dem in der folgenden Urkunde erwfthnten tddlichen Ab- 
gang desselben, an dessen Stelle bei der nahezu eingetretenen 
Grofsjahrigkeit der Barbara, man nicht fur nOthig fand, einen 
neuen zu substituieren. Darauf bekannte im Gericht am Frei- 
tag 9. Mai 1516 Barbara, Arnold Magen eheliche Tochter, jetzt 
Peter Vischer's eheliche Hausfrau, mit Wissen und Willen ih- 
res Ehevogts und hiezu gerichtlich gegebenen Curators, dafs 
ihr Hanns Gewandschneider und Sebald Behaim, ihre Vormttn- 
der, redliche Rechnung ihrer Vormundschaft gethan und alles, 
was sie von ihren wegen innegehabt, zu ihren Handen ttber- 
antwortet haben, sagt darum benannte ihre Vormttnder, desglei- 
chen Conraden (es wird aber Heinrich beifsen mttssen, wie er 
im Brief v. 21. Juli 1514 heifst) Flttcken Erben, der auch ih- 
rer Vormunde einer gewesen, der Vormundschaft in bester 
Form ledig und los, begibt sich aller Anspruche und leistet, 
dies alles fest zu halten, einen leiblichen Eid zu Gott und den 
Heiligen. Peter Vischer trat nun sofort in den Besitz ihres 
VermOgens. Als am 20. April 1517 Hanns Fttrleger seine 
Behausung am Rofsmarkt, die neben seiner andern Behausung 
lag, an Niclas Lochmair verkaufte, gab Peter Vischer der 
junge, Rothschmied, dem die Eigenschaft mit 12 fl. rh. zustand, 
seine Einwilligung. Diese Eigenschaft war von Arnold Mag 
erkauft worden und nun an seine Tochter und mit ihr an ih- 
ren Mann gekommen. Ursprttnglich waren es 24 fl., auf jedem 
Haus 12 fl. Als Barbara bereits wieder geheiratet hatte, trat 
sie am 9. Mai 1533 die Halfte, also 12 fl., ihren Kindern, be- 
ziehungsweise den Vormundern derselben ab und gedenkt da- 
bei, dafs sie von Arnold Mag, ihrem lieben Vater, der Kinder 
mtttterlichem Ahnherrn, hergekommen seien. 

Man wird wol annehmen dttrfen, dafs die Ehe des jttn- 
gern Peter Vischer mit Barbara Magin nicht lange vor der 
Vormundschaftsenthebung geschlossen worden sei, und dafs sie 
also 12 bis 13 Jahre gedauert habe. Denn dafs Peter Vischer 
der jttngere 1528, also noch vor dem Vater, starb, sagt der 
schon genannte Joseph Heller, der den Tod Hermann's irrig 
in 1540 gesetzt hatte, bier aber ganz korrekt ist, da er dps 
Necrologium Sebaldinum besafs, jetzt Eigentbum des germani- 
schen Museums. Murr hatte in Kiefhab. Beitr. 1. einen Aus- 
zug davon gegeben, diesen Todesfall aber nicht beachtet. Er 
ist jedoch auf der zweiten Seite von Fol. 28, auf deren erster 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



192 



„Albrecht Dflrer Maler an der Zystelgassen" steht, als „Peter 
Fischer Rothschmid der jtinger" eingetragen. 

Yon den Kindern, welche Barbara ihrem Mann geboren 
hatte, werden bei der Theilong vom 3. Aug. 1530 secbs ge- 
nannt: Barbara, Margaretha, Joseph, Ursula, Martha, Anna. 
Ebendaselbst wird anch Margareth, Jorg Ringler's Ehefrau, des 
alten Peter Vischer's Tochter, erw&hnt. Ob diejenige Barbara, 
welche nebst Hannsen Yischer aber das Testament Sebastian 
Lindenast's, das der verstorbene alte Meister in Yerwahrung 
gehabt hatte, das aber abhanden gekommen war, befragt wnrde, 
die jttngere Barbara war, scheint zweifelhaft; sie mdchte wol 
eher die Wittwe des alten Meisters sein. Die jiingere Wittwe 
heiratete ziemlich bald den Goldschmied Georg Schott. Ihre 
weiteren Geschicke zu verfolgen, liegt aufser dem Zwecke dieser 
Darstellong. Yon den fttnf Sdhnen des alten Meisters waren 
die zwei begabtesten vor dem Yater gestorben, yon den drei 
tlberlebenden ftthrte Hanns das Handwerk fort, wird namentlich 
nebst seinem Sohn Georg bei der N Unterhandlung wegen des 
Gitters erw&hnt; Jakob verschwindet oder verkommt; Paulus 
starb zu Mainz, wenige Jahre nach dem Yater. Anch das Hans 
L. 761 kam ziemlich bald in andere Hande. 

Nttrnberg. Lochner. 



Zum bayerischen Krieg, 1504. 

Als nach Georg's des Reichen Tod Albrecht IV. von Mttn- 
chen and der junge Pfalzgraf Ruprecht sich urn das Erbe des 
Verstorbenen stritten, war fast ganz Deutschland durch die 
eigenthiimlichen Yerhftltnisse in den Karapf verwickelt worden. 
Des Kaisers zweizttngiges Yerhalten trng nicht wenig dazu bei. 
Als indessen anch dieser Partei fttr Albrecht genommen und 
den Pfalzgrafen Ruprecht wegen seines Angriffes auf Landshut 
in die Acht erklart hatte, standen die Parteig&nger in wilder 
Fehde gegen einander auf. Nttrnberg und Brandenburg rait 
seinem Markgrafen waren auf kaiserlicher Seite. Allein dem 
ritterlichen Ruprecht fehlte es nicht an Freunden, die seiner 
Sache Yorschub leisteten. Die kleine Reichsstadt Weifsenburg 
— diesmal auffallender Weise nicht im Einverst&ndnisse mit 
Nfirnberg — stellte zwar keine Soldaten, half aber durch Le- 
bensmittel und zog sich dadurch Tadel und Feindschaft, be- 
sonders vom Markgrafen Friedrich, zu, wie aus folgenden Brie- 
ien aus dem stftdtischen Archive zu Weifsenburg ersichtlich ist. 

6. Juni 1504. 
Unser freuntlich dienst zuvor e. w. 1. f. inn namenn und 
statt des durchleuchtigenn hochgebornenn fursten unsers gnedi- 
genn h., h. fridrichs marggraven zu Branndenburg etc. hat ann 
una gelangt, das ewre verwante denjhenen gegenn denn itzge- 
melter unser gn. b. marggraf Fridrich inn offner vhed unnd ver- 
warung steet alls zum Neuenmarckt Freycnstat Haydeck unnd 
anndern mit profiant und anderm zufur thun, so dann dassel- 
big kuntlich und offenbar ist wider der rOm. kdn. mai. u. aller 
gnedig. h. und des heiligen reichs acht Uber dem durchleuch- 



tigenn h. f. u. h. hern Ruprechtenn pfaltzgraven bey Rein her- 
tzogenn in Baiern alle seine verwantten und diejhenen, so im 
des hilff unnd beystanndt thenn, inn was wirdenn und stands 
die sem, aufsgangen, hetten wir uns versehenn, das desselbenn 
acht billich wer verschont wordenn ; so das aber bifsher nit ist 
gescheenn, thon wir des bey euch guter maynung erinnerung, 
ungezwevelt ir wist dasselbig ante gehorsam gegenn der rOmi- 
schenn kdn. mai. und dem heyligenn reich unverlengt abzustel- 
lenn, dann wo das nit geschicht , so wurdet gegenn den uber- 
farrern auff solch aufsgangen acht wie sich geburt gehanndelt, 
datum am heyligenn fronleichnamstag a , quarto. 

unnsers gnedigen hern rethe itzo zum Hilpoltstein. 

5. Sept. 1504. 
Friderich vonn gots gnaden marggrave zu Brandenburg 
zu Stetin Pomern etc. hertzog, burggrave zn Nurmberg unnd 
furst zu Rttgen. Unsern g. grus zuvor, e. w. lieben wir thun 
euch zuwissen das ytzo die rom. kou. mai. mit ainem merck- 
lichen volck zu rofs unnd fufs zum stain einkomen und wnr- 
det defshalben mercklicher brafiand not sein, darumb begem 
wir giitlich bitend, ir wallet bey den ewern ernstlich verfugen, 
das sie des orts zum Stain brafiannd von habernn prot wein 
unnd anndern essennden unnd gebreuchlichen dingen unnd son- 
derlich habern zufftren das sie damit auff morgen freytag zeit- 
lich zum Stain sein da die kdn. mai. sein wflrdt da soil ire 
freyer fayler kauff gehalten und das jhen ebergklich*) bezalt 
werden inn gentzlicher zuversicht ir werdet euch zu gut und eren 
der rflm. kftn. (mai.) gutwillig unnd furderlich halten, wOUen wir 
fur unsselbs inn gnedigem willen gunstlich gein euch erkennen. 
datum Schwabach am donerstag nach Egidi a , quarto. 

15. Oct 1504. 
(Ueberschrift wie oben.) 
.... Wir haben ewer schreiben mit innligennder Ulrich 
Macken vermainter underricht angezaigter seiner ttberferung 
halben vernomen und waist zuvorderst die r5m. kon. may. unn- 
ser allergnedigster herr der gleich wir auch fur unsselbs wissen 
das vonn den ewern gein Haydeck Newburg unnd andere ort 
denjhenen, so inn des heiligen reichs acht unnd unser feind 
sind, zufur und begftnstigung ist gescheen und noch geschicht. 
das mttssen wir gedulden bis zu seiner zeit; defshalben will 
uns auch nicht fugen diesem ewerm gesinnen stat zuthon soun- 
der lassen es bey dem wie die sach ytzo steet pleiben. datum 
Schwabach am dinstag nach Calixti. a , etc. quarto. 

8. Nov. 1504. 
.... Unser gnediger Iier marggraf Fridrich zu Branden- 
burg etc. hat des zufurens halben, das von profiant und aridenn 
den feinden und achtarn teglichs geschicht, ein ordnung fur- 
genommen und defshalb ain aufsschreiben inn seiner gn. stet 
und ambt thon lassen laut inligenden zetcl, haben wir euch zu- 
zeschicken nit wollen underlassen, das ir bey den ewern habt 
zuverfugen sich dermafs mit dem farn und den strassen wissen 



*) Lies : erbergklich = ehrbarlich, ehrlich. Schmeller P Sp. 125. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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zu halten, wie die vermelt ordnung anzaigt dann wo sie das- 
selbig wie sich geburt furgenomen, wo aber die ewren so sie 
der ort komen gewifs machen mvgen, das sie ire ware inn ewre 
flecken furn wollen and den feinden nit, werden sie yon den 
ansers gnedigen herrn zymlich and gebarlich antwurt and be- 
schaid vernemen. datum am Freitag nach Leonhardi ao. etc. 
quarto. 

Unsers gnedigen hern marggraf Fridrichs zu Bran- 
denborg etc. rete zu Schwabach. 
Weifsenburg am Nordgau. Wilhelm Yogt 



Stofsseufzer eines humanistischen Theologen des 
16. Jahrhunderts. 

Das Schlofls zu Bfldingen unfern Gelnhaasen, bekanntlich 
der Stammsitz des alten Dynastengeschlechtes der Grafen 
(jetzt Fursten) yon Ysenburg-Bttdingen ist auch archtitektonisch 
interessant. Nicht, wie die meisten Bargen des Mittelalters, 
auf der Hflhe eines Berges, wo das Terrain den Umfang des 
Gebftudes bestimmte, sondern im breiten, feuchten Wiesenthale 
gelegen, hat es kreisfOrmige Gestalt and innerhalb dieses kreis- 
ffcrmigen Mauerwerkes, ohne Zweifel als altesten Theil, einen 
hoch hinaofsteigenden, ebenfalls runden Thurm. An charakte- 
ristiscben Theilen aus fruherer Zeit ist nur ein, im Schlofehofo 
sicbtbares, schmackreiches Portal des 12. Jahrhunderts zu er- 
w&hnen, das jetzt bios als Zugang zu Souterrains dient. Ob 
es ursprttnglich zu einer Scblofskirche fuhrte, mufs dahinge- 
stellt bleiben; jedenfalls liegt die gegenwartige Schlofskapelle 
nicht hier. Auch finden sich in den Archiyen des Hauses Docu- 
mente aus dem 15. Jahrhundert, nach welchen die Anlegung 
einer solchen erst in dieser Zeit gestattet worden, and Aber* 
dies gibt sie sich selbst als eine spat ere, den fertigen Aufsen- 
mauern eingebaute Anlage zu erkennen. Sie besteht namlich 
aus einem unregelmafeigen, durch zwei Stockwerke reichenden 
Saale, in welchem das eine, schmalere Ende den Chor repra- 
sentiert und daher Altar and Kanzel enthalt. Der herrschaft- 
liche Sitz befindet sich nicht, wie gewflhnlich, auf der Empore, 
sondern in dem eben bezeicbneten Chor, in welchem zwei Chor- 
stflhle yon je fttnf Sitzen mit vortrefflichem Schnitzwerk ange- 
bracht sind, Laubornamente yon kuhnstem Schwunge der Linie 
and tiefster Unterarbeitang, Figurliches, Propheten und Heilige, 
theils in Relief, theils als Halbfiguren, in nicht unwurdigem, 
wenn auch nicht ausgezeichnetem Stile. Nach Simon's Ge- 
schichte des reichsstandischen Hauses Ysenborg und Budingen 
(Frankfurt a. M., 1865) sollen dieselben von einem Meister 
aos Worms gefertigt sein, der dafur 62 Goldgulden nebst Ver- 
kOstigung und 40 Goldgulden als Geschenk erhalten habe. 
Quittungen desselben aus den Jahren 1497 — 99 sollen noch 
im Archive des Gesammthauses yorhanden sein. Der gegen- 
wftrtige Archivar versicherte zwar, diese Urkunden, deren na- 
here Einsicht ohne Zweifel kunstgeschichtliches Interesse dar- 
bieten wflrde, bisher nicht gefunden zu haben, die angegebe- 



nen Jahreszahlen entsprechen aber dem Stile des Rankenwer- 
kes sehr wohl, and dies lftfst hoffen, dafs jene Angabe richtig 
ist and die Docamente yorhanden sein werden. An einem die- 
ser Stuhle, und zwar an demjenigen, welcher noch jetzt nicht 
for die Familie, sondern for die Hausofficianten dient, findet 
sich nun jener Stoteseufzer, dessen ich in der Ueberschrift ge- 
dacht habe. An der Ruckwand namlich, auf einer unyerziert 
gebliebenen Stelle, entdeckte ich folgende Verse in wohlgebil- 
deten lateinischen Lettern, aber nicht mit dem energischen Mei- 
fsel des Wormser Meisters eingeschnitten, sondern nur in di- 
lettantischer Weise eingeritzt: 

Feci quod potui; potui qaod Ghriste dedisti, 

Ta mihi principiam, tu mihi finis eras. 

At quis succedes felicibus utere yentis; 

Quae perages nostris sint potiora. Yale. 
Form und Inhalt dieser Yerse ergeben deutlich, dafs der 
Yerfasser dassisch humanistische Bi'dung besafs. Die fromme 
Wendung, dafs die Kraft zur LOsung seiner Aufgabe ihm yon 
Chri8tus yerliehen sei, lftfst auf einen Theologen schliefsen. Die 
Anrede an seinen Nachfolger zeigt, dafs er ein Amt bekleidet, 
welches nach seinem Abgange nicht unbesetzt blieb. Die Schwie- 
rigkeiten, mit denen er zu kampfen hatte, machen es wahr- 
scheinlich, dafs er Erzieher und vielleicht zugleich Schlofsgeist- 
licher gewesen. Es ware interessant, Naheres tiber ihn zu er- 
fahren. In dem oben erwahnten Buche yon Simon findet sich 
eine beilaufige Erwahnung, dafs einer der Grafen wegen Be- 
setzung der Stelle eines Erziehers mit Melancbthon correspon- 
diert habe. Yielleicht lftfst sich auch diese Correspondenz noch 
im Archive auffinden und daraus weitere Aufklarung schCpfen. 
Wiesbaden. G. Schnaase. 



Zur Geschichte des Hauses Hohenlohe. 

Nachstehendes Testament Konrad's yon Hohenlohe wurde 
jttngst yon Hrn. Professor Wilh. Meyer aus Speyer beim Ka- 
talogisieren der lateinischen Handschriften der k. Hof- u. Staats- 
bibliothek dahier am Cod. lat. Monac. 10,269, welcher ehedem 
n genn Teuchern 1 ) gehorigk" war, aufgefunden und yon dem- 
selben abgelftst. Dasselbe mag als Beitrag zur Geschichte des 
Hauses Hohenlohe des Abdruckes im Anzeiger nicht unwerth 
erscheinen. Leider ist das Pergament an der rechten Seite 
etwas beschnitten und dadurch die Urkunde am Ausgang der 
einzelnen Zeilen luckenhaft geworden. 

Nos Cvnr(adus) nobilis de Hohinloch ad noticiam tarn 
presentiym quam futurorum omnivm cupimus peryenire, quod 
de consilio et consensu . . | anime nostre, testamentum yiuus et 
sanus, de consilio decani in Ro tin gen*) nostri plebani, et 

confessoris nostri fratris Cvnr | in hunc modum, ita 

videlicet, quod duo milia librarum hallcnsium, de veris nostris 
redditibus in Rottingen legauimus in . . | soluta, Hanc igitur 
sommam ita distinximus, quod pro restitucione locorum siue 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit 



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personarnm, qnecumque damna euidenter pro | sivm et .C. 

libre hallensivm dabuntur pro passagio vnivs militis sine duo- 

rum, alias vero quingentas libras hallensium in re |fters- 

heim 3 ) .C. libras hallensium in quo loco elegimus sepelliri, 
predicatoribus in Herpiboli 4 ) .L. libras hallensivm, fratribus 

minori 6 ) | pmam predicatoribus .X. Brunnebach 6 ) .X. 

Agiam 7 ) .X. Selegental 8 ) .X. ad Celiportam 9 ) X Hal- 

lis 10 ) fratribus minoribus .X. inMerg") | rinb. . . domi- 

nabus .X. Michelnvelt 1 *) sororibus .X. Megedebrunen 13 ) 
.X. Wechterswinkel 14 ) .X. ad sanctum Marcum 15 ) .XX. 
ad parad 16 )... | fratribus .V. Marpnrgehusen 17 ) .V. ad 
sanctam Agnetam 18 ) .X. sacerdotibus .X. Eberach 19 ) .X. 
decern reclusoriis .X. super hanc igitur . . . . | lem dominum 
nostrum Herbipolensem Episcopum .. Bfertholdum* ) post 
cuius obitum suvm quemlibet successorem, Congregatores vero 
huius summes .... | Ottonem et Rudegerum fratres deRot- 
tingen, Heinr(icum) de Schoploch, qui vna cum sculteto 
dicte ciuitatis qui turn . . | enda promiserunt, obedire decano 
in Rotingen nostro plebano et post ipsum suo successori nee 
non priori ordinis . . j missus, vt IV fratres vna cum plebano 
istius ciuitatis, adhibita discretione et prouidentia liberam ha- 
beant potestatem summ. . . . | istorum militum quos ad congre- 
gandam hanc summam statuimus vnvm ipsorum mori contingent, 

alii alterum loco sui eliger | et omnivm predecessorum 

nostrorum, quod dicti milites vna cum plebano istius ciuitatis 

et fratribus prenotatis singulis ann | libris hallensium 

fuerint exspediti cum quibus nonaginta libris hallensium pro- 
uidebitur in prebenda.. cappellano bone conuersation... | muros 
Rottingen sitam .. Testes vero huius nostri testamenti viri 
providi et honesti . . K( ) frater noster. Gotfridus et Fri- 
dericus .... | noster confessor ordinis predicatorum frater 
Fridericus de Tunegersheim socius suus, Albertus sa- 

cerdos noster notarius milite | fratres de Rottingen, 

Heinr(icus) de Schoploch, Cvnradus scultetus noster dictus 
de Rietheim Cvnr(adus) cellerarius noster d. . . | stabilitatem 
presentes literas conscribi fecimus et sigillo venerabilis domini 
nostri . . B(ertholdi) Herbipolensis Episcopi et nostro, n . . . . | 
commvniri, actum et datum in Rotingen, anno domini .M. 
c6.L.3tX. quinto quartodecimo, Kalendas Janvarij. 

Die L6cher zu drei Siegeln sind vorhanden. 

Mttnchen. Konr. Hofmann. 

*) Stadt im Regierungsbezirk Merseburg. *) Rottingen, Stadt- 
chen im Landgericht Aub in Unterfranken. *) Wol Schaftersheim, 
Frauenkloster, bei Weikersheim und Mergentheim. Ussermann, 
episcopatua Wirceburg. p. 496. 4 ) Das Dominikanerkloster in Wiirz- 
burg. Heffner, Wurzburg u. seine Umgebungen, S. 140 ff. § ) Das 
Franziskaner-Minoritenkloster daselbst. Heffner, S. 316 ff. 6 ) KIo- 
ster Brombach, Bronnbach bei Wertheim. Ussermann, p. 353. 

7 ) Wol for Augiam, d. i. Aub (Auw, Au), Stadt in Unterfranken. 

8 ) Seligenthal, Nonnenkloster, im Odenwald. Usserm. p. 473. 

9 ) Himmelspiorten, Cisterzienser-Nonnenkloster, in der Schottenau 
am Main, aufserhalb Wiirzburgs. Heffner S. 525 f. Usserm. p. 



372. 10 ) Schwabisch Hall. Usserm. p. 415. ") Wol Mergentheim. 
Usserm. p. 404. 413. n ) Michelfeld, Nonnenkloster, bei Kitznv 
gen. Usserm. p. 493. ") Maidbrann, Eloster, bei Wurzburg. Us- 
serm. p. 471. u ) Wachterswinkel, Cisterz.-Nonnenkloster bei Mell- 
richstadt. Usserm. p. 480. u ) Das Dominikanerinnenkloster zu 
St. Marcus in Wurzburg. Heffner S. 33. i0 ) Monasterium ad Paradi- 
sum, Nonnenkloster, in Heidingsfeld bei Wurzburg. Usserm. p. 457 8. 
,T ) Marburghau8en , Mariaburghausen , Cisterz.-Nonnenkloster, bei 
Hafsfurt. Usserm. p. 482. ,8 ) Clarissen-Frauenkloster zu St. Agnes 
in Wurzburg; Usserm. p. 511 —512. Heffner S. 338. 19 ) Ebrach, 
Cisterzienserabtei, am Steigerwald. Usserm. p. 334 sqq. *°) Ber- 
thold II. (v. Sternberg), Bischof v. Wflrzburg, 1267 — 1287. Us- 
serm. p. 93 — 96. Dr. From. 



Bruehstiieke yon Jacob van Maerlant's Rymbybel. 

Herr Dr. Keussen in Crefeld fand beim Ordnen des Ar- 
chive von Kempen eine bedeutende Anzahl Falze, einer Perga- 
menthandschrift angehdrig, welche znm Zweck des Einbindens 
eines Augustinus zerschnitten worden. Sie gehdren, wie mich 
M. de Vries aufmerksam machte, Maerlant's Rymbyhel an. Die 
Handschrift ist ans dem 14. Jahrhundert*). Da von dem ge- 
nannten Werke es mehrere gnte Handschriften gibt, so ist eine 
Mittheilong der Fragmente nicht ndthig; ich beschranke mich 
daher auf den Abdruck eines kleinen Stttckes, auf Mittheilong 
einiger Lesarten and Angabe der Theile des Gedichtes, wel- 
che die Fragmente bieten, soweit dieselben bestimmbar sind; 
denn oft sind nur ein paar Bnchstaben auf den einzelnen Per- 
gamentstucken erhalten. Gleich vom ersten Blatte der Hs. ha- 
ben sich zwei an einander sich anschlieflsende Streifen erhal- 
ten, mit V. 22—34, anf der Ruckseite V. 147—158. Das erste 
Stuck will ich als Probe mittheilen. 

In dietsche w 

Vrouwe nu moeti u bewijnden 

Troest te sine in mire pine 

Nu merct ghi die hier in selt lesen 

wat nutscap hier in sel wesen 

Hier in envindi fauele no horde 

Noch ghen trufe noch falorde 

Mer vraye rime ende ware vroert 

Hoe die tijt is comen voert 

Sint de werelt erst begonde 

Toter wilen dat quam ter stonefe 

Dat ihc' kerst te hemel clam 

Eh onse menscheit an hem nam. 
Das n&chste Blatt umfafst Y. 2191—2358 ; es fehlen aber, 
abgesehen von beschnittenen Versen, 2262 — 74 nnd 2304 — 16. 
Die Hs. liest 2191 f. ooc (= D). 2194 als die (for <dse). 
2203 minste (= BDE). 20 hodden. 22 voort fehlt. 23 d>m 
(fiir bedi). 37 iacus (= ABDE). 41 warm. 45 conine (= BD> 
50 voort meet. 51 . . s een gode poer(t). 78 hi doe h. 82 



*) Zweiepaltig geschrieben, mit 42 Zeilen auf der Spalte. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



198 



die fehlt. 85 w s scap. 86 hi d> al di (= BD). 88 dot al (= 
BD). 90 dus ist. 91 Sint. 98 onsen. 2300 iacu(s = ABDE). 
02 cure. 17 sire. 39 eh stic(hte) % wol die richtige Lesart, 
Stifte = Pfeile. 46 al fehlt. 47 = BD. 52 . . ten dot had 
bega ... 

Das dritte Blatt enth&lt 3201—3368, aber stark beschnit- 
ten. 3206 En die. 08 hi fehlt. 49 . r waer (Reim). 71 eh 
fehlt. 74 ie fehlt. 76 . . an alrehande vleis reine. 78 was nie- 
ment el (= BD). 3313 = CF. 15. 16 sine m(an) Eh gheboren 
was van dan (Reim). 17 so fehlt. 19 = BD. 20 bode. 24 
Jeghen die. 25 Asset. 26 Bat la . . 38 cracfa. 50 ict. 

Das vierte Blatt umfafst 4079—4244, ebenfalls stark be- 
schnitten. 4081 Niet ensouden. 83 = BD. 84 = BDF. 85 = 
BD. 93 so fehlt. 98 danen] toech. 99 leende. 4102 vier. Nach 
4130 folgten zwei Verse, die die Ausgabe nicht hat; erhalten 
sind nur die Endsilben dot is and is. 4204 al fehlt. 09 toech] 
wel. 18 dat fehlt. 21 = BD. 

Yon dem fttnften Blatt ist nur ein kleiner Theil erhalten, 
V. 4439-46, 4475—4501, 4517—43, 4565—72. 4444 wa- 
rm. 46 dine] die. 77 die] hi. 83 gheruumt — tlant. 4520 
sw s c leet mz. 21 berch eh groe .... 32 seldi mz horen. 68 
tfolc d s ontf. . . 

Das sechste umfafst V. 4624 — 27, 4666 — 69, 4708—11, 
4750 — 53. — 4666 Barm sulsi aUe. Das siebente und achte 
folgen onmittelbar anfeinander, and enthalten von 5112 — 5419 
einen ziemlichen Theil. 5132 hier fehlt. 5143 aldaer. 56 
aensicht. 59 doghen. 58 Battet was. 62 tot hem 64 mit- 
ten. 73 eh tsinxten. 74 = BD. 87 = B. 98 om wH. 5211 
soo fehlt. 61. 62 = BD. 78 = CF. 84 dan fehlt. 90 ist. 
91 die fehlt. 92 quamen] wa(ren). 93 alle fehlt. 5319 II.] 
in. 20 harm mate. 21 = BD. 24 Aaron fehlt. 30 noch 
fehlt. 35 = ABDE. 36 = CD. 63 = BC. 66 = BDEF. 
74 IV s dat man mz man worde v. 79 andean minde. 80 droch. 
81 no wikelen fehlt. 84 = C. 86 alle fehlt. 93 dat fehlt. 
5401 so fehlt. Nach 5406 folgen zwei Verse: 
(wa)nt hz syn d s heide sed(en) 
(en) die den duuel oec a(nebeden) 
5412 quaet wich ... 16 en] tot. 19 al die ghene diet. 

Bl. 9 enthalt anf zwei Streifen 31817 — 31968 zum klei- 
neren Theil. 31879 Te. 83 wilde sonder strijt. 31902 wa- 
ren beringhet daere. 43 dueren. 62 = B. 66 die men dei- 
len doet. BL 10 einen kleinen Theil yon 32674—32814. 
32682 = BD. 32718 = BD. 20 halp ter stede. 21 = BD. 
58 = BD. 65 = C. 803 want dit g. 05 Sine ontsien no pine 
no doot 06 teas groot. 14 . . nisse gheheert. 

Heidelberg. Bartsch. 



weisen enthalten sind, stammen aus der zweiten H&lfte des 16. 
Jahrhonderts and yerdanken ihr Entstehen wol haupts&chlich 
dem Bestreben, die manchfachen Kleiderformen der verschiede- 
nen Vdlker den wifsbegierigen Leuten als etwas hftchst Inte- 
ressantes vor Aagen za ftthren ; denn jedenfalls war bei den gro- 
fsen Begebenheiten damaliger Zeit — den bedeutenden Ent- 
deckungen in fremden Erdtheilen and den in Earopa tobenden, 
zomal gegen die Tttrken gefilhrten Kriegen — das Verlangen 
sehr rege, sowohl die gefttrchtetea Feinde, als auch die neuent- 
deckten Volkerchaften, wie tlberhaupt fremde Nationen, im 
Bilde za schaaen, am sich yon denselben eine mdglichst klare 
Vorstellang machen za kdnnen. Dieses Begehren sollte darch die 
Trachtenbticher mdglichst vollkommen befriediget werden, and 
daher heifst es auf dem Titel sowohl der sp&teren, als auch 
bei dem am frtthesten erschienenen — yon Ferdinando Ber- 
telli (Venetia, 1563): „Omnium fere gentium nostrae aetatis 
habitus." — 

Die Quellen, aus denen die Verfasser oder Verfertiger der 
Trachtenbticher, ihre Kostttmbilder bezogen, waren gewifs hdchst 
manchfach, wol meist direct and jedenfalls zuverl&ssig. Fehl- 
ten jedoch directe Quellen, so zeichneten sj&tere Verfasser das 
ihnen N5thige aus schon frQher erschienenen TrachtenbUchern 
ab. — So linden sich z. B. dem eben angefuhrten Werke ent- 
nommene Abbildungen zahlreich in dem 1570 zu Antwcrpen 
verlegten Trachtenbuche von Johann Beller*) und in dem 1579 
zu Nttrnberg herausgekommenen Werke von Hans Weigel**), 
welch letzteres wieder von Cesare Vecellio fur sein 1590 in 
Venedig erschienenes Buch : „Degli Habiti antichi et moderni 
di diverse parti del monde," sehr stark ausgebeutet wurde. 

Auffallend ist aber bei dieser Bentitzung frtther erschiene- 
ner Trachtenbticher, dafs bisweilen ganz genau cop ; erte Figuren 
von dem spiiteren Verfasser eine andere Bezeichnung bekamen, 
als sie von dem frtther en erhalten hatten. So ftthrt z. B. Bel- 
ler eine weibliche Figur als ^Helvetia mulier" vor, welche bei 
Bertelli mit „Germania" bezeichnet ist. V5llig unbegreiflich 
erscheint es aber, wie Vecellio dazu kommt, eine aus dem 
Werke von H. Niclas Nicolai: „Von der Schiffart vnd Rais 
in die Turkey vnd gegen Osten" (Nttrnberg, 1572) entlehnte, 
dort als „Frau von der Insel Chio" bezeichnete Figur als M Jtt- 
din aus Syrien" (Hebrea in Soria) vorzurahren ; oder dafs Ab- 
raham Bruyn in seinem 1577 herausgegebenen Trachtenbuche***), 
wofur or sehr Vieles ans dem genannten Reisewerk entlehnte, 
eine dort als „Griechin a angegebene Figur als „Judaea mulier 
cominorans in Hadrianopoli" hinstellt. Weit erklftrlicher ist 
es dagegen, wenn Vecellio eine aus Weigel's Werke entnom- 
mene Figur, welche in diesem als „Weib aus Hispanien" aufge- 
fuhrt ist, mit „Habito delle Matrone Portoghesi* 4 bezeichnet — 



Ueber fttnf der Utesten Trachtenbticher und ihr Yer- 
hftltniss zu einander. 

Die aitesten bekannten Trachtenbticher, in welchen Dar- 
stellongen der bemerkenswerthesten, damals ttblichen Bekleidungs- 



*) Omnium fere gentium nostraeque aetatis Nationum Habitus 
et Effigies. 

**) Habitus praecipuorum populorum. 
*♦*) Omnium paene gentium imagines. 



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199 



Anzeiger fur Kunde der deuteohen Vorzeit. 



200 



Unter den genannten fttnf Trachtenbuchern enth&lt das al- 
teste, das yon Bertelli (v. J. 1563), die wenigsten, hingegen das 
spateste, das von Vecellio (v. J. 1590), die meisten Abbildnn- 
gen ; and in demselben VerhAltnifs steht die Anzahl der YOlker- 
schaften, welche in diesen Bttchern dargestellt sind. Denn 
wahrend wir bei Bertelli nur die allerhervorragendsten Nationen 
yertreten finden, hat Vecellio — und vor ihm schon Weigel 
(1579) — fast die sammtlichen damals bekannten Ydlker abge- 
bildet. Von Vecellio sind jedoch die Italiener dermafsen bevor- 
zugt worden, dafs sie ailein beinahe die Halfte seines Werkes 
ausmachen. — Bei Boiler sind die Italiener nnr sehr schwach, 
bei Bruyn gar nicht yertreten; ebenso fehlen bei Bertelli die 
Englander nnd die Niederlander. In sammtlichen Trachtenbtt- 
chern finden wir aber die Spanier mit grofser Sorgfalt behan- 
delt and bei Bertelli, Beller, Weigel and Vecellio aach die in 
den einzelnen Provinzen Spaniens Ublichen Trachten dargestellt ; 
bei dem Erstgenannten sind aber die Gegenden nicht angegeben, 
aus denen sie stammen. Orientalische Trachten haben Bruyn, 
Weigel and Vecellio in grofser Anzahl abgebildet and dabei 
vorzugsweise das bereits erwahnte Reisewerk yon H. N. Nicolai 
benutzt. 

Eine eigenthttmliche Erscheinung zeigt sich bei den Trach- 
ten der Ungam, welche Bertelli, Beller, Bruyn and Vecellio 
yorfahren, indem dieselben bei entfernter allgemeiner Aehnlich- 
keit dennoch auffallend yerschieden sind. Dies lafst sich nor 
dadurch erklaren, dafs jeder der genannten Verfasser seine 
Trachtenbilder aus einem anderen Theile dieses grofsen Landes 
bezog. 

Unter den hier besprochenen Trachtenbuchern ist nur dem 
von Vecellio ein erklarender Text beigegeben ; aufserdem zeich- 
net sich dieses Trachtenbuch noch dadurch sehr vortheilhaft 
vor den ubrigen aus, dafs es aach Trachten aus fruheren Zei- 
ten (leider fast nur bei den Italienern and hdchstens 80 Jahre 
zuruckreichend) enthalt und die Nationen des Nordens, sowie 
die der neaentdeckten Lander Amerikas, Asiens und Afrikas 
darstellt. 

Nttrnberg. Carl KOhler. 



Yon der Zauberkraft des Agnus Dei. 

Von balsam vnde von reinem wasfi 1 ) 
vnd von dem helgen crisem, so jch lasfi, 
da macht man ab das agnus dei — 
da hailig lamb, miserere mei — 
dar zu och van brunnen clar 



mitt hailigen worten fir war 

die der papest selber pfiigt ze sprechen — 

der arbeit latt er jm*) nit enprechen 3 ) 

er macht es mitt siner hand, 

des(J ist er selber wol bekant. 

das verdribet plixen 4 ) vnde tonren, 

ander poes(J verdript es och darzfi, 
^ yn,d wielich frawe das by jr hatt 

die eines kindes swanger gatt, 

das 5 ) tut es sunder we genesen, 

als ich vormals och hab gelesen; 

vnd wer daz mitt rainekait bewart 

jn wasser jm kein vbels widerfart 

vnd och in keines fiires nott, 

wenn 6 ) es daz fiire Wschen tutt ; 

.daz kumpt van siner hailikeit zft : 

war lamp, behut vns vor allem laide do! 7 ) 

das och die siinde tilgen tut, 

als ob es were gottes plfit, 

den tufel tut es vertriben 

vnde aile grosse sunde vermiden 

dar zfi den gechen 8 ) tod: 

war lamp, bilf vns vs|J aller nott ! 

vnde wer das anruffen wirt 

so er wider sitien figent fert, 

dem hilft das war lamp ze stand 

das er sin figent vber kumpt 9 ). 

War lamp gottes, beware mich, 

wenne ich an werde ruffen dich ; 

wenn du ob nimest der welte sunde, 

so behute mich zu alien stunden. 

Dise war wort die sind gesprochen 

van dem helgen papst Vrbano, 

die tette er senden ferre • 

dem kayser fir ain grosse ere 

mitt einem agnus dei. 

War lamp, miserere mei! 

die hat er in latin gesatz, 

daz tett er alles(S sunder has(3; 

dar ist dis vs(Jgenomeri, 

las(3 herre allesp gut zu vns komen, 

Das dis an vns werde war 

Helf vns Maria, die Cristom gebar. 
Amen. 
Ein Blatt in 8° von einer Handschrift des 15. Jahrfa. im 
grafl. Archiv zu Stolberg im Harz. 

Wernigerode. Jacobs. 



') Waf$, niederd. Form far Wachs. 



*) jm — so in der Hs. statt des ureprQnglichen sick geanderi 
3 ) sich entbrechen lassen, sich entgehen, entziehen lasaen. 
*) blixen, blickzen, blitzen. •) Lies : des. 
^ wenn, mhd. wande, wan: denn. 

7 ) Wol zu bessern: Das k. v. s. hailikeite . . . leide. 

8 ) gahen, jahen T. 9 ) uberkommt, iiberwindet Dr. Frrnn. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye, 
Verlag der literarisch - artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedrnckt bei U. E 8 eb aid in Nftrnberg. 



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BE1LAGE ZUM ANZEIGER FUR KUNDE DER DEUTSCHE!? TORZEIT. 



1873. 



Jtf 7. 



Juli." 



Chronik des germaniscben Museums. 



Nurnberg, den 15. Juli 1873. 

Die Sammlung vqn Kunstwerken, aus deren Erlos die Kosten 
far Uebertragung des Augustinerklosters bestritten werden sollen, 
ist bereits zu einer hnbschen kleinen Gallerie angewachsen, und 
taglich geht noch Weiteres zu. Wir veroffentlichen heute unten 
die erste Liste derjenigen Kunstler, die ihr Versprechen bereits 
erfullt haben. Mehrere Kunstfreunde, welche gleichfalls in dieser 
Liste stehen, wie auch einigo Kunstler, haben mehrere, zum Theil 
auch Kunstwerke von fremder Hand gespendet, so data der Ka- 
talog der Kunstwerke noch einige treffliche Namen verstorbener 
Kunstler aurweist. 

Der Bau selbst ist bereits bis zur Gleiche des ersten Stock- 
werkes, dessen altes Deckengebalke soeben wieder eingelegt wird, 
gediehen. 

Unsere Sammlungen haben in jungster Zeit vielseitige Berei- 
cherung durch Ankauf erhalten. Wir konnen nicht jedes Stuck 
einzeln auffubren, erwahnen daher hier zunachst nur eine Samm- 
lung von Bleireliefs, Goldschmiedemodellen des 16. Jahrh., von 
ungefahr 900 Nummern, die aus dem Besitze des hiesigen Samm- 
lers und Kunstfreundes G. Arnold in's Museum gekommen sind. 

Die kleine, aber glanzende Ausstellung, die im yorigen Mo- 
nate eroffnet wurde, ist wieder geschlossen. 
Erstes Verzeichnif8 
derjenigen Kunstler und Kunstfreunde, welche kunstlerische Gaben 
far eine Versteigerung zu Gunsten des Wiederaufbaus des hiesi- 
gen Augustinerklosters gespendet haben. 

Achenbach, Andreas, Professor, in Dusseldorf ; Achenbach, 
Oswald, Professor, in Dusseldorf; v. Alvensleben, Maler, in Dres- 
den; Becker, A., Professor, in Dusseldorf; Becker, C, Professor, 
in Berlin; Bergau, R., Professor, in Niirnberg; Braith, Thierma- 
ler, in Munchen ; Braun, L., Schlachtenmaler, in Miinchen ; Chou- 
lant, Hofmaler, in Dresden; Deger, Professor, in Dusseldorf; 
Echter, Professor, in Munchen; Ebert, Landschaftsmaler, in 
Mflnchen; Engelhardt, Professor, in Hannover; Essenwein, 
A., Direktor, in Nurnberg; Eyrich, Architekt, in Niirnberg; Fel- 
sing, Professor, in Darmstadt; Fluggen, Historienmaler, in 
Munchen; Forster, C, Dr., sachs.-meining. Rath, in Mflnchen; 
Funk, Professor, in Stuttgart; Gnauth, Professor, in Stuttgart; 
Grutzner, Genremaler, in Munchen; Hahnel, E., Professor, in 
Dresden; Hanfstangel, Hofrath, in Monchen; Hartmann, 
Thiermaler, in Monchen; v. Hey den, Historienmaler, in Berlin 
Hofmann, H., Professor, in Dresden; Hubner, J., Dr., Gallerie- 
direktor, in Dresden; v. Kameke, Professor, in Dresden; Kappis, 
Genremaler, in Munchen; Kaufmann, H., Genremaler, in Miin- 
chen; Knaus, Professor, in Dusseldorf; v. Kreling, Direktor, 
inNurnberg; Kuhn, Dr., Conservator, in Munchen; Kundmuller, 
Genremaler, in Bamberg; Lang, H., Schlachtenmaler, in Munchen; 
Leasing, C. F., Direktor, inCarlsruhe; Mali, Thiermaler, in Mun- 
chen; Metz, Landschaftsmaler, in Munchen; Mefszdly, Land- 



schaftsmaler, in Munchen; Meyer, F. C, Hofirath und Professor, 
in Niirnberg; Meyerheim, F., Genremaler, in Berlin; Niefsen, 
Conservator, in Koln; Noack, Hofmaler und Professor, in Darm- 
stadt; Ortwein, Professor, inNurnberg; Oesterley, Professor 
und Hofmaler, in Hannover; Pickert, S., Kunsthandler, in Niirn- 
berg ,^ v. Pocci, Graf, kgl. Oberstkammerer, in Munchen; Raab, 
Professor, in Munchen ; Raupp, Professor, in Nurnberg ; Ritter, L. 
u. P., Architekturmaler, inNurnberg; Rohde, C, Genremaler, in 
Munchen; Rustige, Professor, in Stuttgart; Schleich, E., Pro- 
fessor, in Munchen; Schmidt, M., Genremaler, in Munchen; 
Schraudolph, Professor, in Munchen; Spitz weg, Genremaler, 
in Munchen; Steffan, Landschaftsmaler, in Munchen; Thal- 
meyer, Porzellanmaler, in Munchen; Thumann, P., Professor, in 
Dresden; Voltz, Fr., Thiermaler, in Munchen; Voltz, L., Thier- 
maler, in Monchen; Vofsberg, Landschaftsmaler, in Hannover; 
Walther, C, Architekt, in Nurnberg; Weber, C, Landschafts- 
maler, in Mflnchen; Weber,, P., Landschaftsmaler, in Munchen; 
Weber, Ph., Landschaftsmaler, in Munchen; Wislicenus, Pro- 
fessor, in Dasseldorf; Zettler, Glasmaler, in Mflnchen. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Von IMfttrlktsrlUlieii t Mlndelheim 10 fl. Turkhelm 10 fl. 

Von Privatens Bautzen, v. Salza u. Lichtenau, Amtshaupt- 
mann, 1 fl. 45 kr.; Wolf, Kreissteuerrath , 1 fl. 45 kr. Gr. Glogau. 
Heymann , Kaufmann , 1 fl. Hamburg. L. H. Lichtenhein 3 fl. 80 kr. 
Marktbreit. Bernh. Kuhorn, Kaufmann, 1 fl. 30 kr. Nurnberg. Chri- 
stoph Link, Kaufmann, 2fl. ; H. Rothamel, Industrieschiiler , 1 fl. 
12 kr. ; v. 8 ch all em, k. Appellrath, 1 fl. 45 kr. St. Petersburg. Ed. 
v. Lemm, wirkl. Staatsrath, und dessen Sohn Oskar v. Lemm, 
2fl. Rohrdorff. Scharff, Pfarrer, 1 fl. Schwarzenberg. Brockard, 
fiirstl. Rechnung8kontroleur, 1 fl. StafTelsteln. Paul Finzel, Magi- 
stratsrath, 1 fl. ; Hafner, k. Pfarrer, in Herreth, 1 fl. ; Herrings, 
Gutsbesitzer , in Rattelsdorf, (statt friiher 1 fl.) 4fl.; Dr. Hepp, 
k. Bezirksarzt, 1 fl. ; Rudhart, k. Bezirksamtmann , lfl. ; Vervier, 
k. Bezirksamtsassessor, 1 fl. Tauberblschofeheim. Hdnninger, Refe- 
rendar, 1 fl. ; Ribstein, Referendar, 1 fl. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben : 

Von Privatens Hannover. K. Kraut, Professor, 3fl. 30 kr. 
Pforzheim. Carl Schwickert 1 fl. 45 kr. Tauberbischofsheim. Gailser, 
Obereinnehmer, lfl. 

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu: 

I. Fiir die kunst- und kulturgesohiohtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6917—6938.) 
Caasel. Dr. Oetker: Abbildung des Al tares in der Grevera- 
denkapelle des Domes zu Lubeck, Steindruck. — Dresden. Adolf 
Meyer: 3 Bruchstiicke persischer Stickereien. — Fflrth. Dr. Al- 
dinger, prakt. Arzt : 5 Gewandstucke von Leinen, schwarz gestickt, 
und 2 weifs gestickte Borten, 18. Jhdt. — Jena. Fr. Ried, Hof- 
rath: Photographie nach dem schwarzburgischen Wappen vom 14. 
Jhdt am Rathhause zu Blankenburg. — Mflnchen. Dr. J. EL von 
Hefner-Alteneck, Direktor des bayer. Nationalmuseums : Borte 
aus dem Grabe eines Abtes von Seeon. Spiefs, Professor: Neuere 



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203 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



201 



Nachbildung eines alten in Glas gemalten Wappens. — N Urn berg. 
E. Freih. v. Welser, ale Administrator der Schlusselfelder'schen 
Stiftung: 2 Oefen aus d. 17. u. 18. Jhdt., 2 Bockgestelle fflrWall- 
buchsen, 17. Jhdt., ein Regenschirm altester Construction. Bur- 
ger, Lehrer: Neuer Abdruck eines Holzschnittes von H. Burgk- 
mair. M. Diinckelsbuhler, Banquier: Kronungsmflnze Ferdi- 
nand's HI. al8 Konigs von Bohmen, 1627 ; Thaler Kaiser Leopold's L, 
1693. 4 kleinere Silbermflnzen vom 16. u. 17. Jhdt. M fl 1 1 er , Kupfer- 
stecher: Graviertes Pulverhorn, 17. Jhdt. H. Petersen, Kupfer- 
stecher: Verzierter Thiirgriff von Eisen. Schufsler, Officiant: 
Kleiner Kupferstich von IS. Ulrich, Postbediensteter: Tiirkische 
Knpfermunze. — Paris. E. Trofs, Antiquar: Messingene Sonnen- 
uhr von Georg Hartmann, 1549. — Peath. Dr. Romer: 5 Gyps- 
abgosse vom Seschlage des Einbandes eines Antiphonariums zu 
Raab. — Stuttgart. M. Rommel's photograph. Druckanstalt: 
19 Photographiedrucke nach seltenen Kupferstichen des 15. und 
16. Jhdts. — Tann a. d. Rh. Dr. med. Neuroth, prakt. Arzt: 
Plan einer Wagenburg, Federzchg. vom 17. Jhdt. — Thorn. Di- 
rektion des Copernicus-Vereins. 13 Gyps- und Gelatinab- 
drocke von Siegeln und Medaillen. — Wien. Gemeinderath der 
Stadt: Wiener Burgerharnisch v. J. 1546. Sogen. Aalspiefs, aus 
dem stadt. Waffenmuseum. 

II. Fiir die Bibliothek. 

(Nr. 30,058—30,233.) 
Agram. Gesellschaft fiir siidslav. Geschichte u. Alter- 
thumer: Dies., Arkiv etc., Kn. XI. 1872. 8. — Anabach. Histor. 
Verein fiir Mittelfranken: Ders., 38. Jahresbericht, 1871 u. 

1872. 4. — Berlin. Konigl. statist. Bureau (Dr. Engel): Engel, 
d. Verluste der deutschen Armeen im Kriege gegen Frankreich 
1870 u. 1871. 1872. 2. Friedrich-Wilhelms-Universitat: 
6 akademi8che Gelegenheitsschriften. 1872 u. 73. 4. Rud. Gart- 
ner, Yerlagshndl. : Haym, d. romantische Schule. 1870. 8. Boltz, 
d. Fremdwort in s. kulturhistor. Entstehung u. Bedeutung. 1870. 
8. Mittheilungen aus d. histor. Literatur, hgg. v. Fofs ; Jhg. I, 1. 

1873. 8. G. Grote'sche Verlagsbuchh. : v. Arnim u. Brentano, 
des Knaben Wunderhorn; 1. Lief. 1873. 8. Feohner, d. deutsch- 
franzos. Kriegv. 1870—71. 1872. 8. K. geh. Ober-Hofbuch- 
druckerei (It. v. Decker): Schneidawind, rrinz Wilhelm v. Preu- 
fsen in denKriegen seiner Zeit. 1856. 8. v. Westphalen, Geschichte 
der Feldziige des Herzogs Ferdinand v. Braunschweig- Liineburg ; 
2 Bde. 1859. 8. v. Wittken, Geschichte des k. preufs. Garde- 
Schutzen-Bataillons. 1864. 8. v. Westphalen, Westphalen der Se- 
cretar des Herzogs Ferdinand v. Braunschweig-Lflneburg. 1866. 8. 
v. Langermann, ueschichte des Thiiring. Uhlanen-Regiments Nr. 6. 
1872. 8. Gebr. Patel, Yerlh. : Strodtmann, d. geistige Leben in 
Danemark. 1873. 8. Verein f. d. Geschichte Berlins: Berli- 
sche Chronik. Urkunden-Buch, Bgn. 50—60. 1872. 4. — Bern. All- 
gem, schweiz. geschichtsforschende Gesellschaft: Mat- 
thiae Neoburgensis Chronica etc., hg. v. Studer. 1866. 8. Justin- 

Ser, d. Berner-Chronik, hg. v. Studer. 1871. 8. — Bielefeld. Vel- 
agen u. Klasing, Yerlh.: Hiltl, d. franzos. Krieg v. 1870 u. 
1871; 2 Bnde. 1873. 8. Petsch, unser Fritz. 1873. 8. Petich, d. 
eiserne Prinz. 1873. 8. Konig, d. alte Nettelbeck. 1873. 8. — 
Darmstadt Histor. Verein fur das Grofsherzogth. Hessen: 
Ders., Archiv etc.; Bnd. XIII, 1. H. 1872. 8. — Eisenach. J. Bac- 
meister, Verlh. : Kohler, Luther's Reisen. 8. — Elberfeld. R. L. 
Friederichs Yerlh.: Merle d'Aubigne, Geschichte der Reforma- 
tion des 16. Jahrh.; I. u. II. Bnd. 2. Aufl. 1863. 8. — Emden. W. 
Hay n el, Yerlh.: v. Busse, Erinnerungen des ostfries. Infanterie- 
Regiments Nr. 78; 1. Abth. 1872. 8. — Erfurt. W. J. A. Freih. 
v. Tettau, Oberregierungsrath : Ders., fiber d. epischen Dichtun- 
gen der fitnrrechen Volker besonders die Kalewala. 1873. 8. — Er- 
langen. Dr. Rud. v. Raumer, Univers.-Professor : Ders., der Un- 
terricht im Deutschen; 4. Aufl. 1873. 8. Physical.-medicin. 
Societat: Dies., Vfcfnandlungen etc. 1. u. 2. Heft. 1867 u. 70. 8. 
— Frankfort a. M. J. D. Sauerlander's Yerlag: Gistel, Carol us 
Linnaeus. Ein Lebfensbild. 1873. 8. Henkel, Leben u. Wirken v. 
Dr. Aloys Schmitt 1873. 8. — Frauenfeld. Histor. Verein des 
Kan tons Thurgau: Ders., thurgauische Beitrage; 13.*Heft. 



1873. 8. — Freiburg i. Br. Herder'sche Yerlh.: Lindemann, 
Geschichte d. deutschen Literatur. 8. Aufl. 1873. 8. Fr. Jos. 
Scheuble, Verlh.: Zeitschrifb der Gesellschaft f. Beford. der Ge- 
scbichts-, Alterth. u. Volkskunde v. Freiburg etc. Bnd. I. H. 1869 
u. 72. 8. Ludw. Schmidt's Buchh. : Kifsling, polit.-statist.-to- 
pogr. Ortslexikon des Grofsh. Baden. 8. Villingen unter den Gra- 
fen von Farstenberg. 1872. 8. — St Gallon. Histor. Verein: 
Ders., Mittheilungen eta; n. F., 3. Heft. 1872. 8. Joachim v. 
Watt als Geschichtschreiber. 1873. 4. — Cjenf. Jul. Fick, Buch- 
druckereibesitzer : Isabeau Menet, prisonniere a la tour de Con- 
stance, 1735—50. 1873. 8. — Sera. C. B. Griesbach's Verlag: 
Berends, d. reufsischen Kirchenliederdichter. 1872. 8. — Gieatea. 
Oberhess. Gesellschaft f. Natur- u. Heilkunde: Dies., 14. 
Berichtetc. 1873. 8. J. Ricker, Buch- u. Eunsthandler : Fleisch- 
u. Marktpreise zu Giefsen, am 11. Januar 1783. 2. — GSttingea. 
Dieterich'scho Buchh.: Forschungen zur deutschen Geschichte; 
Bnd. XIII, 2. 1873. 8. Waitz, die Formeln der deutschen Konigs- 
u. der rom. Kaiser- Kronung v. 10. — 12. Jahrh. 1873. 4. Sonder- 
abdr. Augusti rerum a se gestarum indicem ed. Theod. Berffk. 
1873. 8. — Graz. Histor. Verein f. Steiermark: Ders., Mit- 
theilungen etc, 20. Heft. 1873. 8. Beitrage etc ; 9. Jhg. 1873. 8. 
Halle. Thuring.-sachs. Verein f. Erforschung des vater- 
land. Alterth urns etc: Ders., neue Mittheilungen etc.; Bnd. 
XIH, 2 u. 3. 1871 u. 7a 8. — Hamburg. Rob. Kittler, Yerlagsh. 
Schdnwald u. Peist, Geschichte des Thalia - Theaters in Hamburg. 
1868. 8. Schreyer, im Lande der Gallier. 1872. 8. — Hannover. 
Cohen u. Risen, Yerlagsh.: Die Eunst im Gewerbe; Bnd. I, 
H. 2. 3. 1872. 2. Histor. Verein f. Niedersachsen: Deri., 
Zeitschrift etc; Jhrg. 1871 u. 34. Nachricht etc. 1872. 8. — Hei- 
delberg. K. Groos, Verlh.: Fuhrer durch Elsafs u. Lothringen; 
2. Aufl. 1873. 8. Woll, pftlzische Gedichte; 2. Aufl. 1873. 8. J. C. 
B. Mohr, akadem. Verlagsbuchh.: Bahr zur Geschichte der Weg- 
fuhrung der Heidelberger Bibliotbek nach Rom im J. 1623. 8. 
Sonderabdr. Universitat: Kolbe, Erzbischof Adalbert I. von 
Mainz u. Heinrich V. 1872. 8. Nebst 9 weiteren akademischen Ge- 
legenheitsschriften. 1872 u. 73. 4. 8. — Hermaimetadt. Verein f 
siebenbtirg. Landeskunde: Ders., Archiv etc.; Bnd. X, 2. 3. 
Heft. 1872. 8. Jahresbericht f. 1871-72. 8. Schuster, Beitrag z. 
Geschichte des evangel. Gymnasiums zu Hermannstadt 1872. 4. 
Progr. Hoch, Geschichte des Schafaburger Gymnasiums; Forts. 

1872. 4. Progr. — Innsbruck. Ferdinandeum fur Tirol und 
Vorarlberg: Dass., Zeitschrift etc.; 3. Folge, 17. Heft. 1872. 8. 
— Karlsruhe. G. Braun'sche Hofbuchh. : Oncken, eine authenti- 
sche Erzahlung von d. Zerstorung der Stadt Worms im J. 1689. 

1871. 8. Sonderabdr. Roth v. Schreckenstein , d. Insel Mainau. 

1873. 8. Eichrodt, Rheinschwabisch ; 2. Aufl. 1873. 8. Mack- 
lot' sche Buchh. : Magg, Kriegs-Kalender des deutsch-franzos. Feld- 
zugs 1870 — 71. 1872. 8. — Kiel. Gesellchaft fur die Ge- 
schichte der Herzogth. Sehleswig, Holstein u. Lauen- 
burg: Dies., Zeitschrift etc.; Bnd. HI, Schlufsheft. 1873. 8. Al- 
berti, Register fiber die Zeitschriften u. Sammelwerke f. Schlesw.- 
Holst-Lauenb. Geschichte; II. Heft 1873. 8. Schwers'sche 
Buchh.: Handelmann, d. amtlichen Ausgrabungen auf Sylt, 1870 
—72. 1873. 8. — Leeuwarden. Friesch Genootschap: Dies., 
de vrije Fries. 12. Deel, (n. R. VI. Deel, 3. Stuk). 1872. 8. 44. 
Verslag etc. ; 1871 — 72. 8. Friesche Oudheden ; 3. Aflevering. 

1872. 2. — Leipzig. F. A. Brockhaus, Verlh.: Supplement zur 
elften Auflage des Conservations -Lexikon; Bnd. la, II. 1872 u. 
73. 8. Deutsche Dichtungen des Mittelalters, hg. v. Bartsch ; Bnd. 
1. 2. 1872. 8. Fefsler , Geschichte v. Ungarn ; 13. Lief. 1873. 8. 
Wander, deutschesSprichworter-Lexikon; 44. Lief. 1873. 8. Ernst 
Fleischer, Verlagsh.: Schaling, Sagen u. Marchen aus preoff. 
Landen. 8. Lehrerverein: Statuten der padag. Zentralbiblio- 
thek zu Leipzig. 1872. 8. Luckhardt'sche Verlagsh.: Erlecke, 
systemat. Verzeichnifs v. Buchern etc., welche zu ermafsijrten Prei- 
sen zu beziehen sind; 1. Jhrg. 1871. 8. Kurze Geschichte der 
rom. -deutschen Kaiser u. der preufs. Kdnige. 1871. 8. Kreyfaig, 
Shakespeare -Fragen. 1871. 8. otompor, Bazaine n. die Rhein-Ar- 
mee. 1872. 8. Contzen, d. sociale Frage, ihre Geschichte, Litera- 
tur u. ihre Bedeutung in der Gegenwart ; 2. Aufl. 1872. 8. Konig, 
Shakespeare als Dichter, Weltweiser u. Christ. 1873. 8. E. A. 



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90S 



Anzeiger fur Kunde der deutsqhen Vorzeit. 



206 



Seemann, Verlagsh. : Deutsche Renaissance ; 18.— 20. Lief. 1873. 
4. B. G. Teubner, Verlagehndl : Rnhl, die Verbreitung des 
Justinus im Mittelalter. 1871. 8. Gosche, Qber d. Lieder a. Reime 
t. Strafsburg. 1872. 8. Holstein, gesta abbatam Bereensium ab 
a. 936—1495. 1871. 8. Holtzmann, germanische Altertnumer, mit 
Text, Uebersetzung u. Erklarung v. Tacitus Germania. 1873. 8. 
Veit u. Com p., Verlagehndl.: Droysen, Geschichte der preufs. 
Politik; 2. Aufl. Th. n, 1. 2. HI, 1. 2. IV, 1. 1869-72. 8. C. F. 
Winter' sche Verlagsh.: Lecky, Geschichte des Ursprungs u. Ein- 
frasses der Aufklarung in Europa; 2 Bnde. 1868. 8. St Leonhard 
bel Nflrnberg. Dr. Ad. Hartminn, ev. Pfarrer: Gebott vnd Ver- 
bott Herrn Hansen Rieters von vnd zu Kornburg etc. Die ein 
Pfarrer daselbst alle Jar verkiinden soil. Pgm.-Hs. 1601. 4. — Lin- 
das. J. T. Stettner, Verlagehndl.: Steudel, uber die Pfahlbau- 
bauten. 1872. 8. Sonderabdr. — Luxemburg. Section historique 
de rinstitut Luxembourgeoi8 : Dies., Publications etc ; an- 
neel872. XXVEL 1873. 4. — Lucern. Doleschal's Buchhndl.: 
v. Elgger, Kriegswesen n. Kriegskunst d. schweiz. Eidgenossen 
im 14., 15. n. 16. Jahrh. 1873. 8. — Mainz. Friedr. Schnei- 
der, Domprabendat : Aerdig leven van Thyl-Ulenspiegel. 8. Ver- 
makelyken Klucht - Vertelder. 8. Schoone Historic van den edelen 
Jan van Paris, Koning van Frankryk. 8. 11 Stuck fliegende Blat- 
ter, Lieder in holland. Sprache. 2. — MQnchen. Friedr. Bruck- 
mann's Verlag: Bayersdorfer , der Holbein-Streit 8. Mit 6 Bll. 
Photographieen. Imp. 2. Herm. Man z' sche Hofknnsthndl. u. 
Buchh. : v. Hafselholdt-Stockheim, Herzog Albrecht IV. v. Bayern 
u. seine Zeit; I. Bnd., 1. Abth., nebst Urkundenbuch. 1865. 8. 
Histor. Verein v. u. f. Oberbayern: Ders., oberbayerisches 
Archiv ; Bnd. XXXII, 1. 8. 32. Jahresbericht f. 1869 u. 70. 1871. 
8. — Nordhausen. Dr. Th. Perschmann, Oberlehrer: Ders., 
Nordhausens mittelalterliche Kunstdenkmaler; Heft II. 1872. 8. — 
Nflrnberg. Nidermaier, k. Advokat: Zeitschrift des Anwaltver- 
eins f. Bayern; Bnd. HI— XIH, Nr. 11. 1863—73. 8. Stenograph. 
Protokoll des IX. bayer. Anwaltstages in Niirnberg. 1868. 8. Ste- 
nograph. Bericht fiber die Verhandl. des X. Anwaltstages zu Mun- 
chen. 1870. 8. v. Troltsch, ub. die Stellunff der Frage uberFrei- 
gabe der Anwaltschaft zu der Advocaten-Wittwen - u. Waisenpen- 
nons-Anstalt 1869. 8. — Oldenburg. Schulze'sche Buchh. : Evers, 
Dentscblands Siegesjahr 1870— 71. 1872. 8. Jansen, Rochus Friedr. 
Graf zu Lynar. 1873. 8. Krohne, d. Denkmal der Oldenburger bei 
Vionville. 1873. 8. Poppe, Deutschlands Heldenkampf, 1870 u. 
1871. 2. Aufl. 1873. 8. — Peat. J. A. Magyar Tudomanyos 
Akad^mia: Almanach; 1872. 8. Ertesito; V. Evfol., 10. — 17. 
VI. Evfol., 1.— 8. 1871—72. 8. ErtekezSsek a torteneti tud. kore- 
bol ; 1872, I. n. 8. Magyar tortenelmi tar; kot. XV— XVHI. 1871 
—72. 8. Torok-magyarkori tort, emlekek ; VII. kot 1871. a Mo- 
nument* Huhgariae historical Diplomataria, XVII. 1871. 8. Archi- 
vnm Rakoczianum; n. osztjdiplom. I. 1871. 8. Statist, es ne- 
mezetgzd. kozlemenyek; k. Vm, 1,2. 1871—72. 8. A. m. t. Akad. 
Evkonyvei; K. XIII, 3. 6.-9. 1871—72. 4. Archaeblogiai kozle- 
menyek; VIII, 3. 1871. 4. — Potsdam. J. K. F. Knaake, Ca- 
dettenprediger : Luther, Ordenung eyns gemeinen kastens. 1523. 4. 
Lutheri judicium de votis monasticis. 4. Luther, ob man fur dem 
sterben fliehen muge. 1527. 4. Luther, ob kriegs leutte auch ynn 



seligem stande seyn kiinden. 1527. 4. Luther, an die Herren 
Teutschordens , dap sy falsch keuschait myden. 1524. 4. Luther, 
Offinbarung des Endchrists. 1524. 4. Lutherus, rationis Latomia- 
nae pro incendiariis Lovaniensis scholae sophistis redditae confu- 
tatio. 1521. 4. Luther, ein vnterricht der beychtkinder : vbir die 
vorpotten bucher. 1521. 4. Lutherus, epistola ad Leonem X. sum- 
mum pontificem. 1521. 4. Luther, Ordenung vnd Bericht, wie es 
furterhin (mit ihenen so das HochwOrdige Sacrament empfahen wol- 
len) gehalten sol werden. 1523. 4.— Prag. F. Tempsky, Verlh.: 
Eusebii ecclesiasticae historiae libri X, ed. Zimmermannus. 1822. 
8. Deycks, Friedr. Heinrioh Jacobi. 1848. 8. Verein fur Ge- 
schichte der Deutschen in Bdhmen: Ders., Mittheilungen 
etc XI. Jahrg., Nr. V u. VI. 1873. 8. Mitglieder-Verzeichnifs etc. 
1873. 8. — Regensburg. Friedr. Pustet, Verlagsh.: Elenk, d. 
heil. Monika. 1870. 8. Falloux, Leben des Papstes Pius V. 1873. 
8. — Rostock. Stiller'sche Hof- u. Univ.-Buchh. (H. Schmidt): 
Bohlau u. Dugge, einheimischer u. fremder Rechtsgang. 1873. 8. 
— Rudolstadi G. Frobel, Verlagsbuchh. : Sommer, Bilder und 
Klange aus Rudolstadt; I— V. 6. Aufl. 1872. 8. — Saarbrfloken. 
Heinrich Siebert, Buchh.: Die Vorpostengefechte bei Saar- 
briicken u. d. Schlacnt bei Spichern; 2. Aufl. 8. — Stuttgart A. 
Kroner, Verlh.: Bopp, Beitrage zur Beurkundung der deutschen 
8trafrechtspflege ; 1. Heft. 1861. 8. Pfeiffer, die Staatseinnahmen; 
2 Bnde. 1866. 8. Scherr, Bildersaal der Weltliteratur ; 2. Aufl. 
2 Bnde; 1869. 8. Menzel, Geschichte der Deutschen; 3 Bnde. 6. 
Aufl. 1872. 8. Menzel, Geschichte der neuesten Jesuitenumtriebe 
in Deutschland. 1873. 8. Hofer, wie das Volk spricht. 7. Aufl. 1873. 
8. Schmid u. Stieler, aus deutschen Bergen. 1873. 4. — Tau- 
berbischofehelm. Dr. Johann Heinrich Schlegel, Gymnasial- 
direktor: Ders., die tragische Ironie bei Sophokles; L u. II, 1, 2. 
1869 — 72. 8. — Tesohen. K. Prochaska, Verlh.: Der Krieg, 
1870—71; IH. 1873. 8. — Utrecht. Provinciaal Utrechtsch 
Genootschap: Dies., Verslag etc ; 1872. 8. Aanteekeningen etc. ; 
1871. 1872. 8. — Weimar. Herm. Bohlau, Verlh.: Bleek, Rei- 
neke Fuchs in Afrika. 1870. 8. Koch, histor. Grammatik der eng- 
lischeQ Sprache ; I. Bnd. 1863. 8. v. Bojanowski, Geschehenes a. 
Geschriebenes. 1871. 8. Schirrmacher, Albert v. Possemunster ge- 
nannt der Bohme. 1871. 8. Schmidt, d. Verwantschaftsverhalt- 
nisee der indogermanischen Sprachen. 1872. 8. — Wlen. Brau- 
mtiller, k. k. Hof- u. Universitats-Buchhandl. : v. Helfert, Maria 
Louise, Erzherzogin v. Oesterreich, Kaiserin der Franzosen. 1873. 
8. Pusikan, die Kaiserstein. 1873. 8. Dorfler, Geschichte der ka- 
tholischen Kirche. 1873. 8. R. v. Waldheim, Verlh.: Geschichte 
des deutschen Reiches; 6.— 19. Heft 8. Reschauer u. Smets, Ge- 
schichte des Jahres 1848; Heft 43 (Schlufs). 8. — Wflrzburg. Hi- 
stor. Verein fflr Unterfranken u. Aschaffenburg: Ders., 
Archiv etc.; Bnd. XXH, 1. Heft. 1873. 8. — Zlttau. G. Kor- 
schelt, Borger8chullehrer : Bericht der Handels- u. Gewerbekam- 
mer zu Zittau, 1870. 8. 

HE. Fur das Arohiv. 

(Nr. 4324.) 
Nflrnberg. LudwigRosel, Kaufmann : Abschiedsbrief Robert 
Blum's an seine Gattin. Wien, 1848. Autogr. Facsim. 



Chronik der historischen Verelne. 



Archiv des Vereines fur siebenburgische Landes- 
kunde. Neue Folge. Zehnter Band. H. u. HI. Heft. Hermann- 
stadt. 1872. 8. 

Ein Marienlied. Mitg. von Heinr. Wittstock. — Siebenbiirger 
Studirende auf der Hochschule in Wien im 14., 15. und 16. Jahrh. 
Ein Beitrag zur Kulturgeschichte Siebenburgens. Von Dr. G. D. 
Teutech. — Die Studirenden aus Ungarn und Siebenbllrgen auf 
der Hochschule in Heidelberg von der Grundung derselben bis 



1810. Von Fr. Teutsch. — Ueber die altesten Schulanfange und 
damit gleichzeitige Bildungszustande in Hermannstadt. Von Dr. 
G. D. Teutsch. — Das Religionsgesprach zu Schafsburg im Jahre 
1538 und des Weifsenburger Propstes, nachherigen Graner Erz- 
bischofs Anton Verantius Briefe an Siebenburger Sachsen. Von 
Karl Fabritius. — Die Bruderschaft des heiligen Leichnams in 
Hermannstadt. Von Gustav Seivert. — Eine neu aufgefundene 
Urkunde (von 1394). Von dems. — Aus alten Mefsbiichem und 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Brevieren. Von Karl Fabritius. — Die Studirenden aus Ungam 
und Siebenburgen auf der Universitat Leipzig von der Grundung 
derselben 1409 bis 1872. Von Th. Fabini und Fr. Teutsch. — 
Nachtrage zur Abhandlung „Ueber die altesten Schulanfange und 
damit gleichzeitige Bildungszustande in Hermannstadt." — Laut- 
und Formenlehren der starken Verba im Siebenbiirgisch-Sachsischen. 
£in Beitrag zur Grammatik dieses Idioms. Von Johann* Roth. — 
Diarium itineris ex Provinciae Bohemiae Conventu Glacensi ad 
Transylvaniam. A 1738. 

Jahresberioht desselben Vereins far das Vereinsjahr 1871/72. 
Hermannstadt. 8. 

Mittheilungen des Vereins fur Geschichte der Deut- 
schen in Bohmen. XI. Jahrg. Nr. V. u. VI. Prag, 1873. 8. 

Die Stiftung von Goldenkron und ihre Bedeutung fur die Ge- 
schichte der Deutschen in Bohmen. Von Matthias Pangerl. — 
Das Sprachgebiet der Lausitzer Wenden vom 16. Jahrh. bis zur 
Gegenwart. (Mit einer Karte.) Von Dr. Richard Andree. — Bei- 
trage zur Geschichte von Arnau. HI. Periode. Dynastie Warten- 
berg-Waldstein. Von Dr. C. Leeder. — Die Herrenmuhle von 
Graslitz. Von Karl Renner. — Bruchstucke aus der Geschichte 
des Cistercienserstiftes Ossegg. (Nach Quellen.) Von Prof. Bernh. 
13cheinpflug. — Notizen uber Bohmen. 

Mitglieder-Verzeichnifs desselben Vereins. 1873. Prag. 8. 

Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur 
Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. XVHL 
Jahrg. — Marz — Juni. Wien, 1873. 4. 

Die altchristliche Grabkammer in Fiinfkirchen. Von Dr Eme- 
rich Henszlmann. (Mit 2 Tafeln u. 12 Holzschnitten.) — Fund in 
Grado. Von Alb. Hg. — Aus Anlafs der vollendeten Renovirung 
des Stephansthurmes. Von dems. — Die gothische Kirche in Ter- 
lan und ihre Wandgemalde. Von Karl Atz. (Mit 5 Holzschn.) — 
Archaologische Reise-Notizen. Von Dr. Karl Lind. (Mit 23 
Holzschn.) — Mittelalterliche Grabdenkmale. Von dems. (Mit 2 
Holzschn.) — Ein Nurnberger Gobelin aus dem XV. Jahrh. Von 
Alb. Ilg. (Mit 1 Holzschn.) — Beitrage zur mittelalterlichen Spbra- 
gistik. Von Dr. Karl Lind. (Mit 4 Holzschn.) — Inlandische 
Glasgemalde mit Bildnissen von Mitgliedern des Hauses Habsburg. 
Von dems. (Mit 2 Taf. u. 2 Holzschn.) — Das Epitaph des Abtes 
Johann Zollner zu Leoben. (Von J. Grans.) — Donatello, seine 
Zeit Und Schule. Von Dr. Hans Semper. — Bericht uber die im 
Laufe des SommerB 1872 vorgenommene Restaurirung des schwar- 
zen Thurmes am Hradcm zu Prag. (F. J. BeneS.) — Biicherschtu. 

Heraldisch-genealogische Zeitschrift. Organ des 
heraldisch-genealogischen Vereines „Adler" in Wien. 
HI. Jahrg. Nr. 6. Wien, April 1873. 4. 

Ueber unrichtige Abbildungen mittelalterlicher Siegel. Von 
F. K. Fursten zu Hohenlohe-Waldenburg. — Fortsetzungen. 

Mittheilungen des historischen Vereins furSteier- 
mark. Zwanzigstes Heft. Graz, 1873. 8. 

Vereinsangelegenheiten. — Ueber das bestrittene und wirkliche 
Zeitalter, in welchem der Staatsraann Titus Varius Clemens gelebt 
hat; von Dr. Richard Knabl. — Kleine Beitrage zur Kenntnifs 
des Volksglaubens und Brauches in der wendischen Steiermark; 
von Prof. Rud. Reichel. — Graf Waldo von Reun und der Gau 
oder die Grafscbaft Runa; von P. Anton Weifs. — Graz oder 
Graz? Von Adalbert Jeitteles. — Die Bibliothek der Abtei Ad- 
mont; von P. Jakob Wichner. — Kleinere Mittheilungen. 



Beitrage zur Kunde steiermarkischer Geschichts- 
quellen. Hrsg. von dems. Vereine. 9. Jahrg. Graz, 1872. 8. 

Steiermark im Zeitraume vom 8. bis 12. Jahrh. Yon M. Fe- 
licetti v. Liebenfels. — Mittheilungen aus dem Markt- Archive ia 
Aflenz. Von Dr. Ferd. Bischoff. — Archivalische Untersuchungen 
in Friaul. (2. Art.) Von Prof. Zahn. — Die steierischen Land- 
handfesten. Von Dr. Arnold Luschin. 

Zeitschrift des Ferdinandeums fur Tirol undVor- 
arlberg. Herausgegeben von dem Verwaltungsausschusse dessel- 
ben. Dritte Folge. Siebenzehntes Heft. Innsbruck, 1872. 8. 

Die Vogte von Matsch spater auch Grafen von Kirchberg, von 
P. Justinian Ladurner. 2. Abtheilung — Naturwissenschaftliches. 

Forschungen zur Deutschen Geschichte. Heransg. 
von der historischen Commission bei der Kgl. Bayer. 
Akademie der Wissenschaften. Dreizehnten Bandes zweites 
Heft. Gottingen, Verlag der Dieterich'schen Buchhandlung. 1873. 8. 

Magister Guntherus und seine Schriften. Von Dr. A. Pannen- 
borg. — Spuren eines verlornen grofseren Chronicon Sampetrinum. 
Von Dr. 0. Posse. — Friedrich von Wied. Von Prof. E. Rei- 
mann. — Kleinere Mittheilungen. 

Oberbayerisches Archiv fur vaterlandische Ge- 
schichte, hrsg. von dem historischen Vereine von nnd 
fur Oberbayern. 32. Band. 1. Heft. (Munchen.) 8. 

Zur Geschichte des Hausengaues. Aufzeichnungen des 11. n. 
12. Jahrh., mitg. u. erortert von Frhrn. Edm. Oefele. — Urkund- 
liche Geschichte von Flinsbach, im Bezirksamte Rosenheim. Von 
Dr. Anton Quitzmann. 

32. und 33. Jahres-Bericht desselben Vereines. Fur die 
Jahre 1869 u. 1870. Munchen, 1871. 8. 

38. Jahresbericht des historischen Vereins von 
Mittelfranken. 1871 und 1872. (Mit einer xylograph. Bei- 
lage.) Ansbach. 8. 

Urkunden und Nachweise zur Geschichte Heinrich Topler's, 
von S. Hanle. — Volkssagen auB Rothenburg und Umgebung, von 
A. Merz. — Niirnberg's Handel und Gewerbe im Mittelalter, von 
J. Baader. — Ueber einen Staatsbrief des Dogen Johann Mocenigo 
von Venedig an Kurfiirst Albrecht von Brandenburg v. 22. Febr. 
1479, von Dr. G. M. Thomas. — Zur geschichtlichen Entwickelung 
der Kirchenbaulast im Ansbachischen , von S. Hanle. — Drei Ur- 
kunden iiber Deutschordensche Besitzungen in Mittelfranken, mitg. 
von Dr Ch. Hutzelmann. — Der Bauernkrieg v. J. 1525 nach dem 
Stadtbuch v. Roth a. S., mitg. von Hein. Vocke. — Ein wieder- 
erstandener Monch von Heilsbronn, von W. Caselmann. 

Archiv des historischen Vereines von Unterfran- 
ken und Aschaffenburg. Zweiundzwanzigster Band. Erstes 
Heft. Wiirzburg. 1873. 8. 

Die „hohe Registratur" des Magisters Lorenz Fries. Eine Ein- 
leitung zu Publicationen aus derselben, von Dr. Aug. Schaffler. - 
Erste Publication aus der „hohen Registratur": Magister Lorenz 
Fries zum frankisch - wiirzburgischen Munzwesen , von dems. — 
Regesta Franconica aus der Zeit der ostfrankischen echten Karo- 
linger mit einleitenden Bemerkungen iiber Herstellung einer Ge- 
schichte des bayerischen Frankens. Von Dr. F. Stein. — Die 
Gaue Gofsfeld, Waldsassen- und Badenachgau. Von dems. — Graf 
Otto von Rinek und der Rinek - Lon'sche Stammbaum des Alberi- 
cu8. Von dems. 

Archiv fur Hessische Geschichte und Alterthumi* 



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Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit. 



210 



kunde. Herausgegeben aus den Schriften des historischen 
Vereine fur das Grofsherzogthum Hessen. Dreizehnter 
Band. Erstes Heft Darmstadt, 1872. 8. 

Geschichte der Ganerbschaft Staden. Von Dr. Friedr. Zim- 
mermann. — Ueber den angeblichen friiheren Lauf des Neckars 
durch die Bergstrasse. Von Ernst Worner. — Die Pfarrkirche 
zu Seligenstadt vor der Restauration im Jahre 1868. Von Ed. 
Braden. — Einige eigenthumliche AusdrOcke im vordern Oden- 
wald. Von Pfarrer Diehl. — Eleinere Mittheilungen. 

Nene Mittheilungen aus dem Gebiet histor.-an- 
tiquar. Forschungen. Im Namen des . . . ThOringisch- 
Sachsischen Vereins fur Erforschung des vaterlan- 
dischen Alterthums und Erhaltung seiner Denkmale 
hrsg. von Dr. 0. Opel. Dreizehnter Band. 2. u. 3. Heft Halle u. 
Nordhausen, 1871. 1873. & 

Ein Wandertag an den beiden Mansfelder Seen. Heimatsstu- 
die aus der Grafschaft Mansfeld, von Pastor H. Heine. — Bauer 
in Merseburg (1641). Von J. 0. Opel. — Die ersten Statuten der 
Wittenberger Artisten-Facultat v. J. 1504. Von Dr. Th. Mu- 
ther. — Zeitz im dreifsigjahrigen Kriege. Von Kreisgerichtsrath 
Bothe. — Die Entwickelungs- Geschichte der Reichsstadt Miihl- 
hausen im 13. Jahrh. Von Dr. Herquet — Chronicon Ammens- 
lebiense. Hrsg. von Franz Winter. — Die Kaiser Friedrich- und 
Kiffhausersagen. Von Dr. Jul. Schmidt — Spottlieder auf die 
Evangelischen. Mitg. von Dr. Alfred Kirchhoff. — Christian von 
Mflhlhausen der zweite Bischof von Samland (1276 — 95). Von Dr. 
M. Perlbach. — Eine Flugschrift uber die Zertorung Magdeburgs. 
Mitg. von J. 0. Opel. — Eleinere Mittheilungen.' 

Monatshefte fur Musik -Geschichte, herausgegeben 
,von der Gesellschaft fur Musikforschung. V. Jahrg. 
1873. Nr. 6 u. 8. Berlin. 8. 

Ueber den eigentlichcn Melodiekorper zu dem Liede: „Ins- 
pruck, ich mufs dich lassen", vonHeinr. Isaac. — Cod. Mscr. Nr. 
98 th. (in hoch 4.) Bibliothek Proske in Regensburg. (Fr. X. 
Haberl.) — Johann Gottfried Walther (theoret Werk dess. fiber 
Musik, 1708). (Rob. Eitner.) 

Zeitschrift der Gesellschaft fiir die Geschichte 
der Herzogthiimer Schleswig, Holstein und Lauen- 
burg. Dritter Band. (Schlufs-Heft) Kiel, 1873. 8. 

Einige Dingswenden aus Nordschleroig. Mitg. von Rechts- 
anwalt A. Ipsen. Mit mehreren Holzschnitten. — Beitrage zur 
Adelsgeschichte. Die Familie Breide. Von Pras. v. Stemann. — 
Actenstucke zur Geschichte des Steuerwesens im Amte Tondern 
unter der Furstl. Gottorfischen Regierung. Mitg. von Rath L. 
Petersen. — Actenstucke zur Geschichte des Sudertheils von Dith- 
marschen. Mitg. v. Georg Hille. — Uwe Jens Lornsen. Von Ru- 



dolf Usinger. — Kleinere Mittheilungen. — Nachrichten uber die 
Gesellschaft 

Register Uber die Zeitschriften und Sammelwerke for Schlesw.- 
Hoist - Lauenburg. Geschichte. Im Auftrage der vorgenannten 
Gesellschaft . . . angefertigt von Dr Eduard Alberti. Zweites 
(Schlufs-) Heft Kiel, 1873. 8. 

Zeitschrift des historischen Vereins fur Nieder- 
sachsen. Herausgegeben unter Leitung des Vereins-Ausschusses. 
Jahrgang 1871. Mit drei lithograph. Tafeln u. einer Stammtafel. 
Hannover, 1872. In der Hahn'schen Hofbuchhandlung. 8. 

Der Streit zwischen dem Erzbischof Gerhard II. von Bremen 
und dem Bischof Iso von Verden wegen der geistlichen Gerichta- 
barkeit iiber das Schlofs Ottersberg im Jahre 1226. Von Archivr. 

C. L. Grotefend. — Geschichte des Klosters Steina. Vom Pastor 

D. Heidemann. — Urkunden und Nachrichten, Stiftung und Doti- 
rung der Capelle und nachmaligen Pfarrkirche zu Bordenau be- 
treffend. Mitg. vom Pastor Fromme. — Ergebnisse aus mittelal- 
terlichen Lohnregistern der Stadt Hannover. Mitg. vom Oberbau- 
rath MithofF. — Einige bisher unbekannte Aktenstucke zur Ge- 
schichte des Fleckens Stolzenau i. d. J. 1582—1643. Von E. Bo- 
demann. — Berioht uber Alterthiimer im Hannoverschen. Vom 
Studienrath Dr. Moller. (Mit 3 lithogr. Tafeln.) — Miscellen. — 
Verzeichnisse und Register zu 1857 — 71 der Zeitschrift. 

Organ for christliche Kunst, hrsg. und redigirt von J. 
van Endert in Coin. Organ des christlichen Kunstvereins 
fur Deut sen land. Nr. 11. 12. — Koln, 1. u. 15. Juni 1873. 
XXm. Jahrg. 4. 

Kunst und Christenthum. Verhaltnifs der altchristlichen Kunst 
zur Antike. Symbolik und Mythologie der christlichen Kunst. 
(Dr F. X. Kraus.) — Ein Kunstwerk aus der Zeit Kaiser Hein- 
rich's des Heiligen. (Nebst einer artist. Beilage.) (Prof. Dr. Stock- 
bauer.) — Die antike Innendecoration und die Ausschmuckung 
christlicher Kirchen. — Ein Verzeichnifs von Kirchenschatzen der 
Abtei St. Salvator zu Prum im 11. und 12. Jahrh. 

Thurgauische Beitrage zur vaterlandischen Ge- 
schichte. Herausgeg. vom historischen Vereine des Kan- 
tons Thurgau. Dreizehntes Heft. Frauenfeld, 1873. 8. 

Bericht iiber die Verrichtungen und peinlichen Aussagen Ki- 
lian Kesselrings, Generalwachtmeisters der Landgrafschaft Thurgau, 
betreffend den Einbruch des Generals Gustav Horn und die Be- 
lagerung der Stadt Konstanz, im September 1633. 

Mittheilungen zur vaterlandischen Geschichte. 
Herausgeg. vom historischen Verein in St Gallon. Neue 
Folge. 3. Heft (Der ganzen Folge XIH.) Mit zwei Karten. 
St. Gallen, Huber & Comp. 1872. 8. 

St Gallische Geschichtsquellen. Neu herausg. durch G. Meyer 
von Knonau. IT. Ratperti casus s. Galli. 



Nachrichten. 



Literatur. 

Neu er8chienene Werke. 
19) Denkmaler deutscher Poesie und Prosa aus dem 
VIII. — XII. Jahrh undert, herausgegeben vonK. Mul- 



len h o ff und W. S c h e r e r. Zweite, vermehrte und verbes- 
serte Auflage. Berlin, 1873. XXXIX u. 649 Stn. (gegen 
XXXIV u. 548 der ersten Auflage). 8. 

Es ist ein erfreuliches Zeichen fur den Aufschwung der ger- 



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Anzeiger fur Eunde der deutschen Yorzeit. 



213 



manistischen Studien, dafs dieses in vieler Beziehung bahnbre- 
chende Werk schon nach verhaltnifsmafsig kurzer Zeit in neuer 
Auflage erscheinen konnte; aber auch ein Zeichen daftir, dafs 
die in der Vorrede ausgesprochene Erwartung, „dafa die Samm- 
lung wol auf einiges Interesse auch aufserhalb des Ereises der 
eigentlichen Faohgenossen, namentlich bei Tbeologen und Histori- 
kern, rechnen durfe", in Erfallung gegangen ist 

Was die „Vermehrung" der neuen Auflage betrifft, so sind 
neu hinzugekommen die Nrr. XVI Lorscher Bienensegen, XXIII de 
Lantfrido et Cobbone, XXVIII Liebesgrufs, Lin baierische Glau- 
bensfragen, LXXI Stucke eines Psalmencommentars, LXXIIb Lor- 
scher Beichte und LXXIV *> Pfalzer Beichte ; (hingegen ist Nr. XXV 
der ersten Auflage : sacerdos et lupus, nun fortgelassen). Die „Ver- 
bes8erungen erstrecken sich auf den Text (manche Handschriften 
sind neu verglichen w6rden), besonders aber auf die Einleitung 
und Anmerkungen, durch die der Weg angebahnt ist, zu einer 
methodischen Erforschung der hier nicht behandelten grofseren 
und kleineren Stficke des genannten Zeitraumes. Im Uebrigen 
▼erweisen wir auf das im XI. Bande des Anzeigers (1864) Sp. 107 f. 
iiber dieses Buch Gesagte, dasselbe nor noch schliefslich auf s neue 
und warmste empfehlend. 

20) Schlesische Fflrstenbilder des Mittelalters. Na- 
mens des VereiDS fur das Museum schlesischer Alterthumer 
in Breslau nach Originalaufnahmen von Theodor Blatter- 
bauer, Karl Brauer, Albrecht Brauer, Bernhard Mannfeld 
und Adalbert W61ffl herausgegeben von Dr. Hermann 
Luchs. Mit 47 Bildtafeln. Breslau, Verlag von Eduard 
Trewendt. 1872. 4. 

Der Verfasser bezeichnet sein Werk in der Vorrede als Er- 
gebnifs von Mufaestunden und zahlreichen Ferienreisen eines Schul- 
mannes, dem das Amt in erster Linie steht. Wir haben in dem- 
selben also keine Arbeit im heutigen, eminent gelehrten Sinne, 
d. h. der Historiker zieht seinen Gegenetand nicht bios heran, 
weil er far sein kritisches Messer ein neues Schlachtopfer braucht, 
er steht vielmehr mit Hingabe und gutem Vertrauen seinem Vor- 
wurf gegeniiber und betont in der Behandlung mehr den kunst- 
lerischen Aufbau als die eiuseitig verstandesmafsige Zersetzung des 
Stoffes. Die von ihm geschilderten Gestalten heben sich warm und 
lebenskraftig vom Hintergrunde ihres Zeitalters ab, und die ge- 
wahlte biographische Form der Erzahlong vermittelt sehr wohl 
den wis8enschaftlichen Gehalt mit der angenehmen Fassung. Der 
Um8tand, dafs die lange Folge schlesischer Fursten durch eine 
selten so vollstandig vorkommende Reihe von ausgezeichneten 
Grabdenkmalern begleitet wird, welcher der nachste Anlafs zur 
Abfassung der vorliegenden „Bilder (< gewesen zu sein scheint, 
gibt dem Werke auch ein hohes Interesse nach kunst- und kultur- 
geschichtlicher Seite hin. Zu bedauern ist nur, dafs dem Heraus- 
geber nicht uberall die kunetlerischen Krafte zu Diensten gewesen, 
um beim Aufwande aller technischen Mittel auch den archaologi- 
schen Anforderungen Genuge zu thun. Eine allgemeine histori- 
sche Tabelle fur die Geschichte Sohlesiens im Mittelalter, mehrere 
genealogische Tafeln, ubersichtliche Zusammenstellungen und ein 
sorgfaltig ausgefuhrtes Register machen das Werk zugleich zu 
einem werthvollen Handbuche. v. E. 



Aufs&tse in ZetoekrifUn. 

Das Ausland: Nr. 27. Die Eklipsen des Mondes in der Volks- 

sage. (Dr. R. HaBsencamp.) — Nr. 28. Der Name Berlin. 
Blatter fur Miinzfreunde: Nr. 35. Sachsische Ehrenzeichea 

des 17. Jahrh. 
Daheim: Nr. 40. Aus alten 8tadten. V. Gent in Flandern. 
DieGartenlaube: Nr. 27. Ein mitteldeutsches Volkstrachtenfett 

(zu Altenburg). (Kurt Grefs.) — Nr. 28. Agnes Bernauer. (Dr. 

Chr. Meyer.) 
Die G eg en wart (von P. Lindau): Nr. 21. Schriftsteller u. Ver- 

leger vor 100 Jahren. (D. F. Straufs.) 
Die Grenzboten: Nr. 25, S. 441. Nordeuropaische Volksart u. 

Volkspoesie. (Heinr. Ruckert.) 
Im neuen Reich: Nr. 27, S. 18. Der Ueberfall der Reichsstadt 

Frankfurt durch die Franzosen am 2. Jan. 1759. (W. Strieker.) 
Preufs. Jahrbucher: Juni, S. 653. Entstehung des deutschen 

Konigthums. (G. Kaufmann.) 
Der Eatholik: Mai. Walther's von der Vogelweide Elagelieder 

gegen die Papste Inuocenz IH. und Gregor EX. 
Protest Kirchenzeitung: Nr. 18 u. 19. 24. Die ^christiiche 

Kirchenordnung" des Eurfiirstenthums Brandenburg, von dem 

Korfursten Johann Georg im Jahre 1572 erlassen. 
Die Deutsche Predigt: 3. Hft. Ein Predigteingang aus dem 

13. Jahrh. 
Der Salon: Hft. 10, S. 1217. Ein Gang durch die Gemaldegale- 

rie im Belvedere zu Wien. (Gottfried KinkeL) 
Sonntagsblatt (v. Fr. Duncker): Nr. 19. Plattdeutsche Sprich- 

worter. — Nr. 22. Die Moosweibchen, Lohjungfern und Holx- 

fraulein der deutschen Volkssage. (Th. Bodin.) — Nr. 24. 

Die Gdttersagen unserer Altvordern. 1. (Ders.) 
Theolog. Studien u. Kritiken: 3. Hft. Luther's Abendmahls- 

lehre bis 1522. (Mucke.) 
Deutsche Turn-Zeitung: Nr. 21. Eine Klage vom Jahre 1591 

uber Abnahme von Jugend- und Turnspielen in der Schweiz. 

— Nr. 22. Die Leibesubungen an dem 1696 gegrundeten Pa- 

dagogium zu Halle. 
Wochenblatt d. Joh.-Ord.-Balley Brdbg.: Nr.27. DieRitter- 

fahrt Wilhelm's von Geldern. (Oskar Schwebel.) — Nr. 2a 

Die Mark Brandenburg um 1630. 
Zeitschrift f. bildende Kunst: Hft 9, S. 284 if. Durerstudien. 

(Adolf Rosenberg.) 
All gem. Zeitung: Beil. Nr. 180f. Die firanzosischen Worter im 

Nibelungenliede. (Dr. Alb. Wittstock.) 



Yermischte Nachrlchten. 

53) In dem einen Theil des neuen Elsterflufsbettes zwi- 
schen Plagwitz und Kleinzschocher bei Leipzig ist man neuester 
Zeit in einer Tiefe von 3 M. in weichem Lettenboden wieder auf 
eine grdfsere Anzahl von eingerammten , 12 Cm. starken Pfah- 
len gestofsen, welche offenbar mit einem scharfen Instrument to* 
gespitzt sind. Oft stehen solche Pfahle zu Dutzenden nahe bei- 
sammen, dazwischen liegen in Unordnung, aber immer in einem 
und demselben Niveau, machtige, */* his l'/» M. starke Eichen- 
stamme, welche gleichfalls gefallt sind; die Stocke mit Wurzeln 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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itehen noch daneben. Noch tiefer in dem Lettenboden warden 
Wurfspiefse und Stucke yon thonernen Gefafeen, auch eine Urne 
mit Knochenuberresten gefanden, aufserdem verschiedene einzelne 
Knochen, namentlich von Wiederkauern herruhrend. Da nnd dort 
serstreut findet man ferner einzelne Steine, die eine regelmafsige 
SchliffHache zeigen, jedenfalls also StOcke von Steinwaffen, Platten 
etc sind. (111. Ztg., Nr. 1565.) 

54) Ein wol mehr als 1000 Jahre alter Goldschmuck ist am 
22. Jnni von einem Segelmachergehulfen auf der Insel Hid dense e 
gefanden worden. Der Fund besteht aus drei Kreuzen, von wel- 
chen jedes aufeer andern Verzierungen am obern Theil ein Eulen- 
gesicht tragt; aus einem 3 Zoll im Durchmesser grofsen, 1 Zoll 
hoch gewolbten, schon verzierten Schild, welcher offenbar den 
Mittelpunkt eines Halsschmuckes gebildet hat, and in dessen Mitte 
sich eine kreuzformige Oeffnang zeigt, deren Fiillung, wahrschein- 
lich ein Edelstein, ausgebrochen ist; aus 2 kleinen Kreuzen und 
aus einem Armband, das von dreidrahtigem Golddraht gearbeitet 
and mit Verzierungen versehen ist. Das Gewicht aller dieser 
Schmuckstucke mag zusammen 1 Pfund betragen. 

(Dies., Nr. 1568). 

55) Ein mit alten Mflnzen gefulltes Geschirr wurde vor 
einiger Zeit zu Vinkorcze in Kroatien ausgegraben. Die Anzahl 
der Munzen war an 300 Stuck ; unter ihnen befand sich ein gol- 
denes Eettchen. Die Stucke sind fast alle aus Silber und nur 17 
davon aus Kupfer gepragt; sie stammen aus der Zeit der ungari- 
schen Kdnige Sigmund Maria und Albert her und wurden unter 
dem letztern aus Anlafs der Einfalle der Tflrken in Syrmien ver- 
graben. Das k. k. Generalcommando hat den Fund dem Pester 
National museum uberlassen. (Dies., Nr. 1564.) 

56) Der bekannte Munzsammler Hauptmann a. D. Wuerst 
in Bonn beabsichtigt seine aus mehr als 1900 Stack bestehende 
rheinische Munz- und Medaillensammlung zu verkau- 
fen. Es ware sehr zu wanschen, dais sie fur die Rheinlande er- 
halten wllrde, wo kaum eine zweite so vollstandige Sammlung uber 
das eigene Gebiet sich finden dorfte. Aus Stadten und Ortschaf- 
ten en t halt sie 465, von weltlichen Fursten und Herren 624, von 
geistlichen Fursten 822 Stiick. Besonders zahlreich sind Kur-K61n 
(586), Kur- Trier (202), Julich, Cleve und Berg (370), Stadt Koln 
(270 Stiick) vertreten. 

57) Das Waffenmuseum der Stadt Wien. Die Welt- 
ausstellung gab dem Wiener Gemeinderath Anlafs, zwei for die 
LocaIge8chichte wichtige Unternehmungen in's Leben zu rufen, 
namlich ,die Umgestaltung dee burgerlichen Zeughauses in ein 
stadtisches Waffenmuseum und die Veranstaltung einer historischen 
Ausstellung. Ersteres wurde am 15. Mai eroffnet. 

Die wissenschaftliche Leitung der Umgestaltung des Museums 
war Quirin Leitner ubertragen, der durch seine Specialstudien 
und Leistungen vor Allen dazu berufen war; einer ihm zur Seite 
stehenden Kommission fiel hauptsachlich . Ordnung und Losung 
der bezuglichen administrativen Fragen zu. Bei der Unordnung 
im alten Zeughaus war die Aufgabe durchaus keine leichte. Fur 
die Neuaufstellung gab es keinen richtigeren Standpunkt, als aus 
dem burgerlichen Zeughause den grofseren Theil der werthlosen 
und nicht dahin gehorigen Waffen wegzuschaffen und dann die 
werthvollen Bestandtheile der Sammlung in chronologischer Folge 



zu ordnen, eine Aufgabe, der nur mit genauester Kenntnifs der 
Geschichte des Waffen- und Harnischwesens gerecht zu werden 
war, die zugleich auf imponierende oder dem Auge gefallige Grup- 
pierung erst in zweiter Linie Bedacht nehmen konnte. Die altesten 
Theile der Sammlung reichen noch in das 15. Jahrhundert zuruck ; 
darunter ein vollstandiger Reiterharnisch, ein Bild der ersten vol- 
lendeten Plattenharnische, vielleicht aus dem Besitze eines der 
Burgermeister dieser Zeit. An der Wand sind drei Gruppen von 
Waffen aus der Zeit der Kaiser Friedrich IV. und Max I. aufge- 
stellt; geriffelte Mailander Harnische, Beiderhander (zweihandige 
Schwerter, welche von den auserlesensten Leuten des Fufsvolkes 
getragen wurden), Aalspiefse, Helmbarten und Reislanzen sind be- 
sonders bemerkenswerth. Eine Specialist des Museums sind fer- 
ner bemalte Tartschen, holzerne Schilde, die, anderwarts eine 
grofse Seltenheit, hier in betrachtlichor Zahl vorhanden sind und 
sich vielfach durch reiche , fein ausgefiihrte Bemalung auszeichnen. 
Die schonste derselbon, mit der Darstellung des heil. Georg, wird 
eben durch die Restaurierschule des Belvedere's in guten Stand ge- 
setzt ; sie bietet einen interessanten Einblick in die Leistungsfahig- 
keit der Wiener Maler des 15. Jahrhunderts. Unter den folgen- 
den Rustungen ist im 4. Felde ein vollstandiger Reiterharnisch 
mit schwarzgeatzten Strichen bemerkenswerth, dessen Helm zu je- 
ner Gattung von Kopfbedeckungen gehdrt, welche Max I. erfun- 
den. Im 5. Felde beginnt dann die Reihe der „Burgerharnische", 
welche bis zum 16. Felde reichen. Sie fiihren diese Bezeichnung, 
weil auf der Brust das Wiener Stadtwappen eingeatzt ist; sie wur- 
den in denJahren 1546 und 1571 von dem Stadtrathe inNurnberg 
angekaufb. Die Felder 16 — 29 zeigen dann die ganze Formenent- 
wickelung der Biirgerbewaffnung von der Mitte des 16. Jahrhun- 
derts bis zum Ausgange des 30jahrigen Kriegs. Eine Ausnahme 
bilden nur die Felder 11 und 12, eingoschlossen von drei Ruhmes- 
tempeln mit den Busten des Grafen Niclas Salm, des Herzogs Karl 
von Lothringen und Riidiger's von Stahremberg, zur Bezeichnung 
der boiden Epochen der glanzendsten Thaten der wehrhaften Bur- 
ger Wien's ; unter den Siegestrophaen finden sich 16 turkische 
Fahnen und Inschriften. Auch eehr werth voile turkische Waffen 
sind zahlreich vertreten ; der Kopf des Kara Mustapha wird noch 
in einem Glaskasten bewahrt, eine Reliquie, deren Echtheit zwar 
Hammer in seiner Geschichte des osmanischen Reiches bezwei- 
felte, die aber neuerdings von Sachkundigen erwiesen worden ist. 
Weniger glanzend als das 16. und 17. Jahrhundert ist die neuere 
Zeit vertreten ; es finden sich zwar fast alle Specialitaten der Biir- 
gerwaffen vor, doch den reichsten Schmuck dieser Epoche bilden 
die Fahnen und Standarten der alten Burgercompagnien. Erst in 
der Epoche der grofsen franzosischen Kriege mehren sich in den 
Denkmalen des Aufgebots und der Freiwilligen-Fahnen die Zeugen 
der Thaten und Ereignisse unseres Jahrhunderts, welche sich bis 
zu den Erinnerungen an die Wiener Freiwilligen-Bataillone in den 
Jahren 1848 und 1859 fortsetzen. Dieser fliichtige Umrifs durfte 
genugen, einen Einblick in die ungewdhnliche Bedeutung dieser 
neu geordneten Sammlung zu gewinnen; wenige andere werden 
sich an hisiorischem Werthe mit ihr messen konnen, und diese 
seltene Mannigfaltigkeit klar gestellt zu haben, ist ledigbch Leit- 
ner's hervorragendes Verdienst. (Wien. Zeitg.) 

58) Zu Leipzig kommt im Laufe des nachsten Herbstes in 
dem Kunstauctions-Institute von C. G. Borner die werthvolle Samm- 
lung deutscher Kupfer s tiche und Malerradierungen sammt 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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Kunstbibliothek aus dem Nachlasse des Dr. Andreas Andresen 
zur Versteigerung. Der Katalog ist in Vorbereitung. 

(Anz. v. Petzholdt, Hft. 7, S. 242.) 

59) Der „Anzeiger fur Schweizerische Geschichte" veroffentlicht 
in Nr. 1. seines 4. Jahrg. folgende historische Preisaufgabe. 
Eine der unterzeichneten Commission zur Verwaltung iibergebene 
Stiftung hat mdglich gemacht, deren Ertrag u. A. zur Aufmunte- 
rung ausgezeichneter wissenschaftlicher Arbeiten zu verwenden, 
und es wird in Ausfuhrang dieses Zweckes folgende Preisaufgabe 
ausgeschrieben : Geschichtliche Darstellung der Entwick- 
lung des Handels in den ostlichen und nordlichen 
Gebieten der Schweiz bis zur festen Gestaltung amt- 
licher oder corporativer kaufmannischer Directorien 
in den Stadten Cur, St. Gallen, Schaffhausen, Zurich 
und Basel. Es wird dabei vorausgesetzt, dafs diese Darstellung 
auf den ursprunglichen Quellen und deren sorgfaltiger Kritik und 
Combination ruhe, unter stetem Nachweis derselben in ubersieht- 
licher Kurze ihre Ergebnisse zusammenfasse und an den allgemei- 
nen Gang der Ereignisse anknupfe. Die Aufgabe richtet sich vor- 
ziiglich auf: 1) die Ermittlung der altera und spatera Handelswege 
zu WasBer und zu Land und deren Verbindung mit den Handels- ^ 
wegen des AuslandeB und damit auf das ganze Transportwesen ; 

2) die Entwicklung der Gewerbe, soweit der Handel in sie ein- 
greift, die gewerblichen Verbindungen, die Messen und die Markte; 

3) das Geldwesen, die Verbreitung des Wechsels und die verschie- 
denen Gestaltungen des Bankgeschaftes in dessen privatem und 
ofFentlichem Betriebe ; 4) das Handelsrecht ; 5) die ganze Handels- 
politik, wie sie in den Sammel- und Mittelpunkten der genannten 
Gebiete zur Geltung kam und zu Erfolgen fiihrte, an welche der 
Handel in seinem jetzigen Bestande noch anknopft. Bei der Aus- 
dehnung der StudieD, welche eine solche Untersuchung voraussetzt, 
wird als Zeitpunkt fur deren Vollendung und Einlieferung der 31. 
Dezember 1877 bezeichnet und als Preis fur die beste, bzw. die 
den oben entwickelten Aufgaben entsprechende Arbeit die Summe 
von dreitausend Franken in Gold festgesetzt. 

60) Als wir im Februar d. J. unsere Mittheilung iiber das hiesige 
Archiv (Verm. Nachr. Nr. 17, Sp. 62—64, des Anzeigera) nieder- 
schrieben, gaben wir uns der angenehmen Hoffnung hin, dafs der 
Gedanke einer Verlegung des Archivs der ehemaligen Reichsstadt 
Nurnberg aus dieserStadt nicht wieder ernstlich auftauchen kdnne, 
um so mehr, als der Herr Minister des Inn era selbst, dem Ver- 
fas8er gegenflber, lebhaftes Interesse fur das Verbleiben aufserte. 
Wie sehr wurden wir daher uberrascht, zu veraehmen, dafs die 
Uebersiedelungsarbeiten wieder aufgenommen werden sollen, und 
dafs in der Sitzung des hiesigen Magistrates vom 11. Juli ein Mini- 
sterialerlafs mitgetheilt worden sei, des Inhaltes, dafs diese Ver- 
legung erfolgen musse, weil die Beschaffung eines entsprechenden 
Lokales in Nurnberg zu theuer komme. 

Die Stadt hatte angeboten einen Beitrag von 10,000 fl. zu ge- 
ben. 20,000 fl. hat der Staat far die (wie ja als Grand des Ver- 



kaufes angegeben wird) ungenugenden Lokalitaten, die er seither 
innehatte, erhalten. Die Grande, welche das Belassen des Ar- 
chives in Nurnberg zu einer Ehrenpflicht far den Staat ma- 
chen, sind in unseren fraheren Aufsatzen erortert. Ihnen gegen- 
iiber kann ein einfacher Hinweis auf die Kosten nicht in die Wag- 
schale fallen. Es kostet Manches Geld und mufs doch geschehen. 
Weshalb ist die menschliche Gesellschaft im Staate zu einer gro- 
fsen K6rper8chafb vereinigt, wenn nicht der Staat die hohen Auf- 
gaben lost, die der Einzelne nicht losen kann. Zu ihnen gehort 
die Pflege und Forderung der Wissenschaft, die Verbreitung der 
Bildung und Bildungsmittel ; und wenn das auch Geld kostet, so 
mufs es doch geschehen. Die Staatsmaschine ist nicht bios als 
Rechenmaschine da, um zu erfahren, wie Geld zu ersparen ist; 
je materieller heute der Zug ist, der die Einzelnen leitet, um so 
mehr mussen die idealen Fragen von Seite der Gesammtheit in's 
Auge gefafst und von dort aus dafur Fursorge getroffen werden. 
Diese Anschauung hat sich heute bei alien deutschen Volks- 
vertretungen geltend gemacht, und wo ist eine, die nicht mit Fren- 
den fur alles, was das ideal e Gebiet berahrt, Geld bewilligte? 
Dieser Zug hat sich bei den jflngsten Verhandlungen des bayer. 
Landtages in umfassender Weise kundgegeben. Wie kann man 
zweifeln, dafs er auch in dieser Frage bereit zu flnden ware? 
Weshalb halt man es nicht der Muhe werth, demselben eine Vor- 
lage zu machen? Etwa aus Kurzsichtigkeit, welche die Wichtig- 
keit und Tragweite der Bedeutung einer wissenschaftlichen Anstalt 
nicht erkennt? Ist nicht mehr die Wissenschaft einer der mach- 
tigsten Faktoren im Kulturleben ? 1st sie nicht mehr eine Zierde 
des Staates? Das Opfer, welches die Stadt Nurnberg zu bringen 
bereit ist, ist anerkenD ens werth und um so erfreulicher, als in an- 
deren Fallen die Stadtvertretung fur Pflege historischen Sinnes 
keineswegs den so erwunschten und so nothwendigen Eifer ge- 
zeigt hat. Wie kann ihr mehr zugemuthet werden, wenn die 
Pflicht, an dem Eigenthumsrechte haftend, dem Staate obliegt? 
War es nur iiberhaupt wiirdig, far eine dem Staate obliegende 
Pflicht von der Stadt Opfer zu verlangen? Kann man mehr ver- 
langen ? Wenn der Staat das Archiv selbst und damit die Pflicht 
der Obsorge fur dasselbe, die Pflicht, es der Wissenschaft natzbar 
zu machen, der Stadt iibergeben wollte, dann lage ihr es ob, die 
Mittel dafiir aufzubringen. So ist es Sache des Staates, eine Pflicht, 
der die Staatsregierung und die Stande ebenso nachkommen mos- 
sen, wie der Pflicht, die Steuerkraft des Volkes nicht unnothig in 
Anspruch zu nehmen. Wenn wir bedauern massen, dafs Se. Ex- 
celienz der Herr Minister nicht diese Pflicht erkannt hat, so freuen 
wir uns dagegen, dafs das Collegium der Gemeindebevollmachtigten 
-den Magistrat der Stadt Nurnberg ersucht hat, Se. Ezcellenz um eine 
Vorlage an die Kammern zu bitten, und dafs gleichzeitig ein der 
Universitat Erlangen angehoriges Mitglied der zweiten Kammer 
eine Anregung dieser Frage in der Kammer in Aussicht gestellt 
hat. Wir hoflen, dafs die Kammern die Pflicht des Staate besser 
wahren werden, als der Minister. A. Essenwein. 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K* Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch- artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedrnokt bei U. E. Sebald In Nurnberg. 



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Wftrnberg/. Dm Abonnement des Blat- 
t*i, welohes alle Monate ersoheint, wird 
gansjahrig angenommen und betragt nach 
der neuestenP osteon vention bei alien Poet- 
amtern and Buchhandlungen DeuUchlanda 
inoL Oesterreichs 3fl. 86 kr. im 34 fl.-FuIs 
Oder S Thlr. preufs. 

Fax Frankrtick abonnlext man in 
Paris bei der deutsohen Buohhandlung ron 
F. Klineksieok, Nr. 11 roe de Lille; for 



\yzi:iw:r 



England bei Williami * Norgete, 14 Hen- 
rietta-Street Covent - Garden in London; 
for Nord-Amerika bei den Postamtern Bre- 
men and Hamburg. 

Alle fur das german. Museum be- 
stimmten Sendungen auf dem Wege des 
Buchhandels werden duroh den Commis- 
sionar der literar. - artist. Anstalt des Mu- 
seums, F.A. Brookhaas in Leipzig, be- 
ftrdert. 



FDR RC1E DER 





Nene Folge. 



Zwanzigster Jahrgang. 



.•i30DL:ur> 



1873. 



ORGAN DES GERMAfflSCHEN MUSEUMS. 

JV 8. 



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%j?/ODt? ! 



August. 



Wissenschaftliche Mittheilnngen. 



Sprichworter. 

Im elften Jahrhundert tritt uns ein besonders lebhafter 
Eifer entgegen, deutsche SprichwOrter in lateinischer Form 
wiederzugeben ; icb erinnere nur an Wipo, an Othloh, dessen 
Sammlong einen mehr kirchlicben Cbarakter trftgt, an die Zu- 
sammenstellang in den Denkm&lern yon Milllerihoff und Sche- 
rer, Nr. XXVII. Eine dem Bischof Adalbold von Utrecht ge- 
widmete Sammlang wird demnftchst verSffentlicht werden. Hier 
gebe ich eine Reibe solcber Sprtlche aus dem Cod. lat. Monac. 
17142 aus dem Anfang des 12. Jahrbunderts, von Scbeftlarn 
stammend, dessen ttberaus buntscbeckig gemischter Inbalt an 
anderm Orte eingehender besprochen werden soil. Auf Fol. 92 v. 
findet sich eine eigentbumliche Erklftrung des Regens, an Ari- 
stophanes erinnernd: 

Cum pluit et ningit, Jovis uxor ut ebria mingit 
Unklar ist mir der Fol. 95 v. einzeln stehende Vers: 

Somate dilecti. sunt rome semate tecti. 
Auch in den folgenden bleibt oft etwas dunkel: 
Fol. 96 v. Extant equivoci serri, non legibus equi. 

Empta fides numrais fit sepe remissa periclis. 

Est nulli earns, quicunque videtur avarus. 

Ornetnr vetulos: sibi det (1. dat) decus ipsa inventus. 

Stirps trahit ad fluvium, sed non dimergit in imam. 

Suspendens catulum : Vorat, inquid, opus coriorum. 
Fol. 107. Procax et stultus donat quod spernit et odit. 

Quantum fert humaii (sic) sonipes et femina duri. 

Est vilis studio, qui saccum consuit ostro. 



Inveniens scit avem, cupiens (1. capiens) potietur eadem. 
Fol. 107 v. Consumit flatum flans in fornicis biatum. 
Bos mugiens multum dat lactis ab ubere parum. 
Qui favum lingunt, apis illos spicula pungunt. 
Qui sepe rixantur, a paucis semper amantur. 

Ein so grober Verstofs, wie die Verkurzung von saepe, 
ist dem Verfasser wol kaum zuzutrauen; aber in der Ueber- 
lieferung schlichen sich viele Fehler ein, wie auch im vorher- 
gehenden Verse durch Umstellung von apis und illos in der 
Handschrift das Metrum verdorben ist. 

Fol. 108. Quod fiet urtica, prius assentitur in herba. 
Pacificus homo triumphat in domino. 
Quolibet in porno sentitur stirpis origo. 
Cum sus turbat aquam, mox porcellus bibit illam. 
Cattae progenies discit comprenderc mures. 
Inducias longat, qui dicere falsa recusat. 
Mitis edit ripam, vehemens quam (1. aqua) transiet illam. 
Veste nova melius ludit venter saturatus. 
Est contra stimulum calcare nimis tibi durum. 
Qui multum reticet, meditando plura revolvit. 
Non lupus ad studium, sed mentem vertit ad agnum. 
Omne quod est carum, vertetur post in amarum. 
Omne quod est carum, finem sortitur amarum. 
Adducit in fluvium, non mergit amicus in ilium. 
Criminis ingrato sit laudis plurima grato. 
Inprudens vulpis est sibi non prendens mures. 
Dieser Spruch ist, wie schon einer der vorhergehenden, in 



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219 



Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit. 



230 



Prosa. Am Rande nachgetragen und nur theilweise lesbar 
ist der folgende: 

Antea qu caro lupus la figit an 

Der Schlufe wird wol lauten : „lupus oscula figit amara", 
-wo dann auch far das vorhergehende Wort „cara" zu ver- 
muthen ist. 

Ante fluens munda raro diffunditur nnda. 

Quam male pugnare, iocundius est fugitare. 
Ans den folgenden habe ich nur noch einzelne ausge- 
schrieben : 

Invenit ad vites callem sibi callida vulpis. 

Eripit ex agnis persepe lupus numeratis. 

Pre noctis preda dormit sub lumine catta. 

Quod eras servatur, a catta sepe voratur. 

Desiliunt rari sine fisso robore spani. 
Fol. 108 y. Quod caper in sese scit, capram credit habere. 

Vgl. hiezu Haupt's Zeitschrift XIII, 324. Ankl&nge an 
diese Spruche finden sich uberall, aber doch fast nirgends voile 
XJebereinstimmung. 
Fol. 109. Ad mel deductus ruptis est auribns ursus: 

Non nisi prernpta voluit discedere caada. 
Auffallend und merkwurdig ist der folgende Spruch: 

Quid mirum, tibiam si gestat harundine factam 

Demon, harundineis solitus consistere silvis? 



Ore trahens predam, replicet vulpecula caudam. 

Gutture clausa lupi raro solet esca relabi. 

Quando canis cecinit, lupus aures subdolus abdit. 

Ut placeat potus, suadet pincerna decorus. 

Ut panis detur: hinc vir iocularis habetur. 
Weiterhin kommen nur noch vereinzelte Sprfiche vor: 
Fol. 109 y. Hister amat Renum, qui dat commercia rerum. 

Commovet arboreos venti violentia ramos. 

Decoriat mures saturato corpore vulpes. 
Fol. 110. Qui tacite currit fluvius sua litora solvit. 
Fol. 110 v. Litigium mulier famosa frequentat et anser. 
Fol. 111. Sic nitar in te, ne si titubes ego labar. 
Fol. Ill v. Rete parat nummis, qui piscem capit (1. captat) 

in undis. 
Fol. 112 v. Sit pax huic domui, (noceat) nihil hie habitant! 
Fol. 114. Vinea culta fuit, cultores premia querunt: 

Non labor equalis, equalia dona fuerunt. 
Das soil wol ein R&thsel sein; gemeint ist naturlich der 
Weinberg im Evang. Matthai XX. 

Yas obsoletum de vino gignit acetum. 

Luceat in studiis simplex intentio vestris, 

Ut dum corde sonat, vox impetret omne quod orat. 
FoL 114 v. Affectum (1. Affectus) mentis pateat tibi multa 

volentis, 

Nam dantis votum modico censu valet amplum. 

Jure lepos rapitur (1. capitur), qui retia nulla veretur. 
Fol. 96 v. enth&lt auch folgendes Epigramm : 



Non Jovis ad Danaen venit, sed dives adulter: 
Aurum quisquis habet, Jupiter esse potest. 
FoL 103 steht ein bitteres Epigramm auf einen Arzt, den 
dasselbe Geschick betroffen hatte, welchem sp&ter Abftlard ver- 
fiel: 

Willhelmus medicus faciens quod rector iniquus, 

Ex muliere virum, fit merito neutrum. 
Nunc appareret, sua si medicina valeret, 
Vertere si neutrum posset in alterutrum. 
Fol. 103 v. folgt ein Epigramm gegen einen Angreifer 
geistlicher Guter: 

Si bona suscipimus, mala cur non sustineamus? 

Cur egre ferimus, bona si recipit sua Christus? 

Nam res $cclesiae, cupidus quas exigis a me, 

Cetus amicorum Christi portavit ad ipsum. 
Ein Epigramm auf den Liebesgott Fol. 107 erg&nzt, wenn 
auch mangelhaft uberliefert, doch das Stuck der Carmina Bu- 
rana S. 192. Die funfte Stufe, welche dort fehlt, ist mit 
einer Deutlichkeit, welche nichts vermissen lftfst, bezeichnet; 
aber vorher bringe ich doch nicht mehr als drei zusammen. 
Es wird vielleicht im achten Verse „quartum" zu lesen sein. 
Abgesehen hievon, zeigen die bedeutenden Abweichungen, wie 
diese ganze Art der Poesie, wesentlich doch eine verbotene 
Frucht, mtlndlich und deshalb in fortw&hrender Wandelung 
fortgepflanzt wurde. Hier lauten die Verse: 

Est puer alatus, puer est etiam pharetratus. 
Etas amentem probat et ratione carentem. 
Vulnificus pharetra signatur, mobilis ala, 

Insipiens, fugitans, tolo (1. telo ) cruentans, 

5 Mittit pentagonas nervo stridente sagittas. 

Hi sunt quinque modi, quibus associatur (1. -mur) anion : 
Visus, alloquium, tactus compar labiorum. 
In lecto quintum tacite Venus exprimit actum. 
Nectaris alterni permixtio commoda fini. 
Ein zierlicher Scherz begegnet Fol. Ill v.: 
Quisque cucullatus posset satis esse beatus, 
Si biberet flumen, si vellet amare legumen. 
Est hodiernorum domus infernus monachorum. 
Sed dico, quare? quia dicunt posse volare 
Porcorum scapulas : sed quis deus his dedit alas ? 
Es scheint also, dafs die Schinken, urn das Verbot des 
Fleischgenusses zu uragehen, fur Geflugel ausgegeben wurden. 
Auf Fol. 114 findet sich ein R&thsel, dem gleich die Er- 
kl&rung folgt: 

Arbor inest silvis quae pingitur octo figuris: 
His tribus abiectis, vix unam in mille videbis. 

Castania scribitur VII (1. VIII) Uteris, si tres abieceris, vix 
unam castam mulierem invenies. 

Auf der folgenden Seite steht noch folgendes Fragment: 
Gerhard hac vita pauper fuit anacherita (sic) 



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221 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



222 



Nil canens (sic) solidum, nil bene proficuum. 

Hinc homo tu monitus, cultum 
Das Ende fehlt, und es folgen nach der Oewohnheit dieser 
Handschrift ganz andere Dinge. 

Heidelberg. W. Wattenbach. 



Zur Darstellung der hell. Walburg in der Kunst des 
16. Jahrhunderts. 

Das Pastoralblatt des Bisthums Eichstfttt, Jhrgg. 1873, 
Nr. 18 ff., weist in Bezug anf den oben genannten Gegenstand 
in lingerer Abhandlung anf Urkunden des 15. Jahrhunderts 
hin, welche ein neues Licht auf die Frage werfen und die- 
6elbe, wenn im Allgemeinen auch nicht schlufsgttltig, so doch 
for den bestimmten , in Nr. 3 unseres diesj&hrigen Anzeigers 
zur Sprache gebrachten Fall in so eigenthumlicher Weise ent- 
scheiden, date wir zur Erg&nzung dieser Besprechung den 
Hauptinhalt jener Abhandlung hier wiedergeben. Im Jahre 
1447 Hers nftmlich Bischof Johann III. von Eichst&tt Untersu- 
chung anstellen ttber eine Lokalheilige des zu seiner Didcese 
gehdrigen frankischen Marktes Wendelstein, Achahildis, vom 
Volke St. Atzin genannt, welche einen kirchlich approbierten 
Cult nie erhalten, unter den Leuten aber wegen angeblicher 
wunderbarer GebetserhOrungen grofsen Zulauf besafs. Die zu 
dem Zweck berufene Commission bestand aus den Pfarrern von 
Wendelstein und zweier benachbarter Orte. Man flffnete einen 
Sarkophag am aufsersten Ende der Eirche, dessen alterthum- 
tiche Inschrift ihn als Grabstfttte der h. Atzin, der Stifterin 
des Gotteshauses, bezeichnete. Auskunft fiber ihr Leben gaben 
nur sechs in der Nfthe an der Wand aufgehftngte Bilder, von 
welchen das zweite und sechste in folgender Weise beschrieben 
werden : 

„Item das ander pylt helt wye die selige fraw von einem 
peyn eyner wilden gents erkucket eyn ganze gans. die gestoln 
waz von jrem gesynd vnd getdtet". 

„Item das sechst vnd letzt mirakel ist. da ez mitten ym 
wynter kalt waz, vnd dy selig fraw ging swanger vnd waz ge- 
lttstig nach amerellen , vnd hite jr tdchterleyn geen in garten, 
ob sye fttnd, von stand an ward ein Amerellen pawm vol vnd 
pracht jr mutter zu essen". 

Ein Blick auf den unserem Aufsatz beigegebenen Holz- 
schnitt genugt, urn zu uberzeugen, dafs die beiden eben be- 
schriebenen Scenen, zu einem Bilde vereinigt, vom Maler des 
16. Jahrhunderts wiederholt sind und auf dem in Rede stehen- 
den Altarflugel nicht Walburg, sondern St Atzin dargestellt 
ist Die Sache gewinnt noch an Augenscheinlichkeit, nachdem 
sich im Yerfolg der Herkunft des Bildes herausgestellt, dafs 
es ursprunglich aus Wendelstein stammt — Aber wer war 
jene h. Achahildis? Obwohl bei der angeatellten Untersuchung 
von einer nicht geringen Zahl von Zeugen augenf&llige Won- 
der beschworen und protokolliert wurden, scheint der Bischof 
sich doch nicht bewogen gefunden zu haben, hOberen Orts die 



factische Canonisierung der „seligen Frau a zu beantragen. Schon 
der erste VerOffentlicher des betreffenden „Instruments" (s. 
Historisch-diplomatisches Magazin, Nilrnberg 1781, I, S. 295, 
und vgl. Anzeiger f. K. d. d. V., Jhrg. 1853, Sp. 125 ff.) 
offenbart seine Zweifel fiber die historische Existenz der h. 
Atzin, und es scheint alles dafttr zu sprechen, dafs sie vom 
Volke, wenn auch in n&herer oder fernerer Anlehnung an eine 
wirkliche PersOnlichkeit, eingeschoben worden sei. Sollte viel- 
leicht dennoch die heidnische Walburg im Hintergrunde stehen ? 
Wir kdnnen hier die Frage dabingestellt sein lassen. Es ist 
kein Zweifel, dafs fur den Yerfertiger unseres Altares St. Atzin 
existierte, und dads er sie darstellen wollte. 

Numberg. A. v. Eye. 



Peter Mfllich, Stflckgiefser in Nilrnberg. •) 

Mit Bezug auf die in der vorigen Nummer des Anzeigers, 
Sp. 165 enthaltene Notiz, dafs eine Tochter des alten Her- 
mann Vischer, also Schwester Peter Vischers, an einen Peter 
Mulich „von unbekannter Lebensstellung" verheiratet gewesen, 
sei hier darauf aufmerksam gemacht, dafs im ersten Drittel 
des 16. Jhdts., also gleichzeitig mit P. Vischer, in Ntirnberg 
ein Giefser Peter Mulich thatig war, von dem drei grofse Stein- 
bttchsen, die er fur den Herzog von Saehsen gegossen und 
welche sp&ter E. Earl V. in Gotha erobefte, in des Letzteren 
Geschutzbuch in Abbildung erhalten sind. Eine derselben, der 
„L6we", vom Jahre 1523 ist noch im Original im Artillerie- 
museum zu Paris vorhanden, nachdem die Franzosen dieses 
Geschtttz 1830 in Algier erbeutet Dieser P. Mulich, der uns 
nur aus diesen drei Geschutzen bekannt geworden, ist ohne 
Zweifel der erwahnte Schwager P. Vischers oder etwa dessen 
Sohn, wobei immerhin die Vermuthung, dafs auch der Vater 
Giefser war, nicht zu gewagt scheint (Vgl. Quellen zur Ge- 
schichte der Feuerwaffen, herausgegeben vom germ. Museum, 
S. 67, 68.) 

Ntirnberg. A. Essenwein. 



*) Wenn in voriger Nummer, Sp. 165 bei Peter Mulich ge- 
sagt ist: „von unbekannter Lebensstellung", so mufs dies nach- 
traglich dahin bench tigt werden, dais derselbe in der Quittung, 
die er am 7. Mai 1522 seinem Schwager Peter Vischer fiber 260 fl. 
vaterliches und mntterliches Erbe seiner verstorbenen Hausfrau 
Martha sei. ausstellt, sich „Peter Mulich Rothschmid" nennt. 

Lochner. 



Buntglasierte Thonwaaren des IB.— 18. Jahrhunderts 
im germanischen Museum. 

in. 

Die tibrigen an den maurischen Stil anklingenden Gefftfse 
des Museums bieteu mannigfaltiges Interesse und zeigen so 
viele verschiedene Formenkreise des Ornaments als es Stflcke 



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223 Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 224 

sind; zum Theil sind sie ziemlich verwildert and der rothe Feld rnndlich vertieft, den Rand^flach, hat sie auf einem, 
Metallschimmer ist za einer Ornamentation verwendet, die er- gleich den sogen. spanisch-maurischen, ebenfalis der Fleisch- 
sichtlich spat ist.] So interessant sie sind, bieten sie dochkeiner- farbe sich n&hernden, weifsen Grunde eine Zeichnung in dun- 
lei Merkmale, aus denen weder fttr sie selbst, noch fttr andere kelm Blau , das durch Scbwarz auf unserer Abbildung wieder- 
die Zeit und der Ort ihrer Entstehung bestimmt werden kSnnte. gegeben ist. Sie stellt in der Mitte den heil. Hieronymus in 
Auf ein Stuck mussen wir jedoch aufmerksam machen, wenn der Waste vor einem Crncifixe dar, im Hintergrund eine Ge- 
wir es auch nicht Fig . u birgslandschaft 
abbilden. Es ist and eine Stadt 
eine tiefe Schtts- Die Fleischtheile 
sel, scharf pro- der Figur haben 
filiert, mit theil- in licht aufgetra- 
weise in Relief genem Blan eine 

aufgetragenen Schattierung 

Buckein, wie sie und Modellier- 

das deutsche ung. Der Grand 

Passigwerk des istmitflotterPin- 

16. Jahrh. auf- self tinning durch 

zuweisen hat, die breite Striche 

sowohl in der abgetont. Nach 

Tiefe derSchtis- dem Blau ist 

sel, als auf dem ein gelblich re- 

Rande derselben flectierenderMe- 

aneinanderge- tallton aufgetra- 

reiht sind. Den gen, der in der 

Rand des inne- Zeichnung durch 

ren Bodens bil- glatte Schraffie- 

det eine Reihe rung wiederge- 

stets sich wie- geben ist. Von 

derholender la- besonderem In- 

teinischer Ma- teresse ist der 

juskelbuchsta- Umstand, dafs 

ben, die zwar sowohl an der 

keinen Sinn ge- Figur, als am 

ben (VIERB) Kreuz einSchlag- 

aber doch offen- schatten auf den 

bar verdorben Grund gemalt 

sind aus dem ist. Darauskann 

Spruche: „Ver- mit Sicherheit 

bum domini ma- angenommen 

net in seternum." werden, dafs 

Die ganze Schiis- dem Gesellen, 

sel zeigt sich als eine Nachbildung eines jener Messingbecken, der das Bild auf die Platte malte, kein Stich, kein gemaltes, 

wie sie, in grofser Zahl in Nttrnberg gefertigt, ihren Weg durch sondern ein plastisches Original vorlag. Der Reichthum Ita- 

die weite Welt genommen und rait ihren gleichfalls unlesbaren liens an glasierten Terracotten seit Luca della Robbia ist 

Inschriften schon so manchen Sammler und Liebhaber geplagt grofs gehug. Sicher findot sich auch einmal das Original, das 

haben. Dafs das Stuck also erst dem 16. Jahrh. angehdren unserem Maler vorgeschwebt, und damit ein Hinweis, wo der 

kann, ist klar. Ein Wappenschild von italienischer, noch an Teller entstanden ist. 

die frtihere Zeit erinnernder Form, in der Mitte angebracht, Der Rand des Tellers ist in vier Theile getheilt, von de- 

zeigt einen schreitenden L5wen. nen zwei mit symmetrischem Rankenwerk, zwei mit schuppen- 

IV. artiger Bildung verziert sind. Es spricht nicht gerade far be- 

Ein unzweifelhaft italienisches Fabrikat ist die Majolika- sonderen Sinn des Ornamentisten, dafs er die Eintheilangslinien 

schttssel, die wir hier unter Fig. 1 abbilden. Das mittlere des Tellers nicht in bessere Beziehung zur Mitte gebracht; 



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325 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



226 



es ist dies ubrigens eine Eigenthumlichkeit, die nicht aus- 

schliefslich bei ihm vorkommt, sondern auf alle verwandten 

Stucke sich erstreckt. Auch im Rande ist dieselbe Farben- 

ordnung festgehalten, wie im Innern: es ist zunSchstBlau ver- 

wendet und nach dessen Auftrag eine gelbmetallisch-gl&nzende 

Farbe zugegeben. Das Werk Delange's gibt fthnliche Teller 

mit Metallreflex * Fig. 

auf Tafel 15, 37 

and 38, die der 

Fabrik yon Caf- 

iagiolo im Texte 

Parcel's znge- 

schrieben sind. 

Ein yerwand- 

ter Teller ist der 

in Fig. 2 hier 

abgebildete, der 

indessen nicht 

als Majolika be- 

zeichnet werden 

kann, dadieVer- 

zierung durch 

metallgl&nzende 

Farbe ihm fehlt. 

Der Mitteltheil 

zeigt einen weib- 

lichen Kopf upd 

ein Spruchband 

mitderlnschrift: 

„In te domine 

speravi." Der 

Rand ist in sechs 

Theile getheilt, 

?on denen drei 

ein Rankenorna- 

ment, drei an- 

dere ein Schup- 

penmuster zei- 

gen. Das dunkie 

Indigoblan bildet auch hier die Gmndlage des Ganzen ; es ist 
ein starker Auftrag zur Herstellung der Zeichnung, sowie zur 
Decknng des pintergrundes beim Mittelbild angewandt. Ein 
leicht aufgetragenes, theilweise verwaschenes Blau gibt die 
S6hattierung. Als Ersatz for das gelbe Metall beim vorigen 
Teller ist ein br&unliches Orangegelb verwcndet, das insbeson- 
dere auch als F&rbung der Lippen, Haare, Wangen uber die 
blane Schattiernng aufgetragen ist. Was jedoch dem Teller 
ein besonderes Gepr&ge gibt, ist die Verwendang weiterer Far- 
ben. So erscheint neben jener gelblichen Orangefarbe noch ein 
lenchtendes, helles Chromgelb nnd ein scharfes, saftigcs Grtin. 
Dieses Gran kommt in der Sammlnng yon Darcel-Delange 
bei Arbiteen, die Gaffagiolo zuzuschreiben sind, h&ufig vor. Es 



findet sich jedoch dort auf Taf. 67 ein yon Maestro Giorgio 
in Gubbio herruhrender Teller, der eine nicht zu leugnende 
Verwandtschaft hat, wenn auch der ihm eigenthumliche Metall- 
reflex ihn yon dem unsrigen unterscheidct. Es ist ein Frauen- 
kopf in ganz ahnlichem Kostum, als „Giovonna Bella" auf dem 
Spruchbande bezeichnet. 

2. Darcel hat je- 

doch keinerlei 
Beweise beige- 
bracht, die un- 

widerleglich 
darthun wurden, 
dafs alle die 
Werke, welche 
er der Fabrik 
von Caffagiolo 
zuschreibt, wirk- 
lich dort ent- 
standen sind ; 
vielmehr theilt 
er diesen Ur- 
sprung alien 
Werken zu, die 
alteren Charak- 
ter zeigen und 
fur die andere 
En tstehung nicht 
nachgewiesenist. 

Insbesondere 

aber begrttndet 

er keineswegs, 

dafs die oben- 

erwahnten , auf 

Taf. 15, 37 u. 

38 seines Wer- 

kes gegebenen 

Stucke wirklich 

dieser Fabrik 

entstammen 

mtlssen. Die Zeit der Entstehung aller derselben, sowohl der 

bei Delange abgebildeten, als der unsrigen, f&llt ganz in den 

Beginn des 16. Jahrh., in eine Zeit, yon der wir wol anneh- 

men durfen, dafs sftmmtliche italienische Werkst&tten einen ge- 

meinsamen Typus hatten. 

Nurnberg. A. Essenwein. 



Hittelalterliche Heil- nnd Segenssprflche. 

Folgende Segensspruche finde ich an verschiedenen Stellen 
eingetragen in einem Pergamentbande, dessen Hauptinhalt ich 
demn&chst an anderem Orte besprechen werde. Es ist ein Schach- 



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287 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



238 



zabelbuch der fttrstlich Dietrichstein'schen Bibliothek zu Ni- 
kolsborg in M&hren, an das sich aber auch noch Gebete nnd 
ein Ealender etc. anschliefsen. Ich theile die Sprttche (sowie 
auch das Fragment eines Testamentes) hier mit, weil dieselben 
wol knlturgeschichtlich interessant sind. Das Manuscript stammt 
in seinen Haupttbeilen aus dem 14. Jahrhundert. Als Schmutz- 
blatt ist vorne ein Theil, vielleicht die Halfte, einer Testa- 
mentsurkunde gebraucht, die mitten auseinander geschnitten ist. 
Es ist ein „Gesch&ft", welches uns namentlich deshalb inte- 
ressiert, weil die Urkunde von Wien datiert ist. Der Inhalt 
lafst sich nur combinieren und errathen, da leider die andere 
H&lfte des Blattes verloren gieng. Das Fragment beginnt mit 
den Worten: „vnd hernach chunftig sind das ich mit guetem 
willen", was also der Anfang der ganzen Urkunde gewesen zu 
sein scheint. Zun&chst wird etwas, vielleicht irgend ein See- 
lenger&the, auf einen Weingartengeschafft; dann erscheint : mei- 
ner Tochter Schwester und „meiner Junkchfrown Annen". Fer- 
ner wird geschafft : „meiner Jungen diem", dann „den vier Gra~ 
zianern (?) vier phunt", eine andere Stiftung „auf den Newn 
Charner", ferner „armen priestern vmb hundert Schuessel", 
dann „den weizzenpruedern in ygleich Cbloster ain phunt phin- 
nig a ; dann wieder : „hincz sand larencz ze wienn in igleich Chlo- 
ster auch ain .... das si got fur michpiten." Gegen Ende heifst 
es: „meinem Sun m^tnen weingarten an dem Chalnperg." Die 
Zeugen werden aufgeflihrt : „Vnd das das gescheft .... ainem 
warn vrchund der sach versiegelten mit meiner .... (Alb)rechts 
ze Oesterreich etc. Chamerer, vnd Ulrichs des ... . (i)nsigeln. 

Der brief ist geben zu wienn nach kristi der zwelif- 

potten." 

Am Schlusse des Schachzabelbuches steht mit bl&sserer 
Dinte und sp&terer Schrift, wol schon des 15. — 16. Jahrh. : 
Fur daz vyeber. Do Jesus zv dem chrawcz gieng daz kr&wcz 
das swizat Jesus der tzytrat, do sprach Judas siechstu wie 
Jesus czytert als in daz vieber schfltt. do sprach vnser her 
wer dise wort chan den kom daz vieber nymer an vnd sprich 
drey pater noster vnd drew aue m. vnd tue dy drey morgen 
vor sunen schein all morgen drey stand vnd gee wider sune 
vmb ain pawm vnd verred daz du das obz nicht ezzest daz 
auf dem pawm stet. Amen. 

Hierauf folgt mit derseiben Schrift : 

Das ist wasser segen. f Caro f crux f Emanuel f for- 
tis. In dem namen des vaters vnd des suns vnd des heiligen 
geysts amen, f das wasser vnd die wunden muessn als wol 
gesegnt sein als der heilig Jordan was da got selb inne ge- 
taufft ward das was vnser lieber herre Jesus christus das ist 
war in gottes namen. Amen, f Ich gesegen dich hewtt du 
vermayltew wunden mit den warn karakchtern vnsers liebn 
Hern Jesu christi das du dein fawlen dein swern vnd sinckchen 
(wol stinken?) vnd all vntugend lassest. Es sey peyn fliegen 
oder spynn oder welherlay vntngent dis sey das diser wunden 
oder dem wasser schad sey das muess von diesen wartten alles tod 
sein die ich hie gesegent han das ist war in gottes namen amen f 



Du verwunter her Jesu christe dein heilig funff wunnden enfaul- 
ten nye ersawrten nye noch ersmekchten nodi erroten nye noch 
geswullen noch kayn vnglukch chom darzue also muess zu di- 
sem wasser vnd zu diser wunden chain vngeiukch chomen es 
sey gesegnet oder vngesegnet vngenant fawi oder welherlay yh- 
tugent das sey das diser wunden oder dem wasser schad sey 
das muefs mit disen wartten tod sein die ich hie gesegnet 
han mit dem waren got das ist war in gottes namen amen. f. 
Vnsers lieben herrn Jesu Christi heiligen funff wunden die 
hailten vil vest vnd stent vncz auf den hewtigen tag vnd da 
slueg nye chain vngelukh zue also mttezz zu disem wazzer vnd 
zu diser wunden (n&chstes Wort unleserlich) hewt vnd ymmer 
ewikchlich daz ich hie gesegnet han mit dem waren got daz 
ist war in gotes namen. amen. Ward ye chain wasser paz 
gesegnet dan das wasser so komm daz wasser zu disem was- 
ser das sy paitew alswoi gesegnet sein als das heilig wasser 
daz got aus seiner heiligen seyten ran vnd flozz die wunden 
wurden nye rot noch vngestalt noch chain vngeiukch chom 
darzu also muefs zu disem wasser vnd zu diser wunden vm 
die ich hie gesegnet hab mit dem waren got daz ist war in 
gotes namen. amen. 

Item man sol daz wasser dreystund nach einander geseg- 
nen vnd als offt ain paternoster vnd ain Ave maria sprechen 
ist es ein stich so sol man ainen wayczi nemen vnd sol den 
in das wasser dunchen vnd in den stich drukchen Ist es aber 
ain pruch oder ain slag oder ain geswer oder ain drues so 
schol man ain warm tuch nemen vnd mach daraus ain phlaster 
vnd mach daz mit dem wasser vnd leg das auff die wunden 
es heilt dir schir vnd Ist es ain pruch ains pherdts so sol 
man Im das wasser darin sprengen alle tag dreystund oder 
vierstund Ist daz ain menschs ain drtis Inwendig hat der sol 
daz wasser trinkchen so wirt er gesunt das ist war. Amen. 

Daran schliefst sich, mit derseiben Schrift, ein Segen, 
offenbar fur Schatzsucher : 

Ich beswer ewch ruettn pey der macht des vaters vnd 
pey der chraft des suns pey der warhait des heiligen geysts 
daz Ir mich firt vnd laittet an die rechten warew stat wer 
das hat Amen. 

Am Schlusse des Bandes, drittletzte Seite, von ebendieser 
Hand: 

Longinus ain Jud was das ist war, der vnsern herren 
dwrch sein rechtn seyttn stach, das ist war, daraus ran wasser 
vnd plut auss seinem herczen ran, das ist war damit er under 
sein augen graiff das ist war. Er was plint vnd ward gesehest 
daz ist war, als war dicz alles ist als war czeuch ich dysen 
pheyl aus in dem nam des vater vnd des suns vnd des heili- 
gen geysts, damit segne vber die wunden als du den pheyl 
ausgezeuchest drey nagl wurden vnserm herren geslagen durch 
sein hendt vnd durch sein fuefs daz was noch gefuvllid nodi 
stuend chain vngeiukch darzu also muefs die wunden sein in 
dem namen f des vater f vnd des sun f vnd des heiligen 
geysts amen f. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



330 



Auf der Yorderseite des vorletzten, miten verschnittenen 
Blattes (dieselbe Hand): 

Aus den heiligen fanff wunden vnsers herrn Jesu christi 
ran nicht anders denn wasser vnd pluet das sey dir swartz 
pherdt for daz swachen gut amen com pat. nostr. et credo. 

Ynser herr gieng hewt als heyndt durch all sein feyndt 
dorch sein heiligs plat das sey dir swartz oder rotes ros for 
das anmichen *) gut. Amen vnd ain pr. nr. 

Die heiligen fanff wanden gesegnen mir mein viech vor 
den holcz handen des helff mir die weych, mein fraw sand 
marey die werd die gat des ewigen chaniges maetter darzae 
der man der sein tod von der pitter martter nam Amen pr. 
nr. et credo. 

Das ist ein wolfsegen. (Andere Hand, schw&rzere Dinte.) 

Die weg vnd all weg die sein vns heat tirlos vnd wolflos 
allso krist yon himel genas. Ynser fraw far In egipten lant 
Ir wid(er)fur weder schem noch schant. allso beschirm vns 
heat got der vater got der son got der heilige geist amen ain 
pr. nr. ain ane maria. 

Anf der Rttckseite desselben Blattes, frtthere Hand: 

Wann dir ain ros Angeraicht hat So still ain sachkpant 
das das gar Niemant Sech vnd knie .... in ynser frawn nam 
nyder fur das ros vnd leg dy daum vber einander chreuzling 
vber in die stat da es hin geraicht hat vnd sprich also fvmf 
pater noster vnd fvmf ane maria vnd nach yedem pr. nr. Aae 
maria heb die daum naher vnd leg sy binbider. Als vor das 
tne in denn eren der heiligen fumf wanden vnssers herren als 
war hail das mail vnd gesweU Nosch (sic) geswer dir farwar 
nimermer vnd gepind das Gestoln sakchpand daramb vnd 
macbe es das Ros wol Tragen lafsen vncz es selber ab velt 
vnd lern auch das Chamen sand nicht. (?) 

Aaf der Innenseite des Deckels, am Schlasse des Bandes, 
mit bedentend &lteren Schriftzeichen: 

Hie ist vermerkcht wann gat holcz oder pawm nyder ze 
slachen sey als die (weisen?) sprechent 

Item die letzten selben phincztag Septembr. in dem ers- 
ten herbst moneid 

Item in den lesten . . . tegen des Mertzen defcelben mo- 
noids wann man in denselben* tegen holcz oder pawm nyder- 
slecht dafselb holcz das vawl nicht noch chain warn mag sein 
nicht geniefsen vnd welherlay was aus demselben holcz wirt 
gemacht in Jaren getan wirt weyn oder chost das sey behalten 
an alle mayl. 

Folgen noch zwei korze, kaom lesbare Yorschriften fur 
Zaf&lle des Pferdes and drgl. 

Wien. Albert Ilg. 



Zar Gesehichte des Schlosses Schwarzenberg. 

Das Schlofs Schwarzenberg in Mittelfranken, das Stamm- 
haos der Fttrsten zu Schwarzenberg, worde in seiner beutigen 
Gestalt, nachdem es za Anfang des Jahres 1607 abgebrannt 
war, nnter der Regierung des Grafen Wolfgang Jacob zn 
Schwarzenberg (1590 — 1618) nach den Pl&nen and Entwftrfen 
des bertthmten Aagsbarger Baameisters Elias Holl wieder auf- 
gebaut. Elias Holl sagt (nach einer Mittheilang des Aagsbarger 
Stadtarchivars Dr. Gh. Meyer) in seinem Tagebucbe darilber 
Folgendes: „A° 1607 Hr. Graf von Schwarzenburg liefs mich von 
meinem Herrn in das Frankenland begehren wegen seines ab- 
gebronnenen Schlofs, and wohnt der Graf, weilen das Schlofs 
verbronnen, herunter in Markt Sch6nfeld ; hatte viel Mtthe mit 
Yisieren za machen neben seinen Baaleathen, wie das Schlofs 
wieder mit schdner Manier za baaen, brachte 14 Tag damit 
za ; ward mir hernach ttber mein Zehrang noch 75 fl. verebrt." 

Schwarzenberg. A. MOrath. 



a ) Vgl. mhd. muche, eine Erankheit der Pferde; Ben.-Moller, 
mhd. Wbch. H, 226. SchmeUer, I s , Sp. 1560. Dr. Fr. 



Ein Brief Konig Erich's XIY. v. Schweden an den 
Grafen Gttnther XLI. von Schwarzburg. 

In Nr. 4 dieses Jahrganges des Anzeigers, Sp. 9V wird 
des Yerh&ltnisses des Grafen Gttnther XLI. von Schwarzburg za 
EOnig Erich XIV. von Schweden gedacht. Es darf hierauf bezttglich 
wol daran erinnert werden, dafs der „sonderbare Briefwecbsel 
zwischen Erich XIV. von Schweden and dem dftnischen Feld- 
obersten, Grafen Gttnther von Schwarzburg" zum Theil abge- 
druckt ist in E. L. Posselt's wissenscbaftlichem Magazin fur 
Aufklfcrung, I. Bd., 3. Heft (Kehl, 1785), S. 341 ff., and zwar: 
1) ein Schreiben des E8nigs vom 25. Nov. 1563; 2) die Ant- 
wort des Grafen vom 14. Sept. 1564. In des Letzteren Schrei- 
ben werden (S. 345) vom Grafen Gttnther mehrere Briefe 
erwfchnt, von denen der Graf verm ein t, „dafs vielleicht von 
andern Lenten solche Briefe geschrieben, das Siegel falsch and 
das Handzeichen nacbgemalet , auch dergleichen Briefe von ei- 
nem verst&ndigen und aufrichtigen EOnige, als Ew. EOnigl. 
Wttrde sein will, an einen ehrliebenden Mann niemals ge- 
schrieben". — Der „unter den zween in Neulichkeit gleichlau- 
tend nach einander gekommenen Briefe" vom 15. Juni, bei 
Posselt nur dem Inhalte nach angegeben, findet sich in unse- 
rem schwarzburgischen Archive vollstftndig. Er lautet: 

„Unsern gros vnd geneigten willen zuvor Wolgeborner 
Graf, Each ist ohn Zweiffel wol bewust, welcher gestaldt wir 
vnd unsere Eonigkreich za dieser Zeit von dem Eonigk za 
Dennemarck zum erzsten angefochten vnd bekriget worden, 
Vnd wiewol, das er viel Vrsachen vorgibt vnd vorwendt, dar- 
durch er seine sachen schmttchet vnd uns bei Ider mennigklich 
za vorvnglimpffen gedenkt, gleich als sollten wir des Erigs ein 
Yrsach seyn, So konnen wir nicht desto weniger mit gaten 
gewifsen vnd genagsamn gezeugknas, wie in vnserm aasschrei- 
ben sol genugsam dargethan werden, be weisen, das wir ihm 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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kein vrsach, zum wenigsten zu einiger widerwerdigkeit wieder 
mit wortten noch wercken gegeben haben, sondern das es al- 
lein aus alten Neid vnd eigenem franck vnd fursatz daher ge- 
flofcen, vnd das er mit den seinen nicht zufriden, sondern das 
er vns das Jenige, das vns von Gott vnd den Menschen ge- 
gendt, nicht wil in ruhen besitzen vnd geniefsen lafsen, Der- 
halben er itzt all sein Vormugen schier dargethan vnd ange- 
leget, each vnd andere Grauen Hern vnd Ritterm&fsige leutbe, 
sambt andern vffrichtigen Krigsleuthen mit losen wortten dahin 
bewogen, das sie ihm seindt zugethan gewest vnd in disem 
Krige gedienet. Dieweil wir aber wifsen, das er each grofse 
Zasage gethan, vnd wenig gehaltten, desgleichen er nicht viel 
gltick vnd forteil in seinen vnbilligen sachen noch zur zeit ha- 
ben mugen, So konnen wir nicht anders erachten, wie ihr 
selbst mit der Zeit ermefsen vnd bewogen worden, wie vnbil- 
lig vnd schedlich es sein wirdt, ihm furder grofse hulff vnd 
furderung zu erzeigen, Vomemlich aus Vrsachen des Vnbilligen 
furhabens, das es wider Gott, Erbarkeit vnd billigkeit sey, 
desgleichen der nichts halttung der Zasage, so each geschehen, 
haben wir derhalben nicht vnterlafsen konnen, each mit vnserm 
schreiben za besachen, each so wol, als vns vnd vnsern Rei- 
chen zum besten, do ihr mit Vns eine Handlung treffen woltet, 
dergestaldt, da each das eare genugsam vom Eonige von Den- 
nemarck, so kondte bezalt vnd wir das Vnsere, wie Ob Gott 
wil, ohne das geschehen wirdt, von ihm vnbeschedigt vnd Vn- 
belestigt besitzen werden. Wir haben wol mehrmal each Vn- 
ser gemuth erkleret aber keinmahl solche billige vnd liedliche*) 
Contraction, als itzonder vorgestelt, vnd ist ditz Vnser ge- 
muth vnd meinang, das wir einen genugsamen Contract, wan 
er each bewilliget, auffzurichten gedencken. Vornemlich die- 
weil der Konig von Dennemarcken nur ein erwelter konigk, 
vnd durch des Reichs Rath vnd Stende, nachdem er sie in 
hochste Noth, gefahr vnd schulde, ohn alles bedencken vnd 
Vrsachen gesetzt, haben mit guthem fag vom Reich wideramb 
magk gesetzt vnd gesondert werden So erachten wirs darfur, 
das sie leichtlich darzu za bewegen wehren, einen andern vor- 
stendigen vnd ansehenlichen Hern Vor Ihre Obrigkeit zu er- 
kennen, der sie mit Vornunft vnd geschichlicbkeit, auch gather 
Policey vnd tagend erhalten vnd regieren mochte. In welchen 
wir eure person wol so duchtigk, vorstendigk, vnd geschicbt 
erachten, als ihnen, Wenn ihr diesem vnterstehen wollet, kundt 
ihr wol mit Vnserer Hulff vnd seinen eigenen Vnterthanen die 
sach so weit bringen, das ihr alles, was vf Jenseit des Sandes 
ist muget in ewiger possefsion besitzen vnd erhalten, dan wir 
keine andere Zusprttche zu Dennemarcken haben, als zu Hol- 
land vnd Schona vnd alleine, was vf diesseit des Sundes ge- 
lcgen, so wir das versichert werden, wolten wir euch stadtliche 
Zoschub vnd certification des anderen theils . . . . , euch auch in 
keinem wege verlafsen, sondern mit rath, that, Hulff vnd be- 
furderung erzeigen, wie dieser Both ferner kan mundtlich be- 



richt thun, Den wir verhoffen von each einen viel befsern ynd 
bestendigern nachbarn zu haben, als den konig von Denne- 
marcken. Es ist euch wohl von vnserm Hern Vatter ehmals 
vom kunig von Dennemarcken verordnet vnd gesetzt worden, 
wie wol wir verhoffen, das es itzt besser angeiegt werden sol, 
als domals geschehen. Gelanget derwegen an euch vnser gne- 
diges gesinnen vnd gtitiges begehren, ihr wollet vns zum we- 
nigsten ein andtwort, was ihr zu thun gesinnet, hierauf wer- 
den lafsen, vnd do es euch gelegen, einen geheimbten Bothen 
an vns verschichen, der einen volkomenen Contract mit Vns 
aufrichte, den es euch mehr, den vns zum besten gereicht, Vnd 
das wir die sachen ohne das wol so anzugreiffen bedacht, das 
wir, Ob Gott wil, frembder Hulff nicht gros begehren, "Wir 
meynen es guth, wen es nur recht vnd wie sich gebubrt, ver- 
standen mochte werden, Euch gnedigen Willen zuerzeigen, 
seindt wir geneiget datum den 15. Junij Ao. 64. 

Ex mandato regiae Ma^ proprio 
Georgius Solomontanus. 
Dem Wolgebornen Hern Gtinthern, Grauen zu Schwartz- 
burg. 

Das Antwortschreiben hierauf (Posselt, a. a. 0., S. 346 ft) 
ist hSchst bezeichnend fur Gunther's Charakter. 

Rudolstadt. Dr. B. Anemuller. 



*) Itidlich) soil wol leidlich heifsen? 



Dr. Fr. 



Orlamiindische Flurnamen. 

Auf das hohe Alter der Flurnamen und die Benutzung 
derselben bei Forschung nach Alterthtlmern macht das Corre- 
spondenzblatt 1860, Nr. 10, S. 78, sowie der Anzeiger for 
Kunde der deutschen Vorzeit 1860, Sp. 359, auch Riehl, Wan- 
derbuch (Stuttgart, 1869) S. 198 aufmerksam. Ueber die Ent- 
stehung der Namen einzelner Waldpl&tze enth&lt der Anzeiger 
1858, Sp. 300 und 1860, Sp. 207 Andeutungen. Das Nach- 
stehende mag hiezu einen weiteren Beitrag liefern. 

Die Flurordnung von Orlamunde, einer ursprQnglich deut- 
schen Ansiedelung an der slavischen Grenze, gehOrt der altes- 
ten Periode an. Die Auslassung des grftflichen Allodes an die 
Ansiedler erfolgte unter Vorbehalt eines Grundzinses and war 
mit Uebernahme der Rechte und Pflichten eines Bfirgergutes 
verknupft. Die zu der Hofstatt gehOrige Liegenschaft bestcht 
aus einzelnen Flurstticken, die cjnrch die ganze Feldflur zerstreut 
liegen. Die Flur breitet sich theils im Saalthale aus and be- 
steht hier aus drei grorsen, durch die Krummungen des Flosses 
gebildeten, meist mit Wieswachs bestandenen Fl&chen (Aue, 
Scheibe and Insel genannt); der grOfsere Theil wird jedoch 
durch den ersten Terrainabschnitt eines sich von der Saale 
steil erhebenden HOhenzuges gebildet, und die Beschaffenheit 
des sich bald hebenden, bald senkenden Bodens ist so wechselnd, 
dars nicht selten fast alle Elassen der Bonitierung in der ein- 
zelnen Terrainfalte sich vereinigt finden. Die moglichst gleich- 
mftfsige Vertheilung der Flur nach ihrer Bodenbeschaffenheit 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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scheint der Gedanke der alten Flurordnung gewesen zu sein. 
(Vergl. Landau, der Hausbau, Beil. zum Correspondenzblatt 

18W/58, I.) 

Die ftltere Verfassung der, wie Jena, wesentlich auf Acker- 
und Weinbau fundierten Stadt stellt sich dar als die der alten 
Landgemeinde in stftdtischer Form. Die Flur war und ist noch 
heutzotage die Quelle des Lebens und der Stolz der Bttrger- 
schaft; eifersttchtig wachte der Rath liber die Unversehrtheit 
der Flurgrenzen, und derartige Streitigkeiten mit Nacbbar- 
gemeinden waren haufig. Forum rei sitae in districtu Orlamun- 
dano war das zu Pfingsten unter einer Birkenhtttte auf dem 
Marktplatze abgebaltene, erst in neuester Zeit aufgehobene 
Burggericht, zuletzt mehr nur ein Flur- und Rttgegericht, wel- 
ches, wie das der Gewerkschaft Barkhausen, sich dem Charakter 
eines Festes der Landbauerinnung stark zuneigte. Auch die 
Besichtigung der Flurmarken (Flurumritt, Flurumgang, Flurzug) 
ist ein Fest dieser Gewerkschaft. 1495 wird der Pfarrer nach 
Wortlaut der Rathsweinrechnung zu Ostern bestellt, mit um die 
Flur zu rei ten (um ihr die Weihe zu ertheilen), und bezieht 
dafttr ein Stttbchen Wein, facit lgl. Der Burgrichter bezog 
f&r seine Betheiligung einen testen Naturaliensatz an Fleisch, 
Brod und Hfcringen. War die Flur „ohne Widerspruch um- 
gangen u worden, so sammelte sich der Festzug unter den Lin- 
den, und es wurde nach der Scheibe „um Gewinnste" geschos- 
sen. Zum Frei trunk schtlttete der Burger eine Metze, die 
Wittfrau eine halbe Metze Gerste ein. 

Der naheliegende Zweck der Flurnamen war die Unter- 
scheidung der einzelnen Flurtheile zu einer Zeit, wo Fruchtb&nme 
(der infolge klimatischer Verh&ltnisse allm&hlich aussterbende 
Wallnufsbaum begrenzte namentlich die Weingarten), Kreuz- 
steine etc. zur Markierung dienten und geometrische Ueber- 
sichtskarten nicht vorbanden waren. Der Name des Flursttt- 
ckes schliefst sich haufig an die Eigenthtlmlichkeit desselben 
an, oft an die n&chste bekannte Oertlicbkeit oder an den Na- 
men des Besitzers; in vielen Fallen ist jedoch die Namensab- 
leitung dunkel. Die spfitere Kartierung behielt die Flurnamen 
bei, die heutigen Uebersicbtskarten ersetzen diese Flurnamen 
durch Nummern. Diese Karten bilden die Unterlagen der 
heutigen Flurbttcher; letztere sind Zubehdr der Grund- und 
Hypothekenbttcher ; in diesen Bttchern sind die Flurnamen nicht 
verzeichnet. Sie existieren noch in den stadtischen Geschofs- 
bttchern und werden in den Verftufserungsurkunden neben den 
Nummern der Uebersichtskarte lediglich zur Orientierung der 
Erwerber aufgefuhrt. Die Nummern der Uebersichtskarte sind 
dagegen den Flurstucksbesitzern nicht gelaufig, und bedienen 
sich letztere noch -gegenwartig der vielhundertj&hrigen Flur- 
namen. Sie mdgen anderwfirts durch die Zusammenlegung der 
Grundstilcke ihre Bedeutung verloren haben und verschwunden 
sein; hier wtirde eine Zusammenlegung kaum ausfuhrbar sein 
oder den totalen Umschwung der ttrtlichen Nahrungsverh&ltiusse 
zur Yoraussetzung haben. Zwar ist mit Einftthrung der Grund- 
nnd Hypothekenbttcher ein Theil der FlurstUcke den Hofstatten 



in ZubehSrungseigenschaft hinzugeschlagen worden, doch wird 
damit das geschlossene Gutssystem nicht angestrebt und der 
nachgesuchten Abtrennung des einzelnen FlurstOcks ohne Schwie- 
rigkeiten Folge gegeben. Die zahlreichen walzenden Grund- 
stttcke bilden die Ausstattung der HaussOhne, welche neben der 
Landwirthschaft ein Gewerbe betrciben, und die Mitgabe der sich 
verheiratenden TOchter. Der Fortbestand unserer Flurnamen 
dttrfte sonach bis auf Weiteres als gesicbert zu betrachten sein. 

In den orlamUndischen Urkunden ttber GQterwechsel (vergl. 
Mittheilungen des Vereins fttr Geschichte und Alterthumskunde 
zu Kahla, S. 96 ff.) erscheinen folgende Flur-, vielfach Wein- 
gartennamen : 

1383 verleiht Markgraf Friedrich der Adelheid, Heinrichs 
von Blankenberg Gattin, 8 Aecker im Forst bei Schlofs Or- 
lamQnde, 4 Aecker im Erlich etc.; in demselben Jahre be- 
witthumen die HerzQge Friedrich und Wilhelm zu Sachsen die 
Wittwe Ottos von Urbach mit einem Weinberg in Heilingen 
und 8 Stein Hafer im Berndal, „quae omnia situata sunt in 
districtu Orlamunde." 1411 schenkt Jungfrau Thele Crowds 
einen Weingarten, der Crowel genannt, der Kirche U. L. 
Frauen zu OrlamUnde. 1433 wird dem Kloster Neustadt der 
Besitz eines Weingartens in der OrlamUndischen Pflege, der 
Flenser genannt, bestfttigt. (Der Name rtthrt vermuthlich von 
dem Geschlechtsnamen Flans her. Bewaldete oder sterile F1&- 
chen, die durch Rodcn und Anpflanzen der Land- und Wein- 
wirthschaft dienstbar und so gewissermafeen erst zu Grund- 
stUcken gemacht wurden, erhielten den Namen ibres SchOpfers 
nicht selten dauernd beigelegt, so z. B. Bernbardsrode.) 1442 
umfafst das von dem stadtischen Gescbofse freigemachte Erbgut 
des Hans Schtttz folgende FlurstUcke : l l% Hufe und eine Wiese 
mit einem kleinen Teich bei St. Jacob (die Kirche St. Ja- 
cob in foro tritt 1194 zuerst urkundlich auf), 2 Aecker auf 
dem Knouffreyne, 2 Aecker im Brotschenkel, 10 Aecker 
hinter Winzerla (die villa winzurle tritt 1194 ebenfalls ur- 
kundlich zuerst auf: „decima omnium uinearum in territorio 
uille winzurle sitarum." Aus dem Namen und der Beschreibung 
lftfst sich vermuthen, dafs Winzerla, jetzt ein Rittergut, Mittel- 
punkt des Weinbaues und wahrscheinlich ein grftfliches Vor- 
werk der Weinwirthschaft war. In der N&he von Winzerla 
liegt das Dorf R5bschiitz (Rebenschtttz ?). Eine fthnliche Be- 
stimmung hat vermuthlich auch die jetzige Ortschaft Winzerla 
bei Jena gehabt), 13 Aecker in dem Gal gk tale, 4 Aecker 
am Stiege zen Putzilsdorf (Beutelsdorf bei OrlamUnde), 
8 Aecker auf der Haardt (die Haardt wird eine Hochebene 
genannt, die in mehrere Fluren sich erstreckt), Hopfengarten 
und Aecker beidemHainc am Scbtttzengraben (der Hain, 
vulgo Hahn, umsaumt den nOrdlichen Theil der orlamUndischen 
Grafenburg. Der Hain an Schlofs Gleisberg, s. Beier, Geogr. 
Jen. 248, an der Heldburg, das Hainthal bei POfsneck etc.), 
eine Wiese in der Aue, einen Weingarten, genannt der Fle- 
gel, einen Weingarten, genannt der Schoerer etc. 1447 
wird Heinrich von Blankenberg unter andern mit einer Wiese 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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in dera Orlich (jedenfalls idcntisch mit dem obigen Erlich) 
und einer Wiese und Weidicht bei Freienorla, genannt Blan- 
kenwertswert (wol Blankenbcrgkswert) , belehnt. 1450 
werden in einem Lehnbriefe Herzogs Wilbelm folgende Flur- 
namen aufgeftthrt: Unter derEichen, in dcm Gehege, in 
der Dene, am Burgwege etc. 1458 wird ein Weingarten 
bei U. L. Frauen Weingarten, Rote genannt, dem Wilhelms- 
kloster zu Orlamunde zu einem Seelgerftth ubergebon. 1489 
wird beurkundet, date die Doberau dem Rathe zu Orlamunde 
geschofspflichtig ist, ferner, dafs die von Brandenstein von ei- 
nem Weinberg, die Zange genannt, Geschofs zu entrichten 
haben. 1492 werden Zinscn, zahlbar von einem Fleck, der 
Feller zu Winzerla (s. unten voyllcr), verkauft. 

In den Heberegistern zur stadtischen Grundsteuer (Ge- 
schofs), weiche den Rathsrechnungen als Belege angefugt sind, 
finden sich vollst&ndige Flurverzeichnisse. In der Rathsrech- 
nung von 1486 wird ein Weinberg, der pollytzer genannt, 
aufgefuhrt. In der Rathsrechnung des folgenden Jahres er- 
scheinen im Besitze des Burgermeisters Wolfgang Fingerlin, 
des gr5fsten Grandbesitzers, folgende Flurstttcke: Wiesen und 
Aecker ttber der Muhle, Weingarten und Aecker bei witzlen- 
burg (?), Aecker im studler, im meyentall (Maie oder Birke), 
uff dem nassen gebreche, uff der harth, im kochborn, hoff- 
acker, uflf der kalkhtitte, am brotschenkel. Im Besitze anderer 
Burger befindliche Flurstttcke heifsen: im langen acker, uff 
der leymgrube, litten an der harth, im hayne, im strumphelen 
(Strttmpfel heifst die mit der Stadtflur vereinigte Flur des 
ehemaligen Weilers Strumphilde, wclcher in unmittelbarer Nahe 
der Stadt lag. Diese Flurzusammenlegung erfolgte jedenfalls 
aus rein praktischen Grttnden, schwerlich infolge einer Ver- 
wttstung des Ortes durch Kriegsgewalt. Der Geschlechtsname 
Strttmpfel existiert seit Jahrhunderten in dem nahen Dienstadt, 
und haltcn sich die Strttmpfel fttr NachkOramlinge der letzten 
Bewohner jener Wttstung. Hier entspringt die Strumpfelquelle, 
die Ursache der alten Ansiedelung. Tacitus, Germ. 16), am 
anger, der hussberg, hinder der aue, holtzmarke im wirtzebach 
(Wttrzbaeh heifst gegenw&rtig ein von dem Wttrzbaeh durch- 
flossener Walddistrict. Die wenigen Reste der Kirche des 
verschwundcnen Dorfes Wttrzbaeh sind von dichtem Wald um- 
geben), by bechtall (das jetzige Pechthal, eine Holzmarke 
aufserhalb der orlamttndischen Flur), weinbergk am brotschen- 
kel, acker uff dem ritterssbttll (Weide der Ritterpferde?), eyn 
gelenge uff der harth, ein fleck im kesscl (das Geschlecht von 
Kessel erscheint urn diese Zeit im Besitze des Rittergutes 
Winzerla, doch durfte die Ableitung fraglidh sein), weinbergk 
am kogelberg, garten am harthwege, weinbergk am voyiler, fleck 
am rothen mantel, weinbergk im crandl. 

In der Rathsrechnung von 1489 finden sich folgende Flur- 
namen: derDrehbach, der Schwansee, der Mordgraben. 
(Ein Mordthal findet sich bei Ziegenrtick und hat nach der 
Volkssage den Namen von der Druidenschlacht, die hier statt- 
gefundeu. Eisel, Sagenbuch des Voigtlandes, S. £82.) 



Die aus 5 Tracten bestehende Flurkarte von OrlamttDde 
ftthrt folgende Flurnamen, wie sie noch jetzt gebr&uchlich sind, 
auf : Tract. 1. die Kemenate, die Schlofslaiten, der Anger, der 
Hahn, der Galgenberg, der Heidelberg, die Nicolai wiesen, das 
Weidicht, die Aue, der Wehrwinkel, die Laiten, die Mauer- 
Aecker. (Eine altere Flurkarte aus dem 18. Jahrhundert ftthrt 
aufserdem noch auf: den Nicolai -Anger, den langen Anger, 
Ochsenwiese und Anger, den alten Saalberg und die Klinge.) 

Tract. 2. Der Forst, die LOcher, der Kehrichtswinkel, 
der KOhlersberg, die Gel&nger, die Schutzftcker , das Weidicht 

Tract. 3. Das nasse Gebrttge (richtiger Gebr&che), hinter 
dem Rathhause, der Ealkofen, die Lehm-Grube, das Maien- 
Thal, die untere StrQmpfel, die Hufe, die langen Aecker, die 
sieben Aecker, die drei Aecker, die oberen Thon&cker, der 
Brodschenkei, die obe^g Strttmpfel, der Goldberg (eiu Gold- 
berg kommt audi unter den Flurnamen von Vierzehnheiligen 
bei Jena vor; Ed. Bohn, Vierzehnheiligen in Thttringen, Apolda 
1858, S. 39), das Galgenthal, die vier Aecker, der krumme 
See (in Vierzehnheiligen existiert eiu Pferdesee und ein Ge- 
meindesee, d. i. Sumpf ; Ed. Bohn, a. a. 0. S. 37), das Ritters- 
bttbl, hinter St. Jacob. (Die flurkarte des 18. Jahrhunderts 
verzeichnet zwischen den sieben und den drei Aeckera einen 
(den letzten) Weinberg.) 

Tract. 4. Die Uaarth, die Butterkammer, das Himmel- 
reich (der Name Himmelreich erinnert nach den Mittheilungen 
des Erfurter Vereins fttr Geschichtsforschung 5. Hft., S. 6 
an das hier herrschende, durch Annahme der christlichen Lehre 
verdr&ngte Heidenthum etc.), die Wintermulde, die Sommer- 
mulde, die Quermulde, die lederne Brucke, das Flofschen , das 
Burgholz, der Lindig, die L&mmerlaiten , der Hausberg, die 
Scheibe. (Die Flurkarte des 18. Jahrhunderts ftthrt aufserdem 
auf: im Petzold, Petzolds Graben, im Petzlar, bei dem Stein- 
bruch.) 

Tract. 5. Der untere Thonacker, der Schlftgel, der Buch- 
berg, der rothe Mantel, die Gebind, das Kohiholz, der Erbs- 
grund, der Hirtenacker. (Die Flurkarte des 18. Jahrhunderts 
ftthrt noch auf: Im Kuckuk, wttste Berge in der Rothe, das 
Kastenfeld, den Gebindsgraben, das Brttckenfeld.) 

Durch das Umwandeln wttster Fl&chen in Weingarten 
wurde Gartenrecht, Triftfreiheit des bebauten Flurstttckes, ge- 
wonnen. Dies mag die fruhere Weinkultnr gefdrdert haben. 
Durch den dreifsigjfthrigen Krieg wurde der hiesige Weinban, 
der noch zu Karlstad ts Zeiten sehr florierte, total vernichtet, 
nach Riehl wol mit Recht eine der wenigeu Segnungen des 
grofsen Krieges. Der neue Aufschwung der Landwirthschaft 
datiert freilich erst von dem Jahre 1848. (Vernichtung der 
hohen Jagd und Aufhebung der Frohne.) 

Die zu der orlamttndischen Brttckenstiftung geh6rig«i 
Holzmarken ftthrea unter andern folgende Namen : das Bocken- 
thr.l, der Wttrzbaeh, der weifse Hirsch, das Pechthal, der El- 
rich (Elch, Elchreich?), der Kunzenwinkel (wol Kunigswinkel), 
das Tiefthal, Bernhardsrode, der Sandweg etc. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Das mit Wieswachs and Gebflsch bestandene Terrain 
der ehemaligen Grafenburg von Orlamttndc, von der nor die 
Kemenate, ein Thor und Mauerreste vorhanden sind, hat fol- 
gende Namen, an die sich vielfacbe Sagen heften: der Him- 
melsgarten, der Turnierbof, die Teufelskanzel (die Teufelskache 
bei Neahaldensleben : Heinrich Rathmann, Geschicbte der Stadt 
Magdeburg I, 26 ; die Teufelslocber im Hexengrunde bei Orla- 
mttnde), die Kapelle, der Kindelbrunnen , der Tanzplatz. Der 
verschttttcte Scblofsbrunnen fflhrt den Namen Luthersbrunncn. 
(Vgl. 0. Scbmcifser, Ueber die Grafenburg in Orlamttnde : 
Altenburger Zeitung, 1866, Nr. 136 ff.) 

Die orlamttndischen Flurnamen sind s&mmtlich deutsch; 
slavische Ortsnamen (z. B. Zeutscb, Wendischen-Eutersdorf) 
und Flurnamen (die Barnitz bei Kahla) finden sich im Thale. 
Aus welcher Gegend die Ansiedler stammten, dardber gibt be- 
reits Michelsen in seinen Rechtsdenkmalen aus ThUringen (der 
orlamtindische Kirchgang und die flamischen Rechtsgewohn- 
heiten in der gttldenen Aue) Andeutungen. 1st der Weinbau 
der Yorzeit als Mitgift der Ansiedler aus der Heimat zu be- 
trachten? In Golmsdorf bei Jena, wo der alte Weinbau auch 
jetzt noeh floriert, feiert man noch heutzutage ein Fest, welches 
Riehl. Wanderbuch S. 208, als ein elgenthtimliches Fest eines 
Weinbauerlandes schildert, die Brunnenfege. 

Orlamttnde. Lommer. 



Was man auf alten Bttcherdeckeln flndet. 

Um Pfingsten, nach einer Angabe am 27. Juni, 1278 ver- 
liefs KOnig Otakar seine Hauptstadt, um noch einmal im 
Kampfe gegen K6nig Rudolf sein GlUck zu versuchen. Am 
26. August war die entscheidende Niederlage, welche ihm den 
Tod brachte. Aus den zwei Monaten , welche dazwischen lie- 
gen, haben wir nur wenig Nachrichten; doch wissen wir, dafs 
er zunachst nach BrQnn zog, um dort die Truppen seiner 
Landherren und der ihm verbttndeten schlesischen Herzoge zu 
sammeln. Es wird, denke ich, nicht unwillkommen sein, einen 
Brief zu lesen, welchen er von dort an seine Gemahlin Chuni- 
gunde geschrieben hat. Er meldet ihr, dafs er am 16. Juli 
mit seinem Heere aufbrechen wolle; der rttmische KOnig sei 
in Wien und habe keinerlei Hiilfe zu erwarten. Dagegen er- 
halte cr sichere Kunde, dafs alle SUdte Oesterreichs ihm zu- 
fallen wttrden, sobald er sich nur zeige, und er hoffe sicher, 
nicht allein liber Ednig Rudolf, sondern tiber alle seine Feinde 
zu triumphieren. 

Der Brief ist auf den Rand einer Handschrift eingetragen, 
und durch Beschneidung des Randes sind einige Zcilen am 
Ende unvollstandig; auch ist nicht alles sicher lesbar. Erganzte 
Worte habe ich in Klammern gesetzt. Der Brief lautet: 

O. dei gratia Rex Boemie, karissime consorti sue do- 
mine Ch. Indite Regine Boemie, Salutem in plenitudine gaudiorum. 
Ad mentis exultacionem vobis tenore prcsencium nunciaraus, 
quod sumus Brunne f(eliciter cum) so(spitate) corporis per 



dei graciam constituti, indeque feria sexta post (fest)um beate 
Margarete proxime venturum una cum omni ex(ercitu nostro) 

in Austriam progressus nostri tramitem dirigemus 

laboris intermissi proculmota segnieie, quinimo (cum) progres- 
sion^ festinancia processuri. Et ut eo festi(vius vestra di) 
lectio omniumque nostrorum corda fidelium iocunditatis (vota 
sol)lempnizent , harum serie notum vobis facimus, quod rex 
(Romanorum) est Winne, et nullum ei potest venire sabsidium 
ista vice, (quare fir)miter speramus, quod de ipso prosperos 
ad vota successus consequi (valebimus), nee solum in eo, verum 
eciam in nostris inimicis et emulis universis. (Nam) firma datur 
nobis fiducia, quod civitates Austrie, postquam illuc vene(rimus), 
omnes mandatum nostrum facient, et voluntate spontanea nostro 
(se) dominio subiugabunt. 

Am Schlusse fehlt in der Abschrift nichts; im Original 
wird vielleicht noch etwas mehr, sicher ein Datum gestanden 
haben. Ueber die Beschaffenheit und Herkunft dieser Frag- 
mente und ihren sonstigen Inhalt werde ich an anderm Orte 
Mittheilungen machen. 

Heidelberg. W. Wattenbach. 



„Furierzettel a 

finden sich nicht selten in den „Korrespondenzen" herrsehaft- 
licher Personen im 16. und im Anfango des 17. Jahrh. Sie 
bieten einen nicht uninteressanten Beitrag zur Geschichte der 
damaligen HOfe auf Reisen. Man erstaunt, mit welch zahlrei- 
chem Gefolge man sich auf Reisen begab und welche Raum- 
lichkeiten nOthig waren, um Menschen und Pferde unterzu- 
bringen. Der der Reisegesellschaft vorauseiiende Furier war 
daher sehr nothwendig, um ptinktlich und mit genauer An- 
gabe von Personen und Pferden seiner ihm folgenden Herrschaft 
Herberge zu beschaffen und sie zeitig an dem zum Reiseziele 
ausersehenen Hofe anzumelden. Ein solcher Furierzettel wurde 
1586 dem damaligen Grafen Albert VII. von Schwarzb.-Rudol- 
stadt von dem Laiidgrafen Ludwig dem Jttngern von Hessen, 
der einen kurzen Aufenthalt in Rudolstadt nehmen wollte, ttber- 
sandt. Wir theilen ihn dem Wortlaute nach mit 

„Forir-Zettel l * 

des Durcbl. Hochgeb. Fttrsten u. Herrn Herrn Ludwigen des 

JUngern, Landgrauen zu Hefsen, Grauen zu Cazenelupogen, 

meines gn. F. und Herrn, naher Rudolstadt. 

Personen: 

1 Jetzt Hochgedachtcr mein gnediger fttrst u. Herr 

1 Landgraue Friedrich zu Hefsen etc. 

1 Mein gn. F. und Fraue, frau Magdalena Landtgr. zu 
Hefsen etc. 

1 die fQrstl. Witibe zu Darmstadt fraw Eleonora, Landtgr. 
zu Hefsen etc. 

1 Frewlein Eleonora Herczogin zu Hollstein etc. 

1 Graue Heinrich Wilhelm zu Solmfs, 

1 Frewlein Elisabeth Grauin zu Mansfeldt 



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239 Anzeiger fur Eunde der deutschen Vorzeit 310 

1 Frewlcin Ursula Maria v. Westerburg 6 vor der Silberkutschen. 

2 Hoffmeisterin *2 vor 2 Pachwagen. 

: j-*— , \ ?"ii r ««r. 

6 Karamermegde . 

1 Johannes Pistorius Niddanus Canzlar Samma 103 Pferde. 

1 Arnold Schwarz Hoffmeister Ei n anderer 

1 Bernhard v. Berbisdorff, Hauptmann zu Rttselsheimb „Furier Zettel auff der rcise der Hocbgebornen Fttrstin vnd 

1 Bernd Siemon yon Oinbausen Stailmeister Frawen, Fr&wen Anna, Fttrstin zu Anhaldt, Gr&vin zu Ascanien, 

1 Georg Bernd von Hartingsbaursen J&germeister Frawen zu Berenburg vnd Zerbst etc., Gebornen Grfcvin zu 

1 Casper von Berlipsch Bcntheim Tecklenburg, Steinfurt vnd Leinpurg etc von Am- 

, tt « xt . w Der S aufs nacn Harzgeroda, den 1. Septembr. A. 1620. 
1 Hans Georg Neiprecht 

1 Hans Georg v. Bechtolsheim Person en 

1 Wilhelm Scherzeli (?) \ JfT.ft^ *"{ ?S 

„ ,, . ^ . , v ' , 1 Herr Fnednch Furst zu Anhaldt 

1 Monsieur Pnutzla 8 Fttrstl# Frewlein. 

1 Quirin Schucz 1 Herr Friedrich Ludwig Fttrst zu Anhalt 

11 Cammerjungen 1 Hofmeisterin 

1 Cammersecretarius 3 Adliche Jungfrawen 

ft ~ ,. 2 Juncker Cbristopb von Bischofsheim, Hofmeister u. sein 

2 Cammerdiener Diener * 2 pferde 

2 Scribenten 11 Mftgde 

5 Lakeyen 2 praeceptores 1 

1 Mundkocb 2 der J un S e Burchart Erlacb und sein Junge 

1 vt n „A«r.\^^r 2 Edelknaben. 

1 Mundschenk , mm ^ 

1 Silberknecht ! Schneider. 

1 Barbierer 2 Becher und Koch. 

1 Schneider 1 Furierer 1 

1 Des H. Grafen Solms Kammerjunge * {> e ! J: G - **tscbez i . 6 

, n ,. - 2 bei Herr Fnednchs gutschen 4 

1 Cammerdiener 3 bey der F(irstl Frewlein gut schen 6 

2 Sr. E. Lakeyen 2 beym Guttgeswagen, darin die kleinsten Kinder 4 

2 Trabanten 2 beym M&gdewagen 4 

2 Hofmeisterdiencr . 2 b eym Pachwagen * 

7 Junkerndiener 54 Personen Summa Summa 32 Pferde 

Zusammen 74 Personen. Rudolstadt. Dr. B. AnemQller. 

Reisige Kutschen- und Wagenpferde: 

21 Aus meines gn. H. Marstall. 

2 Gr. Heinrich Wilhelm zu Solms. Em E P"apb Anthers. 

2 Joachim von Walspurgk Frawenzimmcrs Hoffmeister. Auf dem ktsten Blatt eines Exemplares des 1538 in Ba- 

2 Geort? Rfider se ^ ersc ^* enenen Polyhistor des Gramraatikers C. Julius Solinus 

m f 1 finden sich nachfolgende handschriftliche Disticha, ftlr deren 

2 Mospach. Verfasser wol der auf der vorderen Einbandseite sich nennende 

1 Kammerjungen. Besitzer des Buches: „ Joannes Pistor ex Firstenfeldt abbas" 

6 vor Sr. F. Gn. Leibkutschen anzusehen sein wird. 

6 vor Sr. Fstl. Gemahlin Leibkutschen. Epitaphium M. Luthrei (sic!) 

6 vor der Fstl. Wittiben Kutschen. Nunc postquam manes defunctus Lutthri adivit, 

12 vor 2 Jungfrauenkutschen. T N ° n a ° det Plover 1 * sacrata loqui: 

j tt o r it x 1. Juppiter hunc caeh dignatus parte fuisset 

4 vor des H. Grafen Kutschen. Censorem verbi sed timet ffle sui. 

6 vor's Kanzler's Kutschen. tit ... v >r ■, ttttt* 

* » tt r • * * tr * u Weifsenburg am fcordgau. W. Vogi 

6 vor's Hofmeister s Kutschen. _ 

6 vor der Junkern Kutschen. (Mit einer Beilage.) 

Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 

Gedrackt bei U. E 8 eb aid in NOrnberg. 



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BEILAGE ZUM ANZEIGER FUR KUIVDE DER DEUTSCHE*? VORZEIT. 

1873. JW 8. August 



Cbronik des germanischen Museums. 



Nurnb erg, den 15. August 1873. 
Wahrend das Augustinerkloster sich taglich hdher neben un- 
serer Karthause wieder erhebt, und wir boffen konnen, dafs scbon 
in der Mitte des kommenden Monats der Dachstuhl aufgeschlagen 
wird, haben sich auch die Gaben fiir die Beschaffung der Mittel 
zu diesem Bau neuerdings gemehrt. Zu den Kiinstlern, welche Zu- 
sagen gegeben, treten fortwahrend neu sich anmeldende hinzu \ yon 
denen, welche ihre Zusage erfullt haben, sind seit der letzten Ver- 
offentlichung noch folgende zu verzeichnen : Direktor £. Bende- 
mann in Dusseldorf, Landschafbsmaler G. Gleira in Monchen, 
Professor 0. Peschel und Professor Dr. L. Richter in Dresden. 
Auch Herr Fabrikbesitzer J. Zeltner hier, der, wie ihm un- 
ser Museum schon so Blanches verdankt, bereits frtther hundert 
Gulden fur diesen Uebertragungsbau gespendet, hat neuerdings 
als Ausdruck der Freude uber das Gelingen dieses Werkes noch- 
mals die gleiche Surame angewiesen. 

Leider sind wieder neue Lucken in die Reihen unseres Gelehr- 
tenausschusses gerissen j namlich schon vor einiger Zeit durch den 
Tod des franzdsischen Archaologen A. de Caumont in Caen, 
welch er, wie er nach alien Seiten hin anregend und befruchtend 
gewirkt, auch unserm Museum ein besonderes Interesse zugewen- 
det hatte, und in jiingsten Tagen durch das Hinscheiden des Dr. A. 
v. Zahn, des verdienten Herausgebers der „JahrbQcher f. Kunst- 
wissenschafl", und (am 13. August) des Oberbibliothekars und Ober- 
studienrathes Dr. Chr. Fr. v. Stalin in Stuttgart, in welchem 
unsere Anstalt einen treuen Forderer, der Gelehrtenausschufs eine 
Zierde verloren. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Von Distriktsgemeinden : Baunach. 10 fl. Erlangen. 15 fl. 
Yon Prlvaten t Aalesund (Norwegen). Carl Ronneberg, 1 fl. 
Cassef. Raab, Baumeister, 1 fl. 45 kr. Erlangen. Dr. M. Bees, Pro- 
fessor, 1 fl. 45 kr. Eupen. Andr. v. Grand Ky , Regierungsreferen- 
dar, (statt friiher 1 fl. 45 kr.) 2fl. 37 '/.kr. Furih. Sigm. Biichen- 
bacher, Kaufmann, 1 fl. 30 kr. ; Langhans, rechtskund. Bur germ ei- 
ster, 1 fl. GiintersbGhl bei Lauf. Ernst Bolz, k. Forster, 1 fl. Haag 
(Holland). Fr. J. Schill, 1 fl. 45 kr. Hamburg. Dr. Rud. Johns, 1 fl. 
45 kr. Ilsfeid (Wurttemberg). Dr. Karl Vollmuller, 1 fl. 45 kr. Lon- 
don. Walther Matthews, 1 fl. Mannheim. C. F. Muff, grofsh. bad. 
Oberzollinspektor, lfl. 45 kr. Mitau (Curland). Earl Dannenberg, 
Gymnasiallehrer, 1 fl. 45 kr. Neapel. Dr. M. G. Conrad, (statt fru- 
her lfl.) lfl. 45 kr. NUrnberg. Dr. Ullmann, Oberstabsarzt, 2fl. 
Pforzheim. C. Krieger, Estamperiebesitzer, 2 fl. Prato (Italien). Odo- 
ardo Vannucchi, 1 fl. Straasburg. Dr. J. Euting, Bibliothekar, 1 fl. 
45 kr. 5 L. Klincksieck, 1 fl. ; Dr. E. Kolbing, Bibliothekar, 1 fl. ; F. 
Reufsner, Bibliothekar, 1 fl. 45 kr. ; Rullmann 1 fl. ; Dr. von Schwarz- 
kopf, Professor, lfl. Stuttgart. Alfred de Neufville, 1 fl.; Wilh. 
Rohricb, Lehrer a. d. hoh. Handelsschule, 1 fl. 

Einrnalige Beitrage wurden folgende gegeben: 
Von Distrlktsgemeinden x Naila. 5fl. 
Von Pri vaten x Bremen. W. F. Meyerkort, lfl. 45 kr. C5ln. 
G. Adolf Hardt, 1 fl. 45 kr. 

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu: 



I. Fur die kunst- und kulturgeschichtliohen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6939-6948.) 
Danzig. Verein der Schlesier: Photographic nach einem 
Portrat des Dichters Martin Opitz. — Hildesheim. Fr. Kusthardt, 
Bildhauer: Photographic nach eiuem Theile der Chorwand in der 
St Michaeliskirche zu Hildesheim. — N urn berg. Schiifsler, Offi- 
ciant: 6 Radierungen yon J.A.Klein. Seidel, Pflasterermeister : 
Wanduhr mit holzernem Werke; 1630. 0. Soldan, Kaufmann: 
180 falsche Miinzen. Zur Strafsen, Professor: Bruchstiick einer 
kl einen rom. Thonbuste. KarlFreih. vonWelser, Administra- 
tor der Schliifselfeld. Stiftung: Ein Stuck Tapete yon Goldbrokat. 

II. Fur die Bibliothek. 

(Nr. 30,234—30,275.) 
Berlin. Dr. Her m. Bath eke: Ders., der Liibecker Todtentanz. 
1873. 8. — BQckeburg. M. H. Wolper's Buchh. (G. Frommhold): 
Geirsler, Album v. Biickeburg. qu. 8. — Chemnitz. Statistisches 
Bureau: Dass., Mittheilungen etc.; l.Heft. 1873. 4. — Darmstadt 
Ludw. Brill, Verlagsh. : Walther, die „grofse Landgrafin", Land- 
grafin Caroline v. Hessen. 1873. 8. Unbekannter: Lercb, iiber d. 
alte Befestigung y. Darmstadt. 8. Sonderabdr. — Dillenburg. C. 
Seel, Buchhandl.: Spiers, eine Episode aus dem Leben der E Item 
P. P. Rubens. 1873. 8. — Donaueschingen. Direktiondesgrofsh. 
Progymnasiums: Schneyder, iiber mikroskopische Uuterrichts- 
objekte. 1873. 8. Progr. — Genf. Alexandre Lombard: Isabeau 
Menet, prisonniere a la tour de Constance, 1735 — 50. 1873. 8. — 
Graz. Dr. Fried r. Pichler, Professor: Ders., Jahres-Bericht des 
Munzen- u. Antiken-Cabinetes im Joanneum zu Gratz. 1873. 4. 
Sonderabdr. Dr. H. v. Zwiedineck - Siidenhorst, Professor 
a. d. Oberrealschule: Ders., Zeitungen u. Flugschriften aus der 
ersten Halfte des XVn. Jahrh : I. Samml. 1873. 8. Sonderabdr. — 
Greiffswald. Uniyersitat: Dies., index scholarum etc, 1873 — 74. 
1873. 4. Verzeichnils der Vorlesungen etc., 1873 — 74. 1873. 4. 

— Grimma. Karl Grofsmann, Superintendent: Ders., die Vi- 
sitations - Acten der Didces Grimma aus d. 1. Jahrh. seit der 
Reformation; 1. Heft. 1873. 8. — Hermannstadt. J oh. Ziegler, 
Direktor des Gymnasiums: Albert, die „Ruinae Pannonicae" des 
Christian Schesaus. 1873. 8. Proffr. — Hohenleuben. Voigtlan- 
discher alterthumsforschenaer Verein: Ders., Mittheilun- 
gen etc., nebst 41. — 43. Jahresbericht. 8. — Karlsruhe. Vorstand 
des badiBchen Frauenyereins: Ders., 13. Jahresbericht etc. 
1873. 4.— Kassei. Gewerbehalle: Dies., Monatsblatter; I. Jahrg. 
Nr. 1. 2. 1873. 4. Th. Kay's k. Hof- Kunst- u. Buchhndl.: Mer- 
kel, Album der Casseler Gallerie. 4. Richter, deutsche Dichter 
des Mittel alters im Kampfe fur den Kaiser wider den Papst. 1873. 
8. — Kitzingen. K. Rektorat der Gewerbschule: Dass., Jah- 
resbericht etc., 1872—73. 1873. 4. — La Borde pres Lausanne. E. 
Chayannes, membre de la Societe d'histoire de la Suisse Ro- 
mande: Ders., le tresor de Peglise cathedrale de Lausanne. 1873. 
8. — Magdeburg. Schafer'sche Buchh. (A. Riidiger): Geschichts- 
Blatter for Stadt u. Land Magdeburg ; 8. Jahrg. 2. Heft. 1873. 8. 

— Marburg. Hermann Suchier: Ders., iiber die Quelle Ulrich's v. 
d. Tiirlin. 1873. 8. — NUrnberg. Nidermaier, k. Advokat: Zeit- 
schrift des Anwaltvereins fur Bayern; Bnd. I. II. 1861 u. 62. 8. 
Lor. Ritter, Kupferstecher : Ders., malerische Ansichten aus Nurn- 
berg; III. Heft Imp. 2. J. A. Stein'sche Buch- u. Kunsthndl. (A. 
Kollner) : Nurnberg, seine Baudenkmale u. Kunstwerke. 1873. 8. — 
Prag. Richard Ritter ron Dotsaner: Renner, die Herrenmuhle 



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243 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



344 



in Graslitz. 1873. 8. Sonderabdr. — Reval. Ehstland. liter a r. 
Gesellschaft: Dies., Beitrage etc.; Bnd. 1. Heft 4. 1873. 8. — 
Riga. H. Brutzer u. Comp., Verlagshndl. : Baltische Monatsschrift; 
22. Bnd. (n. F. 4. Bnd.), Marz u. April. 1873. 8. Dr. Aug. Buch- 
holtz : Ders., Verzeichnifs der Bibliothek der livland. Rittergchaft. 
1872. 8. — Stade. A. Krakau, Buchh.: Aeolsklange. 12. — Stutt- 
gart. Dr. v. Holder, Obermedizinalrath : Rofslin, der kindbaren 
Frawen Rosengarten. 1561. 8. Hell wig, Hundert-Jahriger Calender. 
1701. 8. Liberiu8, vollk. Historic u. Lebens-Beschreibung des . . . 
Jos. Safe Oppenheimer. 1738. 8. Das Schoofshundchen. 1748. 8. 
Knauer, immerwahrendes Haus-Buch. 1799. 8. Tasehenbuch zum 
geselligen Vergniigen ; 4. Aufl. 1792. 8. Standhaftes Kriegs-, Dienst- 
n. Exercier-Reglement der Reichsstadt Riblingen. 1815. 8. — Wer- 
nigerode. Harz-Verein f. Geschichte u. Alterthumskunde: 
Ders., Zeitschrift etc.; VI. Jahrg. 1. u. 2. H. 1873. 8. — Wien. Se. 
Maj. Franz Joseph I., Kaiser v. Oesterreich: Becker, die Samm- 
lungen der yereinten Familien- u. Privat-Bibliothek Sr. M. des Kai- 



sers. I. Bnd. 1873. 2. Furstl. Schwarzenberg'sches Cen- 
tralarchiv: Katalog zur Collectiv Ausstellung der Fursten Joh. 
Adolf u. Adolf Josef zu Schwarzenberg. 1873. 8. Pangerl, die 
Stiftung von Goldenkron u. deren Bedeutung f. d. Geschichte der 
Deutschen in Bohmen. 1873. 8. Sonderabdr. Betchreibung der 
frstl. Schwarzenberg'schen Domane Wittingau in Bohmen. 1873. 8. 
Jo 8. M. Wagner, Prof.: Archiv f. d. Gesch. deutscher Sprache 
u. Dichtung. Heft 1—4. 1873. 8. 

III. Fur das Archiv. 

(Nr. 4325.) 
NQrnberg. Wentzler, Kaufmann: Urkunde Bruder Jonanns, 
des Abtes, sammt dem Konvente yon Kappel, an den Schultheifs, 
den Rath und die Burger yon Zug uber die Leistungen, zu denen 
sich das Gottesbaus gegen die Aufnahme in das Burgrecht yon 
Zug seinerseits verpflichtet hat. 1344. Perg. 



Cbronlk der Mstorlschen Vereine. 



Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft 
in Wien. III. Band. Nr. 5 u. 6. 1873. 8. 

Fund-Notizen. Von Gundaker Graf Wurmbrand. — Prahisto- 
rische Ansiedelungen im Nikolsburger Bezirk. Von Joh. Lieder- 
mann. 

Der Kirchen-Schmuck. Blatter des christlichen 
Kunstyereines der DiozeseSeckau. 1873. IV. Jahrg. Nr. 7. 
Graz. 8. 

Bildnisse Maria aus der frflhchristlichen Kunstperiode. — Die 
Pfarrkirche zu Kirchbach und ihre Restaurirung. — Der gothische 
Votiv-Kelch des Stiftes Admont aus dem 14. Jahrh. 

Der Deutsche Her old, Zeitschrift fur Heraldik, Sphragi- 
stik und Genealogie. Organ des Vereins „Herold" zu Ber- 
lin. IV. Jahrg. 1873. Nr. 6 u. 7. 4. 

Der „Lilienhaspel" und dessen Entstehung. — Nobiles, Liberi, 
Vasalli, Ministeriales. Von J. Grafen von Oeynhausen. — Excerpte 
aus Wappen- und Adelsbriefen. — Die von Merrettich. — Heral- 
dische Fragen. — Einiges uber die Adelsverhaltnisse des ehemali- 
gen Kirchenstaates. (Friedrich Heyer von Rosenfeld.) — Ahnen- 
proben des Mittelalters. — Beitrage zur Geschichte Elsassischer 
Geschlechter. (Kindler von Knobloch.) — Die Familie von Weiden- 
feld (Wiedenfeld) im Rheinlande. — Eine bayerische Kanstlerfa- 
milie (Seilz). (Dr. Carl Ritter von Mayerfels.) 

Monatshefte far Musik -Geschichte herausgegeben 
von der Gesellschaft fur Musikforschung. V. Jahrg. 
1873. Nr. 7. Berlin. 8. 

Johannis Boemi Liber Heroicus de Musicae laudibus. Augustae 
Vindel. apud Jo. Miller. Anno 1515. Ins Deutsche metrisch Ober- 
tragen von P. Gall Morel. 



Geschichts-Blatter fur Stadt und Land Magdeburg. 
Mittheilungen des Vereins fur Geschichte und Alterthums- 
kunde des Herzogthums und Erzstifts Magdeburg. 8. 
Jahrg. 1873. 2. Heft. Magdeburg, 1873. Verlag der Schafer'chen 
Buchhandlung (A. Riidiger). 8. 

Die Willkaren der Stadt Salze. Mitg. vom Pred. F. Winter. — 
Zur Geschichte der Seiler-Innung im Erzstift Magdeburg. Von 
Dr. Holstein. — Der alte und der neue Vogelgesang bei Magde- 
burg. Vom Oberpred. Scheffer. — Miscellen. 

Zeitschrift des Harz-Vereins for Geschichte und 
Alterthumskunde. Herausgegeben von Dr. Ed. Jakobs. Sechs- 
ter Jahrgang. 1873. Erstes u. zweites Heft. Wernigerode, 1873. 8. 

Die Wustungen Kieselhausen und Almensleben vor Sangerhau- 
8en. Von CI. Menzel. — Die beweglichen Feste und die Synoden 
der Halberstadter Diocese. Von G. Schmidt. — Der Dompropst 
Martin von Halberatadt. Von F. Winter. — Ueber den Dompropst 
Johannes von Halberatadt (1341 — 67) und zur Syhragistik der Doin- 
propstei und Dompropste daselbst. Vom Archiv-Rath G. A. von 
M divers ted t. — Die Grafschaft Stolberg zu Ausgang des Schmal- 
kalder K^rieges. Von G. Schmidt. — Die Feste Hoohseoburg, Hocse- 
burg, Oscioburg, Saochseburg, Heseburg, Onseburg, wo lag sie? 
Von Hilmar von Strombeck. — Uebersichtliche Geschichte des 
Schriftthum8 und des Bucherwesens in der Grafschaft Wernigerode. 
1. bis zum Abschlufs der Reformation. 877 — 1554. Von Ed. Ja- 
kobs. — Das alte Seniors zu Sangerhausen. Von CI. Menzel. — 
Zur Geschichte einiger Wustungen in der nachsten Umgegend von 
Harzburg. Von Hilmar von Strombeck. — Die Kaiserstatten zu 
Goslar. Von Ed. Jakobs. — Aeltere Nachrichten uber das Post- 
wesen in der Grafschaft Wernigerode. Zusammengestellt von A. 
Seeger. — Zur harzischen Munzkunde. — Vermischtes. 



Nachrichten. 



Aufs&Ue in ZeiUchriflcn. 
Das Ausland: Nr. 29 f. Zur Geschichte des Haushuhns. 
Carinthia: Nr. 6. Komthure, Ritter- und Priesterbrader der 
deutschen Ordenskommende zu Friesach. (Honisch.) 



Daheim: Nr. 44. Aus der Geschichte der Spielkarten. 

Im neuen Reich: Nr. 31, S. 181. Naturgeschichte im 15. 
Jahrh. (Dr. A. v. Sallet.) — Nr. 82, S. 211. Frauen und 
Frauenschonheit in der Poesie des Mittelalters. 



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245 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



246 



Preufi. Jahrbooher: Juli, 8. 1. Papstwahl uud Kaiserthum. 
Eine kirchengeschichtliche Abhandlung. 

DerKatholik: Juni. Bilder aus dem Zeitalter der Reforma- 
tion. 

Protest. Kirchenzeitung: Nr. 25. Kurfurtt Johann Sigis- 
mnnd. 

Deutsche Kunst-Zeitung: Nr. 27 f. Darstellungen aus der 
cbri8tlichen Legende. 

Illustr. Deutsche Monatshefte: Nr. 11 (203), 8. 502. Ueber 
Recht und Rechtsentwicklung in Deutschland. 

Deutscher Reichs-Anzeiger : Beil. Nr. 29. Der Waffeneid 
der germanischen Stamme. 1. 

Sonntagsblatt (von Fr. Duncker): Nr. 80. Die Mansfelder in 
Ostfriesland. (Mathilde Raven.) 

Wocbenblatt d. Joh.-Ord.-Balley Brandbg.: Nr. 31. Die 
Ganse von Puttlitz. — Nr. 82. Mythologisches aus der Mark 
Brandenburg. 1. Die „weifsen Frauen" in der Mark. (Oskar 
Schwebel. — Nr. 83. Der Minnegesang in Pommern. (Ders.) 

Siebenburg.-deutsches Wochenblatt: Nr. 29. Die Spra- 
chenfrage and die Sachsen. 

Zeitschrift f. bild. Kunst: Beibl. Nr. 40. Ansstellung alter 
Bilder in Wien. 

Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 205. Das mittelalterliche Drama 
in den Niederlanden. — Nr, 217 f. Virgil im Mittelalter. — 
Nr. 219. Das Farstenthum Liechtenstein. — Ein Karolinger- 
Ban im Odenwalde (von Einhart gegrundete Basilika in Mi- 
chelstadt). (Dr. Wilh. Francke.) 

Leipziger Zeitung: Wissenschaftl. Beil. Nr. 57 und 58. Die 
geschichtliche Statistik. (Joh. Falke.) 



Yermischte Nachrichten. 

61) Hannover, den 27. Jul i. Uelzen. (Leichenfeld aus 
vorchristlicher Zeit.) Gestern fand bier in der Nahe des 
Dorfes Bohlsen die Ausgrabung eines grofoen Leichenfeldes statt. 
Schon vor einigen Wochen waren auf einem flach gewolbten, zwi- 
schen den Dorfern Boblsen und Gerdau liegenden halbrunden Haid- 
hugel bei der Ausschachtung von Kies durch Zufall eine grofsere 
Anzahl Leicben gefunden, und hatte dann das Amt Oldenstadt die 
Arbeiten auf jenem Huge], nachdem inzwiscben schon gegen 30—40 
Gerippe zu Tage gefordert waren, einstweilen sistiert und den Con- 
servator des Provinzial-Museums in Hannover, Dr. Miiller, von dem 
Funde benacbricbtigt. Dieser war auch sofort bereit gewesen, die 
weitere Prufung der Fundstatte selbst zu flbernehmen, und so fand 
denn gestern unter Leitung des Dr. Miiller und unter lebhafter 
Theilnahme einer Anzahl Altertbumsfreunde aus Uelzen und Ol- 
denstadt die systematische Aufdeckung des Leichenfeldes statt. 
Zunachst wurde durch Nacbgraben an verschiedenen Stellen des 

— theilweise durch offenbar kunstlicb gelegte Steino bezeichneten 

— Hugelrandes das Vorkommen von Leichen auf der ganzen Hugel- 
flache constatiert und dann der Umfang des Leichenfeldes zu 320 
Schritt ermittelt, in welchem Kreise jedenfalls weit uber 400 
Leichen sich befinden. Dann wurdcn mit besonderer Sorgfalt an 
verschiedenen Punkten des Kreises grofsere Flachen offen gel eg t, 
and ea fanden sich uberall in regelrechten Reihen, ziemlich dicht 
neben ein an der, in der stets gleichen Richtung von Osten nach We- 
sten, in der Tiefe von 4 — 5, stellenweise auch 7 Fufs moist sehr 



wohl erhaltene Gerippe. Die Messung ergab fast ausnahmslos 6 
Fufs Lange; die Schadel waren schon gewolbt und zum Theil 
wunderbar gut erbalten; ein besonders kraftig gewolbter Schadel 
wurde gefunden, in welchem auch nicht ein einziger Zahn fehlte, 
der aber an der Seite zwei offenbar von aufserer Gewalt herrub- 
rende schwere Verletzungen zeigte, die dessen Trager offenbar 
schon bei Lebzeiten empfangen baben mufste. An einer Stella 
lagen auch mehre Leichen unter einander, und zwar in derselben 
Richtung von Osten nach Westen. Bei jeder Leiche fand sich zu 
Fufsen ein Haufchen Kohle mit verbrannten Thierknochen vor, und 
war zum Theil die Holzkohle so wunderbar schon erhalten, dafs 
die Struktur des Holzes noch auf das deutlichste zu erkennen 
war. An sonstigen Gegenstanden wurden leider nur vier, aufser- 
dem stark verletzte, Stucke von zweischneidigen Bronze -Schwer- 
tern, ein roh bearbeiteter Granitstein und ein kolossaler Pferde- 
zabn aufgefunden. Wegen vorgeriickter Zeit murste die weitere 
Arbeit aufgegeben werden, und ist die Fortsetzung fur gelegenere 
Zeit aufgeschoben, da es augenblicklich der Ernte wegen so schon 
kaum moglich war, auch nur far den einen Tag gestern eine aus- 
reichende Zabl Arbeiter zu bekommen, uberdies die gewonne- 
nen Resultate zu einem sicberen Schufs auf die Zeit, aus der 
die Leicben stammen, geniigen. Dr. Miiller setzt diese bestimmt 
in die vorchristliehe Zeit, wie die zweifellos von Brandopfern 
herrtlbrenden Kohl enh auf en mit Thierknochen beweisen nnd in den 
Anfang der Bronze-Zeit, wie der Umstand zeigt, dafs, obwohl ein- 
zelne Bronzewaffen gefunden worden, diese doch noch nicht als 
Regel den Leichen mit in das Grab gegeben seien. Dr. Miiller 
erklart den Fund fur einen bdehst interessanten und das Bohlser 
Leichenfeld far das bislang grofste Leichenfeld aus vorchristlicher 
Zeit mit unverbrannten Leichen. Die Waffen, sowie eine Anzahl 
besonders gut erhaltener Gerippe, namentlich Schadel, sowie ein 
Quantum der Holzkohlen nebst Thierknochen hat Dr. Miiller fur 
das Provinzial-Mu8eum in Hannover mitgenommen. 

62) In der Sitzung der philosophisch-historischen Klasse der 
kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien vom 25. Juni 
legte Dr. Kenner den zweiten Theil seiner Untersuchung flber die 
romische Reicbsstrafse von Virunum nach Ovilaba und 
uber die Ausgrabungen von Windischgarsten vor; es wer- 
den darin die letzteren selbst gepruft. Sie betreffen zwei Tracte 
eines im Viereck erbauten Hauses ; die beiden anderen Tracte sind 
in Folge alterer Devastationen der Fundstelle verloren. Die erhal- 
tenen Theile lassen zwei gesonderte Badeanlagen (fur Manner und 
Frauen), ferner wahrscheinlich eine Schmiede und drei dazwischen 
vertheilte Gruppen von kleinen Wohnungen fur Leute unteren 
Standes erkennen: Jeder dieser einzelnen Theile hat einen beson- 
deren Zugang. Im Nordwesten sind ausgedehnte Wirthschaftsge- 
baude, Stallungen und Scheunen angebaut; mehrere Gerathe und 
zahlreiche Knochenreste zeigen den Aufenthalt einer grofseren 
Menge von Pferden und Saumthieren an. Das Gebaude kann nach 
seiner Eintbeilung kein Castell, und da es von Soldatenhanden, 
also auf offentliche Kosten erbaut wurde, keine Villa, sondern 
mufs ein Staatsgebaude gewesen sein. In Ernolatia, dem alten 
Windischgarsten, das, abgesehen von der hier nicht in Betracht 
kommenden strategischen Bedeutung, nur als Station der Reichs- 
post einige Wichtigkeit hatte, kann ein weitlaufig angelegtes of- 
fen tliches Gebaude auch nur mit dieser in Verbindung gebracht 
werden. Da es nun fttr eine blofse Mutatio zu grofs ist, mufs es 



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247 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



248 



als eine Nachtherbergestelle (manrio) betrachtet werden; es lafst 
rich daraus Anlage und Eintheilung der Raume sehr gut erklaren. 
Das Vorhandnnsein einer doppelten Culturschicht, sowie die Ver- 
schiedenheit des verwendeten Baumateriales und der Bauweise 
deuten auf zwei durch eine Zerstorung des Gebandes getrennte 
Bauperioden hin. Auch die datierbaren Fundobjecte (Munzen, Zie- 
gel, Gefafse, Metallgerathe) theilen sich durchaus in zwei Reihen 
verschiedenen Charakters, eine altere reichere aus verhaltnifsma- 
fsig guter Zeit und eine jungere armere, auf entschiedenen Ver- 
fall hindeutende. Nach den Merkmalen dieser Objekte, zumal der 
zahlreichen Fundmuuzen, lafst sich die erste Erbauung auf die 
Epoche des K. Alexander Sever us (222 — 235), die erste Zersto- 
rung auf den Einfall der Juthungen (zw. 269 und 271), eine zweite, 
gleichfalls nachweisbare Zerstorung auf den Beginn des V. Jahr- 
hunderts, am wahrscheinlichsten auf den Einfall germanischer 
Stamme unter Rhadagais (404) zuriickfuhren. Moglicherweise wurde 
die Herberge unter dem umsichtigen und thatkraftigen Feldherrn 
Generidus nach Abzug der Westgothen nothdiirftig noch einmal 
herge8tellt und durch ein kleines Bollwerk, von dem schwache 
Spuren vorhanden sind, geschutzt; in dieser Gestalt mag sie bis 
zum Abzuge der Homer aus Noricum bestanden haben. 

63) ImDorfeRetzney bei Ehrenhausen wird gegenwartig, wie 
„Wiener Blatter" melden, eine romischeVilla ausgegraben, wel- 
che vor 1600 Jahren hier gestanden. In der Lange von 50 Me- 
tern zeigten rich Mauerzuge in gerader und gebogener Linie, 
grdfaere und kleinere Gemacher, Wasserleitungen, Steinstufen, 
Bau-, Deck- und Warmeleitziegel, BruchstQcke von Thongefafsen 
und Glasern, Mosaikboden, insbesondere eine erhebliche Masse von 
Wandmalereien, welche durch ihr intensives Roth, Braun, Gelb, 
Blau, Grau, mit mancherlei Liniierungen , Bogen, Arabesken, leb- 
haft an die pompejanischen Fresco - Farbwande erinnern. Eine 
Rcihe dieser Wand- und Pilasterstiicke, Thongerathe (eines mit Na- 
men Firmianus), BronzeschlOsseln etc. und eine Mttnze des Kaisers 
Aurelianus (270 — 275 n. Ghr.), welche das Alter dieser Ruinen 
bestimmen hilft, sind im Antiken-Kabinete des Joanneums (1. Stock, 
Zimmer 1 und 2) zur allgemeinen Besichtigung aufgestellt. An- 
geregt von dem Interesse dieses seit Jahrzehnten wichtigsten an- 
tiken Baufundes im Umkreise der alten Romerstadt Flavium Sol- 
vense (Leibnitz), hat Graf Meran eine Summe fur den Ausgrabungs- 
fonds zur Verfugung gestellt und die k. k. Centralcommission in 
Wien mit Zusage eines Beitrages den Leiter der Ausgrabungsar- 
beiten, Professor Dr. Friedrich Pichler, aufgefordert, die Theil- 
nahme fur dieses baugeschichtliche Unternehmen im Lande zu er- 
wecken. 



64) Regensburg, 6. Juli. (Romische Inschrift) Die 
fortschreitenden Grundarbeiten am Garmeliten-Brauhaus schenkten 
uns zu dem fruher erhobenen Stucke der grofsen Thorinschrift der 
porta princ. d extra ein zweites, welches rich dem ersteren unmit- 
telbar vorlegt, und das Ganze lautet jetzt: 

.... FRATER . DIVI . HADRIANI . NEPOS . DIVI.TRAIANI.PR.. 

. . .TICVS.PONTIFEX.MAXIMVS.TRIB.POTESTATIS.XXXVI.I. . . 

. . ._ICVS . GERMANICVS . MAXIMVS . ANTONINI .IMP ... . 

MP . n.COS.II.VALLVM.CVM.PORTIS.ET.TVRRIBVS.EFa.. 

M. HELVIO . CLEMENTE. DEXTRIANO . LEG. AV. . . 

Daraus ergibt sich nun unzweifelhafb, dafs Kaiser Marc Aurel 
Antoninus , obgleich der erste Theil , der den Namen selbst ent- 
halten mufs, noch fehlt, Erbauer der Umwallung, der Thore and 
Thurme des hiesigen Romercastells ist, wahrend Marcus Helvios 
Clemens Dextrianus als Legat von Augsburg hier fungierte. Die 
Gesammtlange des bereits erhobenen Inschriitstiickes betragt 3'/i 
Meter. Es fehlt das Anfang- und Endstiick, die zusammen gleich- 
falls mind es tens zwei Meter messen diirften. Ob sie rich vorfin- 
den, lafst sich noch nicht bestimmen. Nach sorgfaltiger Beob- 
achtung konnen wir nunmehr als sicher constatieren , dafs der er- 
stere schonere Antoninische Thorbau bald mufste zerstort, jedoch 
von den Romern selbst auf Grundlage des ersten, und weit schlechter 
als jener, wieder hergestellt worden sein. Man verwendete auch 
die besseren constructiven Theile des friiheren Thores als einfache 
Bausteine ; das rettete sie uns. Der Mortel des zweiten Baues ist 
der mit ZiegclstQcken gemischte Kalk, das sicherste Kennzeichen 
romi8chen Ursprungs, wie sich zur Zeit jeder an Ort und Stelle 
uberzeugen kann. Von den constructiven Theilen fanden rich bis- 
her Sockel theile und ein Ecksockel fflr Saulenstellung (in ursprung- 
licher Lage und dem ersten Bau angehorig), 2 StQcke Saulenschaft 
mit Capital, ein 170 Centimeter langes, 130 Centimeter breites, 
44 Centimeter dickes Gesimsstiick. Nimmt man die umrahmte In- 
schriftflache hinzu, deren Stellung bei ihrer Ausdehnung kaum 
zweifelhaft sein kann, so lafst sich, mit Berucksichtigung der sich 
vorfindenden Grundmauern und unter Zuhulfenahme der flblichen 
Hauptform romischer Thore, aus diesen Elementen unschwer and 
annahernd sicher das altere Antoninische Thor construieren, wel- 
ches sehr wohl gebaut und reich geziert gewesen sein mufs. Lea- 
der fehlt es im Augenblick an disponiblen Mitteln zur Rettong 
dieser werthvollen historischen Documente, doch wird es hoffent- 
lich gelingen, die erforderliche kleine Summe von auf sen zu be- 
schaflen, da es der Stadt an einem Fonda fur den fraglichen Zweck 
gebricht. (Allg. Ztg., Beil. Nr. 190.) 



Bekanntmachong. 

Montag den 29. September d. J. findet die diesjahrige Sitzung des VerwaltangsaoflsohitMes statt, 
zn der alle zur Theilnahme Berechtigten hiemit freundlichst eingeladen werden. 

Nurnberg, 15. August 1873. Das Direktorium des gennanischeB Hweiw. 

Yerantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. E. Frommann. Dr. A. r. Eye. 
Verlag der literarisch- artistischen Anstalt des gennanischen Museuma in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. B. Bebald in Nurnberg. 



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Vftrabera;. Dm Abonnement dea Blat- 
taa, welobea aUe Monet* erecbeint, wird 
fanajahrig angenommen and betrftgt naob 
deraeaeetenPoatconTention bei alien Poet- 
amtern and Bacbbandlangen Deuisckland* 
tod. Oeeterreicba 8JL 86kr. im Mfl.-Fula 
odar 9 Tfalr. preufi. 

Far Frankreich abonnlart man In 
Parla bai der daataohen Buohhandlang yon 
F. Klinekaieok, Nr. 11 roe da Lille; for 



MZEIGER 



England bei Williama A Norgete, 14 Hen- 
rietta-Street Coyent - Garden in London; 
for Nord-Avteriha bei den Poaiimtern Bre- 
men and Hamburg. 

Alle for daa german. Maaeom be- 
etimmtan Sendungen auf dam Wage del 
Bochhandeli warden durob den Oommia- 
aionar der literar.-artiat. Anatalt dea Mn- 
aearaa, F.A. Brookhaaa inLeipaig.be- 
fordert. 



FDR KIDE DER 





Neue Folge. 



Zwanzigster Jahrgang. 



A9- 



ORGAN DES GERMAN IS( HEN MUSEUMS. 



^Vf'< 



1873a 



JW9. 



September. 



Wlssenschaftliche Mittbeilangeii. 



Arithnietische R&thsel. 

I. Die Berner Handschrift 299 (sec. IX. — X.) enthalt 
f. 29 a Tier in Distichen verfaffete Gedichte eines Acbrannus, 
deren Abschrift ich Hermann Hagen verdanke. Anch die im 
Folgenden versuchte Erklarung gehOrt grofsentheils dem- 
selben an. 

Yon diesen vier Gedichten geben je zwei die LOsung ei- 
ner arithmetischen Anfgabe, ohne dafs diese Aufgabe selbst 
naher bezeichnet ware; ans der Vergleicbung aber der beige- 
Betzten Figuren mit dem Inhalt der Verse lafst sicb dieselbe 
reconstruieren. Sie lautete fur das erste Problem etwa so: 

1. Anf die Tier Seiten eines Vierecks sind 36 Mann so 
rertheilt, dafs anf jede Seite 9 Personen kommen. Also, neh- 
men wir an, auf einem viereckigen Lagerwalle sollten 36 Mann 
Schildwache stehen, so dafs je neun anf jeder Seite den Dienst 
verrichten ; der patrouillierende Offizier kOnne aber immer nor 
eine Seite uberblicken; das wollten sich nan einige der Sol- 
daten za Natze macben and sich, ohne von dem Offizier ver- 
mifst za werden, hin and wieder der Wache entziehen. Der 
Offizier mufs dann anf jeder Seite neun Mann erblicken ; diese 
aber mttssen eine solche Stellung einnehmen, dafs in der That 
alle yier Seiten znsammengerechnet nicht 36, sondern nur 24 
Mann ergeben , 12 also sich dem Dienst anbemerkt and anbe- 
Btraft entziehen. Wie das nan za machen, das gibt das erste 
Gedicht an, indem es rath, anf den beiden Langseiten des 
langlichen Vierecks je noun Mann in drei Hanfen so aufzu- 
8tellen, dafs die beiden ftufsersten sich an den Ecken befinden 



and, wenn es noth that, mit den in der Mitte der beiden 
karzen Seiten aufgestellten drei Mann zur Neunzahl sich ver- 
binden kbnnen. Das dritte Gedicht gibt das Ganze kUrzer 
und deutet in seinem ersten Verse (Vers 41) durch die Zahl 
3 X 12 etwas von der Aufgabe an. 

2. Aehnlich, aber etwas complicierter, ist die zweite Auf- 
gabe. Vorausgesetzt wird hier das Resultat der ersten, dafs 
namlich 24 Mann im Viereck so aufgestellt sind, dafs jede 
Seite neun Mann aufweist, in Haufen von je dreien. Nur soil 
jetzt auf den beiden Langseiten jede der drei Dreiergrup- 
pen noch durch einen einzelnen Mann von der andern ge- 
trennt sein, also die Zahl von 24 auf 28 Mann wachsen. Die 
Aufgabe besteht nun darin, diese 28 Mann so aufzustellen, 
dafs auf jede Seite wieder neun kommen. Verbindet man zu- 
nachst diese Einer mit den Eckdreiern zu Vierergruppen, so 
ergeben sich elf Mann fur jede Seite , indem eine Gruppe von 
drei Mann je von zwei Gruppen zu vieren eingeschlossen ist 
Das ist aber noch nicht das Gewunschte, welches sich erst 
dann ergibt, wenn diese Vierergruppen je zwei an die mitt- 
leren Dreiergruppen abliefern, so dafs nun an den Ecken Grup- 
pen von zweien, in der Mitte je Gruppen von funfen stehen: 
dann zahlt wirklich jede Seite neun. L6st man nun die drei 
Gruppen von 2, 5, 2 wieder in Dreiergruppen auf, so ergeben 
sich vier zu viel , ohne dafs die Neunzahl der einzelnen Seiten 
vermindert wird. Das vierte Gedicht bespricht nochmals die 
Zahlenverhaltnisse dieses Gedichts in, wo mdglich, noch dunk- 
lerem Ausdruck als die vorausgehenden Distichen. Diese Dun- 
kelheit besteht zunachst in dem vom klassischen abweichenden 



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Anzeiger far Eunde der deutschen Vorzeit. 



252 



Oebraach der ZahlwOrter and in dem Wechsei der Ausdrflcke 
far dieselben: die Dreizahl wird dnrch tres, tria, triplus, 
triplum, trigonus, ternas aasgediilckt; bis and dao, ter and 
tres werden in ganz gleicher Bedeutung gebraacht; „dao tres" 
in Vers 8 ist gerade so viel, wie „bis trigonos" in Vers 7; — 
ferner darin, dafs Acbrannas, was fttr die gegenttberliegenden 
Seiten des Vierecks gilt, nicht einmal, sondern gegen Erwar- 
ten des Lesers for jede Seite besonders aaseinandersetzt. 

VERSVS ACBRHANNI DE LVDO TABVLARVM SECVNDVM 
NVMERVM 

Ladis qui piano tabolis de stipite sectis, 
Hoc, docet Acbrannas, disce locare modo. 

EXPLICIT PRAEFATIO . INCIPIT DE PRIMO LVDO 
Primo tres impone loco totidemqne ra m in 

secundo 
Et sede tripla sterne cabare tria, 
5 Ordine quo subtus distinctim linea rorsos 
Altera disponat tres habitare triplos. 
Inter bis trigonos dextra considere ternos, 
Laeua inter dao tres stare iabeto tria. 
Ter tripla sumrao imo dextra laeaaqae recense, 
10 Angalas in qaadro finis eritque caput. 

Ter singillatim qaadruplex dat linea ternos, 
Bis fingit duplex fronsque latusque 

nouem. ra ra 

Inter bis triplices trigonatus pollulat 

onus, ftf HI 

Ter geminas geminos. Hinc aidet inde triplos. 
15 Dorso qaaeqae sao simplam fert linea ternum, 
Sammo ipsias atro dapla sedentque tria. 

VERSVS DE SECVNDO LVDO m i in i m 
Tres inter primos onom mediosque 

repone, 
Extremis unum sic mediisque loca. 
Alter et ordo triom, sparsim qui subiacet infra, 
20 Simplam bis capiat, ceu tolit ordo prior. 

Vnus qoi qoater appositas sabterqae ra ra 

saperqae ni 

Climata per statoat quattuor esse 

nouem. 
Ad se ex bis binis rapiat quisque angalas anam 
Et mediis nameri pondere maior erit. 
25 Binos coiqae aafer, daplo ferat angolas anam, 
Cuiqae duos medio post qaater adde n ran 

triplo. 
In medio quadra congestat mox 
regola quinos, 



m m ni 
xnlj Ira 

M ill Hi 



nil |m 

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111 Ul III 



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m — in — h 



Initio primos fine duosque parit. 

Stringe latus quadrum, ternas ibi collige sedes: 
30 Fronte qaadro nouies inueniesque n v 

quater. 

Semita producat confestim prima 
nouenos 

Totque secunda geret, tercia quarta nouem. 

Quinque cubant lateram tergo sedile quaterno, 

Calce et principio tot residentque duo. 
35 Bis quinos inter duplex consurgit ab ram 

uno, 

Inter bis duplos aspice quinque semel. 

Hoc ita conexum ludi dispere columbar, 

Quarto ut primum ter tramite iunge triplos. 

Extemplo remouenda foras duo bina supersunt, 
40 At uia parturiet quadruplicata nouem. 

VERSVS DE NVMERO PRIMI LVDI. 

Tres primo occurrunt duo deni pergere ludo, 

Sectim bis terni quattuor esse probant. 

Primus bis seno uultu par ludit adesse, 

Bis duo denum se conuocat unus ibi. 

VERSVS DE NVMERO SECVNDI LVDL 
45 Septenos quater introrsum iocus implicat alter: 

Hinc pede septeno forma quadrata labat. 

Est quater et decies inibi par nomine primus, 

Vnus bis decies bis pateatque quater. 

Structi bis gemina ludis ex parte quadrata 
50 Vndique perfectos inseruere nouem. 

Septem nimirum latere ex utroque quaterni 

Sic peperere pares ludificando nouem. 

Versifico passu ludum memorare docentis 
Acbranni mente uoceque uale. 

II. Volksthttmlicher, jedenfalls nocb heute beliebt, ist das 
Erratben einer von einem Anderen gedacbten Zabl oder eines 
Wocbentages. Ich gebe drei Anweisungen im Folgenden, die 
den Tegemseer Codex der consolatio des Boetius (Monac. lat 
nr. 18765, Teg. 765), von derselben Hand wie die letztere 
gescbrieben, erOffnen. 

Assumatur numerus quislibet ac triplicetur, triplicates 
diuidatur in duos partes, et si ambe aequales extiterint, qaa- 
lem uolueris, absque ulla differentia iterum triplicabis. Qnod 
si inaequales fuerint, quae maior est triplicetur, quotiesqne 
in ea .Villi, inueniri possint, consideretur. Quia qaoties 
.Villi, habuerit, toties duo sumendi sunt. Si autem usque ad 



PRAEF.] PF Die erste Figur steht unverdndert dreimal hin- 
ter einander. 7 dextris Hds. ; dextra Hagen. 8 Leuno Hd$. ; Laeua 
Hagen. 13 pullat in fullat ver&ndert Hds. ; pullulat Hagen. 18 Ex- 
tremus Hds.; Extremis Peiper. 



38 quarto] Hagen will quadro | triplo Hds., triplos Hagen, 
42 esse] sese vermuthet Hagen. 43 fur conuocat toiU Hagen con- 
probat. 45 intorsum Hds. ; in dorsum Hagen ; introrsum Peip#< 
51 Septem xnirum Hds*; septeni mirum Hagen; septem nimiron 
Peiper. 54 menteque uoceque Hds.; das erste que tUgt Hag*i 
vielleicht ist besser das moeite zu tilgen. 



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Anzeiger far Eunde der deutschen Yorzeit. 



254 



.VIUI. non peruenerit, senario numero summa concluditor, de 
quo onus Bomendas est . ot oerbi gratia, si onom fuerit mente 
conceptum et triplicatum, tres efficiuntur. Qui diuisi in duos 
et onom resoluontor, doo nero, quae hoius dioisionis maiorem 
obtinent portionem, iterum triplicati .VI. tan turn efficiunt nee 
remanet aliquid . unum ergo fait, qaod primis mente conce- 
ptum est Item si dao faerint animo concepti, cam triplican- 
tur, .VI. fiunt. VI diuisi in tres et tres resoluontor, tres aero 
triplicati. Villi tantom efficiunt nee superest aliquid. Duo 
igitur fuerunt, qui prius mente conprehensi sunt. Ideo scien- 
dum est, quod in hac suppotatione onitas, quae est inparitatis 
exordium, senarium procreat et binarios, qui est paritatis prin- 
cipium, nouenarium generat. Ac propter hoc quoties nouem 
conceptor numeri se habere respondent, toties duo a diuinante 
colligcndi sunt, et si supra Villi aliquid soperesse responde- 
nt, VI esse non dubium est, de quibos onitas, quae ipsos ge- 
nerare solet, sumenda est. [II] Adsumatur nomerus quis 
libet ac triplicetur, triplicatus diuidator in duas partes 
et tunc ille, qui numerum mente concepit, interrogetor si ipsius 
numeri sit aequa diuisio. quod si pares ambas esse partes re- 
spondent, nihil somator. Si autera inpares esse dixerit, unum 
sumat in hac prima dioisione ad memoriam diuinantis. atque 
iterum una pars diuisionis, quando ambae aequales fuerint abs- 
que differentia, triplicetur. Si uero inpares fuerint, maior 
pars triplicanda est atque diuidenda sicut saperios in duas 
partes. Iteromqoe interrogandum , si aequalis aut inaequalis 
sit facta diuisio. Et si aequalis quidem facta est, nihil so- 
mendom est. Si aotem inaequalis, duo sumendi sunt in secunda 
diuisione et in medietate diuisionis, si aequalis fuit absque ulla 
partium differentia, quot nouenarii contineantur interrogandum. 
Qaod si inaequalis fuit in maiori parte quaerendom est, quia 
quot nouenarii in ea inoeniontur, tot quaternos diuinator su- 
mere debet. Ut oerbi gratia si VI foerint mente concepti, 
cam triplicati fuerint, X et VIII faciunt XVIII diuisi in Villi 
et Villi partiuntur. et quia aequalis est diuisio nihil ibi su- 
mendum est Villi. Iterum quae est medietas huius diuisio- 
nis . triplicati faciunt XXVII . XXVII . et soprascr. pr. m. 
diuisi in XIII (lm) et XIIII resoloontur. et quia ista est se- 
cunda diuisio et inaequa, duo sumendi sunt turn in maiori 
parte ipsius diuisionis, hoc est in XIIII, Quaerendum est, quo- 
ties Villi possint inueniri, in XIIII semel Villi sunt, de his 
Villi. ITU a diuinante colligendi sunt, qui duobus, qui in se- 
cunda diuisione collecti sunt, adiuncti VI faciunt: senarius 
ergo numerus primis mente conprehensus est et hoc in hac 
ratione notandum est. Quod si ambae diuisiones paritati re- 
sponderint, nihil ex eis sumendum est. Si uero prima inpar 
foerit, unus sumendus est, si secunda, duo sumendi sunt. Noue- 
narins uero quaternarii significationem continet, quod ideo in 
hac supputatione aliter quam superiori accidere uidetur. Quia 
haec bis triplicatur et bis diuiditur, ilia uero bis triplicatur et 
semel diuiditur. Quapropter in hac nooenarius quaternarium, 
in ilia uero binarium significat [III] quo modo diuinan- 



dum sit, qua feria septimanae qoislibet homo rem 
quamlibet fecisset quemcomqoe numerum cuius libet feriae 
nomen continentem animo conceperit, primo debet dopiicare. 
Deinde illi numero duplicato V. adiungere ipsamque summam, 
quae de his collecta est, quinquies multiplicare. deinde totum de- 
cies ducere. Posthaec ex toto cctos lta tollere et hoc, quod re- 
manet, pro feriae numero tenere. at oerbi gratia si de prima fe- 
ria ratio habeator, onom doplicetur: fiunt .II., his V adiungan- 
tur : fiunt VII., qui VII quinquies multiplicati fiunt XXXV. Qui 
XXXV. decies ducti fiunt ecd. de quibus si ccl. tollantur, re- 
manent c, qui pro monade, id e6t uno, qui primam feriam signi- 
ficat, sumendi sunt Hoc quoque in ista supputatione seruandum 
est, ut semper eel de totius summae collectione auferantur, et 
quot centenarii remanserint, diligenter consideretur. quia sicut 
praedictum est, semel centeni primam feriam significant, 
bis centeni secundam, 
ter centeni tertiam, 
quater centeni quartam, 
quinquies centeni quintam, 
sexies centeni sextam, 
septies centeni septimam. 
Ein artiges Buchstabenrathsel mOge bier noch Platz fin- 
den, da Mone, der in seinen Forschongen es mitgetheilt, eine 
ganz verkehrte Ldsong gibt Es 6teht im Brusseler Waltha- 
rius-Godex, Fol. 91 u. von einer Hand des 12. Jahrhdts. 
Prima triangula sit 
tripedem praepone rotonde. 
et conuerte: scies quis sit 
mihi morbus et vnde. 
Darober steht von einer Hand, wie es scheint: 
Pone . primam . tripodam . Prepone rotunde: 
Et conuerte . scies . quis . sit . mihi . morbus . et . under 
Me miserum . quod . amo . sum . tanquam . pissis . in amo : 
Deprensus . nee amor . me . tamen . urit . amor. 
Die Ldsung ist nicbt AMO, wie Mone meint; denn amo 
umgedreht gibt ein sinnloses oma and beantwortet nicht die 
Fragen: „qois morbos et vnde". Der Witz iiegt darin, daft 
das onscheinbare et nicht Verbindong zwischen praepone and 
conuerte, sondern Object zu letzterem ist; es ergibt sich also: 
AMO TE. 

Breslau. Rudolf Peiper. 



Chr ismon. 

Ueber dieses Zeichen, welches dem Text der Urkunden 
vorangestellt zu werden pflegt, handelt Sickel: Die Urkunden 
der Karolinger I, 211 u. 295. Aber weder hier noch an an- 
dern Orten finde ich eine gentigende Erklarung des Namens, 
weicher doch durch die alten Urkundeniehren festgestellt ist. 
Alberich von Monte Cassino sagt (QueUen zur bayer. a. deut- 
schen Gesch. IX, 37): „Crismon autem huiusmodi conficit spe- 
ciem, at in hoc monogrammate Christi nomen appareat." We- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit 



256 



gen des Anklanges an diesen Namen hat man auch darin den 
Ursprong der Benennnng gesucht, welche sich doch so nicht 
erkl&ren lafst Die Form ist sehr verscbieden ; zuweilen, aber 
nur selten, die Ligator von X and P, das bekannte Mono- 
gramm fur Cbristus. Dieses Zeichen nun findet sicb auch, aber 
mit ganz anderer Bedeutung and Ableitang, bei Isidor I, 20. 
22, in der Beschreibung der kritiscben Zeichen, welche aas 
ftlteren QaeUen entnommen ist. Die Erklarung lautet: „Chre- 
simon. Haec sola ex voluntate nniuscuinsque ad aliquid notan- 
dum ponitur." Andere Handschriften geben nach der damali- 
gen Aussprache Grissimon. Dieses Zeichen nun findet sich in 
sehr alten Handschriften h&ufig am Rande, wo man in spaterer 
Zeit das Monogramm for Nota setzte; z. B. in dem Cod. 
Colon. 212, olim Darmstad. 2326, einer Canonensammlong 
saec. VII. Dieser Hindschrift aber sind noch zwei Blatter 
einer ftlteren Sammlang angebanden, vor welchen ein Inhalts- 
verzeichnifs steht, welches bei Maassen, Geschicbte der Quellen 
des kanonischen Rechts, S. 967 abgedrnckt ist Maassen hat 
aber nicht bemerkt, dafs am Anfang des Registers, und vor 
einem von ihm tibersehenen Nachtrag, genau dasselbe Zeichen 
steht, welches hier kanm eine andere Bedeutung haben kann, 
als dem Gebot Coloss. 3, 17 zu genflgen: „Omne quodcunque 
facitis in verbo ant in opere, omnia in nomine domini Jesu. a 
Hier sehen wir also den Uebergang vor Augen. Das Zeichen 
verlor seine ursprungliche Bedeutung und Anwendung die man 
bald gar nicht mehr kannte, and deren man nicht bedurfte, 
weil man dafQr das Zeichen von Nota hatte. Dagegen erhielt 
sich der nnverstandene Name mit geringer Verftnderung and 
warde auch aof andere Zeichen gleicher Bedeutung ubertragen, 
ohne alle Rucksicht daraaf, ob X and P darin enthalten waren, 
oder nicht. 

Heidelberg. W. Wattenbach. 



Terse gegen die Weiber. 

Da die Geistlichkeit gewOhnlich bei dem weiblichen Ge- 
schlechte am leichtesten Anhanglichkeit and Folgsamkeit findet, 
da in den Legenden viele Frauen and Jangfraaen verherrlicht, 
viele als heilig verehrt werden, da in dem Marienkult die Ver- 
ehrung der reinen Weiblichkeit auf die hOchste Spitze getrie- 
ben erscheint, so ist es aof den ersten Blick sehr aoffallend, 
in der geistlichen Poesie des Mittelalters fiberall die argsten 
Schmahungen gegen die Weiber zu finden. Erklarlich wird es 
jedoch durch die Verhaltnisse des wirklichen Lebens: von 
keiner anderen Seite sah die zum COlibat verpflichtete Geist- 
Hchkeit sich so fortwahrend, so onaosgesetzt and so gef&hrlich 
in ihrer Tugend bedroht, and war sie einmal der Versuchung 
erlegen, so traten begreiflicher Weise bei denen, welche ur- 
sprunglich das Opfer der Verfuhrung gewesen waren, bald und 
in immer zunehmender Weise unwillkommene Eigenschaften 
hervor. Wer nun dergleichen Erfahrungen gemacht hatte, 
ffthlte sich berufen, andere zu warnen. Zuweilen wird ein 



Yorbehalt in Betreff tugendhafter Frauen gemacht; im aflge- 
meinen gilt als selbstverst&ndlich, dafs von diesen nicht die 
Rede ist 

Da auch diese Poesie far die Kalturgeschichte des Mittel- 
alters nicht ohne Bedeutung ist, geben wir ein solches Pro- 
duct aus dem Cod. lat. Mon. 19488 aus Tegernsee, saec. XII; 
es findet sich auch in der Sterzinger Handschrift, aus welcher 
Zingerle in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie LIT, 
312 den Anfang mitgetheilt hat In unserer Handschrift hei&t 
es auf S. 136: 

Femina formosa, scelus et pestis viciosa, 

Oscula fert ore, transfigit corda dolore. 

Femina fraudatrix, mors et virosa cicatrix, 

Ambulat in portis, propinat pocula mortis. 
5 Femina lasciva semper dat verba nociva, 

Verba dat impura, labefactat corpora plura. 

Femina fraudatrix, fraus mortis, noctis amatrix, 

Gestu letatur, dum mente malum meditator. 

Femina nugatrix et amatoris iugulatrix, 
10 Verbula dat blanda, seducit corde nefanda. 

Femina subtilis, incasti (incesti?) morte virilis, 

Yincit robustam, fallit pietate coruscum. 

Femina virosa, petulans et luxuriosa, 

Decipit attactu, verbo pervertit et acta. 
15 Femina bellatrix, castorum ludificatrix, 

Incitat ardorem, simulat dum cordis amorem. 

Femina fraus legis et contumelia regis, 

Mendax sermone verbosior atque Platone. 

Femina potatrix et garrula concionatrix, 
20 Numquam desistit, iusto pro posse resistit: 

Dat labiis pacem, mortem fert mente rapacem. 

Femina mens vana, pallens ceu turgida rana, 

Viscera vulpina gestat, simul ora lapina. 

Femina res vilis, torbatrix, promptaque bilis, 
25 Exercet litem, transfigit cuspide mitem. 

Femina palpatrix, fraus mortis, nox adulatrix, 

Pungit ceu spina, fit magnaque sepe ruina. 

Femina frons dura, vivens anime sine cura, 

Sic est secura, veluti sit non moritura. 
30 Femina versuta, mentis subcelat acuta: 

Omnibus ignota vult ut sua sint mala \pta. 

Femina mens dira, mortem propinat in ira: 

Propinat mortem, deicit sepissime fortem. 

Forma puellarum deceptrix est animarum: 
35 Ut fervens febris, sic aspectus mulieris. 

Femineum crimen, oris prorumpere limen, 

Lingua desistat, hoc puncto pennaque sistat. 

Nicht minder derbe Spruche folgen etwas spftter, doch 
gegen das Ende mit einem Gegengewicht durch den Hinweis 
auf die Jungfrau Maria: 

Femina vile forum, res publica, fallere nata, 

Sternit nocte thorum donis quasi vix superata. 



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257 



Anzeiger fiir Kunde der deutechen Vorzeit. 



258 



Femineos mores sapiens fugiat et amores. 

Femina temptavit superare viros: superavit 
5 Femineos astus sensit primo protoplastus. 

Femioa *) marti : sic ars se protulit arti. 

Femina Samsonem vicit, vicit Salomonem. 

Femina prostravit nos, femina (sancta) levavit 

Femina peccavit, qnod femina sancta piavit 
10 Femina carnalis, sic femina spirituals. 

Est pia femina res bona, res sacra, res preciosa: 

Impia femina res mala, res fera, (res) vitiosa. 

Ob diese Spruche ursprunglich so zusammgehOren, bleibe 
dahingestellt; sie sind nor sebr lose an einander gereibt. 
Sebr grimmig ist der Verfasser der folgenden Verse, welcbe 
sicb auch in der Londoner Handschrift Harl. 3222 befinden, 
wie ich im Anz. XIV, 4 mitgetheilt, wovon ich aber keine Ab- 
scbrift babe. 

Femina sordida, femina fetida, digna catenis; 

Gens male conscia, mobilis, impia, plena venenis. 

Horrida noctua, publica ianua, semita (trita), 

Igne rapacior, aspide sevior, est tota (tibi?) vita. 
5 Vipera pessima, fossa novissima, mota lacuna: 

Omnia suscipis, omnia decipis, omnibus una. 

miserabilis, insaciabilis, insaciata: 

Nil tibi credere, nil tibi mittere, disposui me. 

Credere qui tibi vult, mala sunt sibi multa parata: 
10 Nil tibi iam volo, nil tua (iam) colo, reddo tibi te. 

Kein Freund der Weiber, doch ein Verehrer der Jungfrau 
Maria, war der Cleriker Adam, dessen Ergufs S. 137 zu lesen 
ist, nacbdem schon auf der vorhergebenden Seite die Verse 
3 — 16 gescbrieben waren. Die vielen Abweicbungen sind cba- 
rakteristiscb fur die schwankende mundliche Ueberlieferung die- 
ser Scberze. Eine andere Abschrift findet sicb nach Betbmann 
in Pertz' Arcbiv XII, 341 in dem 1429 geschriebenen Cod. 
pal. 719 des Job. Volprecbt von Wimpfen. Der Scblufs lautet 
„misereris tt und mufs also etwas abweicbend sein, doch ver- 
muthlich auch an die Jungfrau Maria gerichtet. Ein Theil 
dieser Verse, mit andern gemischt, steht mit deutscher Ueber- 
setznng im Cod. germ. Mon. 379, der 1454 in Augsburg ge- 
scbrieben ist. 

Arbore sub quadam dictavit clericus Adam, 

Quomodo primus Adam peccavit in arbore quadam. 

Omnia vicit Adam: victus fuit arbore quadam 3 ). 

Femina serpenti mox credidit alta loquenti. 
5 Femina serpentis est fiscus (1. viscus) nos capientis 3 ). 

Femina te, David, et te, Salemon, superavit. 

Femina victorem fecit victum per amorem 4 ). 

*) I ars, was ich nicht verstehe. 

*) Die vorhergehende Abschrift beginnt mit dem Vers : Femina 
vicit Adam, victus fait arbore quadam. 

3 ) Statt dessen steht vorher: Femina deceptos sapientes reddit 
ineptos. 

4 ) Vorher: Femina victorem vicit motum per amorem. 



10 



15 



20 



25 



30 



35 



40 



Femina 

Femina 

Femina 

Femina, 

Femina 

Femina 

Femina 

Femina 

Femina 

Femina 

Femina 

Femina 

Femina 

Femina 

Femina, 

Femina 

Femina, 

Femina, 

Femina, 

Femina, 

Femina, 

Femina, 

Femina, 

Femina, 

Femina, 

Femina 

Femina, 

Femina, 

Femina, 

Femina, 

Femina 

Femina, 

Femina, 

Femina, 

Femina 

Femina 



deiecit te, Samson, et hoc tua fecit 
Loth vicit, Gencsys que quomodo dicit 5 ). 
dampnari Naboth facit et lapidari. 

tu Christi baptistae colla petisti. 
cuncta regit, iuvenum sibi colla subegit 6 ). 
corda senum necat inspirando venerium, 
prelatis adimit nomen probitatis. 
ditatur, cum prespiteris dominatur. 
multorum claustrum subigit monachorum. 
tunc gaudet, cum perficit omne quod audet. 
ditavit ac infernum (1. d. infernum, nee) saciavit. 
bella gerit, vix pacis federa querit. 
se nescit, quia femina nulla senescit. 
vel raro vel numquam credit avaro. 

multa licet promittas, \,nif amo" dicet. 
pro dote nummorum dicit: „amo te". 

donare cessa, cessabit amare. 

dum plorat, lacrimarum fraude laborat. 

mors iuvenum, portat sub melle venenum. 

multorum flammas extinguis amorum. 

te quare multi nequeunt sociare (1. saciare)? 

tu iuras, sed non periuria curas. 

nee curas, quod mortis iura figures. 

te pulcra superant sub pelle sepulcra. 

tu leporem facis aptum propter amorem. 
vir mutus loquentia signa secutus (sic), 

mutescit per te lupus, agna tumescit. 

te flante mox cera fit ex adamante. 

vir certe fit amando femina per te. 

pro questu quasi portus publicus es tu. 
venalis, portus tuus exicialis. 

nullus ita gladius nocet ut tua vita. 

Troia satis dat signa tuae pravitatis (1. probitatis). 

pro tristi cera mediata fuisti (sic). 
sola vale, quae nomen habes speciale, 
stella maris: sic virgo Maria vocaris. 



Im Nachtrage zu den in Nr. 8 mitgetheilten „SprichwOr- 
tern" sei hier zu der vorletzten Zeile auf Sp. 218 bemerkt, 
was mir noch w&hrend des Druckes jener Nummer entgegen- 
trat : dafs der Vers leicht durch Umsetzung des sibi berzustel- 
len ist, namlich : Inprudens vulpis est non prendens sibi mures, 
sowie ferner zu Sp. 219, dafs das auf Fol. 114 des Cod. lat 
Monac. 17142 angefangene „Vinea culta fuit, cultores premia 
querunt" vollst&ndig im Codex Udalrici sich findet, in Jaffa's 
Bibliotheca V, 460. 

Heidelberg. W. Wattenbach. 



8 ) Besser vorher : Femina Loht vicit, Genesis illud quoque dicit. 
tf ) Vorher: Femina corda regit iuvenum, quos ipsa subegit. 



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259 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



Sphraglstische Aphorismen. 

LXIX. 



auf den Pferdedecken abgebildet ist. Die Ansicht Lynker's*), 
dafs das Bild einen Ldwen — das Wappen der Landesherrn, 
der Landgrafen von Thttringen — darstellen soil, ist offenbar 
unrichtig, wie der erste Blick auf unsere ganz genane Zeich- 
nung erkennen l&fst. Die natttrlichste Erkl&rung dieses Siegel- 
bildes ist wol die, dafs der Kttnstler den Bitter andern ahn- 
lichen St&dtesiegeln entnommen nnd dagegen, aos poetischer 
Lizenz and allerdings gegen die Gewohnheit, statt des Wap- 
pens des Landesherrn den Wolf aus dem redenden Stadtwap- 
pen aufgenommen hat, wodurch dieses Siegel bis jetzt als Uni- 
com, oder doch jedenfalls als Curiosum erscheint 

LXX. 



Dieses Siegel der Stadt Wolfhagen aus dem 13. Jahrh. 
theilen wir hier nnter a. als Beispiel mit der bereits im Ein- 
gang nnserer spbragistischen Aphorismen*) erw&hnten St&dte- 
siegel, auf welchen ein Ritter zu Pferd erscheint, wie auf den 
Dynastensiegeln III. B. 3. unseres sphragistischen Systems, 
w&hrend die fraglichen St&dtesiegel unter die Bildsiegel II. B. 
gehOren. Das Siegel der Stadt Wolfhagen zeichnet sich aber 
vor den angefuhrten ubrigen fthnlichen St&dtesiegeln dadurch 
aus, dafs, w&hrend auf den letzteren das Wappen des betreffen- 

b. 



den Landesherrn erscheint, hier ein Theil des redenden Wappen- 
bildes der Stadt auf dem RQcksiegel (Fig. b) im Schild und 

•) Vgl. Anzeiger 1866, Nr. 7, Sp. 239. Von den dort ange- 
fahrten Stadtesiegeln ist das von Giefsen auf Taf. II, Fig. 5, a un- 
serer „Siegel der Pfalzgrafen von Tubingen", im Correspendenz- 
blatt 1863, Beilage zu Nr. 5, abgebildet; ebenso die beiden von 
Schwerin auf Taf. XIX, Fig. 48 u. 49 der „Meklenburgischen Stadte- 
siegel" von C. J. Milde (Lflbeck, 1857). Beizufiigen sind noch die 
Siegel von Gruneberg v. 1346 und von Voklabruck v. 1451 ; letz- 
teres mit den beiden Herzogen Albert und Rudolf von Oesterreich 



Auf diesem spitzovalen Siegel (II. B.) der Anna Schlossel- 

felder aus dem 15. Jahrh. mit dem Bilde Maria, Verkundigung 

und der Legende : „Sigillum prepositure : . . . anne. : schlossel- 

felderin : . . .", findet sich in der oberen Spitze eine plastische 

Darstellung natttrlicher Wolken, wie sie im Mittelalter bis- 

weilen, auf Siegeln aber hSchst selten vorkommt. AllerdiDgs 

a. wurde das ursprttngliche heraldische 

Pelzmuster**) in spaterer Zeit auch znr 

Darstellung natttrlicher Wolken in der 

Heraldik und Plastik verwendet, z. B. 

im Wappen der Donnersberg: im schwar- 

zen Felde ttber drei goldenen Bergen 

drei goldene Blitze aus weifs und blauen 

Wolken, wie hier in Figur a. abgebildet; 

(vgl. Sibmacher II, 44). 

Auf einem sftchsischen Geschtttzrohr v. J. 1523 im ger- 



zu Pferde und der ungewohnlichen Legende: „Sigillum quod. fe- 
cit . de . Feclepruckhe . Albert . pater, Rudolfus filius" (die letzteren 
vier Worte im Siegelfelde) ist abgebildet Taf. X bei E. Melly: 
Beitrage zur Siegelkunde des Mittelalters. Wien, 1846. 

*) Vergl. dessen Geschichte der Stadt Wolfhagen, Kassel, 1855; 

(6. Supplement der Zeitschrift des Vereins for hess. Geschichte etc) 

*•) Vgl. Nr. LXII der sphragist. Aphorismen im Anzeiger 1872, 

Nr. 10, Sp. 317—320, und unsere Monographie: „Daa heraldische 

Pelzwerk", als Manuscript gedruckt 1867. 



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361 



Anzeiger flir Kunde der deutschen Vorzeit. 



263 




maniscben Museum findet rich die Darstellangsweise yon Blitz 
and Donner, wie in dem Donnersbergischen Wappen, and auch 
hier 1st die Bedeutung des alten heraldischen Pelzmusters fftr 
Wolken selbstverst&ndlich. Auf alten Teppichen kommt dieses 
Motiv ziemlich hftufig war, tbeils unverkennbar for Wolken bei 
bildlichen Darstellungen, tbeils aber auch, namentlich als Bor- 
dore, von zweifelbafter Bedeutnng, aber docb wahrscbeinlicher 
ftr Pelz. 

b. Bei ganz oder theilweise redenden 

Wappen ist dieses Motiv leicbt erklar- 
lich, wie z. B. bei Wolkenstein: von 
r. and w. Wolken, oder im Wolken- 
schnitt, schrftgrechts getheilt (vgl. Sib- 
macher I, 26.); bei andern aber, wie 
z. B. beiKr&tzel, Fig. b., ist es immer- 
hin zweifelbaft, ob diese Theilnng als 
Pelz oder als Wolkenschnitt zu blaso- 
nieren sei*); in dnbio ist aber wol das Erstere die Regel, 
namentlich bei alien Wappen aus dem fruheren Mittelalter. 

Dafs der Schildrand des Fttrstenbergischen Wappens ur- 
sprfknglich von weifs und blanem Kflrsch**), sp&ter gewflhnlich 
als sog. heraldische Doppelwolken gezeichnet***) nnd blasoniert 
worden ist, that nichts zar Sache and ist nar Folge fehlerhaf- 
ter Aoffassong des ursprunglichen mittelalterlichen Motives. 

In der Publication der alten Zuricher Wappenrolle sehen 
wir das heraldische Pelzwerk 

a) nor zweimal in natflrlicher Form: Nr. 127 Bregenz, 
Hermelin and Kflrsch; Nr. 248 NN. drei Kflrsch -Fell- 
chen; dagegen haufig 

b) inderconventionellenheraldischenForm: Nr. 28 
Froburg, Nr. 29 Oettingen, Nr. 37 Fttrstenberg, Nr. 60 
Sulzberg (?), Nr. 91 Gatenberg, Nr. 109 Belsholz (?), 
Nr. 113 Wile (?), Nr.143 ROteln, Nr. 147 Blumenberg, 
Nr. 508 Schaaenstein, sowie bei Nr. 470, 532 and 556. 

Wenn Sibmacher I, 45 das erste and vierte Feld im Wap- 
pen der „Senas von Freadenberg aus Karndten" als blauen 
Balken mit 3 schwarzen Schilden blasoniert, so ist nach seiner 
Zeichnang za vermathen, dafs dieses Wappen ursprflnglichf) 



ein Schild von weirs and schwarzem Kflrsch mit einem blauen 
Querstreifen war. F.-K. 



*) Vgl. Nr. II der sphragist. Aphorismen im Anzeiger 1866' 

Nr. 8, Sp. 269. Die alteste Form spricht also auch bei diesem 

Wappen g egen die Annahme von „ Wolken" oder w Wolkenschnitt." 

**) Vgl. unsere heraldische Monographic „Zur Geschichte des 

fttrstenberg. Wappens", als Manuscript gedruckt 1860. 

***) Als natttrliche Wolken, mit mehr oder weniger unbestimm- 
ten Conturen, finden wir den fiirstenberg'schen Schildrand ab- 
gebildet in Ulrich's von Richenthal Chronik des Constanzer Con- 
ciliums (gedruckt 1483), in Sigm. Feyerabend's Turnierbuch (von 
1579) und in Mart. Schrot's Wappenbuch des h. Romischen Reichs 
(gedruckt bei Ad. Berk, 1581). 

f) Sollten Siegel mit diesem Wappen aus dem 18. oder 14. 
Jahrh. vorhanden sein, so wurden dieselben sicher hieruber Auf- 
echlufe geben. 



Orakelfragen und Wassersegen. 

Die vor Eorzem fflr die Bibliothek des geimanischen Ma- 
seams kftuflich erworbene, von Hrn. Professor Gengler in Nr. 6 
des Anzeigers, Sp. 153 ff. aasfflhrlich beschriebene Papierhand- 
schrift (Nr. 28909, 2°) aus der zweiten Halfte des 16. Jahrh. 
enthalt auf Bl. 201, von der gleichen Hand wie der ganze Ob- 
lige Band geschrieben, folgende Anweisung za Orakelfragen and 
einen Wassersegen. 

„Nota von Eelewten welichs ee sterb oder gestorben sey 
patet per alphabetam infra. Si par, so stirbt der Man, Si 
jmpar, die Fraw, vltimo zeuch alle 9 ab vncz 11 ) das es nicht 
mer 9 tragen mag. 

2. 13. 15. 16. 6. 4. 1. 21. 12. 22. 11. 19. 9. 

a. h. c. b. e. f. g. $. i. !. I. m. n. 

15. 20. 7. 5. 10. 14. 8. 17. 23. 3. 

o. p. q. r. f. t. n. j. n. 3. 

Nota w&r das Man oder weib vmb ain Erb kriegten, wil- 

du wissen wem das Erb beleibt So nym aber jr baider Tauf- 

nam vnd Raitt 1 ) yetwedern besonder nach dem Abe vnd we- 

lich zal dann ort*) ist, dem geschicht pruch 6 ). Sagend dann 

die nfim 3 ) geleich So nym jr baider zun£m 3 ) vnd tu aber das- 

selb, Sagent dann jr baider zun6m geleich So nym jr baider 

vaterTaufham vnd raitt 1 ) es aber nach dem Abe. Auf welich 

dann ort leit 4 ) dem geschicht pruch 5 ). W^r aber das zwen 

miteinander vmb wett Rennen wolten, wildu wissen wer vor 

Rennen werd So nym jr baider taufafim vnd raitt yetwedern 

besunder, als da die zal vindest in dem obgenanten Abe auf 

welhem dann ort leit dem geschicht pruch. 

Das ist nu der wasser Segen Als slecht vnd als gerecht 
als man jn ymer gehaben mag vnd damit man all wanden 
oder ander geprechen viechen oder lewten an all Erczt vnd 
an alles wee vnuerpunden wol gehaillen mag. Nym ain New- 
geschephts lautters wasser in ain Rains vas 6 ) vnd sprich also. 
Das wasser mus alswol gesegent sein als der heilig Jordan da 
Got selbe jnne getanfft ward, in dem nam des vaters, des 
Sans, des heiligen geists Amen, pater noster Aue maria | Also 
gesegen das wasser dreystund 7 ) nacheinander so ist es heilig 
vnd wol berait. Darnach gesegen die wunden oder den ge- 
prechen mit den drin hernachgeschriben segen vnd sprich also. 
Ich gesegen dich hewt die vnuermailigte 8 ) wanden mit den 
heiligen vnd gerechten karactern, das da dein sweren vnd dein 

*) rat<#n, rechnen, berechnen; Schmeller II 1 , Sp. 170f. *) ort, 
ungleich, ungrad (der Zahl nach); das. I 1 , Sp. 150. a ) nem, d. i. 
Namen, Namen ; gun&m, Zunamen ; das. I 1 , Sp. 1738. 4 ) leit, liegt. 
•) pruch, Abbruch, Nachtheil, Verlust; mir geschicht bruch, ich bin 
der verlierende Theil. Schmeller I 1 , Sp. 342. ■) vom, Gefafs; das. 
Sp. 766. T ) dreystund, dreimal; Schmeller III, 647. *) wiwer- 
tnailigt, unbefleckt, unbeschadigt, unverletzt. Schmeller, II 1 , Sp. 
1585. 



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263 Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 364 

swellen lassest, vnd dein n6ssen vnd dein fliessen lassest, vnd dorren vnd dein vntugent lassest Eb seien fliegen worm oder 

spynnen oder welherlay vnflat das sey das der wunden 
schad sey, das mllfs von disen worten tod sein die jch 
hie gesegent han, das ist war, in nomine patris et filij et 
spiritus sancti Amen. Du gebenedicter Jesu xpe (christe) 
in dem nam gots des waren Jhu xpi dein heilig wnnden 
die enswaren noch cnfaalten noch enflussen noch ensmekch- 
ten noch citroten (lies: eitroten), dageslug nie kain vn- 
gelukch zu also mus heat der wunden geschehen die jch 
hie gesegent han mit dem waren got vnd in sein nam 
das ist war Amen, in nomine patris et filij et spiritus 
sancti. Da gebenedicter Jhu crist die (din) heilig wnnden 
die hailten stet vnd vest vcnzt n ) an den grant, da geslug 
nie kain vnglukch zu Also muss heat vnd ymer der wnn- 
den geschehen die ich hie gesegent hab mit dem waren 
got das ist war Amen jn nomine patris et filij et spiritus 
sancti Also gesegen die wunden all tag zwir") oder des 
morgens vnd des abents alsofft du sprichst nach den vor- 
geschriben drein segen In nomine patris et filij et spiri- 
tus sancti So wirff des gesegenten wassers dreystnnd 7 ) 
in die wunden Ain lay mag wol in gots namen drey tag 
die wunden gesegenn vnd nicht mer." 

Dr. Frommann. 



9 ) mien, brennen ; vgl. Schm. IP, Sp. 340 ; oder sollte 
besser stiren, schwaren, zu lesen sein; 8. Schm. IP, Sp. 322 
u. vgl. unten: eitroten. 10 ) smekchen, schmecken, riechen; 
das. Ill, 464. ") tmc*f, tins, bis; Schm. P, Sp. 118. u ) *wr, 
zweimal ; Schm. IV, 307 f. 



Ein Seidenstoff des 15. Jahrhnnderts im germ* 
nischen Museum. 

Dem grofsen Formenkrcise, welcher sich in den 
Geweben ausspricht, die auf Grundlage der Muster ara- 
bischer Industrie im Abendlande ausgefuhrt warden, ge- 
hort auch das Gewebe an, dessen Muster nebenstehend 
in 1 /3 wirklicher Grdfee abgebildet ist. Die Spruchbander 
beweisen durch ihre Gestalt, dafs das Gewebe den spa- 
teren Zeiten entstammt. Die scheinbar arabischen Schrift- 
zeichen haben keinen Sinn. Die Thiere, besonders die 
zwei verschiedenen Drachen, sind ebenso energisch in der 
Zeichnung als phantastisch. Die Grundfarbe des Ge- 
webes scheint ehemals ein kraftiges Roth gewesen za 
sein, das jedoch jetzt so verschossen ist, dafs das schmn- 
tzig gewordene and nachgedunkelte Gold der Zeichnung 
sich dunkel vom Grand abhebt, wahrend ehemals der 
Grund dunkel war und die Zeichnung, d. h. die Thiere, 
hell vortreten liefs. Das Gewebe soil aus Luneburg stam- 
men, wo der Kunstler, aus dessen Besitz es ins germani- 
sche Museum gekommen, es vor langeren Jahrzehnden 
erworben zu haben angibt. 

Nttrnberg. A. Essenwein. 



dein faullen, dein stiten 9 ) vnd smekchen 10 ) lassest, vnd dein (Mit einer Beilage.) 

Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. E 8ebald in Nttrnberg. 



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BEILAGE ZUM ANZEIGER FUR EUNDE DER DEUTSCHE^ VORZEIT. 

1873. Jtf 9. September. 



Chronik des germanischen Museums. 



N drub erg, den 15. September 1873. 

Die bevorstehende Jahresconferenz veranlafst einen Abschlufs 
in der Aufstellung and Einreihung der in den letzten Monaten 
neu hinzugekommenen Gegenstande, soweit eolche in die Abthei- 
lnngen treffen, die dem allgemeinen Besuche zuganglich Bind. 
Wenn schon nicht gerade Vieles in neuerer Zeit erworben werden 
konnte, so ist doch auch fur manches, wegen Mangels an Raum 
fruher Zuriickgestellte nunmehr durch neue Einrichtung Platz ge- 
funden worden. So hat die Abtheilung der Oefen und Ofen- 
kacheln eine neue Aufstellung erhalten, zugleich mit einer ein- 
fach kunstlerischen Ausstattung der Raume selbst, und sie ist nun- 
mehr eine unserer schonsten Abtheilungen, die drei kleine Sale 
fullt. Auch die Arnold'schen Bleireliefs gelangen nunmehr zur Auf- 
stellung. 

In einem neuen, reichgeschnitzten Schranke im gothischen Stil, 
welchen Heir Fabrikant Ammersdorfer, der ihn bei der Londoner 
Weltausstellung beniitzt hatte, dem Museum schenkte, ist die Samm- 
lung der Drechslerarbeiten vereinigt zu passender Aufstellung ge- 
langt. Ebenso sind bei der Gewehrsammlung die neuen Zugange 
eingereiht. 

Heir Oberst Kohler in Sprottau hat die von ihm vor meh- 
reren Jahren unter Eigenthumsvorbehalt im Museum aufgestellte 
mittelalterliche, hochst merkwtirdige Lothbuchse nunmehr als 
Geschenk iiberlassen. 

Auf Veranlassung der Generaldirektion der Wiener Weltaus- 
stellung hatte das Museum je ein Exemplar seiner verschiedenen 
Fublicationen dahin gesendet und ist nun dafar yon der Jury durch 
eine Medaille ausgezeichnet worden. 

Zu dem Verzeichnisse der Kunstfreunde und Kunstler, welche 
Kunstwerke zu Gunsten der Uebertragung des Augustinerklosters 
gespendet haben, sind jungst hinzugekommen : die Herren Ehr- 
hardt, Professor, in Dresden, Dr. E. Forster inMiinchen, Frey- 
tag, Professor, in Gotha, E. Gleim, Landschaftsmaler, in Miin- 
chen, Jager, Professor, in Niirnberg, Thiersch, Professor, in 
Monchen. 

Als ein freudiges Ereignifs darf das Museum auch den Besuch 
Sr. kais. Hoheit des Eronprinzen des deutschen Heiches in seiner 
Chronik nicht unerwahnt lassen. 

Durch den Tod des Vicedirektors des k. geh. Haus- und Staats- 
archivs in Stuttgart, Dr. Ed. Kausler, hat unser Gelehrtenaus- 
schufs einen neuen Yerlust erlitten. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Von Distriktsgemeinden : Bruck 15 fl. Greding 10 fl. 
Wflrzburg 10 fl. Zweibrucken 10 fl. 

Von Privaten: Berlin. Dr. Piper, Professor, 5fl. 15 kr. ; 
Dr. phil. Theod. Wagner 7 fl. Duisburg. Wagner, Gymnasiallehrer, 
1 fl. 45 kr. (zahlt schon seit 1871). Hamburg. Sigmund Heinrich- 
een, Bankdirektor , 3fl. 30 kr. Meersburg (Baden). Kreuz, grofsh. 
Domanenverwalter, 1 fl. ; A. Miiller, Seminaroberlehrer, 1 fl. Niirn- 



berg. Frau C. Burkhardt, Institutsvorsteherin, 3 fl. ; Fran Bertha 
Bosenfelder 2fl. Sesslach. Dr. Voltz, Notar, 1 fl. Sonne berg. Dr. 
jur. Ortloff, Rechtsanwalt, 1 fl. 10 kr. ; Saurhammer, Kaufmann, 1 fl. 
10 kr. 

Einroalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Von Privaten: Ansbach. Dr. Hanle, k. Advokat, 2fl. Wis* 
mar. Frege, Advokat, 8fl. 45 kr. 

Im Jahresberichte pro 1872 ist der Beitrag der Stadt Duis- 
burg, der mit 1 fl. 45 kr. aufgefiihrt ist, auf 8fl. 45 kr. zu berichti- 
gen; s. auch Beil. Nr. 2 des Anzeigers, Jhg. 1872. 

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenk e zu: 

I. Fur die kunst- und kulturgesohiohtliohen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6949—6964.) 

Giessen. Dr. Buchner, Reallehrer: 2 Photographieen nach 
Ausgrabungen bei Giefsen. 2 eiserne Siegelstocke vom 18. Jhdt. 
— Hannover. Freifraulein von Uslar-Gleichen: Bronzeme- 
daille auf die Feier der silbernen Hochzeit des Konigs Georg von 
Hannover. — NSrnberg. Oberst von Gemming: Gipsabgufs 
einer Gemme mit hebraischer Inschrift. G eu d e r , Antiquar : Schach- 
tel mit Zinnhusaren aus der Zeit des siebenjahrigen Krieges. L u - 
tzelberger, Stadtbibliothekar : Prager Groschen vom 14. Jhdt. 
Dr. med. Zehler: Bayerischer und Brandenburger halber Gul- 
den von 1719 und 1733. Zopfl, Fabrikant: Gothisches Thur- 
schlors. — Oberbiirg bei Niirnberg. Freih. von Andrian: Eine 
mit Papiermosaik verzierte Schachtel, 18. Jhdt — St. Petersburg. 
Lemm: Grofse Bronzemedaille auf das 25jahr. Bestehen des Ale- 
xander-Lyceums zu Petersburg. — Stuttgart. Dr. med. Holder, 
Geh. Medicinalrath : Portrat des J. G. Scheicher, Oelgemalde von 
L. Strauch. — Wiesbaden. E. Zais: Photographic und Farben- 
druck nach einem Teppich mit Darstellung der Jungfrau von Or- 
leans im Museum daselbst. 

II. Fiir die Bibliothek. 

(Nr. 30,276—30,314.) 
Aarau. H. R. Sauerlander, Verlagsh.: Hebel, alemannische 
Gedichte, herausg. u. erlautert v. Gotzinger. 1873. 8. — Ansbach. 
S. Hanle, k. Advokat: Ders., Erinnerungen an die Hohenzollern in 
Ansbach. 1873. 4. — Berlin. H. Dannenberg, Stadtgerichtsrath : 
Ders., die Aachener u. Kolner Munzen der Hohenstaufen-Kaiser u. 
ihrer Gegner. 8. Sonderabz. Ders., Mittelaltermunzen von Hoorn. 
Unedirte Thaler. 8. Sonderabz. — Bremen. Archiv derfreien 
Hansestadt: Ehmck u. v. Bippen, Bremisches Urkundenbuch. 
Bnd. I, 7 u. n, 1. Lief. 1873. 4. — Brflnn. Histor.-statist. Sec- 
tion der mahr.-schles. Gesellschaft etc.: Dies., Schriften 
etc. ; XXI. Bnd. : d'Elvert, Geschichte der Musik in Mahren u. 
osterr. Sqhlesien. 1873. 8. — Col mar. C. Alexi, Conrector des 
kais. Gymnasiums : Ders. , der Tod des Herzogs Bernhard v. Wei- 
mar. 1873. 8. Sonderabdr. v. Cuny, k. Appellrath: Revue d* Al- 
sace; II. annee, juil.-sept. 1873. 8. — Dresden. K. sachs. Mini- 
sterium des Innern: Kalender u. statist. Jahrbuch auf d. J. 1874. 
8. — Durkheim a. d. H. Rektorat der k. b. latein. Schule: 
Dass., Jahresbericht, 1872—73. 4. — Erlangen. Ferd. Enke, Ver- 
lagsh. : Miiller, die venerischen Krankheiten im Alterthum. 1873. 
8. — Landshut. Histor. Verein f. Niederbayern: Ders., Ver- 
handlungen etc.; Bnd. XVII, 1. 1873. 8. — Leipzig. F. A. Brock- 
haus, Verlagshndl. : Wander, Sprichworter-Lexikon ; 45. Lief. 1873. 
8. Wilh. Violet, Verlagshndl: Freund, dreiTafeln der griech., 



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267 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



268 



rom. u. deutschen Literaturgeschichte ; Taf. III. 1873. — LQbeck. 
Gesammtausschufs des deutschen Sangerbundes: Ders., 
Protokoll fiber die 7. Sitzung. 1873.8. — Munch berg. Ludw.Zapf, 
Stadtschreiber : Ders., der Sagenkreis des Fichtelgebirges. 1873. 8. 

— Miinnerstadt K. Rektorat der Studienanstalt: Dass., Jah- 
re8bericht etc* 1872—73. 4. — Miinster. K. Akademie: Enck, de 
S. Adalhardo abbate Corbeiae antiquae et novae. 1873. 8. Theis- 
sing'sche Buchhandl. : Teipel, Wittekind, Bruno, Egbert. 1860. 8. 

— St Nikolaa8. Oudheidskundige Kring van het Land van 
Waas: Ders., Annalen; IV.Deel. 4. Avlev. 1873. 8. — N'drdlingen. 
C. H. Beck'sche Buchh.: Schulthefs, europaischer Geschichtskalen- 
der; 13. Jhg. 1872. 1873. 8. — Numbers. Friedr. Korn»sche 
Buchh. : Die Volksschule des XIX. Jahrh. in Biographieen ; 8. Lief. 
1873. 8. — Strassburg. Dr. Friedr. Wilh. Bergmann, Univers.- 
Professor: Ders., Strafsburger volksgesprache, in ihrer mundart 
vorgetragen. 1873. 8. — Stuttgart. J. G. Cotta'sche Buchh.: 
Riehl, culturgeschichtliche Novellen. 3. Aufl. 1864. 8. Steub, klei- 
nere Schriften; I. Band. 1873. 8. — Turin. Guido Cora: Cosmos 
etc.; vol. I, 3. 4. 1873. 8. — Ulm. Verein f. Kunst u. Alter- 
thum in Ulm und Oberschwaben: Ders., Verhandlungen ; 
neue Reihe, 5. Heft. 1873. 4. — Venedig. Deputazione Veneta 
sopra gli studi di storia patria: Fulin, Relazione della 
giunta etc. 1873. 8. — Weimar. B. F. Voigt, Verlagshandl. : Die be- 
aten und beliebtesten ZimmermannssprQche ; 6. Aufl. 8. — Wien. 
Wilh. Braum filler, k. k. Hof- u. Univers.-Buchhandler: Beer, 
Joseph II., Leopold II. und Kaunitz. Ihr Briefwechsel. 1873. 8. 



y. Vivenot, Quell en zur Geschichte der deutschen Kaiserpolitik 
Oesterreichs wahrend der franzos. Revolutionskriege ; I. Bnd. 1873. 
8. Spiefs, die frankisch-henneberg. Mundart. 1873. 8. A. Conze, 
Univers.-Professor : Ders., il ritorno di Ulisse. 1872. 8. Sonderabdr. 
Alfred Grenser: Pusikan, die Kaiserstein. 1873. 8. Franz 
Ritter von Hauslab, k. k. Feldzeugmeister : Ders., fiber die 
charakteristischen Eennzeichen der geschichtl. Entwickelungs-Ab- 
schnitte der Eriegertracht v. Beginn des 16. bis zu jenem des 19. 
Jahrh. 1864. 8. Sonderabdr. Schneider, Zusammenstellung u. In- 
halts-Angabe der artillerist. Schriften u. Werke in d. Bibliothek 
Sr. Exc. des Herrn Feldzeugmeisters Ritter v. Hauslab. 8. Schnei- 
der, die Handgranaten. 1864. 8. Sonderabdr. Schneider, der all- 
gemeine u. der Krieger-Aberglaube im 16., 17. u. 18. Jahrh. 1865. 
8. Sonderabdr. Schneider, fiber die Rolle einiger Thiergattungen 
in dem Kriegswesen der Vergangenheit. 1866. 8. Sonderabdr. 

IE. Fur das Archiv. 

(Nr. 4326—4327.) 
Gie886n. Dr. Buchner, Reallehrer : Lehenbrief Johann Georo, 
Kurfiirsten und Herzogs zu Sachsen, an August Hefsling, fiber das 
Gut Leinpach ohnweit Meifsen. 1654. Perg. — Sesslich. Salb, 
stud. jur. : Aufforderung Kaiser Leopold's I. an Bfirgermeister und 
Rath der Stadt Windsheim, zur Vertheidigung des Vaterlandes 
deutscher Nation die Werbung einer Anzahl Kriegsvolkes in ihrem 
Gebiete zu verstatten. 1677. rap. Orig. 



Chronik der historischen Vereine. 



Geschichte der Musik in Mahren u. Oesterr.-Schle- 
eien mit Rficksicht auf die allgemeine, bohmische und osterreichi- 
sche Musik - Geschichte. Von Christian Ritter d'Elvert. (Bildet 
auch den 5. Band seiner Be it rage zur Culturgeschichte Mahrens 
und Oesterr.-Schlesiens und den 21. Band der Schriften der 
hi s tor. Sektion.) Brunn, 1873. 8. VI, 258 u. 252 Stn. 

Eilfter Jahresbericht des Vereins ffir Geschichte der 
Deutschen in B ohm en. Fur das Vereinsjahr 1872 — 1873* 
(Vom 16. Mai 1872 bis 15. Mai 1873.) Prag 1873. 8. 

Heraldisch -genealogische Zeitschrift. Organ des 
heraldisch-genealogischen Vereines „Adler" in Wien. 
III. Jahrg. Nr. 7. 8. Wien, Juli. 1873. 4. 

Original -Prunkhelme und Schilde aus dem 15. Jahrhunderte. 
Besprochen von Friedrich Freiherrn Waldbott von Bassenheim. — 
Eleine Bemerkungen zur Wappenkunde. Von Ralph von Retberg- 
Wettbergen. — Ueber die personlichen Verhaltnisse und das Wap- 
pen des Freiherren Niklas von Jurischitz. Von Geza Cserghed 
de Nemes-Tacskand. — Zur heraldischen National - Charakteristik 
von Dr. C. 0. von Querfurth. — Die Aufnahme des Ffirsten Oc- 
tavio II. Piccolomini als Ehren- Prior in den militarischen Orden 
des heiligen Stefan zu Pisa am 14. Februar 1744. Nach lateini- 
schen und italienischen Urkunden aus dem Nachoder Schlofs- Ar- 
chive von Arnold Freiherrn von Weyhe-Eimke. — Eleine Mitthei- 
lungen aus den reiehsgraflichen Abensperg-Traun'schen Archiven 
von Friedrich Kern. — Ein Ortenburg'sches Siegel. — „DasWap- 
pen der Mendoza." Ein spanisches Schauspiel des 17. Jahrh. (Al- 
fred Grenser.) — Die mdglichen Beziehungen mancher alterer biir- 
gerlicher Wappen zu den Zunfbschilden stadt. Gewerks-Innungen. 

Der Kirchen-Schmuck. Blatter des christlichen 
Kunstvereines der DiozeseSeckau. 1873. IV. Jahrg. Nr. 8. 
Graz. 8. 



Die kirchlichen Neubauten Wien's. — Ueber das Pastorale der 
Bischofe und Aebte. Mitgetheilt von P. Ludwig Findeys. — Ein 
Wort fiber gothische Eelche. 

Verhandlungen des historischen Vereines fur Nie- 
derbayern. XVH. Band. 1. Heft. Landshut, 1873. 8. 

Der Natternberg. Mitg. von P. Bened. Braunmuller, 0. S. B. 
— Geschichte der Grafen von Roning-Rottenburg und Moosburg. 
Vom Beneficiaten Georg Heinrich. 

Organ fttr christliche Eunst, hrsg. und redigirt von J. 
van Endert in Coin. Organ des christlichen Eunstvereins 
fur Deutsch land. Nr.13*). 15. 16. — Eoln, 1. Juli 1873. XXni. 
Jahrg. 4. 

Diverse Alterthflmer aus den Eatakomben. — Die St. Marcus- 
Capelle in Altenburg. — Ueber die kirchliche Eunst zu Trier. — 
Fortsetzungen. 

Mittheilungen zur vaterlandischen Geschichte. 
Herausgeg. vom historischen Verein in St. Gallon. Neue 
Folge. 3. Heft. (Der ganzen Folge XHI.) Mit zwei Earten. 
St. Gallen, Huber & Comp. 1872. 8. 

Joachim von Watt als Geschichtschreiber. Von 
anfang, gelegenheit, regiment und handlung der weiterkannten 
frommen statt zu Sant Gallen. Hrsg. von dems. Verein. Mit einer 
Tafel. St. Gallen. Huber & Comp. 1873. 4. 

Publication de la Section historique de l'Institut 
Royal Grand-Ducal de Luxembourg. Annee 1872. XXVII 
(V). Luxembourg, V. Buck. 1873. 4. 

Angelegenheiten der Gesellschaft. — Table chronologique des 
chartes et diplomes relatifs a Thistoire de l'ancien pays de Luxem- 
bourg (8. decembre 1437 — 23. decembre 1439). Par M. Wurth- 



*) Nr. 14 1st ansgeblieben. 



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269 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



270 



Paquet. — Coup-d'oeil historique et analytique but lea confute et 
lea anciennea hoatilites entre Luxembourg et Treves, entre Luxem- 
bourg et Bar et entre Luxembourg et la Lorraine. Par M. J. Ul- 
veling. — Renaeignementa au eujet de la destruction de l'abbaye 
d'Altmunater, aur le plateau de ce nom. Par le meme. — Die drei- 
dammigen Romeratraaaen. Von H. Joh. Engling. — Deux chartea 
ineditea relatives a Marange. — Notice aur l'ancien couvent des 
freres mineurs a Luxembourg. Par P. Pruvost. — Das Obitua- 
rium der Abtei Echternach. Bevorwortet u. herauageg. von Prof. 
Dr. Peters. — Chartea Luxembourgeoiaea ineditea qui 8e trouvent 
aux archives de Coblence. — Melanges hiatoriques.. 

Annalea du cercle archeologique du Pays de Waaa. 
Tome quatrieme. Quatrieme Livraison. Juinl873. Sint-Nikolaas. 8. 

Yereinaangelegenheiten. — Nekrologe. — L'ancien abbaye des 
chanoinesees regulieres de POrdre de Saint Victor et de la Regie 
de Saint- Augustin, dit abbaye de la Trea-Sainte Vierge Marie de 
Roosenberg, a Waaamunater (avec planches), par le Dr. J. van 
Raemdonck. 

Verslag van het Verhandelde in de Algemeene 
Vergadering van het Provinciaal Utrochtsch Genoot- 
achap van Kunsten en Wetenschappen, gehouden den 
10. en 25. Juni 1872. Utrecht, Gebr. van der Post. 1872. 8. 

Aanteekeningen van het Yerhandelde in de Sectie- 
Yergaderingen van het Provinciaal Utrechtsch Genootschap 
etc ter gelegenheid van^de algemeene vergadering, gehouden 1871 
en 1872. Utrecht, C. van der Post jr. 1871. 8. 

De Vrij e Fries. Mengelingen, uitgegeven door het Fries ch 
Genootschap van Geschied-, Oudheid- en Taalkunde. 
Twaalfde Deel. Nieuwe Reeks. Zesde Deel. Derde Stuk. Leeu- 
warden, H. Kuipers, 1872. 8. 

De Angel- Saksen en hunne Oudste Munten (sceattas). Eene 
verhandeling van Mr. J. Dirks. Met platen. — De verdediging 
van Friesland in 1672. Eene voorlezing door M. Bloemberger Ez. 

FriescheOudheden. Afbeeldingen van merkwaardige voor- 
werpen van wetenschap en kunst, gevonden in de archieven, ker- 
ken, kasteelen, terpen enz. van Friesland. Namens het Friesch 
Genootschap etc. afgebeeld en historisch toeglicht. Derde afleve- 
ring. Leeuwarden, H. Kuipers. 1872. 2. 



Vier - en - veertigste Verslag der Handelingen van het 
Friesch Genootschap enz. over het jaar 1871 — 72. Leeuwarden. 8. 

Memoires de la Societe royale des Antiquaires du 
Nord. Nouvelle Serie. — 1872. Copenhague. 8. 

Recherches sur les restes du premier age de fer dans File de 
Bornholm. Par E. Vedel. Avec 15 planches. — Statuettes roxnai- 
nea et autres objets d'art du premier age de fer. Par C. Engel- 
hardt Avec 12 planches. 

Aarboger for Nordisk Oldkyndighed og Hietorie, 
udgivne af det Eongelige Nordiske Oldskrift-Selskab. 
1872. Andet, tredie og fjerde Hefte. Kjobenhavn. 8. 

Tillaeg til den aeldre Jernalders Begravelser paa Bornholm. 
Af Amtmand E. Yedel. — Runebjerget ved Veblungsnaes. Af B. 
E. Bendixen. — Veblungsnaes-Indskriften. Af Sophus Bugge. — 
Om Sprogformen i de saellandske Love. Af Yiggo Saby. — Lod- 
bossen fra Yedelspang. Et Bidrag til Haandskydevaabnenes Hi- 
storic i det 15de Aarhundrede. Af Artillerikapitain Otto Blom. 

— Det aeldste Eobenhavn. Af A. D. Jorgensen. — Bemaerknin- 
ger i Anledning af N. Nicolaysen : Noget om Skaalebygningen etc 
Af Hannibal Hoff. — Bidrag til Oplysning af Middelalderens Love 
og Samfundsforhold. Af A. D. Jorgensen. — Ruslands og det akan- 
dinaviske Nordens Bebyggalse og aeldste Eulturforhold. Bidrag 
til sammenlignende forhistorisk Archaeologie. Af J. J. A. Worsaae. 

1873. Forste Hefte. Bemaerkninger om den i Skotland fundne 
latinske Norges Kronike. Af Sophus Bugge. — Tre „barbarisk- 
classiske" Gemmer, fundne i Denmark. Af Prof. George Stephens. 

— Harald Hardrade i LimQorden. Af Kr. Erslev. — OmForhoI- 
det mellem den saellandske og den skanske Eirkelov. Af A. D. 
Jorgensen. — Den oldnordiske Bebyggelse af ArsukQorden. Af 
G. Fanoe. 

Beitrage zur Eunde Ehst-, Liv- und Kurlands, 
herau8gegeben von der Ehatlandiachen Literariachen Ge~ 
aellachaft durch Eduard Pabat Band I. Heft IV. Reval, 1873. 
Verlag von Lindfors' Erben. 8. 

Die alt-livlandischen Stadtetage. — Recefs des Stadtetagea zu 
Pernau, 1527. — Alter Schragen der Bruderschaft der Schmiede- 
gesellen zu Reval. Der rigischen Schmiedeknechte Schragen. — 
Die Russenschlacht bei Maholm im Jahre 1268. — Bericht uber 
die Gesellschaft far 1868—71. 



Nachrichten. 



Literatur. 

Neu erachienene Werke. 



21) Friedrich der Freidige, Markgraf von Meifsen, 
Landgraf von Thuringen, und die Wettiner sei- 
ner Zeit (1247 — 1325). Ein Beitrag zur Geschichte des 
deutschen Reiches und der wettinischen Lander. Von Dr. 
Franz X. Wegele, Professor der Geschichte zu Wflrz- 
burg. Nordlingen. Druck und Verlag der C. H. Beck'- 
schen Buchhandlung. 1870. VII, 466 Stn. Mit 2 genealo- 
gischen Tafeln. 

Die Aufgabe, welche sich der Verfasser in der vorliegenden 



Schrift gesetzt hat, ist: an einem einzelnen Beispiele die innerli- 
che Zahigkeit der Eampfe zu veranschaulichen , welche auf deut- 
schem Boden urn dynastische und territoriale Selbstandigkeit ge- 
fuhrt worden sind. Er sieht in denselben nichts Zufalliges und 
Willkurliches, sondern eine ursprungliche Richtung in den natio- 
nalen Anlagen, die jederzeit nor mit grofser Miihe durch den ent- 
gegenstehenden Grundsatz der Reichseinheit gemafsigt und be- 
schrankt werden konnte. 

Der Inhalt kniipft zunachst an den im Februar 1247 erfolgten 
Tod Heinrich Raspe's an, des letzten, ohne Hinterlassung mannli- 
cher Sprossen dahingeschiedenen Landgrafen von Thuringen und 
Gegenkaisers Friedrich's II. von Hohenstaufen. Es begann der 



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271 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



272 



lange Kampf zwischen den Erbansprechern, welche sich die reiche 
thuringische Verlassenschaft streitig machten. Erst am 27. Octo- 
ber 1261 brachte das Treffen von Besenstedt die Entscheidung. 

Der Markgraf Heinrich der Erlauchte von Meifsen behauptete 
die eigentliche Landgrafschaft Thuringen and die Pfalzgrafechaft 
Sachsen, wahrend die bisher mit Thuringen verbundenen hessi- 
schen Gegenden Heinrich dem Kinde, dem Sohne Heinrich's von 
Brabant und der Sophie, Nichte Heinrich Raspe's, als erbliches 
Stammland zufielen. 

Der Verfasser verweilt langere Zeit bei der Regierung des 
erstgenannten dieser Fiirsten, seinen FamilienverhaUtnissen und 
vor allem der Stellung zu seinen Sohnen. Er verdeutlicht uns die 
enge Verbindung des wettinischen Hauses mit dem Kdnige von Boh- 
men und die schwankende Zurflckhaltung, welche dasselbe in den 
Kampfen Kdnig Rudolfs gegen Ottokar einnahm. Er fiihrt uns auf 
diesem Wege in die verwirrenden und fur den Bestand des furst- 
lichen Hauses hochst bedenklichen Handel ein, welche durch das 
leichtfertige, verschwenderische und unwurdigeBenehmen Albrecht's, 
des altesten Sohnes Heinrich's des Erlauchten, noch bei Lebzeiten 
des Yaters veranlafst wurden und bei dem Tode desselben zum 
vollen Ausbruche kamen. 

Schon Kaiser Rudolf I. hatte die aufstrebende Macht der Wet- 
liner nicht ohne Mifstrauen betrachtet ; er beschrankte sich indes- 
sen wahrend seines einjahrigen Aufenthaltes in Erfurt darauf , im 
Norden seines Reiches, gerade wie im Soden, zunachst die unwi- 
derstreitbar kaiserlichen Gerechtsamen mit Festigkeit geltend zu 
machen, im iibrigen aber den Landfrieden krafbig zu schirmen. 
Als aber seit 1292 Kaiser Adolf den Thron bestiegen hatte, an- 
derten sich die Verhaltnisse. Dieser Fiirst, eifrig darauf bedacbt, 
seine geringe Hausmacht durch die Einziehung grofserer Reichs- 
lehen mdglichst zu vermehren, suchte die gewissenlose Fahrlassig- 
keit des Landgrafen Albrecht und die damit zusamraenhangenden, 
bestandigen Geldverlegenheiten desselben zu seinem Yortheile zu 
benutzen. Der letztere liefs sich herbei, in einem besonderen Ver- 
trage dem Kaiser Adolph die Landschaft Thuringen um die Summe 
von 12000 Mark Silbers kauflich zu iiberlassen. Mit diesem Er- 
eigni8se beginnt die eigentliche Wirksamkeit Friedreich's des Frei- 
digen. Er stellt sich der Ausfuhrung der von seinem Vater ein- 
gegangenen Abtretung des Landes aus alien Kraften entgegen 
und vertheidigt sein Recht selbst gegen den Kaiser, welcher an 
der Spitze eines Kriegsheeres in Thuringen eindringt, mit bewaff- 
neter Hand. Er unterliegt; die angekntlpften Unterhandlungen 
scheitern und Friedrich, der in keiner Weise seinen Anspruchen 
zu entsagen gedenkt, ist zur Flucht aus der Heimat gendthigt. 
Wahrend seines Aufenthalts in Karnten und Bohmen nimmt er 
an der von Albrecht von Habsburg gegen Kaiser Adolph geleite- 
ten Gegenbewegung eifrigen Antheil. 

Der Untergang dieses letzteren gestattete Friedrichen zwar, in 
seiner Heimat, und namentlich in Thuringen, wieder festeren Fufs 
zu fassen; aber in der Hoffnung, seine Ansprtlche durch Kaiser 
Albrecht unbedingt anerkannt zu sehen, tauschte er sich. Dieser 
Kaiser hatte zwar nicht noting, wie sein Yorganger, gewaltsam nach 
Yergrofserung seines Familiengutes zu jagen, aber den Grundsatz, 
die kaiserliche Gewalt zur Starkung seiner Hausmacht zu benutzen 
und beide in einander aufgehen zu lassen, beobachtete auch er. 
Er verfugte nicht bios uber Meifsen, das Osterland und das Plei- 
Xsener Gebiet als Lehen des Reiches zu Gunsten Boh mens, eondem 



hielt auch die von Landgraf Albrecht zugetandene Abtretung Thu- 
ringens an das Reich mit alien ihren rechtlichen Folgen aufrecht. 
Friedrich der Freidige bewahrte auch hier seinen hartnackigen 
Sinn und ordnete den Widerstand. Gleichwohl wurde der Sieg 
sehr zweifelhaft gewesen sein, wenn Kaiser Albrecht nicht auch 
auf andern Seiten in seiner Staatskunst empfindliche Ruckschlage 
erfahren hatte. Als seine Truppen unter dem Feldhauptmann Hein- 
rich von Nortenberg bei Lucka in der Nahe von Altenburg eine 
Niederlage erlitten, bereitete er einen neuen Feldzug vor ; aber an- 
derweitige Sorgen lenkten ihn auch diesmal wieder ab, und der 
schon in dem folgenden Jahre 1308 erfblgte Tod machte alien wei- 
teren Versuchen wider Thuringen ein Eude. 

Kaiser Heinrich VH. von Luxemburg befolgte eine von der sei- 
ner Yorganger ganzlich verschiedene Politik und betrachtete daher 
auch die meifsnisch-thuringische Frage aus einem andern Gesichts- 
punkte. Nach Beseitigung einiger Schwierigkeiten , denen nicht 
auszuweichen war, entschied er sie durch den Yertrag von Prag 
vom 18. Dezember 1310 zu Gunsten des wettinischen Hauses. Fried- 
rich der Freidige hatte durch zahe Ausdauer, aber auch durch Bei- 
seitesetzung aller Racksichten auf die allgemeinen Interessen des 
Reichs dieses Ziel erreicht. Seine dynastische Selbstsucht ver- 
wickelte ihn auch nach dem Prager Yertrage in neue Streitigkei- 
ten, welche seine bisherigen Errungenschaften in hohem Grade ge- 
fahrdeten. Seit 1320 verfiel er in ein unheilbares korperlicheft und 
geistiges Siechthum, welches ihn ndthigte, seiner Gemahlin die 
Regierung8ge8chafte zu uberlassen, und starb 1324. 

Dies der Inhalt des vorliegenden Buches. Es wird durch Yer- 
flechtung zahlreicher Bemerkungen uber die onentlichen Zustande, 
durch Aufhellung der treibenden Beweggrunde in den Fursten 
und Grofsen damaliger Zeit, sowie durch die klare Zeichnung ein- 
zelner Persdnlichkeiten ganz besonders lehrreich und anziehend. 
Dem Texte sind drei erlauternde Abhandlungen und siebenund- 
neunzig nach dem Original abgedruckte Urkunden beigegeben. 

A. F. 

22) Die amtlichen Ausgrabungen auf Sylt 1870, 1871 
und 1872. Yon Heinrich Handelmann, konigl. Conser- 
vator der vaterlandischen Alterthumer in Schleswig-Holstein. 
Kiel, Schwers'sche Buchhandlung. 1873. gr. 8. 39 Stn. 
Mit zwei Steindrucktafeln und drei Holzschnitten. 

Der Verfasser weist darauf hin, wie von den Grabraubereien 
der altesten Zeit, gegen welche schon die lex Salica mit der 
strengsten Strafbestimmung einschreiten mufste, bis zu den Schatz- 
grabereien fiber das Mittelalter hinaus und den Yerschleppungen 
forschender Dilettanten und miissiger Badegaste spaterer Zeit das 
Schicksal der zahlreichen Grabhugel der genannten Insel beschaffen 
gewesen sein mufs, die im Einblick auf die noch immer sich er- 
gebenden Funde urspriinglich die Bedeutung wahrer Schatzkam- 
mern beanspruchen durften. Um so anerkennenswerther ist, dafs 
in der letzten Stunde noch die preufsische Regierung sich der 
Sache angenommen und die systematische Durchforschung der noch 
erhaltenen Denkmaler in die Hande eines bewahrten Kenners 
gelegt hat. Mit verschiedenem Erfolg sind dreifsig Graber un- 
tersucht und die dariiber aufgenommenen Protokolle bilden den 
Inhalt der vorliegenden kleinen Schrifb. Die wichtigsten Fund- 
stucke in Abbildung beigefugt. Anmerkungen unter dem Texte 
ziehen Parallelen, oder eroffnen die nothigen wissenschaftlichen 



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373 



Anzeiger fur Eunde der deutschen Vorzeit. 



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Gesichtspunkte. Die nachgewiesene Mannigfaltigkeit inner halb ei- 
nes bestimmt nmgrenzten Kreises vorgeschichtlicher Todtenbestat- 
tnng ist als Hauptergebnifs des Unternehmens sowohl wie der Be- 
schreibung zu betrachten. v. E. 

23) Ge8chichte der Beichsstadt Nurnberg zur Zeit 
Kaiser Karl's IV. 1347—1376. Verfafst von Dr. Georg 
Wolfgang Karl Lochner, Stadt -Archivar zu Nurnberg. 
Berlin. Fr. Lobeck's Verlag. 1873. 8. 212 Stn. 

Die vorliegende Schrift erscheint zunachst als Bruchstuck einer 
nmfangreichen vollstandigen Geschichte der Stadt Nurnberg, welche 
der VerfasBer in Aussicht stellt, sodann in ihrer bestimmten Urn- 
grenznng auch als selbstandiges Werk, indem sie in dem Kampfe 
des stadtischen Btirgerthums gegen das Patriziat und anderen so- 
cialen Umwalzungen des 14. Jahrhunderts einen Gegenstand zur 
Sprache bringt, der nicht allein der Beichsstadt eigenthdmlich 
war, als charakteristisches Merkmal der Epoche aber, an welchem 
Orte immer betrachtet, belehrende Beflexe auf die Sache im All- 
gemeinen werfen mufs. Die Geschichte der Stadt Nurnberg bietet 
selbstverstandlich Anhaltspunkte , wie kaum eine zweite. Eine 
Darstellung der daselbat vorgekommenen Ereignisse auf Grand 
aus8chliefs)icher, sorgfaltiger Urkundenforschung r mufs einen Mafs- 
stab for die Behandlung der wichtigen Frage uberhaupt abgeben. 
Das aber ist der eigentliche Vorzug dieser wie bekanntlich aller 
Arbeiten des Verfassers, dafs er im Fortgange derselben Schritt 
▼or Schritt die Beglaubigung der von ihm gegebenen Thatsachen 
mit sich fiihrt und uberall nicht allein die grofste Gewissenhaftig- 
keit, sondern auch ein uniibertreff lichee Geschick in Benutzung ur- 
kundlicher Belege erweist. Mochte die vorgelegte Probe sich bald 
zum vollstandigen Werke erweitern 1 v. E. 

24) Der Ursprung der deutschen Stadtverfassung. 
Von AndreasHeusler. Weimar, Hermann Bohlau. 1 872. 
8. 252 Stn. 

Dafs nach Bearbeitung desselben Gegenstandes durch Autori- 
taten ersten Ranges, wie Eichhorn, Arnold, Nitzsch, von Maurer 
u. a., die Frage noch in Mitte eines brennenden Streite9 steht, ist 
ein Umstand, der die unausgesetzte Wiederaufnahme derselben 
rechtfertigt, um so mehr, wenn es, wie im vorliegenden Falle, in 
dem Sinne geschieht, den durch vielfach unberufene Einmischung 
entstandenen Tumult zu beschwichtigen und zunachst die klare 
Uebersicht wiederherzustellen. Der Verfasser hat, obwohl er in 
der Einleitung seine Aufgabe nur als vermittelnde hinstellen zu 
wollen scheint, seine bestimmte Ansicht fiber die verhandelte 
Sache und legt sie kurz und biindig dar; doch fflhrt die stete 
und allseitige Bezugnahme auf seine Vorganger ihn schon dahin 
die Ausschliefslichkeit seiner Theorie weniger zu betonen, als dies 
bis dahin Sitte gewesen, und neben dem Aufbau derselben dem 
Gedanken Baum zu lassen, dafs bei dem unzulanglichen Mafse 
des zur Verfugung stehenden Quellenmaterials bis jetzt die schlufs- 
gultige Entscheidung der Frage uberhaupt nicht moglich ist. Wir 
folgen seinen Auseinandersetzungen so mit dem wohlthatigen Ge- 
fuhle, dafs wir es noch mit der Forschung, nicht mit dem abge- 
schlossenen System zu thun haben. Seine Ansicht ist in Kurzem 
folgende. Weder die Immunitat, noch die Ottonischen Privilegien, 
weder das Burggrafenamt, noch die Standegliederung in den Stadten 
bildeten einzeln oder insgesammt den Ausgangspunkt der spateren 



Stadtverfassung ; sie waren vielmehr nur Vehikel, unter Begiin- 
stigung von Umstanden, welche dem Lande nicht zu statten kom- 
men konnten, den viel alteren und machtigeren Trieb zur Ent- 
faltung zu bringen, der in jener Form einst so bedeutungsvoll 
werden sollte. In Wahrheit erklart sich die deutsche Stadtver- 
fassung wie das Burgerthum nur aus der Anknupfung an die alte 
frankische Volksverfassung, insbesondere die freien Volksgerichts- 
genossenschaften. Der spatere Bath der Stadte setzte sich zusam- 
men aus den ursprQnglichen Gerichtsbeisitzern, welche bei steigen- 
der CoDsolidierung und Machtentfaltung der Stadtbewohner die 
Beichsbeamten verdrangen und die Gerichtsbarkeit sich aneignen, 
in ihrer eigenen Ueberhebung zum Patriziat aber den Unterschied 
der Stande verwischen, bis sie nach Auflehnung der letzteren gegen 
die Privilegien der Olygarchie einen Theil ihrer Obergewalt ab- 
geben und so im einfachen Biirgerstande die altgermanische Frei- 
heit und Gleichheit nach und nach herstellen helfen. v. E. 



Aufs&tze in Zcitschriften. 

Grenzboten: Nr. 25, S. 321. Die Malertechnik u. Kunstiibung 
. alter Meister. (Max Allihn.) 

Im neuen Beich: Nr. 33, S. 241. Guelfen u. Ghibellinen; eine 
Mobilmachung in Florenz. Die Schlacht bei Montaparti, 1260. 
(0. Hartwig.) — Nr. 36, S. 364. Das Kaufhaus in Strafsburg 
u. der Transithandel des Elsafses in fruherer Zeit. — Nr. 37, 
S. 395. Das Weltbuch Sebastian Franck's. (J. Lowenberg.) 

Frank. Kurier: Nr. 460 ff. Das Nurnberger Findel- und Wai- 
senhaus. (Lotter.) 

Augsb. Postzeitung: Beil. Nr. 56. Balde's Noviziat in Lands- 
berg. (Pred. Westermayer von Tolz.) 

Niirnb. Presse: Nr. 230. Der Fiirstbischof Konrad III. zuWttrz- 
burg. — Nr. 232. Zur Geschichte der Cholera. 

Sonntagsblatt: Nr. 31. Die Halloren. (B. Wellnau.) 

Wochenblatt d. Joh.-Ord.-Balley Brdbg. : Nr.35. Gernrode. 
(Oskar Schwebel.) — Nr. 36. Das Testament WitzlaflTs II. von 
Bugen. — Mythologisches aus der Mark Brandenburg. 2. Die 
Biesen. — Zur Geschichte der Blindeninstitute. 

Zeitschrift f. bildende Kunst: Hft. 11, S. 321. Streifzuge im 
EUafs. Von Alfr. Woltmann. V. Der deutsche Correggio 
(Mathias GrOnewald). 

All gem. Zeitung: Beil. Nr. 235. Ausstellung von Gemalden al- 
terer Meister aus Wiener Privatbesitz. (Alfr. Woltmann.) — 
Nr. 248 f. Ueber den sogen. Nymphenburger Tractat. (Dr. K. 
Th. Heigel.) 



Yermischte Nachrichten. 

65) Von Oppenheim a. Bh. aus ergeht ein Aufruf „an alle 
Deutsche in der Heimat und im Auslande" zur Sammlung und Ein- 
sendung von Beitragen fttr die vollstandige Ausbauung der dor- 
tigen Katharinenkirche. Dieser Spitzbogenbau entstand in 
den Jahren 1262 bis 1317 und wurde unter Melac im Jahre 1689 
zerstort. Den Anstrengungen der Bevolkerung und Unterstiitzung 
der grofsherzoglichen Begierung ist es noch nicht gelungen, die- 
ses erhabene Gotteshaus, ein w religi6s-nationales Baudenkmal deut- 
schen Wissens, Wollens und Konnens", in seinem alten Glanze 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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wiederherzustellen. Unter landesherrlichem Schutz hat rich des- 
halb ein Verein gebildet, welcher neben der Unterstutzung vom 
Staate auch durch Sammlung freiwilliger Gaben seinen Plan aus- 
zufuhren gedenkt, die Kirche, welche namentlich im westlichen 
Chor eine reine Ruine ist and deren Mittel- und Seitenschiff eines 
neuen Daches, deren ostlicher Chor der grundlichsten Wiederher- 
stelluog nnd deren Pfarrthurm eines ganzlichen Umbaues bedarf, 
vollstandig auszubauen. (Deutsche Kunstztg., Nr. 27.) 

66) Der verstorbene Bischof von Hildesheim besafs eine 
8ehr zahlreiche Sammlung von Oelgemalden, Antiquita- 
ten aller Art, ferner einige Manuscripte und eine Anzahl von 
Incunabeln. Die uberwiegende Anzahl der Gemalde hat nur ge- 
ringen Werth; es befinden sich darunter aber auch einige seltene 
Kun8twerke, besonders einige Niederlander und ein echter Fiesole. 
Das Domkapitel, dem die Ausfdhrung des Testaments ubertragen 
ist, wflnscht womdglich diese ganze Hinterlassenschaft an einen 
Kaufer zu veraufsern, soil indessen auch bereit sein, gewisse leicht 
sich ausscheidende Gruppen von Gemalden zu verkaufen, und wurde 
auch auf den Fiesole allein Gebote annnehmen. 

(111. Ztg., Nr. 1575.) 

67) Die Gesellschaft der Kflnste und Wissenschaften zu Ut- 
recht macht neben andern Preisfragen folgende historische 
wiederholt bekannt : Versuch einer Geschichte der religiosen Bru- 
derschaften in den Niederlanden bis zum 16. Jahrh., mit Angabe 
der noch bestehenden Anstalten, welche daraus hervorgegangen 
sind ; historische Untersuchungen fiber den Handel der Niederlande, 
vom Tode Karl's des Grofsen bis zum Ende der Kreuzzuge. Die 
Beantwortungen dieser Fragen sind gegen den 30. November 1874 
einzusenden. 

68) Die Wiener Weltausstellung hatte den Wunsch nahe 
gelegt, bei den innigen Beziehungen, in welchen die heutige Kunst- 
industrie zu den Denkmalern der Vorzeit steht, eine moglichst reich- 
haltige Ausstellung zu veranstalten, in welcher die Schatze der 
Vorzeit dem Publikum zugleich neben denen der Neuzeit vor Au- 
gen gefuhrt wiirden. Leider hat die Generaldirektion der Aus- 
stellung sich nicht bewegen laasen, die Sache von einem grofsen, 
wissenschaftlichen Standpunkte aus aufzufassen und der Ausstellung 
eine systematische Einheit zu geben. Es blieb also dem Zufall 
uberlassen, was eben sich finden wurde. Eine Anstrengung des 
deutschen Reiches, wenigstens fur Deutschland eine systematische 
Ausstellung zu Stande zu bringen, wurde gleichfalls durch Zaudern 
der Generaldirektion vereitelt. Nichtsdestoweniger ist uberrachend 
viel Seltenes und Lehrreiches nach Wien gelangt, und wenn 
auch nur Weniges fur den Laien ubersichtlich sich darstellt, so 
findet doch der Forscher unendlich viel Material zu Studien. Wie 
wenige unserer Alterthumsfreunde haben z. B. den angeblichen 
„Schatz des Athanarich," die zu Petrosa gefundenen Goldgefafse 
aus der Zeit der Volkerwanderung, je nur in Abbildung gesehen. 
Die rumanische Abtheilung der Ausstellung bringt ihn im Original 
zur Anschauung und macht dessen Studium und Prfifung moglich. 
Die Schweiz, Danemark und Ungarn geben ein ubersichtliches 
Bild der Funde aus vorhistorischer und romischer Zeit, die in je- 
nen Landern gemacht warden, wobei besonders Ungarn hochst 
znerkwiirdige Gegenstande, sowohl klassischen als barbarischen Ur- 
eprunges, zeigt. Auch die Sachen aus der burgundischen Zeit in 
der Schweizer Ausstellung interessieren in hohem Grade als Gegen- 
stQck zu den alemannischen und frankischen die in Schwaben und 



am Rhein sich finden. Leider hat Danemark sich auf die 8teinxeit 
beschrankt, die auch in der italienischen Abtheilung ihre Vertre- 
tung gefunden hat. Auch die anthropologische Gesellschaft in 
Wien hat eine entsprechende Collectivausstellung gebracht. 

Das Mittelalter ist nur in der osterreichischen und ungari- 
echen Abtheilung entsprechend vertreten; einiges Interessante bie- 
tet auch die spanische. Die osterreichischen und die ungarischen 
Kirchenschatze sind ziemlich vollstandig ausgestellt; das National- 
museum zu Pesth und Privatsammler haben Vieles gesendet Dor 
Schatz des deutschen Ordens und der der osterreichischen Abthei- 
lung eingefugte alte Welfenschatz enthalten viel Kostbares. Die 
Periode der Renaissance ist durch die Schatze des Barons Anselm 
von Rothschild, sowie vieler Privatsammler dargestellt. Auch der 
Herzog von Nassau und Kdnig Georg von Hannover haben in die 
osterreichische Abtheilung Schones geliefert. Ebenso findet sich 
aus Spanien, der Schweiz und Ungarn viel Bemerkenswerthes. 
Doch kann naturlich nicht erwartet werden, dafs Alles was fur 
die Kultur jener Zeiten wichtig ist, auch nur durch wenige Bei- 
spiele vertreten ware. Der Mangel an Systematik macht sich eben- 
sosehr hinsichtlich der Wahl der Objekte, als der Anordnung der 
Ausstellung bemerklich. Nur einige Munzfreunde haben gesucbt, 
in der osterreichischen und ungarischen Abtheilung wenigstens ein- 
zelne lehrreiche Serien zusammenzustellen. 

Haben wir hier auch nur die Eunstgewerbe der Vergangenheit, 
so ist in einer andern Abtheilung, derjenigen far die Geschichte der 
Erfinduugen und der Gewerbe, reiches Material fur die Entwick- 
lung der ubrigen Industriezweige, vorzugsweise im 18. und Beginn 
des 19. Jahrh., gegeben. 

m Leider ist der grofse Eindruck der Weltaustellung nicht ge- 
eignet, zum Studium besonders zu ermuntern, wenn man die Ge- 
genstande auch in gar keiner, nur annahernd systematischen Weise 
geordnet findet, wenn man sie vielmehr in alien Theilen des wei- 
ten Raumes zerstreut suchen mufs, und wir furchten, dafs deshalb 
far die kunst- und kulturgeschichtliche Forschung die Anregung 
umsomehr verloren geht, als gewifs niemand wird behaupten kon- 
nen, dafs er nur Alles gesehen und gefunden habe, was fur ihn 
von Interesse ist. E. 

69) Im ersten Stockwerke des k. k. osterr. Museums far Kunst 
und Industrie ist auf die Dauer von einigen Wochen eine Aus- 
stellung alterer Gemalde aus Wiener Privatbesitz veranstaltet, die 
gewiasermafsen eine Erganzung der archaologischen Abtheilung der 
Weltausstellung bildet, weil dort Gemalde grundsatzlich ausge- 
schlossen waren. Es sind im Ganzen 206 Nummern von 80 Be- 
sitzern ausgestellt und so uber 100 Kfinstler, vornehmlich der ita- 
lienischen, epamschen, niederlandischen und verschiedener deut- 
schen Schulen, trefflich vertreten. Eine systematische Aufstellung 
konnte aus aufseren Grunden nicht stattfinden, da es unmoglicb 
gewesen ware, in den zufallig zu Gebote etehenden Raumen jedes 
Bild so zu hangen, dafs es die richtige Beleuchtung und passende 
Umgebung bekommen hatte. Dagegen verdient die Sorgfalt, mit 
welcher der Katalog verfafst wurde, sowohl hinsichtlich der Prufung 
der Meisternamen und der Angaben iiber die Meister, als auch 
in Betreff der Geschichte und Literatur der einzelnen Gemalde 
alle Anerkennung. Was die Benennung der nicht durch Mono- 
gramme und Urkunden nachgewiesenen Bilder betriflt, so wurde 
im Allgemeinen diejenige beibehalten, welche die Besitzer ihnen 
gegeben hatten, wenn nicht mit Sicherheit ein anderer Nachweis 



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Anzeiger fur Eunde der deutschen Yorzeit. 



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gefuhrt werden konnte. Wo die Angaben der Besitzer zu sehr von 
der Wahrscheinlichkeit abwichen, and mit ihnen ein Uebereinkom- 
men nicht getroffen werden konnte, wnrde lieber aaf die Ausstel- 
lang solcher offenbar falach bezeichneter Werke verzichtet. 

70) Zugleich mit der Weltausstellung iat in Wien eine Aus- 
stellung veranstaltet worden, welche die Geschichte dieser Stadt 
zu vertreten bestimmt ist, wenn auch vorlaufig bios voriiber- 
gehend. Es iat jedoch die Aussicht gewonnen, im neaen Rathhause, 
das soeben in Bau begriffen ist, einige Sale dafiir zu verwenden 
and dort die Oegenstande in ganz ahnlicher Weise dauernd auf- 
zustellen, um fremden Besuchern wie Einheimischen ein treues 
Bild der Entwicklung Wiens zu geben. Diese Ausstellung ist in 
einer Weise gedacht, dafs nur zu wunschen ware, eine jede 
8tadt, welche eine Geschichte hinter sich hat, mochte solche in 
gleicher Weise veranschaulichen. Nachdem die geognostischen Ver- 
haltnisse als Grundlage der ganzen Darstellung vorgefahrt sind, er- 
Bcheinen zwei Rekonstruktionsversuche der romischen Stadt Wien 
von Kenner und von Hauslab. Eenner grOndet seine Hypothesen 
aaf die Funde und deren Stellen ; Hauslab versucht an der Hand 
der Theorie auf Grund des Terrains, der noch in den spateren 
Planen sichtbaren Eintheilung der Grundstiicke, sowie in Verbin- 
dung mit jenen Funden, die fur den Fundort charakteristisch sind, 
sein Resultat zu erhalten. Eine Entscheidung zwischen beiden Re- 
sultaten so bewahrter Manner diirfte schwer fallen, und selbst 
fur eine Meinungsaufserung genugt oberflachliche Betrachtung 
nicht. Daran schliefsen sich in Original oder getreuen Copieen alle 
Plane der Stadt von der altesten Zeit an, sowie alle bekannten 
Ansichten, die sich auf Gemalden, in Zeichnung, Stich und Holz- 
schnitt erhalten haben. Eine weitere Abtheiiung enthalt die ver- 
schiedenen Ansichten der hauptsachlichsten Strafsen und Platze, 
wie solche in friiherer Zeit ausgesehen, die verschiedenen hervor- 
ragenden Gebaude, Garten u. 8. w., die zum grofsen Theil heute 
nicht mehr stehen, oder eine andere Gestalt bekommen haben. 
Eine Abtheiiung enthalt die Trachten, Uniformen u. s. w. der 
Wiener Burger, des Burgermilitars, sowie besonderer Stande. 

Eine Reihe von Bildern fohrt uns dann die Geschichte Wiens 
in Freud und Leid vor; eine andere bringt Portrate von Wiener 
Personlichkeiten bis auf die jiingst verstorbenen. An diese Bilder 
schliefsen sich an : Wiener Munzen und Siegel ; die Zunftladen, Po- 
kale, Meistertafeln und sonstige Denkmaler der Zflnfte ; Urkunden 
und Manuscripte, welche sich auf die Stadtgeschichte beziehen; 
Richtschwerter und sonstige Denkmaler der Justiz. 

Wie aus Vorstehendem ersichtlich, bedarf es zur Zusammen- 
stellung eines solchen Bildes der Geschichte einer Stadt keiner 
gerade grofsen Summen ; es erfordert nurFleifs und Hingabe Ein- 
zelner. Wien gehort freilich nicht zu den begiinstigtsten Stadten 
— welche allgemeine kulturgeschichtliche Bedeutung miifste eine 
solche Sammlung fur die Geschichte Niirnbergs haben! — und 
es ist manches Stock bereits sehr selten geworden, so dafs nur 
eben die Hingebung und der Bienenfleifs des Reg.-Rathes A. v. Ca- 
mesina, dem die Literatur die treue Wiedergabe schon so manches 
TJnicums und selten gewordenen Blattes dankt , und der Eifer des 
stadt. Archivars K. Weifs eine relativ so vollstandige , im Plane 
so musterhafte Ausstellung und damit die Grundlage zu einem 
echt stadtischen Museum schaffen konnte* 

71) Der in Wien vom 1. — 4. September tagende kunstwissen- 
sehaftliche Congrefs hat eine ziemliche Reihe von Fragen erortert 



und theilweise durch Resolutionen praktisch gemacht, die das Pra- 
sidium den Regierungen mit der Bitte um Beriicksichtigung iiber- 
geben soil. Als solche sei besonders die Art und Weise derKata- 
logisierung der Gemaldegallerien genannt, sowie die Nothwendigkeit, 
der Conservierung der Gemalde die entsprechende Aufmerksamkeit 
zu schenken und die Restauration auf wissenschaftlicher Grundlage 
durch gewissenhafte Restaurateure zu besorgen, zu deren Heran- 
bildung Restaurationsschulen zu errichten seien. Wenn auch in 
jeder der genannten Beziehungen anerkennenswerthe Thatsachen 
aus einzelnen Landern und Stadten angefuhrt werden konnten, so 
wurde doch constatiert, dafs diesen drei Punkten noch im All- 
gemeinen an sehr vielen Orten nicht geniigende Aufmerksamkeit 
geschenkt werde. 

Ein weiterer Gegenstand der Verhandlungen betraf den 
kunstwissenschaftlichen Unterricht an Mittelschulen , durch den 
allein der Sinn fur die Kunst und deren Geschichte in das Volk, 
speciell in die gebildeten Kreise, eingefuhrt werden konne. Man 
erkannte, dafs neue Lehrstudien und neue Disciplinen unmoglich 
mehr eingefuhrt werden konnen, empfahl aber beim Geschichta- 
unterrichte, wie auf alle Zweige der Kulturgeschichte, auch auf 
Kunstgeschichte Rucksicht zu nehmen, wie sich diese ja auch mit 
dem Vortrage der alteren und neueren Klassiker verbinde. Es 
wurde empfohlen, zum Anschauungsunterricht einen Apparat, in 
Abgussen und Photographieen, sowie sonstigen Nachbildungen zu 
beschaffen, die theilweise auch als Vorlagen beim Zeichenunter- 
richt verwendet werden konnen. 

Eine weitere Frage betraf die Nachbildungen, speciell Gips- 
abgii88e, und wurde da der Wunsch laut, dafs die Abformung der- 
art systematisch betrieben werden moge, dafs man wohlgeordnete 
und dem Bediirfnisse der Wissenschaft vollstandig entsprechende 
Sammlungen, daneben aber auch solche, die fur Schulen als Vor- 
lagen, fur Gewerbetreibende u. s. w. dienen, daraus zusammenstel- 
len konne. Da es sich darum handelt, dafs viol sei tig die seither 
versagte Bewilligung zur Nachbildung der Original e durch die Be- 
sitzer gegeben, sowie, dafs solche Abgusse um geringere Preise 
hergestellt werden, als sie bis jetzt meist gezahlt werden mussen, 
so wurde auch hier darauf hingewiesen, dais die Regierungen diese 
Angelegenheit in die Hand nehmen mussen. Um aber auch bis 
dahin praktisch vorzugehen, und besonders allgemein bekannt zu 
machen, was bis jetzt schon geformt und zu haben sei, werden alle 
Museums vorstande , sowie alio fur die Sache sich Interessierenden 
gebeten, an das k. k. Museum far Kunst und Industrie in Wien 
Verzeichnisse der von den Museen selbst oder von den in ihrem 
Bereiche wohnenden Privatformern hergestellten Abgusse zu sen- 
den, das sie zusammenstellen und zum Abdrucke fur alle bringen 
wird. 

Zum Zwecke der Vervielfaltigung von Handzeichnungen und 
verwandten Kunstwerken wurde die Griindung einer Gesellschaft 
mit dem Namen „Albertina a beschlossen. 

Ebenso wurde der Beschlufs gefafst, ein kunstgeschichtliches 
Regestenwerk zu bearbeiten, und das Prasidium ermachtigt, auf 
den angenommenen Grundlagen die Bearbeitung zu veranlassen. 

Der nachste Congrefs soil 1875 in Berlin stattfinden.. 

72) Je mehr einerseits das allgemeine Interesse aller Gebildeten 
an den Denkmalern der Yorzeit steigt, je mehr sie gesucht und 
je theuerer sie deshalb gezahlt werden, um so mehr sind viele 
bewegliche unter ihnen der Gefahr ausgesetzt, aus Gewinnsucht 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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den Platz rauraen zu mussen. £9 war nichts Auffallendes, dafa 
alte Familien sich ihrer Schatze entledigten, urn dafdr zinsbringende 
Kapitalien zu erhalten ; bei mehreren mag es aus Noth, bei anderon 
aus Mangel an Kunstsinn oder Pietat geschehen sein. Man kann 
solche Eigenschaften nicht von jedem verlangen. Wenn man des- 
halb auch Familien, die ihre alten Traditionen und ihre ererbten 
Kunstscbatze hoch in Ehren halten, doppelt preist, so kann man 
doch 8 el ten anderen das Gegentheil zum direkten Vorwurf machen. 
Was soil man aber sagen, wenn Gegenstande aus offentlichem Be- 
sitze deshalb gefahrdet sind, weil sie nach und nach werthvoll 
geworden ? 

So lauft jetzt die Nachricht durch alle Zeitungen, dafs die 
Stadt Liineburg den kostbaren Silberschatz ihres Rathhauses 
verkaufen wolle. Das germanische Museum hat deshalb Veranlas- 
sung genommen, nachstehendes Schreiben an den dortigen Magistrat 
zu richten. 

Hochldblicher Magistrat! 

Wenn von deutschen Stadten die Rede war, auf die mit Stolz 
der Blick der Nation gerichtet sein konnte, weil sie die Denkmale 
der Vorzeit, das kostliche Erbe, welches die Vater den IJachkom- 
men hinterlassen haben, die Erinnerungen an alte Grofse und 
Glanz, an biirgerliche Macht und Wohlstand pietatvoll aufbewahr- 
ten ; wenn von Stadten die Rede war, auf die unsere Nation stolz 
sein kann, weil sie an Kunstschatzen mit manchen gepriesenen 
Stadten des Auslandes wet tei fern konnen, weil sie aber auch durch 
pietatvolle Erhaltung zeigen, dafs sie das Gliick zu wardigen wis- 
sen, solche Schatze zu besitzen, welche als nationale Denkmaler 
geistiges Gemeingut der ganzen deutschen Nation sind, so wurde 
in erster Linie Liineburg genannt, dessen stolze Kirchen, dessen 
machtige, ehrwurdige alte Biirgerhauser Zeugnifs von der Grofse 
vergangener Geschlechter geben. Es wurde Liineburg genannt, des- 
sen Rathhaus jenen bekanntcn Schatz von silbernen Prunkgefafsen 
aufbewahrt, der ein so glanzender Beweia des Kunstsinnes und 
der Kunstfertigkeit deutscher Vorzeit iat. 

Da lauft plotzlich durch die Zeitungen die jeden Patrioten er- 
echreckende Nachricht, dafs die Stadt jene alten Silbergefafse als ein 
„todtes Kapital" betrachtet und deshalb verkaufen wolle. 1st diese 
Nachricht wirklich wahr? 1st niemand in LOneburg, fur den die 
Erinnerung an die Vater, fiir den die Freude an veredelndem 
Kunstgenusse , fiir den der Ruhm der Stadt, das Gefuhl fiir die 
einstige Grofse und den Glanz deutscher Kultur ein zur Nach- 
eiferung reizendes, lebendiges, fruchtbringendcs Kapital ist? 1st 
jeder ideale Sinn geschwunden? Oder ist die Stadt finanziell be- 
reits derart ruiniert, dafs sie auf demselben Standpunkte steht, 
wie der arme Teufel, der das letzte theure Andenken des ver- 
storbenen Vaters, die Uhr, aus der Tasche verkaufen mufs? 

Im Namen aller patriotischen Kunstfreunde Deutschlands rich- 
ten wir die ergebenste Bitte an den hochloblichen Magistrat, dafiir 
sorgen zu wollen, dafs die Bargerschaft Liineburgs noch einmal 
jenen Schritt erwage, dafs sie in Betracht ziehe, was die offent- 
liche Meinung Deutschlands dazu sage! 



Sollte aber wirklich traurige finanzielle Lage der Stadt je- 
nen Schritt unabwendbar machen, so wolle mindestens die Ruck- 
sicht genommen werden, welche auch der rechtliche und gesetz- 
liche Eigenthiimer Dingen schuldet, an welchen die Nation ein 
geistiges Mitbesitzrecht hat. Es wolle dafur gesorgt werden, 
dafs sie nur einem offentlichen deutschen Institute zufallen, nicht 
aber in's Ausland oder auch an inlandische Handler verkauft wer- 
den, die zur Schande der Nation mit deren Denkmalern Schacher 
treiben und die Blicke des Auslandes auf die Sache lenken, das 
dann mit Fingern auf Deutschland weist, das seine Schatze nicht 
zu halten weifs. 

Sollte eine andere Anstalt nicht in der Lage sein, so bitten 
wir, mit dem germanischen Nationalrauseum in Verhandlung treten 
zu wollen, das vielleicht, wenn billige Forderungen gestellt wer- 
den, einen Weg nnden kann, diese Schatze Deutschland zu erhal- 
ten. Wir warden um genaues Verzeichnifs , sowie Preisforderung 
fur jedes einzelne Stuck, wenn moglich von Photographieen mit- 
Nummern begleitet, ersuchen und wiirden sodann den Versuch ma- 
chen, die nothigen Mittel zu beschaffen, in der Erwartung, dab 
die deutsche Nation den gleichen Patriotismus wie die deutschen 
Kunstfreunde habe, so dafs eine Geldverlegenheit der Stadt Liine- 
burg nicht dem deutschen Namen einen Makel anhefte. 
Hochachtungsvollst 
Das Direktorium des germanischen National museums. 
Niirnberg, 11. Sept. 1873. A. Essenwein. 



Der Magistrat der Stadt Liineburg hat das Schreiben in Ori- 
ginal zurockgesendet mit der Bemerkung, dafs es in einem Tone 
gehalten sei, in welchem Correspondenzen zu empfangen undVer- 
handlungen zu fahren er nicht gewohnt sei. 

Einer solchen Impietat gegeniiber wissen wir aber keinen an- 
dern Ton zu treffen, mussen uns also vorlaufig mit dem Gefohl 
begniigen, dafs wir unsere Pflicht gethan haben. 

Weshalb soil sich eine ganze Generation bemiihen , Museen zu 
grunden, weshalb sollen so viele Gelehrte und eifrige Dilettanten 
ihre Krafte der Erforschung und Beschreibung der Schatze der Vor- 
zeit widmen, weshalb sollen sie kunstgeschichtliche Studien trei- 
ben, wenn dieselben so wenig tief in das Volk eindringen, dafs 
in einer Stadt wie Liineburg nicht einmal unter den Gebildeten 
Leute genug sind, die auch nur so nebenher von diesen Studien 
gestreift waren, um den Werth eines solchen Besitzes fur ihre 
Stadt zu erkennen, wenn im Rathe der Stadt, der ja der Ausdrnck 
des geistigen Niveaus sein soil, auf dem dieselbe steht, so gar 
keine Einsicht vorhanden ist, dafs die enormen Anstrengungen, 
welche anderwarts zur Griindung von Museen gemacht weraen, 
die ja kaum eine Stadt mehr entbenren will, doch auch far Liineburg 
die Erhaltung eines alten Besitzes wiinschenswerth machen mussen, 
dafs Kunstwerke ein lebendiges Kapital for Vermehrung der allge- 
meinen Bildung der Bevolkerung, far Hebung des Patriotismus, 
sowie sie Kunstlern und Gewerbetreibenden wQrdige Vorbilder sind, 
dafs denn doch unsere Gegenwart auch wieder die Grofse der 
Vergangenheit erstreben mufs, dafs unsere deutschen Kunstschatze 
wenn sie Englandern und Franzosen Hunderttausende werth sind, 
uns Millionen werth sein mussen, weil sie fflr uns auch noch ruhm- 
volle Denkmaler eigener Grofse sind? 

Niirnberg. A. E. 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. E. Sebald In NUrnberg. 



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tes, welebes alle Monate ersoheint, wird 
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FOr Frankreieh abonnieri man in 
Parii bei der deuttohen Buohhandlong yon 
F. Klinoksieek, Nr. 11 roe de LiUe; for 






J^IOD\ r - 



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England bei Williams 6 Norgate, 14 Hen- 
rietta-Street Coyent- Garden in London; 
for Nord-Amcrika bei den Postamtern Bre- 
men und Hamburg. 

Alle fur das german. Museum be> 
etimmien Sendungen aaf dem Wege dee 
Baohhandels werden duroh den Commis- 
sionar der literar. - artist. Anstalt des Mu- 
seums, F.A. Brookhaus In Leipzig, be- 
fOrdert. 



FOR RU1E DM 





Nene Folge. 



Zwanzigster Jahrgang. 



ORGAN DES GEMANISCHEN MF8EI MS. 



1873. 



jvno. 



October. 



Wissenschaftliche Mlttheilongen. 



Buntglasierte Thonwaaren des 15.— 18. Jahrhunderts 
im germanischen Museum. 



Nur zwei Arten von Fayencen sind in dem Werke De- 
lange's durch Monogramme nnd Inschriften als sichere Erzeug- 
nisse von Caffagiolo nachgewiesen ; die anf Taf. 25 gegebene 
Platte, mit einem durchstrichenen P als Monogramm bezeich- 
net, trfcgt die Umschrift „in chafagguiolo* 4 . Dasselbe P findet 
sich, verbunden mit einem R, auch auf Taf. 29, 30 u. 32. Da 
das P bei alien drei Stttcken eine obere Endigung hat, die an 
ein S erinnert, nnd das Monogramm somit aus R. S. P. zu- 
sammengesetzt sein kann, so wnrde, ehe jener mit Caffagiolo 
bezeichnete Teller Taf. 25 bekannt war, der Teller Taf. 29 
dem Rafael Sanzio von Urbino zugeschrieben, weil man lesen 
konnte: Rafael Sanctius Pictor. MitAusnahme dieses Tellers, 
der nur ein Bild ohne Umrahmung gibt, namlich einen Maler, 
tier einen Teller bemalt, nnd zwei vor ihm sitzende, zuschau- 
ende Personen, von denen vielleicht die weibliche als Mo- 
dell far ein in der Mitte anzubringendes Portr&t sitzt, haben 
die drei Teller ein groteskes Ornament als Schmuck des Ran- 
des. Der Teller anf Taf. 25 hat in diesem Ornament Motive, 
so insbesondere glockenartige Blumenkelche , die mit einem 
Fratzengesicht en face versehen sind, wie sie anch anf andern 
Werken wieder vorkommen, namentlich auf Taf. 17 — 22, allein 
in Verbindung mit andern Motiven, die nur eben den alter- 
thumlichen Charakter der frttheren Renaissance mit ihnen thei- 
len. Diese Motive konnen allerdings eine gewisse Berechti- 



gung geben, auch die erw&hnten Stttcke der Fabrik vou Caffa- 
giolo zuzuschreiben ; allein als nachgewiesen kann dies nicht 
gelten. Wir finden sie wieder auf einem Teller des germani- 
schen Museums, der umstehend in Fig. 1 abgebildet ist. Die 
Ornamentmotive zeigen nicht bios fruhen Charakter, sie stim- 
men auch so sehr mit gewissen datierten flberein, dafs die Zeit 
von etwa 1500—1520 als Entstehungszeit fur den Teller be- 
trachtet werden kann. Dabei mufs es auffallen, dafs schon in 
dieser fruhen Zeit keine Rucksicht auf die Gestalt des Tellers 
genommen ist, sondern das Ornament rucksichtslos uber Rand 
und Mitte weggeht. Aufser dem Indigoblau als Grand und 
Schattierung zeigt dieser Teller noch einen gelben Ton, so wie 
weniges stumpfes Grun verwendet. Das Wappen ist uns leider 
nicht bekannt geworden ; doch kann gerada daraus vielleicht 
eine Beziehung zu Caffagiolo gefunden werden. 

Die zweite Art der Verzierung von Fayencetellern, welche 
far Caffagiolo nachgewiesen ist, besteht in einer einfachen blauen 
Zeichnung auf weifsem Grunde. Der Teller, welcher bei De- 
lange auf Taf. 26 abgebildet ist, zeigt dasselbe Monogramm 
P R S, was schon vorhin erwahnt wurde, und auf einem Spruch- 
bande die Inschrift „Cafagioli". Diese Art der Verzierung 
nannte Piccolo Passo, ein Schriftsteller des 16. Jahrh., „Porcel- 
lana. u Es faJlt auf, dafs einzelne vorkommende Ornament- 
motive eine gewisse Aehnlichkeit mit chinesischen, sowie mit 
solchen zeigen, die in Persien als Imitation chinesischen Fabri- 
kates gemacht warden. Schon Marco Polo erwahnt des chine- 
schen Porzellans unter diesem Namen und im Jahre 1570 sagt 
M. T. Alfons Ciacon in einem Briefe fiber Merkwflrdigkeiten, 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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die von Ostindien nach Lissabon geftthrt warden*): „Taceo 

vasa Murrhyna ex China tot generum, quae porcel- 

lanae patrio sermone appellantur " Man kannte also 

das Porzellan lange, nnd es unterliegt wol keinem Zweifel, dafs 
die so bezeichneten Arbeiten Caffagiolo's Nachahmungen chine- 
sischen and wol mehr noch persischen and indischen Porzellans 
sein sollten. Wir kennen die yon Delange pablicierten Stucke 
nicht aas eigener Anscbauung, kflnnen also nicht versichern, 
ob anch die Feinheit der Farbe and der Glanz an das Porzel- 
lan erinnern, oder 
nur eben die Zeich- 
nong. Das germa- 
niscbe Museum be- 
sitzt jedoch ein sehr 
interessantes, &hn- 
liches Stttck, das 
hier in Fig. 2 wie- 
dergegeben ist and 
an Glanz and Fein- 
heit der Glasar we- 
nig hinter dem Por- 
zellan zarttcksteht. 
Es zeigt das Wap- 
pen der nflrnbergi- 
schen Familie Im- 
hof in Verbindung 
mit dem der Schlau- 
dersbach; es kann 
sich also nur auf 
Andreas Imhof be- 
ziehen, der (1491 
geboren) 1518 sich 
mit Ursula Schlau- 
dersbach verheira- 
tete. Die Familie 
Imhof hatte ausge- 
dehnte Handelsbe- 
ziehungen zu Ita- 
lien and besafs dort 
mehrere Faktorei- 
en, insbesondere 

eine solche in Florenz. Andreas wurde schon 1504, also 13 
Jahre alt, zurErlernung der Sprache nach Italien, and zwar nach 
Venedig geschickt, von wo er 1509 nach Hause zarttckkehrte, je- 
doch noch im selben Jahre wieder nach Italien gieng, wo er anch 
1510, 11 and 12 sich aafhielt, namentlich in Padua, Mailand, 
Florenz, Aquila in Apulien; 1513 kam er auch nach Rom. Im 
September 1521 gieng er wieder nach Italien and kehrte im 
Febraar 1522, nach Besuch einer Reihe von St&dten, wieder 
in die Heimat zurUck; ebenso 1524. Seine Frau start) 1525, 



Fig. 1. 



worauf er $chon 1526 Magdalena Reich heiratete. Der frag- 
licbe Teller wurde von ibm also wol im Jahre 1521 oder 24 
mit andern in Italien bestellt and von dort nach Hause ge- 
bracht, wenn man es nicht n&her liegend findet, anzunehmen, 
dafs zu irgend einer Zeit, vielleicht schon bei seiner Yerheira- 
tung (1518), derselbe im Correspondenzwege bestellt and darch 
die Faktorei des Hauses in Florenz bezogen wurde. 

Er starb 1579. In dem Inventar, welches fiber seinen 
Nachlafs aufgenommen wurde, heifst es auf Blatt 26 v.: 

„Geschmelzte 
SchaalenundGlftser. 
Item die Magoli- 
ka, darunter etliche 
Porcellana, desglei- 
chen sonst alle 
andere venedische 

Schaalen auch 
SchusselnundKrueg 
sein zusammen ge- 
sch&tzt worden omb 
120 Goldgulden 
Rhensch." 

Unser Teller ist 
schusself5nmg,ohne 
flachen Rand ver- 
tieft, in der Ver- 
zierung jedoch ein 
Rand angedeutet 
Der Grund, welcher 

den gebrannten 
Thon vollsUndigaof 
Vorder- und Rflck- 
seitebedeckt,istge- 
genUber den andern 
erwahnten fast rei- 
nes (nicht gelbliches, 
sondern eher ins 
bl&uliche stecheo- 
des) Weirs. Daranf 
sind mit Blau die 
Verzierungen leicht 
mit sicherer Hand aufgetragen. Das sechsmal wiederkebrende 
Hauptmotiv des Randes ist specifisch orientalisch, ebenso einige 
kleinere sonst wiederkehrende. Das Wappen ist offenbar von 
einem deutschen Zeichner erfunden and als Yorlage nach Ita- 
lien gesendet. Es ist ebenfalls in Blau gezeichnet und schattiert 
Das Blau, dunkel aufgetragen, ersetzt zugleich das heraldische 
Schwarz. Das Gelb ist ziemlich hell und grell aufgetragen; 
statt des Roths dient hier wie sonst ein kr&ftiges Orange, d* 
das heraldische Roth nicht im Besitze der TOpfer war. 
Ntirnberg. A. Essenwein. 



*) Martene et Durand, Amplissima collectio, III. Bd. , p. 1324. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Caspar Weidel, BuchfQhrer zn Niirnberg. 

Unter den der Zeit nach ersten Buchhandlern in NOrn- 
berg oder, wie man damals sagte, Buchfuhrern, die nicbt mit 
eigener Presse arbeiteten, sondern anderswo, bier oder aus- 
w&rts, drncken liefsen, also Verlagsbuchhandlcr, und da sie 
auch anderer Verleger Werke verkauften, Sortimentsbuchhand- 
ler waren, wird von Siebenkees (Mat. I, 303) nnd Roth (Hau- 
delsgesch. Ill, 30) Caspar Weidel, alias (aber weniger richtig) 
Weidler, genannt. Siebenkees macbt auch ein von ihm ver- 
legtes Bach nambaft. 
Ob dieses, yom Ge- 
brauch des Astrolabi- 
nms bandelnde Werk 
eines Dr. med. Jobann 
Copy, Astronomi, eine 
vom dringenden Zeit- 
bedQrfnifs hervorgeru- 
fene nnd durch ihren 
Ertrag die Kosten de- 
ckende Unternehmung 
gewesen, ist hier eben 
so wenig Gegenstand 
einer Untersncbung, als 
die Frage nach andero, 
nnter der Firma Ca- 
spar WeideFs erschie- 
nenen Artikeln ; es ge- 
nflgt vielmehr, an der 
Hand der, wenn auch 
nur wenigen, Urkun- 
den, die fiber Caspar 
Weidel etwas ausspre- 
chen, eine Einsicbt in 
seine buchhandlerische 
Thatigkeit and Bedeu- 
tang za gewinnen. Ob 
der Ausspruch Dr. 
ScheurFs (5. Nov. 1517 
an Johann Eck): „li- 

brarii nostri paaperes sunt", von Caspar Weidel gilt, werden 
wol, obne ein vorgreifendes Urtheil zu fallen, die folgenden 
Zeugnisse am ersten darthun. Das erste greift auf 1524 zuruck. 
Am Donnerstag nach Dorothea, 9. Febr. 1525, bekennt Marg- 
retha, Caspar WeideFs, Buchfuhrers unterm Rathhaus, ehelicbe 
Hausfrau, „Bartholmes Eobolt sechzig Gulden in Mttnz hinter- 
stelligs Rests an hundert Gulden Wecbselgelds, so sie ihm, 
dem Eobolt, vor einem Jahr bezahlt sollt haben, solche sechzig 
Golden zu bezahlen, nemlich 20 fl. in den nachsten drei Wo- 
chen, mehr 20 fl. auf St. Walburgen Tag und die ubrigen 
20 fl. auf St. Johanns Tag Sunwenden, alles nach dato nach- 
einander kommend, ohn alien Verzug, Alles als in erklagtem, 
ervolgtem und unverneutem Rechten. Auch wo sie eine oder 



Fig. 2. 



mehr Fristen nit halten wurde, so soil die ganz ausstandig 
Suma zu bezahlen verfallen seyn, in ehegeschribnem Rechten. 
Auch soil er, Eobolt, solcher Schuld vor Manniglich habend 
und gewartend seyn, auf alien ihren Habe und Gutern in be- 
ster Form." Zeugen sind Bartholmes Haller and Hanns Groland, 
Cous. 22, Fol. 21. Aber ungeachtet dieser so bttndig ausge- 
stellten Verschreibung wurde die Schuld nicbt vOllig abgetra- 
gen, und am Mittwoch nach Aegidi, 5. Sept. 1526, wurde im 
Gerichtbuch eingetragen: Bartholmesen Eobolt ist gegen Marg- 

rethen Caspar Weidlin 
urn 10 fl. Rests, in der 
Bekenntnifs im Cons. 
22, Fol. 21 eingeschrie- 
ben, auf die ihr ange- 
sagte Verkundung Exe- 
cution ertheilt, doch 
soil er mit Vollziehung 
derselben 10 Tag still 
stehen, dafs mittler 
Zeit der Motschidler 
seiner Theile Gerech- 
tigkeit des Vorgangs 
(Prioritat) halben auch 
suchen und einbringen 
mOge und dann ferner 
geschehe, was Recbt 
ist. Ersichtlich war 
auch eine oder mehr 
andere Elagen , die 
Leonhard Motschidler, 
ein damals oft genann- 
ter Fronbote, zu ver- 
treten hatte, anhangig, 
bei denen man die ai- 
teren Forderungen eher 
berttcksichtigen wollte. 
In diese Zeit hinein 
fallt eine andere, theils 
wegen der dabei be- 
theiligten Personen, theils wegen der stipulierten Zablungs- . 
fristen besonders merkwurdige Urkunde, die nach ihrem gan- 
zen Wortlaut bier folgt: Margretha Weidlin bekennt, fur sich 
und ihren Hauswirt, Caspar Weideln, sammtlich uod unver- 
scheidenlich, dafs sie bede auf geschehene Rechnung den Er- 
bern Lucassen von Cronach und Cristanen During, Gesellschaf- 
tern, 300 fl. 3 Schill. 6 Pfg. und Joseph Elugen, alien Burgern 
und Buchdruckerherren zu Wittenberg, 30 fl. in Mttnz fur Btt- 
cher, die sie von ihnen empfangen, schuldig worden seien. 
Solche Summa versprechen sie ihnen auf geschehene gutliche 
Unterhandlung eines erbern Raths dieser Stadt Yerordneten zu 
Fristen zu bezalen, als nemlich jede Woche drei Ort eines Gulden 
so lang bis die ganz Summa zahlt wird, und wo sie eine Frist 



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Anzeiger fur Kunde der deutscben Vorzeit. 



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nit hielten, dafs die ganz Summa verfallen seyn sollt, doch vor- 
behaltlich , ob sio aus ehehaften Ursachen je zu Zeiten mit der 
Bezahlung eine oder zwo Wochen und nit mehr s&umig wtirden, 
dafs sie Macht haben sollen, das yerfallen Wochengeld aUbald zu 
erg&nzen und bezahlen, and zu mehrer Sicherheit verpftnden sie 
bede Ebeleat ernannten iliren Glaubigern alle nnd jede ibre 
Habe und Gttter, liegend und fahrend, und sonderlicb alle und 
jede ihre Bttcher, welche Gtlter sie jetzo haben und ktinftig 
uberkommen, also dafs sie, bemelte ihre Glaubiger, von dem 
alien erste Bezabler seyn und vor alien an dem ihren Glaubi- 
gern und mttnniglicb den Yorgang haben sollen, Alles als in 
erklagtem, ervolgtem und unvernentem Rechten. Sie, die ge- 
dacht Weidlin, verspricht auch, dafs ernannter ihr Hauswirt, 
so schierst er anheims kommt, diesen Yertrag aucb in Gericht 
ansagen und bewilligen solle. So bekennen ernannter Christa- 
nus Daring fur sich und gedachten seinen Mitgesellschafter Lu- 
casen von Cronach, und Joseph King far sich selbst, dafs sie 
diesen Yertrag einem erbern Rath zu Wolgefallen also ange- 
nommen und bewilligt, welchen Yertrag die berurten Theil alle 
festiglich zu halten bei ihren Treuen hernachbenannten Zeugen 
an Eidesstatt zugesagt und angelobt haben. Defs sind Zeugen 
Doctor Christoff Scheurl und Sebastian Grofs. Geschehen am 
Samstag nach Ostern, 22. April 1525. — Caspar Weidel hat 
diesen Yertrag und Bekenntnifs ratificiert und Solches wie ob- 
laut zu halten zugesagt und gelobt in Gericht Montag nach 
Georgi, 24. April 1525. — Ueber den Inhalt der Urkunde et- 
was zu sagen, ist ganz tiberflussig, sie spricht fur sich selbst 
deutlich genug. Wegen des Gebrauchs des Wortes „Bezahler" 
im passiven Sinne, s. Anzeig. f. K. d. d. V. 1870, April. — Ob 
der hier als Buchdruckerherr zu Wittenberg und als Gesell- 
gchafter von Christian During erscheinende Lucas von Cronach 
ein und dieselbe Person ist mit dem berilbmten Maler dieses 
Namens, sei denen zu entscheiden anheimgegeben, die sich mit 
solchen Untersuchungen zu befassen besonders berufen sind. 
Mftglich ist, dafs auf dieselbe Person auch folgende Urkunde 
eine Beziehung hat : Lucas Mullner und Erhart Rupp, von we- 
gen Margreth seiner Hausfrau von Cronach, bekennen, nachdem 
Endres Mttllner, ihr Bruder und Schwager, Heinrichen Milliner's, 
seins Bruders, Hab und Gflter auf sein Absterben zu sich gonom- 
men, dafs er jedem seinen gebiirenden Erbteil zugestellt hat 
Ereitag, den 25. Oct. 1521. Jedenfalls sind Lucas, Endres und 
Heinrich, die Milliner, und Margareth, Erhart Ruppen Hausfrau, 
ibre Schwester, alle von Kronach. — Eine dritte, auch in das 
Jahr 1525 fallende Schuld wird durch Folgendes dargethan: 
Caspar Weidler, Buchfuhrer, und Margret, seine Ehewirtin, 
bekennen sammtlich und unverscheidenlicb, Jorgen Pucken und 
Clara, seiner Ehewirtin, 32 fl. in Mttnz, Wechselgeld, von Chri- 
stoffen Froschauer, Buchdrucker zu Zurich, herrtihrend, schul- 
dig zu seyn zu bezahlen, nemlich 16 fl. auf nachste Martini und 
die andern 16 fl. auch auf kommende Lichtmefs, Alles in er- 
klagtem, ervolgtem und unvernentem Rechten, und wenn eine 
Frist nit gehalten wUrde, dafs dann die ganz unbezahlt Summa 



verfallen seyn soil, Alles bei Verpfendung aller ihrer Habe und 
GUter, in ehegeschriebnem Rechten. Geschehen in Gericht, 
Mittwoch Francisci, 4. Oct. 1525. Mit diesen Passivschulden 
vertragt sich recht wohl, dafs Caspar Weidel auch Aktivschul- 
den hatte: Am Freitag nach Anthonii, 19. Jan. 1526, wurde 
in Sachen Friedrichen Peypus, Hanns von Frankfurts und 
Caspar Weyders, Jeronimus HdlzeFs Glaubiger, eines, undMi- 
cheln K aller, anders Theils, erkannt, dafs das angezogene, 
durch den Kaller erlangte, Yerbot gedffhet seyn und alle Glau- 
biger an Eids statt anrUhren sollen, die BUcher von Eichstatt 
nit von sich zu geben, dann (aufser) auf Bezahlung ihrer Schol- 
den, wo aber solches Geld die Summa ihrer Schulden nit er- 
reichen wttrde, dafs sie es hinter dieses Gericht zu jedes Theils 
Gerechtigkeit erlegen und um den Yorgang erkennen lassen 
wollen. Darauf haben sie angelobt. Wie der wohlbekannte 
Friedrich Peypus, Caspar Weidel und Jeronimus Hdlzel dem 
Stande der Buchdrucker und BuchfUhrer angehOrten, so mag 
es auch mit Hanns von Frankfurt sich verhalten, wenn er 
nicht ein Wundarzt war; Uber Michel Kaller gebricht es an 
Auskunft. 

Nun dauerte es nicht mehr allzulang, bis die Wasser der 
TrUbsal, gegen die die Weidlischen Eheleute so lange man von 
ihnen weifs, gek&mpft hatten, Uber ihnen zusammenschlugeiL 
Am 18. Oct. 1527 wurde dem schon genannten Motschidler 
ein Yerbot zu Recht zu Caspars, des BuchfUhrers unterm Rath- 
haus, Hab und Gutern vergOnnt. Hiemit verschwindet der Name 
Caspar Weidel's. Sein Yerlag war so gering — es mtlfsten dens, 
woran aber billig zu zweifeln, noch mehr Artikel, die er ver- 
legte, aufgefunden werden — dafs er als reiner Sortiments- 
buchh&ndler zu betrachten ist, und das Wort Dr. Christoph 
Scheurl's wenigstens ftlr seine Person vollkommen rechtfertigt 
Er verschwindet, wie er gekommen, ohne dafs zu sagen ware, 
woher er kam, und verlaTst NUrnberg, ohne dafs zu sagen 
ware, wohin er sich gewendet. 

NUrnberg. W. Lochner. 



Johannes Klenkok wider den Sachsenspiegel *). 

Die Drucke des Sachsischen Landrechts seit 1517 enthal- 
ten bekanntlich hinter der Bulle Gregorys XT. noch eine Be- 
kampfung von 22 Artikeln des Sachsenspiegels unter der Ueber- 
schrift: „Articuli iuris Saxonici reprobati ex typo Doctoris 
Bocksdorffs collecti sub hac forma". Homeyer in den Abhand- 



*) Die friiheren Nachrichten flber diesen Gegenstand sind ge- 
8ammelt von Homeyer in den Abhandlungen der Berliner Akade- 
mie der Wissenschaften aus dem J. 1855, S. 377 ff. Nachtrage 
lieferten Stobbe, Geschichte der deutschen Rechtsquellen I, 372 ft, 
Steffenhagen in der Zeitschrift fur Rechtsgeschichte IY, 202 f. nnd 
im Anzeiger for Kunde d. d. Vorz. 1872, Nr. 9, aowie Wattenbach 
ebenda 1866, Nr t 10; 1871, Nr. 7; 1872, Nr. 5. 



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Anaeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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tangen der Berliner Akadenrie (1855, 8. 407 ff.) bat diese Ar- 
beit, welche handschriftlich bisher nicht nachgewiesen war, aus 
inncren Grunden Job. Klenkok beigelegt Erwtoscbte Be- 
stttigung hiefur gew&hrt eine Handscbrift der Gdttmger Uni- 
versit&tsbibliothek, Cod. MS. jarid. 90 in Folio. 

Aaf Papier im 15. Jahrb. gescbrieben und 23 Blatter um- 
fessend, in modernem Einbande, beginnt die Handscbrift mit 
dem Ordo iudiciarius: „Antequam dicam" (Stintzing, Gescb. 
der popul&r. Literatur d. rOmisch.-kanon. Rechte, S. 202 ft), 
dem jedoch Zeit- und Ortsangaben fehlen. Aufeer verschiede- 
nen anderen StUcken folgt dann die Buile Gregorys XL, la- 
teiiiisch (Homoyer, a. a, 0., S. 396 ff.), aber ohne den Tenor 
der reprobierten Artikel and obne die Scblafsformel, mit den 
Worten abbrecbend: „Tenor vero scriptorom sine legum ap- 
probatorum (sic) effectus talis est". Hieran schliefst sicb ohne 
Unterbrechung mit den Anfangsworten : „Beatissimo pape Gre- 
gorio vndecimo frater Johannes klinckock, sacre theologie 
professor", das Scbreiben an Gregor mit dem Briefe an den 
Cardinal Vernio in derselben Gestalt, wie vor dem Decadicon 
in den beiden zur Zeit bekannten Handschriften (Homey er 
S. 388, 394 ff. Scheidt, Bibliotheca historica Goettingensis I, 
63 ff., 65 ff.). Auch der Uebergang „Hys premissis" bis „ec- 
clesie sacrosancte" lautet bis auf eine unbedeutende Abweichung 
ebenso wie im Decadicon (Scheidt p. 67). Dagegen hat unser 
Text hier den bemerkenswerthen Zusatz: „et primo ponam 
articalos sine reprobacionibus suis, assignans quotam articulo- 
ram libri videlicet speculi saxonum, sicut in eo ponuntur ar- 
ticuli prelibati, et sequitur articulus primus capittuli xix l . u 

Wahrend also im Decadicon die Widerlegung mit jedem 
Artikel unmittelbar verbunden ist, scheidet die G&ttinger Hand- 
schrift, in Uebereinstimmung mit der oben erw&hnten Arbeit, 
Anfz&hlung und Widerlegung. Demzufolge gibt sie zuerst eine 
Aufz&hlung yon 22 Artikeln des Sachsenspiegels, die sich in 
der Reihenfolge identisch erweist mit den sog. Bocksdorfischen 
Artikeln, in der Fassung aber dem Decadicon entspricht. Was 
in den Sachsenspiegel-Ausgaben den Eingang zu den Bocks- 
dorfischen Artikeln bildet, ist in unserem Texte b inter die 
Aufz&hlung gestellt. Alsdann beginnt die Widerlegung der 
22 Artikel, die jedoch nur bis zum elften Artikel einschliefs- 
lich fortgefuhrt wird, womit die Gitttinger Handschrift abbricht. 
Von besonderem Interesse ist die Vergleichung des Wort- 
lauts der Widerlegung. Der Wortlaut stimmt nicht, wie man 
erwarten mflchte, mit dem Bocksdorfischen Texte, sondern ist 
ansfahrlicher und n&hert sich wieder dem Decadicon, ohne in- 
dessen vollkommen damit ttbereinzutreffen. Es finden sich 
einerseits Weglassungen und Ab&nderungen, andererseits eigen- 
thumlicne Zus&tze. So fehlt in der Widerlegung des ersten 
Artikels (= Decad. art. 6) die Stelle des Hostiensis, welche 
im Decadicon in extenso mitgetheilt wird (Scheidt p. 73 mit 
Note t'ftt)* Vor ,jltem hoc statutum et alia iuri naturali re- 
pugnantia tenentes" (p. 75) wird der Zusatz eingeschaltet : 
„Esto, quod princeps cum mille uel amplius videat, quod vnus 



spoliat uel interficiat proximum suum, qui sic jnficiens incuse- 
tur secundo die coram principe tali : tunc secundum istum ar- 
ticulum incusatus poterit se liberare per juramentum , et per 
consequens princeps manifestum et publicum debet admittere 
perjurium et per consequens non diligit ibi ex corde deum, 
cuius admittit blasphemiam, dum deus uocatur in testem fal- 
sum, nee diligit proximum, cui non respondetur q. de hoc, 
quod iniuste sicut publicum est illatum dampnum, et ibi pec- 
catur contra pietatem et equitatem, quarum oppositum dedu- 
eitur etc. secundum philosopbos non deducitur, quia dicit lac- 
tantius in libro de vera iusticia, quod dissoluit omnem religio- 
nem et humanam societatem". Nach dieser Einschaltung stimmt 
unser Text nur noch bis an „Contigit enim" (p. 75) mit dem 
Decadicon. Alles Uebrige bis zum Schlusse wird ubergangen 
und durch folgende Ausfuhrungen ersetzt : „Dicitur de quibus- 
dam, qui tenent regulam beati augustini, si qui tales essent, 
regulam beati augustini tenerent in archa forsan, non in vita, 
certe oppositum super ewangelia fundata docet regula preli- 
bata. Quidam vero illud statutum corrigere uolentes alium 
errorem inducunt, scilicet quod iudicijs eorum ciues sue ciui- 
tatis et nullus alius perhibere possit testimonium, per hunc 
modum ciues eorum extra ciuitates eorum, vel vbi conciues sue 
[ciuitatis] presentes non essent, committere possent omne ma- 
lificium et contrahere quodlibet mutuum, nee aliquis coram 
iudicio talis ciuitatis per quantumlibet ydoneos testes non inibi 
ciues conuincere posset ipsos. hoc statutum dissoluit utique in- 
ter xpianos amorem mutuum. quis enim ciui ciuitatis talis mu- 
tuaret sciens hoc statutum, cum talis ciuis ibi remotus ageret ! 
Item videtur repugnare juri naturali, quod alienigena tenetur 
in testes producere conciues aduersarii sui." 

Die Widerlegung des zweiten und dritten Artikels 
(= Dec. 7, 8) lautet wortlich, wie im Decadicon. Bei dem 
vierten Artikel fehlt die zweite'Halfte der Ausfuhrungen des 
Decad. art. 9 von Jtem pono a (p. 78). Bei Art. fiinf (Dec. 10) 
findet sich vor „quia duellum* 4 (p. 79) die Einschaltung: „et 
dicit ostiensis in rubrica in clerico offerente duellum, quod 
eciam ad preceptum iudicis, ut euadatur mors, duellum non 
excusat in toto a peccato," und vor „Item index" (p. 80) der 
Zusatz : „Item hie refutatur error ille, quod aliquis agat contra 
honorem, non agens contra iusticiam. arguitur sic: talis agit 
contra honorem, ergo male agit ; sed sequitur : agit male, ergo 
agit iniuste. Aliter de dauid respondent canones et sancti, 
quod ex instinctu spiritus sancti" etc. Von da an zeigt sich 
wieder wOrtliche Uebereinstimmung mit dem Decadicon bis an 
„Probatur, quod** (p. 80); das Uebrige ist ausgelassen. Zu 
Art. sechs ist nur der erste Satz des Dec. art. 11 bis w pec- 
caturn* 4 (p. 81) aufgenommen. Zu Art sie ben wird unter 
Uebergehung des Schlusses der Satz des Dec. art. 12 „Argui- 
tur" u. s. w. (p. 82) folgendermafsen abge&ndert: „Item contra 
racionem est, quod duelletur cum ipso, qui prius iure priuatus 
est et honore, quoniam, si talis esset diues et fortis, iuuari 
possit semper". Bei Art acht wird der Schlufs von „quia 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



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secundum" (Dec. art 3. p. 69) in die Mitte vor „Idem patet" 
(p. 68) gestellt, und zwar mit folgenden Abftnderungen: „sed 
ex legitimo matrimonio non procreantur nisi legitimi pueri. 
patet: qui filii sint legitimi [X. 4, 17] per to[tum]. ymmo ex 
illegitimo matrimonio legitimi procreantur in casu, quo sufficit 
fides alterius parentis ad legittimam communionem prolis et 
geniti ante matrimonium, et per consequens per matrimonium 
redduntur legittimi. videtis, vtrum error sit in fide aliter sa- 
pere de sacramentis ecclesie, quam ecclesia sancta dei". Die 
Widerlegung des neunten Artikels stimmt mit dem Dec. art. 
14 (p. 84 f.) bis auf den letzten Satz „Et idem probatur" 
u. s. w., welcher weggelassen ist. 

Was die Ausftthrungen zu Art. zehn betrifft, welcher, aus 
der Deutschen Vertheidigungsschrift gegen die Magdeburger 
(art. 9, Homeyer S. 418) entnommen, im Decadicon fehlt, 
so bietet unsere Handschrift den Bocksdorfischen Text in aus- 
flihrlicherem Wortlaut : „Decimus articulus falsus et repugnans 
sacramento matrimonii, quoniam nullum impedimentum positum 
per ecclesiam impedit, quod talis possit generare prolem le- 
gitimam, et per consequens per ecclesiam, cuius est iudicare 
de legitima 16 prolis, talis legitimus censetur. sic in his tribus 
casibus et articulis Speculum saxonum aliter sapit de sacra- 
mento matrimonij, quam sapit ecclesia sancta dei." 

Die Widerlegung des elften Artikels endlich, bei welcher 
die GOttinger Handschrift aufhdrt, schliefst unvollst&ndig mit 
den Worten: „quilibet hoc statutum diceret esse preiudiciale" 
(Dec. art. 15. p. 85). 

Es liegt hier also eine Arbeit vor, welche auf Grundlage 
der Reihenfolge der Bocksdorfischen Artikei im Wesentlichen 
den Inhalt des Decadicon wiedergibt, indem sie sich sowohl in 
der Formulierung der bekftmpften Artikei, als auch in der 
Begrundung des Angriffs an das letztere anschliefst. Wie die 
Bocksdorfischen Artikei, vermehrt sie die Zahl der im Deca- 
dicon bekampften Satze urn denjenigen Artikei, welcher der 
deutschen Schrift gegen die Magdeburger eigonthumlich ist. 
Die Arbeit tiber die Bocksdorfischen Artikei, wie sie die Sach- 
senspiegel-Ausgaben darbieten, erscheint als eine verkiirzte Re- 
daction des Gdttinger Aufsatzes. Wenn der Gdttinger Aufsatz 
nach Ausweis der Handschrift von J oh. Klenkok verfafst ist, 
so mag die kurzende Bearbeitung auf die Thatigkeit eines 
Bocksdorf zuruckzuftthren sein. Ob die Prioritat der Ab- 
fassung dem Decadicon oder dem GOttinger Aufsatz, resp. der 
Bocksdorfischen Bearbeitung, zuzusprechen sei, bleibe dahinge- 
stellt. Jedenfalls ist nicht mehr die Bocksdorfische Arbeit als 
ein „dem Decadicon vorangehenderEntwurf" (Homeyer S. 410) 
anzusehen, da sie auf dem Gdttinger Aufsatz beruht. 

GOttingen. Dr. Emil Steffenhagen. 



Flurnamen in der Bheinpfalz. 

Auf einer der jttngsten Philologenversammlungen in Hei- 
delberg wurde Anregung gegeben zur Bearbeitung eines bis 



jetzt vernachl&ssigten Gebietes, der Sammlung deutscher Flur- 
namen, die in sprachlicher, arch&ologischer und ethnologischer 
Beziehung noch manches Material bergen. Der Yerfasser sam- 
melte w&hrend seines Aufenthaltes in Zweibrttcken Flurnamen, 
allerdings speziell in der Absicht, das Gefundene archftologisch 
fttr die Bestimmung rOmischer Niederlassungen und Strafsen zu 
verwenden. Da er jedoch alle ihm bemerkenswerthen Namen 
hiebei verzeichnete, so glaubt er mit VerOffentlichung dersel- 
ben ttberhaupt auch der deutschen Alterthumskunde einen klei- 
nen Dienst erweisen zu kOnnen. Zusammengestellt sind sie 
aus den offiziellen Katasterplanen ; doch hat sich Schreiber die- 
ser Zeilen hinlanglich davon flberzeugt, dafs diese Flurbenen- 
nungen heutzutage noch im Munde des Yolkes fortleben, wenn 
dasselbe auch manche Bezeichnungen nicht zu erklaren weife. 

Die kleine Sammlung nimmt aufserdem eine gewisse Ab- 
rundung fttr sich in Anspruch, da sie die Flurnamen zweier 
vollstandiger Eantone der Bheinpfalz, des Kantons Zweibrttcken 
und des Eantons Hornbach, umfafst. Die lokalen Yerhaltnisse 
betreffend, bildet die beztigliche Gegend ein von schmalen Thi- 
lern durchschnittenes Plateau, das zum Westrich*) gerechnet 
wird ; Getreidebau ist vorherrschend. Die Einwohnerschaft ge- 
hOrt wol ursprQnglich dem alemannischen Stamm an , der im 
4. und 5. Jahrhundert bis in diese Gegenden vordrang (s. H&a- 
fser, Geschichte der Pfalz, I. Th.) 

Am besten glaubte der Yerfasser zu thun, die Namen ohne 
etymologische Bemerkuogen zu geben. Die Orthographic ist 
die auf den offiziellen Planen. 

1) Schwarzenacker: Heidenhtibel. 

2) Altheim: Osterfeld, heiliger Berg, heilige Garten, Hei- 
denhttbel, Brandstatt, Welschbefg. 

3) Riesweiler: zu der Burg und der Kdnigsstrafse, hin- 
ter der Burg, auf der Burg, am Westerfeld, unten an 
der Burg hinter dem Westerfeld, am Delltrich, kleiner 
Steinhtibel, grofser Steinhttbel. 

4) Brenschelbach: Osterfeld, Heidenkopf, heilige Ahnung, 
an der heiligen Wiese, grofser Steiuhttbel, auf dem La- 
ger, Pfaffenberg, Pfaffenkehi. 

5) Uttweiler: Schlofshubel, Burggarten, Henrngarten, Krem- 
pentrisch, Herschberg, Herschbach. 

6) Peppenkum: auf dem Duplen, in den Heiden&ckern, 
Hohrechsklamm, Erempentrisch, auf dem Gostersberg, 
Teufelsdell, am Ostergarten. 

7) Althornbach: am Lagerberg, am hohen Gericht, 
Mauergarten, Zingelthal, im Walstell (wahrscheinlich ver- 
schrieben — dell), am 5. Bannstein, am Heidenkopf, am 
Wallerscheid. 

8) Bottenbach: auf der Heiligwiese, auf dem Osterberg, 
am Osterwald (Entenbtthl) , Blttmlesberg, Hengstldchel, 
Harschbach. 



*) speziell zum Bliesgau. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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9) Dietrichingen: Hermersberg, Ofeweilerhof, an der 
alten Stratee, am alten Weg, 40 Morgen. 

10) Grofssteinhausen: am Gewehrkopf, auf dem Ge- 
wehrskopf, Gewehrberg, Witzsftule. 

11) Kleinsteinhausen: auf dem Frankenfeld, am heiligen 
H&us'chen, bei der Landstrafse (ist keine mebr dort), 
Hirschelbach, Marzldchelkopf. 

12) Walshaosen: Urtelswiese, Heidenborner Dell. 

13) Stambach: Richwald bei Dellfeld. 

14) Con twig: auf dem Tempel, am Tempel, Gftdelstein. 

15) Mausbach: imPlomb, beim grofsen Bannstein, Heiden- 
berg, am Drusenborn, Hocbgericht. 

16) Hornbach: Ringweiler, BurgerhOhe, Burger wald, La- 
gerberg, Heidenberg. 

17)Rimsweiler: am Wallerscheid'chen , am Heidenkopf, 
an der Hemscb, an der Althtthl, an dem Geifsenrech (eine 
Hdhe), Steinberg, am 5. Bannstein. 

18) Riedelberg: am Trinzengfcrtel, Gemehrberg, auf dem 
Humerick, Pirmanstein. 

19) Vinningen: Pitt-sitters. 

20) Rieschweiler: am Teufelspfuhl, am Heidenberg, 1 . Hei- 
denberg, 2. Heidenberg, am Seiters, auf dem heiligen 
Feld am Weinstein, auf dem heiligen Grand, Pfaffenberg. 

21) Mafsweiler: Fausterfeld, um den Hausgiebel, im gu- 
ten Tempel, Molet. 

22) Dellfeld: am Aeltriesch, Seiterswald, im Heidengarten, 
Seiterswiesen, hinter dem heiligen H&us'chen. 

23) Enopp-Labach: am Heidenkopf, Hermersbach, im hei- 
ligen Wald, Seiterswald. 

24) Biedershausen: GStzenmogerhllbel, GOtzenmogerfeld, 
Gdtzenmogerdell, GOtzenmogergrund, Elzenmog. 

25) Oberhausen: Hermersbach. 

26) Schmitthausen. 

27) Winterbach: Klosterwald, am heiligen Wald. 

28) Niederhausen: Taschenwald. 

29) Reifenberg: Allseiters, im Gehain, am Geringelten. 

30) Battweiler: in den Plaffenwiesen. 

31) Oberauerbach: auf dem Tempel (noch 5 Namen mit 
Tempel), Frohnstrafse , am Eirchenwald, in den heiligen 
Wiesen, Heidenkopfchen. 

32) Niederauerbach:am Erzpriestergut, Heidenkopf, Sei- 
terswald, auf dem Mtlnchel. 

33) Mittelbach: auf dem Heidenhttbel, Wallersbach, am 
Seiters. 

34) Zweibrttcken : Wallerscheid'chen, Rinstel, Mutsch- 
grund, in der Achen. 

35) Ixheim: am heiligen H&us'chen, auf dem grollsen Hei- 
ligenberg, am Heiligenthal. 

36) Bubenhausen: Spraulberg. 

37) Webenheim: Schelwiesen, am Trisch, auf dem Schar- 
len, hohen Stein, am Burrech, Badstube. 



38) Wattweiler: im Tempel, Pfaffenftcker, Raulstein, am 
Kastler-busch, im Weingarten, am Nttnchen. 

39) Hengstbach: Heidenhttbel, Eemmliog, Lauunter (?). 

40) Mimbach: Pfaffenftcker, am wilsten Etzel, Sitterswald, 
am Trisch, auf dem hintern Hart. 

41) Breitfurt: im untersten Pumpert, bei den langen Stein- 
machers, Rebenberg, Schlofsw&ldchen, Seitersallmend. 

42) Bdckweiler: Kammersrech, Waidersacker , am Letz, 
Duserstrafse, Klostertrisch, Hohrech. 

43) Bliesdahlheim: Heizwiesen, Rebenberg. 

44) S e y w e i 1 e r : Kipprich, Etzel, 

45) Neualtheim: am Beileist. 

46) Med els he im: am Erzenthal uud Etzenthal, Hunau, 
Schelmengruberweg , Annelfeld, Schwefelspfuhl , kleiner 
Wilier, Rebenberg, Herschbach, Weinberg, Krempen- 
trisch. 

47) Walsh eim: grofse, rohe Verschanzungen , Osthofen, 
Todtengang, am Etzel, Weingarten, Morschwingert. 

48) Niedergailbach: Heidenhttbel, Grftbenstrich , Todten- 
kopf, Hemericb, Osterwiese, Rebenweg, in den Reben. 
Horres, Metschfurt, Litzelbach, Teschenbrunnen. 

Alemannische Bevdlkerung wird durch die Namen Diet- 
richingen, Bltimlesberg, MftrzlOchelkopf bewiesen. Dies 
Grenzland war tibrigens von jeher der Tummelplatz verschie- 
dener VOlker, und ROmer und Kelten scheinen hier, wie aus 
manchen Namen hervorgeht, mit deutschen Stammen zusam- 
mengestofsen zu sein ; deshalb mOchte vorliegendes Material an 
Interesse gewinnen. Kapellen, Haine, den G5ttern geheiligte 
Fluren scheint es in Masse gegeben zu haben. Auch rOmische 
Kultusgebaude latinisierter Provinzialen wcrden sich hier er- 
hoben haben; wenigstens deutet dies die H&ufung der mit 
„Tempel u zusammengetzten Namen in Oberauerbach (Nr. 31) 
an, einem Orte, an dem hart eine theilweise noch erkennbare, 
auch auf Spezialkarten angegebene Romerstrafse nach Zwei- 
brttcken lief. Erhohung und Steine sind weithin Zeugen des 
Strafsenzugs. Auch ttber Altheim und Peppenkum lief eine 
rOmische Verbindungsstrafse, die in Schwarzenacker, einem be- 
deutenden Rdmerorte, endigte. Yon dort aus lief die grofse 
Bliesstrafse ttber Webenheim, Breitfurt, Medelsheim, Walsheim 
zur Saar, anderseits nach Homburg, um in die grofse Metz- 
Mainzer Strafse einzumttnden. 

Namen wie Kflnigsstrafse (Nr. 3), Landstrafse (Nr. 11), 
Schelmengruberweg (Nr. 46) sind Bezeichnungen im Volks- 
munde fttr solche, von ROmern angelegte Yerkehrswege. (Ygl» 
Mone, Urgeschichte von Baden 1. Th.) Schlttsse fttr die ger- 
manischen Alterthttmer, so wie etymologische Untersuchungen 
ttber die vorliegenden Flurnamen will Yerfasser Befugteren 
ttberlassen; ihm soil es genttgen, damit vielleicht Anstofs za 
weiteren Sammlungen gegeben zu haben. 

Nttmberg. Chr. Mehlis. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



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Appellation an das kaiserliche Kammergericht. 

In seiner Beschreibung der das Landrecht des Schwa- 
benspiegels and das Wiener Stadtrecht enthaltenden Papier- 
handschrift Nr. 28,909 des german. Museums (s. Anzeiger f. K. 
d. d. V. 1873, Nr. 6, Sp. 153 ff.) hat Hr. Prof. Gengler auf 
zwei am Scblusse derselben befindlicbe, wahrscheinlich noch un- 
gedruckte Stflcke hingewiesen und uns deren Veroffentlichung 
im Anzeiger als wtinschenswerth bezeichnet. Wir theilen da- 
her nachstebend vorlftufig eines derselben nacb getreuer Ab- 
schrift mit. 

Nota wie man mit Appellacion bandeln sol vor kay n - ka- 
mergricht 

Item wer der ist der vor ainem weltlichen Gericbt Es sey 
bofgericht Oder ander gericbt oder vor Commissarj mit ainer 
entlichen vrtail beswert wirt, der sol sich von stundan offen- 
licben vor Gericbt vor dem Kicbter vnd den Beysitzern vnd 
in gegenburtikait seins widertail durch sein selbs person mit 
lautterr Stym offenlicb beruffen Er sey der vrtail beswert vnd 
sol dauon offenlicb Appelliren fur vnd an vnsernn Allergenedi- 
gisten herrn den Romischen kaiser vnd von alien den beswer- 
nttssen die sich der sachenhalben yetz oder binnach vinden 
oder aischen mugent auf die Allerpesten form vnd sol darauf 
von dem Richter appostel die man nennet Zeugnussbrif eruor- 
dernn nach ordnung des Rechtens zum Ersten, zum andern 
vnd zum dritten 

It vnd ist dafs er ainen offenn Notarj bey jm hat So sol 
er den ermonn von seins Ambts wegen das er jm das betzewge 
nach dem Recht vnd darvmb jnstrument geb ains oder mer, 
vnd dieselben jnstrument zu pessern zu mynnern vnd zu me- 
ren mit weiser lewt Rat, geistlicher vnd weltlicher vnd damit 
sol er von dem Gericht gan vnd vor darauf ainen vrtailbrif 
begem, aller Gerichtshanndlung vnd die offenlich beruffung vnd 
Appelirung in dem vrtailbrif begriffen 

It w§r sach aber das er ainen offenn Notarj nicht mocht 
bey jm gehaben daselbs vor offem Gericht, darnach so sol er 
vor zwain oder vor drein zewgen vnd sunder vor den die bey 
solher offenner beruffung gewesen wSren vor ainem offenn Notarj 
ynner zehen tagen als Recht ist von derselben vermainter vnd 
vnrechtlicher entlicher vrtail vor demselben offenn Notarj in 
geschrift mit solhen furwarten als vorgeschriben stat offenlich 
vor dem Notarj vnd den Zeugen Appelliren vnd darauf von 
dem Notarj Appotel (sic !) ainen Zeugnussbrif begem nach ord- 
nung des JRecbtens vnd das jn betzeugen lassen vnd jn darauf 
ermon von seins Ambts wegen jnstrument zegeben nach alien 
notdurfften vnd dabey melden dieselben jnstrument ze pessern 
ze mynnern vnd ze meren nach weiser lewt Rat geistlicher 
vnd weltlicher vnd albeg das dy offenlich beruffung in dem jnr 
strument gemeldet sey vnd sein beswSrnuss mit Redlichen vr* 
sachen vnd mit worten in das Instrument stymmen vnd setzen 
lassen vnd jm darauf das jnstrument volfuren lassen auf die 
pessten form nach ordnung des Rechtens 



It. vnd sol darnach gedennkchen das dieselb Appellacion 
anuertziehen vor dreyssig tagen als Recht ist, dem Richter vnd 
seim widertail durch den offenn Notarj verkundt vnd furbracht 
werd, vnd sol der Notarj ain offen vrkund geben der verkun- 
dung der Appellacion vnd sol die verkundung auf die Appel- 
lacion schreiben oder ain sunder jnstrument solher verkflndung 
darumb geben 

It. der Notarius sol ain abgeschrift der Appellacion ge- 
ben Ob der Antwurtter Sy an jn begert doch an des Clager 
schaden. 

It. w&r aber das die offenlich beruffung vnd appelliruog 
vor offem Gericht geschech in gegenburtikait des Notarj So 
dorfft der Clager seim Richter vnd seim widertail die Appella- 
cion nicht verkunden 

It. vnd der Clager vnd zecher der dann die Appellirung 
getan hat der sol dieselb Appellacion Sechs wochen vnd drey 
tag vor dem Jar fur vnsern genedigisten hern den Romischen 
Kaiser bringen oder bringen lassen oder fur seiner gnaden kantz- 
ler vnd da vmb Recht anruffen die Appellacion auf Recht aus- 
nemen vnd darauf ladung auf seinen widertail 

It. vnd jnibicion an den Richter von dem geappellirt wor- 
den w§r, dem zugebieten das er nicht verner in der sach pro- 
cidiren solt Sunder was nach solher Appellacion nu furbaser 
ausgieng, oder ausgangen w8r, durch die jnibicion vnd potbrif 
zu Recht aufgehebt wurd, bis zu ausgang des Rechtens 

It. vnd der Clager sol dem Antwurtter die kaiserlich la- 
dung Sechs wochen vnd drey tag vor dem Jar verkunden zu 
haws vnd zu hof , oder vnder augen jm in sein hannd durch 
den Notarj antwurtten lassen vnd des ain jnstrument nemmen 
von dem Notarj 

It. Ob er den Notarj nicht gehaben mOcht So mag er die 
ladung durch ainen geswornen poten mit der puchsen oder 
sust durch ainen poten mit dem lewffel puchsen antwurtten 
lassen, doch das derselb pot dem clager der jm die ladung 
aufgeben hat ain vrkund geb vor zwain Erbern Mannen die 
wappensgenos seien oder sust vor ainem Gericht vor einem 
gelaublichen Richter ainen aid zu Got vnd zu den heiligen 
sw&ra mit aufgerakten vingern swSren sol, das er die kaiserlich 
ladung seim widertail geantwurtt hab zu haws vnd zu hof oder 
vnder augen vnd die stund nennen vor mittag oder darnach 
vngeuerlich geantwurtt bab, 

It. vnd das dem Clager ain besigelter brif von dem, oder 
von den, vor dem er den aid getan, geben werd, vnd das die 
ladung darjnn begriffen werd 

It. vnd wenn der Clager solh vrkund also hat, darnach lafe 
Sechs wochen vnd drey^iag So sol der Clager sich oder sein 
Anwalt jn dem kaiserlichen hof "Vinden lassen vnd seinem Rech- 
ten nachgeen ^ 

It. vnd wgr sach das sein widertail noch nyemant von sei- 
nen wegen in dem kaiserlichen hof w8r, dem Rechten nachze- 
geen So mag er seim widertail rfffen' lassen nach ordnung des 
Rechtens, vnd die Beruffung in das kaiserlich Gerichtbucb 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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schreiben lassen vnd darauf begern ainen tag zusetzen, seim 
Rechten nach zegeen So kumbt er am aller kurtzisten aus dem 
Rechten vnd htttt sich vor Conmissial 

It wer aber sach das der Clager ynner Jarsfrist als Recht 
ist sein Appellacion in dem kaiserlichen hof nicht furbringen 
mdcht vmb Rechtlich vrsach des za Recht genug w8r so mag 
er dieselb Rechtlich vrsach, durch sein selbs person oder durch 
seinen volmSchtigen Anwalt in dem kaiserlichen hof vor dem 
Romischen kantzler melden vnd darauf begeren auf sein Recht- 
lich vrsach ain fatal auf das ander Jar als Hernach von wort 
za wort geschriben stet 

Wir Fridreich von gots gnaden Romischer Kaiser zu al- 
ien zeiten merer des Reichs Hertzog zu Osterreich vnd ze 
Steyr etc. Bekennen dafs vns die Erber Anna Maderinn Hannsen 
Ztlrchers eliche hausfraw hat furbringen lassen Als sy sich von 
ainer vrtail So durch vnser vnd des Reichs lieb getrewn Bur- 
germaister vnd Rate der Stat zu Rauenspurg all vnser Com- 
missar ian wider Sy vnd Marttin Jacoben Conraten vnd Bartho- 
lomeen gebruder die Greken gesprochen sein sol, als beswfirt 
an vns berufft vnd geappellirt han, nach laut ains jnstruments 
derselben Appellation vns darumb fUrgebracht als sy auf dem 
wege gewesen w£re Sich mit derselben Appellation zu vns ze- 
fngen vnd ferre jrn gebtlrlichen vleis darjnne zetunde w&re Sy 
durch solh Kriegslewffe so vns von den veinden datzemal ver- 
hindert worden zustunden das sy solhem in der zeit des er- 
sten fatals nicht hette nachkomen mttgen , dadurch jr dietzeit 
derselben ersten Appellacion verschinen wfire, vnd hat vns die- 
mutigklichen anruffen vnd bitten lassen, das wir ir das ander 
fatal der gemelten appellation zuzegeben vnd zeuerleichen ge- 
nediclich geruchten Solhs angesehen So haben wir der ege- 
nanten frawen das ander fatal der vorgenannten jrer Appella- 
cion zuzegeben Geben jr das auch hintzu von Romischer kai- 
serlicher macht volkomenhait wissentlich mit dem brif der mit 
unserm kaiserlichen Insigel besigelt vnd geben ist zu Villach 
am ainundzwaintzigisten tag des Moneids Juny Nach kristi ge- 
purd virtzehenhundert vnd jn dem Syben vndfunftzigisten vn- 
sers Reichs jm achtzehenden, vnd des kaisertumbs jm Sechsten 

Jaren 

Ad mandatum dnj Imperatoris 
vlricus weltzly vicecancellarius. 

It. Ob yemand ain kaiserliche ladung der ain Clager wSr, 
seim widertail dem Antwurtter von vnwissenhait wegen die la- 
dung seim widertail nicht genugsamlichen verkttndt wurd, da- 
rumb er von seiner gerechtikait komen mOcht, darumb das er 
in seim Rechten nicht verhindert vnd verkUrtzt wurd so mag 
er in dem kaiserlichen hof ainen Genadbrif erwerben als dann 
hernach geschriben stet 

Wir Fridreich von gots gnaden Romischer Kaiser zu al- 
ien zeiten merer des Reichs Hertzog zu Osterreich zu Steyr 
zu kernden vnd zu krain Graue zu Tirol etc. Bekennen Als 
sich Anna Maderinn Hansen Zurchers eliche hausfraw von einer 
vrtail so durch vnser vnd des Reichs lieben getrewn Burger- 



maister vnd Rat der Stat zu Rauenspurg in der sach als vn- 
ser Conmissary wider Sy vnd fur Martein Jacoben Conraten 
vnd Bertelmen gebruder Greken gesprochen sein sol als be- 
swfirt an vns gerttfft vnd geappellirt hat Darumb wir dann vn- 
ser kaiserlich ladung auf die benanten gebruder haben aus- 
geen lassen, vnd aber dieselb ladung nit in alien, sunder Gre- 
ken alain verkundet worden ist, als wir vnderricht seinn. Ynd 
wann wir nicht wellen das yemant vnpillichen in seinem Rech- 
ten vbereylet noch darjnne verkurtzt werden sol, vnd so auch 
das nicht die haubtsach Sunder nur verkundung der ladung be- 
rurt So haben wir nach Rate vnsers Camergerichts von Romi- 
scher kaiserlichen macht vnd von gnaden die vorgemelt ladung 
abgetan vnd der benanten Anna Maderinn ain andre ladung auf 
die gemelt jr Appellation an die vorgenanten gebruder geschafft 
zugeben, und wellen auch von egemelter vnserr kaiserlichen 
macht volkomenhait das der benanten Anna Maderinn solhs 
an jrm Rechten der egemelten jrer Appellacion vnuergriffenlich 
vnd vnschedlich sein sulle. Tun jr auch vorgemelt gnad wie 
vorgeschriben stet wissenlich mit vnd in kraft des brifs der 
geben ist zu Wienn mit vnserm kaiserlichen jnsigel versigelt am 
Newnten tag des Moneids Nouembris Nach kristi gepurd vir- 
tzehenhundert vnd in dem Achtundfunftzigisten, vnsers Reichs jm 
Newntzehenden vnd des kaisertumbs im Sybenden Jaren 

Ad mandatum dnj imperatoris in 9 (S° 
vlricus weltzly vicecancellarius. 

It wer der ist der vor ainem Gericht oder vor ainem 
Conmissarj , mit ainer vnderredunden vrtail die man nennet in 
latein Sentencia interlocutoria beswSrt wirt vnd sich besorgt 
mit der enntlichen vrtail noch verrer beswert werden 

It. der mag sich von der vnderredunden vrtail offenlich in 
gericht vor ainem Notarj beruffen vnd Appelliren, oder ob er 
nicht einen Notarj gehaben mag So sol er darnach jnner zehen 
tagen vor ainem offenn Notarj mit solhen furwarten in geschrift 
setzen vnd durch dieselb geschrift zedel vor dem Notarj mit 
solhen furwarten Appellirn als dann vormallen geschriben stet 
als von ainer enntlichen vrtail 

It. doch so sol er die Appellacion ynner dreissig tagen 
dem Richter vnd seim widertail durch ainen offenn Notarj ver- 
kunden vnd die verkttndung durch den Notarj auf die Appel- 
lacion schreiben lassen etc. 

It. desgleichen wo ainer fur ainen Richter furgeladen wirt 
der jm verdSchtlich ist vnd vmb Redlich vrsachen der mag 
dauon Appelliren in der mafs als vorgeschriben stet, doch das 
er die vrsach in die Appellacion setz vnd die Appellacion dem 
Richter vnd seim widertail verkQnde als vorgeschriben steet 

It. wer der ist der vor aim Rechten oder Richter ain 
enntliche vrtail mit Recht behalt der sol ainen Gerichtsbrif 
nach klag vnd antwurt wie das in das Recht tragen ist mit 
vrtail eruodern vnd nemen 

It. vnd ob sein widertail dauon in den kaiserlichen hof 
Appellirt darumb das er dem sein behabt Recht verlengern 
wil 



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Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit. 



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It. So sol der seinen vrtaiibrif seins behabten Rechtens 
von stundan in den kaiserlichen hof far den Romischcn kantz- 
ler bringen vnd darauf ainen kaiserlichen brif ynd ladnng an 
seinen widertail nemenn alsdann hernach an dem dasigen plat 
von worten zu worten geschriben stet 

Wir Fridreich von gots gnaden Romischer kaiser zu alien 
zeiten merer des Reichs Hertzog zu Osterreich vnd zu Steyr 
etc. Embieten Hainrichen Entzberger von Eyningen vnser gnad 
vnd alles gut, Vns haben Gonrat vnd vrsel Mantzen von Stain 
geswisstreid furbringen lassen ettlich vrtail vnd behabnufs so 
sy vor vnserm vnd des Reichs lieben getrewn Schulthaisen vnd 
Rat zu disqnhofen als unsernn Conmissarien wider dich behabt 
vnd erwunnen haben vnd begerten das wir jn die als Romi- 
scher kaiser zubestetten vnd zu confirmiren genediclich geruch- 
ten Solhs verkunden wir dir, haischen vnd laden dich auch 
darczu ernstlich gebietend das du auf den funfunduierczigisten 
tag den nggsten nach dem tag vnd dir diser vnser brif geantwurtt 
oder verkundt wirt, derselben t6g wir dir, funfczehen fur den 
ersten, funfczehen fur den andern, vnd funfczehen fur den dritten 
vnd leczten Rechttag seczen vnd benennen peremptorie, oder ob 
derselb tag nicht ain Gerichttag sein wurde auf den nagsten Ge- 
richttag darnach vor vns, oder dem, dem wir das an vnserr stat 
bephelhen, wo wir denn zumal jm Reich sein werden Selbs oder 
durch deinen volmSchtigen Anwalt komest vnd Rechtlich erschei- 
nest zusehen vnd zu hOren solb vorgemelt vrtail vnd behabntifs 
auf begerung der vorgemelten geswisstreid oder jrs volmechtigen 
Anwalts zubestetten vnd zu Confirmiren mit Recht zuerkennen 
vnd zuerklfirn oder aber Redlich vrsach Rechtlich dawider zu- 
sagen vnd furczubringen warumb das nicht sein solle, Wann du 
komest vnd erscheinest alsdann also oder nit, nichts destmyn- 
ner wirdet auf des gehorsamen tails oder seins Anwalts an- 
ruffen vnd eruordrung jm Rechten volfarn vnd procedirt als 
sich das nach seiner ordnung gebtirt, Darnach wisse dich zu 
richten Geben in der Newnstat am funfundzwainczigisten tag 
des Moneids Nouembris Nach kristi gepurd virczehenhundert 
vnd in dem achtundfunfcigisten vnsers Reichs im Newnczehen- 
ten vnd des kaisertumbs jm Sybenten Jaren. 

Admandatum domj Imperatoris 

vlricus welczly vicecancellarius. 

Dr. Frommann. 



Zur Geschichte des Reichstags von Augsburg, 1530. 

Christoph Krete, geboren 1484 zu NQrnberg, geh5rt zu 
jenen Mannern, welche in der Reformationsgeschichte sich einen 
bleibenden Namen erworben haben. Dies geschah hauptsach- 
lich in seiner Stellung als Abgeordneter Nttrnbergs zum Reichs- 
tag von Augsburg (1530), wo er sich namentlich durch seine 
persdnliche Ueberzeugungstreue und durch die Geschicklichkeit 
in Yerhandlung mit den St&nden auszeichnete. Wir finden ihn 
bald in Unterhandlung mit dem KurfQrsten von Sachsen und 
dem Landgrafen von Hessen, bald mit den Reichsstadten, bald 



auch mit dem kaiserlichen Hofe selbst (Vgl. die NQrnberger 
Gesandtschafts-Berichte im Corpus Reformatorum, vol. II.). 
Wie hoch ihn der Kaiser schatzte, ersieht man schon daraus, 
dafs er zu Augsburg sein Wappen vermehrte, ihm eine statt- 
liche Adelsconfirmation gab und ihm und seiner Familie das 
Pradicat „von Kressenstein" zulegte. (Will, NQrnberger Ge- 
lehrten-Lexicon I. Theil, p. 361.) Die lange Dauer der Reichs- 
tagsverhandlungen bewog Krefs, im August um einen Urlaub 
beim NQrnberger Rath nachzusuchen ; allein dieser verweigerte 
ihm denselben noch vorerst in Anbetracht der damals gerade 
aufgenommenen Vermittelungsversuche und wegen der plOtz- 
lichen Entweichung des Landgrafen Pbilipp vom Reichstag, der 
den Kaiser nicht gefragt hatte. Die vorsichtigen NQrnberger 
wollten jeden falschen Schein vermeiden. 

NQrnberger Briefbuch Nr. 101, Bl. 177 a u. b. 
Cristoffen Kressen. 

Lieber Krefs. wiewol wir der maynung gewest, dir auch 
sollichs zugeschryben haben, deiner person nach wider abferti- 
gung unnsers rats freunds Clementen Volckmers von Augspurg 
anhaims zuraysen zubegdnnstigen, so bedenncken wir doch in 
was undterhanndlung des glaubens sachen yetzo auff disem 
reychstag steen unnd das vermutlich und wie sich alle umb- 
stennde sollicher sachen ereugen 1 ), nun mer alle tag ain ennt- 
licher beschluss aus not darynn gemacht werden muefs, das du 
auch vor anndern der reychs stet gesanndten bey den chur- 
fUrsten und anndern reychsstennden got lob in ainem sonndern 
ansehen gewest und bifshere zu den aufsschQssen gepraucht 
pisst. zu dem so wayst du das unnser gnediger herr der lanndt- 
graf seinen abschied mit ainem sonndern unlust unnd ennt- 
setzen der anndern reychs stennde von Augspurg genomen und 
damit bey dem gemainen hauffen allerlay nachrede unbillicher 
flucht vom evangelio desfsgleichen vorhabender auffrur und 
haimlicher pQndtnus so er zu practiciren in furnemen steen soil 
erweckt hat. nun konnen wir wol ermessen das dir nit wenig 
beschwerlich sein mag so lanng von haufs zusein und selbs za 
deinen sachen zusehen, dagegen erkennen wir dich aber des 
erbern gemuets, wo du gemainen unnser stat nutz und frommen 
mit deinem nachtayl wesst zufQrdern, das du an deinem fleyfs 
nichzit*) wurdest erwynnden 3 ) lassen, zu geschweygen in diser 
aller wichtigisten gemainer christenhait sachen, darynn ain yeder 
crisst all sein vermugen darzustrecken schuldig. ist darumb 
an dich unnser guetlich gesynnen, du wSllest dich noch ainer 
klainen zeit nit betauren lassen 4 ) von unnsern wegen unns zu 
gut und gefallen noch lennger zu Augspurg zuverharren, doch 

') ereugen, eraugen, mittelhochd. erougen, erougen, vor Augen 
stellen, darstellen, zeigen, woraus neuhochd. ereignen. Schmeller, 
F, Sp. 50 f. — *) nichzit, d. i. nichtsit, aus mittelhochd. nihtes 
niht, gar nichts. Schm. I 1 , Sp. 1719. — s ) erwinden, abstehen, 
ablassen; fehlen, mangeln. Schm. IV, 107. — 4 ) sich betauern 
(mittelhochd. betiuren, beturen, von tiure, theuer, werth, kostbar) 
lassen, sich schwer fallen lassen, leid sein lassen. Daraus neuhochd. 
bedauern umgebildet. Schm. I 1 , Sp. 618. 



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301 



Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit. 



302 



nit lennger dann bifs dise ainige des glaubens sachen zu ainem 
enntlichen beschluss gelanngt. alsdann sey wir der enntlichen 
maynung dir ungeachtet annder schwebender noch unvertrag- 
ser hanndluDgen dises reychstags gutwillig anhaims zuerlauben, 
deinen sachen zur notturfft aufszuwartten. dan ob wol der nutz 
und yortayl den da mit deiner gegenwertigkait fardern magst 
nit vor angen were, so ist doch in sollichem der nachtayl der 
unns nnd deiner person selbs daraus gewifslich wurde ervolgen 
nit gering zubedenncken nnnd nnsers achtens nit unzeitlich zu 
rarkomen : nemlich das man unns and sonnderlich dein personn 
allennthalben verdenncken wurde, alls ob wir nnnsers gn. herrn 
des lanndtgraven abschieds and vorhabennden hanndlung wissen 
nnnd mit demselben haimlichen verstanndt gehabt, dieweyl wir 
dich alls den vordersten von unnsern gesanndten yetzo vor 
enndung and beschluss des glaubens sachen, daran sovil gelegen 
and nan am treffen ist von Augspurg anhaims gevordert hetten. 
darumb wollest dich, bitten wir guetlich, diser klainen zeit noch- 
malen nit beschwern unnd allennthalben wie bifshere das pesst 
than, das w5llen wir mit aller freuntschafft gegen dir bedenncken 
and zu gatem nit vergessen. datum unndter nnnsers elltern 
burgermaisters Cristoff Kolers petschir, Erichtags 5 ) 16. Au- 
gusti anno etc. 1530. 

Weissenburg am Nordgau. Wilhelm Vogt. 



*) Erichtag, auch Erchtag, Eritag, Ertag, mundartlich noch 
Erto', Ierte', der Tag des Erich, dies Martis, Dienstag. Schm. P, 
Sp. 127 f. Grimm's Mythol. 2 , p. 182—185. Dr. Frommann. 



Bruchstiicke einer Evangelienhandschrift des YI. 
Jahrhunderts im german. Museum. 

In dem Prachtwerke von Libri, den Monuments in6dits 
(1864) findet sich auf pi. LVIII eine Seite aus einer Evange- 
lienhandschrift facsimiliert, in Uncialschrift von ganz ungewShn- 
licher Reinheit und SchDnheit, welche von ihm dem sechsten 
Jahrhundert zugeschrieben wird. Kam mir schon frtther die 
Schrift nicht unbekannt vor, so war ich doch erst kiirzlich in 
der Lage, genauere Nachricht uber die Handschrift zu erhal- 
ten; die Beschreibung befindet sich in dem Catalogue de la 
partie r6serv6e de la Collection Libri (1862) S. 45, Nr. 226. 
Wir erfahren daraus, dafs es nur einzelne Blatter sind, welche 
der bekannte Bachh&ridler Trofs in Paris aus Einb&nden von 
Buchern gesammelt, die er beim Verkauf der Imhofschen Bi- 
bliothek und bei andern Gelegenheiten in Nurnberg erworben 
habe, was jedoch insofern nicht genau ist, als sie nach Trofs* 
eigener Angabe aus der Krefs'schen Sammlung stammen. Nach 
dieser Aufkl&rung kann es nicht mehr zweifelhaft sein, dafs die 
unl&ngst vom german. Museum erworbenen Blatter (Nr. 27,932), 
welche dieses von den Einbanden Krefs'scher Salbilcher des 
16. und 17. Jahrh. selbst ablOste, und die ganz genau zu den 
Libri'schen passen, derselben Handschrift angehdrten. Es ist 
Pflicht, diejenigen Gelehrten, welche etwa zu kritischen Zwecken 



von diesen Fragmenten Gebrauch machen wollen, auf diesen 
Umstand hinzuweisen. 

Die Bl&tter des Museums, 24 an der Zahl, enthalten zu- 
meist Theile des Evangeliums Luca, und zwar Bl. 1 : Luc. V, 
19—33; Bl. 2 u. 3: Luc. VI, 7— 35; Bl. 4 u. 5: Luc. YI, 
45 — VII, 21; Bl. 6 u. 7: Luc. VII, 34 — VIII, 9; Bl. 8 u. 
9: Luc. VIII, 21— 41; Bl. 10 u. 11: Luc. VIII, 54 — IX, 
22; BL 12 u. 13: Luc. IX, 33 — 59; Bl. 14 u. 15: Luc. X, 
12—35; Bl. 16: Luc. XI, 5—17; Bl. 17: Luc. XI, 52— XII, 
10; BL 18 u. 19: Luc. XII, 24—49; BL 20: Luc. XIII, 4 
—16; BL 21: Luc. XXII, 40—53; BL 22: Luc. XXIV, 17 
— 31 ; Bl. 23 enthalt den Schlufs des „Prologus u und Anfang 
des „Elenchus breuis euangelii secundum Johannem" und BL 24 : 
Joh. I, 19-— 33. Die Hand des Buchbinders hat leider an der obe- 
ren Ecke von Bl. 1—20 und an der unteren von Bl. 21—24 
kleine Stttcke abgeschnitten, wodurch etliche Buchstaben des 
Textes verloren gegangen sind. Ebenso sind auch Bl. 6 u. 7, 
10 u. 11, 14 u. 15 oben verkurzt. 

Heidelberg. W. Wattenbach. 



Modelle alter Erzgufswerke in Nurnberg. 

In der stadtischen Eunstsammlung zu Nurnberg befand 
sich, in einem Winkel stehend, die halblebensgrofse, bronzierte 
Holzfigur eines Bitters in einer sogen. Mailander Rttstung, auf 
dem Haupte eine Herzogskrone, die Linke auf einen Ovalschild 
gesttttzt, mit den Buchstaben S. P. bezeichnet, in der Rechten 
eine (offenbar jungere) Lanze mit einer Fahne. Ich glaubte 
in dieser Figur ein fur Bronzegufs beslimmtes Modell erken- 
nen zu mtissen, und zwar jenes der Wenzel- Figur an dem 
grofsen Leuchter in der Wenzelskapelle des Prager Domes, der 
als eine Arbeit Peter Vischer's gilt. Eine auf raeine' Veran- 
lassung nach Prag geschickte Photographie stellte die Gewifs- 
heit dieser Vermuthung fest. Nur der, nicht mit der Statue 
aus einem Gusse herruhrende, Schild und die Fahne weichen ab. 

Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daft vor 
nicht sehr langer Zeit das Modell des G&nsem&nnchens sich 
wiedergefunden hat und nun im Rathhause dahier steht; dafs 
ferner vom german. Museum das bisher in Privatbesitz gewe- 
sene Modell des Knaben auf dem Brunnen im Rathhause er- 
worben wurde. Das Modell der Mttnzer'schen Grabplatte auf 
dem St. Johanniskirchhofe wurde vor noch nicht langer Zeit 
an den Ftlrsten von Liechtenstein fur Seniors Eisgrub in M&h- 
ren verkauft. Im Besitze des hiesigen Hofantiquars S. Pickert 
befindet sich noch ein Holzmodell, einen Dudelsackpfeifer vor- 
stellend, fur eine Brunnenfigur, die leider nicht erhalten zu 
sein scheint. Dasselbe ist von hoher ktlnstlerischer Vollen- 
dung und dtirfte der Grenzscheide des 15. und 16. Jhdts. an- 
gehftren. 

Nurnberg. A. Essenwein. 



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303 



Anzeiger fiir Eunde der deutschen Vorzeit. 



304 



Holzschnitzarbeiten in der Schlosskapelle zu 
BMingen*). 

Die vermifste Quittung der Kunstler, welche die Holz- 
schnitzarbeiten in der Scblofskapelle zn Bttdingen gemacbt ha- 
ben, ist von mir bereits im Anzeiger von 1856, Sp. 369 f. ver- 
dffentlicbt. Icb fand sie in dem Erdgeschofs des grofsen Thur- 
mes, dem s. g. alten Archive, wo von fruherer Zeit her eine 
Anzahl Archivalien in waster Unordnnng zuruckgeblieben war. 
Sie wurde damals, nebst anderen werthvolleren Stucken aus 
jenem Hanfen, in die Privatsammlung des Ftirsten aufgenommen, 
wo sie wahrscheinlich noch jetzt sich befindet. Die von Schnaase 
mitgetheilten lateinischen Verse an den Chorstuhlen kdnnen 
sehr wohl durch die Kunstler selbst dort eingeritzt sein; ich 
sehe wenigstens nicht ein, wie ein anderer dazu hatte kommen 
sollen, Verse dieses Inhaltes an jener Stelle anzubringen. Sie 
brancben damra nicht von den Kunstlern gemacht zu sein; bei 
ihrem ganz allgemein gehaltenen Inhalt kOnnte es sehr wohl 
einer der vielen lateinischen Spruche sein, welche damals 
umliefen. 

Elberfeld. Crecelius. 



*) Zu Nr. 7 des Anzeigers von 1873, Sp. 193 f. 



Zur Geschichte ludwigs des Bayers. 

In den Protokollen des Eusebjus von Eomagnano, Notars 
nnd Eanzlers des Patriarchen Paganus von Aquileja, die im 
Notariatsarchive zu Udine aufbewahrt sind, findet sich folgen- 
der, auf Ludwig den Bayer und seine Stellung zu Italien be- 
ztlglicher Akt (der ubrigens auch in dem auf nichtitalienischem 
Boden sehr seltenen Werke von J. Bianchi, Docum. per la 
storia del Friuli II, 280 abgedruckt ist): 

„Die XXVI. Aprilis, Aquilegie, in patriarchali palatio, 
presentibus testibus venerabilibus viris fratre Johanne abbate 
monasterii Rosacensis vicario et fratre Bernardo de Novate 
monacho monasterii Clarevallensis de Mediolano. Constitutus 
in presentia venerabilis patris domini Pagani dei gratia sancte 
sedis Aquilegensis patriarche dominus Johannes de Padua or- 
dinis Minorum de conuentu Vtini confessus fuit quod pridie 
in Parasceve domini cum missam conuentualem celebraret, in 
ecclesia ipsorum fratrum, Minorum de Vtino, astantibus 
ipsorum fratrum conuentu et populi multitudine, inter alias 
orationes illam que de imperatore Romanorum mentionem 
facit, dixit clara et alta voce dicendo, Oremus etiam pro 
christianissimo imperatore etc., et cum fratres et populus 



mnrmurarent propter Bauarum qui se facit imperatorem ot perse- 
quitur ecclesiam dei et ab ea reprobatus et excommunicates 
est ac de heresi condemnatus, attonitus fuit valde, et ut asse- 
ruit, in semetipso fremuit et recognouit se male dixisse. 
M. CCC. XXIX., indictione XII." 

Graz. Zahn. 



Zur Geschichte der E&nstlerfamilie Lindenast 

Jos. Baader hat in den Beitr&gen zur Kunstgeschichte 
Nurnbergs II, 55 auf die Conflicte hingewiesen, in welche die 
beruhmten Kupferschmiede Sebastian und Sebald Lindenast, 
Vater und Sohn, 1511 und 1526 f. mit dem Handwerk der 
Goldschmiede geriethen. Aus nachfolgendem Eintrag der Raths- 
protokoilc ersieht man, dafs Sebastian bereits im J. 1 500 sich 
das Recht erwerben wollte, Goldschmiedarbeit zu machen, wo- 
mit offenbar etwaigen Beschwerden tiber Eingriffe in ein frem- 
des Gewerbe sollte vorgebeugt werden. Aufserdem ergibt 
sich, dafs schon Sebastians Vater (wie Baader a. a. 0. ver- 
muthet : Kunz Lindenast) die gleiche Kunst wie dieser betrieb. 
Was ihm gestattet war und jetzt auch dem Sohne erlaubt 
wurde, war wol die feinere Arbeit, vielleicht auch die Vergol- 
dung derselbcn. 

Ntirnberger Rathsmanuale, 1500, April 2.: „Dem Linden- 
ast ist abgeleynt, das er meyster stuck auff dem goldscbmid 
hantwerck mach; her J. Grolant. doch wie sein vater gearbeyt 
hat, mag er auch arbeyten unverhindert." 

Freiburg i. Br. Th. v. Kern. 



Findlinge. 

Hie liber est mein, 

Ideo nomen meum scripsi drein. 

Si vis hunc librum stehlen, 

Pendebis an der Kehlen; 

Tunc veniunt die Raben 

Et volunt tibi oculos ausgraben; 

Tunc clamabis ach! ach! ach! 

Ubique tibi recte geschach. 



Otto tenet mappam madidam mappam tenet Otto. 

(German. Mus., Pap.-Hs. 28,67a) 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch - artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. E 8eb»ld in Nflrnberff. 



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BEILAGE ZUM ANZEIGER FUR KUNDE DER DEUTSCHE^ VORZEIT. 

1S73. Jtf 10. October. 



Chronik des germanischen Museums. 



Niirnberg, den 15. October 1873. 

Die Jahresconferenz des Verwaltungsausschusses, welche durch 
eine gewahlte Siebenercommission am 29. v. M. abgehalten wurde, 
hat die Sammlungen des Musoums sowie die Arbeiten in guter 
Ordnung nnd stetem, wenn auch der Finanzverhaltnisse wegen 
sehr langsamem, Fortschritte gefunden und die Rechnung far 1872 
genehmigt. Ein Auszug der letzteren wird mit dem nachsten Jah- 
resberichte zur Veroffentlichung gelangen. 

Aus dem Nachlasse unseres verdienten Pflegers in Wolfenbuttel, 
des Obergerichtsraths Rohde, der unlangst gestorben ist, wurde 
uns ein Legat von 50 Thlrn. ausgezahlt. 

Unsere MOnzsammlung hat eine ansehnliche Bereicherung er- 
halten. Im Hinblicke auf die bevorstehende Mdnzandernng , wel- 
che die jetzt in Deutschland bestehenden Munzsysteme sammtlich 
aufhebt, schien es nns wicbtig, unzweifelhafte und gut erhaltene 
Exemplare der letzten Pragung jeder Munzsorte der einzelnen 
Staaten zn erhalten. Wir haben deshalb ein, von der Reichsre- 
gierung gutigst unterstiitztes Gesuch an alle deutschen Regierun- 
gen gestellt, uns solche sowie alle seit 1806 auf besondere Ereig- 
nisse gepragte MQnzen zugehen zu lassen, und hatten bisher die 
Freude, von den Regierungen von Anhalt, Bremen, Mecklenburg- 
Schwerin, Reufs j linger e Linie, Konigreich Sachsen, Sachsen-Coburg- 
Gotha, Schwarzburg-SonderBhausen, Waldeck und Wiirttemberg, 
die gewunschten Stucke sofort als Geschenke zugesandt zu erhal- 
ten, wahrend Sachsen -Weimar sie gatigst in Ausstausch gegen 
Kassamunzen zur Verfugung stellte. Von Seite der iibrigen Re- 
gierungen hoffen wir gleichfalls freundliche Boriicksichtigung un- 
seres Gesuches. 

Zu den Kunstlern und Kunstfreunden , welche Gaben fur das 
AQgustinerkloster gespendet, sind im Laufe des Monats hinzuge- 
kommen: M. Bach, Zeichner, in Stuttgart; W. Camphausen, 
Professor, in Dusseldorf; Dr. A. v. Eye in Niirnberg; E. II le, 
Professor in Munchen, Ph. Rorich, Maler, in Nornberg; Rom- 
hild, Kaufmann, in Nornberg; C. Scheuren, Professor, in Dus- 
seldorf; Seiler, II. Bur germeister, in Nornberg. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Von Gemeinden : Burgau. Distriktsgemeinde, 5fl. Dillin- 

Sin. Distriktsgem., 10 fl. — Giinzburg. Distriktsgem., 5 fl. Hofheim. 
istriktsgem., 15 fl. Karlsbad. Stadtgemeinde (auf weitere 3 Jahre), 
11 fl. 40 kr. Kemnath. Distriktsgem., 10 fl. Marburg. Stadtgem., 
5fl. 15 kr. 

Von Vereinen: Eisenach. Gewerbverein 5fl. 15 kr. 
Von Privaten s Bruck (Oberbayern). Theodor Riederer, k. Be- 
zirksamtsassessor, 1 fl. Eisenach. Dr. Voigt, Generalstabsarzt, 
lfl. 45 kr. Ellwangen. E. Gramling, Zeichnenlehrer (statt fruher 
2fl.) 3fl.; Fraulein Wilhelmine Rottenmaier (zahlt schon seit 1872) 
lfl. 10 kr. Landshut. Ainmuller, Gastwirth, lfl. 10 kr. Meiningen. 
Bernhardt , Kreisgerichtsrath , lfl. Meissen. Dr. Ackermann, Pa- 
stor, 1 fl. 10 kr. ; Dr. Angermann, Oberlehrer, 1 fl. 10 kr. ; Dr. Busch, 
Professor, lfl. 45 kr. ; Crasso, Oberinspektor d. k. Porzellanmanu- 
faktur, 211. 55 kr.; Dr. Flathe, Professor, (statt frtiher lfl. 10 kr.) 



lfl. 45 kr.; Hallbauer, Finanzprokurator, lfl. 45 kr.; Dr. Hohne, 
Professor, 1 fl. 10 kr. ; Dr. Kohler, Professor, 1 fl. 10 kr. ; Dr. Kunze, 
Superintendent, lfl. 45 kr.; Dr. jur. Loth, Rentbeamter, lfl. 10 kr.; 
Meutzner, Oberlehrer, lfl. 45 kr. ; Dr. Milberg, Professor, 1 fl. 
45 kr.; Raithel, Direktor der k. Porzellanmanufaktur, lfl. 45 kr.; 
Dr. Worner, Professor, 1 fl. 10 kr. MGhltrofT I. V. Frau Agnes Hutt- 
ner, auf Pirk, 8fl. 30 kr.; Hottner, auf Pirk, 3 fl. 30 kr.; Kammer- 
herr v. Nauendorff, Ritter etc., auf Geilsdorf, 8 fl. 45 kr. ; Stein- 
hauser, Pastor, in Geilsdorf, lfl. 45 kr. Miillheim (Baden). Dr. 6f- 
iinger, prakt. Arzt, 1 fl. 45 kr. ; Otto von Stockhorn, grofsh. Amts- 
richter, 2 fl. 20 kr. — Niirnberg. v. Hohenadel, k. Oberstaatsanwalt, 
2fl., Joseph Hopf, Kaufmann, 2fl., Theod. v. Huber-Liebenau, 
k. Appell.-Ger.-Rath, 1 fl. 45 kr. ; Illing, Secondlieutenant im k. b. 
14. Inf.-Regt., 1 fl. (Jim. Dr. Wacker, Apotheker u. Gemeinderath, 
1 fl. 45 kr. Wasungen. Storandt, Landrichter, 1 fl. 
Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 
Von Privaten: Ellwangen. Weifs jr., Hutmacher, 30 kr. 
MuhltrofT I. V. Vieweg, Pastor, in Kloschnitz lfl. 45 kr. Pforz- 
heim. Rieger, Kaufmann, 1 fl. San Jos6 (Costa Rica). Sam. Gat- 
schengis, 9fl. 4kr.; N. N. 8fl. Wolfenbuttel. W. Rohde, Oberge- 
richtsrath (f), 87 fl. 30 kr. Ungenannter 35 kr. 

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu: 

I. Fur die kunst- und kulturgeschiohtlichen Samm- 
lungen, 

(Nr. 6965-6992.) 

Arolsen. Staatsregierung der Fflrstenthumer Wald- 
eck undPyrmont: 3 grofsere und 3 kleinere Silbermdnzen 
nebst 2 Kupfermttnzen vora jeweiligen letzten Waldecker Ge- 
prage. — Bremen. Senat der freien Stadt: 9 Silber- und 2 
Kupfermiinzen bremischen Geprages. — BUckeburg. G. Fromm- 
hold, Buchhandler: Photographie bflckeburgischer Volkstrach- 
ten. — Coburg. Staatsregierung des Herzogthums Sach- 
sen-Coburg-Gotha: 8 sachsen -cob.-goth. Silber- u. 2 Kupfer- 
mQnzen neueren Geprages. — Dessau. Herzogl. anhaltische 
Staatsregierung: 14 Silber- und 2 Kupfermiinzen anhalt. Ge- 
prages. — Dresden. 8taatsregierung des Konigreichs Sach- 
sen: 24 Silber- und 5 Kupfermiinzen neueren sachsischen Gepra- 
ges. — Freudenstadt. Walde, Stadtbaumeister : Photographie nach 
dem Murgthalthor in Freudenstadt. — Fiirth. Sigm. Biichen- 
bacher: Glasperle und Zahn aus einem frankischen Grabe. — 
Gera. Staatsregierung des Ftlrstenthums Reufs j. L. : 7 
Silber- und 8 Kupfermiinzen neueren reufsischen Geprages. — 
Hannover. Dr. Grotefend, Geh. Archivrath: SilbermOnze Konig 
Sigismund's III. von Polen. — Heidelberg. Prof. Wattenbach: 
Rechenpfennig von 1580. — London. J. G. Pfister, Beamter am 
brit. Museum : 3 Abdriicke von mittelalterl. Siegeln des B ist hum 8 
und der Stadt Durham. — Metz. Jacob Winterscheidt: 2 
lothring. Silbermiinzen vom 16. Jhdt. — Munchen. Freiherr von 
Mettingh: 2 Glasmalereien von 1590 und 1649. — Niirnberg. 
Freiherr von Bibra: 2 romische Bronzemunzen, 9 neuere Sil- 
ber- und drgl. Kupfermiinzen. Dr. von Eye, Vorstand der kunst- 
und kulturgeschichtl. Abtheilung des german. Museums : Grable- 
gung Christi, Kreidezeichnung von H. Petri. E. Hektor, Sekre- 
tar am german. Museum: 2 Silber- und 5 Kupfermiinzen, 19. 
Jhdt. — Schwabach. G. Adler, Bezirksgeometer : Eine Folge von 
religios - emblematischen Darstellungen in Kupferstich und Tusch- 
zeichnung, 18. Jhdt. Diamantwage von J. Lindenman in Amster- 
dam, 18. Jhdt. — Schwerin. Grofsherzogl. Mecklenburg. 



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307 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



Staatsregierung: 3 Gold-, 6 Silber- und 3 Kupfermflnzen 
mecklenburg. Geprages neuerer Zeit. — Sondershau&en. Furstl. 
Scbwarzburg. Ministerium: 5 Silber- und 2 Kupfermiinzen 
schwarzburg. Geprages. — Sprottau. Kohler, k. pr. General: 
Photograph. Aufnahme einesTheiles der Sproitauer Stadtmauer. — 
Wallerstein. Freiherr von Loffelholz, frstl. ottingen'scher Ar- 
chivar und Domanendirektor : 2 Petschafte vom 17. Jhdt. Ver- 
ziertes Kistenschlofs nebst Eisenbeschiagen vom 17. Jhdt. Pferde- 
gebifs vom 17. Jhdt. Sonnenuhr von Messing, 1592. 17 Stempel- 
bogen und Papierproben vom 17. und 18. Jhdt. 

IL Far die Bibliothek. 

(Nr. 30,315—30,376.) 

Amberg. Dr. E. A. Quitzmann, k. Oberstabsarzt : Ders., d. 
alteste Geschichte der Baiern bis zum J. 911. 1873. 8. — Ana- 
bach. Schnizlein, k. Bezirksgerichtsrath : Ursinus, bonae causae 
triumphus etc. 1688. 2. Miiller, der vor dem Herrn stehende Hohe- 
Priester Josua. 1691. 2. Miiller, die alleinige Weisheit u. Wort 
Evangelischer Lehrer von Jesu Christo. 1692. 2. — Basel. Bahn- 
maier'8 Verlag (C. Detloff): Rouvrois, voyage pittoresque en Al- 
sace. 1844. 8. de Laaabliere, histoire de la ville de Mulhouse. 
1856. 8. Coste, TAlsace Romaine. 1859. 8. Stoeber, l'ecole mili- 
litaire de Colmar pendant les annees 1776 — 79. 1859. 8. Coste, 
notice historique et topographique sur la ville de Vieux-Brisach. 
1860. 8. Stober, d. vordere Illthal ; 2.Aufl. 186 U 8. Stober, Jorg 
Wickram; 2. Aufl. 1866. 8. Stober, Alsatia; 2. Abth., 1862—67. 
1868. 8. — Erlangen. Dr. Rudolf v. Raumer, Univers.-Professor : 
Ders., 4. Fortsetzung der Untersuchungen liber die Urverwandt- 
schaft der semitischen u. indoeuropaischen Sprachen. 1873. 8. — 
Glogau. C. F lemming, Yerlagshandl. : Nohl u. Bogler, d. Chor- 
sttthle im Eapitelsaale des Domes zu Mainz. 1863. 2. — GSttingen. 
Dieterich'sche Buchh. : Forschungen zur deutschen Geschichte; 
Bnd. XIII, 8. 1873. 8. — KSIn. H. Lempertz, Antiqu.-Buch- u. 
Kunsth. : Bocharti hierozoicon recens. Rosenmiiller ; torn. I — III. 
1793—96. 4. — Kronach. H. G laser, Bez.-Ger.- Assessor : Ders., 
Gedachtnifsrede bei d. vierhundertjahrigenGeburtstagsfeier Lukas 
Cranachs des Aelteren. 1873. 8. — Leipzig. Furstl. Jablonow- 
skische Gesellschaft: Zeifsberg, die polnische Geschichtschrei- 
bung des Mittelalters. 1873. 8. OttoSpamer, Verlagshdl. : Mo- 
thes, illustrirtes Baulexikon ; III. Aufl., 2. Lief. 1873. 8. — Miin- 
chen. E. Akademie der Wissenschaften: Dies., Yerzeichnifs 
der Mitglieder eta 1873. 4. Sitzungsberichte der philos.-philolog. 
u. histor. Classe; 1872, Heft IV u. V; 1873, H. I— III. 1872—73. 
8. Sitzungsberichte der mathemat. - physikal. Classe; 1872, H. III. 
u. 1873, H. I. 1872—73. 8. v. Prantl, Gedachtnifsrede auf Friedr. 
Adolph Trendelenburg. 1873. 4. v. Dollinger, Rede zur Vorfeier 
des allerh. Geburtsfestes Sr. Maj. des Konigs. 1873. 4. Beez, d. 
Antheil der k. b. Akademie der W. an d. Entwickelung der Elec- 
tricitatslehre. 1873. 4. Freih. von Mettingh: v. Fouilloux, 
new Jagerbuch. 1590. 2. v. Clamorgan, Wolffsjagt. 2. — Niirn- 
berg. Dr. v. Eye, Vorstand der kunst- u. kulturgeschich. Samml. 
d. g. M. : Hartmann, Geschichte des Rathsgymnasiums zu Osna- 
brnck; I. Abth. 1865. 4. Dr. C. Stegmann, Direktor desbayer. 
Gewerbemuseums : Kunst u. Gewerbe etc. ; VI. Jhg. Nr. 8. 38. 39. 
43 — 52. VII. Jhg. Nr. 1 — 39. 1872 u. 73. 8. Friedr. Topfer, 
Direktor: d'Hunolstein, correspondance inedite de Marie Antoinette ; 
3. ed. 1864. 8. Windschugl, Bauassistent : Sibmacher, newes 



Modelbuch. 1604. qu. 4. — Schwelnfurt. Dr. F. Stein, kel. Ad- 
vokat: Ders., Graf Otto v. Rinek u. der Rinek-Lon'sche Stamm- 
baum des Albericus. 1873. 8. Sonderabdr. Ders., Regesta Franco- 
nica aus d. Zeit der ostfrank. echten Karolinger. 1873. 8. Sonder- 
abdr. — Stuttgart Wurttembergischer Alterthumsverein: 
Ders., Jahreshefbe; Bnd. II, Heft 1. 1873. Imp. 2. K. statist. - 
topograph. Bureau: Wurttembergische Jahrbiicher; Jhg. 1871. 
1873. 8. Statistik des Unterrichts- und Erziehungswesens im K. 
Wurttemberg, 1869—70 u. 1870—71, 1871—72. 1872. 73. 8. Ueber- 
sicht iiber d. Verwaltung d. Rechtspflege, 1871, 1872. 1872, 73. 8. 
Nebst 20 weiteren Beilagen. WilhNitzschke, Verlagsbuchbndl. : 
v. Schulte Lehrbuch der deutschen Reichs- u. Rechtsgeschichte ; 
3. Aufl. 1873. 8. W. Spemann, Verlagshand). : Das Kunsthand- 
werk; herausgeg. v. Bucher u. Gnauth; 1 Lief. 1874. 2. — War- 
schau. Stan. Jos. Siennicki: Ders., de typographia in Claro 
Monte Czenstochoviensi etc 1873. 8. — Welnsberj. G. Rents, 
Apotheker: Gabelkhouer, Artzneybuch; 1. u. 2. Theil. 1594.4. 
Koschwitz, vollstandige und nutzreiche Apotheke. 1693. 2. Medi- 
cinisch-chymisch u. alchemistisches Oraculum. 1772. 8. Reufs, dis- 
pensatorium universale. 1786. 8. — Wien. Leseverein der deut- 
schen Studenten: Ders., Jahresbericht, 1872 — 73. 1873. 8. 
Jo 8. Mar. Wagner, Professor: Archiv f. d. Geschichte deutscher 
Sprache u. Dichtung ; 1873, Maiheft. 8. — Wiesbaden. C. W. Krei- 
del's Verlag: Fresenius, Geschichte des chemischen Laboratoriums 
in Wiesbaden. 1873. 8. Verein fur nassauische Alter- 
thumskunde: Ders., Annalen, Bnd. XII. 1873. 8. — WflrzblTf. 
Polytechnischer Centralverein: Ders., Jahresbericht etc 
1872—73. 1873. 4. Universitat: Verzeichnifs der Vorlesungen 
etc.; 1872, 1872—73, 1873 u. 1873—74. 8. Personalbestand etc.; 
1871—72, 1872, 1872—73, 1873. 8. Dahn, westgothische Studien. 

1872. 4. Uriicns, d. Anfange der griech. Eunstlergeschichte ; 2. 
Heft 1872. 4. Urlichs, Verzeichnifs der Antikensammlung der 
Univers. Wiirzburg; 3 Heft. 1872. 8. Sachs, iiber den gegenwar- 
wartigen Znstand der Botanik in Deutschland. 1872. 4. Risch, 
zur Geschichte der Juristen - Facultat an d. Univers. Wiirzburg. 

1873. 4. Leitner, der heil. Thomas von Aquin iiber das unfehl- 
bare Lehramt des Papstes. 1872. 8. von Reinhardstottner, Bei- 
trage zur Textkritik der Lusiadas des Camoes. 1872. 8. BerteU, 
Studien iiber die Constitutions - Verhaltnisse basischer Salze. 1872. 
8. v. Balsch, Beitrage zur Lehre der Ueberwalzung der Consum- 
tions-Steuern. 1872. 8. Schalch, Beitrage zur Kenntnifs der Trias. 
1873. 8. — Ziirich. Graf LadislasPlater: Curti, d.Einweihnng 
des polnisch-histor. Museums zu Rapperswyl, 23 Oct. 1870. 1870. 8. 

m. Fur das Archiv. 

(Nr. 4328—4330.) 
Detmold. Hugo Freih. von Donop, Hauptmann und Flugel- 
adjutant Sr. Durchl. des Fiirsten von Lippe-Detmold : Mahnschrei- 
ben Philipp Valentine, Bischofs zu Bamberg, und Christian Ernsts, 
Markgrafen zu Brand enburg-Kulmbach-Bayreuth, an Herzog Ernst 
von Sachsen zu Gotha, die noch ruckstandigen Beitrage an die 
Easse des frankischen Kreises moglichst schnell einzusenden. 1669. 
Pap. Orig. — Numberg. Ungenannter: Rechnung uber Einnahme 
und Ausgabe bei dem Handwerke der Schneider in der Hocbfurst- 
lich Brandenburg-Onolzbachischen Hauptstadt Schwabach. 1737 — 
1738. Akten. Kaspar Zirk, Kaufinann : Aus den Jahresrechnnn- 
gen der Gemeinden Pottenstein und Weischenfeld. 1645. (Bruch- 
stttcke.) Akten. 



Chronik der historischen Vereine. 



Heraldisch-genealogische Zeitschrift. Organ des 
heraldisch-genealogischen Vereines „Adler" in Wien. 
m. Jahrg. Nr. 9. Wien, September. 1873. 4. 

Die Hael in Tirol. (Ed. Gaston Frhr. von Pettenegg.) — 
Sphragistik Mahrens, nach Siegeln der Bischofe von Olmiitz und 



der mahrischen Markgrafen. Von Dr. B. Dudik. — Ueber Grund 
und Bedeutung der heraldischen Lilie. Von Dr. C. 0. v. Quer- 
furth. — Ueber das Wappenwesen und den Adel in Italien. Von 
dems. 

Der Kirchen-Schmuck. Blatter des christlichen 



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309 



Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit. 



310 



Kunstvereines der DiozeseSeckau. 1873. IV. Jahrg. Nr.9. 
Graz. 8. 

Bildni8se Maria aus der Zeit des romanischen Styles. 

Sitzungsberichte der philosophisch - philologi- 
schen und historischen Classe der Akademie der Wis- 
senschaften zu Munchen. 1872. Heft IV. V. Monchen. 8. 

Ein poetiscber Briefsteller yon Matthaus yon Vendome. Von 
Wattenbacb. — Ein neuer Palastinafabrer (Jobannes Poloner). Von 
Thomas. 

1873. Heft I— in. Radewin's Gedicht fiber Theopbilus. Von 
W. Meyer. — Ueber Arnold von Brescia. Von v. Giesebrecbt. — 



Ueber die handschriftliche Sammlung der Gamerarii und ihre Schick- 
sale. Von v. Halm. — Bruchstucke eines altfranzosischen Lieder- 
buches (Cbansonnier) mit Noten aus dem J 3. Jabrb. Von Hof- 
mann. — Philologische Bemerkungen zum Waltharius. Von W. 
Meyer. — Ueber die Handschrift yon Kaiser Ludwig's altem ober- 
baieriscben Landrecbte in der furstlich Starhemberg'schen Biblio- 
thek, fruher zu Riedegg, jetzt zu Efferding. Von Rockinger. 

Verzeichnifs der Mitglieder ders. Akademie. 1873. 4. 

Festscbriften der Akademie von 1873. 4.: Von Dr. Karl 
von Prantl (Gedachtnifsrede auf Friedr. Ad. Trendelenburg) ; von 
I. v. Dollinger; von W. Beetz (der Antheil der Akademie an der 
Entwickelung der Electricitatslehre). 



Nachrichten. 



Literatnr. 

Neu er8chienene Werke. 



25) Kriegswesen und Kriegskunst der schweizeri- 
scben Eidgenossen im XIV., XV. und XVI. Jahrhundert, 
von Carl von Ellger. Mit 10 Figurentafeln. Luzern, 
militarisches Verlagsbureau. 1873. 8. XIX u. 438 Stn. 

Der Verfasser fuhrt sicb in der Vorrede als „Soldat und nicbt 

Geschichtsforscher" auf, der, weil er glaubt, dafs das geschicht- 

liche Stadium aucb fur die beutige Kriegskunst nocb von Nutzen 

sei, sich der muhevollen Arbeit, bei der ibn wenige Geschichts- 

forscber unterstiitzt baben, unterzogen. Den Tecbniker erkennt 

man aucb sofort an dem Syateme der Eintbeilung des Bucbes, das 

einen Rabmen gibt, in welcben aucb eine Abhandlung uber heu- 

tiges Kriegswesen eingescblossen werden konnte; man erkennt 

ibn daran, dafs er eine Anzahl Fragen erortert, die bei einem 

bios gelebrten Gescbicbtsforscber sicber nicbt aufgetaucbt waren. 

Wenn aucb nicbt Gescbicbtsforscber, hat er docb eine so grofse 

Zahl von Quellen beniitzt, dafs auch der Gescbicbtschreiber aus 

diesem Material Nutzen zieben kann, wobei freilich Kritik notbig 

sein wird, da der Verfasser doch auch bei seinem reichen Material 

nicht fur jede Behauptung die Original quelle, sondern vielfacb 

theils spatere, tbeils neue Schrifbsteller als Quellen anfflhrt. Da 

der Verfasser fur jede Specialitat die bistorische Entwickelung ver- 

folgt, bo ist das Bucb, insbesondere bei Specialfragen, als bequemes 

Nachschlagebuch werthvoll ; freilich liefse sich aucb da fur mancbe 

einzelne Aufstellung der historische Beweis erst verlangen, fur 

mancbe gewifs nicht erbringen. Die Zeicbnungen, welche Vieles 

erlautern , sind theilweise , namentlich wo es sich um Nachbildung 

alter Zeicbnungen handelt, zu sehr in's Moderne ubersetzt und 

baben dadurcb die GlaubwQrdigkeit der vielleicbt mangelbaften 

ursprunglichen Originalzeichnung eingebufst. E. 



Aufs&tee in ZeiUchriften. 
Aus alien Welttbeilen: Aug. Sagentypen aus Thuringen. (G. 

F. Lauckhard.) 
Das A u si and: Nr. 36. Unser heutiges Wissen uber dieZigeuner. 
Die Grenzboten: Nr. 36. Zur Geschicbte der Scbrift und des 

Schrifttbums. (G. Tybusch.) 



Im neuen Reich: Nr. 39. Der kursachs. Kammerprasident von 
Hoym. Sittenbild aus dem 17. Jahrh. (K. G. Helbig.) 

Der Katholik: Aug. Ueber ein Breve des Papstes Hadrian VI. 
an den KurfQrsten Friedrich von Sachsen im J. 1522. 

Protest. Kirchenzeitung: Nr. 33. Deutscbland in den Jabren 
1517—25. 

Korresp. v. u. f. Deutschland: Nr. 473. 476. Wer ist der Ver- 
, fertiger der sog. Jamnitzer-Becher in der stadtischen Kunst- 
sammlung zu Nurnberg ? (R. Bergau.) — Nr. 511 f. Ein neuer 
Nurnberger Maler (Erbard Schon). (Chr. Mehlis.) 

Deutsche Kunst-Zeitung: Nr. 32 f. Ein kostbarer, seither 
noch nicbt bekannter Sammelband mit Mustern fiir Gold- 
schmiede und andern Ornamenten aus dem sechszehnten Jahrh. 

Baltische Monatsschrift: Marz. April. Herzog Friedrich Wil- 
helm. (Th. Schiemann.) 

Die Deutsche Predigt: 5. Heft. Bilder aus dem Predigtwe- 
sen zur Reformationszeit. 1. 

Nurnb. Pre3se: Nr. 253 f. Deutsche Meistersinger - u. Trinklie- 
der. (Karl Blind.) 

Schles. Provinzialblatter (Rubezahl): VHI. Heft. Girge und 
Hons, Gedicht in schles. Mundart vom Jabre 1741, mitg. von 
Prof. Dr. H. Palm. — IX. Heft. Die evangeliscbe Pfarrkirche 
zu Oppeln OS. (Nacb einer Urkunde.) Von M. Ueberschar. 

— Schlesische Marcben und Sagen. — Heidnische Begrabnifs- 
statten bei Kanigen. (B. Wiehle.) — Mundartliche Proben. 
Von Cantor Lehfeld. — Die „alte Hacke." 

Deutscber Reichs-Anzeiger : Beil. Nr. 32. Der echdne Brun- 
nen zu Nurnberg. — Nr. 34. Zur Geschichte der deutscben 
Rechtschreibung. — Nr. 35. Vorbistorische Denkmale. 1. — 
Nr. 38. Zur Geschichte der Postkarten. 

Sonntagsblatt (von Fr. Duncker): Nr. 32. Nordische Konigs- 
graber. (J. v. Sydow.) — Die Namen der Frauen bei den Ger- 
manen. (H. Meyer-Emden.) — Nr. 34. Die Gottersagen unse- 
rer Altvordern. 4. Frau Holda. (Tb. Bodin.) — Etwas zur 
Geschichte der Pfeifen. 

Wochenblatt d. Job.-Ord.-Balley Brdbg.: Nr. 41. Kloster 
Friedland in der Mark. (Oskar Schwebel.) 

Zeitschrift f. bildende Kunst: Hft. 12. Zur Biographic und 
Charakteristik Jan Steen's. Mit zwei Radirungen. (W. Bode.) 

— Streifzuge im Elsafs. Von Alfred Woltmann. Mit Illustra- 



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311 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



313 



tionen. VI. Colmar, Kaisersberg. — Die Stiftskirche von 

St. Gereon in Koln. (Dr. Ennen.) — Beibl. Nr. 49. Ein Denk- 

mal mittelalterlicher Plastik (zn Frauenrode). 
Zeitschrift f. d. g. luther. Theologie: 4. Quart.-Heft. Die 

neuesten Untersuchungen uber Luther's Geburtsjahr. (J. K, 

F. Knaake.) 
All gem. Zeitung: Beil. Nr. 266 f. Antiquariscbe Funde ah Ge- 

genstand des Expropriationsrechtes. 
Leipziger Zeitung: Wissenschaftl. Beil. Nr. 75 u. 76. ZurPoe- 

tik des March en 8. (R. Treitschke.) 



Termischte Nachrichten. 

73) Sigmaringen. Zu den vielen Schopfungen, mit denen der 
Kunstsinn und die Munificenz Seiner koniglichen Hoheit des Fiir- 
sten Karl Anton zu Hohenzollern nach langer Abwesenheit von 
hier in kurzer Zeit die Stadt Sigmaringen bereichert und verscho- 
nert hat, ist auch das in der Earlsstrasse neu erbaute und jetzt 
vollendete furstliche Archiv zu rechnen. Dieses, im soliden und 
eleganten Style der modernen Renaissance gehaltene, in der un- 
mittelbaren Nahe der hochsten koniglichen und fiirstlichen Dica- 
sterien belegene Gebaude enthalt zu ebener Erde zwei grofse ge- 
wolbte Sale und die erforderlichen Arbeitszimmer, im ersten Stocke 
drei kleinere Sale und die Dienstwohnung des furstlichen Archivars. 
Keller und Dachraum sind so eingerichtet , dais sie eb en falls zur 
Aufbewahrung von minder. wichtigen Akten benutzt werden kon- 
nen. Aufser den Haus- und Staatsarchiv alien, auch Klosterarchiven, 
der fruheren souveranen Furstenthiimer Hohenzollern -Hechingen 
und Sigmaringen, soweit deren Inhalt nicht fiir das neu gegrun- 
dete konigliche Regierungsarchiv dahier ausgeschieden wurde, und 
aufser dem altesten Stammarchiv der Burg Hohenzollern, begreift 
das fQrstliche Archiv auch alte Documente uber Erwerb und Be- 
sitz des furstlich hohenzollern'schen Haus- und Familienfideicom- 
mis8es. Dieses umfafst in Hohenzollern einen grofsen Besitz von 
Cameralhofen und bedeutenden Waldungen, welche von den drei 
Rentamtern Sigmaringen, Hechingen und Haigerloch verwaltet 
werden. Das nicht unbedeutende Hiittenwerk Laucherthal mit 
Giefsereien, Hammer- und Walzwerken ist ein Bestandtheil dieses 
Besitzes. Ferner besitzt die furstliche Verwaltung, nachdem die 
Herrschaft Bassenhcim in der Rheinprovinz wieder verkauft ist, 
in der Provinz Schlesien die Herrschaften Beutniz, Cunersdorf und 
Hohlstein mit einzelnen Zugehorden in der Provinz Brandenburg, 
als Bestandtheile des fruheren Herzogthums Sagan, in der Provinz 
Pommern, Kreis Coslin, die Rittergiiter Manow, Rofsnow, Griinhof 
und Seydel, in der Provinz Posen, Kreis Czarnikau, die friiher 
polnische Herrschaft Drascow, in verschiedenen Gegenden des K6- 
nigreiches Bohmen die Herrschaften Bistriz, Descheniz, Eisenstein, 
Hurkenthal, Schrittenz und Zerekwe, im Konigreiche Baiern die 
Herrschaft Baierisch-Eisenstein, welche an die bohmische Herrschaft 
Eisenstein angrenzt, in Oberbaiern die neu angekaufte Herrschaft 



Hohenaschau in der Nahe des Chiemsee's. In Wurttemberg ge- 
hort zum furstlich hohenzollern'schen Besitze das Rittergut Fell- 
dorf, Oberamtes Horb, in Baden die Herrschaft Umkirch bei Frei- 
burg, in Holland, Provinz Geldern, die grofse Grafschaft Bergh, 
endlich als Allodialbesitz das schon gelegene Landgut Weinborg 
bei Rheineck am Bodensee. 

74) Das Diirer'sche Gemalde der h. Dreifaltigkeit, das rich 
jetzt im k. k. Belvedere zu Wien befindet, war ehedem von ei- 
nem reichen, geschnitzten Rahmen, einem formlichen Altarauftatze, 
umfafst und befand sich im Landauerkloster zu Nurnberg. Die- 
ser Altaraufsatz ist, seines Bildes beraubt, heute noch im Rathhause 
zu Nurnberg. Er wurde in den ersten Decennien des laufenden 
Jahrhunderts restauriert, d. h. mit grauer Oelfarbe bemalt; an 
mehreren Stellen konnte man jedoch in letzter Zeit finden, dab 
die ganze alte Bemalung und Vergoldung noch ziemlich wohi- 
erhalten unter der Oelfarbe zu finden sei, und dafs man wol, bios 
um die abgebrochenen Theile der Ornamente nicht erganzen zn 
miissen und die Bruchflachen zu verdecken, vielleicht auch, am 
den Staub und den Niederschlag der Dunste von der dadorch 
schmutzig gewordenen Vergoldung nicht abwaschen zu miissen, 
den Oelanstrich angebracht habe. Dafs der Entwurf zu diesem 
Altaraufsatze von A. Dorer selbst herruhrt, war nicht bios durch 
die Formen, sondern auch durch eine, leider in England befindli- 
che Handzeichnung A. Diirer's bezeugt, die den Entwurf dieses 
Rahmens enthalt Die jetzt sich neu belebende Vorliebe fur Re- 
naissance - Formen hat auch diesem lange vergessenen Werke Dq- 
rer's, das gothische Formen in reicher Fulle mit den phantasti- 
schen der Renaissance gemischt zeigt, neue Aufmerksamkeit zuge- 
wendet, und dasselbe wurde wiederholt fiir Publikationen (wir 
nennen A. Ortwein's deutsche Renaissance, Gnauth und Bucno^i 
Kunsthandwerk, Liitzow's Zeitschrift f. bild. Kunst; — keine der- 
selben ist aber bis heute erschienen) gezeichnet. Es fiel auf, dafs 
der Arcbitrav der Durer'schen Zeichnung die Auferstehung der 
Todten und die Abfuhrung in Himmel und Holle darstellt, wah- 
rend der Rahmen selbst ein blofses, offenbar erst bei der Restaa- 
ration dazu gekommenes Mafswerk enthielt Jangst wurde nan 
ein Relief in Regensburg gefunden, das in seiner Uebereinstim- 
mung mit der erwahnten Zeichnung wie in seinen Mafsen sofort 
als ehedem am Rahmen befindlich zu erkennen war. Um es nicht 
dem Zufalle preiszugeben und in fremde Hande zu bringen, wurde 
es so fort um 200 n. vom germanischen Museum erworben und von 
demselben dem Magistrate der Stadt Nurnberg zur Anbringung 
am Rahmen um den Ankaufspreis zur Verfugung gestellt. A. E. 

75) Wir freuen uns, mittheilen zu konnen, dafs die so ma- 
sterhaft angeordnete Ausstellung fiir die Geschichte der Stadt 
Wien, die unter Nr. T3 der vermischten Nachrichten in voriger 
Nummer d. Bl. besprochen wurde, bereits nach anderen Seiten An- 
regung gegeben hat. Ebenso wie Wien diese Sammlung als stadti- 
sches Museum dauernd im neuen Rathhause zur Belehrung far 
Einheimi8che und Fremde aufstellen wird, haben auch die stadti- 
schen Collegien von Munchen die Anlage eines solchen Museums 
beschlossen und sofort zur Durchfuhrung der Vorarbeiten einen 
Credit bewilligt. Wir empfehlen auch andern Stadten diesen Vor- 
gang; und gewifs wird bald der Verein fiir Geschichte der Stadt 
Berlin, sowie andere speciell fiir die Geschichte einer Stadt ge- 
grundete Vereine (z. B. Leipzigs, Brandenburgs u. s. w.), den betref- 
fenden Stadtbehorden Antrage zur Aufstellung ahnlicher Samm- 
lungen unterbreiten. 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Yerlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. £. Sebald In Ktirnberg. 



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Vflrnbers;. Dm Abonnement dei Blat- 
tei, welches aUe Monate erscheint, wird 
gansjahrig angenommen and betragt nach 
der neuesten Postconrention bai alien Post- 
imtarn und Baohhandlongan Deutockland* 
tool. Oaatarraicha 8 ft. 86 kr. im 24fl.-Fuft 
odar 9 Thlr. preufs. 

FOr Fnmkreieh abonnlart man in 
Parit bai dar deuttohen Buohhandlung von 
P. Klincksieok, Nr. ll rua da LUla; fur 




WZIKKK 



England bai Williams * NorgaU, 14 Hen- 
rietta-Street Covent- Garden in London; 
for Nord-Awurika bai dan Poet im tern Bre- 
men und Hamburg. 

Alia fur das german. Museum be- 
•timmten Sendungen aof dam Wage das 
Buchhandelt warden dureh den Oommis- 
■ionar der Uterar.-artitt. Anttett das Mu- 
seums, P. A. Brookhaus in Leipsig, bt- 
fOrdext. 



FOR RI11E DER 





Neue Folge. 



Zwanzigster Jahrgang. 



ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS. 



1873. 



MIX. 



November. 



Wissenschaftliche Mittheilungen. 



„Ordnung die man haldet so man ainen kunig gesegent 
ynd kronet etc. 

Wenn ain kunig sol gesegent vnd gekrdnt werden So 
koment all Bischdf des knnigreichs zesamen in des Ertzbischofs 
Stat oder in ain kunigkliche Stat darjnn das vor gewOolich ist 
beschehen 

Der kunig der gesegent vnd gekrOnt sol werden Sol ee >) 
in der vordern*) wochen andechticlich drey tag vassten, am 
Mittichen 3 ) freitag vnd Sambstag 

An dem Suntag daran der kunig sol gesegent vnd gekr5nt 
werden komen all Bischof frue zusammen in die kirichen da 
das beschehen sol 

Der Ertzbischof beraitt sich hochtzeitlich 4 ) zue mit scinen 
dienern als er mefs sol haben 

die Bischofen beraittent sich mit jrn korrflkchen Stolln 
korkappen vnd jnfellen 5 ) 

Der kunig sol gantz gerainigt sein an dem leib vnd auch 
an dem gemut, Darnach die vflrdristen zwen BischSf furent jn 
for den Altar fur den Ertzbischof der da sitzt vor dem Altar 
vnd die andern Bischofen stennd dabey an ainem zirckel vnd 
der kunig in der mitt vnder jn Dann so spricht ainer vnder 
jn mit lautterr stymm Erwirdiger vater die heilig Muter der 
kirichen vordert den gegenburtigen 6 ) strenngen Bitter zu ku- 
nigklicher wirdikait zu erhdhen 



") ee y S, vorher, zuvor; Schmeller I *, 4, *. *) vorausgehenden. 
») Schmeller P, 1691. ♦) hochfesttaglich. Schm. I 1 , 1044. ') Infuln. 
*) gegenwartigen. 



Darnach fragt der Ertzbischof wisst jr jn wirdigen vnd 
nutzen zu der wirdikait, darauf antwurtten sy, wir haben er- 
kannt vnd gelauben jn wirdigen vnd nutzen der kirichen gots 
vnd zuuerwesung des knnigreichs Darnach antwurtten sy all Deo 
gratias 

Darnach wirt er von stunden 7 ) offenbar vnderweiset vnd 
vleissiclich gemont an den gelauben vnd an die lieb gots, an 
ain hailbertige 8 ) verwesung des kunigkreichs vnd des volkchg 
an die beschirmung der kirichen vnd dttrftiger person vnd an- 
derr solher ding, vnd legt jm aus den Stand seiner wirdikhait 
die gelegenhait seiner wirdikait vnd kunigklichs stannds 

vnd so das nu geschehen ist so tut er die gelub 

Ich albrecht vergich 9 ) vnd verhaifs vor Got vnd seinen 
Engeln, hinfur gesetze vnd gerechtikait vnd fride der heiligen 
kirichen gots vnd dem volkch mir vnder getan nach meim ver- 
mttgen vnd verstentnuTs zetun vnd zehalten Doch vorbehalten 
zimlich zuuersicht zu gots parmhertzikait als jch mit Rat mei- 
ner getrewn am pessten mag erfinnden Auch den Bischofen der 
kirchen Gots zimlich vnd Eecht ere zebeweisen vnd was den 
kirichen von kaisern vnd kunigen verlihen vnd gegeben ist 
vnuerseret zehalten, den Ebbten Grauen vnd lehenslewten zim- 
lich ere nach Rat meiner getrewn getun 10 ) vnd die ding alle 
sw6r jch auf die heiligen Ewangelj vntzerutt 11 ) warlich ze- 
halten 

') von Stund an. 8 ) haxlwcrtig, heilsam, heilbringend. Schm. I 1 , 
1079. •) ich vergich, ich bekenne, Praes. von verjehen. Schm. I 1 , 
1205f. I0 ) lies: ze tun. ") unzerrfittet, unveraehrt, unzerotort. 
Schm. IP, 191. 



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315 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



316 



Darnach naigt er sich vasst vnd der ErtzBiscbof spricht 
das gebet 

Allm6chtiger ewiger Gott, Schepher aller ding, gepieter 
der Engel, kunig der kunigen herr der heren, dem n ) abraham 
deira getrewn diener sig hast gegeben wider sein veindt, Moysi 
vnd Josoe verwesernn deins volkchs manigueltigen sig, vnd den 
diemfltigen dauid dein kind zu wirdigkait des Reichs erh5rt n ') 
hast, vnd Salomonem mit vns&glicher gab der weishait vnd des 
frids gereihet hast, Siech an die pet vnserr diemtttikait vnd 
auf den gegenburtigen 6 ) deinen diener Albrechten den wir mit 
gantzer andacht ainen Maister der krisstenbait in deiner gab, 
em, vnd zu aim ktinig erwellen, mere die gab deiner segen, 
vnd vmbgib jn altzeit hie vnd vberal mit der Rechten hannd 
deiner mdchtikait, das er besterkhund mit der trew des vor- 
genanten.Abrahe vnd niessund die senftikait Moysi (erh5het), 
erhahet in der diemtttikait Dauid, getzirt mit der weishait Sa- 
loraonis, dir in alien dingen geuallen vnd durch den weg der 
gerechtikait albeg vngejrret gee, vnd fursehen mit dem helem 
deiner beschirmung vnd bedekchet stStlich mit dem vnvber- 
wintlichen schilt vnd vmbgeben mit den himlischen waffen be- 
schirlich (sic!) Sig> von den veinden des krewtz kristi trew- 
lich behab vnd seligklichen nem, vnd jn ertzaig erschrekchung 
seiner macht, vnd den Gotsdieneren frid dauon bring durch 
dich Cristum vnsernn hern der in zaichen des krewtzes die vor- 
hell zeprochen hat, vnd nach vberwindung des Reichs des Tew- 
fels aufgestigen hast in die himel in dem der gewalt vnd sig 
ailes Reichs ist, der da ist ain zir aller diemUtigen das leben 
vnd auch hailwertikait Qui tecum viuit etc. 

Darnach so der kunig vor dem Altar auf dem Erdtreich 
ligt vnd. der Ertzbischof vnd die Bischof mit den jnfelen auf 
den Stain rttrent hebt man an ze singen die leteney 

Vnd wann man singt vt ohsequium etc. so hebt sich der 
Ertzbischof auf vnd tut das krewtz vber den kunig vnd spricht 
das gepet 

Das du geruhest gesegen den Erwelten kunig etc. vnd 
dasselb tunt auch also die Bischof vnd Cantores, vnd so die 
leteney fttr ist So stet der Ertzbischof vnd der kunig auf, vnd 
die Bischof ligent still vnd spricht pater noster etc. vnd dar- 
nach ettlich versigkel vnd darnach das gepet 

Herr wir bitten, henng dem gegenburtigen 6 ) deim diener 
die Recht hand himlischer hilf das er die such mit gantzem 
hertzen, vnd was er zimlich bitt das er des gewert werde per 
dominum nostrum etc. 

Darnach spricht der Ertzbischof aber ain pet, vnd so das 
fflr ist So salbet der Ertzbischof den Rechten arem des kunigs 
vnd zwischen den Schultern mit dem heiligen 01 vnd krewtz- 
weise vnd spricht das gepet 

Got gots Sun jbesus cristus vnser herr der von dem vater 
mit dem Ol der frolokchung gesalbet ist, fur die andern, der 
giefs mit der gegenburtigen 6 ) heiligen Salben auf dich den 



segen des jnflus des heiligen geists vnd lafs die jnwenndig in 
dein hertz geen 

So das nu geschehen ist So hebt man das Ambt an, dann 
so wirt der kunig in dem Sagrer 13 ) oder an ainer andern stat 
dartzu geschikcht angelegt mit ktlnigklichem gewannt vnd vber 
sein gewondlich gewannt legt er an von erst ain leyneine Al- 
bam etc. 

Darnach so geet der kunig mit seinen prelaten vnd hern an 
die stat in der kirchen die jm zugericht ist So singet man verrer 
vntz ,4 ) auf das alleluja, Darnach furt man den kunig fur den 
Altar vnd der Ertzbischof gibt jm ain ploss Swert das er ab 
dem Altar nymbt vnd in der gab des Swerts gibt er jm die 
verwfisung des gantzen kunig Reichs vnd spricht das gebet 

Nym das Swert, genomen von dem Altar vnd dir durch 
vnser hennd vnwirdig, doch an stat vnd von gewalt der heili- 
gen zwelfpoten gesegent, dir kunigkleich verlihen vnd mit dem 
Ambt vnsers Segens dir zubeschirmung der heiligen kirichen 
gots gdttlich beraittet zustraffung der pflsen vnd zu Rachnng 
der vbelteter, vnd lob der guten vnd bis gedgchtig ,5 ) des von 
dem der psallmisst geweissagt hat Gtirtt vmb dich das Swert 
gewalticlich das du damit vbest die macht der gerechtikait vnd 
raechticlich zerttttest 11 ) vbeltetung, vnd die heiligen kirichen 
vnd jr getrew beschirmest, vnd auch die veint des namens 
kristi vnder dem schein des gekiubens zestfirest vnd ausrewt- 
test, witiben vnd waisen gtitlich bchslffest vnd beschirmest, die 
zerstorten ding widerbringest, die widerprachten ding behabest, 
vnrechte ding straflfest, vnd wolgeordente ding bestSttest, das 
du in solher wtirchung der tugent ain lobsamer vberwinnder 
vnd ain bewerter vber der gerechtikait mit dem haylund der 
wellet des vigur du tregst an end herschepht l6 ) etc. 

Darnach setzt man jm die kron auf in der weis all Bi- 
schof die dabey sint haitent die kron die der Ertzbischof von 
dem Altar genomen hat vnd die er auf des kuniges haubt setzt 
Sprechund, Nym hin die kron des Reichs die von den vnwir- 
digen hennden der Bischof auf dein haubt gesetzt wirt in dem 
namen des vaters, des Suns, vnd des heiligen geists, Dabey 
verstee das Sy bedewtt die Eer der heiligkait vnd die zir, vnd 
werch der stgrkch vnd solt wissen durch die tailhefftig ze wer- 
den vnser dinstperkait Also als wir jnwenndigklich verweser vnd 
Regirer der Seeln verstannden werden, desgeleichen solt du 
peygestenndig sein der kirichen kristi wider alle widerwSrtikait 
vnd des Reichs dir von Got gegeben durch das Ambt vnsers 
Segnes an stat der zwelfpoten vnd aller heiligen deiner verwe- 
sung bepholhen ain nutzer volfttrer, ain fursichtiger Regirer 
alltzeit erscheinest, also das du vnder den lobsamen Rittera 
mit zirhait der tugent getziret, vnd mit dem Ion der ewigen 
selikait gekrOnet mit vnserm erlediger vnd heiliger Jhesu Cristo 
des namen vnd stat du verwesest, an ennd geert werdest, der 



n ) lies: der du dem. I2 'j lies: erhohet. 



li ) Sagrer, sacrarium, Sacristei. Schm. IP, 235. '*) bis. Schm. 
I\ 118. 15 ) sei eingedenk. Schm. P, 291 f. u. 485. ,6 ) lies: herr- 
schest. 



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Anzeiger fur Kunde der deutechen Vorzeit. 



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da lebt vnd gepewtt mit Got dem vater ain Got ymmer vnd 
ewigklich Amen 

Darnach gibt man jm daselbs das Zeppter sprechund vber 
jn knyeund Nym hin die Gfcrtten der kraft vnd der warhait 
dabey da versteen solt dicli schaldig zusein waikchen 17 ) die 
gtttigen vnd schrekchen die pOsen die jrrunden den weg zelern, 
den genallen die hennd ze Raichen, die hochuertigen zuuertrei- 
ben, vnd die diemfltigen zu erhOhen, vnd Offne dir die Tttr Je- 
sus kristus vnser herr der von jm selbs spricht, Ich bin die Tttr, 
wer durch mich jngeet der wirt hailbertig 8 ), der da ist der Sltls- 
sel dauids, vnd das zeppter des hawfs jsrahel der da Offnet vnd 
nyemant zuslewsst, der da zuslewsst vnd nyemant Offnet, vnd scy 
dir ain anweiser der da ausftlrt dj gfangen aus dem haws der 
kSrcher 18 ) 6itzunden in den vinstern vnd in dem schattcn des 
todes vnd in alien dingen verdinst nacli zeaolgen jn von dem 
dauid der weissag spricht Dein Stui Got ymmer vnd ewigklich 
die gertten der gerechtikait, die gertten deins Reichs, vnd das 
da jm nachvolgand, lieb habst die gerechtikait vnd hassest die 
vngerechtikait wann 19 ) daramb hat dich gesalbt Got, dein Got 
za Ebenpild dem den er vor anfanug der Welt gesalbt hat, 
mit dem 01 der frolokchang vber sein mittailhefftig jhesum cri- 
stam vnsern herrn der mit jm lebt vnd herscht Amen 

Nach dem der Ertzbischof vnd ainer aas den Bischofen 
furent den kunig an die stat die dartzu geordent ist vnd jn 
setzent jn daselbs Sprechund stee vnd halt hinfur die 6tat, die 
dir von Got gegeben ist durch gcwalt des Allmechtigen gots 
vnd durch die gegenburtigen 6 ) gab aller Bischof vnd der an- 
dern diener gots, vnd so da die Briesterschafft ye nehenter 20 ) 
bey den heiligen Elternn siechst, ye grosser Eer du jn an zim- 
lichen steten zubeweisen gedennkhest, dadurch das dich der 
Mittler Gots vnd der menschen, ain mittler zwischen der Brie- 
sterschafft vnd des volkchs in dem Sold ditz Reichs bestetig* 
vnd in dem ewigen Reich mit jm mach herschond Jesus cri- 
stas vnser herr, kanig der kunig, herr der herrn der mit Got 
dem vater vnd dem heiligen geist lebt vnd herscht Amen 

Darnach hebt an der Ertzbischof das die Briesterschafft 
darnach volenndt Te deum laudamus 

Als das volenndt ist Spricht der Ertzbischof vber jn den 
versikel Dein hannd werd bestfcrkcht, vnd dein Rechte hannd 
werde erhdcht, Richt die gerechtikait, vnd das Gericht sey zu 
Richtung deins Stuls etc. 

Darnach spricht der Bischof zway gepet die der kanig 
sol hOren vnd nach besliessang der Mefs sol er den Bischofli- 
chen Segen wirdigklichen nemenn." 

Aas der Papierhandschrift Nr. 28,909 in der Bibliothek 
des germanischen Museums, welche in Nr. 6 des diesjahrigen 
Anzeigers, Sp. 153 — 158 aasfuhrlich beschrieben ist Vgl. auch 
Sp. 262 ff. a, 295 ff. 
. Dr. Frommann. 

17 ) sic! wol „wecken" zu lesen. l8 ) Kerker. Schm. I 1 , 1287. 
I9 ) denn, weil. Schm. IV, 79, d. l0 ) naher. Schm. I 1 , 1735 f. 



Ein verschollener Tafelanfsatz von Wenzel Jamnitzer. 

In M. M. Mayer's Nurnberger Gescbicht-, Kunst- 
und Alterthumsfreand, I, S. 244 ff. ist sehr mangelhaft 
eine alte Beschreibdng eines Meisterwerkes der Goldschmiede- 
kunst des 16. Jahrh. abgedruckt, welches 6elbst verschollen, aber 
N auch in dieser Mittheilung far die Konstgeschichte verloren 
ist. Dieselbe befindet sich auch in einer Art Album (Biblio- 
thek des german. Museums Nr. 28,722), in welches gegen die 
Mitte des 17. Jahrh. (1640—42) ein Altdorfer Student, wahr- 
scheinlich aus der Patrizierfamilie der Krefs zu Nurnbcrg, a. A. 
eingetragen hat, was ihm auf einer Reise nach Regensburg, Pas- 
sau, Wien und Prag Iuteressantes aufgestofsen. Derselbe sah 
auf der kaiserlichen Burg der letztgenannten Stadt einen Tafel- 
aufsatz von seltener Grflfse und Pracht and widmete solchem 
jene ausfuhrliche , mit vielen erbaulichen Betrachtungen unter- 
mischte Schilderung, deren Hauptinhalt wir in Folgendem wie- 
dergeben. Der „Brunnen", wie er in der Handschrift genannt 
wird, war vom Kaiser Maximilian II. bei Wenzel Jamnitzer — 
derVerfasser schreibt w Jamizer** — bestellt, aber erst an Ru- 
dolf II. abgeliefert worden, Er bestand nicht bios aus ed- 
len Metallen, wahrscheinlich urn demselben bei seiner GrOfse 
die nOthige Festigkeit zu geben, und soil im Ganzen die Ge- 
stalt der kaiserlichen Krone gehabt haben, welche sich freilich 
aus der Angabe der Einzelnheiten schwer herauskennen l&fet. 
Seine HOhe wird auf 10 Fufs angegeben, somit also, da wir 
den alten Nttrnberger Stadtschuh diesem Mafse zu Grande le- 
gen dttrfen, auf 3,07 m. Die Breite betrug die Halfte. Der 
Richtung der Zeit entsprechend, war dem Werke ein allegori- 
scher Gedanke zu Grunde gelegt; die durchgehendo Gestalt 
der Krone spllte die Idee der hflchsten Macht auf Erden ver- 
gegenwartigen. Nebenbei wurden aber auch noch „nit allein 
Physica und Metaphysica, sondtern auch Politica mit vielen 
schdn Philosophischen vndt Pofitischen Geheimnusen" vor Au- 
gen gestellt, und zwar in folgender sinnreicher Weise. Tier 
allegorische Figuren von Erz trugen den Aufsatz, die vier Jah- 
reszeiten reprftsentierend. Den FrOhling vertrat eine Flora, 
den Sommer die Ceres, den Herbst Bacchus und den Winter 
Vulkan. Erstere war durch Blumen, die zweite durch ein Fun- 
horn mit Aehren, Bacchus durch Trauben und Vulkan durch 
eine Pflugschar gekennzeichnet, die einzelnen aber inBezug za 
einander gesetzt, indem je die n&chste Figur der vorhergehen- 
den darzureichen schien, was sie in den Handen trug. Zwi- 
schen den vier GOttern stand — ob ebenfalls in vierfacher Wie- 
derholung, ist nicht gesagt — ein LOwe mit dem ftsterreichisch- 
burgundischen Wappenschilde. Sodann folgte als Basis des 
Ganzen eine Plattform, welche in ihrer Bestimmung, Land und 
Wasser zu reprasentieren , durch die Figuren der Cybele und 
des Neptun nebst umfassenden Attributen geziert war. Der 
Rand herum zeigte sich mit Gold- und Silberstufen belegt, and 
auf dem Boden wuchsen naturliche Krauter und Blumen vom 
selben Metall, ohne Zweifel jene reizenden Gebilde, wie wir 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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tie noch am Jamnitzer'schen Pokal im Besitz der Farailie Mer- | der Krone 
kel zu Nttrnberg bewundern. Fig , 

Zwischen diesen ergossen sich 
nach den Himmelsgegenden 
die vier HauptflOsse Europas i 
Donau, Rhein, Elbe mid Ti- 
ber, deren Quellen von Nym- 
pben bewacbt warden, w&h- 
rend an den AusflQssen ver- 
scbiedene Muhlen, and zwar 
eine Schleifmuhle , Stampf- 
mahle, Sage- and Hammer- 
muhle aufgestellt waren. Nep- 
tun stand auf einer MuscheJ, 
fuhrte in der Hand den Drei- 
zack and auf dem Haupte, 
wie die Cybele eine Krone 
schmuckte, ein Schiff rait al- 
ler Zubehor. Seine Muscbel 
wurde stets von Nilpferden 
beramgeftihrt, wahrend er 
mit allerlei beweglichen Meer- 
ungeheuern stritt. Zu diesen 
beiden gesellte sich — in 
welcher Anordnang , bleibt 
unklar — Merkur als Ver- 

treter derLaft. Erschwebte, Fig. 2. 

an einem goldenen Stern bftn- 
gend, zwischen zwei Gewfll- 
ken ; aaf einem von ihm vor- 
gehaltenen Bande war die In- 
schrift za lesen: 
Auspice me Rex arma 
capis, facis auspice 
pacem. 

An einem unterhalb an- 
gebrachten Gewdlk waren die 
vier Winde sichtbar und dar- 
tiber eben so viele Engelfigu- 
ren, welche Lorbeerkrftnze 
und weitere Spruchbander in 
den Hftnden hielten. Urn die 
Luft noch weiter zu bezeich- 
nen, war allerlei Geflugel 
angcbracht, welches den Raum 
zwischen den Wolken fullte. 
Das Element des Feuers fand 
sich weiter oben in der Ge- 
stalt des Jupiter mit dem 
Blitzstrahl. 

Wie es scheint, waren 
diese Figuren, mit Ausnahme der letzteren, im inneren Raum | Markgrafen 



angebracht. Denn tiber dem Schlafs derselben, 
gibt der Verfasser an, be- 
fand sich eine Himmels- 
sph&re, die den Lauf der 
Sonne und des Mondes ver- 
gegenw&rtigte. Sie war am- 
geben von den vier Erzen- 
geln: Michael als Streiter 
Gottes rait Krone und Schwert, 
Gabriel als Bote mit Scep- 
ter und Credenzbrief, Uriel 
mit der Sonnenscheibe and 
Raphael mit Fisch und Brat- 
rost fur dessen Leber. Zwi- 
schen diesen Engeln schweb- 
ten vier junge Adler mit 
Sceptern, als Hinweis auf das 
heranwachsende Furstenge- 
schlecht, und mit besonderer 
Beziehung und Deutung aaf 
das Haus Oesterreich. Ein 
grofser Adler auf der Sphare 
selbst bedeutete sodann die 
Monarcben und obersten Po- 
tentaten und charakterisierte 
diese durch die Erwurgung 
eines Basilisken mit der ei- 
nen Klaue als diejenigen, 
welche Schande und Laster 
auf Erden bestrafen und ab- 
wenden, wahrend die Per- 
son des Herrschers in der 
erw&hnten Figur <ies Jupiter, 
die auf dem Rttcken des Ad- 
lers safs, ein entsprcchendes 
Symbol fand. 

Eine dritte Abtheilong 
des Brunnens vergegenwar- 
tigte das kaiserliche Regiment 
mehr in seiner vor Augen lie- 
genden Gestalt; doch scheint 
dieselbe raumlich nicht uber 
die Sphftre mit ihren Figa- 
ren, sondern aufsen urn die 
BOgel der Krone angeordnet 
gewesen zu sein. Die vier 
Monarchieen waren personifi- 
ciert durch Ninas, Cyrus, 
Alexander d. Gr. und Maxi- 
milian II., die sieben Char- 
fur sten, vier Hcrzoge, Tier 

u. s. w. durch alle Stande des Reichs bis za den 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Stadten, Dflrfern und Ban era, durch ihre Ketten, Orden und 

Wappen. Vier Sterne bewegten sich um die Haupter der 

eben genannten Monarchen, und es ist kein Zweifel, dafs im 

Werke ein Mechanismus vorhanden war, der nicht nur diese, 

sondern auch die Sphftre umtrieb. Ja, die Bezeichnung des 

Brunnens wird gerechtfertigt, wenn wir am Ende der Beschrei- 

bmig lesen, dafs, als Zu- Fig 

gabe des Kttnstlers, bei 

anfgezogenem „Register", 

darch den Trieb des Was- 

sers zwei weltliche StQcke 

oder Tanze, namlich „Ro- 

landt und Pickelhering - , 

von Cymbeln ausgeftthrt 

wurden. 

Bei Jedem, der die Be- 
schreibung dieses interes- 
santen Werkes liest, wird 
gewifs die Frage entstehen, 
wo dasselbe geblieben sei, 
Sein Verschwinden ist um 
so rathelhafter, als es in 
H&nden sich befand, die 
nicht so leicht in die Noth- 
wendigkeit geriethen , es 
loszulassen, als es ander- 
seits wegen seiner Grofse 
nicht wol verloren gehen 
konnte. Oder hat vielleicht, 
was im Osterreichischen 
Hause mehrfach vorkommt, 
ein spaterer Kaiser ein Ge- 
schenk mit diesem Pracht- 

stttck gemacht, so dafs es noch anderswo zu finden ware? 
Vielleicht gibt dieser Hinweis Anlafs, seinen Spnren nachzu- 
gehen. 

Nttrnberg. A. v. Eye. 



Buntglasierte Thonwaaren des 15.— 18. Jahrhunderts 
im germanischen Museum. 

VI. 

Wir sehen aus dem Imhof schen Inventare, dafs die italie- 
nischen Majoliken im 16. Jahrh. in Nttrnberg eine nicht unbe- 
deutende Rolle bei der Ausstattung der Patrizierhftuser spiel- 
ten, und es ist deshalb kein Wonder, dafs heute noch so man- 
che in dieser Stadt erhalten sind. Wenn auch theilweise durch 
Vennittlung hiesiger Antiquitatenhftndler, kann doch gesagt 
werden, dafs die Sammlung des germanischen Museums von ita- 
lienischen Majoliken zum grofsen Theile aus Ntirnberg selbst 
stammt und nur zum Theile von aufsen in die Hande der 
Handler gekommen ist. Es sind tibrigens auf diese Weise nicht 



nur italienische, sondern auch deutsche, franzOsische und nie- 
derlandische Fayencen aus fast jedem Fabrikationsorte, der 
nur geblQht hat, im Museum vorhanden, und selbst auf dem 
Lande in der Umgebung NUrnbergs findet man da und dort in 
Bauernhausern italienische und franzOsische Fayencen, meist des 
17. und 18. Jhdts., die offenbar aus den Herrensitzen der Nam- 
8> berger Patrizier erst in die 

Hande der Landleute ge- 
kommen sind. 

Es ist daher fur die 
Geschichte der italienischen 
Fayencen von Wichtigkeit, 
das, was in Nttrnberg sich 
vorfindet, genauer in's Auge 
zu fassen. Unter denScha- 
tzen des germanischen Mu- 
seums sind einige Stttcke, 
die dafttr neue Belege geben. 
Besonders haufig scheint 
ein Fabrikat verbreitet ge- 
wesen zu sein, das auf hell- 
blauer Glasur (Berettino 
nannten sie die alten Ita- 
liener) von besonders leuch- 
tendem Glanze, Ornamente 
von dunkelblauer Farbe ge- 
malt erscheinen, deren Lich- 
ter mit reinem Weifs auf- 
gesetzt sind. Die Tradi- 
tion schreibt ihnen venetia- 
nischen Ursprung zu. Das 
Werk Delange's enthalt 
keine ahnlichen; das hau- 
fige Vorkommen derselben in Nttrnberg, das so viele Beziehun- 
gen zu Venedig hatte, mehr als zu irgend andern Stadten, 
scheint diese Tradition zu bestatigen. Theils in der Sammlung 
des Museums, theils anderwarts in Nttrnberg finden sich welche, 
die mit Waffentrophaen, sowie solchen von Musikinstrumenten 
geschmttckt sind. Ein solcher Teller, den wir hier (Fig. 1) 
abbilden, tr&gt auf einer Tafel die Jahreszahl 1545, zeigt also, 
dafs die Fabrik gegen Mitte des 16. Jahrh. in Thatigkeit war. 
Die Abkttrzung der Worte Respublica Venetiana (Rep. ven.) 
auf einem Schriftbande eines zweiten kann etwa als Bestatigung 
fttr die Tradition venetianischen Ursprunges angenommen wer- 
den, obwohl die Anklange der Trophaen an manche RafaeF- 
sche Arabesken in den Loggien zu Rom auch einen Einflufs 
von dorther, also rflmischen Ursprung, bekunden kdnnten. Eine 
Inschrift oder Marke, die als sicherer Ftthrer dienen wttrde 
findet sich nirgends. Die Mehrzahl der Schttsseln hat jedoch 
einen Schmuck durch freies Rankenwerk, das mit Blattern ver- 
banden ist, die theilweise der Natur entlehnt scheinen und doch 
strenge stilisiert sind, wie sie in der Ornamentik der Architek- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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tar Venedigs and anderer St&dte Oberitaliens ganz ahnlich 
vorkomraen. Einzelne derselben haben Wappen nurnbergischer 
Patrizier and zeigen also, dafs sie direkt auf dortige Bestel- 
luDg fur Nurnberg gefertigt sind. Die in das Ornament ein- 
geschobenen Wappen sind jedocb alle offenbar von hiesigen 
Zeichnern durch die Besteller der italienischen Fabrik geliefert 
worden, da sie nicht nur mit den hier gebrauchlichen Wap- 
penzeichnungen im Stile vollkommen ubereinstimmen , sondern 
auch wesentlich von dera der Arabesken abweicben. Wir geben 
in Fig. 2 einen solcben Teller mit dem Wappen der Lochinger 
und Imhof , bei dem der Rand, durch Linien besonders einge- 
fefst, sein eigenes Ornament and die Mitte ebenfalls das ihrige 
hat. Der Teller mufs sich beziehen auf Jobst Lochinger (geb. 
1519, f 1584), der sich im Jahre 1548 mit Helena, verwitt- 
weten Koler, geb. Imhof, verheiratete. Die Lochinger oder Loch- 
ner gehDrten zu den rathsfahigen Geschlechtern, dem sog. nie- 
dern Patriziate. 

Ein anderer, ganz ahnlich verzierter Teller zeigt das 
Wappen der Familien Behaim und KOzler ; das erstere rechts. 
Er bezieht sich also auf Paul I. Behaim (geb. 1519, f 1568), 
der sich 1549 mit Barbara K6zler verheiratete, die .schon 
1552 starb. In diese drei Jahre fallt also der Teller, und 
es kann auch hier wol am sichersten die Zeit der Vermahlung, 
als die der Ausstattung des Hauswesens, als Entstehungszeit 
betrachtet werden. Bei der Verwandtschaft mit dem unter 
Fig. 2 abgebildeten Teller dttrfte die Erwahnung ohne beson- 
dere Abbildung genugen. Dagegen bilden wir unter Fig. 3 
einen andern hierher gehSrigen Teller ab, der das Wappen 
der Scheurl tr&gt, unterhalb dessen das der DOrrer sich findet. 
Hier ist das Wappen so grofs, dafs das ubrige Ornament nahezu 
verdr&ngt wnrde. Auch nimmt die Verzierung auf den Rand 
keine Rucksicht, sondern geht uubehindert uber Rand und Boden 
hinweg. Es mufs sich auf Georg Scheurl (1532 geboren), einen 
Sohn des bekannten Staatsmannes und Wittenberger Profes- 
sors, beziehen, der sich 1554 mit Elisabeth D5rrer verheiratete, 
welche 1586 starb, wahrend er ihr erst 1602 folgte. Obwohl 
somit die ganze zweite Halfte des 16. Jhdts. fur die Entste- 
hungszeit offcn bleibt, kann doch auch hier wol die Zeit der 
Ausstattung des Hauswesens (1554) als mafsgebend angenom- 
men werden. 

Verwandtes Fabrikat, aber andern Stil der Verzierungs- 
weise, zeigt eine Schilssel, die in der Mitte das Wappen der 
Imhof, darunter das der Tucher unci Letscher entha.lt. Die 
Verzierung, welche aus geometrisch verschlungenen Ranken 
streng stilisierten Laubornamentes besteht, das fast an die ro- 
manische Periode erinnert, ist von hervorragender Schdnheit 
and grofsem Reize. Engelkflpfe sind dawischen sichtbar. Auf 
die Abbildung mussen wir jedoch verzichten, weil leider der 
Rand der Schussel, auf welchen sich die Ornamentranken hin- 
tiberzogen, abgescblagen und glatt abgescbliffen ist, so dafs wir 
nur ein Bruchstuck bieten kdnnten. Die Zeit der Entstehung 
bestimmt sich daraus, dafs Hieronymus Imhof, {geb. 1518, gcst. 



1578) sich 1543 mit Magdalena Tucher verheiratete, und nach- 
dem diese 1544 gestorben war, 1548 die Barbara Letscher 
heimfuhrte. Nach deren 1558 erfolgten Tode nahm er noch 
im selben Jahre die dritte Frau, deren Wappen nicht mehr 
auf dem Teller ist, welcher also zwischen 1548 and 1558, wahr- 
scheinlich 1548, entstanden ist. 

Nurnberg. A. Essenwein. 



Sphragistische Aphorismen. 

LXXI. 



Wir theilen hier die Abbildung des interessanten Siegels 
des Grafen Wilhelra von Heunburg vom J. 1239 mit, dessen 
wir schon im Anzeiger von 1865, Nr. 1, Sp. 9, erwahnt habe^ 
Dasselbe tragt zwischen den fttnf , uber den Rand nach innen 
gestellten, ganz ungewOhnlich erhabenen Spitzen die Legende: 

* S. comitis Willehelmi de Hevnbvrch. Um den sechsspitzi- 
gen Stern in der Mitte des Siegelfeldes stehen funf Heunburg'- 
sche Wappenschilde von der Form*) und Stellung der Blatter 
der gewdhnlichen heraldischen fttnfbl^tterigen Rose. 

Zu den, am angefuhrten Orte abgebildeten und beschriebe- 
nen, beiden ahnlichen Siegeln ist Folgendes zu berichtigen und 
nachzutragen : 

1) Hugo, Herr von Velthurns, Stein am Ritter und Trofs- 
burg, dessen Siegel von 1286 wir dort, unter Nr. II abgebildet, 
mitgetheilt haben, war ein Tirolcr, and seine Besitzangen lagen 
zwischen den Stftdten Brixen und Klausen. 

2) Aufser dem dort, unter Nr. HI abgebildeten Siegel Ill- 
rich's von Lichtenstein vom J. 1250 ist noch eines weiteren 
Siegels des Minnesangers von 1232 mit der Legende: * Sigifl 

* vm ulri * ci de li * eh tens * taine zu erwahnen, welches 

*) Diese Schildform aus dem 12. Jahrh. findet sich aber aocfc 
spater noch auf einzelnen Siegeln, z. B. auf dem Siegel IV. A 2. 
Rapoto's von Wildeck von 1267. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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Beckh-Widmannstetter in seiner hdchst interessanten Schrift: 
„UIrich's von Lichtenstein des Minnes&ngers Grabmal auf der 
Frauenburg (Graz 1871)" unter Fig. 4 abgebildet hat, und das 
sich von dem ersteren dadurch unterscheidet, date sich in der 
Mitte der Rose, 6tatt der kleineren Rose, eine sitzende, ge- 
krdnte m&nniiche Gestalt (KniestQck) mit Scepter nnd Welt- 
kngel (?) befindet, in einem kreisrunden Schilde, wie gewOhn- 
lich der Samen bei den heraldischen Rosen. 

Bei der symbolischen Bedeutung der Rose ist es begreif- 
lich, dafs diese Form auf mittelalterlicben Siegeln nicht selten 
vorkommt. Aufser den obengenannten und den frtther schon 
angefuhrten Siegeln des Grafen Bernhard von Wolpe von 1215 
mit verschiedenen Wappen, erinnern wir noch an den bei 
Nr. LIX der sphragistiscben Aphorismen erwahnten Seebach'- 
schen Denkstein und das dort in Note ** mitgetheilte Frauen- 
siegel*). Auf dem weltlichen Gerichtssiegel von Coblenz (si- 
gillum judicii secularis conflvensis) steht in Mitte eincr dop- 
pelten sechsblatterigen Rose, in einem runden Perlrand mit 
vier einw&rts gebogenen Spitzen, ein Ereuz. 

LXXII. 



Es ist nun kaum anzunehmen, dafs ein so triviales Bild 
mit besonderer Vorliebe in den Wappenschild aufgenommen 
worden ware, wenn es nicht eine besondere symboliscbe Be- 
deutung gehabt hatte, etwa als Zeichen eines besonderen, werth- 
vollen Rechtes, wie einer Schafereigerechtigkeit oder derglei- 
chen. 

Dafs die Bischofsmtitzen auf geistliche Vogteigerechtsame, 
der Bracke auf das Jagdrecht etc. sich bezogen, wenigstens in 
einzelnen Fallen, ist zwar nicht erwiesen, aber immerhin wahr- 
scheinlich. 

Bei bisher mangelndem urkundlichen Beweise sind dicse 
Annahmen freilich nur Hypothesen ; sie stiitzen sich aber auf 
die allgemeine symbolisierende Richtung jener Zeit, namentlich 
im Wappenwesen. 

Die Frage uber den ursprunglichen Grand der Wahl der 
Wappenbilder ist allerdings eine der interessantesten im gan- 
zen Wappenwesen ; sie wird aber leider in den wenigsten Fal- 
len mit einiger Sicherheit zu beantworten sein, wenn man von 
den poetischen Wappensagen absieht, die meist keinen histori- 
schen Gnind haben. Dafs aber ein bestimmter Grund bei der 
Wahl eines Wappenbildes stets vorhanden war, ist wol mit 
Sicherheit anzunehmen. Ernst und Scherz, Eitelkeit und Witz, 
uberhaupt die Individualitat des Erfinders, werden bestimmend 
darauf eingewirkt haben, ebenso wie der Name bei den ganz 
oder theilweise redenden Wappen. Auch war sicherlich in 
manchen Fallen die Verewigung eines historischen Ereignisses 
oder einer persdnlichen That die Ursache zur Annahme eines 
Wappenbildes. 

LXXIII. 



Dieses Siegel des Marschalls Heinrich von Heckhartsberg 
von 1295 theilen wir hauptsachlich wegen des Wappenbildes 
mit. Die Schafscheere spielt eine Rolie in unserer deutschen 
mittelalteriichen Heraldik und kommt in manchen Wappen des 
hohen und niedern Adels vor. Wir erwahnen hier nur u. a. 
der Wappensiegel der Herren von Gich und Sonnenberg, von 
Eisenhofen**), Lupnitz, Malesleben, Nihla, Schauenburg (in 
Franken), Schlatheim, Schrotzberg aus dem 13. und 14. Jahrh. 
Auch die Grafen von Dillingen fuhrten nach dem Donaueschin- 
ger Wappenbuche von 1433 als Helmschmuck auf dem gekron- 
ten Helme eine Schafscheere vor einem Pfauenbusch. An der 
Sudseite der St. Johannes-Kirche in Gmund befindet sich eine 
Schafscheere, was die Ansicht bestatigt, dafs diese Kirche (ganz 
oder wenigstens theilweise) eine Stiftung des letzten Grafen von 
Dillingen sei, des Bischofs Hartmann von Augsburg (f 1286) ***). 

*) Vgl. Anzeiger 1872, Nr. 8, Sp. 251. 
**) Hier konnten wol die Schafscheeren als theilweise reden- 
des Wappen gel ten. 

***) Gmiind gehorte in das Bisthum Augsburg und Hartmann 



Dieses Siegel des Grafen Albrecht von Eichelberg vom 
J. 1333 ist eines der ziemlich selte- 
nen Siegel IV. B. 2. unseres Systems, 
auf welchem der Wappenhelm wieder 
in einem eigenen Schilde erscheint, 
was bisweilen zu dessen unrichtiger 
Blasonierung als Wappenbild Veran- 
lassung gegcben hat. Gleichartige Sie- 
gel fuhrten Conrad von Falkenstein 
(1294) mit einem Wappenhelm mit 
mit zwei Falkenf&ngen (Fttfsen) und 




vermachte seine ganze Hinterlassenschaft seinem Sprengel zu kirch- 
lichen Zwecken gerade um die Zeit der Vollendung dieser Kirche. 



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327 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



338 



Ulrich von Wetzikon (1252) mit einem Helm, dessen Schmuck 
rechts ein Adlcrhals, links ein AdlerflUgel. 

Aehnliche Siegel ftthrten u. a. aucb im 14. Jahrh., die Her- 
ren von Rothenburg, von Geiseldt, von Aornsberg, von Milze, 
die Preysen and die Ratgebe. 

LXXIV. 



Eine fthnlicbe Darstellung zeigt das Siegel Heinricb's von 
Ebrenberg von 1336, welches wir aber wegen des Kopfes zwi- 
schen dem Helmschmuck, welchen wir fQr den des Sieglers hal- 
ten, unter die Siegel III. B. 1. einreihen mussen, und zwar 
bis jetzt als Unicum, da auf demselben nnr der Wappenhelm 
allein neben dem Portrftt erscheint statt, wie gewohnlich, der 
Wappenschild allein oder das gauze Wappen. 

LXX.V. 



Das hier nnter Nr. LXXV abgebildete Siegel Albrecht's 
von Stoffeln (von 1300) gehOrt gleichfalls zu den seltenen Por- 
trfttsiegeln III. B. 1. und zeicbnet sick durch den obern Theil 
der breiten Schwertklinge aus. Wir haben bereits unter Nr. 
LXVII ein fthnliches geistliches Siegel III. A. 1. mitgetheilt; 
aber auch mit Wappen kommen solche Siegel geistlicber Her- 
ren vor, theils mit ihrem Amtswappen, wie z. B. vom Erzbi- 
schof von C6ln, Witbold von Holde (von 1299), theils mit dem 
^igenen Wappen, z. B. auf dem spitzovalen Siegel Hartung's 
von Nordhofen, Kanonikus von St. Maria in Erfurt, von 1339. 



Wir erinnem auch noch an das gleichartige Siegel der 
Wittwe des Burggrafen Conrad von Nuruberg, Irmengard von 
Hohenlohe, von 1334*). F.-K. 

*) Vgl. Albrecht a. a. 0., Taf. V, Nr. 35. Die Abbildung in 
Monum. Zoll. Ill, 17, welche die ganze Figur der Sieglerin an- 
gibt und das unter den Schilden benndliche Dreiblattornament 
mit den Fafsen verwechselt, ist, nach sorgfaltiger Vergleichung 
mit einem wol erhaltenen Originale, als falsch zu bezeichnen und 
demnach zu berichtigen. 



Bruchstttck einer Schusterordnung. 

Abgelostes Pergamentblatt, 4°, Ende 14. Jahrh., im Besitze 
des Gefertigten. 

„Es sol niemant sich nider setzen zu maister, er pring 
denn e vrchunde von dann er chomen ist, das er sich daselbs 
schon vnd erleich enthalten hab, oder daz er es weiz 1 ) hie mit 
erbern lewten, vnd das er auch ein eleich hansfrown hab ob 
er sey gehaben mag von natur, vnd das er purgerrecht ge- 
winne mit einem halben phunt phennig. In sullen auch die 
maister versuchen ob er maister mug gesein auf dem hannt- 
werch oder nicht. Si sullen auch ir arbeit, das main wir new 
schuch, nindert alswo*) vail haben, denn auf dem schuchhaws hie 
es sein gest oder purger. Wurd aber yemant daruber begrif- 
fen das er si anderswo vail Met, dem sullen die vir die erbelt 
werdent aus in vnd von dem rat bestet, dieselben schuch ne- 
men vnd dem purgermaister die anttwurtten, darczii wil si der 
rat dannoch pessern swerleich 3 ) vnd die behalten der stat ze 
nucz vnd dem richter 6ein wanndel 4 ) daaon geben, wann*) wir vns 
versunnen haben vnd wol webeist 6 ) sein, das von dem posen 
schuchwerch das man macht vnd haimleich vail hat, der stat, 
lannt vnd lewten grozzer schad geschicht vnd dem vorgenanten 
hanntwerch nicht guten lewnt 7 ) pring vnd grozzen schaden zue- 
czewcht." 

Graz. Zahn. 

*) Verstehe: tz wets, es beweise. x ) nirgend anderswo. Schni. 
I 1 , 1750 u. 58. s ) schwer bufsen, strafen. Schm. I 1 , 289, 4. 4 ) Er- 
satz, Burse. Schm. IV, 97. 8 ) denn. Schm. IV, 79, d. *) d. i. be- 
weist, bewiesen, iiberzeugt. 7 ) d. i. Leumde, Leumund. Schm. P, 
1472. Dr. Frommann. 

Findling. 

Trau nicht, ob man schon vil von Cbristi Nachfolg sagt, 
Yon Creuzigung des Fleischs, vom wahren Christen Orden; 
Und ob man vom Yerfall gleich zehen Stunden klagt, 
Trau nicht, dann solch Geschw&z ist schier zur Mode worden. 
(Pgm.-Blatt des 18. Jahrh. im german. Museum.) 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. E. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Gedruckt bei U. E 8 eb aid in Nttrnberg. 



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BEILAGE ZUM ANZEIGER FUR KUNDE DER DEUTSCBEN YORZEIT. 

1873. J^U. NoYember. 



Chronik des germanischen Museums. 



Numberg, den 15. November 1873. 

Die Mittheilungen , welche wir heute zu geben haben, bezie- 
hen eich hauptsachlich auf unsern Bau. In der kiinstlerischen Aus- 
stattung der einzelnen Raume ist zunachst ein weiterer Schritt ge- 
schehen, indem der Saal I , dessen Umfassungswande ehemals die 
Zelle des Klosterstifters Marquard Mendel umschlossen, mit rei- 
cher ornamentaler Malerei der Decke und an den Wanden mit 
einem Fries mit Wappen und Inschriften versehen ist, welche den 
Spendern, durch deren Gaben zur Baukasse die Restauration der 
Karthause soweit ermoglicht wurde, als sie jetzt gediehen ist, 
Dank ausspricbt. 

Se. Erlaucht, Herr Botho Graf zu Stolberg hat nun die Ge- 
wogenheit gehabt, auf die Mittheilung hin, dafs auch sein Wappen 
und Name in Erinnerung der seinerzeit gespendeten Gabe dort 
angebracht sei, neuerdings die Summe von 100 Thalern einzusen- 
den, um sein fortdauerndes Interesse an dem Restaurationswerke 
der Karthause zu bethatigen. 

Einen neuen Gonner hat der Ausbau unserer Karthause in 
Herrn Oberst B. von Cosel erhalten, der auf die Ruckzahlung 
einer verloosten Bauanlehens-Obligation im Betrage von 500 fl. zu 
Gunsten der Karthause gutigst Verzicht geleistet hat, was wir mit 
besonderer Freude und freundlichem Danke hier verzeichnen. 

Das Dach des wieder aufgestellten Augustinerklosters ist nun- 
mehr nicht bios aufgeschlagen , sondern auch gedeckt, und dieser 
Bau ragt j etzt, an Hohe mit der Kirche der Karthause wetteifernd, 
stolz iiber die ganze Umgebung empor. 

Zu den Kunstlern und Kunstfreunden, welche Gaben zum Be- 
aten des Uebertragungsfondes gespendet haben, sind im Laufe des 
verflossenen Monats folgende hinzugekommen : Audenrieth, 
Drahtzieher, in Ndrnberg, Dr. E. Freih. von Bibra in Niirnberg, 
W. Freih. von Bibra in Wiirzburg, Bos hart, Landschaftsmaler, 
in Munchen, FaberduFanr, Historienmaler, inMiinchen, Geifs- 
ler, Professor, in Niirnberg, Hendschel, Genremaler, in Frank- 
furt a. M., Kockert, Genremaler, in Munchen, Lenz, Professor, 
in Niirnberg, Lindens ch mit, Historienmaler, in Munchen, Ro- 
bock, Landschaftsmaler, in Niirnberg, A. Seitz, Genremaler, in 
Munchen. 

Fur den in der Mitte des Hofes zu err ich tend en Brunnen hat 
Herr Hofantiquar S. Pickert die Bronzefigur eines .Dudelsackpfei- 
fers, ein Pendant des bekannten Gansemannchens , gestiftet, der 
von Prof. Lenz nach dem alten Originalmodelle gegossen und ci- 
seliert ist. 

Im Anschlusse an die in voriger Nummer angefuhrte Mitthei- 
lung iiber Gaben fur unsere Munzsammlung haben wir nunmehr 
zu melden, dafs auch die Regierungen von Hessen-Darmstadt, Meck- 
lenburg-Strelitz, Reufs altere Linie, Schaumburg-Lippe und Schwarz- 
burg-Rudolstadt Exemplare von Geschichtsmunzen, wie von der 
letzten Pragung jeder Sorte Currentmunzen eingesandt haben. 

Dem Gelehrtenau88chusse wurden durch den Tod entrissen: 



Dr. Ernst Hauschild in Basel und der geh. Archivrath Dr. 
Adolf Bube in Gotha. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Yon Gemelnden : Aub. Distriktsgemeinde 25 fl. Beilngrles. 

Distriktsgem. 10 fl. Erbendorf. Distriktsgem. 10 fl. Gunzenhausen. 
Distriktsgem. 15 fl. Heidenheim. Distriktsgem. 10 fl. Leipzig. 
Stadtgem. 43 fl. 45 kr. Melrichstadt. Distriktsgem. 10 fl. Rehau. 
Distriktsgem. 5 fl. Selb. Distriktsgem. 5 fl. Stendal. Stadtgem. 7 fl. 

Von Privaten* Augsburg. Dr. Wiirth, Oberstabsarzt , (statt 
fruher 1 fl.) 1 fl. 45 kr. Basel. Wilh. Burckhardt-Preiswerk, Band- 
fabrikant, 9 fl. 40 kr. Bensheim. Dr. Geyer, Gymnasialdirektor, 1 fl. 
Bozen. Andler, Ingenieur der k. k. priv. Siidbahn, 5 fl. 50 kr. 
Bruchsal. Schleyer, Professor, 1 fl. Forchheim. Friedr. Collorio, 
k. Bezirksgeometer, 1 fl. 30 kr. Fiirth. Louis Denk, 30 kr.; Paul 
Rupprecht, 30 kr. Gardelegen. A. Keller, Buchdruckereibesitzer, 1 fl. 
45 kr. Gr. Glogau. Bertholdt, Brauereibesitzer, 1 fl. Heidelberg. Dr. 
Landgraff, 8 fl. 45 kr. Leipzig. Mackroth, Buchhandler, 1 fl. 45 kr. ; 
Franz Schneider, Bildhauer, 1 fl. 45 kr. Metz. Dr. Held, Stabsarzt, 
1 fl. 45 kr. ; Langenfelder, Buchhalter, 1 fl. 45 kr. Niirnberg. v. Schab, 
k. Appell.-Ger.-Prasident, 2fl. Reichenbach i. Odenw. Zentgraf, 
Pfarrer, lfl. Rossleben. Benecke, Adjunkt, lfl. 45 kr. ; Scheibe, 
Adjunkt, lfl. 45 kr. Sonneberg. Ortel, Commerzienrath, in Lehe- 
sten, (statt fruher lfl. 45 kr.) 3 fl. 30 kr. Stargard. Colin, Kreis- 
richter, lfl. 10 kr.; Dr. phil. R. Dorschel, Gymnasiallehrer, lfl. 
10 kr. ; v. Eisenhart-Rothe, Justizrath, 1 fl. 10 kr. ; Freyer, Kreisge- 
richtsrath, 35 kr. ; Keck , Gymnasiallehrer u. Maler, 1 fl. ; Mertens, 
Staatsanwalt, lfl. 10 kr.; Dr. phil. Quidde, Oberlehrer, lfl. 10 kr.; 
Rohleder, Gymnasiallehrer, lfl.; Schiiler, Kreisgerichtsrath , lfl. 
10 kr.; Dr. phil. Wiggert, Oberlehrer, lfl. 45 kr.; Wilsing, Hof- 
prediger, 35 kr. Steinau. Zimmermann, Prokurator, lfl. Strass- 
burg. Schneider, Oberlieutenant, 1 fl. Wien. Franz Stomo, 5fl.50kr. 
Wolnzach. Joh. Bapt. Ecker, Kaufmann, 1 fl. 45 kr. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 

Yon Privaten : Calln bei Meissen. Ernst Teichert, Topfer, 
1 fl. 45 kr. Forchheim. Karl Ortcl, Kaufmann, 1 fl. ; Dr. B. F. Over- 
beck, Privatier, lfl. 45 kr.; Sigm. Zeiller, Kaufmann, lfl. Star- 
gard. Dr. Grofsmann, prakt. Arzt, 1 fl. 45 kr. ; Havenstein, Kreisge- 
richtsdirektor, lfl. 10 kr.; Dr. Wilde, prakt. Arzt, lfl. 45 kr. Woln- 
zach. Al. Kistler, Kaufmann u. Biirgermeister, 5 fl. 15 kr. 

Zur Baukasse: llsenburg. Graf Botho zu Stolberg -Werni- 
gerode, Eraucht, 175 fl. Pforzheim. B. v. Cosel, Oberst, 500 fl. 

Berichtigung. Der im letzten Jahresberichte unter dem 
Nam en Karl, Zahnkiinstler, in Bozen, aufgefiihrte Beitragende (Jah- 
resbeitr. 5fl. 50 kr.) heifst Karl Rudolph. 

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu: 

I. Fur die kunst- und kulturgesohiohtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 6993—7015.) 
BQckeburg. Fiirstl. Schaumburg-Lippesche Staats- 
regierung: 6 Silber- und 4 Kupfermiinzen Lippeschen Gepra- 
ges. — Coburg. Staatsregierung des Herzogthums Sach- 
sen-Coburg-Gotha: 2 sachsen-cob.-goth. Scheidemflnzen von 
1838. — Darmstadt Grofsherzogl. Hessische Staatsregie- 
rung: 2 Landesmunzen in Gold, 9 desgl. in Silber und 4 in Ku- 
pfer, in Gepragen von 1833 — 1872. — Grelz. Furstl. Reufs - 
Flauen'sche Staatsregierung: 5 Silber- und 2 Kupferman- 



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331 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



xen, fiirstl. reufs'sohen Geprages. — Mainz. Dr. L. Linden- 
schmit, Director des rom.-german. Centralmuseums : 3 Gypsab- 
gtisse von ornamentierten Fufsplatten des 12. u. 13. Jahrh. im 
Museum zu Speier. — Neustrelitz. Grofsherzogl. Mecklen- 
burg-Strelitz'sche Staatsregierung : 10 Silbermunzen und 4 
Kupforschillinge von Mecklenburg - Strelitz , 18. u. 19. Jhdt. — 
Niirnberg. Falkenstdrfer, Kaufmann: 2 Messingjetons vom 16* 
Jhdt. von Gemming, Oberst: 3 Bruchstiicke rom. Thonwaaren. 
von Grundherr u. Hertel, Grofshandlung : Verzierte Brun- 
nennische, 18. Jhdt. 2 Deckengemalde , 18. Jhdt. Ostindischer 
Krug. H. Hermann, Kaufmann: Munsterische Silbermonze von 
1755. Ferd. Losch, Pfarrer: Ansicht des Augustinerklosters zu 
Niirnberg, radiert von demselben. Loser, Faktor der Campe'- 
schen Druckerei : 3 Druckproben und 1 flie^endes Blatt von 1679. 
H. Petersen: Kupferstecher : Betende Maria in der stadt. Samm- 
lung, Bleistiftzchg. von A. Reindel. S. Picker t, Hofantiquar: 
Modell des Farvler'schen Kunstwagens, 17. Jhdt. Engel niitWap- 
penschild, buntglasiertes Kranzstuck eines Kachelofens, 17. Jhdt. 
— P088neck. J. Stichling: Wanduhr von 1568.— Schl088 Reuth. 
Freiherr von Reitzenstein: Bruchstiicke eines Altares vom 
15. Jhdt. — Rudolstadt. Fiirstl. Schwarzburg-Rudolstadt. 
Staatsregierung: 8 Silber- u. 3 Kupfermiinzen, fstl. schwarzb.- 
rudolstadt. Landesmiinze. — Stuttgart, von Wagner, Professor: 
Gypsabgufs des worttemb. "happens vom alten konigl. Schlofs in 
Stuttgart. — Weinsberg. Reufs, Apotheker: 5 Apothekerbiichsen 
von Holz, 1719. 

II. Fiir die Bibliothek. 

(Nr. 30,377—30,587.) 

Altona. Verlags-Bureau: Miillcr, Preufsens Heerfuhrer in 
d. Feldziigen 1866 u. 1870/71 ; 1. Heft. 8. — Augsburg. Dr. Chri- 
stian Meyer, Stadtarchivar : Ders., die Selbstbiographie des 
Elias Holl, Baumeisters der Stadt Augsburg. 1873. 8. Schmid'- 
sche Verlagsbuchh. (A. Manz) : Steichele, das Bisthum Augsburg, 
histor. u. statist; Heft 1.— 21. 1861—73. 8. — Berlin. R. Lesser, 
Verlagshndl. : Album von Berlin, qu. 8. G. van Muyden, Ver- 
lagsh.: Kopp, d. Krieg Kaiser Wilhelms 1870—71. 8. Verein f. 
d. Geschichte der Stadt Berlin: Ders., Schriften; Heft VII. 
Vin. 1873. 8. Berlinische Chronik, Bgn. 25 u. 26 ; Urkunden-Buch, 
Bgn. 61—64. 2. Berlinische Bauwerke, Taf. 4 u. 5. 2. Berliner 
Medaillen, Taf. 4—8. 2. Berliner Geschlechter, Taf. 3—5. 2. Ber- 
liner Denkmaler, Taf. 1. 2. Verein f. d. Geschichte Berlins ; Nr. 6. 
1873. 8. Dr. W. Wattenbach, Universitats- Professor: Ders., 
Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter ; 3. Ausgabe, 1 Bnd. 
1873. 8. — Bielefeld. Velhagen u. Klasing, Verlagsh. : Hiltl, d. 
bohmische Krieg u. der Main-Feldzug ; 4. Aufl. 1873. 8. Reichard, 
aus den Tagen der Belagerung Strafsburgs. 1873. 8. Hesekiel, das 
Buch vom Fiirsten Bismark; 3. Aufl. 1873. 8. — Bonn. Freih. 
v. Hoiningen-Huene, k. Bergrath: Verhandlungen des natur- 
histor. Vereins der preurs. Rheinlande u. Westphalens; 23. — 28. 
Jahrg. 1866—71. 8. — Briton. Buschak u. Irrgang, Verlagsh.: 
Vollstandiges Orts-Verzeichnifs des Markgrafthumes Mahren. 1872. 
8. — Celle. Literarische Anstalt (A. Schulze) : Bliithen der 
Jesuiten-Moral. 1873. 8. Hugues, d. Confederation der reform. 
Kirchen in Niedersachsen. 1873. 8. — Christiania. Foreningen 
til norske fortidsmindesmerkers bevaring: Ders., Aars- 
beretning for 1871. 1872. 8. — Danzig. A. W. Kafemann, Ver- 
lagsh.: Prutz, Radewins Fortaetzung der Gesta Friderici imp. des 
Otto v. Freising. 1873. 8. v. Neitzschutz, Studien zur Entwick- 
lungs- Geschichte des Schafes; Heft I. III. 1869 u. 74. 8. Prutz, 
Kaiser Friedrich I.; III. Bnd. 1874. 8. — Dessau. Emil Barth, 
Verlagsh. : v. Heinemann, codex diplomaticus ; Th. I, 3. Abtb. 1873. 
4. — Detmold. Meyer'sche Hofbuchh. : Clostermeier, wo Hermann 
den Varus schlug. 1822. 8. Brandes, Ausflug durch das Salzkam- 
mergut etc. 1857. 8. Brandes, Ausflug nach Schweden. 1859. 8. 
Brandes, Ausflug v. Memel nach Muskau. 1860. 8. Brandes, d. 
Worter deutschen Stammes in der franzos. Sprache. 1867. 8. Clo- 
stermeier, der Eggesterstein ; 2. Aufl. v. Helwing. 1848. 8. — 
Dorpat. Gelehrte esthnische Gesellschaft: Dies., Sitzungs- 
berichte etc.; 1872. 1873. 8. Dies., Verhandlungen etc. ; Bnd. VII, 



3. u. 4. Heft. 1873. 8. — Dresden. Rud. Kuntze's Verlagsbuchh.: 
Kohl, Skizzen aus Natur- u. Volkerleben. 2 Thle. 1851. 8. Fore- 
ster, Norwegen u. sein Volk. 1852. 8. Charras, Geschichte des 
Feldzuges v. 1815. 1858. 8. v. Montbe, d. chursachs. Truppen im 
Feldzuge 1806 ; 2 Bnde. 1860. 8. Lubojatzky, der Untergang der 
Prote9tanten in Ober - Oesterreich ; 2 Thle. 1864. 8. Kruger u. 
Hubner, Landschafts-Album der Dresdener Gallerie. qu. 4. — Dun- 
kirchen. Societe Dunkerquoise pour l'encouragement 
des sciences etc.: Dies., memoires etc.; XV. vol., 1869 — 70. 
1870. 8. — Eichstadt. Kriill'sche Buchh. (H. Hugendubel): v. Eye, 
Erlauterungen zu A. Durer's kleiner Passion. 1872. 8. — Eisenach. 
J. Bacmeister, Verlagshndl.: Wollschlager , die Zeitreihc der 
Papste. 8. — Elberfeld. Sam. Lucas, Verlagsh.: v. Waldbruhl u. 
Montanus, die Vorzeit; 2 Bnde. 1870 — 71. 8. Dat Verzallchen 
vam Fufs un vam Wolf. 1873. 8. — Em den. Naturforschende 
Gesellschaft: Dies., 58. Jahresbericht, 1872. 1873. 8. — Frei- 
berg. Heinr. Gerlach, Buchdruckereibes. : Freiberger Stadt-, 
Land- u. Berg-Kalender auf d. J. 1J574. 4. — Freiburg I. Br. Ge- 
sellschaft f. Beforderung der Geschichts-, Alterthums- 
u. Volkskunde: Dies., Zeitschrift etc.; Bnd. Ill, 1. u 2. H. 1873. 
8. Herder'sche Verlagsbuchh.: Acta et decreta sacrorum conci- 
liorum recentiorum ; torn IV. 1873. 4. — Giessen- Ludewigs- 
Universitat: 12 akademische Gelegenheitsschriften. 1871—73. 

4. 8. J. Ricker'sche Verlagshandl. : Weigand, deutsches Wor- 
terbuch; Bnd. I, 2. 1873. 8. — Gorlitz. Oberlausitz. Gesell- 
schaft derWissenschaften: Dies., neues lausitzisches Magazin ; 
Bnd. 50, 1. 1873. 8. — Gbttingen. Dieterich'sche Buchh.: Marx, 
zur Beurtheilung des Arztes Chrn. Franz Paullini. 1872. 4. Sonder- 
abdr. Marx, zur Erinnerung d. arztl. Wirksamkeit Herm. Coming's. 

1872. 4. Sonderabdr. Wiistenfeld, d. Gebiet von Medina. 1873. 4. 
Sonderabdr. Kleifsner, die Quellen zur Sempacher Schlacht und die 
Winkelriedsage. 1873. 8. Vandenhoeck u. Ruprecht, Ver- 
lagsh.: Miildener, bibliotheca geograpbica; Jhg. 20, 2. 1872.8. 
Miildener, bibliotheca historica; Jhg. 20, 2. 1872. 8. — Hanau. 
Hanauischer Bezirksverein f. hess. Geschichte u. Lan- 
deskunde: Ders., Mittheilungen, Nr. 4: Das Roraercasteli und 
das Todtenfeld in der Kinzigniederung bei Rtickingen. 1873. 4. 

— Hannover. Hahn'sche Hofbuchh. : Dtintzer, zwei Bekehrte. 1873. 
8. — Heidelberg. C. Winter, Univers. - Buchh. : Werber, d. Ent- 
stehung der menschl. Sprache. 1871. 8. Bauer, Erinnerungen eines 
Feldgei8tlichen aus den badischen Feldlazarethen im Kriege 1870 
— 71. 1872. 8. Abicht, Geschichte des deutsch -franzos. Krieges. 

1873. 8. Hoffmann, d. Zustand des weibl. Geschlechts in d. Hei- 
denwelt ; 3. Aufl. 1873. 8. Zell, iiber die Zeitungen der alten R6- 
mer. 1873. 8. — Jena. Ed. Frommann, Buchh.: Snell, Nicolaus 
Copernicus. 1873. 8. Fr. Frommann, Verlagsh.: Ortloff, Ge- 
schichte der Grumbachischen Handel ; III. u. I V7 Th. 1869. 8. - 
Karlsruhe. G. Braun'sche Hofbuchh.: Zeitschrift f. die Geschichte 
des Oberrheins; Bnd. 25, 1. 2. 1873. 8. — Kiel. Ernst Homann. 
Verlagsh.: Jensen , schlesw.- hoist. Kirchengeschichte, hgg. v. Mi- 
chelsen ; 1. Bnd. 1873. 8. Ministerial-Kommission for die 
Untersuchung der deutschen Meere: Dies., die Expedition 
zur physikal.-chemischen u. biologischen Untersuchung der Ostsee 
im Sommer 1871. 1873. 4. Universitat: Dies., Schriften aus d. 
1872. Bnd. XIX. 1873. 4. Naturwissenschaftl. Verein fiir 
Schleswig-Holstein: Ders., Schriften etc.; I. Heft. 1873. 8. 
Mittheilungen des Vereins nordl. der Elbe zur Verbreitung natnr- 
wissenschaftlicher Kenntnisse; Heft 1—8. 1858—68. 8. — Konigs* 
berg. K. physikal.-okonom. Gesellschaft: Dies., Schriften 
etc.; 1.— 13. Jahrg. 1860—72. 4. — Kreuznach. Antiquar.-histo- 
rischer Verein fiir Nahe u. Hunsriicken: Ders., 12. Bericht 
etc. 1873. 4. — Lausanne. Societe d'histoire de la Suisse 
romande: Dies., memoires et documents; t. XXVHI. 1873. 8. 

— Leipzig. Breitkopfu. Hartel, Verlagsh.: Chrysander, G. F. 
Handel; Bd. I. II u. Ill, 1. 1858-67. 8. Jahn, W. A. Mozart; 

2. Aufl., Th. I u. II. 1867. 8. Spitta, Johann Sebastian Bach; 
I. Bnd. 1873. 8. F. A. Brockhaus, Verlagsh.: Historisches Ta- 
schenbuch, begrflndet v. Fr. v. Raumer, hgg. v. Riehl; 5. Folge, 

3. Jhg. 1873. 8. A. Seemann, Verlagshndl.: deutsche Renais- 
sance; 21.— 23. Lief. 1873. 2. B. G. Teubner, Verlagsh.: Kurz, 
Geschichte der deutschen Literatur ; Bnd. IV, 8.— 20. Lief. (Schlufs). 



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333 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Yorzeit. 



334 



1869—72. 8. Veit u. Com p., Verlagsh.: Droysen, Geschichte d. 
preufs. Politik; Th. IV, 2—4. 1869—70. 8. Verein fiir die Ge- 
schichte Leipzigs: Ders., Schriften; I. Bnd. 1872. 8. — Mag- 
deburg. Emil Bansch, k. Hofbuchh. : Verzeichnifa sammtl. Ort- 
8chaften der Provinz Sachsen etc. 1873. 4. — Marburg. Dr. Ernst 
Ranke, Consistorialrath u. Univers.-Prof. : Ders., an das deutsche 
Volk. 8. Ders., Gedichte, dera Vaterland gewidmet. 1848. 8. Ders., 
d. Buch Tobias, metr. iibersetzt. 1847. 8. Ders., d. Marburger Ge- 
sangbuch von 1549. 1862. 8. Ders., carmina academica. 1866. 8. 
Ders., Lieder aus grofser Zeit. 1872. 8. — Meiningen. Henneber- 
gischer Alterthumsforschender Verein: Bruckner, henne- 
bergischesUrkundenbuch; VI. Theil. 1873. 4.— Munchen. Fried r. 
Hektor Graf Hundt, k. b. Kammerer und Ministerialrath : 
Ders., uber die bayrischen Urkunden aus der Zeit der Agilolfinger. 
1873. 4. Sonderabdr. — Niirnberg. H. Ballkorn, Buchhndlr.: 
Ballhorn, Alphabete orientalischer u. occidentalischer Sprachen. 
1873. 8. Dr. Reichard Barthelmers: 108. Jahresbericht der 
deutschen Gesellschaft von Pennsylvanien f. d. J. 1872. 1873. 8. 
Cnopf, Banquier: Patent des Vereins Georgen-Schild der schwab. 
Reichs-Ritterschaft von 30. Juni 1780. gr. 2. Carl Kdhier, Hi- 
storienmaler : Ders., d. Trachten der Volker in Bild u. Schnitt; 
Heft 8 u. 9. 1873. 8. " Friedr. Korn'sche Buchh.: Die Voiks- 
schule des XIX. Jahrh.; 9. Lief. 1873. 8. Freih. v. Mettingh, 
k. Kammerer u. Assessor: Die hystori Troyana. Augsb. 1488. 2. 
Publikation alterer praktischer u. theoret. Musik-Werke ; Jhrg. I, 
Lief. 1. 1873. 4. Sigm. Soldan's Hof-Buch- u.Kunstb.: Gedenk- 
buch des Krieges 1870 — 71; II. 1874. 4. Unbekannter: Gyar- 
mati, istenes eneki. 1730. 16. — Paris. H. Gaidoz, Professor: 
Revue celtique; vol. II, Nr. 1. 1873. 8. — Prag. F. Tempsky, 
Verlagsh. : Cornova, Briefe an einen kleinen Liebhaber der vaterl. 
Geschichte; 3Bndchn. 1796—97. 8. Cornova, Unterhaltungen mit 
jungen Freunden der Vaterlandsgeschichte ; 4 Bdchn. 1799 — 
1803. 8. Cornova, Jaroslaw v. Sternberg. 1813. 8. Becker, d. 
deutsche Wortbildung. 1624. 8. Becker, d. Wort in seiner orga- 
nischen Verwandlung. 1833. 8. Deycks, Gothe's Faust; 2. Ausg. 
1870. 8. Anton Frind, Metropolitan -Domkapitular: Scriptum 
super Apocalypsim Wenceslai doctoris. 1873. 4. Frind, d. ge- 
schichtl. Johannes v. Nepomuk; 2. Aufl. 1871. 8. Frind, die Ge- 
schichte der Bischofe u. Erzbiscbofe v. Prag. 1873. 8. Frind, Ur- 
kunden uber die Bewilligung des'Laienkelchs in Bohmen unter 
Kaiser Ferdinand I. 1873. 4. Sonderabdr. — Riga. H. Brutzeru. 
Co., Verlagshandl. : Baltische Monatsschrift ; 22. Bnd. (n. F. 4. Bnd.), 
Mai u. Juni 1873. 8. Gesellschaft f. Geschichte u. Alter- 
thumsk. der Ostsee-Provinzen Rufslands: Dies., Mitthei- 



lungen etc.; Bnd. X, 3. u. XI, 1.— 3. HefL 1865—68. 8. Luther 
an die Christen in Livland. 1866. 4. N. Kymmel, Verlagsh.: 
v. Sivers, Smilten. 1872. 8. — Rostock. Stiller'sche Hofbuchh. 
(Herm. Schmidt) : Aubert, Shakespeare als Mediciner. 1873. 8. Mer- 
kel, Deutschlands Ureinwohner. 1873. 8. Universitat:79 aka- 
demische Gelegenheitsschriften. 1872 u. 73. 4. 8. — Schwerin. 
Verein fiir mecklenb. Geschichte: Ders., mecklenburg. Ur- 
kundenbuch; VIII. Bnd. 1873. 4. — Slgmaringen. Verein F. Ge- 
schichte u.Alterthumskunde v. Hohenzollern: Ders., Mit- 
theilungen etc.; VI. Jhg., 1872—73. & — Stendal. Franzen u. 
Grosse, Verlagsh.: Henke, Beitrage zur Geschichte der Lehre v. 
d. Sonntagsfeier; (I.— XVIII. Jahrh.). 1873. 4. - Stuttgart. H. G. 
Gutekunst, Antiquariatsh. : Ders., Catalog der Kupf erst ich-Samm- 
lung der Marchese Jac. Durazzo in Genua ; 2. Halfte. 1873. 8. — 
Traunsteln. H. Peetz, k. Rentbeamter: Zeitschrift des landwirth- 
Bchaftl. Vereins in Bayern ; 63. Jhrg., Juli, Aug., Sept. 1873. 8. — 
Tubingen. H. Laupp'sche Buchh.: Tbeolog. Quartalschrift; 55. 
Jhrg., 3. H. 1873. 8. — Wien. G. J. Manz'sche Buchh.: Spetau, 
Wien. Fremdenfahrer durch d. Kaiserstadt u. Umgebung. 1873. 8. 
Heinr. Reifs, Verlagsh.: Sammlung gothischer Initiate aus dem 
14. u. 15. Jahrh. qu. 2. Wallishauser'sche Buchhandl. : Jagd- 
Zeitung; 16. Jhrg., Nr. 1—15. 1873. 8. — Zeitz. Fedor Bech, 
Gymna8iallehrer : Ders., Spenden zur Altersbestimmung neuhochd. 
Wortformen. 8. Sonderabz. 

III. Fiir das Archiv. 

(Nr. 4331—4336.) 

Wailerstein. \V. Freih. v. Loffelhoiz, farstl. ottingen-wal- 
lersteinischer Archivar und Domanendirektor : Oeffentiiche Urkun- 
den, Eriasse und Zuschriften, verschiedene Angelegenheiten der 
Grafschaft Oettingen betr. 1322 — 1805. Drei Abschiodsbriefe aus 
kaiserlichen Kriegsdiensten. 1649 — 1743. Akten. Verhandlungen 
zwischen Biirgermeister und Rath der Stadt Lauingen und dem 
kurpfalzischen Hofrath zu Neuburg, die Klagesache zwischen Leo- 
pold Cordon von Neresheim und Hans Kaspar Melchior von Lau- 
ingen betr. 1721. Akten. Leumundszeugnirs des hochgraflich Fug- 
ger-Wellenbergischen Pflegamts fiir Jakob Hillebrandt, uber dessen 
Aufenthalt in Gablingen. 1762. Pap.-Orig. Zeugnifs des Kapuci- 
ners Emanuel Wisensteig fiir Sebastian Anger, uber dessen in der 
Kirche zu Durnau in Schwaben mit Anna Margaretha Keuter voll- 
zogene Trauung. 1722. Pap. Orig. — Weinsberg. G.Reufs, Apo- 
theker: Vier arztliche Recepte von Justinus Kerner. 1841 — 1860. 
Autograph. 



Cbronik der historischen Verelne. 



Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur 
Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. XVIII. 
Jahrg. — Juni — October. Wien, 1873. 4. 

Die osterreichische kunsthistorische Abtheilung der Wiener- 
Weltausstellung. (Eposition des amateurs.) Von Dr. K. Lind. 
(Mit 8 Tafeln und 100 Holzschn.) — Die Siegel der steierischen 
Abteien und Convente des Mittelalters. Von Dr. Arnold Luschin. 
(Mit 5 Holzschm) — Denkstein Sigmund's von Wildenstein im 
Schlosse Wildbach in Steiermark. Von L. Beckh-Widmanstetter. 

Der Kirchen-Schmuck. Blatter des christlichen 
Kunstvereines der DiozeseSeckau. 1873. IV. Jahrg. Nr. 10. 
Graz. 8. 

Die Kirch thuren. — Fortsetzungen. — Kleinere Mittheilungen. 

Forschungen zur Deutschen Geschichte. Herausg. 
von der historischen Commission bei der Kgl. Bayer. 
Akademie der Wissenschaften. Dreizehnten Bandes drittes 
Heft. Gottingen, Verlag der Dieterich'schen Buchhandlung. 1873. 8. 



Die Frankischen Reichsannalen von 741 bis 829 und ihre Um- 
arbeitung. Von Dr. Fr. Ebrard. — Ueber Ermenrich von Ellwan- 
gen und seine Schriften. Von Prof. E. Dummler. — Kleine kri- 
tische Erorterungen von Prof. G. Waitz. — Beitrage zum Itinerar 
Kaiser Ludwig des Bayern. Von Reichsarchivrath Chr. Hautle. — 
Ueber Johann von Victring als Historiker. — Von Dr. R. Mahren- 
holtz. — Kleinere Mittheilungen. 

Wflrttembergi8che Jahrbiicher fur Statistik und 
Landeskunde. Herausgegeben von dem k. statistisch-topo- 
graphischen Bureau. Jahrgang 1871. Stuttgart. H. Linde- 
mann. 1873. 8. 

Die Universitat Tubingen im Jahr 1577. Von Prof. Dr. Roth. 
— Schreiben Friedrich's des Frommen Kurfarsten von der Pfalz 
an den Herzog Christoph von Wurttemberg vom 17. Juni 1563. 
Mitg. von Kreisgerichtsrath v. Hufnagel. 

Jahreshefte des Wirtenbergischen Alterthums- 
Ve reins. Zweiter Band. — I. Heft. Die Cisterzienser-Abtei Maul- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



336 



bronn, bearbeitet von Dr. E. Paulas. Stuttgart. 1873. Imp. 2. 
(Text u. Abbild.) 

Verbandlungen des Vereins for Kunst und Alter- 
tbum in Ulm und Oberschwaben. Neue Reibe. Fiinftes 
Heft. Mit 3 Holzscbnitten und 4 SteindrOcken. Ulm, 1873. 4. 

Vereinsangelegenheiten. — Der Antheil der Truppen des Ul- 
mer Stadtebundes an dem Feldzug gegen die Hussiten im Herbst 
1426. Von Dr. Kerler. — Das Kriegsbucb von Leonhardt Frons- 
perger, Burger zu Ulm. Von Oberstlieut. v. Loftier. — Die ehe- 
malige Bergfeste Helfeustein. Von Prof. E. Mauch. — Bausteine 
zu Ulm's Kunstgeschichte. Von deras. — Ueber die friihere Stra- 
fsenbezeichnung Ulms, insbesondere im 16. Jahrh. Von C. A. Korn- 
beck. — Ueber den Ortsnamen Hart. Von Justizrath Hugo Ba- 
zing. — Stammscblofs Wiirttemberg. Von Prof. Dr. L. F. Ofter- 
dinger. — Andere Stimmen iiber den Namen Ruhetbal. Mitg. 
von Justizrath Hugo Bazing. — Ueber oberschwabische Orts- und 
Familiennamen. Von Dr. Buck. — Ueber Mafs und Gewicht der 
Reichsstadt Ulm. Von Dr. Ofterdinger. 



Mittheilungen des Vereins fur Geschichte und Al- 
terthumskunde in Hohenzollern. VI. Jahrg. 1872/73. Sig- 
maringen. 8. 

Vereinsangelegenheiten. — Urkunden zur Geschichte der Herr- 
schaft Haigerloch im 14. und 15. Jahrh. Von Gymn.-Oberlehrer 
A. Lichtschlag. — Schicksale des Klosters Inzigkofen wahrend des 
Schwedenkrieges. Aus der Chronik des Klosters mitgeth. von 
dems. — Das Haigerlocher Statutarrecht. 15. Jahrh. Von Prof. 
Dr. A. Birlinger. 

Zeitschrift der Gesellschaft fur Beforderung der 
Geschichts-, Alterthums- und Volkskunde von Frei- 
burg, demBreisgau und den angranzenden Landschaf- 
ten. Dritten Bandes erstes u. zweites Heft. Freiburg im Breis- 
gau, F. J. Scheuble. 1873. 8. 

Freiburger Passionsspiele des 16. Jahrh., hrsg. von E. Martin. 

— Nachtrage zur Lebensgeschichte der Erzherzogin Mechtild, 
von dems. — Heinrich Schreiber, ein Lebensabrifs von J. Ranch. 

— Kleinere Mittheilungen von W. Franck. 



Nachrichten. 



Literatur. 

Neu erschienene Werke. 

26) Anthropologisch - ethnographisches Album in 
Photographien von C. Dammann in Hamburg. Her- 
ausgegeben mit Unterstutzung aus den Sammlungen der 
Berliner Gesellschaft fur Anthropologic, Ethnologie und Ur- 
geschichte. Verlag von Wiegandt und Hempel in Berlin. 
Die seit einem Jahrzehend einen ungeahnten Aufschwung neh- 
mende wissenschaftliche Beschaftigung mit der Urgeschichte der 
Menschheit hat auch der Ethnographie neue Grundlagen ver- 
liehen oder vielmehr Anforderungen an sie gestellt, welch e sie no- 
thigt, ihre Forschungen ebenso zu vertiefen, wie ihnen ein ho- 
heres Ziel zu stecken. Denn in den Zustanden der sogen. 
wilden Volker haben wir in gewisser Weise die Ausgangspunkte 
und Anfange unserer eigenen Kultur gegenwartig, und je mehr 
wir erkennen, wie ununterbrochen die Entwicklung der letz- 
teren von den altesten Epochen bis zur Gegenwart hinanreicht, 
desto wich tiger werden far uns jene Ra§en , welche bisher nur zu 
gern als durch eine uniibersteigliche Kluft von uns geschieden und 
als blofser Gegenstand der Neugier betrachtet wurden. Fur ein 
Studium der Ethnographie in diesem Sinn fehlte es aber bis jetzt 
fast ganzlich am nothigen Material; denn was gelegentlich in Be- 
schreibung oder Abbildung in Reise- oder anderen Werken ge- 
geben wurde, drang kaum in das Wesen der Sache und war zu 
sehr durch die individuelle Anschauung der einzelnen Beobachter 
gefarbt. Da man aber, wie der iiber das obengenannte Werk her- 
ausgegebene Prospekt hervorhebt, nicht, wie es in Menagerien und 
zoologischen Garten mit Thieren geschieht, eine Zusammenstellung 
der verschiedenen Menschenragen in lebenden Exemplaren bewerk- 
stelligen kann, bietet die Photographie das einzige Auskunftsmittel, 



und zwar hier mit gleichem Erfolge wie auf dem Gebiete der 
Archaologie und der Kunstgeschichte insbesondere. Das Album er- 
scheint in Lieferungen zu je funf Blatter von 48 cm. Hohe und 64 cm. 
Breite mit 10 bis 20 Photographieen auf jeder Tafel. Der Preis 
der Lieferung ist zwolf Thlr. Bereits sind mehrere Lieferungen er- 
schienen und gewahren einen nicht gerade anziehenden, aber flber- 
aus lehrreichen Anblick. In der ersten z. B. behandeln zwei 
Tafeln mit 32 Photographieen die Ostkuste von Afrika, eine Tafel 
das ostliche Sibirien, eine andere Japan und wieder eine Persien 
und Siam. Es liegt in der Natur der Sache, dafs die Photogra- 
phieen, die oft unter den schwierigsten Verhaltnissen aufgenommen 
sind, nicht sammtlich gleichen Werth haben konnen; in uberwie- 
gend grofser Zahl aber sind sie vollkommen befriedigend, rom 
Theil vorzuglich. v. E. 



AufsaXzt in Zeitschriften. 

Das Ausland: Nr. 38. Die altere Entwicklungsgeschichte der 
deutschen Landwirthschaft. — Nr. 39. Die Steinzeit in Eng- 
land. 

Daheim: 1874, Nr. 1. Aus Dr. Martin Luther's Schulleben. — 
Nr. 3. Deutsche Kaiserstatten. 1. Karolingerzeit (Osk. Schwe- 
bel.) 

Allgem. Familienzeitung: 1874, Nr. 5. Der Kaisersaal zn 
Worms. 

Im neuen Reich: Nr. 42. Deutsche Sinnspruche auf Medaillen 
des 16. Jahrh. (A. v. Sallet.) — Nr. 44. Ein ungedruckter 
Brief Lucas Cranach's, mitgeth.. von E. Friedlander. 

Allgem. evang.-luther. Kirchenzeitung: Nr. 39. Zur frfi- 
heren Geschichte der preufs. Kirchenpolitik. 

Protest Kirchenzeitung: Nr. 37. Kurfurst Friedrich Wil- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



338 



helm I. in seinem Kampfe gegen lutherischen Fanatismus. 

(Mandat vom 2. Juni 1662 u. Edict vom 21. Aug. 1662.). 
Nurnberger Presse: Nr. 320. Die deutschen Tagelieder des 

Mittelalters. (A. Sch.) 
Schles. Provinzialblatter (Rabezahl): X, S. 484. Bei- 

trage aus Reinerz zu den Haus-, Namen- u. Innung-Marken, 

von Th. Oelsner. — S. 493. Parochie Klutschau und ihre 

Holzkirchen. — S. 494. Striegauer Terra Sigillata. (Dr. B. 

Rofsler.) — S. 496. Sagen aus der Frankensteiner Gegend. 

(Alois Fuhrmann.) 
Sonntagsblatt (v. Fr. Duncker): Nr. 38. Der letzte Vorlaufer 

der Reformation. (G. Jaquet.) 
Oesterr. Vierteljahrsschrift f. kathol. Theologie: 12. Jg., 

2, Hft. Beitrag zur Geschichte der Reformation in Nieder- 

Oeaterreich. (B. Gsell.) 
Zeitschrift f. bild. Kunst: IX, 1, S. 12. Johan Josefszon van 

Goyen. Von Dr. C. Vosmaer. Mit Illustrationen. — S. 28. 

Die Ausstellung von Gemalden alter Meister aus dem Wiener 

Privatbesitz. I. (Dr. 0. Eisemann.) — Beibl. Nr. 1. Die hi- 

storische Ausstellung der Stadt Wien. — Mitth. II, Nr. 1. 

Der Altar des h. Ildefonso. Oelgemalde von P. P. Rubens 

in der Gemaldegallerie des k. k. Belvedere zu Wien. Radirt 

von William Ungar. 
Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 268. Aufdeckung mittelalterlicher 

Fresken in Constanz. 
Illustr. Zeitung: Nr. 1579. Die Kathedrale von Metz. (Ad. 

Ebeling.) — Nr. 1581. Die Alte Feste bei Nurnberg. 



Vermischte Nachrichten. „, 

76) Das vor einiger Zeit zu Muhlberg (Regbz. Erfurt) auf- 
gefundene, in Stein verwandelte menschliche Skelett, dessen noch 
vorhandene Ueberreste in der Sitzung des Erfurter Alterthums- 
vereins am 16. September vorgezeigt wurden, hat so vielfach In- 
teresse erregt, dafs es gerechtfertigt erscheint, dariiber nahere 
Mittheilung in weiteren Kreisen zu machen. Die Fundstelle ist 
ein Steinbruch, der sich mitten im Dorfe Muhlberg, in dem zu xlem 
Gehofte des Landwirths Christ. Friedr. Beck gehdrigen Baumgar- 
ten befindet. Das Terrain besteht zunachst der Oberflache aus 
einer 0,75 bis 1 Meter starken Lage Dammerde. Unter dieser 
liegt eine 1 bis l'/i Meter machtige Bank von einem sehr wenig 
porosen Tuffstein, der eine solche Festigkeit hat, dafs er nur mit 
dem grofsten Krafbaufwande gebrochen werden kann und wegen 
seiner Harte und Sch were sich nur zu Massivbauten, nicht aber 
mm Ausmauern von Fachwerk eignet. Er besteht aus ungleich 
grofsen Klotzen, die durch schmale Spalten getrennt sind, in wel- 
chen beim Brechen Keile eingetrieben werden. Unter ihm befindet 
sich, meist durch eine Lage gelber, griesiger Erde, der sog. Tuff- 
erde, hin und wieder aber auch durch leere Raume von ihm ge- 
trennt, eine gleichfalls etwa 1 bis I'/i Meter dicke Schicht von 
einem leicht brechbaren, sehr porosen Tuffstein, welcher vielfach 
zu baulichen Zweoken verwendet wird. Unter dieser Bank nun 
stiefs man in den ersten Tagen des August d. J. beim Brechen in 
einer Tiefe von ca. 5 Meter unter der Bodenoberflache auf das 
Gerippe eines Mannes, noch so vollkommen erhalten, dafs selbst 
die Extremitaten vorhanden waxen, aber von dem Ealksinter, dem 



der Tuffstein seine Entstehung verdankt, so impragniert, dafs die 

Gebeine steinahnlich geworden waren. Es befand sich in horizon- 

taler Lage, den Kopf nach Norden, die Fofse nach Suden. Seine 

Lange betrug mehr als 2 Meter, deutete also auf eincn Mann von 

einer wenigstens jetzt nicht mehr gewohnlichen Grofse. Die Stein- 

masse hatte sich derartig um den Korper herumgelegt, dars der- 

selbe auf das Genaueste darin abgeformt war. Am Kopfende stand 

eine irdene Urne, welche, da man nicht mit der nothigen Vorsicht 

zu Werke gieng, beim Aufnehmen zerbrach und dann ein Spielwerk 

der Kinder wurde, von der aber noch eine ziemliche Anzahl Scher- 

ben vorhanden ist, die auf eine nicht unerhebliche Grofse schliefsen 

lassen, und welche ergeben, dafs das Gefars weder in einem Ofen, 

noch iiberhaupt im Feuer gebrannt, sondern nur an der Luft ge- 

trocknet ist. Werkzeuge und Zierrathen hat man nicht gefunden. 

— Sobald dieser Fund in der Gegend bekannt wurde, fanden sich 

viele Besucher ein, welche den versteinerten Menschen in Augen- 

schein nehmen wollten. Viele brachen sich ein Knochelchen ab, 

um es zum Andenken mitzunehmen. Eine offentliche Aufforde- 

rung zur Riickgabe ist erfolglos geblieben. So besteht denn der 

durch die Gute des Herrn Beck als Geschenk nunmehr in den 

Besitz des Alterthumsvereins gelangte Rest nur aus Fragmenten; 

doch befindet sich darunter glacklicherweise der noch leidlich er- 

haltene Schadel, aus dem sich ergibt, dafs der einstige Trager 

desselben zu den Dolichocephalen gehort hat. — Es ist Sorge ge- 

tragen, dafs wenn, was nicht gerade unwahrscheinlich ist, bei 

weiterer Ausnutzung des Steinbruchs auf ahnliche Funde gestofsen 

werden sollte, davon unverzuglich Mittheilung gemacht und bis 

zur stattgefundenen Untersuchung Alles moglichst in statu quo 

belassen wird. — Noch verdient erwahnt zu werden, dafs in dem- 

selben Steinbruch friiher mehrfach in Stein verwandelte Blatter 

gefunden sind, die einer Baumart angehort haben mussen, welche 

sich jetzt nicht in jener Gegend findet und iiberhaupt daselbst 

durchaus unbekannt ist. Es scheint dieser Umstand fast darauf 

zu deuten, dafs das in Rede stehende Skelett derselben Zeit ent- 

8 1 am men moge, wie das Mammuth, dessen jetzt im Museum zu 

Gotha befindliches Gerippe unter ganz gleichen geognostischen 

Verhaltnissen in dem Siifswasserkalk von Burgtonna gefunden 

worden ist. — Hierbei raag noch mitgetheilt werden, dafs in dem 

jetzt als Lehmgrube benutzten Todtenfelde vor dem Andreasthore 

.neuerdings wieder einige Gerippe und eine Urne gefunden sind, 

in derselben Lage wie die frOher gefundenen, in mit Dammerde 

angefallten Nischen, welche horizontal unter der aus sehr festem 

Lehm bestehenden Decke sich erstrecken. Leider waren, als ich 

von dem Funde Kenntnifs erhielt, nur noch zwei Todtenkopfe 

vorhanden, die dann in den Besitz des Vereins gelangt sind und 

von denen wenigstens der eine recht gut erhalten ist. — Eine 

sehr werthvolle Bereicherung ist durch Herrn Sanitatsrath Axmann 

der Sammlung des Vereins zu Theil geworden und zwar durch 

einen treffllich gearbeiteten und bis auf eine fehlende hintere Ecke 

sehr gut erhaltenen sog. Kelt von Nephrit, welcher neuerdings 

bei den fortgesetzten Nachgrabungen in dem Leichenfelde auf dem 

Rothenberge gefunden worden ist. (Erf. Ztg., Nr. 226.) 

77) Der langjahrige Procefs fiber die Madonna von Hol- 
bein, die von Franz Zetter als altes Gemalde in der Kapelle von 
Allerheiligen oberhalb Grenchen aufgefunden, von Eigner in Augs- 
burg restauriert wurde und darauf in den Besitz des Kunstvereins 
von Solothurn ubergieng, ist endlich vom Amtsgericht Solothurn- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



340 



Lebern zu Gunsten des Kunstvereins entschieden worden. Gren- 
cben, das entweder die Madonna oder 30,000 Frcs. Entschadigung 
verlangte, wurde mit seinem Begehr abgewieaen. 

(111. Ztg., 1577.) 

78) Ein hollandischer Gemaldeliebhaber bat in Briissel ein 
Bildcben fttr 120,000 Francs angekauft, darstellend die Vermah- 
lung Henri IV. mit der Maria von Medicis. Kenner erklaren es 
fur die Originalskizze von Rubens zu jenem grofsen Ge- 
malde im Louvre, welcbes mit das schonste ist der so berlihmten, 
von Rubens und seinen ScbQlern ausgefabrten „Galerie de Lu- 
xembourg", welcbe bekanntlicb das Leben der Maria von Medicis 
in seinen Hauptmomenten schildert. 

(Deutsche Kunst-Ztg., Nr. 32.) 

79) Der Universitats - Bibliotbeksekretar Dr. H. Oesterley in 
Breslau ist mit der Herausgabe der Werke Simon Dacbs be- 
schaftigt. Das ibm bis jetzt zu Gebote stebende Material umfalst 
etwa 1100 einzelne Dicbtungen ; aber es existieren aufserdem min- 
destens nocb bundert, die nocb nicht haben nachgewiesen werden 
konnen, obgleich sie im vorigen Jahrhundert aller Wahrscheinlich- 
keit nach in Konigsberg nocb vorbanden gewesen sind, und den 
Literaturbistorikern vorgelegen baben. In den offentlichen Konigs- 
berger Bibliotbeken befinden sich indessen die vermirsten Stucke 
nicbt mehr, und es ist nur anzunebmen, dafs sie zerstreut oder 
gesammelt in anderen offentlichen oder Privatbibliotheken Preu- 
fsens aufbewabrt werden. Dr. Oesterley richtet daber an diejeni- 
gen, welche im Besitze solcber Gedichte 6ind, oder Kenntnifs da- 
von baben, die Bitte um Mittbeilung derselben. 

(Deutscb. Reicbs-Anzeiger, Nr. 179.) 

80) Keine Gegend der Pfalz ist wol nebst ihrer geologischen 
Wicbtigkeit reicher an romischen und anderen Antiquitaten , die 
aus dem Schutte der Vergangenbeit berausgegraben wurden und 
noch werden durch Pflug und Hacke, als das Gebiet des Potzber- 
ges und des Konigsberges, wo aufserdem noch viele Namen an 
Kelten und Romer erinnern. So wurde kflrzlich am Abhange dee 
Konigsbergs, auf der Efsweiler Gemarkung, da, wo auch Steine 
und Ziegel deutlich genug von romiscber Niederlassung zeugen 
und schon fruher allerlei antike Gegenstande gefunden wurden, 
ein zierlich gearbeitetes silbernes Loffelchen aus der Erde gescharrt. 
Es ist etwas grofser als unsere Kaffeloffel, der Griff spitz auslau- 
fend und 13 Centm. lang. Die Hohlung, rein oval, hat Arabesken 
zum Schmuck, an welchen Trauben hangen und in welchen Taub- 
chen sitzen, je eines auf beiden Seiten. Diese Verzierungen um- 
geben den in der Mitte stehenden Segenssprucb : LVCILIANE 
VIVAS. Die Hohlung schliefst sioh nicht steif, wie bei unsern 
Loffeln, an den Stiel oder Griff an, sondern vermittelst einer ge- 
falligen, dem Auge angenehmen Biegung eines kleinen Btigels. 
Das Ganze macht den Eindruck jenes Sinnes fur das Schone, der 
auch den kleinsten, geringsten Hausgerathen der Romer etwa in 
der pompejaniscben Zeit aufgepragt war, weshalb dieselben noch 
heute den Kunstwerken zum Muster dienen konnen. Denn auch 
das Geringste, was zum taglichen Gebrauche nothwendig ist, soil 



iiber die Prosa des bios Praktischen hinaus durch edle Form zur 
Veredlung des Geschmacks und zur Verschonerung des Leben* 
beitragen. (Pf. Z.) 

81) Breslau. Einen interessanten Fund hat in Schalkau der 
Freigartner Wilh. Wolff bei Umleguog des Zaunes zwischen seinem 
Gehofte und dem Garten gemacht. Beim Graben eines Lochee zu 
einer Kopfsaule hat derselbe etwa 10 bis 15 Zoll tief unter der 
Erdoberflache zwei irdene Topfe gefunden, welche 2501 Stuck 
Munzen enthielten, wovon 81 Stuck die Grofse von preufs. Ein- 
und Zweithalerstucken, 287 Stack die Grofse von '/j-Thalerstucken, 
906 von l /ii"Thalerstiicken , 1227 von ganzen und halben Silber- 
groschen haben, und wovon ein Theil im letzten Drittheil des 
16., ein Theil im ersten Drittheil des 17. Jahrhunderts, wie die da- 
rauf be find lichen Ziffern entnehmen lassen, gepragt ist. 

(Numism. Ztg., Nr. 15.) 

82) Burg. Ein sehr interessanter Miinzfund ist hier neulich 
auf dem Gehoft des Kaufmanns Nuthmann bei Gelegenheit der 
Raumung eines Brunnens gemacht worden. 152 Stuck grofsere 
und kleinere Silbermunzen fanden sich in einem Gefafse, dessen 
im Innern mit einem Gewinde versehener metallener Deckel nebst 
den Munzen selbst und einer kleinen, anscheinend si lb era en Kette 
der Polizeibehorde abgeliefert sind, wahrend das Gefafs nicht wie- 
der zum Vorschein gekommen ist Die Munzen, soweit sie nach 
einer oberflacblichen Besichtigung zu erkennen waren, gehdren fast 
alle dem 17. Jahrhundert an, nur einige wenige dem 16., darunter 
eine namentlich mit dem Bildnifs des Kurfdrsten Moritz von Sach- 
sen aus dem Jahre 1549 (wenn anders die sehr undeutlichen Zif- 
fern richtig gelesen sind). Bei weitem die meisten tragen kur- 
brandenburgisches Geprage und riihren vom Grofsen Kurfursten 
her; aufserdem sind ein paar schwedische, einige osterreichische, 
Bachsische und polnische Stucke vorhanden, sowie zwei grofsere 
und zwei kleinere Stadt-Magdeburgische Munzen, die ersteren in 
der Grofse der jetzigen Dritt el thaler, auf der einen Seite das Stadt- 
wappen, auf der andern den stadtischen Wahrspruch: Yerbum do- 
mini manet in aeternum ; die kleineren Stucke , von der Grofse 
eines Zwolftelthalers, zeigen auf der einen Seite das Stadtwappen, 
auf der andern ein sehr verwischtes Geprage, jenen Wahrspruch 
aber als Umschrift. Von der Stadt Einbeck sind einige kleinere 
Munzen, von den Stadten Hannover und Hildesheim je ein Stock 
von der Grofse unserer jetzigen Thaler. Eine Erfurter Munze 
vom Jahre 1622 zeigt auf der einen Seite die Umschrift : Schroot 
und Korn nach den Alten. Ein grofser Theil ist ubrigens gam 
unkenntlich und bedarf zu seiner Entzifferung der Priifung durch 
einen Sachverstandigen. Referent vermuthet, dafs das Geld im 
brandenburg-schwedischen Eriege vor den feindlichen Schweden 
gefluchtet und verborgen worden ist, da, soweit die Jahreszablen 
erkenntlich, nur eine Miinze aus dem Jahre 1675, dem Jahre der 
Schlacht von Fehrbellin, alle iibrigen aber aus friiheren Jahren 
herriihren. Der ganze Fund ist dem hiesigen Kreisgerichte ror 
weiteren zustandigen Veranlassung flbergeben worden. 

(Numism. Ztg., Nr. 16.) 



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341 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



342 



Yierzehnte Plenar-Versammlung 

der historischen Commission bei der konigl. bayer. Akademie der 
Wissenschaften. 

Munch en ira October 1873. Die diesjahrige Plenarversamm- 
lung der histor. Commission wurde in den Tagen vom 20. bis 23. 
October abgehalten. Von den auswartigen Mitgliedern nahmen 
aufser dem Vorsitzenden, Geheimen Regierungsrath v. Ranke aus 
Berlin, die Professoren D u m m 1 e r aus Halle , Hegel aus Erlangen, 
v. Sybel aus Bonn, Waitz aus Gottingen, Wegele aus Wurz- 
burg und Weizsacker aus Strafsburg an den Verhandlungen 
Antheil; von den einheimischen Mitgliedern betheiligten sich der 
Vorstand der k. Akademie der Wissenschaften, Reichsrath v. D oi- 
ling er, Oberbibliothekar Foringer, die Professoren Cornelius 
und Kluckhohn, Geheimer Cabinetsrath a. D. Freiherr v. Lili- 
e n c r o n , Reichsarchivdirector v. L 6 h e r , Reichsarchivrath M u f f a t 
nnd der standige Secretar der Commission, Geheimrath v. Giese- 
brecht. 

Der Vorsitzende gedachte in der Rede, mit welcher er die 
Versammlung eroffnete, der grofsen Verluste, welche die deutsche 
Gescbichtswissenschaft in den letzten Jahren durch das Abscheiden 
Georg Ludwigs v. Maurer und Friedricbs v. Raumer er- 
litten hat, indem er beide in ihrer politischen und literarischen 
Thatigkeit charakterisierte. Worte dankbarer Erinnerung widmete 
er Justus v. Liebig und Wilhelm v. Ddnniges, die sich urn 
die Begrundung der Commission besondere Verdienste erworben 
hatten, und schlofs mit einer eingehenden Wurdigung Chri- 
stoph Friedrichs v. Stalin, dessen kurzlich erfolgter Tod in 
der Commission, zu deren thatigsten Mitgliedern er zahlte, eine 
schwer auszufullende Liicke gelassen hat. 

Ueber die Geschafte des abgelaufenen Jahres erstattete darauf 
der Secretar den statutenmafsigen Bericht. Es sind abermals fiir 
die Zwecke der Commission zahlreiche Archivo und Bibliotheken 
durchforscht worden, und sind diese Arbeiten von den hiesigen 
und auswartigen Personen mit derselben Zuvorkommenheit und 
Liberalitat unterstutzt worden, welche die Commission schon so 
oft dankbar anzuerkennen hatte. Alle Unternehmungen sind in 
ununterbrochenem Fortgang, und die Hemmnisse, welche einzelne 
Publicationen durch die Arbeitsemstellung in den Druckereien er- 
fuhren, jetzt beseitigt. Trotz jener Hemmnisse haben seit der vor- 
jahrigen Plenarversammlung im Druck vollendet und dem Buch- 
handel iibergeben werden konnen: 

1) Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. Bd. Xin. 
Geschichte der deutschen Philosophie seit Leibnitz von Dr. 
Eduard Zeller. 

2) Die Chroniken der deutschen Stadte vom 14. bis ins 16. Jahr- 
hundert. Bd. X. Die Chroniken der frankischen Stadte. 
Nurnberg. Bd. IV. 

3) Briefe und Akten zur Geschichte des sechzehnten Jahrhun- 
derts mit besonderer Rttcksicht auf Bayerns Furstenhaus. 
Bd. I. Beitrage zur Reichsgeschichte 1546 — 1551. Bearbei- 
tet von August v. Druffel. 

4) Bayerisches Worterbuch von J. AndresSchmeller. Zweite, 
mit des Verfassers Nachtragen vermehrte Ausgabe, bearbei- 
tet von G. Karl Frommann. Lieferung VHI. und IX. 

5) Forschungen zur deutschen Geschichte. Bd. XIII. 



Weit vorgeschritten sind im Druck, so dafs baldige Publica- 
tion zu erwarten steht, folgende Werke: 

1) Deutsche Reichstagsakten. Band II, herausgegeben von Pro- 
fessor J. Weizsacker. 

2) Briefe und Akten zur Geschichte des dreifsigjahrigen Krie- 
ges in den Zeiten des vorwaltenden Einflusses der Wittels- 
bacher. Bd. II, bearbeitet von Professor M. Ritter in Bonn. 

3) Geschichte der Wissenschaften. Bd. n. Abthl. 2. Die zweite 
Halfte der Geschichte der Chemie in der neuern Zeit vom 
Geheimen Hofrath H. Kopp in Heidelberg. 

4) Die Recesse und andere Akten der Hansetage von 1256 bis 
1430. Bd. n, herausgegeben von Dr. K. Koppmann in 
Hamburg. 

5) Jahrbucher der deutschen Geschichte. Die Geschichte Kai- 
ser Heinrich's III., bearbeitet von Dr. E. Steindorff in 
Gottingen. Erster Band. 

Die Berichte, welche von den Leitern der einzelnen Unter- 
nehmungen im Verlaufe der Verhandlungen erstattet wurden, ga- 
ben von dem Fortschritt der Arbeiten nach alien Seiten erwunschte 
Kunde. 

Die Geschichte der Wissenschaften wird zunachst eine sehr er- 
freuliche Erweiterung erhalten, da die Geschichte der National- 
oconomie vom Geheimen Rath W. Roscher in Leipzig jetzt der 
PresBe iibergeben werden kann. 

Von der grorsen, unter Professor He gePs Leitung veranstal- 
teten Sammlung der deutschen Stadtchroniken hatte der Druck 
des fiinften Bandes der Nurnberger Geschichten, gleich dem vier- 
ten von Professor v. Kern in Freiburg bearbeitet, schon vor lan- 
gerer Zeit begonnen, mufste aber wegen schwerer Erkrankung des 
Bearbeiters unterbrochen werden. Auf diesen Band werden zwei 
Bande Colnischer Chroniken folgen, von denen der erste, von 
Dr. H. Cardauns und Dr. C. Schroder bearbeitet, im nachsten 
Jahre gedruckt werden soil. Wenn die seit langer Zeit erwartete 
neue Ausgabe der Lubeckischen Chroniken noch immer nicht der 
Presse iibergeben werden konnte, so Hegt der Grund in den vie- 
len Amtsgeschaften des Herausgebers, Professor Mantels in Lii- 
beck; doch ist zu hoffen, dais ihm die Mufse zum Abschlurs sei- 
ner Arbeit jetzt gewahrt werden wird. 

Dem im Druck fast vollendeten zweiten Band der deutschen 
Reichstagsakten wird sich der dritte alsbald anschliefsen ; derselbe 
wird die Anfange Kdnig Ruprecht's betreffen, auf dessen spatere 
Zeiten sich der vierte Band beziehen wird. Die Arbeiten fiir die 
Regierungen Kaiser Sigmund's und Albrecht's II. sind durch Bib- 
liothekar Dr. Kerler in Erlangen so weit gediehen, dafs auch 
der Druck der Akten dieser Periode fur die nachsten Jahre in 
Aussicht genommen werden kann. Inzwischen werden durch Dr. 
Fr. Ebrard in Strafsburg die Vorarbeiten fiir die Akten in der 
Zeit Kaiser Friedrich's III. gemacht, um sich kiinftig unmittelbar 
an den Abdruck der Akten Albrecht's H. anzuschliefsen. Nach 
den Mittheilungen des Leiters dieser grofsen Unternehmung , Pro- 
fessor J. Weizsacker, stehen dem rascheren Fortgange dessel- 
ben keine Hindernisse mehr im Wege., 

Die Sammlung der Hanserecesse ist durch die von Dr. K. Kopp- 
mann im vorigen Spatjahre unternommene Reise nach den russi- 
8chen Ostseeprovinzen erheblich bereichert worden ; augenblicklich 
befindet sich Dr. Koppmann auf einer archivalischen Reise in 
den Niederlanden. Die Bearbeitung des vorhandenen Materials 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vprzeit. 



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wird ununterbrochen fortgesetzt und wird sicli an den Druck des 
dritten Bandes sogleich der des vierten anschliefsen. 

Die Jahrbucher der deutschen Geschichte werden demnachst 
urn mehrere Bande vermehrt werden. Von der Geschichte Lud- 
wig's des Frommen, bearbeitet von Dr. B. Sims on in Berlin, hat 
der Druck des ersten Bandes begonnen. Der Schlufsband der 
Geschichte Heinrich's II., bearbeitet von Dr. H. Brefslau in Ber- 
lin, ist zum grofsern Theil vollendet und wird bald dem Druck 
iibergeben werden konnen. Die Geschichte der Regierungen Lo- 
thar's und Konrad's III. hat Dr. W. Bernhardi in Berlin iiber- 
nommen. Zu besonderer Freude gereicht es der Commission, dafs 
Professor Dummler die durch den Tod Rud. Kopke's unter- 
brochenen Arbeiten fur die Geschichto Otto's des Grofsen wieder 
aufgenommen hat und der Bearbeitung dieser wichtigen Periode 
fur die Jahrbiicher zunachst seine Kraft widmen wird. 

Auch die Arbeiten far die Wittelsbach'sche Correspondenz sind 
wieder nach alien Seiten gefordert worden. For die altere pfal- 
zische Abtheilung ist Dr. Fr. v. Bezold unter Beihiilfe des Pro- 
fessors Kluckhohn thatig gewesen und hat aus dem hiesigen 
Staatsarchiv und der hiesigen Hof- und Staatsbibliothek bereits 
ein sehr reiches Material fur die Correspondenz Johann Kasinrir's 
gewonnen. Fur die altere bayerische Abtheilung, welche unter 
Leitung des Reichsarchivdirectors v. Loher steht, wird Herr Dr. 
A. v. D ruff el die begonnenen Arbeiten ohne Unterbrechung fort- 
setzen. Fur den zweiten Band, welcher die Beitrage zur Reichs- 
geschichte 1552—1555 enthalten soil, liegt das Material reichlichst 
vor und wird von demnachst zu unternehmenden archivalischen 
Reisen noch weitere Ausbeute erwartet. Inzwischen haben sich 
zahlreiche Nachtrage zum ersten Bande theils aus den hiesigen 
Archiven, theils durch Nachforschungen in Trient und Cassel er- 
geben; auch haben wegen des Umfangs, welchen der erste Band 
gewonnen hat, die fruher fur einen Anhang dieses Bandes bestimm- 
ten grofseren Aktenstticke, Protokolle, Memoires u. s. w. vorlau- 
fig zuruckgelegt werden mussen. Es ist die Absicht, diese Ergiin- 
zungen im dritten Bande mit den gleichartigen Stiicken fur die 
Zeit von 1552 bis 1555 zu publicieren, und wird der Druck der 
ersten Abtheilung dieses Bandes schon im nachsten Jahre erfolgen 
konnen. Die Arbeiten der alteren pfalzischen Abtheilung, von 
Professor Cornelius geleitet, sind durch Veranderungen der amt- 
lichen Thatigkeit des Professors M. Ritter mehrfach beeintrach- 
tigt worden , doch sind die Arbeiten f iir den dritten Band soweit ge- 
fordert, dais der Druck desselben fast unmittelbar nachVollendung des 
zweiten Bandes wird beginnen konnen. Die dem Dr. Baumann 
ubertragenen Arbeiten sind durch dessen Berufung an das furstl. 
Furstenbergische Archiv zu Donaueschingen unterbrochen worden. 
Fur die jungere bayerische Abtheilung, ebenfalls von Professor Cor- 
nelius geleitet, war Dr. F. Stieve auch in dies em Jahre unausge- 
setzt thatig. Das bereits' angesammelte Material wurde vermehrt 
und geordnet; nach Ausfuhrung einiger archivalischen Reisen soil 
der erste Band dieser Abtheilung zum Druck fertig gestellt werden. 

Die Hoffnung, mit dem Register die grofse Sammlung der 



deutschen Weisthumer schon in diesem Jahre abzuschliefsen , hat 
sich nicht erfiillf. Zur Richtigstellung der Texte mufsten mehrere 
Reisen unternommen werden, welche die Vollendung aufhielten. 
Doch ist gegrundete Aussicht vorhanden, dafs der Druck des Re- 
gisterbandes, von Professor R. Schroder in Wiirzburg unter 
Mitwirkung des Professors Birlingerin Bonn bearbeitet, im nach- 
sten Jahre ausgefuhrt werden und darait dieses Untesnehmen zum 
Abschlufs gelangen wird. Auch die neue Ausgabe des Schmeller- 
schen Worterbuchs wird voraussichtlich im nachsten Jahre vollen- 
det werden konnen. 

In der Redaction der Zeitschrift : „Forschungen zur deutschen 
Geschichte" ist durch Stalin's Tod eine Lucke entstanden, welche 
durch Professor Dummler ausgefullt wurde. Die Redaction wird 
demnach in Zukunft aus den Professoren Waitz, Wegele und 
Dummler bestehen. 

Der Druck des ersten Bandes der allgemeinen deutschen Bio- 
graphie wurde im Anfange dieses Jahres begonnen, mufste aber 
theils wegen der Arbeitseinstellung in der Druckerei, theils wegen 
einer schweren Erkrankung des Redacteurs, Freiherrn v. Li lien- 
or on, bald unterbrochen werden. Diese Unterbrechung war in- 
sofern dem Unternehmen forderlich, als noch einmal das ebenso 
umfangreiche wie schwierige Werk nach alien Seiten hin in reif- 
liche Erwagung gezogen werden konnte. Es stellte sich dabei 
heraus, dais die bisher dem Redacteur aufliegende Geschaftslast 
eine iibermafsige sei, und es trat deshalb nach dem Beschlufs der 
Commission Professor Wegele in die Redaction ein, um die der 
politischen Geschichte angehorigen Artikel zu redigieren. 

Je weiter sich die Unternehmungen der Commission ausge- 
dehnt haben, desto mehr mufste sich ihr das B^Kirfnifs aufdiin- 
gen, sich nach den schweren Verlusten , die sie in letzter Zeit zu 
beklagen hatte, wieder von Neuem zu erganzen. In der vorge- 
schriebenen Weise wurden deshalb mehrere deutsche Geschichts- 
forscher von anerkannten Verdiensten gewahlt und Seiner Majes- 
tat demKonige zur Ernennung zu Mitgliedern der Commission 
in Vorschlag gebracht. 

Bekanntlich werden im Augenblick uber die zukiinftige Lei- 
tung der Monumenta Germaniae historica Verhandlungen gepflo- 
gen. Die Direction derselben wird, welche Gestalt sie auch ge- 
winnen mag, vielfach auf ein Zusammenwirken mit der historischen 
Commission sich hingewiesen sehen, deren Aufgaben zwar zum 
Theil andere sind, sich aber auch vielfach mit denen beruhren, 
welche jener Direction gestellt werden mussen. Auch in diesem 
Betracht stellt sich der Fortbestand der Commission, welche so 
viele und so grofse Interessen der deutschen Geschichtswissen- 
schaft vertritt, iiber die ihr zunachst gesetzte Frist hinaus als 
hochst wiinschenswerth dar, und die Commission selbst glaubte 
der Hoffnung Raum geben zu durfen, dafs es an den Mitteln nicht 
fehlen werde, um der Schopfung Konig Maximilians II., 
welche seines koniglichen Sohnes Huld und Freigebigkeit gepflegt 
und die sich bisher fur die deutsche Wissenschaft so segensreich 
erwiesen hat, dauernden Bestand zu sichern. 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen •Museums in Kurnberg. 



Gedruckt bei U. E. Sebald In Nttrnberg. 



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Vftrnberg. Dm Abonnemeni dM Blai- 
tes, welcheg alia Monate ereoheint, wird 
ganajtlirig angenommen und betragt nach 
der neueeten Postoonyention bei alien Post- 
ftmtern tmd Bnohhandlnngen DeuUcklandt 
inol. Oeeteneioha 8 fi. 86 kr. im 9« fl.-FuIs 
Oder S Thlr. preufs. 

Fur £Vaa*r«fc* abonniert man in 
Paris bei dar dauWchen Buchhandlung yon 
F. Klinokaleok, Kr. 11 rue da Lille; ItLr 



AMEIGER 



England bel Williams ft Xorgate, 14 Hen- 
rietta-Street CoTent- Garden in London; 
fttr Nord-Atnerilca bei den Poet&mtern Bre» 
me n nnd ELenibmg. 

Alio for daa german. Museum be» 
atimmten Bendungen anf dam Wego dee 
Buchhandels werden durch den Oommis- 
eion&r der literer.- artist Anstalt dea Mm- 
eeums, F.A, Brookhaus in Leipajg, be- 
fdrdert. 



FDR RMDE DER 





Nene Folge. 



Zwanzigster Jahrgang. 
ORGAN DES GER9UMSCHEN MJSEMS. 



1873. 



JIH2. 



IBODLIL 



^ 



December* 



\\ issenschal tliche Mittheilungen. 



Der Gandersheimer Kirchenschatz. 

Schon lange habe ich dem Plenarium nachgetrachtet, wel- 
ches Harenberg in seiner Gescbichte von Gandersheim S. 125 
beschreibt. Er macht weiterhin auf S. 596 gar verwunderliche 
Mittheilungen aus einer darin befindlichen Beschreibung des 
Kirchenscbatzes, in welcher die alten papstlichea Bullen auf 
Papyrus bezeichnet sein sollen als bambatii quinque serici. 
Noch auffallender ist seine Angabe ebenda, dafs ein Notar 
Heinrichs II., Namens Apel Peransex Angul Saxo, 1007 ein 
Privileg in eben diesen Codex eingetragen habe. Date Ha- 
renberg nicht viel zu traaen sei, istbekannt; daher wunscbte 
ich um so mehr, diese verscbollene Handschrift einsehen zu 
konnen. Da ftthrte mich zufallig mein Weg nach Koburg, und, 
siehe da! in meinem Badeker lese ich von einem Plenarium 
aus dem Kloster Gandersheim, Pergament-Handscbrift aus dem 
11. Jahrhundert, mit 6ch5n geschnitztem Elfenbeindeckel. 

Meine Vermuthung war richtig; es war die gesuchte Hand- 
schrift, welche ich durch die Freundlichkeit des Herrn Bauratbs 
Rothbart benutzen konnte. Sie ist aufserordentlich schon ge- 
schrieben. Der Elfenbeindeckel stellt allerdings nicht, wie Ha- 
renberg S. 125 angibt, die Thaten der Ottonen dar, sondern 
die Himmelfahrt Christi. Die Fassung ist jttnger und zeigt auf 
dem Goldrand die Jahrszahl 1555. 

Auf dieses Plenarium, welches, wie Harenberg richtig an- 
gibt, vorne eingeheftet die Statuten des Stifts en thai t, wurden 
die Aebtissinnen und Conventualinnen verpflichtet, und in der 
letzten Zeit auch ihre Namen dort eingetragen. Dagegen habe ich 



von jener k. Best&tigung von 1007 nichts finden kftnnen, ge- 
schweige denn den abenteucrlichen Namen des No tars; nur 
eine Aufzahlung der dem Stifte verliehenen Zebnten ist am 
Schlusse angereiht. Unmittelbar vorher geht ein Inventar 
des Kirehenschatzes, welches mir nach der Schrift dem 12. 
Jahrh. anzugehOren scheint Die oben erwahnten Worte aber 
sind eine offenbareFalschung; nur ein bambatius sericus kommt 
vor, und augenscheinlich ist das ein Gewand, was auch zu den 
bei Du Cange angeftthrten Stellen pafst. 

Wir lassen das Verzeichnifs folgen, welches mehrere unge- 
wOhnliche AusdrQcke enthalt. Die vier Qbergeschriebenen Glos- 
sen sind hier im Druck mit Cursivschrift hinter das betreffende 
Wort in Parenthese gestellt. Die Glosse ibocade war, so viel 
ich mich erinnere, deutlich zu lesen, wenn ich sie auch nicht 
zu erklftren weifs. 

Hoc breuiario totum ecclesie thesaurum inuenies titulatum. 
Sunt enim in hac ecclesia octo cruces maiores et minores. crux 
in qua habetur de ligno domini una cristallina. vii. de auro 
et gemmis ornate, crux lignea habens reliquias sancti Nicolal. 
Vndecira scrinea plena reliquiis sanctorum, unum sullum ma- 
gnum aureum in quo concluditur sanguis domini. vi. ornamenta 
super ciborium ponenda. x. sulla cum pectene sancti Fridolini. 
iii. cruces ante pendentes. Vas cristallinum cum scrinio ar- 
genteo. manus deaurata cum reliquiis sanctorum innocentum. 
ii. scrinea .i. cristallinum aliud auro et ebore ornatum. vii. 
candelabra super magnum candelabrum ponenda. et .viii. alia, 
cifus argenteus sine operculo. ii. argentee pelues. ii. fiscelle 
argente§. Argente§ scutelle .iiii. Turibula argentea .iiii. et .i. 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



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aureum. Vasculura in quo thus tenetar. Oriola (idest opperuanan) 
.xiii. .x. stole; auro texte. xi. stole albe. dolmatice .vii. Supti- 
les .vi. iii. casule per totum auro intexte. viiii. alie auro or- 
nate sed non per totum. Sine auro serice .xiii. Sex lane§. 
Cingula .xiii. ante pendentia. Calices aurei .vi. cum patenis. 
onus onichinus cum patena eiusdem generis .ii. cristallini cum 
patenis ,i. peralinus cum patena. Sex argentei cum patenis. 
Bambatius .i. sericus. Cappe .xxx et i. et lena serica. Stragule 
•viiii. i. ex illis auro texta. Peplum sericum. Albe .x. xiiii. 
velamina aurea ad cultum altaris pertinentia et .viii. serica. 
Velamina linea .viii. Sindones .ii. Manuteria .vii. et unum 
auro textum. Psalterium auro politum. Missalis similiter orna- 
tus argento .iiii. plenaria metallo ornata .vi. sine met alio .i. 
in iiii or partes diuisum. v. lectionarii. ii. feriales. vi. missales. i. 
antiphonarius cum libro matutinali .iii. grathalarii .ii. baptisteria. 
cum omnibus ad unctionem et sepulturam pertinentibus .ii. ve- 
lamina linea et .ii. se- Fig. 
rica. ad cancellas per- 
tinentia .i. lineum ad 
crucem. et aliud aurea 
pelle paratum. Crumena 
(budil) per totum auro 
texta. Ampula cristallina. 
Dorsalia .v. auro ornata 
.ii. aurea pelle ornata. 
Viginti octo alia serica. 
Ceruicalia .v. serica ma- 
gna, tria parua. v. seri- 
cia (pelleles). Lineae cor- 
tinae .iii. Index argent eus 
cum fistulis duabus qui- 
bus sanguis dominicus 
datur accipientibus. Ta- 
petia tria. Plumaria (ibo- 
cade) uelamina .iiii. Cla- 
uis cum qua datur abbatia. 

Ich darf nicht versaumen, zu erwahnen, dafs scbon 1843 
Herr Prof. Waitz in Pertz' Archiv VIII, 266 Nachricht von 
dieser Handschrift gegeben hat, ohne sie jedoch genauer zu 
bescbreiben. Durch die Prinzessin Caroline von Sachsen-Ko- 
burg (geb. 1753, gest. 1829),. welche Dechantin des Klosters 
(seit 1795) gewesen war, ist die kostbare Handschrift nach 
Koburg gekommen. Nach der ebenda erwflhnten Abschrift des 
Gedichts der Hrotsuit fiber die Geschichte des Klosters forschte 
ich vergeblich. 

Berlin. W. Wattenbach. 



Jftessingenes Kohlenbecken vom 16. Jahrhundert. 

Seit Grttnducg unseres Museums befindet sich in dessen 
Sammlungen das oben abgebildete messingene Eohlenbecken 
(Fig. 1), mit welchem wir die Wiedergabe einer Reihe von Haus- 



gerathen fruherer Zeit zu erOffnen denken. Wahrend man noch 
vor einem Jahrzehend derartige Gegenstande hOchstens aus 
Pietat vor ihrem Alter aufhob, ist man seitdem, ganz abge- 
sehen von der Annahme, dafs in ihnen Muster fur unsere heu- 
tige gewerbliche Thatigkeit gegeben sind, zu der Erkenntnifs 
gelangt, dafs sie kulturhistorisch oft von nicht geringerer Be- 
deutung sind, als manche weit anspruchsvoller auftretendc Denk- 
maler. Wir dtirfen hier nicht erst wiederholen, wie Gestalt 
und Schmuck des Hausraths am besten Auskunft uber die Ge- 
mttthslage derjenigen geben, welche taglich mit demselben ver- 
kehrten, wie der Stil, der an den Erzeugnissen dieses Berei- 
ches sich ausspricht, nach gewisser Seite einen Mafsstab bie- 
tet, urn zu beurtheilen, wie tief die ideellen Regungen einer 
Zeit in das Volk gedrungen waren, und was man sonst noch 
diesen oft betonten Auslassungen hinzufugen kOnnte. 

Das Becken selbst ist 14,6 cm. hoch und mifst 24,4 cm. 
i. im oberen Durchmesser, 

der dazu gehorige Ring 
(Fig. 2) 27 cm. Der Auf- 
bau des Ganzen wie die 
durchbrochenen und ein- 
gravierten Ornamente 
zeigen den ausgebildeten 
Renaissancestil, die tech- 
nische Herstellung eine 
tQchtige Handfertigkeit. 
Im Original ist der eine 
Griff abgebrochen und 
durch eine weniger ge- 
schickte Hand ersetzt 
worden. Im oberen 
Theile des St&nders se- 
hen wir den Namen der 
frttheren Besitzerin Ma- 
ria Brinsteri ausgeschnit- 
ten. Die Zeichnung auf den Verzierungen der durchbrochenen 
Streifen ist eingegraben, nicht im Relief herausgebildet , mit 
Ausnahme des Ringes, wo das letztere schon im Gufs an- 
gelegt und durch Ciselierung mehr verscharft ist. Auf dem 
Grunde des Gefarses selbst findet sich, um den nflthigen Zug 
fttr dieglimmenden Kohlen herzustellen , ein Durchbruch von 
vier kreisfOrmigen, je mit einem Stern ausgelegten Oeffnun- 
gen nebst kleineren, die zwischen eingestreut sind. Der 
Fufs ist angeschraubt; die Halter der Handgriffe sind genietet 
Fttr eine nahere Zeitbestimmung des Gefarses, dessen erwahnte 
Stilverhaltnisse es sofort dem 16. Jahrhundert zuweisen, geben 
die Ornamente einige Anhaltspunkte. Wahrend der obere, 
zierlich geschwungene Blatterkranz noch an gothische Motive 
erinnert, der im Fufce befindliche dieselben bereite in symme- 
trisch gegliederte Schnorkel verschrftnkt , weist der Ring Ver- 
zierungen auf, wie sie nur einer bestimmten Periode und einem 
abgegrenzten Kreise im 16. Jahrhundert angehOrten. Wer sich 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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unter den Denkm&lern der Kleinkunst, namentlich des Kupfer- 

6tiches dieser Zeit umgesehen, wird zageben, dafs die bier in 

Anwendung gebrachten Motive : Medaillons rait antiqnisierenden 

Kttpfen, zwischen ab en teaer lichen Figuren, M&nnern, Weibern, 

Leoparden and EinhOrnern mit Fischschw&nzen , den Etoupt- 

vertretern der deutschen Frtthrenaissance, Peter Vischer, Al- 

brecht Ddrer u. a. noch ziemlich fremd sind, dagegen ganz 

gewBhnlich bei ei- Fig. 

nem Ereise von 

Kttnstlern niederer 

Gattong, die ihre 

Zeitgenossen waren, • 

aber, wie aus der 

Verschiedenheit des 

von ihnen verarbei- 

teten kttnstlerischen 

Materials hervor- 

geht, andere Quel- 

len haben mufsten, 

aus welchen sie 

schBpften. Wir 

brauchen nur die 

Naraen der Ho- 

pfer zu nennen, 

urn far Eenner so- 

gleich den Bereicb, 

auf welchen wir 

hindeuten, naher zu 

charakterisieren. 
So tiefdiese alsKu- 
pferstecher standen, 
so boch waren sie 
zu ihrer Zeit gewifs 
als das geachtet, 
was eigentlich ihres 
Handwerks war, als 
Harnisch - Aetzer. 
Oanz ahnliche K6- 
pfe und Figuren, 

wie sie auf uuserem Ringe vorkommen, erscheinen auf deren 
Radierungen ; sie wandten dieselben ohne Zweifel auch bei Aus- 
schmttckung der ihnen anvertrauten Waffensttlcke an. Ihre Stu- 
dien machten sie, dem Zuge der ganzen Zeit folgend, bei den 
italienischen Aetzmalern, wie die Vertreter dieses Betriebes 
genannt wurden. Von ihnen entlehnten andere Gewerke; und 
es dttrfte, da die nachste Zeit schon wieder neue Unterlagen 
des Geschmackes brachte, nicht zu gewagt erscheinen, wenn 
wir unser Becken, sei es auch nur der Zeit nach, in Verbin- 
dung mit jenen Kttnstlern bringen. Es wttrde somit seine Ent- 
stehung in die dreifsiger, hOchstens die vierziger Jahre des 
genannten Jahrhunderts fallen. 

Nttrnberg. von Eye. 



Die Sfindenw&sche. 

Die reinigende Kraft des Wassers, die im Sakranvent der 
Taufe ihren Ausdruck gefunden, ist auch wiederholt in der 
Bibel selbst und in Predigten aller Zeiten als Bild gebraucht, 
indem die Taufe eine Abwaschung der Sunde genannt wird. 
(Apostelgesch. 22, 16 : n Lafs dich taufen und abwaschen deine 
Sttnden".) So heifst e3 in Grieshabers Predigten des 13. Jhdts. 
2. II, 24: „Swenne 

der mensch wirt 
getoufet in dem hei- 
ligen toufe, wirt er 
geweschen unde ge- 
reinet von alien si- 
nen sttnden"; dann 
das. S. 26: „Der 
zarte got von hi- 
mel der hat den 
heiligen touf mit si- 
nem rosenvarwen 
bluot geheiliget un- 
de in dem s6 hat 
er uns geweschen 
von alien unsern 
sttnden". 

Andere Stellen 
nennen das Erl6- 
sungswerk selbst, 
an dem wir durch 
die Taufe Theil ha- 
ben, ein Abwaschen 
(in Uebereinstim- 
raung mit OfFenb. 
Joh.1,5: „Undvon 

JesuChristo 

der uns gewaschen 

hat von den Sttnden 

mit seinem Blut tt ) ; 

so Hartmann vom 

Glauben 1040: 

„Bluot unde wazzer w6sch der werilde laster.* 4 Ebenso wird 

das Bild des Abwaschens auch tibertragen auf Rene und Beichte. 

So bei Freidank 35, 5: „Swer mit sttnden si geladen, -der 

sol iu herzeriuwe baden tt ; bei Nithart (Haupt p. 87, 13): 

w Waene ich sttndehafter in den riuwen baden"; in Diemer's 

Genesis 30, 22: Die riuwigen zsehere gebent uns die toufe 

wiedere, daz helleviur si leschent, von sttnden si uns waschent 44 , 

und in einer Predigt des 14. Jahrhunderts: „Der burne (Brun- 

nen) daz ist eine luter bihte, mit der soltu alle dine sunde 

abe weschen". 

So lag es denn nahe, dafs das Bild des Abwaschens der 
Sttnde auch in Beziehung auf das, fur das weibliche Geschlecht 
so wichtige Geschaft in der Waschkttche gebracht wurde. 



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351 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



353 



Gleichwie dieses in regelm&fsigen Zeitrftumen betrieben wird, 
soil auch die Beicbte regelmafsig geschehen. Es ist daber fur 
ein Fraaenkloster nichts Befremdlicbes, dafs daselbst die Beichte 
geradcza unter dem Bilde einer grofsen Hauswasche dargestellt 
wurde; and so befindet sich denn im germaniscben Museum 
ein alter Holzstock, der aus dem schwabischen Fraaenkloster 
SOflingen stammt and, wie der Aagenscbein lebrt, einst viel 
gebraucbt war, wenn auch bis jetzt keiu Abdruck davon be- 
kannt geworden zu sein scheint. Da uns eine grofse Zahl al- 
ter HolzstOcke, aus jenem Kloster stammend, mit der Hafsler'- 
schen Sammlung zugegangen, so ist es sehr wahrscheinlich, 
dafs dort die Nonnen selbst den Bedarf an Heiligenbildern 
fur die Vertheilung an Kinder und Erwachsene druckten ; and 
so mag auch jenes Bild mancher Hausfrau als Ermahnung zu- 
gekommen, aber, wie fast alle solche Blatter, auch das letzte 
Exemplar desselben vom Winde verweht worden sein. Wir 
bringen den Holzschnitt zum Abdruck; er zeigt, wie das 



Christkind und die Nonne gemeinsam waschen. Das Christ- 
kind ist, dem Kerne des Bildes entsprechend , der eigentlich 
thfttige Theil. Es wascht und hat noch einen grofsen Bottich 
W&sche hinter sich. Die Nonne halt nur noch ihre eigene 
schmutzige W&sche zum Auswinden hin. Der Stil der Zeich- 
nung zeigt, dafs das Bild dem eigentlichen Mittelalter nicht 
mehr angehOrt, vielmehr in das 16. Jhdt. fallt, das sich neben 
Behandlung der ernstesten Fragen auch viel mit theologischen 
Spielereien beschaftigte. 

Dieses Bild ist kulturgeschichtlich nicht bios deshalb wich- 
tig, weil es zeigt, in welcher Weise solche theologische Spie- 
lereien aufgefafst warden; es ist auch fur die Geschichte des 
Hauswesens nicht ohne Bedeutung. Gerade so, wie bier im 
Bilde das Christkind, behandelten in Wirklichkeit die Hausfrau 
und ihre Magd die Wasche; wir haben also auch einen nicht 
genug zu sehatzenden Beitrag zur Geschichte des Hauswesens 
in dem Bilde zu sehen. 

Nttrnberg. A. Essenwein. 



Zur Spriehworterkunde. 

Eine Mittheilung und Anfrage. 

Eine beilaufige Anfuhrung Lathers in seiner Schrift „Wi- 
derruf vom Fegfeuer, 1530" scheint fur die Kenntnifs der 
SprichwOrter in genereller, wie in specieller Beziehung Beach* 
tung zu verdienen. Luther fQhrt dort u. a. aus, dafs die Kir- 
chenvater gelegentlich in guter Meinung Gedanken in den bibti- 
schen Text hineingetragen , die der ursprunglichen Bedeutung 
desselben fern ablagen, dafs sie aber auch fur diese ihre Ein- 
falle die Yerbindlichkeit von Glaubensartikeln nicht beansprucht 
hatten. „Solche Weise die Schrift zu ftthren, heifst catachre- 
sis, abusivus modus loquendi, ein Mifsverstand, dafs man der 
Schrift znweilen einen Spruch abborget, und reifset damit ei- 
nen Possen (wie wirs nennen) , doch ohn Schaden dem Text 
und dem rechten Verstand, welcher den Ernst ohn alle Possen 
haben soil. Wie man aus dem Alexandro solcher Possen 
sehr viel gemacht hat, als: U non mutabis, donee pin- 
rale videbis: man soil alt schuch nicht wegwerfen, 
man habe denn neue. Indeclinabile vulgus: derPo- 
fel ist ein ungezogen ding. Wiewohl es ware besser, man 
-iefse mit solchen Possen die h^ilige Schrift unverworren" 
u. s. w. (Erlanger Ausg. Bnd. XXXI, S. 202). 

Es handelt sich hier also urn die weniger zuganglichen 
Commentare zu der Grammatik des Alexander von Dole, die 
nach Luther „sehr viele* 4 deutsche Sprichwflrter bieten mufsten. 
Ich will diese Hoffnung von vorne herein nicht abschneiden; 
die Pietat aber gegen den grofsen Mann halt mich nicht zn- 
ruck, dieser Aussicht gegenuber einen vorsichtigen Zweifel zn 
aufsern. Des geistesverwandte und dankbare ZOgling des Re- 
formators, der ehrwttrdige Rector des Klosters Bfeld, Micb. 
Neander, hat fur seine Sammlung leoninischer Verse, die den 
dritten Theil seiner Ethice vetus 1585 fullt, nach seinem eige- 
nen Gestandnifs den ganzen Wust scholastischer und gramma- 
tischer Commentatoren des Mittelalters durchgeackert und 
nennt unter diesen auch die Glossatoren des Alexander ; (siehe 
die ^vollstandige, auch biographisch wichtige Vorrede in meinem 
Abdruck in den Jahrb. f. Phil. u. Pad. 1864, S. 169 ff. und 
den hierher gehorenden Abschnitt in Suringar's neuem und nicht 
bios wegen der Neuheit fesselnden und schdnen Werke Eras- 
mus over nederl. Spreekw. etc., Utrecht 1873, S. LXX). In 
meiner Ausgabe Neander's (Schwerin, 1864) habe ich non 
sammtliche deutsche Sprichwdrter , die N. gelegentlich zu den 
leoninischen anzieht, zu verzeichnen gesucht, finde aber nor 
das einzige, was hierher gehdren kOnnte (S. 45 meiner Ausg.): 

V. non mutabis, donee plurale videbis. Man soil den alten 
Rock nicht hin werffen, biss man einen newen babe. 

Daraus ziehe ich nun den Schlufs: entweder, was un- 
wahrscheinlich, Neander hat das vorhandene Material wenig 
ausgebeutet, oder, was nicht ganz unwahrscheinlich, der treff- 
liche Luther hat in seinem religiOsen Eifer die vereinzelten 
Falle zu rasch verdoppelt oder verallgemeinert. Damit wir 



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Anzeiger fiir Eunde der deutschen Vorzeit. 



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aber nicht bios negativ verfahren, damit unsere Frage nicht 
in ein kahles Entweder — Oder auslaufe, wo ein sicheres 
Drittes mOglich sein mars: so bitte ich geradeza sachkundige 
Forscber, vor alien meinen theuren, an Eifer wie an Mitthei- 
lungslust nns alle besch&menden Freund J. Franck in Landan, 
aus der Fulle seiner Belesenheit nns eine kleine vorlaufige Be- 
lehrnng nicht vorenthalten zu wollen. — So viel uber diese 
wenig bekamite neue Quelle znr deutschen Sprichwflrterfor- 
schung. 

Im Speziellen bemerke ich noch, dafs ich nach Lather 
den lateinischen Sprncb, den ich in meiner Ansgabe Neander's 
noch mit einem Fragezcichen begleitet, mit Recht auf die 
Flexion der Neutra der 4. Declination zu beziehen glaube. 
Diese behalten ihr u im Numeros singularis. Die Deutung, 
die Sandyofs (s. Wander, SprichwOrter-Lexikon, Bnd. Ill, 
S. 1703: Rock, Nr. 58) gibt, wonach an die rOmischen Zahl- 
zeichen V and X za denken ware, erweist sich demnach als 
eine unzulftssige Hypothese. In der Ansgabe des Daniel von 
Soest durch v. Schmitz S. 30 steht, gleichfalls mit Bezug auf 
Alexander: yes tern non mutabis etc. Hat die Originalaus- 
gabe, was ich nicht za entscheiden weirs, auch schon diese 
Lesart, so gibt dieselbe den Spruch doch nicht in der ur- 
sprunglichen, sondern in einer der augenblicklichen Situation 
accommodierten Fassung. Auch hieruber hatte ich gerne Ge- 
wifsheit von einem autoptischen Kenner der Editio princeps. 

Schwerin. Friedr. Latendorf. 



Die stftdtische Kunstsammlung zu Bamberg. 

In einer Zeit, wo aller Orten Uobildung sich verheerend 
fiber anser altes wie neues Kulturerbe wirft, mttssen die FftUe 
begrttfst werden, wo einmal Macht mit besserer Einsicht * sich 
paart. Zwar steht die Frage nach Eunst und Wissenschaft, 
die man sonst voranstellen durfte, jetzt erst in zweiter and 
dritter Reihe, aber an dieser Stelle kann von nichts Anderem 
die Rede sein. So begrttfsen wir mit Freuden das Aufbluhen 
eines Institutes, das mit Recht zu den guten Zeichen unserer 
Tage gezahlt werden darf , n&mlich das der stadtischen Kunst- 
sammlung zu Bamberg, welche, erst seit Kurzem an das Licht 
gerafen, in so achtungswerther Gestalt dasteht, dafs Laien and 
Kenner daran Genugthuung finden mttssen. Ihre Geschichte 
ist knrz folgende. In der ersten Restaurationsepoche die- 
ses Jahrhunderts, als man gleichfalls eine neue Zeit nicht 
besser herauffuhren za kdnnen glaabte, als indem man die alte 
rncksichtslos fiber Bord werfe, hatte auch Bamberg das Glttck, 
einige Manner za besitzen, welche, wie die Gebruder Boisser£e 
am Rhein, von den vergeudeten Kunstschatzen frttherer Jahr- 
bnnderte mit stillem Eifer so viel retteteo, wie ihre leider all- 
za bescheiden zagemessenen Mittel es erlaabten. Der vorzttg- 
lichste anter diesen Sammlern war der 1776 geborene Dom- 
vikar Joseph Hemmerlein, dem es gelang, indem er alle 



ttbrigen Anspruche seines Lebens auf das geriDgste Mafs zu- 
rttckfiihrte, eine Gallerie von 116 durchweg gnten Gemalden 
zasammenzubringen. Ein anderer war der Stadtpfarrer Schel- 
lenberger, welcher 39, grOfstentheils altdeutsche Bilder, Bo- 
wie 60 Numniern kleiner Holz- and Elfenbeinschnitzereien hin- 
terliefs. Einige Gemalde hatte der Domcapitular Betz erwor- 
ben. Alle drei waren mit zu grofser Liebe ihren Kunst- 
schatzen zugethan, als dafs sie nicht gewttnscht hatten, nach 
ihrem Tode dieselben dem gemeinen Nutzen zu Gute koramen 
zu lassen. Leider giengen sie auf dem Wege in Verfolgung 
ihres Zieles auseinander. Schellenberger, welcher 1832 starb, 
vermachte seine Sammlung dem Krankenhause, Betz seine Bil- 
der dem Armeninstitut, Hemmerleiu die seinigen der Stadt als 
solcher. Wer aber Gelegenheit hatte, Erfahrungen auf diesera 
Gebiete zu sammeln, weifs, dafs mit solchen Vermachtnissen 
noch bei weitem keine flffentlichen Anstalten begrttndet wer- 
den. Nicht selten wird das Erbe unwillig aufgenommen, als 
Last in die Ecke geschoben und geht der Gemeinde verloren, 
wie es gewonnen worden. Und wo auch die Verhaltnisse sich 
gttnstiger gestalten, ist bis zur wirklichen Hebung des Schatzes 
und seiner Vermittelung 'an das Verstandnifs des Publikums 
noch ein weiter Schritt. Auf Anordnung des Bamberger Ma- 
gistrats wurden die drei Sammlungen vereinigt, in einem Lo- 
kal des Bttrgerspitales auf dem Michelsberge aufgestellt und 
ihnen sogar in der Person des bekannten Malers Joseph 
Dorn ein Gallerieinspektor gegeben, dessen Wittwe, die selbst 
als Kunstlerin nicht verdienstlose Rosalie Dorn, i. J. 1842 
die Sammlung durch ein Geschenk von 31 Gemalden; grOfsten- 
theils Arbeiten ihres Mannes, bereicherte. Seitdem sank die- 
selbe in Vergessenheit. Das Verdienst, sie wieder hervorge- 
zogen und zu eiriem den gesteigerten Anspruchen der Gegen- 
wart entsprechenden Stande erhoben zu haben, gebtthrt dem 
Bttrgermeister Dr. Schneider, der, nicht ohne von widerstre- 
benden Elementen auf s heftigste bekampft zu werden, mit hin- 
reichender Untersttttzung der Stadtverordneten es durchsetzte, 
dafs statt der bisherigen, durchaus ungeeigneten Lokalitaten 
sehr gunstige im sog. Kanzleigebaude des ehemaligen Klosters 
Michelsberg mit 2 SaMen, 13 Zimmern und einem langen Cor- 
ridor erworben wurden. Zugleich ward die Gelegenheit be- 
nutzt, eine vom Seminarinspektor Heunisch hinterlassene 
Sammlung von 86 Gemalden, unter welchen mehrere von her- 
vorragender Bedeutung, unter gttnstigen Bedingungen zu er- 
stehen. Das rasch sich herausstellende wttrdigere Aussehen 
der Gallerie ermuthigte sodann auch Andere, durch Geschenke 
deren Bestand zu vermehren, unter welchen vier grofse Car- 
tons des Malers Deckelmann, von welchen drei als Fresken 
im Nationalmuseum zu Mttnchen ausgefQhrt sind, und zwei an- 
dere des 1872 za Olevano verstorbenen Malers A. Kreus her- 
vorzuheben sind. Die vorzttglichste Bereicherung erfuhr die 
Sammlung aber durch einen Beitrag von 156 Gemalden aus 
dem Depot der bayerischen Staatssammlungen , darunter sehr 
schatzbare Bilder der niederiandischen und deutschen Schulen 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Yorzeit. 



356 



des 17. and 18. Jahrhunderts. — Zur Durchfuhrung des gan- 
zen Unternehmens bot sich eine geeignete Kraft in dem als 
Gemalderestaurateur ruhmlichst bekannten Hofmaler A. Hau- 
ser, der mit Kenntnifs und aufopfernder Hingabe das vorhan- 
dene Material gesicbtet, geordnet und in den hochgelegcnen, 
hellen Raumen anfgestellt bat, Derselbe stebt nunmehr auch 
als Conservator der so in's Leben gerafenen stadtischen Gal- 
lerie and Eanstsammlung vor and wird demnachst einen Kata- 
log uber deren Inbalt herausgeben. 

Erstere besteht gegenwartig aus 550 Gemalden, die zweite 
aus 119 Nummerri verschiedener Art. Unter jenen sind die 
alteren deutscben wie niederlandiscben Schulen mit 64 Stticken, 
die Italiener mit 62, die Spanier mit 11 vertreten; die ubrigen 
sind spatere Deutsche und Niederlander nebst einigen Franzosen. 
Drei vorzllgliche Arbeiten des Micbael Wohlgemuth — so- 
weit der Gesammtbegriff seiner Werkstatte und Scbule auf 
den einen Namen sich zuruckfuhren lafst — zusammengehflrende 
Stiftungen der Familie Volkamer zu Nurnberg, erst jUngst 
kauflich erworben, sind es, was in der ersten Abtheilung vor- 
zuglich den Blick des Kenners anf sich zieht. Sie stellen eine 
Kreuzigung Christi, die Beweinung seines Leichnams und die 
Krdnung der Maria dar. Die Familienglieder , zu deren Ge- 
dachtnifs die Bilder ausgefuhrt worden, sind zwar 1483, 1494 
und 1521 gestorben; allein es kommt zu jener Zeit so haufig 
vor, dafs fromme Stiftungen nicht nur lange nach dem Ab- 
scheiden derjenigen, zu deren Andenken sie bestimmt waren, 
sondern auch vor dem Tode des Stifters in der Art gemacht 
wurden, dafs er sich darin wie einen Yerstorbenen bedachte 
und die Jahreszahl seines Todes zu spaterer Ausfttllung offen 
liefs, dafs wir keinen Anstand nehmen darfen, jene als gleich- 
zeitig und noch wahrend des Lebens des genannten Kunstlers 
entstanden zu betrachten. Hat man aber Recht, indem man 
aus dem weiten Bereiche der Wohlgemuth'schen Kunst dieje- 
nigen Arbeiten dem Meister selbst zuschreibt, welche bei et- 
was matterer Farbung durch tiefere psychologische Motivierung 
sich auszeichnen, so gehoren die in Rede stehenden Bilder 
einem hervorragenden , in Nurnberg und der Umgegend viel- 
fach vertretenen Gehillfen Oder Zeitgenossen an, der durch rei- 
chere Compositionen und eine weit gluhendere Farbe sich 
kenntlich macht. Erwahnenswerth sind aufserdem : zwei Male- 
reien der alteren schwabischen Schule, Vorder- und Ruckseite 
einer Tafel, jene den Bufsprediger Johannes Capistran darstel- 
lend, vor dessen Eanzel reumUthige Seelen die Zeugnisse der 
Hoffahrt in's Feuer werfen, diese verschiedene alt- und neu- 
testamentliche Scenen in verjilngtem Mafsstabe; ferner eine 
Predella derselben Schule, eine figurenreiche SUndfluth von 
Hans Baldung Griin, bezeichnet mit Monogramm und der Jah- 
reszahl 1&16; ein dem Matthias GrQnewald zugeschriebener 
heil. Willibald, Stiftung des Eichstatter Bischofs Gabriel von 
Eyb, von 1522; endlich ein merkwlirdiges, an den Meister des 
Marientodes erinnerndes Bild, das Portrat eines vornehmen 
Mannes in schwarzer und rother Kleidung darstellend, aber 



mit 1545 datiert. Auch die Italiener und Spanier enthalten 
manches Treffliche; der Schwerpunkt der Sammlung beruht 
aber in den spateren Meistern, und an dieser Stelle mit vollem 
Recht, da es die Absicht einer stadtischen Gallorie zunachst 
nicht sein kann , Material fur die Forschung im engeren Sinne 
zusammenzutragen, sondern Interesse und Yerstandnifs in der 
Burgerschaft zu beleben, welcher die Leistungen des 17. und 
18. Jahrhunderts jedenfalls naher stehen, als die des 15. und 
16. Unter diesen linden wir bezeichnete Arbeiten von Roland 
Savery, Ambrosias Franck, Jan von Goyen, Abraham van 
Borsura, Jakob de Bray, Cornelis Poelenburg, David Teniers 
d. a., Joost Cornelifs Droogsloot, Joachim Beukelaer, Karl 
van Hoeck, Jakob Backer, Joris van Son, Clara und Bonaven- 
tura Peeters, Salomon Ruysdael, Peter van Kess^l, Samuel 
van Hoogstraaten, Gerbrand van den Eeckhout, Nikolaus 
Berghem, Nikolaus Molenaer, Thomas Wyk, Aldert van Ever* 
dingen, Quirin Brekelenkamp, Cornelis de Heem, Ludolph Back- 
huysen, Jan van Hugtenburg, Dirk Maas u. A. Vorzttgliche 
Bilder sind: ein niederlandisches Yolksfest mit einem Riogel- 
rennen, unbezeichnet, doch unzweifelhaft dem David Vinken- 
boms zuzuschreiben ; eine DornenkrBnung von Hoogstraaten, 
die Einschiffung K5nig Wilhelm's III. von England am hol- 
landischen Strande von Backhuysen, eine Felsenlandschaft von 
W. de Heusch, eine Kanallandschaft von Ruysdal, die Darstel- 
lung einer ebenen Gegend mit Fuhrwerken und einem stttrmi- 
schen See von van Goyen, eine Familienscene von Poelenburg 
u. a., die jede Gallerie zieren wurden. Nicht ganz in Ueberein- 
stimmung stehen wir mit der Bezeichnung eines Apostelkopfes, 
der A. Dttrer zugeschrieben ist, in welchem aber offenbar die 
Arbeit eines seiner bekannten Nacbahmer vorliegt, der den 
Kopf des berUhmten Holzschuherischen Portrats, hie und da 
in gcnauer Kopierung in den eines heil. Paulus umgesetzt hat 
Das Bild stammt aus dem Nachlasse von J. Heller, der es in- 
defs in seinem Werke uber Dttrer nicht erwahnt. Eine beson- 
dere Abtheilung von etwa 60 Nummern umfafst Arbeiten von 
Kunstlern, welche in Bamberg geboren sind, oder dort lebten. 
Unter den ubrigen Gegenstanden heben wir nur einen ge- 
webten Teppich vom Ende des 15. Jahrhunderts bervor, der 
wegen seiner Ausfilhrung und untadelhaften Erhaltung als eine 
seltene Eostbarkeit zu scbatzen ist. Er enthalt innerhalb einer 
Einfassung von reichcn Blumen- und Blattgewinden neun Dar- 
stellungen aus der Passionsgeschichte , die, zu je dreien fiber 
einander geordnet, ein fast quadratisches Format abgeben. 
Auch die einzelnen Scenen sind durch schmale verzierte Leisten 
geschieden, so dafs der ornamentale Charakter des Ganzen, in- 
dem die zwar raumlich beschranktcn, aber durch Farbenpracht 
uberwiegenden Yerzierungen im Gleichgewicht zu den figurli- 
chen Darstellungen bleiben, wobl bewahrt wird. Der Teppich 
ist Eigenthum der Marianischen BUrgersodalitat zu Bamberg 
und mufs zu praktischen Zwecken kaum je verwendet worden 
sein ; denn seine Farben sind frisch, als ware er eben erst aus 
dem Webstuhl gekommen, und er entfaltet noch die ganze 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



358 



Pracht der Gobelins, yon welcher man sonst so selten einen 
Begriff erhalt. Besonders interessant wird er aber noch da- 
durch, daft die Verfertigerin desselben, eine Nonne, sich 
selbst, wie sie am Webstuhl arbeitet, in der unteren Bordare 
dargestellt hat — ein nicht unwichtiger Beleg dafur, dafs der 
Ursprung dieser Teppiche nicht allein in den Brabanter Fabri- 
ken zu suchen ist. 

Eine bedentende Bereicherung steht dem Institute in nach- 
ster Zeit bevor, indem der Beschlufs gefafst ist, mit ihm die 
yom Biographen Durer's, Joseph Heller, der Stadt vermachte 
and bisher in der offentlichen Bibliothek niedergelegte Samm- 
lung der Eupferstiche, Holzschnitte und Handzeichnungen jenes 
Meisters zu vereinigen, nachdem eine Anzahl dieser Stiftung 
angehOrender Oelgemalde derselben bereits einverleibt wor- 
den ist. 

Nurnberg. A. von Eye. 



Sphragistische Aphorismen. 

LXXVI. 



Wir theilen hier das schone und interessante Siegel III. 
A. 3. der Grafin Hedwig von Ravensberg , geb. Edlen von der 
Lippe (1270 — 1315) mit, und zwar nach einem abgeschnittenen 
Original von grunem Wachs, an weirsleinenen Schnuren, in der 
k. Kunstkammer in Berlin. Ganz ahnliche Siegel der Grfi- 
fin Hedwig hangen an Urkunden von 1278, 1283 und 1291 
im k. Staatsarchiv zuMttnster; aber von einem anderen Stem- 
pel. Auf diesen letzteren zeigt sich u. A. das Gesicht der 
Sieglerin en face*). 



*) Auf einem Gypsabgufa des Siegels von 1283 in meiner 
Sammlung ist deutlich auf dem Hut ein Busch oder Bruch zu se- 
hen, welcher nach genauer Vergleichung mit dem Original, welche 
Dr. Wilmans for mich vorzunehmen die Gate hatte, auf letzterem 
sich nicht befindet; es mufs sich also auch hier beim Abgiefsen 



Wir sehen die Grafin, mit einem ganz eigenthumlichen 
Hute bedeckt, mit zwei Falken, deren einer bereits im Weg- 
fliegen. Offenbar reitet sie auf einem Maul thier, dessen ge- 
streifte Decke abwechselnd die Ravensbergischen Sparren und 
die Lippe'sche Rose zeigt, nach Art der Alliance-Wappen im 
heraldischcn Geschraacke jener Zeit. 

Ein ahnliches Siegel der Grafin Adelheid von Cleve (nur 
mit dem Unterschiede , dafs hier die Grafin auf einem Pferde 
reitet und die damals gewohnliche Kopfbedeckung der Damen, 

eine gerade, runde Hanbe, tragt) vom 
J. 1265 haben wir in der Beilage 
zu Nr. 2 des Correspondenzblattes 
von 1864 unter Nr. 51 unserer mit- 
telalterlichen Frauensiegel mitge- 
theilt und dabei bemerkt, dafs des- 
sen hier neben abgebildetes Riicksie- 
gel mit dem Cleve'schen Wappen 
den Beweis liefert, dafs auch schon 
in den aitesten Wappen dieses her- 
zoglichen Geschlechtes mitunter acht Lilienstabe vorkom- 
men *). 

Weitere derartige Siegel (III. A. 3.) , alle mit einem Fal- 
ken auf der Hand**), fuhrten u. A. — im Widerspruch mit 
Gercken, welcher behauptet, dafs die „Sigilla equestria bei 
dem deutschen Frauenzimmer nur sparsam im Gebrauch gewe- 
sen" seien, — Grafin Elisabeth von Spttmont, verwittwete Cleve, 
1259; Grafin Ricardis von Jttlich, 1278 (mit Rucksiegel); die 
Tochter der h. Elisabeth von Thuringen, Sophie (f 1284), Ge- 
mahlin Heinrich's III. von Brabant; die Grafinnen Adelheid 
und Margarethe von Kazzenelebogen und die Grafin Margarethe 
von Kyburg, (letztere drei aus dem 13. und 14. Jahrhundert) ; 
ferner, und zwar in spitz-ovaler Form: Agnes von Eberstein, 
Gemahlin des Grafen Heinrich von Zweibrucken und Salm (von 
1279), Mathilde Grafin von Waldeck von 1290; (letzteres ziem- 
lich klein, etwa in der Grdfse des im Anzeiger 1870, Sp. 274, 
abgebildeten Siegels des Propstes Nicolaus von Mecklenburg, 
aber etwas schmaler als dieses). 

Diese beiden letztern Frauensiegel, sowie viele andere 
spitz-ovalePortratsiegel***) vonHerren und Frauen, sollten doch 



ein fremder Kdrper in die Form eingeschlichen haben, ein Urn- 
stand, der bisweilen vorkommt und zur grdfsten Vorsicht beim 
Abformen auffordert, da sonst leicht falsche Nachbildungen echter 
Original e entstehen. 

*) Vgl. L. von Ledebur's Streifzuge, S. 47. 

**) Auch auf den Damensiegeln HI. A. und B. 2. a. halt sehr 
haufig die Sieglerin einen Falken auf der Hand ; auch Hunde kom- 
men oft vor. Eine ungewohnliche Beigabe auf dem Siegel 
IH. B. 2. a. der Grafin Imagina von Truhendingen ist das Eich- 
horn, welches am rechten Arm der Grafin, welchen sie auf den 
Wappenschild stiitzt, hinauflaufb. 

***) Bei Portratsiegeln zu Pferde ist die runde Form die bei wei- 
tem gewohnlichste, und die spitz-oval en, sowie die schildfor- 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



360 



endlich die Gelehrten ttberzeugt haben, dafs diese Siegelform 
durchaus nicht bios von geistlichen Personea gefahrt warde; 
es war reiue Geschmackssache. 

Auch Maria, die Tochter Karl's des Ktthnen von Burgund, 
die nachmalige Gemahlin Kaiser Maximilian's I., ist anf ihrem 
grofsen Siegel (12 cm. im Durchmesser) von 1476 zu Pferd, 
mit dem Falken in der Linken abgebildet*). 

Auch bei der Bezeichnung solcher Siegel, auf welchen 
eine Fran zu Pferd dargestellt ist, bewahrt sicb nnser Classi- 
fications-System. Die Bilder dieser Siegel sind ganz von der- 
selben Art, wie die der Portratsiegel der Herren zu Pferd, 
und gehdren daher in dieselbe Classe III. A. oder B. 3. der 
Portratsiegel, ohne oder mit Wappen, zu Pferd; aber man 
kann sie deshalb doch nicht, wie letztere, einfach „Reitersie- 
gel" nennen, von der ganz unrichtigen Bezeichnung „Pferd- 
siegel" oder gar „Maulthiersiegel a , wie im obigen Falle , ganz 
zu geschweigen. 

LXXVII. 



Wie bei den Portratsiegeln der Herren zu Pferd, na- 
mentlich seit dem 13. Jahrh., die mit Wappen (III. B. 3.) 

mi gen dieser Gattung (III. A. u. B. 3.) gehdren immerhin zu den 
Seltenheiten. Derartige spitz-ovale Siegel, (III. A. 3.) fdhrten 
u. A. die Markgrafen von Meifsen Otto (1170) und Dieterich (vor 
1222), sowie Graf Wilhelm von Glitzberg (1141); schildformige 
(III. B. 3.) fuhrten u. A. Philipp von Hohenfels (1262), Graf Wit- 
tekind von Battenburg (1265) und Arnd Frysack, 1386; (auf letz- 
teres, sehr kleine Siegel, auf welchem der Reiter auf der Jagd und 
in ein Hifthorn stofsend abgebildet ist (vgl. v. Ledebur, Archiv 
Taf. I. Fig. 8), werden wir wegen dieser ganz ungewohn li- 
chen Darstellungsweise, welche uns bis jetzt nur noch auf drei 
weiteren mittelalterlichen Siegeln begegnet ist, spater zuriickkom- 
men). 

*) Das bei v. Eye: „Kunst und Leben der Vorzeit", Bnd. I., 
Heft IV, Taf. V abgebildete Siegel enthalt dasselbe Bild, nur ist hin- 
ter dem Falken ein kleines Andreas-Kreuz oder X angebracht, wel- 
ches auf unserem Siegelabgufs fehlt, der Oberdies in dem breiten 
Kande der in zwei Linien geschriebenen Legende, oben nebenein- 
ander drei Wappenschilde : Burgund, Brabant und Flandern, 
enthalt, welche noch etwas in das Siegelfeld hereinragen. 



die gewOhnlichsten sind, so kommen bei den Portratsiegeln 
der Frauen zu Pferd, umgekehrt, die ohne Wappen (III. A. 
3.), schon der Natur der Sache nach, am haufigsten vor. 

Obiges Siegel ist daher schon wegen der beiden Wappen- 
schilde, sowie durch seine Kleinheit*) sehr selten; besonders 
interessant ist es auch noch durch die Peitsche mit drei Schnft- 
ren, welche die Sieglerin in der linken Hand tragt. Dasselbe 
gehOrte der Frau Eunigunde von Daun , geborenen Grafin von 
Virneburg, wie die beiden Wappen anzeigen, und kommt in 
den Jahren 1326 — 1353 vor. Die Legende, die nur noch theil- 
weise erhalten ist, lautete: Sigillum Eunigundis domine de 
Dune. 

Auf einem Siegel der Grafin Johanne von Eatzenellenbogen, 
geborenen von Montbelliard (1342 — 49), mit der Legende: 
* S 1 I0l?.AUa. D\ MOTaBaLlG'. C0MITISS8. D\ EATZtt- 
fiLSBOQfl. ist die Sieglerin zu Pferd dargestellt, auf der 
Linken den Falken und einen Hund unter dem Pferd. Im Sie- 
gelfeld steht aber der rechten Hand ein Dreieckschild mit ei- 
nem Adler, und unter der linken Hand ein solcher mit dem 
Wappen der Grafen von Eatzenellenbogen, dem aufrechten 
Leoparden (ob gekrdnt, ist nicht zu erkennen). F.-K. 

*) Das kleinste Portratsiegel zu Pferde durfte wol das Siegel 
III. B. 3. des Grafen Hugo von Montfort von 1337 sein, mit nur 
2'/i cm. Durchmesser. 



10. 



Drei lateinische R&thsel des Mittelalters. 

I. 
Edificor saxis, me sustinet in pede marmor: 
P mihi si demas, colo pascua, cornibus armor: 
Tollatur duplex mihi sillaba, fio metallum: 
£ quoque si demas, Trojanum destruo vallum. 

(Paries). 
II. 
Est quoddam flumen, quod habet rairabile nomen : 
Si caput, est miles, si caudam demp&eris, ales: 
Si medium tuleris, manat de vulnere sanguis. 

(Vulturous.) 
III. 
A genetrice mea quendam puerum scio natum, 
Qui mihi nee fratcr nee soror esse potest 

(Inventor enigmatis ipse.) 
Aus einer Wolfenbttttler Handschrift des 13. Jahrh. (82. 
Aug. 8. f. 128). 
Wolfenbttttel. 0. von Heiuemann. 

(Mit einer Beilage.) 



Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essen wein. Dr. G. E. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nurnberg. 



Qedruckt bei U. E 8 eb aid in K urn berg. 



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BEILAGE ZUJH ANZEIGER PCR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT. 

1873. JV 12. December. 



Chronik des germanischen Museums. 



Niirnberg, den 15. December 1873. 

Den Mittheilungen , welche wir im verflossenen Monate an 
dieser Stelle gegeben, haben wir weitere erfreuliche Nach rich- 
ten beizufiigen. Kaiser Wilhelm, Allerhochstwelchem wir so oft 
schon in der Chronik des Museums unseren Dank abzustatten hat- 
ten, hat einen neuen Beweis unausgesetzter Fiirsorge far unsere 
Anstalt und warmer Theilnahme an alien Angel egenheiten des 
Museums dadurch gegeben, dafs Se. Majestat eine Gabe von 1000 fl. 
zu den Kosten der Uebertragung des Augustinerklosters zu sen- 
den geruhte. Auch Ihre kaiserl, Hoheit, die Frau Eronprinzessin 
des deutschen Reiches hat als Zeichen warmer Theilnahme an die- 
ser Angelegenheit das so erfreuliche Versprechen gegeben , ein 
Kunstwerk eigener Hand zu der Gabenreihe zu spenden, welche 
die deutschen Kunstler uns zu diesem Zwecke zugehen lassen. 
Eine Gabe von 500 fl. zu gleichem Zwecke von Herrn Reich srath 
v. Cramer-Klett und eine solche von 50 fl. von Herrn Julius Schil- 
ling beweisen lebhaft, dafs auch Niirnberg dieser Angelegenheit 
sein Interesse zuwendet 

Aber auch die Restauration und der Ausbau der Karthause 
selbst, die ja so grofse Summen noch erfordern werden und be- 
reits erfordert haben, so dafs ein namhafter Theil der Anstalts- 
schulden daher seine Entstehung gefunden hat, ist insofern in den 
letzten Wochen reich bedacht worden, als zu Gunsten der Bau- 
kasse Se. kgl. Hoheit der Grofsherzog Peter von Oldenburg, Se. 
Hoheit der Herzog Leopold von Anhalt und Se. Erlaucht der re- 
gierende Graf Otto von Stolberg-Wernigerode auf Ruckzahlung 
des Betrages fur je 2 Obligationen des Museums a 500 fl. verzich- 
tet haben, und Ihre Durchlauchten die Fursten Hermann von Hohen- 
lohe-Schillingsfarst und Otto von Oettingen - Spielberg je 100 fl. 
gedachtem Zwecke zuwandten. 

Unsere Bitte um Ueberlassung neuer Munzen fiir die Munz- 
sammlung hat freundliche Gewahrung gefunden von Seite der kgl. 
bayrischen, der herzoglich sachsen-altenburg'schen, sachsen-mei- 
ningen'schen und hamburgischen Staatsregierung, so dafs nunmehr 
nur noch wenige deutsche Regierungen fehlen. 

Zu den Kunstfreunden und Kiinstlern, welche Gaben fur den 
Ausbau des Augustinerklosters gegeben, sind hinzugetreten : die 
Herren Bez. - Ger. - Rath Dammer in Niirnberg, Hoftheatermaler 
Otto Jank und Genremaler H. Sohaumann in Munch en. 

Durch den Tod des Dr. Th. v. Kern, Univ. - Professors in 
Freiburg, erlitt auch unser Gelehrtenausschufs einen grofsen Verlust. 

Im Anschlusse an die in Nr. 6 dieses Jahrgangs des Anzeigers 
gebrachten Pfiegschaftsveranderungen haben wir folgende nachzu- 
tragen : Neue Pflegschaften wurden errichtet in : K r e m s i e r. Pfleger : 
KarlKandler, k.k. Bez.-Ger.-Adjunkt u. Geraeinderath, s. 1. Aug. 
Roth. Pfleger: Ed. Feuerlein, Maler, s. 1. Januar 1874. Wals- 
rode. Pfleger: Griitter, Biirgermeister a. D., s. 1. Januar 1874. 
Folgende Pflegschaften wurden neu besetzt : Amberg. Pfleger: Dr. 
G. Rapp, k. Archivar, 8. 1. Aug. d. J. Biickeburg. Pfleger: Dr. 



Hub. Ermi8ch, Erzieher I.I. Durchl. der Prinzen v. Schaum- 
burg-Lippe u. furstl. Hofbibliothekar, 8. 15. Sept. d. J. Cilli 
(Steierm). Pfleger: Dr. Paul Wagner, k. k. Bezirks-Commissar, 
s. 8. Aug. d. J. Eger. Pfleger: Gg. Schmid, Stadtarchivar, 
s. 15. Aug. d. J. Eisfeld. Pfleger: Max Brodfuhrer, Diako- 
nus u. Rektor, s. 1. Sept. d. J. Hersfeld. Pfleger: Dr. Stei- 
ger, Gymna8iallehrer, s. 9. Nov. d. J. Lauf. Pfleger: Dr. med. 
W. Schmidt, s. 1. Nov. d. J. Meifsen. Pfleger: Dr. Theod. 
Flathe, Professor, s. 15. Juni d. J. Neustadt a. d. H. Pfleger: 
Carl Dreher, Kaufmann, s. 12. Nov. d. J. Seehausen (Alt- 
mark). Pfleger: C. Hey, Rektor, s. 3. Juli d. J. Speyer. Pfleger: 
Ed. Heydenreich, s. 15. Nov. d. J. Stargard i. P. Pfleger: 
Dr. Reinhold Dorschel, k. Gymnassiallehrer, s. 8. Okt. d. J. 
Zeulenroda. Pfleger: Armin Bach, Kaufmann, s. 1. Dez. d. J. 

Seit Veroffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende 
neue Jahresbeitrage angemeldet: 

Von Standesherren : Braunfels. Forst Ernst zu Solms- 
Braunfels, Durchl., 20 fl. 

Von Distrlktskassen : Biachofsheim. Distriktsarmenkasse 
10 fl. BrUckenau. Distriktsgemeinde 10 fl. Ebern. Distriktsgem. 
10 fl. KIssingen. Distriktsgem. 15 fl. Landshut. Distriktsgem. 15 fl. 
Narktheidenfeld Distriktsgem. 10 fl. Niinner&tadt. Distriktsgem. 
15 fl. Neustadt a. d. A. Distriktsgem. 10 fl. Stadtamhof. Distrikts- 
gem. 10 fl. 

Von Gesellsehaften fur Wissenseh*ft und Kunst : 
Ulm. Verein f. Kunst u. Alterthum in Ulm u. Oberschwaben 14 fl. 

Von geselligen Vereinent Ulm. Biirgergesellschaft , 2fl. 
42 kr. 

Von Privaten: Beuthen o. S. Beyersdorfl^ Buchhalter, (statt 
fraher lfl. 10 kr.) lfl. 45 kr.; Brauer, Disponent, (zahlt schon seit 
1872) lfl. 45 kr.; Freudenberg, Maschineninspektor (statt friiher 
1 fl. 10 kr.) 1 fl. 45 kr.; Dr. Otto Friedlander, Commerzienrath, 8fl. 
45 kr.; Grofsmann, Inspektor, lfl. 10 kr.; Edm. Hansen, Guter- 
expedient, 1 fl. 10 kr. ; Herrmann, Maurermeister, 1 fl. 45 kr. ; Holz- 
heimer, Obersteiger, in HubertushQtte, lfl. 45 kr.; Kohler, Berg- 
direktor, lfl. 45 kr.; Kohler, Sekretar, lfl. 45 kr.; Menzel, Hot- 
tendirektor, in Antonienhotte ] fl. 45 kr. ; Nagel, Kreisrichter, 1 fl. 
10 kr.; Ritter, Maurermeister, lfl. 45 kr.; Rosenberg, Betriebsin- 
spektor, lfl. 45 kr. ; Rzychon, Hiittenfaktor, in Gudullahotte, lfl. 
45 kr. ; Schneider, Bergmeister, 1 fl. 45 kr. Breslau. Maschke, Oberst 
a. D., 3fl. 30 kr.; von Prittwitz, Regierungsreferendar a. D., lfl. 
45 kr. Cannstatt. C. Gaupp jr. lfl. 45 kr. C5ln. Classen- Kappel- 
mann, Stadtverordneter, lfl. 45 kr.; Cloen, Stadtverordneter, 3fl. 
30 kr. ; Cramer, Baumeister, 5 fl. 15 kr. ; Deichmann, Banquier, 17 fl. 
30 kr.; H. Essingh, Kaufmann, 3fl. 30 kr.; E. Heustadt, Rentner, 
1 fl. 45 kr. ; Hospelt, Stadtverordneter, 1 fl. 45 kr. ; von Kaufmann- 
Asser, Consul, 5 fl. 15 kr.; Konigs, Commerzienrath, 8fl. 45 kr.; 
Fr. Leiden, Consul, 5fl. 15 kr.; Aug. Loest, Direktor, 8fl. 45 kr.; 
Justizrath Mayer, Advokat-Anwalt, 8 fl. 45 kr. ; Mevissen, Geh. Com- 
merzienrath, 17 fl. 30 kr.; M. Neven, Kaufmann, 3fl. 30 kr.; E. 
Pfeiffer, Stadtverordneter, 3fl. 30 kr.; Pflaume, Bauinspektor, lfl. 
45 kr.; A. Rautenstrauch , Vice-Consul, 3 fl. 30 kr. ; Wendelstadt, 
Commerzienrath, 8fl. 45 kr.; Weyer, Stadtbaumeister, lfl. 45 kr.; 
Fritz v. Wittgenstein, Kaufmann, 3 fl. 30 kr. Crefeld. C. W. Crous jr. 
lfl.; Job. Hermes lfl. 45 kr.; Alfr. Molenaar lfl. 45 kr.; Heinr. 
te Neues lfl. 45 kr.; Adolf v. Randow lfl. 45 kr.; Roos, Ober- 
biirgermeister u. Regierungsrath , lfl. 45 kr.; A. Schmidt, Predi- 



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363 



Anzeiger for Kunde der deutschen Vorzeit. 



364 



ger, lfl. 45 kr.; Dr. med. Schneider 1 fl. 45 kr.; Ernst Seyffardt 
lfl. 45 kr.; Heinrich Seyffardt lfl. 45 kr. Dinkelsbiihl. Carl Ey- 
ber, stadt. Baurath, lfl.; Gg. Ganser, k. Rentbeamter, lfl.; Lamp- 
recht, k. Bezirksgeometer, lfl.; Alfons Maier, k. Sprachlehrer, 
lfl.; Georg Meyer, k. Verificator, lfl.; Dr. Purkhauer, protest. 
Dekan, 1 fl. ; Ludw. Rauschert, Maurermeister, lfl.; Norbert Wag- 
ner, k. Studienlehrer, lfl.; Karl Zimmerer, Maurermeister, lfl. 
Feucht. Fottinger, Oberforster, in Behringersdorf 1 fl. ; Singer, 
Oberforster, in Fischbach 1 fl. Fiirstenfeld (Steiermark). Boser, 
Burgerschullehrer, 2 fl. 20 kr. ; Dr. Alois Vill, Advokat, lfl. lOkr. 
Hamburg. Dr. Wilhelm Stockfleth 3fl. 30 kr. Heilbronn a.N. C. 
Ackermann , Kaufmann , 1 fl. 45 kr. ; Emil Baumann , Fabrikant, 
lfl. 45 kr.; Heinrich Becker, Kaufmann, lfl.; v. Brackenhammer, 
Pralat, (statt fruher lfl.) lfl. 45 kr.; Adolf Feyerabend, Fabri- 
kant , lfl. 45 kr. ; Gustav Flaxland, Polizeiamtmann , 1 fl. 45 kr. ; 
Walter Focke, Agent, lfl. 45 kr.; Adolf Hahn, Kaufmann, lfl.; 
Robert Kober, Kaufmann, 1 fl. 45 kr. ; Ludw. Lichtenberger, Fabri- 
kant, 1 fl. 45 kr. ; A. v. Marchthaler jr., Kaufmann, lfl. 45 kr.; 
Theodor Mertz, Fabrikant, lfl. 45 kr.; Moriz v. Rauch, Fabrikant, 
lfl. 45 kr.; Ernst Riimelin, Banquier, 1 fl. 45 kr. Hersfeld. Be- 
cker, Apotheker, 1 fl. 45 kr. ; Berlit, Gyranasiallehrer , lfl. 45 kr.; 
Braun, Gutsbesitzer, 1 fl. 45 kr.; Braun, Rentier, lfl. 45 kr.; Crafs, 
Rechtsanwalt, lfl. 45 kr.; Dallwig, Amtsrichter, lfl. 45 kr. ; Diete- 
rich, Gymnasiallehrer , 1 fl. 45 kr. : Engelhardt, Bierbrauer, lfl. 
45 kr.; Eysell, Direktor, 1 fl. 45 kr. ; Hohl, Buchhandler, lfl.45kr.; 
Rechberg, Tuchfabrikant, lfl. 45 kr.; Schaub, Pfarrer, lfl, 10 kr.; 
Steiger, Gymnasiallehrer, *l fl. 45 kr.; Zimmermann, Posthalter, lfl. 
45 kr. Klagenfurt. Dr. Jos. Suggin, k. k. Hof- u. Gerichtsadvokat, 
2fl. 20 kr. Leitmeritz. P. Anton Demuth, Direktor d. Taubstum- 
meninstituts , lfl. 10 kr.; Dr. Wenzel Katzerowsky, k. k. Gym- 
nas. - Professor , lfl. 10 kr. Lobenstein. Reichenbacher, Pastor, in 
Harra, 52Vikr. Mainz. Ludw. Schon, Staatsprocurator, lfl. 12 kr. 
Mergentheim. Gunther, Kaufmann, lfl.; Maurer, Bauunternebmer, 
lfl. Mtincheberg. Dr. med. Max Wiedemann, Arzt, lfl. 45 kr. 
Naumburg a. S. Kichter,Domsyndikusu. Stadtrath, lfl. 45 kr. Nidda. 
Pfannmiiller, grofsb. Steuerkommissar, 1 fl. 30 kr. ; Storger, grofsh. 
Landger.-Assessor, lfl. 30 kr. Nordlingen. Ludw. Keck, Mathema- 
tiklehrer, lfl. Nurnberg. Freiherr v. Leonrod, k. Generalmajor, 
4fl. Olmutz. Dr. Aug. Werber, Advokat, 2fl. 20 kr. Prossnitz. 
Job. Natter, k. k. Bez.-Ger.-Adjunkt, 1 fl. 40 kr. Ravensburg. Bre- 
genzer, Kaufmann, lfl.; Hehl, Cafetier, lfl.; Wilhelm, Reallehrer, 
lfl. Rudolstadt. v. Barenstein, Hauptmann, lfl.45kr.; A.Bianchi, 
Kaufmann, 1 fl. 45 kr. ; Rud. Blofs, Topfermeister, 1 fl. ; Dr. Gehrke, 
Gymnasiallehrer, 1 fl. ; Koppen, Apotheker, 1 fl. ; Dr. Lincke, Kreia- 
gerichtsrath , lfl. 45 kr.; B. Muller, Buchhandler, lfl. Salzburg. 
Dr. Pillwax, k.k. Regimen tsarzt, lfl. 10 kr. Salzungen. Gust. Lom- 
ler, Oberlehrer, 30 kr. Schleiz. Rudolph, Lehrer in Tegau (statt fru- 
her 17Vi kr.) 35 kr ; Schults, Gymnasiallehrer, 35 kr. Schmalkalden. 
Adolf Lehr, Maschinenfabrikant, 1 fl. 45 kr. Weissenburg. Wilhelm 
Henninger, k. Rentbeamter, lfl.; Gust. v. Lacher, k. Major a.D., 
1 fl. 45 kr. ; Friedr. Pflaumer, Bierbrauereibesitzer, lfl.; H. Cb. Rit- 
ter v. Stettner-Grabenhofen, k. Stadt- und Landrichter, 1 fl. Wien. 
Ad. Beer, Hofrath, lfl. 10 kr. Zwickau. Hertwig, Bergdirektor, 

1 fl. 45 kr. ; Bruno Wolfg. Jahn, Advokat, 1 fl. 45 kr. ; Teufer, Pastor, 
in Bockwa 1 fl. 45 kr. 

Einmalige Beitrage wurden folgende gegeben: 
Von Privaten: Cannstatt. v. Veiel, Hofrath, 5fl. Coin. Heu- 
ser, Stadtverordneter, 8fl. 45 kr.; Marcus, Stadtverordneter, 17 fl. 
30 kr. Rotten burg (Hessen). Sammlung durch Rechtsanwalt Gleim 
21 fl. Schassburg. Von den Gymnasiasten 7 fl. Schonbrunn. Benno 
Frhr. v. Seefried, k. Kammerer u. Rittmeister a. D., 10 fl. 

Unsern Sammlungen giengenjferner folgende Geschenke zu: 

I. Fiir die kunst- und kulturgeschichtlichen Samm- 
lungen. 

(Nr. 7017—7038.) 
Altenburg. Herzogl. Sachsen-Altenburgische Staats- 
regierung: 7 sachsen-altenburgische Silber- u. 2 Kupfermiinzen 
neueren Geprages. — Fiirstenfeld. Dr. Hundegger, Advokat: 

2 Lackabdrflcke von Siegelstocken der Huf- und Waifenschmiede 



zu Forstenfeld. — Hamburg. Freie Stadt: 1 Gold- und 8 Sil- 
bermunzen Hamburger Geprages. — Kupferzell. Se. Durch I F. 
K. Fiirst zu Hohenlohe- Waldenburg-Kupferzell: 5 An- 
sichten des Schlosses Neuenstein, Photographieen. — Meinioget). 
Herzogl. Sachsen-Meiningen'sche Staatsregierung: 8 
sachsen - meiningen'sche Silber- und 3 KupfermQnzen neuesten Ge- 
prages. — MQnchen. Kgl. Bayriscbe Staatsregierung: 43 
bayrische Geschicbtsthaler und silberne Currentmunzen neaeren 
Geprages, 1 Ducaten von 1856 und 3 Kupfermiinzen. — Nurnberg. 
Friedrich, Oekonom: Steinhammer, in der Nahe von Nurnberg 
gefunden. Albert Frommann, Gewerbschiiler : Augsburger Sil- 
bermunze von 1624. v. Gemming, Oberst: Handzeichnung von 
1532. Radierung mit 2 Schiffen vom 16. Jhdt. Geuder, Anti- 
quar: Schachtelchen und birnformiger Behalter mit Miniaturdrech- 
seleien von Elfenbein. Goldbeck'sche Fa mi lie: Geschliffener 
Glaspokal und bemaltes Trinkglas, vom heil. Geistspital zu Nurn- 
berg dessen Pfleger Zwingel gestiftet; verzierte La t erne vom 18. 
Jhdt. 2 Perlmuttermedaillons mit den Brustbildern Christi und 
Moses. Nurnberger Wachssiegel. Eine Partie Kostumstucke, Toi- 
lettegegenstande u. dgl. vom 18. und Anfang des 19. Jhdts. Frhr. 
von Haller, rechtskundiger Magistratsrath : Julich'scher Gold- 
gulden vom 14. Jhdt. Heerdegen, Grofshandler : 19 Ofenka- 
cheln vom 18. Jhdt. Walther, Professor: Gothisch verzierter 
Thnrgriff mit Unterlage. — Rastatt. Oberst von Quistorp, Com- 
mandeur des oberschlesischen Inf.-Regts. Nr. 22: SilbermQnze des 
Kurfur8tenthums Hessen von 1829 ; Hannover'sche Silbermunze von 
1844. — Regensburg. G. W. Neumann, Hauptmann: Sonnenuhr 
von Blei, 17. Jhdt. Verzierte Holzschachtel in Herzform, 17. Jhdt. 

— Riga. Dr. A. Buchholz: Sammlung von Einzelblattern , ca. 
2000 Stock: Prospecte, Karten, Portratefu. dgl. in Kupferstich, 
Holzschnitt u. Steindruck. — Salzungen. G. Lomler, Oberlehrer: 
Ein Stuck Ledertapete aus dem alten Schlosse zu Schmalkalden. 

IL Fur die Bibliothek. 

(Nr. 30,590—30,638.) 

Amberg. Fedor Pohl, Buchh. : Giehl, Neumarkt i. d. Oberpf. 
1873. b. Dr. E. A. Quitzmann, Oberstabsarzt : Ders., Isomara, 
die Priesterin der Cisa; 2 Bnde. 1874. 8. — Beerfelden i. 0. K. L. 
Netz, ev. Oberpfarrer u. Dekan: Ders., Deutschlands Kampf n. 
Sieg. 1873. 8. — Berlin Verein „Herold a : Vierteljahrsschrift 
filr Heraldik, Sphragistik u. Genealogie ; Jhg. 1872, 4. Heft. 1873. 8. 

— Berp. J. Dalp'sche Buchh. (K. Schmid) : Roth, Thun u. seine 
Umgebungen. 1873. 8. — Bregenz. Vorarlberger Musenms- 
Verein: Ders., XIII. Rechenschafts-Bericht 1871 — 72. 1873. 4. 
Coimar. v. Cuny, k. Appellrath: Revue d' Alsace; 1873, Oct — 
Dec. 8. — Dresden. K. sachs. statistisches Bureau: Zeitschrift 
etc.; Jhg. 1871 u. 1872. 4. Bruhns, Resultate der meteorolog. Be- 
obachtungen etc. 1873. 4. Dritter Jahresbericht iiber d. Medicinal- 
wesen im Konigr. Sachsen auf d. J. 1869. 1872. 8. Petermann, d. 
Bevolkerung der Stadt Dresden am 1. Dec. 1871. 8. Mittheilungen 
etc., Heft VI u. VII. 1872 u. 73. 4. Flinzer, d. Bewegung der 
Bevolkerung in Chemnitz v. 1730—1870. 1872. 4. — Elberfeld. 
Bergischer Geschichtsverein : Ders., Zeitschrift etc.; VIII. 
Bnd. 1872. 8. — Jever. C. B. Mettcker u. Sohne, Verlagshndl. : 
De plattdiitsche Klenner up dat Jahr 1871. 8. — - Koln. J. P. Ba- 
chem, Verlagsh. : Zeitbilder in Erzahlungen; 2. Aufl., 12 Bnde. 
1868 — 73. 8. — Kronstadt (Siebenbiirgen). Carl Jos. Trausch, 
Grundbesitzer u. emer. Magistrats-Secretar : Ders., Lebensskizze 
des Franz Joseph Trausch. 1873. 8. — Leipzig. B. G. Teubner, 
Verlagsbchh. : Archiv f. Litteraturgeschichte , hg. v. Gosche n. 
Schnorrv.Carolsfeld; Bnd. II, 3.u. 4.H., Bnd. Ill, 1. u. 2. H. 1872. 
73. 8. T. O. Weigel, Verlagsbchh.: Siegel, Handbuch der kirch- 
lichen Alterthumer; 4 Bnde. 1836 — 38. 8. Hoffmeister, histor.- 
kritische Beschreibung aller bis jetzt bekannt gewordenen hessi- 
schen MOnzen, Medaillen u. Marken . 2 Bnde. 1862. 4. — Lucern. 
Histor. Verein der funf Orte: Ders., der Geschichtsfreund ; 
XXV1H. Band. 1873. 8. — Magdeburg. Verein f. Geschichte 
und Alterthumskunde des Herzogthums und Erzstifts 
Magdeburg: Ders., Geschichts-Blatter etc. ; 8. Jahrg. , 1 873 , 3. 
Heft. 8. — Melningen. Hennebergischer alterthumefor- 



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365 



Anzeiger for Eunde der deutechen Vorzeit 



866 



schender V ere in, Den., hennebergisches Urkundenbuch , hg. 
t. Bruckner; VI. Th. 1873. 4. — Mtinchen. Theodor Acker- 
mann, Verlagsh. : v. Bezold, Eonig Sigmund u. die Reichskriege 

f;effen die Hussiten. 1872. 8. Jolly, Geschichte des Infinitives im 
ndogermanischen. 1873. 8. Historische Commission bei der 
k. Akademie der Wissenschaften: Schmeller, bayerisches 
Worterbuch.; 2. Ausg. 9. Lief. 1873. 8. — St Nikolaas. Oud- 
beitskundige Ering van het Land van Waas: Ders., 
Annalen etc.; V. Deel, 1. Afl. 1873. 8. — Niirnberg. Familie 
Goldbeck: Niirnbergisches Einderlehr-Biichlein. 1761. 8. Hert- 
ling, erste Amtspredigt. 1800. 8. Schiifsler, Offiziant: Zwei 
Mandate des Markgrafen Chrn. Friedr. Carl Alexander zu Branden- 
burg u. des E6nig8 Friedr. Wilhelm v. Preufaen, die Abtretung 
der FurstenthOmer Ansbach u. Baireuth betreffendl 1791 u. 92. 2. 
— Prag. Verein fiir Geschichte der Deutschen in Boh- 
men: Ders., Mittheilungen etc. XILJahrg., Nr. I. u.U. 1873. 8. — 
Regensburg. Jos. Baumann, Hausmeister im Erankenhause : Re- 
geln des Minchiatta - Spiels. 1798. 8. — Saint -Brieux. P.-L. Le- 
miere: Ders., examen critique des expeditions Gauloises en Italie. 
1873. 8. Sonderabdr. — Salzungen. G. Lomler, Oberlehrer: Feuer- 
Ordnung f. die Stadt Meiningen. 1684. 4. Jahres-Bericht des Haupt- 
vereins der Gustav- Adolf- Stiftung im Herzogth. S. - Meiningen, 
1870—71. 8. Dr. 0. Ruckert, Rektor der Stadtschule: Ders., 
Georg Ernst, der letzte Graf zu Henneberg. 1873. 8. 0. Witz- 



mann, Hofbuchh. : Salzunger Tageblati 1873. Nr. 2. 3. 5 — 14. 
16. 18. 20. 21. 50-52. 55. 56. 8. — Stuttgart. Max Bach, Maler 
u. Zeichenlehrer : Ders., Musterbuch for Zeichner, Lithographer 
Graveure u. Eunst-Gewerbe. 4. J. G. Cotta'sche Buchh.: Kiehl, 
sammtl. Geschichten u. Novellen; 2 Bnde. 1871. 8. Riehl, freie 
Vortrage ; 1. Samml. 1873. 8. Pecht, Eunst u. Eunstindustrie auf 
d. Wiener Weltaustellung 1873. 1873. 8. Gregorovius, Geschichte 
der Stadt Rom im Mittelalter ; Bnd. 7 u. 8. 1872. 73. 8. E. w. 
Ministerium des Innern: Staats- Anzeiger fur Wurttemberg; 
Jhrg. 1872. 2. — Tiibingen. H. Laupp'sche Buchh.: Probst, kirch- 
liche Disciplin in den drei ersten christl. Jahrhunderten. 1873. 8. 
— Utrecht. Historisch Gen oots chap: Dies., Eroniek etc.; 28. 
Jaarg., 1872. 1873. 8. Dies., Werken etc; n. S. Nr. 18. 19. 1873. 
8. — Wlen. G. J. Manz'sche Buchh.: v. Jhering, der Eampf urns 
Rccht; 2. Aufl. 1872. 8. 

III. Fur das AroMv. 

(Nr. 4337.) 

Salzungen. Ludwig Wucke: Aktenstucke, die der Stadt 
Salzungen wahrend des dreifcigjahrigen Erieges durch eine kaiser- 
liche Besatzung auferlegten Lasten und Drangsale betr. 1635—1638. 
Akten. 



Cbronik der historischen V erelne. 



Mittheilungen des Vereins fur Geschichte der Deut- 
schen in Bohmen. XII. Jahrg. Nr. L u. II. Prag, 1873. 8. 

Materialien zu einer Geschichte von Plafs und seiner Umge- 
bung. Von Prof. Bernh. Scheinpflug. — Miscellen. 

Mittheilungen der anthropologischenGesellschaft 
inWien. IU. Band. Nr. 8 u. 9. 1873. 8. 

Einheit oder Mehrheit des Ursprunges der menschlichen Spra- 
chen. Von Prof. Friedr. Muller. 

Heraldisch - genealogische Zeitschrift. Organ des 
heraldisch-genealogischen Vereines „Adler" inWien. 
m. Jahrg. Nr. 10. Wien, October. 1873. 4. 

Zur Retberg'schen Terminologie. (Dr. von Querfurth.) — Do- 
rer's Wappen mit den 3 Lowenhauptern. (v. Retberg-Wettbergen.) 
— Ueber das Studium der Heraldik. Von Dr. Ernst Edlen von 
Hartmann - Franzenshuld. — Die Lavergne von Pequiihem, von 
Alexander Grafen Bathory-Simolin. — Unedirte Quellen. Die Bit- 
ter Hantken von Prudnick. *- Genealogische Streifziige (Bukuwky, 
LaSanski, §kobek). 

Der Eirchen-Schmuck. Blatter des christlichen 
Eunstvereines der DiozeseSeckau. 1873. IV. Jahrg. Nr. 11. 
Graz. 8. 

Die Gewdlbe-Malerei zu Haimburg in Earnten. — Die Canon- 
tafeln. 

XIII. Rechenschafts-Bericht des Ausschusses des 
Vorarlberger Museums-Vereins in Bregenz liber den 
Vereins-Jahrgang 1871/72. Bregenz 1873. 4. 

Des H ann fa Joachimen von Loubenbergs Vertragsbrief umb 
etliche Leibaigene Leut. 1558. 

Annalen des Vereins fur Nassauische Alterthums- 
kunde und Geschichtsforschung. Zwolfter Band. 1873. 
(Mit 9 lithographirten Tafeln.) Wiesbaden, gr. 8. 

Das erste Jahrtausend christlicher Bau- und Eunstthatigkeit 
in Mainz. Von Dr. V. A. Franz Falk. — Beit rage zur Geschichte 



des deutschen Bauernkriegs, 1525. Von Dr. Fr. X. Eraus. — Ur- 
kundliche Mittheilungen zur Geschichte des Erzstiftes Mainz wah- 
rend der ersten Regierung Diether's vonlsenburg, 1459—63. Von 
Dr. E. Menzel. — Romischer Schmelzschmuck. Von A. v. Cohan- 
sen. — Die Graber im Eammerforst zwisohen Lorch und Rudes- 
heim. Von dems. — Eine Episode aus dem Leben der Eltern 
P. P. Rubens. Von Prof. A. Spiers. — Zu Goethe's Aufenthalt in 
Ems im Sommer 1774. Von dems. — Ueber die Grandung Ein- 
hart'8 zu Seligenstadt. Von Fr. Schneider. — Ein Portal in Lorch 
am Rhein, ob romisch , ob karolingisch. Von A. v. Cohausen. — 
Miscellen. Vereinsnachrichten. 

Das Romerca8tell und das Todtenfeld in der Einzigniederung 
bei Riickingcn. Vom hanauischen Bezirksverein fiir hes- 
sische Geschichte und Landeskunde herausgegeben. (Mit- 
theilungen Nr. 4.) Mit fanf lithograph. Tafeln Abbildungen, 
einer Eartenskizze und einer Anzahl Holzschnitte. Hanau. 1873. 4. 

Hennebergisches Urkundenbuch. ImNamen des Hen- 
nebergischen alterthumsforschenden Vereins herausge- 
geben von Georg Bruckner. VI. Theil. Meiningen. Verlag der 
Herzogl. Hofbuchhandlung von Bruckner u. Renner. 1873. 4* 
VI u. 251 Stn. 

Preisschriften gekront und herausgegeben von der Fiir st- 
lich Jablonowskischen Gesellschaft zu Leipzig. XVII.^ 
H. Zeifsberg. Die polnische Geschichtschreibung des Mittelalters. 
Leipzig, bei S. Hirzel. 1873. 8. X u. 489 Stn. 

Schriften des Vereins fiir die Geschichte Leipzigs. 
I. Band. Leipzig 1872. 8. 

Das Schulwesen der Stadt Leipzig. Von Dr. H. 0. Zimmer- 
mann. — Geschichte Leipzigs bis zum Ende des 13. Jahrh. Von 
Dr. H. Wuttke. 

Neues Lausitzisches Magazin. Im Auftrage derOber- 
lausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften herausgeg. 
von Prof. Dr. E. E. Strove. 50. Bd., 1. Heft Gorlitz. 1873. 8. 



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367 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



368 



Dreifsig lateiniscbe Hymnen, nach zwei in der Milich'schen 
Bibliothek zu Gdrlitz aufgefundenen Pergament-Handschrifben ver- 
©ffentlicht yon Dr. Robert Joachim. — Ueber den deutschen nnd 
den italienischen Werther. Von Dr. Theod. Paur. — Ein Reise- 
pafs (von 1670). Von Rudolph v. Kyau. — Etymologische Erlaute- 
rung des Dorfnamens Zinnitz in der Nieder-Lausitz. Von P. Bro- 
ni8ch. — Was sind Hiinen? Von dems. — Das Verhaltnifs der 
Oberlausitz zur Krone Bohmen. Von Dr. jur. Julius Pfeiffer. — 
Zur Geschichte der evangelischen Gesangbucher der Niederlausitz. 
Von Dr. Jentsch. 

Schriften des Vereins fur die Geschichte der Stadt 
Berlin. Heft VII. Geschichte eines patriotischen Kaufman na. — 
Heft VIII. Berlinische Nachrichten. Von L. Schneider. 16. Jahrh. 
Berlin, 1873. 8. 

Berlinische Chronik. Forts. , nebst Beigaben : Berliner Bau- 
werke, Denkmaler, Medaillen. 

Der Deutsche Herold, Zeitschrift fflr Heraldik, Sphragi- 
stik und Genealogie. Organ des Vereins „Herold u zu Ber- 
lin. IV. Jahrg. 1873. Nr. 8—11. 4. 

Sendschreiben fiber ein Siegel der Stadt und sieben Siegel 
der Burggrafen vonMeifsen. (Mit 8 Holzschnitten.) (Tilesius von 
Tilenau.) — Die Wappen der Schweigger. (Mit Abb.) (Seyler.) — 
St. Moriz oder Otto der Grofse ? (Tilesius von Tilenau.) — Ordens- 
und Gesellschaftszeichen. (v. Retberg-Wettbergcn.) — Decret Lud- 
wigs XV. uber den Freiherrnstand des Elsasser Adels. Mitg. von 
Jul. Grafen v. Oeynhausen. — Die Voge in Pommern. (Mit 2 Holz- 
8chn.) (v. Fock.) — Titel und Wappen des Konigreichs Preufsen 
nach dem Allerhdchsten Erlasse vom 16. August 1873. — Adels- u. 
Wappenbriefe. (Seyler.) — Die freiherrliche Familie der Prin(t)z. 
v. Buchau. — Die Abstammung der Grafen Platen -HalJermund. 
(J. Graf von Oeynhausen). — Kleine Beitrage zur Familienkunde: 
von Fuhrlohn, von Schmeerheim, die von Rengershausen. (Ders.) 
— Wanderungen durch deutsche Kirchen. (Ders.) — Die Familie 
Hoengen bei Grevenbroich. (Graf von Mirbach). 

Vierteljahrsschrift fiir Heraldik, Sphragistik und 
Genealogie. Redigirt von Gustav Adelbert Seyler. Hrsg. vom 
Vereine „Herold". 1872. 4. Heft Berlin, 1873. Verlag von 
Mitscher u. Rostell. 8. 

Der Roch. Zur wissenschaft lichen Entscheidung einer heral- 
dischen Streitfrage von Dr. A. v. der Linde aus Haarlem. 

Monatshefte far Musik- Geschichte, herausgegeben 
von der Gesellschaft fiir Musikforschung. V. Jahrg. 
1873. Nr. 8. 9. Berlin. 8. 

Ein Liedercodex aus dem Anfange des 16. Jahrh. (Robert 
Eitner.) — Micrologus: Guidonis de disciplina artis musicae. In 
deutscher Uebersetzung von Raym. Schlecht. 

Geschichts-Blatter fiir Stadt und Land Magdeburg. 
Mittheilungen des Vereins fur Geschichte und Alterthums- 
kunde des Herzogthums und Erzstifts Magdeburg. 8. 
Jahrg. 1873. 3. Heft Magdeburg, 1873. Verlag der Schafer'chen 
Buchhandlung (A. Rudiger). 8. 

Die Franzosische und die Pfalzer Colonic in Magdeburg zu 
Anfang des 18. Jahrh. (Schlufs.) Vom Oberlehrer Dr. Gotze. — 
Das Sieversthor in der Alten Neustadt bei Magdeburg. Vom Ober- 
pred. Scheffer. — Dat blicken und kakwien. Beitrag zur Erkla- 
rung einer Stelle der Magdeburger Schoppenchronik. Vom Ober- 
lehrer Dr. Holstein. — Statuten und Vertrage der Pfannerschaft 



zu Salze. Vom Pastor Winter. — Die Bauwerke der deutschen Re- 
naissance in Magdeburg. Vom Oberlehrer Muller. — Zweiter 
Nachtrag zu der „Aelteren Geschichte der Buchdruckerkunst in 
Magdeburg 14 . Vom Oberlehrer Dr. Gotze. — Miscellen. 

Meklenburgisches Urkundenbuch herausgegeben Ton 
dem Verein fiir meklenburgische Geschichte und Alter- 
thumskunde. VHI. Band. 1329 — 1336. Schwerin, 1873. 4. 
2 Bll. u. 654 Stn. 

Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins. Im 
Auftrage des Vereins hrsg. von Dr. Wilh. Crecelius. Achter Band. 
Bonn, 1872. 8. 

Johann Wilhelm, Erbprinz und Pfalzgraf zu Neuburg, Regent 
der Herzogthumer Julich und Berg. 1679 — 90. Von Oberst E. t. 
Schaumburg. — Miscellen : Waldemene. Ackermasse. Von Fr. 
Woeste. — Ernrt Moriz Arndt und das Rh ein I an<L Von W. Cre- 
celius. — Die Herren von Hardenberg. Von dems. 

Organ fiir christliche Kunst, hrsg. u. redigirt von J. van 
Endert in Coin. Organ des christlichen Eunstvereins fur 
Deutschland. Nr. 17—19. Koln, 1873. XXHI. Jahrg. 4. 

Die Gothik jenseit des Oceans. — Bildnisse Maria aus der 
fruhchristlichen Kunstperiode. Mosaik. 

Zwolfter Bericht des antiquarisch-historischen Ver- 
eins fur Nahe und Hunsrucken, im Sommer 1873. Kreoz- 
nacn. 4. 

Die alteste St Martinskirche zu Kreuznach. (Major Schmidt.) 

Memoires et documents publies par la Societe d'hi- 
stoire de la Suisse romande. Tome XXVHI: Les dynastes 
de Mont soit des Monts seconde maison par M. L. de Charriere. 
Georges Bridel editeur. 1873. 8. 522 p. 

L'investigateur. Journal de la Societe des fitudes 
Historiques — ancien Institut Historique — . Trente-neuvieme 
Annee. Livraisons de Juillet — Aout — Septembre 1873. Paris, Er- 
nest Thorin. 1873. 8. 

Etudes sur les antiquites de la France, par M. Nigon de 
Berty. 

Annales du cercle archeologique du Pays de Waas. 
Tome cinquieme. Premiere Livraison. Decembre 1873. Sint-Ni- 
kolaas. 8. 

Verein sangelegenheiten. — Cimetiere Celto- ou Germano-Belge 
a Saint-Gilles, par le docteur J. Van Raemdonck. — Puits en bois 
de Pepoque Gallo-Romaine, decouverte au hameau Steendorp a 
Basele (avec trois planches), par le meme. — Toestand der kerk 
te Belcele, door deszelfs pastoor Pieter de Mey in 1641 beschre- 
ven, par le meme. — Belcele, deszelfs oudheid, naamoorsprong, 
grensbepaling, voormalig bestuur, wappenschild en zegel, fragment 
par F. Gerard, publie et annote par le docteur Van Raemdonck. 
— Keure, rechten, wetten ende liberteijten der stede, poorte ende 
vrijheijt van Rupelmonde, par le meme. 

Kroniek van het Historisoh Genootschap, ge ve- 
st igd te Utrecht Acht en twintigste Jaargang, 1872. Zesde 
Serie. Derde Deel. Utrecht, Kemink en Zoon. 1873. 8. 

(Von den zahlreichen Mittheilungen dieses Bandea konnen 
hier nur einige der allgemeiner interessierenden Erwahnung finden.) 

Het Geuzen Liedboek. Aanhangsel op de Kroniek van 1871 
bl. 219 en 518. — Redenen van de trefves jegens d'oorloge, ge- 



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369 



Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit. 



370 



ooncipieert in de Vergaderinge van de Staten Tan Hollandt. — 
Wederlegging van de redenen van de trefves, geconcipieert in de 
Vergaderinge van de Staeten van Hollandt door den Pensionairis 
van Amstelredamme. — Brief van Pr. Manrits aan de Provincien 
over het Bestand, 1608. — Considers tien van Prins Maurits an 
Graaf Maurits van Nassau op de redenen van de Ambassadeurs, 
1608. — Twee brieven van Prins Maurits over het Bestand. — 
fiemonstrantie door de Contra - Remonstranten ingediend bij de 
Staten van Utrecht. — Schrijven van de Erste twee Leder der 
Staten van Utrecht aan den Prins Stadhouder Fred. Hendr. over 
hun verschil met de Stad (1646). — Doleantien over misbruiken 
in de Regering van Friesland, 1627. 

JWerken van het Histor. Genootschap. — Nieuwe Serie Nr. 18. 
Onderzoek van 's Konings wege ingesteld omtrent de middel- 
burgsche beroerten van 1566 en 1567; naar 't oorspronkelijke 
hand8chrifb uitgegeven door Dr. J. Van Vloten. — N. S. Nr. 19. 
Brieven en onuitgegeven stukken van Johannes Wtenbogaert. Ver- 
aameld en met aanteekeningen uitgegeven door H. C. Rogge. 



Derde deel. Tweede afdeeling. 1628, 1629. Utrecht, Eemink en 
Zoon. 1873. 8. 

Foreningen til Norske Fortidsmindesmerkers Be- 
varing. Aarsberetning for 1871. Kristiania, 1872. 8. 

Reins Kloster af 0. Krefting. — Om Analdsdyngen ved Sten- 
kjaer af 0. Rygh. — Fund af romersk Mynt i Norge af den samme. 

Verhandlungen der gelehrten Estnischen Gesell- 
schaft zu Dorpat. Siebenter Band. — 3. u. 4. Heft. Dorpat, 
1873. 8. 

Ein Abschnitt aus dem arabischen Geographen Idrisi. (Mit 1 
litb. Tafel.) — Inhalts-Uebersicht zu Paul Hunfalvy's Reise in den 
Ostseelandern. Aus dem Ungar. ubersetzt. — Beit rage zur Quel- 
lenkunde Alt-Livlands. Von Dr. Konst. Hohlbaum. — Siebenzehn 
Capitel aus Bartholom&us Anglicus' Werke de proprietatibus rerum. 
— Bericht iiber die Graberaufdeckungen bei Stirniau im Herbst 
1872. Von Dr. Eduard Lehmann. — Ueber eine in Livland ent- 
deckte Runeninschrift. — Archivstudien zur livlandischen Ge- 
schichte von Richard Hausmann. I. Das dorptsche Rathsarchiv. 



Nachrichten. 



Literatur. 

Neu erschienene Werke. 



27) Blatter fur Kunstgewerbe, unter Mitwirkung bewahr- 
ter Fachmanner herausgegeben und redigirt von Valentin 
Teirich, etc. I. Band. Wien, Verlag von R. v. Waldheim. 
1872. gr. 4. 

28) Die Kunst im Gewerbe. Darstellung ausgefuhrter Ar- 
beiten, als : Mobel, Decorationen etc. nebst Original-Aufnah- 
men kunstgewerblicher Erzeugnisse aus der Bliithezeit dcs 
Mittelalters, herausgegeben vom Hannover'schen Architecten- 
und Ingenieur-Verein, redigirt von Edwin Oppler. I. Band. 
Hannover, Cohen u. Risch. 1372. 2. 

29) Das Eunsthandwerk. Sammlung mustergultiger kunst- 
gewerblicher Gegenstande aller Zeiten, herausgegeben von 
Br. Bucher u. A. Gnauth. Stuttgart, W. Spemann. 1874* 
gr. 2. 

Der Zusammenhang zwischen den historischen Studien auf 
dem Gebiete des Kunstgewerbes und, davon weitergehend , auf 
einer ganzen Reihe kulturgeschichtlicher Gebiete mit den Bestrebun- 
gen zur Hebung des modernen Kunstgewerbes ist langst erkannt, 
und wie die gelehrten Forschungen reiches Material zu Tage brach- 
ten, das fiir das Kunstgewerbe sich sehr forderlich erwies, so ha- 
ben die Kunstler, die oft ausschliefslich im Interesse der Belebung 
guten Geschmackes im Publikum, und um den Gewerben gute Vor- 
bilder zu bieten, arbeiteten, selbst ohne sonderliche Verehrang far 
historische Studien, doch auch diesen einen wesentlichen Vorschub 
geleistet, indem sie gute, richtige, verstandnifsvoll aufgefafste 
Zeichnungen publicierten, wie sie fur bios wissenschaftlicheZwecke 
vielleicht nie gemacht worden waren. 

Selbst die Bestrebungen, Neues im alten Stile zu schaffen, 
atehen der rein wissenschaftlichen Forschung nicht so feme, als es 



auf den ersten Blick erscheinen mochte, weil gewifs nur der Kflnst- 
ler wirklich Gediegenes in irgend einem bestimmten Stile wird 
componieren konnen, der durch ernstliches Studium des Entwick- 
Iungsganges die Bedeutung und den Werth der Formen hat er- 
kennen lernen, und so das Gesetz gefunden, nach welchem sich 
dieselben gebildet haben, und nach welchem sie wieder gebildet 
werden mussen, wenn sie den Geist des Stiles wiedergeben, wenn 
sie harmonisch sein sollen. Wenn talentvolle Kunstler mitunter 
glauben, ihrem Talente und Kunstgefuhle allein vertrauen zu kon- 
nen, so machen, wenn nicht sie selbst, doch andere die Erfahrung, 
daf8 das Talent allein, ohne Studium nicht ausreicht. Aber auch 
auf der anderen Seite ist fur die gelehrten Forscher auf diesem 
Gebiete kunstlerisches Gefuhl unerlafslich, weil es sich hier um 
eine Sprache handelt, deren Grammatik nicht so klar zu Tage liegt, 
wie die, welche uns das Verstandnifs der Schriftsteller ermoglicht, 
weil die Formensprache eine Grammatik hat, die oft nur dann ver- 
standen werden kann, wenn sie gefuhlt wird, und weil ohne Ver- 
standnifs der tiefstliegenden Feinheiten der Formensprache die 
richtige Wurdigung eines Gegenstandes , das Wichtigste fiir die 
historische Forschung, unmdglich ist. In eigenem Schaffen inner- 
halb eines Formenkreises liegt aber der Pnifstein, wie weit jemand 
in diesen Formenkreis bereits eingedrungen ist. Nur das selb- 
standige Sprechen einer solchen Formensprache im Leben zeigt, 
ob einer sie vol Is tan dig innehat. 

Bei diesem Ineinandergreifen sind fur den kunst- und kultur- 
geschichtlichen Forscher auch alle literarischen Erscheinungen von 
Wichtigkeit, die sich ausschliefslich an das Gewerbe wenden. Die 
unter Baumer und Schnorr's Redaktion erscheinende „Gewerbe- 
halle u hat daher seit Jahren nicht bios den Kunstler und Gewerbe- 
treibenden befriedigt, sie hat der gelehrten, Forschung vie] Mate- 
rial zugefuhrt, sie hat aber auch den Sinn fiir die Kunst der Vor- 
zeit im Publikum und den Kunst- und Gewerbekreisen aufs dan- 
kenswertheste gemehrt. Stegmann's „Kunst und Gewerbe" hat in 



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371 



Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



372 



manchem Aufsatze Fingerzeige fur die Forschung gegeben, in man- 
cher Abbildung ihr Stoff zugeftthrt. Wie weitgehend der Sinn in 
dieser Richtung geweckt ist, ergibt sich daraus, dafs fast gleich- 
zeitig drei nene Zeitschriften, die wir in der Ueberschrift genannt 
haben, aufgetancht sind. 

Die erste, Teirich's Blatter far Kunstgewerbe, schliefst bald 
ihren zweiten Jahresband. Neben guten Aufsatzen, die theilweise 
geradezn bestimmt sind, den historischen Studien Eingang in die 
kunstgewerblichen Kreise zu schaffen, bringt sie viele treffliche 
Zeichnungen, sowohl neue Compositionen , als Abbildungen alter 
Werke. Es ist vorzugsweise das Gebiet der italieniscben, theil- 
weise auch der deutschen Renaissance auf dem sich die Mittheilun- 
gen bewegen. Doch ist auch das Mittelalter nicht ganz leer aus- 
gegangen. Es ist im Allgemeinen der Standpunkt, den das Kunst- 
gewerbe in Wien einnimmt, und auf dem es unter Fuhrung be- 
gabter Kiinstler neuerdings so grofse Anerkennung erworben. 

Wenn in Wien vorzugsweise die italienische Renaissance ihre 
Triumphe feiert, so ist Hannover der Ort, wo, in Deutschland we- 
nigstens, die Gothik am tiefsten in das Leben eingedrungen ist 
Dieselben Kunstler , als deren begabtester einer Ed. Oppler anzu- 
sehen ist, welche der Gothik den Weg bereitet, haben auch fur die 
von ihm redigierte Zeitschrift Beitrage geliefert ; und so ist es 
die Gothik, die in alten und neuon Mustern vorzugsweise vertre- 
ten ist; neben ihr die deutsche Renaissance. 

Von dem dritten Werke liegen nur wenige Blatter erst vor ; sie 
deuten aber vorzugsweise darauf hin, dafs die alte Zeit mehr, als 
in beiden vorgenannten Zeitchriften, wo neue Compositionen iiber- 
wiegen, vertreten sein soil ; und so sind manche, seither noch nicht 
veroffentlichte, treffliche Werke des 16. und 17. Jhdts. in muster- 
giltigen Zeichnungen zur Darstellung gelangt, und besonders fiir 
die wis8enschaftliche Forschung lafst sich wol eine reiche Ernte 
an neuem Jftaterialzuwachs voraussehen. Da dies der Standpunkt 
unserer Zeitschrift ist, so konnen wir das neueste Unternehmen 
nicht warm genug begriifsen. Wenn aber leider noch in kunst- 
gewerblichen Kreisen da und dort eine gewisse Furcht herrscht, 
als ob durch zu strenge Wissenschaftlichkeit, durch zu archaolo- 
gische Haltung der Geist und die kunstlerische Frische der Scho- 
pfung erdriickt, oder mindestens beengt werde; wenn man Besorg- 
nifs hegt, der peist unserer Zeit habe nicht Spielraum genug: so 
mufs gerade die gegenwartige Zeitschrift dies Vorurtheil aufs si- 
cherste und wirksamste bekampfen, und sie wird gewifs den Bund 
befestigen den das „K6nnen" und das w Wissen", Kunst und Wis- 
senschaft, geschlossen haben. A. E. 

30) Musterbuch fur Zeichner, Lithographen, Gra- 
veure und Kunst-Gewerbe etc. gesammelt und auto- 
graphirt von Max Bach. Carlsruhe, Verlag von J. Veith. 2. 

„Wer Vielee bringt, wird Manchem etwas bringen;" dieser 
Spruch miifste dem oben angezeigten Werke, dessen I. Abtheilung 
(36 Blatt, in 6 Lieferungen erschienen) vor uns liegt, als Motto 
dienen. Es hat sich die Aufgabe gestellt, alte Muster nicht bios, 
wie das n Kunsthandwerk" thun wird, in die oberen Schichten 
derer zu bringen, die dem Kunstgewerbe ihre Aufmerk9amkeit 
schenken, sondern in die untem, denen es durch seine einfache 
Behandlung und den billigen Preis naher steht, als die eben be- 
sprochene, splendid ausgestattete Zeitschrift. Obwohl das Werk 
sich nicht als Zeitschrift einfuhrt, so ist es doch derselben gleich- 



zustellen, da es in zwanglosen Heften erscheint und die verschie- 
denartigsten, mehr oder minder guten und passenden alten Muster 
nachbildet. A. E. 

31) Die alteste Geschichte der Baiern bis zum Jahre 
911. Von Dr. E. A. Quitzmann, k. Oberstabs-Arzte, 
Mitglied des historischen Vereins fiir Oberbaiern etc Mit 
einer Geschichtskarte und einer Stammtafel der Agilul finger. 
Braunschweig, Verlag von Friedrich Wreden. 1873. 8. 
VHI u. 400 Stn. 

Der Verfasser der vorliegenden Schrift hat sich seit einer 
langeren Reihe von Jahren, mit Studien iiber die alteste Geschichte 
des bayerischen Stammes beschaftigt und sich auf diesem Gebiet 
durch mehrere Schriften (Abstammung der Baiwaren, Heidniache Re- 
ligion derBaiwaren, Aelteste Rechtsverfassung der Baiwaren) einen 
geachteten Namen erworben. Aufs beste vorbereitet gieng er also 
an die Losung der schwierigen Aufgabe, die bayerische Geschichte 
in ihren Anfangen und ihrer fruhesten Entwickelung nach alien 
Seiten zu behandeln. Dies geschah theils auf dem Wege eingehen- 
dcr Quell enforschung , theils durch Herbeiziehung der alteren und 
neueren Literatur, welche einer gewissenhaften und theilweise 
scharfen Eritik unterworfen wurde. Es wird uns demgemafs nicht 
eine kalte Zusammenfugung festgestellter Resultate geboten , son- 
dern wir konnen deren Entwickelung folgen und gewinnen einen 
Einblick in den zur Verwendung herbeigezogenen Apparai. 

Da die Baiern (Baiuuari, Paiwari, Baivarii , spater durch Um- 
laut Baiowarii, Bajuvarii, endlich Bavarii; althochdeutsch Paigira, 
mittelhochdeutsch Beigern) nicht eingeboren in ihren gegenwartigen 
Wohnsitzen sind, sondern eingewandert , so mufste naturlich nach 
deren urspriinglicher Heimat zunachst geforscht werden. Per 
Verfasser beginnt mit einer Widerlegung der Ansicht, data die 
Baiern in verwandtschaftlicher Beziehung zu den Kelten gestanden, 
und betont, dafs sich in den monumentalen Ueberresten der kelto- 
romanischen Periode in Vindelikien, Norikum und Ration auch 
nicht die geringsten Beziehungen zu den al test en Traditionen der 
Baiern fanden. Dann wird die „Bojerfabel a in ihrer Unhaltbarkeit 
dargethan und besonders die Sucht nach etymologischen Namens- 
verwandtschaften gegeiselt. Hierauf wird in dem Abschnitt „That- 
8achlicher Beweis fur die Abstammung der Baiern" gezeigt, dais 
die Baiwaren hochst wahrscheinlich zu den Donausueven in der 
Gegend der March, Waag und Gran gehoren. Hierauf weisen Tra- 
dition und Kult, Rechtsverfassung und Sprache mit grofser Klarheit 
hin, wie in uberzeugender Weise ausgefflhrt wird. Auch der vielfach 
zur Annahme gekommenen „Zeufsischen Hypothese", nach welcher 
die Markomannen als muthmafsliche Stammvater der Baiern gelten, 
wird ein besonderer Abschnitt gewidmet, der den Nachweis liefert, 
dafs das Baias des Anonymus von Ravenna, auf welches Zeufs seine 
Muthmsfsung stfltzte, im ostlichen Karpathenlande zu suchen ist, 
in welchem sich ein Volk von suevisch-herminonischem Stamme 
findet, dessen Entstehungsgeschichte uns durch unverwerfliche, 
gleichzeitige Zeugnisse so sicber dargelegt wird, wie die keines 
anderen deutschen Volkes. 

Die alteste Geschichte dieses Volkes durchwandert nun der 
Verfasser von Jahrhundert zu Jahrhundert bis in das sechste und 
roacht dann den „Zusammenhang der Baiwaras mit den Baiern 
zum Gegenstand der Untersuchung. Hier begegnen wir einer An- 
zahl interessanter Themata: Abstammung der Baiern von Gothen 



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Anzeiger fur Kunde der deutschen Vorzeit 



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and Langobarden. Die Urheimat der Baiern. Die Volksmehrang. 
Baiwarenreste im Karpatenlande. Gleichung in der Staats- und 
Rechtsverfa88ung. Die Suevi im obern Donaulande. Der Volks- 
name. 

Die zweite Hauptabtheilung enthalt: 1) die baierische Wander- 
sage, 2) die ersten Agilulfinger , 3) Geschichte der christ lichen Mis- 
sion in Baiwarien unter Herzog Theodo I. und seinen Sohnen: 
Thundebert, Grimwald, Theudebald und Tassilo II., 4) die letzten 
Agilulfinger, in deren Periode das grofse Ereignifs der Organisa- 
tion der baierischen Kirche fallt. 

Die dritte Hauptabtheilung behandelt Baiern unter den Karo- 
lingern. Dann folgt ein Schlufskapitel, das Register und ein Ver- 
zeichnifs der Abkiirzungen. Endlich ist ein Kartchen , das die 
Volker an der mittleren Donau v. J. 454—506 enthalt, hinzuge- 
ffigt. C. W. 



Auf8&Ue in ZeiUchriften. 
Das Ausland: Nr. 42. Der neueste Versuch uber die Einheit des 

Ursprungs der menschlichen Sprachen. 2. — Nr. 45. Etymolo- 

gien des Volks. (R. Kleinpaul.) 
Nordhauser Courier: Nr. 289. Das Hunengrab bei Uthleben. 
Daheim: Nr. 5. Deutsthe Kaiserstatten. 2. Sachsenzeit. (0. Schwe- 

bel.) — Die Krypta in der Schlofskirche zu Quedlinburg. (P. 

Graeb jun.) — Nr. 7. Luther und sein Freund Johann Walther. 
Die Grenzboten: Nr. 44. Die Malertechnik und Kunstubung 

alter Meister. 2. (Max Allihn.) — Nr. 47. Im Kampfe gegen 

Frankreich 1792-93 (C. A. H. Burkhardt.) 
Im neu en Reich: Nr. 46. Aus deutschen Memoiren des 16. Jahrh. 

(J. Schmolke.) — Nr. 48; Die Studien uber Preisgeschichte in 

Oesterreich. (A. Horawitz.) 
Der Katholik: Oct. Bilder aus dem Zeitaltor der Reformation. 
Korresp. v. u. f. D.: Nr. 597 f. Der Aufruhr von 1348/49 in 

Niirnberg. 
Die Literatur: Nr. 15. Ueber die Entwickelung der Sprachen. 

(Frz. Jager.) — Hutten's letzte Tage. (P. Wislicenus.) 
Augsb. Postzeitung: Beil. Nr. 81 ff. Das grofse elegische Ge- 

dicht Urania Victrix von Jakob Balde. Uebersetzt von Pfar- 

rer Dr. J. Zinsler. 
Nfirnberger Presse: Nr. 324. Philippine Welser. (J. M. Frhr. 

v. Welser.) 
Deutsches Protestantenblatt: Nr. 44. Das Heidenthum in 

der urchristlichen Kunst. (Holtzmann.) 
Sonntagsblatt (v. Fr. Duncker): Nr. 43. Das nordische Museum 

in Kopenhagen. (J. Grunde - Vierling.) — Nr. 44. Aus zwei- 

hundertjahrigen Stammbuchern. 
Siebenbiirg.-deutsches Wochenblatt: Nr. 44 ff. Eine Vor- 

stellung der sachsischen Nation an weiland Kaiser Joseph It. 
Allgem. Zeitung: Beil. Nr. 297 f. Schlofs Hohenaschau. 1. (Fr. 

TrautmaDn.) — Nr. 312. Das Strarsburger Archiv. (C. Hegel.) 
Illustr. Zeitung: Nr. 1585. Das Lutherhaus mit der Luther- 

stube in Wittenberg. 
Leipz. Zeitung: Wissensch. Beil. Nr. 88. Entwickelung Leip- 
zig's und seines Handels mit Hinblick auf die Buchdrucker- 

kuTist und den Buchhandel. Nach urkundlichen Quellen mit- 

getheilt. (0. Moser.) 



Vermischte Naehrichten. 

83) Die Angelegenheit des Liineburger Silberschatzes, 
uber welche wir in Nr. 9 dieses Blattes (Vermischte Nachrichten 
Nr. 72) eine so unerfreuliche Mittheilung zu geben hatten, ist nun 
glQcklicher Weise in ein besseres Stadium getreten, indem die Ge- 
fahr beseitigt ist, diese Kostbarkeiten vereinzelt und in Privatbe- 
sitz oder in das Ausland wandern zu sehen. Die offentliche Mei- 
nung hatte sich so deutlich ausgesprochen, dafs die stadtischen Be- 
horden von einer Versteigerung, die schon anberaumt war, absehen 
mufsten und mit der kgl. preufs. Regieruug uber den Gesammt- 
verkauf in Unterhandlung traten. So wurde der Schatz vorbehalt- 
lich der Zustimmung des Landtages um 220,000 Thlr. for das 
Berliner Gewerbemuseum angekauft. Wenn wir in unserer Mit- 
theilung vom September glaubten annehmen zu miissen, dafs unter 
den Gebildeten Liineburgs nicht einmal viele seien, die an der 
Erhaltung des Schatzes fiir die Stadt selbst ein Intereese hatten, 
so belehrt uns nun in der That eine Eingabe an das Abgeordneten- 
haus eines Bessern, aus welcher wir ersehen, dafs, als der Magis- 
trat wunschte, die Burgerschaft moge sich aussprechen, 800 Stim- 
men fiir Erhaltung des Schatzes und nur 300 fiir den Verkauf sich 
ergaben, und dafs auch jetzt noch diese das Abgeordnetenhaus 
ersuchen, die Genehmigung zu versagen, damit der Stadt ihr Be- 
sitz gewahrt werde, deren Einwohner in der Mehrzahl gerne ge- 
neigt sind, die finanziellen Opfer zu bringen, wegen deren der 
Schatz verkauft werden sollte. 

Wir glauben davon hier anerkennende Notiz nehmen zu sol- 
len, und wiinschen solcher Opferwilligkeit umsomehr gunstigen Er- 
folg, als ja die historische Bedeutung der Gegenstande vor Al- 
lem gewahrt wird, wenn sie am Ort ihrer urspriinglichen Bestim- 
mung bleiben. 

Nach einer Richtung freilich fehlt uns an jenem Ort die Ga- 
rantie, ob nicht die nachste Generation sie wieder in Gefahr brin- 
gen wird, und nur durch ein Gesetz, welches solch moralisches 
Eigenthum der Gesammtnation gegen ihre augenblicklichen juridi- 
8chen Eigenthumer sichert, wurden wir ganzlich beruhigt sein. 

84) Es ist in diesen Blattern dem Fortschritte der Restau- 
rationsarbeiten am Mainzer Dome stets Aufmerksamkeit ge- 
schenkt worden ; so mogen also auch uber diese Thatigkeit im 
Jahre 1873 einige Notizen hier gegeben werden. Zunachst mufs 
die Bemerkung vorangehen, dafs im Dombaumeisteramte eine Aen- 
derung stattgefunden hat, indem Wessiken seine Stelle nieder- 
legte und der hollandische Architekt Cuypers in dieselbe eintrat. 
Er wendete zunachst den schweren Schaden der Vierungsmauer 
und der Wande des Ostchores, sowie dem Baue der Krypta seine 
Aufmerksamkeit zu und gieng sodann an den technisch schwierig- 
sten, bei dem angenommenen Projekte wichtigsten Theil der Re- 
stauration, an die Auswechslung des Triumphbogens und Beseitignng 
des im 15. Jhrh. als Stiitze fur den damals schon gefahrdrohenden 
Bogen eingesetzten Mittelpfeilers. Mit Schlufs des Baujahres war 
die Halfte der Erneuerung des Thriumphbogens und der denselben 
verstarkenden Theile beendet. Im kommenden soil diese Arbeit 
fertig werden und sodann der'Wiederaufbau'der abgetragenen Ost- 
kuppel beginnen, fur die der neue Dombaumeister ein Projekt 
nebst begleitenden Ueberschlagen und Erlauterungsbericht dem 
Domkapitel in Vorlage gebracht hat. 

85) Wahrend der Pavilion des Forsten Schwarzenberg auf 



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Anzeiger fiir Kunde der deutschen Vorzeit. 



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dem Weltausstellungsplatze dem Publikum die schwarzenbergische 
Gegenwart vor Augen fiihrte, gewahrte die gleichzeitig im fiirstL 
Sommerpalaste am Rennweg veranstaltete Ausstellung von Ar- 
ch iva lien aus dem Wiener Centralarchive und aua den furstl. Ar- 
cbiven zu Schwarzenberg in Bayern und zu Murau in Steiermark 
einen Einblick in die scbwarzenbergische Vergangenbeit. Hier 
wurde durch die zweckmafsige Aufstellung einer Reihe von Ur- 
kunden, Correspondenzen, Hands chrift en, Stammbaumen, Wappen, 
Bildern, Munzen (von den Scbwarzenbergen gepragt) und Medail- 
len das Werden des Furstenhauses von den altesten Zeiten bis 
auf die Gegenwart und zugleich der Einflufs, den die Mitglieder 
desselben auf die Zcitereignisse ausubten, veranschaulicht. So ent- 
rollte sich bier z. B. ein Bild iiber das tbatenreicbe Leben und 
Wirken des so beruhmten Freiherrn Jobann II. zu Schwarzenberg 
(f 1528). Seine Wirksamkeit als Jurist charakterisierte der unter 
seiner Mitwirkung verfafste und bier ausgestellte Entwurf der 
Carolina, seine Beziehungen zur Reformation das von ihm mit 
eigenhandigen Correcturen versehene Manuscript der Bekenntnifs- 
schrift des ansbacbischen Pfarrers Johann Rurer. Durch die Ori- 
ginal haDdschri ft seines religios - didaktischen Gedichtes „Kummer- 
trost" und durch die gedruckten Ausgaben seiner Uebersetzungen 
der Schriften Ciceros wurde er uns als Dichter und Schriftsteller 
vorgefiihrt, als welcher vor allem auf die Hebung des sittlichen 
Bewufstseins im Volke binzu wirken suchte. Die Briefe, die er 
wahrend des Bauernkrieges an seinen Sohn Friedrich schrieb, 
liefsen ihn uns als einen gerechten und edlen Vater seiner Unter* 
thanen erkennen. Bei der reichen Fiille des hier auege9tellten 
archivalischen Materials mufsten wir es uns versagen, naher in's 
Detail einzugehen. Wir wollen nur noch bemerken, dafs neben 
anderen palaographischen und historischen Merkwurdigkeiten der 
obengenannten Archive auch eine illustrierte Handschrift der wiir- 
tembergischen Reimchronik des Jacob Frischlin aus dem Ende des 
16. Jahrhunderts, eine aus demselben Jahrhundert stammende 
werthvolle handschriftliche Geschichte Karl's V. und Philipp's II. 
(beide aus der Handschriftensammlung des Centralarchives) und die 
alteste, dem Jahre 1152 angehdrige, Urkunde des Murauer Archi- 
ves, die zugleich die alteste Urkunde aller 46 fiirstlich schwarzen- 
bergischen Archive ist, ausgestellt waren. Die letztgenannte Ur- 
kunde ist ein Bestatiguugsbrief der Schenkungen der Grafin Emma 
in Babindorf an das Cistercienserkloster Sittich in Krain durch 
den Patriarchen Peregrin von Aquileja. Die instructive und ge- 
schmack voile Inscenesetzung dieser Ausstellung, welche im Auf- 
trage des regierenden Fursten vom furstl. Centralarchivar Herrn 



Adolf Berger veranstaltet worden war, fand allseitige Anerken- 
nung. Dieselbe bildete in intensiver Hinsicht ein wurdiges Seiten- 
stuck zUr historischen Ausstellung der Stadt Wien. Denjenigen, 
welcher sich fiber die furstl. schwarzenbergischen Archive naher 
belehren will, verweisen wir auf das im beurigen Jahre vom furstl. 
Centralarchive herausgegebene Buch: „Die Archive des furstl. Hau- 
ses Schwarzenberg a. L., Beitrage zur Geschichte und Statistik 
derselben". 

Schwarzenberg. A. Morath. 

86) Im Dorfe Retzney bei Ehrenhausen wird gegenwar- 
tig eine romische Villa ausgegraben, welche vor 1600 Jahren 
hier gestanden. In der Lange von 50 Metern zeigten sich Mauer- 
zQge in gerader und gebogener Linie, grofsere und kleinere Ge- 
macher, Wasserleitungen, Steinstufen, Bau-, Deck- und Warme- 
leitziegel, Brucbstucke von Thongefafsen und Glasern, Mosaikboden, 
insbesondere eine erhebliche Masse von Wandmalereien, welche 
durch ihr intensives Roth, Braun, Gelb, Blau, Grau mit mancher- 
lei Liniierungen, Bogen, Arabesken lebhafb an die pompejanischen 
Fresco - Farbwande erinnern. Eine Reihe dieser Wand- und Pila- 
sterstflcke, Thongerathe (darunter eines mit dem Namen Firmia- 
nus), Bronzeschiisseln u. s. f. und eine Munze des Kaisers Aure- 
lianus, welche das Alter dieser Ruine bestimmen hilft, sind im 
Antiken-Kabinet des Joanneums zur allgemeinen Besichtigung aus- 
gestellt. Angeregt von dem Interesse dieses seit Jahrzehnden 
wich tigs ten antiken Baufundes im Umkreise der alten Romerstadt 
Flavium Solvense (Leibnitz), hat Graf Merane eine Summe fur den 
Ausgrabungsfonds znr Verfiigung gestellt, und die k. k. Central- 
kommission in Wien mit Z usage eines Beitrags den Leiter der 
Ausgrabungsarbeiten, Prof. Dr. Friedrich Pic hier, aufgefordari, 
die Theilnahme fur dieses baugeschichtliche Unternehmen im Lande 
zu erwecken. (D. Kunst-Ztg.) 

87) In der Sitzung der philosophisch- historischen Clafse der 
k. Akademie der Wissenschaften in Wien, vom 19. Novbr. d. J n 
legte Prof. Mussana eine Untersuchung unter dem Titel: „Zur 
Katharinenlegende I." vor, worin derselbe, anschliefsend an 
ein Leben der heil. Katharina in paarweise reimenden Alexandria 
nern, in einer Handschrift der Marcusbibliothek zu Venedig ent- 
halten, die sprachliche Seite dieses, besonders fur die Forschung 
alterer italienischer Mundarten interessanten Denkmals eingehend 
beleuchtete, wahrend er die literarhistorische Betrachtung der-Le- 
gende selbst fur eine spatere Abhandlung sich vorbehielt. 

(Anzeiger d. k. Akad. d. W.) 



Da mit dieser Nummer der Jahrgang 1873 des Anzeigers geschlossen ist, so wird die giitige Bestellung der 
Fortsetzung desselben hiedurch in Erinnerung gebracht. Halbjahriges Abonnement wird nicht angenommen. 

Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann. Dr. A. v. Eye. 
Verlag der literariscb-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nttrnberg. 



Gedrockt bei U. E. Sebald in NUrnberg. 



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